Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertsiebenundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Weiter angespannte Lage: 14 Tote bei schweren Zusammenstößen
zwischen US-Soldaten und Irakern in Vorort von Bagdad +++ Zwei
US-Soldaten bei Anschlag in Mossul getötet +++
US-Außenminister Powell: Saddam nicht hinter Anschlägen im
Irak +++ US-Abgeordnete genehmigen Milliardenpaket für Irak +++
US-Regierung übergibt Senatsausschuss Dokumente zu Irak
Sa.01.11.03 - Die Lage im Irak bleibt angespannt: Bei blutigen
Zusammenstößen zwischen Soldaten und Irakern sind in einem
Vorort von Bagdad 14 Iraker getötet worden. Wie CNN unter Berufung
auf das US- Militär berichtet, wurden 5 Iraker verletzt. Nach
Armeeangaben hatten bis zu 1000 Iraker eine Patrouille mit Steinen
beworfen. Die Menschen hätten gegen die Inhaftierung von
Landsleuten demonstriert. Eskaliert sei die Situation, nachdem aus der
Menge heraus Granaten auf eine Polizeistation abgefeuert worden waren.
US-Truppen riegelten unterdessen das Geburtsdorf Saddam Husseins ab.
Sie errichteten Kontrollposten, an denen sich alle erwachsenen
Einwohner von Udscha nahe Tikrit beim Verlassen oder Betreten des Ortes
ausweisen müssen.
US-Kommandeur Steve Russell erklärte, es gebe Hinweise, die
Anschläge auf amerikanische Soldaten mit Udscha in Verbindung
brächten.
Eine starke Explosion erschütterte am Freitagmittag die Stadt
Falludscha. Über dem Bürgermeisteramt stieg schwarzer Rauch
auf. Bewohner des Stadtviertels beschwerten sich später bei den
Behörden, dass ihre Gegend wegen des von den USA ernannten
Bürgermeisters zum Angriffsziel geworden sei. Im Verlauf des
lautstarken Protests erschossen Polizisten einen Bewohner, wie ein
Beamter der Zivilverteidigung sagte. Danach drangen aufgebrachte
Einwohner in das zum Teil abgebrannte Bürgermeisteramt ein und
plünderten die Büroräume.
Bei der Explosion einer Landmine in der nordirakischen Stadt Mossul
sind am Samstagmorgen zwei US-Soldaten getötet worden, wie die
irakische Polizei mitteilte. Drei weitere Personen seien verwundet
worden. Unweit der Stadt Tikrit wurde eine Öl-Pipeline in Brand
gesetzt. Augenzeugen berichteten, dem Feuer, 15 Kilometer nördlich
von Tikrit, sei eine Explosion vorausgegangen. Auf Flugblättern in
Bagdad wurde für den heutigen Samstag zu einem "Tag des
Widerstands" und zu einem dreitägigen Generalstreik aufgerufen.
Als Urheber der Flugblätter gelten versprengte Funktionäre
der Baath-Partei des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein. In
einer Erklärung zum Freitagsgebeet bezeichnete eine Vereinigung
islamischer Geistlicher jede Unterstützung der Amerikaner als
Verrat an der Religion.
Der gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein steckt nach
Einschätzung von US-Außenminister Colin Powell nicht hinter
den Angriffen auf US-Truppen im Irak.
"Trotz gegenteiliger Presseberichte sehe ich keine Beweise, dass er
irgendwelche Strippen zieht", sagte Powell dem Fernsehsender ABC in
einem Interview, das am Freitag ausgestrahlt werden sollte. "Ich
weiß nicht, wo er ist oder was er tut, aber wir haben wirklich
nicht die Beweise, um die Behauptung zu erheben, dass er alle Strippen
zieht", sagte der US-Außenminister nach Angaben des Senders.
Die "New York Times" hatte am Freitag unter Berufung auf
US-Regierungskreise berichtet, Saddam sei möglicherweise die
treibende Kraft hinter den Angriffen auf US-Truppen im Irak. Seit
US-Präsident George W. Bush am 1. Mai das Ende der
Hauptkampfhandlungen im Irak erklärte, sind 118 US-Soldaten von
Feinden getötet worden, mehr als während des Krieges im
März und April.
Die Zahl der während der Hauptkampfhandlungen im Irak-Krieg
getöteten Iraker ist nach einer US-Studie fast hundert Mal
höher als die der getöteten US-Soldaten. Zwischen dem 19.
März und dem 30. April wurden rund 13.000 Iraker getötet,
unter ihnen 4300 Zivilisten, wie aus einer in Washington
veröffentlichten Studie der unabhängigen Gesellschaft
"Projekt für Verteidigungsalternativen" hervorgeht.
Mehr zur Studie unter:
http://www.comw.org/pda/0310rm8exsum.html
http://www.comw.org/pda/0310rm8.html
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310300.htm#031030_a
Powell sagte, Saddam verwende wohl den Großteil seiner Zeit und
Energie darauf, nicht von den USA gefangen genommen zu werden. "Er
weiß, dass er sein Gesicht nicht zeigen kann, weil wir ihn gewiss
fangen würden, und ich glaube kaum, dass das irakische Volk ihn
besonders herzlich begrüßen würde, wenn er sich jetzt
zeigte."
Powell zog auch Medienberichte in Zweifel, wonach der Saddam-Getreue
Issat Ibrahim el Duri für die Koordinierung der Anschläge
verantwortlich sein soll. "Ich sehe keine Beweise, die diese Vermutung
stützen", sagte Powell.
Die australische Regierung warnte vor einem Anschlag auf ein von
Journalisten und Hilfsorganisationen genutztes Hotel im Zentrum der
irakischen Hauptstadt. Man habe glaubwürdige Hinweise erhalten,
dass in der Umgebung des El-Hamra-Hotels Anschläge geplante
würden, heißt es in einer Reisewarnung des
Außenministeriums. Dies gelte - beginnend am 1. November -
für die kommenden zwei Wochen.
Entgegen der Entscheidung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz
(IKRK), einen Teil der ausländischen Helfer aus Irak abzuziehen,
wollen die Mitarbeiter des Italienischen Roten Kreuzes weiter bleiben.
Auch die zehn humanitären Helfer der EU sollen ihre Arbeit in
Bagdad fortsetzen, wie ein Sprecher der EU-Kommission am Freitag
mitteilte.
Des US-Repräsentantenhaus billigte unterdessen das von der
Regierung vorgelegte Milliardenpaket für den Einsatz in Irak. Die
Abgeordneten in Washington nahmen das Budgetgesetz, das auch die
Ausgaben für Afghanistan einschließt, mit 298 gegen 121
Stimmen an. Es hat einen Umfang von 87,5 Milliarden Dollar. Davon sind
65 Milliarden Dollar für die Streitkräfte und 18,6 Milliarden
für den Wiederaufbau in Irak bestimmt. Die noch ausstehende
Zustimmung des Senats zu dem Paket galt als sicher.
Wie US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte, können
mit Hilfe der Kongress-Gelder alle irakischen Sicherheitsbereiche von
den Grenzkontrollen bis hin zum Zivilschutz rascher als bisher
ausgebaut werden. Bush-Beraterin Rice rief alle Länder auf, die
Streitigkeiten hinter sich zu lassen, um gemeinsam der irakischen
Bevölkerung zu helfen. Rice forderte Länder wie
Deutschland und Frankreich auf, mehr Geld zum Wiederaufbau Iraks
beizusteuern.
Das US-Außenministerium hat dem Geheimdienstausschuss des Senats
am Freitag elf von 15 angeforderten Dokumenten zum Kenntnisstand der
Regierung über die Gefährlichkeit Iraks vor dem Krieg
übergeben. Zwei weitere Dokumente würden in Kürze
übergeben und die restlichen zwei sobald wie möglich, sagte
der Sprecher des Ministeriums, Richard Boucher.
Angesichts der Vorwürfe, Präsident George W. Bush habe zur
Rechtfertigung des Krieges die von Irak ausgehende Bedrohung
übertrieben dargestellt, prüft der Senatsausschuss das
Material, das der Regierung als Entscheidungsgrundlage diente. Auch das
Pentagon und der Nationale Sicherheitsrat wurden vom
Geheimdienstausschuss des Senats zur Herausgabe bestimmter Dokumente
aufgefordert.
In Briefen an Außenminister Colin Powell, Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice setzten die
zwei Ausschussvorsitzenden von Republikanern und Demokraten für
die Herausgabe der gewünschten Dokumente eine Frist bis zum
(gestrigen) Freitag. Sie warfen den zuständigen Regierungsstellen
zugleich eine Verschleppungstaktik vor.
Hauptgrund zur Rechtfertigung des Krieges war der angebliche irakische
Besitz von Massenvernichtungswaffen. Bis heute wurden jedoch keinerlei
Waffen dieser Art in dem Land gefunden.
(Quellen: ap, rtr, dpa, afp)
Klimaschutzabkommen von Kyoto
Die Vereinigten Staaten, das Land mit dem höchsten Ausstoß
an Treibhausgasen, lehnen das Klimaschutzabkommen von Kyoto aus
wirtschaftlichen Gründen ab
Sa.01.11.03 - Die Emissionen von Treibhausgasen in den USA sind weiter gestiegen,
aber nicht mehr ganz so stark wie zuvor. Die Gesamtmenge der von
Industrie und Privathaushalten ausgestoßenen Treibhausgase lag
2002 um 0,5 Prozent über der Vorjahresmenge, wie das
Energieministerium am Freitag in Washington mitteilte [http://www.eia.doe.gov/].
Im Durchschnitt der Jahre von 1990 bis 2002 erhöhten sich die
Emissionen um 0,9 Prozent.
Die USA sind das Land mit dem höchsten Ausstoß an
Treibhausgasen, die nach Überzeugung zahlreicher Wissenschaftler
eine schädliche Erwärmung der Erdatmosphäre und damit
einen allmählichen Klimawandel verursachen. Das
Klimaschutzabkommen von Kyoto, das eine globale Drosselung von
Treibhausemissionen zum Ziel hat, wird von den Vereinigten Staaten aus
wirtschaftlichen Gründen abgelehnt.
Allein bei Kohlendioxid, das mit 83 Prozent den höchsten Anteil an
Treibhausgasen stellt, gab es 2002 in den USA eine Steigerung um 0,8
Prozent. Auch die Menge der in die Umwelt abgegebenen
Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) nahm weiter zu. Methan und
Stickoxide gingen hingegen um 2,7 Prozent zurück.
(Quelle: ap)
US-Behörde findet Klonfleisch zum Verzehr geeignet
Sa.01.11.03 - In US-amerikanischen Tiefkühlregalen könnte schon im
nächsten Jahr Fleisch geklonter Tiere angeboten werden. Denn:
Fleisch, Wurst und Milch von geklonten Kühen oder Schafen sind
nach einer ersten Begutachtung der zuständigen US-Behörde zum
Verzehr geeignet. Voraussetzung sei selbstverständlich, dass es
sich um gesunde Tiere handele, berichtete der Sender CNN unter Berufung
auf eine Ankündigung der FDA (Food and Drug Administration). Die
offizielle Stellungnahme der Gesundheitsbehörde sollte noch am
Freitag im Netz unter http://www.fda.gov veröffentlicht werden.
Sie beruft sich auf eine Studie des US-Forschungsrats in Washington.
Experten schätzen, dass bis zur endgültigen Freigabe des
Klonfleischs nun noch wenigstens ein Jahr vergehen wird. In dieser Zeit
will die FDA prüfen lassen, ob Klontiere grundsätzlich als
gesund gelten dürfen und ob ihr Fleisch sich im Nährgehalt
von dem nicht geklonter Tiere unterscheidet.
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema bei telepolis (01.11.2003) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/klon/15989/1.html
UN-Generalversammlung billigt Konvention gegen Korruption
Sa.01.11.03 - Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das in
zweijährigen Verhandlungen erzielte Abkommen zum weltweiten Kampf
gegen die Korruption gebilligt. Das Vertragswerk wurde von den
Vertretern der 191 Mitgliedsstaaten am Freitag im Konsensverfahren
angenommen. Es ruft alle Regierungen auf, Bestechung und
Bestechlichkeit unter Strafe zu stellen. Die Vertragsstaaten wollen bei
Ermittlungen zusammenarbeiten und verpflichten sich,
Vermögenswerte aus grenzüberschreitender Korruption wieder in
das Herkunftsland zu übertragen.
Die Annahme der UN-Konvention gegen Korruption "bekräftigt die
Bedeutung von zentralen Werten wie Ehrlichkeit, Respekt für das
Recht, Verantwortung und Transparenz", sagte UN-Generalsekretär
Kofi Annan. Der Text des Abkommens wurde am 1. Oktober in Wien
beschlossen, nachdem Fachleute aus 130 Staaten zwei Jahre lang daran
gearbeitet hatten. Der Vertrag ergänzt die am 29. September in
Kraft getretene UN-Konvention gegen transnationales organisiertes
Verbrechen.
Vom 9. bis 11. Dezember findet in der mexikanischen Stadt Merida eine
Unterzeichnerkonferenz zu der Konvention gegen Korruption statt. Dabei
soll auch über Fragen der Umsetzung beraten werden. Die
UN-Mitglieder können die Konvention dann bis zum 9. Dezember 2005
unterzeichnen. Sie tritt 90 Tage nach dem Tag in Kraft, an dem 30
Staaten das Abkommen ratifiziert haben.
(Quelle: ap)
Nordkorea ist zu weiteren Verhandlungen im Atomstreit bereit
USA begrüßen Signale aus Nordkorea zur Fortsetzung der
Atom-Gespräche +++ EU-Delegation will mit Nordkorea über
Atomstreit beraten
Sa.01.11.03 - Nordkorea hat sich grundsätzlich zu einer weiteren Runde der
Sechs-Staaten-Gespräche über sein Atomprogramm bereit
erklärt.
In einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung der amtlichen
Nachrichtenagentur KCNA hieß es, die Demokratische Volksrepublik
Korea habe gegenüber einer chinesischen Delegation ihre
Bereitschaft bekundet, "an künftigen Gesprächen teilzunehmen,
wenn sie dem Ziel dienen, den Vorschlag für eine Paketlösung
umzusetzen, die auf dem Prinzip gleichzeitiger Aktionen basiert". Das
chinesische Fernsehen bestätigte die Übereinkunft nach einem
Gespräch des chinesischen Parlamentspräsidenten Wu Bangguo
mit dem Chef der nordkoreanischen Führung, Kim Jong Il am
Donnerstag.
An der ersten Runde der Sechs-Staaten-Gespräche im August in China
hatten die USA, Nordkorea, Russland, Japan, China und Südkorea
teilgenommen.
Die USA haben die Signale aus Nordkorea zu einer Fortsetzung der
Sechsergespräche über sein Atomprogramm begrüßt.
Die Informationen aus Pjöngjang seien ermutigend, sagte
US-Präsidentensprecher Scott McClellan am Donnerstag in Columbus
im US-Bundesstaat Ohio. US-Präsident George W. Bush habe in der
Vergangenheit deutlich gemacht, dass ein "multilateraler Prozess" die
größten Hoffnungen in sich trage, Nordkorea zu einer Abkehr
von seinem umstrittenen Atomprogramm zu bewegen. Washington
begrüße daher das Engagement Chinas, Nordkorea an den
Verhandlungstisch zurückzubringen.
Eine Delegation der Europäischen Union (EU) will in Nordkorea mit
der Führung des Landes über den anhaltenden Atomstreit
beraten.
"Die EU bereitet die baldige Reise einer ranghohen Delegation nach
Nordkorea vor", sagte am Freitag eine Sprecherin des Koordinators der
EU-Außenpolitik, Javier Solana, in Brüssel. "Zweifelsohne
wird der Atomstreit ein wichtiger Teil der Gespräche sein",
fügte sie hinzu. Ein Termin für die Reise stehe jedoch noch
nicht fest.
Nordkorea hatte nach US-Angaben vor einem Jahr eingeräumt,
entgegen einem Abkommen von 1994 sein Atomprogramm fortgesetzt zu
haben. Die USA werfen dem kommunistischen Staat vor, nach Atomwaffen zu
streben. Im August waren Gespräche zur Beilegung des Streits, an
denen sich neben Nordkorea die USA, Südkorea, China, Japan,
Russland beteiligten, ohne Fortschritte geblieben.
Nach Angaben der Sprecherin werden der EU-Delegation Gesandte Italiens
angehören, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat.
Auch Vertreter Irlands würden dabei sein, das im Januar die
EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.
(Quelle: rtr, afp)
IAEO sieht im Atomstreit mit Iran 'echte Fortschritte'
Sa.01.11.03 - Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) sieht angesichts der
jüngsten Schritte Teherans im Streit um das iranische Atomprogramm
"echte Fortschritte". Das erklärte IAEO-Generaldirektor Mohammed
el Baradei in einer am Freitagabend veröffentlichten
Pressemitteilung.
Am 20. November werde er den IAEO-Gouverneursrat über den Stand
der Kontrollen informieren. Am Freitag ging ein Ultimatum der
Atombehörde zu Ende, bis zu dem Teheran sein Atomprogramm
vollständig offen legen sollte.
"Vergangene Woche erhielten wir eine, wie mir versichert wurde,
vollständige und exakte Auflistung der bisherigen atomaren
Aktivitäten Irans. Wir haben umgehend mit intensiven Kontrollen
begonnen und wir machen gute Fortschritte", hieß es in der
Erklärung El Baradeis. Noch in der kommenden Woche erwarte er ein
Schreiben der Führung in Teheran, in dem noch weiter gehende
Kontrollmöglichkeiten eingeräumt werden. "Sollte dies so
eintreten, wäre das ein sehr positiver Schritt vorwärts."
Zuvor hatte El Baradei allerdings in einem Interview der "Frankfurter
Allgemeinen Zeitung" (FAZ) betont, es gebe noch "viele Fragen und (wir)
müssen noch viele technische Analysen machen". Die IAEO sei auch
nach Übergabe der Dokumente aus Teheran "noch nicht in der Lage,
ein klares Urteil abzugeben". In Teheran demonstrierten unterdessen
rund 2000 orthodoxe Islamisten gegen eine Zusammenarbeit mit der IAEO.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israelisch-palästinensisches Treffen auf Ministerebene geplant
Sa.01.11.03 - Israels Verteidigungsminister Schaul Mofas plant nach Angaben aus
politischen Kreisen in Israel ein Treffen mit der
palästinensischen Führung in der kommenden Woche.
Es wäre das erste Treffen zwischen den beiden Parteien auf
Ministerebene seit der Ernennung von Ahmed Korei zum
palästinensischen Ministerpräsidenten im September. Das
Vorhaben von Mofas könne der Beginn weiterer Gespräche sein
und wecke damit Hoffnungen für den Nahost-Friedensprozess,
hieß es in den Kreisen am Freitag in Jerusalem. Bei den
Gesprächen könne es um eine Lockerung der israelischen
Kontrollen in den Palästinensergebieten gehen, wenn die
Palästinenser im Gegenzug Maßnahmen zur Eindämmung der
Gewalt ergreifen würden.
Zwischen Israelis und Palästinensern kommt es beinahe täglich
zu Gewalt und Gegengewalt. Die Umsetzung eines internationalen
Friedensplans ist dadurch mittlerweile völlig zum Erliegen
gekommen.
(Quelle: rtr)
Mexiko fordert Aufhebung von EU-Agrarsubventionen
Sa.01.11.03 - Zum Abschluss eines dreitägigen Forums über die Beziehungen
zwischen Lateinamerika und Europa hat der mexikanische Präsident
Vicente Fox die Aufhebung der EU-Agrarsubventionen gefordert. Erst wenn
der Handel von solchen Eingriffen befreit sei, könne der bisher
nur marginale Warenaustausch zwischen beiden Kontinenten ausgeweitet
werden, sagte Fox am Freitag vor dem Biarritz-Forum mit mehr als 100
Wissenschaftlern und Politikern in Valee de Bravo westlich von
Mexiko-Stadt. Das Forum, ursprünglich in der französischen
Stadt Biarritz ausgerichtet, fand bereits zum vierten Mal statt.
(Quelle: ap)
Polen droht mit Veto gegen geplante EU-Verfassung
Beitrittsland Polen fürchtet, dass der vorliegende
Verfassungsentwurf kleine und mittlere Staaten benachteiligt.
Österreich hat ähnliche Bedenken
Sa.01.11.03 - Polen hat mit einer Ablehnung der geplanten EU-Verfassung gedroht,
falls seine Änderungswünsche nicht berücksichtigt
werden. Es bestehe ein hohes Risiko, dass die Ratifizierung des
Vertrags scheitere, sagte Ministerpräsident Leszek Miller am
Freitag bei einem Besuch in Wien. Der österreichische
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erklärte laut einem Bericht
der Nachrichtenagentur APA, seine Regierung habe "ähnliche"
Bedenken.
Das Beitrittsland Polen fürchtet, dass der vorliegende
Verfassungsentwurf kleine und mittlere Staaten benachteiligt. Warschau
wendet sich insbesondere gegen die geplante Neuaufteilung der Stimmen,
die den einzelnen Mitgliedstaaten bei Entscheidungen zustehen sollen.
Die polnische Regierung will das derzeitige System beibehalten, wonach
Polen mit seinen 40 Millionen Einwohnern 27 Stimmen hätte - nur
zwei weniger als die größten EU-Staaten Deutschland,
Frankreich, Großbritannien und Italien. Nach dem im
Verfassungsentwurf vorgesehenen System soll die Einwohnerzahl bei
Abstimmungen stärker gewichtet werden, wodurch Polen wie auch
Spanien an Einfluss verlieren würde.
Die auch in weiteren Punkten umstrittene Verfassung soll nach dem
Willen der italienischen Ratspräsidentschaft schon im Dezember von
den Staats- und Regierungschefs der EU verabschiedet werden. Danach
müsste sie in den einzelnen Staaten per Parlamentsbeschluss oder
Volksentscheid ratifiziert werden. Beides halte er bei der
gegenwärtigen Fassung für unwahrscheinlich, sagte Miller in
Wien. Wichtiger als eine schnelle Verabschiedung der Verfassung sei
"die Qualität der Entscheidung", wurde er von APA zitiert.
(Quelle: ap)
Entwurf einer Verfassung für Europa:
http://european-convention.eu.int/DraftTreaty.asp?lang=DE
Deutscher Bischof sieht Platz für Islam in EU-Verfassung
Sa.01.11.03 - Der Bischof der katholischen Kirche in Hildesheim, Josef Homeyer, sieht
auch Platz für den Islam in der geplanten EU-Verfassung.
Homeyer sagte am Freitag in Brüssel als Präsident der
Vertretung der katholischen Bischofskonferenzen bei der EU, er habe
nichts gegen einen Verweis in der EU-Verfassung auf das moslemische
Erbe. Dies sei nur die Anerkennung einer historischen Wahrheit.
Zugleich bekräftigte er die Forderung der christlichen Kirchen
nach einem Verweis auf das religiöse Erbe Europas in der
Verfassung. Europa könne nicht in die Zukunft schreiten, ohne sich
zu seiner Vergangenheit zu bekennen.
Vor allem Frankreich lehnt einen solchen Verweis ab, weil es darin
einen Verstoß gegen die strikte Trennung von Staat und Kirche
sieht. Spanien, Polen, Portugal und Irland führen dagegen die
Länder an, die entschieden für einen Verweis auf die
christliche Religion in den Verfassungstext sind, der bis Mitte
Dezember ausgehandelt sein soll. Deutschland sperrt sich nicht gegen
einen solchen Verweis, sieht aber vor allem die französische
Position als Hindernis.
(Quelle: rtr)
EU-Kommission unzufrieden künftigen neuen EU-Mitgliedern
Keines der zehn künftigen neuen EU-Mitglieder erfüllt nach
Einschätzung der Kommission bislang alle Bedingungen für den
Beitritt zur Europäischen Union +++ Die EU-Kommission sieht die
Zypern-Frage als Testfall für die Aufnahme von
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei an
Sa.01.11.03 - In Kommissionskreisen hieß es am Freitag in Brüssel, wenn
das Problem der Wiedervereinigung Zyperns nicht bis Ende des kommenden
Jahres gelöst sei, "wird dies ein ernsthaftes Hindernis für
die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen sein". Auch werde in der
Türkei trotz schärferer Gesetze weiterhin gefoltert.
Unzufrieden ist die Kommission den Angaben zufolge auch mit den
Beitrittsvorbereitungen jener zehn Länder einschließlich
Zyperns, die zum 1. Mai 2004 EU-Mitglieder werden. Sie sollen kommende
Woche verwarnt werden. Es gebe aber keinen Grund den Beitrittstermin in
Frage zu stellen.
Ende 2004 soll sich auf Grundlage eines neuen Kommissionsberichts
entscheiden, ob die EU mit der Türkei Beitrittsverhandlungen
aufnimmt. Bislang ist das Land der einzige Beitrittskandidat, mit dem
die EU nicht verhandelt. In Kreisen der EU-Behörde hieß es,
vielen werde die Verknüpfung von Zypern-Frage und
Beitrittsverhandlungen nicht gefallen. "Aber das ist so."
In dem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Fortschrittsbericht
zur Türkei bescheinigt die Kommission dem Land allerdings, seine
Beziehungen zu Zypern entwickelten sich gut. Die EU hofft, im Mai
bereits ein wiedervereinigtes Zypern aufzunehmen, das seit 1974 in
einen international anerkannten Südteil und einen nur von der
Türkei anerkannten Nordteil geteilt ist.
Allerdings müsse die Türkei in vielen anderen Bereichen noch
mehr leisten, um die bis 2004 vorgegebenen Ziele auf dem Weg zu
Verhandlungen mit der EU zu erfüllen. Zwar habe die Türkei
Reformen bei der Meinungsfreiheit und zu kulturellen Rechten von
Minderheiten beschlossen. Diese würden aber zu zögerlich
umgesetzt.
Auch keines der zehn künftigen neuen EU-Mitglieder erfüllt
nach Einschätzung der Kommission bislang alle Bedingungen für
den Beitritt zur Europäischen Union (EU). In ihrem letzten
Fortschrittsbericht vor der größten EU-Erweiterung werde die
Kommission kommende Woche jedoch keine unüberbrückbaren
Hindernisse sehen und deshalb letztes grünes Licht für die
Aufnahme der Länder geben, hieß es in den Kreisen weiter.
Alle zehn Länder würden allerdings Mahnschreiben von der
Kommission erhalten, in denen sie "unverzügliche und entschiedene
Maßnahmen" verlangen werde, sagte der Kommissionsvertreter, der
ungenannt bleiben wollte. "In jedem Land gibt es in einem oder mehreren
Bereichen Grund zu ernsthafter Sorge."
Das problematischste Land sei Polen, hieß es in den Kreisen. Dort
gebe es unter anderem Defizite bei der Umsetzung von EU-Regeln für
die Lebensmittelhygiene etwa in Molkereien. Dies könne zu
Exportbeschränkungen führen. Auch fehlten in Polen, Ungarn
und der Slowakei noch Behörden für die Auszahlung von
millionenschweren EU-Hilfen für Landwirte. Dies könne dazu
führen, dass Zahlungen gesperrt würden. In allen Ländern
fehle es zudem an Verwaltungskapazitäten, um das rund 80.000
Seiten umfassende EU-Recht umzusetzen.
(Quelle: rtr)
EU-Richtlinie gegen Spam in Kraft
Datenschutzrichtlinie führt EU-weites Spam-Verbot ein +++
Handy-Standortbestimmung nur mit Zustimmung +++ Infopflicht bei Cookies
Sa.01.11.03 - Seit Freitag müssen die EU-Mitgliedstaaten der
"Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation"
nachkommen, in der allgemeine Normen für den Schutz
personenbezogener Daten und der Privatsphäre in der elektronischen
Kommunikation festgelegt sind.
Die Richtlinie enthält grundlegende Verpflichtungen, die die
Sicherheit und Vertraulichkeit der Kommunikation über
elektronische Netze in der EU - einschließlich des Internet und
mobiler Dienste - gewährleisten sollen. Sie legt fest, unter
welchen Voraussetzungen Cookies auf PCs abgelegt oder von Handys
erzeugte Standortdaten verwendet werden dürfen. Zudem führt
die Richtlinie ein EU-weites Spam-Verbot ein.
Cookies und weitere Verfahren mit denen User-Informationen gesammelt
werden können, dürfen nur noch verwendet werden, wenn
der User eindeutige Informationen über den Zweck sowie das Recht
erhält, diese abzulehnen.
Standortdaten von Handys dürfen vom Netzbetreiber nur mit
ausdrücklicher Einwilligung des Nutzers weiterverwendet oder
weitergegeben werden. Ausnahmen sind die Übermittlung der
Standortdaten an Notdienste und die Übermittlung an
Strafverfolgungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen.
E-Mail-Werbung ist nur mehr mit ausdrücklicher vorheriger
Einwilligung gestattet, außer zur Aufrechterhaltung einer
bestehenden Kundenbeziehung. Auch vorgetäuschte Absender und
ungültige Adressen sind verboten.
Die Regelung der vorherigen Einwilligung gilt auch für
SMS-Nachrichten und andere elektronische Nachrichten, die an ein
mobiles oder festes Endgerät gesandt werden.
Die Mitgliedstaaten können auch unerwünschte elektronische
Werbepost an Unternehmen verbieten. Die Kommission will zu diesem Thema
bis Ende des Jahres eine besondere Mitteilung herausgeben.
(Quelle: futurezone )
Madrid kündigt Verfassungsklage gegen baskischen Autonomieplan an
Sa.01.11.03 - Die spanische Regierung hat eine Klage gegen den Autonomieplan des
Baskenlandes vor dem Verfassungsgericht angekündigt. Wie
Justizminister Jose Maria Michavila am Freitag nach einer
Kabinettssitzung in Madrid mitteilte, verstößt der Plan nach
Ansicht von Regierungsanwälten in fünf Punkten gegen die
spanische Verfassung. Die Regierung des Baskenlandes hatte den Plan
für die Souveränität der spanischen Region am
vergangenen Samstag verabschiedet. Er muss jedoch noch vom baskischen
Parlament gebilligt werden.
Der nach Präsident Juan Jose Ibarretxe benannte Plan will die
Beziehungen des Baskenlandes zur Zentralregierung neu definieren.
Danach soll das Baskenland zunächst die Souveränität
über die Region mit Madrid teilen. Im Jahr 2005 sollen die Basken
dann in einem Referendum entscheiden, ob die Region weiterhin ein Teil
Spaniens bleibt. Das Baskenland, das bereits jetzt über eine
weitgehende Autonomie verfügt, hätte damit noch
größeren Einfluss in den Bereichen Justiz, Bildung, Polizei
und Infrastruktur. Außerdem hätten sie das Recht auf eine
direkte Vertreten bei der Europäischen Union.
Die spanische Zentralregierung warf dem baskischen Präsidenten
bereits vor einer Woche vor, dieser wolle die Verfassung von 1978 neu
schreiben. "Diese Initiative treibt die baskische Gesellschaft in den
Abgrund und versucht, einen 25 Jahre alten Verfassungskonsens zu
beenden", sagte Regierungssprecher Eduardo Zaplana.
Der spanische Verfassungsrechtler Marc Carillo vertrat am Freitag in
einem Radio-Interview die Auffassung, die Zentralregierung könne
gegen den baskischen Autonomieplan derzeit keine Verfassungsklage
einreichen, da er noch nicht Gesetzeskraft erlangt habe.
(Quelle: ap)
Deutschland
Empörung über antisemitische Hohman-Äußerungen
Der CDU-Bundestagabgordnete hatte in einer Rede zum Tag der Deutschen
Einheit am 3.Oktober die Juden als "Tätervolk" bezeichnet. Schon
1999 verlangte der Politiker im Bundestag, die "Bußzeit" der
Deutschen für die NS-Zeit müsse zu Ende gehen +++
CDU-Politiker legen Hohmann Parteiaustritt nahe
Sa.01.11.03 - Die Äußerungen des CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann
zum Holocaust haben parteiübergreifend eine Welle der
Empörung ausgelöst.
CDU-Chefin Angela Merkel distanzierte sich scharf von der Rede des
hessischen Politikers zum Tag der deutschen Einheit. In ihr hatte
Hohmann die Juden zunächst als "Tätervolk" bezeichnet, dies
dann aber relativiert. Die Bundesregierung sprach von einer
unerträglichen Äußerung, Bundestagspräsident
Wolfgang Thierse (SPD) nannte die Rede judenfeindlich. Der Zentralrat
der Juden in Deutschland warf Hohmann einen "Griff in die unterste
Schublade des Antisemtismus" vor.
Hohmann selbst rückte in einer vierzeiligen Stellungnahme nicht
eindeutig von seiner Rede ab, sondern erklärte lediglich, er habe
keine Gefühle verletzen wollen. Der stellvertretende
Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) verlangte daraufhin,
Hohmann müsse sich entschuldigen und eindeutig von seinen
Äußerungen Abstand nehmen. Der nordrhein-westfälische
CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers forderte, Hohmann müsse
zurücktreten, sollte er die Äußerungen nicht
zurücknehmen.
Hohmann hatte in der Rede beklagt, dass die Beschäftigung mit der
NS-Vergangenheit in Deutschland ein zu großes Gewicht habe und
die Deutschen generell zum "Tätervolk" gemacht würden. Vor
diesem Hintergrund müsse er die Frage stellen, ob es auch beim
jüdischen Volk, das nur in der Opferrolle wahrgenommen werde, eine
dunkle Seite gebe. Jüdisch-stämmigen Kommunisten warf er vor,
für Verbrechen während der Oktoberrevolution in Russland
verantwortlich zu sein. Juden seien in großer Anzahl sowohl in
der Führungsebene als auch in Erschießungskommandos des
kommunistischen Geheimdienstes aktiv gewesen. "Daher könnte man
Juden mit einiger Berechtigung als 'Tätervolk' bezeichnen. Das mag
erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit
der man Deutsche als Tätervolk bezeichnet", hatte Hohmann gesagt.
Später hatte er aber hinzugefügt, weder die Deutschen noch
die Juden seien ein "Tätervolk".
Merkel sagte zu der Rede: "Das sind völlig inakzeptable und
unerträgliche Äußerungen, von denen wir uns auf das
Schärfste distanzieren." Sie habe dies im Gespräch mit
Hohmann auch unmissverständlich deutlich gemacht.
Unions-Fraktionsvize Bosbach sagte der "Rheinischen Post", Hohmann
solle sein Amt als Berichterstatter für die Entschädigung der
NS-Zwangsarbeiter abgeben. Zudem müsse er sich entschuldigen und
"klarstellen, dass er sich völlig vergaloppiert hat".
Regierungssprecher Thomas Steg sprach von einer nicht akzeptablen und
unerträglichen Äußerung. Es sei aber an der CDU, daraus
Konsequenzen zu ziehen. Thierse erklärte, er sei "entsetzt,
welches schreckliche unaufgeklärte antisemitische Weltbild sich
hier zeigt". Der SPD-Generalsekretär Olaf Scholz sagte, Hohmann
würde der CDU und der Demokratie in Deutschland einen Gefallen
tun, wenn er sein Abgeordneten-Mandat niederlege. Der parlamentarische
Geschäftsführer der Bundestagsfraktion der Grünen,
Volker Beck, erklärte, Hohmann verbreite in widerlicher Art und
Weise antisemitische Parolen.
Auch der Zentralrats-Präsident Paul Spiegel verurteilte die Rede:
"Die Äußerung von Herrn Hohmann ist ein Griff in die
unterste Schublade des widerlichen Antisemitismus", sagte er der
Zeitung "Die Welt". Der Zentralrat prüfe, ob er wegen
Volksverhetzung rechtlich gegen Hohmann vorgehe. Er erwarte von der
CDU, dass sie Konsequenzen aus dem Fall ziehe.
Hohmann hatte schon 1999 in einer Rede im Bundestag verlangt, die
"Bußzeit" der Deutschen für die NS-Zeit müsse zu Ende
gehen. Mit diesem Argument hatte er sich auch gegen das
Holocaust-Mahnmal in Berlin gewandt.
(Quelle: rtr)
Wortlaut der Rede von MdB Martin Hohmann zum Nationalfeiertag
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15981/1.html
Hohmann erregte bereits mehrfach Aufsehen
Vor gut einem Jahr berichtete das ARD-Magazin Panorama über
Rechtsradikale in der CDU. Die Sendung führte zahlreiche Beispiele
von CDU-Mitgliedern an, die in rechtsradikalen Vereinen sprechen, in
rechten Verlagen publizieren, kurzum, CDU-Mitgliedern, die sich in
Kreisen bewegen, die vom Verfassungsschutz eindeutig als rechtradikal
eingestuft und entsprechend beobachtet werden. CDU-Generalsekretär
Laurenz Meyer wusste damals von nichts, bat aber um die
Übermittlung von Fakten, damit man gegebenenfalls handeln
könne. Die genannten Personen sind weiterhin CDU-Mitglieder.
In der Sendung fiel auch der Name Martin Hohmann http://www.martinhohmann.de/. Der 55jährige
Major der Reserve sitzt seit 1998 für den Wahlkreis Fulda im
Bundestag. Zuvor war er 14 Jahre lang Bürgermeister in Neuhof bei
Fulda. Nach einem Abschluss in Rechtswissenschaften arbeitete Hohmann
zunächst als Jurist im Bundeskriminalamt, zuletzt als
Kriminaloberrat in der Abteilung "Terrorismus" in Wiesbaden...
Mehr bei telepolis unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15978/1.html
Manuskript der "Panorama"-Sendung:
http://www.klick-nach-rechts.de/gegen-rechts/2002/06/cdu-csu.htm
Hohmann hat seit seinem ersten Einzug in den
Bundestag 1998 bereits mehrfach durch seine aggressive Sprache für
Aufsehen gesorgt.
25. Juni 1999: Hohmann spricht sich im Bundestag gegen ein
Holocaust-Mahnmal in Berlin aus. «Was sagen unsere Auftraggeber,
unsere Wähler? Viele reden darüber nur hinter vorgehaltener
Hand. Das ist in der Demokratie kein gutes Zeichen. Ganz
überwiegend wird das Holocaust-Mahnmal abgelehnt, übrigens
auch von vielen Intellektuellen, auch von vielen jüdischen
Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Nicht wenige empfinden das
geplante Mahnmal als ein Kainsmal, als Ausdruck der
Selbstächtung.»
28. November 2001: Der CDU-Politiker kritisiert den für die
umstrittene Wehrmachtsausstellung verantwortlichen Multimillionär
Jan Philipp Reemtsma: «Reemtsma versucht mit der Ausstellung die
Reinwaschung seiner Familie. Sie hat mit Systemnähe in der NS-Zeit
Riesenprofite gescheffelt. Zweifache Opfer sind die Wehrmachtssoldaten:
Damals, im Zweiten Weltkrieg, zerstörten sie mit Nikotin und Teer
aus Reemtsma-Zigaretten ihre Lungen und betäubten ihr
Hungergefühl. Heute sind sie als alte Männer der
wissenschaftlich daherkommenden verallgemeinernden Schmähkritik
der Reemtsma-Ausstellung ausgesetzt.»
16. Januar 2002: Hohmann kritisiert in einer Erklärung das Urteil
des Bundesverfassungsgerichts zum islamischen Schächten: Das
Urteil sei «ein neues verhängnisvolles Zeichen» und
eine Zumutung für die Mehrheit der Deutschen. Während in
islamischen Ländern Christen verfolgt würden, nutzten Moslems
die Instrumente des deutschen Rechtsstaats für ihre Ziele aus:
«Wann werden in Deutschland mit dem Segen des
Bundesverfassungsgerichts Diebe amputiert und Ehebrecherinnen
gesteinigt, weil Religion und Sitte der Muslime es eben
erfordern?»
5. Dezember 2002: Hohmann wendet sich in einer Presseerklärung
gegen den EU-Beitritt der Türkei: «Wie Feuer und Wasser
verhalten sich die Kulturen der Türkei und Europas. Das Ausbreiten
des jeweils einen führt zum Ende des jeweils anderen.»
(Quelle: ap)
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Forschungsministerin Bulmahn teilt Zypries-Position zu Stammzellen-Forschung
Allerdings hält sie eine neues Stammzellengesetz nicht für nötig
Sa.01.11.03 - Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) teilt nach eigener
Aussage die Haltung von Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) zur
Forschung mit embryonalen Stammzellen.
In ihrem Vortrag vor der Berliner Humboldt-Universität habe
Zypries eine "sehr differenzierte Position vertreten, die auch die
Forschungsministerin vertritt", sagte Bulmahn am Freitag in Berlin.
"Ich finde es erfreulich, dass wir hier eine gemeinsame Position
haben." Derzeit bestehe allerdings kein Bedarf, das bestehende
Stammzellengesetz zu ändern. Die geltenden Regelungen reichten
aus. "Aber wir müssen sorgfältig die Entwicklung beobachten,
um zu prüfen, ob Handlungsbedarf besteht", sagte Bulmahn. Dabei
müsse es um die Frage gehen, ob die rechtlichen Rahmenbedingungen
aus wirtschaftlicher und ethischer Sicht noch richtig seien.
In ihrem von Koalitions- und Oppositionspolitikern wie auch von den
Kirchen kritisierten Vortrag in der Humboldt-Universität hatte
Zypries die Frage gestellt, ob die gesetzlich festgelegten Regeln
für die Grundlagenforschung mit Stammzellen ausreichten. Die
Justizministerin war dabei von dem Grundsatz ausgegangen, dass die
grundgesetzlich garantierte Menschenwürde über dem Recht auf
Leben steht. Sie kam zu dem Schluss, dass in Labors gezüchtete
künstlich befruchtete Eizellen noch nicht über
Menschenwürde im Sinne des Grundgesetzes verfügten, sondern
nur die Perspektive haben, diese zu entwickeln. Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) hatte bereits früher gesagt, er
befürchte, die Chancen in der Biotechnologie könnten wegen
der bestehenden Gesetze nicht genutzt werden.
Bulmahn verneinte vor Journalisten die Frage, ob Zypries etwa im
Auftrag Schröders tätig geworden sei. Ihre Kabinettskollegin
sei selbstbewusst genug, eigene Positionen zu vertreten. Die Frage, ob
das bestehende Gesetz geändert werden müsse, stelle sich
frühestens dann, wenn Ergebnisse der Grundlagenforschung in der
Behandlung von Krankheiten angewendet werden sollten. Wann das der Fall
sein werde, sei offen.
Derzeit liegt nach Bulmahns Angaben ein Antrag vor, mit embryonalen
Stammzellen zu forschen. Dieser sei positiv bewertet worden, so dass er
"mit hoher Wahrscheinlichkeit" auch mit öffentlichen Mitteln
gefördert werde. Das Forschungsministerium fördere bereits
jetzt eine große Anzahl von Forschungsvorhaben mit adulten
Stammzellen, die lebenden Menschen entnommen werden.
Auch die Industrie sieht nach den Worten des Vorstandsmitglieds der
Pharmafirma Boehringer Ingelheim GmbH, Andreas Barner, keinen Bedarf,
das bestehende Gesetz zu ändern. "Die Rahmenbedingungen, die wir
haben, reichen aus", sagte Barner auf derselben Pressekonferenz. Wenn
es zur therapeutischen Anwendung von Ergebnissen aus der
Stammzellenforschung kommen werde, "wird die Frage sein, fällt uns
etwas Besseres ein als Stammzellen". Er sei zuversichtlich, dass dies
gelingen werde.
(Quelle: rtr)
Bundesregierung fördert nationale Genforschung bis 2007
Sa.01.11.03 - Die Bundesregierung wird die bundesweite Zusammenarbeit von
Genforschern im Nationalen Genomforschungsnetz bis 2007 weiter
fördern. Das "weltweit einzigartige Forschungsobjekt" werde mit
135 Millionen Euro unterstützt, berichtete
Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am Freitag in Berlin.
Das Forschungsnetz habe seit 2001 "hervorragende Resultate" erzielt.
Im Nationalen Genomforschungsnetz untersuchen Institute in ganz
Deutschland in Zusammenarbeit mit Unternehmen die genetischen Ursachen
von Volkskrankheiten wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder
Epilepsie. Dabei arbeiten Molekularbiologen mit Medizinern zusammen.
Sie versuchen die Funktionen der gesamten Gene des Menschens, also
seines Genoms, herauszufinden. Die Forschung wird neben
öffentlichen Mitteln vor allem mit Geld der Pharmaunternehmen
finanziert, weil sie sich aus den Ergebnissen die Entwicklung von
Medikamenten erhoffen.
Nach den ersten drei Jahren seien bereits 80 Patente aus dem
Genomforschungsnetz heraus angemeldet worden. 17 Patente seien erteilt
worden, sagte Bulmahn. Die Patente werden von den
Forschungseinrichtungen angemeldet. Erhält dann ein Unternehmen
etwa aus einem Patent auf eine bestimmte Funktion eines Gens die Lizenz
für die Entwicklung eines Medikaments, muss es das Geld dafür
dem Institut zahlen.
In der ersten Phase hatte die Bundesregierung 180 Millionen Euro
für das Projekt zur Verfügung gestellt. Die "beeindruckende
Fülle von Ergebnissen" habe bereits zu 94 Produktideen und zu
Firmengründungen geführt. Von einer Produktidee bis zum
fertigen Medikament rechnen Wissenschaftler mit einer Zeitspanne von 15
Jahren.
Bulmahn hob besonders hervor, dass Wissenschaftler im Rahmen des
Projektes entscheidende Fortschritte bei der Bekämpfung von
Epilepsie und der Darmkrankheit Morbus Crohn gemacht hätten.
Andreas Barner vom Lenkungsgremium des Genomforschungsnetzes betonte,
dass Deutschland mit den Patentanmeldungen im Bereich der Genforschung
wieder den Anschluss an die USA geschafft habe. Den internationalen
Wettbewerb müsse das Projekt nicht scheuen, so der Vertreter des
Pharmaunternehmens Boehringer.
(Quelle: epd)
Merz erhält für seine Steuerreform-Vorschläge
Zuspruch von den Grünen
Steuerkonzept von Merz sieht Senkung des Eingangssteuersatzes auf 12 Prozent vor.
Die weiteren Steuerstufen sollen bei 24 Prozent und 36 Prozent liegen. Im Gegenzug
sollen Steuervergünstigungen radikal gestrichen werden +++
SPD-Fraktionschef Joachim Poß nennt Merz-Modell
Mogelpackung +++ Kanzler Schröder schlägt Steuer-Gipfel
zwischen Regierung und Opposition vor - Die Vorsitzenden von CDU
und CSU reagieren reserviert
Sa.01.11.03 - Mit seinen Vorschlägen für eine radikale Steuerreform hat
Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz überraschend viel
Unterstützung aus den Reihen der Grünen erhalten.
Die Haushaltssprecherin im Bundestag, Antje Hermenau, sagte im MDR:
"Das ist ein Versuch, der uns nicht so gut gelungen ist." Auch die
Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel begrüßte die
Vorschläge unter Einschränkungen. Gutverdiener könnten
Steuer-Schlupflöcher besser nutzen, deshalb sei ein einfaches
System in der Tendenz auch gerechter, sagte sie der "Neuen Presse"
(Freitag).
SPD-Fraktionschef Joachim Poß kritisiert degegen das
Steuerreform-Konzept von Merz als Mogelpackung. Der Entwurf sei weder
radikal einfacher noch besser als das heutige System, erklärte der
stellvertretende Poß am Freitag in Berlin. Familien würden
schlechter gestellt, Spitzenverdiener profitierten davon. Wegen der
unseriösen Gegenfinanzierung sei es für Bund, Länder und
Kommunen nicht zu verkraften.
Die CDU-Chefin stellte sich am Freitag klar hinter die Grundgedanken
des Steuerkonzepts von Merz, die auf dem CDU-Parteitag Anfang Dezember
in Leipzig verabschiedet werden sollen. Die hohen Freibeträge
für Familien würden die Debatte "über die
Familienfreundlichkeit verstummen lassen", sagte sie in Berlin.
Während CSU-Landesgruppenchef Michael Glos in einem Gespräch
mit der Nachrichtenagentur dpa die Vorschläge im Grundsatz
begrüßte, äußerten sich andere CSU- Politiker
zurückhaltender. Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser
(CSU) mahnte für ein gemeinsames Steuerkonzept der Union soziale
Ausgewogenheit an. Der brandenburgische Innenminister Jörg
Schönbohm (CDU) wandte sich in der "Berliner Zeitung" (Freitag)
gegen das ersatzlose Streichen der Pendlerpauschale.
Nach dem Steuerkonzept von Merz soll allen Bürgern, aber auch
bereits Kindern ein einheitlicher Grundfreibetrag von 8000 Euro
gewährt werden. Der Eingangssteuersatz soll auf 12 Prozent gesenkt
werden, die weiteren Steuerstufen sollen bei 24 Prozent und 36 Prozent
liegen..
Im Gegenzug sieht das Merz-Konzepteine eine radikale Streichung von Steuervergünstigungen vor.
Pendlerpauschale, steuerfreie
Abgeordnetenbezüge, Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge,
Abfindungen, Übergangsgelder, Streikgelder, Trinkgelder sollten
wegfallen, heißt es in dem Konzept. Spenden an Parteien und
gemeinnützige Einrichtungen sollen weiter von der Steuer abgesetzt
werden können.
Auf Kapitaleinkünfte - sofern es sich nicht um Dividendenzahlungen
handelt - soll nach dem Merz-Vorschlag ein pauschaler Steuerabschlag
von 24 Prozent als Vorauszahlung erhoben werden. Letztlich orientiert
sich die Besteuerung am individuellen Steuersatz. Private wie
betriebliche Veräußerungsgewinne will Merz künftig
umfassend besteuern. Allerdings gelte das nicht für Transaktionen,
die der Privatsphäre zugeordnet sind, wie den Verkauf einer selbst
genutzten Wohnung. Kapitalgesellschaften sollen nach dem Merz-Vorschlag
auf ihre Gewinne einheitlich 36 Prozent Steuern zahlen. Weil die
Gewerbesteuer entfällt, sinkt die Belastung der Firmen.
Veräußerungsgewinne auf dieser Ebene sollen mit 18 Prozent
besteuert werden. Die Verlustverrechnung bei Unternehmen will Merz nach
wie vor unbeschränkt zulassen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach am Freitag von
"diskussionswürdigen Elementen" in dem Konzept. Er forderte
zugleich die Oppositionsspitzen nochmals zu einem Gipfeltreffen
über ein Vorziehen von Steuerentlastungen von 2005 auf 2004 auf.
Die Vorsitzenden von CDU und CSU, Angela Merkel und Edmund Stoiber,
reagierten darauf reserviert. Der Steuergipfel sollte nach den
Vorstellungen Schröders vor Beginn des Vermittlungsverfahrens von
Bundestag und Bundesrat in der zweiten Novemberwoche stattfinden. In der
ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" bedauerte Schröder, dass Merkel
und Stoiber bislang nicht auf sein Angebot eingegangen seien.
Schröder meinte: "Wir brauchen jetzt das Signal, damit es noch im
Weihnachtsgeschäft wirksam wird, und wir brauchen jetzt das Signal,
damit diejenigen, die die Details verhandeln im Vermittlungsausschuss
(...), wissen, wohin die Reise gehen soll."
Merkel sagte der Zeitung "Die Welt" (Samstag), für ein sinnvolles
Gespräch über das Vorziehen der dritten Steuerreformstufe
müsse es zuvor ein solides Konzept geben. "Das fehlt bisher."
Ähnlich äußerte sich Stoiber. Zunächst müsse
die Bundesregierung einen brauchbaren Finanzierungsvorschlag vorlegen,
sagte Bayerns Ministerpräsident am Freitag in München. Die
Verhandlungen über die Reformgesetze würden im
Vermittlungsausschuss geführt. Sollten am Ende einzelne Fragen
offen bleiben, sei er zu einem Gespräch bereit. Dem schloss sich
Merkel fast wortgleich an.
(Quellen: dpa, ap, rtr)
Regierung plant keine schärferen Maßnahmen gegen Steuerflucht
Steuer-Gewerkschaft: Der Bundesrepublik gehen jährlich etwa
fünf Milliarden Euro Steuereinnahmen verloren, weil deutsche
Unternehmer und Prominente ihren Wohnsitz im Ausland haben
Sa.01.11.03 - Die Bundesregierung plant keine schärfere Maßnahmen gegen
Steuerflucht. Sie reagierte am Freitag mit größter
Zurückhaltung auf die Forderung des Grünen-Vorsitzenden
Reinhard Bütikofer, im Ausland lebende Bundesbürger nach
deutschem Recht zu besteuern. "Es gibt aktuell keine Aktivitäten
und Planungen in diese Richtung", sagte ein Sprecher des
Finanzministeriums. Ihm seien keine Schätzungen bekannt, was der
Staat einnehmen würde, wenn Bütikofers Vorschlag umgesetzt
werde.
Nach Berechnungen der Steuer-Gewerkschaft gehen der Bundesrepublik
jährlich etwa fünf Milliarden Euro Steuereinnahmen verloren,
weil deutsche Unternehmer und Prominente ihren Wohnsitz im Ausland
haben. Bütikofer hatte das System der USA gelobt, nach dem alle
Bürger ungeachtet ihres Wohnsitzes grundsätzlich in der
Heimat Steuern zahlen müssen. Die im Ausland entrichteten Steuern
werden in den USA angerechnet, die Differenz, die verbleibt, treibt der
amerikanische Fiskus ein.
Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg nannte den
Vorstoß Bütikofers eine "sehr vorläufige
persönliche Überlegung". Für aktuelle steuerpolitische
Entscheidungen der Regierung sei die Idee nicht relevant, sagte Steg.
Der Sprecher des Finanzressorts betonte, Finanzminister Hans Eichel
appelliere an alle Bürger, in Deutschland steuern zu zahlen. Den
Vorschlag Bütikofers wolle er aber nicht aufgreifen.
Der Grünen-Chef hatte erklärt: "Steuerflüchtlinge
sollten wie Steuerhinterzieher verfolgt werden können." Seine
Aussage, jeder, der in Deutschland keine Steuern zahlen wolle, "kann
auf den heimischen Pass verzichten", hatte für Verwirrung gesorgt.
Sie war zunächst auch dahingehend interpretiert worden, dass
Bütikofer Steuerflüchtlingen die Staatsbürgerschaft
aberkennen wolle. "Ich will nicht, dass sie ihre Pässe abgeben",
stellte er später klar. Die Betroffenen sollten aber nicht nur
Vorteile des Dokuments in Anspruch nehmen dürfen, sondern auch
damit verbundene Pflichten akzeptieren.
(Quelle: ap)
Steuerflucht
Unternehmen kassieren Subventionen und gehen ins Ausland
Insgesamt zahlt der Staat jährlich 25 Milliarden Euro Subventionen
an deutsche Unternehmen - und das ist mehr, als im Jahr für die
gesamte Sozialhilfe ausgegeben wird. Über Florida-Rolf
empörten sich die Deutschen. Kennen Sie aber Infineon-Uli? ...
Mehr bei "Monitor" - Magazin in der ARD (Sendetermin: 09.10.03):
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=533&sid=103
|
Ruf nach längeren Arbeitszeiten hält an
CSU-Bundestagsabgeordneter Singhammer bringt sogar 48-Stunden-Woche ins
Gespräch +++ Gewerkschaften: Absurde Forderung +++ IG-Metall-Chef
Jürgen Peters spricht sich für Arbeitszeitkürzungen aus
Sa.01.11.03 - Immer mehr maßgebliche Politiker setzen sich für eine
Verlängerung der Arbeitszeit in Deutschland ein. Nachdem bereits
am Vortag zahlreiche Stimmen aus Politik und Wirtschaft dafür
eingetreten waren, zur Reduzierung der Arbeitskosten die
Wochenarbeitszeit zu erweitern, brachte der CSU-Bundestagsabgeordnete
Johannes Singhammer am Freitag sogar die Option der 48-Stunden-Woche
ins Gespräch. Die Gewerkschaften nannten solche Forderungen absurd
und kündigten Widerstand an.
Singhammer wies in Berlin darauf hin, dass amerikanische
Industriearbeiter jährlich 350 Stunden mehr als ihre westdeutschen
Kollegen arbeiteten und daher die Arbeitskosten in den USA um
zwölf Prozent niedriger seien. Es müsse deshalb in den
nächsten Jahren ein zentrales Ziel der Arbeitsmarktpolitik sein,
"Mehrarbeit zuzulassen, indem die tarifvertraglichen Spielräume
ausgeweitet und vor allem mehr flexible Regelungsmöglichkeiten auf
betrieblicher Ebene geschaffen werden". Der CSU-Wirtschaftsexperte
verwies darauf, dass der Tarifvertrag der Deutschen Post AG mit
wöchentlichen Arbeitszeiten von bis zu 48 Stunden tausende
Arbeitsplätze sichere.
Ähnlich äußerte sich der Chef der bayerischen
Staatskanzlei, Erwin Huber. Der "Passauer Neuen Presse" sagte der
CSU-Politiker, der Lebensstandard in der Bundesrepublik werde nicht zu
halten sein, "wenn wir nicht mehr leisten". Nachdrücklich
appellierte Huber an die Tarifpartner, die Wochenarbeitszeit zu
verlängern. Bayern werde im öffentlichen Dienst mit gutem
Beispiel vorangehen.
Die bayerische Arbeits- und Sozialministerin Christa Stewens (CSU)
erklärte in München, eine etwas höhere Arbeitszeit in
der Woche könne jedem zugemutet werden. Dieser relativ geringe
Mehraufwand "hat großen Nutzen für unsere Wirtschaft, den
Arbeitsmarkt und damit für unseren künftigen Wohlstand".
Allein 0,6 Prozent des für 2004 prognostizierten Wachstums
beruhten auf dem Umstand, "dass im nächsten Jahr einige Feiertage
auf Wochenenden fallen und damit mehr gearbeitet wird".
Auch der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion,
Dirk Niebel, setzte sich für maßvoll längere
Arbeitszeiten ein. Niebel erklärte in Berlin, eine Stunde
Mehrarbeit in der Woche senke die Arbeitskosten um drei Prozent, wobei
die Verlängerung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn die Kaufkraft
nicht beeinträchtige. Deshalb sei eine zusätzliche
Arbeitsstunde in der Woche vernünftiger als die Anhebung des
Renteneintrittsalters auf 67 Jahre.
Dagegen übten die Gewerkschaften massive Kritik an diesen
Forderungen. "Die Opposition ist offenkundig von allen guten Geistern
verlassen", sagte der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie,
Hubertus Schmoldt. Dass führende Wirtschaftspolitiker in der
Rückkehr zur 48-Stunden-Woche ein Modell der Zukunft sähen,
"ist geradezu grotesk", erklärte Schmoldt in Hannover.
IG-Metall-Chef Jürgen Peters hat sich erneut gegen eine
Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit ausgesprochen.
Gleichzeitig sprach er sich für weitere
Arbeitszeitverkürzungen aus.
"Wer Arbeitszeitverlängerungen vorschlägt, hat herzlich wenig
Ahnung", sagte Peters der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag.
Dadurch entstünden keine neuen Arbeitsplätze. Vielmehr
würde die Zahl der Arbeitslosen steigen. Stattdessen solle man
darüber nachdenken, wie vorhandene Arbeit besser verteilt werden
könne. "Wenn es möglich ist, zur Beschäftigungssicherung
Arbeitszeit zu senken, um niemanden zu entlassen, dann muss es doch
genauso möglich sein, die Arbeitszeit abzusenken, um die schon
Entlassenen wieder in die Betriebe zurückzuholen", sagte Peters.
Mit Blick auf die bei dem Automobilbauer Opel bereits laufenden und von
der Deutschen Telekom angestrebten Verhandlungen mit dem Betriebsrat
über eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit
sprach sich Peters für eine Aufteilung der finanziellen Lasten
aus. Für einen Teillohnverzicht der Beschäftigten gebe es
tarifliche Möglichkeiten, die so genannte Jahreszahlung
heranzuziehen. Darunter wird in der Regel das Weihnachtsgeld gefasst.
Umgekehrt dürften die Betriebsräte bei ihren Verhandlungen
den Firmenleitungen vermutlich auch die Frage nach einem Beitrag der
Firmen stellen. "Das Unternehmen kriegt ja den Rausschmiss von Leuten
auch nicht kostenlos", sagte Peters. Die bei Entlassungen fälligen
Sozialplankosten entfielen schließlich bei der Absenkung der
Arbeitszeit. Dies müsse bei der Berechnung berücksichtigt
werden, sagte Peters.
Der IG-Metall-Bezirksleiter für Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland
und Thüringen, Klaus Mehrens, sagte im Deutschlandradio, mit einer
30-Stunden-Woche könne man Arbeit flexibler verteilen als mit einer
60-Stunden-Woche. Zudem seien Arbeitszeitverkürzungen ein
sinnvoller Weg, um Arbeitsplätze und die Qualifikation von
Arbeitnehmern für das Unternehmen zu erhalten. Produktivität
und Konkurrenzfähigkeit würden dadurch nicht verringert.
(Quelle: rtr, ap)
Bei ver.di freiwillige Halbierung der Arbeitszeit im Gespräch
Sa.01.11.03 - Bei der in finanziellen Schwierigkeiten steckenden
Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ist eine drastische
Arbeitszeitverkürzung im Gespräch. Wie der Berliner
"Tagesspiegel" (Samstagausgabe) unter Berufung auf den
Gesamtbetriebsrat berichtete, soll künftig möglicherweise
jeder der 5.000 ver.di-Mitarbeiter freiwillig seine Arbeitszeit
halbieren können. Gleichzeitig würde das Gehalt auf 80
Prozent reduziert.
Nach den Berechnungen des Betriebsrates könnten vier Millionen
Euro im Jahr eingespart werden, wenn zehn Prozent der
Beschäftigten sich auf diese Regelung einließen, schreibt
die Zeitung. "Darüber verhandeln wir im Moment", zitierte der
"Tagesspiegel" den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Andreas Bahn. Die
Gespräche, die am Freitag in Berlin begannen, sollen am Sonntag
beendet sein. Ein Sprecher des Vorstandes war für eine
Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Ver.di hat seit der Gründung ein selbst gemachtes Finanzproblem,
weil sich die fünf fusionierenden Gewerkschaften auf einen
Kündigungs- und Versetzungsschutz für alle Beschäftigten
verständigt hatten. Dies führte dazu, dass ver.di in diesem
Jahr 59 Millionen Euro mehr Personalkosten hat als im Budget vorgesehen.
(Quelle: ap)
Konsumklima bleibt unterkühlt
Kontroversen Diskussionen um die Steuerreform und die Reform der
sozialen Sicherungssystemdrückt drücken auf die
Verbraucherstimmung
Sa.01.11.03 - Das Konsumklima in Deutschland bleibt unterkühlt. Weil sich die
Verbraucher von der wirtschaftlichen Entwicklung nur wenig versprechen,
halten sie sich bei Anschaffungen zurück. Das hat die am
Donnerstag veröffentlichte Konsumklima-Studie der Nürnberger
Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) für den Monat Oktober
ergeben.
Gegenüber der aufgehellten Stimmungslage im Hochsommer greife
jetzt wieder Verunsicherung um sich, stellten die Meinungsforscher
fest. Grund seien die kontroversen Diskussionen um die Steuerreform und
die Reform der sozialen Sicherungssysteme. Diese wirkten sich
lähmend auf die Anschaffungsbereitschaft aus. Um die seit fast
zwei Jahren andauernde Konsumzurückhaltung aufzugeben,
bräuchten die Verbraucher wenigstens eine ungefähre
Vorstellung davon, wie viel Einkommen ihnen künftig zur
Verfügung stehe.
Die Konsumklima-Studie basiert auf Verbraucherinterviews, die im
Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. Jeden Monat befragt
die GfK 2.000 repräsentativ ausgewählte Personen über
ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Lage, ihre
Anschaffungsneigung und ihre Einkommenserwartung.
(Quelle: epd)
Deutscher Mittelstand sieht Wirtschaftslage wieder positiver
Kaum Einstellungen geplant
Sa.01.11.03 - Der deutsche Mittelstand schätzt die wirtschaftliche Lage nach
einer Umfrage der DZ Bank wieder deutlich positiver ein. Eine
nennenswerte Verbesserung am Arbeitsmarkt sei jedoch noch nicht zu
erwarten.
"Die prognostizierte Belebung ist jetzt nicht mehr nur ein
Hoffnungswert, sondern sie ist im Mittelstand auf breiter Basis schon
sichtbar", sagte der Leiter der Abteilung Volkswirtschaft der DZ Bank,
Hans Jäckel, am Freitag in Frankfurt. 55 Prozent der in der
Mittelstandsumfrage Herbst/Winter 2003 befragten Unternehmen
beurteilten ihre Lage als gut oder sehr gut. Am optimistischsten habe
sich wie schon in früheren Umfragen die Chemieindustrie gezeigt,
während die Unternehmen der Bauwirtschaft und des Agrarsektors
weiter pessimistisch seien.
Noch im Frühjahr sei das Urteil der Unternehmen so schlecht wie
nie seit Beginn der Umfrage 1995 gewesen, sagte Jäckel. Von einem
starken Aufschwung zu sprechen, gehe aber zu weit. Die
Wachstumserwartung 2004 der DZ Bank für Deutschland liege weiter
bei 1,7 Prozent. "Diese Ergebnisse geben uns große Sicherheit,
dass der Tiefpunkt der Konjunktur durchschritten ist. Die Hoffnung,
dass sich die Beschäftigung bald bessern wird, ist aber sehr
gering." Von der EU-Osterweiterung erwartet sich jeder zweite
Mittelständler Vorteile, wie die Umfrage zudem ergab.
In den kommenden sechs Monaten wollen der Umfrage zufolge 23 Prozent
der Unternehmen Stellen abbauen. In den neuen Bundesländern
wollten gar 29 Prozent der Firmen ihren Personalstand reduzieren - der
höchste Wert seit Umfragebeginn. Lediglich 15 Prozent der rund
2500 befragten Mittelständler planten dagegen eine
Personalaufstockung. "Der Weg zu einem
beschäftigungsfreundlicherem Arbeitsmarktumfeld ist noch lang",
sagte Jäckel. Merklich verbessert habe sich hingegen die
Investitionsneigung im Mittelstand. 67 Prozent der Firmen wollten im
nächsten halben Jahr investieren, die stärksten
Investitionserhöhungen planten dabei Handelsunternehmen und
Dienstleister.
Eine Chance für den Mittelstand sieht die DZ Bank indes in der
EU-Osterweiterung. Diese eröffne den Unternehmen interessante
Geschäftsmöglichkeiten und damit Ansatzpunkte zur
Stärkung und Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. "Auch
kleinere Unternehmen werden diese Chancen erkennen und nutzen
können", sagte DZ-Bank-Vorstandsmitglied Thomas Duhnkrack. Rund 60
Prozent der Firmen, die bereits Geschäfte in Ost-Europa machten,
planten eine Intensivierung nach der EU-Erweiterung. Jedes zweite
Unternehmen nannte Kostenersparnisse als wesentlichen Grund für
eine Produktionsverlagerung nach Osteuropa. Vier Prozent planten in den
nächsten Jahren eine Produktionsverlagerung in das Ausland.
Gleichzeitig erwarteten aber insbesondere kleine Betriebe
überdurchschnittlich oft eine Beeinträchtigung ihrer
Geschäftssituation durch verschärften Wettbewerbsdruck.
(Quelle: rtr)
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