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+++ Mo.10.11.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
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Irak am zweihundertsechsunddreißigsten Tag nach
Kriegsbeginn
Irakischer
Regierungsrat stoppt Privatisierungspläne. Angst, dass bei Verkauf
von Staatsunternehmen an ausländische Investoren die Wirtschaft
des Landes unter fremde Kontrolle geraten könne. USA von
irakischer Übergangsregierung enttäuscht: 'Wir sind mit allen
unzufrieden. Sie treffen einfach nicht die Entscheidungen, die sie
treffen sollen' +++ US-Zivilverwalter erwartet weitere
Anschläge auf die US-geführten Besatzungstruppen in Irak.
Bremer: Sollten die USA scheitern, könne dies für Irak und die
gesamte Nahost-Region 'tödlich' sein
Mo.10.11.03 - Der
irakische Regierungsrat hat Privatisierungspläne für
staatliche Unternehmen vorerst gestoppt. Wie aus einer am Sonntag
veröffentlichten Erklärung hervorgeht, soll zuerst
geprüft werden, welche Auswirkungen die Verkäufe haben
könnten. Die amerikanische Zivilverwaltung in Irak hat
angekündigt, im Frühjahr einen Plan zur Privatisierung der
staatlichen Industrie vorzulegen. Nach Angaben der Besatzungsmächte
soll die Öl-Industrie jedoch in staatlicher Hand bleiben.
Als die US-Pläne vergangenen Monat bekannt wurden, reagierten
vieler Iraker besorgt. Sie fürchten, dass der Verkauf von
Staatsunternehmen an ausländische Investoren die Wirtschaft des
Landes unter fremde Kontrolle stellen würde. Zudem stünden
dann Massenentlassungen an, hieß es. Die Arbeitslosenquote in Irak
liegt derzeit bei 70 Prozent.
Neben dem Aussetzen der Privatisierung beschloss der Verwaltungsrat,
sämtliche Vermögenswerte hoher Mitglieder des gestürzten
Regimes sowie Mitarbeiter des Sicherheitsapparates von Saddam Hussein zu
beschlagnahmen. Dies gelte auch für die Vermögenswerte der
engen Angehörigen der betroffenen Personen, hieß es in der
Erklärung. Es war zunächst nicht bekannt, wann die
Maßnahmen in Kraft treten sollten.
Die US-Regierung ist offenbar zunehmend unzufrieden mit der von ihr
eingesetzten irakischen Übergangsregierung. Washington sei
enttäuscht, dass das Gremium bei den Beratungen über eine neue
Verfassung nicht vorankomme, berichtete die "Washington Post" unter
Berufung auf einen ranghohen US-Regierungsvertreter.
Die Mitglieder der Übergangsregierung verwendeten mehr Zeit auf
ihre eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen als auf die
Planung der politischen Zukunft ihres Landes. "Wir sind mit allen
unzufrieden. Sie treffen einfach nicht die Entscheidungen, die sie
treffen sollen", wurde der US-Beamte zitiert.
Dem Bericht zufolge erwägt die US-Regierung daher die Bildung
einer neuen irakischen Interimsführung. Dabei wolle Washington auch
einen Vorschlag Frankreichs und anderer Mitglieder des
UN-Sicherheitsrats prüfen, der auf dem Beispiel Afghanistan beruht.
Danach solle ein Übergangsgremium die
"Regierungssouveränität" erhalten, bevor eine Verfassung
verabschiedet und Wahlen abgehalten worden seien, berichtet die
"Washington Post" weiter.
Die Angriffe auf die US-geführten Besatzungstruppen in Irak werden
sich nach Ansicht von US-Zivilverwalter Paul Bremer in den kommenden
Monaten weiter verstärken. Damit würden Terroristen auf die
"Dynamik des Wiederaufbaus" reagieren, der im Sinne der USA verlaufe,
sagte Bremer der "Times". Das Problem könne nur in den Griff
bekommen werden, wenn sich die nachrichtendienstliche Aufklärung in
Irak verbessere. Aus Sudan, Syrien, Jemen und Saudi-Arabien seien
bereits hunderte "professionelle Terroristen" nach Irak eingedrungen.
Bremer betonte, er wolle einen Vorschlag des irakischen
Innenministeriums prüfen, eine Spezialeinheit zur
Terrorismusbekämpfung aus Mitgliedern verschiedener kurdischer und
schiitischer Milizen zu bilden. Es sei "nicht unmöglich", dass
daran auch frühere Mitglieder der irakischen Geheimdienste
beteiligt würden. Die Milizen würden sich auf dem irakischen
Terrain besser als die Koalitionsstreitkräfte auskennen und
könnten ausländische Kämpfer schneller identifizieren.
Sollten die USA scheitern, würde dies zu "sehr schweren"
Konsequenzen führen, sagte Bremer weiter. Für die Iraker
könne dies "tödlich" sein, für die gesamte Nahost-Region
"fast genauso tödlich".
Bei ihrer Offensive gegen bewaffnete Widerstandskämpfer in Irak
haben die US-Truppen binnen 24 Stunden mehr als hundert Verdächtige
festgenommen. Zudem seien mehrere Waffenverstecke entdeckt worden,
sagte ein Sprecher der US-geführten Koalition am Sonntag. Zahl und
Intensiät der Razzien würden erhöht, die Truppen
führten auch Kämpfe auf "Gebieten von Anhängern der
Baath-Partei". Gemeint sind Widerstandshochburgen von Anhängern
des gestürzten irakischen Machthabers Saddam Hussein und der
offiziell verbotenen ehemaligen Baath-Regierungspartei. "Wir wissen, wo
die Terroristen sind", betonte der Koalitionssprecher, der auf die
Zusammenarbeit mit den irakischen Behörden verwies.
Die spanische Außenministerin Ana Palacio bekräftigte am
Sonntag das Engagement ihres Landes im Irak. "Spanien ist hier, und
Spanien wird hier bleiben", sagte sie in Bagdad. Madrid hat ein
Truppenkontingent von knapp 1000 Mann in den Irak entsandt.
(Quellen: ap,
afp)
Ehemaliger US-Vizepräsident Gore wirft Bush Angriff auf
Bürgerrechte vor
Die USA seien
auf dem Weg in einen orwellschen Überwachungsstaat.
Rücknahme des Patriot Acts verlangt
Mo.10.11.03 - Der
frühere US-Vizepräsident Al Gore hat Präsident George W.
Bush am Sonntag vorgeworfen, die Bürgerrechte in den USA
auszuhöhlen. Bush habe es versäumt, das Land nach den
Anschlägen vom 11. September sicherer zu machen. Stattdessen seien
die USA in einem Ausmaß auf dem Weg in einen orwellschen
Überwachungsstaat, wie keiner das je für möglich gehalten
habe, erklärte Gore in einer Rede. Er forderte dabei die
Rücknahme des Patriot Acts, eines Gesetzes, das der Regierung mehr
Vollmachten bei der Überwachung gibt.
Das nach dem 11. September noch mit großer Mehrheit
verabschiedete Gesetz ermöglicht es den Sicherheitskräften
unter anderem, die Lesegewohnheiten von Bürgern zu überwachen
und verdeckte Durchsuchungen durchzuführen. Die Kritik von Gore am
Patriot Act wird inzwischen von etlichen demokratischen und auch
republikanischen Senatoren geteilt. Im Senat laufen Bemühungen,
besonders strittige Befugnisse wieder zu streichen.
Die Regierung scheine davon auszugehen, dass die Bürger auf einige
ihrer Freiheiten verzichten müssten, wenn sie sicher vor
Terroristen sicher sein wollte, erklärte Gore. Er halte aber die
Einschränkung von Bürgerrechten zum Schutz vor Terrorismus
genau so wenig für sinnvoll wie den Angriff auf Irak, um Osama bin
Laden zu fassen. In beiden Fällen habe die Regierung das Land
unnötigen Gefahren ausgesetzt, sagte Gore, der Bush bei der
Präsidentenwahl 2000 nur durch das umstrittene Ergebnis in Florida
unterlegen war.
(Quelle: ap)
Einer Deutschen wurde die Einreise in die USA verwehrt, wo
sie ihren Verlobten besuchen wollte - zur Entscheidung der
US-Grenzbeamten trugen Amazon-Daten bei
Was die
junge Frau am 6. Oktober am Zielort erwartete, übertraf jedoch
alle Befürchtungen über verschärfte
Einreisebestimmungen. Gleich bei der ersten Kontrolle wurde sie
abgeführt. "Ich wurde sechs Stunden lang verhört, um dann in
Handschellen abgeführt zu werden", schilderte die in Pakistan
geborene Frau im Gespräch mit Telepolis.
Zu ihrem Verlobten hatte der zuständige US-Grenzbeamte
während der Abschiebehaft zwar Kontakt aufgenommen. Auf die Bitte,
seine künftige Frau in die USA einreisen zu lassen, wenn er
für sie bürge, ging der Grenzschützer aber nicht ein. Ihm
lägen schon andere Informationen vor. Welche, das wurde der
Deutschen während des Verhörs freiheraus erzählt: "Ich
habe mal bei Amazon.com nachgesehen", meinte der Beamte, "Sie mögen
anscheinend Bücher über Zweitsprachen."...
Mehr bei telepolis (10.11.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/16039/1.html
Gerald
Baar: Herr Moore, helfen Sie mir, die amerikanische Seele zu verstehen
Michael
Moore: Sie müssen verstehen - der Durchschnittsamerikaner ist ein
guter Mensch, hat ein Herz und ein Gewissen, lässt sich aber
leider von den Machthabern leicht manipulieren. Das liegt
hauptsächlich an einer aufgedrängten Ignoranz,
aufgenötigt durch die Medien, das Bildungssystem und die Kultur.
Es gilt eigentlich als gute Sache, dumm zu sein...
(...)
Baars:
Meinen Sie, dass die Bush-Regierung weiterhin die Öffentlichkeit -
möglicherweise noch verstärkt - missinformiert, um es
vorsichtig auszudrücken, nachdem sie die Bevölkerung schon in
den Krieg geführt hat? Wird da noch mehr kommen, vor dem wir Angst
haben sollten?
Moore: Er
hat die Dinge hochgeschraubt. Er hat gelogen. Nicht nur einmal, sondern
vielfach. Es gab nicht nur eine Lüge. Er log über die
Massenvernichtungswaffen. Er log über Saddam Husseins Verbindung
zum 11. September. Er log, als er sagte, dass die Franzosen schlechte
Menschen sind ... Egal, welche Lüge es auch war. Die Behauptung,
es habe eine große internationale Koalition der Willigen gegeben,
war eine Lüge. Eine Orwellsche Lüge nach der anderen. Und
jetzt beginnen die Amerikaner zu begreifen: Oh mein Gott, er hat uns
belogen. Und das wird ihm im nächsten Jahr schaden. Die Menschen
haben es nicht gerne, wenn sie angelogen werden. Insbesondere
diejenigen, die ihn und den Krieg unterstützt haben. Wenn diese
Menschen merken, dass sie belogen wurden, wird ihm das schaden.
(...)
Baars:
Präsident Bush sucht zur Zeit verstärkt Unterstützung
für den Irak auch vom "alten Europa", von den alten Freunden
Deutschland und Frankreich. Viele Deutsche fragen sich: Sollen wir
diesem Präsidenten helfen?
Moore:
Nein. Tun Sie nichts, um diesem Präsidenten zu helfen. Ich habe
gesehen, wie Schröder sich bei seinem UN-Besuch mit ihm getroffen
hat. Falsch! Ich halte das für falsch. Herr Schröder, treffen
Sie sich nicht mit diesem Mann, zumindest nicht, bis er sich
entschuldigt hat.
... Ich bin sicher, die Deutschen sorgen sich auch um das Leid der
irakischen Bevölkerung. Und sie sind mehr als bereit, auch hier zu
helfen. Doch ich glaube nicht, dass sie helfen wollen, solange diese
Hilfe von der Bush-Regierung und ihren Freunden in den Ölkonzernen
kontrolliert wird. Dafür sollten keinesfalls deutsches Geld,
deutsche Hilfsgüter und schon gar nicht deutsche Soldaten
eingesetzt werden. Sie sollten sich nicht verwickeln lassen in Bushs
Krieg, bis die Verantwortung nicht an die Vereinten Nationen und die
Weltgemeinschaft übergeben worden ist, und diese dann versucht, den
schrecklichen Schaden zu reparieren, den wir diesem Land zugefügt
haben...
Mehr bei
tagesschau.de (10.11.03) unter:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/
0,1185,OID2622752_REF1,00.html
US-Schriftsteller
und Regisseur Michael Moore ist der Autor von "Stupid White Men"
Gerald
Baar ist New-York-Korrespondent der ARD
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Weltweite Empörung nach Selbstmordanschlag in Riad
Mo.10.11.03 - Der
Selbstmordanschlag auf eine Ausländer-Wohnsiedlung in der
saudiarabischen Hauptstadt Riad ist international mit Empörung
aufgenommen worden. UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich
"entsetzt". US-Präsident George W. Bush versicherte Saudi-Arabien
seine Solidarität. Auch China und Kanada äußerten ihre
Erschütterung. Bei dem Selbstmordanschlag starben nach neuesten
Angaben 17 Menschen. Unter den Toten seien fünf Kinder, teilte das
saudiarabische Innenministerium mit.
Annan verurteile den "terroristischen Akt" in schärfster Form,
teilte sein Sprecher Fred Eckhard am Sitz der Vereinten Nationen in New
York mit. Den Angehörigen der Opferfamilien sowie der
saudiarabischen Regierung habe Annan sein Mitgefühl und Bedauern
ausgesprochen. Der Generalsekretär sei zuversichtlich, dass die
Behörden in dem Königreich die Täter zur Rechenschaft
ziehen würden.
In einem Telefongespräch mit Kronprinz Abdallah bin Abdel Asis
habe Bush sein Beileid ausgedrückt, sagte ein Vertreter des
Weißen Hauses in Washington. Zudem habe der US-Präsident
erklärt, im Kampf gegen den Terrorismus stehe sein Land an der
Seite Saudi-Arabiens.
Der saudiarabische Botschafter in den USA, Prinz Bandar bin Sultan,
erklärte, die Täter würden mit ihrem Versuch scheitern,
sein Land destabilisieren zu wollen. Das saudische Volk sei vereint in
seinem Willen, "dieses Böse anzugehen" und dessen Wurzeln zu
bekämpfen. In Riad sagte Innenminister Prinz Najef bin Abdul Asis,
seine Behörden würden alles tun, um die Täter zu fassen
und zur Rechenschaft zu bringen.
Zu den Getöteten zählten sieben Libanesen, vier Ägypter,
ein Saudiaraber und ein Sudanese, teilte das Innenministerium in Riad
weiter mit. Die Nationalitäten der restlichen vier Toten
hätten noch nicht festgestellt werden können. Die 122
Verletzten sind aus insgesamt 19 Ländern, darunter 36 Kinder und 56
Frauen. Ob der Anschlag von einem oder mehreren Tätern verübt
wurde, war weiter unklar.
In der Nacht zum Sonntag war in einer mehrheitlich von Ausländern
bewohnten Anlage in Riad ein mit Sprengstoff präpariertes Auto
explodiert. Die USA und die Regierung in Riad machten das Terrornetzwerk
El Kaida verantwortlich.
(Quelle: afp)
Saudisches Herrscherhaus in Bedrängnis
Der
Angriff auf Libanesen, Syrer und Palästinenser, die in
Saudi-Arabien als Angestellte oder Berater arbeiten, wird die
islamistischen Terroristen dagegen Sympathien kosten.
Denn nach Einschätzung westlicher Beobachter werden sie durch
diese Attacke auf Muslime, ebenso wie durch die jüngsten Berichte
über Vorbereitungen für Terroranschläge in der heiligen
Stadt Mekka Sympathisanten verlieren. «Warum kommen diese Leute
ins heilige Mekka und nach Saudi-Arabien, das doch von der einzigen
Regierung geführt wird, die den islamischen Gesetzen fort?»,
fragt Scheich Saleh Fawsan, Mitglied im staatlichen Rat saudi-arabischer
Religionsgelehrter. «Wer Anschläge auf unschuldige
Zivilisten in einem islamischen Land plant, sollte öffentlich
hingerichtet werden», meint Umm Abir, eine 52 Jahre alte Hausfrau
aus Kairo.
Auch die Herrscher des islamischen Königreichs dürften wegen
des Anschlags in Bedrängnis geraten. Denn das Blutbad, sechs Monate
nach der Terrorserie mit 35 Toten im Mai, zeigt nicht nur, dass die
Staatsmacht des Terrorismus-Problems trotz der Festnahme von hunderten
Verdächtigen nicht Herr wird. Der Terror wird noch mehr
Ausländer aus dem Land vertreiben, was der Wirtschaft schadet.
Das Königshaus wird derzeit ohnehin von verschiedenen Seiten unter
Druck gesetzt. Washington und liberale Intellektuelle fordern inzwischen
offen eine Abkehr vom Wahabismus, der puritanischen Islam-
Interpretation, die in Saudi-Arabien Staatsdoktrin ist und alle Aspekte
des täglichen Lebens betrifft. Diese Ideologie ist der Grund
dafür, dass Drogenhändler im Königreich enthauptet
werden, Frauen nicht Auto fahren dürfen und bärtige
Religionspolizisten, die Menschen zur Gebetszeit in die Moscheen
treiben. Für die Reformkräfte ist diese Ideologie die Wurzel
allen Übels und der Nährboden für den islamischen
Extremismus, dessen radikalste Vertreter sich schließlich gegen
das aus ihrer Sicht von der reinen Lehre abgewichene Königshaus
gewandt haben, damit also sozusagen die Hand beißen, die sie einst
gefüttert hatte.
Der Anschlag von Samstagnacht ist zwar das erste große
Selbstmordattentat seit einem halben Jahr. Doch der Kampf zwischen den
Fanatikern und der Staatsgewalt hat in den vergangenen Monaten bereits
mehr als ein Dutzend Todesopfer gefordert - mutmaßliche
Terroristen und Polizisten. Allein am vergangenen Donnerstag gab es drei
blutige Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und
mutmaßlichen Terroristen mit mindestens vier Toten in Mekka und
Riad. In Mekka sprengten sich nach offiziellen Angaben zwei Männer
in die Luft, um ihrer Festnahme zu entgehen.
(Quelle:
dpa)
Mehr zum
Thema einem Bericht der "tageszeitung" (10.11.03) unter:
http://www.taz.de/pt/2003/11/10/a0106.nf/text
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Nahost-Konflikt:
Israelisches
Kabinett billigt Gefangenenaustausch mit Hisbollah +++ Kureia
schließt Regierungsbildung ab +++ Neues
Palästinenser-Kabinett komplett +++ Arafat behält Kontrolle
über Teile des Sicherheitsapparates +++ Israel reagiert
enttäuscht auf neue palästinensische Regierung +++ Scharon
kritisiert europäische Haltung zu Arafat
Mo.10.11.03 -
Nach mehrstündiger Debatte hat das israelische Kabinett am Sonntag
mit knapper Mehrheit einem Gefangenenaustausch mit der
Untergrundorganisation Hisbollah zugestimmt. Die Minister diskutierten
acht Stunden, bevor sie schließlich mit zwölf zu elf Stimmen
für das Abkommen votierten, für das sich
Ministerpräsident Ariel Scharon eingesetzt hatte. Die Abstimmung
galt als einer der schwersten Tests für die
Führungsstärke des Regierungschefs seit drei Jahren.
Die unter deutscher Vermittlung ausgearbeitete Vereinbarung sieht vor,
dass Israel mehr als 400 arabische Häftlinge freilässt. Im
Gegenzug soll der israelische Geschäftsmann Elhanan Tannenbaum
freikommen, des weiteren sollen die Leichen von drei getöteten
israelischen Soldaten übergeben werden. Die Minister stimmten dem
Abkommen zu, ohne die Namen der freizulassenden Häftlinge zu
kennen. Ihnen wurde versichert, die Betroffenen seien - mit Ausnahme der
libanesischen Gefangenen - nicht an der Tötung israelischer
Zivilisten beteiligt gewesen. Die Häftlinge stammten aus Libanon,
Syrien, Marokko, Sudan und Libyen.
Scharon sagte nach Berichten des israelischen Radios während der
Kabinettssitzung, eine Ablehnung der Vereinbarung mit der Hisbollah
würde den Tod Tannenbaums zur Folge haben. Dieser soll während
seiner Haftzeit gefoltert worden sein. Auch Heereschef Generalleutnant
Mosche Jaalon unterstützte das Abkommen. Kritik kam dagegen vom
Chef des Geheimdienstes Mossad, Meir Dagan, und vom Chef des
Sicherheitsdienstes Schin Bet, Avi Dichter.
Dagan erklärte, die Vereinbarung stärke das Ansehen der
Hisbollah in der arabischen Welt. Andere Kritiker führten an, die
Freilassung so vieler Gefangener könnte als Ermutigung für
weitere Entführungen aufgenommen werden. So könnten
Palästinenser die Taktik der Hisbollah übernehmen.
Erörtert wurde auch das Schicksal des Luftwaffensoldaten Ron Arad,
der 1986 über Libanon abgeschossen worden war. Arad wird in der
Vereinbarung mit der Hisbollah nicht erwähnt. Arads Familie hatte
sich deshalb gegen den geplanten Gefangenenaustausch gewandt. Ein
Regierungsausschuss untersuchte kürzlich das Verschwinden Arads und
kam zu dem Schluss, dass er noch am Leben sei und in Iran gefangen
gehalten werde. In der Vereinbarung erwähnt wird dagegen der
Hisbollah-Führer Mustafa Dirani, der Arad gefangen nahm und ihn
1988 an Iran verkauft haben soll.
Der Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah hatte am
Samstagabend gedroht, der geplante Gefangenenaustausch werde scheitern,
wenn ein seit 1979 inhaftierter Libanese nicht freikommen. Der heute
41-jährige Samir Kantar müsse in die Vereinbarung
eingeschlossen werden. Der israelische Außenminister Silvan
Schalom schloss das am Sonntag aus.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei hat sich
derweil mit Präsident Jassir Arafat auf ein neues Kabinett
geeinigt. Nach der am Sonntag veröffentlichten Vereinbarung
behält Arafat die Kontrolle über Teile des
Sicherheitsapparates.
Ein Sprecher von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon sagte,
damit würde Arafats "Terror-Kartell" bestehen bleiben. Die
Übereinkunft sei ungeeignet für die Umsetzung des
internationalen Friedensfahrplans, hieß es in Regierungskreisen
weiter.
Er habe sich mit Arafat auf eine endgültige Kabinettsliste
verständigt, sagte Korei in Ramallah. Zugleich habe er den
Parlamentspräsidenten gebeten, für Mittwoch eine Sitzung
einzuberufen, auf der die Regierung die Vertrauensfrage stellen werde.
Arafats Kandidat Hakam Balaui werde neuer Innenminister, bestätigte
Korei. Dieser solle dann für die Polizei, die Zivilverteidigung
und vorbeugende Sicherheit zuständig sein. Die fünf anderen
palästinensischen Sicherheitsdienste würden dem Nationalen
Rat unterstellt, dem Arafat vorsteht. Dem Rat gehört auch General
Nasser Jusef an, den Korei eigentlich zum neuen Innenminister berufen
wollte.
Die USA und Israel haben von Korei verlangt, dass die
palästinensischen Sicherheitsdienste gegen die radikalen
Palästinensergruppen vorgehen und Selbstmordanschläge gegen
Israelis unterbinden. Arafat wird vorgeworfen, den Boden für solche
Anschläge zu bereiten. Scharon-Sprecher Raanan Gissin forderte
Koreis Regierung auf, "die Terrororganisationen aufzulösen". Zur
Vereinbarung über das neue Palästinenser- Kabinett sagte
Gissin: "Dies ist wahrscheinlich ein trauriger Tag für die
Demokratie und die demokratischen Reformen in der
Palästinenser-Behörde, weil das von Arafat angeführte
Terrorkartell in Sicherheitsfragen weiter das Sagen haben wird."
Scharon und Korei haben die Bereitschaft bekundet, den von den USA
unterstützten Friedensplan wiederzubeleben, sobald das neue
Palästinenser-Kabinett bestätigt ist. Der Plan sieht ein Ende
der Gewalt und die Schaffung eines Palästinenser-Staates bis 2005
vor.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat die
Europäische Union für ihre Akzeptanz von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat kritisiert. Die EU
übe nicht ausreichend Druck auf Arafat im Hinblick auf eine Reform
der palästinensischen Autonomiebehörde aus, sagte Scharon am
Sonntagabend bei einem Treffen mit der spanischen Außenministerin
Ana Palacio in Jerusalem, wie Mitarbeiter Scharons mitteilten. Der
palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia habe gegenüber
Arafat bereits "kapituliert".
(Quellen: afp,
ap, rtr)
Japan: Wahl zum Abgeordnetenhaus
Ministerpräsident Koizumi behält Mehrheit, sieht sich aber
gestärker Opposition gegenüber
Mo.10.11.03 - Der
japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi sieht sich
künftig einer deutlich gestärkten Opposition gegenüber.
Das Regieren dürfte ihm auch deshalb schwerer fallen, weil seine
Liberaldemokratische Partei (LDP) bei Parlamentswahl am Sonntag ihre
bisherige absolute Mehrheit verlor. Vorläufigen
Auszählungsergebnissen vom Montag zufolge kommt die
Regierungskoalition im 480 Abgeordnete zählenden Unterhaus auf 277
Sitze, das sind zehn weniger als vor der Wahl.
Gewinner der Wahl ist die überraschend starke oppositionelle
Demokratische Partei (DPJ), die auf 177 Mandate kam, das sind 40 Sitze
mehr als vorher. Politische Kommentatoren sehen Japan schon auf dem Weg
zu einem Zwei-Parteien-System. Es wäre «nicht länger
überraschend, wenn die die Liberaldemokratische und die
Demokratische Partei die Plätze tauschen würden»,
hieß es am Montag in der Zeitung "Asahi". Gewinne konnten die
Demokraten vor allem in den Städten bei Wechselwählern und bei
jüngeren Wählern verbuchen.
Die LDP regiert in Japan seit 50 Jahren praktisch ununterbrochen.
Koizumi gab der Partei ein neues Image und präsentierte die
Liberaldemokraten als Reformer. Angesichts der anhaltenden
Wirtschaftskrise und nach einer Serie parteiinterner Skandale
genießt Koizumi allerdings bei weitem nicht mehr so viel
Unterstützung wie zu Beginn seiner Regierungszeit. Die LDP, die
Neue Komeito und die Neue Konservative Partei hatten sich schon vor der
Wahl auf eine Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit verständigt und
stellten sich am Sonntagabend geschlossen hinter Koizumi.
Starke Verluste mussten die Kommunistische Partei und die
Sozialistische Partei hinnehmen.
(Quelle: ap)
Journalisten in China häufig Opfer von Gewalt
Mo.10.11.03 -
Wegen der zahlreichen gegen sie gerichteten Angriffe sind Journalisten
in China einem Pressebericht zufolge die gefährdetste Berufsgruppe
nach Bergarbeitern und Polizisten. Wie die Zeitung "Guangzhou Daily" am
Samstag unter Berufung auf amtliche Statistiken berichtete, wurden
allein in den vergangenen drei Jahren 260 Journalisten angegriffen oder
geschlagen. Dazu, von wem die Angriffe verübt wurden oder ob es
Tote gab, machte das Blatt keine Angaben.
(Quelle: afp)
Pekinger Gericht weist Berufung von Internet-Aktivisten
zurück
Mo.10.11.03 - Das
Oberste Volksgericht Pekings hat die Berufung von vier chinesischen
Internet-Aktivisten zurückgewiesen. Die Bürgerrechtler waren
im Mai wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu mehrjährigen
Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten sozialreformerische Schriften
ins Internet gestellt. Ein Sprecher des Informationszentrums für
Demokratie und Menschenrechte in Hongkong sprach von einer "politischen
Strafe", die "nicht gesetzesgemäß" gefällt worden sei.
(Quelle: dpa)
Blutige Zusammenstöße zwischen Arbeitern und
Polizei in Seoul
Demonstranten
protestierten gegen Schadensersatzklagen staatlicher und privater
Firmen gegen Gewerkschaftsführer, die für illegale Streiks
verantwortlich gewesen sein sollen
Mo.10.11.03 - Bei
schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und
Bereitschaftspolizei sind am Sonntag in Seoul Dutzende von Menschen
verletzt worden, wie Augenzeugen berichteten. Nach Angaben des
Veranstalters, des Koreanischen Gewerkschaftsbundes, wurden mindestens
43 Personen mit Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert. An der
Demonstration nahmen auch zahlreiche Studenten teil, aus deren Reihen
zahlreiche Brandsätze geworfen wurden. Die Teilnehmerzahl wurde von
der Polizei auf 35.000 geschätzt, die Gewerkschaft nannte eine
Zahl von 100.000 Menschen.
Die Demonstranten protestierten gegen Schadensersatzklagen staatlicher
und privater Firmen gegen Gewerkschaftsführer, die für
illegale Streiks verantwortlich gewesen sein sollen. Einige der
Beschuldigten haben Selbstmord oder Selbstmordversuche begangen. Die
Regierung hat versprochen, mit einer Gesetzesänderung es
Arbeitgebern erschweren zu wollen, Gewerkschaftsmitglieder für
Produktionsausfälle und andere Schäden durch illegale Streiks
zur Rechenschaft zu ziehen.
(Quelle: ap)
Mindestens 22 Tote bei Kämpfen in Nepal
Mo.10.11.03 - Bei
mehreren Gefechten zwischen Regierungssoldaten und maoistischen
Rebellen in Nepal sind mindestens 22 Menschen getötet worden. Wie
die Tageszeitung "Himalayan Times" am Montag berichtete, ereignete sich
der blutigste Kampf in der Ortschaft Sainpasela im Bezirk Bajhang, 600
Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kathmandu. Dabei seien mindestens
sieben Rebellen getötet worden. Bei fünf anderen
Zusammenstößen am Wochenende wurden mindestens zwölf
weitere Rebellen sowie drei Soldaten getötet.
Die nepalesische Regierung hatte vor wenigen Tagen eine Ausweitung
ihrer Offensive gegen die maoistischen Rebellen angekündigt. Diese
kämpfen seit 1996 für eine Abschaffung der konstitutionellen
Monarchie und die Errichtung eines sozialistischen Staates. Der Konflikt
kostete schon mehr als 8.000 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Oppositionsführer nach Präsidentenwahl in
Mauretanien verhaftet
Er hatte der
Regierung Betrug vorgeworfen und das Wahlergebnis nicht anerkannt +++
Der im Amt bestätigte Präsident Maaouya Sid Ahmed Ould Taya
gilt als Verbündeter der USA und erhielt Unterstützung sowohl
von liberalen Reformern als auch von muslimischen Fundamentalisten
Mo.10.11.03 -
Nach der Bestätigung von Amtsinhaber Maaouya Sid Ahmed Ould Taya
bei der Präsidentenwahl in Mauretanien hat sich der politische
Machtkampf in dem nordwestafrikanischen Land zugespitzt. Der
stärkste Herausforderer Tayas, der frühere Staatschef Mohamed
Ould Khouna Haidalla, wurde am Sonntag verhaftet. Er hatte der Regierung
gemeinsam mit weiteren Oppositionskandidaten Betrug vorgeworfen und das
Ergebnis nicht anerkannt. In der Hauptstadt Nouakchott setzte die
Regierung ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften ein.
Haidalla wurde nach Angaben seines Sprechers Abeldrahman Ould Horma
während des Morgengebets in der Oppositionszentrale von bewaffneten
Sicherheitskräften festgenommen. Es war die zweite Verhaftung
Haidallas innerhalb von drei Tagen. Am Donnerstag kam der
63-Jährige nach wenigen Stunden wieder frei, einige seiner
Mitarbeiter wurden jedoch festgehalten.
Der seit 19 Jahren regierende Taya, der als Verbündeter der USA
gilt, wurde am Samstag vom Innenministerium mit einem Stimmenanteil von
67 Prozent zum Sieger der Wahl bereits in der ersten Runde erklärt.
Haidalla kam den Angaben zufolge bei der Wahl vom Freitag auf 19
Prozent der Stimmen. Er erhielt Unterstützung sowohl von liberalen
Reformern als auch von muslimischen Fundamentalisten.
Seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1960 hat Mauretanien noch
keinen demokratischen Regierungswechsel durch Wahlen erlebt. Taya, der
sich 1984 gegen den damaligen Militärherrscher Haidalla an die
Macht geputscht hatte, setzte sich auch in den Präsidentenwahlen
von 1992 und 1997 durch. Vor zehn Jahren warf die Opposition ihm
Wahlbetrug vor, vor fünf Jahren boykottierten die stärksten
Herausforderer die Wahl
(Quelle: ap)
Offener Machtkampf in Georgien
Streit um
Fälschungen bei Parlamentswahl +++ Tausende Anhänger der
Opposition demonstrieren und fordern Rücktritt des Staatschefs
Eduard Schewardnadse
Mo.10.11.03 - Der
Streit um Fälschungen bei der Parlamentswahl in Georgien hat sich
zu einem offenen Machtkampf zwischen Präsident Eduard
Schewardnadse und der Opposition ausgeweitet. Bei Dauerdemonstrationen
am Wochenende in der Hauptstadt Tiflis forderten Tausende von
Anhängern der Opposition den Rücktritt des Staatschefs.
Die orthodoxe Kirche in dem Kaukasus-Staat warnte vor einem "schweren
gesellschaftlichen Konflikt". Schewardnadse wies die
Rücktrittsforderung am Sonntag zurück, bot seinen Gegnern aber
Verhandlungen über einen Ausweg aus der Krise an. "Mit dem
Präsidenten gibt es nur ein Thema zu besprechen, nämlich
seinen Rücktritt", sagte daraufhin der radikale
Oppositionsführer und Ex-Justizminister Michail Saakaschwili.
Die Hauptstadt Tiflis wurde von schwer bewaffneten Einsatzkräften
gesichert. Mit Straßensperren überall im Lande verhinderte
die Polizei, dass die Demonstrationen in der Hauptstadt noch mehr Zulauf
erhielten.
"Die Lage ist praktisch außer Kontrolle geraten", sagte
Verteidigungsminister David Tewsadse dem örtlichen Fernsehsender
Mse. Er rechne zwar nicht mit einer gewaltsamen Auflösung der
Proteste. "Niemand weiß, wie sich die Ereignisse entwickeln, aber
die Streitkräfte werden alles tun, was ihnen die Verfassung
vorschreibt", fügte Tewsadse hinzu.
Eine Woche nach der Parlamentswahl in Georgien vom 2. November lag noch
kein offizielles Endergebnis vor. Die zentrale Wahlkommission
veröffentlichte am Sonntag neue Zahlen, die sich aber nur auf neun
Zehntel der 2870 Wahllokale bezogen. Das regierungstreue
Parteienbündnis «Für ein neues Georgien»
führe mit 21,1 Prozent der Stimmen, hieß es. Dahinter
lägen die Regionalpartei der Teilrepublik Adscharien mit 19,6
Prozent, Saakaschwilis Nationale Bewegung mit 18,2 Prozent und die
oppositionelle Arbeitspartei mit 12,1 Prozent.
Begleitet von mehreren Leibwächtern sprach Schewardnadse am
Sonntag mit Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude. Außerdem
kündigte er Besuche in mehreren Provinzen an, um für eine
Beruhigung der Lage zu sorgen. "Wenn Schewardnadse Tiflis
verlässt, werden wir dafür sorgen, dass er nicht mehr
zurückkommt", drohte Saakaschwili.
Schewardnadse wies am Samstag auch die Forderung der
gemäßigten Oppositionspolitikerin Nino Burdschanadse nach
einer sofortigen Wiederholung der Wahl zurück. Selbst bei einer
Beruhigung der Lage könnten Neuwahlen zum Parlament frühestens
in einem Jahr stattfinden, erklärte der Präsident.
(Quelle: )
Warnung vor neuem Antisemitismus in Deutschland
Bei der
Grundsteinlegung für Münchner Synagoge 65 Jahre nach Pogromen
warnen Rau und Spiegel vor Verharmlosung des
Rechtsextremismus +++ In Berlin wurde mit Kranzniederlegungen dem Terror
gegen Juden gedacht und außerdem an den Fall der Mauer am 9.
November 1989 erinnert
Mo.10.11.03 - Zum
65. Jahrestag der Pogromnacht haben Bundespräsident Johannes Rau
und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul
Spiegel, vor Gleichgültigkeit gegenüber Rechtsextremismus
gewarnt. Bei der Grundsteinlegung für das neue Jüdische
Zentrum in München sagte Spiegel am Sonntag, Übergriffe auf
jüdische Friedhöfe oder Attacken gegen Ausländer und
Obdachlose seien alltäglich. Mit Kranzniederlegungen wurde in
Berlin dem Terror gegen Juden gedacht. Außerdem wurde an den Fall
der Mauer am 9. November 1989 erinnert.
Spiegel sagte, die weithin gleichgültige Reaktion auf
rechtsextremistische Attacken erleichtere "antisemitischen
Brandstiftern" wie dem CDU-Abgeordneten Martin Hohmann ihr
Geschäft. "Es ist unerträglich, dass im Deutschen Bundestag
jemand Sitz und Stimme hat, der rechtsextremes Gedankengut verbreitet."
Die Zeremonie mit 600 Gästen auf dem Münchner Jakobsplatz
fand unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Das von
Neonazis geplante Attentat auf die Feier zeige, dass "der lange Schatten
der Vergangenheit nie ganz weichen wird", fügte Spiegel hinzu.
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München
und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sprach von einem "historischen Tag
für München, für Bayern, für ganz Deutschland". Seit
der Pogromnacht 1938 sei ein Teil von ihr immer noch auf der Flucht
gewesen. "Heute, nach 65 Jahren, bin auch ich wieder ganz in meiner
Heimat angekommen." Bis 2007 entsteht in der Münchner Stadtmitte
eine neue Hauptsynagoge, ein Gemeinde- und Kulturzentrum sowie ein
jüdisches Museum.
Bundespräsident Rau rief die Bürger zur Verteidigung von
Minderheitenrechten auf: "Wir sind ein Land der Freiheit und Toleranz.
Deshalb werden wir Hass und Rassismus nicht dulden." Das gelte auch
für "Geschichtsklitterung, wie wir sie in diesen Tagen erlebt
haben". Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber sagte, wer
mit "verrückten, dümmlichen Geschichtsvergleichen die
Einzigartigkeit der Shoa relativiert, der stellt sich außerhalb
des Verfassungsbogens".
In Berlin sollte die zentrale Veranstaltung zum Gedenken an die Pogrome
von 1938 im Jüdischen Gemeindehaus in Charlottenburg stattfinden.
CDU-Chefin Angela Merkel nannte den 9. November am Samstag "einen
Schicksalstag der Deutschen". Sie erklärte: "Das damals begangene
Unrecht ist einzigartig in der Menschheitsgeschichte und mit keinem
anderen historischen Ereignis vergleichbar." Der 9. November 1989
markiere dagegen den Beginn einer neuen Ära und stehe symbolhaft
für die Überwindung von Kommunismus und Diktatur in ganz
Europa.
Bereits zuvor hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder den Jahrestag
als stete Mahnung bezeichnet, den Verbrechen des Rassismus und des
Antisemitismus schon in den Anfängen zu wehren. Der 9. November
1938 sei «nur der Auftakt zum unfassbaren Völkermord des
Holocaust» gewesen. Der Tag bleibe unauslöschlich in der
kollektiven Erinnerung.
(Quelle: ap)
'Et rüsch noh Kristallnaach' – die Textzeile kam
mir spontan in den Sinn, als ich an die Attentatspläne dachte, die
diese Grundsteinlegung in einem anderen, düsteren Licht erscheinen
lassen
Das
für heute geplante Attentat konnte dank des entschlossenen
Einsatzes der Sicherheitsbehörden vereitelt werden. Und doch tragen
die Hintermänner des schändlichen Vorhabens einen Sieg davon:
Viele Bürger dieses Landes, auch Nicht-Juden, wurden in Angst
versetzt. Die Furcht, ein vergleichbarer Anschlag könnte gelingen,
sorgt seitdem für Verunsicherung. Das allein ist schlimm. Hinzu
kommt, dass auf dieses für die Stadt München und die hiesige
jüdische Gemeinde so erfreuliche
Ereignis, den bevorstehenden Baubeginn für das Jüdische
Zentrum Jakobsplatz, ein Schatten gefallen ist. Der lange Schatten der
Vergangenheit, der uns alle und unser Land immer wieder einholt und wohl
nie ganz weichen wird...
...das geplante Attentat in München wird von Teilen der
Sicherheitsbehörden als singuläres Ereignis bewertet. Ein
braunes Terrornetzwerk scheint nicht oder noch nicht zu existieren, so
der Bundesminister des Innern. Eine Einschätzung, der wir alle
gerne Glauben schenken möchten. Aus meiner Sicht stellt der
Attentatsplan zwar zweifellos eine neue Qualität rechtsextremer
Gewalt dar, doch darf dieses Ereignis nicht den Blick verstellen auf die
sich fast täglich ereignenden rechtsextremen Straftaten. Ob die
Schändung jüdischer Friedhöfe, tätliche Angriffe auf
Ausländer, Diskriminierung von Homosexuellen oder die Verbreitung
rechtsradikaler Schriften und Symbole auf deutschen Schulhöfen –
Vorfälle dieser Art sind so alltäglich geworden, dass sie
häufig nicht einmal mehr von den Zeitungen vermeldet werden. Diese
Gleichgültigkeit erleichtert es rechtsextremen, antisemitischen
Brandstiftern wie dem Bundestagsabgeordneten Hohmann, ihre
Überzeugungen zu verbreiten. Umso wichtiger war es, dass die
dreisten Äußerungen dieses Unbelehrbaren umgehend und
einhellig von Vertretern aller Parteien aufs Schärfste verurteilt
wurden. Nicht nur für die Angehörigen von Minderheiten ist
die Tatsache unerträglich, dass im Deutschen Bundestag jemand Sitz
und Stimme hat, der rechtsextremes
Gedankengut verbreitet.
Gleichermaßen besorgniserregend ist eine andere Beobachtung: So
richtig es ist, bei der wissenschaftlich betriebenen Ursachenforschung
in Sachen Rechtsradikalismus die Herkunft und das Umfeld der Täter
mit zu berücksichtigen, so auffällig ist es, dass diese
Analysen von Teilen der Öffentlichkeit vielfach zu den Ursachen und
damit Rechtfertigung rechter Gewalttaten umformuliert werden.
Die eigene Unzufriedenheit über die schwierige wirtschaftliche
Situation macht sich Luft, indem rassistisch oder antisemitisch
motivierte Verbrechen zu Verzweiflungstaten umgedeutet werden. Rechte
Gewalt gilt in solchen Kreisen fast schon als Kavaliersdelikt:
Vielleicht etwas zu brutal, aber doch irgendwie nachvollziehbar und ein
Stück weit berechtigt. Völlig übersehen und
verdrängt wird, dass die Täterinnen und Täter keinerlei
solidarisches oder gar soziales Empfinden antreibt. Im Gegenteil:
Behinderte, Obdachlose und Benachteiligte werden ebenso angegriffen wie
Ausländer oder Juden. Wir alle müssen uns fragen lassen: In
welchem Zustand befindet sich unsere Gesellschaft, wenn soziale Not und
vermeintliche Perspektivlosigkeit fast unwidersprochen als
Rechtfertigung für Rassismus und Gewalt gegen Minderheiten
akzeptiert wird?
Rechtsextremismus, das zeigen diese Beispiele, darf nicht auf ein
Jugendphänomen reduziert werden. Kein Alter ist vor rechtem Denken
gefeit. Welchen Alters sind schließlich die Vorbilder, die es
zulassen, dass die eigenen Kinder glatzköpfig und braunen
Schwachsinn pöbelnd herumziehen und ganze Ortschaften in Angst und
Schrecken versetzen?
Was werden diese Kinder an ihre Kinder weitergeben? Nur wenn es
gelingt, diese unheilvolle Kette zu durchbrechen, werden wir dem rechten
Ungeist Herr werden können...
Aus: Paul
Spiegel - Rede anlässlich der Grundsteinlegung für das
Jüdische Zentrum Jakobsplatz in München am 9. November 2003
http://www.zentralratdjuden.de/down/9_November-2003-Muenchen.pdf
|
CDU kommt in der Hohmann-Affäre nicht zur Ruhe
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer: Hohmann ist "nicht im engeren
Sinne" Antisemit, sondern "ein Fundamentalist in seiner kirchlichen
Einstellung" +++ Paul Spiegel: Unerträglich, dass im Deutschen
Bundestag jemand Sitz und Stimme hat, der rechtsextremes Gedankengut
verbreitet
Mo.10.11.03 - Die
CDU kommt in der Affäre um die als antisemitisch kritisierten
Äußerungen des CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann
nicht zur Ruhe. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer verteidigte am
Sonntagabend die Entscheidung seiner Partei, Hohmann zunächst nicht
aus der Fraktion auszuschließen. Die vom CDU-Vorstand
ausgesprochene Rüge sei "notwendig, aber auch hinreichend", sagte
er in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Zugleich nannte Meyer die
Äußerungen von Hohmann abstrus und unerträglich.
Der hessische Abgeordnete Hohmann hatte die Juden in einer Rede zum 3.
Oktober in einen Zusammenhang mit dem Begriff "Tätervolk" gestellt.
Meyer sagte, im Parteiengesetz gebe es hohe Hürden für den
Ausschluss eines Abgeordneten. Er wolle nicht "über drei Jahre"
hinweg eine "solche Diskussion" führen, ergänzte er mit Blick
auf ein Ausschlussverfahren. Hohmann sei "nicht im engeren Sinne"
Antisemit, sondern "ein Fundamentalist in seiner kirchlichen
Einstellung". Man müsse jemandem wie Hohmann auch "Gelegenheit
geben, darüber nachzudenken, ob er sich völlig verrannt hat,
Ja oder Nein".
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber betonte in
der ZDF-Sendung "Berlin direkt", Hohmann stehe "unter
Bewährungsaufsicht. Noch irgendeine Kleinigkeit in dieser Richtung
und es ist Schluss."
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) empfahl der Union bei "Sabine
Christiansen" erneut, Hohmann auszuschließen. Im Interesse der
Volkspartei CDU erwarte er, dass sie zu der Einschätzung komme,
dass ein Mann, "der eine solche braune Soße wieder aufrührt",
in der Fraktion nicht zu suchen habe.
Die Affäre um Hohmann überschattete am Sonntagabend auch eine
Gedenkveranstaltung für die Opfer der Pogromnacht vom 9. November
1938 in Frankfurt. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU)
verteidigte in der Westendsynagoge die Entscheidung der Unions- Spitze,
zunächst kein Parteiausschlussverfahren einzuleiten. Daraufhin
verließen einige Zuhörer unter Protestrufen die Synagoge,
andere quittierten die Rede Kochs mit Buh-Rufen.
Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, sagte
nach einem vorab verbreiteten Redetext in der Synagoge: Es "muss
gehandelt werden - jetzt. Andernfalls ist zu befürchten, dass eine
große demokratische Volkspartei wie die CDU diese Affäre
nicht schadlos überstehen wird". Der Präsident des Zentralrats
der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hatte zuvor in München
gesagt: "Nicht nur für die Angehörigen von Minderheiten ist
die Tatsache unerträglich, dass im Deutschen Bundestag jemand Sitz
und Stimme hat, der rechtsextremes Gedankengut verbreitet."
(Quelle: dpa)
++++
A k t u e l l e M e l d u n g +++ Mo.10.11.03 - 19:14 Uhr ++++
Hohmann soll CDU und Unions-Fraktion verlassen
Die Union will
sich nun doch von dem wegen antisemitischer Äußerungen
umstrittenen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann trennen.
Der Geschäftsführende Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
beschloss am Montag in Berlin, den Ausschluss Hohmanns zu beantragen.
Ein Sprecher der hessischen Landesregierung bestätigte Angaben aus
Unions-Kreisen, denen zufolge CDU-Landeschef und Ministerpräsident
Roland Koch auch den Parteiausschluss des Juristen und früheren
Beamten des Bundeskriminalamtes betreibt.
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Maria Böhmer sagte nach
der Sitzung des Geschäftsführenden Vorstandes, man habe den
Ausschluss Hohmanns beantragt. Sie äußerte sich
zuversichtlich, dass die dafür notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit
erreicht werde. Die Abstimmung findet nach Angaben von
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer am kommenden Freitag in einer
Sondersitzung der Fraktion statt. Von Hohmanns Abgeordneten-Büro
war eine Stellungnahme zunächst nicht zu erhalten.
Meyer und Böhmer sagten, Hohmann habe sich auch in Gesprächen
nicht eindeutig von seinen Äußerungen distanziert.
(Quelle: rtr)
Friedlicher Protest gegen Castor-Transport nach Gorleben
Bundesumweltministerium zeigt Verständnis für den Protest der
Gorlebener Bevölkerung
Mo.10.11.03 -
Unmittelbar vor dem siebten Castor-Transport nach Gorleben haben am
Wochenende erneut tausende Demonstranten im Kreis Lüchow-Dannenberg
gegen die Atommülllagerung protestiert. Unter anderem besetzten
zwölf Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood acht
Stunden lang einen Förderturm auf dem Gorlebener
Endlagergelände. Laut Polizei verliefen alle Aktionen "friedlich
und bunt". Am Sonntagabend setzte sich der Zug mit den Castoren von der
französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague aus nach
Deutschland in Bewegung.
Der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, Wolfgang
Ehmke, sprach von 6.000 Teilnehmern bei der Auftaktdemonstration und
kündigte für Dienstag, dem voraussichtlichen Ankunftstag des
Atommülls, Sitzblockaden an. Die Proteste der Castor-Gegner
konzentrieren sich laut Ehmke immer mehr auf die Forderung, das Endlager
zu schließen.
Die Robin-Wood-Aktivisten kletterten am frühen Sonntagmorgen auf
den Turm von Schacht II des Gorlebener Endlagerbergwerks und wandten
sich auf Transparenten gegen den Castor-Transport und ein "Atomklo" in
Gorleben. Nach Angaben von Robin-Wood-Sprecher Jürgen Sattari
spielte sich die Besetzung über den Köpfen von mehreren
tausend Polizisten ab, die zur Sicherung des Castor-Transports in
Containern auf dem Endlagergelände untergebracht sind.
Die Umweltaktivisten verließen nach acht Stunden freiwillig den
Förderturm. Die Polizei stellte ihre Personalien fest und behielt
ihr Kletterwerkzeug zunächst ein. Während der Besetzung
versammelten sich am Zwischenlager immer wieder Gruppen von bis zu
zweihundert Atomkraftgegnern. An einer Protestfahrt von Dannenberg nach
Gorleben beteiligten sich etwa 150 Fahrradfahrer. Außerdem fanden
zahlreiche Kulturveranstaltungen statt, die sich gegen den
Atommülltransport richteten.
Im Zwischenlager Gorleben befinden sich bereits 32 Spezialbehälter
mit hochradioaktiven Abfällen. Die vermutlich am Dienstag auf der
Schiene in Dannenberg eintreffenden zwölf weiteren Castoren
müssen vor der Weiterfahrt nach Gorleben von Eisenbahnwaggons auf
Straßentieflader gesetzt werden.
Der Zug mit Atommüll verließ am Sonntag gegen 19.00 Uhr den
Verladebahnhof der französischen Wiederaufarbeitungsanlage, wie ein
Sprecher der Nuklearfirma Cogema mitteilte. Nach Informationen
französischer Atomkraftgegner sollte der Transport am Montagmittag
gegen 12.40 Uhr im elsässischen Lauterburg die Grenze nach
Deutschland passieren. Augenzeugen zufolge bestand der Zug aus
zwölf Containerwagen und vier angekoppelten Waggons mit Polizisten.
Das Bundesumweltministerium zeigte Verständnis für den
Protest der Gorlebener Bevölkerung und wies darauf hin, dass der
von Rot-Grün beschlossene Atomausstieg die Belastung Gorlebens
bereits drastisch verringert habe. Allerdings sei die Rücknahme von
deutschem Atommüll aus Frankreich notwendig, weil er über
Jahre in La Hague zwischengelagert worden sei. Der Sprecher von
Umweltminister Jürgen Trittin, Michael Schroeren, erinnerte ferner
daran, dass die Bundesregierung "den als Erkundung getarnten Bau des
Endlagers gestoppt" habe. Ziel sei ein ergebnisoffener Auswahlprozess
für ein sicheres Atommüll-Endlager in Deutschland.
(Quelle: ap)
Mehr in einem
"junge Welt"-Bericht (10.11.03):
http://www.jungewelt.de/2003/11-10/011.php
Polizei bietet wieder Forum zum Castor-Transport
Während
im niedersächsischen Dannenberg die Proteste gegen die
Castor-Atommülltransporte begonnen haben, kommen die ersten
Debatten auf dem eigens zum Thema Castor bei der Polizei Niedersachsen
eingerichteten Online-Forum in Fahrt. Wie im vergangenen Jahr ist der
Anspruch der Polizei durch das Forum "Gewalt und die daraus folgenden
körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen aller
Beteiligten" zu minimieren...
heise-online
am 09.11.03
http://www.jungewelt.de/2003/11-10/011.php
|
Genmais in Sachsen-Anhalt
Mo.10.11.03 -
Trotz Kritik von Natur- und Verbraucherschützern will
Sachsen-Anhalt als erstes Bundesland in großem Stil gentechnisch
veränderten Mais und andere Pflanzen anbauen. Die Landesregierung
starteteam Freitag eine entsprechende Initiative. Das Agrarministerium
in Berlin betonte dazu, die Pläne seien derzeit "ohne
Rechtsgrundlage". Das Bundesgesetz, das die Koexistenz gentechnisch
veränderter und herkömmlicher Landwirtschaft regeln soll,
werde nicht vor Mitte 2004 in Kraft treten. Sachsen-Anhalt will im
kommenden Jahr unter anderem ein Anbauprogramm für
genveränderten Mais entwickeln. Über die Größe und
die genaue Lage der Flächen will die Regierung in den kommenden
Wochen gemeinsam mit Landwirten entscheiden. Bis 2008 will das Land mehr
als 100 Millionen Euro zur Unterstützung der Wirtschaft
bereitstellen.
(Quelle: dpa)
Bauern verweigern den Gen-Mais
Sachsen-Anhalts
Fortschrittsinitiative zur Grünen Gentechnik ist überraschend
ins Straucheln geraten. Die Magdeburger Landesregierung wollte Fakten
schaffen, den umstrittenen Anbau von Genpflanzen zusammen mit
Saatgutkonzernen, Pflanzenzüchtern und Bauernverbänden im
großen Maßstab erproben. Doch als Wirtschaftsminister Horst
Rehberger (FDP) und Landwirtschaftsministerin Petra Wernicke (CDU) am
Freitag noch vollmundig versprachen, "wir werden die Vorreiterrolle
übernehmen", hatten sie ihre wichtigsten Partner, die Landwirte,
bereits verloren.
Schon seit Monaten liefen die Vorbereitungen. Die großen
Biotechkonzerne, Pflanzenzüchter und die in Sachsen-Anhalt
ansässigen Landwirtschaftsorganisationen wurden angeschrieben und
um Unterstützung für das Genprojekt gebeten. Der Feldversuch
soll das "Mit- und Nebeneinander" der verschiedenen Anbaumethoden
klären, er soll Erkenntnisse darüber liefern, wie
Genkontaminationen von Nachbarfeldern einzudämmen sind. Dann,
letzten Freitag, sollte der große Augenblick sein: Das Magdeburger
Wirtschafts- und das Agrarministerium hatten zur Pressekonferenz
geladen, auf der eine von 16 Unterzeichnern getragene
Absichtserklärung für den Einstieg in den
großflächigen Gentech-Anbau bekannt gegeben werden sollte.
Doch daraus wurde nichts. Ohne klare Regeln für die Koexistenz von
Gentech-Anbau, konventioneller Landwirtschaft und Ökobetrieben
werde es keine Zustimmung zu dem Projekt geben, ließen die
Verbände der Landwirte schon im Vorfeld verlauten. Auch
müssten für mögliche Schadensfälle Haftungsregeln
aufgestellt werden. "Verwundert" und "mit großer Sorge" nahmen
etwa der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Landesbauernverband
Sachsen-Anhalt die Anbauinitiative zur Kenntnis. Der Landesverband, der
eigentlich zu den angekündigten 16 Unterzeichnern gehörte,
verweigerte denn auch die Unterschrift. Er begründete das mit dem
"fehlenden Rechtsrahmen für die Landwirte"....
Aus der
"tageszeitung" vom 10.11.03
Mehr
unter:
http://www.taz.de/pt/2003/11/10/a0085.nf/text
|
Jeder vierte Baum durch Trockenheit geschädigt
Mo.10.11.03 - Die
extreme Trockenheit des vergangenen Sommers macht den Bäumen in
Deutschland schwer zu schaffen. Nach ersten Angaben von
Landesumweltbehörden hat die Größe der geschädigten
Flächen in mehreren Bundesländern stark zugenommen, berichtet
das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".
So würden in Nordrhein-Westfalen nur noch 27 Prozent der
Bäume als gesund eingestuft (Vorjahr 33 Prozent), 49 Prozent weisen
schwache Schäden (Vorjahr 43 Prozent) auf. Besonders stark litten
Eichen unter dem Wassermangel.
In Baden-Württemberg sind 29 Prozent des Waldes deutlich
geschädigt, 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Schutzgemeinschaft
Deutscher Wald schätzt, dass in diesem Jahr bundesweit jeder vierte
Baum geschädigt sein wird. Weil die Blattanlagen in
Mitleidenschaft geraten seien, würden die Folgen der Dürre
allerdings erst im nächsten Jahr "voll durchschlagen",
fürchtet Bundesgeschäftsführer Bernd Krebs.
(Quelle: dpa)
Medienfrauen vergeben die 'Saure Gurke' an das
'Heute-Journal'
Mo.10.11.03 - Ein
im September ausgestrahlter Beitrag über Wechseljahre im
ZDF-"Heute-Journal" hat in diesem Jahr die "Saure Gurke" für
frauenfeindliche Sendungen erhalten. Das wurde am Sonntag zum Abschluss
des 26. Herbsttreffens der Frauen in den Medien von ARD und ZDF in
Hamburg bekannt gegeben. Der Negativpreis wird seit 1980 verliehen - im
vergangenen Jahr bekam ihn der vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlte
Film "Männer - das diskriminierte Geschlecht".
Die Medienfrauen begründeten ihre Entscheidung damit, dass es dem
"Heute-Journal" in dem viereinhalb-minütigen Beitrag von Karin
Catal gelungen sei, "Millionen Frauen Lust auf Hormone zu machen. Keine
Angst, meine Damen, vor Brustkrebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt."
Obwohl auf Beipackzetteln der entsprechenden Medikamente seit dem 1.
November die erhöhten Risiken benannt werden müssten, zitiere
das "Heute-Journal" männliche Experten, die es besser wüssten.
Kritisch äußerten sich die Medienfrauen auch zu zwei
"Tatort"-Sendungen aus Berlin beziehungsweise München:
"Zartbitterschokolade" und "Wenn Frauen Austern essen". Beiden gelinge
es exzellent, sexuelle Belästigung als perfide Waffe der Frauen im
Geschlechterkampf zu entlarven, erklärten sie ironisch.
(Quelle: ap)
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