Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihunderteinunddreißigsten Tag nach Kriegsbegin
Anschlagsserie in Irak nimmt kein Ende: Sechs Tote bei neuen Angriffen
+++ Pentagonvize wirft Sender El Dschasira Propaganda und Lügen
vor +++ Geheimdienst: Auch europäische Muslime wollen in Irak
kämpfen +++ UN-Studie beklagt schlechte Versorgung schwangerer
Frauen in Irak +++ US-Kongress bewilligt 87,5 Milliarden Dollar
zusätzliche Haushaltsmittel. Löwenanteil der Gelder soll
für Finanzierung der US-Streitkräfte in Irak und Afghanistan
verwendet werden
Mi.05.11.03 - Die Anschlagsserie in Irak nimmt kein Ende: Bei neuen Angriffen in Irak
kamen zwei US-Soldaten und vier irakische Zivilisten ums Leben, wie die
US-Streitkräfte mitteilten. Am Abend erschütterten fünf
offenbar von Granatenangriffen herrührende Explosionen das Zentrum
Bagdads, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Laut
Pentagon wurden vier alliierte Soldaten verletzt.
Nach Augenzeugenberichten trafen am Dienstagabend zwei Geschosse das
Gelände eines früheren Palastes von Ex-Machthaber Saddam
Hussein nahe des Hauptquartiers der Koalition. Aus dem Palast sei Rauch
aufgestiegen, sagte ein 44-jähriger Iraker. Ein Sprecher der
Koalitionsstreitkräfte sprach von fünf Explosionen, ohne
zunächst auf Details einzugehen.
Zuvor waren bei Bombenanschlägen in Bagdad und der nordirakischen
Stadt Tikrit jeweils ein Soldat getötet und weitere verletzt
worden, wie die US-geführten Streitkräfte mitteilten. In
Kerbela starben zwei Iraker bei einem Sprengstoffanschlag.
Im nordirakischen Mossul wurde der Jurist Ismail Jussef Saddek von
Unbekannten aus einem Auto heraus vor seinem Haus erschossen, teilte
die irakische Polizei mit. Zuvor war nach einem Augenzeugenbericht in
der Schiitenstadt Nadschaf ein Richter entführt und erschossen
worden. Beide Juristen waren mit Ermittlungen gegen Funktionäre
der früheren Regierung von Saddam Hussein befasst.
Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz hat dem
arabischen Fernsehsender El Dschasira in drastischer Form
antiamerikanische Propaganda bei der Irak-Berichterstattung vorgeworfen.
Der in Katar ansässige Sender verbreite "Tag für Tag Gift und
Lügen", sagte Wolfowitz am Dienstag in Washington. Es sei "sehr
schwer, dagegen anzukämpfen". Zugleich äußerte sich der
Petagon-Vize überzeugt, dass die Iraker eine US-Präsenz in
ihrem Land "so lange wie möglich" wollten. Er berief sich dabei
auf nicht näher bezeichnete Umfragen. Bei der Befriedung des
Landes sehe er trotz der anhaltenden Angriffe auf die
US-Besatzungstruppen Fortschritte. Terroristische Angriffe würden
"das Gesamtbild verdunkeln", sagte Wolfowitz.
Nach Erkenntnissen des dänischen Geheimdienstes wollen junge
Muslime aus Europa den Kampf gegen die US-Truppen in Irak
unterstützen. "Irak scheint Leute anzuziehen, die zu
terroristischen Aktivitäten bereit sind, auch aus Europa", sagte
der Leiter des Inlandsgeheimdienstes, Lars Findsen, am Dienstag bei
einer Konferenz in Kopenhagen. Ähnlich hatte sich am Montag ein
hochrangiger deutscher Sicherheitsbeamter gegenüber der
Nachrichtenagentur AP geäußert. Eine "nicht unbedeutende"
Anzahl europäischer Muslime sei bereits nach Irak aufgebrochen,
sagte er.
Die Zahl der Frauen in Irak, die während der Schwangerschaft oder
der Entbindung sterben, hat sich nach einer UN-Studie seit 1989 etwa
verdreifacht. Bei 100.000 Geburten seien im vergangenen Jahr 310 Frauen
gestorben, 1989 seien es 117 gewesen, heißt es in einer am
Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten Studie des
UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA). Zwei Drittel aller Irakerinnen
würden immer noch zu Hause und ohne medizinische Betreuung
entbinden. Nur 60 Prozent der Frauen in Irak würden während
der Schwangerschaft medizinisch betreut, 1996 seien es noch 78 Prozent
gewesen. Zwischen 50 und 70 Prozent der Schwangeren litten an
Blutarmut, Malaria und anderen schweren Krankheiten.
Nach dem US-Repräsentantenhaus stimmte auch der Senat für die
zusätzlichen Haushaltsmittel in Höhe von 87,5 Milliarden
Dollar (75,5 Milliarden Euro). Die Bewilligung des Milliardenpakets
gilt als Erfolg für den US-Präsidenten George W. Bush. Der
US-Senat hatte zunächst die Hälfte der Mittel zum
Wiederaufbau in Irak nur als Kredit gewähren wollen. Auf Druck des
Weißen Hauses wird nun der volle Betrag als Zuschuss gewährt.
Mit 64,7 Milliarden Dollar soll der Löwenanteil der Gelder
für den Militäreinsatz in Irak und Afghanistan ausgegeben
werden. Für den Wiederaufbau Iraks bewilligte der Kongress 18,6
Milliarden Dollar.
(Quelle: afp, ap)
Die Doktrin vom Präventivschlag ist praktisch tot, sagt Herr Eland
"Bush begreift, dass die USA weder mit dem Iran noch Nordkorea oder
Syrien so wie mit dem Irak verfahren können. Wir haben dort alle
Hände voll zu tun. Selbst wenn sich die Bush-Regierung noch nicht
wirklich der philosophischen Frage gestellt hat, ob die Doktrin vom
Präventivschlag unrealistisch ist, sie ist praktisch tot.
Pentagonchef Donald Rumsfeld und selbst Bush denken bereits laut in
diese Richtung." ...
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (05.11.03):
http://www.taz.de/pt/2003/11/05/a0148.nf/text
Ivan Eland ist Direktor des "Center on Peace & Liberty" am
Independent Institute in Oakland. Er ist Fachmann für Außen-
und Sicherheitspolitik sowie gefragte Kommentator für die
"Washington Post", "Los Angeles Times", CNN und BBC.
Hintergrund: US-Doktrin der präventiven Militärschläge
«Falls nötig» wollen die USA einer Bedrohung durch
Terroristen und «Schurkenstaaten» im Besitz von
Massenvernichtungswaffen auch mit vorbeugenden
Militärschlägen begegnen. Dies sieht die Nationale
Sicherheits-Strategie vom 17. September 2002 vor....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/../boa-archiv1/k0309240.htm#030924_a
Bush (oder Cheney) Doktrin
The National Security Strategy of the United States of America
(Präventivschlags-Stategie) September 2002
http://www.whitehouse.gov/nsc/nss.html
http://www.whitehouse.gov/nsc/nss.pdf
Blick ins Archiv:
Annan nennt US-Erstschlagdoktrin 'gesetzlose Gewalt'.
Di.23.09.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Vereinten Nationen
eindringlich vor verheerenden Folgen der amerikanischen
Erstschlag-Doktrin
für die internationale Sicherheit gewarnt. Die
präventive Anwendung von Gewalt ohne Zustimmung des
UN-Sicherheitsrates sei eine "fundamentale Herausforderung" der seit
Gründung der Weltorganisation vor 58 Jahren allgemein anerkannten
Grundregeln für Frieden und Stabilität in der Welt...
Mehr unter:
http:/www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0309230.htm#03092301
Wechsel von "hot pursuit" zu "hot pre-emption"
USA bekräftigen Recht auf Präventiv-Schläge
Di. 04.06.2002 -Bush: Der Krieg gegen Terror wird nicht in der Devensive gewonnen.
Wir müssen den Kampf zum Feind tragen. US-Präsident Bush setzt im
Anti-Terrorkampf auf blitzschnelle Überraschungsangriffe. Vereinigten Staaten müßten
bereit sein, den Krieg gegen Terror in bis zu 60 Ländern zu führen. USA bedingen sich das Recht
aus, allein auf der Grundlage von Verdachtsmomenten in souveränen Staaten militärisch zu intervenieren.
Politik vorbeugender Militäraktionen war bisher nur von Israel in den Autonomiegebieten verfolgt worden.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0206040.htm#top
«Fatale Folgen für die Weltordnung»
Fr. 07.06.2002 - Nato-Strategieentwurf sieht vorbeugende Schläge gegen Terror vor.
Friedensforscher warnen davor, das Recht auf Selbstverteidigung in eine Präventivstrategie umzudeuten.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0206070.htm#top
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Putin spricht von Recht auf Präventivschläge
Mi.05.11.03 - Russland will ein Recht auf militärische
Präventivschläge beanspruchen, falls es nach dem Irak-Krieg
zu weiteren Interventionen ohne Zustimmung der Vereinten Nationen
kommen sollte. Dies sei Russland der Verteidigung seiner nationalen
Interessen schuldig, erklärte Präsident Wladimir Putin in
einem Gespräch mit italienischen Journalisten, das der Kreml am
Dienstag in Auszügen auf seiner Web-Site veröffentlichte. Die
jüngste Erklärung steht im Einklang mit ähnlichen
Äußerungen Putins sowie von Verteidigungsminister Sergej
Iwanow in den vergangenen Wochen. Dies hat in einigen ehemaligen
Sowjetrepubliken wie Georgien zu Beunruhigung geführt. Moskau
wirft der georgischen Regierung vor, tschetschenischen
Untergrundkämpfern Zuschlupf zu gewähren.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Russland warnt NATO wegen ihrer militärischen Offensivdoktrin
Fr.03.10.03 - Russland hat der NATO mit einer radikalen Änderung seiner
militärischen Strategie gedroht. Sollte das
Verteidigungsbündnis in seiner jetzigen Form bestehen bleiben, sei
Russland zu einer Änderung seiner Pläne über die
Umstrukturierung der Streitkräfte gezwungen, heißt es in
einem am Donnerstag veröffentlichten Dokument des
Verteidigungsministeriums. Davon sei auch das russische Nuklearprogramm
betroffen. Verteidigungsminister Sergej Iwanow schloss außerdem
einen Präventivschlag Russlands nicht aus...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#03100304
Nato peilt weltweite Einsätze an - Stratiegieentwurf sieht
vorbeugende Schläge gegen Terror vor
Beim Kampf gegen den Terrorismus schwenkt die Nato auf die Linie der
USA ein, die auf militärische Präventivschläge gegen
jene Staaten dringt, die der Unterstützung von Terroristen
verdächtigt werden. Das Bündnis schließt damit welt
weite Einsätze nicht mehr aus. Auf ihrem Gipfel im November in
Prag will die Nato sich durch Rüstungsbeschlüsse für
diese Aufgaben fit machen.
BRÜSSEL, 6. Juni 2002. Unter den Verteidigungsministern der Nato
herrschte bei ihrem Treffen am Donnerstag weitgehend Einigkeit
darüber, das Bündnis, das nach dem 11. September nur eine
Nebenrolle gespielt hatte, mit neuen Aufgaben wieder zu beleben...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_v
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Nahost-Konflikt
Israel angeblich zu 'schmerzhaften Kompromissen' bereit +++ Bildung von
Palästinenserregierung weiter blockiert +++ Israel reicht erstmals
Resolution bei den UN ein. In dem Resolutionsentwurf wird zu einem
Schutz israelischer Kinder vor palästinensischem Terror
aufgerufen. +++ Scharon will Russland von der Road Map abbringen
Mi.05.11.03 - Israel ist nach den Worten seines Regierungschefs Ariel Scharon zu
"schmerzhaften Kompromissen" auf dem Weg zu einer friedlichen Regelung
des Nahost-Konflikts bereit. Das betonte Scharon nach einem Treffen mit
seinem russischen Amtskollegen Michail Kasjanow in Moskau, ohne auf
nähere Einzelheiten einzugehen.
Bei den Gesprächen in Moskau sagte Kasjanow "energische
Maßnahmen" Russlands zur Sicherung des Friedens und der
Stabilität in Nahost zu. Schon am Vortag hatte Scharon bei einem
Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die
Kompromissbereitschaft Israels bei der Suche nach einer Lösung des
Nahost-Konflikts unterstrichen. Lediglich bei Fragen der Sicherheit der
israelischen Bürger und des israelischen Staates könne und
werde es keine Zugeständnisse geben.
Bei seinem Treffen mit Putin hatte Scharon nach einem Bericht des
israelischen Rundfunks versucht, Moskau davon abzubringen, den
internationalen Friedensplan des so genannten Nahost-Quartetts (USA,
UN, EU und Russland) in einer Resolution vom Weltsicherheitsrat
bestätigen zu lassen. Israel hat den als "Roadmap" bekannt
gewordenen Plan im Prinzip befürwortet, allerdings unter 14
Vorbehalten. Nach Angaben des israelischen Radios hat Scharon von Putin
keine Zusage erhalten.
Der Streit um die Besetzung des palästinensischen
Innenministerpostens blockiert derweil die Bildung eines neuen
Kabinetts. Dies sei eines der Hindernisse, die diskutiert würden,
sagte Regierungschef Ahmed Kureia nach der letzten Sitzung des
Notstandskabinetts in Ramallah.
Kureia sagte, er werde das palästinensische Parlament auffordern,
den Termin für eine Vertrauensdebatte über das künftige
Kabinett festzulegen. Arafat hatte das Notstandskabinett im Oktober
eingesetzt, um angesichts der Eskalation der Gewalt im Nahen Osten eine
handlungsfähige Regierung zu schaffen. Kureias Vorgänger
Mahmud Abbas war im September wegen Differenzen mit Arafat über
die Kontrolle der Sicherheitsdienste zurückgetreten.
Arafat bat Kureia, seine Amtsgeschäfte bis zur Wahl einer
regulären neuen Regierung weiterzuführen, wie der
Arafat-Vertraute Nabil Abu Rudeina der Nachrichtenagentur AFP in
Ramallah sagte. Das künftige Kabinett soll nach Angaben aus
Kureias Umgebung 20 bis 24 Minister umfassen.
Arafat lehnt es ab, den von Kureia für den Innenministerposten
vorgesehenen General Nasser Jussef zu ernennen. Jussef hatte sich bei
der Bildung der Notstandsregierung vergangenen Monat geweigert, vor
Arafat den Amtseid abzulegen, bevor das Kabinett nicht vom Parlament
gebilligt würde. Einem Mitglied von Arafats Fatah-Organisation
zufolge fürchtet der PLO-Chef zudem den Einfluss des
Jussef-Lagers, das für eine Machtbegrenzung Arafats eintritt. In
einem möglichen Kompromiss könnte Kureia zusätzlich das
Amt des Innenministers übernehmen.
Israel hat erstmals in der Geschichte eine eigene Resolution bei den
Vereinten Nationen eingereicht. In dem Entwurf, der am Montag der
Nachrichtenagentur AP vorlag, wird zu einem Schutz israelischer Kinder
vor palästinensischem Terror aufgerufen. Das Papier ähnelt
stark einem ägyptischen Entwurf aus der vergangenen Woche, in dem
umgekehrt das Leid palästinensischer Kinder in Folge des
Nahostkonflikts angeprangert wird.
Israelische Diplomaten äusserten die Hoffnung, dass die
UN-Vollversammlung entweder beide Resolutionen verabschieden werde oder
keine davon. "Der Test wird sein, ob sie die palästinensische
(Resolution) annehmen werden, aber unsere nicht", sagte der
stellvertretende israelische UN-Botschafter Arieh Meckel der AP. "Es
ist an der Zeit, nicht weiter passiv zu sein." Israel werde in dieser
Woche in Briefen an 155 UN-Botschafter um Unterstützung für
seine erste Resolution werben.
Die UN haben allein im vergangenen Jahr in 20 Entschliessungen das
israelische Vorgehen gegen die Palästinenser verurteilt. Die USA
stimmten im Sicherheitsrat gegen mehrere Entwürfe, die sie als
unausgewogen kritisierten, da darin palästinensische
Anschläge gegen Israelis keine Erwähnung fanden. Über
die israelische und die ägyptische Resolution will laut Meckel in
den kommenden zwei Wochen zunächst das UN-Menschenrechtskomitee
abstimmen. Im Falle einer Verabschiedung muss dann noch im Dezember die
Vollversammlung zustimmen.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Ausnahmezustand über Sri Lanka verhängt
Mi.05.11.03 - Die sri-lankische Präsidentin Chandrika Kumaratunga hat am
Mittwoch den Ausnahmezustand über Sri Lanka verhängt. Das
Präsidentenamt teilte mit, die Anordnung sei unterzeichnet, aber
noch nicht veröffentlicht worden. Die Streitkräfte haben
damit erweiterte Vollmachten. Zugleich wurde versichert, dass der
Machtkampf in der sri-lankischen Regierung nicht ein Wiederaufflammen
des Bürgerkrieges mit den tamilischen Rebellen zur Folge haben
solle.
"Ich bin ausdrücklich von der Präsidentin ermächtigt zu
erklären, dass der Waffenstillstand gilt und gelten wird", sagte
ihr Berater Lakshman Kadrigama vor Journalisten in Colombo. "Die
Präsidentin hat absolut keine Absicht, die Feindseligkeiten wieder
aufzunehmen."
Kumaratanga hatte am Dienstag während einer Auslandsreise von
Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe drei Minister entlassen und
in der Hauptstadt Truppen aufmarschieren lassen. Zudem löste sie
das Parlament für zwei Wochen auf. Anschließend
erklärte die Präsidentin, sie sei zu Gesprächen mit den
Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) bereit. Die Entlassung der
Minister für Verteidigung, Inneres und Information wurde als
Rückschlag für den ohnehin brüchigen Friedensprozess
gewertet. Kumaratunga hatte Wickremesinghe vorgeworfen, den
Befreiungstigern zu viele Zugeständnisse gemacht habe, ohne dass
diese ihren bewaffneten Kampf eingestellt hätten. Die gefeuerten
Kabinettsmitglieder hatten versucht, die tamilischen Rebellen zu neuen
Friedensverhandlungen zu bewegen.
(Quelle: ap)
"junge Welt"-Bericht (06.11.03) über die Vorgänge in Sri Lanka unter:
http://www.jungewelt.de/2003/11-06/008.php
Menschenrechtler klagen über Folter in Sri Lanka
Mi.05.11.03 - Menschenrechtsaktivisten haben den Polizeikräften in Sri Lanka
vorgeworfen, nahezu jeden Tag inhaftierte Bürger des Landes zu
foltern. Die systematische Misshandlung von Frauen, Männern und
Kindern sei die "wesentliche Ermittlungsmethode" der Polizei,
heißt es in dem Bericht "Staatlich geförderte Gewalt in Sri
Lanka", den die Weltorganisation gegen Folter (OMCT) am Montag in Genf
vorstellte.
Eine der Foltermethoden sei das stunden- oder tagelange Aufhängen
von Personen an einem oder an beiden Daumen. Die Anspannung wäre
dabei so groß, dass in vielen Fällen die Folteropfer
für den Rest ihres Lebens ihre Arme nicht mehr bewegen
könnten.
Dem Dokument zufolge missachten auch die Strafverfolgungsbehörden
und die Gerichte in Sri Lanka die Menschenrechte. So gebe es zwar
Gesetze, die das Foltern von Zivilisten unter Strafe stellten, bisher
habe es aber kein einziges Verfahren gegen die uniformierten Täter
gegeben, schreiben die Autoren des Schriftstücks.
Während die genaue Zahl der Folteropfer schwer zu ermitteln sei,
müsse davon ausgegangen werden, dass mehrere zehntausend Menschen
in den vergangenen drei Jahrzehnten spurlos verschwunden seien.
Für diese Verbrechen seien in erster Linie auch die
Regierungsbehörden verantwortlich, heißt es in dem
OMCT-Bericht.
Die Weltorganisation gegen Folter erarbeitete das Dokument zusammen mit
sechs anderen Menschenrechtsgruppen. Fünf davon arbeiten in Sri
Lanka. Der Bericht soll dem UN-Komitee gegen Folter übergeben
werden, das ab dem 10. November in Genf tagt.
(Quelle: epd)
UN für Aufhebung des US-Embargos gegen Kuba
Mi.05.11.03 - Die UN haben erneut die Aufhebung des Jahrzehnte alten Embargos der USA
gegen Kuba verlangt. Ungeachtet der Zustimmung von 179 Staaten zu einer
entsprechenden Resolutionen wurde Kuba in der UN-Vollversammlung wegen
der Verletzungen der Menschenrechte kritisiert. Gegen die Resolution
stimmten lediglich die USA, Israel und die Marschallinseln. Alle
EU-Mitglieder verbanden ihre Zustimmung zu der Resolution in einer
gemeinsamen Erklärung mit der Aufforderung an Havanna, alle
politischen Gefangene umgehend freizulassen.
(Quelle: dpa)
Arbeitslose protestieren gegen argentinische Regierung
Mi.05.11.03 - Mehrere tausend Demonstranten haben am Dienstag (Ortszeit) bei einem
Protestmarsch in Buenos Aires von der argentinischen Regierung mehr
Hilfen für Arbeitslose verlangt. Es war die erste
größere Demonstration gegen den seit Mai regierenden
Präsidenten Nestor Kirchner, der sich bislang vorrangig um
Reformen im Polizei-, Justiz- und Militärapparat gekümmert
hat. Die Arbeitslosenquote in dem von einer schweren Wirtschafts- und
Finanzkrise gezeichneten südamerikanischen Land beträgt etwa
15 Prozent.
(Quelle: ap)
«Wie wir uns unsere Arbeit zurückholen»
Die von Arbeitern und Arbeiterinnen besetzte Del Valle Keramikfabrik in
Argentinien
..Die kapitalistische Neigung, Kapital zu konzentrieren und zu
transnationalisieren, hat Argentinien ruiniert. Die Industriezentren
wurden durch aufgegebene, zerfallene Fabriken und Arbeitslosigkeit
ersetzt. Die Fabriken sind auf der Suche nach billigeren
Arbeitskräften in neue Regionen abgewandert oder ihre Produktion
wurde aber konzentriert. Der argentinische Wirtschaftskollaps
ließ den Stand der Armen und Arbeitslosen auf ein der Geschichte
zuvor nicht bekanntes Niveau steigen. Heutzutage leben 58% der
Bevölkerung unter der Armutsgrenze und 44% sind entweder
arbeitslos oder unterbeschäftigt. In den Verwüstungen einer
wirtschaftlich bankrotten Nation trat eine Form des Protestes wieder
ans Tageslicht: die von den ArbeiterInnen selbst organisierte und
kontrollierte Produktion. In der Geschichte verfügte die
Arbeiterklasse schon immer über die unterschiedlichsten Werkzeuge
zur Befreiung – Streiks, Verlangsamung der Produktion,
Maschinensabotage, Straßenblockaden und Fabrikbesetzungen.
"Wir sind Teil der Methode unserer companeros, die versuchen, für
sich selbst zu arbeiten. Die geschlossenen Fabriken öffnen wir
wieder für Arbeit ...", erklärt Luis Calfueque, Arbeiter in
der Del Valle Fabrik ...
Aus: "Wie wir uns unsere Arbeit zurückholen: die Del Valle
Keramikfabrik" von Marie Trigona
Mehr bei ZNet (03.11.03) unter:
http://zmag.de/article/article.php?id=898
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Semjon Kukes neuer Chef von Yuko
Mi.05.11.03 - Nach dem Rücktritt des inhaftierten Yukos-Chefs Michail
Chodorkowski ist der Manager Semjon Kukes zum neuen Vorstandschef des
Ölkonzerns ernannt worden. Das habe der Aufsichtsrat in Moskau
beschlossen, teilte Yukos mit. Kukes besitzt die amerikanische
Staatsangehörigkeit und arbeitete früher als Chefmanager der
russischen Ölfirma Tjumen. Seine Ernennung muss Ende November von
der Gesellschafterversammlung genehmigt werden. Chodorkowski hatte
gestern seinen Rückzug erklärt. Die russische Justiz wirft
ihm Steuerhinterziehung und Betrug vor
(Quellen: dpa, zdf)
Nach dem Rücktritt des verhafteten Yukos-Chefs und dem Austritt
aus seiner Firma liegt deren Leitung jetzt überwiegend in den
Händen von US-Bürgern. In der Presse wird der populäre
Ölbaron bereits als russischer Präsidentschaftskandidat
gehandelt...
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (05.11.03):
http://www.taz.de/pt/2003/11/05/a0078.nf/text
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Deutsche Bank kauft 40 Prozent an russischer Bank UFG
Gemeinsam mit der UFG verspricht sich die Deutsche Bank, zum
führenden Anbieter von Finanzdienstleistungen in Russland
aufsteigen zu können
Mi.05.11.03 - Die Deutsche Bank steigt wie erwartet mit 40 Prozent bei der russischen
Investmentbank United Financial Group (UFG) ein. Damit will
Deutschlands größtes Kreditinstitut seine Marktstellung im
wachstumsträchtigen russischen Markt stärken, der jüngst
wegen der Affäre um den Ölkonzern Yukos bei internationalen
Investoren an Vertrauen eingebüßt hat.
Neben der reinen Beteiligung würden die Banken beim Handel
russischer Aktien, der Wertpapieranalyse und der
Unternehmensfinanzierung zusammenarbeiten.
Details zum Kaufpreis wurden nicht genannt. Aus verhandlungsnahen
Kreisen verlautete jedoch, dass der Preis im zweistelligen
Millionen-Euro-Bereich liege.
Gemeinsam mit der 1994 gegründeten UFG verspricht sich die
Deutsche Bank, zum führenden Anbieter von Finanzdienstleistungen
in Russland aufsteigen zu können. "Der russische Markt ist der
größte und wichtigste in Ost-Europa", sagte Kevin Parker,
der das weltweite Aktiengeschäft der Deutschen Bank leitet.
Im Frankfurter Aktienhandel legte die Aktie der Deutschen Bank am
Montag im Einklang mit dem Gesamtmarkt um knapp zwei Prozent auf 57,75
Euro zu.
(Quelle: rtr)
Deutsche Bank offenbar in USA im Visier von Ermittlungen
Mi.05.11.03 - Die Deutsche Bank ist nach Angaben aus Kreisen in den USA im
Zusammenhang mit laufenden Untersuchungen zur US-Fondsbranche ins
Visier der Ermittler geraten.
New Yorks Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer untersuche, ob die
US-Sparte der Deutschen Bank Anlegern geholfen habe, illegale
Handelsgeschäfte zu tätigen, hieß es am Dienstag in den
Kreisen. Die Untersuchung könne sowohl zivil- als auch
strafrechtliche Folgen haben. Der Staat New York habe eine Vorladung
veröffentlicht, in der er Unterlagen zu den Handelspraktiken der
Bank fordere. Deutsche-Bank-Sprecher Ted Meyer lehnte eine
Stellungnahme ab. Eine Sprecherin von Spitzer, Darren Dopp, war
zunächst nicht erreichbar.
(Quelle: rtr)
EU-Kommissar Lamy droht USA mit Vergeltung im Handelsstreit
Mi.05.11.03 - Im Handelsstreit mit den USA hat EU-Handelskommissar Pascal Lamy am
Dienstag mit Strafzöllen auf US-Exporte im Wert von mehr als sechs
Milliarden Dollar gedroht.
Die Europäische Union (EU) werde ihr Recht auf Vergeltung
wahrnehmen, wenn die USA nicht anfingen, die Vorgaben der
Welthandelsorganisation (WTO) zu erfüllen, sagte Lamy in
Washington am Rande von Gesprächen mit US-Abgeordneten und
Regierungsvertretern. Am Mittwoch wird die Europäische Kommission
über ihre Sanktionen für US-Steuervergünstigungen
für große Exporteure wie Boeing beraten, die einer
WTO-Entscheidung zufolge bis Ende des Jahres aufgehoben werden
müssen. In einem zweiten, kleineren Streit geht es um
Strafzölle der USA auf Stahlimporte. In diesem Konflikt wird am
Montag eine Entscheidung in dem Berufungsverfahren erwartet, das die
USA bei der WTO angestrengt haben.
Lamy kündigte in Washington im Streit um die Exportsubventionen
zugleich ein langsames Vorgehen der EU an, deren Sanktionen US-Exporte
im Wert von bis zu vier Milliarden Dollar betreffen könnten.
EU-Diplomaten zufolge wird er am heutigen Mittwoch voraussichtlich eine
stufenweise Einführung der von der WTO erlaubten Strafabgaben ab
März 2004 vorschlagen. In einem ersten Schritt könne ein
Strafzoll von fünf Prozent auf eine breite Palette von
Importprodukten erhoben werden, der ein Jahr lang um ein Prozent pro
Monat gesteigert werden soll. Der WTO zufolge kann die EU hat
Strafzölle von bis zu 100 Prozent verhängen.
Ziel des Vorschlags sei es, den gegenseitigen Handel im Wert von
täglich einer Milliarde Dollar nicht zu vergiften, hieß es
in Brüssel weiter. Der US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick hatte
von einer Atombombe für das Welthandelssystem gesprochen, sollte
die EU ihre Vergeltung für die Steuervergünstigungen
tatsächlich auf den genannten Umfang ausweiten. Im Streit um die
Stahlzölle drohte Lamy in Washington mit weiteren Abgaben auf
Exporte im Wert von bis zu 2,2 Milliarden Dollar.
"Die EU-Kommission bringt sich in Stellung, um für eine Vergeltung
bereit zu sein. Sie möchte den Druck aufrecht erhalten", sagte ein
EU-Diplomat. Lamy äußerte in Washington allerdings auch die
Hoffnung, dass die Vergeltungsmaßnahmen noch abgewendet werden
könnten, und appellierte an den US-Kongress, die in die Wege
geleiteten Gesetzesänderungen rechtzeitig zu beschließen.
"Das Gefühl, das mir die Abgeordneten gaben, war, dass das
möglich ist", sagte Lamy. "Nun, die Botschaft ist: Tut es."
(Quelle: rtr)
EU-Erweiterungskommissar Verheugen: Türkei muss bei Reformen noch
mehr tun
Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Reformen sowie Lücken bei
Grundrechten und Demokratie moniert
Mi.05.11.03 - EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen hat der Türkei
Fortschritte bei der Umsetzung von Reformen bescheinigt, sieht in
mehreren Bereichen aber noch deutlichen Handlungsbedarf. Nach wie vor
gebe es Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Reformen sowie
Lücken bei Grundrechten und Demokratie, sagte Verheugen.
Konservative Kräfte in der Türkei stünden den Reformen
im Wege.
Bestimmte "Kreise im türkischen Establishment" seien nicht bereit,
"die weit gehenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen,
die wir in der Türkei fordern, mitzutragen". Problem sei, dass
diese Kräfte im Staatsapparat dominierten.
Die Zypernfrage müsse unabhängig von politischen Reformen
beantwortet werden, sagte Verheugen im Interview mit tagesschau.de.
Hier erwarte die EU einen konstruktiven Beitrag von der Türkei. Am
Ende werde es kein Geschäft geben, "etwa in der Art: Die
Türken finden noch irgendeinen Weg, das Zypernproblem zu
lösen und wir schauen dafür nicht so genau hin, ob die
politischen Beitrittsbedingungen erfüllt sind". So ein
Geschäft sei definitiv ausgeschlossen, sagte Verheugen.
(Quelle: afp)
Deutschland:
Struck feuert General Günzel wegen Lobes für Hohmanns antisemitischer Rede
Der General hatte dem Bundestagsabgeordneten Hohman Abgeordneten
für seinen "Mut zur Wahrheit" in dessen antisemitischer Rede zum
Tag der deutschen Einheit gedankt. Verteidigungsminister Struck:
Der General sei ein Einzelfall in der Bundeswehr. Es handele sich um
einen "verwirrten General". Die Auseinandersetzung um den Fuldaer
CDU-Abgeordneten Hohmann ging unterdessen weiter +++ Hessischer Landtag
lehnt mit den Stimmen der CDU-Mehrheit eine Missbilligung der
Äußerungen Hohmanns ab
Mi.05.11.03 - Verteidigungsminister Peter Struck hat den Chef der
Bundeswehr-Eliteeinheit KSK, Brigadegeneral Reinhard Günzel, wegen
Unterstützung der antisemitischen Äußerungen des
CDU-Abgeordneten Martin Hohmann gefeuert. Der Zentralrat der Juden
erstattete am Dienstag Strafanzeige gegen Hohmann wegen
Volksverhetzung. Der Präsident Paul Spiegel forderte dessen
Ausschluss aus der Unionsfraktion.
Struck nannte die Äußerungen des Kommandeurs des in Calw
stationierten Kommando Spezialkräfte (KSK) unerträglich. Die
sofortige Enthebung des Generals von seinem Kommando sei
unausweichlich. Struck sagte, es sei keine ehrenhafte Entlassung
für einen General, "wenn der Minister entscheidet, ihn
rauszuschmeißen". Günzel solle in den einstweiligen
Ruhestand versetzt werden.
Der General habe der Bundesrepublik und insbesondere der Bundeswehr
Schaden zugefügt, erklärte Struck. Der SPD-Politiker
unterstrich, der General sei ein Einzelfall in der Bundeswehr. Es
handele sich um einen "verwirrten General, der einer noch verwirrteren
Auffassung eines CDU-Bundestagsabgeordneten zugestimmt» habe.
Struck sagte, die CDU/CSU-Bundestagsfraktion solle seinem Beispiel
folgen und Hohmann aus ihren Reihen ausschließen.
Günzel hatte Hohmann einen Brief geschrieben, dessen Inhalt
Hohmann dem ZDF-Magazin "Frontal" weitergab. Danach dankte der General
dem Abgeordneten für seinen "Mut zur Wahrheit" in dessen
antisemitischer Rede zum Tag der deutschen Einheit. Darin hatte Hohmann
die Juden als "Tätervolk" bezeichnet.
Der Text der Rede war nach Angaben von "SPIEGELnet" schon Ende Oktober
bekannt. Der komplette Text sei von einem in der rechten Szene
bekannten Aktivisten am 26. Oktober als E-Mail an 108
Bundestagsabgeordnete gesandt worden.
Die Auseinandersetzung um den Fuldaer CDU-Abgeordneten Hohmann ging
unterdessen weiter. Zentralratspräsident Spiegel sprach im WDR vom
"schlimmsten Fall von Antisemitismus", den er in den letzten
Jahrzehnten erlebt habe. Die Rüge durch die CDU-Spitze reiche
nicht aus. Spiegel empfahl der CDU, sich das Verhalten der
Streitkräfte zum Vorbild zu nehmen. Wie er der "Berliner Zeitung"
sagte, hat der Zentralrat Hohmann wegen Volksverhetzung angezeigt.
Die Staatsanwaltschaft Fulda hat bereits Vorermittlungen gegen den
hessischen Politiker eingeleitet, nachdem ein Bürger aus Bonn
Hohmann wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des
Andenkens Verstorbener angezeigt hatte.
FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt nannte die Entlassung des Generals
eine unausweichliche Folge der Zustimmung zu den Äußerungen
von Hohmann, die historisch absurd seien. Die Grünen-Politiker
Volker Beck und Steffi Lembke nannten es inkonsequent, wenn der General
zu Recht entlassen werde, Hohmann aber in der Unionsfraktion bleiben
könne.
Der CSU-Verteidigungsexperte Hans Raidel nahm Günzel dagegen in
Schutz. Günzel sei "beim besten Willen kein Rechtsradikaler",
sondern "ein Mensch mit Grundsätzen", sagte er der "Berliner
Zeitung" (Mittwochausgabe).
Raidel forderte Hohmann auf, die Mitgliedschaft in der Unionsfraktion
zu überdenken. Hohmann habe sich Günzel gegenüber einen
eklatanten Vertrauensbruch geleistet, da dessen Brief nicht zur
Veröffentlichung bestimmt gewesen sei. "Hohmann hat einen General
auf dem Gewissen"", meinte Raidel.
Der hessische Landtag hat mit den Stimmen der CDU-Mehrheit eine
Missbilligung der als antisemitisch kritisierten Äußerungen
des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann abgelehnt. Der hessische
CDU-Generalsekretär Michael Boddenberg sagte am Dienstag in der
Debatte, die Union habe sich von Anfang an von der umstrittenen Rede
Hohmanns distanziert und den Fall abgearbeitet. Eine Missbilligung
durch den Landtag sei daher unnötig. Ministerpräsident Roland
Koch beteiligte sich an der Debatte nicht.
SPD und Grüne reagierten empört auf das Verhalten der CDU.
Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir warf der Unions-Fraktion vor,
auf die Vertreter des rechten Parteiflügels Rücksicht zu
nehmen. Der SPD-Abgeordnete Norbert Schmitt forderte Koch zu einem
Parteiausschlussverfahren gegen Hohmann auf. Die frühere
FDP-Wissenschaftsministerin Ruth Wagner sagte, die Reaktion der
Berliner CDU-Führung auf Hohmanns Rede sei zu begrüßen,
reiche aber nicht mehr aus.
(Quelle: ap)
General Günzel musste sofort gehen - nicht nur wegen des laxen
Umgangs der CDU mit Martin Hohmann. Der KSK-Chef ist schon früher
auffällig geworden...
Mehr zum Thema in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (05.11.03):
http://www.taz.de/pt/2003/11/05/a0126.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/11/05/a0038.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/11/05/a0129.nf/text
Was General Günzel an Hohmann schrieb
Der bisherige Chef des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr
(KSK), Brigadegeneral Reinhard Günzel, hat sich in einem Brief
für den Vortrag des CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann vom
3. Oktober "sehr herzlich" bedankt. Wie die Nachrichtenagentur dpa
erfuhr, hatte Hohmann seine Rede zum Jahrestag der Deutschen Einheit,
die später als antisemitisch kritisiert wurde, an den General
geschickt.
In dem Antwortbrief des Generals, den Hohmann dem ZDF-Magazin "Frontal
21" präsentierte, heißt es nach Darstellung des Senders
unter anderem:
«Für Ihren Vortrag zum Nationalfeiertag bedanke ich mich
sehr herzlich. Eine ausgezeichnete Ansprache - wenn ich mir dieses
Urteil erlauben darf -, wie man sie mit diesem Mut zur Wahrheit und
Klarheit in unserem Land nur noch sehr selten hört und liest.
Und auch, wenn sich all diejenigen, die sich dieser Auffassung
anschließen oder sie gar laut und deutlich artikulieren, von
unserer veröffentlichten Meinung sofort in die rechtsradikale Ecke
gestellt werden, können Sie sicher sein, dass Sie mit diesen
Gedanken der Mehrheit unseres Volkes eindeutig aus der Seele sprechen.
Ich hoffe, dass Sie sich durch Anwürfe aus dem vorwiegend linken
Lager nicht beirren lassen und mutig weiterhin Kurs halten.»
Quelle: dpa
Wortlaut der anti-jüdischen Rede von MdB Martin Hohmann zum Nationalfeiertag:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15981/1.html
Hohmann hat bereits mehrfach für Aufsehen gesorgt:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311010.htm#031101af
Blick ins Archiv
Immer noch sehr viel Antisemitismus in Deutschland
Bei einem Essen mit Düsseldorfer Honoratioren erntete der Präsident des Zentralrats
der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, den Vorwurf,
Antisemitismus zu schüren...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0201180.htm#top
|
Gekaperte Flugzeuge dürfen abgeschossen werden
Mi.05.11.03 - Ein entführtes und von Terroristen als Waffe eingesetztes Flugzeug
kann in Deutschland künftig abgeschossen werden. Der
Verteidigungsminister darf den Abschuss aber nur als letztes Mittel
befehlen. Darauf verständigten sich SPD und Grüne nach
monatelangen Verhandlungen.
Dennoch wurden nicht alle Differenzen ausgeräumt.
Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) sagte am Dienstag in Berlin,
der Entwurf entspreche nicht ganz seinen Vorstellungen. Er hoffe noch
auf Veränderungen im parlamentarischen Verfahren. Die Union
kritisierte den Entwurf als Stückwerk.
Auslöser für den Gesetzentwurf waren die Terroranschläge
in den USA am 11. September 2001 und der Irrflug eines geistig
verwirrten Mannes im Januar dieses Jahres über dem
Rhein-Main-Gebiet. Struck hatte damals Abfangjäger aufsteigen
lassen, nach dem guten Ausgang des Vorfalls aber Rechtsunsicherheit
beklagt. In der Diskussion um ein neues Gesetz hatte Struck Bedenken
angemeldet, ob der Einsatz der Bundeswehr ohne Grundgesetzänderung
möglich ist. Was er an dem Entwurf jetzt noch geändert haben
möchte, sagte Struck nicht.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der
Grünen-Fraktion, Volker Beck, sagte der Nachrichtenagentur dpa,
eine Verfassungsänderung sei nach Auffassung der Koalition nicht
notwendig. Der Gesetzentwurf lasse den Einsatz von Waffengewalt nur als
allerletztes Mittel zu. Vordringlich seien zunächst andere
Maßnahmen wie Abdrängen, zur Landung zwingen, Androhung von
Waffengewalt und Warnschüsse.
"Nur in den Fällen, wo das alles nicht wirkt und klar ist, dass
das Flugzeug gegen das Leben von Menschen eingesetzt werden soll, darf
auch Waffengewalt angewandt werden", sagte Beck. In diesem Extremfall
liege die Kompetenz beim Verteidigungsminister. "Die
Verhältnismäßigkeit der Mittel ist das entscheidende
Kriterium."
Nach Auffassung der Koalition ist der Einsatz der Luftwaffe durch
Artikel 35 des Grundgesetzes gedeckt. Danach kann als Katastrophenhilfe
auch die Bundeswehr eingesetzt werden. Die Union hält dagegen nach
wie vor eine Verfassungsänderung für nötig. Der
Verfassungsartikel kennt noch keine Terrorangriffe, sondern regelt die
Amtshilfe bei Naturkatastrophen und Unglücksfällen.
Daraus lässt sich laut Beck aber auch der Einsatz der Luftwaffe
ableiten. Keinen Eingang in den Gesetzentwurf fand die
ursprünglich vorgesehene Abwägung, wie viele Leben in solch
einem Extremfall gerettet werden können und wie viele geopfert
werden müssen. Für die Entscheidung in solch einer Situation
müssten alle Umstände des Einzelfalls bewertet werden, sagte
Beck.
Auch die FDP sieht keinen Anlass für eine Änderung des
Grundgesetzes. Ihr Innenexperte Max Stadler hält ein
Luftsicherheitsgesetz für nicht zwingend notwendig. Die
allgemeinen Rechtsgrundsätze für Notstand und Nothilfe
ließen auch im Einzelfall die erforderlichen Abwägungen zu.
Der Verteidigungsexperte der Union, Hans Raidel (CSU), bemängelte,
dass die Koalition kein Gesamtverteidigungskonzept vorlege. Struck habe
sich beim Luftsicherheitsgesetz nicht gegen Innenminister Otto Schily
(SPD) durchsetzen können. Ohne eine Änderung des
Grundgesetzes fehle die ausreichende Rechtssicherheit. Terrorangriffe
drohten außerdem nicht nur aus der Luft, sie könnten genauso
gut vom Wasser oder vom Land kommen.
Die übrigen Teile des Gesetzes waren politisch nicht umstritten.
Dabei geht es um Fragen der Staatshaftung und zusätzliche
Sicherheitsbestimmungen, um Entführungen schon im Vorfeld zu
verhindern.
(Quelle: dpa)
Weitere Nullrunde für Rentner nicht ausgeschlossen
Mi.05.11.03 - Die Bundesregierung schließt eine weitere Nullrunde bei den
Renten im Jahr 2005 nicht aus. "Nur wenn die Wirtschaft wieder in Gang
kommt, werden die Rentner am Aufschwung partizipieren können",
sagte Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD). Doch niemand wisse heute,
wie sich die Wirtschaft 2005 oder 2004 entwickeln werde. Ähnlich
äußerte sich auch SPD-Fraktionschef Franz Müntefering.
Der Sozialverband (VdK) und die Union übten scharfe Kritik an der
Rentenpolitik der Regierung. Die SPD-Fraktion billigte unterdessen
einmütig das Renten-Notpaket, das am Donnerstag im Bundestag
verabschiedet werden soll.
Schmidt erklärte, die Rentner sollten auch weiter am kommenden
Aufschwung beteiligt werden. Es könne jedoch "nur das verteilt
werden, was erwirtschaftet worden ist". Wenn der Aufschwung komme und
die Arbeitnehmer wieder mehr verdienten, könnten auch die Rentner
wieder mehr Geld bekommen.
Müntefering sagte, es sei noch unsicher, ob die Renten im Jahr
2005 angehoben würden oder nicht. "Wenn es gut ist, dann ist mehr
Geld in der Kasse, dann wird man mehr Geld bekommen, und das hängt
auch davon ab, wie die Entwicklungen der Löhne bei den
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sind."
Der Sozialexperte der Union, Andreas Storm (CDU), sagte, der Umgang des
Sozialministeriums mit Rentnern und Beitragszahlern sei "völlig
unverantwortlich".
Der Sozialverband VdK erklärte, wenn die Rentner auch 2005 und
2006 noch keine Rentenanpassung erhielten, würden sie "vollkommen
von der Lohnanpassung abgekoppelt" und "massiv" von der Inflation
betroffen. Vdk-Präsident Walter Hirrlinger sagte, die
Bundesregierung habe offenbar übersehen, dass die Rentner durch
die volle Übernahme der Beiträge für die
Pflegeversicherung bereits zusätzlich mit 0,85 Beitragspunkten
belastet würden. Damit stünden den Ruheständlern in den
kommenden Jahren nicht nur Nullrunden, sondern für ihre Kaufkraft
sogar Minusrunden bevor.
Die SPD-Fraktion billigte unterdessen das Renten-Notpaket. Angesichts
des Milliardendefizits in den Rentenkassen will die Bundesregierung am
Donnerstag im Bundestag ein Maßnahmenbündel verabschieden,
das zum 1. Januar 2004 in Kraft treten und die finanzielle Schieflage
kurzfristig ausgleichen soll. Unter anderem sind darin eine Nullrunde
für die Rentner im Jahr 2004 und eine höhere Belastung bei
den Beiträgen zur Pflegeversicherung vorgesehen.
(Quelle: afp)
Renten-Nullrunde und pralle Politiker-Pensionen
Im Durchschnitt betragen die Rentenansprüche in Deutschland
zurzeit 1175,85 Euro - das ist die so genannte Brutto-Eck-Rente. Diese
Summe erhält heute durchschnittlich derjenige, der 45 Jahre lang
in Westdeutschland in die Rentenkasse eingezahlt hat. Ganz anders sehen
die Pensions- und Versorgungsaussichten unserer Volksvertreter aus...
Mehr bei "Frontal 21", Magazin im ZDF (Sendetermin: 28.10.03) unter:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/16/0,1872,2075376,00.html
Ein weiterer Bericht zum Thema bei "Monitor", Magazin in der ARD (Sendetermin: 09.10.03)
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=531&sid=103
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Seehofer warnt vor Gefährdung des sozialen Friedens
Mi.05.11.03 - Der Unions-Sozialexperte Horst Seehofer hat angesichts des
öffentlichen Widerstands gegen die geplanten Sozialreformen vor
einer Gefährdung des sozialen Friedens in Deutschland gewarnt.
Die jüngste Berliner Großdemonstration gegen die Reformen
könnte "der Anfang einer größeren Bewegung sein", sagte
der CSU-Vize-Chef der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen
Post" (Mittwochausgabe). "Wenn die Politik nicht angemessen darauf
reagiert und die Argumente nicht ernst nimmt, könnte das den
sozialen Frieden beschädigen." In diesem Zusammenhang
verschärfte er seine Kritik am Herzog-Konzept der CDU zur Reform
des Gesundheitssystems. Das Paket könne "weder
zurechtgebügelt noch zurechtgezimmert werden", sagte er. Zum
Vorschlag, den sozialen Ausgleich bei den Beiträgen zur
Krankenkasse in Zukunft nicht mehr über die Höhe des
Verdienstes, sondern unter anderem über die Versteuerung des
Arbeitgeberanteils herzustellen, sagte er: "Man wundert sich, dass das
als sozialer Ausgleich verkauft werden kann."
Mit rund 100.000 Menschen hatte in Berlin am Samstag eine
überraschend große Zahl von Menschen an der Demonstration
gegen die Reformpolitik der rot-grünen Bundesregierung
teilgenommen.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv
100 000 demonstrierten in Berlin gegen Sozialeinschnitte
Die Veranstalter hatten ursprünglich mit rund 20.000 TeilnehmerInnen gerechnet
So.02.11.03 - Mit einer Großdemonstration durch Berlins Mitte haben am
Samstag nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und
Veranstaltern rund hunderttausend Menschen aus ganz Deutschland gegen
die geplanten Sozialreformen protestiert. Aufgerufen zu der
"Demonstration gegen sozialen Kahlschlag" hatten unter anderem
Gewerkschafter, linke Gruppen, die Globalisierungskritiker-
Organisation Attac und die PDS. Aus über 100 Städten waren
Busse in die Hauptstadt gekommen. Die Veranstalter hatten
ursprünglich mit rund 20.000 TeilnehmerInnen gerechnet....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311020.htm#03110215
Entsteht eine ausserparlamentarische Bewegung gegen Rot-Grün?
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (04.11.03):
http://www.taz.de/pt/2003/11/04/a0135.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/11/04/a0138.nf/text
Ein Staat, dem die Gerechtigkeit fehlt, ist nichts anderes als eine
große Räuberbande
Dieser Satz stammt nicht von der Gewerkschaft Verdi, nicht von der PDS
und nicht von Attac. Er stammt vom Heiligen Augustinus – und er kann
als Motto der unerwartet großen Demonstration gelten, bei der in
Berlin gegen den „Sozialkahlschlag" der Regierung protestiert wurde....
Süddeutsche Zeitung vom 03.11.03
«Wir sind viele, und wir kommen wieder»
Demonstration in Berlin gegen Sozialkahlschlag. Aus den Reden auf der Abschlußkundgebung:
http://www.jungewelt.de/2003/11-03/012.php
Nach der Kahlschlagsdemonstration in Berlin ist vor dem
Europäischen Sozialforum in Paris
Zum internationalen Ratschlag treffen sich die Globalisierungskritiker
vom 12. bis zum 15. November...
Mehr in der "tageszeitung" vom 03.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/03/a0115.nf/text
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Kanzler Schröder lässt Änderungen an Tarifautonomie offen
Mi.05.11.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Bedeutung der
Tarifautonomie in Deutschland unterstrichen, zugleich aber die
Möglichkeit offen gelassen, Abweichungen vom
Flächentarifvertrag per Gesetz zu erleichtern.
"Gerade in diesen Tagen zeigt sich, wie wertvoll und wichtig die
Tarifautonomie ist", sagte Schröder nach einem Treffen des
SPD-Gewerkschaftsrats am Dienstagabend in Berlin. Arbeitnehmervertreter
und Arbeitgeber müssten sich auf die Gestaltung der
Arbeitsbedingungen und der Entgelte einigen, und dabei sollte der Staat
nicht eingreifen müssen. Der Kanzler betonte jedoch: "Ich habe
nichts von dem abzustreichen, was ich am 14.3. zur Bedeutung der
Tarifautonomie gesagt habe." Schröder hatte im März in seiner
Regierungserklärung zur Reformagenda 2010 erklärt, dass die
Koalition notfalls per Gesetz Betriebsbündnisse zur Sicherung von
Arbeitsplätzen erleichtern werde.
Weiter sagte Schröder: "Ich möchte, dass eine neue Balance
zwischen den betrieblichen Möglichkeiten einerseits und zentralen
Verhandlungen andererseits gefunden wird und dass das die Tarifparteien
selbst machen, damit sich der Gesetzgeber nicht einmischen muss."
Schröder hatte zuvor das Vorhaben des Autobauers Opel
begrüßt, mit einer Arbeitszeitverkürzung auf 30
Wochenstunden ohne vollen Lohnausgleich auf die Absatzflaute und
anhaltende Verluste zu reagieren. Bei anderen Unternehmen wie der
Deutschen Telekom sind wegen der schleppenden Konjunkturerholung sowie
interner Probleme kürzere Arbeitszeiten mit den
Belegschaftsvertretern im Gespräch.
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael
Sommer, erklärte nach dem Treffen des Gewerkschaftsrats: "Das
klare Bekenntnis zur Tarifautonomie , das der Kanzler hier wiederholt
hat, ist für uns wichtig." An die Union gewandt sagte Sommer, man
solle etwas lassen, was Deutschland strukturell schade. Die Union will
beim Vermittlungsverfahren von Bundestag und Bundesrat zu den
Reformgesetzen der Regierung auch mehr Spielraum für
Betriebsbündnisse fordern.
(Quelle: rtr)
Kürzere Arbeitszeit soll 1200 Jobs bei Opel retten
Mi.05.11.03 - Mit der Einführung der 30-Stunden-Woche will Opel bedrohte
Arbeitsplätze in seinem Rüsselsheimer Stammwerk sichern. 1200
Stellen würden auf diese Weise gerettet, teilte das Unternehmen
mit. Die 5500 Arbeiter im Fertigungsbereich arbeiten von Montag an
fünf Stunden weniger; für 2,6 Stunden zahlt Opel einen
Lohnausgleich. Mit den Einsparungen will der Autobauer 2004 wieder
schwarze Zahlen zu schreiben. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz
bezeichnete das zunächst bis Ende kommenden Jahres befristete
Modell "30plus" als "richtiges Signal für die Zukunftssicherung".
Die Sicherung der Arbeitsplätze sei "angesichts der
konjunkturellen Situation in der Automobilindustrie ein großer
Erfolg", erklärte der Betriebsratsvorsitzende. Ziel der
Vereinbarung sei "ein sicheres Erreichen der Profitabilität und
ein nachhaltiges Wachstum", fügte Opel-Personalvorstand Norbert
Küpper hinzu. Das Unternehmen spare mit dem Lohnverzicht einen
zweistelligen Millionenbetrag ein.
Die Arbeiter im Fertigungsbereich tragen mit einem Verzicht auf 2,4
bezahlte Stunden zu dem Beschäftigungspakt bei. Die 750
Führungskräfte verzichten auf zwei Urlaubstage im Jahr
einschließlich Urlaubsgeld. Mit monatlich drei Tagen Mehrarbeit
leisten auch die übrigen der 21.000 Beschäftigten in
Rüsselsheim ihren Beitrag. Im Durchschnitt entspricht das laut
Opel einem Lohnverzicht von 85 Euro netto im Monat. Möglicherweise
werde dies auch Modellcharakter für die Werke in Bochum, Eisenach
und Kaiserslautern haben, sagte der Opel-Sprecher. Für die
Fertigung des neuen Vectra Caravan soll von Montag an zudem eine dritte
Schicht im Stammwerk Rüsselsheim eingeführt werden.
Zur Rettung des kriselnden Unternehmens hatten Geschäftsleitung
und Betriebsrat Mitte 2001 das Sanierungsprogramm "Olympia" vereinbart.
Darin wurden für 2002 und 2003 die Streichung von 2500 Stellen in
Deutschland sowie die Verschiebung von Teilen des Weihnachtsgeldes in
die nächsten Jahre beschlossen. Im Gegenzug verzichtete das
Unternehmen bis 2005 auf betriebsbedingte Kündigungen.
(Quelle: afp)
Stichwort: Arbeitszeitmodell '30 plus'
Das neue Opel-Arbeitszeitmodell «30 plus» umfasst ein
ausgeklügeltes System aus Verringerung und Verlängerung von
Arbeitszeit. Faktisch reagiert das Modell auf die schwierige Situation,
dass in manchen Bereichen eines Großbetriebes Überstunden
gemacht werden, während andere nicht vollständig ausgelastet
sind. Um Entlassungen zu vermeiden, wird nun ein Zeitausgleich zwischen
den ausgelasteten und nicht ausgelasteten Betriebsteilen organisiert.
Die Kernpunkte des Modells sind:
1. Bis zu 5.500 Arbeiter in der Fertigung des Rüsselsheimer
Stammwerks arbeiten ab dem 10. November pro Woche im Durchschnitt 30
Stunden. Zunächst betroffen sind die rund 3.500 Arbeiter in den
Bereichen Teilefertigung, Karosseriebau, Lackiererei und Endmontage.
2. Die 30-Stunden-Woche wird durch Einführung einer
fünfstündigen Nachtschicht an vier Wochentagen erreicht.
Jeder Betroffene arbeitet im wöchentlichen Wechsel 35 Stunden
Früh-, 35 Stunden Spät- und 20 Stunden Nachtschicht, um so
auf durchschnittlich 30 Stunden pro Woche zu kommen.
3. Die betroffenen Arbeiter werden so bezahlt, als würden sie
faktisch 32,6 Stunden arbeiten. Dadurch ergibt sich gegenüber der
35-Stunden-Woche ein monatlicher Lohnverlust von im Durchschnitt etwa
85 Euro. Um diesen weitgehend auszugleichen, wird das Urlaubsgeld 2004
auf die zwölf Monate des Jahres verteilt und mit dem
regulären Entgelt ausgezahlt.
4. Aus Solidarität mit den Kollegen in der Fertigung arbeiten die
Beschäftigten in Forschung, Entwicklung und Verwaltung pro Tag
zehn Minuten länger. Dies führt pro Monat zu einer
unbezahlten Mehrarbeit von rund drei Stunden.
5. Die am Standort Rüsselsheim arbeitenden rund 700
Opel-Führungskräfte verzichten auf zwei Urlaubstage.
Quelle: ap
Die Forderungen nach längerer Arbeitszeit und die 30-Stunden-Woche
bei Opel
"Die Leute arbeiten zu wenig", tönte es in den letzten Tagen
unisono aus Industrie-Vorstandskreisen, von Politikern und den sie
assistierenden Medien. Am Dienstag galt das scheinbar nicht mehr: Die
Adam Opel AG führt in ihrem Rüsselsheimer Stammwerk ab dem
10. November für 5500 Mitarbeiter die 30-Stunden-Woche ein. Darauf
hatten sich Opel-Vorstand und -Betriebsrat am Montag abend
verständigt. Der Pferdefuß: Damit ist eine sofortige
Lohnsenkung verbunden. Die Einkommensverluste für die
Beschäftigten werden noch höher als bisher schon vereinbart.
Mit Abstrichen beim Weihnachtsgeld und moderateren Lohnerhöhungen
hatten die Beschäftigten bereits im vergangenen Jahr zur Sanierung
des Konzerns beigetragen. Die jetzt getroffene Regelung, die
zunächst bis Ende 2004 gelten soll, bedeutet für jeden
Beschäftigten ein Minus von durchschnittlich 85 Euro netto pro
Monat. Das Unternehmen spart nach eigenen Angaben einen zweistelligen
Millionenbetrag....
Mehr in der heutigen "junge Welt"-Ausgabe (05.11.03):
http://www.jungewelt.de/2003/11-05/001.php
So viel Einigkeit war selten. Die Einigung bei Opel in Rüsselsheim
auf Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich sei absolut
begrüßenswert. Das sagten: Arbeitgeber, Politiker und - die
IG Metall. Klar, davon profitieren in Krisenzeiten beide Seiten des
Autobauers. Das Unternehmen kann über die Arbeitszeit auf die
gesunkene Nachfrage reagieren. Es wird nicht nur das Arbeitsvolumen
reduziert, sondern erspart der Firma auch Entlassungen und teure
Sozialpläne. Der Arbeitnehmer wiederum behält, als
garantierte Gegenleistung, seinen Job. So weit zur Einigkeit. Die aber
schwindet zwischen Gewerkschaften sowie Arbeitgebern und vielen
Politikern, wenn es um die Diskussion über Verlängerungen der
Arbeitszeit geht...
...wäre Arbeitszeitverlängerung tatsächlich ein probates
Mittel, um Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen und die
Konjunktur anzukurbeln? Kritiker meinen: nein...
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (05.11.03):
http://www.taz.de/pt/2003/11/05/a0120.nf/text
|
Union für mehr wöchentliche Schulstunden
Mi.05.11.03 - Die Union will die wöchentliche Unterrichtszeit in den Schulen um
zwei Stunden verlängern. Die stellvertretende Vorsitzende der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Böhmer, forderte in der
"Bild"-Zeitung, die Unterrichtszeiten je nach Jahrgangsstufe
auszuweiten. "Ein bis zwei Stunden mehr wären sinnvoll, damit
unsere Schüler schneller zum Abschluss kommen", sagte Böhmer.
Auch die Junge Union (JU) fordert mehr Schulstunden. Der Vorsitzende
der schleswig-holsteinischen JU, Rasmus Vöge, sagte dem Blatt:
"Wir brauchen mehr Unterricht, um die Ausbildungschancen der
Jugendlichen zu verbessern."
(Quelle: afp)
Gewerkschaften bekräftigen Forderung nach Ausbildungsplatzabgabe
Mi.05.11.03 - Angesichts der angespannten Lage auf dem Lehrstellenmarkt haben die
Gewerkschaften ihre Forderung nach einer Ausbildungsplatzabgabe
bekräftigt. Der Gesetzgeber müsse jetzt handeln, verlangte
DGB-Chef Michael Sommer am Dienstag in Berlin nach der Sitzung des
SPD-Gewerkschaftsrats. Bundeskanzler Gerhard Schröder
bekräftigte seine Forderung nach gesetzlichen Initiativen, um
jedem Schulabgänger eine Lehrstelle zur Verfügung zu stellen.
Die Vize-Fraktionschefin der Grünen, Thea Dückert, hält
die Einführung einer Abgabe für wahrscheinlich: "Ich gehe
davon aus, dass es notwendig sein wird, eine Umlage zu machen."
Schröder appellierte an die Unternehmen, sich ihrer Verantwortung
bewusst zu werden. Bei gesetzlichen Maßnahmen müssten jedoch
sehr genau die regionalen Unterschiede des Lehrstellenmarktes
berücksichtigt werden, verlangte der Kanzler. Sommer zeigte sich
enttäuscht über die Ergebnisse der Nachvermittlungsoffensive
für alle bislang nicht mit einer Lehrstelle versorgten
Schulabgänger.
Kritik an der möglichen Einführung einer
Ausbildungsplatzabgabe kam hingegen vom Generalsekretär des
Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hanns Eberhard
Schleyer. Im Handwerk laufe die Nachvermittlung auf vollen Touren,
sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Alle Anzeichen deuteten
darauf hin, dass sich dort die Lehrstellenlücke dank der
Nachvermittlungsaktivitäten von Betrieben und Organisationen
weiter schließen werde. Eine endgültige Bilanz könne
jedoch immer erst zum Jahresende gezogen werden.
Die anhaltenden Forderungen nach einer Ausbildungsplatzumlage
konterkarierten die Bemühungen jedoch, betonte Schleyer. Eine
Abgabe würde wie eine zusätzliche Steuer für die ohnehin
krisengeschüttelten Betriebe wirken. Zudem könnten sich
einzelne Unternehmen dann jederzeit freikaufen.
(Quelle: ap)
Kratzer an Minijob-Erfolgsgeschichte
Die neuen Beschäftigungsverhältnisse tragen fast gar
nicht zum Abbau der Arbeitslosigkeit bei: Minijobber sind
größtenteils Rentner, Hausfrauen und Studenten +++ Experte
befürchtet eine Amerikanisierung des deutschen Arbeitsmarktes: Es
entstünden nur sehr geringe Rentenansprüche. Altersarmut und
der Rückgriff auf staatliche Unterstützung seien damit
programmiert +++ Frauen machen rund 65 Prozent der Minijobber aus
Mi.05.11.03 - Die Bundesregierung ist sich sicher: Die neuen Minijob-Regeln sind eine
Erfolgsstory. Verdienste bis 400 Euro sind seit April für die
Arbeitnehmer abgabenfrei und damit wieder attraktiv. Insgesamt 6,7
Millionen Bürger haben den Angaben zufolge bislang ihre
geringfügige Beschäftigung angemeldet. Im September betrug
der Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat 43 Prozent. Doch bei
genauem Hinsehen hat die Erfolgsgeschichte ein paar Kratzer.
So haben die neuen Beschäftigungsverhältnisse beispielsweise
fast gar nicht zum Abbau der Arbeitslosigkeit beigetragen, wie der
Erste Direktor der Bundesknappschaft, Georg Greve, bestätigt. Die
Begründung dafür liegt auf der Hand: Minijobber kommen
größtenteils aus der so genannten stillen Reserve, sind also
Rentner, Hausfrauen und Studenten.
Dringenden Handlungsbedarf sieht die Knappschaft bei den privaten
Haushaltshilfen. Hier Schwarzarbeit ist Schwarzarbeit so weit
verbreitet wie nirgendwo sonst. Bundesweit haben nur etwa 5.600
Arbeitgeber ihre Haushaltshilfen, Babysitter und Gärtner
angemeldet. Greve nennt das einen volkswirtschaftlichen und rechtlichen
Skandal, denn rund 98 Prozent aller Haushaltshilfen arbeiten nach
seinen Schätzungen illegal.
Um dieser "extrem unbefriedigenden" Situation ein wenig beizukommen,
startet die Bundesknappschaft deshalb eine Kampagne in Zeitungen und
Zeitschriften. Unter dem Motto "Sie brauchen ihre Haushaltshilfe nicht
zu verstecken" wird in den kommenden Wochen ein Flyer in viele
Briefkästen flattern. In "moderater, nicht zu aggressiver Weise"
solle damit der private Arbeitgeber an seine Pflicht erinnert werden.
Greve beklagt vor allem ein Informationsdefizit. Viele wüssten gar
nicht, wie einfach die Anmeldung bei der Bundesknappschaft von statten
gehe, meint er. Außerdem ließen sich die Auwendungen
für Babysitter und Putzfrauen steuerlich absetzen. Rund 200
Millionen Euro werden nach Schätzungen der Behörden durch
häusliche Schwarzarbeit jährlich an den Sozialkassen
vorbeigeschleust.
In die Minijob-Lobeshymnen kann Lutz Kaiser, Arbeitsmarktexperte vom
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der
Hans-Böckler-Stiftung, nicht so recht einstimmen. Durch Minijobs
werde die Arbeitslosigkeit nicht bekämpft, es entstünden
keinen neuen Stellen, ist er sich sicher. Außerdem
befürchtet der Fachmann eine Amerikanisierung des deutschen
Arbeitsmarktes. Wer könne schon von 400 Euro leben, fragt er. Das
große Heer der geringfügig Beschäftigten sei zudem von
der Mitbestimmung und tariflichen Regelungen so gut wie ausgeschlossen.
Auch entstünden nur sehr geringe Rentenansprüche. Altersarmut
und der Rückgriff auf staatliche Unterstützung seien damit
programmiert.
Nach den Statistiken der Bundesknappschaft sind Minijobber vor allem im
Hotel- und Gaststättengewerbe, als Dienstleister im Wohnungswesen,
als Verkäufer und als Zeitungszusteller tätig. Besonders
beliebt sind die Ferienregionen in Bayern und Baden-Württemberg.
Eine große Diskrepanz besteht zwischen Ost und West. In den neuen
Bundesländern sind den Angaben zufolge nur 14 Prozent aller
Minijobber gemeldet. Wie erwartet, sind diese Tätigkeiten vor
allem für Frauen attraktiv. Sie machen rund 65 Prozent der
Minijober aus.
(Quelle: ap)
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