Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertzweiundzwanzigsten Tag
nach Kriegsbeginn
Schwere Explosionen erschüttern Bagdad. Autobomben-Anschlag vor
dem Roten Kreuz +++ USA: Haben Dauer der intensiven Kämpfe im Irak
unterschätzt +++ Syrien: Machtlos gegen Einsickern von Radikalen
nach Irak +++ Powell erwartet von Berlin, Paris und Moskau mehr Einsatz
für Irak +++ Zeitung - Deutschland plant Schuldenhilfe für
Irak. Insgesamt hat der Irak 120 Milliarden Dollar Schulden im Ausland
+++ Protestkundgebungen in den USA unter dem Motto: 'Bringt unsere
Truppen heim'
Mo.27.10.03 - Im Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Montagmorgen
mehrere Anschläge verübt worden. Vor dem Gebäude des
Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) explodierte eine
Autobombe, wie die irakische Polizei mitteilte. Dabei kam der Fahrer
und möglicherweise ein Passant ums Leben, wie Polizeisprecher
Sultan Mohammed sagte. Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes sagte,
vermutlich seien auch im Gebäude einige Menschen getötet oder
verletzt worden.
Nach der ersten Explosion waren drei weitere Detonationen in der Stadt
zu hören. Nach Augenzeugenberichten explodierte eine weitere Bombe
im Bezirk el Chadra, wo die Hilfsorganisation CARE ihr Hauptquartier
hat. Zudem gab es Berichte über eine Detonation im Bezirk el
Schaab.
Irakische Sicherheitskräfte und US-Soldaten riegelten das Areal um
den Sitz des Roten Kreuzes nahe der Andalus-Straße ab. Reporter
beobachteten Schäden an dem Gebäude, das Ausmaß war
jedoch zunächst nicht zu beurteilen. Der Zigarettenverkäufer
Ghani Kadim sagte: "Ich sah ein Rettungswagen die Straße zum
Gebäude des Roten Kreuzes herunter fahren. Als der Wagen durch die
Pforte zu dem Komplex fuhr, explodierte er."
Andere Augenzeugen berichteten, dass zwei Autos in Flammen
stünden. Löschfahrzeuge und Rettungswagen eilten zum
Anschlagsort, Militärhubschrauber stiegen auf. Über Tote oder
Verletzte lagen zunächst keine Angaben vor. «Wir wissen von
einer Explosion nahe des Gebäudes des Roten Kreuzes», sagte
ein US-Sprecher.
Erst am Sonntag war das Hotel El Raschid in Bagdad von mehreren Raketen
getroffen worden. Dabei waren ein US-Soldat getötet und 18 weitere
Menschen verletzt worden, wie die Streitkräfte bekannt gaben. In
dem Hotel hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlages auch der
stellvertretende US-Verteidigungsministers Paul Wolfowitz auf. Er blieb
jedoch unverletzt.
Der Raketenangriff auf das Hotel "Raschid" war nach Angaben der
US-Armee lange vorbereitet. Für diesen Anschlag seien "ein oder
zwei Monate" Vorbereitung nötig gewesen, sagte US-Brigadegeneral
Martin Dempsey am Sonntag vor Journalisten in Bagdad. Die Angreifer
hätten das Gebäude wiederholt erkunden und überwachen
müssen. Zwar habe sich der stellvertretende
US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz zur Tatzeit im Hotel
aufgehalten. Aber der Anschlag habe nicht ihm gegolten, "denn sein
Zeitplan war gewiss nicht bekannt."
Die USA haben nach dem Anschlag eingeräumt, die Dauer der
intensiven Kämpfe im Irak unterschätzt zu haben.
"Wir hatten nicht erwartet, dass es wirklich so lange so intensiv sein
würde", sagte US-Außenminister Colin Powell am Sonntag dem
Fernsehsender NBC. "Wir haben einen Zustand der Aufruhr, bei der die
Leute zuschlagen und dann weglaufen und die Sicherheitslage sehr viel
schwieriger ist."
Der am Samstag in der irakischen Stadt Tikrit abgestürzte
US-Kampfhubschrauber ist nach US-Militärangaben abgeschossen
worden.
Ein Sprecher der vierten Infanterie-Division sagte Reuters am Sonntag
in Tikrit, der Hubschrauber vom Typ "Black Hawk" sei von einer Granate
mit Raketenantrieb getroffen worden. Bei dem Absturz über einem
Feld war eines der fünf Besatzungsmitglieder verletzt worden.
Der Angriff fand nur wenige Stunden nach der Abreise des
stellvertretenden US-Verteidigungsministers Paul Wolfowitz statt.
Wolfowitz, der Soldaten im Irak besucht hatte, hatte den
Stützpunkt in Tikrit mit einem Hubschrauber verlassen. In der
Region um die Heimatstadt des entmachteten irakischen Präsidenten
Saddam Hussein rund 175 Kilometer nördlich von Bagdad ist der
Widerstand gegen die US-Besatzung besonders groß. Immer wieder
werden dort US-Soldaten angegriffen.
Seit dem von US-Präsident George W. Bush am 1. Mai ausgerufenen
Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak sind mehr als 100 US-Soldaten bei
Anschlägen getötet worden.
Syrien ist nach eigenen Angaben nicht in der Lage zu verhindern,
dass radikale Moslems von seinem Gebiet aus in den Irak eindringen.
"Wir tun alles, was wir können", sagte Iraks Außenminister
Faruk el Schara der britischen Zeitung "Sunday Telegraph". Syriens
Grenze sei jedoch lang und könne nicht ganz überwacht werden.
Zu den US-Vorwürfen, sein Land gehe bewusst nicht gegen die
Radikalen vor, sagte Schara: "Wenn die reiche Supermacht Amerika nicht
verhindern kann, dass Mexikaner in die USA eindringen, wie kann man
erwarten, dass wir als armes Land Palästinenser aus dem Irak
halten können?"
Die USA machen unter anderem radikale Moslems für die fast
täglichen Anschläge auf US-Soldaten im Irak verantwortlich.
Die USA haben Syrien vorgeworfen, den Terrorismus zu unterstützen.
Im US-Kongress werden zurzeit Gesetzentwürfe beraten, die zur
Verhängung von Sanktionen führen könnten. Syrien hat die
Vorwürfe zurückgewiesen.
Zehntausende Menschen aus rund 140 US-Städten haben am Samstag in
Washington gegen die andauernde US-Besatzung im Irak demonstriert. Es
war die größte Protestaktion gegen den Kurs der
US-Regierung, seit Präsident George W. Bush Anfang Mai das Ende
der Hauptkampfhandlungen im Irak erklärt hatte.
Über die Teilnehmerzahl gab es stark unterschiedliche Angaben: Die
Veranstalter der Demonstration - Friedensgruppen und
Bürgerrechtsorganisationen - sprachen von bis zu 100 000 Menschen,
während Schätzungen von Polizei und Medien zwischen 20 000
und 30 000 schwankten. Auch in San Francisco im US-Bundesstaat
Kalifornien gingen Tausende Menschen auf die Straße. Beide
Kundgebungen standen unter dem Motto: "Bringt unsere Truppen heim".
Die Demonstranten in Washington waren mit Bussen angereist und
marschierten am Nachmittag um das Weiße Haus. Auch
Angehörige von US- Soldaten, die beim Einsatz im Irak ums Leben
gekommen waren oder dort zurzeit stationiert sind, nahmen teil. "Wir
müssen es Präsident George W. Bush klar machen, dass im Irak
unsere Kinder getötet werden", sagte der Vater eines von einer
Mine zerrissenen Marineinfanteristen.
Ein Sprecher der Veranstalter erklärte, die steigende Zahl der
toten US-Soldaten im Irak habe die Friedensbewegung nach Monate langem
Stillhalten dazu bewogen, auf die Straße zu gehen und zu sagen:
"Dies muss sofort ein Ende haben.» Zahlreiche Demonstranten
trugen Plakate mit Aufschriften wie "Bush ist ein Lügner - keine
Massenvernichtungswaffen im Irak" und "Jobs statt Krieg".
Die Polizei hatte sich mit einem Großaufgebot an Beamten auf die
Demonstration vorbereitet. Es kam jedoch zu keinen Zwischenfällen.
US-Außenminister Colin Powell hat derweil die Irak-Kriegsgegner
Deutschland, Frankreich und Russland aufgefordert, sich beim
Wiederaufbau in Irak künftig großzügiger zu zeigen. Die
drei Staaten hätten sich entschlossen, bei der Irak-Geberkonferenz
in Madrid keine über eine "minimale Unterstützung
hinausgehenden Gelder" freizugeben, sagte Powell am Sonntag dem
US-Fernsehsender NBC. Angesichts "des Erfolges" der Madrider Konferenz
und der Bedürfnisse der Iraker erwarte er, dass die drei Staaten
künftig "zu einem Beitrag eher geneigt" sein würden als
bislang.
Nach der Kritik an seinem Beitrag zum irakischen Wiederaufbau plant
Deutschland einem Zeitungsbericht zufolge nun, dem Land bei seinen
Auslandsschulden zu helfen.
Sobald eine neue irakische Autorität im Amt sei, könne
Deutschland als Teil der im Pariser Club zusammengeschlossenen
Gläubiger des Iraks durchaus Hilfe leisten, berichtete des
"Handelsblatt" am Montag unter Berufung auf Regierungskreise.
Frankreich habe bereits positiv auf eine entsprechende deutsche
Initiative reagiert. Dabei sei ein Schuldenmoratorium für die
Jahre 2004 bis 2007 im Gespräch. Bei einer schlechten
wirtschaftlichen Entwicklung des Iraks sei aber auch ein
Forderungsverzicht nicht ausgeschlossen. Die Regierung prüfe auch,
befristete Hermes-Garantien für deutsche Ausfuhren in den Irak zu
geben, um die Chancen deutscher Firmen beim Wiederaufbau zu verbessern.
Der Irak schuldet Deutschland den Angaben zufolge 4,4 Milliarden Euro,
Frankreich 5,8 Milliarden Euro und Russland rund 16 Milliarden Euro.
Insgesamt hat der Irak nach Angaben des Internationalen
Währungsfonds (IWF) 120 Milliarden Dollar Schulden im Ausland,
davon entfallen etwa 62 Milliarden auf Schulden an Länder, die
nicht zum Pariser Club der Gläubigernationen gehören. Die in
dem Club zusammengeschlossenen Industrieländer haben bereits
zugestimmt, eine Umstrukturierung der irakischen Schulden zu
prüfen.
Deutschland und Frankreich waren Gegner des Irak-Kriegs und
drängen auf eine baldige Übergabe der Autorität im Land
von der US-geführten Zivilverwaltung auf eine irakische Regierung.
(Quelle: ap, rtr, dpa, afp)
US-Kongress wirft Weißem Haus Blockade von Terror-Ermittlungen vor
Regierung enthalte der parlamentarischen Untersuchungskommission
wichtige Dokumente vor +++ Republikaner und Demokraten kritisieren
Verhalten der Bush-Administration
Mo.27.10.03 - Mitglieder des US-Kongresses werfen dem Weißen Haus vor,
Ermittlungen zu den Terroranschlägen vom 11. September zu
blockieren. Die Regierung enthalte der unabhängigen
Untersuchungskommission wichtige Dokumente vor, sagte der demokratische
Senator Joseph Lieberman am Sonntag. "Wenn sie sich weiter weigert,
werde ich die Kommission drängen, die Regierung vor Gericht zu
bringen."
Der parlamentarischen Kommission gehören Demokraten und
Republikaner an. Bis zum 27. Mai soll sie einen Bericht vorlegen, der
Empfehlungen für eine ganze Reihe von sensiblen Themen geben soll:
Neben der Polizei- und Geheimdienstarbeit geht es um Einwanderung,
Diplomatie, um den kommerziellen Flugverkehr sowie die Finanzierung des
Terrorismus.
Lieberman, der sich um die Präsidentschaftskandidatur bewirbt,
vermutet, die Regierung verfolge eine Verzögerungstaktik. Sie
wolle die Dokumente so lange zurückhalten, bis es für die
Kommission zu spät sei. "Wenn das Weiße Haus versucht, die
Zeit ablaufen zu lassen, werden (der republikanische Senator) John
McCain und ich beantragen, die Arbeit der Kommission zu
verlängern."
Kritik am Verhalten der Regierung kommt auch von den Republikanern.
Senator Chuck Hagel sagte dem US-Sender NBC, es sei im Interesse des
Weißen Hauses, der Kommission alle Unterlagen zukommen zu lassen,
die sei fordere. "Die Amerikaner und alle unsere Verbündeten
müssen Vertrauen in unsere Führung haben." Ein Sprecher des
Weißen Hauses, Ashley Snee, wies die Vorwürfe zurück.
Man gewähre der Kommission Zugang zu zwei Millionen Seiten
Unterlagen, sagte er.
(Quelle: ap)
Peter Ustinov vergleicht US-Präsident Bush mit Tyrannen
Mo.27.10.03 - Sir Peter Ustinov hat US-Präsident George Bush vorgeworfen, er
führe sich auf "wie ein römischer Kaiser, so, wie man
Tyrannen aus Kinofilmen kennt". In der "Bild am Sonntag" sagte der
82-Jährige, der im Kinofilm "Luther" Friedrich den Weisen, Luthers
Schutzherrn, spielt: "Ich denke oft, ich habe nicht Nero in 'Quo
vadis?' gespielt, sondern George W. Das große Problem mit
Politikern ist, dass sie zu wenig zweifeln, ihre Entscheidungen nicht
in Frage stellen." Wer aber keine Zweifel habe, sei schlicht
verrückt."
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelisches Kabinett diskutiert Evakuierung jüdischer Siedlung
Mo.27.10.03 - Nach einem neuerlichen Überfall auf die jüdische Siedlung
Netzarim ist im israelischen Kabinett am Sonntag eine Debatte um die
Evakuierung des Gebiets ausgebrochen. Justizminister Josef Lapid
stellte die Frage, ob es richtig sei, dass ein Bataillon von Soldaten
für den Schutz von 60 Familien abgestellt werde. Die
Öffentlichkeit habe sich für einen Rückzug aus Netzarim
ausgesprochen. Bei dem Überfall auf die Siedlung waren am Freitag
drei israelische Soldaten getötet worden.
Innenminister Avraham Poras, wie Lapid Mitglied der zentristischen
Schinui-Partei, sprach sich für eine Evakuierung aller isolierten
jüdischen Siedlungen im Gazastreifen aus. Neben Netzarim
wären das Morak und Kfar Darom. Widerspruch kam von Bauminister
Effi Eitam von der Nationalreligiösen Partei. Er erklärte,
eine Aufgabe Netzarims würde die israelische Position in
künftigen Verhandlungen mit den Palästinensern
schwächen. Andere Kritiker des Vorhabens befürchteten nach
einer Evakuierung eine Zunahme der Angriffe auf jüdische
Siedlungen. Seit Beginn der Intifada wurden in Netzarim neun Soldaten
und zwei Bewohner getötet.
(Quelle: ap)
Erstmals linker Politiker zum Bürgermeister Bogotas gewählt
Mo.27.10.03 - Erstmals in der Geschichte Kolumbiens ist am Sonntag ein
linksgerichteter Politiker zum Bürgermeister der Hauptstadt Bogota
gewählt worden. Der frühere kommunistische
Gewerkschaftsführer Luis Eduardo Garzon ist ein scharfer Kritiker
von Präsident Alvaro Uribe und dessen hartem Kampf gegen
Terroristen. Mit seinem Sieg gewinnen die linken Oppositionellen, die
von der Regierung stark eingeschüchtert wurden, deutlich an
Einfluss.
Nach Auszählung von 92 Prozent der Stimmen erreichte Garzon 46,61
Prozent und der von der Regierung unterstützte konservative
Kandidat Juan Lozano 39,97 Prozent der Stimmen, wie das nationale
Wahlkomitee bekannt gab. Lozano räumte seine Niederlage ein.
Der Sieg Garzons ist ein weiterer Schlag für Uribe. Erst am Vortag
waren zwei von ihm initiierte Referenden gescheitert, mit denen sich
der Präsident mehr Macht im Kampf gegen den Terrorismus und mehr
Spielraum für Wirtschaftsreformen verschaffen wollte. Der
Wahlkampf war von Gewalt und Einschüchterungsversuchen der
linksgerichteten Rebellen und der rechten paramilitärischen
Gruppen überschattet.
Der Bürgermeisterposten verschafft Garzon, den Sohn einer
Putzfrau, für die in drei Jahren anstehende
Präsidentschaftswahl einen guten Ausgangspunkt. Bei der letzten
Wahl im vergangenen Jahr kam er auf den dritten Platz.
(Quelle: ap)
Basken-Regierung bringt umstrittenen Autonomieplan
auf den Weg
Frei assoziiertes Baskenland angestrebt +++ Spanischer
Ministerpräsident Azna: Plan legitimiert 'ETA-Terrorismus'
Mo.27.10.03 - Die Regierung des Baskenlandes hat am Samstag einen umstrittenen Plan
für eine erweiterte Autonomie gebilligt, der die Bindungen der
Region an den spanischen Staat lockern soll.
Die Regionalregierung teilte mit, das mit dem Plan verbundene Konzept
eines "frei assoziierten Staates" Baskenland solle der Region das Recht
verleihen, im Rahmen eines Referendums selbst über ihre
Souveränität zu entscheiden. Zudem solle damit die Grundlage
für eine Befriedung der Region gelegt werden, in der die
Untergrundgruppe ETA seit über 30 Jahren mit Anschlägen und
Attentaten einen unabhängigen Baskenstaat erzwingen will. Bei der
spanischen Regierung in Madrid stoßen die Autonomie-Pläne
indes auf strikte Ablehnung.
"Wir appellieren an den Demokratiesinn des spanischen Volkes, damit der
Wille der Mehrheit der baskischen Gesellschaft respektiert werden
kann", sagte Regionalpräsident Juan Jose Ibarretxe nach einer
Sondersitzung seines Kabinetts.
Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar warf der
Regionalregierung vor, ihr Plan legitimiere "ETA-Terrorismus". Seine
Regierung will Ibarretxes Plan politisch oder auf juristischem Weg
blockieren. Ziel des Projekts sei das rechtliche Gebäude zu
zerstören, in dem die Basken lebten, erklärte Aznar am
Freitag.
Die Beziehungen zwischen der Regierung in Madrid und der von
gemäßigten baskischen Nationalisten geführten
Regionalregierung in Vitoria gelten bereits als äußert
gespannt. Aznar sieht Verbindungslinien zwischen dem Extremismus der
ETA und den Forderungen der moderaten baskischen Nationalisten nach
mehr Eigenständigkeit für ihre Region und prangert diese
immer wieder öffentlich an.
Die Strategie der baskischen Regierung für einen neuen Status
ihrer Region ist langfristig angelegt und sieht folgenden Fahrplan vor:
Der Autonomie-Plan soll zuerst dem baskischen Parlament vorgelegt
werden. Danach soll maximal sechs Monate mit der spanischen
Zentralregierung darüber verhandelt werden. Dann soll das
spanischen Parlament in Madrid darüber beraten, in dem Aznars
Volkspartei die Mehrheit stellt. Sie lehnt das Projekt ebenso ab wie
die größte Oppositionspartei, die sozialistische PSOE.
(Quelle: rtr)
Treffen der G-20-Finanzminister und -Notenbankchefs
Suche nach Wegen zu ausgeglichenem Wachstum +++ Finanzkrisen soll
wirkungsvoller vorgebeugt werden +++ Auch Kampf gegen die Finanzierung
des Terrorismus stehen auf der Tagesordnung +++ US-Notenbankchef
Greenspan: US-Wirtschaft vor allem durch Ausgaben für
den Irak-Krieg geschwächt
Mo.27.10.03 - Die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und
Schwellenländer haben in der mexikanischen Stadt Morelia ihr
Jahrestreffen [http://www.hacienda.gob.mx/G20-2003] begonnen. In seiner Eröffnungsrede sagte der
mexikanische Finanzminister Francisco Gil Diaz, die Staaten der so
genannten G-20-Gruppe müssten "eine strategische Rolle spielen",
um die Stabilität der Wirtschaft zu erhöhen. Vor allem
aufgrund der schlechten Lage der US-Wirtschaft blieben die Risiken
trotz einiger Zeichen der Erholung bestehen.
US-Notenbankchef Alan Greenspan sagte, die US-Wirtschaft sei vor allem
durch die Ausgaben für den Irak-Krieg geschwächt worden. Es
habe bereits davor Unsicherheitsfaktoren wie einen gestiegenen
Ölpreis gegeben.
Die Frage, wie die Weltwirtschaft angekurbelt werden kann, ist nur eine
von vielen, mit denen sich die Teilnehmer des zweitägigen Treffens
in Morelia befassen. Unter anderem soll auch über den Kampf gegen
die Finanzierung des Terrorismus und über Vorkehrungen gegen
Finanzkrisen diskutiert werden. An dem Treffen nimmt auch
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) teil.
Die G-20-Gruppe umfasst neben den acht wichtigsten Industriestaaten
(G-8) auch Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien,
Indonesien, Mexiko, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea und
die Türkei. Mitglieder sind zudem die Europäische Union,
vertreten durch die EU-Präsidentschaft und die Europäische
Zentralbank (EZB), sowie der Internationale Währungsfonds (IWF)
und die Weltbank.
Die Gruppe der Zwanzig erörtert Fragen, die für die
Stabilität des internationalen Finanz- und Währungssystems
von Bedeutung sind. Sie wurde während der deutschen
G7-Präsidentschaft 1999 als informelles Dialogforum der
Finanzminister und Notenbankchefs aus Industrie- und
Schwellenländern geschaffen. Die G-20-Mitgliedsländer
repräsentieren mehr als 85 Prozent des Welt-Sozialprodukts und
mehr als 60 Prozent der Erdbevölkerung.
(Quelle: afp)
EU-Kommissar schließt Änderungen am
Stabilitätspakt der Europäischen Union nicht aus
Mo.27.10.03 - EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen schließt nicht
aus, dass die Europäische Kommission ihren Stabilitäts- und
Wachstumspakt verändert.
""Der Stabilitäts- und Wachstumspakt ist im Grundsatz notwendig,
um die gemeinsame Währung stark und stabil zu halten", sagte
Verheugen der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe). "Es gibt aber in der
Kommission berechtigte Diskussionen darüber, ob die
Flexibilität des Paktes ausreicht, um auf Situationen reagieren zu
können, die vielleicht vor zehn Jahren noch nicht vorhersehbar
waren. Vielleicht muss man ja eine Reform des Stabilitätspaktes in
Angriff nehmen", fügte Verheugen hinzu. "Ich wage aber keine
Prognose, wohin die Diskussion führen wird", schränkte er ein.
Zwischen den EU-Ländern gibt es unterschiedliche Positionen
darüber, wie der Pakt angesichts der Konjunkturschwäche
ausgelegt werden soll. Dabei geht es vor allem darum, ob die
Länder in wirtschaftlich schwachen Zeiten zur Ankurbelung der
Konjunktur mehr Schulden als eigentlich erlaubt aufnehmen dürfen.
Der deutsche Bundeskanzler Schröder (SPD) fordert eine solche
flexible Auslegung des Paktes. Andere Länder wollen dagegen weiter
eine strenge Haushaltsdisziplin. So erneuerte der niederländische
Finanzminister Gerrit Zalm am Montag seine Kritik an Deutschland. "Es
ist sehr schädlich für den Euro, die europäische
Wirtschaft und die Glaubwürdigkeit des Europäischen
Projektes, wenn Regeln missachtet und die langfristige, nachhaltige
Entwicklung der öffentlichen Finanzen in den großen
Volkswirtschaften gefährdet wird", sagte er der "Financial Times
Deutschland". Hier müsse Deutschland als gutes Beispiel vorangehen.
Deutschland wird nach Angaben von Finanzminister Hans Eichel (SPD) nach
2002 und 2003 auch 2004 die Defizit-Obergrenze der EU von drei Prozent
erneut verfehlen. Theoretisch könnte Deutschland von der EU
dafür mit einer Milliarden-Strafe belegt werden. Die EU-Kommission
hatte aber vor wenigen Tagen bereits angedeutet, dass sie wie zuvor
Frankreich auch Deutschland bis 2005 und damit ein Jahr mehr Zeit zum
Absenken seiner Neuverschuldung unter die EU-Obergrenze geben will.
(Quelle: rtr)
Nato-Generalsekretär: Schließe Nato-Beitritt
Russlands nicht aus
Die Allianz und Russland hätten den internationalen Terrorismus
als gemeinsamen Feind
Mo.27.10.03 - Der scheidende Nato-Generalsekretär Lord George Roberston hat die
Aufnahme Russlands in die Allianz nicht ausgeschlossen.
In einem Interview mit der Zeitung "Bild am Sonntag" sagte Robertson,
die Nato habe sich allein in seiner Amtszeit dramatisch verändert.
Russland sitze inzwischen als gleichberechtigter Partner im
Nato-Russland-Rat mit am Tisch. "Ich gehe fest davon aus, dass sich der
Erweiterungsprozess fortsetzt. Und ich kann nicht ausschließen,
dass in einigen Jahren auch Russland der Nato beitritt." Die Allianz
und Russland hätten einen gemeinsamen Feind, den internationalen
Terrorismus.
Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte die Allianz im März 1999
mit Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik die ersten Staaten des
ehemaligen Warschauer Paktes aufgenommen. Bis Mai 2004 sollen auch
Estland, Lettland, Litauen,. Bulgarien, Rumänien, die Slowakei und
Slowenien der Nato beitreten. Mit der Einrichtung des
Nato-Russland-Rats wurde Russland ein Partner, der bei allen Fragen bis
auf den Bündnisfall und die Erweiterung der Allianz Mitsprache hat.
Robertson, der seit 1999 das höchste politische Amt der Nato inne
hat, scheidet zum Jahresende aus und übernimmt dann einen
Spitzenposten in der britischen Privatwirtschaft.
(Quelle: rtr)
Europäische Bischöfe warnen vor Aushöhlung
der Menschenrechte
Mo.27.10.03 - Die Bischöfe Europas haben vor einer Aushöhlung der
Menschenrechte durch weltweite politische und wirtschaftliche
Entwicklungen gewarnt. Die Globalisierung und der Kampf gegen den
Terrorismus seien eine Bedrohung für die Menschenrechte auf der
ganzen Welt, teilten die Justitia-et-Pax-Kommissionen, die Organe der
nationalen Bischofskonferenzen, am Sonntag nach Abschluss ihrer
Jahreskonferenz in Genf mit. Kriege könnten nie eine Lösung
für die bestehenden Konflikte sein. An der Versammlung nahmen
Kommissionen aus 18 Ländern teil, den Vorsitz hatte die Schweizer
Nationalkommission Justitia et Pax.
(Quelle: ap)
Höchste Ozonbelastung in Europa seit zehn Jahren
Mo.27.10.03 - Die Rekordhitze im vergangenen Sommer hat in weiten Teilen Europas die
höchste Ozonbelastung seit zehn Jahren verursacht. Nach einer
Studie der Europäischen Union traten die schwersten
gesundheitsschädlichen Belastungen unter anderem im Südwesten
Deutschlands, der Schweiz, Frankreich und Italien auf. Bei ihrem
Treffen in Luxemburg wollen die EU-Umweltminister sich am heutigen
Montag auch mit der Reduzierung von Ozon-bildenden Stoffen befassen.
(Quelle: dpa)
NASA alarmiert durch dramatische Eisschmelze in der Arktis
Wissenschaftler: Schnelles Handeln erforderlich um weitere große
Klimaveränderungen zu verhindern +++ Änderungen von
Meeresströmungen sowie des Fischbestandes befürchtet
Mo.27.10.03 - Die dramatische Eisschmelze in der Arktis erfordert nach Ansicht von
Wissenschaftlern schnelles Handeln, um weitere große
Klimaveränderungen zu verhindern. Die Polkappe in der Arktis sei
seit 1980 um zehn Prozent pro Dekade geschrumpft, wie Satellitenbilder
der US-Raumfahrtbehörde NASA zeigen. "Es geschieht jetzt. Wir
können es uns nicht leisten, lange auf technische Lösungen zu
warten", warnte David Rind von der NASA am Donnerstag (Ortszeit) in New
York.
Der Anteil des Eises, das das ganze Jahr über vorhanden ist,
"erreichte 2002 und 2003 Rekord-Tiefstände", sagte
NASA-Wissenschaftler Josefino Comiso. Die Ozeane und Landmassen rund um
den arktischen Ozean erwärmten sich in den vergangenen zehn Jahren
um ein Grad Celsius. Die Schmelze der Eiskappen treibt die globale
Erwärmung an, so dass die Wissenschaftler einen Teufelskreis
beobachten: "Schnee und Eis reflektieren aufgrund ihrer weißen
Farbe das Licht stark", sagte Comiso. So werde der größte
Teil der Sonnenenergie durch Eis und Schnee wieder nach oben
reflektiert. Mit der Verringerung der Eisfläche sei dies nicht
mehr der Fall, so dass sich das Klima erwärme. Dabei "könnten
schon kleine Veränderungen in der Eisoberfläche große
Auswirkungen auf den Wasserkreislauf und letztlich auf das globale
Klima haben", warnte die NASA.
Konsequenzen sind bereits vielerorts zu beobachten. So berichteten
Wissenschaftler aus den USA und Kanada im vergangenen Monat, dass das
größte und 3000 Jahre alte Schelfeis-Vorkommen in der Arktis
vor der kanadischen Küste zerbrochen sei. Das Schelfeis könne
Schifffahrt und Bohrinseln gefährden.
Durch den Eisschwund befürchten Wissenschaftler unter anderem
Änderungen von Meeresströmungen sowie des Fischbestandes. Im
Norden wird von Eisplatten aus intensiver Fischfang betrieben. "Wenn
das Eis zurückgeht, betrifft das die Gemeinschaften dort oben",
sagte der Ozeanexperte von der University of Washington, Michael
Seteele. Der Wissenschaftler Mark Serreze von der University of
Colorado räumte ein, dass ein Teil der Klimaveränderungen auf
natürliche Schwankungen zurückzuführen seien. Aber die
Klima-Experten seien sich auch einig: "Ein Teil ist auf die Menschen
zurückzuführen."
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Töpfer fordert drastische Maßnahmen gegen Klimawandel
So.27.07.03 - Der Klimawandel kann nach Überzeugung des Leiters des
UN-Umweltprogramms [http://www.unep.org],
Klaus Töpfer, nur mit drastischen Maßnahmen gestoppt werden.
Wenn sich nichts ändere, werde der Prozess weiter gehen, warnte
Töpfer in einem Interview der "Welt am Sonntag": "Wir werden eine
weitere Zunahme der durchschnittlichen Temperaturen bekommen - mit all
ihren Folgen." Europa sei bereits mitten im Klimawandel, wie die
derzeit erlebte Zunahme abnormer Wetterverhältnisse zeige...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.orgboa-archiv1/k0307270.htm#03072709/
Wie man Emissionen verringern kann - Forschung an neuer Methode
zum Umgang mit CO2
Mehr in der "tageszeitung" vom 26.07.03:
http://www.taz.de/pt/2003/07/26/a0092.nf/text
Die Tropopause, die Verschiebeschicht zwischen Troposphäre
und Stratosphäre, nahm in den letzten zwei Jahrzehnten um etwa 200
Meter zu - vornehmlich durch Treibhausgase und Ozon
Mehr bei "telepolis" (25.07.03):
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/15297/1.html
Nur industrienahe Lobbyisten bestreiten noch die
Klimaerwärmung
Mehr in der "tageszeitung" vom 13.09.03:
http://www.taz.de/pt/2003/09/13/a0348.nf/text
Glossar Klimapolitik:
http://www.taz.de/pt/2003/09/13/a0344.nf/text
Clement und Trittin weiter uneins in Energiepolitik +++
Wirtschaftsminister: Weltklima keine deutsche Frage
So.28.09.03 - In der Energiepolitik gibt weiter keine einheitliche Linie der
Bundesregierung. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) forderte am
Samstag bei einem Energiekongress der Grünen in Berlin abermals
deutliche Einschnitte bei der Förderung erneuerbarer Energien und
äußerte erhebliche Zweifel am Ziel, den deutschen
Ausstoß von Kohlendioxid bis 2020 um 40 Prozent unter den Wert
von 1990 zu senken. Umweltminister Jürgen Trittin hielt in beiden
Punkten dagegen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309280.htm#03092808
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Deutschland
Neues Parteiprogramm bei PDS-Parteitag gebilligt
Abrücken vom strikten Anti-Kapitalismus und Pazifismus +++
Gewinnstreben der Wirtschaft wird akzeptiert +++ Mögliche
Zustimmung zu Militäreinsätzen unter UN-Mandat
Mo.27.10.03 - Mit einer nahezu überwältigenden Mehrheit von 77,8 Prozent
stimmten am Sonntag in Chemnitz die Delegierten der Partei dem neuen
Grundsatzprogramm der PDS [http://www.sozialisten.de] zu. 333 Ja-Stimmen bedeuteten für den
PDS-Vorsitzenden Lothar Bisky eine Bestätigung für den von
ihm angeführten Reformkurs der Partei.
Die PDS rückt mit ihrem neuen Parteiprogramm vom strikten
antikapitalistischen Kurs ab und will sich künftig stärker
mit klaren Reformalternativen in die Politik einmischen. Die Partei
will unternehmerisches Handeln und Gewinnstreben akzeptieren und
öffnet sich erstmals auch einer möglichen Zustimmung zu
Militäreinsätzen unter UN-Mandat. Parteichef Lothar Bisky
sprach nach der Abstimmung von einem "modernen Programm", das ein
"wichtiger Schritt zurück in die Politik" sei.
In dem Grundsatztext bekennt sich die Partei zwar grundsätzlich
zum Gewinnstreben der Wirtschaft, fordert für diese aber
"gesellschaftliche Kontrolle und demokratische Mitbestimmung". Im
außenpolitischen Teil bekennt sich die PDS zur Charta der
Vereinten Nationen. Der UN-Sicherheitsrat dürfe sein Recht auf den
Einsatz militärischer Mittel für friedenserhaltende
Maßnahmen aber nicht "auf Druck der Großmächte
missbrauchen". Damit revidierte die Partei ihre bisherige kategorische
Ablehnung von Militäreinsätzen, wie sie auf dem
Münsteraner Parteitag 2000 beschlossen worden war.
Zur DDR-Vergangenheit heißt es in dem Text, der Weg der SED sei
durch "schmerzliche Fehler, zivilisatorische Versäumnisse und
Verbrechen" gekennzeichnet gewesen. Der Abstimmmung ging eine
kontroverse Debatte auf dem Parteitag voraus, in der vor allem
Vertreter der Parteilinken davor warnten, antikapitalistische und
friedenspolitische Grundsätze aufzugeben. Mit der Annahme des
Programms, das das bisherige von 1993 ablöst, ging zugleich eine
fünfjährige Debatte über die neuen Parteigrundsätze
zu Ende.
Bisky verteidigte das neue Programm gegen die Kritik aus der
Parteilinken. "Wir bleiben die Antikriegs-Partei, und wir engagieren
uns für ein friedliches, soziales Europa", rief er den Delegierten
zu. Er appellierte zugleich an die Mitglieder, das neue Programm
ungeachtet aller Meinungsverschiedenheiten mitzutragen. Mit Blick auf
die bevorstehenden Wahlen für das Europaparlament sowie in drei
ostdeutschen Bundesländern sagte er: "Wir können es schaffen
im nächsten Jahr." Die Partei solle gemeinsam gegen die Agenda
2010 der Bundesregierung kämpfen.
(Quellen: ap, afp)
Seitenwechsel - Die PDS hat sich ein neues Programm gegeben
Mehr in der heutigen Ausgabe der "junge Welt"(27.10.03):
http://www.jungewelt.de/2003/10-27/001.php
Eckpunkte des neuen Grundsatzprogramms der PDS
Zehn Jahre lang galt das bisherige Parteiprogramm der PDS. Um das neue
haben die Genossen sechs Jahre lang gerungen, fast 600
Änderungsanträge wurden eingereicht. Im Folgenden die
Kernpunkte:
- Die individuelle Freiheit erfährt einen neuen, höheren
Stellenwert. Ausgangspunkt ist die Frage: Was braucht der Mensch zum
selbstbestimmten Leben? Freiheit ist der Bezugspunkt sozialistischer
Politik, Gleichheit das Maß der Teilhabe an den Gütern, die
ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.
- Abschied von der Avantgardevorstellung und vom Sozialismus als
Gesellschaftsordnung, die historisch notwendig auf den Kapitalismus
folgt.
- Demokratischer Sozialismus wird als Ziel, Weg und Wertesystem
verstanden, ein Prozess, in dem im Ringen um demokratische Mehrheiten
die Profitdominanz schrittweise überwunden werden soll.
Unternehmerisches Handeln und Gewinninteresse werden als
Voraussetzungen für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
anerkannt.
- Die PDS tritt für eine Vielfalt von Eigentumsformen ein. Die
Position, dass nur durch eine Vergesellschaftung des Privateigentums
gesellschaftlicher Fortschritt zu erreichen ist, wird ad acta gelegt.
- Dem Missbrauch des nur dem UN-Sicherheitsrat vorbehaltenen Rechts,
den Einsatz militärischer Mittel zur Erhaltung des Weltfriedens zu
beschließen, wird eine Absage erteilt, ein Einsatz der Bundeswehr
bei friedenserzwingenden Maßnahmen abgelehnt.
- Die DDR-Geschichte wird kritisch bewertet. Diktatorische Mittel
werden abgelehnt.
- Der Programmentwurf enthält ein Bekenntnis zur Möglichkeit
von Regierungsbeteiligungen der PDS.
(Quelle: taz, 27.10.03)
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SPD bricht bei Brandenburger Kommunalwahlen drastisch ein
Mo.27.10.03 - Bei den Kommunalwahlen in Brandenburg hat die SPD am Sonntag nach
ersten Ergebnissen drastisch verloren und ist im Landesdurchschnitt
hinter CDU und PDS vermutlich auf Platz drei abgerutscht.
Nach Auszählung von knapp der Hälfte der 3600 Wahlbezirke
wurde die CDU, die sich ein Ergebnis von über 30 Prozent zum Ziel
gesetzt gesetzt hatte, in den Kreistagen und
Stadtverordnetenversammlungen mit durchschnittlich 26,8 Prozent
stärkste Kraft. Auf dem zweiten Platz lag nach den Angaben des
Landeswahlleiters vom späten Abend die PDS mit 23,6 Prozent. Die
Sozialdemokraten verloren über 16 Prozentpunkte auf 22,7 Prozent.
1998 hatte die SPD im Landesdurchschnitt noch 38,9 Prozent der Stimmen
erhalten. An zweiter Stelle hatte damals ebenfalls die PDS gelegen, die
mit 21,62 Prozent nur knapp besser als die CDU mit 21,42 Prozent
abgeschnitten hatte. Zu den Wahlgewinnern gehören neben CDU und
PDS die unabhängigen Wählergemeinschaften, die zusammen im
Landesdurchschnitt auf rund 17 Prozent zulegten. Beobachter
führten ihr Erstarken unter anderem auf die Unzufriedenheit mit
der Gemeindereform zurück.
Die Wahlbeteiligung lag in den ausgezählten 1794 Wahlbezirken bei
nur 44 Prozent. Bei den Kommunalwahlen 1998 hatte die Beteiligung bei
77,9 Prozent gelegen. Allerdings war dieser für Kommunalwahlen
hohe Wert auch darauf zurückzuführen, dass am selben Tag der
Bundestag neu gewählt wurde.
Wahlforscher hatten schon vor der Wahl erklärt, die auch im Bund
in Umfragen wegen der umstrittenen Sozialreformen um historische
Tiefstände rangierende SPD werde in Brandenburg starke
Einbußen erleiden. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD)
machte denn auch im RBB-Fernsehen die Bundespolitik hauptverantwortlich
für das schlechte Abschneiden seiner Partei.
Wegen des komplizierten Auszählungsverfahrens wird nicht vor
Montagabend mit dem vorläufigen amtlichen Endergebnis gerechnet.
(Quelle: rtr)
Reformstrategie der Union bei Verhandlungen mit Rot-Grün nach wie
vor unklar
CDU-Vorsitzende signalisiert Kompromissbereitschaft - Ihre Partei
schwankt zwischen Annäherung und Konfrontation
Mo.27.10.03 - Die Union ist weiter uneins über ihre Strategie bei den
Reformverhandlungen mit Rot-Grün. Zwar signalisierte die
CDU-Vorsitzende Angela Merkel am Wochenende erneut
Kompromissbereitschaft, doch schwankt ihre Partei nach wie vor zwischen
Annäherung und Konfrontation. Bundeskanzler Gerhard Schröder
legte sich indessen auf die Erhaltung der herkömmlichen
Sozialsysteme fest und kritisierte den Kurs der Opposition als
Klientelpolitik. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer rechnet
gleichwohl mit einem Gesamtkonsens.
Während Merkel es am Sonntag als die Aufgabe der Opposition
bezeichnete, das Land nicht vor die Wand fahren zu lassen, schlugen
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer und der saarländische
Ministerpräsident Peter Müller (CDU) in Zeitungsinterviews
rauere Töne an. Beide erhoben die Abkehr von den
Flächentarifverträgen zur zentralen Forderung der Union.
Unverzichtbares Ziel seien «betriebliche Bündnisse für
Arbeit, die an keinerlei Vetorechte der Tarifpartner gebunden
sind», sagte Müller.
Ferner lehnte der Saarländer die von Rot-Grün geplante
drastische Kürzung der Pendlerpauschale und die faktische
Abschaffung der Eigenheimzulage ab. Schließlich sage die Union
auch Nein «zu einem durch Schulden finanzierten Vorziehen der
Steuerreform».
Dagegen sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang
Böhmer (CDU), die Union werde Kürzungen von Pendlerpauschale
und Eigenheimzulage bis zu einem gewissen Ausmaß hinnehmen.
Darüber hinaus könne er sich vorstellen, die Steuerreform
mitzutragen. Außerdem wandte er sich erneut gegen Pläne
seines hessischen Amtskollegen Roland Koch (CDU), die Regierung
Schröder schnellstmöglich zu stürzen und sämtliche
Zugeständnisse der Regierung an die SPD-Linke wieder aus dem
Reformpaket zu streichen.
Schröder hielt Union und FDP indessen vor, den Sozialstaat durch
eine «viktorianische Armenvorsorge» ablösen zu wollen.
Die Opposition denke nur an diejenigen, die ohnehin allein
zurechtkämen, sagte der SPD-Vorsitzende und versicherte:
«Wir werden das Prinzip der solidarischen Absicherung niemals
preisgeben.» Merkel reagierte auf die Äußerungen des
Kanzlers mit der Bemerkung, bei Schröder lägen die Nerven
blank.
Bütikofer zeigte sich zuversichtlich, dass es bei den am 13.
November beginnenden Vermittlungsgesprächen zu Kompromissen mit
der Union kommen wird. Es gebe in der Union durchaus Zustimmung zu den
Regierungsplänen. «Deswegen haben wir auch die Chance, da
durchaus wechselnde Mehrheiten hinzukriegen», sagte
Bütikofer.
(Quelle: ap)
Presse: Herzog-Pläne belasten Familien
Gewinner wären Alleinstehende mit hohem Einkommen
Mo.27.10.03 - Die von der Herzog-Kommission vorgeschlagene Kopfpauschale in der
Krankenversicherung belastet die Durchschnittsverdiener offenbar
stärker als bisher angenommen. Dies geht aus einem dem
Nachrichtenmagazin "Spiegel" vorliegenden internen Papier der
Unionsfraktion hervor. Trotz des geplanten Zuschusses für
finanziell schlechter Gestellte würden Familien und Alleinstehende
mit niedrigem Einkommen deutlich stärker belastet, heißt es.
Für Haushalte mit 1 000 Euro Monatseinkommen würde sich der
Beitrag mehr als verdoppeln, so der "Spiegel". Die einzigen Gewinner
des Prämienmodells wären demnach Alleinstehende mit hohem
Einkommen.
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer stellte Änderungen an dem
Reformkonzept in Aussicht. "Bei der Familienförderung und
-gerechtigkeit wie auch der Absicherung von Beziehern kleiner Einkommen
gibt es noch Klärungsbedarf", sagte er dem Nachrichtenmagazin
"Focus". Denkbar sei eine Entlastung für zusätzliche
Gesundheitskosten über die Einkommenssteuer.
Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sprach
sich dafür aus, das Herzog-Konzept familienfreundlicher zu
gestalten. Vor allem der Plan, erziehende Mütter nicht mehr
kostenlos mitzuversichern, müsse überprüft werden, sagte
er dem "Spiegel".
(Quelle: hb)
Politiker wollen bei Rente auch selbst zurückstecken
Mo.27.10.03 - Quer durch die Parteienlandschaft wollen Politiker im Zuge der
bevorstehenden Rentenkürzungen auch eigene Privilegien
beschneiden. Als prominenteste Vertreter plädierten am Wochenende
Außenminister Joschka Fischer und CSU-Chef Edmund Stoiber
dafür. Auch junge Bundestagsabgeordnete erklärten sich
bereit, Ungerechtigkeiten zu beseitigen.
Fischer sprach sich für eine Überprüfung der
Altersversorgung von Politikern aus. In der «Stuttgarter
Zeitung» (Montagausgabe) sagte der Grünen-Politiker:
"Überversorgung muss abgebaut werden." Wenn der Gürtel enger
geschnallt werden müsse, gelte das für alle. Er sei deshalb
dafür, künftig nicht nur die Beamten, sondern auch die
Politiker über die normalen sozialen Sicherungssysteme
abzusichern. Das gelte auch bei der Altersversorgung. Doch brauche man
dafür Mehrheiten im Bundestag.
Der bayerische Ministerpräsident Stoiber forderte in der "Bild am
Sonntag" die Bundesregierung auf, Ministern erst ab 65 Jahren
abschlagsfreie Pensionen zu zahlen und damit ein entsprechendes neues
Gesetz über Pensionsansprüche bayerischer Landesminister zu
übernehmen. Er werde das Gesetz seinen Kollegen aus den anderen
Ländern zur Übernahme vorschlagen, sagte der
Ministerpräsident. In Bayern sollen künftig Minister und
Staatssekretäre in der Regel erst mit 65 statt wie bisher mit 60
Jahren eine Pension erhalten.
Mehrere junge Abgeordnete sprachen sich dafür aus, dass Politiker
auf ihre Pensionsansprüche verzichten und dafür eine private
Altersvorsorge aufbauen sollten. "Bild am Sonntag" zitierte die
20-jährige Grünen-Abgeordnete Anja Lührmann: "Das ganze
System ist ungerecht. Wir müssen Abgeordneten ermöglichen,
sich selbst zu versichern. Ähnlich äußerten sich Daniel
Bahr (27, FDP) und Katherina Reiche (30, CDU). Der 34-jährige
CDU-Abgeordnete Günter Krings verlangte aber im Gegenzug eine
Erhöhung der Diäten, von der die Altersvorsorge bestritten
werden solle. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz
kündigte eine Reform der Abgeordneten-Pensionen an.
(Quelle: ap)
Ver.di-Kongress mit Bekenntnis zur Tarifautonomie beendet
Bundesregierung zum Kurswechsel in der Wirtschafts- und Sozialpolitik
aufgefordert +++ Bsirske verordnete seiner Organisation ein striktes
Sparpaket +++ Deligierte üben Kritik an Gehaltserhöhungen des
Bundesvorstands
Mo.27.10.03 - Mit einem Plädoyer für den Erhalt der Tarifautonomie und
gegen Sozialabbau haben die rund 1.000 Delegierten den ersten
ver.di-Bundeskongress in Berlin beendet. Ver.di-Chef Frank Bsirske
kündigte am Samstag den massiven Widerstand der Gewerkschaften bei
der Beschneidung von Arbeitnehmerrechten an. "Dieses Land braucht
starke Gewerkschaften", rief er. Auch DGB-Chef Michael Sommer sprach
sich gegen die Beschneidung von Tarifverträgen und gegen
betriebliche Bündnisse aus.
Tatsächlich ziele die von Union und FDP geforderte Reform darauf
ab, die Löhne in Deutschland zu senken, sagte Sommer der
"Süddeutschen Zeitung". "Dagegen wehren wir uns
natürlich"» Er bekräftigte aber zugleich die
Bereitschaft der Gewerkschaften, in Krisenfällen von
Tarifverträgen abzuweichen.
Die Delegierten des ver.di-Kongresses forderten die Bundesregierung zu
einem Kurswechsel in der Wirtschafts- und Sozialpolitik auf. Insgesamt
1.124 Anträge standen zur Abstimmung. Die Mehrheit der
Anträge beschäftigte sich mit dem Umbau der
Mammutgewerkschaft. Viele Delegierte beklagten Doppelstrukturen,
Bürokratie und mangelnde Transparenz.
Außerdem plagt ver.di ein Mitgliederschwund. Seit der Fusion im
Frühjahr 2001 kehrten rund 250.000 Mitglieder der Gewerkschaft den
Rücken. Bsirske hatte dazu aufgerufen, vor allem junge Leute
für die Gewerkschaftsarbeit zu motivieren. Außerdem
müsse ver.di auch in Dienstleistungsunternehmen wie
Sicherheitsdiensten und Call-Centern stärker verankert werden.
Bsirske verordnete seiner Organisation ein striktes Sparpaket, das bei
vielen Delegierten auf Kritik stieß. Im Haushalt von ver.di
klafft ein Loch von rund 66 Millionen Euro. Insgesamt 1.000 Stellen
sollen abgebaut werden. Den Mitarbeitern wurde ein Gehaltsverzicht von
zehn Prozent gegen Freizeitausgleich zur Sanierung des ver.di-Haushalts
angeboten. Eine Übereinkunft wurde noch nicht erzielt. Die
Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat laufen noch.
Scharfe Kritik übten die Delegierten auch an den
Gehaltserhöhungen des Bundesvorstands. In einem Antrag wurden
Gehälter von 14.000 Euro monatlich für ver.di-Wahlangestellte
als "pervers" bezeichnet. Dies gelte vor allem in einer Situation, in
der immer weitere Kürzungen für ehrenamtliche Mitarbeiter
beschlossen würden. Dies führe zu einem
Glaubwürdigkeitsproblem der Gewerkschaft.
(Quelle: ap)
IG-Metall-Vize für Mäßigung in Tarifrunde
Mo.27.10.03 - Die Gewerkschaften sind sich noch nicht einig über ihre Strategie
in der kommenden Tarifrunde. Nachdem Vertreter von ver.di und DGB
angesichts der Kürzungen beim Weihnachtsgeld und der geplanten
Sozialreformen den Arbeitgebern mit harten Verhandlungen gedroht
hatten, sprach sich der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold
Huber, jetzt für eine Mäßigung aus. Man werde nicht
Einkommenseinbußen wegen der Sozialreformen mit höheren
Tarifforderungen ausgleichen, sagte Huber den "Stuttgarter Nachrichten".
Das wäre eine Überforderung der Tarifpolitik, betonte der
Gewerkschaftsfunktionär. Er kündigte eine "ganz normale
Tarifrunde" an, die sich an dem aus Inflation und
Produktivitätszuwachs errechneten Verteilungsspielraum orientiere.
Huber räumte zudem ein, dass die Gewerkschaft in der Reformdebatte
"konzeptionell in die Defensive geraten" sei. Bei der Suche nach
eigenen Konzepten müsse die IG Metall schneller werden.
Noch vor zwei Wochen hatte der DGB-Tarifexperte Reinhard Dombre dagegen
höhere Lohnforderungen der Gewerkschaften angekündigt. Wer
tarifliche Sonderleistungen streiche, müsse damit rechnen. Wenn
zusätzlich Sozialreformen ins Nettoeinkommen schnitten,
erhöhe dies den Erwartungsdruck der Mitglieder. Auch der
nordrhein-westfälische Landeschef der Dienstleistungsgewerkschaft
ver.di, Hartmut Limbeck hatte beklagt, dass die Beschäftigten von
Regierung und Arbeitgebern einseitig zur Kasse gebeten würden.
Immer mehr an der Basis wollten dafür einen kräftigen
Ausgleich.
(Quelle: ap)
Spitzen von CSU und DGB treffen sich in München
Stoiber sieht keine Annäherung zu Gewerkschaften
Mo.27.10.03 - Das CSU-Präsidium kommt heute mit der Spitze des Deutschen
Gewerkschaftsbunds zusammen. Dabei geht es vor allem um die geplanten
Sozial- und Arbeitsmarktreformen. Das Treffen findet auf Initiative des
DGB statt, der mit allen im Bundestag vertretenen Parteien
Gespräche führen will. Im Vorfeld des Treffens kritisierte
CSU-Chef Edmund Stoiber die Gewerkschaften. Er sehe im Moment "sehr
wenige Schnittmengen" und "keine Annäherung", sagte der bayerische
Ministerpräsident in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen".
(Quelle: dpa)
Stoiber plant tiefgreifende Schulreform
In Bayern sollen schon 5-Jährige zur Schule gehen +++ Offenbar
Kürzungen im Bildungsetat vorgesehen
Mo.27.10.03 - Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) will nach
Informationen der Tageszeitung "Die Welt" (Montagausgabe) in Zukunft
Kinder bereits im Alter von fünf Jahren zur Schule schicken.
Stoiber plane eine tief greifende Schulreform, in deren Zuge er das
Schuleingangsalter im Freistaat um ein ganzes Jahr senken wolle.
Für Kinder, die noch nicht schulreif sind, sei aber die
Möglichkeit der Zurückstellung um ein Jahr vorgesehen. Der
Stichtag für die Einschulung soll schrittweise bis 2007 auf den
31. Dezember eines Jahres vorgezogen werden.
Die in Bayern anstehende Sparwelle wird offenbar auch vor der
Bildungspolitik nicht Halt machen. Wie "Die Welt" berichtete, soll
Kultusministerin Monika Hohlmeier auf Anweisung von
Ministerpräsident Edmund Stoiber in ihrem Etat für 2004
Kürzungen von zehn Prozent vornehmen, also rund 730 Millionen
Euro. Die Einsparquote von zehn Prozent solle auch alle anderen
Ressorts treffen, bestätigte die bayerische Staatskanzlei dem
Blatt zufolge.
(Quellen: ap, afp)
Auftrag an Degussa für Holocaust-Mahnmal storniert
Mo.27.10.03 - Ein halbes Jahr nach dem Baubeginn sind die Arbeiten am
Holocaust-Mahnmal [http://www.holocaust-mahnmal.de] in Berlin ins Stocken geraten. Das
Stiftungskuratorium beschloss nach Angaben der Mitinitiatorin Lea Rosh,
einen Auftrag an die Chemiefirma Degussa zur Lieferung eines
Graffiti-Schutzmittels für die Stelen zu stornieren. Während
der NS-Zeit hatte eine Tochtergesellschaft der Degussa das Gift Zyklon
B produziert, mit dem in den Vernichtungslagern Millionen Juden und
andere Verfolgte getötet wurden.
Das Mahnmal in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tores soll
2005 eingeweiht werden. Die Bauarbeiten haben im Frühjahr nach
jahrelangen Querelen um Form, Maße und Finanzierung begonnen. Die
Kosten werden auf 27,6 Millionen Euro beziffert. Geplant ist ein Feld
von 2.700 Betonstelen, die den Eindruck eines wogenden Meeres aus Stein
vermitteln sollen, und eines Informationszentrums.
Degussa teilte am Samstag mit, man sei über die Entscheidung
schriftlich vom Vorsitzenden des Kuratoriums, Bundestagspräsident
Wolfgang Thierse, informiert worden. "Degussa wird diesen Brief
schriftlich beantworten und zum gegebenen Zeitpunkt eine Stellungnahme
abgeben", hieß es in der Mitteilung.
Thierse fasste in der ARD das Ergebnis der Diskussion mit den Worten
zusammen: "Wir stoppen die Arbeiten und bitten, die Möglichkeiten
zu prüfen, ob ein vergleichbares Produkt zum Graffitischutz
eingesetzt werden kann." Er plädierte dafür, sich "nicht an
der Rufschädigung einer Firma zu beteiligen, die inzwischen
internationales Ansehen hat".
Rosh berichtete im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP von
einer heftigen Diskussion im Kuratorium über die Frage, ob eine
Degussa-Chemikalie zum Schutz der Stelen eingesetzt werden solle. Neben
anderen seien sie selbst und der Berliner Senator für
Stadtentwicklung und SPD-Vorsitzende Peter Strieder entschieden dagegen
gewesen. Am Ende sei nicht abgestimmt worden, aber es sei eine Mehrheit
für die Kündigung gewesen.
Auf die Frage, wie lange die Bauarbeiten unterbrochen würden,
antwortete Rosh: "Nicht sehr lange. Man findet eine andere Firma." Es
habe schon bei der Auswahl der Degussa ein anderes Angebot gegeben.
Degussa habe damals sein Angebot, das preislich deutlich unter dem
anderen lag, verstanden als neuerlichen Einstieg in eine
Wiedergutmachung. "Es wäre aber selbst dann nicht gegangen, wenn
sie es umsonst gemacht hätten", sagte Rosh.
Der Zürcher "Tages-Anzeiger" hatte bereits vor zwei Wochen
berichtet, bei der Degussa habe nicht bestätigt werden
können, dass der günstige Preis auf "eine Art informelles
Sponsoring" zurückzuführen sei. Der Schweizer Zeitung zufolge
standen zwischen der Degussa und dem Generalunternehmer für das
Mahnmal zwei weitere Firmen. Der Name des Mittels wurde mit Protectosil
angegeben.
Rosh sagte: "Die haben die Hand ausgestreckt, aber wir können sie
nicht ergreifen." Sie verwies aber auch darauf, dass es sich nicht um
einen kompletten Baustopp handele. Die Stelen würden weiter
produziert. Gegner der Kündigung des Degussa-Auftrags hatten in
der Debatte argumentiert, angesichts der breiten Verstrickung deutscher
Konzerne in die Vernichtungsmaschinerie des Nationalsozialismus
könne das Stelenfeld nicht ausschließlich von Firmen gebaut
werden, die sich nicht schuldig gemacht hätten. Die heutige
Degussa gehe darüber hinaus sehr verantwortungsvoll mit ihrer
Geschichte um.
Rosh berichtete von Bekannten, deren Eltern in Auschwitz vergast worden
seien und die erklärt hätten, für sie werde ein Mahnmal
entwertet, wenn Degussa daran mitgearbeitet hätte. "Da ist in den
Gremien die Frage gestellt worden: Wo ist die Grenze? Und da habe ich
gesagt: Die Grenze ist bei Zyklon B."
(Quelle: ap)
Internet Explorer gefährdet Windows
Mo.27.10.03 - Cracker nutzen wieder eine Sicherheitslücke in Microsofts Internet
Explorer aus, um über Web-Sites ein Trojanisches Pferd auf die
Systeme ihrer Opfer zu schleusen. Dazu verbreiten sie in Chats und
Newsgruppen URLs, die auf ihre speziell präparierten Seiten
verweisen. Im IRCnet und QuakeNet endeten diese URLs auf britney.jpg,
das kann sich jedoch jederzeit ändern. Beim Besuch der Seiten
installiert sich ein Trojanisches Pferd über den Windows Media
Player und andere Windows-System-Dateien. Betroffene berichteten, dass
sie das System nur durch Neuinstallation säubern konnten,
Antiviren-Software erkennt den Schädling bisher anscheinend
nicht...
Mehr bei heise.online (17.10.03) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/ju-26.10.03-000/
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