Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertsiebenunddreißigsten Tag nach Kriegsbeginn
Iraks Regierungsrat will sich nicht von US-Regierung austauschen lassen
+++ US-Kommandeur droht Irakern mit drastischen Maßnahmen, wenn
sie nicht die Angriffe auf die Besatzungstruppen eindämmten
+++ US-Soldaten töten Bürgermeister des Bagdader Stadtteils Sadr
City +++ US-Außenminister Colin Powell: USA müssen an ihrem
Kurs in Irak festhalten, 'um der Zivilisation willen, für unsere
Sicherheit' - Dafür müssten die USA 'einen Preis
zahlen'. Sicherheitsberaterin Rice: Nichts von Wert sei jemals ohne
Opfer gewonnen worden +++ Immer mehr US-Bürger stellen Sinn des
Krieges in Irak in Frage +++ USA setzen auf Militärengagement
weiterer Länder in Irak
Di.11.11.03 - Der provisorische irakische Regierungsrat hat deutlich gemacht, dass er
sich von der US-Regierung nicht austauschen lassen will.
Kurdenführer Dschalal Talabani, der in diesem Monat Präsident
des Rates ist, erklärte, US-Zivilverwalter Paul Bremer habe den
Ratsmitgliedern sogar eine Erweiterung ihrer Entscheidungskompetenzen
versprochen.
Dazu gehöre die Überwachung der neuen irakischen Armee.
"Bremer sagte, der Rat sei absolut dazu in der Lage, die Verantwortung
für den Wiederaufbau des Iraks zu übernehmen", sagte Talabani
der irakischen Zeitung "Al-Sabah" (Montagausgabe).
Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach die Regierung von George W.
Bush bereits über Alternativen zum Regierungsrat nachdenken soll,
weil sich die Angehörigen des Gremiums zu sehr um ihre eigenen
Interessen und zu wenig um politische Fortschritte - etwa eine neue
Verfassung - kümmerten. Auch hatte der Regierungsrat
Privatisierungspläne gestoppt, aus Angst, bei einem Verkauf
von irakischen Staatsunternehmen an
ausländische Investoren könne die Wirtschaft des Landes unter
fremde Kontrolle geraten.
Ratsmitglied Samir el Sumeidi betonte unterdessen, die Besatzungsmacht
sei gar nicht befugt, über eine mögliche Absetzung des Rats
zu entscheiden: "Der Rat war anfangs von den Koalitionstruppen
legitimiert worden, aber nach der Resolution 1511 des
UN-Sicherheitsrats beziehen wir diese Legitimität von den
Vereinten Nationen." Kritiker im Irak hatten den
Regierungsratsmitgliedern wiederholt vorgeworfen, sie zögerten die
Abhaltung von Wahlen bewusst heraus, da sich einige von ihnen bei
freien Wahlen keine guten Chancen ausrechneten.
Der Kommandeur des US-Oberkommandos Mitte und Befehlshaber der
US-Truppen im Nahen Osten, General John Abizaid, hat den Irakern mit
drastischen Maßnahmen gedroht, wenn sie nicht die Angriffe auf die
Besatzungstruppen eindämmten.
Wie der Bürgermeister von Falludscha, Taha Bedaui, am Montag
sagte, äußerte sich US-General Abizaid vor einer Versammlung
von Stammesführern und Bürgermeistern des so genannten
sunnitischen Dreieck, das Zentrum des Widerstands gegen die
Besatzungstruppen ist. Die USA hätten die Möglichkeiten und
die Ausrüstung, um zu harten Maßnahmen zu greifen, zitierte
er den General. Es war der bislang letzte Hinweis darauf, dass die USA
angesichts wachsender Verluste bereit sind, härter gegen
Aufständische vorgehen wollen.
Derweil ist der von den USA unterstützte Bürgermeister des
Bagdader Stadtteils Sadr City von US-Soldaten erschossen worden.
Mohannad Ghasi el Kaabi sei vor dem Gebäude des Stadtteilrates bei
einer Auseinandersetzung mit Sicherheitskräften getötet
worden, teilten die amerikanischen Streitkräfte mit. Der
Lokalpolitiker habe sich geweigert, den Anweisungen eines
Sicherheitsbeamten zu folgen und bei der folgenden Rangelei eine
Schussverletzung erlitten. Wenige Minuten später sei Mohannad dann
den Verletzungen erlegen.
Genauere Angaben über die Identität des Schützen wurden
nicht gemacht. Sadr City ist ein von rund zwei Millionen
überwiegend verarmten Schiiten bewohnter Stadtteil der irakischen
Hauptstadt. US-Truppen hatten sich dort bereits wiederholt
Auseinandersetzungen mit Bewaffneten geliefert.
In Basra explodierte am Dienstagmorgen ein Sprengsatz an einer
Straße, die häufig von britischen Soldaten benutzt wird. Das
Gebiet wurde umgehend abgeriegelt. Irakische Polizisten teilten aber
mit, zwei Wagen seien zerstört worden. Vermutlich seien mindestens
drei Iraker bei der Explosion getötet worden.
Angesichts der prekären Sicherheitslage in Irak setzen die USA auf
eine militärische Beteiligung weiterer Länder in Irak. Die
US-Regierung bemühe sich gegenwärtig bei 14 Staaten darum,
dass sie größere Truppenkontingente nach Irak schickten,
sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Montag in Washington.
Es sei für andere Länder wichtig, dass sie sich "in Irak und
für einen Erfolg in Irak" engagierten, fügte er zur
Begründung hinzu. Jedes Land müsse für sich entscheiden,
welche Rolle es spielen wolle. Washington wolle aber
"größere Zahlen" sehen. Er gehe davon aus, dass die meisten
Staaten teilhaben wollten an einer "historischen" Sache. Die USA haben
rund 130.000 Mann in Irak im Einsatz. Dazu kommen rund 22.000 weitere
Soldaten aus 32 Staaten.
Die US-Regierung bekräftigte unterdessen ihren Kurs in Irak.
"Nichts von Wert sei jemals ohne Opfer gewonnen worden", erklärte
Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Von einer Wiederaufnahme der
Kampfhandlungen könne keine Rede sein.
Rice sagte in Washington, es handele sich in Irak um einen Aufstand in
Verbindung mit Terrorismus. Dabei machten Mitglieder des alten Regimes
des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein gemeinsame Sache mit
ausländischen Kämpfern. US-Außenminister Colin Powell
bekräftigte in einer Rede in New York, die USA müssten an
ihrem Kurs in Irak festhalten, "um der Zivilisation willen, für
unsere Sicherheit". Powell räumte ein, dafür müssten die
USA "einen Preis zahlen". Es sei "keine Frage, wir werden
geprüft", sagte Powell. Aber er sei vom Sieg überzeugt.
Immer mehr US-Bürger stellen unterdessen den Sinn des Krieges in
Irak in Frage. In einer Anfang November durchgeführten und am
Montag veröffentlichten Umfrage erklärten 49 Prozent, der
Krieg sei es nicht wert gewesen. Nur 48 Prozent unterstützten ihn
noch, wie aus der Befragung des Annenberg Public Policy Centers
hervorging. Im Oktober hatten noch 52 Prozent erklärt, die Lage in
Irak sei es wert gewesen, den Krieg geführt zu haben. 43 Prozent
waren gegenteiliger Ansicht. Mit der Politik von Präsident George
W. Bush in dieser Frage waren 46 Prozent zufrieden, 50 Prozent waren es
nicht.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Die irakische Wissenschaftlerin Dr. Souad Naji Al-Azzawi
befürchtet »verheerende« Auswirkungen infolge des Einsatzes
von Uranmunition
Im Gegensatz zum Golfkrieg 1991 habe die US-Armee abgereichertes Uran
(Depleted Uranium – DU) im Frühjahr nicht nur auf
militärisches Gerät außerhalb der Städte
verschossen, sondern auch in dichtbevölkerten Wohngebieten
eingesetzt, selbst in Bagdad. Im Verlauf der Irak-Invasion soll die
US-Armee in diesem Jahr drei- bis sechsmal soviel Uranmunition
verschossen haben wie vor zwölf Jahren, Schätzungen zufolge
landesweit bis zu 2000 Tonnen. Al-Azzawi zufolge kämen die
massiven Konsequenzen erst in drei bis vier Jahren zum Tragen.
Es ist ein Massensterben auf Raten: Seit 1991 ist die Zahl von
Leukämieerkrankungen bei Kindern im Süden des Irak um das
Fünf- bis Sechsfache gestiegen. Auch die Zahl der Fehlgeburten und
Mißbildungen bei Neugeborenen im Südirak hat drastisch
zugenommen. Nun also wäre das gesamte Land betroffen.
Al-Azzawi arbeitete bis zum Kriegsbeginn als Umweltingenieurin an der
Universität von Bagdad. Sie hatte in den vergangenen Jahren mit
sechs weiteren irakischen Wissenschaftlern die Boden-, Luft- und
Wasserverseuchung durch abgereichertes Uran im Südirak untersucht.
Die Ergebnisse wurden auch den Vereinten Nationen vorgelegt. Am 12.
Oktober 2003 erhielt Al-Azzawi für ihre Arbeit in München den
Nuclear-Free-Future-Award.
Heute ist Al-Azzawi praktisch arbeitsunfähig. Infolge der
Plünderungen und Brandstiftungen in den Universitäten fehlt
es ihrem Team an Meßgeräten und Labors. Der
Wissenschaftlerin bleibt daher nur die Bitte an die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Umweltbehörde der
Vereinten Nationen (UNEP), möglichst schnell in den Irak zu kommen
und zu untersuchen, wo überall Uranwaffen zum Einsatz gekommen
sind. Bisher verweigerten die Besatzungsmächte den
UN-Organisationen allerdings jede Unterstützung und Untersuchung
in diese Richtung....
Aus "junge Welt" vom 11.11.03:
http://www.jungewelt.de/2003/11-11/001.php
Das internationale Recht sagt einhellig: Die Wirtschaftsreformen des
US-Zivilverwalters Paul Bremer sind illegal
Schickt Halliburton nach Hause. Hebt die Verträge auf. Weg mit den
Deals. Zerreißt die Regeln. Dies sind nur ein paar
Vorschläge für Slogans, die vielleicht helfen, die wachsende
Bewegung gegen die Irak-Besatzung unter einen Hut zu bringen. Bislang
konzentriert sich die Debatte unter Aktivisten auf die Frage: Sollen
wir einen kompletten Truppenabzug fordern, oder sollen die USA die
Macht an die Vereinten Nationen abtreten?
Die 'Truppen-raus'-Debatte übersieht aber eine wichtige Tatsache.
Selbst wenn morgen der letzte Soldat aus dem Golf verschwindet und eine
souveräne Regierung an die Macht kommt, der Irak bleibt besetzt:
durch Gesetze, die im Interesse eines anderen Landes gemacht wurden,
durch ausländische Konzerne, die entscheidende Dienstleistungen
des Landes kontrollieren, durch eine Arbeitslosigkeit von 70%, deren
Auslöser Entlassungen im öffentlichen Sektor waren.
Jede Bewegung, die es ernst meint mit der Selbstbestimmung des Irak,
sollte nicht nur das Ende der Militärokkupation des Irak fordern
sondern auch das der Wirtschaftskolonialisierung, soll heißen,
Rücknahme der Schocktherapie-Reformen - die von US-Besatzungschef
Paul Bremer irreführenderweise als "Wiederaufbau" verkauft wurden
-, und Aufhebung sämtlicher Privatisierungsverträge, die aus
diesen Reformen hervorgegangen sind.
Wie ist so ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen? Ganz einfach: Man weist
nach, dass Bremers Reformen zumindest illegal sind. Sie stellen einen
klaren Verstoß gegen jene internationale Konvention dar, die das
Verhalten von Besatzungstruppen regelt: das Haager Abkommen von 1907
(ein Pendant zu den Genfer Konventionen von 1949, beides von den USA
ratifiziert), und sie sind auch ein Verstoß gegen den Kriegskodex
der US-Army. ...
Aus: Naomi Klein - "Irak ist kein Ausverkaufsobjekt der USA", ZNet vom
07.11.03
Mehr unter:
http://www.zmag.de/article/article.php?id=906
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=40&ItemID=4465
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Gefechte zwischen PKK und US-Truppen an türkisch-irakischer Grenze
Di.11.11.03 - An der irakisch-türkischen Grenze ist es zu
Zusammenstößen zwischen US-Truppen und der verbotenen
kurdischen Arbeiterpartei PKK gekommen. Der türkische
Außenminister Abdullah Gül bestätigte am Montag
entsprechende Medienberichte. "Es gab gestern Zusammenstöße,
nicht nur mit den USA, sondern auch zwischen irakischen Kurden und der
PKK."
(Quelle: ap)
Oberster Gerichtshof hört Klagen von Guantanamo-Häftlingen
Di.11.11.03 - Der Oberste Gerichtshof in den USA wird sich erstmals mit der
umstrittenen Inhaftierung mutmaßlicher Terroristen auf dem
US-Stützpunkt Guantanamo beschäftigen. Der Supreme Court
stimmte am Montag in Washington zu, eine Klage im Namen einiger
ausländischer Verdächtiger anzuhören. Amerikanische
Gerichte hatten entschieden, dass sie nicht die Befugnis hätten,
die Klagen der Gefangenen über ihre Behandlung in der Haft
anzuhören.
"Die Vereinigten Staaten haben in Guantanamo ein Gefängnis
errichtet, das völlig außerhalb des Rechts arbeitet",
erklärten die Anwälte der britischen und australischen
Kläger. "Innerhalb der Mauern dieses Gefängnisses können
Ausländer auf unbestimmte Zeit festgehalten werden, ohne Anklage
oder Beweise, ohne Zugang zu ihren Familien oder juristischer Beratung
und ohne die Möglichkeit, ihre Unschuld zu beweisen."
Die Männer, in deren Namen die Klage eingereicht wurde, wissen
davon nichts, wie Anwälte des Zentrums für
Verfassungsmäßige Rechte dem Obersten Gerichtshof
erklärten. Die Verdächtigen seien keine Mitglieder der El
Kaida und auch nicht in die Terroranschläge vom 11. September 2001
verwickelt. Die USA halten in Guantanamo insgesamt 600
mutmaßliche Terroristen fest, einige von ihnen bereits seit fast
zwei Jahren.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Frankreich will von USA Informationen über Guantanamo-Gefangene
Sa.08.11.03 - Frankreich hat die USA zu klaren Informationen über die
Gründe aufgefordert, weswegen sechs Franzosen im Gefangenenlager
Guantanamo Bay festgehalten werden.
"Wir fordern von den US-Behörden genaue Informationen
darüber, warum diese Gefangenen festgehalten werden und was ihnen
vorgeworfen wird", sagte ein Sprecher des französischen
Außenministeriums am Freitag in Paris. Zudem plane Frankreich,
eine Delegation auf den Stützpunkt zu senden. Dazu sei aber noch
keine Entscheidung gefallen.
Die Franzosen wurden Anfang 2002 gefangengenommen und werden vom
US-Militär als "feindliche Kämpfer" bezeichnet. Damit sind
sie keine Kriegsgefangene, ein Status, der ihnen internationalem Recht
zufolge zu einer ganzen Reihe von Schutzmaßnahmen verhelfen
würde...
Mehr unter:
Rechtsanwalt wirft USA Folter von Guantanamo-Gefangenen vor +++ USA
verschärfen Auflagen für Berichterstattung über
Guantanamo
Mi.08.10.03 - Ein australischer Rechtsanwalt hat die US-Streitkräfte heute
(Mittwoch) der Folterung von Gefangenen in Guantanamo Bay beschuldigt.
Der in den USA tätige Anwalt Richard Bourke berief sich auf
Aussagen entlassener Häftlinge und Berichte von Angehörigen
der Streitkräfte. Die Foltermethoden erinnerten ans finstere
Mittelalter, sagte er in einem Interview mit dem australischen Rundfunk
ABC. Bourke vertritt seit zweieinhalb Jahren die Belange von mehreren
Dutzend Terrorverdächtigen in Guantanamo...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310080.htm#03100801
IKRK kritisiert USA wegen Haftbedingungen auf Guantanamo
Gefangene sind auf unbestimmte Zeit ohne Anklageerhebung festhalten +++
Kein Zugang zu Anwälten und kein Einspruchsmöglichkeite gegen
Inhaftierung +++ Viele Gefangene sind in schlechter psychischer
Verfassung +++ US-Regierungssprecher: Häflinge werden human
behandelt
Sa.11.10.03 - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat die
Haftbedingungen der auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Guantanamo auf
Kuba festgehaltenen Terrorverdächtigen kritisiert. Viele
Inhaftierte seien wegen der Unsicherheit über ihr Schicksal in
schlechter psychischer Verfassung, sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal
am Freitag zum Abschluss eines zweimonatigen Besuchs einer Delegation
des Roten Kreuzes in Guantanamo. Die US-Regierung wies die Kritik
zurück....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310110.htm#03101102
US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay - Auf ihrer Basis im Südosten Kubas halten die USA etwa 660
vermeintliche Terroristen gefangen - ohne Aussicht auf Prozess oder
Freilassung. Die wenigsten dürften Taliban- oder
Al-Qaida-Führer sein. Mit ihnen zu sprechen ist nicht gestattet.
Aber ihre Gesichter drücken Wut und Verzweiflung aus. In den
letzten 18 Monaten hat es im Lager 32 Selbstmordversuche gegeben...
Mehr in der "tageszeitung" vom 11.10.03:
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0146.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0141.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0140.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0143.nf/text
Zwangsrekrutiert und als Terroristen verkauft - Nach dem
Afghanistankrieg suchten sich die US-Militärs mit Hilfe
fragwürdiger Alliierter ihre Gefangenen für Guantánamo
Bay aus...
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0148.nf/text
Viele Guantanamo-Gefangene offenbar ohne El-Kaida-Kontakte
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0212250.htm#guantanamo
Anwälte fordern mehr Rechte für Häftlinge in Guantanamo
Die Bush-Regierung bemüht sich , die Grenze zwischen Kriegs-und Strafrecht aufzulösen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/k0212050.htm
#guantanamo
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El Kaida angeblich weitgehend zerschlagen
Statt dessen sollen sich verschiedene Gruppen gebildet haben, die ihre
Aktionen nur manchmal koordinierten oder auch alleine agierten
Di.11.11.03 - Die Terrororganisation El Kaida von Osama bin Laden ist nach Ansicht
einer britischen Sicherheitsfirma weitgehend zerschlagen worden. Die
Gefahr von Anschlägen durch muslimische Extremisten bleibe aber
hoch, zumal sie jetzt weit schwieriger zu erfassen sind. Die in London
ansässige Control Risks Group, die Unternehmen in
Sicherheitsfragen berät, erklärte am Dienstag, in 71 Staaten
bestehe 2004 eine mittlere Risikostufe für westliche Firmen. Viele
von ihnen liegen im Nahen Osten und der Golfregion.
Große Risiken gibt es nach Ansicht der Autoren des Berichts in
Burundi, Somalia und Liberia. In dem Bericht geht es sowohl um den
Terrorismus als auch um politische Instabilität. In den meisten
Ländern Westeuropas ist das Risiko demnach niedrig.
Kevin Rosser, einer der Autoren, erklärte, die El Kaida vom 11.
September 2001 gebe es in dieser Form nicht mehr. Stattdessen
hätten sich verschiedene Gruppen gebildet, die ihre Aktionen nur
manchmal koordinierten oder auch alleine agierten. Für diejenigen,
die Anschläge ausführten, sei El Kaida das Vorbild.
Die Einschätzung zu den Möglichkeiten von El Kaida werden
nicht von allen geteilt. So wird sie von der saudiarabischen und der
amerikanischen Regierung für die jüngsten
Selbstmordanschläge vom Wochenende in Riad verantwortlich gemacht.
(Quelle: ap)
Koalitionstruppen in Afghanistan starten neue Anti-Terror-Offensive
Militärsprecher: 'Elemente, die gegen die Koalition sind', sollen
'zerstört' werden +++ Provinzpolitiker warnen vor Rückkehr der
Taliban
Di.11.11.03 - Die von den USA geführten Koalitionstruppen in Afghanistan haben
im Osten des Landes eine neue Offensive gegen Talibankämpfer und
andere Rebellengruppen gestartet. Die Militäraktion habe am
Freitag in den Provinzen Nuristan und Kunar an der Grenze zu Pakistan
begonnen, teilte ein Militärsprecher am Montag mit. Ihr Ziel sei,
"Elemente, die gegen die Koalition sind, zu zerstören" und deren
Operationen im Osten Afghanistans zu stoppen. Die Koalition arbeite
dabei mit afghanischen Truppen zusammen. Nach Angaben der afghanischen
Zentralregierung handelt es sich nicht um Einheiten der nationalen
Streitkräfte. Die USA hätten ihr Vorgehen aber mit Kabul
abgestimmt.
Derweil droht im Süden Afghanistans nach Einschätzung von
Provinzpolitikern eine schleichende Machtübernahme der Taliban.
Zwei Jahre nach ihrer Vertreibung aus der Hauptstadt Kabul durch die
USA habe die radikalislamische Organisation die Herrschaft über
mehrere Distrikte im Grenzgebiet zu Pakistan übernommen, sagte
Vizegouverneur Mawlawi Mohammed Omar. In vier Distrikten der
südostafghanischen Provinz Sabul gebe es keinerlei staatliche
Kontrolle mehr.
Die Taliban versuchten demnach verstärkt, die Provinzhauptstadt
Kalat unter ihre Kontrolle zu bringen. Dort sei am Samstag vor dem
Gouverneurssitz eine Bombe explodiert. Dabei sei niemand zu Schaden
gekommen.
Die UNO stuft die Provinz Sabul als "hoch riskant" ein. Mitarbeiter der
Weltorganisation werden dort nicht eingesetzt. Die Regierung in Kabul
hatte kürzlich einen UN-Bericht über ein Wiedererstarken der
Taliban in einigen Gebieten im Süden des Landes als
"übertrieben" zurückgewiesen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
USA hoffen auf neuen Schwung für Friedensprozess +++ Israelische
Behörden nehmen ranghohen palästinensischen Richter fest +++
Gefangenenaustausch zwischen Israel und Hisbollah droht zu scheitern
+++ Israel will auf umstrittene Überprüfung von Journalisten
verzichten +++ Umstrittener Sperrwall bei Jerusalem soll weiter in das
Westjordanland hineinreichen als bisher bekannt
Di.11.11.03 - Die USA hoffen nach der für Mittwoch geplanten Vereidigung der
neuen palästinensischen Regierung auf eine Wiederbelebung des
Nahost-Friedensprozesses. "Wir hoffen, dass Israel dann wieder einen
Partner für Verhandlungen hat", sagte der stellvertretende
US-Außenminister Richard Armitage nach einem Treffen mit dem
ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak am Montag in Kairo. Aus
ägyptischen Kreisen verlautete, Kairo werde sich um die
Aushandlung einer neuen Waffenruhe bemühen.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia, der
derzeit ein Notstandskabinett leitet, hatte sich am Sonntag nach
monatelangem Streit mit Präsident Jassir Arafat auf eine neue
Ministerriege geeinigt. Der unabhängige palästinensische
Abgeordnete Hassan Chreische sagte am Montag, er rechne mit einer
klaren Mehrheit für die Minister. Mit der neuen Regierung kehrten
jedoch korrupte Politiker zurück.
"Das ist Jassir Arafats Kabinett", sagte Chreische. "Er hat es
ausgesucht, um der Welt mitzuteilen, dass er hier die Entscheidungen
trifft." Der Abgeordnete Dschamal Schati von Arafats Fatah-Bewegung,
kündigte an, er werde das Kabinett ablehnen. Kureia habe nicht wie
zugesichert neue und unverbrauchte Politiker präsentiert.
Auch die israelische Regierung reagierte enttäuscht auf das neue
Kabinett. "Dies ist ein trauriger Tag, weil wir sehen, dass die
Kontrolle der Sicherheitskräfte in den Händen des
Terrorkartells von Arafat verbleibt", sagte Scharons Berater Raanan
Gissin.
Papst Johannes Paul II. mahnte die palästinensische
Befreiungsorganisation PLO, jede Form des Terrorismus zu verurteilten.
Terror sei als Fundament der Freiheit sowie für die
Selbstbestimmung eines Volkes völlig ungeeignet, sagte er am
Montag zu einer PLO-Delegation in Rom. Trotz der jüngsten
Rückschläge sei der Frieden möglich. Nötig seien
jedoch ein geduldiger Dialog sowie dauerhaftes Engagement auf beiden
Seiten.
Die israelischen Behörden haben am Montag den obersten
palästinensischen Richter für islamische Angelegenheiten
festgenommen. Scheich Taissir el Tamimi sei beim Verlassen des
Tempelbergs in Ost-Jerusalem festgenommen worden, meldete die amtliche
palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Tamimi habe der Agentur
telefonisch berichtet, er sei gemeinsam mit vier anderen Richtern
festgenommen und in ein Gefängnis im Hauptquartier der
israelischen Polizei im Westteil der Stadt gebracht worden.
In Gaza-Stadt warfen 300 Palästinenserinnen mit Steinen, Flaschen
und Stöcken auf Gebäude der Autonomiebehörde. Sie
protestierten gegen die stärkere Überwachung von
Wohlfahrtsorganisationen, denen eine Unterstützung von
Untergrundgruppen vorgeworfen wird. Die verschärften
Maßnahmen haben zu Verzögerungen bei der Auszahlung von
Unterstützung für tausende Menschen im Gazastreifen
geführt. Auf den Plakaten der Frauen stand «Wir wollen
Gerechtigkeit» und "Wir wollen Nahrung". Die
Sicherheitskräfte feuerten Warnschüsse in die Luft.
Der Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah droht an
einer Forderung der libanesischen Untergrundorganisation zu scheitern.
Nachdem das israelische Kabinett dem Austausch am Sonntag mit knapper
Mehrheit zugestimmt hatte, erklärte Hisbollah-Führer Scheich
Hassan Nasrallah am Montag, unter den von Israel freizulassenden
Häftlingen müsse auch Samir Kantar sein. Dieser ist für
den Tod dreier Israelis verantwortlich. Israel schloss seine
Freilassung aus.
"Ministerpräsident Ariel Scharon hat klar gemacht: Kantar wird
nicht freigelassen", bekräftigte Aussenminister Silvan Schalom am
Montag. Kantar, ein Palästinenser aus Libanon, hatte im Jahr 1979
eine Wohnung in der nordisraelischen Stadt Naharija gestürmt und
einen Mann sowie dessen Tochter erschossen. Ein zweites Kind wurde von
der Mutter erdrückt, als sie sich und das Kind versteckte.
Das israelische Kabinett votierte nach achtstündiger Diskussion
mit zwölf zu elf Stimmen für das Abkommen, für das sich
Scharon eingesetzt hatte. Die unter deutscher Vermittlung
ausgearbeitete Vereinbarung sieht vor, dass Israel mehr als 400
arabische Häftlinge freilässt. Im Gegenzug soll der
israelische Geschäftsmann Elhanan Tannenbaum freikommen, des
weiteren sollen die Leichen von drei getöteten israelischen
Soldaten übergeben werden.
Den Ministern wurde versichert, die Häftlinge seien - mit Ausnahme
der libanesischen Gefangenen - nicht an der Tötung israelischer
Zivilisten beteiligt gewesen. Die Freizulassenden stammten aus Libanon,
Syrien, Marokko, Sudan und Libyen.
Für Kritik in Israel sorgte, dass Luftwaffensoldat Ron Arad nicht
freigelassen wird. Er wurde 1986 über Libanon abgeschossen, sein
Schicksal wird in der Vereinbarung mit der Hisbollah nicht
erwähnt. Offenbar um dem Einwand entgegenzutreten, Arad werde
aufgegeben, erklärten mehrere Geheimdienstmitarbeiter am Montag,
Israel könne mehr arabische Extremisten als Pfand für Arab
kidnappen.
Zu den Gegnern des Abkommens gehören der Chef des Geheimdienstes
Mossad, Meir Dagan, und der Chef des Sicherheitsdienstes Schin Bet, Avi
Dichter. Ihrer Meinung nach stärkt die Einigung das Ansehen der
Hisbollah in der arabischen Welt. Zudem wird befürchtet, dass die
Freilassung so vieler Gefangener als Ermutigung für weitere
Entführungen aufgenommen werden.
Die israelische Regierung verzichtet nach harschen Protesten von in-
und ausländischen Medienorganisationen auf die angekündigte
Überprüfung von Journalisten durch den Geheimdienst Schin
Bet. Die Entscheidung zur Aussetzung dieses Beschlusses gab am Montag
Arnon Perlman, der Medienberater von Ministerpräsident Ariel
Scharon, bekannt. In einem Brief an die Nachrichtenagentur AP
versicherte er, alle künftigen Änderungen würden nach
Konsultation der in- und ausländischen Medien vorgenommen, damit
sie für beide Seiten akzeptabel seien.
Gegen die Überprüfung von Journalisten durch den Geheimdienst
hatte unter anderem der Internationale Journalistenverband (IFJ)
protestiert. Die Überprüfung komme der Kontrolle von Medien
in totalitären Staaten gleich, sagte Aidan White, der
Generalsekretär des IFJ, vergangene Woche in Brüssel. Er
legte Protest gegen die vorgesehenen Kontrollen ein.
Mit dem Hinweis auf Sicherheitsbedenken hatte das Pressebüro der
israelischen Regierung am Montag vergangener Woche mitgeteilt, dass ab
Januar rund 17.000 akkreditierte Medienvertreter vom
Inlandsgeheimdienst Schin Bet überprüft werden sollen. Nach
der geheimdienstlichen Überprüfung werde das Pressebüro
entscheiden, wer weiterhin die Berechtigungsausweise erhalte, die zum
Betreten von Regierungsgebäuden, für die Teilnahme an
Pressekonferenzen und für Treffen mit Regierungsvertretern in
deren Büros nötig sind.
Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete derweil, dass der
umstrittene Sperrwall in der Umgebung von Jerusalem weiter in das
Westjordanland hineinreichen soll als bisher bekannt. Das
Verteidigungsministerium wolle neben der größten
jüdischen Siedlung im Westjordanland, Maale Adumim, auch das
Industriegebiet Mischor Adumim, die Siedlung Kfar Adumim und mehrere
palästinensische Dörfer in den Wall einbeziehen. "Haaretz"
berichtete weiter, der Plan sei noch nicht von der Regierung
beschlossen und könne verändert werden. Israel will mit der
Sperranlage palästinensische Selbstmordattentäter abhalten.
Die Palästinenser befürchten, Israel nehme eine Grenzziehung
vorweg.
(Quellen: ap, afp)
Babynahrung aus Deutschland soll für Tod von Säuglingen in
Israel verantwortlich sein
Sabotage wird nicht ausgeschlossen
Di.11.11.03 - Nach dem Tod von drei Säuglingen hat das israelische
Gesundheitsministerium eine Babynahrung aus Deutschland vom Markt
genommen und Ermittlungen eingeleitet. In der koscheren
Ersatzmilch auf Sojabasis sei kein Vitamin B1 enthalten gewesen; dieser
Mangel habe in drei Fällen zum Tod geführt, teilte das
israelische Gesundheitsministerium mit. 17 weitere Babys seien
erkrankt. Das Unternehmen Humana mit Sitz in Herford kündigte eine
Prüfung der Vorfälle an.
Ein Vertreter des Ministeriums deutete am Montag an, auch Sabotage
werde nicht ausgeschlossen.
Einem Bericht der israelischen Tageszeitung "Haaretz" zufolge haben
sich auch die Geheimdienste Mossad und Schin Bet in die Ermittlungen
eingeschaltet. Es sei unmöglich zu sagen, ob eine absichtliche
Manipulation der Babynahrung vorliege, erklärte ein Vertreter des
Gesundheitsministeriums.
Nach dem Rückruf der Milch meldeten sich 20.000 besorgte Eltern
bei den extra eingerichteten Notrufnummern, wie das israelische Radio
berichtete. Das Gesundheitsministerium riet Eltern, die ihre Kinder
über einen längeren Zeitraum mit dem betroffenen Produkt
ernährt haben, einen Arzt aufzusuchen.
(Quellen: ap, afp)
Historisches Treffen der Verteidigungsminister
der USA und Vietnams
Di.11.11.03 - Mit einem Lächeln und einem Händedruck sind am Montag
erstmals seit dem Ende des Vietnamkriegs 1975 die Verteidigungsminister
der USA und Vietnams zu Gesprächen zusammen gekommen. Donald
Rumsfeld begrüßte Pham Van Tran auf den Stufen des
Pentagons. Bei dem Treffen ging es den Angaben zufolge um die
Sicherheitslage in Asien und bilaterale Themen, wie die immer noch
weiter andauernde Suche nach als vermisst gemeldeten US-Soldaten.
Vietnam geht es auch um Hilfe der USA bei der Eindämmung der
Folgen des Einsatzes des Entlaubungsmittels Agent Orange im
Vietnamkrieg. Es wird mit zahlreichen Krankheiten, Geburtsfehlern bei
Kindern, Krebs und Diabetes in Verbindung gebracht. Das Treffen
spiegele die "positive Entwicklung in den Verteidigungsbeziehungen" der
beiden Länder, hieß es in einer Erklärung des Pentagons.
(Quelle: ap)
Friedensgespräche für Sri Lanka
auf unbestimmte Zeit verschoben
Di.11.11.03 - Der Friedensprozess in Sri Lanka hat am Montag einen Rückschlag
erlitten: Die Gespräche zwischen der Regierung und den tamilischen
Rebellen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Das teilte der
Minister für Verfassungsangelegenheiten, G.L. Peiris, nach einer
Kabinettssitzung am Montag mit. Staatspräsidentin Chandrika
Kumaratunga erklärte sich unterdessen zu einem Treffen mit dem
rivalisierenden Ministerpräsidenten Ranil Wickremesinghe bereit.
Peiris erklärte, die Regierung müsse entscheiden, wer
für die Friedensprozess die Verantwortung trage. Sr Lanka steckt
seit der vergangenen Woche in einer tiefen politischen Krise.
Kumaratunga hatte während einer USA-Reise von Regierungschef
Wickremesinghe drei Minister entlassen und in Colombo Truppen
aufmarschieren lassen. Außerdem verhängte sie
vorübergehend den Ausnahmezustand. Die Präsidentin
erklärte, Wickremesinghe könne den Friedensprozess
fortsetzen, aber nur unter ihrer Leitung. Der Ministerpräsident
lehnte das ab.
In einem Brief schlug Kumaratunga ein Treffen mit Wickremesinghe noch
in dieser Woche vor. Dann könne über ihren Vorschlag aus der
vergangenen Woche gesprochen werden, eine Regierung der nationalen
Einheit zu bilden.
Noch im Laufe des (heutigen) Montags wurde in der Hauptstadt Colombo
eine norwegische Delegation zu Vermittlungsgesprächen erwartet,
die direkte Verhandlungen zwischen der Regierung und den Rebellen
aushandeln wollte.
Die Befreiungstiger Tamil Eelam (LTTE) kämpfen seit 1983 für
eine Unabhängigkeit des Tamilengebiets im Norden des Inselstaats.
Dem Bürgerkrieg fielen seitdem 65.000 Menschen zum Opfer. Im
vergangenen Jahr unterzeichneten die Rebellen ein
Waffenstillstandsabkommen, zogen sich seitdem jedoch aus den
Friedensgesprächen zurück. Als Bedingung für eine
Rückkehr an den Verhandlungstisch verlangen sie eine erweiterte
Autonomie für das mehrheitlich von Tamilen bewohnte Gebiet.
(Quelle: ap)
Regierung in Singapur darf alle Computeraktivitäten überwachen
Di.11.11.03 - Das Parlament in Singapur hat der Regierung umfassende Vollmachten zur
Überwachung aller Computeraktivitäten in dem Stadtstaat
gegeben. Sie kann künftig gegen jeden vorgehen, von dem sie
glaubt, dass er einen Computer zur Gefährdung der Sicherheit
einsetzen will. Die Regierung will Computernetze künftig auch
vorbeugend überwachen, um Gefahren erkennen zu können. Jede
Person oder Organisation kann angewiesen werden, Maßnahmen zur
Vorbeugung gegen Angriffe zu ergreifen. Einige Abgeordnete
äußerten aber auch ihre Besorgnis, weil die
Rechenschaftspflicht der Regierung nicht geklärt sei. Das Gesetz
könne zu einem Instrument der Unterdrückung werden, wurde der
Vorsitzende des Rechtsausschusses, Chin Tet Yung, in der Zeitung
"Straits Times" zitiert.
(Quelle: ap)
IAEA findet keine Hinweise auf iranisches Atomwaffenprogramm
Die USA fordern Moskau auf, einen Vertrag über den Bau des ersten
iranischen Atomreaktors in Höhe von 800 Millionen Dollar
einzufrieren
Di.11.11.03 - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat keine Hinweise
auf ein Atomwaffenprogramm Irans gefunden, wie am Montag aus
Diplomatenkreisen verlautete. In einem vertraulichen Bericht von
IAEA-Direktor Mohamed ElBaradei werde jedoch kritisiert, dass Teheran
Teile seines Programms zur Nutzung von Atomenergie geheim hielt und
sich damit verdächtig machte, Atomwaffen zu produzieren.
Seit der IAEA-Gouverneursrat Iran im September eine Frist setzte, seine
Aktivitäten bis Ende Oktober offen zu legen, habe die Regierung
kooperiert, hieß es weiter. "Bis heute gibt es keine Beweise,
dass zuvor undeklariertes Nuklearmaterial oder andere Aktivitäten
in Bezug zu einem Waffenprogramm standen", zitierte ein IAEA-Diplomat
aus dem Bericht. Gleichwohl werde es eine Weile dauern, bis die
Behörde feststellen könne, dass das iranische Atomprogramm
ausschließlich friedlichen Zwecken diene.
Der Bericht wurde den Mitgliedern des Gouverneursrates am Montag
zugestellt. Auf Grundlage des Textes berät das Gremium am 20.
November. Sollte der Rat mit der Zusammenarbeit Teherans nicht
zufrieden sein, kann er den Weltsicherheitsrat anrufen, der wiederum
Sanktionen gegen Iran verhängen könnte. Insbesondere die USA
verdächtigten Iran, heimlich Atomwaffen zu produzieren, und
drängten die IAEA zum Handeln.
Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats Irans, Hassan Rowhani,
hatte am Montag in Moskau erklärte, seine Regierung habe das
Programm zur Urananreicherung vorübergehend gestoppt. Gleichzeitig
habe Teheran in einem Brief an die IAEA unbeschränkte Inspektionen
seiner Nuklearanlagen akzeptiert. "Von heute an stellen wir den Prozess
der Urananreicherung zeitweise ein", sagte Rowhani vor einem Treffen
mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Die USA haben Moskau aufgefordert, einen Vertrag über den Bau des
ersten iranischen Atomreaktors in Höhe von 800 Millionen Dollar
einzufrieren. Der Kreml teile einige der Sorgen der USA und
drängte Teheran zur Unterzeichnung des Zusatzprotokolls. Russland
forderte Iran auch auf, verbrauchte Brennstäbe zurückzugeben.
Rowhani erklärte dazu, Iran wolle ein Abkommen über die
Rückgabe der Brennstäbe schließen.
Der russische Außenminister Igor Iwanow äußerte sich
nach einem Treffen mit Rowhani zufrieden. "Die Schritte ebnen den Weg
zur größeren Kooperation Russlands und Irans in zahlreichen
Bereichen, darunter die Nukleartechnologie." Rowhani wurde daraufhin
konkret: "Wir werden mit Russland über den Bau eines zweiten
Reaktors in Buschehr diskutieren", sagte er. Zuvor zeigte sich auch
Putin zufrieden mit den Zusagen Rowhanis. Auf dem Gebiet der
Atomtechnik gebe es keine Hindernisse für eine Zusammenarbeit.
(Quelle: ap)
UN-Ausschuss tadelt Menschenrechtsverletzungen in Russland
Russische Tschetschenienpolitik scharf verurteilt
Di.11.11.03 - Der UN-Menschenrechtsausschuss hat die Tschetschenienpolitik Russlands
scharf verurteilt. In einem am Freitag in Genf vorgelegten Bericht
zeigte sich der Ausschuss besorgt über "erhärtete Berichte"
über Exekutionen, das Verschwinden von Menschen, schwere
Misshandlungen und Vergewaltigungen. Dafür seien sowohl russische
Sicherheitskräfte als auch tschetschenische Rebellen
verantwortlich.
Der 1976 gegründete Ausschuss, dessen 18 Mitglieder sich dreimal
jährlich treffen, forderte die russische Regierung auf, die
Menschenrechte in der Kaukasusrepublik einzuhalten. Zwar hätten
die Behörden gegen 54 Polizisten und Soldaten Strafverfahren wegen
"Verbrechen gegenüber Zivilisten" eingeleitet. Allerdings bestehe
die Sorge, dass die Täter zu milde behandelt würden. Zudem
kritisierte der Ausschuss weitere schwere
Menschenrechtsverstöße in Russland wie polizeiliche Folter
und die Unterdrückung der Pressefreiheit.
Besonders Besorgnis erregend seien die Berichte über Folter und
Misshandlungen während informeller Verhöre in
Polizeistationen. Anwälte seien dabei nicht zugelassen. Lobend
erwähnte der Ausschuss die Entlassung von rund 150.000 Gefangenen
aus überfüllten Zuchthäusern. Allerdings sei nicht klar
ob damit die ernsthafte Überfüllung der Gefängnisse
gelöst sei. Zudem würdigte der Ausschuss punktuelle
Verbesserungen in der Gerichtsbarkeit.
(Quelle: epd)
Entscheidung im Handelsstreit zwischen USA und Europa
WTO erklärt US-Strafzölle auf Stahl für unzulässig
Di.11.11.03 - Die Welthandelsorganisation (WTO) hat US-Strafzölle auf
Stahlimporte in einer abschließenden Entscheidung für
unzulässig erklärt.
Damit ist US-Präsident George W. Bush gefordert, die im März
2002 verhängten Strafabgaben, die dem Schutz der heimischen
Stahlindustrie vor Billigprodukten dienen sollten, wieder aufzuheben.
Anderenfalls riskieren die USA Gegenmaßnahmen unter anderem von
der Europäischen Union (EU), die mit Abgaben auf US-Importwaren in
Höhe von rund 2,2 Milliarden Dollar gedroht hat.
Ein Berufungsgremium der Welthandelsorganisation bestätigte am
Montag die frühere Entscheidung eines WTO-Schiedsgerichts, wonach
die US-Strafzölle internationale Handelsnormen verletzen. Im
Ausgangsverfahren hatte die WTO erklärt, die USA hätten nicht
nachweisen können, dass ihre Stahlindustrie durch Importe aus der
EU, Japan, Südkorea, China, Brasilien, der Schweiz, Norwegen und
Neuseeland wirklich bedroht sei.
Die USA und die EU sind indes nicht nur über den Stahlhandel
zerstritten. Die EU hat den USA zudem vorgeworfen, Exporte durch
Steuervergünstigen illegal zu subventionieren. Die USA wiederum
werfen der EU vor, durch ihr Einfuhrverbot genetisch veränderter
Lebensmittel den Handel zu blockieren und US-Landwirte zu
benachteiligen.
(Quelle: rtr)
EU-Gremium verschiebt Entscheidung zu genverändertem Mais
Di.11.11.03 - Ein EU-Expertengremium hat am Montag eine Entscheidung über die
Zulassung einer genveränderten Maissorte vertagt, die zu einem
Ende des fünfjährigen Zulassungsstopps für
genveränderte Lebensmittel führen könnte.
"Heute wurde heiß diskutiert", sagte EU-Kommissionssprecher Reijo
Kemppinen. Die Kommission strebe nun eine Abstimmung bei der
nächsten Sitzung des Expertengremiums im Dezember an. In der EU
lehnen zahlreiche Verbraucher - Umfragen zufolge bis zu 70 Prozent -
genetisch veränderte Lebensmittel ab, was wiederum
Supermärkte davon abhält, sie ins Sortiment aufzunehmen.
Ein Ende des informellen EU-Moratoriums würde den USA entgegen
kommen, die die EU vor der Welthandelsorganisation (WTO) deshalb
verklagt haben. Diplomaten verweisen aber darauf, dass eine Zulassung
der genveränderten Maissorte Bt-11, die von dem Schweizer Konzern
Syngenta vertrieben wird, nur ein erster Schritt wäre. Der Mais
würde als Dosenprodukt in die EU importiert; eine Entscheidung
über die Zulassung genveränderter Pflanzensamen wäre
damit noch nicht getroffen.
(Quelle: rtr)
Europas Autohersteller kippen Klimaziele
Di.11.11.03 - Die europäische Automobilindustrie verabschiedet sich von ihren
Klimaschutzzielen. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf
einen Vertreter des Herstellerverbandes Acea. Eine vor fünf Jahren
eingegangene Selbstverpflichtung zur Senkung des
Kohlendioxid-Ausstoßes sei "kaum zu realisieren", heißt es.
Damals hatten sich die Konzerne verpflichtet, den CO2-Ausstoß bis
2008 auf 140 Gramm und bis 2010 auf 120 Gramm je Kilometer zu
drücken. Damit würden fast 100 Millionen Tonnen des Gases
eingespart. Grund für die Rücknahme des Ziels sei die
Absatzkrise. Laut Acea kann in Europa wohl nur der französische
PSA-Konzern seine Flotte bis 2008 für den EU-Standard fit machen.
Halten die Konzerne ihre freiwillige Verpflichtung nicht ein, will die
EU-Kommission sie per Gesetz verpflichten.
(Quelle: afp/taz)
Blick ins Archiv
NASA alarmiert durch dramatische Eisschmelze in der Arktis
Wissenschaftler: Schnelles Handeln erforderlich um weitere große
Klimaveränderungen zu verhindern +++ Änderungen von
Meeresströmungen sowie des Fischbestandes befürchtet
Mo.27.10.03 - Die dramatische Eisschmelze in der Arktis erfordert nach Ansicht von
Wissenschaftlern schnelles Handeln, um weitere große
Klimaveränderungen zu verhindern. Die Polkappe in der Arktis sei
seit 1980 um zehn Prozent pro Dekade geschrumpft, wie Satellitenbilder
der US-Raumfahrtbehörde NASA zeigen. "Es geschieht jetzt. Wir
können es uns nicht leisten, lange auf technische Lösungen zu
warten", warnte David Rind von der NASA am Donnerstag (Ortszeit) in New
York...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310270.htm#03102704
Deutsche Regierung gibt Klimaziel auf
Mi.29.10.03 - Acht Jahre nach dem Berliner Klimaschutzgipfel hat die Bundesregierung
offenbar ihre Selbstverpflichtung aufgegeben, den
Kohlendioxidausstoß bis 2005 um 25 Prozent zu senken...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310290.htm#03102915
Weitere Berichte zum Thema im boa-Archiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310270.htm#031027_a
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Parlamente Deutschlands und Frankreichs verstärken Kooperation
Di.11.11.03 - Die Parlamente von Deutschland und Frankreich wollen ihre Arbeit
stärker verzahnen. Bei einer gemeinsamen Sitzung in Berlin
vereinbarten die Präsidien von Bundestag und Nationalversammlung
am Montag, je zwei Berichterstatter einzusetzen, um die Kooperation in
europapolitischen Fragen zu verbessern. Aber auch in den
Fachausschüssen soll der Austausch etwa in Fragen der
Steuerpolitik oder der Sozialreformen durch Berichterstatter ausgebaut
werden.
Die Berichterstatter sollen laut Bundestagspräsident Wolfgang
Thierse die Meinungsbildung im anderen Parlament verfolgen und in die
Arbeit des eigenen Parlaments einbringen. Dabei gehe es vor allem um
die Frage der Aufgabenverteilung zwischen EU-Institutionen und
nationalen Parlamenten. Thierse und sein französischer Kollege
Jean-Louis Debré bekräftigten, dass die Vorschläge des
EU-Konvents für eine europäische Verfassung in ihrer Substanz
nicht verändert werden sollten.
Die Parlamentspräsidien setzten sich auch für eine weitere
Förderung der deutschen und französischen Sprachen ein. In
einem Brief seien die Abgeordneten von Bundestag und
Nationalversammlung aufgefordert worden, sich ihrer Sprache in
internationalen Gremien «selbstbewusst» zu bedienen, sagte
Thierse.
(Quelle: ap)
Proteste verzögerten Castor-Transport in Frankreich
Di.11.11.03 - Protestaktionen in Ostfrankreich hatten am Montag den
Atommülltransport aus der französischen
Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Richtung Gorleben verzögert.
Nach Angaben der Gendarmerie stoppte eine Gruppe von deutschen und
französischen Atomkraftgegnern den Konvoi mit zwölf
Castor-Behältern bei Luneville. Dabei ketteten sich mindestens
zwei der Demonstranten an den Gleisen an.
Am Vormittag hatten in Nancy nach Polizeiangaben rund 40
Atomkraftgegner in weißen Schutzanzügen gegen den Konvoi mit
hochradioaktivem Atommüll protestiert. Sie hüllten die
Bahnhofshalle mit gelben Klebebändern ein, auf denen "danger
nucléaire" (Atom-Gefahr) zu lesen war.
Nach der Überfahrt über die Grenze bei Lauterbourg im Elsass
sollte der Konvoi im baden-württembergischen Wörth an eine
deutsche Lokomotive angekoppelt werden. Anschließend sollte er
nach Informationen der deutschen Atomkraftgegner über Karlsruhe,
Heilbronn und Würzburg weiter in Richtung Norden fahren. In
Wörth und in Bietigheim-Bissingen bei Ludwigsburg protestierten
Atomkraftgegner mit Mahnwachen gegen den sechsten
Atomrücktransport aus La Hague ins Zwischenlager von Gorleben.
Im niedersächsischen Wendland demonstrierten Atomkraftgegner
friedlich gegen den Transport. "Die Lage ist bisher sehr ruhig", sagte
ein Polizeisprecher. Einige Straßenblockaden mit Treckern seien
nach kurzer Zeit wieder beendet worden.
Der Sprecher der Umweltschutzorganisation Robin Wood, Jürgen
Sattari, kündigte im SWR weitere Protesaktionen gegen den
Atommüllrücktransport im Wendland an. Ganz verhindern
könnten die Castor-Gegner die Einlagerung weiterer Behälter
in Gorleben allerdings nicht, räumte Sattari ein.
Die Anti-Atom-Organisation X-tausendmal quer rief die Polizei auf,
zurückhaltend auf gewaltfreie Proteste zu reagieren. Auch
"Aktionen des zivilen Ungehorsams auf der Transportstecke" seien Teil
des von der Polizei gelobten "bunten Protests" im Wendland,
erklärte der Sprecher der Organisation, Jochen Stay.
(Quelle: ap)
Deutschland
CDU will Hohmann aus Partei und Fraktion werfen
Nachdem antisemitische Äußerungen des CDU-Bundestagsabgeordneten
wachsenden öffentlichen und internen Drucks ausgelöst haben, hat sich die CDU-Spitze
zur Trennung von Hohmann entschlossen
Di.11.11.03 - Fast zwei Wochen hat die Unionsspitze alle Forderungen nach einem
Rauswurf des hessischen CDU-Politikers Martin Hohmann aus Partei und
Fraktion abgewehrt. Der CDU-Vorstand begnügte sich mit einer
Rüge für die antisemitischen Äußerungen des
Fuldaer Abgeordneten, die Fraktionsspitze zog ihn aus dem
Innenausschuss und als Berichterstatter über
Entschädigungsfragen für NS-Zwangsarbeiter ab. Nach
anhaltendem öffentlichem Druck gab es am Montag dann doch eine
Kehrtwende. Der hessische Landesverband und der Vorstand der
Bundestagsfraktion entschieden sich in einer konzertierten Aktion
für Ausschlussverfahren gegen Hohmann.
Zuvor hatte es noch einmal zwei Gespräche von Fraktionsvize
Wolfgang Bosbach und dem Parlamentarischen Geschäftsführer
Volker Kauder mit Hohmann gegeben. Dabei sei deutlich geworden, dass
Hohmann "offensichtlich nicht bereit ist, sich vom Inhalt dessen, was
er vorgetragen hat, zu distanzieren", sagte CDU-Generalsekretär
Laurenz Meyer. Zu einem Mandatsverzicht ließ sich Hohmann nicht
überreden. Der Fraktionsvorstand zog daraus am Abend die
Konsequenz, den Ausschluss aus der Fraktion zu beantragen.
Fraktionschefin Angela Merkel sagte anschließend, entscheidend
sei für sie die Frage gewesen: "Kann ich einen Abgeordneten wie
Hohmann verteidigen für das, was er gesagt hat?" Sie könne
das nicht, betonte Merkel.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch schloss sich der
Entscheidung des Fraktionsvorstands an. Es sei die "logische
Konsequenz", dass nun auch das Parteiausschlussverfahren betrieben
werde, erklärte der CDU-Landeschef in Wiesbaden. "Wenn Herr
Hohmann aus der Bundestagsfraktion ausgeschlossen wird, kann er auch
nicht länger Mitglied der Partei sein."
Das Verfahren für einen Fraktionsausschluss ist relativ
unkompliziert. Drei Tage nach dem Beschluss des Fraktionsvorstands kann
abgestimmt werden. Für Freitag ist bereits eine Sondersitzung
angesetzt. Nach der Arbeitsordnung der Fraktion ist für einen
Ausschluss eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig.
Dass die auch zu Stande kommt, gilt angesichts der großen
Aufmerksamkeit für den Fall - auch international - als
wahrscheinlich. Offene Unterstützung hat Hohmann in den
vergangenen Tagen nur von einzelnen Abgeordneten bekommen. So forderte
beispielsweise der CSU-Abgeordnete Norbert Geis bereits vor Tagen, es
müsse "Schluss sein mit den Angriffen" auf Hohmann, der "doch
jetzt nicht ständig im Büßergewand herumlaufen"
könne. Einem Ausschluss aus der Fraktion räumte Geis keine
Chancen ein: "Ich glaube nicht, dass eine Zwei-Drittel-Mehrheit
für einen Ausschluss zu Stande käme."
Merkel zeigte sich sicher, dass die Fraktion dem Antrag des Vorstands
folgen werde. Der Vorstand votierte am Montag nicht ganz geschlossen.
Es gab eine Enthaltung und eine Gegenstimme.
Auf Parteiebene wird es keinen "kurzen Prozess" im Fall Hohmann geben.
Das Ausschlussverfahren ist hier weitaus langwieriger. Die Entscheidung
liegt beim hessischen Landesparteigericht.
(Quelle: ap)
IG Farben wird Insolvenzantrag stellen
Forderungen der Gläubiger werden wohl aus dem weitgehend aufgebrauchten
Vermögen des früher mit dem NS-Regime eng verflochtenen Unternehmens bedient werden
können - Aktionäre, aber auch ehemalige Zwangsarbeiter des Konzerns
gehen vermutlich leer aus +++ Kritische Aktionärinnen und Aktionäre
fordern die Gläubigerbanken auf, auf ihr Geld zu verzichten und
überlebenden Zwangsarbeitern zur Verfügung zu stellen
Di.11.11.03 - Fast 60 Jahre nach ihrer Zerschlagung durch die Alliierten stehen die
IG Farben, ehemals weltgrößter Chemiekonzern mit
vielfältigen NS-Verstrickungen, vor dem endgültigen Aus. Ihre
1952 gegründete Abwicklungsgesellschaft ist zahlungsunfähig,
wie Liquidator Volker Pollehn am Montag in Frankfurt am Main mitteilte.
Während die Forderungen der Gläubiger wohl aus dem
Vermögen bedient werden könnten, werden die Aktionäre,
aber auch die ehemaligen Zwangsarbeiter des Konzerns laut Pollehn
vermutlich leer ausgehen.
Hintergrund der Insolvenz der IG Farbenindustrie AG in Abwicklung, die
noch am Montag offiziell beim Amtsgericht Frankfurt angemeldet werden
sollte, sind den Angaben zufolge finanzielle Schwierigkeiten der
Beteiligungsgesellschaft WCM, die in einem Optionsvertrag fest
zugesicherte Zahlungen nun nicht leiste. Mögliche rechtliche
Schritte gegen WCM solle der Insolvenzverwalter prüfen,
erklärte Pollehn.
Die Vermögenswerte deckten die rund 28,2 Millionen Euro
Außenstände vermutlich ab, sagte der zweite Liquidator, Otto
Bernhardt, der auch CDU-Bundestagsabgeordneter ist. Ansonsten werde
«nicht viel bleiben». Die 1999 auf Initiative von Pollehn
und Bernhardt gegründete und von ihnen geleitete Stiftung für
Entschädigungen bleibe von der Insolvenz unberührt. Ihr
Vermögen sei mit 250.000 Euro aber gering, zumal nur aus den
Zinserträgen Entschädigungen gezahlt werden dürften.
Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre
forderte die Gläubigerbanken, allen voran die
Hauptgläubigerbank HSH, am Rande der Pressekonferenz auf, auf ihr
Geld zu verzichten und es den überlebenden Zwangsarbeitern zur
Verfügung zu stellen. Die Banken müssten sich überlegen,
«ob sie Blutgeld haben wollen», erklärte der
Geschäftsführer des Dachverbands, Henry Mathews.
Mit der Zahlungsunfähigkeit geht die wenig ruhmreiche Geschichte
der IG Farben zu Ende, deren Tochterfirma Degesch, an der auch Degussa
beteiligt war, das in den Vernichtungslagern verwendete
berüchtigte Giftgas Zyklon B hergestellt hatte. Der Konzern
profitierte von der Arisierung und Eingliederung von Chemieunternehmen,
der Rekrutierung von Zwangs- und Fremdarbeitern und der Ausbeutung von
KZ-Häftlingen.
Wegen seiner schweren Verstrickungen mit dem NS-Regime war er sofort
nach Kriegsende von den Alliierten beschlagnahmt und 1952 unter anderen
in seine ehemaligen Gründerfirmen Bayer, BASF und Hoechst
entflochten worden. Zugleich war die jetzt insolvente
Abwicklungsgesellschaft gegründet worden. Spätestens Ende
kommenden Jahres hatte diese nach dem Willen seiner Liquidatoren
vollständig aufgelöst sein sollen.
Bis dahin sollte WCM Immobilien der IG Farben im Wert von rund 38,4
Millionen Euro gekauft haben. Nach Abzug der laufenden Kredite
hätten die verbleibenden fünf bis zehn Millionen Euro an die
Aktionäre, zu einem Teil aber auch an die Zwangsarbeiter-Stiftung
fließen sollen.
Heftige Vorwürfe richteten Pollehn und Bernhard nicht nur an WCM.
Sie kritisierten "zahlreiche Machenschaften im Umgang mit dem
Restvermögen weit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs". Statt wie
gesetzlich vorgeschrieben, die Gesellschaft aufzulösen, seien in
den 1990er Jahren Immobilien und Schuldverschreibungen gekauft worden.
(Quelle: ap)
Weitere Berichte zum Thema in der heutigen Ausgabe der "tageszeitung" (11.11.03):
http://www.taz.de/pt/2003/11/11/a0110.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/11/11/a0111.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/11/11/a0115.nf/text
IG Metall empfiehlt Lohnforderung von bis zu vier Prozent
Arbeitgeber halten maximal 1,4 Prozent für realistisch +++
Konjunkturexperte lobt IG Metall
Di.11.11.03 - Die IG Metall wird in der anstehenden Tarifrunde voraussichtlich
Einkommenserhöhungen um bis zu 4,0 Prozent für die 3,5
Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie fordern.
Der Vorstand der Industriegewerkschaft empfahl den Tarifbezirken am
Montag, eine Forderung in dieser Höhe für eine Laufzeit von
zwölf Monaten aufzustellen. IG-Metall-Chef Jürgen Peters
sagte im Anschluss an eine Vorstandssitzung in Frankfurt, die
Forderungsempfehlung sei mit Augenmaß formuliert und solle die zu
erwartende Konjunkturerholung unterstützen. "Die Talfahrt scheint
zu Ende, die Konjunkturampel steht nicht mehr auf rot, sondern auf
gelb", sagte der IG-Metall-Chef. Die IG Metall wolle mit dazu
beitragen, dass sie im kommenden Jahr auf grün gestellt werden
könne.
Einer Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu
40 Stunden erteilte Peters eine strikte Abfuhr. "Die IG Metall lehnt es
ab, darüber zu verhandeln", sagte er. Wer die Stimmung innerhalb
kürzester Zeit zum Siedepunkt bringen wolle, müsse über
Arbeitszeitverlängerungen diskutieren. "Niemand sollte die
Konfliktfähigkeit der IG Metall unterschätzen", fügte
Peters hinzu. Es ist die erste Tarifrunde unter dem neuen
IG-Metall-Chef Peters, der unter anderem wegen des verlorenen Streiks
für die Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland
auch intern kritisiert worden war.
Endgültig beschließen will die größte
Industriegewerkschaft ihre Forderung am 27. November, bevor
voraussichtlich Mitte Dezember erste Gespräche mit den
Arbeitgebern beginnen sollen.
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte, mit ihrer
Forderungsempfehlung verschließe die IG Metall die Augen vor den
Folgen für die Metall- und Elektrobranche. Die Arbeitgeber halten
mit Hinweis auf den von Konjunkturforschern genannten
Produktivitätsfortschritt Tariferhöhungen von maximal 1,4
Prozent für realistisch. Nur bei einem Abschluss darunter
könne auch die Zahl der Arbeitsplätze wieder steigen,
argumentieren sie. Nach Ansicht von Gesamtmetall sollte die
diesjährige Tarifrunde vor allem der Beschäftigungssicherung
dienen. Den Betrieben sollten außerdem größere
Spielräume bei der Gestaltung der Arbeitszeit eingeräumt
werden. So schlägt Gesamtmetall Korridorlösungen vor,
innerhalb denen die Arbeitszeit je nach Bedarf von 35 auf bis zu 40
Wochenstunden ausweitet werden kann.
Gesamtmetall-Geschäftsführer Hans Werner Busch sagte, die
Arbeitgeber setzten auf die Gesprächsbereitschaft der Gewerkschaft
auch bei diesem Thema. Die Bezahlung solle nach dem Grundsatz geregelt
werden: "Lieber mehr arbeiten als weniger Geld", sagte Busch.
Ein wichtige Rolle dürfte in Verhandlungen neben der Lohnhöhe
die Laufzeit eines Tarifvertrages spielen. Die IG Metall strebt
regelmäßig eine einjährige Laufzeit an, doch sind im
Rahmen eines Kompromisses erfahrungsgemäß auch längere
Laufzeiten denkbar. So war die Ende Dezember auslaufende zweistufige
Tariferhöhung von 4,0 Prozent für 2002 und weiteren 3,1
Prozent für 2003 für 22 Monate abgeschlossen worden.
Erschwerend kommen diesmal die unsicheren konjunkturellen Aussichten
hinzu, die aus Sicht der Gewerkschaft eher gegen längere
Laufzeiten sprechen. IG-Metall-Vize Berthold Huber zeigte sich
allerdings gesprächsbereit. "Ich habe noch nie Verhandlungen
geführt, in denen ich einem Arbeitgeber den Mund verboten habe zu
fragen, ob zwölf Monate verhandelbar sind."
Als weiteres Erschwernis für eine schnelle Einigung in diesem Jahr
gilt, dass in einem Abschlussvolumen 1,39 Prozent für die
Angleichung der Bezahlung der Arbeiter an die der Angestellten
untergebracht werden müssen. Dadurch würde bei einem
Abschluss mit kurzer Laufzeit kaum mehr als ein Ausgleich für die
Preissteigerung übrig bleiben. Es gebe keinen Zwang, diese
Entgeltangleichung in einem Stück zu erledigen, aber viele gute
Gründe dafür, sagte Huber.
Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung
(RWI) hat derweil die IG Metall für ihre geplante Tarifforderung
von bis zu vier Prozent gelobt. Die Gewerkschaft sei realistischer
geworden, sagte RWI-Konjunkturexperte Ullrich Heilemann der "Berliner
Zeitung" (Dienstagausgabe). Im Gegensatz zur vergangenen Tarifrunde
scheine sie jetzt doch stärker Rücksicht auf die
Realität am Arbeitsmarkt nehmen zu wollen. "Man kann das nur
begrüßen", sagte Heilemann. Die Tarifparteien müssten
ein eindeutiges Signal für mehr Wachstum und Beschäftigung
aussenden. Ein Abschluss von bis zu zwei Prozent erscheine dabei
durchaus vertretbar.
(Quellen: rtr, ap)
DGB-Chef Sommer warnt Arbeitgeber vor 'faulem Rechentrick'
Di.11.11.03 - Die für 2004 geplanten Steuerentlastungen dürfen nach Ansicht
der Gewerkschaften bei den anstehenden Tarifrunden keine Rolle spielen.
Die Arbeitgeber könnten sich nicht darauf zurückziehen, dass
die Beschäftigten künftig höhere Nettoeinkommen
erhielten, sagte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer der "Bild"-Zeitung
(Dienstagausgabe).
"Es wäre ein fauler Rechentrick, Steuerentlastungen und
Lohnabschlüsse zu vermengen", betonte der Chef des Deutschen
Gewerkschaftsbundes. Schließlich würden im kommenden Jahr
die Arbeitnehmer auch mehr Lasten aus Gesundheits- und Rentenreform aus
der eigenen Tasche zahlen.
Auch die stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft
ver.di, Margret Mönig-Raane, betonte: "Wenn die Arbeitgeber so
rechnen, haben sie sich verkalkuliert." Die bloße Hoffnung auf
Steuersenkungen habe keinen Einfluss auf die Tarifforderung.
(Quelle: ap)
Stoibers Rentenkonzept stößt in CDU auf Widerstand
Rentenpläne der CSU sehen Bevorzugung von Eltern vor +++
Vorsitzende der Frauen Union: Es kann nicht Aufgabe des Staates sein,
Menschen für ihre Kinderlosigkeit zu bestrafen
Di.11.11.03 - Die Rentenpläne der CSU zur Bevorzugung von Eltern stoßen in
der Schwesterpartei CDU auf Widerstand. Unionsfraktions-Vizechefin
Maria Böhmer erklärte: "Der Vorschlag bedeutet, dass
Kinderlose doppelt bestraft werden." Auch CDU-Präsidiumsmitglied
Hildegard Müller nannte es "bedenklich", Kinderlose bei der Rente
zu bestrafen. SPD-Generalsekretär Olaf Scholz kritisierte, die
CSU-Pläne brächten Mehrausgaben in Milliardenhöhe. Auch
die FDP lehnte Stoibers Vorschlag ab.
Böhmer, die auch Vorsitzende der Frauen Union ist, erklärte:
"Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, Menschen für ihre
Kinderlosigkeit zu bestrafen." Der CSU-Vorschlag sei der falsche Weg.
"Das lässt sich mit dem Äquivalenzprinzip, wonach sich die
Rente nach den eingezahlten Beiträgen bemisst, nicht vereinbaren.
Müller warnte in der "Rheinischen Post" davor, Kinderlosigkeit
sowohl bei den Beiträgen als auch bei der späteren Rente zu
bestrafen. "Man spaltet das Land, wenn man denen, die keine Kinder
haben, doppelt den Schwarzen Peter gibt", sagte die CDU-Politikerin.
CSU-Chef Edmund Stoiber hatte am Wochenende die Pläne seiner
Partei erläutert, wonach Eltern künftig bei Beitragszahlungen
für die Rentenversicherung begünstigt werden sollen. So
sollten Eltern während der Kindererziehungszeit weniger
Beiträge zahlen. Stoiber argumentierte, wer Kinder erziehe und
gleichzeitig Rentenbeiträge zahle, erbringe zwei Leistungen. Dies
müsse zu Entlastungen führen. Wenn Eltern ins Rentenalter
kämen, sollten sie "eine zusätzliche Art Kinderrente"
bekommen, sagte der bayerische Ministerpräsident. "Ich könnte
mir vorstellen, pro Kind etwa hundert Euro mehr, oder für zwei
Kinder 200 Euro mehr Rente."
Scholz verwies darauf, dass die Regierung bei der Reform der Rente
bereits für eine stärkere Berücksichtigung der
Kindererziehungszeiten gesorgt habe. Der sozialpolitische Sprecher der
FDP-Fraktion, Heinrich Kolb, erklärte: "Hier soll unter
ideologischen Gesichtspunkten 'belohnt' oder 'bestraft' werden." Eine
sinnvolle Berücksichtigung der Kindererziehung müsse
über das Steuersystem organisiert werden." Die FDP schlage dazu
vor, eine Familie mit zwei Kindern bis zu einem Einkommen von 30.000
Euro jährlich gar keine Steuern zahlen zu lassen.
(Quelle: afp)
Kostendruck in den Redaktionen
Deutscher Journalistenverband sieht Medienlandschaft durch den
Kostendruck in den Redaktionen ernsthaft bedroht - Journalistische
Qualität werde in Mitleidenschaft gezogen +++ Heftige Kritik
an den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern: Bei ARD und ZDF
würden Nachrichten immer unpolitischer
Di.11.11.03 - Nach Einschätzung des Deutschen Journalistenverbands (DJV) ist die
bundesdeutsche Medienlandschaft durch den Kostendruck in den
Redaktionen ernsthaft bedroht. "Personalabbau, die Reduzierung von
Produkten oder deren Einstellung sind an der Tagesordnung", sagte der
Vorsitzende des Verbands, Rolf Lautenbach, am Montag zum Auftakt des
DJV-Verbandstags in Wiesbaden laut einem vorab verbreiteten
Redemanuskript. Journalistische Qualität werde in dieser Situation
"aufs Stärkste in Mitleidenschaft gezogen".
Heftige Kritik übte Lautenbach an den öffentlich-rechtlichen
Fernsehsendern. Bei ARD und ZDF würden die Nachrichten immer
unpolitischer. Schleichwerbung und seichteste Unterhaltung führten
dazu, dass die Öffentlich-Rechtlichen von den Privatsendern kaum
noch zu unterscheiden seien. Damit gefährdeten ARD und ZDF immer
mehr ihre Finanzierung über Gebühren. Lautenbach warnte
davor, den Journalistenberuf in der aktuellen Medienkrise selbst in
Gefahr zu bringen. Versuche, den Beruf des Redakteurs durch den eines
Verlagsangestellten zu ersetzen, seien "ein Generalangriff auf den
Journalistenberuf".
(Quelle: info.partisan.det [http://www.info.partisan.net/])
ARD und ZDF sollen Programme streichen
Di.11.11.03 - ARD und ZDF müssen einem Zeitungsbericht zufolge nach dem Willen
mehrerer Bundesländer erhebliche Einschnitte vornehmen. Die
Anstalten sollen verpflichtet werden, zahlreiche Radio- und
Fernsehprogramme einzustellen oder zusammenzulegen, um ihre Kosten
drastisch zu senken, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am
Montag vorab aus ihrer Dienstagausgabe unter Berufung auf ein ihr
vorliegendes Konzeptpapier.
Auf diese Weise wollten Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen eine
Erhöhung der Rundfunkgebühr vermeiden, die derzeit 16,15 Euro
monatlich beträgt. Die Anstalten hatten 18 Euro von 2005 an
gefordert. Die von den Ländern eingesetzte, aber von ihnen
unabhängige Gebührenkommission schlägt 17,22 Euro vor.
Selbst der geringere Betrag werde aber von den Ländern, die das
letzte Wort haben, nicht akzeptiert, berichtete das Blatt. Die
Ministerpräsidenten von Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen
hätten ein gemeinsames Konzept für die bisher
größte Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
erarbeitet, das der Zeitung vorliege. Es solle von den Landeschefs bei
deren nächstem Treffen in dieser Woche in München beschlossen
werden.
Die Gebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender
werden jeweils für vier Jahre festgelegt. Die nächste Periode
läuft von 2005 bis 2009. Der Gebührenerhöhung zustimmen
müssen auch die einzelnen Bundesländer.
(Quelle: rtr)
Mario Merz gestorben
Er galt als Hauptvertreter der 'Arte Povera'
Di.11.11.03 - Der italienische Objektkünstler und Maler Mario Merz ist tot. Er
erlag am Sonntag im Alter von 78 Jahren in Turin einem Herzinfarkt,
berichteten italienische Medien am Montag. Merz galt als einer der
bedeutendsten Vertreter der "Arte Povera" ("Arme Kunst"). Damit wird
eine in den 60er und 70er Jahren entstandene Kunstrichtung bezeichnet,
die sich einfacher Materialien wie Erde, Glas, Neon oder Wachs bediente
und zu der auch Jannis Kounellis und Joseph Beuys gehörten. Merz
wurde vor allem durch seine Iglus bekannt, Symbole für die
Rückkehr zu prähistorischen Existenzformen.
Merz, der am 1. Januar 1925 in Mailand geboren wurde, war ein
Autodidakt. Er wuchs in Turin auf, wo er bis zu seinem Tod lebte und
arbeitete. Ein vom Vater gewünschtes Medizinstudium schloss er
nicht ab und war stattdessen seit 1945 zunächst als
konventioneller Maler tätig. Anfang der 50er Jahre schuf er erste
Werke aus Pflanzenblättern, deren Adern er so mit Farbe
behandelte, dass sie wie Landkarten wirkten. Schon 1954 widmete ihm die
«Galleria La Bussola» in Turin die erste Einzelausstellung.
Aus schlichten Materialien wie Reisig, Schiefer und Steinen fügte
Merz einfache Formfindungen zusammen. Seine Suche galt dabei der
Nahtstelle zwischen Natur und Intellekt als Ort für ein Kunstwerk.
Ein Leitbild war für ihn der mittelalterliche Philosoph und
Mathematiker Leonardo Fibonacci, der mittels arabischer Ziffern eine
Zahlenreihe zur Berechnung von Spiralen entdeckte.
Merz arbeitete häufig in Serien, deren Leitmotive neben den
Zahlenreihen vor allem Reisig sowie das Iglu waren. Iglus von Merz
finden sich heute im Berliner Hamburger Bahnhof und im Lehmbruck-
Museum in Duisburg. Kunstexperten umschrieben den Italiener unter
anderem als «Natur-Plastiker» oder «mentalen
Baumeister». Die Turiner Zeitung «La Stampa»
würdigte Merz' Werke am Montag als «eine großartige
Verschmelzung zwischen Primärelementen und Technologie».
Seine Objekte und Bilder waren Teil zahlreicher internationaler
Ausstellungen. In Deutschland waren die Werke des eigenwilligen
Künstlers erstmals 1979 in einer Einzelausstellung im Folkwang
Museum in Essen zu sehen. 1991 widmete ihm die Kunsthalle Basel eine
umfangreiche Werkschau unter dem Titel «Prähistorischer Wind
aus vereisten Bergen», die Installationen aus Objekten und
Gemälden präsentierte.
Merz erhielt während seines fast 60-jährigen Schaffens
zahlreiche Auszeichnungen, darunter den österreichischen
Kokoschka-Preis (1983) und den Goslarer Kaiserring (1989) sowie im
vergangenen Juli den japanischen "Praemium Imperiale". In der
Begründung der Jury hieß es, Mario Merz habe mit seinen
Arbeiten zur "Bereicherung der Weltgemeinschaft" beigetragen.
(Quelle: dpa)
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