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+++ Mi.19.11.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
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Irak am zweihundertfünfundvierzigsten Tag nach
Kriegsbeginn
Powell wirbt
für Beteiligung der Europäer am Irak-Wiederaufbau +++ USA
planen weitere Irak-Resolution: Die für Juni 2004 vorgesehene
Machtübergabe an Irak soll vom Weltsicherheitsrat absegnet werden
+++ USA fliegen im Irak schwerste Luftangriffe seit Ende der
Hauptkriegshandlungen +++ US-General: Aufständische sind zumeist
Iraker - Ausländische Kämpfer seien kaum an
Überfällen beteiligt +++ US-Senator zeigt Verständnis
für deutsches Nein zu Irak-Einsatz
Mi.19.11.03 -
US-Außenminister Colin Powell hat unmittelbar vor Beginn des
Bush-Besuchs in Großbritannien noch einmal an die Europäer
appelliert, sich am Wiederaufbau im Nachkriegs-Irak zu beteiligen.
In einem am Dienstag vom Sender CNN ausgestrahlten Interview beschwor
Powell das den USA und den Europäern gemeinsame Wertesystem, das
für die Kooperation im Irak die Grundlage bilde. Powell traf am
Dienstag mit den EU-Außenministern in Brüssel
zusammentreffen, um anschließend nach London weiter zu reisen.
Dort wurde US-Präsident George W. Bush am Abend zum Staatsbesuch
erwartet.
"Die USA wollen die Völker Europas wissen lassen, dass jetzt die
Zeit da ist, um sich nach vorn zu bewegen, auch wenn es in der
Vergangenheit über den Irak Meinungsverschiedenheiten gegeben haben
mag", sagte Powell. Das Interview war am Montag in Washington
aufgezeichnet worden.
"Lasst uns zusammen gehen und dem irakischen Volk helfen, eine bessere
Zukunft für sich selbst zu schaffen", sagte Powell. "Lasst uns uns
noch einmal zusammentun, um darüber zu sprechen, was uns aneinander
bindet: Ein gemeinsames Wertesystem."
Bush erwarten in Großbritannien, dessen Einheiten Seite an Seite
mit den US-Streitkräften im Irak kämpften, voraussichtlich
massive Proteste von britischen Irak-Kriegsgegnern. Auch der britische
Premier Tony Blair sah sich wegen des militärischen Engagements im
Irak massiver Kritik der britischen Bürger konfrontiert.
Gegen den ohne UNO-Mandat von den USA begonnenen Krieg gegen Irak und
das Regime von Präsident Saddam Hussein hatten vor allem
Deutschland und Frankreich Bedenken erhoben. Bisher haben beide
Länder auch die Entsendung von Truppen zur Unterstützung der
Nachkriegs-Sicherungsaufgaben im Irak verweigert.
Nach dem jüngsten Kurswechsel in ihrer Irak-Politik planen die
Vereinigten Staaten eine neue UN-Resolution. Dabei gehe es darum, die
Pläne für eine Machtübergabe im Juni 2004 vom
Weltsicherheitsrat absegnen zu lassen, erklärten UN-Diplomaten am
Dienstagabend in New York. Das US-Aussenministerium arbeite bereits an
einem entsprechenden Text, zu dem auch Grossbritannien als engster
Verbündeter der USA im Irak-Konflikt beitragen könnte.
Am 16. Oktober hatte der Sicherheitsrat nach langem Ringen einstimmig
eine Resolution verabschiedet, wonach der von den USA eingesetzte
Regierungsrat in Bagdad bis zum 15. Dezember einen Zeitplan für die
Erarbeitung einer neuen Verfassung und die Durchführung von Wahlen
vorlegen soll. Deutschland, Frankreich und Russland waren damals mit
ihren Bemühungen gescheitert, einen konkreten Termin für die
Machtübergabe an das irakische Volk in den Entschliessungstext
aufzunehmen. Die USA zielten seinerzeit darauf ab, mehr Länder zur
Abstellung von Soldaten für die Stabilisierung Iraks zu gewinnen.
Nach der Vereinbarung zwischen den USA und dem irakischen Regierungsrat
vom vergangenen Wochenende soll nunmehr im Juni 2004 eine
Interimsregierung mit voller Souveränität eingesetzt werden.
Spätestens bis Ende 2005 sollen dann Parlamentswahlen stattfinden.
Alle diese Punkte sollen den UN-Diplomaten zufolge in eine neue
Resolution einfliessen.
US-Aussenminister Colin Powell wies bei einem Besuch in Brüssel
den Vorschlag Frankreichs zurück, die Machtübergabe schon bis
Ende dieses Jahres zu vollziehen. Zurzeit gebe es keine Gruppe, die mit
der vollen Legitimation binnen sechs Wochen die Regierung
übernehmen könnte, sagte Powell dem französischen Sender
TV3. Der Pariser Aussenminister Dominique de Villepin hatte
vorgeschlagen, der derzeitige Regierungsrat, der Verfassungsausschuss
und der Ministerrat könnten umgehend zur Parlamentarischen
Versammlung ausgeweitet werden und eine Interimsregierung bestimmen.
In Irak selbst setzten die alliierten Streitkräfte ihre Angriffe
auf mutmassliche Stellungen von Aufständischen am späten
Dienstagabend fort. Die US-Armee hat am Dienstag nach eigenen
Angaben die schwersten Luftangriffe seit Ende der offiziellen
Kampfhandlungen geflogen. In der Nähe der Städte Bakuba und
Samara nordöstlich von Bagdad wurden Stellungen von
Aufständischen bombardiert. Nach Sonnenuntergang waren auch
dutzende Explosionen in Bagdad zu hören. Ein
US-Militärsprecher bestätigte am Abend, die Operation
"Eisenhammer" dauere an. Mit den Angriffen sollten Anschläge von
Aufständischen unterbunden werden.
Die Angriffe auf die US-Truppen in der irakischen Provinz Anbar werden
zumeist von religiös-extremistischen Irakern und Anhängern des
gestürzten Staatschefs Saddam Hussein ausgeführt.
Ausländische Kämpfer seien kaum an den Überfällen
beteiligt, berichtete am Dienstag US-General Charles Swannack, der
Kommandeur der 82. Luftlandedivision. Die Provinz Anbar hat Grenzen zu
Syrien, Jordanien und Saudi-Arabien.
Die Zahl der Kämpfer, die von Syrien nach Irak kämen, sei
deutlich zurückgegangen, sagte Swannack, dessen Division auch
für die Überwachung der Grenzen zuständig ist.
Verantwortlich dafür sei auch die Verdreifachung der Zahl der
US-Soldaten in der Provinz auf jetzt 20.000. Die Angriffe auf seine
Soldaten bezeichnete er als «sehr ineffektiv». Zu 90 Prozent
seien dafür Saddam-Anhänger und religiöse Extremisten
aus Irak verantwortlich. "Wir haben es zumeist mit Einheimischen zu
tun", sagte Swannack.
Der US-General hat unterdessen den Rückzug aus der Stadt Ramadi in
Aussicht gestellt. Die Stadt ist etwa 100 Kilometer westlich von Bagdad
im sunnitischen Dreieck gelegen, der Basis des irakischen Widerstandes
gegen die US-Besatzung. Die Kontrolle solle irakischen
Sicherheitskräften übertragen werden, sagte Swannack der "New
York Times". Der Rückzug könne bereits im Januar erfolgen.
Der einflussreiche US-Senator Richard Lugar hat Verständnis
für die deutsche Position gezeigt, keine Truppen nach Irak zu
entsenden. Es sei nachvollziehbar, dass die "politische Lage" in
Deutschland derzeit einen Militäreinsatz in Irak nicht
begünstige, sagte der Vorsitzende des Senatsausschusses für
Auswärtige Angelegenheiten am Dienstag in Washington der
Nachrichtenagentur AFP. Jedoch bleibe abzuwarten, ob sich diese Stimmung
nicht noch ändere. Er glaube, die Deutschen verstünden, dass
ein Scheitern der USA in Irak ein "Sicherheitsrisiko" auch für die
Bundesrepublik wäre.
(Quelle: rtr,
dpa, ap, afp)
Wahlen im Irak wären derzeit ein Desaster
sagt Frau
al-Souhail in einem taz-Interview vom 19.11.03. Das Saddam-Regime habe
die irakische Gesellschaft verwüstet - schon deshalb brauche die
Demokratie im Irak viel Zeit...
Mehr
unter:
http://www.taz.de/pt/2003/11/19/a0121.nf/text
Safia
al-Souhail floh nach dem Putsch der Baathisten 1968 mit ihrer Familie
ins Exil.
Seit dem Ende des Kalten Krieges sind die USA nicht zum
zivilen Leben zurückgekehrt
Ihr
Militär agiert weltweit und ohne demokratische Kontrolle. Der
US-Politologe Chalmers Johnson sieht darin neue Formen von Imperialismus
und Militarismus - und eine Gefahr für die "amerikanische
Republik"...
Mehr in der "tageszeitung" vom 19.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/19/a0106.nf/text
Chalmers
Johnson , 72, lehrte von 1962 bis 1992 Politikwissenschaft an der
University of California in Berkeley und San Diego. Dort machte er sich
vor allem als Ostasien-Experte einen Namen. Von 1967 bis 1973 war er
als Berater für den Geheimdienst CIA tätig. Nach
Forschungsarbeiten zu den US-Stützpunkten auf der japanischen Insel
Okinawa begann er sich in den 90er-Jahren mit der Praxis der weltweiten
US-Militärpräsenz zu beschäftigen. In seinem im Jahr
2000 erschienen Buch "Blowback", dem CIA-Terminus für misslungene
Auslandsoperationen, warnte Johnson vor Terroranschlägen auf die
USA als Folge der globalen Dominanz der USA. Im September ist sein
neuestes Buch unter dem Titel "Der Selbstmord der amerikanische
Demokratie" (Blessing Verlag) erschienen, die amerikanische
Originalfassung kommt in den USA erst im Januar auf den Markt.
(Quelle: taz)
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Bush zu Irak-Gesprächen in Grossbritannien eingetroffen
Der
US-Präsident will den in der britischen Bevölkerung weit
verbreiteten Zweifeln an der gemeinsamen Irak-Politik Washingtons und
Londons entgegentreten: Geschichte zeige, dass Kriege manchmal notwendig
seien, wenn bestimmte Werte bedroht seien +++ Protestbewegung
erwartet zur Kundgebung am Donnerstag 100.000 Teilnehmer
Mi.19.11.03 -
US-Präsident George W. Bush ist am Dienstagabend zu einem von
Protesten gegen den Irak-Krieg überschatteten dreitägigen
Staatsbesuch in Grossbritannien eingetroffen. Bush hat angekündigt,
er wolle den in der britischen Bevölkerung weit verbreiteten
Zweifeln an der gemeinsamen Irak-Politik Washingtons und Londons
entgegentreten. Kriegsgegner und Polizei bereiteten sich am Dienstag
auf Demonstrationen vor. Der Londoner Bürgermeister Ken
Livingstone übte heftige Kritik an dem Sicherheitsaufwand.
Begründen werde Bush den Krieg auch mit einem Verweis auf die
Geschichte, hiess es aus der Delegation des US-Präsidenten in
Vorgriff auf eine Rede Bushs am Mittwoch. Die Geschichte zeige, dass
Kriege manchmal notwendig seien, wenn bestimmte Werte bedroht seien,
werde Bush argumentieren.
"Die Protestbewegung wächst wie ein Schneeball", teilten die
Organisatoren mit. Zu einer Kundgebung am Donnerstag würden 100.000
Teilnehmer erwartet. Die Londoner Polizei plante für die Zeit von
Dienstagabend bis Freitagabend 14.000 Einsatzschichten, drei Mal so
viele wie ursprünglich angekündigt.
Jüngsten Umfragen zufolge wird Bushs Besuch von 36 Prozent der
Briten abgelehnt, 43 Prozent heissen den US-Präsidenten nach einer
Erhebung für die Dienstagsausgabe des "Guardian" willkommen. Die
Zahl der Befragten, die den Irak-Krieg verurteilten, sank gegenüber
einer Umfrage im September um 12 Prozentpunkte.
Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, der Bush am Montag als
"Bedrohung für das Leben auf diesem Planeten" bezeichnet hatte,
kritisierte den Sicherheitsaufwand für den Besuch des
US-Präsidenten. Jeder Londoner Haushalt zahle im Schnitt zwei Pfund
Steuern für den Polizeieinsatz, sagte Livingstone. "Ich glaube,
die meisten Londoner würden gerne vier Pfund dafür geben,
wenn er nicht käme."
Prinz Charles bereitete den Empfang des US-Präsidenten und seiner
Frau Laura Bush im Buckingham-Palast vor, wo das Paar während des
Staatsbesuchs wohnen soll. Die ersten politischen Gespräche sind
für Mittwoch geplant. Königin Elizabeth II. will in ihrer
Ansprache am Nachmittag die transatlantische Allianz Grossbritanniens
und der USA hervorheben. Presseberichten zufolge lehnte die Queen es ab,
während des Besuchs die Sicherheitsvorkehrungen im Palast zu
verschärfen.
Im Zentrum des Staatsbesuchs stehen Gespräche mit dem britischen
Premierminister Tony Blair am Donnerstag. An diesem Tag sollen auch die
Proteste mit einer Kundgebung im Regierungsviertel ihren Höhepunkt
erreichen. Dabei soll symbolisch eine Bush-Figur aus Pappmaché
gestürzt werden, in einer Parodie des Sturzes der
Saddam-Hussein-Statue nach dem Fall Bagdads.
Mit einem Besuch bei den britischen Opfern der Terroranschläge vom
11. September in New York hofft Bush, die Anteilnahme wieder
wachzurufen, die den USA damals aus Grossbritannien entgegenschlug. Am
Freitagabend wollen der US-Präsident und seine Frau die
Rückreise nach Washington antreten.
Im Stahlstreit zwischen USA und EU, der bei dem Besuch ebenfalls zur
Sprache kommen dürfte, rief der britische Schatzkanzler Gordon
Brown am Dienstag beide Seiten zur Mässigung auf. Die EU hatte
Sanktionen angedroht, falls die USA die Zölle auf Stahlimporte
nicht aufheben sollten. "Wir müssen dieses Hin und Her vermeiden",
sagte Brown am Dienstag dem Rundfunksender BBC. Sein US-Kollege John
Snow versicherte bei einer Konferenz in London, die USA würden
nicht zulassen, dass der Streit um die Zölle in einen Handelskrieg
ausarte.
(Quelle: ap)
Mehr über
die Protestbewegung in London bei telepolis (18.11.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16107/1.html
Welcome to
Chasing Bush - the very first project of the passive resistance
network:
http://www.interwebnet.org/
Nahost-Konflikt
Gewalt
überschattet Bemühungen um Waffenruhe - Palästinenser
erschiesst zwei israelische Soldaten. Al-Aksa-Brigaden bekennen sich zu
Anschlag - Zuvor waren israelische Soldaten ins
Palästinenser-Flüchtlingslager Rafah eingedrungen. Mindestens
acht Palästinenser wurden verwundet +++ Israels
Ministerpräsident Scharon und der palästinensische
Regierungschef Korei treffen sich in der kommenden Woche +++ IKRK stellt
Hilfe für 50.000 palästinensische Familien ein +++ Israel
lehnt Abriss von Sperrwall erneut ab
Mi.19.11.03 - Die
Bemühungen zwischen der neuen Palästinenser-Regierung und
Israel sind am Dienstag von einem neuen Ausbruch von Gewalt
überschattet worden.
Ein Palästinenser erschoss an einem Kontrollpunkt im
Westjordanland zwei israelische Soldaten. Sein Sturmgewehr hatte er in
einem eingerollten Gebetsteppich versteckt. Die Armee startete eine
groß angelegte Razzia auf den Angreifer.
Im Gaza-Streifen waren zuvor israelische Soldaten ins
Palästinenser-Flüchtlingslager Rafah eingedrungen. Bei einem
Gefecht mit den Soldaten wurden mindestens acht Palästinenser
verwundet, nach Angaben von Ärzten auch Zivilisten.
Israels Außenminister Silwan Schalom teilte in Brüssel mit,
Israels Ministerpräsident Ariel Scharon halte an dem geplanten
Treffen mit dem als moderat geltenden palästinensischen
Regierungschef Ahmed Korei in der kommenden Woche fest.
Nach Angaben des israelischen Oberkommandos für die
Streitkräfte im besetzten Westjordanland eröffnete der
Palästinenser aus seinem AK-47-Sturmgewehr am frühen Morgen an
einer Straßenkreuzung nahe Bethlehem das Feuer auf die
wachhabenden Soldaten. Die Waffe hatte er in einem mohammedanischen
Gebetsteppich eingerollt. Die Palästinensergruppe Al-Aksa-Brigaden
hat sich dem Anschlag bekannt. Die Gruppe verteilte ein
Bekenner-Flugblatt. Die Al-Aksa-Brigaden sind der bewaffnete Arm der
Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Jassir Arafat.
Aus israelischen Sicherheitskreisen wurde mitgeteilt, der eine der
beiden Soldaten habe bei dem Angriff gerade über Handy mit seiner
Mutter telefoniert. Der Schütze habe aus 15 Metern Entfernung
gefeuert. Die Mutter des Soldaten habe drei Schüsse gehört.
Danach sei der Sohn am Telefon verstummt.
Der Täter konnte zunächst entkommen. Die Armee vermutete ihn
in El Chader und stellte die gesamte Region Bethlehem unter
verschärfte Blockade. Palästinensische Schüler, die mit
Steinwürfen dagegen protestierten, dass sie deshalb nicht in die
Schule konnten, wurden von den Soldaten mit Tränengas auseinander
getrieben.
Zuvor hatten israelische Einheiten in Rafah im Gaza-Streifen in
Grenznähe zu Ägypten mindestens fünf Häuser
mutmaßlicher Extremisten zerstört, wie Zeugen berichteten.
Die Armee teilte mit, es seien Anlagen zerstört worden, die zum
Waffenschmuggel von den Palästinensern benutzt worden seien. Bei
einem Feuergefecht mit den Soldaten wurden nach Berichten von
Ärzten auch palästinensische Zivilisten verletzt.
Der israelische Außenminister Schalom teilte unterdessen in
Brüssel mit, Ministerpräsident Scharon und sein
palästinensischer Kollege Korei würden sich in der kommenden
Woche erstmals treffen. Dabei dürfte es um eine beiderseitige
Waffenruhe gehen, auf deren Grundlage eine Wiederbelebung des
Nahost-Friedensplans erhofft wird. Mit der entsprechenden Zusage Koreis
war das neue Palästinenser-Kabinett in der vergangenen Woche ins
Amt gekommen.
Schalom äußerte sich in Brüssel nach einem Treffen mit
US- Außenminister Colin Powell, nannte aber kein konkretes Datum.
Korei war mit der Zusage angetreten, sich um eine umfassende Waffenruhe
zu bemühen. Die radikalen und gewaltbereiten
Palästinenser-Organisationen Hamas und Dschihad hatten in den
vergangenen Tagen signalisiert, dass sie gegebenenfalls zu einem
Gewaltverzicht bereit seien. Israel erneuerte unterdessen die Forderung
nach Entwaffnung der militanten Palästinenser - etwas, das diese
bisher mit der Begründung unterlassen haben, eine Zerschlagung der
Extremisten-Organisationen würde zu einem palästinensischen
Bürgerkrieg führen.
Für die nächsten Tage sind weitere diplomatische
Bemühungen geplant, die eine Waffenruhe-Vereinbarung vorbereiten
sollen.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) stellt zum Ende des
Monats seine Lebensmittelhilfen für 50.000 palästinensische
Familien ein. Ein Sprecher der Hilfsorganisation verband die Bekanntgabe
der Massnahme am Dienstag mit einer deutlichen Kritik an der
israelischen Politik. Das IKRK sei nur dazu da, um Hilfe in
Notfällen zu leisten, sagte Paul Fruh. Diese solle nicht zu einer
Dauereinrichtung werden. Eine Lösung könne nur darin liegen,
den Palästinensern endlich wieder ein normales Leben zu erlauben
und die Strassensperren im Westjordanland endlich aufzuheben. Die
israelischen Sperren haben die palästinensische Wirtschaft
praktisch zum Erliegen gebracht, weshalb viele palästinensische
Familien auf Hilfen angewiesen sind. Die israelische Armee äusserte
sich zunächst nicht.
Angesichts der Kritik aus der Europäischen Union hat der
israelische Außenminister Silvan Schalom den Abriss der
Sperranlage zum Westjordanland erneut abgelehnt. Der Wall sei aber
"rücknehmbar" und auch im Verlauf noch änderbar, betonte
Schalom am Dienstag in Brüssel gegenüber dem Fernsehsender
Euronews. Sollte Israel sich mit den Palästinensern auf ein
Friedensabkommen und den endgültigen Status der Autonomiegebiete
einigen, könne der Wall verschoben werden. Solange die
Verhandlungen diesen Stand aber nicht erreicht hätten, werde die
israelische Regierung "alles tun, um unser Volk zu schützen".
(Quellen: rtr,
ap, dpa, afp)
Holocaust-Museum in USA niedergebrannt
Polizei
vermutet Brandstiftung +++ Das Museum enthält unter anderem
Dokumente über den NS-Arzt Josef Mengele, der für seine
Experimente an Menschen berüchtigt war
Mi.19.11.03 - Ein
Feuer hat in der Nacht zum Dienstag in den USA ein Holocaust-Museum [http://www.candles-museum.com/]im
Staat Indiana zerstört. Die Polizei vermutete Brandstiftung. Der
Brand im CANDLES-Museum, das von einer Holocaust-Überlebenden
begründet wurde, wurde kurz nach Mitternacht gemeldet. Die
museumspädagogische Leiterin, Mary Wright, erklärte, die
Polizei habe festgestellt, dass ein Ziegelstein durch die Glastür
und dann ein Brandsatz in das Gebäude geworfen worden sei. Auch die
Ausstellungsvitrinen seiner niedergebrannt.
An eine Wand des Gebäudes hatte jemand geschrieben "Denkt an Timmy
McVeigh". McVeigh war an dem Bombenanschlag 1995 auf ein
Behördengebäude in Oklahoma City beteiligt, bei dem 168
Menschen getötet wurden, und wurde 2001 in einem Gefängnis am
Stadtrand von Terre Haute hingerichtet.
CANDLES steht für Children of Auschwitz Nazi Deadly Lab
Experiments Survivors (Überlebende der tödlichen
Laborexperimente der Nazis an Kindern in Auschwitz). Das Museum wurde
1995 von Eva Kor gegründet. Es enthält unter anderem Dokumente
über den NS-Arzt Josef Mengele, der für seine Experimente an
Menschen berüchtigt war. Zu seinen Opfern gehörten auch Kor
und ihre Zwillingsschwester. Nach Angaben von Wright waren nie
Drohungen gegen das Museum eingegangen.
(Quelle: ap)
USA bleiben im Iran-Konflikt hart
Powell
hält EU-Entwurf zu Irans Atomprogramm für 'ungenügend'
Mi.19.11.03 - Die
USA haben ihren Verdacht bezüglich eines iranischen
Atomwaffenprogramms noch nicht fallen gelassen. Außenminister
Colin Powell sagte am Dienstag, Teheran scheine in die richtige Richtung
zu gehen, indem es Informationen über sein Atomprogramm offen
lege. "Aber wir können noch nicht zufrieden sein, bis Iran
demonstriert, dass wirklich alle Programme öffentlich gemacht und
gestoppt wurden."
Powell äußerte sich nach Beratungen mit den
Außenministern der EU-Staaten in Brüssel. Er sagte weiter,
die US-Regierung wolle absolut sicher gehen, dass sämtliche
iranischen Atomprogramme offen gelegt wurden und dass Teheran mit der
Völkergemeinschaft vollständig kooperiere. Auf der Sitzung der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Donnerstag in Wien
will Washington eine Verurteilung Irans erreichen, weil der Staat nach
US-Ansicht gegen den Atomwaffensperrvertrag verstoßen hat.
Der Schritt würde die Angelegenheit auf die Agenda des
Weltsicherheitsrates setzten, der Sanktionen verhängen könnte.
Die meisten Mitglieder des IAEA-Direktoriums bevorzugen weniger
drastische Maßnahmen, wie aus Diplomatenkreisen verlautete. Noch
sei offen, ob die USA der Resolution am Donnerstag zustimmen
würden.
Den europäischen Resolutionsentwurf hatte Powell als
"ungenügend" zurückgewiesen. Das Papier schlage "keine
Reaktionsmaßnahmen im Fall neuer Schwierigkeiten oder
Unnachgiebigkeit" der iranischen Führung vor, sagte Powell am
Dienstag auf dem Weg nach London nach einem Treffen mit seinen Kollegen
der EU-Mitglieds- und Beitrittsländer in Brüssel. Der
Resolutionsentwurf über das iranische Atomprogramm war von
Deutschland, Frankreich und Großbritannien im Hinblick auf die
Beratungen des Gouverneursrats der Internationalen
Atomenergiebehörde IAEA am Donnerstag und Freitag vorgelegt worden.
Nach einem IAEA-Bericht aus der vergangenen Woche hat Iran zahlreiche
geheime Experimente betrieben und hinter dem Rücken der
UN-Behörde Plutonium produziert, was ein eindeutiger Verstoß
gegen den Atomwaffensperrvertrag ist. Zugleich wird Teheran in dem
Bericht für seine jüngste Zusammenarbeit und Offenheit gelobt.
Die IAEA habe keine Beweise gefunden, dass Teheran ein geheimes
Atomwaffenprogramm verfolge, heißt es.
(Quellen: ap,
afp)
Taliban bekennt sich zum Mord an UNHCR-Mitarbeiterin
Jeder, der
US-Interessen in Afghanistan vertrete, könne Ziel von
Anschlägen sein. Die gelte auch für Journalisten und
Mitarbeiter von Hilfswerken +++ US-Außenminister Powell sieht USA
in Afghanistan auf Kurs
Mi.19.11.03 - Die
radikal- islamischen Taliban-Kämpfer haben sich zu dem Mord an
einer französischen Mitarbeiterin des
UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Afghanistan bekannt.
Die Taliban-Untergrundkämpfer drohten am Dienstag außerdem
mit der Ermordung eines verschleppten türkischen Bauingenieurs,
falls die afghanische Regierung inhaftierte Gesinnungsgenossen nicht
freilassen sollte. Ein Taliban-Kommandeur warnte, dass jeder, der
US-Interessen in Afghanistan vertrete, Ziel von Anschlägen sein
könne. Diese Drohung gelte auch für Journalisten und
Mitarbeiter von Hilfswerken. US-Außenminister Colin Powell
erklärte, die USA blieben im Afghanistan-Konflikt bei ihrem
bisherigen Kurs.
Zu dem Anschlag auf die 29-jährige französische
UNHCR-Mitarbeiterin Bettina Goislard sagte Taliban-Sprecher Mullah Abdul
Samad der Nachrichtenagentur Reuters: "Ja, wir haben es getan, unsere
Kämpfer waren an der Tötung dieser Christen-Frau beteiligt.
Wir haben bestätigte Informationen, dass die meisten
Ausländer, die in unserem Land arbeiten, amerikanische Agenten sind
und keine Sympathie für Afghanistan haben." Und er fügte
hinzu: "Wir werden sie nicht verschonen, denn sie tun nichts für
die Menschen in Afghanistan, sondern sie predigen Christentum in
Afghanistan oder sie spionieren gegen die Taliban."
Zwei Angreifer auf Motorrädern hatten am Sonntag in der Provinz
Ghasni südwestlich von Kabul am helllichten Tag das Feuer auf das
Fahrzeug Goislards eröffnet. Die Französin erlag auf dem Weg
ins Krankenhaus ihren Verletzungen, ihr afghanischer Fahrer wurde
verletzt. Zwei Tatverdächtige wurden nach Angaben der Behörden
wenig später festgenommen. Auf eigenen Wunsch hin wird Goislard in
Afghanistan bestattet.
Vertreter in Kabul und UNO-Mitarbeiter machen die in jüngster Zeit
offenbar neu formierte und von Kämpfern aus Pakistan
verstärkten Taliban für die jüngsten Anschläge auf
Mitarbeiter von Hilfsorganisationen verantwortlich. Nach Angaben des
Taliban-Sprechers kommen auf Befehl des untergetauchten Taliban-Chefs
Mullah Omar täglich Hunderte Taliban-Kämpfer aus
Schlupfwinkeln in Pakistan nach Afghanistan zurück.
Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR reagierte auf den Überfall mit
der Ankündigung, 30 internationale Mitarbeiter des Hilfswerks
würden nun aus dem Grenzgebiet zu Pakistan abgezogen. Filippo
Grandi, Chef der UNHCR-Vertretung in Kabul, sprach von einer
bedauerlichen, aber notwendigen Entscheidung und kündigte an, die
Maßnahme werde in zwei Wochen erneut überprüft.
Der Abzug der internationalen Helfer trifft vor allem die afghanischen
Flüchtlinge, die auf die Rückkehr aus Pakistan in ihre Heimat
hoffen. Seit dem Sturz des Taliban-Regimes hat das UNHCR bei der
Repatriierung von rund 2,5 Millionen Afghanen geholfen, die im Iran und
in Pakistan Schutz gesucht hatten. Der Rückzug der Helfer bedeutet
auch eine massive Einschränkung der UNHCR-Aktivitäten in der
Hauptstadt Kabul.
Der Taliban-Kommandeur Mullah Sabir alias Momin drohte unterdessen
damit, seine Untergrundkämpfer würden den von ihnen
entführten türkischen Bau-Ingenieur Hassan Önal ermorden,
sollte die Regierung des Präsidenten Hamid Karsai nicht in Ghasni
inhaftierte Taliban-Gesinnungsgenossen freilassen. Offenbar sei die
Regierung an der Freilassung Önals nicht interessiert. "Wenn das
so weiter geht, werden wir gezwungen sein, ihn zu töten, und seine
Leiche wird bald gefunden werden", drohte Momin.
US-Außenminister Powell erklärte in einem Interview der
französischen Zeitung "Le Monde", die USA blieben in Afghanistan
wie auch im Irak auf ihrem Kurs. Die mit den Luftangriffen in 2001 in
Afghanistan begonnene Aufgabe werde zu Ende geführt: das
despotische Regime der Taliban zu stürzen und Demokratie zu
schaffen. Powell bezeichnete Afghanistan als "exzellentes Beispiel
dafür, wie die internationale Gemeinschaft zusammenarbeiten
könne".
(Quelle: rtr)
China droht Taiwan offen mit militärischer Gewalt
Mi.19.11.03 -
China hat Taiwan militärische Gewalt angedroht, falls die
Inselrepublik die volle staatliche Souveränität suche. Die am
Mittwoch verbreitete Erklärung des Vizeministers der für
Taiwan zuständigen Staatsratsabteilung war die schärfste
Stellungnahme der Pekinger Regierung in dem Konflikt seit Jahren. Wang
Zaixi bekundete am Mittwoch in der englischsprachigen Zeitung "China
Daily" allerdings zugleich die Verbundenheit Chinas mit der taiwanischen
Bevölkerung. Man wünsche nicht, dass die Region zum
Schlachtfeld werde, betont Wang. Taiwan hat sich 1949 vom
kommunistischen China abgespalten. Formal hat die Insel allerdings nicht
ihre Unabhängigkeit bekräftigt, und China betrachtet das
Gebiet weiterhin als Teil der Volksrepublik.
(Quelle: ap)
40 Regimegegner in Simbabwe verhaftet
Zu den
Festgenommenen gehören der Vorsitzende des Simbabwischen
Gewerkschaftskongresses und der Vorsitzende der Nationalen
Verfassungsversammlung
Mi.19.11.03 - Die
Polizei in Simbabwe hat am Dienstag rund 40 Regimegegner verhaftet, die
sich zu einer Kundgebung gegen Präsident Robert Mugabe versammeln
wollten. Die Gewerkschaften hatten die Beschäftigten für
Dienstag dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen und gegen die
Wirtschaftspolitik der Regierung sowie gegen staatliche
Unterdrückung der Gewerkschaftsarbeit zu demonstrieren. Am Montag
hatte die Polizei gewarnt, dass sie Proteste nicht tolerieren werde.
Zu den in der Hauptstadt Harare Festgenommenen gehört auch der
Vorsitzende des Simbabwischen Gewerkschaftskongresses, Lovemore Matombo,
wie der Dachverband mitteilte. Auf Polizeilastwagen abgeführt
wurden außerdem weitere Gewerkschafter, der
Politikwissenschaftler Brian Raftopoulos und der Vorsitzende der
Nationalen Verfassungsversammlung, Lovemore Madhuku. Auch aus den
Städten Bulawayo und Gweru wurden Festnahmen gemeldet.
(Quelle: ap)
Annan ruft zu Spenden für Kriegs- und Katastrophenopfer
auf
UN wollen drei
Milliarden Dollar für Menschen in Krisengebieten
Mi.19.11.03 - Die
Vereinten Nationen haben einen Appell für drei Milliarden Dollar
gestartet, um 45 Millionen Menschen in 21 Krisengebieten zu
unterstützen. Trotz großzügiger Spenden aus aller Welt
seien die Mittel für humanitäre Hilfe oft unzureichend und ihr
Eintreffen unzuverlässig, sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan
zu Beginn der Kampagne am Dienstagabend in New York.
Geholfen werden soll unter anderem der Zivilbevölkerung in
mehreren afrikanischen Ländern sowie in Nordkorea, Tschetschenien
und den palästinensischen Gebieten. Irak und Afghanistan werden in
dem Spendenaufruf nicht genannt, weil für diese Länder
Sonderprogramme initiiert wurden.
Im vergangenen Jahr hatten die UN gut drei Milliarden Dollar
angefordert, um 50 Millionen Menschen in 30 Ländern zu helfen. Mit
den zusätzlichen Appellen für Irak stieg die benötigte
Summe schließlich auf 5,1 Milliarden Dollar. Annan beklagte, dass
davon in diesem Jahr erst 66 Prozent eingegangen seien. Außerdem
gebe es große Unterschiede: So seien für Irak 91 Prozent der
benötigten Mittel aufgebracht worden, für Burundi aber nur 28
Prozent und für Liberia nur 24 Prozent.
"Wenn wir allein für Irak zwei Milliarden Dollar eintreiben
können, dann muss es doch möglich sein, für den Rest der
Welt im kommenden Jahr drei Milliarden zusammenzubringen", sagte Annan.
Er betonte, dass die Bewohner der Industrieländer dafür nur
drei Dollar pro Person aufwenden müssten: "Wir dürfen
niemanden vergessen, der für Unterstützung und für neue
Hoffnung auf uns angewiesen ist."
(Quelle: ap)
Polizei beendet Protestaktion von Kurden in Istanbul
Mi.19.11.03 -
Eine Protestaktion von Kurden im zentralen Gerichtsgebäude in
Istanbul ist am Dienstag nach 30 Minuten von der Polizei beendet worden.
Die Einsatzkräfte feuerten Tränengas in das Gebäude,
stürmten hinein und verhafteten die etwa zwei Dutzend Besetzer,
wie Innenminister Abdulkadir Aksu mitteilte.
Die Eindringlinge blockierten nach Darstellung eines Anwalts den
Eingang eines Verhandlungsraums, warfen Aktenschränke um und
hinderten die Prozessbeteiligten daran, den Saal zu verlassen. In
Sprechchören forderten sie die Freilassung des inhaftierten
Rebellenführers Abdullah Öcalan. Die Gerichtsbesetzer
erklärten, sie gehärten einer "Initiative für Sozialen
Frieden" an. Aus dem dritten Stock des Gebäudes hängten sie
ein Transparent mit der Forderung nach einer "demokratischen Lösung
des kurdischen Problems" und nach einer Schließung des
Imrali-Gefängnisses.
Auf dieser Gefängnisinsel vor Istanbul ist Öcalan der einzige
Gefangene. Der Vorsitzende der inzwischen in Kurdischer Volkskongress
umbenannten Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) wurde 1999 verhaftet und
wegen des Guerillakriegs in Südostanatolien zum Tode verurteilt.
Das Urteil wurde danach in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt.
Im Oktober beschwerte sich Öcalan, dass ihm Begegnungen mit seinen
Anwälten oder Familienmitgliedern verweigert würden.
Der bewaffnete Aufstand der Kurden im Südösten der
Türkei kam 1999 weitgehend zum Erliegen. Damals erklärten die
Rebellen nach 15 Jahren Bürgerkrieg mit 37.000 Todesopfern einen
einseitigen Waffenstillstand.
(Quelle: ap)
Radio und TV in Türkei dürfen stundenweise auf
Kurdisch senden
Mi.19.11.03 -
Radio und Fernsehen in der Türkei sollen künftig stundenweise
Programme in Kurdisch und "anderen gebräuchlichen Dialekten" senden
dürfen. Das sieht eine Verwaltungsverordnung vor, die die
Medienaufsicht in Ankara vorgestellt hat. Landesweite private und
staatliche TV-Sender dürfen demnach wöchentlich maximal vier
Stunden für kurdische Programme reservieren. Die tägliche
Sendezeit darf dabei 45 Minuten nicht überschreiten. Für
Radiosender gelten fünf Stunden pro Woche mit maximal einer Stunde
täglich.
(Quelle: dpa)
Georgien: Kundgebung von Abaschidse-Anhängern löst
in Tiflis Besorgnis aus
Abaschidse ist
Gouverneur von Adscharien und ein entschiedener Gegner von Michail
Saakaschwili, einem der Anführer der Proteste gegen Schewardnadse
Mi.19.11.03 - In
die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition in Georgien
hat sich am Dienstag eine dritte Partei eingemischt. Die Kundgebung der
Partei Aufschwung in Tiflis löste bei den übrigen
Oppositionsgruppen Besorgnis aus. Der Vorsitzende von Aufschwung, Aslan
Abaschidse, hatte sich in der vergangenen Woche hinter den umstrittenen
Präsidenten Eduard Schewardnadse gestellt. Ein Führer der
Protestbewegung warf Abaschidse vor, Polizeieinheiten aus der Provinz
Adscharien in die Hauptstadt Tiflis verlegt zu haben.
Abaschidse ist Gouverneur von Adscharien und ein entschiedener Gegner
von Michail Saakaschwili, einem der Anführer der Proteste gegen
Schewardnadse. Saakaschwili erklärte am Dienstag, 500 Polizisten
und andere Sicherheitskräfte aus Adscharien seien im
Einverständnis mit dem Präsidenten nach Tiflis gebracht
worden. "Das zeigt, dass Schewardnadse der hiesigen Polizei nicht
traut", sagte Saakaschwili bei einer Pressekonferenz. "Schewardnadse
provoziert einen Bürgerkrieg."
Nach einem Treffen mit dem Präsidenten war Abaschidse in der
vergangenen Woche überraschend zu politischen Gesprächen nach
Russland, Armenien und Aserbaidschan gereist. Dies löste die Sorge
vor einer Intervention Moskaus in Georgien aus, wo zwölf Jahre nach
der Unabhängigkeit noch immer russische Truppen stationiert sind.
(Quelle: ap)
Russland kann in Zukunft Ölexporte durch hohe
Zölle verhindern
Mi.19.11.03 - Das
russische Parlament hat einmütig ein Gesetz verabschiedet, das der
Regierung die Steuerung und sogar die Verhinderung von Öl- und
Gasexporten durch hohe Zölle ermöglicht.
Alle 371 anwesenden Mitglieder des Unterhauses Duma stimmten am
Dienstag für das Gesetz, das der Regierung das Recht gibt,
Zölle auf Öl- und Gasexporte willkürlich festzulegen.
Damit kann die Regierung, wie dies von Präsident Wladimir Putin
gewünscht wurde, während der Heizperiode die Ölexporte
und während der Erntezeit die Gasexporte entsprechend dem
Inlandsbedarf beeinflussen. Derzeit werden die Zölle für
Öl- und Gasexporte auf 90 Prozent begrenzt.
(Quelle: rtr)
EU-Kommission will Mitbestimmung bei Fusionen festschreiben
Regelung sieht
vor, dass zwei Drittel der Arbeitnehmer einem Abkommen über die in
einem fusionierten Unternehmen geltende Mitbestimmung zustimmen
müssen. Wenn dies nicht erreicht wird, sollen 25 Prozent der
Mitarbeiter bestimmen können, dass für das Gesamtunternehmen
die für sie günstigeren Mitbestimmungsmöglichkeiten aus
ihrer alten Firma weiter gelten +++ Die Richtlinie soll
grenzüberschreitende Fusionen vereinfachen +++ Industrie
kritisiert die Pläne der Kommission
Mi.19.11.03 - Die
EU-Kommission will die deutsche Arbeitnehmermitbestimmung auch bei
grenzüberschreitenden Unternehmenszusammenschlüssen
festschreiben.
Dies sieht ein Entwurf für eine EU-Fusionsrichtline vor, den die
Kommission am Dienstag in Straßburg verabschiedete.
"Unternehmensfusionen dürfen nicht missbraucht werden, um
Arbeitnehmerrechte zu umgehen", erklärte Binnenmarktkommissar Frits
Bolkestein. Die Richtlinie soll grenzüberschreitende Fusionen
vereinfachen. Die deutsche Industrie hatte die Pläne der
Kommission bereits kritisiert. Sie befürchtet Nachteile für
deutsche Unternehmen, wenn diese auch bei Fusionen mit
ausländischen Unternehmen ihr Mitbestimmungsmodell mit einbringen
müssen.
Die EU-Kommission reagiert mit ihrem Vorschlag auf Kritik aus dem
EU-Parlament. Dort liegt seit fast 20 Jahren ein Entwurf für eine
EU-Regelung für grenzüberschreitende
Unternehmenszusammenschlüsse auf Eis, weil es Streit über das
Ausmaß der Mitbestimmung gibt. Die deutschen Arbeitnehmer haben
stärkere Mitbestimmungsrechte als ihre Kollegen in den meisten
anderen EU-Staaten. So sind etwa Aufsichtsräte in der Regel
paritätisch aus Arbeitnehmer- und Aktionärsvertretern besetzt.
Die Richtlinie lehnt sich bei der Regelung der Mitbestimmung nun an die
Regeln für die Europäische Aktiengesellschaft an. Falls in nur
einem der beiden fusionierenden Unternehmen Mitbestimmung galt, so muss
nach dem Vorbild der Europa AG- Regelungen eine Mitbestimmungsregelung
ausgehandelt werden. Die "Europäische Aktiengesellschaft" ist eine
neue Rechtsform für Unternehmen, die in verschiedenen EU-Staaten
tätig sind.
Die Regelung sieht vor, dass zwei Drittel der Arbeitnehmer einem
Abkommen über die in einem fusionierten Unternehmen geltende
Mitbestimmung zustimmen müssen. Wenn dies nicht erreicht wird,
sollen 25 Prozent der Mitarbeiter bestimmen können, dass für
das Gesamtunternehmen die für sie günstigeren
Mitbestimmungsmöglichkeiten aus ihrer alten Firma weiter gelten.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte sich für eine
liberalere Regelung eingesetzt und wollte die Grenzwerte bei 50 Prozent
sehen. Er hatte befürchtet, dass deutsche Unternehmen bei einem
starken Schutz der Mitbestimmung bei grenzüberschreitenden
Fusionen an Attraktivität einbüßten.
Falls Unternehmen die gesetzliche Mitbestimmung umgehen wollen,
könnten sie sich nach dem Kommissionsvorschlag allerdings nach dem
Zusammenschluss in einem anderen EU-Staat niederlassen, der solche
Regeln nicht kennt.
Bolkestein warb für eine schnelle Verabschiedung der Richtlinie in
EU-Parlament und Ministerrat. "Nach der EU-Erweiterung wird es für
Unternehmen noch wichtiger sein, über Landesgrenzen hinweg
kooperieren zu können", sagte er. Bislang seien Fusionen
häufig sehr kostspielig und müssten viele rechtliche
Hürden überwieden. Dies solle duch die Richtline einfacher
werden.
Der Vorschlag gilt für Aktiengesellschaften und GmbHs
gleichermaßen. Er setzt im wesentlichen auf den Fortbestand der
nationalen Regelungen in den fusionierenden Unternehmen. Die Richtlinie
bestätige unter anderem auch die Schutzgarantien für
Gläubiger nach nationalem Recht, erklärte die Kommission.
Grundsätzlich unterstützt auch die deutsche Industrie eine
Fusionsrichtlinie. Derzeit sind nach deutschem Recht
grenzüberschreitende Zusammenschlüsse nicht komplett
möglich. Ein Unternehmen könne nur ein anderes
vollständig übernehmen, müsse dann aber den rechtlichen
Mantel der aufgekauften Gesellschaft weiter mitschleppen, erklären
EU-Rechtsexperten. Dies bedeute zusätzliche Bilanzen und hohen
Aufwand.
(Quelle: rtr)
Schlechte Noten für deutsche Entwicklungshilfe
Hilfsorganisationen: Ausgaben für Bildung in
Entwicklungsländern sind völlig ungenügend +++ Weltweit
haben mehr als 100 Millionen Kinder keinen Zugang zu Schulbildung -
Weitere 150 Millionen Kinder verlassen die Grundschule ohne Abschluss
Mi.19.11.03 -
Deutschland hat für sein entwicklungspolitisches Engagement in
Grundbildung von Hilfsorganisationen schlechte Noten bekommen. Unter 22
OECD-Ländern nahm Deutschland nur Rang zehn ein und fiel damit weit
hinter die Niederlande, Norwegen und Schweden zurück. Die
Organisationen Oxfam [http://www.oxfam.de/],
Care [http://www.care.org/],
World Vision [http://www.wordvision.de/]
und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW [http://www.gew.de/])
forderten die Bundesregierung am Dienstag auf, ihre Entwicklungshilfe
aufzustocken und die Mittel, die in Grundbildung fließen, zu
verdoppeln.
Bundeskanzler Gerhard Schröder erhalte in seinem Schulzeugnis nur
die Note ausreichend, verkündeten die Entwicklungsorganisationen.
Die Zeugnisse wurden im Hinblick auf die Geberkonferenz der Initiative
"Bildung für alle" am Donnerstag und Freitag in Oslo verliehen.
Es sei zu wenig, dass Deutschland 2001 nur 1,5 Prozent der Hilfe in
Grundbildung investiert habe, bemängelten Oxfam, Care, World Vision
und GEW. Bis 2006 müsse Deutschland mindestens 0,33 Prozent des
Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe aufbringen. Derzeit
liege die Quote lediglich bei 0,27 Prozent.
Die vier Organisationen verwiesen darauf, dass gegenwärtig mehr
als 100 Millionen Kinder weltweit keinen Zugang zu Schulbildung haben.
Weitere 150 Millionen Kinder verließen die Grundschule ohne
Abschluss. Nach Berechnungen der UN-Bildungsorganisation UNESCO
müssten international jährlich rund 5,6 Milliarden Dollar
aufgebracht werden, um allen Kindern weltweit eine Grundbildung zu
ermöglichen.
(Quelle: ap)
Anteil der Sozialhilfeempfänger seit 1963 verdreifacht
Überdurchschnittlich häufig sind Kinder von Sozialhilfe
abhängig +++ Besonders hoch ist der Anteil von
Sozialhilfempfängern bei allein erziehenden Frauen
Mi.19.11.03 - Der
Anteil der Sozialhilfeempfänger an der deutschen Bevölkerung
hat sich in den vergangenen vierzig Jahren mehr als verdreifacht.
Waren im ersten Jahr nach In-Kraft-Treten des Bundessozialhilfegesetzes
1963 mit 580.000 Menschen ein Prozent der Gesamtbevölkerung auf
Sozialhilfe angewiesen, stieg der Anteil bis zum vergangenen Jahr mit
2,76 Millionen Empfängern auf 3,3 Prozent, teilte das Statistische
Bundesamt am Dienstag mit. Dabei habe sich die Struktur der
Sozialhilfeempfänger stark verändert, erklärte
Statistikamts-Präsident Johann Hahlen. Zwischen 1965 und 2002 habe
sich der Anteil der Kinder an den Sozialhilfebeziehern von 32 auf 37
Prozent erhöht. Gleichzeitig sei der Anteil der über
65-jährigen auf sieben von 28 Prozent gesunken. Der Frauenanteil
ging von 67 auf 56 Prozent zurück.
Überdurchschnittlich häufig waren den Statistikern zufolge
Kinder von Sozialhilfe abhängig: 6,6 Prozent aller unter
18-Jährigen waren 2002 auf die Hilfe angewiesen. Besonders hoch war
allerdings der Anteil von Sozialhilfempfängern bei allein
erziehenden Frauen, von denen 340.000 Hilfe bezogen. "In Deutschland ist
mittlerweile jede vierte allein erziehende Frau auf Sozialhilfe
angewiesen", erklärte Hahlen. Dabei steige das Sozialhilferisiko
mit der Zahl der Kinder deutlich an. Auch bei Ausländern lag der
Anteil der Sozialhilfeempfänger mit 8,4 Prozent deutlich über
dem Durchschnitt.
Hahlen verwies auf die erhebliche Dynamik beim Hilfebezug. So
hätten 2002 rund 43 Prozent der Sozialhilfebezieher vom Jahresende
2001 die Sozialhilfe verlassen, 48 Prozent seien neu hinzugekommen.
"Für die 606.000 Haushalte, die im Laufe des Jahres 2002 -
vorübergehend oder dauerhaft - den Hilfebezug überwunden
haben, endete die Sozialhilfe im Durchschnitt nach knapp 17 Monaten",
erklärte Hahlen. Dabei schwanke aber die Bezugsdauer stark: Am
kürzesten erhielten nicht eheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern
mit durchschnittlich 11,5 Monaten Sozialhilfe, am längsten allein
stehende Frauen mit 22,8 Monaten. Zwei Drittel aller Haushalte,
für die 2002 der Bezug endete, erhielten weniger als ein Jahr
Sozialhilfe. Sieben Prozent der Haushalte bezogen über fünf
Jahre Hilfe.
Von den Ende 2002 gezählten Sozialhilfeempfängern waren 1,68
Millionen im erwerbsfähigen Alter. Fast eine Million davon war den
Statistikern zufolge nicht erwerbstätig, grundsätzlich aber
erwerbsfähig und stand damit dem Arbeitsmarkt potenziell zur
Verfügung. "Bei Eingliederung dieser Personen in den Arbeitsmarkt
würden wahrscheinlich auch viele ihrer Familienmitglieder keine
Sozialhilfe mehr benötigen", erklärte Hahlen. 430.000
Sozialhilfebezieher konnten wegen häuslicher Bindung, Krankheit,
Behinderung oder Arbeitsunfähigkeit keiner Arbeit nachgehen.
143.000 Hilfeempfänger arbeiteten Voll- oder Teilzeit und 118.000
machten eine Aus- oder Fortbildung.
Regional betrachtet war den Statistikern zufolge der Anteil der
Hilfeempfänger an der Bevölkerung in Westdeutschland mit 3,2
Prozent nur wenig höher als in Ostdeutschland mit drei Prozent. Den
niedrigsten Anteil verzeichneten Bayern mit 1,8 Prozent und
Baden-Württemberg mit 2,1 Prozent, den höchsten Bremen mit 8,9
Prozent vor Berlin mit 7,4 Prozent.
(Quelle: rtr)
Suizid häufiger als Verkehrstod
Mi.19.11.03 - In
Deutschland sterben immer noch mehr Menschen durch Selbstmord als durch
Verkehrsunfälle. Im Jahre 2001 nahmen sich 8.188 Männer und
2.968 Frauen das Leben, während 6.949 Menschen im
Straßenverkehr getötet wurden. Das berichteten gestern
Vertreter des Nationalen Suizidpräventionsprogramms.
Etwa zehnmal mehr Menschen versuchten sich umzubringen. Jeder zweite
Selbstmord einer Frau werde von einer über 60-Jährigen
unternommen. Der Vorsitzende des Suizidpräventionsprogramms, Armin
Schmidtke, berichtete über erste Erfolge bei der Vorbeugung gegen
Selbstmorde. Die Bahn habe begonnen, bestimmte Streckenabschnitte mit
Schutzzäunen zu sichern. Jeden Tag werfen sich in Deutschland drei
Menschen vor einen Zug. Auch zu Brücken und Türmen über
einer bestimmten Höhe sollten die Zugänge erschwert werden.
Die Zahl der Suizide in Deutschland ist dennoch bereits seit Ende der
70er-Jahre rückläufig. Nur 0,015 Prozent der Menschen sterben
durch eigene Hand.
(Quelle: taz/dpa)
Über 50.000 demonstrieren in Hessen gegen Kochs
Sparpaket
In Wiesbaden
protestierten drei Mal so viele Menschen wie vom DGB als Veranstalter
erwartet wurden
Mi.19.11.03 -
Mehr als 50.000 Menschen haben am Dienstag in ganz Hessen gegen das
umstrittene Sparpaket von Ministerpräsident Roland Koch
protestiert. Nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und
Veranstaltern demonstrierten allein in Wiesbaden 45.000 Menschen gegen
Kürzungen im Sozialbereich, längere Arbeitszeiten für
Beamte und Studiengebühren. Im VW-Werk Baunatal bei Kassel legten
rund 5.500 Beschäftigte aus Protest für eine Stunde die Arbeit
nieder.
Koch kündigte an, das Sparpaket im Umfang von rund einer Milliarde
Euro werde trotz der Proteste wie geplant umgesetzt. Es werde
Änderungen lediglich in Einzelbereichen geben. Die Landesregierung
sei sich von Anfang an bewusst gewesen, dass die angekündigten
Einsparungen für weite Teile der Bevölkerung einschneidende
Folgen hätten, sagte Koch. Es gebe jedoch nur die Alternativen zu
Sparen oder die Verschuldung in unverantwortlicher Weise in die
Höhe zu treiben.
Mit 45.000 Demonstranten protestierten in Wiesbaden drei Mal so viele
Menschen wie vom DGB als Veranstalter erwartet wurden. Es war die
größte Protestversammlung in der hessischen Landeshauptstadt
seit 22 Jahren. Auf zahlreichen Transparenten wurde der
Ministerpräsident persönlich angegriffen. Zu lesen war unter
anderem: "Koch - Bestatter des Sozialstaats", "Roland, deine Zeit
läuft ab!" oder "Roland Koch ins Bildungsloch". Nach Angaben der
Polizei, die den hessischen Landtag mit starken Kräften abschirmte,
blieben die Proteste friedlich.
Allerdings verletzte sich während der Abschlusskundgebung eine
20-jährige Demonstrantin schwer. Die Frau war auf ein
Kassenhäuschen geklettert, durch ein Glasdach gebrochen und drei
Meter in die Tiefe gestürzt, wie die Polizei mitteilte.
Der hessische DGB-Chef Stefan Körzell warf dem
Ministerpräsidenten vor, eine Politik für die besser
Verdienenden zu machen. Während soziale Beratungsstellen für
rund 300.000 Menschen schließen müssten, könnten sich
die Reichen weiterhin über Zuschüsse für die Frankfurter
Galopprennbahn freuen. Durch die Politik der Landesregierung blieben
diejenigen auf der Strecke, die in der Krise auf die Hilfe des Staates
angewiesen seien.
Körzell verwies auf Berechnungen des DGB, wonach durch das
Sparpaket 15.400 Arbeitsplätze vernichtet werden, vor allem durch
die Anhebung der Arbeitszeit für Beamte: "Dies nenne ich einen
beschäftigungspolitischen Kahlschlag, Herr Koch." Die
Einführung von Studiengebühren sei weder sozial noch gerecht.
Der DGB-Landesvorsitzende erinnerte daran, dass Koch eine Abgabe
für nicht ausbildende Betriebe als zu bürokratisch ablehne.
Der hessische Ministerpräsident habe aber «keine Probleme
damit, für alle Studierende eine Verwaltungsgebühr von 50 Euro
pro Semester einzuführen».
Koch räumte ein, dass die hessischen Beamten die Hauptlast des
Sparpakets tragen sollen. Dies sei jedoch der Ausgleich für einen
sicheren Arbeitsplatz. An die Adresse der Studenten sagte der
Regierungschef, Hessen gebe in diesem Jahr so viel Geld für die
Hochschulen aus wie noch nie. Der Ministerpräsident zeigte
Verständnis für die Demonstration. Dies sei Teil der
demokratischen Auseinandersetzung.
(Quelle: ap)
Keine Annäherung im Unions-Streit um Sozialreformen in
Sicht
Mi.19.11.03 - Im
Unions-Streit um die Sozialreformen ist keine Annäherung in Sicht.
CSU-Chef Edmund Stoiber will zwar schnell zur Sachdiskussion
zurückkehren. Dafür hält die Kritik der CDU an seinem
Rentenkonzept aber an.
Im Gegensatz zur CSU will die CDU Familien bei der Rente über das
Steuer- und nicht über das Beitragssystem fördern. Jetzt gibt
es Rufe nach einem Krisengipfel. Die Vorsitzenden von CDU und CSU,
Angela Merkel und Edmund Stoiber, sollten sich treffen. Das sagte
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach der "Bild"-Zeitung.
(Quelle: dpa)
SPD-Spitze ärgert sich über Abstrafung beim
Bundesparteitag in Bochum
Schröder
wirft der Parteibasis "kollektive Unvernunft vor" +++ Bei den
Vorstandswahlen kräftiger Dämpfer auch für
SPD-Reformkritiker
Mi.19.11.03 - Die
schwachen Wahlergebnissen für führende SPD-Politiker beim
Bundesparteitag in Bochum haben in der Parteispitze Ärger und
Unverständnis hervorgerufen. Bundeskanzler und SPD-Chef Gerhard
Schröder, der selbst einen Stimmenverlust hinnehmen musste, sprach
am Deinstag von einem Zeichen "kollektiver Unvernunft" der Delegierten
bei der Abstimmung vom Vortag. Nach der SPD-Spitze erhielten ma Diemstag
auch die Reformkritiker einen Dämpfer bei den Vorstandswahlen. Bei
der Abstimmung über die 37 Beisitzer kamen nur 14 der 43 Bewerber
im ersten Wahlgang durch.
Im Falle des am Montag mit 52,6 Prozent abgestraften
SPD-Generalsekretärs Olaf Scholz hätten die Delegierten
"undiszipliniert" entschieden, sagte Schröder. Es gebe keine
Alternative zu diesem Generalsekretär, der eine große
Nachwuchshoffnung der SPD sei. Scholz sei für zwei Jahre
gewählt worden, und "denen werden etliche folgen". Das
Wahlergebins werde seine Arbeit nicht beeinträchtigen. Dies gelte
auch für Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der am Vorabend als
Vizevorsitzender nur 56,7 Prozent der Delegiertenstimmen erhalten hatte.
Scholz und Clement werden als wichtige Protagonisten des Reformkurses
für die schlechte Stimmung in der SPD verantwortlich gemacht.
Auch SPD-Fraktionschef Franz Münterfering sagte, er sei mit diesem
Ergebnis "übehaupt nicht glücklich". SPD-Vize Wolfgang Thierse
sagte, er hätte es vorgezogen, wenn in der Debatte "die Fetzen"
geflogen und die Wahlen nüchterner verlaufen wären.
Nach der SPD-Spitze haben auch die Reformkritiker bei den
Vorstandswahlen auf dem Bochumer Parteitag einen kräftigen
Dämpfer erhalten. Mit Sigrid Skarpelis-Sperk wurde am Dienstag eine
der schärfsten Gegnerinnen des Regierungskurses abgewählt.
Der 45-köpfige Vorstand wurde am Dienstag durch die Wahl der
Beisitzer komplettiert. Die höchste Stimmenzahl erreichte der
brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. Am
zweitbesten schnitt die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin
Heide Simonis ab.
Auch die Bundesminister Hans Eichel (Finanzen), Edelgard Bulmahn
(Bildung) und Renate Schmidt (Familie) wurden bereits im ersten Wahlgang
in die Führung gewählt. Zu den insgesamt zehn Neulingen im
Vorstand zählen der Juso-Vorsitzende Niels Annen, der bayerische
SPD-Fraktionschef Franz Maget und der Landesvorsitzende von
Nordrhein-Westfalen, Harald Schartau.
Neben Skarpelis-Sperk, die im Vorstand und in der Bundestagsfraktion
Front gegen Teile der Reformagenda Schröders gemacht hatte,
scheiterten drei weitere Kandidaten bei der Vorstandswahl, darunter der
Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe Benneter. Skarpelis-Sperk erhielt im
zweiten Wahlgang nur 145 von 485 gültigen Stimmen.
(Quellen: dpa,
ap, sz)
EU-Kommission fordert neue Spar-Auflagen gegen Deutschland
Deutschland
und die EU-Kommission steuern auf die erste harte Machtprobe über
die Auslegung des EU-Stabilitätspakts zu +++ Finanzminister Eichel
weist Kommissions-Forderungen zurück und kündigt Widerstand
an
Mi.19.11.03 -
Gegen entschiedenen Widerstand der Bundesregierung verlangte die
EU-Kommission am Dienstag in Straßburg neue Sparauflagen gegen
Deutschland und drohte mit Sanktionen. Deutschland solle zwar bis 2005
ein Jahr länger Zeit haben, seine Neuverschuldung wieder unter die
EU-Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu senken.
Zugleich verlangte die Kommission aber zusätzliche Einsparungen in
Milliardenhöhe im kommenden Jahr. Finanzminister Hans Eichel (SPD)
wies dies sofort zurück und kündigte Widerstand an. "Wir sind
gewillt, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen, aber nicht auf
Basis einer Politik, die die Krise verlängert", sagte er in Bochum.
Die Kommission verlangte, Deutschland solle sein konjunkturbereinigtes
Defizit 2004 um 0,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes statt geplanter
0,6 Prozent senken. Dies macht nach Angaben aus Regierungskreisen bis zu
fünf Milliarden Euro aus. Damit könne Deutschland bis 2005
sein Defizit unter die Drei-Prozent-Marke bringen. Für 2005 schlug
die Kommission einen weiteren Abbau des strukturellen Defizits um 0,5
Prozent vor. Die Kommission will Deutschland eine Frist bis zum 9.
Januar 2004 setzen, um Maßnahmen zur Umsetzung der Auflagen
anzukündigen. Zudem solle Deutschland zweimal im Jahr einen Bericht
über seinen Defizitabbau erstatten. Falls die Auflagen nicht
eingehalten werden, würden Sanktionen drohen.
EU-Währungskommissar Pedro Solbes sagte, die Kommission habe
über die Vorschläge gar nicht abgestimmt, nachdem eine klare
Mehrheit deutlich geworden sei. Entscheidend sei derzeit, an den Regeln
des Stabilitätspaktes festzuhalten.
Doch Eichel wies die Forderungen der Kommission zurück.
Deutschland könne keine zusätzlichen Einsparungen erreichen,
die über die geplanten Reformen hinausgingen. Deutschland habe mit
der EU kooperiert, es dürfe deshalb nicht mit Sanktionen
überzogen werden. Mit Blick auf die Aufforderung, das strukturelle
Defizit um 0,8 Prozent zu senken, sagte Eichel: "Die Finanzpolitik darf
in dieser Phase nicht prozyklisch sein."
Damit steuert die EU auf die erste harte Machtprobe über die
Auslegung des Stabilitätspaktes zu. Die Kommission muss dort eine
Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen erreichen. Deutschland, das sein
Stimmengewicht nicht einbringen darf, bemüht sich bei anderen
Euro-Ländern um Unterstützung für seine Position.
Diplomaten hatten gewarnt, eine Kampfabstimmung könne dem
Stabilitätspakt schaden. Vor allem Österreich und die
Niederlande hatten in der Vergangenheit eine harte Haltung gefordert.
Kommissionspräsident Romano Prodi kündigte ein entschiedenes
Eintreten der Kommission für den Pakt an. Die Finanzminister
hätten versucht, "das Todesurteil des Stabilitätspaktes" durch
Vereinbarungen außerhalb der Institutionen zu unterzeichnen,
sagte er, ohne Details zu nennen. Die Kommission werde den Pakt als
Eckstein der Stabilität des Euro verteidigen.
Solbes sagte, das Ergebnis der Debatte der Minister lasse sich nicht
verhersagen, er hoffe aber auf eine Einigung. Die Kommission habe bei
ihrer Entscheidung keine Wahl gehabt. Zugleich unterstützte er die
Reformagenda 2010 der Bundesregierung. Sie werde für mehr Wachstum
sorgen. Die Vorgaben an Deutschland ähneln den ebenfalls
umstrittenen Vorschlägen für neue Auflagen gegen Frankreich,
die Anfang kommender Woche von den Ministern ebenfalls beraten werden.
Die Kommission reagiert mit ihren Vorschlägen darauf, dass
Deutschland frühere Auflagen in seinem Defizitverfahren nicht
einhalten wird, sein Staatsdefizit im kommenden Jahr wieder unter drei
Prozent zu senken. Wie Frankreich würde Deutschland damit im
kommenden Jahr zum dritten Mal in Folge gegen den einst auf deutschen
Wunsch zu Stande gekommenen Stabilitätspakt verstoßen. Der
Anstieg des deutschen Defizits in den vergangenen Jahren sei "Grund zu
erster Besorgnis", erklärte die Kommission.
Unterstützung fand die Kommission bei der deutschen Opposition und
der Deutschen Bundesbank. Die Empfehlungen müssten umgesetzt
werden, sonst werde das Vertrauen in die Währungsunion
beschädigt, warnte Bundesbank-Vorstandsmitglied Franz-Christoph
Zeitler in einem Reuters-Interview.
(Quelle: rtr)
Holocaust-Mahnmal: Konkurrenzfirma will Berliner Senat im
Degussa-Streit verklagen
Mi.19.11.03 - Der
Streit um die Benutzung von Degussa-Produkten beim Bau des Berliner
Holocaust-Mahnmals geht weiter. Als Reaktion auf die am vergangenen
Donnerstag beschlossene Verwendung von Materialien des Unternehmens
werde die jetzt nicht zum Zuge gekommene Konkurrenzfirma von Degussa die
Berliner Senatsverwaltung verklagen, hieß es in einem Bericht des
SWR-Fernsehmagazins "Report" am Montagabend.
Die einem Schweizer Unternehmen gehörende PSS Interservice wirft
dem Bericht zufolge der Senatsbauverwaltung vor, bei der Entscheidung
über den Graffiti-Schutz der Betonstelen illegale Preisabsprachen
mit der Degussa vorgenommen zu haben. Auf Grund eines deutlich
niedrigeren Angebots in Höhe von 467.000 Euro habe die
Bauverwaltung der Firma PSS am 15. November 2002 den eindeutigen
Zuschlag für den Auftrag erteilt. Erst daraufhin habe die Degussa
ihr ursprüngliches Angebot in Höhe von 812.000 Euro auf
dieselbe Höhe reduziert und die Berliner Bauverwaltung dazu
bewogen, beim Generalunternehmer Geithner-Bau einen Wechsel des Produkts
durchzusetzen.
Nachdem jetzt zum zweiten Mal die Entscheidung für ein Produkt von
Degussa gefallen sei, "werden wir nun rechtliche Schritte gegen die
Vergabestelle einleiten, da ja nachweislich hier Preise offengelegt
wurden gegenüber der Firma Degussa, aber mit uns nicht entsprechend
geredet wurde", sagte PSS-Geschäftsführer Stephan Wagener
gegenüber "Report".
Den Streit um die Verwendung von Degussa-Produkten hatte am 14. Oktober
ein Zeitungsbericht des Züricher "Tagesanzeiger" ins Rollen
gebracht. Darin wurde auch ausführlich die Beteiligung des
Chemiekonzerns am nationalsozialistischen Völkermord an den
europäischen Juden thematisiert.
Hauptgeschäftspartner von Geithner-Bau war nach Informationen des
Evangelischen Pressedienstes (epd) nicht die Degussa selbst, sondern die
Hannoversche Firma Efinger und Albani, die das Anti-Graffiti-Produkt
"Protectosil" von Degussa in Deutschland exklusiv vertreibt. Deren
Geschäftsführer Bernd Efinger hatte epd die Kenntnis der
Angebotshöhe von PSS bestätigt.
Sowohl Degussa als Lieferant, sein Unternehmen als auch die am Mahnmal
ausführende Firma Bautenschutz Berlin hätten sich daraufhin
zum Verzicht auf einen Teil ihrer Gewinne bereit gefunden. Die
Senatsbauverwaltung muss nach eigener Darstellung
Vertragsabschlüssen zwischen Geithner-Bau und Subunternehmen ihre
Zustimmung erteilen.
(Quelle: epd)
Unep-Chef Töpfer mahnt DaimlerChrysler zu
Rußfilter-Einbau
Mi.19.11.03 - Der
Generaldirektor der UN-Umweltorganisation Unep, Klaus Töpfer, hat
den Automobilkonzern DaimlerChrysler zum Einbau von
Dieselrußfiltern in seine Nutzfahrzeuge ermahnt. "Es gibt die
Technik. Die Rußfilter sind vorhanden. Ich sehe auch die
Notwendigkeit, mit DaimlerChrysler darüber zu reden, wann der
Filter kommt", sagte Töpfer der "Mitteldeutschen Zeitung"
(Mittwochausgabe) am Rande des Internationalen Umweltforums in Magdeburg.
Der frühere Bundesumweltminister nannte entsprechende Forderungen
der Umweltschutzorganisation Greenpeace berechtigt. Das Umweltforum wird
von DaimlerChrysler in Zusammenarbeit mit der Unep durchgeführt.
Am Rande der Tagung protestierte Greenpeace mit Flugblättern und
Plakaten gegen DaimlerChysler. Darin wird das Forum als
"Hochglanzveranstaltung zur Selbstdarstellung" des Autokonzerns
bezeichnet
(Quelle: ap)
12.000 Tiere und Pflanzen bedroht
Mi.19.11.03 - Der
offizielle Katalog der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten ist um
weitere 2.000 Arten auf weltweit 12.000 Spezies erweitert worden. Das
berichtet die World Conservation Union IUCN [http://www.iucn.org] in
ihrer jüngsten Aussendung. Besonders kritisch sieht es in den
entlegensten Gebieten der Erde aus. Dort bedrohen artfremde,
eingeschleppte Spezies die heimische Tier- und Pflanzenwelt.
Nach Berechnungen der IUCN sind seit dem Jahr 1500 762 Tier- und
Pflanzenarten ausgestorben. Weitere 58 Spezies konnten nur als
kultivierte Arten oder in Gefangenschaft überleben. Die Liste der
derzeit gefährdeten Arten gibt Achim Steiner, Direktor der IUCN,
mit 12.259 Spezies an. Gründe für das Schwinden der Arten
liegen in erster Linie in der biologischen Invasion nicht heimischer
Tiere und Pflanzen. Besonders gefährdet sind Inseln wie etwa
Ascension, St. Helena, Tristan da Cunha und die Falkland Inseln im
südlichen Atlantischen Ozean.
Wie schon in den vergangenen Jahren sind auch die heimischen Pflanzen
Hawaiis wieder durch Bioinvasoren stark unter Druck. "Gebiete wie die
Galapagos Inseln, die Seychellen oder Hawaii sind aufgrund ihrer
einzigartigen Fauna und Flora so schön. Die Diversität von
verschiedenen endemischen Lebewesen ist ein wesentlicher Bestandteil",
so Steiner. Die Galapagos Inseln sind durch Schnecken, Ziegen und
nicht-heimische Feuerameisen extrem bedroht.
Steiner räumt zwar ein, dass verschiedene Schutzprogramme einige
Arten vor dem Verschwinden geschützt haben. Dennoch wird die Zahl
der gefährdeten Arten immer größer. In Asien ist etwa
der Mekong-Flusswels, der bis zu drei Meter lang wird, gefährdet,
im Mittelmeer ist der Delfin vom Aussterben bedroht. Die meisten
Vögel und andere Landtiere sind in Indonesien, Indien, Brasilien,
China und Peru gefährdet. Die Biodiversität von Pflanzen ist
am meisten in Ecuador (mehr als 1.100 Pflanzen stehen auf der Roten
Liste), Malaysia, Indonesien, Brasilien und Sri Lanka bedroht.
(Quelle: pte)
Uni-Kurse für Viren-Schreiber heftig umstritten
Mi.19.11.03 -
Pläne der kanadischen Universität von Calgary [http://cpsc.ucalgary.ca/]
, als Teil eines IT-Security-Kurses einen Lehrgang für das
Schreiben von Viren einzurichten, sind auf heftige Kritik von
Sicherheitsspezialisten gestoßen. "Derartiges zu machen ist
verrückt", sagte der isländische Viren- und Sicherheitsexperte
Vesselin Bontchev von Frisk Software [http://www.f-prot.com/] auf einer Tagung der
Association of anti-Virus Asia Researchers [http://www.aavar.org/]
in Sydney.
"Die Schreiber von Viren zu stoppen ist Aufgabe der Justiz und nicht
Aufgabe von Absolventen der Computer-Wissenschaften", betonte Bontchev.
Die Techniker müssten die Produkte der Kriminellen stoppen und
nicht die Kriminellen selbst. "Und dafür müssen sie wissen,
wie ein Virus zu analysieren ist, wie man Anti-Viren-Programme schreibt
und wie man eine entsprechende Attacke stoppt. Sie müssen dagegen
nicht wissen, wie Viren-Schreiber vorgehen", erklärte der
Sicherheitsexperte.
Ken Barker, Leiter der Computer-Wissenschaften an der Universität
von Calgary, [http://pages.cpsc.ucalgary.ca/~barker/] hatte
vorgeschlagen, das Schreiben von Viren künftig zum Teil der
Ausbildung zu machen. "Wenn eine seriöse Bildungs-Institution das
Schreiben von Viren gleichsam billigt, werden zahlreiche junge Leute
sagen, dass sie ja nur Forschung betreiben, wenn sie diese Form des
elektronischen Vandalismus praktizieren", kritisierte Bontchev.
Darüber hinaus ist nach Ansicht des Experten eine derartige
"Ausbildung" kontraproduktiv: Angesehene Anti-Viren-Companies verfolgten
die strikte Politik, Viren-Schreiber nicht zu engagieren. Studenten,
die über derartige Fähigkeiten verfügen, würden
daher Gefahr laufen, keinen Arbeitsplatz zu bekommen, berichtet
AustralianIT.
(Quelle: pte)
Deutlicher Anstieg von Internet-Attacken
Mi.19.11.03 - 823
neue Viren und Würmer hat Internet Security Systems [http://www.iss.net]
(ISS) im dritten Quartal weltweit gezählt. Damit ist die Anzahl der
Plagegeister gegenüber dem letzten Vierteljahr um 26 Prozent
gestiegen. Von Juli bis September 2003 hat ISS rund 150 Millionen
Security Events beobachtet, das entspricht einem Anstieg von neun
Prozent. Das sind die Ergebnisse des Internet Risk Impact Summary (IRIS)
Reports der am Dienstag in Atlanta präsentiert wurde.
Der Dienstag war auch mit durchschnittlich 2,1 Mio. Ereignissen der
gefährlichste Tag für die Internet-Sicherheit. 34,7 Prozent
aller Vorfälle geschahen am Wochenende, was ISS mit der reduzierten
Personalstärke in den Security-Abteilungen erklärt. Europa
hat als Quelle von Net-Attacken im Vergleich zu Q2 um 1,4 Prozent
zugelegt und landet damit auf Rang zwei. An einsamer Spitze liegt aber
nach wie vor Nordamerika, wo fast 85 Prozent aller Angriffe ihren
Ursprung haben.
Der AlertCon, das tägliche Sicherheitsbarometer für das
Internet, stand während Q3 an 37 Tagen auf dem niedrigsten Level-1,
44 Tage auf Level-2 und elf Tage auf dem zweithöchsten Level-3.
Das bestätigt einen deutlichen Anstieg von sicherheitsrelevanten
Ereignissen im Internet. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal war der
höchste AlertCon-Level, der erreicht wurde, die Stufe-2 - und dies
nur für insgesamt acht Tage. Die Internet Security Systems ist ein
internationales Unternehmen für die Abwehr von Internet-Gefahren
und Bedrohungen. Der Security-Anbieter beliefert Kunden mit Produkten
und Services zur Minimierung von Geschäftsrisiken
(Quelle: pte)
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