Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertdreiundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Truppen bleiben nach Auflösung der Zivilverwaltung in Irak +++
Paris geht Machtübergabe im Irak zu langsam +++ Republikanischer
US-Außenpolitiker Scowcraft stellt Irak-Politik von
Präsident George W. Bush in Frage: Irak als Ausgangspunkt für
kurzfristige Demokratisierung des gesamten Nahen Ostens zu nutzen
sei unrealistisch +++ Weltbank-Präsident fordert Schuldenerlass
für Irak +++ 17 Tote bei US-Hubschrauberabstürzen in Nordirak
+++ US-Truppen greifen mutmaßliches Ausbildungslager in Irak an
+++ Angebliches Saddam-Tonband ruft Iraker zu Widerstand auf +++
Offenbar keine Beweise für Terroristen-Bewaffnung durch Saddam
Hussein
Mo.17.11.03 - Die US-Truppen werden auch nach Auflösung der Zivilverwaltung Ende
Juni kommenden Jahres weiter in Irak bleiben. Die US-geführten
Streitkräfte blieben "auf Einladung der Iraker" im Land, sagte ein
Vertreter der Besatzungstruppen am Sonntag. Die "Besatzung" würde
offiziell am 30. Juni 2004 enden. Gemäß des Abkommens
zwischen der US-Zivilverwaltung (CPA) und dem irakischen Regierungsrat
soll zu diesem Termin eine Übergangsregierung eingesetzt und
gleichzeitig die von Paul Bremer geleitete CPA aufgelöst werden.
Dann soll eine irakische Übergangsregierung die volle politische
Verantwortung übernehmen.
Der französische Außenminister Dominique de Villepin hat
sich für eine noch schnellere Machtübergabe in Irak
ausgesprochen, als die USA dies nunmehr planen. Angesichts der
dramatischen Lage vor Ort sei der Amtsantritt einer irakischen
Übergangsregierung erst im Juni 2004 zu spät, sagte de
Villepin in einem am Montag veröffentlichten Interview der
französischen Tageszeitung "Le Croix". Er sprach sich dafür
aus, eine solche Interimsregierung schon bis Ende dieses Jahres
einzusetzen.
"Es gibt in Bagdad bereits einen vorläufigen Regierungsrat, einen
Verfassungsausschuss und einen Ministerrat", erklärte de Villepin.
Jedes dieser Gremien habe 25 Mitglieder, die man in einer Art
parlamentarischen Versammlung zusammenbringen könnte. Man brauchte
dann nur noch ein paar zusätzliche Mitglieder zu ernennen, um eine
repräsentative Volksvertretung zu haben. Diese könnte eine
Übergangsregierung aus etwa 15 Ministern wählen.
All dies sei bis Ende dieses Jahres zu schaffen, betonte der
französische Außenminister. Vielleicht sei ein solcher
Prozess mit gewissen Risiken verbunden, doch Abwarten und den Status
quo beizubehalten, sei noch gefährlicher. Die Errichtung einer
Interimsregierung wäre dagegen ein Symbol für die
Souveränität der Iraker, die damit allmählich die Macht
in ihrem Lande zurückgewinnen könnten.
Der einflussreiche republikanische US-Außenpolitiker Brent
Scowcroft hat die Irak-Politik von Präsident George W. Bush in
Frage gestellt. Im Interview mit der "Financial Times Deutschland"
(Montagsausgabe) verwarf der frühere Nationale Sicherheitsberater
von Ex-Präsident George Bush Senior das Vorhaben der Regierung,
Irak als Ausgangspunkt für die Demokratisierung des gesamten Nahen
Ostens zu nutzen. Die Vorstellung, die Region kurzfristig in eine Menge
parlamentarischer Demokratien zu verwandeln, sei nicht nur
unrealistisch, sondern könne auch gefährlich sein. In
Algerien sei so etwas vor einem Dutzend Jahren versucht worden - "mit
dem Ergebnis, dass es im vergangenen Jahrzehnt einen Bürgerkrieg
gab".
Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den USA Solidarität bei
der Befriedung des Irak zugesichert. Der gesamte Friedensprozess im
Nahen und Mittleren Osten sei ein elementares Interesse von Deutschland
und Europa. Das sagte Schröder auf der Europa-Konferenz der SPD in
Bochum. Konkrete Angebote machte der SPD-Vorsitzende in seiner Rede
aber nicht.
Weltbank-Präsident James Wolfensohn hat erneut gefordert, Irak
zumindest teilweise die Schulden zu erlassen. "Man kann nicht mit dem
Wiederaufbau des Landes beginnen, ohne dass man neues Geld zur
Verfügung stellt und die Schulden zumindest teilweise
erlässt", sagte Wolfensohn dem "Handelsblatt" (Montagausgabe).
Nach Angaben des Weltbank-Präsidenten beträgt der
Schuldenberg des Landes derzeit rund 140 Milliarden Dollar.
Es gebe zwei extreme Szenarien, sagte Wolfensohn weiter: "Man kann sich
einen friedlichen Irak vorstellen, der über eine florierende
Ölindustrie verfügt und keine Schulden zurückzahlen
muss." Bei der anderen Variante "haben wir keinen Schuldenerlass und
Chaos."
Beim Absturz zweier Kampfhubschrauber in Nordirak sind 17 US-Soldaten
ums Leben gekommen. Fünf Soldaten hätten die Kollision der
Blackhawk-Hubschrauber über der Stadt Mossul verletzt
überlebt, einer werde noch vermisst, sagte ein
US-Militärsprecher. Ein irakischer Polizist sagte, die beiden
Blackhawks seien bei einem Einsatz gegen irakische Angreifer
zusammengestoßen.
Der Absturz der Kampfhubschrauber ist der bislang folgenschwerste seit
dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen am 1. Mai. Dem irakischen
Polizisten zufolge griff eine Gruppe Bewaffneter eine
US-Armeepatrouille in Mossul an. Daraufhin habe ein Blackhawk die
Angreifer aus der Luft beschossen. Als auf diesen eine Rakete
abgefeuert worden sei, habe er ausweichen wollen und sei mit dem
zweiten Hubschrauber kollidiert. Augenzeugen zufolge wurde ein
Helikopter von einer russischen Boden-Luft-Rakete vom Typ SAM-7
getroffen. Ein Sprecher des US-Zentralkommandos kommentierte die
Angaben nicht. Wie ein AFP-Reporter berichtete, stürzte einer der
Hubschrauber in eine Schule, der andere in ein Wohnhaus.
Erstmals seit dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen setzten die
US-Truppen wieder eine Lenkrakete ein. Wie ein US-Militärsprecher
mitteilte, traf die "taktische Rakete" ihr Ziel 25 Kilometer westlich
der nordirakischen Stadt Kirkuk, wo sich ein Trainingslager von
Anhängern des entmachteten Staatschefs Saddam Hussein befinde.
Der gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein hat dem
Fernsehsender El Arabija zufolge in einer ihm zugeschriebenen
Tonbandaufnahme die Iraker zum Widerstand gegen die Besatzungstruppen
aufgefordert.
"Bekämpfe sie ... dies ist eine legitime, patriotische und
humanitäre Pflicht und die Besatzer haben keine andere Chance als
unseres Land Irak zu verlassen ...". sagte ein Mann, dessen Stimme wie
die von Saddam klang, auf dem am Sonntag ausgestrahlten Band. In
Washington kündigte ein CIA-Sprecher an, die Stimme auf dem
Tonband zu untersuchen.
In den vergangenen Monaten sind wiederholt Tonbänder aufgetaucht,
auf denen sich eine Saddam zugeschriebene Stimme an das irakische Volk
richtete. Es wird vermutet, dass sich Saddam seit seinem Sturz im April
auf der Flucht vor den US-Besatzungsgruppen noch im Irak befindet. Bei
einem am 17. September abgespielten angeblichen Saddam-Tonband hatte
der CIA erklärt, wahrscheinlich sei es die Stimme Saddams gewesen.
Die USA werden nach den Worten von US-Präsident George W. Bush
erst dann aus dem Irak oder Afghanistan abziehen, wenn sie dort ihre
Ziele einer freien und demokratischen Gesellschaft erreicht
hätten. Zu diesen Zielen gehöre, den gestürzten
irakischen Präsidenten Saddam und den Moslem-Extremisten Osama bin
Laden zu finden, hatte Bush am Freitag gesagt.
Unterdessen wurde der Vize-Gouverneur von Kirkuk, Ismail Ahmed Radschab
el Hadidi, bei einem Attentat am Abend verletzt. Das teilte Hadidi mit.
Sein Chauffeur sei schwer verletzt worden, als vier Unbekannte sein
Auto im Zentrum der nordirakischen Stadt beschossen hätten, sagte
Hadidi im Krankenhaus von Kirkuk. Die Angreifer seien entkommen.
Inspekteure der CIA haben einem Zeitungsbericht zufolge keine Beweise
dafür gefunden, dass der entmachtete irakische Präsident
Saddam Hussein Terroristen mit Waffen ausgerüstet haben
könnte. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Irak versucht habe,
chemische oder biologische Waffen an Terroristen zu liefern, zitierte
die "Washington Post" am Sonntag aus einem Bericht über die Suche
der US-Inspekteure nach angeblichen Massenvernichtungswaffen in Irak.
Die USA hatten ihren Angriff auf Irak vor allem damit begründet,
dass Saddam Hussein an der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen
arbeite.
(Quellen: afp, rtr, ap, dpa)
Großbritannien bereitet sich auf Besuch von George W. Bush vor
London bereitet sich auf den brisantesten Staatsbesuch seit Jahren vor:
Sobald die Präsidenten-Maschine Air Force One mit George W. Bush
und Gattin Laura an Bord Dienstagabend landet, treten
Sicherheitsvorkehrungen in Kraft, wie sie die britische Hauptstadt noch
nie erlebt hat.
Während der knapp dreitägigen Visite des US-Präsidenten
bei seinem engsten Verbündeten werden 250 amerikanische Agenten und
Bodyguards sowie 5000 britische Bobbys einen weiträumigen
Sicherheitskordon um Bush und seine rund 500 Köpfe starke Entourage
ziehen - nicht zuletzt um ihm den unschönen Anblick von
Demonstranten zu ersparen....
Mehr bei Spiegel-Online (17.11.03) unter:
Mehr unter:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,druck-274179,00.html
Welcome to Chasing Bush - the very first project of the passive
resistance network:
http://www.interwebnet.org/
|
Französische UN-Mitarbeiterin in Afghanistan erschossen
Mo.17.11.03 - Eine französische Mitarbeiterin des UN-Flüchtlingshilfswerks
(UNHCR) ist am Sonntag in Afghanistan erschossen worden. Ein Mann
eröffnete von einem Motorrad aus das Feuer auf das als UN-Fahrzeug
kenntlich gemachte Auto der Französin, wie ein Sprecher der
Vereinten Nationen, David Singh, in Kabul mitteilte. Sie ist das erste
Todesopfer unter Mitarbeitern von UN-Hilfsorganisationen seit deren
Rückkehr nach dem Sturz des Taliban-Regimes. Das UNHCR gab ihren
Namen mit Bettina Goislard an.
Afghanische Polizisten schossen auf das Motorrad und verletzten dabei
einen der beiden darauf fahrenden Männer. Beide seien festgenommen
worden, sagte ein Behördensprecher. Der Zwischenfall ereignete
sich in einem Einkaufsbezirk der mittelafghanischen Stadt Ghasni.
Die schwer verletzte Französin sei auf dem Weg ins Krankenhaus
gestorben, hieß es weiter. Ihr Fahrer, ein Afghane, habe einen
Armschuss erlitten und befinde sich in stabilem Zustand im Krankenhaus,
sagte Singh.
Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Der Gouverneur von
Ghasni, Asadullah Chan, erklärte jedoch, bei den Festgenommenen
handele es sich um Taliban-Kämpfer.
Das UNHCR äußerte sich schockiert über die Bluttat. Die
29 Jahre alte Goislard sei in Ghasni beliebt und wegen ihrer
unermüdlichen Einsatzbereitschaft respektiert gewesen,
erklärte das Hilfswerk in Genf. Sie habe die Rückkehr von
55.000 Flüchtlingen nach Ghasni betreut und eng mit den lokalen
Behörden zusammengearbeitet.
Ghasni liegt 200 Kilometer südwestlich von Kabul. Singh sagte, die
Vereinten Nationen hätten alle Mitarbeiter in Kandahar sowie in
Gardes östlich von Ghasni und Dschalalabad angewiesen, ihre
Bewegungen zu reduzieren und ihre einheimischen Mitarbeiter nach Hause
zu schicken. Die afghanische Regierung habe zusätzliche
Sicherheitskräfte zur Verfügung gestellt, um UN-Mitarbeiter
in Ghasni und Gardes zu schützen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Palästinensische Autonomiebehörde sieht gute Chancen für
Waffenstillstand. Hamas macht Zustimmung von Beendigung der
israelischen Militäraktionen in den besetzten Gebieten
abhängig +++ Israel warnt Syrien vor weiterer Hilfe für
Extremisten +++ Israels Armee straft Soldaten wegen Misshandlung von
Palästinensern
Mo.17.11.03 - Die palästinensische Autonomiebehörde sieht gute Chancen
für eine Waffenstillstandserklärung der militanten
Untergrundorganisationen. Es gebe "positive Anzeichen" seitens der
palästinensischen Gruppen, sagte ein Mitarbeiter von
Ministerpräsident Ahmed Kureia am Sonntag. Kureia hatte zuvor
angekündigt, schon in den nächsten Tagen
Waffenstillstandsverhandlungen aufzunehmen. Die militante Hamas machte
ihre Zustimmung aber von einer Beendigung der israelischen
Militäraktionen in den besetzten Gebieten abhängig.
"Wenn man die israelische Aggression stoppen kann und Israel und
Amerika ein Friedensangebot machen, dann werden wir es untersuchen",
sagte der Leiter des politischen Büros der Hamas, Chalid Maschaal,
am Sonntag in Beirut. Gleichzeitig rief er radikale Islamisten zum
Kampf gegen Israel und gegen die US-Besatzungstruppen in Irak auf.
Darauf sollten sich die Extremisten konzentrieren, sagte Maschaal, der
die jüngsten Selbstmordanschläge in der saudiarabischen
Hauptstadt Riad verurteilt hatte.
Auch der geistige Führer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, lehnte
eine bedingungslose Beendigung der Anschläge in Israel ab. Er
befürworte einen Dialog mit Kureia, "aber in der
gegenwärtigen Situation können wir nicht über eine
Waffenruhe reden."
Kureias engster Mitarbeiter Hassan Abu Libdeh zeigte sich dennoch
zuversichtlich, was die Friedensbereitschaft der palästinensischen
Gruppen angehe: «Ich glaube, wenn Israel es ernst meint, sind sie
bereit, so weit wie möglich zu gehen.»
Israel wiederum schien zu erwarten, dass die palästinensische
Seite den ersten Schritt tut. Sollte die Autonomiebehörde den
Terror unter Kontrolle bringen, werde Israel positiv reagieren und "es
wird keinen Bedarf für unsere Militäraktionen geben", sagte
der israelische Regierungsberater Raanan Gissin am Samstag.
Kureia erklärte, die Verhandlungen mit den militanten
Organisationen würden bald nach der Ankunft des ägyptischen
Vermittlers Omar Suleiman am Montag beginnen. Der Geheimdienstchef
hatte bereits bei der Aushandlung der letzten Waffenruhe geholfen.
Der Stabschef der israelischen Streitkräfte, Generalleutnant
Mosche Jaalon, hat derweil Syrien mit neuen Angriffen gedroht, falls
die Regierung in Damaskus ihre Unterstützung für
palästinensische und libanesische Extremisten nicht einstelle.
"Wenn Syrien die Botschaft ignoriert, die von Israel und von der
internationalen Staatengemeinschaft übermittelt wurde, dann
könnte es möglicherweise notwendig sein, eine weitere
Botschaft auszusenden", sagte Jaalon am Sonntag bei einer Rede an der
Universität von Tel Aviv.
Israelische Kampfflugzeuge bombardierten am 5. Oktober einen
Stützpunkt nahe Damaskus, der Angaben aus Jerusalem zufolge dem
Islamischen Dschihad als Trainingslager diente. Die militante
palästinensische Organisation hatte sich zu einem
Selbstmordanschlag bekannt, bei dem am Tag zuvor in Haifa 21 Menschen
getötet worden waren. Die Regierung in Damaskus warnte Israel
seinerzeit vor neuen Übergriffen auf ihr Territorium. Jaalon
erklärte jedoch, Syrien trage eine Mitverantwortung für die
Terrorakte von Gruppen, die von seinem Boden oder von Libanon aus
operierten.
Wegen der Misshandlung von Palästinensern hat die israelische
Armee zwei Soldaten mit Haftstrafen belegt.
Ein Offizier niederen Ranges sei zu einer zweiwöchigen Haft
verurteilt und aus dem Dienst entlassen worden, weil er während
eines Einsatzes im Westjordanland eine Betäubungsgranate auf
palästinensische Kinder geworfen habe, teilte die Armee am Sonntag
mit. Der Vorfall habe sich vor einigen Wochen in der Nähe einer
jüdischen Siedlung ereignet. Die Kinder hätten sich an einer
Straße versammelt. Keines von ihnen sei verletzt worden. Im
zweiten Fall handelte es sich den Angaben zufolge um einen Soldaten,
der einen Palästinenser während eines Streits in der
Nähe der Stadt Kalkilja im Westjordanland getreten habe. Der Mann
sei zu 35 Tagen Haft verurteilt worden.
Palästinenser beklagen sich häufig darüber, dass
israelische Offiziere und Soldaten für Misshandlungen an
palästinensischen Zivilisten nicht bestraft würden. In den
Palästinenser-Gebieten hält seit mehr als drei Jahren ein
Aufstand gegen die israelische Besatzung palästinensischer Gebiete
an.
(Quellen: ap, rtr)
Initiatoren der 'Genfer Friedensinitiative' starten Kampagne
Mo.17.11.03 - Die Initiatoren der "Genfer Friedensinitiative" zur friedlichen
Beilegung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern haben
am Sonntag in Israel eine landesweite Post- und Medienkampagne
gestartet. Rund zwei Millionen Exemplare des Textes ihres von der
Regierung nicht anerkannten Friedensplans ('Genfer Abkommen') wurden an israelische
Haushalte versandt; gleichzeitig wurden die Vereinbarungen in
israelischen und palästinensischen Zeitungen veröffentlicht.
Ausgaben auf Russisch und Arabisch sollten den Initiatoren zufolge in
den kommenden Wochen zur Verfügung stehen.
Die Initiatoren des 'Genfer Abkommens' mussten jedoch bereits eine
erste Schlappe einstecken: Die Ausstrahlung eines Radiowerbespots wurde
vom öffentlichen israelischen Rundfunk kurzerhand verboten. In
einer Stellungnahme der Führung der Rundfunkanstalt hieß es,
bei dem Radiowerbespot handele es sich um ein "kontroverses politisches
Thema".
(Quellen: afp, sz)
Bei dem sogenannten 'Genfer Abkommen'
handelt es sich um einen inoffiziellen Friedensvorschlag, ausgehandelt
von früheren israelischen und palästinensischen Offiziellen
...Im 'Genfer Abkommen' wird zur vollständigen (wechselseitigen)
Anerkennung zwischen Israel und dem (künftigen) neuen
Palästinenserstaat aufgerufen - vollwertige diplomatische
Beziehungen inklusive. Anders als berichtet verlangt das Abkommen von
Palästina aber keineswegs, Israel als "jüdischen Staat"
anzuerkennen. Vielmehr soll jeder Staat den andern als "Heimat
('homelands') des jeweils anderen Volkes" anerkennen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311150.htm#031115kd
Mehrere Platzverweise, Rauswürfe aus Sälen, Redeverbot,
Beschimpfungen als Faschist, eine von Ordnern zerrissene
Akkreditierungskarte, das sind die Reaktionen der Veranstalter des
Europäischen Sozialforums (ESF) in Paris auf das Verteilen eines
dreisprachigen Flugblattes der "Aktion 3.Welt Saar" zum Nahostkonflikt.
In dem Papier wird für eine politische Lösung des
Nahostkonfliktes geworben und das Existenzrecht des Staates Israel
anerkannt...
(Quelle: info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/], 16.11.03)
Mehr unter:
http://asia.groups.yahoo.com/group/infopartisan/message/5390
|
Lew-Kopelew-Preis an Israeli und Palästinenser
Der israelische Publizist Uri Avneri und der palästinensische
Politologe Sari Nusseibeh wurden für ihren Kampf um eine
Versöhnung im Nahen Osten ausgezeichnet
Mo.17.11.03 - Für ihren gemeinsamen Kampf um eine Versöhnung im Nahen Osten
sind der israelische Publizist Uri Avneri und der palästinensische
Politologe Sari Nusseibeh mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden
und Menschenrechte ausgezeichnet worden. Bei der Verleihung am Sonntag
in Köln würdigte der frühere israelische Botschafter in
Deutschland, Avi Primor, die Zivilcourage der beiden Preisträger
und ihren "heldenhaften Kampf für Versöhnung und Vertrauen".
Sie lebten beiden Völkern vor, dass es eine Alternative zu Krieg
und Terror gebe.
In einem per Video übermittelten Grusswort sagte
Bundespräsident Johannes Rau, es sei ausserordentlich wichtig,
dass gerade jetzt zwei Menschen geehrt würden, die sich unbeirrt
und gegen alle Widerstände seit vielen Jahrzehnten für
Verständigung und Frieden im Nahen Osten einsetzten. "Menschen wie
Uri Avnery und Sari Nusseibeh verdanken wir es, dass die Hoffnung
bleibt", sagte das Staatsoberhaupt.
Der in Beckum/Westfalen geborene Avneri ist Gründer der
israelischen Friedens- und Menschenrechtsbewegung "Gush Shalom".
Nusseibeh ist Rektor der arabischen Universität Ost-Jerusalem.
Avnery selbst sprach von einer neuen Hoffnung im Friedensprozess: "Es
weht ein neuer Wind. Wir werden alles tun, damit diese Hoffnung
wächst, damit sie zu einer historischen Wende führt."
Nusseibeh betonte, eine friedvolle Zukunft sei nur dann möglich,
wenn beide Seiten ihre angestammten und auch ihre nur vermeintlichen
Rechte hinter das Allgemeinwohl zurückstellten.
Der Lew-Kopelew-Preis wurde zum dritten Mal in Erinnerung an den
russischen Schriftsteller und Menschenrechtler vergeben. Kopelew war am
18. Juni 1997 in Köln gestorben, wo er seit seiner
Ausbürgerung aus der UdSSR gelebt hatte.
(Quelle: ap)
Wie ein Araber und ein Jude gegen Hitler kämpften, dann gegen
einander, und später als Freunde starben
Niemand erinnert sich an das "Palästinensische Regiment". Sogar an
diesem Morgen, dem eigentlichen Gedenktag, werden wenige sich daran
erinnern, dass Araber und Juden einmal gemeinsam unter der britischen
Flagge gegen Nazi-Deutschland und das faschistische Italien
gekämpft haben. Sogar noch weniger werden die
außergewöhnliche Geschichte eines Arabers und eines Juden
kennen, welche Seite an Seite gegen Hitler gekämpft haben, sich
dann zweimal gegenseitig als feindliche Soldaten bekämpft haben –
1948 und 1967 – und darüber wie sie in ihren letzten Jahren
Freunde wurden...
Mehr in einem Text von Robert Fisk ("Das Palästinensische Regiment"), ZNet vom 11.11.003 unter:
http://zmag.de/article/article.php?id=911
http://zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=22&am;ItemID=4507
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Noch keine heiße Spur nach Terroranschlägen
auf Synagogen
in Istanbul
Zahl der Todesopfer auf 23 gestiegen +++ Unter den Getöteten
befinden sich sechs Juden. Die meisten Opfer waren muslimische
Passanten und Anwohner +++ Die Türkei ist das einzige muslimische
Land, das enge Beziehungen zu Israel unterhält +++ El Kaida
bekennt sich offenbar zu Anschlägen +++ Euro in Fernost im Aufwind
- Dollar gibt wegen Attentaten nach
Mo.17.11.03 - Nach den verheerenden Terroranschlägen auf zwei Synagogen in
Istanbul haben die Ermittler offenbar noch keine heiße Spur. Vier
Personen seien nach dem Doppelanschlag mit 23 Toten und mehr als 300
Verletzten festgenommen und verhört, dann aber wieder freigelassen
worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag.
Nach türkischen Angaben mehrten sich die Hinweise auf eine
Verwicklung einer internationalen Terrororganisation,
möglicherweise der El Kaida. Die Behörden machten
Selbstmordattentäter verantwortlich.
Nach den Anschlägen am Samstag hatte sich zunächst die
militante Gruppe Kampffront des Großen Islamischen Ostens
(IBDA-C) zu dem Anschlag bekannt. Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan äußerte jedoch Zweifel, dass die Anschläge von
einer türkischen Organisation allein hätte bewerkstelligt
werden können. "Dieser Vorfall geht, glaube ich, über die
nationale Dimension hinaus auf die internationale", sagte Erdogan.
Unter den Getöteten waren nach Angaben der jüdischen Gemeinde
sechs Juden, bis zu 80 wurden verletzt. Die meisten Opfer waren
muslimische Passanten und Anwohner der beiden Gotteshäuser. Von
den insgesamt 303 Verletzten lagen am Sonntagabend noch 66 im
Krankenhaus.
Der israelische Außenminister Silvan Schalom traf am Sonntag in
Istanbul ein und legte Kränze vor den beiden halbzerstörten
Synagogen nieder. Er äußerte sich zurückhaltend zu dem
Verdacht, das Terrornetzwerk El Kaida könne hinter den
Anschlägen stehen. Es seien noch Untersuchungen nötig, sagte
er dem israelischen Militärrundfunk.
Fast gleichzeitig waren während der Sabbatgebete zwei Autobomben
vor der Neve-Shalom-Synagoge, der größten Istanbuls, und der
fünf Kilometer entfernten Beth-Israel-Synagoge explodiert. Laut
einem Anadolu-Bericht waren die beiden Tatfahrzeuge mit
gefälschten Nummernschildern ausgestattet und mit je 400 Kilogramm
Sprengstoff beladen. Die Sprengsätze seien in Säcke gewickelt
und zwischen Behältern mit Reinigungsmitteln versteckt worden. In
jeder der beiden Synagogen befanden sich zum Zeitpunkt der
Anschläge rund 300 Gläubige.
Die türkische Zeitung "Radikal" berichtete, der israelische
Geheimdienst habe erst im September vor Anschlägen auf
jüdische Einrichtungen in der Türkei gewarnt. Die Türkei
ist das einzige muslimische Land, das enge Beziehungen zu Israel
unterhält. Für einen Angriff auf die Neve-Shalom-Synagoge im
Jahr 1986, bei dem Bewaffnete 22 Menschen töteten, wurden
Palästinenser verantwortlich gemacht.
Der Euro ist am Montag im fernöstlichen Handel auf den
höchsten Stand seit Wochen geklettert und hat damit Händlern
zufolge von der Unsicherheit über die weiteren Entwicklungen im
Nahen Osten profitiert, die von den Anschlägen in Istanbul
ausgelöst worden sei.
Zu den Selbstmordattentaten auf zwei jüdische Gotteshäuser
bekannte sich einer arabischen Zeitung in London zufolge eine Gruppe
der radikal-islamischen Organisation El Kaida. "Mit den Nachrichten von
der El-Kaida-Erklärung ist der Dollar heute neu unter Druck
gekommen", sagte Junya Tanase, Devisenhändler bei JP Morgan Chase
in Tokio.
Mit 1,1845 Dollar erreichte die europäische
Gemeinschaftswährung ein Drei-Wochen-Hoch und baute ihren Auftrieb
im späten New Yorker Handel auf 1,1805 Dollar weiter aus. Der
Dollar hatte bereits nach uneinheitlichen Daten zur US-Konjunktur
nachgegeben. "Der Markt reagiert sehr viel stärker auf negative
Faktoren und der Dollar wird verkauft", sagte ein Händler einer
japanischen Bank.
(Quellen: ap, rtr)
Marokkanischer Autor Choukri gestorben
Mo.17.11.03 - Der marokkanische Schriftsteller Mohamed Choukri ist im Alter von 68
Jahren in Tanger gestorben. Er erlag am Samstag einem Krebsleiden, wie
die Vereinigung marokkanischer Schriftsteller am Sonntag mitteilte.
Choukri galt als einer der bedeutendsten Autoren des nordafrikanischen
Landes. Sein bekanntestes Werk, "Das nackte Brot", war dort allerdings
lange Zeit verboten. Choukri beschrieb darin seine Erfahrungen mit
Drogen und Homosexualität während der Pubertät. Erst
2001, 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung in Paris, durfte das
Buch auch in Marokko erscheinen.
Ins Englische wurde das Buch von dem 1999 in Marokko verstorbenen
US-Schriftsteller Paul Bowles übersetzt, der wie Tennessee
Williams und der französische Autor Jean Genet mit Choukri
befreundet war. Choukri stammte aus armen Verhältnissen. Als Kind
verliess er seine Heimat im Rif-Gebirge und zog nach Tanger, wo er
anfangs auf der Strasse lebte. Erst als Erwachsener lernte er lesen und
wurde schliesslich Lehrer. Bis kurz vor seinem Tod leitete er einen
literarischen Zirkel in einer Bar in Tanger.
(Quelle: ap)
Wichtigste Bürgerkriegsparteien in Burundi schließen
Friedensabkommen
Mo.17.11.03 - Das ostafrikanische Bürgerkriegsland Burundi ist dem Frieden am
Sonntag einen Schritt näher gerückt: Die größte
Rebellengruppe, die Streitkräfte für die Verteidigung der
Demokratie (FDD), unterzeichnete in der tansanischen Hafenstadt
Daressalam ein umfassendes Friedensabkommen mit der Regierung.
Überschattet wird der Erfolg jedoch von der Weigerung der zweiten
großen Rebellengruppe, den Nationalen Befreiungskräften
(NLF), sich einem Waffenstillstand anzuschließen.
Ohne eine Einigung mit den NLF wird die Gewalt in Burundi nach Ansicht
von Beobachtern aber weiter anhalten. Zwei weitere kleinere
Rebellengruppen haben sich dem Friedensprozess hingegen angeschlossen.
FDD-Führer Peter Nkurunziza erklärte, er habe alle
Kämpfer seiner Organisation aufgefordert, das Friedensabkommen vom
Sonntag einzuhalten. Vorgesehen ist eine Beteiligung der Rebellen der
Hutu-Volksgruppe an der Übergangsregierung, den
Provinzverwaltungen, im Parlament und in den Sicherheitskräften.
Der burundische Präsident Domitien Ndayizeye rief die
internationale Gemeinschaft zu Finanzhilfe für die Entwaffnung der
Rebellen auf. Die burundische Übergangsregierung mit Vertreter von
Hutu und Tutsi war 2001 nach einer Friedensvereinbarung zwischen
politischen Parteien der beiden Volksgruppen eingesetzt worden. Die
Rebellen waren an den Gesprächen aber nicht beteiligt gewesen.
Der Krieg in Burundi begann im Oktober 1993, nachdem Angehörige
der Minderheit der Tutsi den ersten demokratisch gewählten
Hutu-Präsidenten Cyprien Ntaryamira ermordet hatten. Den
Kämpfen fielen bislang mindestens 200.000 Menschen zum Opfer. Die
Tutsi kontrollieren seit der Unabhängigkeit 1962 nahezu
durchgehend die politischen Geschicke des ostafrikanischen Landes.
(Quelle: ap)
Präsidentenwahl in Serbien erneut gescheitert
Wahlmüdigkeit angesichts der eher unbedeutenden Position des
Präsidenten und Frustration wegen wirtschaftlicher und
gesellschaftlicher Umwälzungen haben offenbar zum Scheitern
beigetragen
Mo.17.11.03 - Im dritten Anlauf binnen 14 Monaten ist die Wahl eines neuen serbischen
Präsidenten erneut gescheitert. Die Wahlbeteiligung lag nach
Angaben unabhängiger Wahlbeobachter am Sonntag bei 38,5 Prozent
und verfehlte damit das erforderliche Quorum von 50 Prozent deutlich.
Gemäß der serbischen Verfassung muss nun erst ein neues
Parlament gebildet werden, bevor ein vierter Anlauf zur
Präsidentschaftswahl autorisiert werden kann. Ersten
Hochrechnungen der CESID zufolge lag bei der Auszählung
überraschend der Ultranationalist Tomislav Nikolic vorn.
Wahlmüdigkeit angesichts der eher unbedeutenden Position des
Präsidenten und Frustration wegen der wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Umwälzungen hatten nach Ansicht von Beobachtern
bereits dazu geführt, dass auch die ersten beiden Wahlversuche
scheiterten. Bei den Abstimmungen im September und Dezember vergangenen
Jahres konnte der vorherige jugoslawische Präsident Vojislav
Kostunica stets die meisten Stimmen auf sich vereinen, scheiterte aber
am Quorum. Danach agierte Natasa Micic als Interimspräsidentin des
Staatenbundes Serbien und Montenegro.
Den inoffiziellen Zahlen zufolge entfielen auf Nikolic 46,5 Prozent der
Stimmen, auf den Favoriten Dragoljub Micunovic vom
Regierungsbündnis DOS lediglich 35 Prozent der Stimmen. Der
Ultranationalist Nikolic war für die Radikale Partei Serbiens
angetreten, deren Chef Vojislav Seselj sich freiwillig dem
UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt hatte. 6,5 Millionen
Wahlberechtigte waren zu dem Urnengang aufgerufen.
Micunovic vom Regierungsbündnis DOS galt als Favorit. Der
73-jährige Reformer hatte sich am Wahltag noch hoffnungsvoll
gezeigt, dass die Abstimmung diesmal erfolgreich sein werde. Um das
höchste, aber wenig einflussreiche Staatsamt hatten sich sechs
Kandidaten beworben.
Am Donnerstag waren das Parlament in Belgrad aufgelöst und
vorgezogene Neuwahlen für den 28. Dezember angesetzt worden. Mit
den Neuwahlen blieb dem zerstrittenen Regierungbündnis DOS ein von
der Opposition beantragtes Misstrauensvotum erspart. Europäische
Diplomaten zufolge sind die Neuwahlen für die demokratischen
Übergang Serbiens entscheidend.
(Quelle: afp)
Spanische Umweltschützer erinnern an 'Prestige'-Ölpest
Schätzungen zufolge beträgt der Gesamtschaden der
Ölkatastrophe acht Milliarden Euro
Mo.17.11.03 - Ein Jahr nach dem Untergang des Tankers "Prestige" haben im Nordwesten
Spaniens am Sonntag zehntausende Demonstranten an die
Ölkatastrophe erinnert. Zwischen 100.000 und 150.000 Menschen
versammelten sich nach Angaben der Organisatoren im Zentrum der Stadt
Santiago de Compostela. Die Polizei sprach laut einer Meldung der
spanischen Nachrichtenagentur Efe hingegen lediglich von 40.000
Teilnehmern.
Die Demonstranten zeigten Plakate mit Aufschriften wie "Wir haben nicht
vergessen" und warfen der Regierung in Madrid Unfähigkeit im
Umgang mit der Ölpest vor. Ein Umweltschützer trug eine
riesige Nachbildung eines Vogels mit ölverklebten Flügeln.
Unter dem Motto «Nie wieder» fanden bereits am ersten
Jahrestag des Tankerunglücks am Donnerstag in mehreren spanischen
Städten Protestkundgebungen statt.
An der Demonstration in Santiago de Compostela nahm auch der
Vorsitzende der Vereinigten Linken teil, Gaspar Llamazares. Er sagte,
die Katastrophe könne sich jederzeit wiederholen. «Es hat
sich nichts geändert», erklärte Llamazares laut Efe. Er
kritisierte, dass in Zusammenhang mit dem Umweltdesaster kein Vertreter
der Region Galicien oder der Zentralregierung zurückgetreten sei.
Der 26 Jahre alte einwandige Tanker "Prestige" war am 13. November 2002
mit 77.000 Tonnen Schweröl an Bord gesunken. 64.000 Tonnen Öl
liefen schätzungsweise ins Meer aus und verschmutzte die
Küsten von Spanien, Portugal und Frankreich. Das war fast doppelt
so viel wie bei der Havarie der "Exxon Valdez" in Alaska 1989.
Tausende Freiwillige und Soldaten waren noch in den vergangenen Monaten
im Einsatz, um die Küstenregion von der Ölverschmutzung zu
reinigen. Trotz der optischen Säuberung wirken die Folgen der
Ölpest nach Angaben von Umweltexperten aber weiter fort. Unmengen
an Öl müssen nach ihren Angaben noch immer beseitigt werden.
Auch werden weiterhin Ölklumpen angespült.
Schätzungen zufolge beträgt der Gesamtschaden der Ölpest
auf zehn Jahre gerechnet acht Milliarden Euro. Die Summe umfasst die
Kosten für die Reinigung der Küste und den Ausfall im
Fischereigewerbe. In Fischen und Meerestieren werden nach Angaben von
Biologen noch immer hohe Mengen gefährlicher Chemikalien
festgestellt.
(Quelle: ap)
Attac plant europäischen Aktionstag gegen Sozialabbau
Im Frühjahr 2004 zusammen mit den Gewerkschaften gegen das
neoliberale Wirtschaftsmodell -- Im Mai Demonstration in Rom gegen neue
EU-Verfassung: Der Verfassungsentwurf erhebe den
Wirtschaftsliberalismus in den Rang eines Verfassungswertes und
unterstütze eine Militarisierung der Außenpolitik
Mo.17.11.03 - Die im Attac-Netzwerk zusammengeschlossenen Kapitalismuskritiker planen
zusammen mit den Gewerkschaften einen europäischen Aktionstag
gegen Sozialabbau und das neoliberale Wirtschaftsmodell. Der für
das Frühjahr 2004 geplante Aktionstag werde in Deutschland von
Verdi-Chef Frank Bsirske und IG-Metall-Vorstandsmitglied Horst
Schmitthenner unterstützt, teilte Attac am Sonntag zum Abschluss
des Europäischen Sozialforums in Paris mit.
Die Teilnehmer vereinbarten außerdem für den 20. März -
den ersten Jahrestag des Irak-Kriegs - einen Aktionstag gegen den
Krieg. Am 9. Mai 2004 wollen die Attac-Sympathisanten in Rom gegen die
neue Verfassung der EU demonstrieren, die dort an diesem Tag
verabschiedet werden soll. Der Verfassungsentwurf erhebe den
Wirtschaftsliberalismus in den Rang eines Verfassungswertes und
unterstütze eine Militarisierung der Außenpolitik,
kritisierten die Veranstalter des Sozialforums.
Im Anschluss an Beratungen in Seminaren, Workshops und Konferenzen
demonstrierten am Samstag mehrere zehntausend Menschen «für
ein Europa der Bürgerrechte in einer Welt ohne Krieg». Die
Organisatoren sprachen von 100.000 Teilnehmern, die Polizei von etwa
40.000. Die ausländischen Teilnehmer des Sozialforums kamen unter
anderem aus Deutschland, Belgien, Großbritannien, Italien,
Spanien und Russland.
(Quelle: ap)
Gegen Krieg und EU-Verfassung
Europäisches Sozialforum (ESF) in Paris lehnt Entwurf des
EU-Konvents ab
Mehr in der "tageszeitung" vom 17.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/17/a0065.nf/text
oder in "junge Welt" vom 17.11.03:
http://www.jungewelt.de/2003/11-17/001.php
Nach dem Ende des Europäischen Sozialforums in Paris beginnt die
Debatte um die Zukunft der Bewegung
Bernard Cassen, der Ehrenpräsident von Attac Frankreich: "Wir
müssen unsere Basis verbreitern. Trotz der Erfolge, die wir jetzt
schon haben, kommen wir nicht umhin, uns zu fragen, ob die bisherigen
Formen des Kampfes die besten sind, und wie es weitergehen soll mit
unseren Bemühungen um die Einflussnahme auf die öffentliche
Meinung. Sind die bestehenden Parteien dazu noch in der Lage oder
sollte man nicht besser eine oder mehrere neue politische Formationen
bilden? Wir sind überzeugt, dass eine andere Welt möglich
ist, aber wir wissen noch nicht, wie wir dorthin gelangen können." ...
Aus telepolis vom 18.11.03:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16102/1.html
Europäisches Sozialforum:
http://www.fse-esf.org
"Vor dem Weltsozialforum in Bombay "
von François Houtart (Le Monde diplomatique Nr. 7208 vom 14.11.2003, Seite 6):
http://www.taz.de/pt/2003/11/14/a0012.nf/text
François Houtart ist Leiter des Centre Tricontinental und der
Zeitschrift Alternatives sud, Louvain-la-Neuve (Belgien).
Weltsozialforum:
http://www.forumsocialmundial.org/
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Verteidigungsminister Struck will Wehrpflichtige im Ausland einsetzen
Opposition weist Überlegungen Strucks zurück: Aufgaben
für Wehrpflichtige müssten im Inland definiert werden
Mo.17.11.03 - Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) will abweichend von seiner
bisherigen Position auch Wehrpflichtige mit nur neun Monaten Dienstzeit
in Auslandseinsätze schicken. Sein Vorstoß wurde von der
Opposition abgelehnt.
"Ich bin grundsätzlich der Auffassung, dass Wehrpflichtige, wenn
sie es wollen, auch in einen Auslandseinsatz gehen sollten", sagte
Struck in einer ZDF-Sendung, die am Sonntagabend ausgestrahlt werden
sollte. Bisher ist nur so genannten länger dienenden
Wehrpflichtigen ein Auslandseinsatz möglich. Als Beispiel für
den Einsatz von Wehrpflichtigen mit neun Monaten Dienstzeit nannte
Struck nach einer ZDF-Vorabmeldung Marinesoldaten, deren Fregatte vor
dem Horn von Afrika stationiert ist. Viele Wehrpflichtige seien
"unglücklich darüber, dass sie runter vom Schiff
müssten", weil der Einsatz über die Dauer ihres Wehrdienstes
hinaus gehe. Sie sollten aber wie auch länger dienende
Wehrpflichtige nur auf freiwilliger Basis im Ausland eingesetzt werden.
Die Opposition wies Strucks Überlegungen zurück. "Für
Neun-Monate-Wehrplichtige kommt ein internationaler Einsatz nicht in
Frage", sagte der stellvertretende Vorsitzende des
Verteidigungsausschusses, Thomas Kossendey (CDU). Die Aufgaben für
die Wehrpflichtigen müssten im Inland definiert werden. Mit ihnen
könnten vor allem Aufgaben im Heimatschutz bewältigt werden.
Der FDP-Verteidigungspolitiker Günther Nolting erklärte, auch
wenn sie es wollten, wäre es unverantwortlich, Wehrpflichtige in
Auslandseinsätze zu schicken. Struck müsse zunächst
einmal die Frage beantworten, wie er Wehrpflichtige in nicht einmal
neun Monaten für solche Einsätze ausbilden wolle.
(Quelle: rtr)
Deutsche wollen mehr arbeiten - bei mehr Lohn
Zukunftsforscher: Aus Angst vor Wohlstandsverlusten habe radikales Umdenken
stattgefunden
Mo.17.11.03 - Die Menschen wollen offenbar wieder mehr arbeiten. Fast jeder Vierte
ist heute bereit, für etwas mehr Lohn gelegentlich zehn Stunden am
Tag zu arbeiten, wie eine Studie des Hamburger BAT
Freizeitforschungsinstitutes ergab, die dem "Hamburger Abendblatt"
(Montagausgabe) vorliegt.
Außerdem können sich demnach immer mehr Menschen vorstellen,
auch am Wochenende zu arbeiten: Heute ist dazu fast jeder Vierte
bereit, vor drei Jahren haben nur 15 Prozent der Deutschen zugestimmt.
Bei den Arbeitern würde heute sogar fast jeder Dritte auch den
Sonnabend und Sonntag für sein Unternehmen opfern, wie es weiter
hieß. Zurückhaltung sei lediglich bei den Beamten
feststellbar: Nur jeder zehnte Staatsdiener ist bereit, am Wochenende
zu arbeiten.
"Aus Angst vor Wohlstandsverlusten hat ein radikales Umdenken
stattgefunden", fasst Horst W. Opaschowski, Zukunftsforscher und Leiter
des BAT Freizeitforschungsinstitutes, die Ergebnisse seiner Studie
zusammen. Noch in den 90er-Jahren hätten die Menschen ihre
Freizeit für so wertvoll gehalten, dass sie dafür sogar auf
Lohn verzichten wollten: Damals war die Zahl der Beschäftigten von
Jahr zu Jahr gestiegen, die weniger arbeiten wollten - bei weniger
Gehalt.
Heute ist sogar die Verlängerung der Lebensarbeitszeit kein Tabu
mehr. Sieben Prozent der Beschäftigten wollen laut der Studie
gerne über die offizielle Altersgrenze hinaus arbeiten, wenn sie
so ihren Lebensstandard erhöhen können.
(Quelle: ap)
Wirtschaftsweiser Kromphardt: Lohnzurückhaltung wäre falsch
Mo.17.11.03 - Vor Beginn der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie
hat sich der Wirtschaftsweise Jürgen Kromphardt gegen eine
übermäßige Lohnzurückhaltung ausgesprochen.
Das Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sagte der "Berliner Zeitung"
(Montagsausgabe): "Eine Vereinbarung von knapp unter drei Prozent mehr
Lohn in der Metall- und Elektroindustrie würden von der
Kostenseite her keine Probleme bereiten." Der Verteilungsspielraum aus
Produktivitätszuwachs und Inflationsrate sollte ausgeschöpft
werden, sagte Kromphardt der Zeitung laut Online-Ausgabe weiter.
Gemessen an den Lohnstückkosten sei die deutsche Wirtschaft immer
wettbewerbsfähiger geworden. Lohnzurückhaltung sei falsch,
weil dadurch die Nachfrage negativ beeinflusst würde.
Die IG Metall will in der Lohnrunde 2004 Lohnsteigerungen von bis zu
vier Prozent durchsetzen.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv
IG Metall empfiehlt Lohnforderung von bis zu vier Prozent
Arbeitgeber halten maximal 1,4 Prozent für realistisch +++
Konjunkturexperte lobt IG Metall
Di.11.11.03 - Die IG Metall wird in der anstehenden Tarifrunde voraussichtlich
Einkommenserhöhungen um bis zu 4,0 Prozent für die 3,5
Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie fordern.
Der Vorstand der Industriegewerkschaft empfahl den Tarifbezirken am
Montag, eine Forderung in dieser Höhe für eine Laufzeit von
zwölf Monaten aufzustellen. IG-Metall-Chef Jürgen Peters
sagte im Anschluss an eine Vorstandssitzung in Frankfurt, die
Forderungsempfehlung sei mit Augenmaß formuliert und solle die zu
erwartende Konjunkturerholung unterstützen. "Die Talfahrt scheint
zu Ende, die Konjunkturampel steht nicht mehr auf rot, sondern auf
gelb", sagte der IG-Metall-Chef. Die IG Metall wolle mit dazu
beitragen, dass sie im kommenden Jahr auf grün gestellt werden
könne.
Einer Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu
40 Stunden erteilte Peters eine strikte Abfuhr....
...Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung
(RWI) hat derweil die IG Metall für ihre geplante Tarifforderung
von bis zu vier Prozent gelobt. Die Gewerkschaft sei realistischer...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311110.htm#03111120
Arbeitgeber drohen IG Metall mit Arbeitsplatzabbau
Mehrheit der Deutschen hält IG-Metall-Tarifforderung für
überzogen
So.16.11.03 - Im Tarifstreit der Metallindustrie haben die bayerischen Arbeitgeber
mit dem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen gedroht. Sollte die IG
Metall ihre Forderung von rund vier Prozent mehr Geld durchsetzen,
würden im Freistaat noch mehr Arbeitsplätze verloren gehen,
sagte der Präsident der bayerischen Metall- und Elektroindustrie,
Randolf Rodenstock, der "Welt am Sonntag". Bereits die letzten
Abschlüsse seien zu hoch gewesen...
...Auch eine deutliche Mehrheit der Deutschen hält die
voraussichtliche IG-Metall-Tarifforderung für überzogen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311160.htm#03111613
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Deutschland gedenkt Opfer von Kriegen
Mo.17.11.03 - Mit Kranzniederlegungen und Gottesdiensten haben in ganz Deutschland
Menschen am Volkstrauertag der Opfer von Kriegen und Gewalt gedacht.
Die zentrale Gedenkfeier mit einer Rede des saarländischen
Ministerpräsidenten Peter Müller (CDU) war am
Sonntagnachmittag im Berliner Reichstagsgebäude angesetzt. Am
Vormittag legte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang
Schneiderhan, auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee
einen Kranz nieder.
Der Volkstrauertag wird in Deutschland seit 1952 zum Gedenken an die
Opfer beider Weltkriege und des Nationalsozialismus am zweiten Sonntag
vor dem ersten Advent begangen. Bereits 1922 hatte der Volksbund
Deutsche Kriegsgräberfürsorge einen Gedenktag für die
Toten des ersten Weltkrieges geschaffen. In der NS-Zeit war dieser
Gedenktag 1934 in "Heldengedenktag" umbenannt worden.
Der 1919 gegründete Volksbund wirkt heute im Auftrag der
Bundesregierung und pflegt die Gräber von Opfern der Kriege und
Gewaltherrschaft im Ausland. Deutsche Kriegsgräber gibt es in 100
Ländern der Erde. Die Gedenkfeiern am Volkstrauertag werden
vorwiegend vom Volksbund ausgerichtet.
(Quelle: ap)
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge - Täter zu
Opfern gemacht...
...Der Volksbund (VDK) handelt in hoheitlichem Auftrag, wenn auch nicht
immer im Sinne der Völkerverständigung. Denn insbesondere die
vom VDK betriebene Gleichsetzung von Tätern und Opfern sorgt in
den von Deutschen überfallenen Ländern immer wieder für
Irritationen...
<>telepolis am 16.11.03
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16094/1.html
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Theater Erlangen: Premiere eines NS-Stücks ohne Buhrufe
Mo.17.11.03 - Mit reichlichem Applaus und ohne Buh-Rufe ist gestern Abend die
Premiere des umstrittenen Dramas "Die Wölfe" des
nationalsozialistischen Autors Hans Rehberg zu Ende gegangen. Das
Stück handelt vom Tod im U-Boot-Krieg und soll angeblich die
Phrasen von Kriegsbefürwortern demaskieren.
Gegen die Aufführung in Erlangen hat es mehrere Protest-Aktionen
gegeben. Vor der Premiere des NS-Stücks haben am Abend rund 100
Menschen vor dem Theater Erlangen gegen die Aufführung
demonstriert. Auf Transparenten stand "Keine Bühne für den
Nazi Rehberg" und "Kein brauner Schrott in Erlangen". Gegner
sehenin dem 1944 uraufgeführte Drama des damaligen NSDAP-Mitglieds
Hans Rehberg ein Durchhaltestück im Zweiten Weltkrieg.Sie halten
es grundsätzlich für falsch, Stücke von Nazi-Autoren zu
zeigen.
(Quellen: br-Radionachrichten, info.partisan.net)
IG-Farben-Aktionäre wollen UBS auf Entschädigung verklagen
Mo.17.11.03 - Die Aktionäre der zahlungsunfähigen IG Farben wollen die
Schweizer Großbank UBS auf Entschädigung von rund 2,2
Milliarden Euro verklagen. Das sagte der bis zur Insolvenz amtierende
Liquidator Otto Bernhardt dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die UBS
wies die Forderung als unberechtigt zurück.
Der Grund für die Klage ist laut "Spiegel", dass sich UBS 1959 die
Schweizer Interhandel AG einverleibt hat, die aber nach Auffassung der
IG-Farben-Aktionäre eine Tochter ihres Unternehmens war. Bernhardt
beruft sich dabei auf jüngst veröffentlichte Zitate des
ehemaligen Wirtschaftsprüfers der Interhandel AG, Albert Rees.
Die Klage soll von der 1999 gegründete IG-Farben-Stiftung für
Entschädigungen geführt werden. Ihr Vermögen
beträgt zurzeit lediglich 250.000 Euro. "Falls die Klage Erfolg
haben sollte, werden die Erlöse zwischen den Aktionären, den
Anwälten und den ehemaligen Zwangsarbeitern in etwa gedrittelt",
sagte Bernhardt.
UBS-Sprecher Christoph Meier erklärte dagegen auf Anfrage: "Jede
Forderung ist absolut unberechtigt." Es habe bereits mehrere
entsprechende Gerichtsurteile gegeben.
Als weitere Schritte planen die Stiftungsvorstände dem Bericht
zufolge nun die Gründung einer Tochterstiftung in den USA, die
voraussichtlich Mitte nächsten Jahres die Klage einreichen soll.
Entsprechende Gespräche mit US-Anwälten sind laut "Spiegel"
bereits im Gange.
Liquidator Volker Pollehn hatte vergangene Woche erklärt, dass die
Forderungen der Gläubiger wohl aus dem Restvermögen der IG
Farben bedient werden könnten. Dagegen würden die
Aktionäre, aber auch die ehemaligen Zwangsarbeiter des Konzerns,
vermutlich leer ausgehen.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Kritische Aktionäre: IG-Farben-Zwangsarbeiter gehen leer aus
Fr.07.11.03 - Bei einer Zahlungsunfähigkeit des seit Jahrzehnten in Abwicklung
befindlichen IG-Farben-Konzerns dürften frühere
Zwangsarbeiter nach Einschätzung Kritischer Aktionäre leer
ausgehen.
"Wenn die IG Farben nach mehr als 50 Jahren in Abwicklung durch eine
Insolvenz aufgelöst wird, wird das Restvermögen dazu
verwendet werden, die Gläubigerbanken auszuzahlen. Die
Zwangsarbeiter werden nichts davon bekommen", sagte Henry Mathews vom
Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre am
Donnerstag. Die IG Farben hatte am Mittwochabend erklärt, sie
stehe wegen potenzieller Zahlungsausfälle möglicherweise vor
der Zahlungsunfähigkeit. Von dem Unternehmen war seither keine
Stellungnahme zu erhalten.
Die eng mit dem nationalsozialistischen System verflochtene IG Farben,
die unter anderem das in Konzentrationslagern verwendete Giftgas Zyklon
B herstellte, war nach dem Krieg von den Alliierten zerschlagen worden
und befindet sich seit 1952 in Abwicklung...
Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0311070.htm#03110713
IG Farben wird Insolvenzantrag stellen
Forderungen der Gläubiger werden wohl aus dem weitgehend aufgebrauchten
Vermögen des früher mit dem NS-Regime eng verflochtenen Unternehmens bedient werden
können - Aktionäre, aber auch ehemalige Zwangsarbeiter des Konzerns
gehen vermutlich leer aus +++ Kritische Aktionärinnen und Aktionäre
fordern die Gläubigerbanken auf, auf ihr Geld zu verzichten und
überlebenden Zwangsarbeitern zur Verfügung zu stellen
Di.11.11.03 - Fast 60 Jahre nach ihrer Zerschlagung durch die Alliierten stehen die
IG Farben, ehemals weltgrößter Chemiekonzern mit
vielfältigen NS-Verstrickungen, vor dem endgültigen Aus. Ihre
1952 gegründete Abwicklungsgesellschaft ist zahlungsunfähig,
wie Liquidator Volker Pollehn am Montag in Frankfurt am Main mitteilte.
Während die Forderungen der Gläubiger wohl aus dem
Vermögen bedient werden könnten, werden die Aktionäre,
aber auch die ehemaligen Zwangsarbeiter des Konzerns laut Pollehn
vermutlich leer ausgehen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311110.htm#03111119
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