Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertachtundzwanzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Nachbarländer erörtern Auswirkungen des Kriegs auf die Region
+++ Hunderte militante Moslems aus Europa und dem Nahen Osten
strömen nach Irak um die US-geführten
Besatzungstruppen zu bekämpfen +++ US-Verwalter rechnet mit
weiteren Anschlägen im Irak +++ Deutsche Anti-Terror-Einheit GSG 9
schützt angeblich Helfer des Technischen Hilfswerks im Irak
+++ Ex-Leibarzt von Saddam Hussein: USA sind am Chaos in Irak schuld
So.02.11.03 - Die Aussenminister der Nachbarländer Iraks haben am Samstag in der
syrischen Hauptstadt Damaskus zweitägige Beratungen über die
Auswirkungen des Irak-Krieges auf die Region begonnen. Eine Streit
über die Teilnahme Iraks drohte die Konferenz noch vor ihrem
Beginn zum Scheitern zu bringen.
Die von den USA eingesetzte Übergangsregierung lehnte schliesslich
selbst eine kurzfristige Einladung Syriens zu der Konferenz ab. Ohne
eine ehrliche und direkte Einladung werde Irak nicht teilnehmen, sagte
der irakische Aussenminister Hoschjar Sebari.
An dem Treffen nehmen Syrien, Iran, die Türkei, Saudi-Arabien,
Kuwait, Jordanien und Ägypten teil. In einer Pressemitteilung zum
Abschluss der Gespräche am ersten Tag erklärten die
Aussenminister, sie hätten darüber beraten, wie Irak bei der
Bewältigung seiner aktuellen Schwierigkeiten geholfen werde
könne. Ausserdem seien die Auswirkungen des Krieges auf die Region
erörtert worden. Ferner habe man Kontakt mit dem irakischen
Aussenminister aufgenommen und ihn noch einmal eingeladen, am Sonntag
an den Beratungen teilzunehmen.
Zur Bekämpfung der US-geführten Besatzungstruppen in Irak
strömen einem US-Pressebericht zufolge hunderte militante Moslems
aus Europa und dem Nahen Osten in das Land. Seit dem Spätsommer
hätten Geheimdienste eine wachsende Bewegung umherziehender
moslemischer Kämpfer nach Irak registriert, berichtete die
US-Tageszeitung "New York Times" (Samstagsausgabe) unter Berufung auf
Terrorismusexperten in sechs Ländern. Dies erscheine nicht
koordiniert, sondern sei eine Bewegung von "jungen, wütenden
Männern", die den Aufrufen von Osama bin Laden und anderen
Kämpfern zum Heiligen Krieg gegen die Besatzungstruppen folgten.
Der US-Verwalter im Irak, Paul Bremer, rechnet derweil mit weiteren
Anschlägen auf US-Soldaten und Zivilisten im Irak.
US-Präsident George W. Bush bekräftigte, die USA würden
der Gewalt im Irak nicht weichen und die Verantwortlichen
bekämpfen.
Sie (die Attentäter) sind gefährlich und hartnäckig und
es wird dauern, sie zu zerschlagen", sagte Bremer am Samstag in Bagdad.
"Ich erwarte, dass diese Terroristen und Anhänger Saddams (des
gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein) ihre
Angriffe sowohl auf unsere Koalitionstruppen wie auch auf Iraker
fortsetzen, um eine Stabilisierung der Sicherheit und die
Einführung von Freiheit und Demokratie im Irak zu verhindern."
Bremer kündigte an, dass die USA die Ausbildung irakischer
Sicherheitskräfte weiter forcieren wollten.
Bush sagte, die USA würden ungeachtet der Anschläge und
Angriffe ihre Truppen nicht voreilig aus dem Irak abziehen. "Die
Vereinigten Staaten werden ihre Aufgabe im Irak erfüllen", sagte
Bush in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache. Er machte erneut
ausländische Kämpfer und Anhänger Saddams für die
Anschläge verantwortlich. "Wir werden diesen Kampf zum Feind
bringen, Razzien verstärken, Waffen und Gelder beschlagnahmen und
die Mörder der Gerechtigkeit zuführen", sagte Bush.
Ein Jahr vor der US-Präsidentenwahl steht Bush angesichts der
beinahe täglichen Angriffe auf US-Soldaten im Irak und der hohen
Kosten des Einsatzes innenpolitisch stark unter Druck. Seitdem Bush
Anfang Mai das Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak verkündet
hat, sind dort mehr US-Soldaten getötet worden als zuvor
während des Krieges.
Aus Sorge vor Anschlägen auf das Technische Hilfswerk (THW) im
Irak setzt das deutsche Innenministerium nach einem "Spiegel"-Bericht
nun die Anti-Terror-Einheit GSG 9 zum Schutz der Helfer ein. Das
Ministerium bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Samstag in
Berlin, es seien "besonders qualifizierte Beamte des
Bundesgrenzschutzes" entsandt worden. Näheres wurde mit dem
Verweis auf Sicherheitsgründe nicht gesagt.
Innenminister Otto Schily (SPD) hatte im September vier THW-Experten in
das vom Krieg zerstörte Land geschickt. Sie sollen beim
Wiederaufbau des Trinkwassernetzes im Irak helfen.
Eine Entsendung von Bundeswehrsoldaten in den Irak lehnt die rot-
grüne Bundesregierung strikt ab. Sie hatte den von den USA
geführten Krieg gegen das Regime des Diktators Saddam Hussein
scharf kritisiert und für eine Ausdehnung der Suche nach
Massenvernichtungswaffen durch die Vereinten Nationen plädiert.
Für eine militärische Unterstützung der USA im Irak
sieht die Bundesregierung deshalb keine Grundlage. Hingegen hat sie
sich zu humanitärer Hilfe bereit erklärt.
Die THW-Mitarbeiter sollen helfen, das marode Trinkwassernetz in Bagdad
wieder in Stand zu setzen. Mit Unterstützung lokaler Kräfte
sollen sie Lecks im Trinkwassernetz suchen, ein Labor zur
Trinkwasseruntersuchung aufbauen, Ersatzteile beschaffen und die
Renovierung der zentralen irakischen Wasserbehörde in Bagdad
organisieren. Die einheimischen Teams werden von den THW-Helfern
ausgebildet. Sie sollen bis Frühjahr 2004 bleiben. Wegen der
prekären Sicherheitslage haben sie gepanzerte Fahrzeuge.
Die Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) ist ein Spezialverband des
Bundesgrenzschutzes zur Bekämpfung des Terrorismus. Weltweit
bekannt wurde die Eliteeinheit im so genannten deutschen Herbst 1977,
als sie in der somalischen Hauptstadt Mogadischu 86 Geiseln aus einer
von Terroristen gekaperten Lufthansa-Maschine befreite.
Der ehemalige Leibarzt von Saddam Hussein, Ibrahim el Basri, hat die
US-Truppen für das Chaos und die Anschläge in Irak
verantwortlich gemacht. Grundlegendes Problem sei, dass die
Koalitionsstreitkräfte die Sitten in Irak nicht akzeptierten und
die desaströse Versorgungslage nicht änderten, sagte el Basri
der "Welt am Sonntag". "Wir sitzen im Dunkeln, das Wasser ist schlecht
und viele wissen nicht, wie sie satt werden sollen." Im
Übergangsrat säßen "US-Marionetten, die von den Irakern
nicht anerkannt werden. Kein Saddam-Opfer sitzt darin. Wir fühlen
uns betrogen."
(Quelle: ap, dpa, rtr, afp)
Umfrage: Deutsche sehen USA zunehmend kritisch
So.02.11.03 - Die Deutschen sehen die USA nach einer Umfrage zunehmend kritisch. Die
große Mehrheit (82 Prozent) der Befragten äußerte die
Ansicht, dass die USA in ihrer Außenpolitik nur ihre eigenen
Interessen verfolgen ohne Rücksicht auf ihre europäischen
Verbündeten, wie die "Bild am Sonntag" am Samstag vorab von der
Befragung des Mannheimer Ipos-Instituts im Auftrag des Bundesverbandes
Deutscher Banken berichtete.
Bei der Frage nach der Qualität des Verhältnisses zu dem
jeweiligen Land kamen die USA auf den letzten Platz hinter Frankreich,
Großbritannien, Italien, Polen und Russland. Nur 56 Prozent der
Befragten bezeichneten das Verhältnis zu den USA als gut; bei
Frankreich waren es dagegen 71 Prozent, wie das Blatt mitteilte.
Im August 1996 sagten den Angaben zufolge noch 64 Prozent der befragten
Deutschen, in Krisenzeiten seien die USA der verlässlichste
Partner, Frankreich nannten damals 23 Prozent. Heute haben sich die
Werte gedreht: 56 Prozent geben Frankreich als verlässlichsten
Partner an, nur noch 28 Prozent die USA. Für 74 Prozent der
Deutschen ist der Umfrage zufolge die amerikanische Wiederaufbauhilfe
und die Sicherheitsgarantie während des Kalten Krieges zudem heute
kein Grund mehr, bei internationalen Konflikten enger an der Seite der
USA zu stehen als andere Staaten.
Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, Rolf Breuer,
warnte angesichts dieser Umfrageergebnisse vor einer
längerfristigen Belastung im Verhältnis zwischen der
deutschen und der amerikanischen Regierung. "Anhaltende Belastungen im
transatlantischen Verhältnis schaden auch den wirtschaftlichen
Interessen Deutschlands", sagte Breuer der "Bild am Sonntag". Eine
dauerhafte Entfremdung zwischen Europa und den USA hätte
«weitreichende Folgen für Wirtschaft und Wohlstand in
Deutschland».
(Quelle: ap)
Amerikanische Wissenschaftler erzeugen neue tödliche Pockenform
So.02.11.03 - Amerikanische Wissenschaftler haben auf der Suche nach einem
wirkungsvolleren Schutz gegen Pockenviren eine neuen Pockenvirus
erzeugt. Das Erschreckende: Bei Tierversuchen wurden alle infizierten
Labormäuse getötet, auch die, die vorher geimpft worden waren.
Wie die "New York Times" schreibt, handelt es sich dabei jedoch um
Mäusepocken, die für den Menschen absolut ungefährlich
sind. Kritiker befürchten, dass die Erzeugung von tödlichen
Superviren im Labor Hilfe und Anregung für Terroristen sein
könnte. Andere Wissenschaftler argumentieren, dass diese Forschung
der Gefahr von Terrorismus mit Biowaffen entgegengetrete.
(Quellen: dpa, ard)
Weiterer Bericht bei der ARD unter:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/
0,1185,OID2517376_REF1,00.html
Ein US-Virologe hat die Letalität des Mäusepockenvirus
erhöht, zur Begründung führte er die gestiegene
Terrorgefahr an - Experten fordern stärkere Kontrollen
Die Gefahr eines vermeintlich wachsenden internationalen Terrorismus
hat sich inzwischen zur Standardbegründung für
Grenzüberschreitungen jedweder Art entwickelt. Auch der Virologe
Mark Buller von der jesuitischen Saint-Louis-Universität im
US-Bundesstaat Montana erklärte nach seiner jüngsten
Entwicklung: "Hätte ich es nicht getan, wäre die gleiche
Arbeit in anderen Laboren erledigt worden."
Bullers letzte Entwicklung hatte (...) zu Aufregung in der
Forschergemeinde geführt: Durch ein zusätzliches Gen in dem
Virus der Mäusepocken hatte Buller die Letalität des Erregers
massiv erhöht. Während die Krankheit normalerweise zwar
schwere, jedoch keine lebensbedrohlichen Symptome hervorruft, starben
nun sämtliche Tiere...
Mehr bei telepolis (03.11.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/16001/1.html
Blick ins Archiv
US-Armee züchtet gefährlichen Grippevirus nach
Fr.10.10.03 - Die US-Armee hat nach Informationen von Biowaffen-Kritikern das Virus
der verheerenden "Spanischen Grippe" von 1918 im Labor
nachgezüchtet. Damals starben 27 Millionen Menschen.
Teile des Erregers seien jetzt im US Armed Forces Institute of
Pathology in Washington mit gentechnischen Methoden erfolgreich
rekonstruiert worden, berichtete das "Sunshine Project" zur
Ächtung von Biowaffen gestern in Hamburg. Damit seien erstmals die
tödlichen Eigenschaften der "Spanischen Grippe" in Teilen
wiederbelebt worden. Das besonders aggressive Virus galt zuvor als
ausgestorben. Als Ziel hätten die Forscher Medikamententests
angegeben.
"Es ist völlig widersinnig, einen gefährlichen Erreger
künstlich herzustellen, nur um dann eine Behandlung dagegen zu
entwickeln", kritisierte der Hamburger Ja van Aken vom "Sunshine
Project".
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/15819/1.html
http://www.sunshine-project.de/infos/aktuelles/
2003/03_10_09_Spanische_Grippe.html
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Nahost-Konflikt
Palästinenser begrüssen Dialogbereitschaft Israels +++ 10.000
Palästinenser dürfen wieder an ihre Arbeitsstätten in
Israel +++ 100.000 Israelis gedenken ermordeten
Ministerpräsidenten Rabin
So.02.11.03 - Das israelische Angebot zu neuen Friedensgesprächen ist auf
palästinensischer Seite positiv aufgenommen worden. Zwar gebe es
noch keinen Termin für ein Treffen, wohl aber Kontakte mit Israel,
sagte Ministerpräsident Ahmed Kureia am Samstag.
Chefunterhändler Sajeb Erakat mahnte allerdings: "Wer ernsthaft am
Friedensprozess interessiert ist, muss den Siedlungsausbau stoppen, die
Errichtung des Sperrwalls beenden und mit der Politik der vollendeten
Tatsachen aufhören."
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte vor einigen
Tagen Bereitschaft zu Gesprächen mit Kureia signalisiert. Deren
Erfolg hängt allerdings von der Bildung eines neuen
palästinensischen Kabinetts ab. Kureia führt derzeit eine
Notstandsregierung und muss bis kommenden Dienstag ein komplettes
Kabinett vorstellen. Bislang scheiterte dies am Streit mit dem
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat über die
Besetzung entscheidender Ressorts, insbesondere des Innen- und
Sicherheitsministeriums.
Arafats Fatah, die grösste Fraktion im palästinensischen
Parlament, benannte unterdessen ihren Kandidaten für das Amt des
Parlamentspräsidenten. Rafik el Natsche, ein früherer
Arbeitsminister, gilt als Hardliner im Nahost-Konflikt. Unter anderem
hat er stets einen palästinensischen Staat mit Jerusalem als
Hauptstadt sowie ein Rückkehrrecht für alle
palästinensischen Flüchtlinge nach Israel gefordert.
Erstmals seit Verschärfung der Bestimmungen vor einem Monat hat
Israel am Sonntag 10.000 palästinensischen Arbeitern wieder die
Einreise vom Gazastreifen nach Israel gestattet. Die Palästinenser
mussten sich am Grenzübergang Eres strengen Sicherheitskontrollen
unterziehen.
Nach Angaben eines Armeesprechers wurden die Beschränkungen im
Westjordanland bereits am Donnerstag gelockert. 4.500 Arbeiter und
Händler durften zur Arbeit nach Israel einreisen. Darüber
hinaus konnte der öffentliche Nahverkehr zwischen Ortschaften im
Westjordanland seinen Betrieb wieder aufnehmen. Israel hatte die
Beschränkungen nach einem Selbstmordanschlag in Haifa
verhängt, bei dem am 4. Oktober 21 Menschen ums Leben kamen.
Bei einem Zwischenfall im Gazastreifen in der Nähe des
Grenzübergangs Sufa wurden am frühen Sonntagmorgen zwei
Palästinenser nach Armeeangaben von Soldaten angeschossen. Drei
Männer hätten sich der Sperranlage genähert und im Sand
gegraben, als ob sie einen Sprengsatz legen wollten. Daraufhin
hätten die Soldaten das Feuer eröffnet. Zwei der Männer
seien getroffen worden, über ihren Zustand war zunächst
nichts bekannt.
In Nablus im Westjordanland wurde ein Motorradfahrer von israelischen
Soldaten erschossen. Nach Darstellung der Armee hielt der
23-jährige Palästinenser trotz Aufrufen und Warnschüssen
nicht an und floh vor den Truppen. Daraufhin sei er leicht am Bein
verletzt worden. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah jedoch die
Leiche des Mannes in einem Krankenhaus. Er hatte zwei
Einschusslöcher in der Brust.
Rund 100.000 Menschen haben am Samstag in Tel Aviv des vor acht Jahren
ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak Rabin gedacht.
Mit Liedern und Ansprachen erinnerten die Menschen an den
Regierungschef, der den Friedensprozess im Nahen Osten maßgeblich
vorangetrieben hatte und von einem ultra-nationalistischen Israeli
erschossen wurde. Der Attentäter hatte Rabins Friedenspolitik
gegenüber den Palästinensern abgelehnt.
Der ehemalige Außenminister und heutige Oppositionschef Schimon
Peres würdigte vor der Menge auf dem Rabin-Platz den neuen
palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Korei und
forderte, den Friedensprozess wiederzubeleben. "Er (Korei) glaubt, dass
der Terrorismus um der Palästinenser Willen gestoppt werden muss,
das Frieden erreicht und Kompromisse gemacht werden müssen", sagte
Peres. "Er ist ein Mann der Tat, jemand mit dem es möglich ist,
einen ernsten Dialog zu führen."
Beinahe täglich kommt es in dem Konflikt zwischen Israel und den
Palästinensern zu Gewalt und Gegengewalt. Die Umsetzung eines
internationalen Friedensplans ist dadurch völlig zu Erliegen
gekommen.
(Quellen: ap, rtr)
Mehrheit der Europäer sieht in Israel die größte
Bedrohung für den Weltfrieden
Wiesenthal-Zentrum: Antisemitismus ist in Europa tiefer verwurzelt als
zu jeder anderen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. EU müsse vom
Friedensprozess im Nahen Osten ausgeschlossen werden
So.02.11.03 - Mit Entsetzen hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles auf eine
Umfrage reagiert, nach der rund 59 Prozent der Europäer Israel als
größte Bedrohung für den Weltfrieden ansehen. Er sei
schockiert, dass Israel als noch größere Bedrohung empfunden
werde als Iran und Nordkorea, sagte der Gründer und Leiter des
Zentrums, Rabbiner Marvin Hier, unter Berufung auf eine Umfrage der
EU-Kommission.
Diese Vorstellung widerspreche jeglicher Logik und sei Ausdruck
"rassistischer Fantasien", sagte Hier weiter. Sie zeige, dass der
"Antisemitismus in Europa tiefer verwurzelt" sei als zu jeder anderen
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sollten sich die Ergebnisse
bewahrheiten, müsse die EU vom Friedensprozess im Nahen Osten
ausgeschlossen werden.
Im Auftrag der EU-Kommission waren Anfang Oktober mehr als 7500
Europäer zur Situation in Irak und den Auswirkungen auf den
Weltfrieden befragt worden. Einen Teil der Ergebnisse hatte die
Kommission bereits am vergangenen Montag veröffentlicht, doch erst
die spanische Zeitung "El Pais" enthüllte am vergangenen
Donnerstag die Antworten zu Israel.
Ein Kommissionssprecher wies Vorwürfe der Manipulation
zurück. Er sagte, der Bericht sei noch nicht vollständig
gewesen. Die komplette, insgesamt 90 Seiten umfassende Umfrage soll nun
am Montag veröffentlicht werden.
(Quelle: afp)
Mehr bei telepolis unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15990/1.html
40 Tote bei Kämpfen im Südwesten Afghanistans
UN-Delegation reiste nach Kabul, um sich über Sicherheitslage zu
informieren
So.02.11.03 - Kurz vor dem Besuch einer UN-Delegation in Afghanistan haben blutige
Gefechte mit mehr als 40 Todesopfern den Südwesten des Landes
erschüttert. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur
Bachtar begannen die Kämpfe am Freitag in der Provinz Helmand.
Unter Leitung des deutschen UN-Botschafters Gunter Pleuger reisten
Vertreter des UN-Sicherheitsrats nach Kabul, um sich vor Ort über
die Sicherheitslage zu informieren. Der Kommandeur des deutschen
ISAF-Einsatzkontingents im nordafghanischen Kundus zog eine Woche nach
der Stationierung des Vorauskommandos eine erste positive Bilanz.
Dem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur zufolge begannen die
Kämpfe in Helmand, als die Polizei den Konvoi eines früheren
Militärkommandeurs kontrollieren wollte. Der Ex-Militär
Hadschi Idris wollte demnach mit bewaffneten Gefolgsleuten die Stadt
Gereschk aufsuchen, widersetzte sich dabei aber einer Kontrolle der
Sicherheitskräfte am Eingang der Ortschaft.
Bei dem anschließenden Gefecht seien Idris und drei seiner
Leibwächter getötet worden, sagte der Sicherheitschef von
Helmand, Amanullah Chan. Anhänger von Idris hätten daraufhin
die Stadt mit Raketen beschossen. Die Mehrzahl der Opfer seien
Zivilisten, die von den Geschossen tödlich getroffen worden seien.
Nach dem Einrücken von US-Truppen am Abend seien die Kämpfe
zum Erliegen gekommen.
Die Delegation des UN-Sicherheitsrates wollte bei ihrem
Afghanistan-Besuch Pleuger zufolge auch nach Herat sowie nach
Masar-i-Scharif reisen, um dort mit den beiden rivalisierenden
Milizenchefs, Abdul Raschid Dostum und Atta Mohammed, zu sprechen. Aus
Sicherheitsgründen verzichtete die Delegation auf den geplanten
Besuch in der südafghanischen Stadt Kandahar. Auch Gespräche
in Pakistan wurden abgesagt.
Der Bundeswehr-Kommandeur in Kundus, Kurt Helmut Schiebold, bewertete
den bisherigen Einsatz seiner Soldaten positiv. "Wir sind bisher sehr
weit gekommen, und ich denke, wir haben alles im Griff", sagte
Schiebold in Kundus. Wichtige Logistik und Infrastruktur im Lager des
US-geführten Regionalen Wiederaufbauteams (PRT), das die Deutschen
zum Jahresende übernehmen sollen, seien einsatzbereit. Bisher habe
es keine beunruhigenden Vorkommnisse gegeben.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
UNO warnt vor Wiedererstarken der Taliban in Afghanistan
Sa.25.10.03 - Die Vereinten Nationen haben sich besorgt über das Wiedererstarken
der radikalislamischen Taliban in Afghanistan und der damit
einhergehenden Schwächung der Zentralregierung in Kabul
geäußert. Die vor rund zwei Jahren von den USA
gestürzten Taliban kontrollierten inzwischen wieder bestimmte
Grenzgebiete Afghanistans, erklärte UN-Vize-Generalsekretär
Jean-Marie Guehenno am Freitag (Ortszeit) in einem Bericht an den
Sicherheitsrat. Aufgrund der andauernden Unsicherheit herrschten
chaotische Zustände im Lande, die den Wiederaufbau des Landes
erheblich erschwerten. Viele der grundlegenden, strukturellen Ursachen
für die Unsicherheit seien nach wie vor ungelöst, kritisierte
Guehenno. Zugleich seien "Besorgnis erregende Zeichen" für eine
Schwächung der afghanischen Zentralregierung zu beobachten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310250.htm#03102502
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Indien stellt Bedingungen für Dialog mit Pakistan
Unterbindung der Grenzübertritte islamischer Rebellen
und Auflösung der Infrastruktur des Terrorismus verlangt +++
Neu-Delhi will erstmals Gespräche mit Separatisten in Kaschmir
aufnehmen
So.02.11.03 - Der indische Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee stellt
Bedingungen für die Wiederaufnahme des Dialogs mit Pakistan.
Zunächst müsse Pakistan die Grenzübertritte islamischer
Rebellen im geteilten Kaschmir stoppen und die Infrastruktur des
Terrorismus auflösen, sagte Vajpayee nach einer Stellungnahme des
Verteidigungsministeriums.
Indien wirft Pakistan vor, die Rebellen in Kaschmir zu
unterstützen. Pakistan hat die Vorwürfe zurückgewiesen.
Beide Länder brachen ihre Beziehungen ab, nachdem Indien von
Pakistan unterstützte Aufständische für einen
Überfall auf das indische Parlament im Dezember 2001
verantwortlich gemacht hatte. In jüngster Zeit besserte sich das
Verhältnis. So legte Indien am 22. Oktober einen Plan vor, der
eine allmähliche Normalisierung der Beziehungen vorsieht. Pakistan
nahm einige der Vorschläge an und schlug für andere
Änderungen vor. Vajpayee erklärte, seine Regierung
bemühe sich, auf den Nachbarn zuzugehen.
Nach einem Zeitungsbericht will Neu-Delhi Anfang Dezember erstmals
Gespräche mit einer politischen Organisation der Separatisten in
Kaschmir aufnehmen. Die Regierung und die kaschmirische
Allparteienkonferenz Hurriyat, die größte
Separatistenvereinigung der Region, hätten sich darauf formell
geeinigt, keine Bedingungen an die Gespräche zu knüpfen,
berichtete die Zeitung "Asian Age" am Samstag. Es wären die ersten
ranghohen Kontakte zwischen Neu-Delhi und den Separatisten in
Jammu-Kaschmir.
An den Gesprächen sollten der stellvertretende indische
Ministerpräsident Lal Krishna Advani und Führungsmitglieder
der Hurriyat teilnehmen, berichtete die Zeitung weiter. Die
Allparteienkonferenz ist eine legale politische Organisation, einigen
ihrer Mitglieder wird jedoch vorgeworfen, Verbindungen zu bewaffneten
Aufständischen zu unterhalten. Nachdem die Hurriyat das indische
Gesprächsangebot angenommen hatte, erklärte Advani
kürzlich, die Regierung sei zu einer Diskussion über mehr
Autonomie für Kaschmir bereit.
Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehr als ein Dutzend
muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss
an Pakistan. Die Auseinandersetzungen kosteten in den vergangenen 13
Jahren bereits mehr als 63.000 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Russland nennt US-Kritik am Vorgehen bei Yukos taktlos
Putin bleibt trotz Yukos-Affäre in Umfragen vorn
So.02.11.03 - Russland hat am Samstag die Kritik der USA am Vorgehen des russischen
Staates im Fall des Ölkonzerns Yukos als taktlos und
unhöflich kritisiert.
"Diese Erklärung ist eine Fortsetzung der berüchtigten
Politik von Doppelmoral. Das ist zumindest taktlos und unhöflich
gegenüber Russland", sagte der Sprecher des russischen
Außenministeriums, Alexander Jakowenko, im russischen Fernsehen.
Die russische Staatsanwaltschaft hatte am Samstag vergangener Woche den
Yukos-Chef Michail Chodorkowski unter dem Vorwurf der Untreue und der
Steuerhinterziehung festgenommen und später einen großen
Teil der Aktien des Unternehmens beschlagnahmt. Das
US-Außenministerium hatte Russland am Freitag aufgefordert,
Bedenken über mögliche politische Hintergründe der
Aktion zu zerstreuen.
Der Sprecher des US-Außenministeriums Richard Boucher hatte in
Washington erklärt, die USA wollten wissen, ob das Vorgehen gegen
Yukos ein Sonderfall sei oder einen Trend weg von der
Rechtstaatlichkeit in Russlands markiere. "Wir glauben, die russischen
Behörden müssen die Bedenken zerstreuen, das der Yukos-Fall
politisch motiviert ist", sagte Boucher. Er forderte die russischen
Behörden auf, sicherzustellen, dass der Prozess fair und unter
völliger Einhaltung der Gesetze geführt werde.
Chodorkowski gilt als reichster Mann Russlands und hatte liberale
politische Gegner Putins finanziell unterstützt. Einige Analysten
hatten zuletzt gesagt, die russische Führung sei wohl auch wegen
der politischen Ambitionen des 40-jährigen Unternehmers besorgt
gewesen. Chodorkowski hatte signalisiert, 2008 möglicherweise
für das Präsidentenamt zu kandidieren.
Das Vorgehen im Yukos-Fall hatte an den Märken Ängste vor
einem Ende der Privatisierungspolitik ausgelöst und zu
Panikverkäufen geführt. Präsident Wladimir Putin hatte
allerdings in der vergangenen Woche bei einem Treffen mit
Bankenvertretern sein Bekenntnis zur Marktwirtschaft bekräftigt.
Trotz der YukosAffäre findet Russlands Präsident Wladimir
Putin weiterhin Rückhalt in der Bevölkerung. Einer Umfrage
des russischen Meinungsforschungsinstituts VTSIOM zufolge stehen 73
Prozent der Russen hinter Putin. Nur 39 Prozent der Befragten
unterstützen dagegen die Politik von Ministerpräsident
Michail Kasjanow, der am Freitag Bedenken gegen die Vorgehensweise der
Ermittler in der Jukos-Affäre äußerte.
Bei den Parteien liegen vor der bevorstehenden Parlamentswahl am 7.
Dezember die kommunistische Partei und die Kreml-nahe Gruppe Edinaja
Rossija (Vereinigtes Russland) mit 30 beziehungsweise 23 Prozent vorn.
Bei der Umfrage wurden 1600 Menschen in rund hundert Städten
Russlands befragt.
(Quelle: rtr, afp)
Blick ins Archiv
Machtkampf im Kreml um russischen Ölkonzern Yukos
Putin entlässt Kreml-Stabschef Woloschin +++ Russische
Generalstaatsanwaltschaft beschlagnahmt Aktien des Ölkonzerns +++
Yukos-Chef Chodorkowski soll den Staat bei den umstrittenen
Privatisierungen unter Putins Vorgänger Jelzin um knapp eine
Milliarde Euro betrogen haben
Fr.31.10.03 - Im Konflikt um den russischen Ölkonzern Yukos hat der russische
Präsident Wladimir Putin den einflussreichen Kreml-Stabschef
Alexander Woloschin entlassen. Das teilte Putins Sprecher Alexej Gromow
am Donnerstag in Moskau mit. Woloschin galt als Fürsprecher von
Yukos-Chef Michail Chodorkowski.
Stunden zuvor hatte die russische Generalstaatsanwaltschaft
bestätigt, dass 53 Prozent der Aktien des Ölkonzerns
beschlagnahmt wurden. Chodorkowski war am vergangenen Wochenende
verhaftet worden...er soll bei den umstrittenen Privatisierungen in den 1990er
Jahren unter Putins Vorgänger Jelzin den Staat um insgesamt knapp
eine Milliarde Euro betrogen haben, lauten die Vorwürfe der
Staatsanwaltschaft...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310310.htm#03103109
Kampf ums Öl
Immer klarer zeichnet sich im „Kreml-Krieg gegen die Oligarchen“ ab,
dass Präsident Wladimir Putin mit Hilfe der
Generalstaatsanwaltschaft strategische Ziele verfolgt. Ganz
offensichtlich will der Staat die Kontrolle über den
Ölreichtum des Landes zurückgewinnen. Die Erdölvorkommen
Russlands, die mindestes fünf Prozent der gesamten Weltreserven
ausmachen, sind unter Putins Vorgänger Boris Jelzin privatisiert
worden. Sie gelangten für billiges Geld in die Hände von
„Oligarchen“ wie Abramowitsch und Chodorkowskij. Die aber verwenden den
Reichtum nur zum eigenen Nutzen und nicht zum politischen und
wirtschaftlichen Vorteil Russlands.
Die russische Soziologin Olga Chryschtanowskaja, Kennerin der
Geheimdienste, sagt: „Putin und die Leute aus den Diensten wollen die
Kontrolle über das Öl zurückgewinnen.“ Da Russlands
Wirtschaft vom Rohstoffexport lebe, sei dies eine „patriotische
Aufgabe“. Instrument dazu sei die Staatsanwaltschaft mit ihren
Ermittlungen gegen die Oligarchen. Die Soziologin sieht den aus dem KGB
stammenden Kremlchef als treibende Kraft hinter der
Anti-Oligarchen-Kampagne der Strafverfolger: „All dies geschieht auf
Anweisung von ganz oben“, sagte sie der SZ unter Berufung auf Kontakte
in die Dienste und in die Staatsanwaltschaft...
Aus der Süddeutschen Zeitung (SZ) vom 03.11.03
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FDP sieht in Merz-Steuerkonzept Grundlage für künftige
Koalition
Für die FDP entscheidend, dass Merz "auch die Gewerbesteuer
abschaffen will". Solms: Union habe acht Jahre gebraucht um dort zu
sein, wo die die FDP steuerpolitsch schon lange ist
So.02.11.03 - Der FDP-Politiker Hermann Otto Solms sieht in den steuerpolitischen
Vorschlägen des stellvertretenden CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden
Friedrich Merz eine Grundlage für eine künftige Koalition
zwischen Unionsparteien und FDP. Solms, finanzpolitischer Sprecher der
FDP-Fraktion, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", man
begrüße "den neuen Reformwillen der Union", die acht Jahre
gebraucht habe, "um dort zu sein, wo die FDP steuerpolitisch schon
lange ist".
Er warnte die CDU vor einer "Verwässerung" des Merz-Konzepts.
Damit würden die Möglichkeit einer finanzpolitischen
Zusammenarbeit beider Parteien und die Chancen auf eine Ablösung
der rot-grünen Regierung gefährdet.
Insbesondere sei anzuerkennen, dass Merz einen Entwurf für ein
transparentes, einfaches Steuersystem mit niedrigem Stufentarif
vorgelegt habe, sagte Solms. Darüber hinaus sei es für die
FDP entscheidend, dass Merz "auch die Gewerbesteuer abschaffen will,
weil das für uns die Voraussetzung für eine echte
durchgreifende Veränderung ist". Allerdings werde Merz wohl in
dieser Frage noch Überzeugungsarbeit in seiner Partei leisten
müssen.
Auch der baden-württembergische Wirtschaftsminister und
FDP-Landesvorsitzende Walter Döring sagte dem Blatt zufolge, die
Vorschläge von Merz seien "eine gute Grundlage für ein
gemeinsames Vorgehen der FDP mit der Union".
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Merz erhält für seine Steuerreform-Vorschläge
Zuspruch von den Grünen
Steuerkonzept von Merz sieht Senkung des Eingangssteuersatzes auf 12 Prozent vor.
Die weiteren Steuerstufen sollen bei 24 Prozent und 36 Prozent liegen. Im Gegenzug
sollen Steuervergünstigungen radikal gestrichen werden +++
SPD-Fraktionschef Joachim Poß nennt Merz-Modell
Mogelpackung +++ Kanzler Schröder schlägt Steuer-Gipfel
zwischen Regierung und Opposition vor - Die Vorsitzenden von CDU
und CSU reagieren reserviert
Sa.01.11.03 - Mit seinen Vorschlägen für eine radikale Steuerreform hat
Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz überraschend viel
Unterstützung aus den Reihen der Grünen erhalten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311010.htm#03110116
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Clement sieht aufgeschlossene Stimmung zu längeren Arbeitszeiten
Die meisten Menschen würden gern länger arbeiten +++
Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser: Rückkehr zur
40-Stunden-Woche dürfe kein Tabu mehr sein +++ Conti-Vorstandschef
Wennemer: Es müsse klar sein, dass 43 bis 45 Stunden pro Woche die
normale Arbeitszeit sind +++ Umfrage: 68 Prozent der Arbeitnehmer zur
Mehrarbeit bereit bei gleichem Lohn
So.02.11.03 - Eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit in Deutschland würde
nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement von der
Bevölkerung akzeptiert. Die meisten Menschen würden gern ein
ein paar Stunden mehr arbeiten, wenn sie die Gewähr hätten,
dass das ihren Lebensstandard sichert, sagte Clement dem "Tagesspiegel
am Sonnta"». Es sei keine Wohlstandsminderung, wenn man ein
bisschen länger arbeite.
Die Diskussion um längere Arbeitszeiten wird möglicherweise
schon bald die Tarifparteien beschäftigen:
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser schloss das Thema bei
den noch in diesem Jahr anstehenden Tarifgesprächen mit der IG
Metall nicht aus. Die CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung rief die
Tarifparteien auf, die Arbeitszeiten neu zu regeln. Auf dem
Arbeitsmarkt hält derweil nach Presseberichten die leichte
Entspannung an: Die Zahl der Arbeitslosen sank, die der Minijobs stieg.
Laut "Welt am Sonntag" soll die Zahl der Arbeitslosen nach
Schätzungen von Arbeitsmarktexperten auch im Winter unter
fünf Millionen liegen.
In Deutschland dürfe eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche kein
Tabu mehr sein, sagte Kannegiesser der "Berliner Zeitung"
(Samstagausgabe). "Ich plädiere dafür, dass wir in die
Tarifverträge künftig einen Arbeitszeitkorridor zwischen 35
und 40 Stunden hineinschreiben."
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Peter Rauen,
forderte in der "Rheinischen Post" (Samstagausgabe) die Tarifparteien
auf, in eigener Verantwortung sowohl die Wochen- als auch die
Jahresarbeitszeiten neu zu regeln. "In keinem Land der Welt wird
weniger gearbeitet als bei uns", sagte Rauen.
Deutsche Spitzenmanager verlangten in der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung" deutlich längere Arbeitszeiten. "Wir müssen
uns darüber klar werden, dass nicht 35 bis 37 Stunden pro Woche
die normale Arbeitszeit sind, sondern 43 bis 45 Stunden", sagte
Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer dem Blatt. Infineon-Chef Ulrich
Schumacher erklärte: "Eine Sieben-Tage-Woche im Schichtbetrieb
könnte ein Modell für Deutschland sein."
68 Prozent der Arbeitnehmer wären nach einer von RTL
veröffentlichten Forsa-Umfrage bereit, bei gleichem Lohn mehr zu
arbeiten, wenn sie damit ihre Firma unterstützen könnten. 63
Prozent wären zu diesem Zweck auch bereit, bei weniger Lohn
weniger zu arbeiten.
Die Zahl der Arbeitslosen ging im Oktober nach einem Bericht der
"Bild"-Zeitung (Samstagausgabe) im Vergleich zu September um 47.000 auf
rund 4,16 Millionen zurück. Die unter Berufung auf erste
Berechnungen gemeldete Zahl bedeute allerdings auch die höchste
Arbeitslosigkeit in einem Oktober seit sechs Jahren. Sie liege um
230.000 über jener von Oktober 2002. Die offiziellen Zahlen stellt
der Chef der Arbeitsverwaltung, Florian Gerster, am Donnerstag in
Nürnberg vor.
Die Nachfrage nach Minijobs hält zugleich nach einem Vorabbericht
des "Spiegels" unvermindert an. Nach der jüngsten offiziellen
Statistik sei ihre Zahl in den vergangenen drei Monaten um rund 600.000
auf knapp 6,4 Millionen Stellen angewachsen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Ruf nach längeren Arbeitszeiten hält an
CSU-Bundestagsabgeordneter Singhammer bringt sogar 48-Stunden-Woche ins
Gespräch +++ Gewerkschaften: Absurde Forderung +++ IG-Metall-Chef
Jürgen Peters spricht sich für Arbeitszeitkürzungen aus
Sa.01.11.03 - Immer mehr maßgebliche Politiker setzen sich für eine
Verlängerung der Arbeitszeit in Deutschland ein. Nachdem bereits
am Vortag zahlreiche Stimmen aus Politik und Wirtschaft dafür
eingetreten waren, zur Reduzierung der Arbeitskosten die
Wochenarbeitszeit zu erweitern, brachte der CSU-Bundestagsabgeordnete
Johannes Singhammer am Freitag sogar die Option der 48-Stunden-Woche
ins Gespräch. Die Gewerkschaften nannten solche Forderungen absurd
und kündigten Widerstand an...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311010.htm#03110118
|
Roland Koch will Gehälter von Fraport-Chefs deutlich erhöhen
Laut "Spiegel" Gehaltsanhebung von 550.000 Euro auf rund 700.000 Euro
für Fraport-Chef Bender vorgesehen. Dieser war zuletzt wegen des
fast 300 Millionen Euro teuren Scheiterns des Terminal-Projekts in der
philippinischen Hauptstadt Manila heftig in die Kritik geraten. Zudem
ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen ehemalige
Fraport-Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Korruption +++ Das Land
Hessen ist größter Anteilseigner der Fraport
So.02.11.03 - Der hessische Ministerpräsident und Aufsichtsratsvorsitzende des
Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, Roland Koch (CDU), will einem
Magazinbericht zufolge das Gehalt von Fraport -Chef Wilhem Bender
deutlich erhöhen.
Koch will das Gehalt von Bender von angeblich 550.000 Euro auf rund
700.000 Euro anheben, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am
Samstag vorab. Auf der Tagesordnung einer außerordentlichen
Sitzung des Fraport-Kontrollgremiums am 24. November steht offenbar
auch die Anhebung des Salärs von Benders Stellvertreter Manfred
Schölch. Anlass für die Gehaltsanhebung ist laut "Spiegel"
das Gehalt des seit April amtierenden Fraport-Finanzvorstands Stefan
Schulte, der angeblich 600.000 Euro im Jahr verdienen soll. Bei der
hessischen Staatskanzlei war niemand für eine Stellungnahme zu
erreichen.
Fraport-Chef Bender war zuletzt wegen des fast 300 Millionen Euro
teuren Scheiters des Terminal-Projekts in der philippinischen
Hauptstadt Manila heftig in die Kritik geraten. Zudem ermittelt die
Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen ehemalige Fraport-Mitarbeiter
wegen des Verdachts auf Korruption. Ungemach droht dem
Flughafenbetreiber auch bei dem bis Ende 2006 geplanten Ausbau des
Frankfurter Flughafens. Dieser könnte sich wegen
Sicherheitsbedenken durch die Nähe eines Chemiewerks
verzögern. Um etwaige juristische Zweifel an der
Rechtmäßigkeit des Ausbauverfahrens beim Frankfurter
Flughafen zu vermeiden, hatte Ministerpräsident Koch Anfang
September seinen Rücktritt als Aufsichtsratschef bei Fraport
angekündigt. Das Land Hessen ist größter Anteilseigner
der Fraport.
(Quelle: rtr)
Renten sinken angeblich stärker als bisher bekannt
Rentenniveau sinkt bis 2030 möglicherweise auf unter 40 Prozent
der Bruttolöhne
So.02.11.03 - Die Bundesregierung will nach Informationen des Hamburger Magazins "Der
Spiegel" die Renten im Zuge der geplanten Reform noch stärker
kürzen als bisher bekannt. Ursache sei die Entscheidung, die
Altersgrenze vorerst nicht auf 67 Jahre anzuheben, berichtete das Blatt
am Samstag vorab. Dadurch erhöhe sich der Anteil der Rentner an
der Gesamtbevölkerung, damit vergrößere sich auch das
Gewicht des so genannten Nachhaltigkeitsfaktors, der den
jährlichen Anstieg der Altersgelder dämpfen solle.
Laut "Spiegel" werden dadurch die Rentenanpassungen in den
nächsten drei Jahrzehnten um rund 0,3 Prozentpunkte pro Jahr
niedriger ausfallen als geplant. Das Rentenniveau sinke demnach bis
2030 auf unter 40 Prozent der Bruttolöhne, was die Regierung
bislang habe vermeiden wollen.
Nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" (Samstagausgabe) werden
die Beamten deutlich geringere Einbußen erleiden als Angestellte
und Arbeiter. Das zuständige Bundesinnenministerium wolle weder
die Renten-Nullrunde 2004 noch die Einführung des
Nachhaltigkeitsfaktors auf die Versorgung der Staatsdiener
übertragen, hieß es. Zur Begründung verweise die
Fachabteilung des Ministeriums auf die bereits beschlossene
Kürzung des Weihnachtsgeldes für die Pensionäre.
(Quelle: ap)
Renten-Nullrunde und pralle Politiker-Pensionen
Im Durchschnitt betragen die Rentenansprüche in Deutschland
zurzeit 1175,85 Euro - das ist die so genannte Brutto-Eck-Rente. Diese
Summe erhält heute durchschnittlich derjenige, der 45 Jahre lang
in Westdeutschland in die Rentenkasse eingezahlt hat. Ganz anders sehen
die Pensions- und Versorgungsaussichten unserer Volksvertreter aus...
Mehr bei "Frontal 21", Magazin im ZDF (Sendetermin: 28.10.03) unter:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/16/0,1872,2075376,00.html
Ein weiterer Bericht zum Thema bei "Monitor", Magazin in der ARD (Sendetermin: 09.10.03)
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=531&sid=103
|
100 000 demonstrierten in Berlin gegen Sozialeinschnitte
Die Veranstalter hatten ursprünglich mit rund 20.000 TeilnehmerInnen gerechnet
So.02.11.03 - Mit einer Großdemonstration durch Berlins Mitte haben am
Samstag nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und
Veranstaltern rund hunderttausend Menschen aus ganz Deutschland gegen
die geplanten Sozialreformen protestiert. Aufgerufen zu der
"Demonstration gegen sozialen Kahlschlag" hatten unter anderem
Gewerkschafter, linke Gruppen, die Globalisierungskritiker-
Organisation Attac und die PDS. Aus über 100 Städten waren
Busse in die Hauptstadt gekommen. Die Veranstalter hatten
ursprünglich mit rund 20.000 TeilnehmerInnen gerechnet. Die
Demonstration übertraf damit die kühnsten Erwartungen -
gerade angesichts der Tatsache, dass die Gewerkschaftsspitzen die
Proteste nur halbherzig unterstützt hatten. Der Protest verlief
laut Polizei ohne Zwischenfälle.
Mit Sprechchören, auf Transparenten und Flugblättern und bei
einer Abschlusskundgebung auf dem Gendarmenmarkt warfen die
Demonstranten der rot-grünen Bundesregierung vor, "die
größten Angriffe auf die Lebens- und
Arbeitsverhältnisse und -rechte seit dem 2. Weltkrieg" zu
führen. Bei den Spruchbändern fielen zahlreiche
bitter-ironische Texte auf wie "Schwerter zu Pflugscharen - Politiker
zu Menschen", "Armut für alle - Arbeitslosengeld II", "Warum von
den Reichen nehmen, solange es noch Arme gibt" oder "Damit die Reichen
reicher werden". Ein IG-Metaller stellte fest: "Mein Arbeitsplatz wird
am Hindukusch verteidigt".
PDS-Mitglieder forderten auf Plakaten in Anspielung auf die
Reformagenda von Bundeskanzler Gerhard Schröder "2010x Nein",
ver.di-Gewerkschafter verkündeten "Agenda 2010 macht uns arm und
rechtlos" und machten Front "gegen Zwei-Klassen-Medizin". Auf anderen
Spruchbändern hieß es "Regierung der Bosse soll selber
bezahlen", "Widerstand gegen Sozialabbau und Rentenklau" und "Arbeit
für Millionen statt Milliarden für den Krieg". Eine linke
Gruppierung interpretierte die Abkürzung SPD mit
"Sozialabbau-Partei Deutschlands".
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Krista Sager,
kritisierte die Gewerkschaften und Attac wegen ihres Widerstands gegen
den Reformkurs der Regierung. In einem Interview der "Berliner
Morgenpost" (Sonntagausgabe) erklärte sie, die Gewerkschaften
könnten nicht mehr den Anspruch erheben, mit ihrem Anti-Reformkurs
die Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu vertreten. Die
meisten Beschäftigten wüssten, dass es ohne Strukturreformen
abwärts gehen werde. Auch die Kritik von Attac etwa an den
Rentenplänen gehe an der demographischen Realität vorbei.
Attac habe sich keinen Gefallen damit getan, nun auch noch den
Widerstand gegen die Sozialreformen organisieren zu wollen.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://www.attac.de/presse/presse_ausgabe.php?id=255
http://www.demo-gegen-sozialabbau.de
Ein Staat, dem die Gerechtigkeit fehlt, ist nichts anderes als eine
große Räuberbande
Dieser Satz stammt nicht von der Gewerkschaft Verdi, nicht von der PDS
und nicht von Attac. Er stammt vom Heiligen Augustinus – und er kann
als Motto der unerwartet großen Demonstration gelten, bei der in
Berlin gegen den „Sozialkahlschlag“ der Regierung protestiert wurde....
Süddeutsche Zeitung vom 03.11.03
«Wir sind viele, und wir kommen wieder»
Demonstration in Berlin gegen Sozialkahlschlag. Aus den Reden auf der Abschlußkundgebung:
http://www.jungewelt.de/2003/11-03/012.php
Nach der Kahlschlagsdemonstration in Berlin ist vor dem
Europäischen Sozialforum in Paris
Zum internationalen Ratschlag treffen sich die Globalisierungskritiker
vom 12. bis zum 15. November...
Mehr in der "tageszeitung" vom 03.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/03/a0115.nf/text
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SPD erwägt 'nachgelagerte Studiengebühr' für Akademiker
So.02.11.03 - In der SPD gibt es nach einem Bericht der "Welt am Sonntag"
Überlegungen für eine Art "nachgelagerter Studiengebühr"
für Akademiker. Danach soll zwar das Studium zunächst
für die Studenten gebührenfrei bleiben, doch sollen diese
"ihre finanziellen Beiträge nach Abschluss des Studiums und
Aufnahme eines Berufs in angemessener Höhe an die Hochschulen
entrichten", heißt es dem Blatt zufolge in einem von der
parteinahen Friedrich-Ebert-Stiftung und Gruppe "Netzwerk Berlin"
erarbeiteten Text. Dieser solle in das neue SPD-Grundsatzprogramm
einfließen.
Zu der parteiinternen Gruppe "Netzwerk Berlin" gehören unter
anderen Innen-Staatssekretärin Ute Vogt, Niedersachsens
Fraktionschef Sigmar Gabriel und die Landesvorsitzenden von
Thüringen, Christoph Matschie, und dem Saarland, Heiko Maas. Zu
den "nachgelagerten Studiengebühren" solle es nur kommen, "wenn
durch Stipendien und andere Unterstützungszahlungen der
Studienzugang für alle möglich wird", sagte Gabriel der
"WamS". Außerdem müsse das Geld auch wirklich bei den
Hochschulen bleiben und dürfe keine anderen Haushaltslöcher
stopfen.
Der Vorstoß stößt allerdings in der Bundestagsfraktion
auf heftige Kritik. "Bei Studiengebühren bleiben alle
zusätzlichen Einnahmen an den klebrigen Fingern von
Finanzministern hängen", sagte der bildungspolitische Sprecher der
SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, der "WamS". Auch bestehe die
Gefahr, dass viele Jugendliche aus sozial schwachen Familien und der
Mittelschicht durch Gebühren von der Aufnahme langjähriger
Studiengänge zurückschreckten. Sinnvoller sei es,
Gebühren bei einem Überschreiten der Regelstudienzeit zu
erheben.
(Quelle: afp)
Jugendverbände fordern Ausbildungsabgabe
Zudem sind die im Bundesjugendring organisierten Verbände für
die Abschaffung des Zivildienstes und der Wehrpflicht
So.02.11.03 - Die Deutschen Jugendverbände haben eine gesetzliche
Umlagefinanzierung zur Bekämpfung des Lehrstellenmangels
gefordert. "Nicht ausbildende Unternehmen müssen zur Kasse gebeten
werden", sagte der am selben Tag neu gewählte Vorsitzende des
Dachverbandes Deutscher Bundesjugendring (DBJR), Detlev Raabe, am
Samstag in Potsdam. Die Einnahmen sollten ausbildenden Betrieben zu
Gute kommen. Zudem forderte der Verband auf seiner Vollversammlung die
Abschaffung des Zivildienstes und der Wehrpflicht.
Der Zivildienst müsse bei einer Abschaffung der Wehrpflicht in
einen Freiwilligendienst umgewandelt werden, forderte die bisherige
Vorsitzende des Bundesjugendrings, Gaby Hagmanns, vor den 100
Delegierten. Zivildienstleistende dürften nicht qualifizierte
Arbeitskräfte ersetzen.
Bei der Einführung von Ganztagsschulen plädierte der
Bundesjugendring für eine Integration der Angebote
außerschulischer Träger. Kinder- und Jugendverbände
leisteten wichtige und kompetente Bildungsarbeit, sagte Hagmanns. Die
Ganztagsschule müsse mehr sein als eine Halbtagsschule mit
Suppenausgabe.
Kinder und Jugendliche müssen nach Ansicht der Jugendverbände
zudem stärker selbst über ihre Geschicke entscheiden
können. Deshalb beteilige sich der Bundesjugendring zusammen mit
der Bundeszentrale für politische Bildung und dem
Bundesjugendministerium an einer Kampagne, die Kindern und Jugendlichen
mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene
einräumen soll, erklärte Hagmanns.
Der seit den 90er Jahren andauernden Ausbildungsmisere könne eine
Umlagefinanzierung dauerhaft begegnen, erklärte Raabe. Nur 23
Prozent aller Betriebe bildeten noch aus. Das duale Ausbildungssystem
mit dreijähriger Lehrzeit müsse erhalten werden. Gerade im
Osten müssten jungen Menschen dringend Perspektiven geboten
werden. Im Jahr 2001 seien allein 100.000 Menschen abgewandert. In
diesem Zusammenhang kritisierte der Bundesjugendring die Politik der
Bundesregierung als unglaubwürdig und ineffizient. Ein Programm
unterstütze die Abwanderung von Jobsuchenden, ein anderes versuche
die Menschen vor Ort zu halten.
Im Bundesjugendring sind nach eigenen Angaben 44 Verbände
organisiert. Sie vertreten demnach 5,5 Millionen Mitglieder.
(Quelle: ap)
Bislang kaum Fördergelder für Ganztagsschulen abgerufen
So.02.11.03 - Das Förderprogramm der Bundesregierung zum Ausbau von
Ganztagsschulen verläuft einem "Spiegel"-Bericht zufolge bislang
weitgehend erfolglos. Bis zur vergangenen Woche hätten die
Kultusminister der Länder erst 35 Millionen Euro für den
entsprechenden Ausbau ihrer Schulen abgerufen, berichtete das Hamburger
Nachrichtenmagazin am Samstag vorab aus seiner neuen Ausgabe. Das
Konzept sieht bis 2007 die Förderung der Bildungseinrichtungen mit
vier Milliarden Euro vor, für dieses Jahr waren 300 Millionen Euro
vorgesehen.
Viele Bundesländer zögern dem Bericht zufolge mit dem Abruf
der Gelder, weil diese nur für Investitionen verwendet werden
dürfen. Die zusätzlichen Personalkosten müssten die
Länder allein aufbringen.
(Quelle: afp)
Hohmann entschuldigt sich doch für anti-jüdische
Äußerungen
Unions-Fraktionsvize Bosbach: Hohmann muss aus dem
Zwangsarbeiter-Ausschuss +++ Antisemitismus-Experte hält
Hohmann-Äußerung für 'stärkstes Stück' seit
Jahren
So.02.11.03 - Der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann hat sich nun doch für
seine heftig kritisierten Äußerungen zum Holocaust
entschuldigt. Zum Tag der deutschen Einheit hatte Hohmann die Juden
zunächst als "Tätervolk" bezeichnet, dies dann aber
relativiert.
"Es war nicht meine Absicht, die Einzigartigkeit des Holocaust zu
leugnen. Es war nich meine Absicht, die Juden als Tätervolk zu
bezeichnen", teilte der hessische Politiker am Samstag in einer
vierzeiligen Erklärung mit. "Wenn gleichwohl ein anderer Eindruck
entstanden ist, entschuldige ich mich dafür ganz ausdrücklich
und bedauere es, wenn ich dadurch Gefühle verletzt habe."
Über seine politische Zukunft machte Hohmann in der Erklärung
keine Angaben. Seine Aussagen waren am Freitag unter anderem von der
CDU-Vorsitzenden Angela Merkel scharf kritisiert worden. Der
parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck, forderte die CDU am Samstag auf, sich von Hohmann zu trennen. In
Kreisen der CDU hieß es, das Thema werde am Montag im
Präsidium in Berlin ganz sicher noch eine Rolle spielen.
Mit Blick auf Hohmanns Posten als Berichterstatter im
Bundestagsinnenausschuss für die Entschädigung der
Zwangsarbeiter sagte Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach der "Bild am
Sonntag", diese Position müsse er sofort aufgeben.
Hohmann hatte in der Rede beklagt, die Beschäftigung mit der
NS-Vergangenheit habe in Deutschland ein zu großes Gewicht und
die Deutschen würden generell zum "Tätervolk" gemacht. Vor
diesem Hintergrund müsse er die Frage stellen, ob es auch beim
jüdischen Volk, das nur in der Opferrolle wahrgenommen werde, eine
dunkle Seite gebe. Jüdisch-stämmigen Kommunisten hatte er
vorgeworfen, für Verbrechen während der Oktoberrevolution in
Russland verantwortlich zu sein. Juden seien in großer Anzahl
sowohl in der Führungsebene als auch in
Erschießungskommandos des kommunistischen Geheimdienstes aktiv
gewesen. "Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als
'Tätervolk' bezeichnen. Das mag erschreckend klingen. Es
würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als
Tätervolk bezeichnet", hatte Hohmann gesagt. Später hatte er
aber hinzugefügt, weder die Deutschen noch die Juden seien ein
"Tätervolk".
Der Grünen-Politiker Beck erklärte am Samstag vor der
Entschuldigung Hohmanns, in der Union seien nun Parteichefin Angela
Merkel und der parlamentarische Geschäftsführer der
Unions-Fraktion, Volker Kauder, gefragt. "Die Union muss sich von ihrem
Bundestagsabgeordneten Hohmann trennen. (...) Mit Gesprächen und
Rügen ist es nicht getan", forderte Beck.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere CDU-Generalsekretär
Ruprecht Polenz forderte von der CDU Hessen ein Parteiordnungsverfahren
gegen Hohmann. "Ich erwarte, dass der hessische CDU-Landesverband aus
den Äußerungen die nötigen Konsequenzen zieht und die
innerparteiliche Gerichtsbarkeit sich mit der Sache beschäftigt",
sagte Polenz der "Mitteldeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). "Da
gäbe es eine ganze Reihe möglicher Urteile. Klar ist: Diese
Angelegenheit kann nicht ohne Konsequenzen bleiben. (...) Hohmann hat
sich der Hetzsprache der Nationalsozialisten bedient. Ich finde das
unerträglich."
Hohmanns Äußerungen waren am Freitag scharf kritisiert
worden. Die Bundesregierung sprach von einer unerträglichen
Äußerung, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD)
nannte die Rede judenfeindlich. Der Zentralrat der Juden in Deutschland
warf Hohmann einen "Griff in die unterste Schublade des Antisemtismus"
vor. Der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Jürgen
Rüttgers hatte gefordert, Hohmann müsse zurücktreten,
sollte er seine Äußerungen nicht zurücknehmen.
Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin,
Wolfgang Benz, sagte gegenüber der "Berliner Zeitung", bei den
Äußerungen Hohmanns handle es sich um "das stärkste
Stück von öffentlich geäußertem Antisemitismus
eines Mandatsträgers seit vielen Jahren".Hohmann könne sich
nicht damit herausreden, dass ihm etwas herausgerutscht sei. Die Rede
sei ausgearbeitet und nicht spontan, so Benz.
(Quellen: rtr, dpa)
Bundestagspräsident Thierse gegen Aufweichung des Embryonenschutzes
So.02.11.03 - Im Unterschied zu Justizministerin Brigitte Zypries hat sich
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse mit Nachdruck gegen jede
Aufweichung des Embryonenschutzes ausgesprochen. Im Gespräch mit
"Welt am Sonntag" verwies der SPD-Politiker auf die "intensive und
außerordentlich ernsthafte Debatte im Bundestag vor anderthalb
Jahren". Damals habe sich das Parlament mit sehr guten Argumenten
für einen grundsätzlichen und radikalen Embryonenschutz
entschieden.
"Wer diese Entscheidung des Bundestages unterlaufen will, muss schon
außerordentlich gute Argumente beibringen", sagte Thierse laut
Vorabmeldung und fügte hinzu: "Soweit ich weiß, sind in den
Debatten der letzten Monate solche starken Argumente nicht vorgetragen
worden." Deshalb müsse es dabei bleiben, dass der Schutz der
Menschenwürde vom Anfang des menschlichen Lebens an gelte.
Die ebenfalls der SPD angehörende Bundesjustizministerin Zypries
hatte dagegen in einer Rede in Berlin argumentiert, der Embryo habe
erst nach der Einpflanzung in den Mutterleib die Menschenwürde. Um
die Forschung auch in Deutschland zu erleichtern, sollten
Reagenzglas-Embryonen daher künftig weniger Schutz genießen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Justizministerin stellt Konsens bei Embryo-Forschung in Frage
Zypries: Recht auf Leben muss abgewogen werden - Künstlich
befruchtete Eizellen verfügen nicht über Menschenwürde
im Sinne des Grundgesetzes +++ Stellvertretende Vorsitzende der
Unionsfraktion, Maria Böhmer: Damit werden Embryonen "vom Menschen
zu Material"
Do.30.10.03 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat knapp anderthalb
Jahre nach der Grundsatzentscheidung des Bundestages zur Forschung mit
Zellen künstlicher erzeugter Embryos den Konsens in Frage gestellt.
Sie frage sich, ob die im so genannten Stammzellgesetz festgelegten
Regeln für die aktuelle Grundlagenforschung noch ausreichend
seien, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Text
für eine Rede, die Zypries am Nachmittag in der Berliner
Humboldt-Universität hielt. Sie verwies darauf, dass das
Stammzellgesetz Möglichkeiten eröffne, die Forscher nutzen
sollten. "Regierung und Gesetzgeber werden dann zu prüfen haben,
ob eine Lockerung des Stammzellgesetzes erforderlich ist", sagte sie...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310300.htm#03103014
Streit um Embryonenforschung in Deutschland
Heftige Kritik an Bundesjustizministerin Zypries' Vorstoß
für Lockerung des Embryonenschutzes mit dem sie einen erst vor
eineinhalb Jahren nach mühsamen Debatten getroffenen
parteiübergreifenden Bundestagsbeschluss in Frage stellt
Fr.31.10.03 - Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat mit ihrem Vorstoß
für eine Lockerung des Embryonenschutzes eine Welle der Kritik
ausgelöst. Vor allem Ärzte, Kirchen und
Behinderten-Organisationen machten dagegen Front. Gleichzeitig
entzweite die Position des Justizministeriums die rot-grüne
Koalition...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310310.htm#03103111
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