Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertdreiundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Blutiger Auftakt zum Ramadan: Dutzende Tote und mehr als 200
Verletzte bei Anschlagserie in Bagdad +++ US-Außenminister Powell
äußert tiefe Besorgnis +++ UN-Generalsekretär
Annan: Nichts kann derartige Verbrechen rechtfertigen +++ Berlin und
Paris halten politischen Prozess in Irak für dringender den je +++
US-Präsident Bush will am bisherigen Kurs festhalten
Di.28.10.03 - Bei der blutigsten Serie von Anschlägen seit dem Sturz des
irakischen Regimes im April sind am Montag mindestens 42 Menschen
innerhalb weniger Stunden in Bagdad getötet worden. Das berichtete
der arabische Sender El Dschasira. Irakische Behörden sprachen
dagegen von 34 Toten und mehr als 230 Verletzten.
Hauptziel der fünf Selbstmordattentate zum Auftakt des islamischen
Fastenmonats Ramadan war die Zentrale des Internationalen Komitees vom
Roten Kreuz (IKRK). Als davor ein mit Sprengstoff beladener
Krankenwagen explodierte, starben zehn Iraker, darunter zwei
IKRK-Mitarbeiter. Weitere Autobomben detonierten vor vier
Polizeistationen. Wer hinter den Anschlägen steht, wurde
zunächst nicht bekannt.
Die Welt verurteilte das Blutbad auf das Schärfste.
US-Präsident George W. Bush erklärte, die Angriffe auf das
Rote Kreuz oder die Polizeiwachen zeigten, dass es den
"kaltblütigen Mördern" nur darum gehe zu töten,
gleichgültig wen. Die USA würden sich von den Anschlägen
im Irak nicht von ihrem Kurs abbringen lassen. "Je erfolgreicher wir
sind (...), desto verzweifelter werden diese Kriminellen", sagte Bush
am Montag in Washington.
UN-Generalsekretär Kofi Annan betonte, nichts könne derartige
terroristische Verbrechen rechtfertigen. Annan verurteilte insbesondere
den Anschlag auf die Zentrale des IKRK. Auch die Bundesrepublik und ihre
europäischen Partner verurteilten die Anschläge scharf.
Auch die Bundesrepublik und ihre europäischen Partner verurteilten
die Anschläge scharf. Der britische Premierminister Tony Blair
machte "Terroristen und Kriminelle" dafür verantwortlich.
Die Attentate, besonders der Anschlag gegen die Rot-Kreuz-Zentrale,
seien gegen das Interesse des irakischen Volkes gerichtet, sagte ein
Regierungssprecher in Berlin.
"Wir betrachten die Entwicklung im Irak mit großer Sorge",
sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg. Es komme nun
darauf an, dass man möglichst bald zu einer politischen und
wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes komme. Dazu gehöre
auch, so schnell wie möglich Schritte zur Übergabe der
Souveränität an das irakische Volk einzuleiten, sagte Steg.
"Ohne eine klar umrissene Perspektive werden wir auch keine
Fortschritte bei der Stabilisierung im Inneren erreichen."
Auch das französische Außenministerium betonte, es sei
dringender denn je, die Souveränität des Iraks wieder
herzustellen.
US-Außenminister Colin Powell hat sich indes tief besorgt
über die Lage im Irak geäußert. "Es waren schlechte 24
Stunde"", sagte Powell am Montagabend in Washington. Zugleich
äußerte er die Befürchtung, dass sich die
Hilfsorganisationen auf Grund der Gefährdung ihrer Mitarbeiter aus
dem Irak zurückziehen könnten.
Powell sagte in Washington, die USA hofften,
dass die unabhängigen Organisationen, die UN und ausländische
Unternehmen ihre Sicherheitssituation überprüften und zu der
Auffassung gelangten, dass sie im Irak bleiben können. Die
Organisationen würden gebraucht. Wenn sie ihre Mitarbeiter aus dem
Irak abziehen würden, dann wäre dies ein Sieg für die
Terroristen.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) will nach der
Anschlagsserie in Bagdad Mitarbeiter aus der irakischen Hauptstadt
abziehen. "Wir werden morgen damit beginnen, internationale Mitarbeiter
auszufliegen und dann sehen, wie wir die Hilfe mit unseren irakischen
Mitarbeitern fortsetzen können", sagte der IKRK-Delegationsleiter
Pierre Gassmann am Montag dem ARD-Nachrichtenportal "tagesschau.de".
Zuvor hatte ein IKRK-Sprecher in Genf erklärt, es werde keine
schnelle Entscheidung über einen Abzug aus Irak geben.
Trotz der neuen Serie von Terroranschlägen setzen deutsche Helfer
ihre Arbeit in der irakischen Hauptstadt Bagdad zunächst fort.
"Ein kompletter Rückzug der humanitären Hilfsorganisationen
würde nur den Terroristen Vorschub leisten und zu einer weiteren
Radikalisierung führen", sagte der Geschäftsführer der
Organisation HELP, Wolfgang Nierwetberg, am Montag in Bonn. Die
Mitarbeiter wurden allerdings angewiesen, ihr Büro in den
nächsten Tagen nicht zu verlassen.
Auch die in Bagdad stationierten Experten des Technischen Hilfswerks
(THW) wurden zunächst nicht abgezogen. Es werde aber ständig
geprüft, ob ihre Sicherheit noch gewährleistet sei, sagte
Innenministeriumssprecher Daniel Höltgen in Berlin. "Wenn die
Sicherheitslage so gefährlich ist, dass eine effektive Arbeit
nicht mehr möglich ist vor Ort, werden die Mitarbeiter
zurückgezogen."
Bundesinnenminister Otto Schily hatte Mitte September vier
THW-Spezialisten nach Irak geschickt. Sie sollen in Bagdad beim
Wiederaufbau des maroden Trinkwassernetzes des Landes helfen.
HELP versorgt nach eigenen Angaben in Bagdad Not leidende Menschen mit
Hygieneartikeln und anderen dringend benötigten Hilfsgütern.
Am 1. Oktober startete die Hilfsorganisation zudem ein vom
Auswärtigen Amt finanziertes Projekt zur Minenräumung und
Beseitigung von Blindgängern.
Die Bundesregierung wies unterdessen Kritik an der Höhe der
deutschen Finanzhilfen für Irak zurück. Steg verwies darauf,
dass Deutschland 193 Millionen Euro zum Wiederaufbau beisteuere. "Das
ist kein Kleckerbetrag."
Einen Schuldenerlass für Irak lehnte die Regierung ab. Ein solcher
Schritt hätte zur Folge, dass das wegen seiner Ölreserven
"potenziell sehr reiche Land" behandelt würde wie die ärmsten
Länder der Welt, sagte Steg. Ein Schuldenmoratorium schloss er
dagegen nicht aus. Darüber habe aber der Pariser Club zu
entscheiden, dem 19 Geberländer angehören. Irak hat 4,4
Milliarden Euro Schulden bei der Bundesrepublik.
Durch den Verkauf irakischen Öls sind nach US-Angaben seit dem
Ende des Irak-Krieges 1,4 Milliarden Dollar eingenommen worden.
Die US-Zivilverwaltung für den Irak teilte am Montag auf ihrer
Internet-Seite mit, in den von den USA eingerichteten
Irak-Entwicklungsfonds seien darüber hinaus eine Milliarde Dollar
aus dem ausgelaufenen "Öl für Lebensmittel"-Programm der
Vereinten Nationen eingezahlt worden. Zusammen mit anderen Geldern,
darunter irakische Auslandsguthaben, belaufe sich die Gesamtsumme auf
drei Milliarden Dollar. Davon habe der Fonds bislang 666 Millionen
Dollar ausgegeben.
Eine britische Hilfsorganisation hatte der Zivilverwaltung in der
vergangenen Woche vorgeworfen, sie betreibe Geheimniskrämerei um
die Öleinkünfte seit dem Sturz des irakischen
Präsidenten Saddam Hussein im April
[Mehr unter: http://www.christian-aid.org.uk/news/media/pressrel/031023p.htm].
Auch im UNO-Sicherheitsrat
war Kritik laut geworden, der von der Zivilverwaltung im Mai
eingerichtete Fonds für den Irak-Wiederaufbau werde nicht
transparent genug geführt.
(Quellen: dpa, rtr)
Bomben in Bagdad erschüttern Weißes Haus
Die jüngsten Bombenanschläge in Bagdad erschüttern auch
das Weiße Haus. Die demokratische Opposition verschärfte
ihre Angriffe auf die "konzeptionslose Regierung". Die "New York Times"
sprach von einem "ernsten Rückschlag" für Präsident
George W. Bush beim Versuch, die Welt von den Erfolgen im besetzten
Irak zu überzeugen. Präsidentschaftsbewerber Al Sharpton
schimpfte auf das "Bush-Roulette» im Irak; wie beim russischen
Roulette wisse niemand, wen die Kugel treffe, sicher sei nur, dass es
immer wieder tödlich ausgehe.
Eine Fernsehdebatte am Sonntag zwischen den neun demokratischen
Bewerbern für die Präsidentschaftskandidatur belegte entgegen
allen Voraussagen, dass nicht die Wirtschafts-, sondern sehr wohl die
Außenpolitik zentrales Wahlkampfthema sein könnte. Die
heftigen Dispute drehten sich vor allem um den Krieg - das Schicksal
von Bush bei der Wahl im November 2004 hängt angesichts der
blutigen Wirren zunehmend vom Erfolg im Nachkriegs-Irak ab.
An einem Erfolg aber wachsen auch in Washington Zweifel. Die
Raketenanschläge vom Sonntag werden den USA kaum helfen, neue
Investoren für den Wiederaufbau im Irak zu werben, lästerte
die "New York Times". Bush und seine Minister reagierten auf den
bewaffneten Widerstand im Irak mit trotzigen, entschlossenen Reden. Sie
preisen unbeirrt ihre Strategie für den "weltweiten Krieg gegen
den Terrorismus".
Aber Verteidigungsminister Donald Rumsfeld musste zugeben, dass die
größte Überraschung für ihn die Fähigkeit des
irakischen Widerstandes war, "den Rest des Volkes zu terrorisieren, zu
ängstigen und sie davon abzuhalten, die Seiten zu wechseln." Auch
Außenminister Colin Powell zeigte sich irritiert über die
Widerstände im Irak.
Die demokratischen Politiker beschuldigen Bush, das amerikanische Volk
in die Irre geführt zu haben und keinen realistischen Plan
für den Nachkriegs-Irak zu haben. Vielleicht aber tun sie Bush
Unrecht. Denn hinter den jüngsten skeptischen, selbstkritischen,
zuweilen ratlos wirkenden Äußerungen von Rumsfeld oder
Powell lässt sich nach wie vor das Konzept der Konservativen
erkennen - auch wenn nun alles nicht mehr so optimistisch klingt.
Der Krieg gegen den Terrorismus wird als die historische
Herausforderung für die USA in den kommenden Jahren, wenn nicht
Jahrzehnten gesehen. Dabei kalkulieren Bush und Rumsfeld
Rückschläge ein. In ihren Reden wird der Wille erkennbar, den
Krieg gegen den Terror offensiv in die Welt zu tragen, damit die USA zu
schützen und präventiv gegen alle vorzugehen, die aus
US-Sicht dem Terror Unterstützung oder eine Basis bieten.
Auch wenn die Präsidentschaftsbewerber der Demokraten derzeit noch
Bush wegen dieser Politik heftig kritisieren - vieles deutet darauf
hin, dass auch ein demokratischer Präsident ab 2004 -
beispielsweise der Ex-General Wesley Clark - keine völlig andere
Politik verfolgen würde.
Für die Konservativen um Bush hat - verkürzt formuliert - der
dritte große Kampf gegen die Feinde der Freiheit und der USA erst
begonnen. Der erste Gegner war vor mehr als 60 Jahren der deutsche
Faschismus, der zweite in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
der sowjetische Kommunismus. Nun geht es gegen den dritten Gegner, den
islamistischen Terrorismus. Die kriegerischen Zeiten hätten
demnach erst begonnen.
Quelle: dpa, 27.10.03, 16:59 Uhr
Die Mehrheit der Europäer ist der Meinung, dass die USA den
Wiederaufbau im Irak finanzieren sollten
Mehr bei telepolis (28.10.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15958/1.html
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G-20-Finanzminister sehen globalen Aufschwung
Di.28.10.03 - Die Finanzminister der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer
(G-20) sehen die Weltwirtschaft auf dem Weg der Besserung. "Die
Weltwirtschaft ist im Aufschwung", sagte der deutsche Finanzminister
Hans Eichel (SPD) zum Abschluss des zweitägigen Treffens der
Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrie- und
Schwellenländer im mexikanischen Morelia [http://www.hacienda.gob.mx/G20-2003].
Dafür gebe es in verschiedenen Regionen der Welt deutliche
Anzeichen, vor allem in den USA, aber auch in Europa und Japan. Die
Finanzminister und Notenbankchefs sprachen sich für einen freien
Welthandel aus. Dies sei die beste Chance für Entwicklungspolitik,
betonte Eichel. Deutschland übernahm am Montag den Vorsitz der
G-20. Die nächste Ministertagung findet vom 19. bis 21. November
2004 in Berlin statt
In Morelia, 300 Kilometer westlich von Mexiko-Stadt, diskutierten die
Finanzminister- und Notenbankchefs der G-20 auf ihrer Jahrestagung
über die hohen Leistungsbilanzdefizite und die wachsende
Verschuldung vieler Staaten. Außerdem wurden Maßnahmen zur
Entwicklungsfinanzierung und zur Bekämpfung der
Terrorismusfinanzierung erörtert werden. Außer Eichel nehmen
Bundesbankpräsident Ernst Welteke und Staatssekretär Caio
Koch-Weser an dem Treffen teil. Die G-20 ist eine informelle Runde ohne
Entscheidungskompetenz. Sie war vor drei Jahren gegründet worden.
Der Gruppe gehören unter anderem Argentinien, Australien,
Brasilien, China, Frankreich, Mexiko und Russland an.
(Quelle: afp)
Tagung der Sozialistischen Internationale eröffnet
Di.28.10.03 - Mit einem Aufruf zur Reform der Vereinten Nationen hat der
brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva am Montag in
Sao Paulo die Tagung der Sozialistischen Internationale eröffnet.
"Der einzige Krieg, den wir führen sollten, ist der gegen Hunger
und Ungleichheit", sagte Silva. "Dieser Krieg ist es wert, ihn zu
führen." Weiter erklärte er, die Länder müssten
Handelshemmnisse wie Agrarsubventionen abbauen.
Zu dem dreitägigen Treffen kamen Sozialisten und Sozialdemokraten
aus 100 Ländern. Die 600 Delegierten repräsentieren 150
politische Parteien aus Europa, Asien, Amerika und Afrika. Sie wollten
auch über soziale Gerechtigkeit, den internationalen Handel und
die Armut diskutieren.
Der Generalsekretär der Sozialistischen Internationale, Luis
Ayala, beschrieb die Organisation als "die größte politische
Familie der Welt, die Demokratie und soziale Gerechtigkeit durchsetzen
will". Hauptziel der Tagung sei die "Definition eines neuen
Multilateralismus für nachhaltige Entwicklung und Sicherheit".
Unter den Delegierten waren der ehemalige sowjetische
Staatspräsident Michail Gorbatschow, der frühere italienische
Ministerpräsident Massimo D'Alema, der serbische
Ministerpräsident Zoran Zivkovic und sein polnischer Kollege
Leszek Miller.
Silva wollte während der Tagung den südafrikanischen
Präsidenten Thabo Mbeki, den ehemaligen spanischen
Ministerpräsidenten Felipe Gonzalez und den Vorsitzenden der
französischen Sozialisten, Francois Hollande, treffen. Silvas
Arbeiterpartei ist noch nicht Mitglied der Sozialistischen
Internationale, könnte aber im kommenden Jahr beitreten, wie
Parteichef Jose Genoino erklärte.
(Quelle: ap)
Börsenbeben in Moskau nach Festnahme von Ölmagnat
US-Außenministerium besorgt über Auswirkung des
Chodorkowski-Falls
Di.28.10.03 - Die Festnahme des russischen Ölmagnaten Michail Chodorkowski hat
die Finanzmärkte des Landes schwer erschüttert. Die Moskauer
Börse setzte am Montag den Handel für eine Stunde aus,
nachdem der Aktienkurs des Ölkonzerns Jukos, dessen
Vorstandsvorsitzender Chodorkowski ist, um rund 20 Prozent eingebrochen
war und auch andere Titel mit in den Abgrund gerissen wurden.
Bis Handelsschluss verlor die Jukos-Aktie 15 Prozent und auch andere
Titel gaben deutlich nach. Kommentatoren in zahlreichen
Montagszeitungen äußerten die Sorge vor einer Rückkehr
sowjetischer Unterdrückungspraktiken. "Kapitalismus mit Stalins
Gesicht", titelte beispielsweise die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta".
Präsident Wladimir Putin erklärte, er werde sich nicht
für den Geschäftsmann einsetzen, sondern die Angelegenheit
der dafür zuständigen Justiz überlassen. Die
Ermittlungen seien aber kein Indiz dafür, dass die umstrittenen
Privatisierungen der neunziger Jahre wieder rückgängig
gemacht werden sollten, betonte er.
Chodorkowski, dem Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen werden,
befand sich am Montag in einem Moskauer Gefängnis, nachdem ein
Gericht am Samstag dem Haftantrag gegen ihn statt gegeben hatte.
Beobachtern zufolge steht hinter dem Vorgehen gegen Jukos das
Bemühen der Regierung, Chodorkowski von einer weiteren politischen
Betätigung abzuhalten. Der Jukos-Chef unterstützt offen
oppositionelle Gruppen.
Chodorkowski, der als reichster Mann Russlands gilt, war am
Samstagmorgen von einer Spezialeinheit am Flughafen von Nowosibirsk
festgenommen worden. Dem Jukos-Chef würden unter anderem Betrug in
großem Umfang sowie das Umgehen von Steuerzahlungen als
Einzelperson und durch seine Organisation vorgeworfen, teilte das
Büro der Staatsanwaltschaft mit. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter
soll Chodorkowski dem Staat Schaden in Höhe von mehr als einer
Milliarde US-Dollar zugefügt haben, wie Nachrichtenagenturen
berichteten. Er könne bis Ende Dezember in Untersuchungshaft
behalten werden, teilte Chodorkowskis Anwalt Anton Drel mit. Gegen
Jukos wurde bereits seit einigen Monaten wegen des Verdachts der
Steuerhinterziehung und Veruntreuung von Staatseigentum ermittelt.
Das US-Außenministerium ist derweil besorgt über die
Festnahme des russischen Öl-Milliardärs Michail Chodorkowski.
Das Ministerium verfolge den Fall und dessen Auswirkungen auf das
Justizsystem und das Wirtschaftsklima in Russland aufmerksam, sagte
Außenamtssprecher Richard Boucher in Washington. Angesichts der
Ereignisse stelle sich die Frage, ob das Gesetz in Russland selektiv
angewandt werde.
(Quellen: ap, dpa)
USA fordern deutsche Unterstützung für Klonverbot
Di.28.10.03 - Der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte hat Deutschland
aufgefordert, sich der Initiative für ein weltweites Verbot des
reproduktiven wie des therapeutischen Klonens anzuschließen.
Negroponte sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"
(Dienstagausgabe), er wolle die Bundesregierung ermutigen, gemeinsam
mit den USA einer Konvention den Weg zu bereiten, die "diese unethische
Technik weltweit ächtet".
Der Appell des Botschafters ist dem Bericht zufolge Teil einer
diplomatischen Offensive, um eine Mehrheit für ein umfassendes
Klonverbot zu erreichen. 58 Staaten zählten bereits zu den
offiziellen Unterstützern einer Initiative Costa Ricas für
ein umfassendes Klonverbot. Die konkurrierende Beschlussvorlage
Belgiens, die nach Lesart der US-Regierung das therapeutische Klonen
erlaube, könne derzeit nur auf 23 Staaten zählen. Notfalls
müsse die Konvention ohne jene Staaten weiterverfolgt werden, die
das Klonen zu wissenschaftlichen und medizinischen Zwecken gestatten
wollten, sagte Negroponte. Dazu zählen dem Bericht zufolge unter
anderem Großbritannien, China, Singapur, Israel und Schweden.
Negroponte äußerte Unverständnis über das deutsche
Ziel, eine Kampfabstimmung unter allen Umständen zu vermeiden. "Es
ist schwer, sich in dieser Frage einen Kompromiss vorzustellen", wird
der Botschafter zitiert. In den USA gibt es laut dem Botschafter eine
klare Mehrheit für ein umfassendes Klonverbot. Die US-Regierung
setze auf die Erforschung adulter Stammzellen, deren Nutzung keine
ethischen Probleme aufwerfe. Gerade angesichts rascher Fortschritte in
der Forschung sei eine baldige Entscheidung nötig. "Nach einem
Beschluss brauchen wir noch einige Zeit, bis eine Konvention unter Dach
und Fach ist. Wir sollten aber fertig sein, bevor es die ersten Klone
gibt", wird der Botschafter zitiert.
(Quelle: ap)
Unklare Strategie Berlins bei Anti-Klon-Debatte in New York
...Der Rechtsausschuss der UN-Generalversammlung (in New York) soll
eine Empfehlung für eine "Internationale Konvention gegen das
reproduktive Klonen menschlicher Wesen" erarbeiten. Bereits im
vergangenen Jahr konnten sich die Staaten nicht einigen. Auch vor zwei
Wochen ging die Arbeitsgruppe ergebnislos auseinander. Zwei Blöcke
stehen sich gegenüber, angeführt von Costa Rica und Belgien.
Der lateinamerikanische Staat fordert ein Totalverbot: Sowohl das
Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken als auch das Klonen
ganzer Menschen soll geächtet werden. Belgien will nur Letzteres
verbieten, während das Forschungsklonen national geregelt, also je
nach Land verboten, zugelassen oder mit einem Moratorium belegt werden
soll. In den neuen Verhandlungen muss sich nun auch Deutschland
positionieren.
Der belgische Vorschlag wird von China, Großbritannien und 30
weiteren Staaten unterstützt. Costa Rica kann mit der Zustimmung
von 56 Staaten rechnen, darunter Spanien, Italien und die USA. Dass das
deutsche Außenministerium sich nicht dieser Fraktion
angeschlossen hat, stößt im Bundestag auf
Unverständnis. Politiker fast aller Parteien – etwa Wolfgang
Wodarg (SPD), Hubert Hüppe (CDU), Christa Nickels (Grüne) –
sehen in der Regierungslinie einen Verstoß gegen den
Parlamentsbeschluss vom Februar. Damals wurde die Regierung beauftragt,
das "weltweite Verbot jeglicher Form des Klonens" zu erreichen.
Folglich, so die Mehrheit, entspreche nur der Entwurf Costa Ricas dem
Willen des Bundestages.
.. In New York wird sich zeigen, wie die Aussagen der Staatsministerin
im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller (Grüne), zu bewerten
sind. Bei der Bundestagsdebatte vergangene Woche erklärte sie,
keiner der beiden Positionen zustimmen zu können. Ein Totalverbot
entspreche "in der Substanz unserer Überzeugung", das Vorgehen
Costa Ricas sei aber falsch: "Die meisten biotechnologisch wichtigen
Staaten werden diese Verhandlungen ablehnen". Für die belgische
Variante könne Deutschland auch nicht votieren, da das
Forschungsklonen dann zu wenig geregelt würde – eine
überraschende Aussage, ist doch der belgische Plan fast
deckungsgleich mit einem deutsch-französischen Diskussionspapier,
das Anfang Oktober präsentiert wurde.
Oberstes Ziel des Auswärtigen Amtes ist eine Lösung im
Konsens. Eine knapp verabschiedete Resolution sei, so Müller,
"zahnlos", weil dann etwa China und Singapur, die im Forschungsklonen
weit fortgeschritten sind, nicht dabei wären. Unabhängig vom
Ausgang mehren sich die Stimmen, die den therapeutischen Nutzen des
Forschungsklonens in Frage stellen. Am Kölner Max-Planck-Institut
hat die Einpflanzung geklonter embryonaler Stammzellen in
Mäusehirne zu schweren Tumoren geführt. Auch
Bundesärztekammer und Deutsche Forschungsgemeinschaft lehnen das
Klonen von Embryonen ab. Ein weltweiter Konsens scheint jedoch fast
unmöglich zu sein. Am wahrscheinlichsten ist es, dass sich der
UN-Rechtsausschuss auf das nächste Frühjahr vertagen wird. Es
ist nicht ausgeschlossen, dass Deutschland erst dann eindeutig Stellung
bezieht.
Aus: Süddeutsche Zeitung vom 21.10.03
Blick ins Archiv
Bundestag für generelles Klonverbot weltweit
Aufforderung an Regierung, sich für die internationale Ächtung
sowohl des reproduktiven als auch des therapeutischen Klonens einzusetzen. Mehr unter:
http://home.t-online.de/home/boa-archiv/k0302221.htm#03022115
Das Klonen geht auf eine 50-jährige Forschungsgeschichte zurück. Mehr unter:
http://home.t-online.de/home/boa-archiv/k0301070.htm#030105_c
Telepolis- Klonen-Spezial:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/klon/default.html
Mehr zum Thema Klonen unter:
http://home.t-online.de/home/boa-archiv/k0212300.htm#us_klon
http://home.t-online.de/home/boa-muenchen/n0202140.htm#top
http://home.t-online.de/home/boa-archiv/k0212260.htm#bruestle
Initiative "Stoppt PID und Klonen":
http://www.stoppt-pid-und-klonen.de
Vor 50 Jahren entdeckten James Watson und Francis Crick die Struktur der Erbsubstanz. Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0191.nf/text
Von der DNA-Helix bis zum Bauplan des Menschen (Chronologie):
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0189.nf/text
Mit Mendel fing es an - Entdeckungen vor der Helix-Ära (Chronologie:
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0190.nf/text
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Stammzellenkonferenz in Singapur
Di.28.10.03 - Mehr als 450 Genforscher aus 40 Ländern sind am heutigen Dienstag
in Singapur zur ersten internationalen Stammzellenkonferenz des
südostasiatischen Stadtstaates zusammengekommen. Wegen der
liberalen Gesetzgebung ist Singapur zu einem Zentrum für die
embryonale Stammzellforschung geworden. Ziel der Konferenz sei es, die
Nutzung der innovativen und zugleich umstrittenen Forschung voran zu
treiben, heißt es in einer Erklärung der veranstaltenden
Behörde für Wissenschaft, Technologie und Forschung. In
Singapur dürfen Klone menschlicher Embryos bis zum Alter von 14
Tagen zur Erzeugung von Stammzellen genutzt werden. Zu den Rednern auf
der Konferenz gehören die Stammzellenforscher Douglas Melton von
der Harvard Universität und Irving Weissman von der Stanford
Universität.
(Quelle: ap)
Dänischer Kindermörder gab jahrelang Samenspenden ab
Di.28.10.03 - Ein wegen der Ermordung seiner eigenen Kinder zu lebenslanger Haft
verurteilter dänischer Psychopath hat einer Samenbank jahrelang
Sperma gespendet und auf diese Weise möglicherweise Kinder in
aller Welt gezeugt. Ein Mitarbeiter der Samenbank Cryos International
Sperm Bank erkannte den eifrigen Samenspender jetzt auf Zeitungsfotos,
wie die dänische Tageszeitung "B.T." am Freitag berichtete. Der
Mann habe in der Samenbank in Aarhus zweieinhalb Jahre lang zweimal
wöchentlich Sperma gespendet und dafür jeweils 33,60 Euro
kassiert. Die Samenproben seien in rund 40 Länder auf der ganzen
Welt verschickt worden. Ein Psychologe riet möglicherweise
betroffenen Frauen zur Abtreibung.
(Quelle: afp)
Verfassungs-Diskussion in Europa
Mehrheit für Team-Präsidentschaft im EU-Ministerrat +++ EU
streitet über Verfassungswünsche der Finanzminister +++
EU-Parlamentarier gegen Änderungen am Verfassungsentwurf
Di.28.10.03 - Die italienische EU-Präsidentschaft sieht unter den heutigen und
künftigen Mitgliedstaaten breite Unterstützung für eine
künftige "Team-Präsidentschaft". Noch keine Einigkeit in
Brüssel gab es laut Italiens Außenminister Franco Frattini
über die Politikbereiche, über die der Rat mit qualifizierter
Mehrheit abstimmt.
Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen gingen bei den
Brüsseler Beratungen die Vorstellungen über die
Team-Präsidentschaft im Detail allerdings noch weit auseinander.
Einzelne Modelle sehen vor, dass sich drei oder vier Regierungen den
Ratsvorsitz für zwölf, 18 oder 24 Monate teilen. Bislang
rotiert der Ratsvorsitz unter den Mitgliedstaaten alle sechs Monate.
Ein aus mehreren Regierungen bestehender Ratsvorsitz sollte für
ein Gleichgewicht zwischen alten und neuen Mitgliedstaaten,
großen und kleinen Ländern sowie nach deren Lage in der
Union sorgen, sagte Frattini. Der italienische Vorsitz will für
die Verfassungsverhandlungen vor dem Sondertreffen der
Außenminister Ende November in Neapel einen umfassenden
Kompromissentwurf vorlegen.
Die Team-Präsidentschaft soll künftig nur für die
Fachministerräte gelten. Im Rat der Staats- und Regierungschefs
soll laut Verfassungsentwurf des Konvents ein ständiger
Gipfel-Präsident die Tagungen leiten.
Frattini zufolge gingen die Positionen zu der vom Konvent geforderten
Ausweitung von Mehrheitsvoten bei Ratsabstimmungen weit auseinander.
Großbritannien forderte laut Diplomaten das bisherige
Einstimmigkeitsgebot vor allem in bestimmten Steuerfragen und Fragen
der Sozialpolitik. Bundesaußenminister Joschka Fischer
(Grüne) sagte, Deutschland tue sich bei der vorgeschlagenen
Einführung von Mehrheitsentscheidungen zu Einwanderung und Asyl
schwer.
Die Forderung nach einem Verweis in der EU-Verfassung auf die
christlichen Wurzeln Europas findet laut Frattini unter den Regierungen
zunehmend Unterstützung. Deutschland würde einem Gottesbezug
in der Verfassung nicht widersprechen, wiederholte Fischer am Rande der
Sitzung die Haltung der Bundesregierung.
Den EU-Finanzministern ist es derweil auch ohne Verhandlungsmandat
gelungen, die Beratungen über die künftige EU-Verfassung zu
beeinflussen.
Die Außenminister der EU- und Beitrittsstaaten debattierten am
Montag in Brüssel Änderungsvorschläge, die Italiens
Finanzminister Giulio Tremonti Diplomaten zufolge ohne Auftrag seiner
Kollegen auf den Tisch der Regierungskonferenz legen ließ. Der
italienische Außenminister Franco Frattini kritisierte die
Stellungnahme der Finanzminister zwar als inakzeptabel, weil die
Verfassung nur von Außenministern und Regierungschefs beraten
werden sollte. Dennoch sorgten die Vorschläge für eine
Debatte über eine Einschränkung der Haushaltsrechte des
EU-Parlaments und eine Begrenzung der Rolle der Kommission bei der
Überwachung der Haushaltspolitik der EU-Staaten.
Die Finanzminister hatten nach Angaben aus der italienischen
Ratspräsidentschaft vorgeschlagen, dass sie auch künftig
über die meisten Frühwarnungen wegen zu hoher Staatsdefizite
entscheiden sollten. Damit würde die bisherige Situation
weitgehend beibehalten. Nur bei Gefahr für das Funktionieren der
Wirtschafts- und Währungsunion solle die Kommission alleine
handeln können. Dem Europäischen Parlament sprachen die
Finanzminister das Recht ab, den EU-Haushalt nach gescheiterten
Vermittlungsverhandlungen ablehnen zu können.
Der deutsche Parlamentsvertreter in der Regierungskonferenz, Klaus
Hänsch (SPD), kritisierte diese Vorschläge als großen
Rückschritt. Damit würde das Parlament schlechter dastehen
als nach dem jetzt geltenden EU-Recht. Die Kommission wies die
Vorschläge der Finanzminister ebenfalls als Interessenpolitik
zurück.
Frattini berichtete, es habe kein einheitliches Bild gegeben.
Deutschland habe die Vorschläge der Finanzminister gemeinsam mit
Belgien und Luxemburg zurückgewiesen, sagten Diplomaten. Die
Vorschläge seien vom Wirtschafts- und Finanzausschuss vorbereitet
worden, den der deutsche Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser
leitet. Die Finanzminister hätten sie aber nie beschlossen,
sondern nur informell besprochen. Finanzminister Hans Eichel habe nicht
zugestimmt.
Deutschland hatte Anfang 2002 seinen so genannten Blauen Brief im
Finanzministerrat verhindert. Später hatte sich allerdings
gezeigt, dass die Kommissionswarnung vor einem zu hohen deutschen
Defizit gerechtfertigt war. Inzwischen läuft gegen Deutschland ein
Defizitverfahren. Der Konvent hatte vorgeschlagen, dass die Kommission
alleine Frühwarnungen verschicken kann.
Vertreter des Europa-Parlaments haben am Montag bei einem Treffen mit
den EU-Außenministern auf ihre im Verfassungsentwurf vorgesehenen
Mitspracherechte bei der Haushaltsverabschiedung bestanden. Eine
Rücknahme der Kontrollbefugnisse würde das Parlament
völlig schwächen, sagte der deutsche Parlamentarier Klaus
Hänsch, der am Verfassungsentwurf mitgearbeitet hatte. "Wir haben
klar gemacht, dass das nicht akzeptabel ist."
Der österreichische Europaabgeordnete Johannes Voggenhuber sprach
sogar von einem Angriff auf die europäische Demokratie. Die
Haushaltskontrolle sei die Kernkompetenz eines jeden Parlaments, sagte
er vor Journalisten. Vor allem Frankreich und Großbritannien
setzen sich dafür ein, dass die nationalen Regierungen ihre
bisherigen Finanzkompetenzen behalten, da das EU-Budget aus nationalen
Kassen komme. Das EU-Parlament solle sich daher mit einer beratenden
Rolle begnügen - was weniger als unter den bisher geltenden
EU-Regeln wäre, unter denen das Parlament bereits
Haushaltskompetenzen hat.
Im Verfassungsentwurf wird die Verabschiedung des EU-Haushalts in die
Kompetenz des Parlaments gestellt. Das Parlament soll künftig auch
in einer Reihe politischer Bereiche von Justiz bis Landwirtschaft nach
dem Mehrheitsprinzip mitentscheiden.
Der italienische Außenminister Franco Frattini sagte, es habe bei
dem Treffen Meinungsverschiedenheiten über die Rolle des
Parlaments gegeben. "Wir wollen wirklich nicht die Büchse der
Pandora öffnen", fügte er hinzu. Seine Regierung, die derzeit
den EU-Ratsvorsitz innehat, wolle demnächst einen
Kompromissvorschlag vorlegen. Das Treffen am Montag war auch die dritte
Verhandlungsrunde über die Schaffung des Amtes eines
EU-Präsidenten.
(Quellen: afp, rtr, ap)
Konventsvorschlag für europäische Verfassung:
http://european-convention.eu.int/DraftTreaty.asp?lang=DE
EZB-Direktorium warnt vor übereiltem Beitritt zur Euro-Zone
Di.28.10.03 - Die zehn neuen Mitgliedsländer der Europäischen Union (EU)
sollten nach Ansicht von EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude
Tumpel-Gugerell nicht zu früh der Euro-Zone beitreten.
Die Stabilität der gesamten Wirtschaft müsse das vorrangige
Ziel der Länder auf dem Weg zur Währungsunion sein, sagte
Tumpel-Gugerell am Montag in Frankfurt. "In ihrem eigenen Interesse
sollten die Beitrittsländer vorsichtig sein, den Euro wegen
möglicher wirtschaftlicher Kosten für ihre Länder nicht
zu früh einzuführen", bekräftigte sie die Position der
Europäischen Zentralbank (EZB). Der stellvertretende tschechische
Notenbankchef Oldrich Dedek warnte vor zu harten Regeln bei der
Anbindung der Wechselkurse an den Euro und kritisierte die mangelnde
Haushaltsdisziplin der großen Euro-Zonen-Länder als wenig
hilfreich für die Kandidatenländer.
Das von Dedek als herausfordernd bezeichnete Herangehen der heutigen
Mitgliedsländer an den Stabilitäts- und Wachstumspakt sei
womöglich ein falsches Signal an die künftigen
Teilnehmerstaaten. "Es vermittelt den Eindruck, die großen
Länder dürften die Regeln verletzen und die kleinen nicht",
sagte er. Für viele Länder, auch die tschechische Repbulik,
seien übermäßige Defizite das schwierigste Problem in
den kommenden Jahren. Die EU gesteht Frankreich und voraussichtlich
auch Deutschland wegen der schwachen Konjunktur 2004 das dritte Jahr
nacheinander eine Neuverschuldung von mehr als drei Prozent des
jeweiligen Bruttoinlandsprodukts zu.
Tumpel-Gugerell sagte, die verlangte feste Bindung der
Beitrittswährungen an den Euro im Wechselkursmechanismus (ERM II)
könne die wirtschaftliche Angleichung zwar verstärken. "Die
Teilnahme am ERM II (...) muss zugleich insbesondere mit der Geld-,
Fiskal- und Strukturpolitik in Einklang stehen."
Die zweijährige Teilnahme der Währung am ERM II ist eines von
fünf Konvergenzkriterien für einen Beitritt zur Euro-Zone.
Der Kurs einer Landeswährung darf dabei nicht
übermäßig vom zentralen Euro-Leitkurs abweichen -
verlässt er bestimmte Bandbreiten, muss am Devisenmarkt
interveniert werden. "Der Zeitpunkt des Beitritts zum ERM II ist eine
der meist diskutierten Fragen", sagte Dedek. Die tschechische Republik
wolle am Ende dieses Jahrzehnts zur Währungsunion stoßen und
fasse den ERM II deshalb erst ins Auge, wenn alle Konvergenzkriterien
erreichbar seien.
Offen ist zudem noch, ob das Band auf plus/minus 2,25 Prozent begrenzt
sein soll wie es im ursprünglichen Mechanismus vorgesehen war oder
die formal geltende weite Spanne von 30 Prozent. Dedek zufolge sind die
Beitrittsländer besorgt darüber, dass bei den Verhandlungen,
die jedes Land dazu mit der EZB und der EU führen muss, die erste
Version festgelegt werden könnte. Ein Band von plus/minus 15
Prozent sei zwar zu großzügig, um den Wechselkurs zu
stabilisieren. Doch "angesichts der vergangenen Volatilität
unseres Wechselkurses wäre solch ein enges Band eine Zwangsjacke
mit unvorhersehbaren Folgen für die Geldpolitik." Wenn die
Notenbank häufig am Devisenmarkt die Kurse glätten
müsse, kann es Dedek zufolge zu einem Konflikt mit der
angestrebten Preisstabilität kommen. Auch die EZB werde vermutlich
nicht auf das enge Band bestehen. Sein Land werde abwarten, was mit
Polen und Ungarn vereinbart würde.
(Quelle: rtr)
Deutschland
CDU bei Kommunalwahl in Brandenburg stärkste Kraft
Di.28.10.03 - Die CDU ist aus den Brandenburger Wahlen zu den 14 Kreistagen und vier
Stadtverordnetenversammlungen als unangefochten stärkste Kraft
hervorgegangen. Nach dem in Potsdam vom Landeswahlleiter vorgelegten
vorläufigen Endergebnis erreichte die CDU bei einem Zuwachs von
6,4 Prozentpunkten ein Wahlergebnis von 27,8 Prozent. Die SPD erlitt
zweistellige Verluste von 15,4 Prozent und kam auf 23,5 Prozent. Die
PDS lag als drittstärkste Kraft in den Kreistagen und
Stadtverordnetenversammlungen nahezu unverändert bei 21,3 Prozent.
Die FDP kam auf 6,3, die Grünen auf 4,2 Prozent.
Die rechtsextreme DVU sowie die Schill-Partei errangen aus dem Stand
ein Prozent und jeweils knapp 30.000 Wählerstimmen. Die NPD stieg
bei 0,5 Prozent von 2000 Wählerstimmen bei der Kommunalwahl 1998
auf jetzt landesweit gut 14.000 Stimmen.
Die CDU eroberte elf der ehemals 14 vollständig SPD-dominierten
Landkreise sowie die Stadtverordnetenversammlung der kreisfreien Stadt
Brandenburg an der Havel. Dort wird die bestplatzierte CDU-Kandidatin
gegen den abgeschlagenen SPD-Kandidaten am 16. November bei einer
Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt antreten. Die PDS wurde in
den kreisfreien Städten Potsdam, Cottbus und Frankfurt an der Oder
sowie im Kreistag Barnim stärkste Kraft. Die SPD konnte sich
lediglich in zwei Kreistagen als stärkste Partei behaupten.
Das Ergebnis beruht auf der vollständigen Auszählung aller
für die insgesamt 18 Kreistage und Stadtverordnetenversammlungen
maßgeblichen Wahlkreise. Zu großen Teilen noch nicht
ausgezählt worden sind jedoch die Wahlen zu den Vertretungen der
416 Gemeinden sowie die Bürgermeisterwahl in diesen Kommunen.
Ebenfalls liegen die Ergebnisse der kreisangehörigen Städte
noch nicht vor.
Mit der Kommunalwahl war die Gemeindegebietsreform in Kraft getreten,
bei der ehemals 1475 Kommunen zu nur noch 416 Gemeinden
zusammengeschlossen worden. In nahezu allen neugebildeten Gemeinden
mussten die Gemeindevertretungen, Bürgermeister, Ortsbeiräte
und Ortsbürgermeister gewählt werden. Die Ergebnisse dieser
Wahlgänge sind überwiegend noch nicht ausgezählt worden.
(Quelle: afp)
Schröder bleibt trotz SPD-Wahldesaster auf Reformkurs
SPD-Politiker wollen den Kanzler in die Pflicht nehmen: Schröder
müsse sich mehr um die Partei kümmern +++ Forderung nach
strategischer Neuausrichtung der Partei in den neuen Ländern +++
Partei-Linke: SPD hat Kernkompetenz in der sozialen Frage verloren
Di.28.10.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will auch nach dem
SPD-Desaster bei den Kommunalwahlen in Brandenburg an seinem Reformkurs
festhalten. Es gebe zu den Reformen keine Alternative, betonte er am
Montag in Berlin. Die SPD verlor am Sonntag mit mehr als 15
Prozentpunkten dramatisch und wurde von der CDU als stärkste Kraft
im Lande abgelöst. SPD-Linke übten nach der neuerlichen
verheerenden Niederlage deutliche Kritik am Kurs der Bundesregierung.
Schröder gestand ein, die SPD-Niederlage sei auch auf die
Reformdiskussion im Bund zurückzuführen. Die Menschen
hätten Angst, dass es Belastungen gebe, ohne dass die positiven
Effekte der Reformen zeitgleich sichtbar würden. Die Reformen
müssten geschlossen und entschlossen vorangetrieben werden. Es sei
Aufgabe der Koalition, diese Politik der Bevölkerung geduldig zu
erklären.
Nach dem Wahldebakel der SPD bei den Kommunalwahlen in Brandenburg
haben SPD-Politiker Bundeskanzler Gerhard Schröder ermahnt, seine
Pflichten als Parteichef nicht zu vernachlässigen. Schröder
müsse das Amt des Parteivorsitzenden auch wahrnehmen, sagte der
saarländische SPD-Landesvorsitzende Heiko Maas der "Bild"-Zeitung
(Dienstagausgabe). Auch der Juso-Vorsitzende Niels Annen forderte,
Schröder müsse sich mehr um die Partei kümmern.
Der ostdeutsche SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Meckel forderte als
Konsequenz aus der Wahlniederlage eine strategische Neuausrichtung der
Partei in den neuen Ländern. "Wir brauchen eine geschlossene
Strategie, wie wir die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost
und West möglichst schnell erreichen", sagte Meckel der
"Mitteldeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe). Die Kluft zwischen neuen
und alten Ländern nehme seit einiger Zeit wieder zu. Zum
Reformkurs gebe es aber keine Alternative.
Das zum linken Parteiflügel zählende SPD-Vorstandsmitglied
Andrea Nahles kritisierte im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstag):
"Die SPD hat ihre Kernkompetenz in der sozialen Frage verloren." Das
von der Regierung zu verantwortende "negative Bild der
Sozialklempnerei" müsse durch ein positives Bild vom Sozialstaat
ersetzt werden. Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas forderte:
"Der Mangel an sozialer Ausgewogenheit der Reformen muss korrigiert
werden."
Brandenburgs Ministerpräsident und SPD-Chef Matthias Platzeck
sagte, Rente sowie Wirtschafts- und Sozialpolitik seien die Wahl
bestimmenden Themen gewesen. "Dass es in diesem Umfang passieren wird,
das habe ich nicht vorhergesehen."
Brandenburgs Innenminister und CDU-Chef Jörg Schönbohm sagte,
der Ausgang der Kommunalwahl dürfe die Arbeit der
SPD/CDU-Koalition auf Landesebene nicht beeinträchtigen.
Natürlich werde die Verunsicherung der SPD durch ihre herbe
Niederlage Folgen haben. Den Wahlsieg seiner Partei führte
Schönbohm vor allem auf die große Geschlossenheit
zurück. Aber auch die rot-grüne Bundespolitik sei für
die Wahlchancen der Union ein glücklicher Faktor gewesen.
Der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky sagte: "Die Wahlergebnisse in
Brandenburg zeigen deutlich, dass die PDS wieder zunehmend
größere Akzeptanz für ihre politischen Alternativen
findet." PDS-Landeschef Ralf Christoffers wertete die Wahlen als ein
Signal der «Stabilität und Glaubwürdigkeit» der
Linkssozialisten.
Bundespolitische Ursachen für den Ausgang der Brandenburg-Wahl
sehen auch die Grünen. Es sei noch nicht gelungen, die
Bevölkerung für den Reformkurs zu gewinnen, sagte Parteichef
Reinhard Bütikofer. Seine Partei habe sich «auf solidem
Niveau» gehalten. FDP- Generalsekretärin Cornelia Pieper
bezeichnete das Abschneiden ihrer Partei als "ausgezeichnetes Ergebnis".
Die SPD erzielte mit 15 Prozent das schlechteste Ergebnis in der Stadt
Frankfurt (Oder). Der beste Wert wurde im Landkreis Teltow-
Fläming mit 27,4 Prozent erreicht. Die CDU konnte in Brandenburg
an der Havel um mehr als 21 Punkte zulegen und erreichte 37,3 Prozent.
Das niedrigste CDU-Ergebnis wird aus der Landeshauptstadt Potsdam mit
19,2 Prozent (1998: 13,4) gemeldet. Die PDS erzielte ihr bestes
Ergebnis in Frankfurt (Oder) mit 33,9 Prozent. Das schlechteste
Ergebnis erzielte die Partei in Brandenburg/Havel mit 14,9 Prozent.
(Quellen: ap, dpa)
SPD-Führung mildert laut Zeitung Leitantrag für Parteitag ab
Di.28.10.03 - Unter dem Eindruck der herben innerparteilichen Kritik an den geplanten
Sozialreformen hat die SPD-Führung einem Zeitungsbericht zufolge
den Leitantrag für den kommenden Parteitag deutlich abgemildert.
Ganze Passagen mit ökonomischen Analysen zu Arbeitslosigkeit und
Tarifautonomie aus früheren Entwürfen des Antrags mit dem
Titel "Unser Weg in die Zukunft" seien zu Gunsten traditioneller
SPD-Themen aufgegeben oder stark modifiziert worden, berichtet die
«Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe).
Gestrichen habe die Antragskommission unter Leitung des
rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck aus dem
Antrag des Parteivorstands für den Bundesparteitag Mitte November
in Bochum unter anderem eine Analyse der deutschen Arbeitsmarkt-Misere
und der "heimischen Ursachen der langfristigen Wachstumsschwäche".
Als Grund sei die "im internationalen Vergleich relativ kurzen Wochen-
und Lebensarbeitszeit" ausgemacht worden. Gestrichen worden seien auch
Hinweise auf einen künftigen flexibleren Umgang der SPD mit
Flächentarifverträgen.
(Quelle: ap)
Meinungsforscher sehen schlimmste Krise des Parteiensystems
Wissenschaftler besorgt über extrem niedrige Wahlbeteiligung
Di.28.10.03 - Laut einem Bericht der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe) sehen
Wahlforscher in der extrem niedrigen Wahlbeteiligung von nur rund 45
Prozent eine Gefahr für das gesamte politische System. "Wenn beide
großen Parteien nicht mehr das Vertrauen der Bürger haben,
ist das eine unglaubliche Krise, wie wir sie seit 50 Jahren nicht
hatten", sagte der Göttinger Politologe Franz Walter dem Blatt.
Wenn immer weniger Menschen wählen gingen, könne dies zu
einer Legitimationskrise der parlamentarischen Demokratie führen.
Nichtwählen ist laut dem Berliner Politologe Peter Lösche
eine bewusste politische Entscheidung der Wähler. Viele
Bürger seien nicht zu einer anderen Partei gewechselt, sondern
hätten ihre Stammpartei durch Nicht-Wählen abgestraft, wird
Lösche zitiert.
Auch der Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner warnt: Die aktuelle
Unzufriedenheit mit der Politik sei "die schlimmste Krise des deutschen
Parteiensystems". "Nie zuvor waren Beunruhigung, Unsicherheit und Angst
in der Bevölkerung größer als derzeit", sagte der
Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts dem
"Hamburger Abendblatt" (Dienstagausgabe). Die Folge seien
Interessenlosigkeit, Lethargie und der Rückzug ins Private. Es
gebe eine neue Dimension der Vertrauenskrise in Deutschland, sagte
Schöppner.
"Zum Vertrauensverlust und der geringen Problemlösungskompetenz
kommt nun auch noch der Fakt, dass die Bürger die Entscheidungen
der Politiker nicht mehr verstehen". Dazu zählten beispielsweise
die Gesundheitsreform und die Rente. Die Wähler seien nicht mehr
bereit, diese Entscheidungen mitzutragen. "Sie empfinden Reformen nur
noch als Alibis, plötzlich entstandene Haushaltslöcher zu
stopfen". Es drohten dramatische Folgen: "Politiker könnten den
Anspruch verlieren, für die Wähler zu sprechen". Die
Bürger wollten eine große Kooperation über
Parteigrenzen hinweg und hätten genug von Blockadepolitik.
(Quellen: dpa, ap)
Lehmann und Kock kritisieren Verlauf der Reformdebatte
Noch sei nicht sichtbar, dass auch die Starken in die Pflicht genommen
werden
Di.28.10.03 - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann,
hat die derzeitige Reformdebatte als ziellos kritisiert. Lehmann
bemängelte in den "Westfälischen Nachrichten"
(Dienstagausgabe) das Fehlen einer "gesellschaftspolitischen
Zielperspektive". Dies verunsichere die Menschen, sagte Lehmann und
kündigte ein Hirtenwort der Bischöfe zum Jahresende an. Der
scheidende EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock beklagte mangelnde soziale
Gerechtigkeit in Deutschland.
"Der Begriff Solidarität ist in den vergangenen Jahren in
merkwürdiger Weise reduziert worden", sagte Kock der
"Süddeutschen Zeitung" (Dienstagausgabe). Es gebe noch kein
Gleichgewicht zwischen Wirtschaft und Sozialem. Der Umbau der
Sozialsysteme sei zwar nötig, zwinge aber zu Einschränkungen
bei allen. "Noch ist nicht sichtbar, dass auch die Starken in die
Pflicht genommen werden", mahnte der am Dienstag kommender Woche
scheidende Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in
Deutschland (EKD).
(Quelle: ap)
Bsirske: Streit über Reformen wird sich in Betriebe verlagern
Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser: Rechne nicht mit
streikähnlichen Arbeitnehmer-Protesten gegen die Reformen
Di.28.10.03 - Der Streit über die Arbeitsmarkt- und Sozialreformen wird sich
nach den Worten von Verdi-Chef Frank Bsirske in die Betriebe verlagern.
Er rechne aber nicht mit einem "heißen Herbst" in den Unternehmen.
Bsirske sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Rande einer
Podiumsdikussion am Montag in Potsdam: "Da müssen sich die
Unternehmer nicht wundern, dass das nun auch zum Gegenstand von
Diskussionen und Versammlungen in den Betrieben wird." Es seien die
Unternehmerverbände gewesen, die die nun auf der Tagesordnung
stehenden Einschnitte gefordert hätten. "Das trifft die Menschen
in den Betrieben", sagte der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft
Verdi. Welche Formen die Auseinandersetzung annehmen werde, könne
er nicht sagen. "Ich habe nie zu denen gehört, die heiße
Herbste angekündigt haben."
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte Reuters, er
rechne nicht mit streikähnlichen Arbeitnehmer-Protesten gegen die
Reformen. "Das kann ich mir nicht vorstellen." Das Wissen und das
Bewusstsein der Arbeitnehmer über den Ernst der Lage und die
Dringlichkeit von Reformen seien zu groß, als dass sie in
Betracht ziehen könnten, "ihren Betrieben zu schaden".
Mit Blick auf das Gespräch des DGB mit CSU-Chef Edmund Stoiber am
Montag in München kündigte Bsirske an, die Gewerkschaften
würden in allen Richtungen Bündnispartner suchen. Er selbst
habe mit Stoiber schon vor der Bundestagswahl 2002 eine Intensivierung
der Kontakte ins Auge gefasst. Die Gesprächsbereitschaft der
Gewerkschaften gelte auch für die CDU und die anderen Parteien.
Die geplanten Reformen rührten nicht nur an Grundwerte der
Gewerkschaftsbewegung, sondern auch die der katholischen Soziallehre.
(Quelle: rtr)
Spitzengespräch von DGB und CSU
Wollen gemeinsames Gesundheitskonzept erarbeiten
Di.28.10.03 - Vor gut einem Jahr noch hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund den
SPD-Wahlkampf massiv unterstützt, um einen Bundeskanzler Edmund
Stoiber zu verhindern. Am Montag trafen sich die Führungen von CSU
und DGB zu einem Spitzengespräch in München - und waren des
Lobes voll. Sogar ein gemeinsames Papier zur Gesundheitsreform wollen
sie vorlegen. DGB-Chef Michael Sommer sah sich schließlich zu dem
Hinweis genötigt: "Das ist nicht der Beginn einer langen
Freundschaft, aber der Beginn einer fairen Diskussion."
Noch wenige Minuten vor dem Treffen hatte CSU-Chef Stoiber gesagt: "Die
Schnittmengen sind nicht sehr groß." Die Gewerkschaften
hätten noch nicht verstanden, dass Wirtschaft und Arbeitsmarkt
international verflochten seien. Längere Arbeitszeiten seien
nötig, weniger Kündigungsschutz bei Neueinstellungen und
betriebliche Bündnisse für Arbeit, um die Wirtschaft zu
stärken und neue Jobs zu schaffen. Daran hielt er auch nach dem
dreistündigen Gespräch mit der DGB-Spitze noch fest - aber
der Ton war plötzlich ein völlig anderer.
Das Treffen sei ein wichtiges Signal, dass der DGB parteipolitisch
unabhängig sei, hatte Sommer vorher betont und die CSU
demonstrativ umworben. Jetzt betonten beide die Gemeinsamkeiten.
CSU wie DGB lehnten vom Einkommen unabhängige
Pauschalbeiträge in der Krankenversicherung ab. Stoiber spottete
über den Vorschlag der CDU, einen Ausgleich über Steuern und
den Aufbau eines Kapitalstocks zu schaffen: "Einen Hund, der sich einen
Wurstvorrat anlegt, kenn' ich nicht." DGB und CSU seien sich auch
völlig einig, dass der Wettbewerb zwischen Anbietern von
Gesundheitsleistungen verstärkt werden müsse, um
Sparpotenziale auszuschöpfen. "Wir werden uns auf Fachebene
zusammen setzen und ein gemeinsames konkretes Papier erarbeiten", sagte
der bayerische Ministerpräsident.
Im Unterschied zum DGB lehne die CSU eine Bürgerversicherung ab.
Sommer sagte: "Ich hoffe, dass wir an ein oder anderer Stelle noch
Überzeugungsarbeit leisten können." Sie seien sich aber
einig, dass Kinder bei allen Sozialreformen stärker
berücksichtigt werden und die Eltern bei den Beitragszahlungen
entlastet werden müssten. "Wir wollen Kinderkriegen fördern",
erklärte Sommer.
Einer Meinung seien DGB und CSU zudem beim Rentenalter, sagte Stoiber.
Es sei eine Provokation, wenn es für Arbeitnehmer über 50
Jahren keine Stellenangebote mehr gebe, aber das Rentenalter auf 67
Jahre erhöht werden solle.
Auch bei der Förderung der Zukunftstechnologien gebe es keine
Meinungsunterschiede zwischen CSU und DGB, sagte Stoiber: Für das
künftige Wirtschaftswachstum und neue Arbeitsplätze
müsse in Bio-, Gen- und Medizintechnologie investiert werden.
Sogar bei der Steuerreform seien beide für ein Vorziehen, sagte
der CSU-Chef. Allerdings wolle der DGB ein Drittel über neue
Schulden finanzieren, die CSU höchstens ein Viertel. "Wir werden
sehen", fügte Stoiber hinzu, als handle es sich bloß um ein
Detailproblem.
So beinhart er in den vergangenen Monaten die immer höheren
Schulden gegeißelt und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zu
einem Dreh- und Angelpunkt der Politik erklärt hatte, so
versöhnlich gab er sich jetzt im Ton. Die Gewerkschaften
sähen den Ernst der Lage noch nicht so recht - aber es wäre
ein Fehler, sie noch stärker in die Ecke zu drängen, warnte
der CSU-Chef: "Die CSU ist der festen Überzeugung - bei allen
Meinungsverschiedenheiten in einzelnen Fragen -, dass unser Land starke
Gewerkschaften benötigt." Er sei grundsätzlich ein
"Anhänger des Flächentarifvertrages".
Im Gegenzug schmeichelte Sommer der Volkspartei CSU: Die Wahlergebnisse
zeigten ja, "dass die CSU in Bayern als Schutzmacht der kleinen Leute
angesehen wird". Er wolle das Verhältnis "normalisieren und
institutionalisieren". Das Gespräch sei "sachbezogen, fair und
offen" gewesen, es solle der Beginn eines regelmäßigen
Dialogs werden. Schließlich gebe es "in vielen Bereichen
große Schnittmengen" - neben den "Restmengen". In der Ablehnung
von Stoibers Arbeitsmarkt- Forderungen blieb der Gewerkschafter
felsenfest. "Logischerweise", wie Stoiber erklärte.
(Quelle: ap)
Bundesbank plant offenbar stärkeren Stellenabbau
Di.28.10.03 - Der Stellenabbau bei der Deutschen Bundesbank im Zuge ihrer
Strukturreform wird nach Informationen der "Börsen-Zeitung"
(Dienstagausgabe) stärker ausfallen als zunächst erwartet.
Bundesbank-Präsident Ernst Welteke habe den 15.300
Beschäftigten vor einigen Wochen mitgeteilt, dass sich der
Personalbestand von Anfang 2003 um etwa ein Viertel reduzieren werde.
Bisher habe er nur von einem Abbau von etwa 10 Prozent gesprochen.
Zudem plane die Bundesbank, dass über die Schließung von 52
Filialen hinaus mindestens weitere 22 wegfallen sollten, schrieb das
Blatt weiter. Durch diese weitere Ausdünnung des Filialnetzes
dürfte die Bundesbank spätestens 2007 bundesweit nur noch
über rund 44 statt 66 (bisherige Planung) verfügen. Dies
bedeutet dem Blatt zufolge den Abbau von zusätzlich mindestens
1.000 Stellen, so dass die Mitarbeiterzahl der Bundesbank um etwa ein
Drittel oder rund 5.000 Beschäftigte sinken werde. Ein
Bundesbank-Sprecher sagte dem Blatt, es sei intern noch keine
Entscheidung gefallen. Sie werde bis Jahresende angestrebt. Seit
Jahresmitte prüfe man, welche Standorte langfristig Bestand haben
würden.
(Quelle: ap)
Jörg Immendorff wegen Drogenverdachts suspendiert
Di.28.10.03 - Mehr als zwei Monate nach seiner Kokainaffäre ist der
Kunstprofessor Jörg Immendorff (58) vom Dienst an der
Düsseldorfer Kunstakademie suspendiert worden. Das bestätigte
ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums
am Montag auf Anfrage. Die Suspendierung sei vorläufig und "auf
Grund der gebotenen dienstrechtlichen Abwägung" erfolgt. Damit
darf Immendorff bis auf weiteres nicht mehr an der Akademie
unterrichten.
Sollte sich der Vorwurf des Kokainbesitzes in erheblicher Menge
bestätigen, sei dies eine "gravierende Pflichtverletzung" und mit
dem Amt eines beamteten Hochschullehrers unvereinbar, heiße es
vom Ministerium weiter. Immendorff war vor zweieinhalb Monaten mit neun
Prostituierten und reichlich Kokain in der Luxussuite eines
Düsseldorfer Hotels während einer Sexorgie von Polizisten
überrascht worden.
Der 58-Jährige muss nun mit einer Anklage und einem Prozess wegen
Drogenbesitzes rechnen. Für den Besitz einer nicht geringen Menge
Kokain ist eine Mindeststrafe von einem Jahr Haft vorgesehen. Damit
droht Immendorff auch der Verlust seines Beamtenstatus und seiner
Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie. Seinen Exzess hatte
der Künstler als Flucht vor seinem unheilbaren Nervenleiden
bezeichnet.
In den 70er Jahren war bereits Immendorffs Lehrer Joseph Beuys vom
damaligen NRW-Wissenschaftsminister Johannes Rau von der Kunstakademie
verwiesen worden. Einen späteren Rechtsstreit hatte Beuys
allerdings gewonnen.
(Quelle: dpa)
Regulierungsbehörde entzieht 400.000 Dialern die Lizenz
Di.28.10.03 - Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post
(RegTP[http://www.regtp.de]) hat auf einen Schlag 400.000 so genannte Dialer verboten und
damit erstmals das neue Gesetz gegen den Missbauch von 0190er- und
0900er-Telefonnummern angewandt.
Die Behörde nahm nach eigenen Angaben vom Montag die Registrierung
von insgesamt 398.791 Dialern eines einzigen Anbieters rückwirkend
zum 15. September zurück. Dies habe zur Folge, dass diese Dialer
zu keinem Zeitpunkt als registriert galten. Gleichzeitig ordnete die
RegTP die Abschaltung der Rufnummern 0190-880460, 0190-880461 und
0190-805640 an, die von den beanstandeten Dialern zu Anwahl genutzt
werden. Verbindungen zu diesen Nummern dürfen ab sofort nicht mehr
in Rechnung gstellt werden. Sollte die in der Mitteilung nicht
namentlich nicht genannte Telefongesellschaft, bei der die Nummern
geschaltet sind, der Vorgabe nicht nachkommen, droht ihr ein
Zwangsgeld. Nach Informationen aus Branchenkreisen handelt es sich bei
dem betroffenen Dialer-Anbieter um die mainpean GmbH [http://www.mainpean.de/] in Berlin.
Dialer sind Computerprogramme, die sich oftmals unbemerkt aus dem
Internet auf PCs installieren und danach Verbindungen zu meist
besonders teuren Service-Rufnummern aufbauen. Bundestag und Bundesrat
hatten im Sommer ein gesetzliche Neuregelung verabschiedet, die
Verbraucher besser vor Betreibern solcher Dienste schützen soll.
"Die Dialer, deren Registrierung jetzt zurückgenommen wurde,
entsprechen nicht den Mindestanforderungen, die im Hinblick auf
Transparenz und Verbraucheraufklärung zu fordern sind", teilte die
RegTP mit. "Wir setzen mit unserer Vorgehensweise ein Signal, dass
keine Grauzone im Dialer-Markt von uns hingenommen wird", sagte
Behörden-Präsident Matthias Kurth.
Die mainpean GmbH sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, die
Regulierungsbehörde mit Registrierung tausender Dialer
überschwemmen und damit die Datenbank der Behörde lahm legen
zu wollen. In einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Offenen
Brief an RegTP-Chef Kurth bestritt die Firma die Vorwürfe. Das
Unternehmen habe vielmehr zwischen Anfang September und Anfang Oktober
sehr viele Dialer zur Registrierung angemeldet, weil die Behörde
unmittelbar bei In-Kraft-Treten der gesetzlichen Neuregelung im August
noch nicht zur Registrierung in der Lage gewesen sei und danach
zunächst Unklarheit über das Verfahren geherrscht habe.
(Quelle: rtr)
Deutsche präsentieren sich gerne im Web
Di.28.10.03 - In Deutschland gibt es pro Einwohner mehr registrierte
Internet-Adressen als in jedem anderen Land, berichtet die Financial
Times heute unter Berufung auf eine Studie der OECD. Demnach hat es in
Deutschland Ende vergangenen Jahres 84,7 Registrierungen pro 1000
Einwohner gegeben. Auf den Plätzen zwei und drei folgten
Dänemark mit 71,7 und Norwegen mit 66,4 Registrierungen je 1000
Einwohnern. Mit zu den führenden Ländern zählen die USA
und Großbritannien mit jeweils mehr als 60 Web-Sites...
Mehr bei heise.online.de
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-27.10.03-005/
Wurm W32.Sober verschickt Mails mit deutschen Betreffzeilen
Di.28.10.03 - Seit dem Wochenende verschickt sich ein neuer Mass-Mailing-Wurm selbst
über das Internet. W32.Sober haben ihn die Antiviren-Hersteller
genannt -- nicht zu verwechseln mit Sobig.F und Konsorten. Relativ
simpel in Visual Basic gestrickt, durchforstet W32.Sober infizierte PCs
nach Mail-Adressen und verschickt sich an diese dann als Anhang. Durch
die Verwendung deutscher Betreffzeilen versucht er weniger Misstrauen
zu erwecken. Bei Sätzen wie "Hi Schnuckel was machst du so?",
"Jetzt rate mal, wer ich bin !?" und "Re:Sex" dürften einige
wieder in die Falle tappen und auf entsprechende Dateianhänge wie
"naked.com", "Nackediedei.com" oder "schnitzel.exe" klicken....
Mehr bei heise.online unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/dab-27.10.03-001/
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