Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertvierundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
UNO will Abkommen über schnellere Machtübergabe in Irak
prüfen +++ Fischer lobt neue US-Pläne für Irak +++
US-Truppen setzen Offensive gegen Aufständische in Irak fort +++
Wieder zwei US-Soldaten bei Anschlägen in Irak getötet +++
Saddam-Vertrauter steckt angeblich hinter Anschlägen im Irak +++
US-Soldaten erschießen laut Zeugen drei Iraker auf Markt in
Bagdad +++ Italiener in US-Verwaltung in Irak tritt zurück:
Zivilverwalter Bremer mangele es an
Verständnis für die irakische Gesellschaft
Di.18.11.03 - Die Vereinten Nationen wollen das Abkommen zwischen dem Regierungsrat
und der US-Zivilverwaltung über eine beschleunigte
Machtübergabe in Irak "sehr sorgfältig" prüfen. Erst
dann werde die UNO entscheiden, ob sie dabei eine Rolle spielen
könne, sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan am Montag in New
York. Er habe am Wochenende mit dem amtierenden Vorsitzenden des
Regierungsrats, Dschalal Talabani, gesprochen, der die UNO "um Hilfe
und Ratschläge bei der Umsetzung der neu getroffenen
Entscheidungen" gebeten habe, fügte Annan hinzu. Auch mit
US-Außenminister Colin Powell und dem britischen
Irak-Beauftragten Jeremy Greenstock habe er Gespräche
geführt. "Wir werden die Entscheidungen und den Plan sehr
sorgfältig prüfen, um dann zu entscheiden, welche
Ratschläge wir geben und welche Rolle wir möglicherweise
spielen können", sagte der UN-Generalsekretär.
Die US-Zivilverwaltung und der Regierungsrat hatten sich am Wochenende
darauf geeinigt, zum 30. Juni 2004 eine Übergangsregierung
einzusetzen und die US-Zivilverwaltung und den irakischen
Übergangsrat dann aufzulösen.
Bundesaussenminister Joschka Fischer begrüsste den
Richtungswechsel der USA, eine schnellere Übergabe der Macht an
die Iraker zu gewährleisten. Nach Unterredungen mit
US-Aussenminister Colin Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza
Rice in Washington hob er das Ziel einer legitimierten
Nachkriegsordnung hervor. Dabei könnten die Vereinten Nationen
"sehr, sehr hilfreich" sein. Frankreich und Russland hatten zuvor
moniert, dass die geplante Machtübergabe zum 1. Juli 2004 immer
noch zu spät komme.
Fischer rief auch dazu auf, die Differenzen um den Irak-Krieg zu
vergessen und - so wörtlich - gemeinsam an einem Strang zu ziehen.
Nach seinen Worten kommt es nun darauf an den Frieden zu gewinnen,
sonst seien die Folgen für alle Beteiligten negativ.
Die US-Truppen in Irak haben unterdessen ihre Offensive gegen irakische
Widerstandskämpfer in der Nacht zum Dienstag fortgesetzt.
Südlich von Tikrit wurde abermals eine satellitengesteuerte Rakete
mit einem 250-Kilogramm-Sprengkopf auf ein mutmassliches
Ausbildungslager der Rebellen abgefeuert. In Tikrit selbst wurden
Stellungen der Aufständischen mit Granat- und Artilleriefeuer
belegt. Noch am späten Abend waren immer wieder Explosionen zu
hören.
Die US-Armee wolle ein klares Signal aussenden, dass sie ihre
militärische Überlegenheit nutzen werde, um die
Verantwortlichen für die anhaltenden Übergriffe zur Strecke
zu bringen, erklärte Oberstleutnant William MacDonald. Unterdessen
fielen zwei weitere US-Soldaten Anschlägen zum Opfer. Einer wurde
nach Angaben der Streitkräfte bei einer Patrouille nördlich
von Bagdad aus dem Hinterhalt erschossen, ein zweiter kam bei der
Detonation einer Bombe am Strassenrand ums Leben.
Eine militante Gruppe mit Namen Mohammeds Armee übernahm die
Verantwortung für den Abschuss eines amerikanischen
Chinook-Hubschraubers. Dabei waren zu Beginn dieses Monats 16
US-Soldaten getötet worden. In einem vom libanesischen
Satellitensender Al Hayat-LBC ausgestrahlten Video bekannte sich die
Organisation ferner zur Ermordung des irakischen
Verwaltungsratsmitglieds Akuila el Haschemi sowie zu einem Angriff auf
US-Truppen. Eine unabhängige Bestätigung für die
Authentizität gab es zunächst nicht.
Die US-Armee im Irak hat nach eigenen Angaben neue Erkenntnisse, dass
mit Issat Ibrahim einer der engsten Vertrauten des gestürzten
Präsidenten Saddam Hussein hinter Anschlägen auf US-Truppen
steckt.
"Uns erreichen immer neue Informationen, die daraufhin deuten, dass er
direkt in die Tötung von einigen Soldaten der verbündeten
Streitkräfte (im Irak) verwickelt war", sagte ein Armeesprecher am
Montag in Bagdad auf einer Pressekonferenz. Ibrahim ist die Nummer
Sechs auf der Liste der 55 meist gesuchten ehemaligen irakischen
Führungskader. Ibrahim war im Führungsgremium
Revolutionären Kommandorat die Nummer Zwei und galt als besonders
rücksichtsloser Gefolgsmann Saddams.
Der US-Geheimdienst CIA teilte unterdessen mit, die Analyse eines
angeblich von Saddam stammenden Tonbands sei ergebnislos geblieben. Die
Tonqualität sei so schlecht, dass nicht mit Bestimmtheit zu sagen
sei, ob die Stimme auf dem Band von dem irakischen Ex-Präsidenten
stamme. Das Saddam zugeschriebene Band war am Sonntag von dem
arabischen Sender El Arabija ausgestrahlt worden. Die Stimme auf dem
Band hatte die Iraker zum Widerstand gegen die Besatzungstruppen
aufgefordert.
US-Soldaten haben auf einem Markt in Bagdad Augenzeugen zufolge am
Montag drei Iraker erschossen. Mindestens vier weitere Menschen seien
verletzt worden, berichteten die Augenzeugen sowie Angehörige der
Opfer. Die Soldaten hätten das Feuer eröffnet, als ein Kunde
eine gerade gekaufte Waffe mit einem Schuss in die Luft getestet habe.
Auf dem Mrejdi-Markt im schiitischen Stadtteil Sadr City werden unter
anderem auch illegale Waffen verkauft. Vor einer Woche hatten Soldaten
den von den USA unterstützten Bürgermeister des Stadtteils
erschossen.
Ein italienisches Mitglied der US-Zivilverwaltung in Irak legte unter
schweren Vorwürfen gegen den Vorsitzenden Paul Bremer sein Amt
nieder. Marco Calamai, ein Sondergesandter der Alliierten in der
südirakischen Provinz Dhi Kar, warf Bremer mangelnde Effizienz und
mangelndes Verständnis für die irakische Gesellschaft vor.
Dies habe zu Desillusionierung, Verärgerung und sozialer Unruhe
geführt und damit den Nährboden für Terrorismus
geschaffen, sagte Calamai vor Journalisten in Nassirijah.
Dort war am vergangenen Mittwoch ein verheerender Anschlag auf das
Hauptquartier des italienischen Irak-Kontingents verübt worden.
Dabei kamen 19 Italiener sowie 14 Iraker und andere
Staatsangehörige ums Leben. Die italienischen Opfer sollten am
(heutigen) Dienstag in Rom ein Staatsbegräbnis erhalten.
In Irak sind nach amerikanischen Angaben inzwischen mehr irakische
Sicherheitskräfte im Einsatz, als US-Soldaten dort stationiert
sind. Möglich sei dies aber nur gewesen, weil die USA angesichts
der wachsenden Angriffe die Überprüfung und die Ausbildung
der Iraker drastisch verkürzt hätten. Deshalb konnten in
knapp sechs Wochen 60.000 irakische Sicherheitskräfte eingestellt
werden, wie das Pentagon erklärte. Inzwischen seien mit Stichtag
12. November 131.000 Iraker als Sicherheitskräfte im Einsatz, im
Vergleich zu 130.000 US-Soldaten.
(Quellen: ap, rtr, afp)
Das zweite Vietnam
Die wahren Lektionen aus ihrem größten
außenpolitischen Desaster haben die USA noch nicht gelernt. Darum
wiederholen Bush und seine Berater die alten Fehler jetzt im Irak...
...Das Pentagon hatte in den 60er-Jahren einen unerschütterlichen
Glauben an seine überwältigende Feuerkraft, seine moderne
Ausrüstung, Mobilität und Luftüberlegenheit. Daran
glaubt es noch heute. Zudem glaubt Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld, dass sein Militär die Technologie hat, alle Gegner in
"Schock und Ehrfurcht" ("shock and awe") zu versetzen. Aber wie in
Vietnam ist der Krieg im Irak hochgradig dezentralisiert. Die Zahl der
Truppen, die notwendig wäre, um Sicherheit und Ordnung
aufrechtzuerhalten, steigt nur weiter, selbst bei wachsender
Feuerkraft. Als in Vietnam schließlich eine halbe Million
US-Soldaten stationiert waren, wandte sich die öffentliche Meinung
gegen den Präsidenten und besiegte seine Partei.
Letztlich werden Kriege politisch gewonnen - oder aber gar nicht....
Aus: Gabriel Kolko - "Das zweite Viernam", tageszeitung vom 18.11.03:
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/11/18/a0130.nf/text
Gabriel Kolko, 71, war Professor für Geschichte in Buffalo (USA)
und in Toronto (Kanada). Er hat zahlreiche Bücher über die
Außenpolitik der USA geschrieben, darunter mit "Vietnam - Anatomy
of a War" ein Standardwerk
|
US-Richter stellen erweiterte Rechte Bushs in Frage
Zweifel, ob das Recht, US-Bürger als feindliche Kämpfer
einzustufen, ein Recht des Präsidenten oder nicht vielmehr des
US-Kongresses sei
Di.18.11.03 - In einer Anhörung zur Klassifizierung Verdächtiger als
feindliche Kämpfer haben US-Richter die seit den Anschlägen
am 11. September 2001 erweiterten Rechte des US-Präsidenten in
Frage gestellt.
Sollte der US-Präsident das Recht haben, US-Bürger auf
amerikanischem Boden verhaften und als feindliche Kämpfer
unbegrenzt festsetzen zu lassen, könnte dies beispiellose Folgen
für das Rechtssystem der USA haben, sagte Richter Barrington
Parker jr. am Montag während der Anhörung vor einem
US-Berufungsgericht. Seine Kollegin Rosemary Pooler zog zudem wie er in
Zweifel, ob das Recht, US-Bürger als feindliche Kämpfer
einzustufen, ein Recht des Präsidenten oder nicht vielmehr des
US-Kongresses sei. Die zu einem späteren Zeitpunkt zu erwartende
Entscheidung des dreiköpfigen Richtergremiums in der Frage gilt
als grundlegend für die rechtliche Beurteilung der
Anti-Terror-Kampagne der Regierung Bush.
Das Gericht verhandelt über den Fall des 33-jährigen New
Yorkers Jose Padilla, der vor 18 Monaten unter dem Verdacht einer
Zusammenarbeit mit der Extremisten-Organisation El Kaida festgenommen
wurde und seither als feindlicher Kämpfer in Haft sitzt, ohne dass
gegen ihn eine Anklage erhoben wurde. Auch darf er keinen Kontakt mit
seinen Anwälten haben. Nach den September-Anschlägen,
für die die USA die El Kaida verantwortlich machen, hatte der
US-Kongress Präsident George W. Bush zu Maßnahmen
bevollmächtigt, um weitere international organisierte Terrortaten
zu verhindern.
Diese Bevollmächtigung gelte auch für die Festsetzung von
US-Bürgern als feindliche Kämpfer, argumentierte die
Staatsanwaltschaft vor dem Berufungsgericht. Padillas Anwälte
sagten, wenn dies der Fall sei, "kann das jedem Amerikaner passieren
und die Gerichte haben keine Macht, etwas dagegen zu unternehmen".
Sollte das Gericht dem US-Präsidenten solch weitreichende
Vollmachten mit nur begrenzter juristischer Kontrolle zugestehen,
"würden wir eine radikale Veränderung im rechtsstaatlichen
Leben dieses Landes auslösen, Veränderungen, die in den
zivilisierten Gesellschaften beispiellos sind", sagte Richter Parker.
Der Oberste Gerichtshof der USA hat vor kurzem erstmals den Fall eines
als feindlicher Kämpfer eingestuften Saudiarabers zur Prüfung
angenommen, der auf der kubanischen Insel Guantanamo Bay in US-Haft
sitzt, ebenfalls ohne Anklageerhebung und ohne Kontakt zu
Anwälten. Der Saudiaraber ist in den USA geboren, wurde aber in
Afghanistan und damit in einem Kampfgebiet der US-Kräfte im
Ausland festgenommen. Der Gerichtshof soll noch vor Ende des Jahres
darüber entscheiden, ob ein US-Gericht für diesen Fall
zuständig ist.
(Quelle: rtt)
Bush reist nach Großbritannien
Höchste Alarmbereitschaft in London - Scotland Yard mobilisiert
rund 14.000 Polizisten +++ Kriegsgegner kündigten
Massendemonstrationen an +++ Londons Bürgermeister übt sehr
scharfe Kritik am US-Präsidenten: Bush sei 'die größte
Gefahr für diesen Planeten'
Di.18.11.03 - Als erster US-Präsident reist George W. Bush heute zu einem
dreitägigen Staatsbesuch nach Großbritannien. Bei den
Gesprächen mit dem britischen Premier und Tony Blair wird es vor
allem um den beschleunigten Machttransfer in Irak gehen.
Weitere Themen des Staatsbesuchs werden der Nahost-Konflikt und die
Pläne für ein eigenständiges EU-Verteidigungsbündnis
sein. Bushs 42 Vorgänger hatten sich mit offiziellen Besuchen in
London ohne diplomatisches Protokoll beschieden.
Blair ist der engste Verbündete Bushs in der Irak-Politik. Eine
Mehrheit der Briten war indes gegen den Einmarsch der Truppen, weshalb
Blair innenpolitisch stark unter Druck geraten ist. Wegen der
angespannten Lage im Nachkriegsirak stehen die Briten dem Staatsbesuch
reserviert gegenüber: 60 Prozent der Briten bezeichneten Bush in
einer Umfrage als eine Gefahr für den Weltfrieden.
Kriegsgegner kündigten Massendemonstrationen an. Rund 14.000
Polizisten sollen für Sicherheit sorgen.
Die Alarmbereitschaft sei derzeit ohnehin sehr hoch, und mit dem
gleichzeitigen Besuch von Bush "müssen wir sicher sein, dass die
Sicherheit in London gewährt ist", sagte Andy Trotter,
stellvertretender Leiter von Scotland Yard, am Montag in London. Die
Sicherheitskräfte müssten sowohl auf die Demonstrationen der
Kriegsgegner als auch auf unerwartete Zwischenfälle vorbereitet
sein. Zunächst war von 5000 Polizisten die Rede gewesen. Die Anti-
Kriegs- Organisation "Stop the War" zeige sich "sehr kooperativ", habe
aber erklärt, dass sie nicht für jeden Kundgebungsteilnehmer
die Verantwortung übernehmen könne, sagte Trotter.
"Stop the War" hatte am Montag dem Büro des britischen
Premierministers Tony Blair eine Liste mit 100.000 Unterschriften gegen
Bushs Besuch übergeben.
Der Bürgermeister von London, Ken Livingstone, hat Bush als "die
größte Gefahr für das Leben auf diesem Planeten"
bezeichnet. Die Politik des US-Präsidenten führe zur
"Auslöschung", sagte Livingstone der Zeitschrift "The Ecologist
Magazine". "Ich glaube in der Tat, dass Bush die größte
Bedrohung für das Leben auf diesem Planeten ist, die wir aller
Wahrscheinlichkeit nach je gesehen haben", sagte er.
Zur Begründung für den Alternativ-Empfang, zu dem er
Bush-Gegner eingeladen hatte, sagte der Londoner Bürgermeister, er
erkenne Bush nicht als Präsidenten an; der Republikaner sei nicht
offiziell gewählt worden. Für seine Party wollte Livinstone
auch den linksgerichteten US-Autor Michael Moore gewinnen.
Eine Anti-Kriegs-Demonstrantin hat derweil am Montag die Sicherheitskräfte
vor dem königlichen Palast in London überlistet, das rund
sechs Meter hohe, schmiedeeiserne Tor erklettert und danach ein
Transparent entrollt. Das Banner der Kletter-Demonstrantin zeigte eine
kopfstehende US-Flagge mit der Aufschrift: "Elizabeth Windsor und Co.
Er (Bush) ist nicht willkommen!"
Die Polizei bemühte sich, die Frau zum Herabsteigen zu
überreden. Buckingham Palace ist die Residenz der britischen
Königin Elizabeth II.
(Quellen: ap, rtr, afp, info.partisan.net)
Wenn US-Präsident Bush zu seinem mehrtägigem Staatsbesuch
nach Großbritannien kommt, wird er einer Art Sicherheitskokon
stecken, der ihn nicht nur vor möglichen Terroranschlägen,
sondern auch vor einem Kontakt mit der britischen Öffentlichkeit
schützt. Bush-Gegner errichten mittlerweile eine Statue, die dann
ähnlich wie die von Saddam in Bagdad gestürzt werden soll.
Die Hoffnung der Protestveranstalter in London ist groß, dass
sich Zehntausende an den Demonstrationen und Kundgebungen beteiligen
werden, die sich vornehmlich gegen die Kriegspolitik der US-Regierung
und der britischen Regierung richten. Geplant ist überdies
ein "virtueller Marsch" zur amerikanischen Botschaft und eine
Verfolgung von Bush über Email und SMS in London...
Mehr bei telepolis (18.11.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16107/1.html
Welcome to Chasing Bush - the very first project of the passive
resistance network:
http://www.interwebnet.org/
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UN setzen Arbeit in Süd- und Ostafghanistan aus
Es gebe Anzeichen für eine"Kampagne gegen internationale Helfer"
in Afghanistan
Di.18.11.03 - Nach dem tödlichen Angriff auf eine französische
UN-Mitarbeiterin in Afghanistan haben die Vereinten Nationen ihre
Arbeit im Süden und Osten des Landes ausgesetzt. Das
internationale Team aus Ghasni, wo die Französin am Sonntag
getötet wurde, sei nach Kabul verlegt worden, teilte UN-Sprecherin
Marie Okabe am Montag mit. Die einheimischen Mitarbeiter in der Stadt
seien angewiesen worden, in ihren Häusern zu bleiben.
Die Sicherheitslage werde weiter überprüft, sagte Okabe.
Davon abhängig werde entschieden, ob und wann die Arbeit im
Süden, Südosten und Osten wieder aufgenommen werde. Die
Vereinten Nationen sind in der Region vor allem in der humanitären
Hilfe, im Gesundheitswesen und bei der Unterstützung von
Flüchtlingen aktiv.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sprach seinen Mitarbeitern im
gesamten Land ein Reiseverbot auf den Straßen aus. Die
Französin Bettina Goislard war in ihrem als UN-Fahrzeug
gekennzeichneten Auto erschossen worden.
Es gebe Anzeichen für eine "Kampagne gegen internationale Helfer"
in Afghanistan, sagte ein Sprecher des UN-Hauptquartiers in Kabul am
Montag. Neben dem Angriff auf Goislard habe es vergangene Woche zwei
weitere Anschläge auf UN-Mitarbeiter gegeben.
Am Sonntag seien drei afghanische UN-Mitarbeiter in Paktika angegriffen
worden, sagte UN-Sprecher David Singh. Neben ihrem Fahrzeug sei eine
ferngesteuerte Bombe gezündet worden, die Mitarbeiter trugen
allerdings keine Verletzungen davon. Bereits am vergangenen Dienstag
explodierte vor dem UN-Büro in der südafghanischen Stadt
Kandahar eine Autobombe. Dabei wurden zwei Personen verletzt, darunter
ein Wachmann der Vereinten Nationen. Zu diesem Anschlag habe sich eine
Taliban-Gruppe bekannt, sagte Singh.
Unterdessen beschuldigte der Polizeichef der Provinz Paktika die
US-Truppen, ein Zivilfahrzeug bombardiert und sechs Menschen
getötet zu haben. Kampfflugzeuge hätten das Fahrzeug am
Freitag im Bezirk Barmal der ostafghanischen Provinz angegriffen, sagte
Polizeichef Daulat Khan am Montag. Eine Stellungnahme der
US-Streitkräfte lag zunächst nicht vor.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Ägyptische Vermittlungsinitiative im Nahostkonflikt +++
Scharon will Palästinenser-Premier Kureia 'in Kürze' treffen
+++ Zwei Israelis von palästinensischen Heckenschützen
getötet +++ Israel reagiert scharf auf Papst-Kritik an Sperrwall
Di.18.11.03 - Ägypten hat am Montag einen Vermittlungsvorstoß im
israelisch-palästinensischen Konflikt unternommen. Der
ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman traf sich am Montag in
Ramallah mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed
Kureia und Präsident Jassir Arafat. Aus diplomatischen
ägyptischen Kreisen verlautete, auch palästinensische
militante Gruppen hätten ihre Bereitschaft zu einem
Waffenstillstand signalisiert, wenn Israel seinerseits die gezielte
Liquidierung von Verdächtigen, Großrazzien und
Vorstöße in die Autonomiegebiete beendet.
Suleiman traf verspätet in Ramallah ein. Es gab daher
widersprüchliche Berichte darüber, ob er vorher bereits mit
israelischen Vertretern zusammengetroffen oder bei dem US-Botschafter
in Israel, Dan Kurzer, gewesen sei. Nach dem Treffen bei Arafat sagte
er: "Es wird hoffentlich einen Waffenstillstand und Dialog und viele
gute Dinge geben."
Kureia hat erklärt, er wolle zunächst einen Waffenstillstand
mit den militanten Gruppen wie Hamas und Dschihad aushandeln und dann
mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon
Gespräche aufnehmen. Israel hat bislang von der
Autonomiebehörde außer einem Ende der Gewalt auch die
Zerschlagung militanter Organisationen gefordert. Zuletzt gab es
Signale, dass Israel für einen befristeten Zeitraum eine
Waffenruhe testen könne, ohne dass zugleich gegen militante
Gruppen vorgegangen wird.
Scharon ist innen- und außenpolitisch unter Druck, auf die
Palästinenser zuzugehen. Vier ehemalige Chefs des
Sicherheitsdienstes Schin Bet haben in der vergangenen Woche vor einer
Katastrophe gewarnt, sollte der Konflikt mit den Palästinensern
nicht bald gelöst werden. Ein symbolisches, von prominenten
Israelis und Palästinensern ausgehandeltes Friedensabkommen ist
von US-Außenminister Colin Powell demonstrativ gelobt worden.
Dies wurde als Zeichen der Unzufriedenheit Washingtons mit der starren
Haltung Scharons aufgenommen.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon will unterdessen
seinen neuen palästinensischen Kollegen Ahmed Kureia in Kürze
treffen. Das berichtete am Montagabend der israelische Rundfunk aus
Rom, wo Scharon zu einem offiziellen Besuch weilt. Der Sender zitierte
Scharon mit den Worten, die Probe für Kureias neue Regierung werde
deren Fähigkeit sein, die militanten palästinensischen
Organisationen aufzulösen.
Trotz jüngster Anzeichen für eine Bewegung im Friedensprozess
für den Nahen Osten ist ein Ende der Gewalt vorerst nicht
absehbar. Bei einem Überfall am Stadtrand von Jerusalem wurden
zwei Israelis in der Nacht zum Dienstag von palästinensischen
Heckenschützen getötet. Dem Armeerundfunk zufolge wurden die
beiden Opfer an einem Kontrollpunkt bei Bethlehem aus einem vorbei
fahrenden Auto heraus erschossen. Die dortige Strasse wird
überwiegend von jüdischen Siedlern im Westjordanland benutzt.
Die israelische Armee hatte sich erst vor einigen Wochen nach einer
langen Besatzungsphase wieder aus Bethlehem zurückgezogen.
Mit seiner Kritik am Bau des israelischen Sperrwalls hat Papst Johannes
Paul II. unterdessen scharfe Reaktionen Israels ausgelöst. Der
Papst habe "offenbar dem aktuellen Klima in Europa nachgegeben, das
vorschreibt, dass man Israel verurteilen muss, wenn man den Terrorismus
verurteilt", sagte in Rom ein ranghoher israelischer Beamter, der
Ministerpräsident Ariel Scharon auf dessen Italien-Besuch
begleitete. Der jüdische Schriftsteller und
Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel warf Papst Johannes Paul II.
Einmischung in politische Angelenheiten vor.
Israel wünsche zwar keine Auseinandersetzung mit dem Papst, die
Mauer werde aber dennoch weitergebaut. Der Wall diene der Verteidigung
Israels und sei angesichts von "40 Bombenwarnungen pro Woche" sinnvoll.
"Von dem geistlichen Oberhaupt einer der größten Religionen
der Welt erwarte ich wirklich etwas anderes", sagte Wiesel der
Tageszeitung "Corriere della Sera". Alle wüssten, "dass die Mauer
nur übergangsweise" errichtet werde. Der Papst hätte seiner
Auffassung nach in einer Erklärung den "Terrorismus und den Mord
an Unschuldigen" verurteilen sollen, "ohne dies mit politischen
Erwägungen zu verknüpfen, und vor allem ohne dies mit einem
Instrument der Selbstverteidigung zu vergleichen", sagte Wiesel.
Papst Johannes Paul II. hatte am Sonntag beim traditionellen
Angelusgebet die Terroranschläge der vergangenen Tage verurteilt
und zugleich den offenkundigen Stopp im Friedensprozess beklagt. Der
Nahe Osten benötige "keine Mauern, sondern Brücken", betonte
der 83-Jährige. Der israelische Sperrwall werde von vielen als
Hindernis für den Frieden betrachtet.
Israel will mit einem Sperrwall entlang dem Westjordanland nach eigenen
Angaben Attentäter aus dem Land heraushalten. Kritiker sagen
dagegen, der Wall sei ein Vorgriff auf die künftige Grenze zu
einem unabhängigen Palästinenserstaat, bei dem Israel illegal
palästinensisches Gebiet annektiere. Die USA bezeichneten die
Anlage mehrfach als "Problem".
(Quellen: ap, dpa, afp)
Zahl der Toten nach Anschlägen auf Synagogen in Istanbul auf 25
gestiegen
Attentäter vermutlich türkische Islamisten
Di.18.11.03 - Nach den Anschlägen auf zwei Synagogen in Istanbul hat sich die
Zahl der Todesopfer auf 25 erhöht. Ein weiterer Verletzter sei im
Krankenhaus gestorben, teilte ein Vertreter der Klinik am Montag mit.
Bei den zeitgleichen Anschlägen waren am Samstag mehr als 300
Menschen verletzt worden. Unter den Toten sind laut der
Nachrichtenagentur Anadolu auch zwei mutmaßliche
Selbstmordattentäter. Die Polizei habe die Männer als
islamische Extremisten türkischer Herkunft indentifiziert,
berichtete die Agentur.
Einer der beiden Attentäter soll der radikal-islamischen Gruppe
"Front der Vorkämpfer für den Großen Islamischen Osten"
angehört haben. Der Zweite zählte zu einer Organisation namens
"Islamische Bewegung".
(Quellen: afp, dpa)
Israel schlägt EU gemeinsamen Rat gegen Antisemitismus vor
Di.18.11.03 - Israels Außenminister Silwan Schalom will der Europäischen
Union (EU) einen gemeinsamen Ministerrat zum Kampf gegen Antisemitismus
vorschlagen.
Schalom sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Montagabend vor einem
Treffen mit den EU-Außenministern, dieses Gremium solle gemeinsam
gegen einen neuen Antisemitismus in Europa kämpfen. "Leider
stellen wir fest, dass einige Anzeichen des Antisemitismus sich nach
Europa zurückschleichen", sagte er. Das Gremium solle seine Arbeit
sofort beginnen.
Israel hatte in Zusammenhang mit den Anschlägen auf zwei Synagogen
in Istanbul zugleich auf einen aus seiner Sicht zunehmenden
Antisemitismus in Westeuropa hingewiesen. In einer umstrittenen Umfrage
hatten EU-Bürger kürzlich Israel als größte Gefahr
für den Frieden in der Welt genannt. Auch dies hatte zu neuen
Vorwürfen über einen wieder erstarkenden Antisemitismus
geführt. In der Umfrage war nicht nach den Palästinensern als
der Gegenseite im Nahost-Konflikt gefragt worden.
(Quelle:rtr)
EU-Umfrage zum Thema Irak-Konflikt, Naher Osten und Weltfrieden:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16004/1.html
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15990/1.html
http://europa.eu.int/comm/public_opinion/
flash/fl151_iraq_full_report.pdf
Chirac kündigt Härte im Kampf gegen Antisemitismus an
In der Nacht zum Samstag hatte ein Feuer eine jüdische Schule in
Gagny schwer beschädigt
Di.18.11.03 - Nach dem Brand einer jüdischen Schule bei Paris hat
Staatspräsident Jacques Chirac eine strenge Verfolgung
antisemitischer Übergriffe angekündigt. Der bestehende
Strafrahmen müsse voll ausgeschöpft werden, erklärte der
französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin am Montag nach
einem wegen des Anschlags vom Wochenende kurzfristig einberufenen
Treffen mit Chirac sowie den Ministern für Inneres, Justiz und
Bildung.
Der Regierungschef erinnerte daran, dass Frankreich die
Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen bereits
verstärkt habe. 2001 und 2002 war es im Zusammenhang mit der
zweiten Intifada in Nahost zu einer Welle antisemitischer
Übergriffe gekommen. In Frankreich leben schätzungsweise
fünf Millionen Muslime.
Raffarin sagte, die Regierung werde eine Arbeitsgruppe einsetzen, die
den Kampf gegen Antisemitismus überwachen soll. Chirac wollte am
Abend Oberrabbiner Joseph Sitruk und Vertreter jüdischer
Verbände treffen.
Die Zahl antisemitischer Taten in Frankreich ist in diesem Jahr
rückläufig. "Le Monde" schrieb unter Berufung auf das
Innenministerium, in den ersten zehn Monaten seien 96 Übergriffe
auf Juden oder jüdische Einrichtungen registriert worden,
gegenüber 184 im Vergleichszeitraum 2002.
In der Nacht zum Samstag hatte ein Feuer eine jüdische Schule in
Gagny schwer beschädigt. Bei dem offenbar antisemitisch
motivierten Anschlag wurde niemand verletzt.
(Quelle: ap)
EU will baldiges Assoziierungsabkommen mit Syrien
Dem Land drohen US-Sanktionen wegen angeblicher Unterstützung von
Extremisten
Di.18.11.03 - Die EU steht nach eigenen Angaben kurz vor dem Abschluss eines
Assoziierungsabkommens mit dem Nahost-Staat Syrien, dem US-Sanktionen
wegen angeblicher Unterstützung von Extremisten drohen.
Der Leiter der EU-Delegation in Syrien, Frank Hesske, sagte der
Nachrichtenagentur Reuters am Montag, nach sechs Monaten schwieriger
Verhandlungen stünden beide Seiten kurz vor einer Einigung
über so schwierige Fragen wie Menschenrechte und
Handelszölle. Die EU hoffe, das Abkommen "jetzt recht bald"
abschließen zu können. Politische Beobachter gehen davon
aus, dass das Abkommen bis Ende des Jahres unterzeichnet werden wird.
Die Regierung in Damaskus habe ein Interesse daran, den wachsenden
Druck aus den USA durch Gegenmaßnahmen auszutarieren, hieß
es weiter. Die USA werfen Syrien insbesondere vor, seine Grenzsicherung
zu vernachlässigen und so ausländischen Kämpfern das
Einsickern in den Irak zu ermöglichen. Die USA machen solche
Kämpfer für zahlreiche Angriffe auf die US-geführten
Besatzungstruppen im Irak verantwortlich. Zudem hat vergangene Woche
ein Gesetzentwurf den US-Senat passiert, in dem wirtschaftliche und
diplomatische Sanktionen gegen Syrien wegen Unterstützung
militanter, anti-israelischer Kräfte und der
Militärpräsenz im Libanon verhängt werden. Die
Gesetzesvorlage muss noch von US-Präsident George W. Bush
unterzeichnet werden.
Hesske sagte, US-Sanktionen wären nicht hilfreich für das
Geschäftsklima in dem Nahost-Staat. Das Assoziierungsabkommen
solle Syrien hingegen ermutigen, wirtschaftliche Reformen anzukurbeln,
die Präsident Baschar el Assad bei seinem Amtsantritt 2000
angekündigt hatte. Die EU hat bereits mit zwölf Staaten aus
dem Mittelmeerraum Assoziierungsabkommen geschlossen. Ziel der
Kooperation ist die Schaffung einer Freihandelszone bis 2010.
(Quelle: rtr)
EU im Atom-Streit gegen scharfen Kurs gegen Iran
Di.18.11.03 - Die Europäische Union (EU) hat sich gegen ein von den USA
gefordertes hartes Vorgehen im Atomstreit mit Iran ausgesprochen.
EU-Chefdiplomat Javier Solana sagte am Montag am Rande von Beratungen
der Außenminister in Brüssel, Iran verhalte sich bei seinem
Atomprogramm aufrichtig. Deshalb solle die Internationale
Atomenergiebehörde (IAEA) dem UNO-Sicherheitsrat keine Beschwerde
über Irans Informationspolitik vorlegen, um den Weg zu Sanktionen
zu öffnen. Die USA werfen Iran vor, gegen den
Atomwaffensperrvertrag verstoßen zu haben und wollen darüber
im UNO-Sicherheitsrat beraten. Ein führender iranischer Politiker
warnte Diplomaten zufolge vor einem Scheitern des iranischen
Kompromisskurses im Atomstreit, falls sein Land im UNO- Sicherheitsrat
kritisiert werde.
Solana sagte, jetzt sei Iran am Zug, die Zusagen gegenüber drei
EU-Außenministern aus dem Oktober einzuhalten. Iran hatte
zugesichert, die Anreicherung von Uran zu stoppen und internationale
Kontrollen seiner Atomanlagen zuzulassen. Nun müsse dem Land
Gelegenheit gegeben werden, seine Zusagen umzusetzen, sagte Solana.
Ein hochrangiger deutscher Diplomat sagte, die EU-Staaten im IAEA-Rat
wollten in der Sitzung am 20. Juni eine Beschwerde beim
UNO-Sicherheitsrat verhindern. Statt dessen solle begrüßt
werden, dass Iran sich zur Zusamenarbeit mit der IAEA und zum Stopp
seines Programms zur Anreicherung von Uran verpflichtet habe. Zugleich
solle kritisch angemerkt werden, dass Iran in der Vergangenheit
Verpflichtungen nicht eingehalten habe. Es gebe Übereinstimmung,
dass es jetzt keinen Bericht an den Sicherheitsrat geben sollte.
Der Sekretär des einflussreichen iranischen Nationalen
Sicherheitsrates, Hassan Rohani, habe vor den Folgen einer
UNO-Beschwerde gewarnt, sagten Diplomaten. Rohani habe "sehr klar
gemacht" dass ein solcher Schritt innenpolitisch im Iran nicht
vermittelbar sei. "Damit wäre der Prozess beendet", sagte der
deutsche Diplomat mit Blick auf die iranischen Zugeständnisse.
Rohani selbst betonte, sein Land habe sein Atomprogramm
vollständig offen gelegt. Deshalb gebe es keinen Grund für
eine Beschwerde beim UNO-Sicherheitsrat. Er hatte die
Außenminister Frankreichs und Großbritanniens, Dominique de
Villepin und Jack Straw, sowie den deutschen Staatssekretär im
Auswärtigen Amt, Klaus Scharioth, getroffen.
Diplomaten sagten, Deutschland, Frankreich und Großbritannien
hätten den anderen Ländern im IAEA-Rat einen Entwurf für
eine Resolution vorgelegt. Dieser sehe keinen Bericht an den
UNO-Sicherheitsrat vor und habe wahrscheinlich gute Chancen, eine
Mehrheit zu finden. Ein westlicher Diplomat bei der IAEA sagte, die USA
seien möglicherweise bereit, vorerst auf eine Beschwerde bei der
UNO zu verzichten. Sie verlangten jedoch, dass Verstöße
Irans gegen den Atomwaffensperrvertrag festgestellt werden.
Die USA sehen im iranischen Atomprogramm den ersten Schritt zur
Entwicklung von Atomwaffen. Iran betont dagegen, ihm gehe es nur um die
friedliche Nutzung von Kernenergie.
(Quelle: rtr)
Apartheid-Opfer: Südafrika beginnt mit Auszahlung von
Entschädigung
Südafrikanische Firmen sind weiterhin nicht bereit, sich an
Reparationszahlungen zu beteiligen
Di.18.11.03 - Die südafrikanische Regierung beginnt mit der Überweisung von
Entschädigungszahlungen an die Opfer der Zeit der Apartheid.
22.000 Personen sollen jeweils 30.000 Rand, umgerechnet etwa 3.750
Euro, erhalten, teilte das südafrikanische Justizministerium am
Wochenende mit. Mit der Auszahlung soll ein Ausgleich für
erlittenes Unrecht geschaffen werden.
Ein entsprechender Beschluss sei vom südafrikanischen Parlament
entsprechend den Empfehlungen der Wahrheitskommission im vergangenen
April gefasst worden, teilte das Justizministerium weiter mit. Die von
der Regierung bewilligten Zahlungen liegen allerdings weit unter den
von der Wahrheitskommission und den Organisationen der Apartheid-Opfer
empfohlenen Leistungen. Opfer-Organisationen wie "Khulumani" weisen
zudem darauf hin, dass die Betroffenen fünf Jahre länger als
ursprünglich vorgesehen auf die Gelder warten mussten.
Wie der Sprecher des Justizministeriums, Kaizer Kganyago,
erklärte, wird die südafrikanische Regierung in den kommenden
Tagen mit allen zum Empfang von Kompensationszahlungen berechtigten
Personen Kontakt aufnehmen, um die Auszahlungen korrekt abzuwickeln.
Während der vergangenen Woche hatten zudem Vertreter der
südafrikanischen Wirtschaft ihre Bereitschaft bekräftigt, die
südafrikanische Regierung bei der Kompensation für
während der Apartheidzeit erlittenes Unrecht weiter zu
unterstützen.
Der Sprecher der Standard Bank, Saki Macazoma, betonte im Namen der
wichtigsten südafrikanischen Unternehmen in der vergangenen Woche
aber auch erneut, dass südafrikanische Firmen weiterhin nicht
bereits sind, sich an Reparationszahlungen zu beteiligen, welche von
Apartheid-Opfern über amerikanische Gerichte eingefordert werden.
Südafrika habe diesen Weg ausgeschlossen und sich stattdessen
für die Unterstützung des Wiederaufbaus entschieden.
(Quelle: epd)
Lateinamerikanische Länder fordern Gerechtigkeit im Welthandel
Fairen Zugang zu den Märkten der Industriestaaten verlangt
Di.18.11.03 - Spitzenpolitiker aus Lateinamerika und der Karibik haben bei einer
Regionalkonferenz mit Geber-Organisationen in Brasilien einen fairen
Zugang zu den Märkten der Industriestaaten gefordert. Das Ziel der
Vereinten Nationen, die Armut und den Hunger in der Welt bis 2015 zu
halbieren, werde scheitern, wenn die reichen Länder weiterhin
protektionistische Handelsbarrieren gegen die Dritte Welt errichteten,
erklärte der Arbeits- und Sozialminister Uruguays, Santiago Perez
de Castillo, am Montag in Brasilia. Er appellierte insbesondere an die
Vereinigten Staaten und die Europäische Union, ihre Märkte zu
öffnen. "Die Menschen in Lateinamerika sind keine Bettler",
betonte Perez. Man verlange lediglich, dass der internationale Handel
auf dem Prinzip der Gerechtigkeit basiere. Bei der Konferenz in
Brasilia steht die Frage im Mittelpunkt, wie das Ziel des
UN-Millenniumsgipfels zur Halbierung der Armut konkret umgesetzt werden
könnte.
(Quelle: ap)
Mehr als 18.000 polnische Kumpel im Streik
Di.18.11.03 - Aus Protest gegen Rotstiftpläne der Regierung sind am Montag mehr
als 18.000 polnische Bergleute in einen 24-stündigen Streik
getreten. An dem Ausstand beteiligten sich Kumpel von 16 Bergwerken,
Kollegen in weiteren zehn der insgesamt 40 polnischen Minen legten die
Arbeit zum Zeichen der Solidarität für einen kürzeren
Zeitraum nieder. Die Regierung plant, fast 20 Prozent der
Arbeitsplätze in der verlustreichen Kohleindustrie zu streichen
und Minen zu schließen.
Bis 2006 sollen 25.000 der 140.000 Arbeitsplätze im Bergbau
abgebaut werden. Darüber hinaus sollen bis 2007 Kosten in
Höhe von mindestens 20 Milliarden Zloty (4,4 Milliarden Euro)
eingespart werden, um die Wirtschaft des Landes auf den EU-Beitritt
vorzubereiten. Zugleich will die Regierung Umschulungsmaßnahmen
unterstützen und Kredite für Kleinunternehmer anbieten. Die
Bergbauindustrie in Polen hat allein im vergangenen Jahr eine Milliarde
Zloty Verlust gemacht.
In der oberschlesischen Stadt Beuthen (Bytom), rund 300 Kilometer
südlich von Warschau, und in Kattowitz (Katowice) gingen am Montag
hunderte Demonstranten auf die Straße, um ihre Unterstützung
für die streikenden Bergarbeiter zu demonstrieren. Allein in
Beuthen sollen im kommenden Jahr vier Minen mit rund 8.500
Arbeitsplätzen geschlossen werden.
(Quelle: ap)
Großdemonstrationen in Athen zur Erinnerung an Studentenaufstand
Am 17. November 1973 hatte die Militärdiktatur in Griechenland
prodemokratische Proteste an der polytechnischen Universität in
Athen mit Panzern und Soldaten blutig beendet
Di.18.11.03 - Nach dem Ende einer Großdemonstration zur Erinnerung an die
blutige Niederschlagung der Studentenrevolte in Griechenland vor 30
Jahren ist es am Montagabend in der Nähe der US-Botschaft in Athen
zu Straßenschlachten zwischen der Polizei und Anarchisten
gekommen. Die Polizei setzte Tränengas ein, die militanten
Demonstranten warfen mit Brandsätzen und Steinen. Rund 40 Personen
wurden nach Polizeiangaben festgenommen. Auch in der nordgriechischen
Hafenstadt Saloniki kam es nach einer friedlichen Demonstration von
8.000 Menschen vor dem US-Konsulat zu Ausschreitungen.
Rund 10.000 Demonstranten zogen am Montag durch Athen, um des
Studentenaufstands zu gedenken. Darunter waren auch autonome Gruppen,
Anti-Kapitalismus-Aktivisten sowie Gegner der US-Besatzung in Irak. Die
Sicherheitskräfte wurden in Alarmbereitschaft versetzt, mehr als
7.000 Polizisten waren im Einsatz. Nachdem sich die Kundgebung
friedlich aufgelöst hatte, zerstörten die militanten
Demonstranten zahlreiche Schaufensterscheiben, warfen Brandsätze
in zwei Banken und zündeten Mülleimer an.
Am 17. November 1973 hatte die Militärdiktatur in Griechenland
prodemokratische Proteste an der polytechnischen Universität in
Athen mit Panzern und Soldaten gewaltsam beendet. Mehr als 20 Personen
sollen auf dem Campus getötet und hunderte weitere verletzt worden
sein; eine offizielle Opferzahl gibt es bis heute nicht.
Jedes Jahr kommt es an dem Datum, nach dem sich auch die griechische
Terrorgruppe 17. November benannt hat, zu heftigen Ausschreitungen.
Höhepunkt der Proteste ist meistens ein Marsch vor die
amerikanische Botschaft. Die Demonstranten werfen den USA vor, die von
1967 bis 1974 andauernde Diktatur in Athen unterstützt und damit
die Niederschlagung der Bewegung ermöglicht zu haben.
(Quelle: ap)
Starke Zugewinne für Republikanische Linke in Katalonien
Mandate im Regionalparlament in Barcelona fast verdoppelt +++
Katalonien ist der Wirtschaftsmotor Spaniens
Di.18.11.03 - Starke Zugewinne der Separatisten bei der Regionalwahl in Katalonien
setzen die spanische Zentralregierung unter Druck. Die nach
Unabhängigkeit strebende Republikanische Linke konnte ihre Mandate
im Regionalparlament in Barcelona von 12 auf 23 fast verdoppeln. Sie
könnte damit zum Königsmacher in den Koalitionsverhandlungen
werden, da sowohl Konservative als auch Sozialisten am Sonntag die
Mehrheit für die Regierungsbildung verfehlten.
Die konservative Partei Annäherung und Union (CIU) verteidigte
zwar ihre Position als stärkste Kraft, verlor aber ebenso wie die
Sozialisten 10 Sitze. Die CIU verfügt nun lediglich noch über
46 Sitze - in der letzten Regionalversammlung hatte sie noch 56 Mandate
inne. Die Sozialisten rutschten von 52 auf 42 Sitze. Für eine
Regierungsbildung ist eine Mehrheit von 68 Sitzen im 135 Mitglieder
zählenden Parlament erforderlich.
Intensive Verhandlungen der Konservativen wurden auch mit den beiden
kleineren Gruppierungen erwartet, die bei der Wahl vom Sonntag antraten
und beide Zugewinne verbuchen konnten. So verbesserte sich die
Volkspartei des spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar
von 12 auf 15 Sitze, die Umweltschützer legten von 3 auf 9 Mandate
zu.
Die Republikanische Linke signalisierte am Montag noch keine
Präferenzen für eine mögliche Koalition. Die Partei
fordert die Unabhängigkeit Kataloniens, während Konservative
und Sozialisten lediglich für eine Ausweitung der 1978
gewährten Autonomie eintreten.
Die künftige Regierungskoalition entscheidet auch über den
Nachfolger des bisherigen Regionalpräsidenten Jordi Pujol, der
nach 23 Jahren nicht mehr antrat. Als Kandidaten für das
Präsidentenamt nominierte die CIU Artur Mas, den der
73-jährige Pujol selbst ausgewählt hat. Für die
Sozialisten trat Pasqual Maragall an, ein ehemaliger Bürgermeister
von Barcelona.
Katalonien ist der Wirtschaftsmotor Spaniens und für 20 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. In der Region leben rund 6,5
Millionen der insgesamt 40 Millionen Einwohner des Landes.
(Quelle: ap)
Deutschland
Bundeswehr verfügt noch über tausende Streubomben
Politiker und Prominente fordern die sofortige Vernichtung der hoch
umstrittenen Waffen +++ Militär: Verzicht wegen geltender
NATO-Bündnisverpflichtungen derzeit nicht möglich
Di.18.11.03 - Die Bundeswehr verfügt noch über tausende Streubomben
für die Landesverteidigung. Das Verteidigungsministerium in Berlin
bestätigte einen entsprechenden Bericht des SWR- Politikmagazins
"Report Mainz". Seit 2001 seien rund 8000 Bomben vernichtet worden,
sagte ein Sprecher.
Der Streubomben-Besitz hat großen Protest ausgelöst.
Politiker und Prominente forderten am Montag die sofortige Vernichtung
der hoch umstrittenen Waffen.
In militärischen Kreisen hieß es, ein Verzicht auf
Streubomben sei zwar wünschenswert, doch wegen geltender
NATO-Bündnisverpflichtungen derzeit nicht möglich. Laut
Magazinbericht verfügen Heer und Luftwaffe über mehrere
Tausend Streubomben, die für ein großflächiges
Bombardement ausgelegt sind.
Konkrete Zahlen nannte das Verteidigungsministerium nicht, der Bestand
werde aber nicht mehr ausgebaut. Der Sprecher sagte lediglich, dass die
Luftwaffe seit Mitte 2001 bereits 8.000 Bomben des Typs BL-755
vernichtet habe und dass deren Restbestand nun «deutlich
darunter» liege. Die BL-755-Bomben verteilen sich noch in der
Luft in eine große Wolke aus 147 Sprengsätzen. Jede dieser
Mini-Bomben ist für Menschen im nahen Umkreis am Boden
tödlich.
Grünen-Chefin Angelika Beer verlangte, diese Waffen sofort zu
vernichten. Auch solle sich die Regierung für eine internationale
Ächtung der Streubomben einsetzen. Die Waffen seien offenbar
Altlasten, erklärte Beer. Der Grünen-Verteidigungsexperte
Winfried Nachtwei sagte, die Bomben seien weder zur Landesverteidigung
noch für internationale Kriseneinsätze der Bundeswehr
notwendig.
Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (beide SPD)
verlangten laut "Report Mainz", diese Bomben aus dem Bestand der
Streitkräfte zu nehmen. Der Deutsche Initiativkreis für den
Verbot von Landminen forderte ein internationales Verbot der Waffen.
Sie würden darin auch von prominenten Persönlichkeiten wie
Anne Will, Dieter Hildebrand, Günther Jauch und Mario
Müller-Westernhagen unterstützt, hieß es.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP verfügte das Heer
noch im September 2002 über 36.972 Einheiten von
Artillerie-Streumunition des Typs M-77, die als Raketen verschossen je
644 Einzelbomben über dem Zielgebiet verstreuen. Die Angaben
beruhen auf einem Schreiben von Verteidigungs-Staatssekretär
Walter Kolbow, das der AP in Kopie vorliegt.
Der Einsatz von Streubomben während des Irak-Krieges durch die USA
und Großbritannien hatte weltweit heftige Proteste ausgelöst.
(Quellen: dpa, ap)
Rot-Grüne Kontroverse um Auslandseinsatz von Wehrpflichtigen
Di.18.11.03 - Mit seinem Vorschlag, Wehrpflichtige auf Auslandseinsätze zu
schicken, hat Verteidigungsminister Peter Struck eine Kontroverse
zwischen den rot-grünen Koalitionspartnern ausgelöst. Mit
ihnen sei dieser Plan nicht zu machen, erklärte Grünen-Chefin
Angelika Beer am Montag in Berlin. Wie und in welchem Umfang
Wehrpflichtige an Auslandseinsätzen der Bundeswehr teilnehmen
sollen, sei noch nicht entschieden, sagte ein Sprecher des
Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AP.
SPD-Politiker Struck hatte sich am Sonntag in der ZDF-Sendung "Berlin
direkt" dafür ausgesprochen, dass Auslandseinsätze auf
freiwilliger Basis auch schon im neunmonatigen Grundwehrdienst
möglich sein sollen. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan werde
dem Minister bis Jahresende seine Vorschläge für eine
strukturell weiter verkleinerte und auf Auslandseinsätze
ausgerichtete Bundeswehr vorlegen, erklärte der
Ministeriumssprecher weiter. Teil dieser Vorschläge sollten auch
Auslandseinsätze wehrpflichtiger Soldaten sein.
Mit seinem neuesten Vorstoß bekräftigte Struck seinen
bereits im Sommer bekundeten Willen, beruflich erworbene Kenntnisse von
Wehrpflichtigen auch im Ausland zu nutzen. Neben militärischem
Können würden häufig zivilhandwerkliche Fähigkeiten
oder Know-how zum Wiederaufbau der Infrastruktur benötigt, hatte
Struck bereits im Juni auf einer sicherheitspolitischen Konferenz
betont. Bisher werden nur Wehrpflichtige außerhalb des
NATO-Gebiets eingesetzt, die freiwillig länger als die
vorgeschriebenen neun Monate dienen.
"Wir sind gelinde gesagt erstaunt über den Vorschlag", sagte
Grünen-Politikerin Beer. Sie bezeichnete es als unverantwortlich,
"Jugendliche, die nicht ausreichend ausgebildet sind", auf freiwilliger
Basis im Ausland einzusetzen.
Der Bundeswehr-Verband begrüßte hingegen die
Äußerungen des Ministers, betonte aber, dass der Einsatz
freiwillig sein und vom Vorgesetzten fachlich befürwortet werden
müsse. Der Verbandsvorsitzende Bernhard Gertz sagte der
«Neuen Osnabrücker Zeitung», die bisherige Praxis habe
keine Rechtsgrundlage: "Das Soldatengesetz definiert für den
Einsatz keine Ausnahmen." Die rein politische Ausgrenzung gehe auf die
Zeit der ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr in Kambodscha und
Somalia zurück. Da militärische Sicherheitsvorsorge heute
viel weiter gefasst werde, habe die Abgrenzung ihren Sinn verloren. Von
einer Neuregelung würden allenfalls Soldaten mit fertiger
Berufsausbildung profitieren.
Strucks Vorstoß war bei der Opposition auf Kritik gestoßen.
Die CDU argumentierte, dass für Neun-Monate-Wehrpflichtige ein
internationaler Einsatz nicht in Frage käme und die Aufgaben
für die Wehrpflichtigen im Inland definiert werden müssten.
Die FDP nannte das Vorhaben unverantwortlich, weil Wehrpflichtige
für solche Einsätze nicht ausreichend ausgebildet seien. Der
FDP-Verteidigungsexperte Günther Nolting warf Struck vor, wieder
ein Hilfsargument für die Beibehaltung der Wehrpflicht zu liefern.
(Quelle: ap)
Lautstarke Proteste begleiten SPD-Parteitag
Di.18.11.03 - Mit Pfeifkonzerten und Sprechchören haben rund 6.000 Polizisten,
Feuerwehrleute und Soldaten zu Beginn des SPD-Parteitags am Montag
gegen Sozialkürzungen protestiert. Die Demonstranten aus
zahlreichen Bundesländern empfingen die eintreffenden Delegierten
vor der Kongresshalle in Bochum. Mehrere Gewerkschaften hatten zu der
Kundgebung aufgerufen. Am Abend folgten weitere 1.200 Menschen einem
Aufruf mehrerer Initiativen zu einem Protestzug.
SPD-Chef und Bundeskanzler Gerhard Schröder betrat wegen der
Demonstration die Halle durch einen Nebeneingang. Von den
Spitzenpolitikern der Partei suchte Verteidigungsminister Peter Struck
trotz "Pfui"-Rufen den Kontakt zu den Demonstranten und sprach mit dem
Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Dienstleistungsgewerkschaft
ver.di und der Bundeswehrverband kritisieren die Verlängerung von
Arbeitszeiten, die Kürzung des Weihnachtsgelds, die Streichung des
Urlaubsgelds und schlechte Arbeitsbedingungen. Der Bundeswehrverband
forderte eine einheitliche Bezahlung für Ost und West.
Angesichts der Proteste zeigte sich der nordrhein-westfälische
Ministerpräsident Peer Steinbrück verständnislos. "Ich
muss sparen. Es gibt keine Alternative", sagte Steinbrück. Die
Beamten müssten sich klar machen, dass sie sichere
Arbeitsplätze hätten und es im öffentlichen Dienst keine
betriebsbedingten Kündigungen gebe.
Gertz reagierte darauf mit einer ironischen Bemerkung: "Ich lade den
Ministerpräsidenten gern nach Kabul ein. Dort kann er sich
überzeugen, dass unsere Soldaten sogar bombensichere
Arbeitsplätze haben." Auch der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg
fragte: "Wir setzen Leib und Leben für diesen Staat ein. Und was
ist der Dank dafür?" Der Staat ziehe sich aus seiner Verantwortung
für die innere Sicherheit zurück. Freiberg kritisierte, dass
viele Polizeibeamte zum Schutz während der Protestveranstaltung
abgeordnet wurden und damit nicht mitdemonstrieren durften.
Am Abend nahmen Anhänger mehrerer Organisationen, darunter
Globalisierungskritiker des Netzwerks Attac und eine
Friedensinitiative, an einem Protestzug durch die Bochumer Innenstadt
teil. Nach Angaben der Polizei blieb es bei allen Demonstrationen
friedlich.
Die Gewerkschaften kündigte für den CDU-Bundesparteitag am 1.
Dezember in Leipzig weitere Proteste an.
(Quelle: ap)
SPD hat neue Führung gewählt
Deutliche Stimmenverluste für Schröder und Clement bei
Bochumer Parteitag +++ Denkzettel für Scholz - Wiederwahl nur mit
52,6 Prozent
Di.18.11.03 - Die neue SPD-Spitze steht. Der Parteitag in Bochum wählte am
Montag den Parteichef, seine fünf Stellvertreter, den
Generalsekretär und die Schatzmeisterin. Am schlechtesten schnitt
"General" Olaf Scholz mit nur 52,6 Prozent Zustimmung ab.
Gerhard Schröder führt die SPD auch in den kommenden zwei
Jahren. Er bekam 80,83 Prozent der Delegiertenstimmen. Schröder
sieht sich durch die Stimmenverluste bei seiner Wiederwahl nicht
geschwächt. Es sei normal, so Schröder, dass sich Frust und
Enttäuschung über schlechte Wahlergebnisse an Personen
abladen. Der SPD-Parteichef sprach von einem "ehrlichen" Ergebnis, das
"der Würde unserer Partei gerecht wird".
Als Stellvertreter Schröders wurden Bundeswirtschaftsminister
Wolfgang Clement (56,7 Prozent), Entwicklungshilfeministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul (84,6 Prozent) und Bundestagspräsident Wolfgang
Thierse (90 Prozent) bestätigt. Neue "Vize" sind der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (82,6
Prozent) und die baden-württembergische SPD-Vorsitzende Ute Vogt
(70,5 Prozent). Beck tritt an die Stelle von Ex-Verteidigungsminister
Rudolf Scharping. Vogt übernimmt die Stelle von Familienministerin
Renate Schmidt.
SCHRÖDER, der 1998 zum Bundeskanzler gewählt wurde, ist seit
1999 Vorsitzender der Sozialdemokraten. Zuvor war er von 1990 bis 1998
Ministerpräsident in Niedersachsen. Dem SPD-Präsidium
gehört der 59-Jährige bereits seit 1989 an. Parteimitglied
ist er mittlerweile seit 40 Jahren.
CLEMENT wurde 1999 erstmals zum Partei-Vize. Wirtschafts- und
Arbeitsminister ist er seit der letzten Bundestagswahl. Davor war der
63-Jährige ab 1998 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
Der Partei gehört der Ex-Journalist seit 1970 an. Clement zeigte
sich erleichtert, dass er die 50-Prozent-Hürde gemeistert hat.
"Das ist ja noch mal so eben gut gegangen", sagte er. Vor zwei Jahren
hatte der Wirtschaftsminister noch 68,94 Prozent der Stimmen erhalten.
Der 60-jährige THIERSE ist bereits seit 1990 SPD-Vize. Bis 1998
war er stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Er ist
seit 1990 Parteimitglied.
WIECZOREK-ZEUL gehört dem Kabinett Schröder seit 1998 an.
Schröders Stellvertreterin in der SPD ist sie seit 1993. Das
Parteibuch hat sie bereits seit 1965. Von 1974 bis 1977 war sie
Juso-Vorsitzende. Von 1988 bis 1999 stand die «Rote Heidi»
dem SPD-Bezirk Hessen-Süd vor.
Der gelernte Elektrotechniker BECK hatte Scharping 1994 beerbt, als
dieser in die Bundespolitik ging, und ist seitdem
Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz. 1979 zog Beck
erstmals in den Mainzer Landtag ein, wurde 1991 Fraktionschef und 1993
auch Vorsitzender der Landespartei. SPD-Mitglied ist Beck seit 1972.
VOGT rückt aus dem Vorstand in die Gruppe der Stellvertreter auf.
Die 39-Jährige ist seit 1999 SPD-Landeschefin in
Baden-Württemberg und gehört dem Bundestag seit 1994 an. Seit
der Bundestagswahl 2002 ist sie parlamentarische Staatssekretärin
im Bundesinnenministerium. Der Partei trat sie 1984 bei.
Der 45-jährige SCHOLZ ist seit Oktober 2002 Generalsekretär.
Bei seiner ersten Wahl hatte er 91,3 Prozent der Stimmen auf sich
vereinigen können. An der Spitze des Hamburger SPD-Landesverbands
steht er seit Januar 2000. Zwischen 2001 und 2002 war er Innensenator
der Hansestadt. Seit 2002 gehört er wieder dem Bundestag an.
Vor der Wahl hatte Schröder auf dem Parteitag eindringlich um
Unterstützung für seine Reformagenda geworben. Die Erneuerung
Deutschlands brauche "den Mut zur Wahrheit und den Willen zum Wandel",
sagte er in einer mehr als einstündigen Grundsatzrede. Die SPD
dürfe ihre Kraft nicht verschwenden, um sich selbst zu bekriegen,
sondern müsse sie für die Auseinandersetzung mit dem
politischen Gegner nutzen. "Von diesem Parteitag muss und wird die
Botschaft ausgehen, dass wir es gemeinsam und geschlossen tun."
In seiner Rede räumte Schröder ein, dass die Wahlniederlagen
der SPD in den vergangenen Monate schmerzhaft gewesen seien. "Unsere
Partei ist heute in einer schwierigen Lage." Die Sozialdemokraten
hätten jedoch in ihrer Geschichte schon ganz andere
Herausforderungen erfolgreich gemeistert. Die Agenda 2010 sei nicht nur
ein notwendiges Programm, sondern auch eine neue
Gestaltungsmöglichkeit für eine bessere Zukunft.
Die Delegierten reagierten mit viel Zustimmung, aber auch mit
vereinzelter Kritik auf die Ausführungen Schröders.
SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler lobte die Rede als richtungweisend.
Die Parteilinke Andrea Nahles verlangte, die SPD müsse sich wieder
mehr auf ihr soziales Profil besinnen.
(Quellen: ap, br-Radionachrichten)
CDU-Führung bestätigt Rauswurf Hohmanns
Parteichefin Merkel: Schritte gegen Hohmann seien "völlig
alternativlos" gewesen, nachdem Hohmann zu einer inhaltlichen
Distanzierung von seiner als antisemitisch kritisierten Rede nicht
bereit gewesen sei - Die CDU müsse eine Diskussion
führen über ihr "Selbstverständnis als Deutsche"
und eine akzeptable "Form von Patriotismus"
Di.18.11.03 - Die Spitzengremien der CDU haben den Rauswurf des Abgeordneten Martin
Hohmann aus der Bundestagsfraktion und das Parteiausschlussverfahren
einmütig als "richtig, notwendig und unabdingbar" gebilligt. Das
berichtete Parteichefin Angela Merkel am Montag in Berlin nach einer
ausführlichen Debatte der Antisemitismus-Affäre in
Präsidium und Vorstand. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte
auf dem SPD-Parteitag in Bochum, die CDU müsse ihre
programmatischen Grenzen klären. Er wolle sich aber nicht in die
Diskussion einmischen.
Für die Identität der CDU seien die Sanktionen gegen Hohmann
von großer Bedeutung, sagte Merkel. In der Debatte sei deutlich
geworden, wie wichtig es sei, dass die CDU die Grenze aufzeige zwischen
dem, was mit ihrer Programmatik vereinbar sei, und dem, was jenseits
dieser Grenze liege. Die Rede Hohmanns sei jenseits dieser Grenze
gewesen. Die Schritte gegen Hohmann seien "völlig alternativlos"
gewesen, nachdem er zu einer inhaltlichen Distanzierung von seiner Rede
zum Jahrestag der deutschen Vereinigung nicht bereit gewesen sei.
Merkel wiederholte ihre Einschätzung, dass die CDU eine Diskussion
führen müsse über ihr "Selbstverständnis als
Deutsche" und eine akzeptable "Form von Patriotismus" .Diese Diskussion
habe bereits begonnen, und sie werde in ihrer Rede auf dem Leipziger
CDU-Parteitag Anfang Dezember darauf eingehen.
"Die Union muss selbst bestimmen, was erlaubt ist und was jenseits des
Konsenses ist", sagte Schröder in Bochum. Er nannte die als
antisemitisch kritisierten Äußerungen des früheren
CDU-Abgeordneten "unselig". Schröder wandte sich gleichzeitig
gegen eine Diskussion über Patriotismus in Deutschland. "Wir
Sozialdemokraten brauchen keine Patriotismus-Debatte, weil wir
Patrioten sind seit 140 Jahren", sagte der SPD-Chef.
Der Berliner Historiker Arnulf Baring kritisierte das
Ausschlussverfahren in einem Interview mit der "Welt" (Dienstagausgabe)
als unverhältnismäßig. Es übersteige das, was eine
Partei an Widerspruch und Streit ertragen müsse. Die Union sei
"innerlich befangen gegenüber allem, was als rechts und dann auch
gleich als rechtsradikal und rechtsextrem gilt", sagte Baring.
(Quelle: ap)
Mehr zur Hohmann-Affäre im boa-Archiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311160.htm#03111aa
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311150.htm#031114_k
CDU-Politiker kritisieren Rentenkonzept der CSU
Auch Wirtschaft, Gewerkschaften und Sozialverbände lehnen die
Pläne der CSU ab, Eltern bei der Rente gegenüber Kinderlosen
zu entlasten
Di.18.11.03 - In scharfer Form haben CDU-Politiker das Rentenkonzept der bayerischen
Schwesterpartei CSU attackiert. "Das CSU-Konzept spaltet die
Gesellschaft. Wenn das umgesetzt würde, wäre das fast ein
Enteignungstatbestand", sagte CDU-Präsidiumsmitglied Hildegard
Müller der "Financial Times Deutschland". Familien müssten
über das Steuer- und nicht über das Rentensystem
gefördert werden. Die CDU-Familienpolitikerin Katherina Reiche
nannte die CSU-Pläne "eine Unverschämtheit".
Auch Wirtschaft, Gewerkschaften und Sozialverbände lehnten die
Pläne der CSU ab, Eltern bei der Rente gegenüber Kinderlosen
zu entlasten. "Die Finanzierung von Kinderbonus und Kinderrente
über die Rentenkasse lehnen wir ab", sagte die Vizechefin des
Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ursula Engelen-Kefer, der
"Berliner Zeitung". Verdi-Vorstandsmitglied Christian Zahn sagte, "mit
ihrem Vorschlag kündigt die CSU eine Bestrafung der Kinderlosen
an. Das ist sozialpolitisch untragbar." "Die Familienförderung
kann nicht allein Aufgabe der gesetzlichen Rentenversicherung sein",
sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben in der Zeitung.
Der Präsident des Sozialverbandes Deutschland SoVD, Adolf Bauer,
sieht in den Vorschlägen der CSU einen Irrweg. "Kinderlose
dürfen nicht bestraft werden", sagte er der "Berliner Zeitung".
"Familienförderung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und
muss daher aus Steuergeldern bezahlt werden." Der Präsident des
Sozialverbandes VdK, Walter Hirrlinger, warnte, "ungewollt Kinderlose
würden mit der Einführung der Stoiberschen Rentenvision
doppelt bestraft".
Im Mittelpunkt des Konzepts stehen zwei Punkte: Zum einen will die CSU
für jedes ab 2005 geborene Kind bei den Rentenbeiträgen einen
Kinderbonus in Höhe von 50 Euro pro Monat gewähren, der bis
zum 12. Lebensjahr des Kindes gezahlt werden soll. Zum zweiten sollen
statt wie bislang drei Jahre künftig fünf Jahre
Kindererziehungszeiten bei der Rentenzahlung berücksichtigt
werden. Dies würde eine "Kinderrente" von 130 Euro pro Kind im
Monat bedeuten.
(Quelle: afp)
Vier ostdeutsche Regionen bei Arbeitslosigkeit EU-weite 'Spitze'
Problemregionen übertreffen sogar die Quoten der am schlechtesten
platzierten Regionen in den Beitrittsländern +++ Institute: Aktive
Arbeitsmarkt- und Unternehmensförderung im Osten abbauen
Di.18.11.03 - Vier ostdeutsche Regionen sind bei der Arbeitslosigkeit EU-weit Spitze.
Wie das europäische Statistikamt Eurostat meldet, handelt es sich
um die Regierungsbezirke Halle, Dessau, Leipzig und
Mecklenburg-Vorpommern. Die ostdeutschen Problemregionen
übertrafen damit 2002 auch die Quoten der am schlechtesten
platzierten Regionen in den Beitrittsländern. Die höchste
Arbeitslosigkeit im europäischen Kernland ermittelten die
Statistiker 2002 für Halle mit 27,1 Prozent.
Die Förderinstrumente für die wirtschaftliche Entwicklung in
den neuen Bundesländern sollten nach Auffassung
wirtschaftswissenschaftlicher Institute umgestellt werden. Das schlagen
das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin), das
Institut für Wirtschaftsforschung Halle und weitere 3 Institute in
ihrem in Berlin vorgelegten 2. Fortschrittsbericht über die
Ost-Entwicklung vor. Abgebaut werden sollten die aktive
Arbeitsmarktpolitik und allmählich auch die
Unternehmensförderung.
"Die Wirtschaft in den neuen Bundesländern entwickelt sich nur
schleppend", heißt es in dem Bericht. Hemmend wirke sich
weiterhin der Bevölkerungsrückgang aus. Außerdem werde
die Entwicklung immer stärker vom allgemeinen konjunkturellen
Umfeld bestimmt. "Mit einer deutlichen Verbesserung der Lage ist
deshalb erst dann zu rechnen, wenn die Wachstumsprobleme in ganz
Deutschland gelöst werden."
Zwar habe die Investitionsförderung im Osten erhebliche Projekte
angeschoben. Gleichwohl verpuffe ein Teil der Förderwirkungen,
sofern Zulagen und Zuschüsse nicht zusammengeführt
würden. "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sollten in der
bisherigen Form nicht weiter geführt werden", fordern die
Institute. Vorrang in den neuen Ländern müsse der Ausbau der
Infrastruktur haben.
(Quelle: dpa)
DGB: Weit über 200.000 Lehrstellen fehlen
Di.18.11.03 - In Deutschland fehlen nach Angaben des DGB-Chefs Michael Sommer weit
über 200.000 Lehrstellen.
"Die Lücke zwischen angebotenen und nachgefragten
Ausbildungsplätzen liegt derzeit nicht bei 24.000, wie offiziell
gemeldet wird. Die Lücke zwischen Bewerbern und angebotenen
Lehrstellen ist in Wahrheit zehnmal so groß und beträgt weit
über 200.000", sagte der Vorsitzende des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB) der Zeitung "Die Welt" (Dienstagausgabe).
Allein 70.000 Jugendliche würden sich derzeit als ungelernte
Arbeitskräfte bewerben, weil alle Versuche gescheitert seien, eine
Lehrstelle zu finden. Nur noch 47 Prozent der Jugendlichen würden
im dualen Ausbildungssystem ausgebildet. "53 Prozent stecken in vom
Steuerzahler bezahlten Maßnahmen", sagte Sommer.
Er forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, die
Ausbildungsplatzabgabe für nicht ausbildende Betriebe umzusetzen.
"Gerhard Schröder hat damals erklärt, der Gesetzgeber werde
handeln, wenn nicht jeder einen Ausbildungsplatz bekäme. Der
Zeitpunkt ist jetzt da. Der Kanzler steht im Wort."
Sommer forderte auch die Einführung einer Börsenumsatzsteuer,
die für alle Geschäfte an der Börse erhoben werden
solle. Er sprach sich zudem für eine höhere Erbschaftsteuer
aus.
(Quelle: rtr)
100 000 Forscher wollen EU-Geld für 12 000 Projekte
Di.18.11.03 - Mehr als 100 000 Wissenschaftler aus 50 Ländern haben
Zuschüsse aus dem sechsten Forschungsrahmenprogramm der
Europäischen Union beantragt. Wie die EU-Kommission in
Brüssel am Montag mitteilte, reichten die Bewerber fast 12 000
Projekte zur Förderung ein.
Bei dieser ersten Antragswelle geht es um fünf Milliarden Euro aus
einem Topf, der für die Jahre 2002 bis 2006 insgesamt 20
Milliarden Euro umfasst.
Das sechste Forschungsrahmenprogramm gehört nach
Kommissionsangaben zu den am besten ausgestatteten
Förderplänen für Wissenschaftler weltweit. "Aber unser
Programm zur Finanzierung der Forschung stellt, so wichtig es ist, nur
fünf Prozent der gesamten Forschungsausgaben in Europa dar", sagte
der zuständige EU-Kommissar Philippe Busquin. Die meisten
Förderanträge kamen von Wissenschaftlern, die
Informationstechnologien entwickeln.
(Quelle: dpa)
Finden, ohne zu suchen,verspricht die Universität Leipzig
Kostenloses Tool namens NextLinks zeigt Webadressen an, die mit aktuell
besuchter Seite inhaltlich zusammenhängen.
Di.18.11.03 - Informatiker der Universität Leipzig haben die Software NextLinks
entwickelt, die dem Benutzer beim Surfen im Internet vollautomatisch
inhaltlich ähnliche Seiten anbietet.
Möglich wird dies durch die Verwendung von Algorithmen zum
Auffinden semantisch ähnlicher Strukturen, die in den letzten
Jahren an der Abteilung Automatische Sprachverarbeitung am Institut
für Informatik der Universität Leipzig entwickelt wurden.
Wie bei einer Suchmaschine werden zunächst viele Millionen
Webseiten ausgewertet. Mittels statistischer Verfahren werden daraus
Ähnlichkeiten ermittelt und die Ergebnisse in einer stets aktuellen
Datenbank gespeichert, die jeweils von NextLinks abgefragt wird.
Unter http://wortschatz.uni-leipzig.de/nextlinks steht ab
dem 17. November die NextLinks Version 1.0 kostenlos zur Verfügung.
(Quelle: uni-leipzig)
Wurm wütet in US-Behörde
Di.18.11.03 - Am vergangenen Freitag ist der Nachi-Wurm in die Rechner der
Stadtverwaltung von Santa Fe, New Mexico, eingedrungen und hat das
gesamte Rechnernetz lahm gelegt, berichtet die Nachrichtenagentur
Associated Press. Nach Angaben der Stadtverwaltung sei das System
infiziert worden, als ein Mitarbeiter Musik aus dem Internet
heruntergeladen habe. Zwar seien die Rechner der Stadtverwaltung mit
Antivirus-Software ausgestattet, doch habe der Schädling diese
Software ausgehebelt. Demnach spricht vieles dafür, dass man seit
mindestens Ende August keine aktuellen Virensignaturen eingespielt hat:
Mit aktuellen Signaturupdates hätte der Wurm seine Schadroutine
nicht ausführen können.
Mitarbeiter der Stadtverwaltung konnten den gesamten Freitag keine
E-Mail verwenden; Besuchern der öffentlichen Bibiliothek war der
Zugriff ins Internet nicht mehr möglich.
Dies ist bereits der dritte bestätigte Fall in diesem Jahr, in dem
ein Wurm sich in Rechnernetzwerken von US-Behörden verbreiten
konnte: Im September drang der Lovsan-Wurm in ein Rechennetzwerk des
U.S. State Department ein. Die Behörde sah sich gezwungen, ihren
Dienst aus Sicherhheitsgründen zu deaktivieren, so dass über
neun Stunden keine Visa ausgestellt werden konnten. Und im Januar
konnte der SQLSlammer-Wurm in ein US-amerikanisches Kraftwerk
eindringen und dessen Netzwerk stark beinträchtigen.
Quelle: heise-online
http://www.heise.de/newsticker/data/pab-17.11.03-001/
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