Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihunderteinundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Truppen in Irak verstärken Kampf gegen Aufstandsbewegung +++
Irakische Bauern: USA erpressen Informationen
über Widerstand +++
Ranghoher schiitischer Geistlicher warnt:
Streitkräfte sollten den Irakern eine wirkliche Demokratie
anbieten. Eine militärische Lösung werde die Lage lediglich
verschärfen +++ US-Zivilverwalter Bremer für Machtübergabe an Iraker im
kommenden Sommer +++ Sieben Tote bei US-Hubschrauberangriff in der
Nähe von Tikrit +++ Zwei US-Soldaten bei Anschlag in Bagdad
getötet +++ Britische Kriegsgegner wollen beim Staatsbesuch von
US-Präsident Bush auch ohne Genehmigung vor Parlament demonstrieren
Sa.15.11.03 - Die US-Truppen in Irak haben ihr militärisches Vorgehen gegen die
Aufstandsbewegung am Freitag weiter verstärkt. Zugleich stellte
die Regierung in Washington eine schnellere Machtübergabe an die
Iraker auch ohne die Verabschiedung einer Verfassung in Aussicht. Die
US-Streitkräfte würden jedoch erst aus Irak abgezogen, wenn
ihre Arbeit getan sei, sagte US-Präsident George W. Bush am
Freitag. Ihr Auftrag sei es, Irak zu einem freien und friedlichen Land
zu machen.
Die Truppen würden Irak erst verlassen, wenn Saddam Hussein
gefunden sei, deutete Bush nach einem Gespräch mit dem
italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi an. Der
irakische Verwaltungsrat sei inzwischen besser auf die Übernahme
von mehr Verantwortung vorbereitet, sagte Bush weiter. In
Zusammenarbeit mit dem Rat solle die Machtübergabe beschleunigt
werden.
Der US-Zivilverwalter in Irak, Paul Bremer, hat einem Fernsehbericht
zufolge eine Machtübergabe an die Iraker im kommenden Sommer
vorgeschlagen. Bremer habe am Freitag bei einem Treffen mit ranghohen
Irakern in Bagdad eine entsprechende neue US-Strategie vorgestellt,
berichtete der US-Sender ABC. Demnach sollen sich im Frühjahr 2004
die Stammesführer der 18 irakischen Provinzen treffen. Sie sollen
die Delegierten für eine Versammlung bestimmen, von der bis zum
Sommer eine neue Regierung gewählt werden soll. Der derzeitige
Übergangsregierungsrat soll dem Bericht zufolge zügig eine
Rechtscharta sowie einen Zeitplan für die Bildung einer
Übergangsregierung und für die Organisation von Wahlen
ausarbeiten.
Ein Sprecher des irakischen Rats nahm die Pläne mit
Zurückhaltung auf. "Wir haben unsere eigenen Vorstellungen", sagte
der kurdische Vertreter Mahmud Othman in Bagdad. Der Rat werde die
Vorschläge Washingtons am heutigen Samstag prüfen.
Ein ranghoher schiitischer Geistlicher warnte, die Iraker stünden
angesichts noch immer ausstehender Wahlen den Besatzungstruppen
zunehmend skeptisch gegenüber. Die Streitkräfte sollten den
Irakern eine wirkliche Demokratie anbieten, sagte Ajatollah Mohammed
Taki el Modaresi. Eine militärische Lösung werde die Lage
lediglich verschärfen. Das US-Zentralkommando in Florida
kündigte derweil an, sein Hauptquartier in Katar um mehrere
hundert Mann aufzustocken.
Bei einem Hubschrauberangriff in der Nähe von Tikrit wurden sieben
Iraker getötet, die nach US-Angaben offenbar einen Anschlag auf
die Besatzungstruppen planten. Ein Iraker sei verletzt worden, ein
weiterer geflohen. In Husajba nahe der syrischen Grenze zerstörten
die Streitkräfte ein dreistöckiges Gebäude, das
Aufständischen als Versteck und Munitionslager gedient haben soll.
In Tikrit wurden sechs Iraker festgenommen, denen Beteiligung an
Angriffen auf amerikanische Hubschrauber vorgeworfen wird.
Irakische Bauern haben den US-Streitkräften vorgeworfen, deren
Soldaten hätten ihnen mit Zerstörung ihrer Häuser
gedroht, wenn sie den USA keine Informationen über irakische
Widerständler gäben. Die US-Armee wies die Vorwürfe
zurück.
Sieben Bauern berichteten der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag
über das Vorgehen der amerikanischen Soldaten: "Sie kamen hierher
und forderten uns auf, ihnen zu helfen, Widerstandskämpfer zu
fangen. Sonst würden ihre Flugzeuge unsere Häuser
zerstören und wir würden festgenommen", sagte Achmed
Mohammad. Die Bauern zeigten bei ihren Vorwürfen auf
Schrapnell-Stücke in ihren Feldern, die von Mörserangriffen
der US-Truppen auf vermutete Widerständler stammten.
Ein Sprecher des US-Militärs wies die Vorwürfe zurück,
dass US-Truppen Bauern mit Drohungen zur Kooperation gegen
Widerständler bewegen wollten. "In dieser Gegend sind einige Leute
dem früheren Regime gegenüber sehr loyal", sagte
Oberstleutnant George Krivo. "Nur weil sie das sagen, ist es nicht
wahr." Die Bauern sollten sich bei den zuständigen Stellen
beschweren. "Wenn es wahr wäre, würden wir uns der Sache
annehmen."
Die anhaltenden Anschläge auf amerikanische Einheiten in Irak
haben weitere Menschenleben gekostet. Bei der Explosion einer Bombe am
Straßenrand wurden nach Militärangaben zwei US-Soldaten
getötet und drei weitere verletzt. Die Detonation habe sich nahe
Samarra, nördlich von Bagdad ereignet. Beim Versuch, eine am
Straßenrand platzierte Bombe zu entschärfen, wurden
Augenzeugen zufolge im Nordwesten von Bagdad drei US-Soldaten verletzt.
Bei Balad, 70 Kilometer nördlich von Bagdad, erschossen Bewaffnete
einen amerikanischen Geschäftsmann und verletzten einen zweiten.
Im Süden Iraks wurde ein Konvoi mit Journalisten aus Portugal
beschossen. Nach Angaben des portugiesischen Rundfunksenders TSF wurde
eine Journalistin verletzt, ein Reporter wurde vermisst. Laut der
portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa gab er später an,
entführt worden zu sein.
Die deutsche Regierung lehnt den Einsatz deutscher Soldaten im Irak
nicht grundsätzlich ab. Diese Einschätzung vertritt
EU-Chefdiplomat Javier Solana. "Sollte sich die NATO auf Bitten der UN
an der Stabilisierung des Landes beteiligen, stellt sich die Frage nach
einem militärischen Engagement für jedes Mitglied der Allianz
neu", sagte er der "Bild"-Zeitung. In Afghanistan habe Deutschland
bewiesen, dass es bereit sei, seiner internationalen Verantwortung
gerecht zu werden
Beim Staatsbesuch von US-Präsident George W. Bush wollen britische
Kriegsgegner notfalls auch ohne Genehmigung demonstrieren. Die
Demonstranten seien zu "keinem Kompromiss" über die
Schlüsselorte der Proteststrecke bereit, sagte Lydsey German,
Generalsekretärin der Organisation Stop the War, am Freitag in
London. Gemeinsam mit moslemischen und Antikriegsorganisationen
will Stop the War am kommenden Donnerstag vor dem Parlament von
Westminster und auf der Straße der Ministerien demonstrieren. Die
Polizei lehnt diese Strecke jedoch aus Sicherheitsgründen ab.
(Quellen: afp, rtr, ap)
UNO: Finanzquellen der El Kaida nicht trockengelegt
Sa.15.11.03 - Die internationalen Bemühungen zur Trockenlegung der Finanzquellen
des Terrornetzwerks El Kaida werden laut UNO durch ungenügende
Kooperation, eine uneinheitliche Gesetzeslage und mangelnde politische
Entschlossenheit gebremst. "El Kaida, die Taliban und Anhänger des
Netzwerks sind noch immer in der Lage, beträchtliche Summen zu
erlangen, anzufordern, zu sammeln, zu überweisen und zu
verteilen", zitiert die Londoner "Financial Times" aus dem UN-Bericht.
Ohne eine weitergehende Resolution, die die Staaten zu entsprechenden
Maßnahmen verpflichte, drohe die UNO an den Rand gedrängt zu
werden.
Der Bericht nennt als Beispiel die Aktivitäten von Jussef Nada und
Idris Nasreddin, Direktoren eines ehemals unter dem Namen El Takwa
bekannten Finanzhauses. Obwohl die Gesellschaft von Washington als
wichtigste Geldquelle der El Kaida bezeichnet wird und Nada und
Nasreddin mit einem Reiseverbot belegt sind, gehen die Männer der
UNO zufolge weiterhin Geschäften in Italien und der Schweiz nach.
Nada versuchte demzufolge im Januar, in Liechtenstein unter neuen Namen
zwei mit El Takwa verbundene Gesellschaften registrieren zu lassen.
Solche Beispiele zeigten "die Schwäche der Kontrollen", betont der
Bericht.
Die UN-Überwachungskommission war nach den Terroranschlägen
vom 11. September 2001 zum Kampf gegen die Geldströme des
Terrornetzes El Kaida eingerichtet worden. Weltweit wurden die
Regierungen aufgefordert, Namen Verdächtiger zu melden und die
Guthaben von Personen einer Verdächtigenliste einzufrieren. Viele
Länder seien jedoch bisher dem nicht nachgekommen, heißt es
in dem Bericht. Auch gebe es in vielen Staaten bisher Widerstände,
Eigentum und Unternehmen von Verdächtigen zu beschlagnahmen.
In einem früheren Bericht der UN-Überwachungskommission hatte
die Behörde gewarnt, die Terrororganisation unterwandere
unverdächtige Hilfsorganisationen vor allem im Nahen Osten, in
Afrika sowie in Süd- und Südostasien. Sie dienten als
logistische Stütze. Auch komme die Terrororganisation über
die Hilfswerke an falsche Dokumente oder nutze sie für
unverdächtige Reisen ihrer Anhänger, die teilweise in den
Verbänden arbeiteten.
(Quelle: afp)
Deutschland stellt weiter tausende Soldaten für Anti-Terror-Kampf
Bundestag beschließt Verlängerung des
Enduring-Freedom-Mandats +++ Weiterer US-Soldat in Afghanistan
getötet
Sa.15.11.03 - Die Bundeswehr wird sich weitere zwölf Monate lang an der
internationalen Anti-Terror-Mission "Enduring Freedom" beteiligen. Dies
beschloss der Bundestag am Freitag in Berlin. Von 586
Bundestagsabgeordneten stimmten 540 für die Verlängerung des
Mandats. Dagegen stimmten 41 Parlamentarier, fünf enthielten sich.
Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte bereits in der
vergangenen Woche die Kosten für die Verlängerung des
Bundeswehr-Mandats bei durchschnittlich 710 stationierten Soldaten auf
rund 150 Millionen Euro beziffert. Zugleich senkte er die Obergrenze
der Soldaten von 3900 auf 3100 ab.
ABC-Abwehrtruppen werden diesmal nicht bereit gestellt. Diese hatten
bereits im Juli Kuwait verlassen. Das Kommando Spezialkräfte (KSK)
ist seit dem 15. September nicht mehr in Afghanistan.
In Afghanistan ist am Freitag ein Soldat eines US-Sonderkommandos beim
Auffahren auf eine Landmine getötet worden. Der Zwischenfall
ereignete sich bei Assadabad in der östlichen Provinz Kunar. Dort
haben die US-Streitkräfte vor eine Woche eine Großoffensive
gegen Aufständische gestartet. In der Provinz Paktia an der Grenze
zu Pakistan wurden zwei Raketen auf einen Stützpunkt der
alliierten Truppen abgefeuert. Verletzt wurde dabei niemand, wie ein
Armeesprecher mitteilte. Er vermutete Taliban- oder
El-Kaida-Kämpfer hinter den Anschlägen.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israelische Geheimdienstler üben scharfe Kritik an Scharon
und fordern sofortigen Teilrückzug aus besetzten Gebieten
Sa.15.11.03 - Vier ehemalige israelische Geheimdienstchefs haben die Regierung in
Jerusalem in ungewöhnlich scharfer Form angegriffen und einen
sofortigen Teilrückzug aus den besetzten Gebieten gefordert. Wenn
Israel die bisherige Politik fortsetze, drohe es selbst in einen
"Abgrund" zu stürzen.
Die früheren Leiter des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet - Jaakov
Perry, Ami Ajalon, Avraham Schalom und Carmi Gillon - sagten der
Tageszeitung "Jediot Achronot" vom Freitag, sie stimmten darin
überein, dass nur ein weit gehender Rückzug aus dem
Westjordanland und ein sofortiger Abzug aus dem Gazastreifen zur
Beendigung des Konflikts führten.
Inzwischen berichtete die Tageszeitung "Haaretz", der israelische
Ministerpräsident Ariel Scharon wolle ein binnen zehn Tagen
erwartetes offizielles Gespräch mit dem neuen
palästinensischen Regierungschef Ahmed Kureia hinauszögern.
Scharon sei enttäuscht darüber, dass der von Israel
geächtete Palästinenserpräsident Jassir Arafat in der
neuen Regierung in Ramallah weiterhin Kontrolle über die
Sicherheitsdienste habe. Die Scharon-Regierung sei allerdings dennoch
grundsätzlich zu einem Treffen bereit.
Kureia will Berichten zufolge in der nächsten Woche mit seiner
Regierung über die Bekämpfung der Gewalt militanter Gruppen
in den von Israel besetzten Autonomiegebieten beraten. Er will nach
eigenen Aussagen die Extremistengruppen zu einer vollständigen
Einstellung aller Angriffe auf Israelis bringen und dann eine
umfassende Waffenruhe mit Israel vereinbaren. US-Außenminister
Colin Powell hatte Kureia am Donnerstag in einem Telefonat
aufgefordert, direkt gegen die radikalen Kräfte vorzugehen.
In ihrem Aufsehen erregenden Interview mit "Jediot Achronot" gaben sich
die vier Geheimdienstchefs, die den Schin Bet zwischen 1980 und dem
Jahr 2000 führten, äußerst pessimistisch über die
Zukunft Israels. "Wir sind auf dem Weg (in den Abgrund), da alle
Schritte, die wir bisher unternommen haben, Schritte sind, die sich
gegen den Frieden richten", sagte Ex-Geheimdienstchef Avraham Schalom
nach einem Treffen mit seinen Amtskollegen.
Perry sagte dem israelischen Rundfunk am Freitag, Israel müsse
einseitige Schritte unternehmen, wie den Rückzug aus dem
Gazastreifen. So erleichtere man den Palästinensern den Schritt zu
Friedensgesprächen und helfe gleichzeitig der Not leidenden
israelischen Wirtschaft. "Wir müssen die Sache in die eigenen
Hände nehmen und Gaza trotz aller damit verbundenen
Schwierigkeiten verlassen", meinte er. Außerdem müsse
Scharon alle rund 100 ungenehmigten Siedlungen im Westjordanland
räumen. Perry stand sieben Jahre an der Spitze des Geheimdienstes,
der für die Aufklärung in den Palästinensergebieten
zuständig ist.
Nach Meinung der Vier könnte Israel bis zu 90 Prozent aller
jüdischen Siedler in den besetzten Gebieten ohne Gewaltanwendung
nach Israel zurückbringen. "Es gibt etwa 10 bis 12 Prozent
radikale Siedler, mit denen es (bei einer Räumung)
Zusammenstöße geben wird. Ich glaube, Ariel Scharon ist der
Einzige, der dies tun kann", meinte Jaakov Perry. Ex-Schin-Bet-Chef
Carmi Gillon warnte, die Regierung begehe einen Fehler, weil sie die
Bekämpfung des (palästinensischen) Terrors zur Vorbedingung
für politische Schritte mache. Sein Kollege Ami Ajalon,
Mitverfasser des kürzlich von prominenten Israelis und
Palästinensern veröffentlichten privaten "Genfer Abkommens"
zur Beendigung des Konflikts, sagte, in Israel müsse sich eine
"Bewegung von außen" bilden, um die Regierungen zum Handeln zu
zwingen.
(Quelle: dpa)
Was ist mit dem Generalstabschef, Generalleutnant Moshe ('Bogie')
Ya’alon, los? Bis vor kurzem war er der aggressivste Falke in der
Armee, ja, vielleicht im ganzen Land. Plötzlich verwandelt er sich
fast in eine Taube...
...Seine Lehre war: schlagt die Araber auf den Kopf, dann werden sie
nachgeben. Falls es nicht genügt, schlagt noch härter zu!
Macht das Leben jedes einzelnen Palästinensers unerträglich,
hindert ihn daran, sein Dorf oder seine Stadt zu verlassen,
zerstört den Lebensunterhalt seiner Familie, nehmt ihm das Land
weg! Dies war eine fast mathematische Formel. Wenn ein Schlag nach dem
andern folgt, wird das Leben der Palästinenser an einen Punkt
gelangen, an dem sie aufgeben. Sie werden nicht mehr in der Lage sein,
Widerstand zu leisten. Sie werden ihre Hände heben, ihren Kopf
senken und alles akzeptieren, was die Regierung Israels ihnen als gut
genug anzubieten, bereit ist. Sie werden ihre Kämpfer ( in der
Sprache der Besatzer „Terroristen“ – in der Sprache der Besetzten
„Nationalhelden“) übergeben. Sie werden in den Enklaven leben, die
ihnen Israel zugesteht – oder sie werden sich in einem anderen Land
nach einem besseren Leben umsehen.
Plötzlich distanziert sich der Generalstabschef nun selbst von
dieser Strategie. Er sagt der Öffentlichkeit, dass die Politik der
Regierung – deren treuester Unterstützer er gewesen ist –
„destruktiv“ sei. Statt den Terrorismus zu liquidieren, so sagt er,
produziere sie Terrorismus. Das Leben der Palästinenser muss
erleichtert werden, ihnen muss Hoffnung gegeben werden. Was ist also
geschehen? ...
Mehr in dem Aufsatz "Ya'alons 70 Jungfrauen" von Uri Avnery,
ZNet vom 15.11.2003:
Vor kurzem wurde das sogenannte 'Genfer Abkommen' publiziert. Dabei
handelt es sich um einen inoffiziellen Friedensvorschlag, ausgehandelt
von früheren israelischen und palästinensischen Offiziellen
...Im 'Genfer Abkommen' wird zur vollständigen (wechselseitigen)
Anerkennung zwischen Israel und dem (künftigen) neuen
Palästinenserstaat aufgerufen - vollwertige diplomatische
Beziehungen inklusive. Anders als berichtet verlangt das Abkommen von
Palästina aber keineswegs, Israel als "jüdischen Staat"
anzuerkennen. Vielmehr soll jeder Staat den andern als "Heimat
('homelands') des jeweils anderen Volkes" anerkennen. Israel
müsste sich auf die internationalen Grenzen vom 4. Juni 1967
zurückziehen. Allerdings würden beide Seiten einen Landtausch
vereinbaren, so dass es Israel erlaubt wäre, einige der
nächstgelegenen und größten (jüdischen)
Siedlungsblocks auf seine Seite der Grenze zu nehmen.
Dieser Landtausch erscheint mir viel gerechter als frühere
Vorschläge - ein wirklicher Handel 1 zu 1, wie es scheint. Wobei
allerdings das Land, das Israel erhalten würde, (auf der Karte
purpur eingezeichnet) qualitativ sicher besser wäre als das
für die Palästinenser (auf der gleichen Karte braun
eingezeichnet).
Die Sicherheitsvereinbarungen entsprechen in etwa denen früherer
Abkommen: gemeinsame Patrouillen, eine gewisse Koordination, und man
schwört, Gewalt gegen die andere Seite in keinster Weise zu
unterstützen, etc.. Palästina erhielte aber viel mehr
Kontrolle über seine Grenzen als in früheren Abkommen. Und es
erhielte Souveränität über den größten Teil
Ost-Jerusalems / des Tempelbergs. Israel behielte seine
Souveränität über die Klagemauer - unter Supervision
einer "internationalen Gruppe". Dieser Gruppe gehörten an: Israel,
Palästina, das derzeitige Quartett (Amerika, Russland, UN, EU) -
das hinter der US-gesponserten 'Roadmap' steht - sowie weitere
Länder.
Palästina würde Souveränität über die
muslimischen und christlichen Viertel der Altstadt (von Jerusalem)
zugestanden (siehe braune Bereiche auf der Karte). Israel erhielte
Souveränität über die jüdischen und armenischen
Viertel (blaue und pinke Bereiche der Karte). Das restliche Groß-
Jerusalem verbliebe bei Israel. Einwohner Jerusalems ohne
Staatsangehörigkeit, würden palästinensische
Staatsbürger - in den Sektoren unter palästinensischer
Souveränität. Beide Seiten kommen überein, freien Zugang
zu den heiligen Stätten, die unter ihrer Souveränität
stehen zu gewähren - ebenfalls durch jene 'internationale Gruppe'
zu gewährleisten.
Die (palästinensische) Flüchtlingsfrage wird im 'Genfer
Abkommen' ganz direkt angegangen - also ein Problem, das, zusammen mit
der Jerusalem-Frage, schon immer eine Crux war. Man bleibt darin
allerdings bewusst vage. Israel übernimmt keine Verantwortung
für das Flüchtlingsproblem. Die meisten von ihnen
(Flüchtlinge) sollen im neuen Palästinenserstaat, in ihren
derzeitigen Gastländern oder in Drittstaaten neuangesiedelt
werden. Sicherlich mit Abstand die größte
palästinensische Konzession im Dokument, ist, dass die
palästinensische Seite sich damit abfindet, dass nur ein sehr
geringer Teil der palästinensischen Flüchtlinge - im Rahmen
von Familienzusammenführungen - nach Israel zurückkehren
darf. Ansprüche gegen Israel würden auch für die Zukunft
ausgeschlossen (eine Konzession, die sicherlich die massivste Kritik
hervorrufen wird - vor allem bei Palästinensern, die nicht in der
Region leben). In einem elaborierten Kompensationsprozess sollen
diejenigen entschädigt werden, die nicht in die alten Häuser
zurückkehren dürfen.
... Das 'Genfer Abkommen' klingt vielversprechend, obwohl
natürlich die Frage bleibt, ob es - trotz Flüchtlingsfrage
und fehlendem Versöhnungsprozess - von den Palästinensern
akzeptiert werden wird. Es ist vielversprechend (trotz aller
Unzulänglichkeiten), weil es, mehr als alle Vereinbarungen zuvor,
einer gerechten Lösung entspricht. ...
Aus: Mitchell Plitnick - "Ein Akkord*, den niemand hört", ZNet vom
10.11.03:
http://www.zmag.de/article/article.php?id=807
ttp://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=22&ItemID=4483
* 'Genfer Abkommen' - im englischen Original 'Geneva Accords'. Das Wort
'accord' hat im Englischen die Doppelbedeutung von 'Akkord'
(Zusammenklang) und 'Abkommen'.
Weitere Informationen über das 'Genfer Abkommen' von Gush
Schaloms Uri Avnery unter:
http://friedensbewegung.zionismus.info/
gush-shalom/genfer-abkommen.htm
oder Spiegel online:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/
0,1518,270894,00.html
Auch Tony Judt, Direktor des Remarque Institute an der New York University,
beschäftigt sich in Le Monde diplomatique vom 14.11.03 ("Groß-Israel
oder binationaler Staat") mit dem 'Genfer Abkommen':
http://www.taz.de/pt/2003/11/14/a0049.nf/text
Blick ins Archiv
Powell begrüßt Genfer Friedensplan für Nahost
Unabhängige palästinensisch-israelische Initiative will
'Genfer Dokument' am 1.Dezember bekräftigen
Sa.08.11.03 - Das so genannte Genfer Dokument für eine Friedenslösung im
Nahen Osten hat am Freitag erneut Unterstützung bekommen:
US-Außenminister Colin Powell begrüßte den
inoffiziellen Friedensplan, wie die Unterhändler des Abkommens
mitteilten. In einem Brief an den früheren israelischen
Justizminister Jossi Beilin und den früheren
palästinensischen Informationsminister Abed Rabbo habe Powell
erklärt, solche Projekte seien "wichtig, um Hoffnung und
Verständigung aufrecht zu erhalten"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311080.htm#03110806
Weitere Berichte zum Thema im boa-Nachrichtenarchiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311080.htm#031108_jk
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Erstes Seemanöver von China und Indien
Sa.15.11.03 - Erstmals haben chinesische und indische Marineschiffe am Freitag ein
gemeinsames Manöver abgehalten. Die eintägige Such- und
Rettungsübung folgte knapp einen Monat nach einem ähnlichen
Seemanöver mit pakistanischen Schiffen. Die Manöver
demonstrieren das Bemühen Chinas, ungeachtet der traditionell
guten Beziehungen zu Pakistan das Verhältnis zum großen
indischen Nachbarn zu verbessern. Es sind die ersten gemeinsamen
Marineübungen mit anderen Ländern seit Gründung der
Volksrepublik 1949.
Die Küstenwache in Schanghai bestätigte das Manöver im
ostchinesischen Meer nahe der Hafenmetropole, an dem nach chinesischen
Medienberichten mehr als tausend Seeleute beteiligt waren. Drei
indische Kriegsschiffe hatten dazu am Montag im Hafen angelegt. Der
indische Botschafter in Peking, Nalin Surie, sprach von einem
"Sprungbrett für die Verbesserung der Kompatibilität beider
Seestreitkräfte", wie die Tageszeitung "China Daily" berichtete.
Pakistans Präsident Pervez Musharraf hatte Anfang November Peking
besucht. Indiens Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee war im
Juni in China.
(Quelle: dpa)
China schießt weiteren Kommunikationssatelliten ins All
Sa.15.11.03 - China hat am heutigen Samstag zum vierten Mal binnen eines Monats einen
Kommunikationssatelliten ins All geschossen. Eine Trägerrakete vom
Typ "Langer Marsch 3 A" beförderte den Satelliten Zhongxing eine
Minute nach Mitternacht (Orstzeit, 17.01 Uhr MEZ) von der Basis Xichang
in der Provinz Sichuan in den Weltraum, wie die Nachrichtenagentur
Xinhua meldete. In den kommenden 14 Monaten will Peking weitere elf
Kommunikationssatelliten in die Erdumlaufbahn bringen, wie ein
chinesischer Raumfahrtexperte der Zeitung China Daily sagte.
2005 werde China zudem wieder einen bemannten Weltraumflug starten,
sagte der Experte weiter. Die Zahl der Taikonauten an Bord der Rakete
Shenzou VI werde erst bestimmt, wenn der Flug der Shenzou V analysiert
worden sei. Mit der Rakete Shenzou V war am 15. Oktober der erste
bemannte Weltraumflug Chinas erfolgreich vollzogen worden. Der
Taikonaut verbrachte 21 Stunden im Weltraum und umkreiste die Erde bis
zu seiner Landung 14 Mal. China ist nach Russland und den USA das
dritte Land, das bemannte Weltraumflüge ausführt.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Chinesisch-brasilianischer Satellit ins Weltall gestartet
China denkt an 'Abschreckungswaffen' im Weltraum +++ Bush sieht keine
Bedrohung durch Chinas Raumfahrtprogramm
Di.21.10.03 - Nur fünf Tage nach dem erfolgreichen Abschluss seines ersten
bemannten Raumflugs hat China am Dienstag einen mit Brasilien gemeinsam
entwickelten Satelliten ins Weltall gebracht. Eine Rakete vom Typ
"Langer Marsch 4B" startete mit dem Erdbeobachtungssatelliten vom
nordchinesischen Raumfahrtzentrum in Taiyuan in der Provinz Shanxi, wie
die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.
Vor vier Jahren hatten beide Seiten schon einen ersten gemeinsam
entwickelten Satelliten dieser Art ins All gebracht. Der
Erdbeobachtungssatellit sammelt Informationen und Aufnahmen von den
Territorien und Gewässern beider Länder sowie Teilen ihrer
Nachbarländer, wie die amtlichen chinesischen Medien berichteten....
..Nach Angaben westlicher Experten entwickelt China ...
einen Satellitenträger ... der imstande
ist, feindliche Raketen zu blenden oder zu zerstören. "Jedes
Hightech-Projekt in China hat automatisch auch eine gewisse
militärische Komponente", meinte in der vergangenen Woche der
britische Weltraumberater Phillip Clark...
Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv1/k0310210.htm#03102106
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Lateinamerika-Gipfel im bolivianischen Santa Cruz
Annan ruft zu Schuldenerlass für Lateinamerika auf +++ Boliviens
Staatschef Carlos Mesa bezeichnet Krise in seinem Land als Ausdruck
gemeinsamer Probleme aller lateinamerikanischen Staaten
Sa.15.11.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat zur Eröffnung des
Lateinamerika-Gipfels zu Hilfe und Schuldenerlass für die mittel-
und südamerikanischen Staaten aufgerufen. Die Region brauche
nachhaltige Aufmerksamkeit, sagte Annan am Freitag im bolivianischen
Santa Cruz. Ziel der zweitägigen Konferenz, an der Staats- und
Regierungsvertreter aus 21 Ländern teilnehmen, sollte vor allem
die die Entwicklung effektiver Maßnahmen gegen die
wirtschaftliche und politische Instabilität in Lateinamerika sein.
Weiter wurde erwartet, dass die teilnehmenden Staaten - Spanien,
Portugal und die Länder Lateinamerikas - in einer
Abschlusserklärung der neuen bolivianischen Regierung unter
Präsident Carlos Mesa ihre Unterstützung aussprechen und ein
Hilfsprogramm für das Land erarbeiten. Mesa hatte nach
wochenlangen Protesten und dem Rücktritt von Gonzalo Sanchez de
Lozada Mitte Oktober die Amtsgeschäfte übernommen.
Der neue bolivianische Staatschef hat die Krise in seinem Land als
Ausdruck gemeinsamer Probleme aller lateinamerikanischen Staaten
bezeichnet. "Diese Krise ist das Ergebnis eines historischen Bruchs",
sagte Mesa am Freitag bei der Eröffnung des 13.
Iberoamerikanischen Gipfels in der bolivianischen Stadt Santa Cruz. Die
Demokratie bestehe nicht nur aus freien Wahlen, betonte Mesa. Sie
beinhalte "auch soziale und wirtschaftliche Rechte für die
Bürger". Mesa lobte seinen brasilianischen Kollegen Luiz
Inácio Lula da Silva für sein "einfallsreiches Programm
gegen den Hunger".
Der Präsident von Honduras, Ricardo Maduro erklärte, es sei
möglich, die Armut in Lateinamerika zu bekämpfen. Dies
könne jedoch nur geschehen, wenn alle Länder
zusammenarbeiteten. Der kubanische Staatschef Fidel Castro nahm zum
dritten Mal in Folge nicht an dem Gipfel teil.
Der bolivianische Oppositionsführer Evo Morales hatte zu einem
alternativen Gipfeltreffen geladen. Er traf jedoch ebenfalls mit Annan
zusammen.
(Quellen: ap, afp)
In vielen lateinamerikanischen Gesellschaften sind seit einiger Zeit
heftige Abwehrkämpfe gegen den Neoliberalismus im Gange. Aber in
Bolivien geschah es das erste Mal, dass Organisationen der indigenen
Bevölkerung die führende Rolle in einem breiten Bündnis
mit einem eindeutigen, wenn auch kurzfristigen politischen Ziel
übernommen haben...
Mehr bei "Le Monde diplomatique" Nr. 7208 vom 14.11.2003:
http://www.taz.de/pt/2003/11/14/a0065.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/11/14/a0005.nf/text
Blick ins Archiv
UNCTAD ruft zu Hilfe für Bolivien auf
Fr.31.10.03 - Der Generalsekretär der UN-Konferenz für Handel und
Entwicklung (UNCTAD) hat die internationale Gemeinschaft zu einer
konzertierten Hilfsaktion für Bolivien aufgerufen. Andernfalls
stehe dem Andenstaat eine ähnlich dramatische Finanz- und
Wirtschaftsentwicklung bevor wie Argentinien, sagte Rubens Ricupero am
Donnerstag vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New
York.
Trotz marktwirtschaftlicher Reformen sei der Lebensstandard in Bolivien
wie in Argentinien weit unter das Niveau des vergangenen Jahrzehnts
gefallen ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310310.htm#03103107
...Seit fünf Jahrhunderten sind die sagenhaften Reichtümer
Boliviens ein Fluch für die Bevölkerung gewesen, die zu den
Ärmsten der Ärmsten Südamerikas zählen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310310.htm#031031_8
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Amnesty International beklagt Folter in Brasilien
Sa.15.11.03 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Situation
von Häftlingen in Brasilien angeprangert. Die
Generalsekretärin der Organisation, Irene Khan, bezeichnete die
Bedingungen in den von ihr besuchten Gefängnissen als
"entsetzlich". Gewalt unter Insassen oder seitens der Wächter
führe regelmäßig zum Tod von Häftlingen, sagte
Khan am Freitag zum Abschluss eines einwöchigen Besuchs in dem
südamerikanischen Land. Trotz eines offiziellen Verbots sei Folter
bei der Polizei und im Justizvollzug anzutreffen.
Khans Bilanz fiel ambivalent aus: "Wir haben zwei verschiedene
Brasilien angetroffen", sagte sie. "Eines verteidigt die
Menschenrechte, das andere setzt sich ungestraft darüber hinweg."
Lobend erwähnte Khan, dass Brasilien die wichtigsten
internationalen Menschenrechtsverträge ratifiziert hat. Gute Noten
gab sie außerdem der Sozialpolitik von Präsident Luiz Inacio
Lula da Silva.
(Quelle: ap)
Massenproteste gegen Schewardnadse in Georgien dauern an
Präsident warnt vor Bürgerkrieg +++ Opposition ruft zu 'zivilem Ungehorsam' auf +++
Auslöser der seit eineinhalb Wochen andauernden Proteste ist der Vorwurf, die Regierung habe
Wahlergebnisse manipuliert.
Sa.15.11.03 - Nach den bislang größten Protesten gegen den georgischen
Präsidenten Eduard Schewardnadse seit der Parlamentswahl hat die
Opposition zu "zivilem Ungehorsam" aufgerufen. Rund 15.000
Demonstranten versammelten sich am Freitag vor dem Parlament in Tiflis
und forderten Schewardnadses Rücktritt. Anschließend zogen
sie vor den Sitz der Wahlkommission und in Richtung Parlament.
Auslöser der seit eineinhalb Wochen andauernden Proteste ist der
Vorwurf, die Regierung habe das Ergebnis der Wahl vom 2. November
manipuliert.
Schewardnadse warnte vor einem Bürgerkrieg. Die derzeitige Lage
könne leicht eskalieren, warnte er und forderte die
Bevölkerung auf, sich nicht an den Demonstrationen zu beteiligen.
Solange er gewählter Präsident sei, werde er nicht
zurücktreten, bekräftigte der 75-Jährige und fügte
mit Blick auf die von Demonstranten in Belgrad und Bukarest erzwungenen
Umstürze hinzu: "Ich werde nicht das Schicksal Milosevics oder
Ceausescus teilen."
Er sei zu Gesprächen mit den Oppositionsführern bereit, um
einen Bürgerkrieg zu vermeiden, sagte Schewardnadse wenige Stunden
vor Beginn der Demonstration. Er werde es jedoch nicht zulassen, dass
Georgien zerfalle. Ein Rücktritt zum derzeitigen Zeitpunkt
wäre unverantwortlich. "Georgien muss die Krise überwinden,
und ein neues Parlament muss die Arbeit aufnehmen", sagte er vor
Journalisten.
Oppositionsführer Michail Saakaschwili hingegen appellierte an
"ganz Georgien", sich den Kundgebungen anzuschließen. "Es gibt
keine Alternative zu Schewardnadses Rücktritt", sagte der
Parteichef der Nationalen Bewegung. Zugleich rief er die Demonstranten
auf, sich friedlich zu verhalten. Ihrer Forderung nach einem
Rücktritt des Präsidenten sollte die Bevölkerung aber
mit "zivilem Ungehorsam" Nachdruck verleihen.
Die Proteste hätten ein deutliches Zeichen gesetzt, betonte die
Oppositionspolitikerin Nino Burdschanadse von der Demokratischen
Partei. Die Menschen hätten nicht demonstriert, als sie ohne Strom
gewesen seien, «aber sie sind auf die Straße gegangen, als
ihre Würde angegriffen wurde».
Knapp zwei Wochen nach der Parlamentswahl gibt es immer noch kein
amtliches Endergebnis. Die Schewardnadse nahe stehende Partei Für
ein neues Georgien hat nach vorläufigen Ergebnissen als
stärkste Kraft einen Stimmenanteil von etwa 20 Prozent. Die
Nationale Bewegung und die Demokraten werfen der Regierung vor, die
Ergebnisse zu Gunsten der Partei "Für ein neues Georgien"
gefälscht zu haben.
(Quelle: ap)
Europäisches Sozialforum in Paris
Das Treffen der Globalisierungskritiker mit 35.000 eingeschriebenen
Teilnehmern findet inzwischen auch bei Politikern und Parteien großes Interesse
Sa.15.11.03 - Das zweite Sozialforum nach der Erstausgabe in Florenz ist bei
Politikern und Parteien begehrt. Nur der rechtsextreme "Front National"
von Jean-Marie Le Pen lästerte über die "infame"
Großveranstaltung (35.000 eingeschriebene Teilnehmer).
In Frankreich wird Globalisierung meist mit dem Wort "neoliberal"
versehen und als solche kritisiert. Und nicht nur bei Links- und
Umweltparteien. Der gaullistische Staatspräsident Jacques Chirac,
der beim UNO-Umweltgipfel 2002 in Johannesburg schon sehr
ökologische Saiten angeschlagen hatte, rief ein
"französisches Globalisierungs-Observatorium" ins Leben; sein
engster Vertrauter Alain Juppé, Chef der Regierungspartei,
erklärte Dienstag, er sei eigentlich auch "altermondialiste", das
heißt für eine bessere Globalisierung.
"Die etablierten Parteien sind von einer herablassenden Verachtung zu
einer verbindlichen Ehrerbietung übergeschwenkt", meinte der
Organisator des Europäischen Sozialforums (ESF), Pierre Khalfa,
ironisch, um anzufügen: "Wir lassen uns nicht blenden." Im
Bemühen, sich politisch nicht vereinnahmen zu lassen, distanzierte
sich das Sozialforum offiziell vom Vorhaben des kommunistischen
Bürgermeisters von Saint-Denis, das Globalisierungsforum als
Ausgangspunkt für eine eigene Wahlliste zu nehmen.
Einzig vier französische Parteipolitiker wurden zu den zahllosen
Podien, Tagungen und Seminaren geladen: Die Kommunistenchefin
Marie-George Buffet, der Grüne Noël Mamère, der
Trotzkist Olivier Besancenot und der Sozialist Kader Arif. Letzterer
konnte Donnerstagabend nur von Leibwächtern eskortiert auftreten.
Noch bevor er in der Pariser Villette-Halle das Wort ergriff, suchten
Radikal-Altermondialisten mit Gewalt und Tränengassprays Einlass
in das Gebäude zu erlangen. Die Veranstalter hatten allerdings
vorgesorgt, nachdem einzelne Sozialisten schon beim G8-Gipfel in Evian
und anderen Anlässen von militanten Globalisierungsgegnern
angegriffen worden waren. Auch diesmal hatte ein Internetaufruf
angekündigt, dass der "Vereinnahmungsversuch" durch den Parti
Socialiste (PS) verhindert werde: "Der PS soll den Fuß nie mehr
in die Sozialbewegung setzen." Als Urheber dieser Aktion werden
französische Trotzkisten vermutet.
(Quelle: info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/])
Blick ins Archiv
Europäisches Sozialforum in Paris: Anarchisten organisieren
Gegenveranstaltung
Sie wollen sich der 'Institutionalisierung der globalisierungskritischen
Bewegung' widersetzen -
Den Organisatoren des Sozialforums werfen sie vor, sich parteipolitisch
ausschlachten zu lassen
Fr.14.11.03 - Am Rande des "Europäischen Sozialforums", das von Mittwoch bis
Samstag in Paris stattfindet, organisieren Anarchisten aus
verschiedenen europäischen Ländern eine Gegenveranstaltung.
Das "Forum social libertaire" (FSL), das in Saint-Ouen und Ivry bei
Paris stattfindet, will "ein Projekt über eine alternative
Gesellschaftsform" entwickeln, betonten die Organisatoren, die dem
Sozialforum selbst vorwerfen, sich parteipolitisch ausschlachten zu
lassen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311140.htm#03111411
Europäisches Sozialforum:
http://www.fse-esf.org
"Vor dem Weltsozialforum in Bombay "
von François Houtart (Le Monde diplomatique Nr. 7208 vom 14.11.2003, Seite 6):
http://www.taz.de/pt/2003/11/14/a0012.nf/text
François Houtart ist Leiter des Centre Tricontinental und der
Zeitschrift Alternatives sud, Louvain-la-Neuve (Belgien).
Weltsozialforum:
http://www.forumsocialmundial.org/
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Eisenbahnerstreik in Österreich nach fast drei Tagen zu Ende
Sa.15.11.03 - Nach fast drei Tagen haben die österreichischen Eisenbahner am
Freitag ihren Streik beendet. Das teilte Bundeskanzler Wolfgang
Schüssel laut einer Meldung der österreichischen
Nachrichtenagentur APA mit. Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl
bestätigte dies.
Der Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes
(ÖGB), Fritz Verzetnitsch, habe mit Infrastrukturminister Hubert
Gorbach eine Vereinbarung erzielt, sagte Haberzettl. Nähere
Einzelheiten dazu nannte er nicht. Schüssel hatte zuvor
erklärt: "Dank des konsequenten Ansatzes der Regierung ist der
Streik soeben zu Ende gegangen."
Der unbefristete Ausstand, der sich gegen die geplante Bahnreform
richtete, hatte seit Mittwoch den Zugverkehr lahm gelegt.
Schätzungsweise 1,2 Millionen Fahrgäste waren betroffen.
Auslöser des Streiks war die Entscheidung der Regierung für
die ÖBB-Reform am Dienstag im Ministerrat. Diese sieht eine
Aufteilung der ÖBB in vier Aktiengesellschaften und fünf GmbH
unter dem Dach einer Holding vor. Außerdem soll ein neues
Dienstrecht verankert werden, mit dem unter anderem der
Kündigungsschutz gelockert werden und automatische
Gehaltserhöhungen gestrichen werden sollen. Bis 2010 sollen bis zu
12.000 der 48.000 Mitarbeiter entlassen werden. Die Reform soll am 1.
Januar in Kraft treten.
(Quelle: ap)
Deutschland
Unionsfraktion wirft Hohmann raus
Überraschender Widerstand gegen Ausschluss des wegen seiner
antisemitischen Äußerungen umstrittenen
CDU-Bundestagsabgeordneten +++ Erster Ausschluss in der Geschichte der
Unions-Fraktion +++ Merkel: CDU-Basis weiß zu wenig über
Hohmanns 'Theoriegebäude'
Sa.15.11.03 - Die Führung der Unions-Fraktion hat bei der Abstimmung über
den Ausschluss des CDU-Abgeordneten Martin Hohmann wegen
antisemitischer Äußerungen unerwartet viele Gegenstimmen
hinnehmen müssen. Bundespräsident Johannes Rau lobte die
Entscheidung der Fraktion.
Zwar kam am Freitag in Berlin mit 195 Ja-Stimmen die notwendige
Zwei-Drittel-Mehrheit für den Verweis Hohmanns aus der Fraktion zu
Stande. 28 Abgeordnete stimmten aber gegen den Ausschluss, 16
enthielten sich, vier Stimmen waren ungültig. Die Zustimmung
für den Antrag von CDU- und Fraktionschefin Angela Merkel zum
Ausschluss Hohmanns betrug damit nur rund 80 Prozent. Vor der
Abstimmung hatten führende Unionspolitiker davor gewarnt, dass zu
viele Nein-Stimmen einen falschen Eindruck in der Öffentlichkeit
hinterlassen würden. Merkel kündigte an, als Konsequenz aus
der Debatte um Hohmann verstärkt eine Debatte über
Nationalstolz und Patriotismus zu führen.
In der Fraktionsführung gab es enttäuschte Stimmen über
das Votum. "Ich hätte mir selber ein anderes Abstimmungsergebnis
gewünscht", sagte Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU). Merkel
führte die hohe Zahl der Gegenstimmen und Enthaltungen auf die
Verbundenheit mit Hohmann zurück und nicht auf eine Zustimmung zu
seiner als antisemitisch kritisierten Rede. Die CDU Hessen
erklärte, noch in diesem Monat ein Parteiausschluss-Verfahren
gegen Hohmann einzuleiten. Hohmann selbst sagte, er wolle weiter
engagiert als Abgeordneter des Wahlkreises Fulda arbeiten.
Hohmann hatte in seiner Rede zum 3. Oktober die Frage aufgeworfen, ob
die Juden wegen ihrer Beteiligung an der russischen Oktober-Revolution
als "Tätervolk" bezeichnet werden könnten. Merkel hatte
Hohmann zunächst lediglich scharf gerügt, dann aber doch
einen Antrag auf Fraktionsausschluss gestellt.
Rau sagte in einem gemeinsamen Interview von "Süddeutscher
Zeitung" und Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), die Union "hat jetzt
reagiert und klare Grenzen aufgezeigt". Er sei über Hohmanns
Vortrag am 3. Oktober erschrocken. Antisemitismus gebe es zwar
überall, aber "die Hemmschwelle muss bei uns eine andere sein als
in anderen Ländern". Der Schlussstrich-Mentalität müsse
widerstanden werden.
Der Verweis Hohmanns ist der erste Ausschluss in der Geschichte der
Unions-Bundestagsfraktion. Merkel sagte, das Votum der Fraktion sei
eindeutig. "Es zeigt aber auch, dass es vielen Kolleginnen und Kollegen
menschlich schwer gefallen ist, diesen Schritt zu tun." Auch CSU-Chef
Edmund Stoiber sagte in München, viele Kollegen hätten sich
offensichtlich mit der Entscheidung für den Ausschluss Hohmanns
schwer getan.
In der Fraktion wurde aber der Einschätzung widersprochen, die
Nein-Stimmen seien nur auf die Verbundenheit mit Hohmann
zurückzuführen. Ein CSU-Abgeordneter sagte der
Nachrichtenagentur Reuters, er sei mit dem Ergebnis zufrieden, weil so
nicht der Eindruck entstehen könne, dass es in der Union keinen
rechten Flügel gebe. Merkel sagte, sie werde als Konsequenz aus
der Hohmann-Affäre nun selbst eine Debatte über den einen
"vernünftigen Patriotismus" und Nationalstolz beginnen. Es gebe in
der Union ein großes Bedürfnis, über das Thema zu reden.
In der Debatte in der Fraktion hatte Hohmann nach Angaben von
Teilnehmern erneut einen freiwilligen Rückzug abgelehnt, obwohl er
von der CDU-Abgeordneten Vera Lengsfeld direkt dazu aufgefordert worden
sei. Als Grund habe Hohmann genannt, ein solcher Schritt würde
auch seinen Parteiausschluss vorzeichnen. Ausdrücklich sei Hohmann
Spekulationen entgegen getreten, er wolle eine eigene Partei
gründen.
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel will nach dem Ausschluss Hohmanns aus
der Unionsfraktion die Diskussion um seine Äußerungen
weiterführen und "aufklären". Sie "glaube, dass gerade die
Basis an vielen Stellen über den gesamten Sachverhalt auch noch
nicht ausreichend informiert ist", sagte Merkel am Freitag in der
ARD-Sendung «Bericht aus Berlin».
Merkel sagte zu der Vielzahl kritischer Reaktionen aus der CDU zu
Hohmanns Ausschluss, bei manchen entstehe "vielleicht der Eindruck, man
würde hier für eine Lappalie, für eine unwichtige
Gedankenäußerung gleich jemanden aus einer
Bundestagsfraktion ausstoßen". Vielen sei das gesamte
Theoriegebäude von Herrn Hohmann nicht vertraut. "Es ist
notwendig, die Diskussion weiterzuführen" und "jetzt nach
außen hin mit den Parteimitgliedern auch zu sprechen".
(Quellen: rtr, ap)
Zentralrat der Juden in Deutschland: Degussa-Beteiligung
am Mahnmal-Bau unbefriedigend
Der Vertreter Spiegels im Zentralrat, Salomon Korn, stellt
Vergangenheitsbewältigung von Degussa in Frage
Sa.15.11.03 - Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Entscheidung für
die Beteiligung des Chemiekonzerns Degussa am Bau des
Holocaust-Mahnmals als pragmatische, aber unbefriedigende Lösung
bewertet.
"Der mehrheitlich gefasste Beschluss des Kuratoriums der Stiftung
Denkmal für die ermordeten Juden Europas zur Fortsetzung der
Baumaßnahmen unter Beteiligung der Firma Degussa ist eine
pragmatische, wenn auch unbefriedigende Lösung", erklärte
Zentralratspräsident Paul Spiegel am Freitag. Die Gefühle
Überlebender der Massenmorde in den Konzentrationslagern der Nazis
würden verletzt, wenn die Konzernmutter des ehemaligen
Giftgasproduzenten Degesch am Mahnmalbau beteiligt werde. Andererseits
müsse dies anscheinend im unvermeidlichen Prozess der
Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte hingenommen werden.
Der Chemiekonzern Degussa hatte zuvor die Entscheidung
begrüßt, ihn weiter am Bau zu beteiligen. Damit könne
die Firma einen Beitrag zur Erinnerung leisten, erklärte
Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht. Das Unternehmen stelle sich offeniv
seiner Geschichte und der ihrer Vorgängerorganisationen.
Zahlreiche persönliche Gespräche und Briefe aus der
Belegschaft hätten gezeigt, mit "welch hohem Maß an
Betroffenheit und Sensibilität diese Diskussion bei uns verfolgt
wird."
Der Vertreter Spiegels im Zentralrat, Salomon Korn, warnte dagegen, es
dürfe nicht gebetsmühlenartig wiederholt werden, dass Degussa
die eigene Firmengeschichte vorbildlich aufgearbeitet habe. Die erst
1997 von Degussa in Auftrag gegebene Studie der eigenen
Firmengeschichte liege der Öffentlichkeit nicht vor.
Außerdem sei unabhängigen Historikern der Zugang zu den
Archiven bisher verwehrt worden. Zudem sei die bloße Beteiligung
an Zwangsarbeiterentschädigungen in Anbetracht von drohenden
Entschädigungsklagen in den USA kein überzeugender Nachweis
einer angemessenen Auseinandersetzung mit der Firmengeschichte
während des Nationalsozialismus.
Bei der Errichtung des Mahnmals wurden bislang ein
Graffiti-Schutzmittel und ein Betonzusatz der Firma Degussa verwendet.
Eine Tochter des Chemiekonzerns hatte in der NS-Zeit das Giftgas Zyklon
B produziert, mit dem Millionen von Juden umgebracht wurden. Der Bau
des Mahnmals war daraufhin vor drei Wochen gestoppt worden.
Der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung für das Mahnmal,
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), hatte am Donnerstag
nach einer Sitzung des Gremiums in Berlin erklärt, Degussa werde
trotz der Verwicklung einer Vorläuferfirma in den Massenmord an
europäischen Juden weiter am Bau des Mahnmals beteiligt. Thierse
sprach von einer schwierigen Entscheidung, über die das Kuratorium
"lange, intensiv und sehr ernst" diskutiert habe. Thierse sagte, es
habe weiter unterschiedliche Meinungen im Kuratorium gegeben. Über
die Entscheidung sei nicht formal abgestimmt worden. Es habe aber eine
"sehr eindeutige, klare Mehrheit" für die Entscheidung gegeben.
(Quelle: rtr)
Rechtsextremer Aufmarsch in Brandenburg erlaubt
Sa.15.11.03 - Rechtsextreme dürfen am Vortag des Volkstrauertages am Rande des
Soldatenfriedhofs im brandenburgischen Halbe demonstrieren. Das
Brandenburger Oberverwaltungsgericht (OVG) hob ein Verbot auf.
Allerdings wurde die Kundgebung nur unter Auflagen genehmigt. So wurde
die Demonstrationszeit auf eine Stunde begrenzt. Außerdem wurde
das Tragen von Trommeln und Fackeln untersagt. Eine zweite
Demonstration auf dem Friedhof wurde gänzlich untersagt.
Der rechtsextreme Verein "Freundeskreis Halbe" sowie ein "Ehrenkomitee
8. Mai" hatten die Demonstration unter dem Motto "Ruhm und Ehre den
deutschen Frontsoldaten" beantragt und rund tausend Rechtsextreme
angekündigt. Die Region um Halbe war im Zweiten Weltkrieg
Schauplatz der letzten so genannten Kesselschlacht vor den Toren
Berlins. Mehr als 40.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht sowie der
sowjetischen Roten Armee sollen dabei getötet worden sein. Rund
22.000 von ihnen sowie tausende sowjetische Zwangsarbeiter liegen auf
dem Waldfriedhof in Halbe begraben.
Seit dem Mauerfall ist der größte deutsche Soldatenfriedhof
ein wichtiger Identifikationspunkt der Szene. Mehrfach kam es zum
Vokstrauertag bereits zu rechtsextremen Aufmärschen in der
abgelegenen Region. Die Polizei ist vor Ort mit rund 500 Beamten
präsent; sie werden vom Bundesgrenzschutz unterstützt.
(Quelle: afp)
Wieder keine Einigung im Vermittlungsausschuss zur Zuwanderung
Beck: 'Die Gräben sind teilweise tief und breit': Es fehle
vor allem an einem gemeinsamen Verständnis für die
'Notwendigkeit demografisch bedingter Arbeitsmigration'
Sa.15.11.03 - Auch in der zweiten Verhandlungsrunde über ein Zuwanderungesetz im
Vermittlungsausschuss hat es in der Sache keine Einigung gegeben. Der
Verhandlungsführer der Grünen, Volker Beck, teilte am
Freitagabend in Berlin mit, es seien "sehr, sehr schwierige
Gespräche" gewesen. An einigen Stellen werde es "schwierig sein,
Brücken zu bauen, da die Gräben teilweise tief und breit
sind".
Vor allem fehle es an einem gemeinsamen Verständnis für die
"Notwendigkeit demografisch bedingter Arbeitsmigration",
bemängelte der Grünen-Politiker. Beck nannte dies
"erstaunlich", da die Herzog-Kommission noch in diesem Jahr betont
habe, dass mit der Einwanderung die demografischen Probleme der
Sozialversicherungssysteme abgemildert werden könnten. Die
Gespräche würden fortgesetzt.
Schon vor Beginn der neuen Verhandlungen über das
Zuwanderungsgesetz im Oktober hatten sich Vertreter von Koalition und
Opposition skeptisch zu den Einigungschancen geäußert. Die
Union forderte seinerzeit erneut deutliche Zugeständnisse der
Regierung. "Wenn Rot-Grün sich nicht bewegt, wird es nicht zu
einer Einigung kommen", sagte der saarländische
Ministerpräsident Peter Müller (CDU). Auch
Koalitionsvertreter erwarteten bereits damals schwierigen Verhandlungen.
Das Bundesverfassungsgericht hatte das rot-grüne
Zuwanderungsgesetz im Dezember vergangenen Jahres gestoppt, weil es im
Bundesrat nicht ordnungsgemäß verabschiedet worden war. Das
Kabinett brachte seinen Entwurf daraufhin in unveränderter Form
erneut in den Bundestag ein, wo er im Mai verabschiedet wurde. Sechs
Wochen später lehnte der Bundesrat das Gesetz
erwartungsgemäß mit der Mehrheit der unionsregierten
Länder ab. Die Bundesregierung rief daraufhin den
Vermittlungsausschuss an. CDU und CSU fordern Änderungen in rund
130 Punkten.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Verfassungsgericht stoppt Zuwanderungsgesetz
Mi.18.12.02 - Die rot-grüne Zuwanderungsreform ist geplatzt. Zwei Wochen vor dem geplanten
In-Kraft-Treten des Gesetzes erklärte das Verfassungsgericht am Mittwoch die umstrittene
Verabschiedung im Bundesrat für verfassungswidrig. Die Koalition kündigte an, ihre Vorlage
ein zweites Mal unverändert auf den parlamentarischen Weg zu bringen und im Vermittlungsausschuss
neu zu verhandeln. Die Union zeigte sich gesprächsbereit. Bundespräsident Johannes Rau rief die Parteien
zur Konsensbereitschaft auf.
Der Zweite Senat des Verfassungsgerichts hatte der Klage von sechs
unionsregierten Bundesländern stattgegeben, die sich gegen die Wertung des
entscheidenden Brandenburger Votums bei der Bundesratsabstimmung im März
richtete. Der damalige Bundesratspräsident Klaus Wowereit hatte nach einer
widersprüchlichen Stimmabgabe eines SPD- und eines CDU-Ministers das Votum
von Ministerpräsident Manfred Stolpe für maßgeblich erklärt. Dies geschah zu
Unrecht, wie Karlsruhe nun entschied. Die Regierungsmitglieder müssten sich bei
der Stimmabgabe einig sein, der Ministerpräsident habe kein Weisungsrecht.
Diskussion um Zuwanderung:
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0203250.htm#top
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0202270.htm#top
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0206250.htm#top
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/n0203260.htm#top
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Bundespräsident mahnt zu Gerechtigkeit bei Reformen
Rau 'wütend' über Entlassungen bei guten Firmenergebnissen -
Parteien, Kirchen und Gewerkschaften aufgefordert, Streit über die
Gerechtigkeit härter zu führen
Sa.15.11.03 - Bundespräsident Rau hat eine härtere Debatte über die
Gerechtigkeit bei Reformen gefordert. Er verwies auf die Gefahr, dass
ungleiche Belastungen die Reform-Akzeptanz der Bürger
beeinträchtigen. Ein normaler Bürger könne es auch nicht
mehr verstehen, wenn über eine Arbeitszeitverlängerung auf 67
Jahre gerade in dem Augenblick geredet werde, in dem die Mehrheit der
Unternehmen nur noch Leute unter 50 beschäftige. Und es mache ihn
auch wütend, so Rau, wenn Unternehmen auf Pressekonferenzen das
beste Ergebnis ihrer Firmengeschichte bekannt geben - und gleichzeitig
weitere Entlassungen.
Der Bundespräsidentfordert Parteien, Kirchen und Gewerkschaften
auf, in der Reformdebatte den Streit über die Gerechtigkeit
härter zu führen.
Es müsse geprüft werden, ob "der Thermostat der Gerechtigkeit
richtig eingestellt ist", sagte Rau in einem gemeinsamen Interview von
"Süddeutscher Zeitung" und Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). ES
bestehe die Gefahr, dass ungleiche Belastungen die Akzeptanz der
Bürger für Veränderungen beeinträchtigen. Zudem
leide die Reformdiskussion darunter, dass nicht mehr deutlich werde, was
aktuell zu geschehen habe und was erst langfristig passieren
müsse. "Als normaler Bürger können Sie es nicht
verstehen, dass über eine Arbeitszeitverlängerung auf 67 Jahre
gerade in dem Augenblick geredet wird, in dem in der Mehrheit der
Unternehmen nur noch Leute unter 50 beschäftigt sind", sagte Rau.
Das Interview wird am Sonntag im RBB ausgestrahlt und am Montag in der
"Süddeutschen" in Textform erscheinen.
Rau sagte, die Politik aller Parteien habe es bisher nicht vermocht,
den Erklärungsbedarf der Menschen zu befriedigen. Ohne die SPD
namentlich zu erwähnen, sagte der Präsident, die Politik habe
es nicht geschafft, ihren jetzigen Standpunkt mit ihren Aussagen aus dem
Bundestagswahlkampf von 2002 in Bezug zu setzen. Im Wahlkampf hatten
Bundeskanzler Gerhard Schröder und die SPD versichert, dass es
weitere Einschnitte ins soziale Netz nicht geben werde.
Rau warnte davor, Steuersenkungen als das eigentliche Ziel von Politik
zu betrachten. Der Staat brauche Geld, um Daseinsvorsorge betreiben zu
können. Mit scharfen Worten kritisierte das Staatsoberhaupt die
Entlassungspolitik mancher Unternehmen. "Es macht mich wütend, wenn
diese auf Pressekonferenzen das beste Ergebnis ihrer Firmengeschichte
bekannt geben - und gleichzeitig weitere Entlassungen." Die
Wirtschaftspolitik müsse dem Automatismus "Börsenkurse rauf,
Arbeitsplätze runter" - entgegenwirken. "Die Wirtschaft ist
für den Menschen da und nicht der Mensch für die Wirtschaft."
Die Deutschen müssen sich nach Raus Worten auf schwierige Jahre
einstellen. Deutschland sei aber nicht arm dran. "Wir sind immer noch
Exportnation Nummer eins und haben ein Selbstbewusstsein, als wären
wir zwei Plätze hinter Bulgarien." Eine große amerikanische
Unternehmensberatungsfirma habe Deutschland unlängst als
attraktivsten Standort für Auslandsinvestitionen in der EU
bezeichnet. Darüber rede niemand.
(Quellen: rtr, br-Radionachrichten)
Bochumer Parteitag soll SPD Schub nach vorn geben
Sa.15.11.03 - Die SPD erhofft sich vom Bochumer Parteitag in der kommenden Woche
einen kräftigen Schub nach vorn. Generalsekretär Olaf Scholz
sprach am Freitag in Berlin von einem Aufbruchsignal. Am Ende des
Reformprozesses wolle die SPD aufzeigen, wie es mit dem Land
weitergehen solle. Nach der Rückendeckung durch Bundeskanzler
Gerhard Schröder bekam der Generalsekretär für seine
Arbeit auch Unterstützung aus den Ländern: "Ich werde Olaf
Scholz wählen", sagte die Ministerpräsidentin Heide Simonis
der Nachrichtenagentur AP.
Der SPD-Bundesparteitag findet von Montag bis Mittwoch kommender Woche
in Bochum statt. Scholz sagte, nach "einer großen Rede des
Vorsitzenden" sei eine "sehr sorgfältige Aussprache" geplant. "In
einer so schwierigen Situation, in der sich die SPD zurzeit
befinde"», dürfe niemand das Gefühl haben, dass die
Parteitagsregie Dinge vertuschen wolle, die ausgesprochen gehörten.
Bei der Neuwahl der Parteispitze erwartet Scholz "von großer
Solidarität in der Partei geprägte" Ergebnisse - auch
für sich selbst. Diese Solidarität sei ihm von vielen
zugesichert worden. Scholz war vor allem wegen der von ihm
angestoßenen Debatte über die Streichung des Begriffs
"demokratischer Sozialismus" im Grundsatzprogramm der SPD kritisiert
worden.
Die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Simonis sagte in
Kiel, ein Generalsekretär werde kritisiert, weil er Anregungen
gebe, die die Mitglieder nicht gerne hörten. Über sein
Abschneiden zeigte sie sich optimistisch: "Ich bin sicher, dass er im
ersten Anlauf gut durchkommen wird."
Neben Scholz wird in Bochum die gesamte Parteispitze neu gewählt.
Von Schröders fünf Stellvertretern als SPD-Chef treten nur
drei erneut an: die Bundesminister Wolfgang Clement (Wirtschaft) und
Heidemarie Wieczorek-Zeul (Entwicklung) sowie Bundestagspräsident
Wolfgang Thierse. Neu als SPD-Vize kandidieren der
Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, und die
SPD-Landeschefin von Baden-Württemberg, Ute Vogt.
Scholz sagte, die SPD wolle mit einem Beschluss zum Steuerrecht
deutlich machen, dass der Spitzensteuersatz nicht unter die jetzt
angestrebten 42 Prozent gesenkt werde. Große Erbschaften
müssten künftig stärker besteuert werden. Für die
umstrittene Bürgerversicherung will der Parteitag Eckpunkte
festlegen. Mit breiter Zustimmung rechnet der Generalsekretär
für die Initiative der SPD-Fraktion für eine
Ausbildungsplatzabgabe.
An dem Bundesparteitag nehmen 523 Delegierte im Alter von 18 bis 88
Jahren teil. Ihm vorgeschaltet ist am Sonntag eine Delegiertenkonferenz
zur Wahl der Kandidaten für das Europaparlament. Die SPD in den
Europawahlkampf führen soll der wegen seiner Kritik an Italiens
Regierungschef Silvio Berlusconi bekannt gewordene Martin Schulz.
Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" herrscht unter den
Europa-Politikern der Partei Unmut über die Kandidatur des
türkischstämmigen Unternehmers Vural Öger. Er sei von
keinem Landesverband nominiert, sondern von Schröder
persönlich auf den sicheren Platz 10 der Liste gesetzt worden.
In der Wählergunst hat die SPD wieder leicht zugelegt. Laut
ZDF-Politbarometer konnte sie sich in der politischen Stimmung
gegenüber ihrem Tiefstand von Ende Oktober um drei Punkte auf 25
Prozent verbessern.
(Quelle: ap)
'Die SPD verliert ihren Charakter als Volkspartei'...
... sagt Parteienforscher Fritz Walter. Wenn die unteren Schichten
demnächst nicht vom Aufschwung profitieren, kann sich die SPD neue
Programme sparen...
Mehr in der "tageszeitung" vom 15.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/15/a0103.nf/text
|
SPD-Landeschefs rufen nach Vermögensteuer
Sa.15.11.03 - Vor dem SPD-Parteitag am Sonntag in Bochum haben die Chefs zweier
großer sozialdemokratischer Landesverbände die
Wiedereinführung der Vermögenssteuer gefordert.
Niedersachsens SPD-Chef Wolfgang Jüttner sagte, auch wenn die
Steuer nicht so viel Einnahmen bringe, wie von Optimisten erhofft, sei
sie ein Symbol "für die Herstellung sozialer Balance".
Nordrhein-Westfalens Landeschef Harald Schartau forderte eine
stärkere Belastung für Vermögende und Erben.
Jüttner sagte in einem Interview der Hannoverschen "Neuen Presse"
(Samstagausgabe), Bundeskanzler Gerhard Schröder hätte die
Partei viel eher von den Notwendigkeit seiner Reformagenda
überzeugen müssen. Bei deren Umsetzung mahnte er soziale
Ausgewogenheit und die Wiedereinführung der Vermögensteuer
an. "Was sie symbolisch für die Herstellung sozialer Balance
bedeutet, kann man gar nicht hoch genug einschätzen", wurde
Jüttner zitiert.
Schartau drängte laut "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" auf ein
deutliches soziales Signal. Mit neuen Abgaben für Vermögende
und Erben sollten "wichtige Ausgaben für Bildung und Forschung"
finanziert werden, forderte er demnach.
Auch der stellvertretende SPD-Fraktionschef Michael Müller
forderte mehr Geld für Bildung und Forschung. In der "Berliner
Zeitung" (Samstagausgabe) sprach er sich dafür aus, dafür
mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufzuwenden. Bislang
liege Deutschland mit rund 2,5 Prozent noch deutlich unter dieser von
der EU ausgegebenen Marke.
(Quelle: ap)
Steinbrück und Rürup warnen vor Eingriffen in Tarifautonomie
Sa.15.11.03 - Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück und
der Wirtschaftsweise Bert Rürup haben am Samstag vor Forderungen
der Union nach Eingriffen in die Tarifautonomie gewarnt.
Steinbrück warnte in einem Interview der "Westdeutschen
Allgemeinen Zeitung" die Berliner Opposition vor überzogenen
Forderungen im Vermittlungsausschuss. Die Tarifautonomie sei tabu,
betonte der SPD-Politiker. Rürup sagte der "Berliner Zeitung", die
Flächentarifverträge seien ungeachtet des
Modernisierungsbedarfes erhaltenswert.
Steinbrück drohte mit einem Scheitern der Verhandlungen über
die Reformgesetze, falls die Opposition auf die Aushebelung der
Flächentarifverträge beharre. "Ein solches Geschäft ist
mit uns nicht zu machen. Die Achse der bewährten
Sozialpartnerschaft würde darüber verschoben", wurde der
Ministerpräsident zitiert. Die CDU-Pläne würden zugleich
Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften bedeutungslos machen und
die Tarifverträge atomisieren, fügte er demnach hinzu.
Rürup bezweifelte sogar, dass die Unions-Pläne
verfassungsgemäß sind. "Es ist unstrittig, dass die
Tarifautonomie vom Grundgesetz geschützt ist", wurde er zitiert.
Er sprach sich dafür aus, dass die Tarifparteien stattdessen von
sich aus Öffnungsklauseln für betriebliche Lösungen
vereinbaren.
Die Union will dem Vorziehen der Steuerreform nur dann zuzustimmen,
wenn die Regierung sich zu Einschnitten im Arbeits- und Tarifrecht
bereit erklärt.
(Quelle: ap)
Bundesanstalt für Arbeit auch kommendes Jahr mit Milliardendefizit
Sa.15.11.03 - Nach einem voraussichtlichen Rekorddefizit von bis zu 7,5 Milliarden
Euro in diesem Jahr wird die Bundesanstalt für Arbeit auch 2004
nicht ohne zusätzliche Unterstützung aus dem Bundeshaushalt
auskommen. Die Nürnberger Behörde bezifferte am Freitag den
für das kommende Jahr erforderlichen Bundeszuschuss auf 5,21
Milliarden Euro. Wegen wegbrechender Beitragseinnahmen bei zugleich
steigenden Ausgaben sei erneut ein deutliches Minus zu erwarten.
Damit erreicht Behördenchef Florian Gerster auch im kommenden Jahr
sein Ziel nicht, gänzlich ohne Bundeszuschuss auszukommen. Der
Verwaltungsrat der Bundesanstalt beschloss am Freitag ein Gesamtvolumen
von 57 Milliarden Euro im Haushaltsplan für 2004. Die Summe
basiert den Angaben zufolge auf einem zu erwarteten Wachstum von 1,7
Prozent und einer nicht weiter steigenden Arbeitslosigkeit. Die
Bundesanstalt setzte die die Zahl der Jobsuchenden für 2004 im
Jahresdurchschnitt mit 4,38 Millionen an, dem gleichen Wert, wie sie
für 2003 erwartet.
Rund 20 Millionen Euro aus dem Etat sollen für
arbeitsmarktpolitische Maßnahmen ausgegeben werden - 1,4
Milliarden weniger als im Vorjahr. Die geplanten Ausgaben für
Arbeitslosengeld sollen um rund 350 Millionen auf 29,5 Milliarden Euro
steigen. Ebenfalls höher angesetzt sind die Verwaltungskosten, die
um 330 Millionen auf 4,75 Milliarden Euro steigen sollen.
(Quelle: ap)
Eichel warnt EU vor zusätzlichen Sparauflagen
Sa.15.11.03 - Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat die EU offen davor gewarnt,
gegen Deutschland wegen seiner anhaltend hohen Staatsdefizite
zusätzliche Sparauflagen zu verhängen. Die Opposition warf
der Regierung vor, mit einem unseriösen und nicht
zustimmungsfähigen Haushalt 2004 den EU-Stabilitäts- und
Wachstumspakt massiv zu gefährden.
Nach entsprechenden Andeutungen aus Brüssel schrieb Eichel in
einem am Freitag vorab veröffentlichten Beitrag für die
"Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ), eine Verschärfung des
Defizitverfahrens gegen Deutschland sei "unangebracht". Würde man
in der aktuellen Schwächephase der Wirtschaft den Sparkurs noch
weiter anziehen, könnte das den heraufziehenden Aufschwung
gefährden. "Die Koalition ist das Beerdigungsinstitut des
Stabilitätspakts", kritisierte dagegen der CDU-Finanzpolitiker
Steffen Kampeter. Und sein FDP-Kollege Günter Rexrodt warnte: "Das
wird Wirkungen haben auf ganz Europa."
Am Vorabend hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags Eichels Entwurf
für den Bundeshaushalt 2004 noch einmal leicht verändert und
an die Zahlen der jüngsten Steuerschätzung angepasst. Der
Etat schließt nun mit einem Defizit von 29,3 Milliarden Euro ab,
das sind 1,5 Milliarden Euro weniger als Eichel ursprünglich
geplant hatte. Das entspricht laut Opposition einer Defizitquote von
erneut rund vier Prozent. Zudem wird mit sieben Milliarden Euro
Privatisierungserlösen kalkuliert, um das Vorziehen der
Steuerreform und neue Haushaltslöcher des Bundes abzudecken. Die
Reformpläne der Regierung, die noch im Vermittlungsverfahren
stehen, sind bereits in den Etat eingearbeitet worden.
EU-Währungskommissar Pedro Solbes erklärte in Ljubljana, die
EU-Kommission erwäge, Deutschland bis 2005 Zeit zu geben, um
wieder unter die EU-Defizitgrenze von drei Prozent zu kommen. Am Vortag
hatte ein Kommissionssprecher noch gesagt, die EU könnte von
Deutschland zusätzliche Sparbemühungen fordern.
Eichel warnte in der "FAZ", der Stabilitätspakt fordere nirgends,
dass die Unterzeichnerstaaten eine prozyklischen Politik betreiben,
also in wachstumsschwachen Zeiten bei hoher Verschuldung
zusätzlich sparen müssten. Vielmehr stelle der Pakt einen
flexiblen ökonomischen Handlungsrahmen dar. Er sei kein
Strafgesetzbuch, das formal angewendet werden dürfte. Eichel
verteidigte die Regierungsabsicht, dem Wachstum mit dem Vorziehen der
Steuerreform einen Impuls zu geben.
Der SPD-Finanzexperte Walter Schöler (SPD) warnte die Kommission
mit Blick auf Sparauflagen: "Die EU sollte genau überlegen, was
sie tut." Seine Grünen-Kollegin Antje Hermenau sagte, die von der
EU und Solbes geäußerten Warnungen bezögen sich auf die
Befürchtung, dass die anstehenden Strukturreformen im
Vermittlungsausschuss scheitern könnten. Die Union habe es aber in
der Hand, dies zu verhindern.
Der Haushaltsausschuss behielt sich nach den Worten Schölers und
Hermenaus im übrigen das Recht vor, dass ihm ein
Vermittlungsergebnis zu den anstehenden Reformen im Januar zur
Zustimmung vorgelegt wird. Er wird die Haushaltsauswirkungen eines
Ergebnisses noch einmal gesondert abschätzen.
"Das ist der schlechteste Haushalt, den ich in meiner 21-jährigen
Parlamentsarbeit erlebt habe", kritisierte der CDU-Haushaltexperte
Dietrich Austermann. Sein CSU-Kollege Bartholomäus Kalb sagte
voraus, Deutschland werde weit über 2004 hinaus das
europäische Defizitkriterium verletzen. Rexrodt nannte den
beschlossenen Bundeshaushalt verfassungswidrig, nicht
beschlussfähig und realitätsfern. Die Opposition bezifferte
die Risiken im Haushalt auf zwölf bis 20 Milliarden Euro.
Die Koalitions-Finanzpolitiker Schöler und Hermenau verteidigten
den Etat als stimmig. Sie gehen auch nicht davon aus, dass nach dem
Vermittlungsverfahren zu den Reformen gleich wieder ein
Nachtragshaushalt notwendig wird. Für den schlimmsten Fall, dass
alle Reformen der Regierung scheitern, sieht Hermenau ein Etatrisiko
von neun bis zehn Milliarden Euro.
(Quelle: rtr)
Verband der Elektrizitätswirtschaft für
Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken
VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller: Rot-Grün habe
bis jetzt nicht glaubhaft vermittelt, wie der
Kernenergie-Ausstieg mit einer deutlichen Reduktion der
Treibhausgase einher gehen könne - Atomenergie könnte
langfristig wieder eine Option sein - Im Fall eines Regierungswechsels
2006 würden die Karten neu gemischt - International und in Europa
gebe es den Trend, weiter auf Atomkraft zu setzen +++ Umweltminister
Jürgen Trittin (Grüne) betont, dass Atomenergie in
Deutschland keine Zukunft habe
Sa.15.11.03 - Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) hat sich mit Blick
auf die anspruchsvollen Klimaschutzziele der Bundesregierung für
eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ausgesprochen.
"Wenn tatsächlich die Klimavorsorge brennender wird, muss man
über eine Laufzeitverlängerung nachdenken", sagte der
VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller in einem
Reuters-Interview am Freitag in Berlin. Rot-Grün habe bis jetzt
nicht glaubhaft vermitteln können, wie der Ausstieg aus der
Kernenergie mit einer deutlichen Reduktion der Treibhausgase einher
gehen könne. Er unterstütze Ex-Wirtschaftsminister Werner
Müller (parteilos) in der Ansicht, dass Atomenergie langfristig
wieder eine Option sein könnte. Im Fall eines Regierungswechsels
2006 würden die Karten neu gemischt: "Neues Spiel, neues
Glück... Politik und Wirtschaft müssen sich immer so
aufstellen, dass man sich unter neuen Rahmenbedingungen neu aufstellen
muss", fügte Meller hinzu. In diesem Falle wären
Laufzeitverlängerungen vorstellbar. In Deutschland würde dies
von der konkreten Anlage abhängen. In den USA beispielsweise seien
erste Genehmigungen zu Laufzeiten von Atomkraftwerken auf 60 Jahre
verlängert worden. An der Ausstiegsvereinbarung mit Rot-Grün
werde die Branche jedoch nicht rütteln.
Am Freitag war erstmals seit den Vereinbarungen über den
Atomausstieg in Deutschland mit dem Atommeiler im
niedersächsischen Stade ein Kernkraftwerk endgültig
abgeschaltet worden. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne)
hatte zu einer Feier anlässlich des Ereignisses geladen und dabei
betont, dass Atomenergie in Deutschland keine Zukunft habe.
Meller sagte dazu: "Ich weiß nicht, was es da zu feiern gibt. Das
ist ein normaler Vorgang, wenn ein Kraftwerk abgeschaltet wird. Die
Grünen sehen darin natürlich ein Symbol." Ob Stade
tatsächlich eine Vorreiterrolle spiele, bleibe abzuwarten. Meller
betonte, international und in Europa gebe es einen gegenläufigen
Trend: In Finnland werde im kommenden Jahr ein neues Atomkraftwerk
gebaut. Frankreich habe beschlossen, weiter auf Atomstrom zu setzen.
Auch Tschechien setze weiter auf Kernkraft. In China und Russland seien
derzeit mehrerer Kernkraftwerke im Bau. "Auf Grund dieser Entwicklung
sehe ich Deutschland nicht als Vorreiter." Es bestehe vielmehr die
Gefahr, dass die deutsche Energiebranche ins Hintertreffen gerate.
Meller betonte, die Energiewirtschaft müsse zusätzlich zum
Atomausstieg zwischen 2010 und 2020 rund 40.000 Megawatt Stromleistung
durch den Bau neuer Kraftwerke ersetzen. Es sei nicht klar, wie diese
Lücke geschlossen werden könne. Erneuerbare Energien und
Energieeffizienz könnten dies entgegen aller Ankündigungen
Trittins nicht leisten, so dass zusätzlich fossile
Energieträger mit der bekannten CO2-Problematik eingesetzt werden
müssten.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv
Atomausstieg beginnt: Stade geht vom Netz
Umweltminister Trittin: Deutschland wird etwa im Jahr 2020 frei von Kernenergie
sein. Greenpeace-Expertin: Es sei nicht klar, ob alles so kommt - Die
Energiekonzerne 'lauern nur auf den nächsten
Regierungswechsel und hoffen, dass der Ausstieg rückgängig
gemacht wird.'
Fr.14.11.03 - Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg beginnt heute mit
der Stilllegung des ersten Kraftwerkes. Nach 31 Jahren Stromproduktion
schaltet der E.ON-Konzern den Atommeiler im niedersächsischen
Stade ab. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte in
einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "In Stade wird
sichtbar Ernst gemacht mit dem Atomausstieg."
Für die Umweltschutzorganisation Greenpeace ist die Stilllegung
jedoch noch kein Grund zum Feiern. Bislang habe es 19 Atomkraftwerke
gegeben, jetzt seien es eben 18, sagte die Atomexpertin Susanne Ochse
der dpa: "Luftsprünge und eine Party gibt es erst, wenn das letzte
Atomkraftwerk vom Netz ist."...
Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0311140.htm#03111421
Mehr zum Thema Atomausstieg unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0311140.htm#031114_r
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Grünen-Politiker Schaar neuer Beauftragter für Datenschutz
Sa.15.11.03 - Der Grünen-Politiker Peter Schaar wird neuer Bundesbeauftragter
für den Datenschutz. Der Bundestag wählte den
49-jährigen Hamburger am Freitag für eine Amtszeit von
fünf Jahren. Der Internetexperte tritt die Nachfolge von Joachim
Jacob an, dessen Amtszeit bereits Ende Juli ausgelaufen war. Die Union
äußerte Zweifel an der Kompetenz Schaars und stimmte bei der
Wahl gegen ihn. In der Regel wird über die Besetzung des Postens
im Konsens entschieden.
Die Grünen hatten sich das Vorschlagsrecht für den neuen
Datenschutzbeauftragten bei den Koalitionsverhandlungen im vergangenen
Jahr gesichert. Die Nominierung hatte sich allerdings verzögert:
Erst vier Monate nach Ende der Amtszeit Jacobs benannte das Kabinett in
der vergangenen Woche Schaar als Kandidaten für die Nachfolge.
Die Grünen sprachen am Freitag von einer "ausgezeichneten Wahl".
Auf Grund seiner vielseitigen Erfahrung in Politik und Wirtschaft
bringe der anerkannte Experte beste Voraussetzungen für sein neues
Amt mit, erklärten die Fraktionsvorsitzenden Krista Sager und
Katrin Göring-Eckardt. "Wir sind uns sicher, dass der Schutz
unserer Privatsphären in seinen Händen sicher aufgehoben ist."
Die Union zeigte sich von der Kompetenz Schaars dagegen nicht
überzeugt. Bei einem Gespräch im September habe sich Schaar
"nicht willens oder nicht in der Lage gezeigt, zu wichtigen und
aktuellen Datenschutzfragen eine klare Position zu beziehen",
erklärten Fraktionsvize Wolfgang Bosbach und die Innenexperten
Hartmut Koschyk und Thomas Strobl.
Schaar war von 1997 bis 2000 Vorstandssprecher der Hamburger
Grünen und von 1994 bis 2002 stellvertretender
Datenschutzbeauftragter des Landes. Im vergangenen Jahr verabschiedete
er sich vorübergehend aus dem Staatsdienst und machte sich mit der
Firma PrivCom selbstständig. Der Experte für
Internetsicherheit beriet bis letzten Monat Unternehmer in
Datenschutzfragen.
(Quelle: ap)
Mehr bei heise-online (14.11.03) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anm-14.11.03-000/
Rundfunkreform: Streit unter den Ministerpräsidenten
Sa.15.11.03 - Unter den Ministerpräsidenten der Länder ist ein Streit um
die künftige Rundfunkpolitik aufgebrochen. Mecklenburg-
Vorpommerns Regierungschef Harald Ringstorff (SPD) kritisierte am
Freitag zum Abschluss der Ministerpräsidentenkonferenz in
München scharf die von Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen
eingebrachten Vorschläge zur Reform von ARD und ZDF. Er warf
seinen drei Länderkollegen vor, mit einem Nein zur
Gebührenerhöhung die Existenz kleinerer Anstalten aufs Spiel
zu setzen.
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) bekräftigte
dagegen die Absicht, durch drastische Sparmaßnahmen höhere
Gebühren zu vermeiden. "Eine Reihe von Ministerpräsidenten
hat klipp und klar deutlich gemacht, dass ohne tief greifende
Strukturreformen eine Veränderung bei den Gebühren
ausgeschlossen ist." Er verwies darauf, dass für eine Anhebung der
Gebühren Einstimmigkeit in der Länderrunde notwendig ist.
Ringstorff, der bei der abschließenden Pressekonferenz neben
Unionssprecher Stoiber die SPD-geführten Länder vertrat,
sprach sich ebenfalls für Einsparungen aus. Allerdings
müssten die Anstalten Garant der Grundversorgung bleiben
können: "Die Rundfunkgebühr kostet etwa halb so viel wie eine
Tageszeitung im Monat. Man muss die Dinge auch im Lot lassen."
Die derzeitige Monatsgebühr von 16,15 Euro gilt auf jeden Fall
noch bis Ende 2004. Die unabhängige Kommission zur Ermittlung des
Finanzbedarfs der Sender (KEF) hat in einem ersten Zwischenbericht eine
Anhebung um 1,07 Euro auf 17,22 zum 1. Januar 2005 vorgeschlagen. Der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte:
"Die Größenordnung, die jetzt genannt ist, ist so daneben
nicht." Am Freitag beriet die KEF in Mainz erneut über die
inzwischen vorliegenden Fakten. Das Gremium will seinen
endgültigen Gebührenvorschlag am 8. Januar
veröffentlichen.
Am Donnerstag hatten sich die Länderchefs darauf verständigt,
den umstrittenen Dreier-Vorschlag ihrer Kollegen an die
Rundfunkkommission zu überweisen, die von Beck geleitet wird.
Entscheidungen sollen erst bei der nächsten
Ministerpräsidentenkonferenz im März fallen.
Ringstorff und Beck lehnten vor allem die vorgeschlagene Zusammenlegung
der Kulturkanäle 3sat und Arte sowie einen Rückzug bei der
Digitalisierung ab. Einige Sender hätten bereits Einsparungen von
30 Prozent erbracht, sagte Ringstorff: "Man muss hier sehr
differenziert drangehen und kann nicht den Rasenmäher darüber
schieben."
Der ARD-Vorsitzende Jobst Plog wertete die Ergebnisse von München
als "Etappensieg der Vernunft". Da es keinen Beschluss für die
Spar- und Strukturvorschläge der drei Länderchefs gegeben
habe, könne der Fahrplan der KEF weiter eingehalten werden. Es
komme jetzt darauf an, mit den Ländern in einen konstruktiven und
sachorientierten Dialog einzutreten, sagte Plog. "Die ARD ist dazu
bereit.". In vielen Punkten habe der Senderverbund längst
Vorleistungen erbracht. So wolle die ARD bis zum Ende der nächsten
Gebührenperiode 4,8 Prozent der festen Stellen abbauen und damit
fast so viel wie die in dem Drei-Länder-Papier geforderten 5
Prozent.
Eine Einbeziehung der Privatsender in die Reformdebatte verlangte der
Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT). VPRT-
Präsident Jürgen Doetz appellierte an die
«reformbereiten Länder», ihren Kurs konsequent
fortzusetzen.
(Quelle: dpa)
Bunte TV - Die Promiseuche im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat
einen neuen Höhepunkt erreicht
Darauf hat die Fernsehnation gewartet: Die Königin der deutschen
Klatschpresse hat angebandelt mit dem Ersten Deutschen Fernsehen und
ging am Freitag Abend in Gestalt von Bunte TV erstmals auf Sendung -
präsentiert von Bunte-Chefredeakteurin Patricia Riekel
höchstselbst. Weil Prominente nicht mit Hinz und Kunz reden und
sie erst recht nicht in ihre Privaträume reinlassen. Dass Hinz und
Kunz die Aufzeichnung von Riekels Promi-Besuchen auf dem heimischen
Bildschirm sehen könnten, tut nichts zur Sache...
...Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass das
öffentlich-rechtliche Fernsehen einen Pakt eingeht mit einem
Klatschblatt. Schon die Überlegung, wer da eigentlich von wem
profitiert, beziehungsweise wer wem Geld gibt, sollte man sich
verkneifen. Ein Anruf in der Redaktion von Bunte TV beim Hessischen
Rundfunk macht deutlich: Allein die Frage, ob Bunte TV durch
GEZ-Gebühren finanziert wird, ruft Empörung hervor.
Selbstverständlich werde Bunte TV über einen Mix aus GEZ,
Werbeeinnahmen und Sponsoring finanziert. Wie jede andere Sendung des
ARD auch. Das sei schon immer so gewesen und sei auch so üblich.
Die GEZ alleine reiche ja leider nicht aus. So eine der Redakteurinnen
von Bunte TV gegenüber Telepolis...
Aus telepolis vom 14.11.03:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/glosse/16088/1.html
Blick ins Archiv
Kostendruck in den Redaktionen
Deutscher Journalistenverband sieht Medienlandschaft durch den
Kostendruck in den Redaktionen ernsthaft bedroht - Journalistische
Qualität werde in Mitleidenschaft gezogen +++ Heftige Kritik
an den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern: Bei ARD und ZDF
würden Nachrichten immer unpolitischer
Di.11.11.03 - Nach Einschätzung des Deutschen Journalistenverbands (DJV) ist die
bundesdeutsche Medienlandschaft durch den Kostendruck in den
Redaktionen ernsthaft bedroht...
...Heftige Kritik übte Lautenbach an den öffentlich-rechtlichen
Fernsehsendern. Bei ARD und ZDF würden die Nachrichten immer
unpolitischer. Schleichwerbung und seichteste Unterhaltung führten
dazu, dass die Öffentlich-Rechtlichen von den Privatsendern kaum
noch zu unterscheiden seien. Damit gefährdeten ARD und ZDF immer
mehr ihre Finanzierung über Gebühren...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311110.htm#03111123
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Neuer E-Mail-Wurm fragt nach Kreditkartennummer
Sa.15.11.03 - Ein heimtückischer neuer E-Mail-Wurm kursiert im Internet: Er gibt
sich als Post des Zahlungssystems PayPal vom Internet-Auktionshaus eBay
aus und behauptet, die Nutzungslizenz sei abgelaufen. Der
Empfänger soll unter anderem seine Kreditkartennummer angeben.
"Ahnungslose Nutzer geben die sensiblen Daten ein, die dann automatisch
an vier Adressen verschickt werden", sagte der Karlsruher Virenexperte
Christoph Fischer der Nachrichtenagentur dpa.
(Quelle: dpa)
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