Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertdreiunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
USA stellen Weichen für Fortdauer des Militäreinsatzes im
Irak +++ Annan schließt baldiges UN-Kommando über
Streitkräfte in Irak aus +++ Saddam wollte offenbar Krieg
verhindern: Er soll der US-Regierung weit reichende Zugeständnisse
gemacht haben. Kongressabgeordnete prüfen nun, ob Bush den Frieden
leichtfertig aufs Spiel setzte +++ Wieder zwei US-Soldaten in Irak
getötet +++ Regierungsrat-Mitglied fordert Abzug von US-Armee aus
Iraks Städten
Fr.07.11.03 - Die US-Regierung hat am Donnerstag die Weichen für eine Fortdauer
des militärischen Engagements im Irak und in Afghanistan gestellt.
Präsident George W. Bush unterzeichnete ein Gesetz über
zusätzliche Milliardenausgaben für beide Länder. Das
Gesamtpaket hat einen Umfang von 87,5 Milliarden Dollar (76,6
Milliarden Euro). Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bestätigte
derweil, dass im Rahmen eines Rotationsverfahrens 128 000 aktive
Soldaten und Reservisten für den Einsatz im Irak und in
Afghanistan mobilisiert werden.
Bush bekräftigte, die USA würden sich trotz Zunahme der
Anschläge im Irak nicht vom Ziel einer demokratischen Gesellschaft
in dem besetzten Land abbringen lassen. Ein Scheitern im Irak
würde die Terroristen in der ganzen Welt stärken, sagte der
US-Präsident in einer Grundsatzrede vor der "Nationalen Stiftung
für Demokratie" in Washington weiter. "Freiheit ist es wert,
dafür zu kämpfen und zu sterben", betonte Bush.
Bei der Unterzeichnungszeremonie für das Ausgabengesetz im
Weißen Haus sprach Bush von einer "Investition in den Frieden"
und unterstrich erneut die amerikanische Entschlossenheit, den Anti-
Terror-Kampf bis zum Sieg fortzusetzen. Von den 87,5 Milliarden Dollar
sind 64,7 Milliarden für die militärischen Operationen im
Irak und in Afghanistan vorgesehen. 18,6 Milliarden Dollar sollen
für den Wiederaufbau des Iraks verwendet werden.
Die demnächst mobilisierten 128 000 Soldaten sollen in den ersten
Monaten des kommenden Jahres im Irak und in Afghanistan stationierte
Truppen ablösen. Der Wechsel solle stufenweise erfolgen, um einen
reibungslosen Übergang zu gewährleisten, erläuterte
Rumsfeld. Bereits am Mittwoch hatte Vize-Generalstabschef Peter Pace
dem Kongress mitgeteilt, das Pentagon hoffe, den Truppenumfang im Irak
bis Mai von derzeit 131 000 auf rund 100 000 verringern zu können.
Rumsfeld verteidigte diesen Plan mit den Worten, dass die wachsende
Zahl irakischer Soldaten die amerikanischen Reduzierungen ausgleichen
würde.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat eine baldige Übertragung
des Kommandos der multinationalen Streitkräfte in Irak auf die UNO
ausgeschlossen. "Wir glauben nicht, dass die Vereinten Nationen in
naher Zukunft die Verantwortung für diese multinationalen
Streitkräfte übernehmen werden", sagte Annan bei einem
Besuchs in Santiago de Chile am Donnerstag. Annan erinnerte daran, dass
der UN-Sicherheitsrat im Frühjahr seine Unterstützung
für eine multinationale Truppe in Irak gewährt habe. Diese
bestehe nun überwiegend aus US-Soldaten. Er hoffe jedoch, dass im
Laufe der Zeit weitere Staaten "Möglichkeiten" zur
Unterstützung fänden. Es bestehe "ein Zusammenhang zwischen
den Militäraktionen vor Ort und dem politischen Prozess vor Ort".
Der irakische Machthaber Saddam Hussein hat einem Bericht der "New York
Times" zufolge noch kurz vor Beginn des Krieges versucht, mit
Zugeständnissen an Washington den Waffengang zu verhindern. Er
habe über den libanesisch-amerikanischen Geschäftsmann Imad
Hage der US-Regierung weit reichende Waffenkontrollen, die Auslieferung
eines Terroristen und selbst freie Wahlen angeboten, berichtete die
Zeitung am Donnerstag.
"Die Iraker haben (die militärische Bedrohung) schließlich
ernst genommen, und haben Angebote gemacht, die sie ohne den Aufmarsch
niemals gemacht hätten", sagte Hage nach Angaben der Zeitung.
Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen
US-Geheimdienstmann, es habe vor dem Krieg - übermittelt von
Geheimdiensten, anderen Regierungen und allen möglichen Personen -
zahlreiche angebliche Vermittlungsangebote gegeben. Alle seien - ohne
positive Ergebnisse - auf ihre Ernsthaftigkeit geprüft worden.
Die Offerten über Hage seien aber in Washington laut "New
York Times" so ernst genommen worden, dass der einflussreiche
Vorsitzende des verteidigungspolitischen Beirats, Richard Perle, im
März in London mit dem Geschäftsmann zusammengetroffen sei.
Er habe in Washington auch grünes Licht für direkte
Gespräche mit irakischen Offiziellen erhalten, die aber nie
zustande kamen. Hage soll im irakischen Auftrag und mit Billigung
Saddams gehandelt haben.
Hage hatte sich dem Bericht zufolge im Februar in der libanesischen
Hauptstadt Beirut mit dem Auslandschef des irakischen Geheimdienstes,
Hassan al Obeidi, getroffen, der gesundheitlich stark angegriffen
gewesen sei und verzweifelt gewirkt habe. Obeidi habe angeboten, dass
die USA auch "2000 FBI-Agenten schicken könnten, die suchen
dürfen, wo immer sie wollen". Einen Rücktritt Saddams habe er
aber als Kapitulation angesehen und nur gesagt, vorstellbar seien
Wahlen in zwei Jahren.
Der Geschäftsmann traf der Zeitung zufolge später in Bagdad
auch mit dem irakischen Geheimdienstchef Tahir Dschalil Habbusch
zusammen, der den USA die Auslieferung von Abdul Rahman Yasin angeboten
habe. Auf Yasin haben die USA 25 Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt.
Er soll der Planer des ersten Anschlages auf das World Trade Center in
New York 1993 gewesen sein.
Das Weiße Haus bestätigt unterdessen, dass es vor Beginn des
Irak- Krieges im Frühjahr von irakischer Seite ausgegangene
"Kontakte" zur Vermeidung des militärischen Konflikts gab. Diese
Kontakte seien aber von der US-Regierung als nicht glaubwürdig
eingestuft worden, sagte Sprecher Scott McClellan. Auch das Pentagon
hatte die Kontakte nach eigenen Angaben als nicht seriös bewertet.
Kongressabgeordnete prüfen nun, ob Bush den Frieden leichtfertig
aufs Spiel setzte.
[ Mehr unter: http://www.nytimes.com/2003/11/06/politics/06INTE.html?hp
/ http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,272774,00.html
/ http://www.netzeitung.de/spezial/irak/260769.html]
Im Geheimdienstausschuss des US-Senats ist ein Streit über das
Vorhaben der Demokraten entbrannt, der Regierung in Washington die
Manipulation von Geheimdienstinformationen zu Irak nachzuweisen. In
einem teilweise vom Fernsehsender Fox News veröffentlichten
Dokument der demokratischen Senatsminderheit heißt es, diese habe
die wichtige Aufgabe, die "Irreführung - wenn nicht unehrlichen
Methoden und Motive - ranghoher Vertreter der US-Regierung" zu
enthüllen, die einen "unilateralen und präventiven" Krieg
gegen Irak rechtfertigen sollten. Die Authentizität des am
Mittwoch teilweise veröffentlichten zweiseitigen Dokuments wurde
von mehreren demokratischen Politikern bestätigt.
Die täglichen Verlustmeldungen der Besatzungstruppen in Irak
reissen nicht ab: Zwei US-Soldaten wurden nach Angaben vom Donnerstag
bei zwei Zwischenfällen getötet und zwei weitere verwundet.
Zum ersten Mal ist ein polnischer Soldat bei einem Angriff südlich
von Bagdad getötet worden.
Wie ein Sprecher des polnischen Generalstabs in Warschau mitteilte,
erlag der 44-jährige Offizier seinen Verletzungen, nachdem sein
Konvoi gegen Mittag in der Ortschaft El Mussajih südlich von
Bagdad angegriffen wurde. Die Wagenkolonne mit rund 15 Soldaten kam von
der Militärbasis Camp Dogwood, wie ein Sprecher des polnischen
Verteidigungsministeriums weiter mitteilte. Die polnischen Soldaten
hätten das Feuer erwidert, hätten den verletzten Offizier
dann aber schnell ins polnische Lazarett in Kerbela bringen müssen.
Polen kommandiert seit Anfang September ein Kontingent von 9000
Soldaten, die als Stabilisierungstruppe im Süden und Zentrum Iraks
im Einsatz sind. 2350 polnische Soldaten sind daran beteiligt.
Die tödlichen Angriffe auf US-Soldaten erfolgten am Mittwoch und
Donnerstag. Bei Hussajbah nahe der syrischen Grenze fuhr ein
US-Lastwagen am Morgen auf eine Mine. Bei der Explosion kam ein Soldat
ums Leben, teilte ein US-Militärsprecher in Bagdad mit. In
Mahmudijah südlich von Bagdad wurde am Mittwochabend ein Soldat
getötet, als seine Patrouille unter Beschuss kam. Zwei weitere
wurden in dem Gefecht verwundet, hiess es weiter. Seit dem offiziellen
Ende der Kampfhandlungen am 1. Mai sind 140 US-Soldaten bei
Kämpfen getötet worden.
Ein kurdisches Mitglied im irakischen Regierungsrat, Mahmud Ali Osman,
hat sich für einen Rückzug der US-Truppen aus den irakischen
Städten ausgesprochen. "Wir würden mit irakischer Polizei und
der irakischen Zivilverteidigung wesentlich besser zusammenarbeiten",
sagte Osman in einem Interview der Berliner "tageszeitung"
(Freitagsausgabe). Osman forderte, die irakische Polizei müsse
unabhängiger von der US-Armee agieren können. Eine
Übergabe weiterer Kompetenzen an den irakischen Innenminister und
die irakische Polizei sei "äußerst dringlich". Ferner
verlangte Osman, einige reguläre Einheiten der von den USA
aufgelösten Armee wieder einzusetzen. Die völlige
Auflösung der irakischen Armee bezeichnete er als einen "Fehler".
Ein Berater des japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi
sagte bei einer Informationsreise in Irak, Japan werde trotz der
gefährlichen Lage wie angekündigt im kommenden Jahr ein
Militärkontingent nach Irak entsenden. Ein Verzicht würde die
falsche Botschaft an "Terroristen senden, die den internationalen
Unterstützungsprozess" für Irak vereiteln wollten, sagte
Yukio Okamoto. Bis zum Jahresende soll ein Vorauskommando von 150
japanischen Soldaten in Irak eintreffen. Insgesamt sollen vom kommenden
Jahr an 550 japanische Soldaten beim Aufbau der Wasserversorgung sowie
medizinischen und anderen Hilfeleistungen mitarbeiten.
Wegen der stetigen Angriff vor allem seit Beginn des Fastenmonats
Ramadan am 27. Oktober haben unterdessen Spanien, Bulgarien und die
Niederlande ihr diplomatisches Personal aus Bagdad abgezogen. Alle drei
Länder gehören zu den aktiven Unterstützern des
Irak-Krieges.
(Quelle: dpa, afp, ap)
Die Amerikaner verlieren ihre Illusionen: Der Widerstand im Irak ist
nicht zu bändigen. Es gibt zu viele Waffen, zu viele Unzufriedene,
zu viele Kämpfer ...
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (07.11.03) unter:
http://www.taz.de/pt/2003/11/07/a0127.nf/text
Iraks Obdachlosen steht ein eisiger Winter bevor. Hunderte Familien
seit Kriegsende ohne Unterkunft...
Mehr in der heutigen "junge Welt"-Ausgabe (07.11.03) unter:
http://www.jungewelt.de/2003/11-07/007.php
Irakische Politiker in der Zwickmühle
Der Bürgermeister von Falludscha war stolz auf seine enge
Beziehung zu den US-Soldaten in Irak. In seinem Büro hängte
Taha Bedaui Urkunden auf, die er von den Amerikanern erhalten hatte.
Den Gegnern der US-Besatzung in der Stadt westlich von Bagdad war dies
seit Monaten ein Dorn im Auge - jetzt haben sie Bedaui aus seinem Amt
vertrieben.
Mit Gewehren und Molotow-Cocktails stürmte eine Gruppe
aufgebrachter Iraker am Freitag das Büro Bedauis. Vorausgegangen
war ein Streit um die Präsenz der US-Truppen in der Stadt. Die
Soldaten wirkten wie ein Magnet auf Militante, argumentierten Einwohner
von Falludscha. Im Verlauf der Auseinandersetzung erschossen Polizisten
einen Demonstranten, die Lage eskalierte.
Seitdem hat sich Bedaui nicht mehr in seinem von der Schiesserei
zerstörten Büro sehen lassen. Schon seit seinem Amtsantritt
kurz nach dem Sturz Saddam Husseins war der Bürgermeister kritisch
beäugt worden, viele fanden seine Bindungen zu den US-Truppen zu
eng. Der Stolz über das gute Verhältnis, den Bedaui offen zur
Schau stellte, könnte nach Ansicht amerikanischer Soldaten
schliesslich sein Schicksal besiegelt haben.
Bedaui war im April aus dem Exil in den Vereinigten Arabischen Emiraten
nach Irak zurückgekehrt. Wiederholt wurde der Endvierziger seit
der Amtsübernahme in Falludscha bedroht, wie Einwohner berichten.
Als Nachfolger ist nun der 63-jährige Fausi Nasif Dschassim im
Gespräch, der früher die politischen Geschicke der
südlichen Provinz Wasit leitete.
Die erzwungene Abdankung Bedauis macht deutlich, in welcher
Zwickmühle sich die irakischen Politiker und
Sicherheitskräfte befinden. Wenn sie mit den alliierten Truppen
zusammenarbeiten, riskieren sie schnell, als Verräter oder
Handlanger abgestempelt zu werden. «Nicht einmal Prophet Mohammed
wäre hier ein guter Bürgermeister, wenn er unter dem Schutz
amerikanischer Soldaten stünde», meint der Polizeioffizier
Haitham Abdel Wahab in Falludscha. «Man kann hier nicht
akzeptiert werden, wenn diese amerikanischen Helme auf dem Dach zu
sehen sind», sagt er und deutet auf die US-Soldaten auf dem Dach
des Bürgermeisteramts.
Mindestens vier prominente Iraker, die eng mit den US-Truppen
zusammenarbeiteten, fielen allein in den letzten zwei Wochen dem
gewaltsamen Widerstand zum Opfer. Neben einem Vizebürgermeister
von Bagdad wurden zwei Richter in Mossul und Nadschaf und der
Polizeichef der südirakischen Stadt Amara ermordet. Nach Ansicht
eines Kollegen des getöteten Juristen aus Nadschaf, der gemeinsam
mit dem Opfer entführt worden war, handelte es sich bei den
Mördern vermutlich um Anhänger Saddam Husseins.
Bereits im September wurde die Politikerin Akila el Haschimi, die dem
irakischen Regierungsrat angehörte, Ziel eines tödlichen
Attentats. Auch dahinter wurden loyale Anhänger des
gestürzten Staatschefs vermutet. Ins Visier des gewaltsamen
Widerstand geraten auch immer wieder irakische Polizisten - bei der
Serie von Bombenanschlägen am 28. Oktober in Bagdad kamen acht
Polizisten ums Leben, Dutzende wurden verletzt.
Nicht nur humanitär und gesellschaftlich bedeuten Drohungen und
Gewalt gegen kooperierende Iraker ein grosses Problem für die USA.
Auch die Wiederaufbaupläne leiden darunter. Wenn sich Iraker so
von einer Zusammenarbeit mit den Amerikanern abschrecken lassen,
müssen die Alliierten länger als vorgesehen die Sicherung des
Landes übernehmen. Dabei haben die USA erst am Mittwoch
angekündigt, ihre Truppenstärke in Irak bis zum Mai von
130.000 auf 100.000 Mann verringern zu wollen.
(Quelle: ap, 06.11.03)
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Bush fordert demokratische Reformen im Nahen Osten
Dass die "globale Welle der Demokratie" die Region nicht erreicht habe,
sei nicht "das Versäumnis einer Kultur oder Religion" sondern "das
Versäumnis einer ökonomischen und politischen Doktrin."
Fr.07.11.03 - US-Präsident George W. Bush hat am Donnerstag demokratische
Reformen im Nahen Osten gefordert und Kritik an einigen Regierungen der
Region geübt. Besonders viel stehe in Irak auf dem Spiel, sagte
Bush am Donnerstag in seiner mit Spannung erwarteten aussenpolitischen
Rede. Ein Scheitern dort würde Terroristen in aller Welt
ermutigen, erklärte er. Bush räumte jedoch ein, die USA und
andere Länder hätten zu dem Mangel an demokratischen Reformen
im Nahen Osten beigetragen.
Rund 60 Jahre hätten westliche Nationen die mangelnde Freiheit in
den Ländern des Nahen Ostens entschuldigt und hingenommen, sagte
Bush in seiner Ansprache vor der Nationalen Stiftung für
Demokratie weiter. Diese Haltung habe jedoch nichts zur Sicherheit
beigetragen, "denn auf lange Sicht kann Stabilität nicht auf
Kosten der Freiheit erkauft werden". Der Nahen Osten steht nach den
Worten des US-Präsidenten an einem Wendepunkt. Die "globale Welle
der Demokratie" habe die Region nicht erreicht. "Das ist nicht das
Versäumnis einer Kultur oder Religion. Das ist das Versäumnis
einer ökonomischen und politischen Doktrin."
Bush forderte die Regierungen der Region zum Handeln auf. Sie
dürften nicht länger auf Fehler der Vergangenheit verweisen
und die Schuld bei anderen suchen, sondern müssten die bestehenden
Probleme angehen und den wahren Interessen ihrer Nationen dienen. "Die
guten und fähigen Menschen des Nahen Ostens verdienen eine
verantwortungsvolle Führung", sagte der Präsident. Bush
warnte vor einem Scheitern der Reformen. "Solange der Nahe Osten ein
Ort bleibt, wo die Freiheit nicht gedeiht, wird er ein Ort der
Stagnation, der Missgunst und der zum Export bereiten Gewalt bleiben."
Der US-Präsident lobte die demokratischen Fortschritte in Marokko,
Bahrain, Saudi-Arabien und Ägypten. Einige Regierungen hätten
verstanden, dass eine Militärdiktatur und eine theokratische
Herrschaft ins Nichts führten, sagte er.
In seiner Rede ging Bush auch auf die Sorge um einen wachsenden
Einfluss der USA im Nahen Osten ein. Die USA wollten zu Reformen in der
Region ermutigen, seien sich jedoch gleichzeitig bewusst, dass
Modernisierung nicht mit einer Verwestlichung gleichzusetzen sei. "Die
repräsentativen Regierungen im Nahen Osten werden ihre eigenen
Kulturen reflektieren", erklärte er. "Sie werden und sollten nicht
aussehen wie wir."
Kritik übte Bush an Iran und Mitgliedern der
palästinensischen Führung. Das Regime in Teheran müsse
den demokratischen Forderungen seiner Bürger nachkommen, oder es
werde seinen letzten Anspruch auf Legitimation verlieren, sagte der
Präsident. Die Palästinenser, die zu Hass und Gewalt
ermutigen, behinderten den Frieden und einen Erfolg des
palästinensischen Volkes.
Viele mehrheitlich von Muslimen bewohnte Länder machten
Fortschritte in ihrem Bemühen um die Demokratie, sagte Bush. Als
Beispiele nannte er die Türkei, Indonesien, Senegal, Niger und
Sierra Leone. Mehr als die Hälfte aller Muslime weltweit lebten in
Freiheit unter demokratisch legitimierten Regierungen.
(Quelle: ap)
Drei Palästinenser von israelischer Armee im Gazastreifen
getötet
Fr.07.11.03 - Bei verschiedenen Zwischenfällen im Gazastreifen hat die
israelische Armee drei Palästinenser getötet. Nach
Medienangaben haben Soldaten zwei Palästinenser erschossen, als
diese versuchten, einen Sprengsatz am Grenzzaun zu Israel zu legen. Ein
dritter Palästinenser sei bei einer Schießerei in einem Dorf
im Gazastreifen getötet worden. Nach palästinensischen
Angaben wurden bei dem Schusswechsel auch mehrere Palästinenser
verletzt.
(Quelle: dpa)
Ausnahmezustand in Sri Lanka aufgehoben
Sri Lankas Regierungschef sucht Machtprobe mit Präsidentin
Fr.07.11.03 - Die srilankische Staatspräsidentin Chandrika Kumaratunga hat den
zwei Tage zuvor verhängten Ausnahmezustand am Freitag wieder
aufgehoben. Über die Gründe war zunächst nichts bekannt.
Der Machtkampf in Sri Lanka zwischen Präsidentin und Regierung hat
sich am Freitag zugespitzt. Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe
kündigte unmittelbar nach seiner Rückkehr von einer USA-Reise
an, das von Präsidentin Chandrika Kumaratunga vorübergehend
suspendierte Parlament einzuberufen. Die Abgeordneten müssten
"sofort zusammenkommen, um den Friedensprozess fortzusetzen", sagte
Wickremesinghe auf dem Flughafen der Hauptstadt Colombo vor tausenden
Anhängern. Ohne das Parlament könne der
Aussöhnungsprozess mit den tamilischen Rebellen nicht fortgesetzt
werden.
Die srilankische Staatspräsidentin hatte während seiner
Abwesenheit am Dienstag drei Minister entlassen und in der Hauptstadt
Colombo Truppen aufmarschieren lassen. Ein Regierungsbeamter
erklärte, als Reaktion auf eine Bedrohung von Recht und Ordnung im
Land bereite Kumaratunga eine Ausweitung der Machtbefugnisse der
Streitkräfte vor.
Kumaratunga wirft Wickremesinghe vor, den Befreiungstigern von Tamil
Eelam (LTTE) zu viele Zugeständnisse gemacht habe, ohne dass diese
ihren bewaffneten Kampf eingestellt hätten. Die gefeuerten
Kabinettsmitglieder hatten versucht, die Rebellen zu neuen
Friedensverhandlungen zu bewegen. Die srilankische Wirtschaft litt
unterdessen bereits unter den Folgen des Machtkampfes. Der Aktienmarkt
des Landes stürzte am Mittwoch ab.
Die Befreiungstiger kämpften seit 1983 für eine
Unabhängigkeit des Tamilengebiets. Dem Bürgerkrieg fielen
seitdem 65.000 Menschen zum Opfer. Im vergangenen Jahr unterzeichneten
die Rebellen ein Waffenstillstandsabkommen, zogen sich seitdem jedoch
von den Friedensgesprächen zurück. Als Bedingung für
eine Rückkehr an den Verhandlungstisch verlangen sie eine
erweiterte Autonomie für das Tamilengebiet.
(Quellen: ap, afp)
Chinas Staatssicherheit hat Angst vor einer 'Maus' im Internet
Hartes Durchgreifen und Willkür gegenüber Aktivisten, die im
Internet ihre Ansichten austauschen +++ Etwa 40 Cyber-Dissidenten
sitzen nach Schätzungen heute in China in Haft
Fr.07.11.03 - Als "Maus aus rostfreiem Stahl" ist Liu Di im Internet bekannt. Ihre
Texte sind hingegen so weich und vieldeutig, dass unklar ist, warum
Chinas Staatssicherheitsdienst meinte, die junge Pekinger
Psychologiestudentin unbedingt in Haft nehmen zu müssen. An diesem
Freitag ist es genau ein Jahr her, dass die heute 23-Jährige ihre
Freiheit verlor.
Anklage wurde nicht erhoben. Die Polizei präsentierte so wenig
Beweise für den Verdacht einer "Untergrabung der Staatsgewalt",
dass sich der sonst nicht zimperliche Staatsanwalt außer Stande
sieht, die Studentin vor Gericht aburteilen zu lassen. Doch Liu Di wird
weiterhin in Haft gehalten.
Die Geschichte der "Maus" ist typisch für das harte Durchgreifen
und die Willkür der Staatssicherheit gegenüber Aktivisten,
die im Internet ihre Ansichten austauschen. Etwa 40 Cyber-Dissidenten
sitzen nach Schätzungen heute in China in Haft. Einige wurden zu
Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren verurteilt. Andere warten auf
ihren Prozess. Auch dem Bürgerrechtler He Depu, der am Donnerstag
eine hohe Haftstrafe von acht Jahren bekam, wurden Texte zur Last
gelegt, die er ins Internet gestellt hatte - darunter ein Appell an
US-Präsident George W. Bush, sich für mehr Menschenrechte in
China einzusetzen.
Ganz anders Liu Di. Einige ihrer Texte könnten in chinesischen
Zeitungen gedruckt werden. Selbst in den Chaträumen des
Parteiorgans "Volkszeitung" sind härtere Töne zu vernehmen.
Mit Dissidenten hat sie reichlich wenig zu tun. "Andere Autoren gehen
viel weiter", stellt ein Intellektueller fest, der sich für Liu Di
einsetzt. "Die Festnahme macht sie größer, als sie ist."
Direkte Kritik an Gesellschaft oder Regierung ist bei ihr nicht
erkennbar. Selbst in einem Text über die Kontrolle des Internets
beklagt sie eigentlich nur die Geldverschwendung dieses hoffnungslosen
Unterfangens.
Wenn sie von Tyrannei spricht, geht es anhand eines ausländischen
Romans darum, was Menschen anderen antun. Einmal nimmt sie russische
Dissidenten in Schutz, da Kritik an der Gesellschaft "eine aufrichtige
Haltung eines Intellektuellen" sei. In einem anderen Text stellt sie in
Frage, ob der Sozialismus für alle Fragen dauerhafte Lösungen
geben kann. Es sei vielmehr seine Rolle, mit konstruktiver Kritik den
Fortschritt einer kapitalistischen Gesellschaft voranzubringen.
Damit weicht sie sicher von der Parteilinie ab, aber in Chinas
Marktwirtschaft ist das wohl kaum staatsgefährdend. Meist
bespricht sie ohnehin ausländische Romane. Das Thema "Freiheit"
und "Tugend" gipfelt in der harmlosen Schlussfolgerung: "Nur wenn es
das Recht auf freie Entscheidung gibt, kann es Gutherzigkeit geben."
Da wundert es wenig, dass die Internetwächter bis heute
übersehen haben, ihre Webseite zu sperren, während politisch
heikle Seiten von Amnesty International bis zur britischen BBC für
chinesische Internetnutzer blockiert sind. Liu Dis Schicksal hat
inzwischen zu einem Proteststurm im chinesischen Internet geführt.
Hinter der Kampagne steckte auch der Autor Du Daobin, der schon lange
und viel deutlicher gegen die Willkür und Tyrannei angeht. Bei ihm
klopfte vergangene Woche die Staatssicherheit an. Die Beamten nahmen
den 40- Jährigen fest, konfiszierten seine Computer, Bücher
und eigene Schriften. "Er hat die Grenze überschritten", sagte ein
Polizist.
(Quelle: dpa)
Vorerst keine Landbesetzungen in Namibia
Fr.07.11.03 - Unter dem Druck der Regierung haben Organisationen landloser Namibier
die angedrohte Besetzung von Farmen weißer Bauern verschoben. Der
Vorsitzende des Farmarbeiterverbandes von Namibia, Alfred Angula,
erklärte am Donnerstag, die Agrarunion der kommerziellen Farmer
habe sich zu Verhandlungen mit seiner Organisation bereit erklärt.
Er hoffe, dass die Gespräche zu den gewünschten Ergebnissen
führten, sagte Angula der namibischen Nachrichtenagentur NPA.
Bereits am Donnerstag trafen sich Vertreter der regierenden
Westafrikanischen Volksorganisation mit der Dachorganisation Nationale
Union der Namibischen Arbeiter, zu der auch Angulas Organisation
gehört. Angula hatte am Dienstag erklärt, die gewaltlose
Übernahme von Teilen der Ländereien solle am kommenden Montag
beginnen. Die Bemühungen der Regierung um eine Landreform seien
gescheitert. Die weißen Bauern wollten entweder nicht verkaufen
oder verlangten einen zu hohen Preis für ihre Ländereien,
sagte Angula weiter.
Die Regierung hat erklärt, sie werde Landbesetzungen nicht
tolerieren. Präsident Sam Nujoma warnte die weißen
Landeigner jedoch, dass es zu einer Eskalation wie in Simbabwe kommen
könnte, wenn sie ihre Besitztümer nicht teilten. Dort wurden
mit Billigung der Regierung tausende Farmen besetzt; etwa 5.000
Güter wurden schließlich konfisziert. In Namibia leben rund
1,5 Millionen Menschen, von denen weniger als zehn Prozent weiß
sind.
(Quelle: ap)
UNESCO: Mädchen bei Schulbildung weiter erheblich benachteiligt
Vor allem in der Dritten Welt sind bittere Armut, frühe
Eheschließungen, die Immunschwächekrankheit Aids oder Krieg
die Gründe für die Benachteiligung von Mädchen
Fr.07.11.03 - Zur Schule zu gehen bleibt für viele Mädchen in der Dritten
Welt ein ferner Traum. In 54 Ländern der Erde entscheiden sich
Familien aus der Not heraus, ihre Söhne in die Schule zu schicken,
während die Töchter zum Familienunterhalt beitragen
müssen, heißt es in einer am Donnerstag in Paris
veröffentlichten Studie der UN-Bildungsorganisation UNESCO. Neben
bitterer Armut werden frühe Eheschließungen, die
Immunschwächekrankheit Aids oder Krieg als Gründe für
die Benachteiligung der Mädchen genannt. "Dabei würde es sich
auszahlen, in Bildung für Mädchen zu investieren", sagte
Christopher Colclough, der Leiter der Studie. Gebildete Frauen
könnten die Armut ihrer Familien lindern und ihren Kindern bessere
Chancen auf Gesundheit und Bildung bieten.
An die 100.000 Mädchen in 30 Ländern waren nach einer
Schätzung der Studie in den neunziger Jahren direkt von Kriegen
betroffen und wurden dort als Kämpferinnen, Köchinnen,
Trägerinnen, Spioninnen, Dienerinnen oder Sex-Sklaven ausgebeutet.
Auch die überwältigende Mehrheit der auf 25 Millionen
geschätzten Flüchtlinge weltweit seien Frauen und Kinder.
"Natürlich ist das Ergebnis der Studie keine
Riesenüberraschung, aber es ist dennoch sehr Besorgnis erregend",
kommentierte UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura. "Die
Gleichberechtigung der Geschlechter ist eine Priorität, nicht nur
weil Ungleichheit gegen die Menschenrechte verstößt, sondern
auch weil sie ein gewaltiges Hindernis für soziale und
wirtschaftliche Entwicklung ist.
Insgesamt sei im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts ein
leichter Fortschritt zu verzeichnen, heißt es in der
UNESCO-Studie weiter. Dennoch seien 57 Prozent der weltweit 104
Millionen Kinder, die nicht in die Schule gehen können, immer noch
Mädchen. "Diese Tatsache spricht dafür, dass Diskriminierung
ein dringliches Problem bleibt."
Von den 54 Staaten mit der größten Ungleichheit liegen 16 im
südlichen Afrika. Am schlimmsten ist die Lage im verarmten
afrikanischen Staat Tschad und in dem arabischen Land Jemen: Auf 100
Jungen in der Schule kommen hier nur 63 Mädchen. Gefolgt werden
diese Ärmsten der Armen von Guniea-BissauMädchen pro 100
Jungen), Benin, Niger (68) und Äthiopien (69). In Indien liegt die
Zahl bei 83.
Allerdings gibt es laut der Studie auch positive Entwicklungen: So
liegt die Zahl der Mädchen in den Höheren Schulen in vielen
Ländern über der der Jungen. Zu diesen Ländern
gehören zum Beispiel Bangladesch, Mexiko und Dänemark, wo auf
100 Jungen an weiterführenden Schulen 105 Mädchen kommen.
Noch deutlicher ist der Unterschied im arabischen Golfstaat
BahrainMädchen pro 100 Jungen), Kolumbien, Philippinen (110),
Malaysia (111) und in den Vereinigten Arabischen Emiraten (112).
Nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung sei Bildung für
Mädchen und Frauen von Bedeutung, betonte Colclough. Sie trage
auch zum persönlichen und gesellschaftlichen Wohlergehen bei.
"Gebildete Eltern, und vor allem Mütter, haben gesündere und
besser ernährte Kinder mit besseren Aussichten auf Schulbildung
und Erfolg in der Schule", versicherte der Experte. Die UNESCO
verabschiedete im Jahr 2000 ein Programm unter dem Titel "Bildung
für alle". Die 164 beteiligten Staaten setzen sich darin das Ziel,
die Zahlen von Jungen und Mädchen in Grund- und
weiterführenden Schulen bis 2005 auf das gleiche Niveau zu bringen.
(Quelle: afp)
Kanada will Export von Generika in Entwicklungsländer zulassen
Fr.07.11.03 - Die kanadische Regierung hat eine Gesetzesvorlage eingebracht, wonach
Hersteller von Nachahmerpräparaten preiswerte Kopien patentierter
Medikamente an Entwicklungsländer abgeben dürfen. Die Vorlage
entspricht einer Vereinbarung der Welthandelsorganisation (WTO) vom
August, die mit einer Lockerung des Patentschutzes den Weg für den
so genannten Generika-Import in arme Länder freimacht. "Wir sind
sehr stolz darauf, dass wir weltweit der erste Staat sind, der mit der
Umsetzung der WTO-Vereinbarung beginnt", sagte Handelsminister Pierre
Pettigrew am Donnerstag in Ottawa.
Beobachter erwarten, dass die Vorlage im parlamentarischen Verfahren
noch mehrfach abgeändert wird, bevor sie in Kraft tritt. Die
Pharmaindustrie erwartet bei einer Lockerung des Patentschutzes einen
Rückgang der Investitionen in Forschung und Entwicklung. Die
Patentgesetze in Kanada verbieten gegenwärtig die Nachahmung
patentierter Arzneien für 20 Jahre.
Bislang durften die von Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose
besonders betroffenen Länder so genannte Generika in der Regel
nicht einführen, sondern höchstens selbst herstellen. Die
weitaus meisten Entwicklungsländer können jedoch nicht auf
eine eigene Pharmaindustrie zurückgreifen. Importieren durften sie
nur die teuren Medikamente der Patentinhaber - oder über
Ausnahmegenehmigungen Generika aus Schwellenländern wie Indien
oder Brasilien. Nach der WTO-Einigung dürfen
Entwicklungsländer auch die billigeren Nachahmermedikamente
importieren.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
WTO ermöglicht armen Ländern Zugang zu billigeren Medikamenten
So.31.08.03 - Die Welthandelsorganisation (WTO) hat sich am Samstag darauf
verständigt, der Dritten Welt Zugang zu billigen Medikamenten zu
verschaffen, damit etwa Krankheiten wie Aids oder Malaria besser
bekämpft werden können.
Nach dem WTO-Beschluss dürfen Entwicklungsländer von einer
flexibleren Handhabung der internationalen Patentrechte profitieren und
Nachahmermedikamente (Generika) gegen tödliche Krankheiten wie
Aids, Malaria und Tuberkulose importieren, wenn sie diese selbst nicht
herstellen können. Bislang gilt zwar ein aufgeweichter
Patentschutz derartiger Medikamente für die ärmsten
Länder, er ist aber an die Produktion vor Ort gekoppelt und
verbietet den Import von Nachahmermedikamenten. Die meisten
Entwicklungsländer können jedoch nicht auf eine eigene
Pharma-Industrie zurückgreifen und sind somit von den billigeren
Arzneimitteln abgeschnitten...
Die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen [http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/] und Oxfam [http://www.oxfam.org/] kritisierten
jedoch, der Kompromiss sei mit zu vielen Bedingungen belegt. Dies sei
keine Lösung, mit der man arbeiten könne, hieß es in
einer gemeinsamen Erklärung.
Die jetzt gefundene Lösung wurde von den USA, wo einige der
weltweit größten Pharma-Konzerne ihren Sitz haben, Brasilien
und Indien, in denen viele Firmen arbeiten, die Nachahmer-Medikamente
herstellen, und Kenia und Südafrika ausgearbeitet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308310.htm#03083105
Bei der WTO-Konferenz gerät der Kompromiss über den Import
von Generika-Arzneimitteln erneut in die Kritik
Mehr in der "tageszeitung" vom 13.09.03:
http://www.taz.de/pt/2003/09/13/a0150.nf/text
Die Gesetze zum geistigen Eigentum schützen lediglich das
Kontroll- und Preismonopol und garantieren, dass Konzerne - oder, in
der Zwischenzeit, Megakonzerne- das Recht haben Monopolpreise
festzusetzen; dass Pharmazeutischen Produkten ein Preisniveau
garantiert wird, auf dem sie für einen Großteil der Welt
unerschwinglich bleiben. Unerschwinglich selbst für Menschen hier
bei uns. Medikamente in den USA sind viel teurer als die gleichen
Medikamente im benachbarten Kanada, teurer sogar als in Europa. In der
dritten Welt bedeutet dies schlicht den Tod für Millionen Menschen...
Aus: Noam Chomsky - "Unnachhaltige Nichtentwicklung", Znet 30.05.2000
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310260.htm#031026_h
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Gewaltsame Studentendemonstration in der Türkei
Proteste richten sich gegen die staatliche Kontrolle der
Universitäten
Fr.07.11.03 - Bei gewaltsamen Studentenprotesten in der Türkei sind am
Donnerstag mindestens 40 Menschen verletzt worden. In der Hauptstadt
Ankara demonstrierten rund tausend Hochschüler für autonome
Universitäten, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu
berichtete. Die Demonstranten warfen Steine und zerschlugen Scheiben von
Polizeifahrzeugen. Ein massives Polizeiaufgebot ging demnach gegen die
Studenten mit Schlagstöcken vor, setzte Tränengas und
Wasserwerfer ein. Etwa zehn Demonstranten seien festgenommen worden, 30
weitere wurden verletzt. Unter den Verletzten seien auch zehn Polizisten.
Der Protest richtete sich gegen die staatliche Kontrolle der
Universitäten. Vor 22 Jahren wurden die Hochschulen kurz nach einem
Militärputsch in der Türkei unter Aufsicht gestellt. Ein
eigens gebildeter Hochschulrat beschnitt die vormals weitgehend
unabhängigen Universitäten in ihrer Autonomie.
In Istanbul, der größten Stadt des Landes, löste die
Polizei eine pro-kurdische Demonstration unter Einsatz von
Tränengas auf. Unter den rund 500 Demonstranten waren auch
Anhänger des vor fast fünf Jahren festgenommenen PKK-Chefs
Abdullah Öcalan. Öcalan verbüßt eine lebenslange
Haftstrafe.
(Quelle: afp)
'Prestige'-Untergang kostet Spanien acht Milliarden Euro
Fr.07.11.03 - Der Untergang des Öltankers "Prestige" vor einem Jahr wird die
spanische Regierung rund acht Milliarden Euro kosten. Das geht aus
einem Bericht der Umweltschutzorganisation WWF/ADENA hervor. Demnach
belaufen sich allein die Kosten für die Reinigung der Strände
auf drei Milliarden Euro. Die restlichen fünf Milliarden werden
gebraucht, um die Verluste der Fischereiindustrie auszugleichen. Dem
Bericht zufolge wird das Ökosystem bis zu zehn Jahre
benötigen, um sich von der Umweltkatastrophe zu erholen.
(Quelle: br-Radionachrichten)
EU unterstützt Russlands Pläne für WTO-Beitritt bis Ende
2004
Fr.07.11.03 - Die Europäische Union (EU) will Russland bei seinem seit Jahren
währenden Bemühen unterstützen, bis Ende 2004 Mitglied
in der Welthandelsorganisation (WTO) zu werden.
Beide Seiten verständigten sich am Donnerstag beim
EU-Russland-Gipfel in Rom auf eine Fortsetzung der bislang schleppend
verlaufenden Gespräche mit dem Ziel, die Mitgliedschaft Russlands
in der WTO bis Ende 2004 zu sichern. "Wir begrüßen die
bisher erzielten Fortschritte in den Verhandlungen über Russlands
Beitritt zur WTO und bleiben überzeugt, dass es möglich und
wünschenswert ist, auf einen Beitritt Russlands gegen Ende 2004
hinzuarbeiten", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.
Russland bemüht sich seit mehr als zehn Jahren um einen Beitritt
zur WTO. Streitpunkt dabei war zuletzt Anfang Oktober die Forderung der
EU nach einer sofortigem Anhebung der russischen Energiepreise auf
Weltmarktniveau. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte dies
als unannehmbar zurückgewiesen, da sonst die russische Wirtschaft
in den Ruin getrieben werde. Dagegen hatte die EU erklärt, von
Russland werde nicht mehr verlangt, als im Rahmen der WTO üblich
sei. Die EU sieht in dem bestehenden Preisunterschied einen unfairen
Wettbewerbsvorteil für Exportunternehmen der russischen Industrie.
(Quelle: rtr)
Franzosen müssen für Pflegeversicherung einen Tag mehr
arbeiten
Fr.07.11.03 - Alle Beschäftigten in Frankreich müssen künftig einen
Tag pro Jahr mehr arbeiten, um eine neue Pflegeversicherung für
Senioren und Behinderte zu finanzieren. Für die rund fünf
Millionen staatlich Bediensteten wird ab 2005 der Pfingstmontag als
Feiertag abgeschafft. In der Privatwirtschaft können die
Unternehmen selbst entscheiden, ob der Pfingstmontag oder ein anderer
freier Tag gestrichen wird. Die Regierung verspricht sich mittelfristig
Mehreinnahmen von 1,9 Milliarden Euro im Jahr und will damit 10.000
neue Plätze in Pflegeheimen einrichten.
Premierminister Jean-Pierre Raffarin erinnerte an die fast 15.000
Hitzetoten, die nach einer ungewöhnlich langen Hitzeperiode im
August vor allem unter alten und allein stehenden Menschen zu beklagen
gewesen waren. Dadurch sei eine "Pflicht zum Handeln" entstanden. Die
zusätzlichen Einnahmen sollen in die staatliche
Solidaritätskasse CNSA eingezahlt werden; als deren Vorbild nannte
die Pariser Regierung die deutsche Pflegeversicherung. Neben
zusätzlichen Plätzen in Pflegeheimen sollen 17.000 Stellen
für häusliche Pflege entstehen.
Der gesetzgeberischen Rahmen zur Streichung des Feiertags wird laut
Raffarin erst Mitte nächsten Jahres stehen. Dementsprechend soll
der Plan ab dem 1. Juli 2004 in Kraft treten und die Beamten erstmals
zu Pfingsten 2005 treffen. Statt einen Feiertag als Arbeitstag zu
werten, können Beschäftigte in der Privatwirtschaft auch an
einem ihrer beim Arbeitszeitabbau durch die 35-Stunden-Woche
entstandenen, eigentlich freien Tage arbeiten.
(Quelle: afp)
Deutschland
CDU vor weiterem Diskriminierungs-Fall
Zentralrat der Muslime entsetzt über CDU-Abgeordneten Nitzsche
Fr.07.11.03 - Nach der Antisemitismus-Affäre um den CDU- Abgeordneten Martin
Hohmann steht die Union vor einem weiteren Diskriminierungs-Fall. Der
sächsische Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche sagte laut einem
"Tagesspiegel"-Bericht (Freitag) in einem Interview der
Unternehmer-Zeitschrift "DS-Magazin" über
türkischstämmige Deutsche und Muslime: Es sei "vergebliche
Liebesmüh, um die Wählerstimmen von eingebürgerten
Türken zu buhlen". Eher werde einem Muslim "die Hand abfaulen",
als dass er die CDU wähle.
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach kündigte im "Tagesspiegel"
an: "Wir müssen mit Nitzsche genauso ein ernstes Gespräch
führen wie mit Hohmann." Seine Äußerungen seien "grober
Unfug" und nicht akzeptabel. Nitzsche hatte das Interview von Mitte
2003 dem Bericht zufolge auf seiner Internetseite veröffentlicht.
Dort ist es mittlerweile jedoch nicht mehr zu finden.
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierte Nitzsches
Äußerungen scharf. Der Sprecher des Zentralrats Aiman Mazyek
sagte am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur dpa: "Als hätte
die Union nicht genug Probleme mit Herrn Hohmann." Jetzt versuche es
ein anderer mit Vorurteilen gegen die Muslime.
Nitzsche wurde vergangenes Jahr in den Bundestag gewählt. Der
44-Jährige ist seit 1993 CDU-Mitglied. Davor gehörte er der
Deutschen Sozialen Union (DSU) an. Er ist Berichterstatter der
CDU/CSU-Fraktion für den Stadtumbau Ost und die Altschuldenhilfe.
(Quelle: dpa)
Kritische Aktionäre: IG-Farben-Zwangsarbeiter gehen leer aus
Fr.07.11.03 - Bei einer Zahlungsunfähigkeit des seit Jahrzehnten in Abwicklung
befindlichen IG-Farben-Konzerns dürften frühere
Zwangsarbeiter nach Einschätzung Kritischer Aktionäre leer
ausgehen.
"Wenn die IG Farben nach mehr als 50 Jahren in Abwicklung durch eine
Insolvenz aufgelöst wird, wird das Restvermögen dazu
verwendet werden, die Gläubigerbanken auszuzahlen. Die
Zwangsarbeiter werden nichts davon bekommen", sagte Henry Mathews vom
Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre am
Donnerstag. Die IG Farben hatte am Mittwochabend erklärt, sie
stehe wegen potenzieller Zahlungsausfälle möglicherweise vor
der Zahlungsunfähigkeit. Von dem Unternehmen war seither keine
Stellungnahme zu erhalten.
Die eng mit dem nationalsozialistischen System verflochtene IG Farben,
die unter anderem das in Konzentrationslagern verwendete Giftgas Zyklon
B herstellte, war nach dem Krieg von den Alliierten zerschlagen worden
und befindet sich seit 1952 in Abwicklung. Die Aktien werden nur noch
auf dem Parkett gehandelt. Aus dem Konzern entstanden die Chemie-Riesen
Bayer, Hoechst (Aventis) und BASF . In der Vergangenheit hatte die IG
Farben Rechtsstreitigkeiten mit früheren Zwangsarbeitern
dafür verantwortlich gemacht, dass das Unternehmen bisher nicht
aufgelöst wurde. Nach eigenen Angaben hat der Konzern eine mit
500.000 Mark ausgestattete Zwangsarbeiter-Stiftung eingerichtet.
Auf kurzfristige Gewinne bedachte Anleger hatten das Handelsvolumen der
IG-Farben-Aktien in den vergangenen drei Jahren in die Höhe
schnellen lassen. Seit Januar 2001 wechselten 4,67 Milliarden
IG-Farben-Aktien an der Frankfurter Börse den Besitzer. Zum
Vergleich: Im gleichen Zeitraum wurden fünf Milliarden
Telekom-Aktien gehandelt, die deutsche Aktie mit dem größten
Handelsvolumen.
"Es ist eine Blutaktie. Die IG Farben hat Zehntausende Zwangsarbeiter
beschäftigt, der Konzern war einer der größten
Geldgeber der Nationalsozialistischen Partei. Es ist ein Skandal und
eine Beleidigung der überlebenden Zwangsarbeiter, dass diese
Aktien noch immer an deutschen Börsen gehandelt werden", sagte
Mathews.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die IG Farben eine große
Chemie-Fabrik in der Nähe des Konzentrationslagers Auschwitz
betrieben und dort etwa 83.000 Zwangsarbeiter beschäftigt.
Kritiker fordern seit langem eine Auflösung des Unternehmens.
Derzeit erwirtschaftet die IG Farben einen Großteil ihrer
Einnahmen aus ihrem Immobilienbesitz. Dem Geschäftsbericht aus dem
Jahr 2000 zufolge belief sich das Restvermögen des Unternehmens
auf ungefähr 40 Millionen Euro.
(Quelle: rtr)
Bundestag beschließt Nullrunde für Rentner
Kombiniert mit dem vollen Pflegebeitrag führt die Nullrunde unterm
Strich zu Verlusten für die Ruheständler
Fr.07.11.03 - Erstmals in der bundesdeutschen Geschichte gibt es im kommenden Jahr
eine Nullrunde für Rentner. Mit den Stimmen der Koalition
beschloss der Bundestag am Donnerstag ein umfangreiches Notpaket, das
harte Einschnitte für die Ruheständler vorsieht.
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering verteidigte es als
alternativlos für eine Stabilisierung des Beitragssatzes bei 19,5
Prozent. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel forderte von der Regierung
ein tragfähiges Rentenkonzept statt ständiger Notoperationen.
Die knapp 20 Millionen Rentner werden 2004 weniger Geld im Portemonnaie
haben. Ab April müssen sie den vollen Beitrag zur
Pflegeversicherung zahlen. Dies macht für einen
Durchschnittsrentner fast 20 Euro im Monat aus. Neurentner sollen -
vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesrats - ihre Altersbezüge
erst am Monatsende erhalten. Die Schwankungsreserve, der "Notgroschen"
der Rentenversicherer, wird von 0,5 auf 0,2 Monatsausgaben gesenkt. Die
Sparmaßnahmen sollen die Rentenkassen um acht Milliarden Euro
entlasten und den Beitragssatz bei 19,5 Prozent stabil halten.
Müntefering forderte die Opposition zur Zusammenarbeit bei den
rot-grünen Reformen auf. "Jeder Tag, der verloren geht, geht auf
Ihr Konto", sagte er an die Adresse von Union und FDP. Es sei auch an
der Opposition, dafür zu sorgen, dass in Deutschland wieder
Zuversicht und Wohlstandsmehrung eintrete.
Der Sozialverband Deutschland (SovD) befürchtet eine zunehmende
Altersarmut. Eine große Zahl von Ostdeutschen und Menschen mit
geringen Einkommen seien nicht in der Lage, privat vorzusorgen. "Dies
ist ein rabenschwarzer Tag für alle Rentner und für die
Zukunft der Rentenversicherung", erklärte Verbandspräsident
Adolf Bauer.
Der CSU-Sozialexperte Horst Seehofer nannte die rot-grüne
Rentenpolitik ein endloses Trauerspiel. Er forderte, den Menschen
"endlich reinen Wein einzuschenken". Die Rente sei kein Almosen,
sondern Gegenleistung für lebenslanges Arbeiten. Die
Grünen-Fraktionschefin Krista Sager räumte ein, dass die
rot-grünen Reformen für die Menschen mit Verzicht verbunden
seien. Sie verwies aber darauf, dass das Armutsrisiko für junge
Familien mit Kindern heute größer sei als bei Rentnern. Es
gehe um eine gerechte Lastenverteilung.
Nach Einschätzung der fraktionslosen Parlamentarierin Gesine
Lötzsch (PDS) wird durch das Rentensparprogramm ein weiterer Keil
zwischen Ost und West getrieben.
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer verlangte in
der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagausgabe) Abstriche beim
geplanten Nachhaltigkeitsfaktor sowie notfalls Beitragserhöhungen.
Sie forderte, den Nachhaltigkeitsfaktor "auf keinen Fall vor 2010"
einzusetzen. Um ein akzeptables Nettorentenniveau von deutlich
über 60 Prozent auch langfristig zu sichern, müsse man
notfalls Beitragssätze über 22 Prozent in Kauf nehmen, sagte
sie. Der CDU-Rentenexperte Andreas Storm befürchtet massive
Kaufkraftverluste für die Rentner in den kommenden Jahren. Er
hielt Sozialministerin Ulla Schmidt vor, die Ängste der Rentner
nicht ernst zu nehmen.
Der Sozialverband VdK warf der Bundesregierung Wortbruch gegenüber
den Rentnern in den neuen Ländern vor. Das einst abgegebene
Versprechen von gleichen Altersbezügen in Ost und West werde sich
durch die bevorstehenden Nullrunden auf Jahre nicht einlösen
lassen, sagte VdK-Präsident Walter Hirrlinger der Chemnitzer
"Freien Presse".
(Quelle: ap)
Rentenversicherer warnen vor Altersarmut für Langzeitarbeitslose
Fr.07.11.03 - Die gesetzlichen Rentenversicherer haben der Bundesregierung
vorgeworfen, sie dränge Langzeitarbeitslosen mit ihrer Politik in
die Altersarmut. "Die derzeitige Behandlung der Langzeitarbeitslosen
bedrückt mich", sagte Franz Ruland, Geschäftsführung des
Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR), der
"Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe). Wegen der neuen
Arbeitsmarkt-Gesetze bekomme ein Langzeitarbeitsloser für zehn
Jahre Arbeitslosigkeit nur noch eine Rente von 41,90 Euro.
"Langzeitarbeitslose fallen damit fast automatisch in die
Grundsicherung in Höhe der Sozialhilfe hinein", sagte Ruland. "Man
muss immer wieder der Politik klar machen, dass ein Staat letztlich nur
die Alternative hat: Entweder er investiert in den sozialen Ausgleich
einer Gesellschaft oder er investiert in Repression. Wenn wir andere
Länder auf dieser Welt nehmen: Ein größeres Maß
an Armut hat auch seine Kosten für die Gesellschaft. Und davor
würde ich gerne warnen."
(Quelle: ap)
«Auch die belasten, die Geld haben»
Der grüne Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele will die
Vermögensteuer wieder einführen. Man könne nicht nur bei
den armen Leuten kürzen, ohne die Reichen zur Kasse zu bitten.
Schließlich nehme der Reichtum einiger Deutscher rasant zu...
Mehr in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (07.11.03):
http://www.taz.de/pt/2003/11/07.nf/ressort.q,TAZ.re,wu
Blick ins Archiv
In Deutschland wächst die Kluft zwischen Arm und Reich
...Ordnet man die Bevölkerung nach ihrem
Nettovermögen (Bruttovermögen minus Schulden), verfügt
das obere Fünftel über 62,6 Prozent des gesamten Reichtums
der Haushalte. Das unterste Fünftel besitzt, außer
Gebrauchsgegenständen wie Auto, Möbeln oder Kleidern,
überhaupt kein Vermögen.
In Wirklichkeit dürften die Unterschiede noch größer
sein. Gerade die Reichen und Superreichen werden von den Statistikern
bei Umfragen nur unzureichend erfasst. Um so aufschlussreicher sind die
Daten, die das Investmenthaus Merrill Lynch zusammen mit einem
Beratungsunternehmen im German Wealth Report vorgelegt hat: Etwa ein
Viertel des gesamten deutschen Privatvermögens ist auf 365 000
Personen oder 0,5 Prozent der Bevölkerung konzentriert...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/../boa-archiv1/k0309200.htm#030920_w
Insgesamt beträgt das Nettovermögen in Deutschland mehr als
4,2 Billionen Euro.
Quelle: taz vom 03.09.03:
http://www.taz.de/pt/2002/09/03/a0044.nf/text.name,askH1NOb5.n,0
Gemeinsam besitzen alle Millionäre der Welt derzeit 27,2 Billionen
Dollar.
Quelle: taz vom 26.006.03:
http://www.taz.de/pt/2003/06/26/a0096.nf/text
Genug für alle
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4,152 Millionen Arbeitslose im Oktober
Noch keine Besserung auf dem Arbeitsmarkt
Fr.07.11.03 - Im Oktober waren 4,152 Millionen Arbeitslose registriert. Dies waren
rund 55.000 weniger als im September, aber 222.000 mehr als vor einem
Jahr. Der für die Jahreszeit übliche Rückgang fiel
stärker aus als erwartet. Auch die saisonbereinigte Zahl ging
stärker zurück und nahm um 12.000 auf 4,380 Millionen ab. Die
BA führte dies vor allem auf die Reformen zurück, wodurch
sich Arbeitslose aus der Statistik abmelden oder sich mit
Zuschüssen selbstständig machen.
Der fortgesetzte Rückgang der Erwerbstätigenzahl zeigt, dass
weiterhin Arbeitsplätze abgebaut werden. Diese ging im August nach
vorläufigen Angaben saisonbereinigt um 29.000 zurück. Die
Zunahme von geförderten Existenzgründungen und von Minijobs
habe den Rückgang noch abgeschwächt, erklärte die BA.
"Die Frühindikatoren sprechen zwar von einer Belebung der
Konjunktur", sagte Gerster. "Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
werden davon aber erst zeitverzögert profitieren." Der BA-Chef
geht nach früheren Aussagen davon aus, dass eine Trendwende am
Arbeitsmarkt erst Mitte nächsten Jahres einsetzt. Die BA
erklärte, sie erwarte eine geringe Zunahme des
Bruttoinlandsprodukts in der zweiten Jahreshälfte 2003. Analysten
werteten auch den Anstieg der Neuaufträge in der Industrie um 0,9
Prozent im September als Zeichen für die beginnende
wirtschaftliche Erholung in Deutschland.
Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte betonten, von
einer Wende auf dem Arbeitsmarkt könne noch keine Rede sein.
Manuela Preuschl von der Deutschen Bank sagte, die Perspektiven einer
wirtschaftlichen Aufhellung dürften sich positiv ausgewirkt haben.
"Man kann aber noch nicht von einer Trendwende sprechen." Andreas Rees
von der Hypovereinsbank zeigte sich vom Ausmaß des Rückgangs
überrascht: "Die Zahlen täuschen aber etwas vor, was nicht da
ist. Es gibt noch keine Erholung am Arbeitsmarkt."
(Quelle: rtr)
Bulmahn sieht keine Trendwende am Lehrstellenmarkt
Lehrstellen-Nachvermittlung nur schleppend +++
Diskussion um Ausbildungsumlage
Fr.07.11.03 - Die im Oktober weiter gewachsene Lehrstellenlücke bestärkt
SPD und Grüne in der Absicht, eine per Gesetz vorgeschriebene
Ausbildungsumlage auf den Weg zu bringen.
Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) erklärte am Donnerstag
zwar, sie setze nach wie vor auf die Freiwilligkeit der Wirtschaft.
Eine Trendwende sei jedoch nicht zu erkennen. Sie schließe "die
gesetzliche Notwendigkeit von Maßnahmen" daher nicht aus.
Entschiedener äußerte sich die stellvertretende
Grünen-Fraktionsvorsitzende Thea Dückert. Es werde mit der
SPD eine Gesetzesregelung vorbereitet, die "die Betriebe zu mehr
Ausbildung motivieren wird". Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD)
sagte, er könne sich gesetzgeberische Maßnahmen vorstellen,
die keine Umlage bedeuteten. Union und die Wirtschaftsverbände
lehnten eine Ausbildungsabgabe erneut kategorisch ab.
Die Lehrstellenlücke im neuen Ausbildungsjahr war von September
auf Oktober nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit um knapp
4000 auf 24.000 gestiegen. Die Nachvermittlungsaktion habe die Zahl der
Ende September unversorgten Bewerber zwar um 6600 auf 28.400
verringert. Allerdings seien im Oktober auch neue Bewerber
hinzugekommen. Insgesamt seien damit auf 37.800 unversorgte Bewerber
13.800 offene Lehrstellen gekommen.
Die vier großen Wirtschaftsverbände bezeichneten es als
"falsch und unverantwortlich", mit diesen Zahlen zu hantieren. Vielmehr
habe sich die Lehrstellenlücke von rund 20.000 auf rund 14.500
verringert. Die im Oktober hinzugekommenen Bewerber dürften nicht
mitgerechnet werden, weil sie überwiegend eine eben angetretene
Lehrstelle oder eine andere Ausbildung abgebrochen hätten. Es sei
nicht Aufgabe der Wirtschaft, allen von ihnen kurzfristig eine erneute
Chance zu geben.
Bulmahn ging in einer Pressemitteilung nur darauf ein, dass sich die
Zahl der Ende September unversorgten Bewerber durch die Nachvermittlung
verringert habe. Dies könne kaum als Erfolg gewertet werden,
erklärte Bulmahn und fügte hinzu: "Wir müssen endlich zu
einer Verstetigung des Angebots an Ausbildungsplätzen kommen."
Zudem müsse eine höhere Ausbildungsbeteiligung der bisher
nicht ausbildenden Unternehmen erreicht werden. Clement, der als
strikter Gegner einer gesetzlichen Regelung gilt, erklärte: "Die
Wirtschaft muss weiterhin mit aller Kraft alles ihr Mögliche tun,
damit bis zum Ende des Jahres alle Jugendlichen eine berufliche
Perspektive haben."
Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt erklärte: "Ich warne die
Bundesregierung davor, eine Ausbildungsplatzabgabe zu
beschließen." Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
müsse "diesen unsinnigen Plänen und dem Gerede sofort ein
Ende setzen". Die Debatte gefährde den Erfolg der
Nachvermittlungsoffensive. Auch CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer
sprach von einer "völlig kontraproduktiven Debatte über eine
Zwangsabgabe für Unternehmen". Der Deutsche Gewerkschaftsbund
(DGB) sah sich in seiner Forderung nach einer Ausbildungsumlage
bestätigt.
(Quelle: rtr)
Rogowski: Weniger Geld für Lehrlinge
Fr.07.11.03 - Industrie-Präsident Rogowski hat sich dafür ausgesprochen,
den Lohn von Lehrlingen zu kürzen. Der Tageszeitung "Die Welt"
sagte Rogowski wörtlich: "Ich sehe nicht ein, dass ein
Auszubildender in der Metallindustrie im ersten Lehrjahr, wenn er zur
Wertschöpfung nicht beiträgt, 650 Euro mit nach Hause nimmt."
Rogowski wandte sich in dem Interview auch gegen jede Verpflichtung
für Unternehmen, Lehrlinge übernehmen zu müssen. Laut
Rogowski hält dies Firmen davon ab, über ihren Bedarf hinaus
junge Leute auszubilden.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Bundespräsident: Wirtschaft muss sozialer Rolle gerecht werden
Fr.07.11.03 - Bundespräsident Johannes Rau hat an die deutsche Wirtschaft
appelliert, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. "Die
merkwürdige Symmetrie von steigenden Börsenkursen und
Entlassungen oder 'Freisetzungen', wie das genannt wird, ist nicht
gottgewollt", sagte Rau am Donnerstag vor der Synode der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD).
Die Wirtschaft sei um des Menschen willen da und nicht umgekehrt,
betonte Rau. Dies müsse immer wieder gesagt werden, wenn es um
Ausbildungs- und Arbeitsplätze gehe.
(Quelle: epd)
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