Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertfünfunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Armee übt nach Anschlägen in Irak Vergeltung:
Amerikanische Kampfflieger bombardieren Tikrit +++
US-Vize-Außenminister Armitage spricht von Irak als Kriegsgebiet
+++ Erneut tödliche Angriffe auf US-Truppen. Seit Kriegsbeginn mindestens 390
getötete US-Soldaten +++ Washington ersucht Verbündete um
weitere Truppen für Irak +++ Polen will Truppen schnell aus Irak
abziehen +++ Opposition in Deutschland fordert von
Schröder-Regierung größeren Beitrag zur Stabilisierung
des Irak +++ GSG 9 schützt auch deutsche Botschaft in Irak +++
US-Zivilverwaltung vermutet 300.000 Tote in irakischen
Massengräbern
So.09.11.03 - Nach dem Tod von sechs US-Soldaten nahe Tikrit in Irak hat die Armee
mit Vergeltungsangriffe begonnen. Die US-Streitkräfte in der Nacht
zu Samstag in Tikrit gegen mutmaßliche Aufständische vor.
Nach dem Absturz eines Militärhubschraubers in der Nähe der
Stadt bombardierten US-Kampfflugzeuge die Unfallstelle. In Tikrit
zerstörten Soldaten drei Gebäude, die nach ihrer
Überzeugung irakischen Kämpfern als Versteck dienten. Zudem
wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.
Bei dem Absturz des Hubschraubers waren sechs Soldaten ums Leben
gekommen. Die Maschine wurde nach Vermutungen der US-Streitkräfte
abgeschossen; womit, war am Samstag aber weiterhin unklar.
Bei einem Bombenanschlag in Bagdad ist am Samstagabend ein US-Soldat
getötet worden. Wie eine Sprecherin der US-Armee am Sonntag in der
irakischen Hauptstadt mitteilte, wurde bei dem Anschlag ein weiterer
US-Soldat verletzt.
In der Stadt Falludscha wurden am Samstag zwei US-Soldaten bei der
Explosion eines Sprengsatzes getötet. Seit Kriegsbeginn sind in
Irak mindestens 390 US-Soldaten getötet worden, davon 252 seit dem
offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai.
Großbritannien beklagt 52 getötete Soldaten, Dänemark,
Spanien, die Ukraine und Polen meldeten je einen.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) schloss aus
Sicherheitsgründen seine Büros in Bagdad und Basra. Am Abend
erschütterte eine Serie schwerer Explosionen Bagdad.
Das Bombardement sei die Antwort auf die Zunahme der Angriffe gegen die
US-Streitkräfte seit Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan,
sagte Kommandeurin Josslyn Aberle. Die Einsätze würden die
ganze Woche über fortgesetzt. In der Heimatregion des
früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein war am Freitag
erneut ein US-Hubschrauber abgestürzt. Die Ermittlungen der Armee,
ob es sich um einen Anschlag oder ein Unglück handelte, dauerten
am Samstag noch an. US-Soldaten in Tikrit sagten jedoch, der Helikopter
vom Typ Black Hawk sei mit einer Rakete beschossen worden.
Die beiden US-Soldaten in Falludscha wurden getötet, als ihr
Panzerfahrzeug über einen Sprengsatz fuhr, wie eine Sprecherin
mitteilte. Ein weiterer Soldat sei verletzt worden. Nach Angaben eines
Augenzeugen wurde der Konvoi mit Anti-Panzer-Raketen beschossen. Ein
Fahrzeug sei auf der Autobahn in die Stadt getroffen worden. Einem
Reporter der Nachrichtenagentur AFP zufolge geriet das Fahrzeug in
Brand. US-Soldaten riegelten die Autobahn ab.
Mindestens drei Detonationen waren am Abend in Bagdad in schneller
Folge zu hören, nachdem bereits tagsüber mehrere kleinere
Explosionen erfolgt waren, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Ein
US-Militärsprecher bestätigte zwei Explosionen am
Samstagabend, konnte aber zunächst keine Angaben zu deren Ursache
machen. Ein US-Offizier sagte, ein Militärkonvoi sei in der
Innenstadt Bagdads angegriffen worden, ohne Näheres dazu
mitzuteilen.
Irak ist nach den Worten des amerikanischen Vize-Außenministers
Richard Armitage ein Kriegsgebiet. Die andauernden Angriffe auf
US-Soldaten hätten ihn "ernüchtert". Er sei jedoch sicher,
dass die US-Streitkräfte "diese Leute kriegen, die uns und die
Iraker töten", sagte Armitage am Samstag während eines
Besuchs in Irak. Die Angriffe auf die US-Truppen stellten ein
ernsthaftes Problem dar, räumte auch US-Außenminister Powell
in einem Interview der arabischsprachigen Zeitung "Asharq al-Awsat" ein.
Trotz der zunehmenden Anschläge stehe ein Abzug der US-Truppen
aber nicht zur Debatte, sagte Powell dem in London erscheinenden Blatt.
Es sei übertrieben, bei den Angriffen von einem Albtraum zu
sprechen.
Die USA verhandeln derzeit mit mehreren Ländern über eine
Entsendung von Truppen nach Irak im kommenden Jahr. Der
stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage sagte am
Samstag während seines Besuchs in Bagdad, die Kommandeure der
US-Streitkräfte würden umfassend über den Stand dieser
Verhandlungen unterrichtet. Er rechne für das kommende Jahr mit
der Entsendung zusätzlicher Soldaten aus verbündeten
Ländern.
Polen will indes seine Truppen aus Irak so schnell wie möglich
wieder abziehen. Der polnische Außenminister Wlodzimierz
Cimoszewicz sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", die polnischen
Soldaten sollten "so früh wie möglich" in ihre Heimat
zurückkehren. Die Verantwortung solle dann an Iraker
übergeben werden, an politische Institutionen, an die irakische
Polizei sowie an paramilitärische Truppen, die zu einer irakischen
Armee werden könnten. Da sich die Sicherheitslage in Irak
verschlechtert habe, werde dies aber schwieriger, sagte der Minister.
Mit Blick auf den ersten am Donnerstag in Irak gefallenen polnischen
Soldaten sagte Cimoszewicz: "Das Risiko war uns allen bewusst." Polen
kommandiert seit Anfang September ein Kontingent von 9000 Soldaten, die
als Stabilisierungstruppe im Süden und Zentrum Iraks im Einsatz
sind. 2350 polnische Soldaten sind daran beteiligt.
Die Opposition in Deutschland fordert von der Schröder-Regierung
einen größeren Beitrag zur Stabilisierung des Irak. Union
und FDP haben die Regierung aufgefordert, mehr Verantwortung für
die Stabilisierung des Irak zu übernehmen. FDP-Fraktionschef
Wolfgang Gerhardt sagte der "Bild am Sonntag", angesichts der
Sicherheitslage müsse sich Deutschland mit seinen EU- Partnern
darüber verständigen. Im Vordergrund sollte der Aufbau einer
Zivilverwaltung stehen. Der außenpolitische Sprecher der
Unionsfraktion, Friedbert Pflüger, bezeichnete den deutschen
Beitrag als "lächerlich gering" und brachte einen Schuldenerlass
ins Spiel.
Anti-Terror-Experten der Grenzschutz-Spezialeinheit GSG 9 sind in Irak
auch zum Schutz der deutschen Botschaft in Bagdad eingesetzt.
Bundesinnenminister Otto Schily sagte der "Welt am Sonntag",
Deutschland habe wieder eine diplomatische Vertretung in Irak. Auch die
Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) in Irak würden von GSG
9 geschützt.
Die im Irak-Krieg zeitweise evakuierte deutsche Botschaft in Bagdad ist
nach Angaben des Auswärtigen Amtes lange wieder besetzt. Auf Grund
der angespannten Sicherheitslage und angesichts der Reisewarnungen
für Irak sei der Publikumsverkehr jedoch stark eingeschränkt.
Der Einsatz von BGS-Beamten zum Schutz von deutschen Botschaften gilt
in vielen Teilen der Welt als üblich.
Nach Einschätzung der US-Zivilverwaltung in Irak liegen in
geheimen Massengräbern bis zu 300.000 Opfer des Regimes von Saddam
Hussein verscharrt. Es handele sich überwiegend um bei
Aufständen in den 80er und 90er Jahren getötete Kurden und
Schiiten, sagte die Menschenrechtsbeauftragte der Behörde, Sandy
Hodgkinson, am Samstag in Bagdad.
(Quelle: dpa, rtr, afp, ap)
US-Repräsentantenhaus will Mini-Nukes zulassen
So.09.11.03 - Das US-Repräsentantenhaus hat sich dafür ausgesprochen, das
Verbot zur Entwicklung von Atomwaffen geringerer Sprengkraft
aufzuheben. Mit 362 zu 40 Stimmen billigten die Abgeordneten den
Rekord-Verteidigungshaushalt für 2004, der sechs Millionen Dollar
(5,2 Millionen Euro) für die Entwicklung so genannter Mini-Nukes
vorsieht. Weitere 15 Millionen Dollar sollen in den Umbau
herkömmlicher Atomsprengköpfe investiert werden.
Damit würde das zehn Jahre alte Verbot der Erforschung und
Entwicklung von Atombomben mit einer Sprengkraft von weniger als
fünf Kilotonnen aufgehoben. Die US-Regierung will solche Bomben
einsetzen, um unterirdische Bunker und Waffenlager zu zerstören.
Zudem sieht der 400 Milliarden Dollar umfassende Haushaltsentwurf 34
Millionen Dollar zur Verbesserung einer Atomtestanlage in Nevada vor.
Es gilt als sicher, dass der von den Republikanern dominierte Senat dem
Hauhalt kommende Woche ebenfalls zustimmen wird.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Atombehörde IAEA: USA halten sich nicht an Atomwaffen-Sperrvertrag
Mi.27.08.03 - Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA),
Mohamed ElBaradei, hat den USA vorgeworfen, sich nicht an den
Atomwaffensperrvertrag zu halten.
"Die US-Regierung verlangt von anderen Staaten, keine Atomwaffen zu
besitzen. Und rüstet selbst auf", sagte ElBaradei in einem am
Dienstag vorab veröffentlichten Interview des Magazins "Stern".
"Da wird mit doppeltem Maßstab gemessen." Im
Atomwaffensperrvertrag verpflichteten sich auch die USA zur nuklearen
Abrüstung. "Zurzeit passiert das Gegenteil." ElBaradei kritisierte
die Entscheidung des US-Senats, Forschung an "Mini-Atombomben" zu
finanzieren: "Noch geht es nur um Forschung. Aber das ist schlimm
genug", sagte er. "Ich glaube, es entspricht nicht dem Vertrag, den sie
unterzeichnet haben."
"Die fünf (offiziellen) Atommächte (USA, Russland, China,
Großbritannien und Frankreich) müssen eine klare Botschaft
an die Welt senden: Auch wir rüsten ab. Wir entwickeln keine neuen
Atomwaffen", sagte ElBaradei. Heute seien Atomwaffen nicht mehr
geächtet, sondern erschienen mehr und mehr legitim. Bislang agiere
die Welt auf die Bedrohung durch ihre Weiterverbreitung bestenfalls wie
die Feuerwehr: "Heute der Irak, morgen Nordkorea, übermorgen der
Iran. Und dann?" ElBaradei forderte weitergehende Rechte für die
Waffeninspekteure der Vereinten Nationen (UNO): "Sie müssen
unangemeldet und ungehindert Zugang zu allen Anlagen erhalten."
(Quelle: rtr)
US-Militärs und Rüstungslobby erwägen Einsatz von
Nuklearwaffen - Aufrüstung mit Mini-Nukes
Die Planungen des US-Verteidigungsministeriums zum Einsatz
nuklearer Waffensysteme nehmen konkrete Formen an. Über 150
Vertreter des Militärs und der nationalen Rüstungsindustrie
kamen am Donnerstag vergangener Woche auf dem Luftwaffenstützpunkt
Offutt im US-Bundesstaat Nebraska zusammen, um den künftigen Um-
und Aufbau des nuklearen Waffenarsenals zu beraten. Im Zentrum der
Diskussion stand die Entwicklung von "mini-nukes", kleinen Atomwaffen
mit einer Sprengkraft von bis zu einer Kilotonne...("junge Welt"
vom 11.08.03)
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/08-11/005.php
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15407/1.html
Friedensaktivisten protestieren vor US-Atomwaffenanlag
Mo.11.08.03 - Rund 58 Jahre nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima haben hunderte
Demonstranten vor der US-Anlage Oak Ridge gegen die weitere Produktion
von Kernwaffen protestiert. "Entwaffnung beginnt zuhause" und "Frieden
statt Krieg" war auf den Transparenten der rund 300 Aktivisten zu
lesen, die am Sonntag vor der Waffenfabrik aufmarschierten, aus der das
Uran stammt, das am 6. August 1945 Tod und Verzweiflung über die
japanische Stadt Hiroshima brachte.
Mehrere Demonstranten wurden festgenommen. Gegen die Protestkundgebung
formierte sich eine kleine Gegendemonstration. Noch heute leiden
tausende Menschen an den Spätfolgen der Bomben von Hiroshima und
Nagasaki, nach deren Abwurf Japan am 15. August 1945 kapitulierte.
(Quelle: ap)
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Tonband zu Gebeten für Kampf gegen US-Truppen aufgerufen
So.09.11.03 - Ein mutmaßlicher Taliban-Sprecher hat Muslime in der ganzen Welt
aufgefordert, während des Fastenmonats Ramadan für Erfolge im
Kampf gegen die US-Truppen zu beten. Auf einem Audioband, das der
Nachrichtenagentur AP am Samstag zuging, hieß es weiter, die
Taliban wollten ihren Kampf gegen die Koalitionstruppen in Afghanistan
fortsetzen. Gott möge allen Mudschahedin zum Sieg verhelfen,
«in Afghanistan, in Irak und jedem anderen Teil der Welt».
Bei dem Sprecher soll es sich um Sajed Hamid Agha handeln, einen der
wichtigsten Sprecher der Taliban. Wann das Band aufgenommen wurde, war
nicht klar. Auch seine Echtheit konnte zunächst nicht
bestätigt werden.
(Quelle: ap)
Möglicherweise bis zu 30 Tote bei El-Kaida-Anschlag in Riad
Das Selbstmordattentat ereignete sich in einer vornehmlich von Arabern
bewohnten Anlage. Unter den Opfern sollen sich viele Kinder befinden
So.09.11.03 - Bei einem offenbar von der Extremistengruppe El Kaida verübten
Bombenanschlag auf ein Ausländer-Wohnquartier der saudiarabischen
Hauptstadt Riad sind am Sonntag Schätzungen zufolge bis zu 30
Menschen getötet worden.
Zudem müsse mit 50 bis 100 Verletzten nach dem Selbstmordattentat
in der vornehmlich von Arabern bewohnten Anlage nahe dem
Diplomatenviertel Riads gerechnet werden, erfuhr Reuters aus westlichen
Diplomatenkreisen. TV-Berichten zufolge waren viele Kinder unter den
Opfern. In dem Quartier Muhaja leben nach Angaben der Wohnleitung auch
westliche Ausländer - darunter zwei deutsche Familien. Einem
US-Diplomaten zufolge wurde ein Amerikaner verletzt. Ein US-Bürger
werde zudem vermisst. Die USA hatten jüngst vor einem Anschlag in
Saudi-Arabien gewarnt und ihre Vertretungen in dem Königreich
vorübergehend geschlossen.
"Das ist ein gegen Unschuldige gerichtetes Verbrechen im Stile der El
Kaida. Es ist eine El Kaida Operation", verlautete nach dem
verheerenden Anschlag aus Sicherheitskreisen. Vor einem halben Jahr
waren in Riad 35 Menschen bei Anschlägen getötet worden,
für die damals auch El Kaida verantwortlich gemacht wurde. Die
Organisation des in Saudi-Arabien geborenen Moslem-Extremisten Osama
bin Laden hat mehrfach Drohungen sowohl gegen die Herrscher in Riad
ausgestoßen als auch gegen westliche Ausländer, die
Schlüsselpositionen in dem größten Ölexportland
der Welt einnehmen.
"Ich habe Schüsse gehört, viele Schüsse und dann eine
heftige Explosion. Viele Häuser wurden beschädigt, vier oder
fünf stürzten ein", sagte ein Bewohner, der mit dem Schrecken
davon kam. "Eine riesige Explosion hat die Fenster bersten lassen. Ich
sah viele Verletzte, und ich glaube, eine Menge Menschen starben",
sagte ein arabischer Bewohner der Anlage dem Fernsehsender El Arabija.
Die meisten Bewohner des Quartiers seien Libanesen, Ägypter und
Syrer, hieß es weiter. In der Wohnanlage im Westen der Hauptstadt
wurden Sicherheitskräfte zusammengezogen, während
Hubschrauber den Explosionsort überflogen. Ein westlicher Diplomat
sagte, nach der Explosion sei eine dünne Rauchsäule im
Nachthimmel über dem Wohnquartier aufgestiegen.
Der saudiarabische Gesundheitsminister Hamad bin Abdullah el Manei
sprach im Fernsehen kurz nach der Tat von mindestens 50 verletzten, die
in mehrere Krankenhäuser der Stadt eingeliefert worden seien. Die
Leiterin der Wohnanlage sagte dem Sender el Arabija, fast alle Bewohner
der rund 200 Villen umfassenden Anlage seien Araber. Neben zwei
deutschen Familien bewohnten eine französische und eine britische
Familie sowie Italiener die Anlage. Die Häuser der Europäer
würden von Sicherheitskräften bewacht, sagte die Leiterin.
(Quelle: rtr)
16 mutmaßliche Islamisten bei Armeeoffensive in Algerien
getötet
So.09.11.03 - Bei Militäroffensiven in Algerien sind Medienberichten zufolge 16
mutmaßliche militante Islamisten getötet worden. Nahe Youb,
rund 450 Kilometer westlich der Hauptstadt Algier, hätten Soldaten
am Freitag acht Bewaffnete getötet und zwei festgenommen,
berichtete die Zeitung "El Watan" am Samstag. Zwei mutmaßliche
Islamisten kamen der Zeitung "Le Matin" zufolge in Ouled-Aich, 300
Kilometer westlich von Algier, ums Leben. Bereits am Mittwoch seien
sechs weitere Extremisten bei einer Militäraktion getötet
worden.
In Algerien tobt seit elf Jahren ein Bürgerkrieg. Die Unruhen
begannen 1992, nachdem die Armee die Parlamentswahl abgebrochen hatte,
aus der offenbar die fundamentalistische Islamische Heilsfront (FDIS)
als Sieger hervorgegangen wäre. Mehr als 120.000 Menschen wurden
seither getötet.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelische Armee nimmt bei Bethlehem zehn Palästinenser fest +++
Tausende protestieren in Rom gegen israelische Sperranlage
So.09.11.03 - Die israelische Armee hat am frühen Sonntagmorgen bei einem
Einsatz im Flüchtlingslager Aida und in Doha bei Bethlehem im
Westjordanland zehn Palästinenser festgenommen. Wie
palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten, sind vier der
Festgenommenen Aktivisten der Fatah-Bewegung von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat.
In Rom haben am Samstag Tausende gegen die umstrittene israelische
Sperranlage zum Westjordanland protestiert. Nach Angaben der
Organisatoren beteiligten sich mehr als 30.000 Menschen an dem "Stopp
the Wall"-Marsch. Unter ihnen waren Fatwa Barghuti, die Frau des
inhaftierten Palästinenserführers Marwan Barghuti, sowie der
israelische Friedensaktivist Michal Schwarz von der Bewegung
Demokratische Aktion. An dem Marsch durch die Innenstadt Roms waren
auch Mitglieder der Kommunisten, der Grünen sowie der
italienischen Gewerkschaften beteiligt. Viele der Demonstranten
schwenkten palästinensische Flaggen.
(Quelle: afp)
Deutsche Grüne stellen Bedingung für U-Boot-Lieferung an
Israel
So.09.11.03 - Die von der Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) geplante
Lieferung von zwei weiteren deutschen U-Booten an Israel wird vom
stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der
Grünen-Bundestagsfraktion, Winfried Nachtwei, als "sehr
problematisch und heikel" bezeichnet. Abgesehen von der komplizierten
Abwägung mit Blick auf die Rüstungsexportrichtlinien forderte
der Verteidigungsexperte im Gespräch mit der "Berliner Zeitung"
vom Wochenende, dass bei einem möglichen Export "zweifelsfrei
ausgeschlossen sein" müsse, dass die U-Boote mit Atomwaffen
bestückbar wären. Ein HDW-Sprecher hatte zuvor
bestätigt, dass das Unternehmen mit Genehmigung der
Bundesregierung "technische Gespräche" mit der israelischen Marine
über das Geschäft führe. Bereits 1999 und 2000 hatte die
Werft drei U-Boote geliefert.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Kieler Werft soll offenbar wieder U-Boote für Israel bauen
Boote sind für das Abfeuern von Trägerraketen mit
nuklearen Sprengköpfen präpariert +++ Experte: Lieferung
würde den Tatbestand der Beihilfe zur Weiterverbreitung von
Kernwaffen erfüllen
Do.06.11.03 - Deutschland wird Israel einem Zeitungsbericht zufolge zwei weitere
U-Boote vom Typ "Dolphin" liefern. Die "Berliner Zeitung"
(Donnerstagausgabe) zitierte einen Sprecher der Kieler
Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) mit den Worten, die
Bundesregierung habe die Genehmigung für "technische
Gespräche" zur Vorbereitung des Geschäfts erteilt. Ein
Liefertermin sei noch nicht absehbar. HDW hatte bereits in den Jahren
1999/2000 drei U-Boote dieses Typs für die israelische Marine
gebaut.
Die Boote sind der Zeitung zufolge für das Abfeuern von
Trägerraketen mit nuklearen Sprengköpfen präpariert. Das
Blatt zitierte den Sicherheitsexperten Ottfried Nassauer mit der
Einschätzung, dass ihre Lieferung den Tatbestand der Beihilfe zur
Weiterverbreitung von Kernwaffen erfüllen würde. Die
endgültige Exportentscheidung muss der Bundessicherheitsrat
fällen.
(Quelle: ap)
Mossad erstellt angeblich Plan zur Zerstörung von Irans
Atomanlagen
Mo.13.10.03 - Israel bereitet laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der
Spiegel" Angriffsstrategien zur Zerstörung iranischer Atomanlagen
vor. Eine Spezialeinheit des Geheimdiensts Mossad habe vor zwei Monaten
den Auftrag zur Ausarbeitung entsprechender Pläne erhalten, meldet
das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Die US-Zeitung "Los Angeles Times"
berichtete am Samstag, als Reaktion auf das iranische Atomprogramm habe
Israel U-Boot-Raketen so umgerüstet, dass sie nukleare
Sprengköpfe tragen könnten.
Zudem könnten die verbesserten Raketen auch Ziele an Land treffen,
schrieb die "Los Angeles Times" unter Berufung auf amerikanische und
israelische Quellen. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310130.htm#03101302
Heftige Kritik der Kirchen an deutschen Waffenexporten nach Israel +++
Israel rüstet offenbar von Deutschland gelieferte U-Boote
mit Abschussvorrichtungen für Nuklearwaffen aus
Mo.13.10.03 - Angesichts der Verschärfung des Nahost-Konflikts haben
Kirchenvertreter und Experten für Sicherheitspolitik deutsche
Rüstungsexporte nach Israel kritisiert. Diese würden den
politischen Friedensbemühungen widersprechen, sagte der
Vorsitzende der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE),
Prälat Karl Jüsten, am Donnerstag in Berlin. Trotz der Lehren
aus der deutschen Geschichte müsse über die
Rüstungskooperation in Deutschland eine "rationale Debatte"
geführt werden, so der Prälat.
Nach einer Studie des Informationszentrums für transatlantische
Sicherheit (BITS) gehört Israel seit 1999 zu den
größeren Empfängern deutscher Waffen. Trotz des
rot-grünen Transparenzversprechens bei
Rüstungsgeschäften, halte die Regierung einen Teil der
Lieferungen geheim, sagte Christopher Steinmetz, einer der Autoren...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310130.htm#03101303
Israels deutsche Atom-U-Boote
Laut einem Bericht der "Los Angeles Times" sind von Deutschland an
Israel gelieferte U-Boote umgebaut und mit Mittelstreckenraketen mit
Atomsprengköpfen bestückt worden. Das sollen israelische und
US-Quellen bestätigt haben. (taz vom 13.10.03)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/13/a0107.nf/text
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/15829/1.html
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Dutzende Tote bei Rebellenangriffen in Uganda
So.09.11.03 - Bei Rebellenangriffen in Norduganda sind Dutzende Menschen getötet
worden. Wie ein Militärsprecher am Samstag berichtete, richteten
Kämpfer der Widerstandsarmee des Herrn (LRA) Blutbäder in
mehreren Dörfern an. Nach Ansicht der Streitkräfte haben
LRA-Kommandeure die Überfälle angeordnet, um den Tod des
Rebellenführers Charles Tabuley zu rächen. Tabuley war Ende
Oktober von Soldaten erschossen worden.
Ein Mitarbeiter der Comboni-Missionare in der Stadt Lira berichtete von
Überfällen der Rebellen auf mindestens fünf Dörfer
seit Mittwoch. Mehr als 3.000 Menschen seien geflohen. Die LRA
kämpft seit 17 Jahren gegen die Regierung von Präsident
Yoweri Museveni. Immer wieder entführen die Rebellen Kinder und
Jugendliche, um sie zu Kämpfern auszubilden oder als Konkubinen zu
misshandeln. Der gewaltsame Aufstand der LRA hat den gesamten Norden
des Landes verwüstet, tausende Bewohner das Leben gekostet und
fast 900.000 weitere in die Flucht getrieben.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Jugendliche fordern Ende des Bürgerkriegs in Uganda
So.24.08.03 - Tausende verängstigte Jugendliche haben in Nord-Uganda ein Ende
des seit 17 Jahren andauernden Bürgerkriegs gefordert. Bei einer
von der katholischen Kirche organisierten Demonstration riefen sie am
Samstag in Gulu nach Sicherheit und Frieden. In der Region rund 350
Kilometer nördlich der Hauptstadt Kampala kämpfen die
Rebellen der Widerstandsarmee des Herrn (LRA) gegen die Regierung von
Präsident Yoweri Museveni. Immer wieder entführen sie Kinder
und Jugendliche, um sie zu Kämpfern auszubilden oder als
Konkubinen zu misshandeln...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0308240.htm#03082404
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Liberias Weg zum Frieden ist noch weit
Die Friedenstruppen sind im Land, der Bürgerkrieg in Liberia ist
offiziell vorbei. Doch außerhalb der Hauptstadt Monrovia ist der
Frieden noch fern. Rebellen und regierungsnahe Milizionäre
plündern weiter und versetzen die Bevölkerung in Angst und
Schrecken. Die internationale Friedensmission ist noch zu schwach, um
Liberia wieder auf die Beine zu helfen.
So.09.11.03 - "Das sind Diebe, Kriminelle und Mörder", sagte kürzlich der
UN-Gesandte für Liberia, Jacques Klein, über die Kämpfer
beider Seiten. "Und sie werden weiter rauben, bis wir die Verantwortung
übernommen haben." Weder die Regierung noch die Kommandeure der
Rebellen hätten ihre militanten Anhänger unter Kontrolle.
Erst wenn die Friedenstruppe der Vereinten Nationen im Januar ihre
Sollstärke von 15.000 Mann erreicht habe, werde sich die Lage
langsam beruhigen. Bislang sind etwa 4.500 internationale Soldaten in
Liberia, nur wenige von ihnen sind außerhalb der Hauptstadt im
Einsatz.
"Wenn man sich an Orte vorwagt, die nicht von den Friedenssoldaten der
Vereinten Nationen kontrolliert werden, geht man ein Risiko ein", sagt
der 37-jährige Pastor Aaron Sao in der Ortschaft Totota, der im
Sommer vor den Kämpfen aus seinem Dorf geflohen ist.
Hunderttausende Flüchtlinge wagen sich auch nach dem
Friedensabkommen vom August nicht in ihre Dörfer zurück.
Viele harren in Lagern aus, andere haben bei Freunden oder Verwandten
Unterschlupf gesucht.
Mitte Oktober nahm die in den Friedensgesprächen vereinbarte
Übergangsregierung unter Gyude Bryant ihre Arbeit auf. Sie soll
Wahlen in den kommenden zwei Jahren vorbereiten. Bislang können
Recht und Gesetz nach vier Jahren Krieg der Rebellen gegen den
mittlerweile zurückgetretenen Präsidenten Charles Taylor in
weiten Teilen des Landes allerdings noch keinen Fuß fassen.
"Was wir am dringendsten brauchen, ist Sicherheit, damit wir nach Hause
zurückkehren können", sagt Sao. In seinem Heimatdorf Gbarnga,
rund 160 Kilometer nordöstlich von Monrovia, schikanierten
Rebellenkämpfer weiterhin die Bevölkerung. Ein Sprecher der
LURD-Rebellen, Mohammed Farbeh, weist die Vorwürfe zurück.
Die Menschen sollten keine Angst haben, sondern "die Gerüchte
ignorieren und uns auf die Probe stellen, indem sie zurückkehren",
sagt Farbeh. "Sie werden sehen, dass wir auf die Menschen
Rücksicht nehmen."
In Sanoyea südwestlich von Gbargna zwängen frühere
Milizionäre Taylors die Anwohner, ihnen die Ernte abzutreten und
sie zu ernähren, berichten Flüchtlinge. "Meine Familie und
ich verließen den Ort, weil Menschen geschlagen und gezwungen
werden, ihren Reis für die Kämpfer abzuernten", sagt Karbel
Larkey im Lager Totota.
Viele Liberianer haben Krieg und Flucht, Angst und Hunger in den
letzten Jahren mehr als einmal durchgemacht. Schon während des
Bürgerkriegs von 1989 bis 1996, der mit einem Aufstand des
damaligen Rebellenführers Taylor begann, flüchteten
unzählige Menschen vor den Kämpfen. Nur zwei Jahre nach
Taylors Machtübernahme begann 1999 der nächste Krieg. Beim
Vormarsch der Rebellen auf Monrovia und den Gefechten mit
Regierungstruppen fielen in diesem Jahr mehr als 1.000 Einwohner zum
Opfer.
In die Hauptstadt ist mit der Ankunft der Friedenstruppen Ruhe
eingekehrt. Das übrige Land muss sich gedulden. Noch seien die
Möglichkeiten für eine Ausweitung der Friedensmission nicht
gegeben, sagt der kenianische Kommandeur der UN-Truppen, Daniel Opande:
"Unsere Belastungsgrenze ist erreicht."
(Quelle: ap)
In 15 Konflikten werden Kindersoldaten eingesetzt
So.09.11.03 - Der Einsatz von Kindersoldaten weltweit hat nach einem Bericht der
Vereinten Nationen "massive Ausmaße" erreicht. In 15 Ländern
werden Kinder von Bürgerkriegsparteien zum Kämpfen gezwungen,
heißt es in dem am Freitag vorgestellten Dokument. Betroffen sind
vor allem Entwicklungsländer, aber auch in Nordirland rekrutieren
die Paramilitärs nach UN-Erkenntnissen Jugendliche unter 18
Jahren. Die Autoren des Berichts rufen den Weltsicherheitsrat auf,
Sanktionen gegen Staaten und Gruppen zu erwägen, die Kinder als
Soldaten missbrauchen.
Die Zahl dieser Gruppen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. In der
Elfenbeinküste beispielsweise sei der Einsatz von Kindersoldaten
eine neue Entwicklung, sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan bei der
Präsentation des Berichts. Seit Beginn des dortigen
Bürgerkriegs im September vergangenen Jahres, der im Juli
offiziell für beendet erklärt wurde, rekrutierten sowohl
Rebellen- als auch Regierungstruppen Kinder. Auch in Liberia, Somalia,
Uganda und Birma werden Kindersoldaten von allen
Bürgerkriegsparteien eingesetzt, die Streitkräfte
eingeschlossen.
In Uganda fielen dem Bericht zufolge zahlreiche Kinder, die mit
Mühe der Rebellengruppe Widerstandsarmee des Herrn (LRA) entkommen
waren, den Regierungstruppen in die Hände. Die LRA verschleppte
allein im vergangenen Jahr 8.000 Kinder. Ähnlich dramatisch ist
die Situation in Kolumbien, wo 7.000 Kinder für linke Guerilleros
und rechte Bürgerwehren kämpfen. Weitere 7.000 sind nach
UN-Angaben in städtischen Milizen aktiv, die zum Teil mit den
Bürgerkriegsparteien in Verbindung stehen.
Auch an den Stammeskämpfen in Burundi, in Kongo und in Afghanistan
sind Kinder beteiligt. Rebellen auf den Philippinen, in Sudan und in
Nepal setzen ebenfalls Minderjährige ein. Die Separatisten in
Tschetschenien lassen Landminen und Sprengsätze von Kindern
auslegen. Auch die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) auf Sri Lanka
setzen die Rekrutierung Minderjähriger fort. Dabei hätten dem
Weltkinderhilfswerk (UNICEF) das Gegenteil versprochen, fort,
heißt es in dem Bericht.
Als Gegenmaßnahmen schlagen die Autoren vor, Waffenembargos gegen
die betroffenen Länder zu verhängen. Zudem sollte der
Weltsicherheitsrat Angehörige der verantwortlichen Gruppen mit
Reiseverboten belegen und ihre Auslandskonten einfrieren.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Weltweit mehr als 300.000 Kinder als Soldaten missbraucht
Do.14.08.03 - Rund um den Globus sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF
derzeit etwa 300.000 Kindersoldaten im Einsatz. Minderjährige
würden von Milizenchefs vor allem deshalb angeheuert, weil sie
billig zu haben und leicht manipulierbar seien, teilte UNICEF in Berlin
mit. Besonders hoch sei der Anteil kämpfender Kinder in
Schwarzafrika. Dort gebe es Milizen, die bis zu 60 Prozent aus
Minderjährigen bestünden. "Wir dürfen nicht vergessen,
dass diese Kinder Opfer sind, die erst von skrupellosen Kriegsherren zu
Tätern gemacht wurden", sagte der Vorsitzende von UNICEF
Deutschland [http://www.unicef.de],
Reinhard Schlagintweit.
Eine Erklärung für die hohe Zahl von Kindersoldaten sei der
seit den 90er Jahren veränderte Charakter der Kriegführung,
sagte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Dietrich
Garlichs. Kämpfe würden mittlerweile überwiegend nicht
mehr auf dem Schlachtfeld, sondern in Städten und Dörfen
ausgetragen. Zudem würden die neuen Kriege nicht mehr mit
militärischem Großgerät bestritten, sondern mit
Kleinwaffen. Dies erlaube sogar ganz jungen Kindern, bewaffnet in den
Kampf zu ziehen...
Mehr unter:
http://home/t-online.de/home/boa-archiv1/k0308140.htm#03081406
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Birma: Suu Kyi lehnt Haftentlassung zurzeit ab
Die Oppositionsführerin verlangt die vorherige Freilassung
ihrer Anhänger
So.09.11.03 - Die birmanische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi befindet sich
nach UN-Angaben nicht länger in so genannter Sicherheitshaft. Suu
Kyi lehne eine Entlassung jedoch ab, solange viele ihrer Anhänger
noch inhaftiert seien, erklärte der UN-Menschenrechtsgesandte
Paulo Sergio Pinheiro am Samstag in Rangun: "Sie will die letzte sein,
die freikommt."
Pinheiro war am Donnerstag mit der Friedensnobelpreisträgerin des
Jahres 1991 in ihrem Haus zusammengetroffen. Sie wird seit Ende Mai
festgehalten, nachdem sich Oppositionelle ein blutiges Gefecht mit
Regierungsanhängern geliefert hatten. Die Behörden hatten
erklärt, die Haft und der anschließende Hausarrest dienten
Suu Kyis eigener Sicherheit. Von den 101 damals Festgenommenen befinden
sich laut Pinheiro noch 35 im Gefängnis. Zudem stünden acht
Führungsmitglieder von Suu Kyis Nationaler Liga für
Demokratie weiter unter Hausarrest.
Ob der Oppositionsführerin völlige Freiheit angeboten wurde
oder ob ihr Arrest wegen anderer Begründungen fortbesteht, war
zunächst unklar. Pinheiro erklärte lediglich, die
Sicherheitshaft sei aufgehoben, auch wenn die Behörden dies
bislang nicht öffentlich bekannt gemacht hätten. Die
Politikerin wolle aber auf jeden Fall nicht vor ihren Anhängern
auf freien Fuß gesetzt werden.
(Quelle: ap)
Srilankisches Kabinett weist Vorschlag einer Allparteienregierung ab
So.09.11.03 - Auch nach der Aufhebung des Ausnahmezustands in Sri Lanka hat sich der
Streit zwischen Staatspräsidentin Chandrika Kumaratunga und der
Regierung fortgesetzt. Mehrere Kabinettsmitglieder wiesen am Samstag
die Forderung der Präsidentin zurück, eine Regierung der
nationalen Einheit unter Beteiligung aller Parteien des Landes zu
bilden. Kumaratunga hatte dies am Freitagabend unter Verweis auf die
«ernste Gefahr», in der das Land schwebe, vorgeschlagen.
Für diese Gefahr machte sie erneut die amtierende Regierung
verantwortlich, die den tamilischen Rebellen zu viele
Zugeständnisse gemacht habe.
Justizminister W.J.M. Lokubandara erklärte, wenn die
Präsidentin eine Zusammenarbeit wünsche, müsse sie die
Entlassung mehrerer Minister rückgängig machen. "Es ist nicht
normal, Zwang anzuwenden und dann nach einer Allparteienregierung zu
rufen", sagte er. "Ehe wir diesen Vorschlag in Betracht ziehen,
müssen wir alle erst auf unsere ursprünglichen Positionen
zurückkehren." Kumaratunga hatte während einer USA-Reise von
Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe drei Minister entlassen und
in der Hauptstadt Colombo Truppen aufmarschieren lassen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Ausnahmezustand über Sri Lanka verhängt
Mi.05.11.03 - Die sri-lankische Präsidentin Chandrika Kumaratunga hat am
Mittwoch den Ausnahmezustand über Sri Lanka verhängt. Das
Präsidentenamt teilte mit, die Anordnung sei unterzeichnet, aber
noch nicht veröffentlicht worden. Die Streitkräfte haben
damit erweiterte Vollmachten. Zugleich wurde versichert, dass der
Machtkampf in der sri-lankischen Regierung nicht ein Wiederaufflammen
des Bürgerkrieges mit den tamilischen Rebellen zur Folge haben
solle...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311050.htm#03110504
Ausnahmezustand in Sri Lanka aufgehoben
Sri Lankas Regierungschef sucht Machtprobe mit Präsidentin
Fr.07.11.03 - Die srilankische Staatspräsidentin Chandrika Kumaratunga hat den
zwei Tage zuvor verhängten Ausnahmezustand am Freitag wieder
aufgehoben. Über die Gründe war zunächst nichts bekannt.
Der Machtkampf in Sri Lanka zwischen Präsidentin und Regierung hat
sich am Freitag zugespitzt. Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe
kündigte unmittelbar nach seiner Rückkehr von einer USA-Reise
an, das von Präsidentin Chandrika Kumaratunga vorübergehend
suspendierte Parlament einzuberufen. Die Abgeordneten müssten
"sofort zusammenkommen, um den Friedensprozess fortzusetzen", sagte
Wickremesinghe auf dem Flughafen der Hauptstadt Colombo vor tausenden
Anhängern. Ohne das Parlament könne der
Aussöhnungsprozess mit den tamilischen Rebellen nicht fortgesetzt
werden....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311070.htm#03110703
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Überlebende von Srebrenica klagen auf eine Milliarde Dollar
So.09.11.03 - Überlebende des Massakers von Srebrenica wollen die Vereinten
Nationen und die niederländische Regierung auf eine Milliarde
Dollar verklagen. Der Anwalt Semir Guzin sagte am Samstag der
Nachrichtenagentur AP, eine entsprechende Klage werde in den kommenden
drei Monaten eingereicht. "Wir bemühen uns um insgesamt eine
Milliarde Dollar und hoffen auf eine außergerichtliche Einigung",
erklärte Guzin.
Im Juli 1995 hatten bosnisch-serbische Truppen die UN-Schutzzone
Srebrenica überrannt und etwa 8.000 bosnische Moslems
getötet. Den niederländischen Friedenstruppen dort gelang es
nicht, das Massaker zu verhindern. Die niederländische Regierung
übernahm die Verantwortung und trat im April 2002 zurück.
Guzin hatte bereits vor einem Jahr im Namen der Überlebenden an
die UN geschrieben und um Entschädigung in Höhe von einer
Milliarde Dollar gebeten. "Die Vereinten Nationen haben nie offiziell
geantworte"», sagte er.
In Bosnien wurden bisher 5.000 Opfer von Srebrenica exhumiert. Mit
Hilfe von DNA-Analysen konnten fast 1.200 von ihnen identifiziert
werden.
(Quelle: ap)
Iran bekräftigt Zusammenarbeit mit Atomenergiebehörde
So.09.11.03 - Knapp zwei Wochen vor der Sitzung des Gouverneursrats der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hat Iran am Samstag
seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit bekräftigt. Teheran werde
Kontrollen seiner Atomanlagen zulassen und sein Programm zur
Urananreicherung aussetzen, erklärte der Sekretär des
Nationalen Sicherheitsrats, Hasan Rowhani. Kommende Woche werde Teheran
ein genaues Datum für die Aussetzung vorlegen.
IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei erklärte nach einem Treffen
mit Rowhani, Iran werde der IAEA zudem eine Erklärung zum
geforderten Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag übergeben.
Das Protokoll ermöglicht UN-Inspektoren unangekündigte
Kontrollen der iranischen Atomanlagen.
Unter internationalem Druck hatte Iran der Behörde im Oktober
einen Bericht übergeben, der nach Angaben Teherans alle
Aktivitäten zur atomaren Energiegewinnung vollständig offen
legt und weiter zugesagt, auf die Urananreicherung zu verzichten. Der
Gouverneursrat der IAEA wird am 20. November über einen Bericht
ElBaradeis zum iranischen Nuklearprogramm beraten. Sollte der Rat mit
der Zusammenarbeit Teherans nicht zufrieden sein, kann er den
Weltsicherheitsrat anrufen, der Sanktionen gegen Iran verhängen
könnte.
Die iranische Regierung hat wiederholt betont, ihr Nuklearprogramm
lediglich zur Stromerzeugung zu nutzen. Die USA werfen Iran dagegen
vor, heimlich Atomwaffen zu entwickeln.
(Quelle: ap)
Groß-Ayatollah kritisiert Chamenei
So.09.11.03 - Der bei der iranischen Bevölkerung beliebte Groß-Ayatollah
Ali Hussein Montaseri hat das geistliche Oberhaupt des Landes, Ali
Chamenei, heftig kritisiert und ein neues System gefordert. "Die
absolute Herrschaft der regierenden Gottesgelehrten ist falsch", sagte
der 82-jährige Montaseri der "Welt am Sonntag". "Ein
Regierungssystem kann und darf nicht auf eine einzige Person
gestützt sein. Wir brauchen ein Kollektiv, in dem das Volk einen
herausragenden Platz besetzt", sagte Montaseri. Über
wirtschaftliche, politische und andere Fragen sollten Experten
entscheiden.
Montaseri verteidigte außerdem die iranische Atompolitik. Israel,
die USA und Russland sowie andere Länder verfügten über
Atomwaffen, deshalb habe auch Iran "natürlich" das Recht, sich
"mit den friedlichen Aspekten der Nukleartechnologie zu befassen.
Alles, was darüber hinausgehe, lehne er ab. Das gelte nicht nur
für Iran, sondern für die ganze Welt.
Montaseri war in den 80er Jahren von Ayatollah Khomeini zum Nachfolger
ernannt worden, bevor er wegen kritischer Äußerungen
entmachtet und später unter Hausarrest gestellt wurde, der erst
Anfang 2003 wieder aufgehoben wurde.
(Quelle: afp)
Friedensnobelpreisträgerin Ebadi spricht sich gegen Kopftuchverbot aus
Alle Dinge könne "man nutzen oder ausnutzen". Es seien "die
Gedanken des Menschen, die zählen".
So.09.11.03 - Die iranische Rechtsanwältin und diesjährige
Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi hat sich gegen ein
Kopftuchverbot für Musliminnen in Deutschland ausgesprochen. In
einem am Samstag veröffentlichten Interview des
Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hob Ebadi die individuelle Freiheit
hervor. "Wenn eine Frau ein Kopftuch tragen möchte, dann muss man
ihr das zubilligen", wird sie zitiert. Dagegen bekräftigte die
baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan im "Focus"
ihre Ansicht, dass das Kopftuch ein politisches Symbol sei.
Ebadi erklärte dem "Spiegel" zufolge: "Alle Dinge kann man nutzen
oder ausnutzen. Es sind die Gedanken des Menschen, die zählen."
Dass sie selbst bei Besuchen im Westen kein Kopftuch trage, sei kein
demonstrativer Akt, sondern ihre ganz persönliche Entscheidung,
betonte sie. Demgegenüber sagte die CDU-Politikerin Schavan, das
Kopftuch stehe auch für eine eher fundamentalistische Auslegung
des Korans und für eine kulturelle Abgrenzung. Sie verteidigte
ihren Gesetzentwurf, der nächste Woche im Stuttgarter Kabinett
verabschiedet werden soll und in dem das Kopftuch für Lehrerinnen
verboten wird.
Ebadi kritisierte im "Spiegel" die Männergesellschaft in Iran.
"Unser Hauptproblem ist die patriarchalische Kultur, die im Morgenland
dominiert, also auch in Iran", sagte sie. So sei die Frau nach
iranischem Gesetz "nur halb so viel wert wie ein Mann, für dessen
gewaltsamen Tod doppelt so viel Blutgeld gezahlt werden muss wie
für eine ermordete Frau". Doch ihr Kampf gegen das Patriarchat
zeige "durchaus Erfolg", wie das Aufrücken von Frauen in
Führungspositionen zeige: "Wir sind auf dem richtigen Weg."
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Kopftuch nein, Kreuz ja
Baden-Württemberg legt Gesetzentwurf für Kopftuch-Verbot vor
Mi.29.10.03 - Baden-Würtemberg will Lehrerinnen das Tragen eines Kopftuches
verbieten, christliche Symbole hingegen erlauben. Das geht aus dem
bundesweit ersten Gesetzentwurf zur Kopftuchfrage vor, den
Kultusministerin Annette Schavan (CDU) am Dienstag in Stuttgart
vorstellte.
Im Schulgesetz des Bundeslandes soll künftig ein religiöses,
politisches und weltanschauliches Neutralitätsgebot verankert
werden, wie Kultusministerin Annette Schavan (CDU) in Stuttgart
sagte. Das Kopftuch stehe nicht nur für Religion, sondern sei auch
Zeichen der politischen Unterdrückung im Islam.
Das gelte nicht für christlich-abendländische Bildungs- und
Kulturwerte, die vom Schulgesetz ausdrücklich gedeckt seien,
betonte Schavan. ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310290.htm#03102918
Die Kopftuch-Vorkämpferin Frau Ludin und die Mudschaheddin
Die "Muslimische Jugend Deutschlands" (MJD) wird wegen
verfassungsrechtlicher Bedenken nicht weiter vom Staat
gefördert. Laut Berliner Verfassungsschutz gibt es
"organisatorische und personelle Berührungspunkte" zwischen MJD
und den fundamentalistischen Muslimbrüdern, dem verbotenen
Al-Aksa-Verein und auch zu Organisationen, die der vom
Verfassungsschutz beobachteten islamistischen Milli Görüs
nahe stehen. Fereshta Ludin, die Lehrerin, die bis vor das
Verfassungsgericht zog, weil sie nur mit ihrem Kopftuch unterrichten
möchte, war von 1997 bis 1999 im Vorstand der MJD...
Mehr in der "tageszeitung" vom 08.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/08/a0038.nf/text
Die Debatte um das Kopftuch wird repressiv geführt. Eine
aufgeklärte Gesellschaft sollte gelassener diskutieren...
Mehr in einem taz-Interview (06.11.03) mit dem Ethnologen Werner
Schiffauer:
http://www.taz.de/pt/2003/11/06/a0158.nf/text
'Tückische Tücher - Christen werfen Nebelkerzen'
Die Kopftuch-Debatte in Deutschland:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310120.htm#031012_o
Chirac will Kopftücher an Schulen offenbar per Gesetz verbieten
Mi.05.11.03 - Im Streit um Kopftücher an Frankreichs Schulen will
Staatspräsident Jacques Chirac offenbar das Tragen sämtlicher
Zeichen religiöser und politischer Zugehörigkeit in den
Bildungseinrichtungen des Landes verbieten. Ein entsprechendes Gesetz
dürfte Anfang kommenden Jahres auf den Weg gebracht werden,
hieß es am Mittwoch im Pariser Elysée-Palast. Nach
Informationen des Radiosenders Europe 1 sind Chirac und sein
Premierminister Jean-Pierre Raffarin entschlossen, den seit langem
schwelenden Streit durch eine harte, weit reichende rechtliche Regelung
zu beenden.
In Frankreich herrscht seit einem Jahrhundert eine strikte Trennung von
Staat und Religion. Chirac hatte sich zuletzt in einer Rede
öffentlich hinter die religiöse und weltanschauliche
Neutralität des Staates (Laizität) gestellt, die zu den
Grundfesten der französischen Republik zähle. "Die
Laizität ist nicht verhandelbar", hatte der Staatschef betont.
Notfalls müsse sie per Gesetz gesichert werden. Auch der
Chirac-Vertraute Alain Juppé, Chef der konservativen
Regierungspartei UMP, ist für ein gesetzliches Verbot. Raffarin
hatte bekräftigt, dass er das Tragen von Kopftüchern durch
Schülerinnen oder Lehrerinnen ablehnt.
(Quelle: afp)
Türkei feiert 80. Jahrestag der Republiksgründung
Streit um das Kopftuch-Verbot in öffentlichen Institutionen
Mi.29.10.03 - Die Türken begehen heute feierlich den 80. Jahrestag der
Republiksgründung. Am 29. Oktober 1923 löste die neue
Staatsform das Osmanische Reich ab. Staatsgründer Mustafa Kemal
Atatürk wollte sein Land damals nach Westen ausrichten und trennte
den Staat von der Religion. So wurden das lateinische Alphabet und
westliche Rechtssysteme eingeführt. Der säkulare Staat steht
seitdem in einem Spannungsverhältnis zu den religiösen
Kräften im Land.
Aktuell ist der Streit um das Kopftuch-Verbot in öffentlichen
Institutionen: Zum Staatsempfang am Republikstag lud Präsident
Ahmet Necdet Sezer nur Politiker-Ehefrauen ein, die kein Kopftuch
tragen - gegen den Protest der islamisch-konservativen AKP von
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.
(Quelle: afp)
Mehr als ein Streit ums Kopftuch
Achtzig Jahre nach Ausrufung der türkischen Republik ist der Kampf
um das Erbe Mustafa Kemal Paschas, genannt Atatürk, in vollem
Gange...
Mehr in der "tageszeitung" vom 29.10.2003:
http://www.taz.de/pt/2003/10/29/a0121.nf/text
Friedensnobelpreis für iranische Menschenrechtlerin
Preisträgerin Schirin Ebadi erkennt keinen Widerspruch zwischen
Menschenrechten und Islam +++ Iranische Regierung gratuliert
Nobelpreisträgerin +++ Ebadi fordert Freilassung politischer
Häftlinge
Sa.11.10.03 - Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die iranische
Menschenrechtlerin Schirin Ebadi. Die 56-jährige Juristin forderte
nach der Entscheidung des Nobelkomitees am Freitag die sofortige
Freilassung von politischen Gefangenen, die wegen
Meinungsäußerungen inhaftiert sind.
In ihrem Engagement insbesondere für Frauen und Kinder habe sich
die 56-jährige Juristin und Autorin auch von Drohungen nicht
erpressen lassen, erklärte das Nobelkomitee in seiner
Würdigung. Schirin Ebadi sei in einer Zeit der Gewalt stets
für Gewaltfreiheit eingetreten....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310110.htm#03101108
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Affäre um anti-moslemische Äußerungen
CDU-Abgeordneter Nitzsche legt trotz Entschuldigung nach +++ Merkel
nennt abfällige Äußerungen über Muslime 'dumm und
falsch'
So.09.11.03 - Trotz seiner Entschuldigung für abfällige
Äußerungen über Muslime hat der sächsische
CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche nachgelegt. Er versicherte am
Samstag zwar, keine Vorbehalte gegen türkische Mitbürger zu
haben, verteidigte aber in demselben Fax ähnlich geartete
Äußerungen.
In einem Vortrag zum Thema Zuwanderung hatte Nitzsche nach eigener
Erinnerung vom "letzten Ali aus der letzten Moschee" gesprochen. Diese
Äußerung sei bei Vorwürfen gegen ihn aber aus dem
Zusammenhang gerissen worden. Sie seien auch weder
ausländerfeindlich noch rechtsextremistisch oder antidemokratisch.
Sachsens CDU- Generalsekretär Hermann Winkler wollte dies
zunächst nicht kommentieren. "Ich sehe noch erheblichen
Gesprächsbedarf mit Herrn Nitzsche", sagte er der
Nachrichtenagentur dpa.
Nach seiner Erinnerung hatte Nitzsche in einem Vortrag bei der
Burschenschaft Cheruscia in Dresden am 30. Oktober wörtlich unter
anderem gesagt: "Knapp 98 Prozent (der Asylbewerber) werden als
politische Verfolgte abgelehnt - das belegt, dass es sich bei der
Mehrheit der scheinbar politisch Verfolgten um
Wirtschaftsflüchtlinge handelt, so dass offenbar wird, dass in
unsere auf Pump finanzierten Sozialsysteme der letzte Ali aus der
letzten Moschee Zuflucht nehmen kann."
Eingangs seiner aktuellen Erklärung hatte sich Nitzsche für
bundesweit debattierte Äußerungen entschuldigt, wonach einem
Moslem die Hand abfalen würde, bevor er die CDU wähle. "Ich
entschuldige mich für die Wortwahl, die den Eindruck erwecken
kann, ich hätte Vorbehalte gegen türkische Mitbürger.
(...) Die Wortwahl kann in der Tat missverstanden werden."
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat die anti-moslemischen Nitzsches
scharf kritisiert und ernste Gespräche mit dem Parlamentarier
angekündigt.
"Abgesehen davon, dass die Äußerung angesichts der
engagierten muslimischen CDU-Mitglieder auch im deutsch-türkischen
Forum dumm und falsch ist, ist sie vollkommen inakzeptabel", sagte
Merkel der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" vom Samstag. "Es
werden ernste Gespräche mit Herrn Nitzsche geführt werden."
Nitzsche hatte in einem erst jetzt bekannt gewordenen Interview mit der
Zeitschrift des Bundes der Selbständigen (BDS), "Der
Selbständige", gesagt: "Um Wählerstimmen von
eingebürgerten Türken zu buhlen, halte ich für
vergebliche Liebesmüh. Eher wird einem Moslem die Hand abfaulen,
als dass er bei der Christlich-Demokratischen Union sein Kreuz auf dem
Wahlzettel macht."
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Hakki
Keskin, forderte in der "Neuen Presse" den Ausschluss Nitzsches aus der
Unions-Bundestagsfraktion. Rund 16 Prozent türkischstämmiger
Wähler hätten bei der Bundestagswahl "trotz andauernder
Diskriminierungen von CDU-Politikern" die Union gewählt. "Und wir
stellen fest, dass deren Hände immer noch heil sind, diese
Verfaulungen nicht eingetreten sind."
Durch Nitzsches Äußerungen wurde die Debatte um
antisemitische und ausländerfeindliche Tendenzen in der Union
angeheizt. Die Diskussion war vom hessischen CDU-Parlamentarier Martin
Hohmann ausgelöst worden. Er hatte in einer Rede am Tag der
Deutschen Einheit die Frage aufgeworfen, ob Juden ebenso wie Deutsche
als "Tätervolk" bezeichnet werden dürften. Die CDU rügte
Hohmann dafür. Er blieb jedoch Mitglied der Fraktion. Der
bisherige Chef des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr,
Reinhard Günzel, wurde am Dienstag seines Postens enthoben, weil
er Hohmanns Positionen in einem Brief an den Abgeordneten gelobt hatte.
(Quellen: dpa, rtr)
Auch der rechtsextremen Zeitschrift 'Junge Freiheit' gab der Bundestagsabgeordnete
Henry Nitzsche mit deutlichen Worten Auskunft
...Im März 2003 gab er als "CDU-Bundestagsabgeordneter" und
"Mitbegründer des Demokratischen Aufbruch" dem rechten Periodikum
unter dem Titel "Die deutsche Fahne schwenken" ein Interview. Das
Gespräch firmierte unter der Headline "Der
CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche widersetzt sich in der
Irak-Frage seiner Fraktion und fordert nationales
Selbstbewußtsein statt 'Dank für die Befreiung'".
Angesprochen auf seine bekannte Haltung zum Mangel an deutscher
Souveränität, antwortete Nitzsche "dass viele Menschen in den
alten Bundesländern offenbar vergessen haben, wie die deutsche
Fahne aussieht!" Er weiß es und habe sie natürlich auch
geschwenkt, betont Nitzsche, und zwar "nicht nur für die Einheit
unseres Vaterlandes, sondern auch für die Freiheit und den
'aufrechten Gang'"...
Mehr bei telepolis (09.11.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16047/1.html
Muslimen faule eher die Hand ab, bevor sie CDU wählten - hat der
CDUler Henry Nitzsche gesagt. Bei anderer Gelegenheit sprach er vom
"letzten Ali". Der Grüne Cem Özdemir beschreibt in einem
taz-Interview, wie tolerant Deutschland wirklich ist und wie sich
Einwanderer vergeblich abmühen, endlich anerkannt zu werden...
Cem Özdemir: ...Sie können in Deutschland eine x-beliebige
Zeitung aufschlagen - und finden mit Sicherheit Begriffe, die in den
USA ein Skandal wären. "Getürkt" ist da noch das wenigste.
Auch wenn man mich jetzt für humorlos hält - ich finde es
nicht in Ordnung, eine Kultur mit Betrug zu assoziieren. Sprache ist
kein Zufall. Sprache ist verräterisch.
..Im Focus stand neulich über den Reiseunternehmer Herrn Öger
"ein Türke mit deutschem Pass". Bitte, was ist das? Ein
getürkter Türke - oder was? Ich war neulich nach einem Jahr
Abstinenz in einer deutschen Talkshow zum Kopftuchurteil. Mit Alice
Schwarzer, der atheistischen, linken Feministin. Ich bin in der
Kopftuchfrage hin- und hergerissen, aber das Spannende an dieser
Sendung war nicht das Kopftuch, es war etwas anderes. Alice Schwarzer
reichte es nicht, zu sagen: "Ich bin gegen das Kopftuch weil …", sie
musste darauf hinweisen, dass Frau Ludin, die seit fünf Jahren
einen deutschen Pass hat, eigentlich nicht hierher gehört, weil
sie ja Afghanin sei.
...Vielleicht hat Frau Schwarzer Recht mit ihren Argumenten gegen das
Kopftuch - aber warum muss sie Frau Ludin verbal die
Staatsbürgerschaft entziehen? Ich habe Schwarzer in dieser Sendung
gefragt, was ich denn dann für sie bin. Für Leute wie mich
gibt es ja das Wort "Passdeutscher" - auch so ein Ausdruck, der in
anderen Sprachen nicht existiert. Darauf sprach sie von meiner
besonderen Beziehung zur Türkei. Es ist eine interessante
Erfahrung, vor laufenden Kameras ausgebürgert und zum
Repräsentanten der Türkei erklärt zu werden.
...Verwunderlich ist schon, dass Herrn Nitzsche rhetorisch gelungen
ist, was Bin Laden bislang vergeblich versucht hat: Er macht aus dem
eher atheistischen Teilzeitmuslim, der zu Ramadan mal seine Eltern
besucht, und dem Anhänger des politischen Islam kurzerhand eine
Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft existiert nicht in Wirklichkeit,
dafür umso lebendiger in Herrn Nitzsches Kopf. Damit ist er ein
authentischer Vertreter des deutschen Reinheitsgebots. Der nächste
Schritt wäre wohl die Forderung nach einem Heiratsverbot zwischen
Muslimen und Christen. Der Fall Nitzsche zeigt, dass Fundamentalismus
nicht nur ein islamisches Problem ist.
Mehr in der "tageszeitung" vom 10.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/10/a0120.nf/text
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Entlassener General Günzel erwägt Klage gegen Struck
Günzel weist Antisemititmus-Vorwurf zurück und verteidigt auch Hohmann gegen Kritik
So.09.11.03 - Nach seiner Entlassung wegen des Lobs für die antisemitische Rede
eines CDU-Abgeordneten erwägt General Reinhard Günzel eine
Klage gegen das Vorgehen von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD).
"Ich überlege mir, ob ich Schritte einleite, um meinen Ruf wieder
herzustellen, der in übler Weise beschädigt worden ist",
sagte Günzel der "Bild am Sonntag" nach einem Vorabbericht. "Jedem
Hühnerdieb wird rechtliches Gehör gegeben. Aber ein deutscher
General wird ohne Anhörung in die Wüste geschickt." Ihm sei
klar, dass ihn der Verteidigungsminister jederzeit ohne Angabe von
Gründen entlassen könne. Er wehre sich aber dagegen, dass der
Minister ihn als "geistig verwirrten Mann" bezeichnet habe. Ein
Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte sich zu Günzels
Kritik und einer möglichen Klage wegen Rufschädigung nicht
äußern.
Struck hatte Günzel am Dienstag als Chef der Eliteeinheit Kommando
Spezialkräfte (KSK) abgelöst und die Entlassung durch
Bundespräsident Johannes Rau erwirkt. Auf Fragen nach der
Verbreitung antisemitischen Gedankenguts in der Bundeswehr sagte
Struck: "Es handelt sich hier um einen einzelnen, verwirrten General."
Günzel hatte in einem Brief die antisemitische Rede des
CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann gelobt. Hohmann hatte zum Tag
der Deutschen Einheit gesagt, angesichts der Rolle von Juden bei der
russischen Revolution könne man von den Juden als "Tätervolk"
sprechen. Die Unions-Fraktion rügte Hohmann dafür und zog ihn
aus dem Innenausschuss ab. Hohmanns Rede und der Umgang der Union mit
dem Vorfall lösten scharfe Kritik aus.
Günzel wehrte sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus. "Mir
Antisemitismus zu unterstellen, das ist geradezu aberwitzig", sagte er
dem Magazin "Focus". Der "Bild am Sonntag" sagte er: "Ich bin genauso
wenig Antisemit wie (die früheren israelischen
Ministerpräsidenten) Ben Gurion und Golda Meir." Zugleich
verteidigte er auch Hohmann gegen Kritik. "Es ging Herrn Hohmann in der
Tat nicht darum, das jüdische Volk zu verletzen und zu beleidigen,
sondern darum, Normalität für das deutsche Volk herzustellen.
Das war seine Schussrichtung." Hohmann selbst hatte gesagt, er habe die
Juden nicht als Tätervolk bezeichnen wollen und entschuldige sich,
wenn dieser Eindruck entstanden sei.
Hohmann soll der "Bild"-Zeitung zufolge künftig nicht mehr an
Wehrübungen teilnehmen. Mit der Entscheidung, den Major der
Reserve dazu nicht mehr einzuberufen, ziehe die Führung der
Bundeswehr die Konsequenz aus dessen Äußerungen, hieß
es. Das Verteidigungsministerium wollte den Bericht nicht kommentieren.
(Quelle: rtr)
Israels Ex-Botschafter Primor sieht keinen neuen Antisemitismus
So.09.11.03 - Israels früherer Botschafter in Deutschland, Avi Primor, sieht
trotz der Hohmann-Affäre keine Anzeichen für einen neuen
Antisemitismus. Die Deutschen setzten sich ehrlicher mit ihrer
Vergangenheit auseinander als andere Völker. Das sagte Primor der
"Welt am Sonntag". Primor begrüßt die Entlassung des
KSK-Leiters Reinhard Günzel. Der Bundeswehrgeneral hatte die als
antisemitisch kritisierte Rede des CDU-Abgeordneten Martin Hohmann
gelobt. Zudem plädierte Primor für einen Rücktritt
Hohmanns.
(Quelle: dpa)
Saar-SPD auf Konfrontationskurs zur Bundesregierung
So.09.11.03 - Die saarländische SPD ist mit heftigen Angriffen auf die Politik
der Bundesregierung in den Landtagswahlkampf gestartet. Der
Landesvorsitzende Heiko Maas forderte am Samstag auf dem
SPD-Landesparteitag in Landsweiler-Reden (Kreis Neunkirchen) von der
Bundesregierung mehr soziale Ausgewogenheit bei den Reformen. Die SPD
werde so lange nicht aus dem Keller herauskommen, wie immer "zuerst bei
den Kleinen" angesetzt werde.
Die Nominierung von Maas als Spitzenkandidat für die Landtagswahl
2004 wurde von den Delegierten in einem Leitantrag indirekt
bestätigt. Er hat dafür auch die Unterstützung des
ehemaligen Parteichefs Oskar Lafontaine, der in Landsweiler-Reden
seinerseits die Bundespartei erneut scharf kritisierte.
Maas forderte auch einen Beitrag von denen, die "auf der Sonnenseite
des Lebens" stünden. Mit Blick auf die Bundespolitik sagte er,
dass Reformen nicht nur Sparmaßnahmen sein dürften. Konkret
forderte Maas die Wiedereinführung einer Vermögensteuer,
sowie auf das Vorziehen der Senkung des Spitzensteuersatzes zu senken.
In seiner Rede wies Maas die Forderung nach einer
Länderneugliederung zurück. Damit distanzierte er sich von
der Position des "Netzwerks Berlin" junger SPD-Politiker. Ein Papier
mit dieser Forderung hatte auch Maas' Stellvertreterin, die
Bundestagsabgeordnete Astrid Klug, unterzeichnet.
Vor den 400 Delegierten verteidigte Maas unter Applaus seine Absicht,
mit dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden und Ex-Ministerpräsidenten
Lafontaine gemeinsam in den Wahlkampf zu gehen. Die "Geschlossenheit
ist wieder hergestellt", betonte Maas.
Auch Lafontaine selbst warf der SPD vor, den Neoliberalismus der
Wirtschaftsverbände "nachzuplappern". Das Volk fühle sich
nicht mehr vertreten von der SPD, rief Lafontaine unter dem Beifall der
Delegierten aus. Die Steuerreform 2000 habe die öffentlichen
Kassen geplündert. Er forderte kreditfinanzierte Investitionen der
öffentlichen Hand und Steuersenkungen für die Masse der
Bürger.
Die 400 Delegierten verabschiedeten mit großer Mehrheit eine
Resolution zur Landespolitik. Sie enthält erste Grundlinien
für ein Regierungsprogramm. Darin wird unter anderem ein Ausbau
der Ganztagsangebote versprochen. Die von der CDU-Landesregierung auf
zwölf Jahre verkürzte Gymnasialzeit soll als Ganztagsangebot
beibehalten werden. Maas kündigte daneben eine
Wiedereinführung des Abiturs nach 13 Jahren an. Eine SPD-Regierung
wolle in Biotechnologie, Energietechnik und den Ausbau der
Autoindustrie investieren.
Außerdem wurden Heiko und der Vorsitzende des Arbeitsgemeinschaft
für Arbeitnehmerfragen (AfA), der Bundestagsabgeordnete Ottmar
Schreiner, einstimmig bzw. mit einer Gegenstimme als Kandidaten
für die Wahl zum SPD-Bundesvorstand aufgestellt. Am Vormittag war
der Europaabgeordnete Jo Leinen einstimmig erneut für die
Europawahl im Juni 2004 nominiert worden
(Quelle: ap)
DGB wirft Union Blockadekurs in Steuerreformdebatte vor
DGB-Chef Michael Sommer hat die Absicht der Union scharf kritisiert,
ein Ja zum Vorziehen der Steuerreform an Änderungen im Arbeits-
und Tarifrecht zu knüpfen
So.09.11.03 - "Statt einer klaren Kompromisslinie haben CDU und CSU gerade wieder
Maximalpositionen aufgestellt und gehen damit auf Blockadekurs, schrieb
Sommer in einem Gastbeitrag für "Bild am Sonntag" laut
Vorabbericht. Bei den Menschen erweckten sie damit den Anschein, als
wollten sie den Bürgern die Steuersenkung nicht gönnen. Von
der rot-grünen Koalition verlangt Sommer, bei den Verhandlungen im
Vermittlungsausschuss hart zu bleiben.
"Wir erwarten, dass SPD und Grüne diesen Anschlag auf den
Sozialstaat vereiteln", schrieb Sommer. Die von der Union geforderten
betrieblichen Bündnisse für Arbeit seien ein Freibrief
für die Geschäftsleitungen, die Löhne in Abweichung von
den Tarifverträgen zu drücken und die Arbeitszeiten zu
verlängern. Der Flächentarifvertrag müsse auch in
Zukunft Grundlage der Beziehungen zwischen Unternehmen und
Belegschaften bleiben.
CDU und CSU hatten am Freitag im Bundesrat den Großteil der
Reform-Agenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
gestoppt und neue Hürden für ihre Zustimmung zum Vorziehen
der dritten Steuerreform-Stufe von 2005 auf 2004 errichtet. Eine
Einigung knüpften die Unionsländer an die Bedingung weiter
reichender Reformen im Arbeits- und Tarifrecht sowie an eine
Finanzierung, die weitgehend auf neue Schulden verzichtet.
(Quelle: rtr)
Wirtschaft ruft zu schneller Einigung im Steuer-Streit auf
So.09.11.03 - Im Steuerstreit zwischen Regierung und Opposition hat die Wirtschaft
beide Seiten zu einer raschen Einigung aufgerufen. DIHK-Präsident
Ludwig Georg Braun, betonte in der "Welt am Sonntag", Bürger und
Unternehmen bräuchten endlich Planungssicherheit.
Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL fordern 61 Prozent der
Befragten mehr Kompromissbereitschaft bei der Union.
(Quelle: dpa)
Union und SPD demonstrieren Kompromissbereitschaft
So.09.11.03 - Vor dem Ringen im Vermittlungsausschuss um eine schnellere
Steuerentlastung und umfassende Arbeitsmarktreformen haben sowohl
Regierung als auch Opposition Kompromissbereitschaft erkennen lassen.
Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, der für die
SPD-Länder in dem Gremium sitzt, sagte der "Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung", er glaube an ein positives
Verhandlungsergebnis bis Weihnachten. Auch in der CDU will man nicht
blockieren.
"Eine Nichteinigung birgt viele Risiken, für uns wie auch für
die Opposition" zitierte die Sonntags-FAZ Sarrazin. In den ersten
Sitzungen des Ausschusses habe man bereits "ein Gefühl für
die Situation ertastet". Und es gebe "Aspekte, bei denen ein Roland
Koch und ein Thilo Sarrazin zusammenfinden können".
Der SPD-Politiker räumte aber ein, dass vor allem die Forderungen
der Union nach einem weiter eingeschränkten Kündigungsschutz
und betrieblichen Bündnissen für Arbeit zu Lasten der
Flächentarifverträge "für die SPD außerordentlich
schmerzhaft" seien. Er gehe aber davon aus, dass "weder die
rot-grüne noch die Unionsseite geschlossene Einheiten sind".
In der Unionsführung erhofft man sich laut Sonntags-FAZ einen
Gesamtkompromiss mit Zugeständnissen bei den Arbeitsmarktreformen
und vor allem mit einem "klaren Einstieg" in die Flexibilisierung des
Flächentarifvertragssystems. Dafür wäre man am Ende auch
bereit, einem Vorziehen der Steuerreform zuzustimmen. So habe sich am
Donnerstagabend bei einem Treffen der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel
mit den Unionsministerpräsidenten die Bereitschaft angedeutet, bis
zu 40 Prozent Neuverschuldung in Kauf zu nehmen, nachdem zuvor 25
Prozent als höchste Marke genannt worden waren.
Die FDP wollte nach dem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung" am Sonntagabend ihre Strategie beraten. Dem
Präsidium liege ein Papier des finanzpolitischen Sprechers der
Bundestagsfraktion, Hermann Otto Solms, sowie des Vize-Vorsitzenden der
Partei, Andreas Pinkwart, vor. Darin heiße es, die FDP werde
"alle Anstrengungen unternehmen, die das Vorziehen der Steuerreform
ermöglichen".
(Quelle: ap)
Worum geht es? - Die Positionen von Regierung und Oppositio
Im Ringen um Reformen haben Regierung und Opposition zum Teil
völlig unterschiedliche Positionen. Vor allem um diese Kernpunkte
dreht sich der Streit auch im Bundesrat:
+++ VORZIEHEN DER STEUERREFORM +++
REGIERUNG: Das Vorziehen der dritten Steuerreformstufe von 2005 auf
2004 belastet den Staat insgesamt mit 15,6 Milliarden Euro: Bund und
Länder mit jeweils knapp 7 Milliarden, Gemeinden mit knapp 2
Milliarden. Die Gesamtentlastung von Bürgern und Wirtschaft im
kommenden Jahr beläuft sich zusammen mit der zweiten
Steuerreformstufe auf 21,8 Milliarden Euro. Durch das Vorziehen der
letzten Reformstufe werden der untere Einkommensteuersatz von 19,9 auf
15 Prozent und der Spitzensatz von 48,5 auf 42 Prozent gesenkt.
OPPOSITION: Die Union hat bisher verschiedene Vorschläge und
Konzepte vorgelegt, aber noch keine einheitliche Linie. Im Kern wird
die überwiegende Finanzierung der Steuerentlastungen über
neue Schulden abgelehnt.
+++ STEUERAMNESTIE/STEUEREHRLICHKEIT +++
REGIERUNG: Reuigen Steuersündern, die ihr Schwarzgeld nach
Deutschland zurückbringen und nachversteuern, soll Straffreiheit
gewährt werden. Dafür wird eine Frist von 15 Monaten
eingeräumt. Das Bundesamt für Finanzen soll künftig
ermitteln können, welche Konten ein Steuerpflichtiger hat.
OPPOSITION: Die Opposition bezweifelt, dass die von der Regierung
veranschlagten Milliarden in die Staatskassen kommen. Im Grunde wird
der Plan zwar begrüßt, er soll aber zeitgleich mit der
Abgeltungsteuer für Kapitalerträge umgesetzt werden. Dies
plant Finanzminister Hans Eichel (SPD) erst für 2005.
+++ HAUSHALTSBEGLEITGESETZ +++
REGIERUNG: Damit soll auch ein wesentlicher Teil des geplanten
Subventionsabbaus geregelt werden. Darunter sind der Wegfall der
EIGENHEIMZULAGE und die Kürzung der PENDLERPAUSCHALE.
OPPOSITION: Regierung und Union sind einig in dem Ziel, Subventionen
und Steuerbegünstigungen abzubauen. Auch in CDU und CSU ist jedoch
umstritten, die PENDLERPAUSCHALE zu kürzen oder ganz abzuschaffen.
+++ GEMEINDEFINANZREFORM +++
REGIERUNG: Der Gewerbesteueranteil, den die Kommunen an Bund und
Länder abführen, soll wieder verringert werden. Freiberufler
sollen gewerbesteuerpflichtig werden. Die Gewerbesteuer soll in eine
Gemeindewirtschaftsteuer umgewandelt werden. Teil dieser Reform ist
auch Hartz IV.
OPPOSITION: Die Union lehnt die Pläne ab. Sie will die kommunale
Finanznot mit einem Sofortprogramm lindern. Das sieht eine niedrigere
Gewerbesteuerumlage und einen höheren Anteil der Gemeinden an der
Umsatzsteuer vor. Kommunalpolitiker üben aber Druck auf
Unionsländer aus, auf Regierungslinie umzuschwenken.
+++ HARTZ IV (ZUSAMMENLEGUNG ARBEITSLOSEN- UND SOZIALHILFE) +++
REGIERUNG: Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe sollen zu einem so
genannten Arbeitslosengeld II zusammengeführt werden. Ein
Langzeitarbeitsloser bekommt dieses Arbeitslosengeld nur, wenn er als
bedürftig gilt. Jede Arbeit soll zumutbar sein, auch Mini-Jobs,
sofern sie zu ortsüblicher Bezahlung angeboten werden.
OPPOSITION: Jede Arbeit soll zumutbar sein, auch unterhalb des
Mindestlohns. Für die Betreuung und Vermittlung der
Langzeitarbeitslosen sollen weiterhin die Kommunen die Kompetenz
behalten, sie soll nicht - wie die Koalition plant - auf die
Bundesanstalt für Arbeit (Bundesagentur für Arbeit)
übergehen.
Quelle: dpa
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Umfrage: Vorgezogene Steuerreform brächte kaum Konsum
So.09.11.03 - Die von der rot-grünen Bundesregierung erhofften Konjunkturimpulse
durch eine vorgezogene Steuerreform drohen auszubleiben. Gerade mal
zwei Prozent der Bundesbürger haben vor, sofort mehr Geld
auszugeben, sollte die dritte Stufe der Steuerreform tatsächlich
zum 1. Januar 2004 in Kraft treten. Das ergab eine polis-Umfrage im
Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Der von CDU und CSU dominierte Bundesrat hatte das Vorziehen der
Steuerreform am Freitag zunächst gestoppt. Ob die
milliardenschweren Entlastungen für die Bürger kommen, blieb
damit zunächst ungewiss.
Eine große Mehrheit von 81 Prozent plant ohnehin nicht, ihr
Konsumverhalten nach dem Inkrafttreten der Steuerreform zu
verändern. Im Juli lag dieser Wert bei 78 Prozent. In
Ostdeutschland sind es sogar 92 Prozent (Westen: 78 Prozent), die
ungeachtet der Reform nicht planen, mehr Geld auszugeben.
Jeder zehnte Befragte will abwarten, bis die Steuerreform
tatsächlich in Kraft tritt, und erst dann den Konsum erhöhen
und Anschaffungen tätigen. Die Befragten in Ostdeutschland sind
hier vorsichtiger: Nur 3 Prozent geben an, nach Inkrafttreten der
Reform mehr Geld ausgeben zu wollen, im Westen sind es immerhin 11
Prozent.
15 Prozent der Befragten mit Abitur oder Hochschulabschluss planen mehr
Geld auszugeben. Weniger konsumfreudig sind hier die Befragten mit
Hauptschulabschluss (9 Prozent) und mittlerem Bildungsabschluss (6
Prozent).
Die polis-Meinungsforscher hatten zwischen dem 3. und 5. November 1007
repräsentativ ausgewählte Bürger befragt.
(Quelle: dpa)
Adenauer und Marx unter den zehn größten Deutschen
So.09.11.03 - Konrad Adenauer und Karl Marx haben ab sofort etwas gemeinsam: Beide
gehören zur Top Ten der ZDF-Aktion "Unsere Besten - Wer ist der
größte Deutsche". Zusammen mit eine Reihe weiterer
Geistesgrößen stehen sie jetzt zur Abstimmung für die
Ermittlung des allerwichtigsten Deutschen.
In der Auftaktshow am Freitag präsentierte das ZDF 100 Personen
aus dem deutschsprachigen Raum, die Zuschauer im August und September
über Internet, Telefon, SMS und Postkarte gewählt hatten.
Neben dem ersten deutschen Bundeskanzler und dem Autor des
«Kommunistischen Manifests» gehören zu den ersten Zehn
der Komponist Johann Sebastian Bach, der erste Reichskanzler Otto von
Bismarck, der Bundeskanzler der Ostpolitik, Willy Brandt, der
Schöpfer der Relativitätstheorie, Albert Einstein,
Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe, Buchdruck-Erfinder
Johannes Gutenberg, Reformator Martin Luther sowie die als
Widerstandskämpfer gegen die Nazis hingerichteten Geschwister
Sophie und Hans Scholl.
In den nächsten drei Wochen wird über den Spitzenplatz
abgestimmt.
(Quelle: ap)
USA kritisieren deutsches Abstimmungsverhalten zum Klonverbot
So.09.11.03 - Nach der Verschiebung der UN-Entscheidung über ein weltweites
Klonverbot haben die USA die Rolle der Bundesregierung in der
UN-Vollversammlung kritisiert. Der amerikanische Gesundheitsminister
Thommy Thompson sagte am Samstag in einem Interview von
Deutschlandradio Berlin und "Handelsblatt", Deutschland habe für
die Verschiebung gestimmt, obwohl die geplante UN-Resolution nicht
annähernd so umfassend wie das deutsche Gesetz sei. Damit sei die
Entscheidung auf den "Sankt-Nimmerleinstag" verschoben worden.
Thompson zeigte sich demnach überrascht und enttäuscht
über das deutsche Verhalten. "Ich hatte gehofft", sagte Thompson
wörtlich, "dass die UN gegen das Klonen Stellung beziehen
würden. Jetzt passiert erst mal gar nichts."
Der Rechtsausschuss der UN-Vollversammlung hatte am Donnerstag mit nur
einer Stimme Mehrheit entschieden, das Thema Klonen bis September 2005
von der Tagesordnung zu nehmen. Den Antrag hatte Iran im Namen der 57
islamischen Staaten eingebracht. Deutschland und Frankreich wollten mit
der Unterstützung des Antrags eine drohende Kampfabstimmung und
eine Spaltung der Staatengemeinschaft verhindern. Die USA hatten sich
dagegen für ein umfassendes Klonverbot stark gemacht und eine
entsprechende Vorlage Costa Ricas unterstützt. US-Botschafter John
Negroponte hatte argumentiert, dass ein Kompromiss in dieser Frage
unrealistisch sei.
(Quelle: ap)
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