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+++ Do.06.11.03, 12:45        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am zweihundertzweiunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn

USA wollen Truppen in Irak um rund ein Viertel reduzieren +++ Britischer Sondergesandter Greenstock: Irak-Truppen müssen sich auf 'harten Winter' einstellen +++ Generalstreik in Nadschaf nach Mord an Richter +++ Weltbank meidet den Irak wegen prekärer Sicherheitslage +++ USA erwarten einen stärkeren Beitrag Deutschlands im Irak

Do.06.11.03 - Die USA planen nach Medienberichten einen Austausch ihrer Truppen im Irak und eine Reduzierung der Gesamtstärke von derzeit rund 130 000 auf etwa 100 000 Mann bis Mai 2004. Zugleich werde die Zahl der irakischen Truppen nach den Plänen des Pentagons weiter erhöht, berichtete der US-Fernsehsenders CBS am Mittwoch.

Insgesamt 100 000 US-Soldaten, darunter Angehörige von Marine und Luftwaffe, Reservisten, Mitglieder der Nationalgarde und Marineinfanteristen, sollen Anfang nächsten Jahres in den Irak entsandt werden und die derzeitigen amerikanischen Truppen dort ablösen. Eine entsprechende Ankündigung werde Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Donnerstag machen, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Vize-Generalstabschef Peter Pace sagte am Mittwoch vor dem Streitkräfte-Ausschuss des Repräsentantenhauses, die Zahl der irakischen Sicherheitskräfte solle von derzeit 100 000 auf etwa 170 000 Mann und später dann auf bis zu einer Viertel Million steigen. Der republikanische Senator und Ausschuss-Mitglied John McCain kritisierte, dass die Zahl der US-Soldaten im Irak nicht ausreiche. Er appellierte an US-Präsident George W. Bush, amerikanische Soldaten so zahlreich und so lange wie für den Sieg nötig zu entsenden.

Angesichts zahlreicher Anschläge müssen sich die ausländischen Truppen in Irak nach Einschätzung des britischen Sondergesandten Jeremy Greenstock auf einen "harten Winter" einstellen. "Terroristen" würden ihre Ziele mit Bedacht auswählen und versuchen, Irak unregierbar zu machen, sagte der Diplomat der Londoner "Times" (Donnerstagsausgabe). "Sie wollen versuchen, Bagdad zum Stillstand zu bringen, damit es so aussieht, als ob Irak mit den Koalitionstruppen nicht funktionieren könne."

Nach der Ermordung eines Richters hat der Gouverneur der südlichen Provinz Nadschaf einen unbefristeten Generalstreik ausgerufen. Mit dem Ausstand solle gegen die Unsicherheit in der Region protestiert werden. In Nadschaf war am Montag ein Jurist entführt und erschossen worden. Am Dienstagabend wurde im nordirakischen Mossul ein weiterer Richter erschossen, der Vergehen der entmachteten Führung aufarbeiten sollte. Angesichts der Anschläge auf US-Truppen und ihre Unterstützer verlangte der irakische Regierungsrat von den USA mehr Kompetenzen im Sicherheitsbereich.

Der in Nadschaf ausgerufene Streik solle der Forderung nach einer Übertragung der Sicherheitsaufgaben an die Iraker Nachdruck verleihen, sagte Gouverneur Haidar Mehdi Matar el Majali. Der am Montag erschossene Richter Muhan Dschabr el Schuwaili war mit Ermittlungen gegen Funktionäre der früheren Regierung unter Saddam Hussein befasst.

Auch der in Mossul getötete Jurist Ismail Jussef Saddek untersuchte Verbrechen der entmachteten Führung: Er wurde nach Polizeiangaben von Unbekannten aus einem Auto heraus vor seinem Haus erschossen. Die US-Truppen in der nordirakischen Stadt wurden am Abend offenbar Ziel eines Angriffs. Nach Polizeiangaben waren drei Explosionen aus dem US-Hauptquartier zu vernehmen, einem Augenzeugen zufolge handelte es sich um einem Granatenangriff. In Bagdad kam ein US-Soldat nach Armeeangaben bei einem Unfall ums Leben. Der Mann sei am Dienstag zufällig von einer Kugel getroffen worden, hieß es.

Wegen der "terroristischen Angriffe" gegen US-Soldaten und irakische Polizisten seien neue Gegenmaßnahmen erforderlich, teilte der Regierungsrat in einem an US-Präsident George W. Bush, Außenminister Colin Powell und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld adressierten Schreiben mit.

US-Präsident Bush zeigte sich überzeugt, dass Saddam Hussein dingfest gemacht werde. "Wir werden ihn finden", sagte Bush in Kalifornien. Er sei sicher, dass der entmachtete Staatschef "die Spannungen schürt".

Unterdessen nahmen Soldaten der 82. US-Luftlandedivision zwei ehemalige Generäle der irakischen Armee fest. Die beiden Offiziere seien "maßgebliche Geldgeber und Organisatoren von Anti-Koalitions-Kämpfern in und um Falludscha gewesen", hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung des US-Militärkommandos in Bagdad. Im Anschluss an die Festnahme am Dienstag sei auch ein Waffenlager entdeckt worden, in dem 20 Panzerfäuste sowie Mörser- und Maschinengewehrmunition sichergestellt worden sei.

Die prekäre Sicherheitslage im Irak hindert die Weltbank am Engagement vor Ort. Weltbankpräsident James Wolfensohn sagte dem "Handelsblatt", eine schnelle Rückkehr seiner Organisation in den Irak sei "sehr unwahrscheinlich". Es gebe derzeit ein beträchtliches Risiko, dem er seine Leute nicht aussetzen könne, so Wolfensohn. Die Weltbank hatte ihr Personal nach dem Anschlag auf das UNO-Hauptquartier in Bagdad aus dem Land abgezogen.

Nach den Worten des amerikanischen Botschafters in Deutschland, Daniel Coats, wünschen sich die USA auch einen stärkeren Beitrag Deutschlands im Irak.

US-Botschafter Coats sagte der "Schweriner Volkszeitung" (Donnerstag): "Die deutsche Unterstützung in Afghanistan wissen wir sehr zu schätzen. Wenn es in Zukunft aber auch einen großen deutschen Beitrag auch im Irak geben würde, würden wir das sehr begrüßen." Im Zusammenhang mit dem deutschen Streben nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat sagte der Botschafter, Deutschland wäre bei einer Erweiterung des Gremiums sicherlich ein wichtiger Kandidat. "Aber meiner Meinung nach muss ein ständiges Mitglied auch einen starken außenpolitischen Einfluss vorweisen können, gestützt auf starke Streitkräfte. Daran müsste Deutschland zurzeit noch arbeiten", fügte Coats hinzu.

(Quellen: dpa, afp) Kasten 1:


 

 

«Sie hielten uns wie Schafe»

Wer sich in den amerikanischen Gefangenenlagern in Irak quer stellt, muss nach Darstellung kürzlich entlassener Häftlinge mit harten Repressionen rechnen. Die Gefangenen stundenlang gefesselt in der Sonne liegen zu lassen oder die Kürzung von Lebensmittelrationen seien mögliche Strafmassnahmen der US-Truppen. Nach ihrer Freilassung erheben einige Häftlinge schwere Vorwürfe gegen US-Wärter, die sich teilweise auch mit Berichten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International decken.

«Sie respektieren niemanden, ob jung oder alt», sagt Rahad Naif über seine amerikanischen Aufseher. Zusammen mit seinen beiden Brüdern war der 31-jährige im Juli nach einem Streit mit einem einflussreichen Nachbarn festgenommen worden, Anklage wurde nicht erhoben. Der letzte der drei Brüder kam erst Mitte Oktober wieder frei.

«Sie hielten uns wie Schafe», sagt der 38-jährige Saad Naif. «Sie schlugen Menschen. Sie demütigten Menschen.» Die Bitterkeit sitzt tief bei ihm. Sein Bruder Hassan betont jedoch, dass es auch «gute Menschen» unter den US-Wärtern gegeben habe. In Camp Cropper nahe dem Bagdader Flughafen habe ein älterer Amerikaner seine Kollegen gerügt, wenn sie Gefangenenrechte nicht respektiert hätten - von den Irakern sei er respektvoll mit dem Ehrentitel Hadschi angesprochen worden.

Wie US-Brigadegeneral Janis Karpinski, der für die Gefangenenlager verantwortlich ist, erklärt, werden die Gefangenen human und fair behandelt. Mitte Oktober mit Fragen zu den Berichten frei gelassener Iraker an die Nachrichtenagentur AP konfrontiert, hat das US-Kommando bislang noch keine Stellungnahme abgegeben. Bekannt ist, dass sich US-Soldaten in einigen Fällen gerichtlich verantworten müssen: So wird vier Soldaten vorgeworfen, irakische Gefangene geschlagen zu haben. Zwei Marineinfanteristen sehen sich Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Tod eines Häftlings gegenüber.

Rund 5.500 Gefangene zählen die US-Truppen, nach Ansicht einiger Juristen und Iraker sind es mehr. Widerstandskämpfer und Funktionäre des Baath-Regimes werden zusammen mit gewöhnlichen Kriminellen und mit Irakern, die gegen die Sperrstunde verstiessen, gefangen gehalten.

US-Zivilverwalter Paul Bremer hat zugesichert, die Entlassung unschuldig gefangen genommener Iraker zu beschleunigen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), dem Zugang zu den Lagern gewährt wird, bestätigt Verbesserungen in den vergangenen Wochen.

Immer wieder hätten die Gefangenen für eine Freilassung protestiert, berichtet Hassan Ali Muslim, ein Exgefangener aus dem mittlerweile geschlossenen Camp Cropper. «Etwa 20 von uns begannen dann zu rufen: 'Lasst uns raus! Lasst uns gehen!'» Fast jeden Tag habe es in Camp Bucca nahe der südirakischen Stadt Basra Proteste gegeben, bestätigt Rahad Naif, oft auch gewaltsame. «Manchmal griffen wir die Amerikaner mit Zeltstangen an», sagt Naif. «Wir wussten aber, dass sie gewinnen würden. Wir hätten es nie geschafft, da raus zu kommen.»

In Bucca war vor allem im heissen Sommer Wassermangel ein grosses Problem, wie ehemalige Gefangene berichten. «Sie gaben uns warmes Wasser, während wir sehen mussten, wie sie kaltes tranken», sagt Raid Mohammed Hassan über amerikanische Soldaten in dem Lager. Der 41-Jährige sass zwei Monate in Camp Bucca ein, nachdem eine Waffe in seinem Auto gefunden worden war. Nach Angaben von Rahad Naif mussten sich in seinem Bereich des Lagers rund 1.000 Gefangene zehn Wasserhähne teilen.

Nach einem Streit über Zigaretten mit einem Wärter habe er vier Tage lang in Einzelhaft in einer winzigen, drückend heissen Zelle ausharren müssen, berichtet Muslim. «Ich hatte das Gefühl, dass meine Haut schmilzt.» Danach hätten sich die Amerikaner bei ihm entschuldigt und den betreffenden Wärter versetzt.

Immer wieder erheben Freigelassene Vorwürfe, dass die US-Soldaten weibliche Gefangene rücksichtslos behandelt hätten. «Wir mussten beobachten, dass irakische Frauen auf dieselbe Weise bestraft wurden wie Männer», sagt Hassan Naif. Als einmal ein Häftling seiner Schwester in einem nahe gelegenen Zelt etwas zugerufen habe, hätten die Wärter die Frau bestraft. Der Mann habe zusehen müssen, wie seine Schwester gefesselt in der Sonne habe liegen müssen und versucht, die Absperrung um sein Zelt zu überwinden. Daraufhin sei er in die Schulter geschossen worden.

Saad Naif berichtet sogar von einem tödlichen Schuss in einem ähnlichen Fall auf dem Gelände des Gefängnisses Abu Ghraib bei Bagdad. Amnesty International stuft Schilderungen solcher Schüsse als glaubwürdig ein. Auf die Nachfrage von AP über Berichte von Todesfällen haben die US-Streitkräfte in Irak bislang nicht geantwortet.

Mit jedem Tag der Gefangenschaft und der Ungewissheit seien Niedergeschlagenheit und Aggression in den Lagern gewachsen, berichten entlassene Häftlinge. «Sie fragten mich nach Saddams Familie, nach El-Kaida-Terroristen, nach dem Waffenmarkt - alles Dinge, von denen ich keine Ahnung habe», sagt der 24-jährige Siad Tarik. «Ich dachte, sie würden Fragen zu meinem Fall stellen. Warum wurde ich festgenommen?»

(Quelle: ap, 05.11.03)


 

Neue Details zu Großaufträgen für US-Firmen im Irak

"Man muss sich nun ganz langsam klar werden, dass George Bush den Irakkrieg geführt hat, um seinen Wahlkampf zu finanzieren und sich und seine texanischen Freunde zu berreichern. Das Problem ist, dass die Welt das schon immer vermutet hat. Die Zeitungen waren voll von solchen Vermutungen. Jetzt kommt die Gewissheit ans Tageslicht. Und, wie bei Biedermann und die Brandstifter, nimmt man sie apathisch zur Kenntnis, weil es einen nicht mehr überrascht."...

Mehr bei:
http://mosaikum.org/
http://www.publicintegrity.org/wow/
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/15993/1.html

 


 


 

Bushs Partei erringt Doppelsieg bei Gouverneurswahlen im Süden

Do.06.11.03 - Die Republikanische Partei von US-Präsident George W. Bush hat bei den Gouverneurswahlen in Kentucky und Mississippi einen Doppelsieg errungen. Nach 32 Jahren in der Opposition eroberten die Republikaner in Kentucky wieder den Gouverneursposten und setzten sich auch in Mississippi gegen den demokratischen Amtsinhaber durch, wie die Auszählung fast aller Stimmen in den beiden Südstaaten ergab.

In Kentucky gewann der Republikaner Ernie Fletcher 55 Prozent der Stimmen, sein demokratischer Rivale Ben Chandler kam auf 45 Prozent. In Mississippi gewann der Republikaner Haley Barbour mit 53 Prozent, Gouverneur Ronnie Musgrove kam auf 45 Prozent.

In Houston, Philadelphia und San Francisco wählten die Bürger am Dienstag ihre Bürgermeister. In Philadelphia wurde der demokratische Amtsinhaber John Street mit klarer Mehrheit wiedergewählt. In Houston wird es eine Stichwahl zwischen dem demokratischen und dem republikanischen Kandidaten geben. Lee Brown, der erste schwarze Bürgermeister der texanischen Großstadt, durfte nach vier Amtszeiten nicht mehr antreten. In San Francisco schaffte es ein Kandidat der Grünen in die Stichwahl, in der er gegen den Unternehmer Gavin Newsom antreten muss.

(Quelle: ap)
 


 

Nahost-Konflikt

Israel gibt Erleichterungen für Palästinenser bekannt +++ Verhandlungen über die Bildung einer palästinensischen Regierung weiter festgefahren

Do.06.11.03 - Israel hat am Mittwoch die Lockerung der strikten Reisebeschränkungen für die Palästinenser im besetzten Westjordanland bekanntgegeben. So sei die vollständige Abriegelung der bisher eingeschlossenen Städte aufgehoben worden. Palästinensische Augenzeugen berichteten dagegen, an der Absperrung der Städte habe sich zunächst "praktisch nichts geändert".

Inzwischen bleiben die Verhandlungen über die Bildung einer palästinensischen Regierung weiter festgefahren. Auch am Mittwoch konnten sich Ministerpräsident Ahmed Kureia und Palästinenserpräsident Jassir Arafat trotz eines Vermittlungsversuchs der Fatah-Führung nicht auf die Benennung eines Innenministers einigen.

Mit den angekündigten Reiseerleichterungen für die palästinensische Bevölkerung will die israelische Regierung nach Angaben von Außenminister Silwan Schalom dem amtierenden Regierungschef Kureia helfen. Danach sollen die strikten Reisebeschränkungen zwischen den einzelnen Städten gelockert werden. Ausnahmen bleiben die Städte Dschenin und Nablus im Norden, die als Zentrum palästinensischer Extremisten gelten.

Berichte, wonach die Armee auf Befehl von Verteidigungsminister Schaul Mofas bereits in der kommenden Woche mit der Räumung von bis zu 20 ungesetzlichen jüdischen Kleinsiedlungen im Westjordanland beginnen will, wurden zunächst nicht bestätigt. Mofas reist in der kommenden Woche zu Gesprächen mit der US-Regierung nach Washington. In der vergangenen Woche hatte der israelische Generalstabschef Mosche Jaalon öffentlich Erleichterungen für die Palästinenser gefordert. Anderenfalls könne es zu einer menschlichen Katastrophe in den besetzten Gebieten kommen.

Dem amtierenden Ministerpräsidenten Kureia gelang es auch am Mittwoch nicht, die Bildung einer regulären Regierung abzuschließen. Nach längeren Verhandlungen mit Palästinenserpräsident Arafat und führenden Vertretern von dessen Fatah-Bewegung hieß es, es gebe weiterhin keine Annäherung im Streit um den künftigen Innenminister und seine Machtbefugnisse. Kureia besteht weiter auf der Ernennung des Polizeigenerals Nasser Jussef, den Arafat ablehnt. Arafat weigert sich weiterhin, die Befehlsgewalt über die ihm noch unterstehenden Polizeitruppen und Geheimdienste an den Innenminister abzutreten. Dies ist eine der wichtigsten Forderungen aus dem internationalen Nahost-Friedensplan, der so genannten Roadmap.

(Quelle: dpa)
 


 

Annan begrüsst Genfer Dokument für Nahost-Frieden

Do.06.11.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat am Mittwoch das so genannte Genfer Dokument für eine Friedenslösung im Nahen Osten begrüsst. Es handele sich um einen mutigen Versuch, die starren Fronten auf beiden Seiten aufzubrechen, zitierte UN-Sprecher Stephane Dujarric den Generalsekretär. Der Plan sei auch kompatibel mit der von den USA, Russland, der Europäischen Union und den Vereinten Nationen vorgelegten Road Map.

Das kürzlich von ehemaligen israelischen und palästinensischen Unterhändlern ausgehandelte informelle Abkommen sieht die Errichtung eines palästinensischen Staates vor, zu dem 98 Prozent des Westjordanlandes und der gesamte Gazastreifen gehören sollen. Die israelische Regierung lehnt das Ergebnis der nicht offiziellen Verhandlungen ab.

(Quelle: ap)


 

 

Blick ins Archiv


Regierungsunabhängige israelisch-palästinensische Nahost-Friedensinitiative

Über 160.000 Israelis und Palästinenser unterschreiben Unterstützungsaufruf

Mo.03.11.03 - Mehr als 160.000 Israelis und Palästinenser haben mit ihrer Unterschrift eine unabhängige Friedensinitiative unterstützt, die die politischen Führer beider Völker zu einer friedlichen Kompromisslösung des Nahostkonflikts aufruft...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311030.htm#03110304


 

Blair begrüßt Genfer Dokument für Nahost-Friedenslösung

Fr.31.10.03 - Der britische Premierminister Tony Blair hat das so genannte Genfer Dokument für eine Friedenslösung im Nahen Osten begrüßt. Das von ehemaligen israelischen und palästinensischen Unterhändlern ausgehandelte informelle Abkommen sieht die Errichtung eines palästinensischen Staates vor, zu dem 98 Prozent des Westjordanlandes und der gesamte Gazastreifen gehören sollen...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310310.htm#03103105


 

Schweizer Außenministerin übergibt 'Genfer Initiative'an Kofi-Annan

So.26.10.03 - Die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat am Freitagabend in Ney York den mit Schweiz zu Stande gekommenen alternativen Friedensplan für den Nahen Osten UN-Generalsekretär Kofi Annan übergeben, wie sie vor den Medien sagte. Kofi Annan hatte den Wunsch geäussert, das "Genfer Initiative" genannte Dokument einzusehen...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310260.htm#03102605


 

Uri Avnery: Mit wem, über was

Die Beilin-Abed-Rabbo-Vereinbarung ist der neueste Hit auf dem Markt des Nahen Ostens

Mehr bei ZNet (19.10.03) unter:
http://zmag.de/article/article.php?id=881


 

Israelischer Botschafter kritisiert Schweizer Vermittlertätigkeit

Mo.20.10.03 - Der neue israelische Botschafter in Bern hat die schweizerische Vermittlertätigkeit im Nahostkonflikt als unzulässig bezeichnet. Man habe über die wichtigsten Interessen des Staates Israel gesprochen, ohne dessen Regierung überhaupt zu informieren, sagte Aviv Shir-On in einem Interview der "SonntagsZeitung"...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310200.htm#03102002


 

Inoffizielle Friedensinitiative zur Lösung des Nahostkonflikts - Israelisch-palästinensische Gruppe legt 'Genfer Abkommen' vor

Die Schweiz wurde zum jüngsten Ziel israelischer Angriffe – natürlich nicht mit Bomben und Raketen, sondern mit diplomatischen Noten. Grund dafür ist die schweizerische Unterstützung für eine inoffizielle israelisch-palästinensische Initiative zur friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Die Tatsache, daß die Schweiz für die Beratungen in Genf den Tagungsort sowie auch Geld zur Verfügung stellt, habe die israelische Regierung "sehr verärgert", sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums Jonathan Peled am Mittwoch. Unerwähnt blieb, daß auch Großbritannien, Japan, Norwegen und Schweden zur Finanzierung dieser Friedensinitiative beitragen.

Die in Genf vorgestellte »neue Straßenkarte« zum Frieden im Nahen Osten besteht aus einem 50 Seiten langen Dokument, das inzwischen unter dem Namen "Genfer Abkommen" bekannt ist. ...

Mehr unter:
hhtp://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310170.htm#031017_b

 


 


 

Kieler Werft soll offenbar wieder U-Boote für Israel bauen

Boote sind  für das Abfeuern von Trägerraketen mit nuklearen Sprengköpfen präpariert +++ Experte: Lieferung würde den Tatbestand der Beihilfe zur Weiterverbreitung von Kernwaffen erfüllen

Do.06.11.03 - Deutschland wird Israel einem Zeitungsbericht zufolge zwei weitere U-Boote vom Typ "Dolphin" liefern. Die "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe) zitierte einen Sprecher der Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) mit den Worten, die Bundesregierung habe die Genehmigung für "technische Gespräche" zur Vorbereitung des Geschäfts erteilt. Ein Liefertermin sei noch nicht absehbar. HDW hatte bereits in den Jahren 1999/2000 drei U-Boote dieses Typs für die israelische Marine gebaut.

Die Boote sind der Zeitung zufolge für das Abfeuern von Trägerraketen mit nuklearen Sprengköpfen präpariert. Das Blatt zitierte den Sicherheitsexperten Ottfried Nassauer mit der Einschätzung, dass ihre Lieferung den Tatbestand der Beihilfe zur Weiterverbreitung von Kernwaffen erfüllen würde. Die endgültige Exportentscheidung muss der Bundessicherheitsrat fällen.

(Quelle: ap) Kasten 1:


 

 

Blick ins Archiv


Mossad erstellt angeblich Plan zur Zerstörung von Irans Atomanlagen

Mo.13.10.03 - Israel bereitet laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" Angriffsstrategien zur Zerstörung iranischer Atomanlagen vor. Eine Spezialeinheit des Geheimdiensts Mossad habe vor zwei Monaten den Auftrag zur Ausarbeitung entsprechender Pläne erhalten, meldet das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Die US-Zeitung "Los Angeles Times" berichtete am Samstag, als Reaktion auf das iranische Atomprogramm habe Israel U-Boot-Raketen so umgerüstet, dass sie nukleare Sprengköpfe tragen könnten.

Zudem könnten die verbesserten Raketen auch Ziele an Land treffen, schrieb die "Los Angeles Times" unter Berufung auf amerikanische und israelische Quellen. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310130.htm#03101302


 

Heftige Kritik der Kirchen an deutschen Waffenexporten nach Israel +++ Israel  rüstet offenbar von Deutschland gelieferte U-Boote mit Abschussvorrichtungen für Nuklearwaffen aus

Mo.13.10.03 - Angesichts der Verschärfung des Nahost-Konflikts haben Kirchenvertreter und Experten für Sicherheitspolitik deutsche Rüstungsexporte nach Israel kritisiert. Diese würden den politischen Friedensbemühungen widersprechen, sagte der Vorsitzende der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE), Prälat Karl Jüsten, am Donnerstag in Berlin. Trotz der Lehren aus der deutschen Geschichte müsse über die Rüstungskooperation in Deutschland eine "rationale Debatte" geführt werden, so der Prälat.

Nach einer Studie des Informationszentrums für transatlantische Sicherheit (BITS) gehört Israel seit 1999 zu den größeren Empfängern deutscher Waffen. Trotz des rot-grünen Transparenzversprechens bei Rüstungsgeschäften, halte die Regierung einen Teil der Lieferungen geheim, sagte Christopher Steinmetz, einer der Autoren...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310130.htm#03101303


 

Israels deutsche Atom-U-Boote

Laut einem Bericht der "Los Angeles Times" sind von Deutschland an Israel gelieferte U-Boote umgebaut und mit Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen bestückt worden. Das sollen israelische und US-Quellen bestätigt haben. (taz vom 13.10.03)

Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/13/a0107.nf/text
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/15829/1.html

 


 


 

UN-Bericht: Somalia ist Waffenlieferant für Terrorgruppen

Do.06.11.03 - Das ostafrikanische Land Somalia ist ein führender Waffenlieferant für Extremistengruppen wie das Terrornetzwerk El Kaida. Aufgrund der weitgehend unkontrollierten Grenzen seien Extremisten an Luftabwehrsysteme, Panzerabwehrwaffen und Sprengkörper in Somalia gelangt, heißt es in einem am Mittwoch bekanntgewordenen UN-Bericht, der die Einhaltung des 1992 gegen Somalia verhängten Waffenembargos bewertete. Vor allem Boden-Luft-Raketen könnten einfach erworben und in die "gesetzlosen, weitgehend unregierten Gebiete" Somalias eingeschleust werden. Dadurch sei die "Verwundbarkeit der ganzen Region für Kriminelle und Extremisten" erhöht worden.

(Quelle: afp)
 


 

UN-Beauftragter fordert sofortiges Ende der Kämpfe in Liberia

Es sei eine Tragödie für Liberia, dass dieselben Leute, die das Friedensabkommen unterzeichnet haben, es ständig verletzen. Jacques Klein: "Gangster" terrorisieren die Bevölkerung, beschießen die Dörfer mit Maschinengewehren und plündern sie

Do.06.11.03 - Der UN-Sonderbeauftragte für Liberia, Jacques Klein, hat die neuen Gefechte im Nordosten des Landes mit scharfen Worten verurteilt. Die Kämpfer, die das Friedensabkommen vom August verletzten, seien "Diebe, Mörder und Verbrecher", sagte er am Dienstag in einem Interview mit dem britischen Rundfunksender BBC. Klein forderte ein sofortiges Ende der Gewalt.

Der UN-Diplomat bedauerte, dass noch zu wenig UN-Soldaten in dem westafrikanischen Land seien, um die Kämpfe in der Region Nimba stoppen zu können. Bislang sind 4.700 Blauhelme in der Hauptstadt Monrovia und Umgebung im Einsatz. Bis Januar soll das UN-Kontingent auf 15.000 Friedenssoldaten anwachsen.

Klein machte "Verbrecher auf allen Seiten" für die Gewalt in der Nimba-Region verantwortlich, die im Grenzgebiet zur Elfenbeinküste und zu Guinea liegt. "Es ist eine Tragödie für Liberia, dass dieselben Leute, die das Friedensabkommen unterzeichnet haben, es ständig verletzen", sagte der UN-Beauftragte.

Berichten zufolge handelt es sich um Zusammenstöße zwischen Anhängern von Ex-Präsident Charles Taylor und Lurd-Rebellen. Nimba ist eine Hochburg Taylors, der sich im nigerianischen Exil befindet. Nach Kleins Worten terrorisieren "Gangster" die Bevölkerung, beschießen die Dörfer mit Maschinengewehren und plündern sie. Es wurde von Toten, Verletzten und Flüchtlingen berichtet.

Das im August geschlossene Friedensabkommen soll den seit 14 Jahren andauernden Bürgerkrieg in Liberia beenden. Zuvor war der Staatspräsident und frühere Rebellenführer Charles Taylor zurückgetreten. Seine Regierung war von den Rebellengruppen Lurd und Model bekämpft worden, die große Teile des Landes kontrollieren. Seit Mitte Oktober ist eine Übergangsregierung unter Leitung des Unternehmers und Kirchenmannes Gyude Bryant im Amt.

(Quelle: epd)
 


 

Landlose drohen Farmbesetzungen in Namibia an

Do.06.11.03 - Organisationen landloser Namibier haben die Besetzung von Weißen gehaltener Farmen in dem südafrikanischen Land angedroht. Geplant sei die gewaltlose Übernahme von Teilen der Ländereien ab kommenden Montag, sagte am Dienstag der Vorsitzende des Farmarbeiterverbandes von Namibia, Alfred Angula, nach Berichten der namibischen Nachrichtenagentur. Die Bemühungen der Regierung um eine Landreform seien gescheitert.

Die Regierung hat erklärt, sie werde solche Landbesetzungen nicht tolerieren. Präsident Sam Nujoma warnte die weißen Landeigner jedoch, dass es zu einer Eskalation wie in Simbabwe kommen könnte, wenn sie ihre Besitztümer nicht teilten. Dort wurden mit Billigung der Regierung tausende Farmen besetzt; etwa 5.000 Güter wurden schließlich konfisziert.

(Quelle: ap)
 


 

Chinesischer Bürgerrechtler zu acht Jahren Haft verurteilt

Do.06.11.03 - Der bekannte chinesische Bürgerrechtler He Depu ist zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Gericht in Peking sprach den 47-Jährigen der "Untergrabung der Staatsgewalt" schuldig, teilte seine Frau mit. Dem Dissidenten war unter anderem seine Mitgliedschaft in der verbotenen Demokratischen Partei Chinas vorgeworfen worden. In der nur fünfminütigen Urteilsverkündung protestierte He lauthals.

(Quelle: dpa)
 


 

EU fordert von Beitrittsländern größere Anstrengung

Brüssel stellt Polen schlechte Noten für Beitritt aus und droht dem EU-Kandidaten Türkei wegen Zypern

Do.06.11.03 - Sechs Monate vor der EU-Erweiterung sieht die Kommission bei den zehn Beitrittsländern in einzelnen Bereichen noch dringenden Nachholbedarf. In den Länderberichten schneidet Polen gemessen an der Zahl schwer wiegender Mängel am schlechtesten ab, Slowenien am besten. Grundsätzlich stehe der Beitritt am 1. Mai 2004 aber nicht zur Disposition. Bei der Türkei, mit der noch nicht über einen Beitritt verhandelt wird, kritisierte die Behörde die schleppende Umsetzung der Reformen.

Die Kommission dokumentierte auf mehreren hundert Seiten für jedes Land den aktuellen Stand der Gesetzeslage und deren Umsetzung in die Praxis. Die meisten Beitrittsländer kämpfen mit ähnlichen Mängeln. Dazu gehört die Anpassung an das umfangreiche Regelwerk der EU im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittel. So sind in vielen Ländern beispielsweise noch nicht die für die Auszahlung der Agrarbeihilfen zuständigen Stellen eingerichtet worden. Schwer tun sich die Beitrittsländer auch mit der Einhaltung der Hygienevorschriften für die Bauernhöfe und Verarbeitungsbetriebe.

Hindernisse bei der Ausübung der grundsätzlich freien Arbeitsplatzwahl ergeben sich laut den Berichten in vielen Ländern wegen Mängeln bei den Vorschriften über die Anerkennung beruflicher Ausbildungen. Oft nicht ausreichend geschützt sind demnach auch Rechte des geistigen Eigentums, der Datenschutz oder der Anspruch auf Gleichstellung der Geschlechter im Berufsleben.

Rumänien und Bulgarien, die 2007 der EU beitreten sollen, attestierte die Kommission eine funktionierende Marktwirtschaft und die Erfüllung der politischen Beitrittskrierien. Die noch ausstehenden Anpassungen an die wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen für die EU-Aufnahme seien aber noch beträchtlich.

Die Türkei, mit der die EU noch nicht über einen Beitritt verhandelt, legt laut Kommission zwar ein beschleunigtes Tempo der Reformen an den Tag, diese würden aber nur schleppend in die Praxis umgesetzt. Um die politischen Kriterien für den Beitritt zu erfüllen, soll Ankara unter anderem die Bedingungen für die Einhaltung der Grundrechte auf Rede-, Vereinigungs- und Religionsfreiheit stärken.

Die EU-Kommission bemängelte in harscher Form, die Reformen zeigten im Alltag bislang nur begrenzte Auswirkungen. "Die Umsetzung war langsam und ungleichmäßig." Die Reformgesetze seien in der Praxis zudem häufig ganz erheblich durch Anwendungsvorschriften eingeschränkt. Dies betreffe vor allem nicht-türkische Sprachen, das heißt des Kurdischen, in Rundfunk und Fernsehen.

Angemahnt wurde von der Kommission auch ein Beitrag der Türkei und der Führung der türkischen Zyprer zur Überwindung der Teilung Zyperns.

Falls es bis zum EU-Beitritt Zyperns am 1. Mai 2004 keine Lösung gebe, könnte dies ein "schweres Hindernis" für die Beitrittshoffnungen Ankaras sein, schrieb die EU-Kommission in ihrem Überprüfungsbericht.

Brüssel erhöhte damit den Druck auf Ankara wegen der seit Jahrzehnten ungelösten Zypern-Frage erheblich. Die Türkei habe ein "entscheidendes Interesse daran, Bemühungen für eine umfassende Lösung des Zypernproblems entschlossen zu unterstützen", schrieb die EU-Behörde.

Der türkische Außenminister Abdullah Gül machte dagegen geltend, dass Zypern nichts mit den politischen Kriterien zu tun habe, die jedes Beitrittsland zu erfüllen habe. Ankara sei entschlossen, die vorgeschriebenen Standards für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte im gleichen Maße zu verwirklichen «wie jedes andere EU-Land». Gül bekräftigte, dass sich die Türkei vor der Aufnahme Zyperns im Mai kommenden Jahres für eine Lösung einsetzen werde. Kompromissbereitschaft sei jedoch auf beiden Seiten gefragt.

Der Weltsicherheitsrat hatte im Juli den türkisch-zyprischen Volksgruppenführer Rauf Denktasch für das Scheitern der UN-Bemühungen für eine Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel in Form einer losen Föderation verantwortlich gemacht. Sollte es bis zum 1. Mai kommenden Jahres keine Lösung der Zypernfrage geben, wird das politische und rechtliche Regelwerk der EU nur im international anerkannten griechisch-zyprischen Südteil gelten. Die Insel ist seit 1974 geteilt.

Mit der Türkei wird bisher nicht über eine Mitgliedschaft verhandelt. Laut einem Beschluss des EU-Gipfels von Kopenhagen vom Dezember vergangenen Jahres wird der Reformprozess von Dezember 2004 an von der EU überprüft werden. Im Fall eines positiven Abschlusses sollen die Aufnahmeverhandlungen dann "ohne Verzögerung" beginnen.

Der CDU-Europa-Parlamentarier Elmar Brok erklärte, trotz der Fortschritte bei der Gesetzgebung erfülle die Türkei "in der Praxis bei weitem nicht die Bedingungen für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen".

EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen sagte der Internetausgabe der ARD-Tagesschau (tagesschau.de), konservative Kräfte stünden den Reformen im Wege. "Es gibt Kreise im türkischen Establishment, die nicht bereit sind, die weit gehenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die wir in der Türkei fordern, mitzutragen." Das Problem sei, dass die Kräfte im türkischen Staatsapparat dominierten.

(Quellen: afp, dpa)
 


 

UN-Entscheidung über Klonverbot soll zwei Jahre vertagt werden

Do.06.11.03 - Die Entscheidung der Vereinten Nationen über ein eventuelles globales Verbot des Klonens von Menschen wird voraussichtlich um zwei Jahre vertagt. Über einen entsprechenden Verfahrensantrag, den Iran im Namen der islamischen Staaten stellte, soll an diesem Donnerstag abgestimmt werden. Das teilte die Sprecherin der UN-Vollversammlung, Michele Montas, am Mittwoch mit.

Zuvor hatten zwei größere Gruppen von UN-Mitgliedstaaten bei tagelangen Verhandlungen im zuständigen 6. Komitee der Vollversammlung keinen Kompromiss zwischen ihren unterschiedlichen Vorstellungen über eine Klon-Konvention finden können. Mehr als 50 Staaten treten für einen von den USA und Costa Rica vorgelegten Text ein, mit dem sämtliche Formen des Klonens von Menschen weltweit verboten werden sollen.

Eine starke Minderheit unter Führung Belgiens, Großbritanniens, Chinas, Singapurs und Japans will jedoch nur einem Verbot des reproduktiven Klonens zustimmen, das Babys mit dem identischem Erbgut eines Elternteils erzeugen würde. Jedoch will diese Staatengruppe das so genannte therapeutische Klonen zulassen, mit dem menschliche Embryos in einem sehr frühen Stadium für die Gewinnung von Ersatzgewebe und -organen im Labor erzeugt werden sollen.

Im 6. Ausschuss der UN-Vollversammlung soll am Donnerstagnachmittag (MEZ) zunächst über den iranischen Antrag auf Aufschub der Entscheidung abgestimmt werden. Sollte er nicht durchkommen, müsste umgehend darüber abgestimmt werden, welcher der beiden konkurrierenden Entwürfe der 191 Mitglieder umfassenden Vollversammlung zur Entscheidung vorgelegt wird. Die beteiligten Staaten wollen dies jedoch möglichst vermeiden, da ein wie auch immer geartetes Klonverbot nur dann eine Chance auf globale Verwirklichung hätte, wenn alle UN-Staaten es im Konsens beschließen würden.

(Quelle: dpa)


 

 

Beim THERAPEUTISCHEN KLONEN werden die Embryonen allein zu Therapiezwecken erzeugt. Wissenschaftler wollen dabei neues Gewebe mit dem Erbgut eines Patienten züchten. Erbmaterial aus gesunden Zellen des Patienten soll dazu in eine entkernte Eizelle gespritzt werden.

Das REPRODUKTIVE KLONEN dient dazu, identische Nachkommen zu erschaffen. Auf diese Weise war das Klonschaf «Dolly» entstanden. Trotz mehrfacher Ankündigungen gibt es bislang keinen Beweis für einen erfolgreich geklonten Menschen. In Deutschland ist das Klonen von Menschen verboten.


 

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Grüne Staatsministerin setzt sich für umfassendes Klonverbot ein

Verbot des reproduktiven Klonens wird offenbar von einer überwältigenden Mehrheit der 191 UN-Mitgliedsstaaten befürwortet

Fr.31.10.03 - Ungeachtet der neu entfachten Debatte über Embryonenforschung setzt sich die Bundesregierung bei den Vereinten Nationen für ein möglichst umfassendes Klonverbot in aller Welt ein. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller (Grüne), sagte der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstagabend in New York, dass sie sich in Gesprächen mit mehreren Diplomaten, darunter auch Washingtons UN-Botschafter John Negroponte, für eine universelle und umfassende Anti-Klon-Konvention stark gemacht habe.

Diese sollte nach dem parteiübergreifenden Bundestagsbeschluss in 2002 auch ein Verbot des therapeutischen Klonens einschließen. Das entspreche der deutschen Rechtslage, die beide Formen von Klonen ausschließt. Dagegen erwarten Befürworter des therapeutischen Klonens wie Großbritannien, Japan, China und Brasilien, dass embryonale Stammzellen einmal "maßgeschneiderte" Ersatzgewebe und neue Organe liefern könnte...

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http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310310.htm#03103112


 

USA fordern deutsche Unterstützung für Klonverbot

Di.28.10.03 - Der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte hat Deutschland aufgefordert, sich der Initiative für ein weltweites Verbot des reproduktiven wie des therapeutischen Klonens anzuschließen. Negroponte sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe), er wolle die Bundesregierung ermutigen, gemeinsam mit den USA einer Konvention den Weg zu bereiten, die "diese unethische Technik weltweit ächtet".

Der Appell des Botschafters ist dem Bericht zufolge Teil einer diplomatischen Offensive, um eine Mehrheit für ein umfassendes Klonverbot zu erreichen. 58 Staaten zählten bereits zu den

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http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310280.htm#"03102804


 

Unklare Strategie Berlins bei Anti-Klon-Debatte in New York

Süddeutsche Zeitung vom 21.10.03: ...Der Rechtsausschuss der UN-Generalversammlung (in New York) soll eine Empfehlung für eine "Internationale Konvention gegen das reproduktive Klonen menschlicher Wesen" erarbeiten. Bereits im vergangenen Jahr konnten sich die Staaten nicht einigen. Auch vor zwei Wochen ging die Arbeitsgruppe ergebnislos auseinander. Zwei Blöcke stehen sich gegenüber, angeführt von Costa Rica und Belgien. Der lateinamerikanische Staat fordert ein Totalverbot: Sowohl das Klonen menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken als auch das Klonen ganzer Menschen soll geächtet werden. Belgien will nur Letzteres verbieten, während das Forschungsklonen national geregelt, also je nach Land verboten, zugelassen oder mit einem Moratorium belegt werden soll. In den neuen Verhandlungen muss sich nun auch Deutschland positionieren.

Der belgische Vorschlag wird von China, Großbritannien und 30 weiteren Staaten unterstützt. Costa Rica kann mit der Zustimmung von 56 Staaten rechnen, darunter Spanien, Italien und die USA. Dass das deutsche Außenministerium sich nicht dieser Fraktion angeschlossen hat, stößt im Bundestag auf Unverständnis. Politiker fast aller Parteien ...

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http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310280.htm#031028_d


 

Bundestag für generelles Klonverbot weltweit
Fr.21.02.03 - Aufforderung an Regierung, sich für die internationale Ächtung sowohl des reproduktiven als auch des therapeutischen Klonens einzusetzen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0302221.htm#03022115

Das Klonen geht auf eine 50-jährige Forschungsgeschichte zurück. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0301070.htm#030105_c

Telepolis- Klonen-Spezial:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/klon/default.html

Mehr zum Thema Klonen unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0212300.htm#us_klon
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0202140.htm#top
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0212260.htm#bruestle

Initiative "Stoppt PID und Klonen":
http://www.stoppt-pid-und-klonen.de

Vor 50 Jahren entdeckten James Watson und Francis Crick die Struktur der Erbsubstanz. Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0191.nf/text

Von der DNA-Helix bis zum Bauplan des Menschen (Chronologie):
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0189.nf/text

Mit Mendel fing es an - Entdeckungen vor der Helix-Ära (Chronologie:
http://www.taz.de/pt/2003/02/28/a0190.nf/text

 


 


 

EP-Ausschuss für umfassende Förderung der Embryonenforschung

Do.06.11.03 - Der Industrieausschuss des Europaparlaments hat eine umfassende Förderung der verbrauchenden Embryonenforschung mit EU-Geldern befürwortet. Das Gremium lehnte am Dienstag in Brüssel mit knapper Mehrheit jede Stichtagsregelung ab. Die Ausschussmehrheit folgte damit nicht dem zuständigen Berichterstatter und CDU-Europaabgeordneten Peter Liese, der eine restriktive Stichtagsregelung empfohlen hatte.

Nach dem Vorbild der USA sollte danach die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen in der EU nur gefördert werden, wenn diese vor dem 7. August 2001 gewonnen wurden. Zuvor hatte sich der Rechtausschuss des EU-Parlaments gegen jegliche Förderung der Embryonenforschung mit Mitteln aus dem EU-Forschungsrahmenprogramm gewandt.

Die EU-Kommission hatte im Juli vorgeschlagen, Forschungsgelder sollten für solche Projekte bereitgestellt werden, bei denen vor dem 27. Juni 2002 existierende Embryonen verwendet werden. Das Parlament wird über seinen Standpunkt Mitte November entscheiden. Das letzte Wort haben die Mitgliedsstaaten, wenn sich der Rat für Wettbewerbsfähigkeit am 27. November trifft.

Neben Deutschland lehnen den Angaben zufolge derzeit Italien, Österreich und Portugal den Kommissionsvorschlag ab. In Deutschland sind diese Forschungsprojekte nur erlaubt, wenn die dafür importierten Stammzelllinien aus Embryonen vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden. Auf der anderen Seite halten Dänemark, Finnland, Großbritannien und Schweden den Kommissionsvorschlag für zu restriktiv.

(Quelle: epd)
 


 

Deutschland

Bundestag debattiert über Embryonenschutz

Do.06.11.03 - Der Bundestag wird sich am Freitag mit dem umstrittenen Vorstoß von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) zum Embryonenschutz befassen. Die von Zypries angestoßene Frage, ob einem Embryo im Reagenzglas die Menschenwürde zukomme, müsse debattiert werden, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, am Mittwoch in Berlin. Die FDP-Fraktion hat dazu eine Aktuelle Stunde beantragt.

Beck äußerte sich zur Rede von Zypries ablehnend. Wenn das bisherige "Schutzkonzept" zerschlagen werde, lägen künftig alle Fragen der Embryonenforschung in der Gestaltungsbeliebigkeit der Mehrheit im Parlament. Zypries habe sich zwar gegenüber den aktuellen Fragen wie dem therapeutischen Klonen und der Stammzellforschung skeptisch gezeigt. Sie habe ihre Ablehnung aber nicht verfassungsrechtlich begründet, kritisierte Beck.

Es wäre wünschenswert gewesen, wenn Zypries nach ihrer Relativierung des Embryonenschutzes ein neues Konzept präsentiert hätte, sagte Beck. Denn man müsse sich auf verfassungsrechtliche Kriterien einigen.

Zypries hatte in einer Grundsatzrede in der Berliner Humboldt-Universität in der vergangenen Woche gesagt, dass man einem Embryo im Reagenzglas nach der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle noch nicht die Menschenwürde und damit einen absoluten rechtlichen Schutz zusprechen könne. Dies sei erst möglich, wenn sich der Embryo "aus sich heraus zum Menschen" entwickeln könne. Für den Embryo in vitro gelte der Lebensschutz, der in Artikel zwei des Grundgesetzes definiert sei. Dieser Schutz des Lebens kann jedoch gegen andere Grundrechte wie der Forschungsfreiheit abgewogen werden.

(Quelle: epd)


 

 

Als Zypries vergangene Woche ihre programmatische Rede "Verfassungsrechtliche und rechtspolitische Fragen der Bioethik" untertitelte, war das nicht wirklich so gemeint: Um Fragen ging es der Rechtspolitikerin nicht, sie weiß schließlich Antworten.

Bezeichnend war auch, dass sie den Anlass ihres Auftritts mit keinem Wort erwähnte: Am 27. November tagt der EU-Ministerrat, um Einigkeit über das 6. EU-Forschungsrahmenprogramm herzustellen. Es sieht unter anderem vor, dass künftig verbrauchende Embryonenforschung in der Europäischen Union mit erheblichen Beträgen gefördert werden wird. Bislang hat sich die Bundesrepublik unter Verweis auf die deutsche Rechtslage und auf den Bundestagsbeschluss zum Stammzellgesetz quer gestellt - eine Position, die Kanzler Schröder, der große Hoffnungen in die Biotech-Industrie setzt, nie gern eingenommen hat und die er so schnell wie möglich räumen möchte.

Die Rede von Brigitte Zypries weist den Weg in diese nicht ganz neue Richtung. Zwar behauptete sie noch, die Bundesregierung werde sich in Brüssel nachdrücklich dafür einsetzen, dass Forschungsförderung auf Projekte mit bestehenden Stammzelllinien beschränkt bleibe. Bestehende Stammzelllinien können aber auch solche sein, die nach dem Stichtag des deutschen Stammzellgesetzes, dem 1. Juni 2002, geschaffen wurden. Vor allem aber betont Zypries in diesem Zusammenhang die Forschungsfreiheit und stellt ausdrücklich eine Lockerung des Stammzellgesetzes zur Diskussion.

Ihr Schlüsselsatz ist: "Von Verfassungs wegen ist dies jedenfalls nicht untersagt." Denn der in vitro erzeugte Embryo soll zwar menschliches Leben sein und auch ein Recht auf Leben haben. Menschenwürde komme ihm aber nicht zu, weil er nur "die lediglich abstrakte Möglichkeit" habe, sich als Mensch zu entwickeln. Die Überlegung, es könne menschliches Leben geben, das ein Recht auf Leben hat, aber keinen Anspruch darauf, als Wesen mit Würde behandelt zu werden, weist allerdings weit über die aktuelle Kontroverse um die Stammzellforschung mit menschlichen embryonalen Zellen hinaus - und streift beispielsweise auch die Debatte um die Sterbehilfe.

Dazu passend hat Justizministerin Zypries in ihrem Vortrag darauf verwiesen, dass im Zuge der Bioethik-Debatte einflussreiche Staatsrechtler, die im Grundgesetz absolut gesetzte Menschenwürde zur Abwägung freigeben und damit in Konkurrenz zu anderen Grund- und sonstigen Rechten stellen wollen. Sie selbst lehnt diesen Vorstoß zwar ab, will die Würde aber auf andere Weise klein reden.

Gerade brisante Konstellationen sollen vom Schutzbereich der Menschenwürde - ginge es nach ihr - gar nicht mehr erfasst werden. Damit greift Zypries einen schwachen Punkt der Bioethik-Kritiker auf, denn dass die in vitro verschmolzenen Ei- und Samenzelle, ein kaum sichtbarer Zellhaufen, der mit dem späteren Menschen auf den ersten und zweiten Blick noch wenig zu tun hat, Würde haben soll, leuchtet tatsächlich nicht intuitiv ein.

Die Konsequenz von Zypries Überlegung ist allerdings verheerend: Die Menschenwürde wird so zu einem Wert, der nicht zum Menschenleben an sich gehört, sondern nur Menschenleben zugewiesen wird, die bestimmte Qualitäten erlangt haben. Dann wird - bald nicht nur bei Embryonen, sondern auch in anderen Konstellationen erwogen werden, ob jemandem Würde zukommt...

Aus: Oliver Tolmein -"Wesen mir Würde", "tageszeitung" vom 07.11.2003:

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http://www.taz.de/pt/2003/11/07/a0143.nf/text


 

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Bundestagspräsident Thierse gegen Aufweichung des Embryonenschutzes

So.02.11.03 - Im Unterschied zu Justizministerin Brigitte Zypries hat sich Bundestagspräsident Wolfgang Thierse mit Nachdruck gegen jede Aufweichung des Embryonenschutzes ausgesprochen. Im Gespräch mit "Welt am Sonntag" verwies der SPD-Politiker auf die "intensive und außerordentlich ernsthafte Debatte im Bundestag vor anderthalb Jahren". Damals habe sich das Parlament mit sehr guten Argumenten für einen grundsätzlichen und radikalen Embryonenschutz entschieden.

"Wer diese Entscheidung des Bundestages unterlaufen will, muss schon außerordentlich gute Argumente beibringen", sagte Thierse laut Vorabmeldung und fügte hinzu: "Soweit ich weiß, sind in den Debatten der letzten Monate solche starken Argumente nicht vorgetragen worden." Deshalb müsse es dabei bleiben, dass der Schutz der Menschenwürde vom Anfang des menschlichen Lebens an gelte.
(Quelle: ap)


 

Justizministerin stellt Konsens bei Embryo-Forschung in Frage

Zypries: Recht auf Leben muss abgewogen werden - Künstlich befruchtete Eizellen verfügen nicht über Menschenwürde im Sinne des Grundgesetzes +++ Stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Maria Böhmer: Damit werden Embryonen "vom Menschen zu Material"

Do.30.10.03 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat knapp anderthalb Jahre nach der Grundsatzentscheidung des Bundestages zur Forschung mit Zellen künstlicher erzeugter Embryos den Konsens in Frage gestellt.

Sie frage sich, ob die im so genannten Stammzellgesetz festgelegten Regeln für die aktuelle Grundlagenforschung noch ausreichend seien, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Text für eine Rede, die Zypries am Nachmittag in der Berliner Humboldt-Universität hielt. Sie verwies darauf, dass das Stammzellgesetz Möglichkeiten eröffne, die Forscher nutzen sollten. "Regierung und Gesetzgeber werden dann zu prüfen haben, ob eine Lockerung des Stammzellgesetzes erforderlich ist", sagte sie...

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http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310300.htm#03103014


 

Streit um Embryonenforschung in Deutschland

Heftige Kritik an Bundesjustizministerin Zypries' Vorstoß für Lockerung des Embryonenschutzes mit dem sie einen erst vor eineinhalb Jahren nach mühsamen Debatten getroffenen parteiübergreifenden Bundestagsbeschluss in Frage stellt

Fr.31.10.03 - Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat mit ihrem Vorstoß für eine Lockerung des Embryonenschutzes eine Welle der Kritik ausgelöst. Vor allem Ärzte, Kirchen und Behinderten-Organisationen machten dagegen Front. Gleichzeitig entzweite die Position des Justizministeriums die rot-grüne Koalition...

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http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310310.htm#03103111

 


 


 

Merkel lehnt weitere Sanktionen gegen Hohmann ab

Do.06.11.03 - CDU-Chefin Angela Merkel hat weitere Sanktionen gegen ihren Fraktionskollegen Martin Hohmann abgelehnt. Merkel sagte im ZDF, die Parteispitze habe mit der Rüge gegen Hohmann keinen Zweifel daran gelassen, dass Denkweisen wie die des Abgeordneten nicht geduldet würden.  Zugleich lobte sie die Entscheidung von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD), General Reinhard Günzel wegen dessen Unterstützung für Hohmann zu entlassen.

Die Entscheidungen von Parteivorstand und Unions-Fraktion, Hohmann zu rügen und ihn aus dem Innenausschuss des Bundestags abzuziehen, seien notwendig und richtig gewesen, sagte Merkel am Mittwoch im ZDF. Nach Auffassung der SPD werden die Positionen Hohmanns in Teilen der von Merkel geführten Unions-Fraktion unterstützt.

Hohmann hatte in seiner Rede am Tag der Deutschen Einheit unter anderem die Frage aufgeworfen, ob die Juden ebenso wie die Deutschen als "Tätervolk" bezeichnet werden dürften. Damit löste er eine Welle der Empörung aus. Merkel sagte im ZDF, Hohmann müsse im Wiederholungsfall mit Konsequenzen rechnen, die härter als die bisherigen seien. Partei und Fraktion erwarteten von Hohmann, "dass das, was er an Unsäglichem gesagt hat, keine Haltung für die Zukunft wird". Zu den Äußerungen Hohmanns, dass seine Haltung von Teilen der Fraktion geteilt werde, sagte Merkel, sie könne für die überwältigende Mehrheit der Unions-Abgeordneten die Hand ins Feuer legen.

General Günzel hatte Hohmanns Positionen in einem Schreiben an den Abgeordneten gelobt und wurde daraufhin von Struck von seinem Posten als Kommandeur der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) entbunden. Merkel sagte, als Ministerin hätte sie bei Günzel die gleichen Konsequenzen gezogen wie Struck.

Dagegen kritisierten der CSU-Verteidigungspolitiker Hans Raidel und der CSU-Abgeordnete Norbert Geis die Entlassung Günzels. Dieser sei "beim besten Willen kein Rechtsradikaler", sagte Raidel der "Berliner Zeitung". Geis sagte den "Stuttgarter Nachrichten", die Entlassung Günzels sei unnötig gewesen. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler sagte im Berliner "Tagesspiegel": "Ein Anschiss hätte genügt."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Wilhelm Schmidt, hatte zuvor die Auffassung geäußert, dass Teile der Unions-Fraktion Hohmanns Auffassungen teilten. "Da bin ich mir absolut sicher", sagte Schmidt auf die Frage, ob nach seiner Einschätzung Hohmann in der Union kein Einzelfall sei. In der Vergangenheit hätten sich auch andere Unions-Abgeordnete in derselben Richtung geäußert wie Hohmann. Er wollte sich nicht auf eine Schätzung festlegen, wie viele Unions-Abgeordnete Hohmanns Meinung teilten. Er bekräftigte die Forderung der SPD, Hohmann aus der Unions-Fraktion auszuschließen. Möglicherweise würden sich der Geschäftsordnungs- und der Immunitätsausschuss des Bundestags mit Hohmann befassen, wenn die Ermittlungen gegen ihn dies erforderten.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) machte indirekt klar, dass Hohmann nicht wieder in das Bundeskriminalamt (BKA) zurückkehren könne. Wenn er aus dem Bundestag ausscheide und dies anstrebe, "würde sich dieselbe Frage stellen wie bei Günzel mit der entsprechenden Antwort", sagte Schily. Hohmann war bis 1984 in der Terrorismus-Abteilung des BKA tätig. Von Hohmann war weiterhin keine Stellungnahme zu erhalten.

(Quelle: rtr)


 

 

...Dass einer wie Hohmann von der CDU als Berichterstatter zur NS-Zwangsarbeiter-Entschädigung in den Bundestagsinnenausschuss gepflanzt  worden war, entspricht der gängigen Praxis der Christdemokraten, die mit Figuren wie Filbinger, Dregger , Lummer  und ihren geistigen Ziehsöhnen noch nie ein Problem hatten und möglicherweise nie eines haben werden...

telepolis vom 06.11.03 - Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/mein/16020/1.html

Wortlaut der anti-jüdischen Rede von MdB Martin Hohmann zum Nationalfeiertag:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15981/1.html

Hohmann hat bereits mehrfach für Aufsehen gesorgt:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311010.htm#031101af


 

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Immer noch sehr viel Antisemitismus in Deutschland

Bei einem Essen mit Düsseldorfer Honoratioren erntete der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, den Vorwurf, Antisemitismus zu schüren...

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http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0201180.htm#top

 


 


 

Nach General Günzels Rauswurf Zweifel an Bundeswehr

Do.06.11.03 - Nach dem Lob des KSK-Chefs Reinhard Günzel für die antisemitische Rede des CDU-Abgeordneten Martin Hohmann mehren sich die Forderungen nach einer Untersuchung der Bundeswehr. "Der Verteidigungsminister dürfte einer gefährlichen Täuschung aufsitzen, wenn er meint, es handle sich bei Günzel nur 'um einen einzelnen verwirrten General, der einer noch verwirrteren Auffassung eines CDU-Bundestagsabgeordneten zugestimmt hat'", erklärte der Armee-kritische Friedensratschlag. CSU-Politiker nahmen Günzel dagegen in Schutz.

Es liege auf der Hand, "neben dem Rausschmiss des leitenden Soldaten auch die ihm unterstellte Truppe einer 'Revision' zu unterziehen", erklärte der Sprecher des Friedensratschlags, Peter Strutynski. Auch der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte der "Financial Times Deutschland", es müsse "kritisch geprüft werden, wie ein Mensch mit einer solchen Denkstruktur Brigadegeneral gerade in einer Eliteeinheit wird".

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Reinhold Robbe (SPD) forderte "totale Transparenz" und eine "offensive Diskussion innerhalb und außerhalb der Bundeswehr". Wenn es "noch mehr solcher Leute in der Bundeswehr-Führung" gebe, "dann haben wir ein Problem".

Bundesverteidigungsminister Struck lehnte eine generelle Überprüfung der Denkweise höherer Offiziere mit der Begründung ab, Günzel sei ein Einzelfall. Es gebe keine weiteren Hinweise auf rechte Tendenzen in der Bundeswehr. "Es gibt solche Tendenzen nicht", sagte Struck. Er werde aber anhand von Günzels Personalakte prüfen, ob dessen Aufstieg Schwachstellen bei der Beförderung und Überprüfung zeige. Struck bestätigte indirekt, dass Günzel Ende der 90er Jahre vom damaligen Ressortchef Volker Rühe (CDU) wegen rechtsextremer Vorfälle in seiner Einheit im sächsischen Schneeberg auf einen anderen Posten versetzt wurde.

Auch der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, nannte Günzels Unterstützerbrief an Hohmann das Versagen eines Einzelnen. Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Willfried Penner, sprach ebenfalls von einem Einzelfall. Im laufenden Jahr seien etwa 110 rechtsextremistische Vorkommnisse in der Armee gemeldet worden, sagte er im Inforadio Berlin-Brandenburg. Das sei zwar gegenüber 2002 eine leichte Steigerung. In den Jahren davor seien die Zahlen aber höher gewesen.

(Quelle: afp)


 

 

Der Fall Günzel wirft Grundsatzfragen über den Mangel demokratischer Tradition in der Bundeswehr auf. Welche Rolle spielt die Geschichte der deutschen Armee noch?...

Mehr bei telepolis (05.11.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16017/1.html


 

Das Vorleben des abgesetzten Kommandeurs des Kommandos Spezialkräfte (KSK) offenbart Pikantes...

Mehr bei "junge Welt" (06.11.03) unter:
http://www.jungewelt.de/2003/11-06/010.php


 

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Struck feuert General Günzel wegen Lobes für Hohmanns antisemitischer Rede

Der General hatte dem Bundestagsabgeordneten Hohman Abgeordneten für seinen "Mut zur Wahrheit" in dessen antisemitischer Rede zum Tag der deutschen Einheit gedankt.  Verteidigungsminister Struck: Der General sei ein Einzelfall in der Bundeswehr. Es handele sich um einen "verwirrten General". Die Auseinandersetzung um den Fuldaer CDU-Abgeordneten Hohmann ging unterdessen weiter +++ Hessischer Landtag lehnt mit den Stimmen der CDU-Mehrheit eine Missbilligung der Äußerungen Hohmanns ab

Mi.05.11.03 - Verteidigungsminister Peter Struck hat den Chef der Bundeswehr-Eliteeinheit KSK, Brigadegeneral Reinhard Günzel, wegen Unterstützung der antisemitischen Äußerungen des CDU-Abgeordneten Martin Hohmann gefeuert. Der Zentralrat der Juden erstattete am Dienstag Strafanzeige gegen Hohmann wegen Volksverhetzung. Der Präsident Paul Spiegel forderte dessen Ausschluss aus der Unionsfraktion.

Struck nannte die Äußerungen des Kommandeurs des in Calw stationierten Kommando Spezialkräfte (KSK) unerträglich. Die sofortige Enthebung des Generals von seinem Kommando sei unausweichlich...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311050.htm#03110512


 

General Günzel musste sofort gehen - nicht nur wegen des laxen Umgangs der CDU mit Martin Hohmann. Der KSK-Chef ist schon früher auffällig geworden...

Mehr zum Thema in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (05.11.03):
http://www.taz.de/pt/2003/11/05/a0126.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/11/05/a0038.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/11/05/a0129.nf/text


 

Was General Günzel an Hohmann schrieb

Der bisherige Chef des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK), Brigadegeneral Reinhard Günzel, hat sich in einem Brief für den Vortrag des CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann vom 3. Oktober "sehr herzlich" bedankt...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311050.htm#031105_q

 


 


 

Eichel zu großer Steuerreform mit der Opposition bereit

Bundesfinanzminister lobt Merz-Modell im Grundsatz +++ Mehr als 17 Milliarden Steuermindereinnahmen 2003 und 2004

Do.06.11.03 - Bundesfinanzminister Hans Eichel ist zu einer großen Steuerreform mit der Opposition bereit. In einer Grundsatzrede vor der Berliner Humboldt-Universität lobte er am Mittwoch grundsätzlich das Konzept des CDU-Finanzexperten Friedrich Merz. Der SPD-Politiker betonte: "Hier können wir zusammen kommen." Den Ansatz, Steuersenkungen durch den Abbau von Subventionen und Steuervorteilen zu bezahlen, halte er für richtig. Eichel machte aber klar, dass es sich um Zukunftsmusik handelt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder ist weiter zu einem Steuergipfel mit der Union bereit, will aber dabei nicht über das Merz-Modell beraten. Da CDU und CSU in der Steuerpolitik konzeptionslos seien, mache dies keinen Sinn, erklärte ein Regierungssprecher. Zunächst müsse sich die Union erst einmal einigen, was sie wolle. Die CSU lehnte zentrale Bestandteile des Merz-Konzepts ab, insbesondere die Einführung eines Stufentarifs bei der Einkommensteuer.

Eichel bezweifelte die Finanzierbarkeit der Merz-Pläne. "Auch für die mittelfristige Perspektive sollten wir den Bürgern reinen Wein einschenken." Bevor weitere Steuernachlässe möglich seien, die über die schon beschlossene rot-grünen Entlastungen hinausgingen, müssten die Staatsfinanzen saniert werden. Dazu sei Wachstum nötig, weshalb die Steuerreformstufe 2005 auf 2004 vorgezogen werden müsse.

Eichel plädierte für ein einfaches und transparentes Steuerrecht. Insofern freue er sich über die Vorschläge von Merz. Die Idee, niedrigere Steuersätze mit einer deutlichen Verbreiterung der Bemessungsgrundlage für die Steuerschuld zu kombinieren, decke sich mit den Vorstellungen der Regierung.

Angesichts der diesjährigen Neuverschuldung des Gesamtstaates von gut 90 Milliarden Euro müsse Merz klar machen, wie er sein Projekt bezahlen wolle, meinte Eichel. Wenn die Union dann auch noch ihre Vorstellungen zur Modernisierung des Sozialstaates umsetzen wolle, fehlten in der Staatskasse zwischen 50 und 70 Milliarden Euro.

Der Staat muss nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums dieses und kommendes Jahr mit mindestens 17 Milliarden Euro weniger Steuern auskommen als noch im Frühjahr prognostiziert. Das geht aus der Prognose des Ministeriums für die Steuerschätzung hervor, die der Nachrichtenagentur AP vorlag. Der Steuerschwund trifft ausschließlich Bund und Länder. Die Kommunen kommen wahrscheinlich glimpflich davon.

Die Union wollte ihre Entscheidung über das Vorziehen der 2005-Stufe vom Ergebnis der Steuerschätzung abhängig machen. Es wird am (morgigen) Donnerstag verkündet.

(Quelle: ap)
 


 

DGB lehnt Absenkung des Rentenniveaus ab

Rentenexperte sagt Ende der Zuwächse voraus: 'So gut wie heute wird es den Rentnern nie wieder gehen'

Do.06.11.03 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund will ein weiteres Absenken des Nettorentenniveaus von jetzt 70 auf knapp 60 Prozent nicht akzeptieren. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer verlangte in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagausgabe) Abstriche beim Nachhaltigkeitsfaktor sowie notfalls steigende Beiträge. Rentenexperten warnten unterdessen von einem Andauern der Nullrunden bis 2010. Der Bundestag will am (heutigen) Donnerstag das Rentensparpaket der Bundesregierung beschließen.

Engelen-Kefer forderte, den Nachhaltigkeitsfaktor nicht schon 2005, wie es die Eckpunkte der Bundesregierung vorsehen, sondern "auf keinen Fall vor 2010" einzusetzen. Denn bis dahin gebe es ja schon beträchtliche Abschläge wegen der Riester-Rente. Zusammen mit dem Nachhaltigkeitsfaktor provoziere das geradezu weitere Nullrunden oder gar Rentenkürzungen, sollte die Wirtschaft nicht in Gang kommen, sagte Engelen-Kefer demnach.

Um ein akzeptables Nettorentenniveau von deutlich über 60 Prozent auch langfristig zu sichern, müsse man notfalls Beitragssätze über 22 Prozent in Kauf nehmen, sagte die Gewerkschafterin. Steigende Rentenbeiträge schädigten Konjunktur und Arbeitsmarkt nicht unbedingt, weil sie die lahmende Binnennachfrage ankurbeln könnten, fügte sie demnach hinzu.

Der CDU-Rentenexperte Andreas Storm sagte der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe), dass es vermutlich bis 2010 keine realen Rentenerhöhungen geben werde. Der Rentenexperte Meinhard Miegel prognostizierte in der gleichen Zeitung, dass es wohl nie wieder «eine echte Rentenerhöhung» geben werde. Die Renten könnten nur dann real steigen, wenn das Wirtschaftswachstum dauerhaft mehr als 25 Prozent betrage. Das aber sei sehr unwahrscheinlich, so Miegel demnach. Den Sprecher der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, Walter Glanz, zitierte die "Bild" mit den Worten: "So gut wie heute wird es den Rentnern nie wieder gehen".

Der Sozialverband VdK warf der Bundesregierung Wortbruch gegenüber den Rentnern in den neuen Ländern vor. Das einst abgegebene Versprechen von gleichen Altersbezügen in Ost und West werde sich durch die bevorstehenden Nullrunden auf Jahre nicht einlösen lassen, sagte VdK-Präsident Walter Hirrlinger der Chemnitzer "Freien Presse" (Donnerstagausgabe). Die Senioren in Ostdeutschland gehörten zu den Verlierern der rot-grünen Rentenpolitik. Erst 2006 könnten die Rentner mit einer Anhebung der Altersruhegelder rechnen, die dann bei 0,5 im Westen und 0,7 Prozent in Osten liege.

Hirrlinger machte jedoch darauf aufmerksam, dass durch den zu dieser Zeit fälligen Nachhaltigkeitsfaktor und den Beiträgen für die Pflegeversicherung die Rentenanpassung wieder zu einer Minusrunde werde. Er kündigte rechtliche Schritte an.

(Quelle: ap)


 

 

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Verfassungsrichter warnt vor zu großen Renten-Einschnitten

Kürzungen dürften nicht ein solches Ausmaß erreichen, dass die Rendite auf die eingezahlten Beiträge auf Null oder sogar ins Minus sinke +++ Immer öfter Expertengremien wie die Hartz- oder Rürup-Kommission einzusetzen, sei faktisch eine Entdemokratisierung - Der Bundestag verkomme so zur reinen Ratifizierungsinstanz

Mi.29.10.03 - Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hat vor zu starken Kürzungen in der Rentenversicherung gewarnt.

Es könnte verfassungsrechtliche Fragen aufwerfen, wenn Beitragszahlungen und Versicherungsleistungen in ein Missverhältnis geraten würden, sagte Papier am Dienstag zur Eröffnung der 35. Richterwoche am Bundessozialgericht in Kassel...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310290.htm#03102913


 

Renten-Nullrunde und pralle Politiker-Pensionen

Im Durchschnitt betragen die Rentenansprüche in Deutschland zurzeit 1175,85 Euro - das ist die so genannte Brutto-Eck-Rente. Diese Summe erhält heute durchschnittlich derjenige, der 45 Jahre lang in Westdeutschland in die Rentenkasse eingezahlt hat. Ganz anders sehen die Pensions- und Versorgungsaussichten unserer Volksvertreter aus...

Mehr bei "Frontal 21", Magazin im ZDF (Sendetermin: 28.10.03) unter:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/16/0,1872,2075376,00.html

Ein weiterer Bericht zum Thema bei "Monitor", Magazin in der ARD (Sendetermin: 09.10.03)
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=531&sid=103

 


 


 

SPD, Grüne und DGB gemeinsam für Bürgerversicherung

Do.06.11.03 - SPD, Grüne und die Gewerkschaften haben sich gemeinsam für eine Bürgerversicherung ausgesprochen, dabei aber Festlegungen auf die konkrete Umsetzung weit gehend vermieden.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer sagte am Mittwoch in Berlin, die Gewerkschaften seien sich mit den Regierungsparteien einig, dass alle Bürger in die solidarische Finanzierung der Gesundheitskosten einbezogen werden sollten. Man wolle prüfen, ob künftig auch Miet- und Kapitaleinkünfte zur Berechnung der Kassenbeiträge herangezogen werden können. Eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze sei nicht notwendig. Auf konkrete Details einer Bürgerversicherung konnten sich SPD, Grüne und DGB wegen weiter bestehender Differenzen nicht verständigen. "Wir sind uns nicht einig über die Dimension der Reform", sagte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer.

Strittig ist unter anderem die Frage der Miet- und Zinseinkünfte. Während die Grünen und der DGB sich klar dafür aussprachen, diese künftig bei der Finanzierung der gesetzlichen Kassen heranzuziehen, äußerte sich SPD-Generalsekretär Olaf Scholz zurückhaltend. Die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung könne durch Steuerzuschüsse auf eine breitere Basis gestellt werden, sagte er. Einig waren sich SPD, Grüne und Gewerkschaften in der Ablehnung einkommensunabhängiger Kopfpauschalen, wie sie die CDU fordert. "Wir glauben, dass ist der falsche Weg", sagte Scholz.

Engelen-Kefer sagte, der Vorschlag für eine gemeinsame Initiative für die Bürgerversicherung sei vom stellvertretenden Unions-Fraktionsvorsitzenden Horst Seehofer (CSU) gekommen. Sie bedauere, dass er die Teilnahme an der Pressekonferenz kurzfristig abgesagt habe. Im Umfeld Seehofers hieß es, er habe sich zwar zu einem Gespräch mit Scholz, Bütikofer und dem DGB bereit erklärt, nie aber für gemeinsame öffentliche Auftritte. Seehofer ist in der Union einer der wenigen Verfechter der Bürgerversicherung.

(Quelle: rtr)


 

 

Stichwort: Bürgerversicherung
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0307250.htm#030725_a
 

Die sogenannte Bürgerversicherung ist keine Alternative zur Zweiklassenmedizin, sondern ihre Manifestierung

Sahra Wagenknecht in "junge Welt" vom 13.09.03. Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/09-13/013.php

 


 


 

Rot-Grün kürzt angeblich erneut Bildungsetat

Do.06.11.03 - Die Bundesregierung kürzt erneut bei den Ausgaben für Bildung und Forschung. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung muss Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) im Rahmen einer "globalen Minderausgabe" rund 80 Millionen Euro einsparen. Mit zusätzlichen Kürzungen im Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro soll der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung in voller Höhe gesichert werden, wie die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise berichtete.

So müsse Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) in ihrem Etat auf rund 150 Millionen Euro verzichten. Die größten Abstriche seien in den Haushalten für Bauen und Verkehr (minus 244 Millionen Euro) sowie im Verteidigungsetat (minus 248 Millionen Euro) vorgesehen.

(Quelle: afp)
 


 

SPD steht laut Thierse mit dem Rücken zur Wand

Do.06.11.03 - Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sieht die SPD in einer dramatischen Lage. In einem Interview mit der "Leipziger Volkszeitung" sagte Thierse am Donnerstag, die Partei stehe angesichts der Stimmungslage "mit dem Rücken an der Wand". Thierse, der stellvertretende Parteivorsitzender und Chef der SPD-Grundwerte-Kommission ist, warnte die Sozialdemokraten eindringlich davor, den Kampf um die soziale Gerechtigkeit aufzugeben.

Die "leidenschaftliche Verteidigung der sozialen Gerechtigkeit" sei ein Kernstück der SPD, sagte er demnach. Ein Kompetenzverlust in diesem Bereich gefährde die Überlebensfähigkeit der Partei, warnte er. Die Debatte um eine neues Grundsatzprogramm solle sich deshalb weit über die Politik der derzeitigen Reform-Agenda erstrecken.

(Quelle: ap)


 

 

Überlegungen von ver.di- und ATTAC-Mitgliedern zur Wirtschafts- und Sozialpolitik

Mit harschen Worten hat ATTAC die Kritik aus dem Regierungslager an der Großdemonstration gegen Sozialkahlschlag vom vergangenen Samstag zurückgewiesen. Es gebe sehr wohl Alternativen zur herrschenden Politik, so Astrid Kraus vom ATTAC-Koordinierungskreis am Dienstag gegenüber der Presse in Berlin. Nur würden die, was etwa das Gesundheitswesen angehe, nicht die Kostensenkung für die Unternehmen zum obersten Ziel machen, sondern die Gesundheit der Menschen. Die Schärfe der Reaktionen von führenden Grünen und Sozialdemokraten habe wohl auch damit zu tun, daß man um die Alternativen wisse, diese aber zu unbequem seien.

Das sehen Michael Schlecht, der bei ver.di die Abteilung Wirtschaftspolitik leitet, und Axel Troost von der Bremer Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, auch Memorandumgruppe genannt, ganz ähnlich. Die überall betriebene Haushaltskonsolidierung durch Kürzung von Ausgaben könne gar nicht funktionieren, so Troost, der am Dienstag gemeinsam mit Kraus und Schlecht vor die Journalisten getreten war. So würden Binnennachfrage und Konjunktur abgewürgt und damit auch die Steuereinnahmen vermindert...

Aus "junge Welt" vom 06.11.03. Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/11-06/012.php


 

Widerstand gegen neoliberale Politik: Wie wichtig sind lokale Sozialforen?

Mehr im "junge welt"-Interview (06.11.03) mit Matthias Jochheim, Arzt aus Frankfurt am Main, Vorstandsmitglied der Organisation "IPPNW – Ärzte in sozialer Verantwortung" und engagiert beim Aufbau eines lokalen Sozialforums in Frankfurt am Main:
http://www.jungewelt.de/2003/11-06/015.php


 

Globalisierung

Man hört im Fernsehen davon und liest in Zeitungen darüber. Es scheint, dass wir längst Teile eines großen, globalen Dorfes geworden sind, in dem nationale Grenzen und Identitäten nicht mehr zählen. - - Aber was versteht man eigentlich unter Globalisierung? Und wo befindet sich dieses globale Dorf?...

John Pilger gibt Antwort. Mehr bei ZNET (03.11.03) unter:
http://zmag.de/article/article.php?id=892


 

Faktenmangel bei 'heute journal' und 'Tagesthemen'

Die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen "Tagesthemen" und "heute journal" bieten zu wenig sachpolitische Fakten. Themen wie EU und Umwelt würden vernachlässigt. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse des unabhängigen Forschungsinstituts Medien Tenor....

Mehr bei Spiegel-Online (04.11.03) unter:

Mehr unter:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,272561,00.html


 

Datenüberproduktion und Infomüll

Digitale Medien und das Internet führen einerseits zu einer Explosion der weltweit produzierten und auch verfügbaren Informationsmenge, andererseits wächst insbesondere im Netz auch der "digitale Müllberg" rapide: Sites werden nicht mehr upgedatet und bleiben mit veralteten Informationen online oder sie verlieren dadurch, dass verlinkte Sites offline gehen, ihren Bezugsrahmen und damit oft auch ihren Sinn...

Statistisch gesehen produziert jeder Mensch jährlich eine Datenmenge von rund 800 MB, wenngleich dieser Wert wohl für den durchschnittlichen US-Amerikaner und Europäer deutlich höher liegen dürfte. Alleine die USA produzieren jährlich über 40 Prozent der neuen Informationsdaten, die auf magnetischen und optischen Speichermedien gesichert werden.

Mehr bei futurezone (03.11.03) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=196942&tmp=86842


 

Es gibt Leichenreden, die dauern besonders lange

Eine davon ist die vom Tod des Autors. Gerade die Durchsetzung des Internet hat so manchen "Medientheoretiker" veranlasst, diesen Nekrolog aufs Neue zu rezitieren. Hypertext hieß nun die große theoretische Koppelungsinstanz - der Diskurs, an dem alle mitschrieben und der den Einzelnen endgültig zum Verschwinden brachte...

Mehr bei telepolis (06.11.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/med/15906/1.html

 


 
 
 
 

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