Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertsechsundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Anhänger Saddam Husseins rufen zum Generalstreik auf +++
Ex-General von Saddam Hussein soll Terror-Pate sein +++ UN
überdenken weitere Rolle in Irak +++ US-Regierung bekräftigt
Absicht zu Sanktionen gegen Syrien +++ US-Senat will Irak-Unterlagen
der CIA sehen
Fr.31.10.03 - Anhänger des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam
Hussein haben auf Flugblättern zu einem dreitägigen
Generalstreik aufgerufen, der am Samstag beginnen soll. Die
Flugblätter tauchten in Bagdad auf und stammen nach einem Bericht
des libanesischen Fernsehsenders LBC vom Donnerstag angeblich von der
inzwischen verbotenen einstigen Regierungspartei. Unterzeichnet waren
sie mit "Arabische Sozialistische Baath Partei -
Regionalkommand"».
Die Vereinten Nationen planen zurzeit keinen vollständigen
Rückzug aus Irak, wollen aber zunächst ihre weitere Rolle in
dem von US-Truppen besetzten Land überdenken. Mit den
Anschlägen dieser Woche sei die Entwicklung in eine neue Phase
eingetreten, sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan am Donnerstag der
Nachrichtenagentur AP. Er wolle daher zunächst mit den
UN-Mitarbeitern über das weitere Vorgehen sprechen. Diese
Beratungen sollen wahrscheinlich auf Zypern stattfinden.
"Es ist gegenwärtig nicht unsere Absicht, uns vollständig
zurückzuziehen", sagte Annan. "Dies hängt natürlich von
den weiteren Entwicklungen ab."
Entgegen der Entscheidung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz
(IKRK), einen Teil der ausländischen Helfer aus Irak abzuziehen,
wollen die Mitarbeiter des Italienischen Roten Kreuzes weiter im Land
bleiben. "Wir kümmern uns nicht um Bomben und Terroristen, weil
wir eine Aufgabe hier haben, eine sehr wichtige Aufgabe", sagte am
Donnerstag der Leiter der italienischen Rotkreuzvertretung in Bagdad,
Marino Capece Minutolo. Es sei nicht geplant, die eigene Präsenz
in Irak zu verringern. "Wir haben keine Angst und wir laufen nicht
davon."
US-Truppen durchsuchten am Donnerstag in Tikrit mehrere Häuser und
verhafteten Verdächtige. Diese hätten offenbar versucht, "ein
neues terroristisches Netz" zu errichten, teilte Oberstleutnant Steve
Russell mit. Bei Falludscha verübten Unbekannte einen
Bombenanschlag auf einen Güterzug, der Fracht für die
US-Armee transportierte. Vier Container gerieten in Brand, Anwohner
plünderten den Zug anschliessend. In Bagdad nahm die Polizei einen
Autofahrer fest, der eine Handgranate auf eine Polizeiwache schleudern
wollte.
Auf einen Berater des einflussreichsten schiitischen Geistlichen in
Irak, Grossajatollah Ali Hussein el Sistani, wurde am Mittwochabend in
Kerbela ein Anschlag mit einer Handgranate verübt. Abdel Medhi el
Karbali erlitt dabei Kopfverletzungen.
Die Fahndung nach den Hintermännern der Anschläge auf die
Besatzungsmächte in Irak konzentriert sich auf einen der engsten
Vertrauten des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein: Es gebe
Hinweise darauf, dass der frühere General Essat Ibrahim el Duri
die Angriffe von ausländischen Kämpfern und Anhängern
der Ex-Regierung koordiniere, sagte ein Pentagonvertreter in
Washington.
Die Informationen über Essat Ibrahim wurden dem Sprecher zufolge
offenbar gewonnen, nachdem kürzlich sein ehemaliger Sekretär
sowie zwei ranghohe Vertreter der Terrorgruppe Ansar el Islam in Mossul
festgenommen wurden. Ob Essat Ibrahim für die Anschlagsserie vom
Montag verantwortlich ist, bei der in Bagdad 43 Menschen getötet
wurden, ist noch unklar. Nach kurdischen Angaben hat er Kontakte zu
irakischen Ex-Militärs und zu der einstigen paramilitärischen
Elitetruppe Fedajin-Miliz.
Die Regierung der USA hat ihre Absicht bekräftigt, Sanktionen
gegen Syrien zu verhängen. "Wir müssen erkennen, dass wir
einige recht schwer wiegende Probleme in unseren Beziehungen haben",
sagte der im Außenministerium für Nahostfragen
zuständige Unterstaatssekretär William Burns am Donnerstag
vor dem Auswärtigen Ausschuss des Senats. Daher sei die Regierung
darauf vorbereitet, die zurzeit im Kongress behandelte Vorlage für
Sanktionen gegen Syrien zu unterstützen.
Der US-Senat hat unterdessen den Geheimdienst CIA in scharfen Worten
aufgefordert, alle noch ausstehenden Unterlagen über das irakische
Massenvernichtungsprogramm zu übergeben. Der zuständige
Ausschuss gab CIA-Chef George Tenet bis Freitagmittag (Ortszeit) Zeit,
das Material zu liefern, berichtete die "Washington Post" am
Donnerstag. Der Ausschuss habe Tenet weiterhin angewiesen, sich
für eine Befragung vor dem Gremium bereit zu halten.
Die Dokumente und Interview-Aufzeichnungen könnten dem Bericht
zufolge Aufschluss darüber geben, welche Informationen dem
Geheimdienst vor Beginn des Irak-Krieges vorlagen und wie sie von der
Regierung genutzt wurden.
Der Senat bereitet schon seit Juli einen Report über mögliche
Geheimdienst-Schwachstellen oder Pannen vor dem Irak-Krieg vor. Der
Ausschuss soll herausfinden, welche Informationen dem Geheimdienst und
anderen Behörden über Massenvernichtungswaffen im Irak
vorlagen. CIA-Sprecher Bill Harlow sagte der Zeitung, seine
Behörde "arbeite hart, um die Anforderung des Ausschusses
erfüllen zu können".
(Quellen: ap, afp)
Studie: Riesenaufträge im Irak für Bush-freundliche Firmen
Fr.31.10.03 - US-Unternehmen mit enger Verbindung zur Regierung von US-Präsident
George W. Bush haben nach einer jüngsten Untersuchung die
lukrativsten Aufträge im Irak und in Afghanistan erhalten. Die
über 70 Firmen mit Aufträgen in einem Gesamtvolumen von acht
Milliarden Dollar (rund 6,9 Milliarden Euro) hätten zusammen 500
000 Dollar für Bushs Wahlkampf 2000 gespendet, heißt es in
der am Donnerstag in Washington veröffentlichten Studie des
"Zentrums für Öffentliche Integrität", einer
Organisation zur Überwachung politischer Praktiken.
In dem Report wird allen voran Kellogg Brown & Root mit
Aufträgen in Höhe von mehr als 2,3 Milliarden Dollar genannt.
Die Ölfirma ist eine Tochter von Halliburton Co., einer einst vom
jetzigen Vizepräsidenten Richard Cheney geleiteten Gesellschaft.
An zweiter Stelle liegt der Studie zufolge das Bauunternehmen Bechtel
Group Inc. mit Aufträgen von über einer Milliarde Dollar.
Hier sieht die Organisation einen Zusammenhang damit, dass George
Shultz, Außenminister unter dem ehemaligen republikanischen
Präsidenten Ronald Reagan, im Vorstand der Bechtel-Gruppe sitzt.
Fast jeder der zehn größten Aufträge sei an Firmen
gegangen, die ehemalige hochrangige Regierungsbeamte oder Personen mit
engen Verbindungen zu den Auftrag gebenden Ministerien oder zum
Kongress beschäftigten, heißt es in der Studie weiter.
Außenamtssprecher Richard Boucher erklärte dazu, die
Aufträge seien schlicht an die Unternehmen mit den besten
Angeboten vergeben worden. Alles sei strikt den Vorschriften
entsprechend verlaufen. Auch Halliburton und Bechtel erklärten,
die Aufträge hätten nichts mit politischen Verbindungen zu
tun. Derartige Darstellungen seien falsch.
(Quelle: dpa)
US-Wirtschaft wächst so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr
Fr.31.10.03 - Mit einem rasanten Wirtschaftswachstum in den USA von 7,2 Prozent im
dritten Quartal haben sich die Hoffnungen auf einen nachhaltigen
Aufschwung der weltweit führenden Wirtschaftmacht verstärkt.
Die Zunahme im Jahresvergleich war die stärkste seit fast 20
Jahren, wie das US-Handelsministerium mitteilte. Die Regierung von
Präsident George W. Bush wertete das spektakuläre Wachstum
als Erfolg ihrer Wirtschaftspolitik, die vor allem auf massive
Steuersenkungen setzt.
Durch die Steuersenkungen sei "mehr Geld in die Taschen der Familien
gesteckt" und die Unternehmen seien zu neuen Investitionen angespornt
worden, erklärte Finanzminister John Snow zu den Wirtschaftsdaten.
Der Konjunkturzuwachs lag noch über den Erwartungen der Analysten,
die rund sechs Prozent Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP)
erwartet hatten. Im vergangenen Quartal hatte der jährliche
BIP-Zuwachs noch 3,3 Prozent betragen. Laut Handelsministerium trugen
nun vor allem die ausgabenfreudigen Privathaushalte, die
Geschäftsinvestitionen, die Zuwächse am Immobilienmarkt und
die steigenden Exporte zu dem rapiden Anstieg bei.
Die privaten Konsumausgaben stiegen den Angaben zufolge um 6,6 Prozent,
wozu unter anderem die günstigen Preise für Autos beitrugen.
Die Investitionen der Unternehmen wuchsen um 11,1 Prozent, bedingt vor
allem durch frische Ausgaben für Ausrüstung. Der
Immobilienmarkt verzeichnete einen Investitionszuwachs von 20,4
Prozent. Die US-Exporte stiegen, begünstigt durch den niedrigen
Dollarkurs, um 9,3 Prozent.
Die positiven Konjunkturdaten könnten Bush Erleichterung
verschaffen, der derzeit vor allem wegen der Probleme in Irak unter
massivem Druck steht. Aber auch die Wirtschaftspolitik des
Präsidenten war in den vergangenen Monaten immer heftiger
kritisiert worden. Der Bundeshaushalt verzeichnete im abgelaufenen
Budgetjahr 2003 ein Rekorddefizit von 374 Milliarden Dollar, mehr als
doppelt soviel wie im Jahr zuvor.
Für das neue Haushaltsjahr erwartet die Regierung ein noch
höheres Defizit. Die oppositionellen Demokraten hatten kritisiert,
dass die massiven Steuersenkungen das Defizit hochschraubten, ohne
positive Auswirkungen auf die Konjunktur zu zeigen.
(Quelle: afp)
US-Senat gegen Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen
Fr.31.10.03 - Fünf Jahre nach dem Votum gegen das Klimaschutzprotokoll von Kyoto
hat der amerikanische Senat erneut eine Initiative zur Verringerung von
Schadstoffemissionen abgelehnt. Die Gesetzesvorlage scheiterte am
Donnerstag mit 55 zu 43 Stimmen. Der von den Senatoren John McCain und
Joe Lieberman vorgelegte Plan hätte Industriebetriebe mit Ausnahme
von Automobilherstellern dazu verpflichtet, ihre Emissionen von
Treibhausgasen bis 2010 auf das Niveau des Jahres 2000
zurückzufahren. Die Regierung von Präsident George W. Bush
wandte sich gegen das Vorhaben mit der Begründung, es belaste die
amerikanische Wirtschaft.
"Ich fühle mich von 43 Stimmen ermutigt", sagte der Republikaner
McCain nach der Abstimmung. Die Vorlage sei ein erster Schritt, um die
Debatte über den Klimawandel neu zu eröffnen. Im Juli 1997
hatte der Senat die Grundsätze des Kyoto-Abkommens ohne eine
einzige Gegenstimme abgelehnt. Der Vertrag wurde zwar vom damaligen
Vizepräsidenten Al Gore unterzeichnet, aber vom Senat nicht
ratifiziert. Eine der ersten Amtshandlungen von Präsident George
W. Bush war die offizielle Ablehnung des Kyoto-Abkommens durch die USA.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Deutsche Regierung gibt Klimaziel auf
Mi.29.10.03 - Acht Jahre nach dem Berliner Klimaschutzgipfel hat die Bundesregierung
offenbar ihre Selbstverpflichtung aufgegeben, den
Kohlendioxidausstoß bis 2005 um 25 Prozent zu senken...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310290.htm#03102915
NASA alarmiert durch dramatische Eisschmelze in der Arktis
Wissenschaftler: Schnelles Handeln erforderlich um weitere große
Klimaveränderungen zu verhindern +++ Änderungen von
Meeresströmungen sowie des Fischbestandes befürchtet
Mo.27.10.03 - Die dramatische Eisschmelze in der Arktis erfordert nach Ansicht von
Wissenschaftlern schnelles Handeln, um weitere große
Klimaveränderungen zu verhindern. Die Polkappe in der Arktis sei
seit 1980 um zehn Prozent pro Dekade geschrumpft, wie Satellitenbilder
der US-Raumfahrtbehörde NASA zeigen. "Es geschieht jetzt. Wir
können es uns nicht leisten, lange auf technische Lösungen zu
warten", warnte David Rind von der NASA am Donnerstag (Ortszeit) in New
York...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310270.htm#03102704
Weitere Berichte zum Thema im boa-Archiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310270.htm#031027_a
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Nahost-Konflikt
Russland bringt Nahost-Resolution im Sicherheitsrat ein +++ Scharon zu
Gesprächen mit palästinensischem Regierungschef bereit +++
Offener Streit zwischen israelischer Regierung und
Militärführung - Israels Generalstabschef kritisiert Vorgehen
in besetzten Gebieten
Fr.31.10.03 - Russland hat dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen Entwurf
für eine neue Resolution im Nahost-Konflikt vorgelegt, der den
Friedensplan zur Bildung eines palästinensischen Staates bis 2005
bekräftigt. Der russische UN-Botschafter Sergej Lawrow sagte am
Donnerstag in New York, die Resolution solle in der kommenden Woche
zeitgleich mit der Bildung einer neuen palästinensischen Regierung
verabschiedet werden.
Dies würde der neuen Regierung zeigen, dass sie auf die
Unterstützung der Vereinten Nationen bauen kann, sagte Lawrow.
Zugleich solle den Palästinensern damit erklärt werden, dass
sie zur Umsetzung der internationalen "Road Map" für einen
dauerhaften Frieden im Nahen Osten verpflichtet seien. Auch Israel soll
in der Entschließung aufgefordert werden, in Zusammenarbeit mit
den Road-Map-Vermittlern Russland, USA, EU und UN die sich aus diesem
Friedensplan ergebenden Verpflichtungen zu erfüllen.
Der stellvertretende amerikanische UN-Botschafter James Cunningham
reagierte zurückhaltend auf den Resolutionsentwurf. "Wir denken
nicht, dass die Zeit dafür richtig ist", sagte Cunningham. Es
müsse genau überlegt werden, welche Schritte zur
Förderung des Friedensprozesses nützlich seien.
Der palästinensische Präsident Jassir Arafat hat
Ministerpräsident Ahmed Kureia aufgefordert, bis Dienstag
nächster Woche eine vollständige Kabinettsliste vorzulegen.
An diesem Tag endet das einmonatige Regierungsmandat für Kureia.
Die amerikanische Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice erklärte
die grundsätzliche Bereitschaft ihrer Regierung zu einem Treffen
von Präsident George W. Bush mit Kureia. Voraussetzung sei aber
eine gefestigte Regierung Kureias und eine Konsolidierung der
palästinensischen Sicherheitskräfte. Fortschritte der
amerikanischen Friedensbemühungen im Nahen Osten könne es nur
dann geben, wenn sich die neue palästinensische Regierung ihre
Sicherheitsaufgaben erfülle, sagte Rice am Donnerstag im Zentrum
der Auslandspresse in New York. Der mit der Road Map angestoßene
Friedensprozess könne nur dann vorankommen, wenn es einen
wirksamen Kampf gegen den Terrorismus gebe.
Auch der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon erklärte
sich grundsätzlich zu Gesprächen mit Kureia bereit. Es sei
nur deswegen noch nicht zu Spitzengesprächen der beiden
Regierungen gekommen, weil die Palästinenser um mehr Zeit für
ihre Regierungsbildung gebeten hätten.
Der britische Premierminister Tony Blair begrüßte am
Donnerstag das so genannte Genfer Dokument für eine
Friedenslösung im Nahen Osten. Das von ehemaligen israelischen und
palästinensischen Unterhändlern ausgehandelte informelle
Abkommen sieht die Errichtung eines palästinensischen Staates vor,
zu dem 98 Prozent des Westjordanlandes und der gesamte Gazastreifen
gehören sollen. Die israelische Regierung lehnt das Ergebnis der
nicht offiziellen Verhandlungen ab.
Die Restriktionen gegen die Palästinenser haben derweil in Israel
zu einem offenen Streit zwischen der Regierung und den Militärs
geführt. Generalstabschef Mosche Jaalon warnte in einem Interview
davor, dass der gegenwärtige Kurs die Gewalt auf seiten der
Palästinenser anheizen werde. Verteidigungsminister Schaul Mofas
und Ministerpräsident Ariel Scharon reagierten nach
Presseberichten vom Donnerstag wütend auf die Äusserungen des
Generals.
Jaalon sei zu weit gegangen, zitierte die Zeitung "Jediot Achronot"
enge Vertraute des Ministerpräsidenten. Der Regierung werde es
damit schwerer gemacht, ihre Politik gegenüber den USA zu
verteidigen. Mofas rief Berichten zufolge den Chef der
Streitkräfte am Mittwochabend zu sich. Dem Vernehmen nach
erklärte Jaalon, seine Äusserungen seien übertrieben
worden, er entschuldigte sich aber offenbar nicht beim
Verteidigungsminister.
Die Interview-Äusserungen Jaalons, der bisher als Falke galt,
waren am Mittwoch in Zeitungen noch als die eines "ranghohen
Militärvertreters" widergegeben worden. Stunden später wurde
enthüllt, dass es sich um den Generalstabschef persönlich
gehandelt habe. Jaalon legte inzwischen noch nach und warf der
Regierung vor, durch die Verweigerung von Zugeständnissen das
Kabinett des gemässigten vorigen palästinensischen
Ministerpräsidenten Mahmud Abbas zu Fall gebracht zu haben. Jaalon
wandte sich Berichten zufolge auch gegen den Verlauf der Sperranlagen,
mit denen die Autonomiegebiete von Israel abgetrennt werden sollen. Der
Generalstabschef kritisierte ferner den Beschluss der Regierung, den
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat zu "entfernen".
Damit sei Arafat nur gestärkt worden, wurde Jaalon zitiert.
(Quelle: ap)
Blair begrüßt Genfer Dokument für
Nahost-Friedenslösung
Fr.31.10.03 - Der britische Premierminister Tony Blair hat das so genannte Genfer
Dokument für eine Friedenslösung im Nahen Osten
begrüßt. Das von ehemaligen israelischen und
palästinensischen Unterhändlern ausgehandelte informelle
Abkommen sieht die Errichtung eines palästinensischen Staates vor,
zu dem 98 Prozent des Westjordanlandes und der gesamte Gazastreifen
gehören sollen. Die israelische Regierung hat die nicht
offiziellen Verhandlungen kritisiert und eine Kampagne gestartet,
ausländische Unterstützung für das Dokument zu
verhindern. Blair sagte dagegen am Donnerstag, fantasievolles Denken
könne den US-Friedensplan für Nahost durchaus ergänzen,
der keine Angaben über die Grenzen eines Staates Palästina
macht. "In dieser Zeit brauchen beide Völker Hoffnung", sagte
Blair. "Diese Initiative gibt ihnen eine Chance, über derzeitige
Schwierigkeiten hinweg darauf zu schauen, was mit gutem Willen von
beiden Seiten erreichbar sein könnte." Die so genannte
US-Straßenkarte zum Frieden habe nie eine Lösung
beschrieben, sondern nur, wie man dahin kommen könne.
"Fantasievolles Denken über das Endspiel stört sie nicht,
sondern ergänzt sie", sagte er.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Alternativer palästinensisch-israelischer
Friedensplan zu Nahost
Schweizer Außenministerin übergibt 'Genfer Initiative'an
Kofi-Annan
So.26.10.03 - Die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat am Freitagabend
in Ney York den mit Schweiz zu Stande gekommenen alternativen
Friedensplan für den Nahen Osten UN-Generalsekretär Kofi
Annan übergeben, wie sie vor den Medien sagte. Kofi Annan hatte
den Wunsch geäussert, das "Genfer Initiative" genannte Dokument
einzusehen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310260.htm#03102605
Uri Avnery: Mit wem, über was
Die Beilin-Abed-Rabbo-Vereinbarung
ist der neueste Hit auf dem Markt des Nahen Ostens
Mehr bei ZNet (19.10.03) unter:
http://zmag.de/article/article.php?id=881
Regierungsunabhängige palästinensisch-israelische Friedensinitiative
Israelischer Botschafter kritisiert Schweizer Vermittlertätigkeit
Mo.20.10.03 - Der neue israelische Botschafter in Bern hat die schweizerische
Vermittlertätigkeit im Nahostkonflikt als unzulässig
bezeichnet. Man habe über die wichtigsten Interessen des Staates
Israel gesprochen, ohne dessen Regierung überhaupt zu informieren,
sagte Aviv Shir-On in einem Interview der "SonntagsZeitung"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310200.htm#03102002
Inoffizielle Friedensinitiative zur Lösung des Nahostkonflikts -
Israelisch-palästinensische Gruppe legt 'Genfer Abkommen' vor
Die Schweiz wurde zum jüngsten Ziel israelischer Angriffe –
natürlich nicht mit Bomben und Raketen, sondern mit diplomatischen
Noten. Grund dafür ist die schweizerische Unterstützung
für eine inoffizielle israelisch-palästinensische Initiative
zur friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Die Tatsache,
daß die Schweiz für die Beratungen in Genf den Tagungsort
sowie auch Geld zur Verfügung stellt, habe die israelische
Regierung "sehr verärgert", sagte der Sprecher des israelischen
Außenministeriums Jonathan Peled am Mittwoch. Unerwähnt
blieb, daß auch Großbritannien, Japan, Norwegen und
Schweden zur Finanzierung dieser Friedensinitiative beitragen.
Die in Genf vorgestellte »neue Straßenkarte« zum
Frieden im Nahen Osten besteht aus einem 50 Seiten langen Dokument, das
inzwischen unter dem Namen "Genfer Abkommen" bekannt ist. ...
Mehr unter:
hhtp://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310170.htm#031017_b
|
Aufruf gegen Freihandelspolitik der USA in Lateinamerika
Fr.31.10.03 - Der bolivianische Oppositionsführer Evo Morales hat die sozialen
Bewegungen Lateinamerikas zu einem Aktionsbündnis gegen die
Freihandelspolitik der USA aufgerufen. Bei einem gemeinsamen Vorgehen
könnte den Vereinigten Staaten eine ähnlich ernste Niederlage
zugefügt werden wie in Vietnam, sagte der Anführer der
Aufstandsbewegung, die vor zwei Wochen den Rücktritt von
Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada erzwang. Auslöser der
Protestbewegung waren Regierungspläne für den Export von
Erdgas in die USA. Morales sprach am Donnerstag auf einer Versammlung
von sozialen Bewegungen Nord- und Südamerikas in Havanna. Zuvor
hatte er auf einer Konferenz des Lateinamerikanischen Rates für
Sozialwissenschaften die Intellektuellen aufgefordert, ihren Beitrag zu
einem Ende der Freihandelspolitik zu leisten, die nur den Reichen
zugute komme und die Bedürfnisse der Armen ignoriere.
(Quelle: ap)
UNCTAD ruft zu Hilfe für Bolivien auf
Fr.31.10.03 - Der Generalsekretär der UN-Konferenz für Handel und
Entwicklung (UNCTAD) hat die internationale Gemeinschaft zu einer
konzertierten Hilfsaktion für Bolivien aufgerufen. Andernfalls
stehe dem Andenstaat eine ähnlich dramatische Finanz- und
Wirtschaftsentwicklung bevor wie Argentinien, sagte Rubens Ricupero am
Donnerstag vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New
York.
Trotz marktwirtschaftlicher Reformen sei der Lebensstandard in Bolivien
wie in Argentinien weit unter das Niveau des vergangenen Jahrzehnts
gefallen, sagte der UNCTAD-Generalsekretär. Beide Länder
befänden sich ein der Lage, dass sie von externen
Finanzierungsmöglichkeiten weitgehend ausgeschlossen seien.
Der neue bolivianische Präsident Carlos Mesa hat die
Überwindung der Krise zu seiner wichtigsten Aufgabe erklärt.
Mesa ist Nachfolger des vor zwei Wochen gestürzten
Präsidenten Gonzalo Sanchez de Lozada, der unter dem Druck
anhaltender Massenproteste seinen Rücktritt erklärt hat. Bei
den Unruhen kamen 67 Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
...Seit fünf Jahrhunderten sind die sagenhaften Reichtümer
Boliviens ein Fluch für die Bevölkerung gewesen, die zu den
Ärmsten der Ärmsten Südamerikas zählen. (...)
Mehr als zwei Jahrhunderte lang, im Zeitalter des Kolonialismus, ist
das Silber von Potosi das Hauptnahrungsmittel für die
kapitalistische Entwicklung Europas gewesen. "So viel wert wie Potosi"
bezeichnete etwas unbezahlbares.
In der Mitte des 16. Jhds., wuchs und gedieh am Fuße des
silberspeienden Berges, die am dichtesten bevölkerte, teuerste und
verschwenderischste Stadt der Welt. Dieser Berg, genannt Cerro Rico,
vertilgte Indianer. "Die Strassen quellen über von Menschen",
schreib ein reicher Bergarbeiter aus Potosi: Ganze Gemeinden wurden
ihrer Männer beraubt, die von überall her als Gefangene in
die Minen verschleppt wurden. Draußen war es eisig kalt. Drinnen
war es höllisch heiß. Nur drei von zehn Männer, die
hineingeführt wurden, blieben am Leben. Aber diese kurzlebigen
Bewohner der Minen, erschufen den Reichtum der flamischen, deutschen
und genuesischen Bankiers, die Kreditgeber der spanischen Krone. Diese
Indianer ermöglichten die Anhäufung von Kapital, die Europa
zu dem machte was es heute ist. Was von all dem blieb in Bolivien
zurück? Ein hohler Berg, unzählige, zu Tode geschuftete
Indianer, und ein paar Orte, die von Phantomen bewohnt werden...
Mehr in dem Aufsatz "Das Land, das existieren möchte" von Eduardo
Galeano, ZNET , 25.10.03:
http://zmag.de/article/article.php?id=888
Blick ins Archiv
Bolivianischer Präsident stürzt über Aufstand der Armen
Ursachen des Konflikts im ärmsten Land Südamerikas reichen
tief +++ Mehrheit der Bevölkerung ist indianischer Abstimmung und
arm sowie wirtschaftlich ausgegrenzt - Ergebnis einer strikt
neoliberalen Politik
Sa.18.10.03 - Mehr als drei Wochen lang revoltierten die Armen in Bolivien gegen die
herrschende Elite. Der Zorn der indianischen Bergarbeiter und Bauern
richtete sich gegen eine Politik der Marktwirtschaft, die es nicht
geschafft hat, die Kluft zwischen Reichen und Armen zu verringern. Am
Freitag gab Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada dem Druck der
Straße nach und erklärte seinen Rücktritt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310180.htm#03101808
Carlos Mesa ist neuer Präsident Boliviens
Neuer Regierungschef in Bolivien geht auf Gewerkschaften zu
So.19.10.03 - Nach dem Rücktritt von Präsident Gonzalo Sánchez de
Lozada ist sein bisheriger Stellvertreter Carlos Mesa zum neuen
Staatschef Boliviens ernannt worden. Das Parlament in La Paz nahm das
nach wochenlangen Protesten eingereichte Rücktrittsgesuch von
Sánchez de Lozada an und erklärte den 50-jährigen Mesa
zu seinem Nachfolger...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310190.htm#03101905
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Brasilien: Gewerkschaftsverband beendet Zusammenarbeit mit Lula da Silva
Fr.31.10.03 - Ein Jahr nach dem Wahlsieg von Brasiliens Präsidenten Luiz
Inácio Lula da Silva hat der zweitgrößte
Gewerkschaftsverband des Landes der Regierung die Zusammenarbeit
aufgekündigt. Der Präsident der Fuerza Sindical sei von
seinem Amt im regierungsnahen Wirtschafts- und Sozialentwicklungsrat
zurückgetreten, berichtete die brasilianische Presse am Mittwoch.
In dem Rat sind die wichtigsten Berater von Lula, der vor seiner
Präsidentschaft Gewerkschaftsführer war, versammelt. Zudem
kündigte Fuerza Sindical-Präsident Paulo Pereira da Silva an,
seine Gewerkschaft werde alle Aktionen und Treffen mit dem landesweit
größten, von Lula gegründeten Gewerkschaftsbund,
aussetzen.
(Quelle: info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/])
Hintergrundberichte zur Lage in Brasilien gibt es im "trend":
http://www.trend.partisan.net
«Die Gesellschaft Brasiliens befindet sich
in einer historischen Krise»
Wir erlebten 400 Jahre der Agrarexport- “Entwicklung”, die
schlichtweg keine Entwicklung sondern Ausbeutung war. In unserem Fall
war die Ausbeutung aufgrund der Sklaverei noch weitaus brutaler. Gegen
Ende des 19. Jahrhunderts endete dieses Modell in einer Krise und wurde
von einem anderen Modell namens “abhängige, industrielle
Entwicklung” (...)
ersetzt. Es dauerte einige Zeit, ungefähr vierzig Jahre, um die
Modelle anzugleichen und zu verändern. Das neue System produzierte
ungeheuren Wohlstand und brachte Brasilien in den Kreis der
industrialisierten Welt. Doch es ließ die Menschen in Armut und
Elend zurück.
Die abhängige, industrielle Entwicklung erreichte in den 1980er
Jahren einen Krisenpunkt. Der Krise folgten viele Reaktionen, aber
eine, die Massenbewegung, stürzte die Militärdiktatur, die
zuvor Instrument eben jenes Modells gewesen war. Nach zwanzig Jahren
der Diktatur bauten wir unsere Organisationen wieder auf. Die
Gewerkschaften und auch der Dachverband der Gewerkschaften wurden
damals neu organisiert. Die MST (Movimento Sem Terra [Landlosen
Bewegung in Brasilien]) trat als Ausdruck des Willens der campesinos
hervor, um ihr Land zu kämpfen. Wir waren gezwungen, all das zu
rekonstruieren (wieder aufzubauen), weil die Diktatur alle sozialen
Organisationen zerstört hatte.
Auf der Welle der Volksbewegungen konfrontierten wir die herrschende
Klasse 1989 mit Lulas erstem Präsidentschaftswahlkampf. Wir
bildeten eine demokratische, vom Volke ausgehende Alternative zu dem
Modell, in dem wir lebten, und gründeten uns inmitten einer
ernsthaften Auseinandersetzung. Wir wurden geschlagen und die
herrschende Klasse verhängte den Neoliberalismus über uns.
Der Plan des Neoliberalismus war die Unterordnung der brasilianischen
Wirtschaft unter das internationale Kapital. Die Natur des
internationalen Kapitals veränderte sich jedoch ebenfalls. Heute
ist das Kapital nicht mehr so sehr daran interessiert, billige
Arbeitskräfte und Ressourcen auszubeuten. Das Finanzkapital
verfolgt rein finanzielle Ziele: es betritt einen Staat und
privatisiert die Betriebe, um spekulative Profite [Gewinne aus
Wertunterschieden von Besitz, etc., die sich z.B. aus Interessen an
Megaprojekten ergeben; Anm. d. Ü.] zu erzielen. Die vergangenen
zwölf neoliberalen Jahre lösten weder die Probleme des Landes
noch fand die Krise der 80er ein Ende. Statt dessen verschlimmerte sich
die wirtschaftliche und soziale Krise zusehends.
In der Landwirtschaft veränderte der Prozess der
Transnationalisierung [Staaten übergreifend; Anm. d. Ü.] der
Agrarinvestitionen in die Agrarindustrie und die Samen die
Landwirtschaft. Das erschwerte der MST die Arbeit: der Neoliberalismus
lässt auf kleinem Raum angelegte Landwirtschaft und lokaler
Produktion keine Existenzmöglichkeit. Was geschah mit der
Agrarreform unter diesen Verhältnissen? In den Zeiten des
Neoliberalismus verloren 900.000 Familien ihr Land und 2 Millionen
Menschen ihre Arbeit in der Landwirtschaft. Die Landkonzentration
erreichte ungeahnte Ausmaße. Um nur ein Beispiel zu nennen: eine
Firma, die Highways baut, besaß insgesamt 4 Millionen Hektar Land.
In anderen Bereichen sind die Statistiken noch ungleich schlechter. Die
Arbeitslosenquote beläuft sich auf 22% und 60% der arbeitenden
Bevölkerung sind im nicht- öffentlichen Sektor
beschäftigt. Die Gewerkschaften sind schwach. In allen Teilen der
Gesellschaft herrscht eine ideologische Krise, weil der Neoliberalismus
auch einen ideologischen Angriff gestartet hat. Er mag die Kampfstiefel
gegen die Wahlurnen und die Gewehre gegen TV- Stationen eingetauscht
haben, aber die Absicht bleibt dieselbe – er will den Menschen ein
Wirtschaftsmodell aufzwingen.
Es gibt zwei Gründe für den Wahlsieg der ArbeiterInnenpartei
(PT) im letzten Jahr. Erstens ist Gott BrasilianerIn. Zweitens ist die
herrschende Klasse geteilt. Laut dem Historiker Eric Hobsbawn sind die
Wahlen des vergangenen Jahres in der Geschichte beispiellos. Warum?
Weil zum ersten Mal in der Geschichte eine Partei der Linken eine Wahl
gewonnen hat, obwohl die sozialen Bewegungen schwächelten.
Und nun stehen wir hier im Oktober 2003. Die Linke hat die Wahl
gewonnen, aber ohne das Kräfteverhältnis in der Gesellschaft
zu verschieben.. .
Aus: Joao Pedro Stedile -"Die drei brasilianischen Wege",ZNET 23.10.03:
http://zmag.de/article/article.php?id=890
Pedro Stediles ist Mitglied der Movimento Sem Terra (MST = Landlosen Bewegung in Brasilien),
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Machtkampf im Kreml um russischen Ölkonzern Yukos
Putin entlässt Kreml-Stabschef Woloschin +++ Russische
Generalstaatsanwaltschaft beschlagnahmt Aktien des Ölkonzerns +++
Yukos-Chef Chodorkowski soll den Staat bei den umstrittenen
Privatisierungen unter Putins Vorgänger Jelzin um knapp eine
Milliarde Euro betrogen haben
Fr.31.10.03 - Im Konflikt um den russischen Ölkonzern Yukos hat der russische
Präsident Wladimir Putin den einflussreichen Kreml-Stabschef
Alexander Woloschin entlassen. Das teilte Putins Sprecher Alexej Gromow
am Donnerstag in Moskau mit. Woloschin galt als Fürsprecher von
Yukos-Chef Michail Chodorkowski.
Stunden zuvor hatte die russische Generalstaatsanwaltschaft
bestätigt, dass 53 Prozent der Aktien des Ölkonzerns
beschlagnahmt wurden. Chodorkowski war am vergangenen Wochenende
verhaftet worden. Dem Yukos-Chef werden schwerer Betrug und
Steuerhinterziehung vorgeworfen.
Zum Nachfolger im Amt des Leiters der Präsidialverwaltung wurde
der bisherige Stellvertreter Woloschins, Dmitri Medwedjew (38),
ernannt. Medwedjew entstammt im Gegensatz zu Präsident Putin und
vielen anderen Aufsteigern in zentralen Machtpositionen nicht dem
sowjetischen Geheimdienst KGB.
Seit Jahren ringen hinter den Kreml-Kulissen die alteingesessenen
Gefolgsleute von Ex-Präsident Boris Jelzin mit den
Weggefährten Putins aus St. Petersburger Zeiten. Woloschin galt
als Drahtzieher der Macht im Kreml. Nach Einschätzung von Experten
hatte Woloschin als Leiter der Präsidialverwaltung mehr Einfluss
auf die russische Politik als der amtierende Ministerpräsident
Michail Kasjanow.
Die Generalstaatsanwaltschaft erklärte zur Beschlagnahme von 53
Prozent der Yukos-Aktien, diese seien faktisch im Besitz von
Chodorkowski. Die Justiz begründete ihr Vorgehen mit der
Notwendigkeit, einen Verkauf der Aktien an Dritte zu verhindern.
Chodorkowski soll bei den umstrittenen Privatisierungen in den 1990er
Jahren unter Putins Vorgänger Jelzin den Staat um insgesamt knapp
eine Milliarde Euro betrogen haben, lauten die Vorwürfe der
Staatsanwaltschaft. Der Kurs von Yukos sackte an der Moskauer
Wertpapierbörse bis zum Abend um acht Prozent ab.
Ein Sprecher des Ölkonzerns sprach von "gröbsten
Verstößen gegen das Strafrecht", da die beschlagnahmten
Aktien einer Investorengruppe im Ausland gehörten. Insgesamt seien
61 Prozent der Yukos-Aktien beschlagnahmt worden. Die
Eigentümerstrukturen des Konzerns sind kompliziert. Die
beschlagnahmten Aktien gehören juristisch zwei auf Zypern
beziehungsweise auf der auf Isle of Man registrierten
Kapitalgesellschaften. Diese Gesellschaften wiederum sind im Besitz der
Firma Menatep (Gibraltar), hinter der Chodorkowski stehen soll. Yukos
ist der zweitgrößte Ölkonzern Russlands.
(Quelle: dpa)
UNICEF prangert Kinderprostitution an der tschechischen Grenze an
Die Kinder kommen aus armen Familien vor allem aus Tschechien, der
Slowakei, Moldawien, der Ukraine, Litauen und Weißrussland +++
Täter sind vorwiegend deutsche Pädophile und
Sextouristen
Fr.31.10.03 - UNICEF hat zur Bekämpfung der Kinderprostitution an der
deutsch-tschechischen Grenze aufgerufen. "Kinder in unserer
Nachbarschaft werden zur Prostitution gezwungen", sagte Christina Rau,
Schirmherrin von UNICEF Deutschland, am Dienstag in Berlin. Das
UN-Kinderhilfswerk und die Kinderrechtsorganisation ECPAT stellten das
Buch "Kinder auf dem Strich - Bericht von der deutsch-tschechischen
Grenze" vor, das zum ersten Mal ein umfassendes Bild der sexuellen
Ausbeutung von Kindern in dieser Region zeichnet.
Die Autorin des Berichts, Cathrin Schauer, beobachtete Kinder und
Jugendliche, die an Tankstellen, Bushaltestellen oder Raststätten
stehen, um sich Freiern anzubieten. Manchmal reichten auch Frauen
Kleinkinder zum sexuellen Missbrauch in Autos hinein. Die Kinder kommen
aus armen Familien vor allem aus Tschechien, der Slowakei, Moldawien,
der Ukraine, Litauen und Weißrussland.
Der Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Reinhard Schlagintweit,
forderte einen besseren Schutz für diese Kinder. Die deutschen
Behörden müssten das Thema genauso ernst wie Drogen- und
Waffenhandel nehmen. Dazu würden verlässliche Zahlen und
Informationen benötigt.
Die Täter seien vorwiegend deutsche Pädophile und
Sextouristen, häufig aus den angrenzenden Bundesländern
Bayern und Sachsen, heißt es in dem Bericht. Zunehmend kämen
aber auch Touristen aus ganz Deutschland sowie Österreich und
Italien. Sie bezahlten die Kinder in der Regel mit fünf bis 25
Euro, manchmal nur mit Süßigkeiten. Die Zuhälter seien
häufig Verwandte der Kinder.
Bei den Täter müsse zwischen so genannten Ausbeutungs- und
Erlebnistätern unterschieden werden, erklärte der
Polizeipsychologe Professor Adolf Gallwitz. Die Ausbeutungstäter
kämen aus der gesellschaftlichen Mitte und seien besonders
unauffällig. Die Erlebnistäter dagegen kämen oftmals mit
ihrer Lebensgefährtin über die Grenze und missbrauchten ein
Kind, während die Frau sich eine Dauerwelle machen lasse.
"Hinterher leisten sich noch ein preiswertes Essen im Restaurant und
kaufen günstig im Supermarkt ein."
UNICEF forderte die Bundesregierung auf, regelmäßig einen
Lagebericht zum Kinderhandel vorzulegen. Die betroffenen Kinder und
Jugendlichen müssten in Deutschland als Opfer, nicht als illegal
eingereiste Ausländer behandelt werden. Die Zusammenarbeit mit den
Nachbarländern bei der Strafverfolgung müsse verbessert
werden.
Für den Bericht sind seit 1996 etwa 500 Mädchen und Jungen
beobachtet worden. Außerdem wurden etwa 40 Kinder und Jugendliche
zwischen sechs und 17 Jahren interviewt, sowie erwachsene
Prostituierte, Polizeibeamte und Passanten befragt.
(Quelle: epd)
Streit um Embryonenforschung in Deutschland
Heftige Kritik an Bundesjustizministerin Zypries' Vorstoß
für Lockerung des Embryonenschutzes mit dem sie einen erst vor
eineinhalb Jahren nach mühsamen Debatten getroffenen
parteiübergreifenden Bundestagsbeschluss in Frage stellt
Fr.31.10.03 - Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat mit ihrem Vorstoß
für eine Lockerung des Embryonenschutzes eine Welle der Kritik
ausgelöst. Vor allem Ärzte, Kirchen und
Behinderten-Organisationen machten dagegen Front. Gleichzeitig
entzweite die Position des Justizministeriums die rot-grüne
Koalition.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck, warnte am Donnerstag in Berlin davor, "grundsätzliche
ethische und verfassungsrechtliche Grenzziehungen (...) beliebig oft
neu zu verhandeln wie Tarifverträge". Auch der
baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU)
lehnt es ab, den Kreis derjenigen einzuschränken, denen
Menschenwürde zugesprochen wird.
Zypries hatte sich mit Unterstützung von Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) für eine Lockerung des Verbots ausgesprochen,
menschliche embryonale Stammzellen in der Forschung zu nutzen. Sie
stellte damit einen erst vor eineinhalb Jahren nach mühsamen
Debatten getroffenen parteiübergreifenden Bundestagsbeschluss in
Frage. Mit Hilfe menschlicher Stammzellen wollen Mediziner schwere
Krankheiten heilen.
Beck sagte: "Mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt die
individuelle Existenz des Menschen. Hier muss auch die Unantastbarkeit
seiner Würde beginnen." Grundsätzliche und ethische
Definitionen dürften nicht "auf dem Basar der Tagespolitik"
verhandelt werden. Genau dies fordere Zypries "mit ihrem sonderbaren
Abwägungskonzept des menschenwürdelosen Lebens".
Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe mahnte:
"Es darf niemals dazu kommen, dass menschliches Leben als Erzeugnis
für den Heilungsprozess anderer ausgenutzt wird." Dies könne
"zu einem unkontrollierten Selektionsautomatismus führen". Eine
ethisch vertretbare Alternative zur verbrauchenden Embryonenforschung
ist nach Hoppes Ansicht die Forschung mit erwachsenen Stammzellen oder
Stammzellen aus Nabelschnurblut.
Die "Bundesvereinigung Lebenshilfe" und Selbsthilfeorganisationen von
Behinderten wie "Netzwerk Artikel 3" protestierten nachdrücklich
gegen die Rechtsauffassung von Zypries. Man frage sich, "was ein
eingeschränkter Schutz der Menschenwürde perspektivisch
für Menschen bedeute, die auf Grund von Krankheit oder schwerer
Behinderung vollständig auf die Hilfe anderer angewiesen sind",
sagte Robert Antretter für die Bundesvereinigung.
Der Vorsitzende der Bundestags-Enquetekommission zur Bioethik,
René Röspel (SPD), sagte der "Berliner Zeitung": "Ich teile
die Einschätzung von Frau Zypries nicht." Auch die Deutsche
Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD) wandten sich entschieden gegen Zypries' Auffassung.
Der Unions-Politiker Peter Liese, Bioethik-Experte im Europäischen
Parlament, sagte der Zeitung "Die Welt", der von Zypries geplante
eingeschränkte Embryonenschutz gefährde die Bestrebungen der
Vereinten Nationen für ein weltweites Klonverbot.
Bisherige Position des Justizministeriums war, auch im Reagenzglas
erzeugten Embryonen den vollen Schutz der Menschenwürde
zuzuerkennen. Stammzellen vom Menschen werden vor allem aus Embryonen
gewonnen, die bei einer künstlichen Befruchtung entstehen und
nicht mehr für eine Schwangerschaft benötigt werden. In
Deutschland dürfen Wissenschaftler nach geltender Rechtslage
Stammzellen aus menschlichen Embryonen - in Ausnahmefällen -
für "hochrangige Forschungsziele" importieren.
(Quelle: dpa)
«Die Justizministerin macht sich zur Gehilfin der Forschungslobby»
meint die "tageszeitung" (31.10.03):
http://www.taz.de/pt/2003/10/31/a0134.nf/text
"..dass jeder Diskussionsansatz im ehemaligen Land der Dichter und
Denker auf die nervös- aggressive Abwehrhaltung einer
argumentationsresistenten Bestandssicherung trifft, sollte irgendwann
einmal der Anlass für intensivere Überlegungen sein. ..",
meint Thorsten Stegemann in seinem Aufsatz für "telepolis" (30.10.03):
URL: http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/15971/1.html
Gesetz zur Sicherstellung des Embryonenschutzes im Zusammenhang mit Einfuhr und Verwendung
menschlicher embryonaler Stammzellen (Stammzellgesetz - StZG)
http://212.87.35.103/gesetze/Gesetzestexte_pdf/Stammzellgesetz.pdf
Das Embryonen-Schutzgesetz:
http://www.bba.de/gentech/eschg.htm
Die Bioethik-Konvention des Europarats:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/zme/Europarat.htm#dt
Regelungen zur Stammzellforschung in EU-Ländern
Nach Angaben der EU-Kommission gibt es in den einzelnen Ländern
sehr unterschiedliche Regelungen zur Forschung mit embryonalen
Stammzellen:
In Großbritannien haben Forscher die umfassendsten Rechte, mit
menschlichen Embryonen zu arbeiten. Dort dürfen sie Embryonen
ausdrücklich sogar rein für Forschungszwecke herstellen -
entweder durch künstliche Befruchtung oder durch Klonen von
Körperzellen.
In fünf EU-Ländern dürfen Stammzellen aus Embryonen
gewonnen werden, die bei einer künstlichen Befruchtung übrig
geblieben waren. Dabei werden die Embryonen zerstört. Das
Verfahren erlauben Finnland, Griechenland, Großbritannien, die
Niederlande und Schweden.
In Deutschland ist diese verbrauchende Embryonenforschung verboten. Der
Import embryonaler Stammzellen ist nur in begründeten
Ausnahmefällen unter strengen Auflagen erlaubt.
Andere Länder wie beispielsweise Dänemark, Frankreich und
Österreich haben zwar die Herstellung embryonaler Stammzellen,
aber nicht den Import und die Forschung ausdrücklich verboten.
In Belgien, Italien, Luxemburg und Portugal gibt es noch keine
gesetzlichen Regelungen
Quelle: dpa
Hintergrund: Deutsche Forscher und Embryonale Stammzellen
Mit Stammzellen vom Menschen wollen Mediziner in Zukunft schwere
Krankheiten heilen und die Funktion verschlissener Organe
wiederherstellen. Embryonale Stammzellen sind noch nicht auf eine
bestimmte Funktion spezialisiert. Sie werden vor allem aus Embryonen
gewonnen, die bei einer künstlichen Befruchtung entstehen und
nicht mehr für eine Schwangerschaft benötigt werden.
In Deutschland dürfen Wissenschaftler zwar keine Stammzellen aus
menschlichen Embryonen gewinnen, wohl aber in Ausnahmefällen
für «hochrangige Forschungsziele» importieren. Das
entsprechende Gesetz (Stammzellgesetz) wurde am 25. April 2002 im Bundestag
verabschiedet. Demnach dürfen nur vor dem 1. Januar 2002 durch
künstliche Befruchtung gewonnene und in Labors in Kulturen
gelagerte Stammzellen importiert werden. Damit wollte der Bundestag
sicherstellen, dass keine weiteren Embryonen eigens für die
Forschung in Deutschland zerstört werden...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307100.htm#030710_k
Blick ins Archiv
Justizministerin stellt Konsens bei Embryo-Forschung in Frage
Zypries: Recht auf Leben muss abgewogen werden - Künstlich
befruchtete Eizellen verfügen nicht über Menschenwürde
im Sinne des Grundgesetzes +++ Stellvertretende Vorsitzende der
Unionsfraktion, Maria Böhmer: Damit werden Embryonen "vom Menschen
zu Material"
Do.30.10.03 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat knapp anderthalb
Jahre nach der Grundsatzentscheidung des Bundestages zur Forschung mit
Zellen künstlicher erzeugter Embryos den Konsens in Frage gestellt.
Sie frage sich, ob die im so genannten Stammzellgesetz festgelegten
Regeln für die aktuelle Grundlagenforschung noch ausreichend
seien, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Text
für eine Rede, die Zypries am Nachmittag in der Berliner
Humboldt-Universität hielt. Sie verwies darauf, dass das
Stammzellgesetz Möglichkeiten eröffne, die Forscher nutzen
sollten. "Regierung und Gesetzgeber werden dann zu prüfen haben,
ob eine Lockerung des Stammzellgesetzes erforderlich ist", sagte sie...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310300.htm#03103014
«Die Beweislast hat der Embryo»
Süddeutsche Zeitung: "Justizministerin
Brigitte Zypries hat gesagt, die Menschenwürde sei
schützenswert, man müsse aber diskutieren, wo sie beginne. So
genannte überzählige, im Reagenzglas gezeugte Embryonen,
besäßen deshalb keinen vollen Lebensschutz, weshalb man mit
embryonalen Stammzellen forschen Könne. Ein nachvollziehbares
Argument?"
Ethik-Professor Dietmar Mieth: "Nein. Denn die Justizministerin kehrt
gewissermaßen die Beweislast um: Wenn man dem Embryo
Menschenwürde von Anfang an zuspricht, dann muss die Forschung
beweisen, warum sie einen Embryo zu Forschungszwecken töten darf -
da sind die Hürden sehr hoch. Wenn aber Forschungsfreiheit und das
Lebensrecht des Embryos zwei gleichrangige Rechte sind, dann muss
irgendwann der Embryo beweisen, warum er nicht getötet werden soll
- und dann wird es problematisch."
(Aus: Süddeutsche Zeitung vom 30.10.03)
Mieth ist Ethik-Professor an der katholisch-theologischen Fakultät
der Universität Tübingen. Er ist unter anderem Mitglied der
Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin" des Deutschen
Bundestags.
Angeheizte Debatte:
Justizministerin Däubler-Gmelin bezweifelt Nutzen der Stammzellenforschung
Argumente für die Forschung mit embryonalen Stammzellen seien wenig überzeugend,
so Däubler-Gmelin in einem Interview. Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) heizte
die Gentechnikdebatte mit Äußerungen an, wonach ein Importverbot
für embryonale Stammzellen gegen das Grundrecht der Forschungsfreiheit verstoße.
Mo.11.06.01 - In der Diskussion über die Gentechnik hat sich jetzt auch Justizministerin
Däubler-Gmelin zu Wort gemeldet. In einem Interview sagte Däubler-Gmelin, die
Argumente für die Forschung mit embryonalen Stammzellen seien wenig
überzeugend. Ihrer Ansicht nach wird die Notwendigkeit dieser
Forschungsmethode nicht klar begründet. Zugleich kündigte sie an, führende
Verfassungsrechtler in ihr Ministerium einzuladen. Mit ihnen will sie klären, ob die
so genannte Präimplantations-Diagnostik mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Bei
dieser Methode werden künstlich befruchtete Eizellen auf genetische Schäden
untersucht, bevor sie in den Mutterleib eingepflanzt werden.
Däubler-Gmelin hatte in den vergangenen Wochen mehrmals
deutlich gemacht, dass ihrer Ansicht nach das Bundesverfassungsgericht
den Beginn menschlichen Lebens mit der Verschmelzung von Samenzelle und
Ei festgelegt habe. Dadurch würden sowohl die PID wie auch eine Forschung an
embryonalen Stammzellen (ES) ausgeschlossen....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0106110.htm##0106110
Grundsatzdebatte des Bundestags über Gentechnik
Fr.01.06.01 - Gentests und Stamzellenforschung bleiben umstritten. Wissenschaftler der Universität
Bonn wollen offenbar bereits in einigen Wochen mit der Forschung an embryonalen
Stammzellen beginnen.[ mehr... ]
Debatte über Gentechnik: Kontroverse Diskussion bei Parteien und Regierung
Di.22.05.01- Nach dem Aufruf von Bundespräsident Rau zu einem kritischeren Umgang mit der
Biomedizin, gibt es kontroverse Reaktionen in den Parteien. Bundeskanzler Schröder
betont den wirtschaftlichen Nutzen der Gentechnik.[ mehr... ]
Kontroverse im Bundeskabinett über Embryonenforschung
Di.08.05.01 - Bundesjustizministerin hält die Forschung an Embryonen für verfassungswidrig, wenn
diese dabei absterben. Diese Position wird weder vom Ministerium für Gesundheit
noch vom Forschungsministerium geteilt. [ mehr... ]
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für Aufweichung des Embryonenschutzes
Fr.04.05.01 - Die DFG spricht sich für Experimente mit Stammzellen aus menschlichen Embryonen
Forscher erhoffen sich große Heilerfolge bei Krankheiten wie Alzheimer.
[ mehr... ]
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Grüne Staatsministerin setzt sich für umfassendes Klonverbot
ein
Verbot des reproduktiven Klonens wird offenbar von einer
überwältigenden Mehrheit der 191 UN-Mitgliedsstaaten
befürwortet
Fr.31.10.03 - Ungeachtet der neu entfachten Debatte über Embryonenforschung
setzt sich die Bundesregierung bei den Vereinten Nationen für ein
möglichst umfassendes Klonverbot in aller Welt ein. Die
Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller
(Grüne), sagte der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstagabend in
New York, dass sie sich in Gesprächen mit mehreren Diplomaten,
darunter auch Washingtons UN-Botschafter John Negroponte, für eine
universelle und umfassende Anti-Klon-Konvention stark gemacht habe.
Diese sollte nach dem parteiübergreifenden Bundestagsbeschluss in
2002 auch ein Verbot des therapeutischen Klonens einschließen.
Das entspreche der deutschen Rechtslage, die beide Formen von Klonen
ausschließt. Dagegen erwarten Befürworter des
therapeutischen Klonens wie Großbritannien, Japan, China und
Brasilien, dass embryonale Stammzellen einmal "maßgeschneiderte"
Ersatzgewebe und neue Organe liefern könnte. Überraschend
hatte auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) am Mittwoch
vorgeschlagen, die Forschung mit im Reagenzglas erzeugten Embryonen zu
erweitern.
Derweil versuchte Müller in New York, eine Kampfabstimmung in der
UN-Vollversammlung abzuwenden. Ein Verbot des reproduktiven Klonens
werde von einer überwältigenden Mehrheit der 191
UN-Mitgliedsstaaten befürwortet, sagte Müller. Der Initiative
von Costa Rica für eine umfassende Konvention, die außer dem
reproduktiven Klonen auch therapeutisches Klonen verbietet,
schließen sich bisher 61 Staaten an, unter anderen die USA.
Eine konkurrierende Beschlussvorlage Belgiens würde nur das
(reproduktive) Klonen von Babys blockieren, Beschränkungen
für das therapeutische Klonen aber den einzelnen Ländern
überlassen. Dieser Entwurf kann nach Auskunft von Diplomaten
bisher mit 30 Stimmen rechnen. Sollte sich bis zur geplanten Abstimmung
am Montag keine Annäherung abzeichnen, zieht die Staatsministerin
ihre Vertagung um ein Jahr vor. «Kampfabstimmungen führen
nicht zum Konsens», warnte die Staatsministerin. Konventionen
aber bekämen erst durch den Konsens der Staatengemeinschaft ihr
Gewicht, sagte Müller.
(Quelle: dpa)
Beim THERAPEUTISCHEN KLONEN werden die Embryonen allein zu
Therapiezwecken erzeugt. Wissenschaftler wollen dabei neues Gewebe mit
dem Erbgut eines Patienten züchten. Erbmaterial aus gesunden
Zellen des Patienten soll dazu in eine entkernte Eizelle gespritzt
werden.
Das REPRODUKTIVE KLONEN dient dazu, identische Nachkommen zu
erschaffen. Auf diese Weise war das Klonschaf «Dolly»
entstanden. Trotz mehrfacher Ankündigungen gibt es bislang keinen
Beweis für einen erfolgreich geklonten Menschen. In Deutschland
ist das Klonen von Menschen verboten.
Blick ins Archiv
USA fordern deutsche Unterstützung für Klonverbot
Di.28.10.03 - Der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte hat Deutschland
aufgefordert, sich der Initiative für ein weltweites Verbot des
reproduktiven wie des therapeutischen Klonens anzuschließen.
Negroponte sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"
(Dienstagausgabe), er wolle die Bundesregierung ermutigen, gemeinsam
mit den USA einer Konvention den Weg zu bereiten, die "diese unethische
Technik weltweit ächtet".
Der Appell des Botschafters ist dem Bericht zufolge Teil einer
diplomatischen Offensive, um eine Mehrheit für ein umfassendes
Klonverbot zu erreichen. 58 Staaten zählten bereits zu den
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310280.htm#"03102804
Unklare Strategie Berlins bei Anti-Klon-Debatte in New York
Süddeutsche Zeitung vom 21.10.03: ...Der Rechtsausschuss der UN-Generalversammlung (in New York) soll
eine Empfehlung für eine "Internationale Konvention gegen das
reproduktive Klonen menschlicher Wesen" erarbeiten. Bereits im
vergangenen Jahr konnten sich die Staaten nicht einigen. Auch vor zwei
Wochen ging die Arbeitsgruppe ergebnislos auseinander. Zwei Blöcke
stehen sich gegenüber, angeführt von Costa Rica und Belgien.
Der lateinamerikanische Staat fordert ein Totalverbot: Sowohl das
Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken als auch das Klonen
ganzer Menschen soll geächtet werden. Belgien will nur Letzteres
verbieten, während das Forschungsklonen national geregelt, also je
nach Land verboten, zugelassen oder mit einem Moratorium belegt werden
soll. In den neuen Verhandlungen muss sich nun auch Deutschland
positionieren.
Der belgische Vorschlag wird von China, Großbritannien und 30
weiteren Staaten unterstützt. Costa Rica kann mit der Zustimmung
von 56 Staaten rechnen, darunter Spanien, Italien und die USA. Dass das
deutsche Außenministerium sich nicht dieser Fraktion
angeschlossen hat, stößt im Bundestag auf
Unverständnis. Politiker fast aller Parteien ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310280.htm#031028_d
Bundestag für generelles Klonverbot weltweit
Fr.21.02.03 - Aufforderung an Regierung, sich für die internationale Ächtung
sowohl des reproduktiven als auch des therapeutischen Klonens einzusetzen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0302221.htm#03022115
Das Klonen geht auf eine 50-jährige Forschungsgeschichte zurück. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0301070.htm#030105_c
Telepolis- Klonen-Spezial:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/klon/default.html
Mehr zum Thema Klonen unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0212300.htm#us_klon
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0202140.htm#top
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0212260.htm#bruestle
Initiative "Stoppt PID und Klonen":
http://www.stoppt-pid-und-klonen.de
Vor 50 Jahren entdeckten James Watson und Francis Crick die Struktur der Erbsubstanz. Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0191.nf/text
Von der DNA-Helix bis zum Bauplan des Menschen (Chronologie):
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0189.nf/text
Mit Mendel fing es an - Entdeckungen vor der Helix-Ära (Chronologie:
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0190.nf/text
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CDU-Abgeordneter bezeichnet Juden als 'Tätervolk'
Dieter Graumann von der jüdischen Gemeinde in Frankfurt:
Antisemitismus ist in Deutschland über die Stammtische gewandert
und im Deutschen Bundestag angekommen
Fr.31.10.03 - Der hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann hat nach einem
Bericht des Hessischen Rundfunks in einer Rede den Holocaust
verharmlost und Juden zugleich als Tätervolk bezeichnet. Hohmann
habe bei seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in
seinem Heimatort Neuhof bei Fulda gesagt, vor allem
jüdisch-stämmige Bolschewisten seien für die Verbrechen
während der kommunistischen Revolution in Russland verantwortlich.
"Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene
als auch bei den Tscheka-Erschießungskommandos aktiv. Daher
könnte man Juden mit einiger Berechtigung als Tätervolk
bezeichnen", zitiert das hessen-Fernsehen Hohmann weiter.
In dem am Donnerstag gesendeten Beitrag sagte Dieter Graumann von der
jüdischen Gemeinde in Frankfurt, er sei angewidert. "Der
Antisemitismus in Deutschland ist über die Stammtische gewandert
und im Deutschen Bundestag angekommen."
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel sprach in
der ARD, von "einem Griff in die unterste Schublade des
Antisemitismus".
Die hessische SPD forderte den Ausschluss Hohmanns aus der
CDU-Bundestagsfraktion.
CDU-Generalsekretär Meyer nannte die Äußerungen des
Abgeordneten unerträglich. "Das kann nicht unsere Meinung sein."
Deshalb werde die CDU-Führung das Gespräch mit Hohmann suchen.
Die Hessen-CDU distanzierte sich von Hohmanns Äußerungen.
"Diese Haltung und Sprache Hohmanns ist nicht die unsrige",
erklärte der Generalsekretär des Landesverbandes, Michael
Boddenberg, in Wiesbaden. Zudem forderte er Hohmann auf, "derart
unhistorische, falsche und unakzeptable Äußerungen zu
unterlassen"
Nach Angaben des hessischen Rundfunks hatte der CDU-Verband Neuhof die
Rede auf seiner Internet-Seite veröffentlicht. Am Donnerstagabend
war sie dort nicht mehr zu finden.
(Quellen: rtr, dpa)
Degussa-Streit löst Debatte über Zukunft von
Holocaust-Mahnmal aus
Fr.31.10.03 - Die Diskussion um die Beteiligung des Degussa-Konzerns am Bau des
Holocaust-Mahnmals in Berlin hat eine Debatte über die Bedeutung
der Gedenkstätte für die Aufarbeitung der Vergangenheit
ausgelöst. Der jüdische Schriftsteller Rafael Seligmann
sprach sich dafür aus, den Bau endgültig zu stoppen. Die
Vorsitzende des "Förderkreises Denkmal für die ermordeten
Juden Europas", Lea Rosh, nannte dies "völlig absurd".
Der Architekt des Mahnmals, Peter Eisenman, protestierte gegen den
vorläufigen Baustopp, "nur weil ein Subunternehmer vor über
60 Jahren an verwerflichen Taten beteiligt war". Eine "emotionale
Reaktion" auf einen Firmennamen dürfe nicht weiter "den Verlauf
der Geschichte hemmen", betonte er in einem vorab veröffentlichten
Interview der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit".
Das Mahnmal werde gebaut, um es künftigen Generationen zu
ermöglichen, sich zu artikulieren, und der Debatte neue Impulse zu
geben, so Eisenman. "Wäre das Projekt schon in dem Geist begonnen
worden, in dem es nun fortgeführt zu werden droht, hätte ich
nie mitgewirkt." Sollte Degussa das Recht an einer Beteiligung an der
Gedenkstätte abgesprochen werden, "erlauben wir es der
Vergangenheit, uns blind zu machen für all das, was sich bis heute
getan hat", unterstrich der amerikanische Star-Architekt.
Die deutsch-jüdischen Versöhnungsbemühungen eines halben
Jahrhunderts könnten zunichte gemacht werden, schreibt Seligmann
in der neuen Ausgabe des Hamburger Magazins "Stern". Er argumentierte,
das Mahnmal gleiche "mit seinen gigantomanischen Ausmaßen eher
dem Nürnberger Reichstagsgelände als einem Ort der
Besinnung". Die von den Nazis ermordeten Juden verdienten Trauer und
Andenken. Das aber geschehe in Berlin etwa in der Wannseevilla, in der
Adolf Eichmann und andere NS-Funktionäre den Genozid planten, und
im KZ Sachsenhausen vor den Toren der Stadt.
Seligmann sei ein "schlechter Demokrat", sagte Lea Rosh der
"Saarbrücker Zeitung" (Donnerstags-Ausgabe). Es gebe
schließlich einen Beschluss des Parlaments, das sich mit
deutlicher Mehrheit für den Entwurf und den Standort ausgesprochen
habe.
Berlins Bausenator Peter Strieder (SPD) rechnet nicht damit, dass die
bereits montierten Stelen wieder abgerissen werden. Es gehe
schließlich nicht darum, Degussa wegen ihrer heutigen Haltung zu
kritisieren, sagte er der "Berliner Morgenpost" (Mittwochsausgabe).
Wichtig sei, dass sofort eine Entscheidung getroffen wurde, nachdem die
Politik informiert worden war. "Wir müssen die hohe emotionale
Betroffenheit der Hinterbliebenen akzeptieren", sagte Strieder, der
nicht mit einer Verteuerung oder einer verspäteten Fertigstellung
des Baus rechnet.
(Quelle: epd)
Aus diesem Grunde daher
Ja, früher habe die Degussa mal eine Tochtergesellschaft namens
Degesch gehabt, die das Gas zur Ermordung der Juden nach Auschwitz
geliefert habe. Aber erstens gebe es die nicht mehr und zweitens habe
ihre Muttergesellschaft ja seither schon so viel zur Wiedergutmachung
beigetragen, sagt der Herr Bundestagspräsident Thierse. Seine
frömmelnde Lüge war, lange bevor sie ausgesprochen, Thema
einer Rede von Jan Philipp Reemtsma, abgedruckt in "Konkret" vom
Oktober 1989, in der er sich auf die Recherche des Konkret-Autors Otto
Köhler bezog.
Ein Auszug der Rede findet sich bei "Konkret" online unter:
http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=a3
Blick ins Archiv
Auftrag an Degussa für Holocaust-Mahnmal storniert
Mo.27.10.03 - Ein halbes Jahr nach dem Baubeginn sind die Arbeiten am
Holocaust-Mahnmal [http://www.holocaust-mahnmal.de] in Berlin ins Stocken geraten. Das
Stiftungskuratorium beschloss nach Angaben der Mitinitiatorin Lea Rosh,
einen Auftrag an die Chemiefirma Degussa zur Lieferung eines
Graffiti-Schutzmittels für die Stelen zu stornieren. Während
der NS-Zeit hatte eine Tochtergesellschaft der Degussa das Gift Zyklon
B produziert, mit dem in den Vernichtungslagern Millionen Juden und
andere Verfolgte getötet wurden...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310270.htm#03102721
|
Wirtschaft und Politiker fordern Mehrarbeit
Fr.31.10.03 - Die Forderung nach längeren Arbeitszeiten wird von Wirtschaft,
Politik und Gewerkschaften weiter gegensätzlich bewertet. "Nur
durch Mehrarbeit verbessern unsere Firmen ihre Chancen am Weltmarkt",
sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages (DIHK), Ludwig-Georg Braun, der "Bild". Dagegen
forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Politik solle sich
aus der Debatte um die Arbeitszeit heraushalten. Die Grünen-
Arbeitsmarktexpertin Thea Dückert betonte, Mehrarbeit löse
nicht das Problem der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland.
Kritik übte Braun an den Plänen der Großunternehmen
Opel und Deutsche Telekom, durch Arbeitszeitverkürzungen ohne
Lohnausgleich Kosten zu sparen. Dies sei lediglich "eine kurzfristige
Krisenstrategie".
Ähnlich äußerte sich der Arbeitsmarktexperte im
Institut der Deutschen Wirtschaft, Hagen Lesch. Langfristig lasse sich
die Wettbewerbssituation der Unternehmen nur verbessern, "wenn wir bei
gleichen Löhnen länger arbeiten". Lesch wies allerdings
darauf hin, langfristig werde allein der demografische Wandel
längere Arbeitszeiten erforderlich machen, da dann weniger
Erwerbsfähige zur Verfügung stünden.
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walther, plädierte
im NDR vor allem für eine längere Lebensarbeitszeit durch
einen früheren Berufseinstieg. Allerdings müsse auch
über längere Wochen- oder Jahresarbeitszeiten nachgedacht
werden.
In der Diskussion um längere Arbeitszeiten hat sich erstmals ein
Wirtschaftspolitiker für die 48-Stunden-Woche ausgesprochen. "Bei
der Post können die Mitarbeiter schon bis zu 48 Stunden pro Woche
arbeiten. Das ist das Modell der Zukunft", sagte CSU-Wirtschaftsexperte
Johannes Singhammer der "Bild"-Zeitung. Der Vorsitzende des Bundestags-
Wirtschaftsausschusses, Rainer Wend erneuerte indes seine Forderung, in
flexiblen Tarifverträgen Arbeitszeiten von bis zu 45 Stunden pro
Woche zu ermöglichen.
Der bayerische Staatskanzleichef Erwin Huber (CSU) hat die
Tarifparteien aufgefordert, längere Arbeitszeiten zu vereinbaren.
Huber sagte im Interview der "Passauer Neuen Presse" (Freitagausgabe):
"Deutschland ist unter gewaltigem Anpassungsdruck, wir sind auf einer
Spirale nach unten. Der Lebensstandard wird in den nächsten zehn
Jahren nicht zu halten sein, wenn wir nicht mehr leisten." Wenn sich
Deutschland weiterhin die niedrigsten Arbeitszeiten der Welt leiste,
werde der Lebensstandard sinken.
Huber appellierte an die Tarifpartner, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer,
die Wochenarbeitszeit zu verlängern. Die Politik könne die
Arbeitszeit nicht regeln. Die Regierungen hätten aber eine
Führungsaufgabe. Bayern werde deshalb sowohl bei den Beamten als
auch bei den Arbeitern und Angestellten im öffentlichen Dienst die
Konsequenzen ziehen.
Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Dückert wies
die Kritik an Opel und Deutsche Telekom zurück. "Dieses Modell ist
weitaus solidarischer als die Entlassung zehntausender
Beschäftigter", erklärte sie. "Die jetzt vorgeschlagene
Verlängerung der tariflichen Arbeitszeit würde zwar Arbeit
billiger machen." Für den Arbeitsmarkt sei aber nichts gewonnen,
wenn nur bereits Beschäftigte mehr arbeiteten. Stattdessen
plädierte die Grünen-Abgeordnete für eine Senkung der
Lohnnebenkosten. "Ein Prozent niedrigere Lohnnebenkosten bringt 100.000
zusätzliche Arbeitsplätze."
DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer wies darauf hin, in den
Tarifverträgen seien längst zahlreiche Möglichkeiten zur
flexiblen Gestaltung von Arbeitszeiten verankert. Auch nach Auffassung
der Gewerkschaften sollten "die Arbeitszeiten so sein, dass die
Wirtschaft nicht beschädigt wird, sondern wachsen kann".
(Quellen: ap, dpa)
CDU für radikale Steuersenkung
Fr.31.10.03 - Die CDU tritt für radikale Steuersenkungen mit einem
Spitzensteuersatz von nur noch 36 Prozent ein. Bürger und
Unternehmen sollen nach einem von Unionsfraktionsvize Friedrich Merz
erstellten Vorschlag um bis zu zehn Milliarden Euro entlastet werden,
zugleich aber auf fast alle bisherigen Steuervergünstigungen
verzichten.
Wirtschaftsforscher und Steuerexperten begrüßten das Konzept
im Grundsatz, kritisierten aber einzelne Kürzungsvorschläge.
Unterdessen zeigten CDU-Chefin Angela Merkel und Generalsekretär
Laurenz Meyer Verständnis für die unterschiedlichen
Auffassungen der CDU-Ministerpräsidenten zu dem rot-grünen
Vorhaben vorgezogener Steuerentlastungen.
Merz' 31-Seiten-Papier, das der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag
vorlag, soll am kommenden Montag von der Parteispitze beschlossen
werden. Merkel nannte die Vorschläge einen "Weg zu einem
Befreiungsschlag in Sachen Steuern und Übersichtlichkeit". Die
Pläne gingen weit über das hinaus, was «uns heute in
dem Dschungel der Einkommensteuer beschäftigt", sagte sie bei
einer Tagung in Berlin.
Merz rechnet in seinem Konzept mit Mehreinnahmen von etwa 35 bis 40
Milliarden Euro durch Abbau von Steuervergünstigungen. Dem
stünden Entlastungen von 45 Milliarden Euro gegenüber. Der
Grundfreibetrag soll 8000 Euro pro Kopf betragen und der
Eingangssteuersatzes 12 Prozent. Kapitaleinkünfte sollen pauschal
mit 24 Prozent besteuert werden. Leistungen, die außerhalb des
Steuersystems gewährt werden, wie etwa die Eigenheimzulage, sind
in dem Merz-Papier nicht erwähnt.
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß
kritisierte, die Merz-Pläne gingen weit über jene
"Grausamkeiten" hinaus, die der CDU-Politiker bisher der Koalition
unterstellt habe. Der Bund der Steuerzahler und die Deutsche
Steuer-Gewerkschaft nannten die Vorschläge dagegen richtig. Sie
müssten unvoreingenommen diskutiert werden, forderte
Steuerzahler-Präsident Karl-Heinz Däke. Stefan Bach vom
Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagte: "Das
Konzept geht grundsätzlich in die richtige Richtung." Über
Details wie den Wegfall von Pendlerpauschale und Sparerfreibetrag
müsse aber noch geredet werden. Ähnlich äußerte
sich der Chef der Steuer-Gewerkschaft, Dieter Ondracek.
Im Streit um die rot-grünen Pläne vorgezogener
Steuersenkungen signalisierte Merkel Akzeptanz für ein
unterschiedliches Abstimmungsverhalten der unionsgeführten
Länder im Bundesrat. Sie respektiere, dass
Ministerpräsidenten "nicht nur einer Partei angehören,
sondern auch dem Wohl ihres Bundeslandes verpflichtet sind", sagte
Merkel in der "Bild"-Zeitung auf die Frage, ob sie für eine
einheitliche Linie in dieser Frage sorgen wolle.
Dagegen verlangte als erster Unions-Regierungschef Sachsen-Anhalts
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer von seinen Kollegen doch
eine einheitliche Linie im Bundesrat. CDU und CSU hätten bislang
keine gemeinsame Haltung zur Steuerreform gefunden, räumte er am
Mittwochabend in der n-tv-Sendung «Maischberger» ein. Daher
gelte es, zunächst untereinander eine Kompromisslinie zu suchen.
Grünen- Fraktionschefin Krista Sager forderte von Merkel, sich
selbst klar zu positionieren.
Die grüne Finanzpolitikerin Christine Scheel hat die
steuerpolitischen Vorschläge des Unionspolitikers Merz unter
Vorbehalt begrüßt. In einem Gespräch mit der in
Hannover erscheinenden «Neuen Presse» (Freitagausgabe)
sagte sie: «Ich begrüße jeden Vorschlag, der das
Steuerrecht vereinfacht und transparent macht.» Weil
Gutverdienende in der Regel Steuerschlupflöcher besser nutzen
könnten, sei ein einfaches Steuersystem in der Tendenz auch
gerechter. Allerdings müsse man die Verteilungswirkung genau
prüfen, forderte die Grünenpolitikerin.
Die Zeitung zitierte Scheel mit den Worten: «Ich
begrüße jedoch nicht, wenn man sich in einen Wettbewerb
niedriger Steuersätze begibt, ohne darauf zu achten, wie sich die
realen Steuerbelastungen einzelner Einkommensgruppen gegenüber
entwickelt.» Sie erinnerte daran, dass der Steuerrechtler
Kirchhoff seinen ähnlichen Entwurf mehrfach habe nachbessern
müssen, weil er zunächst bei den unteren und mittleren
Einkommensgruppen zu pauschalen Verschlechterungen geführt
hätte. Mit dem Wegfall des Arbeitnehmerpauschbetrages, des
Sparerfreibetrages, der Pendlerpauschale und der steuerfreien
Zuschläge für Sonn- und Nachtarbeit komme einiges zusammen,
sagte Scheel.
Nach einer neuen Forsa-Umfrage ist eine Mehrheit der Bundesbürger
gegen Steuerentlastungen auf Pump. 56 Prozent der Befragten geben an,
sie wollten in diesem Fall kein Vorziehen der Steuersenkung. Ein
Drittel (33 Prozent) ist gegenteiliger Ansicht, wie der Sender N24 als
Auftraggeber der Umfrage mitteilte.
Im Streit um das Vorziehen der Steuerreform dringen Handel und
Wirtschaft auf ein Spitzentreffen beim Kanzler. Die Reform dürfe
nicht an taktischen Spielchen scheitern, sagte
Einzelhandelsverbandspräsident Hermann Franzen der "Bild"-Zeitung.
Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer forderte
unterdessen umfassende Maßnahmen gegen Steuerflucht und eine
höhere Erbschaftsteuer. In der "Berliner Zeitung" regte er an, das
System der USA zu übernehmen. Ein US-Bürger ist immer in
seinem Heimatland steuerpflichtig, auch wenn er im Ausland wohnt; dort
gezahlte Steuern werden in den USA aber angerechnet. !Er kann auf den
heimischen Pass verzichten, wenn er keine Steuern zahlen will", sagte
Bütikofer.
(Quellen: ap. dpa)
Saarländischer SPD-Chef Maas: Abgewanderte
Firmen sollen Subventionen zurückzahlen
Fr.31.10.03 - Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas hat sich für
Konsequenzen gegen steuerflüchtige Unternehmen ausgesprochen. "Wir
sollten prüfen, ob nicht Firmen, die jahrelang Millionen an
Subventionen kassiert und davon profitiert haben, die Hilfen
zurückzahlen müssen, wenn sie Knall auf Fall in Ausland
flüchten", sagte Maas, der auch Spitzenkandidat für die
Landtagswahl im Saarland im nächsten Jahr ist, am Donnerstag in
der n-tv-Sendung "Maischberger".
Vor Maas hatte sich bereits der Grünen-Vorsitzende Reinhard
Bütikofer für umfassende Maßnahmen gegen Steuerflucht
ausgesprochen. "Auch Boris Becker und Michael Schumacher sollten sich
nicht der Finanzierung des Gemeinwesens entziehen können", sagte
Bütikofer der "Berliner Zeitung" (Donnerstag).
Er regte an, das
System der USA zu übernehmen. Ein US-Bürger ist immer in
seinem Heimatland steuerpflichtig, auch wenn er im Ausland wohnt; dort
gezahlte Steuern werden in den USA aber angerechnet. !Er kann auf den
heimischen Pass verzichten, wenn er keine Steuern zahlen will", sagte
Bütikofer.
(Quelle: dpa)
Steuerflucht
Unternehmen kassieren Subventionen und gehen ins Ausland
Insgesamt zahlt der Staat jährlich 25 Milliarden Euro Subventionen
an deutsche Unternehmen - und das ist mehr, als im Jahr für die
gesamte Sozialhilfe ausgegeben wird. Über Florida-Rolf
empörten sich die Deutschen. Kennen Sie aber Infineon-Uli? ...
Mehr bei "Monitor" - Magazin in der ARD (Sendetermin: 09.10.03):
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=533&sid=103
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Steuer gegen die Zersiedelung
Fr.31.10.03 - Naturschützer fordern eine deutliche Anhebung der Grundsteuer.
Dahinter steckt folgende Idee: Die Zersiedelung der Landschaft
könne gestoppt und gleichzeitig die Finanzkraft der Kommunen
gestärkt werden. Der Deutsche Naturschutzring (DNR) und der
Naturschutzbund Nabu forderten diese nachhaltige Stützung der
Gemeinden gestern gemeinsam.
"Es wäre grob fahrlässig, die Chance für eine umfassende
Reform jetzt nicht zu nutzen und sich allein auf die Ausdehnung der
Gewerbesteuer zu beschränken", begründete
DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen den Vorstoß. Die
Verbände schlagen eine schrittweise Reform der Grundsteuer vor:
Nach einer Übergangszeit soll sich ihrer Ansicht nach das
Grundsteueraufkommen von 8 auf 16 Milliarden Euro verdoppeln. Bei einem
flächensparenden Reihenhaus würde eine nachhaltige
Grundsteuer nur zu einer geringen Mehrbelastung führen.
Freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Gewerbe und Handel
mit einem großen Bedarf an Fläche würden hingegen drei-
bis sechsmal höher belastet. Im Gegenzug sollte die
Grunderwerbsteuer für bebaute und erschlossene Grundstücke
gestrichen werden.
(Quelle: taz/dpa)
Rot-Grün will Politiker-Pensionen kürzen
Fr.31.10.03 - Angesichts der geplanten Einschnitte bei den Renten wollen SPD und
Grüne auch Kürzungen von Politiker-Pensionen durchsetzen. Der
innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter
Wiefelspütz, nannte Einschnitte bei den Politiker-Pensionen "eine
Selbstverständlichkeit".
Er denke, dass die Bereitschaft dafür bei allen Politikern
vorhanden sei, sagte Wiefelspütz am Donnerstag in Kiel.
Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte: "Die
Reformschritte im Renten- und Gesundheitsbereich müssen auch auf
Abgeordnete und Beamte übertragen werden."
Die Grünen-Fraktion arbeitet nach Göring-Eckardts Worten an
detaillierten Vorschlägen. Erheblichen Änderungsbedarf gebe
es beim Pensionierungsalter. "Wer vor 65 aufhört, muss höhere
Abschläge in Kauf nehmen." Auch die Höhe der Pensionen, die
bei vier Legislaturperioden und mehr erreicht werden, sei zu
überprüfen.
Die bisherigen Regelungen für Parlamentarische
Staatssekretäre und Minister seien überzogen. "Heute erhalten
Staatssekretäre bereits nach zwei Amtsjahren hohe
Pensionsansprüche und Übergangsgelder", sagte die
Grünen-Fraktionschefin. Wie in den meisten Landesparlamenten solle
auch der Bundestag die Mindestzeit auf eine Legislaturperiode, also
mindestens vier Jahre, festlegen.
FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper verwies auf einen
FDP-Antrag, der dem Bundestag bereits vorliegt. Die Liberalen wollen,
dass Politiker künftig private Versicherungen abschließen.
Wiefelspütz sagte, das Ausmaß der Konsequenzen für die
Beamten- und Politikerversorgung werde sich dann beurteilen lassen,
wenn der Umfang der Maßnahmen in der gesetzlichen
Rentenversicherung klar sei. Er geht von einer Entscheidung in einigen
Monaten aus. Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für
Wirtschaft und Arbeit, Rainer Wend (SPD), trat dafür ein, dass
Politiker erst mit 65 Jahren Pensionsanspruch haben. Änderungen
forderte er auch bei der Addition von Versorgungsansprüchen, die
zu Pensionen von mehr als 10 000 Euro führen können.
Wiefelspütz sprach sich dagegen aus, Parlamentarier in die
gesetzliche Rentenversicherung oder eine private Vorsorge einzahlen zu
lassen. Da sie wie Beamte derzeit nicht für ihre Pensionen
aufkommen, müssten die Diäten so stark erhöht werden,
dass Wiefelspütz dies politisch für nicht durchsetzbar
hält. Er verwies darauf, dass die Kieler Landesregierung vor knapp
einem Jahr mit einem solchen Versuch gescheitert war.
(Quelle: dpa)
Renten-Nullrunde und pralle Politiker-Pensionen
Im Durchschnitt betragen die Rentenansprüche in Deutschland
zurzeit 1175,85 Euro - das ist die so genannte Brutto-Eck-Rente. Diese
Summe erhält heute durchschnittlich derjenige, der 45 Jahre lang
in Westdeutschland in die Rentenkasse eingezahlt hat. Ganz anders sehen
die Pensions- und Versorgungsaussichten unserer Volksvertreter aus...
Mehr bei "Frontal 21", Magazin im ZDF (Sendetermin: 28.10.03) unter:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/16/0,1872,2075376,00.html
Ein weiterer Bericht zum Thema bei "Monitor", Magazin in der ARD (Sendetermin: 09.10.03)
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=531&sid=103
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Dienstleistungsgewerkschaft legt Modellrechnung für Reformen vor
Fr.31.10.03 - Rentner, allein Erziehende und Arbeitslose sind nach Berechnungen der
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Verlierer der rot-grünen
Reformpolitik. Großverdiener dagegen profitieren der Studie
zufolge mit mehreren 10 000 Euro pro Jahr. Die Normalfamilie habe einen
kleinen Reformgewinn von knapp 40 Euro zu erwarten. Diese Zahlen stehen
in der ver.di-Berechnung der Auswirkungen der Reformen der "Agenda
2010" und der Steuermaßnahmen, aus der die "Westfälische
Rundschau" zitiert.
(Quelle: dpa)
Mehr bei ver.di unter:
http://www.verdi.de/0x0ac80f2b_0x00421de4
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