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+++ Fr.21.11.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am zweihundertsiebenundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Raketenanschläge auf Hotels und Erdöl-Ministerium in Bagdad
+++ Attentäter reißt in Kirkuk mindestens fünf Menschen
mit in den Tod +++ US-Soldat bei Bombenanschlag bei Ramadi getötet
+++ Bush und Blair wollen Terror im Irak entschlossen bekämpfen -
US-Präsident will notfalls US-Truppen im Irak verstärken +++
Mehr als Hundertausend protestieren in London gegen Irak-Krieg +++ UN
erwägen Unterstützung für Irak von Jordanien oder Zypern
aus
Fr.21.11.03 -
Irakische Rebellen haben am heutigen Freitag von Eselskarren aus
mehrere Raketen auf das irakische Ölministerium und zwei Hotels in
der Bagdader Innenstadt abgeschossen. Die Angreifer transportierten
Raketenwerfer auf den Karren und führten diese zu ihren Zielen, wie
US-Oberst Peter Mansoor mitteilte. Acht Raketen trafen nach seinen
Angaben das Ölministerium, von denen aber nur zwei explodierten.
Weitere Raketen schlugen im Palestine und im benachbarten Sheraton-Hotel
ein. Mindestens ein Mann wurde verletzt.
Dieser wurde mit einer blutenden Kopfwunde auf einer Trage aus dem
Palestine Hotel gebracht. In dem Gebäude waren drei Einschläge
zu sehen, im 8. 15. und 16. Stockwerk. In der am Hotel vorbei
führenden Saadun-Strasse wurde auf einem Eselskarren ein
Raketenwerfer entdeckt. Im Palestine-Hotel sind schon seit Beginn des
Irak-Krieges zahlreiche internationale Journalisten untergebracht. Im
Sheraton wurden offenbar die oberen Stockwerke getroffen; in beiden von
Irakern betriebenen Hotels halten sich zahlreiche Amerikaner auf.
Ein weiterer präparierter Eselskarren wurde in der Nähe des
Ölministeriums entdeckt. Bewohner der Umgebung hörten dort
gegen 7.30 Uhr fünf Explosionen. Über dem von Truppen
bewachten Gebäude stieg dichter schwarzer Rauch auf.
Bei dem Sprengstoffanschlag in der nordirakischen Ölstadt Kirkuk
hat ein Attentäter am Donnerstag nach jüngsten Angaben
fünf Iraker, unter ihnen drei Schulkinder, mit in den Tod gerissen.
Wie das Krankenhaus in Kirkuk am Abend mitteilte, erlag ein
elfjähriges Mädchen seinen Verletzungen. Mehr als 30 Menschen
wurden zum Teil schwer verletzt, als ein mit etwa 200 Kilogramm
Sprengstoff präpariertes Auto an einer Straßensperre
explodierte, wie die irakische Polizei mitteilte.
Bei einem weiteren Bombenanschlag in Irak sind ein US-Soldat
getötet und zwei weitere verletzt worden. Der Sprengsatz sei
explodiert, als ihr Konvoi auf einer Straße östlich der Stadt
Ramadi vorbeifuhr, sagte ein US-Armeesprecher. Erst am Mittwochabend
waren zwei Iraker bei einem Anschlag auf das Haus eines Clanchefs in
der hundert Kilometer westlich von Bagdad gelegenen Stadt getötet
worden. Zwölf weitere Menschen wurden dabei nach
Krankenhausangaben verletzt.
US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony
Blair wollen den Terrorismus im Irak entschlossen bekämpfen. Nach
Gesprächen in London versicherten beide, es werde den Terroristen
nicht gelingen, die USA und ihre Verbündeten aus dem Irak zu
vertreiben. "Wir bleiben, bis der Job erledigt ist, denn das wird
wesentlich dazu beitragen, den Terror zu besiegen", sagte Blair.
Die US-Soldaten haben als Reaktion auf die fast täglichen
Anschläge auf US-Besatzungstruppen im Irak ihre Angriffe auf
mutmaßliche Verstecke von Widerstandskämpfern in den
vergangenen Tagen verstärkt und dabei auch mehrere Luftangriffe
geflogen.
US-Präsident George W. Bush hat am Donnerstag in London
angekündigt, die US-Truppen im Irak nötigenfalls zu
verstärken.
Er widersprach damit Plänen des Verteidigungsministeriums, die
Truppenstärke vor der US-Präsidentenwahl 2004 zu reduzieren.
Ein US-Vertreter sagte, es gebe derzeit keine Anzeichen dafür, dass
zusätzliche US-Soldaten im Irak gebraucht würden. Bush und
der britische Premierminister Tony Blair erklärten, sie
würden den Kampf gegen den Terrorismus oder die Besetzung des Irak
nicht aufgeben.
Bush sagte: "Wir könnten weniger Soldaten im Irak haben. Wir
könnten dieselbe Anzahl Soldaten im Irak haben. Wir könnten
mehr Soldaten im Irak haben - (was immer) nötig (ist), um den Irak
zu sichern." Er sei auf die Kommandeure im Feld angewiesen, um zu
entscheiden, wie viele Soldaten im Irak benötigt würden.
Ein führender US-Vertreter sagte zu Journalisten in London,
derzeit gebe es schlicht keine Anzeichen, dass zusätzliche
US-Soldaten im Irak nötig wären. "Falls überhaupt, dann
gehen die Diskussion in die entgegengesetzte Richtung."
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte erklärt, die
US-Soldaten im Irak würden ausgewechselt und dabei ihre Zahl bis
Mitte 2004 von rund 132.000 auf 105.000 reduziert.
Bush und Blair kündigten in einer gemeinsamen Stellungnahme an,
sie würden die Soldaten so lange im Irak lassen, bis die Iraker
bereit seien, die Verantwortung für ihre Sicherheit zu
übernehmen. Sie hofften, dass sich internationale Partner zunehmend
an den Bemühungen beteiligten.
In London, wo sich Bush zu einem Staatsbesuch aufhielt, protestierten
am Donnerstag mehr als Hundertausend gegen den Irak-Krieg. Den
Veranstaltern vom Antikriegsbündnis "Stop the War" zufolge nahmen
etwa 200.000 Menschen an dem Protestzug bis zum Trafalgar Square teil.
Viele Demonstranten machten ihrer Wut über den Irak-Krieg Luft.
"Bush und Blair wollten einen Krieg gegen den Terrorismus führen,
um die Welt sicherer zu machen", sagte ein 38-jähriger
Universitäts-Dozent während des Protestzugs. "Das haben sie
nicht getan. Loszugehen und andere Völker zu bombardieren, gibt
denen nur mehr Anlass, den Westen zu hassen." Bombenanschläge wie
die in Istanbul seien genau die Reaktion, die er auf die Invasion des
Iraks befürchtet hatte, erklärte ein anderer Demonstrant.
"Und wir haben Recht behalten". Der Irak-Krieg habe das Risiko von
Anschlägen deutlich erhöht.
Die Vereinten Nationen wollen möglicherweise von Jordanien oder
Zypern aus den Wiederaufbau in Irak unterstützen. Es werde für
die nächste Zeit ein Regionalbüro im Ausland erwogen,
erklärte UN-Generalsekretär Kofi Annan am Donnerstag. Die
Sicherheitslage in der irakischen Hauptstadt Bagdad lasse derzeit eine
Rückkehr der UN-Mitarbeiter noch nicht zu.
Die Vereinten Nationen prüften aber, wie sie von ausserhalb den
Aufbauprozess in Irak unterstützen könnten, sagte Annan. Dabei
würde es weiter direkte Konsultationen geben, und die Mitarbeiter
des Regionalbüros würden regelmässig nach Bagdad reisen.
Sowohl der irakische Regierungsrat als auch internationale Regierungen,
allen voran Russland, Frankreich und Deutschland, haben eine starke
Rolle der UN bei der Demokratisierung in Irak gefordert.
(Quellen: rtr,
ap, dpa, afp)
Richard Perle: 'Irakkrieg war illegal'
Der
Exberater und Kriegspropagandist der Bush-Regierung gibt zu: Feldzug
der USA bewegte sich außerhalb internationalen Rechts
Für
Erstaunen sorgten gestern Äußerungen des Exchefs des
sicherheitspolitischen Beratergremiums der US-Regierung, Richard Perle.
Laut der britischen Zeitung The Guardian gab der neokonservative
Propagandist für den Irakkrieg zu, dass die Invasion der USA und
Großbritanniens in den Irak illegal gewesen sei.
In seiner schon bekannten offenen Art erklärte Perle gestern auf
einer Veranstaltung in London, dass "in diesem Fall die internationalen
Gesetze dem Dienst für eine gute Sache im Weg standen". Damit
weicht er von der offiziellen Haltung sowohl der Bush-Administration als
auch der des britischen Premiers Blair ab.
Bush und Blair hatten den Irakkrieg stets damit legitimiert, dass
dieser sich im Rahmen der vom UN-Sicherheitsrat verabschiedeten
Resolutionen zum Irak bewege oder als von der internationalen
Gesetzgebung erlaubter Akt der Selbstverteidigung gelten könne.
Perle dagegen beruft sich jetzt allein auf moralische Gründe
für den Feldzug, denn "die internationalen Gesetze hätten uns
dazu verpflichtet, Saddam Hussein auf seinen Posten zu belassen".
Michael Dorf, Rechtsprofessor an der New Yorker Columbia University,
nannte Perles Äußerungen gegenüber dem Guardian ehrlich.
Dorf glaubt, dass die Unterstützung für den Irakkrieg in den
USA nicht wesentlich geringer ausgefallen wäre, hätte die
Bush-Administration von Anfang an so argumentiert, wie Perle es jetzt
tut.
"tageszeitung" vom 21.11.03
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Mindestens 27 Tote bei neuen Anschlägen in Istanbul
Rund 440
Verletzte +++ Bomben explodieren nahe der Zentrale der britischen
Investmentbank HSBC und am britischen Konsulat - Unter den
Getöteten ist auch der britische Generalkonsul in Istanbul +++
Weltweites Entsetzen und Empörung +++ Terrorangst
verunsichert Aktienmärkte +++ Istanbuler Börse bleibt nach
Anschlägen geschlossen +++ Türkische Ermittlungen richten
sich auf radikale Islamisten im eigenen Land
Fr.21.11.03 - Bei
zwei Selbstmordanschlägen auf britische Einrichtungen in der
türkischen Handelsmetropole Istanbul sind am Donnerstag mindestens
27 Menschen getötet und rund 440 verletzt worden. Ein Anrufer bei
der Nachrichtenagentur Anatolien bekannte sich im Namen der
El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden zu der Tat.
Die Anschläge ereigneten sich am dritten Tag des Besuchs von
US-Präsident George W. Bush in Großbritannien, dem engsten
Verbündeten im Irak-Krieg.
Die erste Bombe explodierte nahe der Zentrale der britischen
Investmentbank HSBC, wenig später explodierte der zweite Sprengsatz
am britischen Konsulat. Weltweit lösten die Anschläge
Entsetzen und Empörung aus.
Bush und der britische Premierminister Tony Blair sprachen von einem
gezielten Terrorakt, von dem sie sich in ihrem weltweiten Kampf gegen
den Terrorismus jedoch nicht einschüchtern ließen. Die
türkische Regierung stellte sofort einen Zusammenhang mit den
Bombenanschlägen auf zwei Synagogen in der
Zwölf-Millionen-Stadt her, bei denen am Samstag 25 Menschen starben
und Hunderte verletzt wurden.
An den Finanzmärkten rutschten die Aktienkurse nach den ersten
Meldungen über die neuen Anschläge kräftig ab. An den
europäischen Börsen gaben vor allem Touristikwerte und die
Papiere von Versicherern nach. In New York erholte sich das
Geschäft aber nach Vorlage positiver Konjunkturdaten am Abend.
Der erste Anschlag ereignete sich im Herzen des Finanzviertels von
Istanbul. Das zwölfstöckige HSBC -Gebäude und ein neues
großes Einkaufszentrum mit einer Glasfront wurden stark
beschädigt, die Straßen waren mit Trümmern und Splittern
übersät. Schockierte Passanten starrten auf die Szenerie,
Helfer kümmerten sich um die vielen blutenden Menschen.
Ein Bankangestellter berichtete: "Die Fensterscheiben explodierten - Es
ist einfach alles explodiert." Ein Arzt in einem nahe gelegenen
Krankenhaus sagte: "Wir wussten, dass es eine Bombe war, als ein Arm
durch das Fenster geflogen kam."
Das Ziel des zweiten Anschlags - das britische Konsulat - liegt in
einer schmalen Straße mit zahlreichen Bars, Restaurants und
Geschäften in der Nähe. Unter den Getöteten ist auch der
britische Generalkonsul in Istanbul, Roger Short.
Auch hier spielten sich Szenen des Schreckens ab. "Ich stürzte
mich aus dem Fenster. Der Anblick war entsetztlich - das Tor, das
Konsulat, die Gebäude, alles in Trümmern", berichtete eine
Reinigungskraft. "Dann schaute ich mich nach meinen Freunden um. Ich
sah, mindestens vier waren tot, darunter ein Ehepaar."
Ein Augenzeuge berichtete, ein grüner Lieferwagen mit der
Aufschrift einer Lebensmittelfirma sei bei der Einfahrt ins Tor des
Konsulats explodiert. So waren auch die Selbstmord- Bombenanschläge
vor den Synagogen am Samstag verübt worden.
Der britische Außenminister Jack Straw sagte, unter den Toten
seien viele Briten, Türken und auch Menschen anderer Nationen.
Straw zufolge tragen die Anschläge die Handschrift früherer
Terrortaten der El-Kaida-Organisation, die die USA für die
Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich machen.
Erst am Samstag waren in Istanbul bei Selbstmordanschlägen auf
jüdische Gotteshäuser 25 Menschen getötet und Hunderte
verletzt worden. An den Finanzmärkten hatten bereits diese
Anschläge weltweit die Angst vor weiteren Attentaten verstärkt
und die Kurse gedrückt. Ein Zwischenfall vor
Börseneröffnung in New York setzte die Märkte weiter
unter Druck, als das Präsidialamt nach Berichten, ein Flugzeug sei
in den Luftraum nahe dem Weißen Haus eingedrungen, evakuiert
werden sollte. Der Vorfall stellte sich später als Irrtum heraus.
Nach den verheerenden Selbstmordanschlägen hat die Börse in
Istanbul auch für den heutigen Freitag den Handel ausgesetzt. Das
geht aus einer Erklärung der Börsenleitung am Donnerstagabend
hervor, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Nach
dem Doppelanschlag auf das britische Generalkonsulat und die britische
Großbank HSBC am Vormittag hatte der türkische Index binnen
weniger Minuten einen starken Kurssturz um 7,3 Prozent verzeichnet. Die
Geschäfte sollen den Angaben zufolge wegen des Fastenmonats Ramadan
erst am 1. Dezember wieder aufgenommen werden.
Die Anschläge überschatteten auch den Besuch Bushs in
Großbritannien. Bush versicherte auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Blair, die USA ließen sich von Terroristen
nicht einschüchtern. "Großbritannien, Amerika und andere
freiheitsliebende Staaten stehen heute vereint in Trauer und vereint in
ihrer Entschlossenheit, das Übel zu besiegen, wo immer es zu Tage
tritt", erklärte Bush.
Weltweit lösten die neuen Anschläge Empörung aus. UNO-
Generalsekretär Kofi Annan sagte, die Täter ließen jede
Achtung vor den Menschenrechten vermissen. Ihre Taten verdienten
schärfste Missbilligung. Diplomaten stellten eine Erklärung
oder auch eine Resolution zur Lage in der Türkei in Aussicht.
Bundeskanzler Gerhard Schröder verurteilte die neuen Attentate
«aufs Schärfste» und versprach eine enge
Zusammenarbeit mit den Verbündeten im Kampf gegen den Terrorismus.
Die türkische Regierung kündigte an, den Kampf gegen den
Terrorismus fortzusetzen. "Wir werden wie eine Faust sein", sagte
Ministerpräsident Tayyip Erdogan. Gleichzeitig rief Erdogan die
Bevölkerung zu Ruhe und Besonnenheit auf.
Die türkischen Ermittlungen richten sich nach den jüngsten
Terroranschlägen erneut auf radikal-islamistische Terrorgruppen im
eigenen Land. Die Autobombenanschläge tragen nach Angaben der
Regierung die gleichen Züge wie die Selbstmordanschläge auf
zwei Istanbuler Synagogen fünf Tage zuvor. Diese waren von zwei
türkischen Islamisten mit möglichen Verbindungen zum
Terrornetzwerk El Kaida verübt worden.
Der UN-Sicherheitsrat verurteilte am Donnerstag Abend (Ortszeit) sowohl
die Anschläge vom vergangenen Samstag auf die Synagogen als auch
die neuen Attentate von Istanbul. In einer einstimmig angenommenen
Resolution forderte der Rat in New York alle Staaten auf, die Täter
und Hintermänner der Anschläge zur Rechenschaft zu ziehen.
(Quelle: rtr,
afp, dpa)
London-Visite des US-Präsidenten von Anschlägen
überschattet
Bush und Blair
bekräftigen Kampf gegen den Terror - Anschläge wie die in der
Türkei würden den Militäreinsatz in Irak rechtfertigen.
Im Anti-Terror-Kampf dürfe es kein Zögern und keine
Kompromisse geben
Fr.21.11.03 - Die
Terroranschläge auf britische Einrichtungen in der Türkei
fielen - möglicherweise nicht zufällig - mit dem Besuch von
US-Präsident George W. Bush in London zusammen. Bush erklärte:
"Sie (die Terroristen) hassen freie Nationen. Ihre Grausamkeit ist ein
Teil ihrer Strategie. Die Terroristen wollen uns demoralisieren." Das
aber werde ihnen nicht gelingen. Der britische Premierminister Tony
Blair forderte eine kompromisslose Fortsetzung des Kampfes gegen den
Terrorismus.
Der britische Außenminister Jack Straw sagte in Istanbul
über die Attentäter: "Diese Leute sind voller Hass, es sind
Fanatiker." Die Anschläge von Istanbul seien Anschläge auf die
gesamte Menschheit. Das Außenministerium in London warnte
britische Staatsbürger wegen der Gefahr weiterer Anschläge vor
Reisen in größere türkische Städte. Auch das
Auswärtige Amt in Berlin riet, «nicht unbedingt erforderliche
Reisen nach Istanbul aufzuschieben».
Der britische Premierminister Tony Blair und US-Präsident George
W. Bush wollen den Kampf gegen den Terror auch nach den neuen
Anschlägen in Istanbul entschlossen fortsetzen. Die Angriffe
würden den Einsatz in Irak in keiner Weise schmälern,
erklärten beide am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz
in London.
Im Kampf gegen den Terror dürfe es kein Zögern und keine
Kompromisse geben, erklärte Blair. "Wir werden den
Terrorismus bekämpfen, wo wir können und wann wir können,
und wir werden ihn vollkommen niederschlagen", sagte Blair weiter. Er
werde dabei weiter entschlossen an der Seite der USA stehen.
Blair und Bush zufolge rechtfertigen Anschläge wie die in der
Türkei den Militäreinsatz in Irak. Irak sei das
"Hauptschlachtfeld" des Anti-Terror-Kampfes, sagte Blair.
Großbritannien werde so lange dort bleiben, "bis die Arbeit getan
ist". Dies sei ein wichtiger Teil "des Kampfes gegen Fanatismus und
Extremismus, der unschuldige Menschen tötet", sagte der Premier.
Der US-Präsident deutete an, in Irak könnten noch mehr
US-Soldaten stationiert werden. Die Zahl der Truppen orientiere sich an
den Erfordernissen der Sicherheitslage. In Westminster Abbey traf Bush
mit den Angehörigen von sieben in Irak getöteten britischen
Soldaten zusammen. Am Grab des unbekannten Soldaten legten er und seine
Ehefrau Laura einen Kranz nieder.
(Quellen: afp,
ap, dpa)
Es ist, als lege sich die gleiche verhängnisvolle,
immer neuen Hass produzierende Logik des Nahostkonfliktes
allmählich über den ganzen Globus
Noch
direkt unter dem Eindruck der Terroranschläge in Istanbul
bekräftigten US-Präsident George W. Bush und der britische
Premierminister Tony Blair gestern in London, auf die terroristische
Bedrohung gebe es nur eine Antwort: den Willen, sie zu zerstören.
Das bedeutet im Klartext: weiter so! Und genau diese Botschaft wird bei
jenen verstanden werden, die irgendwo auf der Welt schon dabei sein
mögen, die nächsten Autos mit TNT zu präparieren.
Die Doktrin der "präemptiven" Angriffe auf potenzielle Aggressoren
sei mit dem Irakdebakel eigentlich vom Tisch, so ist aus Washington zu
hören. Das mag so sein und erscheint zu Beginn eines komplizierten
US-Wahljahres recht plausibel. Das Problem ist, dass sich am
militärischen Denken der Regierungsverantwortlichen dennoch gar
nichts geändert hat. Noch immer glaubt die US-Regierung daran, sie
bekämpfe Terrorismus am wirkungsvollsten dadurch, dass sie
Terroristen jage, und zwar militärisch. Die Hartnäckigkeit,
mit der sie die simple Erkenntnis leugnet, dass ihre Politik
täglich neue Terroristen hervorbringt, lässt auf
unverantwortliche Ignoranz oder verbrecherisches politisches Kalkül
schließen. Beides hat an der Spitze einer Weltmacht nichts zu
suchen...
"tageszeitung" vom 21.11.03
http://www.taz.de/pt/2003/11/21/a0059.nf/text
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Mehr als Hunderttausend demonstrieren in London gegen
Irak-Krieg
Die
Veranstalter vom Antikriegsbündnis 'Stop the War' zählen etwa
200.000 Teilnehmer +++ Bush erklärte, die Protestaktionen
trübten seinen Besuch nicht - Freiheit sei wundervoll
Fr.21.11.03 - An
der Demonstration gegen die Irak-Politik von Bush und Blair haben sich
in London nach Polizeiangaben bis zu 110.000 Menschen beteiligt. Den
Veranstaltern vom Antikriegsbündnis "Stop the War" zufolge nahmen
etwa 200.000 Menschen an dem Protestzug bis zum Trafalgar Square teil.
Bush hält sich seit Dienstagabend als erster US-Präsident der
Geschichte zu einem offiziellen Staatsbesuch in Großbritannien
auf. Als Gast von Königin Elizabeth II. übernachtet er bis zu
seiner Abreise am Freitag im Buckingham-Palast.
Die Demonstranten versammelten sich am Nachmittag vor der University of
London und zogen zum Lärm von Nebelhörnern und Trommeln in
Richtung Trafalgar Square. Sie skandierten: "George Bush, Terrorist".
Weitere Demonstranten schlossen sich der Kundgebung auf dem Trafalgar
Square an. Dort wurde in Erinnerung an den Sturz des
Saddam-Hussein-Denkmals im Frühjahr in Bagdad eine fünf Meter
hohe Figur aus Pappmaché, die Bush darstellen sollte,
umgestürzt, während auf einer riesigen Leinwand der Sturz
einer Statue von Saddam Hussein durch US-Soldaten in Bagdad am 9. April
zu sehen war.
Viele Demonstranten machten ihrer Wut über den Irak-Krieg Luft.
"Bush und Blair wollten einen Krieg gegen den Terrorismus führen,
um die Welt sicherer zu machen", sagte ein 38-jähriger
Universitäts-Dozent während des Protestzugs. "Das haben sie
nicht getan. Loszugehen und andere Völker zu bombardieren, gibt
denen nur mehr Anlass, den Westen zu hassen." Bombenanschläge wie
die in Istanbul seien genau die Reaktion, die er auf die Invasion des
Iraks befürchtet hatte, erklärte ein anderer Demonstrant. "Und
wir haben Recht behalten". Der Irak-Krieg habe das Risiko von
Anschlägen deutlich erhöht
Mehr als 5.000 Polizisten waren im Einsatz. Seit Beginn des
dreieinhalbtägigen Bush-Besuchs am Dienstagabend wurden laut
Polizei etwa 50 Menschen festgenommen.
Etwa 100 Demonstranten versammelten sich zuvor vor Blairs Büro in
der Downing Street. Einige trugen orangefarbene Overalls, um gegen die
Inhaftierung von neun Briten auf dem US-Stützpunkt Guantanamo auf
Kuba zu protestieren. In dieser Frage erzielten Bush und Blair offenbar
keine Einigung. Die Angelegenheit werde bald "in dem einen oder anderen
Punkt" gelöst werden, sagte Blair lediglich. Auch der Streit um die
von den USA erhobenen Zölle auf Stahlimporte wurde offenbar nicht
gelöst. Bush erklärte, Blair habe das Thema am Donnerstag zum
dritten Mal angesprochen.
Bereits am Mittwoch war es zu kleineren Protestaktionen gekommen.
Mehrere Hundert Demonstranten versammelten sich nach Angaben der Polizei
vor dem Buckingham-Palast. Bush war dort am Mittwoch offiziell von
Königin Elizabeth II. empfangen worden.
Bush erklärte, die Protestaktionen trübten seinen Besuch
nicht. "Freiheit ist wundervoll", sagte er am Donnerstag. Er sei froh,
in einem Land zu sein, in dem die Menschen das Recht hätten, ihre
Meinung frei zu äußern. "Das durften die Menschen in Bagdad
bis vor kurzem nicht."
Am Mittwoch hatte der US-Präsident die gemeinsame Geschichte
Großbritanniens und der USA zur Verteidigung ihrer Werte betont.
Beide Länder träten dafür ein, den Weltfrieden zu
sichern, sagte der Präsident.
(Quellen: rtr,
afp, ap)
Mehr über
die Protestbewegung in London bei telepolis (18.11.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16107/1.html
Welcome to
Chasing Bush - the very first project of the passive resistance
network:
http://www.interwebnet.org/
Weißes Haus nach Fehlalarm vorübergehend evakuiert
Nachricht von
der Evakuierung belastete die Kurse an den Aktienmärkten zeitweise
Fr.21.11.03 - Das
Weiße Haus in Washington ist nach Angaben der
US-Flugsicherheitsbehörde am Donnerstag wegen eines Fehlalarms
evakuiert worden.
Ursache sei das Flackern auf einem Radarschirm gewesen, erklärte
eine Sprecherin der Behörde. Es habe sich kein Flugzeug im Anflug
auf den Amtssitz des US-Präsidenten befunden. Das Gebäude in
Washington war kurz zuvor vorübergehend evakuiert worden, nach
Aussage des hauseigenen Sicherheitsdienstes wegen einer akuten
Notfallsituation. Der TV-Sender NBC berichtete kurz darauf, ein Flugzeug
habe den Alarm ausgelöst, sei dann aber aus dem Luftraum
umgeleitet worden. Präsident George W. Bush hielt sich zur Zeit des
Alarms zu einem Staatsbesuch in London auf. Die Nachricht von der
Evakuierung des Weißen Hauses hatte die Kurse an den
Aktienmärkten zeitweise belastet.
Berater und Besuchergruppen wurden von bewaffneten
Sicherheitsangestellten aus dem Gebäude geleitet, während eine
Auto-Eskorte Vizepräsident Dick Cheney wegbrachte. Auch die
Angestellten verließen das Haus. Vor dem Gebäude forderte
ein bewaffneter Angestellter des Sicherheitsdienstes Passanten auf, sich
vom Weißen Haus fern zu halten. Wenig später stellte sich
die Notfallsituation dann als Fehlalarm heraus.
Erst vor wenigen Tagen war ein Privatflugzeug in den Flugraum über
Washington eingedrungen und hatte einen Sicherheitsalarm im
US-Präsidialamt ausgelöst. US-Militärflugzeuge hatten die
Maschine abgedrängt und aus der Verbotszone eskortiert.
(Quelle: afp)
BND warnt vor wachsender antiwestlicher Stimmung in
islamischer Welt
Westen
müsse aktiv für weltweite Geltung der Menschenrechte
eintreten - Arabische Staaten bräuchten eine wirtschaftliche
Perspektive, sonst bekämen religiös verbrämte
'Hassprediger' noch mehr Zulauf.+++ Schily ruft zu verstärkter
Beschäftigung mit Islam auf
Fr.21.11.03 - Der
Bundesnachrichtendienst hat vor einer «wachsenden
antiamerikanischen und antiwestlichen Stimmung» in der islamischen
Welt gewarnt. "Wir sind gerade dabei, den Kampf um die Köpfe und
Herzen zu verlieren", sagte BND-Präsident August Hanning am
Donnerstag bei einem Nahost-Symposium in Pullach. Der Westen müsse
aktiv für die weltweite Geltung der Menschenrechte eintreten. Die
arabischen Staaten mit ihrer sehr jungen Bevölkerung
bräuchten eine wirtschaftliche Perspektive, sonst bekämen
religiös verbrämte "Hassprediger" noch mehr Zulauf.
Auch der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen
Chrobog, sprach von einer Besorgnis erregenden Entwicklung in den
Ländern des Nahen Ostens. Im israelisch-palästinensischen
Konflikt drehe sich die Spirale der Gewalt immer schneller. Weil keine
Seite aus eigener Kraft herausfinde, sei Druck von außen wichtig.
Die Aufmerksamkeit der USA sei aber von Irak und dem beginnenden
amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf beansprucht.
Angesichts der jüngsten Terroranschläge in der Türkei
hat Bundesinnenminister Otto Schily zu einer verstärkten
inhaltlichen Beschäftigung mit dem Islam aufgerufen. "Alle
militärischen und polizeilichen Maßnahmen reichen nicht aus,
wenn es uns nicht gelingt, die geistig-politische Auseinandersetzung zu
gewinnen", sagte der SPD-Politiker am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung
heute journal. Außerdem müsse man die Partner in der
islamischen Welt verstärkt bitten, sich am Kampf gegen den
Terrorismus und seine Ursachen aktiv zu beteiligen.
Schily verwies auf die Erfolge im Kampf gegen den islamistischen
Terrorismus, räumte aber auch ein, dass es El Kaida trotzdem
gelungen sei, sich wieder neu aufzubauen. Er glaube jedoch im Moment
guten Gewissens sagen zu können, dass man sich in Deutschland
bislang nicht auf eine Gefährdungslage mit Anschlägen wie in
der Türkei vorbereiten müsse.
In den ARD-Tagesthemen sagte Schily: "Wir sind Teil eines allgemeinen
Gefahrenraumes." Deutschland werde in El-Kaida-Verlautbarungen durchaus
als Ziel genannt. Besonders gefährdet seien jüdische,
britische und amerikanische Einrichtungen. Deswegen müsse man
weiter wachsam bleiben.
(Quellen: ap,
rtr)
Jüdische Verbände besorgt über radikale
Moslems in Deutschland
Fr.21.11.03 - Die
jüdische Gemeinde in den USA hat in einem Gespräch mit
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ein härteres Vorgehen der
deutschen Behörden gegen radikale islamische Gruppen gefordert.
Die Aktivitäten dieser Gruppen müssten energischer
überwacht werden, sagte der Geschäftsführende Direktor
der jüdischen Vereinigung B'nai Brith, Daniel Mariaschin, am
Donnerstag nach dem einstündigen Treffen in New York. Viele
islamische Zentren würden von Radikalen benutzt, um den Hass
anzustacheln.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt:
Kureia glaubt
an Friedensvereinbarung mit Israel in sechs Monaten +++ 5000
Palästinenser erhalten Erlaubnis zum Gebet auf dem Tempelberg +++
Israel akzeptiert außer von USA keinen 'Eingriff' bei
Friedensplan
Fr.21.11.03 - Der
palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia hält eine
Einigung mit Israel über Wege zur Beilegung des Nahost-Konfliktes
"binnen sechs Monaten" für möglich. Dem norwegischen
Fernsehsender NRK sagte er am Donnerstag, er sei zu einem Gespräch
mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon über
eine entsprechende Einigung bereit. So etwas sei "in sehr kurzer Zeit"
machbar. Vorbedingung für Friedensgespräche sei ein
Waffenstillstand. Die erste offizielle Unterredung zwischen Kureia und
Scharon ist für kommende Woche vorgesehen. Der von NRK befragte
UN-Gesandte für den Nahen Osten, Terje Roed-Larsen, nannte einen
Zeitraum von einem Jahr für eine israelisch-palästinensische
Vereinbarung wahrscheinlicher.
Rund 5000 Palästinenser haben derweil die Erlaubnis erhalten, an
den letzten Tagen des Fastenmonats Ramadan auf dem Tempelberg in
Jerusalem zu beten. 4000 Menschen aus dem Westjordanland und weitere
tausend aus dem Gazastreifen hätten am Donnerstag und Freitag
Zugang zu dem von Israel besetzten Gelände im Ostteil von
Jerusalem, teilte die israelische Armee mit. Die Erlaubnis gelte nur
für Männer über 45 und Frauen über 35 Jahre. Am
Donnerstag wird an die Nacht des Schicksals erinnert, das heißt
die Offenbarung des Korans an den Propheten Mohammed.
Israel wird keinerlei Einmischung bei der Umsetzung des
Nahost-Friedensplans hinnehmen, ausgenommen von Seiten der USA. Der
Friedensplan könne nur durch Verhandlungen und Abkommen zwischen
Israel und den Palästinensern umgesetzt werden, heißt es in
einer Erklärung von Premier Ariel Scharon. Damit reagiert Israel
auf die jüngste Entschließung des UN-Sicherheitsrates. Das
Weltgremium hatte Israel und die Palästinenser in einer Resolution
aufgefordert, den vom internationalen Friedensplan vorgegebenen Kurs
einzuhalten.
(Quellen: afp,
dpa)
IAEA plant 'ziemlich scharfe' Resolution gegen Iran
Fr.21.11.03 - Die
Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) plant nach den Worten von
Generalsekretär Mohamed ElBaradei eine "ziemlich scharfe
Resolution" zum iranischen Atomprogramm. Zugleich solle Teheran darin
jedoch für seine jüngsten Zusammenarbeit mit der IAEA gelobt
werden, sagte ElBaradei am Donnerstag in Wien. Zuvor hatte der
IAEA-Gouverneursrat seine geplante Entscheidung über die Resolution
um einen Tag auf (den heutigen) Freitag vertagt.
Die Zulassung von Kontrollen sei "sehr ermutigend", erklärte
ElBaradei. Die IAEA habe den notwendigen Zugang zu den Atomanlagen in
Iran erhalten. "Aus der Perspektive der Nichtverbreitung von Atomwaffen
sind wir weit gekommen", sagte der Generalsekretär der
UN-Behörde. In der Resolution solle Teheran gleichwohl für
"zurückliegende Fehler und Verstöße" gegen den
Atomwaffensperrvertrag kritisiert werden.
Die USA drängen vor dem Treffen darauf, Teheran für
Verschleierung und unkooperatives Verhalten in der Vergangenheit zu
rügen. Frankreich, Deutschland und Großbritannien hatten
dagegen zunächst einen Resolutionsentwurf erarbeitet, in dem das
zwei Jahrzehnte weitgehend verheimlichte Atomprogramm Irans kaum
erwähnt wurde und dafür die jüngsten Kooperationszusagen
betont wurden.
Dieser Entwurf wurde von den USA am Mittwoch abgelehnt. Diese "schwache
Resolution ist schon Geschichte", erklärte ein Diplomat am
Donnerstag. Die USA sehen ihre Sorgen hinsichtlich eines iranischen
Atomwaffenprogramms noch nicht ausgeräumt, wie Außenminister
Colin Powell am Dienstag in Brüssel noch einmal deutlich machte.
Die Diskussionen am Donnerstag verliefen laut Diplomaten zügig,
und es zeichnete sich ein Kompromiss zwischen den USA und der EU ab.
Demgemäß könnte Iran wegen zurückliegender
"Nichtbefolgung von IAEA-Abkommen" oder dem "Bruch von Verpflichtungen"
gerügt werden. Weiter heiße es in dem Entwurf, eine
"Wiederholung der Fehler, Vertuschungen oder Tricks" werde von der IAEA
nicht akzeptiert.
Zudem müsse Iran sein Atomprogramm sofort für Inspektionen
öffnen und die Urananreicherung dauerhaft einstellen. Zugleich
heißt es in dem Entwurf laut Diplomatenangaben weiter, die IAEA
gehe davon aus, dass Teheran der Behörde "korrekte, umfassende und
abschließende" Informationen über seine früheren und
derzeitigen Atomaktivitäten liefere. Anders als von den USA
gefordert soll die Angelegenheit laut ElBaradei nicht an den
Weltsicherheitsrat weitergeleitet werden.
Aus diplomatischen Kreisen verlautete unterdessen, die IAEA habe
Russland, China und Pakistan als wahrscheinliche Lieferanten von
Technologien ermittelt, mit Hilfe derer Iran Uran anreicherte. Wie die
Organisation die mutmaßliche Herkunft der Gerätschaften
ermittelte, teilten die Diplomaten nicht mit. Iran hat die Anreicherung
von Uran inzwischen ausgesetzt.
Die russische Regierung wies die Angaben scharf zurück. Russland
habe zwar Mitte der 90er Jahre mit Teheran einen Vertrag über die
Lieferung von Lasertechnik zu Anreicherung von Uran unterzeichnet, sagte
ein Sprecher des Atomenergieministeriums. Moskau habe den Vertrag
jedoch unter dem Druck der USA einige Jahre später
rückgängig gemacht, und die vollständige Lieferung habe
Iran nie erreicht.
(Quelle: ap)
UN bitten um Millionenhilfe für Nordkorea
Für 2004
sind 221 Millionen Dollar Spenden nötig
Fr.21.11.03 -
Angesichts einer "chronischen Notsituation" in Nordkorea haben mehrere
Büros der Vereinten Nationen Hilfen für den kommunistischen
Staat in Höhe von 221 Millionen US-Dollar (185,5 Millionen Euro)
gefordert. Das Land sei weiterhin massiv auf humanitäre
Unterstützung angewiesen, sagte der Leiter des
Welternährungsprogramms (WFP) in Nordkorea, Rick Corsino, am
Donnerstag in Peking. Unterernährung habe ein alarmierendes
Ausmaß erreicht, und die gesundheitliche Versorgung drohe sich
weiter zu verschlechtern.
15 UN-Büros und Nichtregierungsorganisationen starteten den Aufruf
laut Corsino am Mittwoch in Genf. Das Welternährungsprogramm habe
um 192 Millionen Dollar gebeten, UNICEF um 12,7 Millionen und die
Weltgesundheitsorganisation um sieben Millionen.
Seit die Regierung in Pjöngjang 1995 zugab, dass ihr staatlich
koordiniertes System der Landwirtschaft versagt hat, sind rund acht
Millionen Tonnen Lebensmittel nach Nordkorea geliefert worden. In den
vergangenen beiden Jahren sei die Unterstützung jedoch deutlich
zurückgegangen, sagte Corsino. Dazu habe unter anderem auch der
Streit um das nordkoreanische Atomprogramm beigetragen.
Nur gut die Hälfte der für 2003 geforderten Hilfen seien
bisher eingegangen, teilte das UN-Büro für die Koordination
humanitärer Angelegenheiten mit. Die USA hätten ihre Spenden
stetig reduziert; Japan, der bislang größte Unterstützer
Pjöngjangs, habe seit 2001 überhaupt nichts gespendet.
(Quelle: ap)
52 Regimekritiker in Simbabwe wieder freigelassen
Fr.21.11.03 -
Zwei Tage nach ihrer Festnahme sind 52 Regimekritiker in Simbabwe
wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Ein Gericht ordnete die
Freilassung am Donnerstag an, ließ die Vorwürfe jedoch nicht
fallen. Den Betroffenen werden nach Angaben ihres Anwalts
Verstöße gegen die scharfen Sicherheitsgesetze des
südafrikanischen Landes zur Last gelegt. Die Festgenommenen,
darunter 14 Gewerkschaftsführer, hatten sich am Dienstag in der
Hauptstadt Harare zu einer Kundgebung gegen Präsident Robert Mugabe
versammelt. Landesweit wurden rund 90 Demonstranten festgenommen.
(Quelle: ap)
Amerikanische Minister einigen sich auf Freihandelskompromiss
Einheitliche
Freihandelszone (FTAA) von Alaska bis Feuerland voraussichtlich erst ab
2005 +++ Globalisierungsgegner betrachten das FTAA-Projekt als Versuch
der USA, ihre Vorherrschaft auf dem amerikanischen Kontinent zu
festigen
Fr.21.11.03 - Die
Handelsminister aus 34 amerikanischen Staaten haben sich bei ihrer
Konferenz in Miami (US-Staat Florida) auf ein Kompromisspapier zur
Bildung einer gesamtamerikanischen Freihandelszone (FTAA) geeinigt. Das
Abkommen, mit dem der größte gemeinsame Markt der Welt
geschaffen werden soll, wird voraussichtlich Anfang 2005 in Kraft treten.
Die Abschlusserklärung von Miami erlaubt es aber den beteiligten
Ländern, von ihnen als sensibel erachtete Themen aus dem
FTAA-Ankommen herauszuhalten. Die ursprünglich auf zwei Tage
angesetzte Konferenz endete bereits am Donnerstagabend.
Die Konferenz in Miami war von zum Teil gewalttätigen Protesten
von rund 20 000 Globalisierungsgegnern begleitet worden. Es kam dabei zu
Zusammenstößen zwischen der Polizei und einigen hundert
Demonstranten, die versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen. Die
Polizei setzte laut Fernsehberichten auch Tränengas ein. Mindestens
20 Demonstranten wurden festgenommen.
Die Idee der Freihandelszone war Ende 1994 vom damaligen
US-Präsidenten Bill Clinton und den übrigen Staats- und
Regierungschefs des Kontinents - mit Ausnahme Kubas - auf einem Gipfel
in Miami vorgestellt worden. Differenzen hatte es in den vergangenen
Jahren vor allem zwischen den USA und Brasilien gegeben.
Die USA weigerten sich, das Thema Agrarsubventionen in das Abkommen
aufzunehmen, die Brasilianer und andere Länder wollten Fragen des
geistigen Eigentums, des Investitionsschutzes oder des öffentlichen
Beschaffungswesens aus FTAA heraushalten. Das von den USA und Brasilien
erarbeitete Kompromisspapier, von Kommentatoren als «FTAA
light» verspottet, war von einigen Ländern sowie Vertretern
der US-Industrie kritisiert worden.
Viele Globalisierungsgegner betrachten das FTAA-Projekt als Versuch der
USA, ihre Vorherrschaft auf dem amerikanischen Kontinent zu festigen.
Sie glauben, dass die Abschaffung aller Schutzzölle Armut und
soziale Ungleichheit in Lateinamerika verstärkt. Unter den
Demonstranten am Donnerstag waren aber auch viele Mitglieder des
US-Gewerkschaftsbundes AFL-CIO, die wegen der Marktöffnung
Arbeitsplatzverluste in den USA befürchten.
(Quelle: dpa)
Ein weiterer
Bericht zum Thema unter:
http://www.taz.de/pt/2003/11/22/a0096.nf/text
Brasilien handelt weiter Preisnachlässe für
Aids-Medikamente aus
Schätzungen zufolge sind rund 600.000 Brasilianer HIV-positiv +++
Brasilianische Regierung droht mit dem Bruch des Patentschutzes, wenn
Aids-Mittel nicht erschwinglich sind
Fr.21.11.03 - Die
brasilianische Regierung hat weitere Preissenkungen für
Aids-Medikamente ausgehandelt. Der deutsche Pharmakonzern MSD Sharp
& Dohme gewähre eine Preissenkung um 25 Prozent für das
Mittel Efavirenz, meldete die Tageszeitung "Folha de São Paulo"
am Mittwoch. Dies bedeute für Brasilien eine Einsparung im
kommenden Jahr in Höhe von umgerechnet acht Millionen Euro. Die
Regierung versorgt rund 140.000 HIV-Infizierte kostenlos mit
Aids-Medikamenten.
In der vergangenen Woche hatte der Konzern Bristol-Myers Squibb (New
York) eine Preissenkung von 76 Prozent auf das Mittel Atazanavir
gewährt, wodurch Brasilien 54 Millionen Euro jährlich spart.
Ähnliche Verhandlungen mit den Unternehmen Roche (Schweiz) und
Abbott (USA) würden fortgesetzt, hieß es aus dem
Gesundheitsministerium.
Die Regierung droht mit dem Bruch des Patentschutzes, was das Regelwerk
der Welthandelsorganisation zulässt, wenn Aids-Mittel nicht
erschwinglich sind. Einige Nachahmermedikamente (Generika) werden schon
in staatlichen Fabriken in Brasilien hergestellt. Sie könnten auch
aus Indien und oder künftig aus China importiert werden.
Seit 1997 erhalten Aids-Infizierte in Brasilien kostenlos einen
Cocktail aus antiretroviralen Medikamenten, die die Leiden lindern und
das Leben verlängern können. Die Zahl der Aids-Toten ging
seither um die Hälfte zurück. Schätzungen zufolge sind
rund 600.000 Brasilianer HIV-positiv.
(Quelle: epd)
Rebellen in Kolumbien kündigen Freilassung von
deutscher Geisel an
Fr.21.11.03 -
Kolumbische Rebellen haben am Donnerstag die Freilassung ihrer
deutschen und einer spanischen Geisel angekündigt. Die vier
israelischen Geiseln und ein britischer Entführter sind in der
Erklärung der Rebellen nicht erwähnt.
"Die Nationale Befreiungsarmee wird am nächsten Montag, 24.
November, den baskischen Bürger Asier Huegun und die deutsche
Bürgerin Reinhilt Weigel freilassen", hieß es in der
Erklärung, die an die Nachrichtenagentur Reuters geschickt wurde.
Die unter der spanischen Abkürzung ELN bekannte marxistische
Rebellengruppe hatte acht junge Rucksackreisende am 12. September im
Dschungel der Sierra Nevada entführt. Einer von ihnen, ein
19-jähriger Brite, konnte fliehen.
Vor einer Woche hatten die Rebellen Reuters ein Video mit einem ersten
Lebenszeichen der Entführten übergeben. Darauf berichteten die
Geiseln von langen Märschen, Hunger und Kälte und baten,
Forderungen der Rebellen nachzukommen, um ihre Freilassung zu
beschleunigen.
Vor der Ankündigung der ELN hatte die katholische Kirche
Kolumbiens wie von den Rebellen gefordert zugesagt, an einer
Untersuchung der Menschenrechtssituation in der Sierra Nevada
teilzunehmen. Die Kirche teilte mit, die Kommission aus
Kirchenvertretern, Vertretern der Vereinten Nationen (UNO) und
kolumbianischen Menschenrechtsvertretern werde am Samstag in das
Dschungelgebiet aufbrechen.
(Quelle: rtr)
Georgische Regierungspartei gewinnt offiziell Parlamentswahl
Opposition:
Schewardnadse hat Wahlergebnis manipuliert +++ Beobachter
befürchten nun gewalttätige Ausschreitungen
Fr.21.11.03 -
Nach wochenlangem Streit und Protesten hat die Wahlkommission in
Georgien am Donnerstag die Gültigkeit der Parlamentswahl
bestätigt. Demnach gewann die Staatspräsident Eduard
Schewardnadse nahe stehende Partei Für ein neues Georgien die
Abstimmung vom 2. November mit 21,3 Prozent der Stimmen.
Zweitstärkste Kraft wurde die Partei Aufschwung mit 18,8 Prozent
der Stimmen, wie eine Sprecherin der Zentralen Wahlkommission, Eka
Melkadse, in Tiflis mitteilte. Knapp auf Platz drei landete die
oppositionelle Nationale Bewegung von Parteichef Michail Saakaschwili.
Es folgten die linksgerichtete Arbeitspartei (zwölf Prozent), die
Demokraten (8,8 Prozent) und die Neue Rechte Partei (7,4 Prozent).
Die Opposition zweifelt die Rechtmäßigkeit des
Wahlergebnisses jedoch an und wirft Schewardnadse Manipulation vor.
"Dieses Parlament ist illegal. Die Zusammensetzung folgt Schewardnadses
Anweisungen", erboste sich Oppositionsführer und Ex-Justizminister
Michail Saakschwili am Donnerstag im Gespräch mit Journalisten.
Fünf Mitglieder der Wahlkommission verließen die Sitzung und
erklärten, das Ergebnis sei gefälscht. Die Demokratie gerate
dadurch zur Farce. Die Opposition hatte nach der Wahl den Rücktritt
des Präsidenten gefordert und den größten Protestmarsch
der vergangenen zehn Jahre organisiert. Beobachter befürchten nun
gewalttätige Ausschreitungen.
Nach Bekanntgabe des offiziellen Endergebnisses berief Schewardnadse
für Samstag das neue Parlament ein. Saakaschwili kündigte vor
Journalisten an, seine Partei werde die Sitzung boykottieren und
versuchen, sie zu verhindern. Rund 500 Aufschwung-Anhänger
versammelten sich vor dem Parlament in Tiflis und erklärten, sie
wollten dort bis Samstag ausharren.
Die "Bild"-Zeitung berichtete am Donnerstag, Schewardnadse habe sich
eine Villa in Baden-Baden gekauft. Der Preis habe elf Millionen Euro
betragen. Mit dem Kauf bereite der von Massenprotesten bedrängte
Staatschef möglicherweise seinen Gang ins Exil nach Deutschland
vor, schrieb das Blatt am Donnerstag weiter. Dem Bericht zufolge handelt
es sich um ein Anwesen der Unternehmer-Witwe Chantal Grundig.
Ein Sprecher der Stadtverwaltung Baden-Baden konnte zu dem
möglichen Verkauf keine Auskunft geben. Das "Badische Tagblatt"
berichtete, dass es in der Vergangenheit verstärkt Aktivitäten
von Osteuropäern auf dem örtlichen Immobilienmarkt gab.
(Quellen: rtr,
ap)
EU-Parlament beunruhigt über Ausbaupläne für
Schengen-Datenbank
Die
Europa-Abgeordneten verlangen eine 'öffentliche Debatte über
die politischen Ziele', die mit der neuen Schengen-Datenbank verfolgt
werden sollen
Fr.21.11.03 - Das
Europaparlament hat sich beunruhigt über Pläne des
EU-Ministerrats zum Ausbau der Datenbank des Schengener
Informationssystems (SIS) geäußert.
Die geplante Aufnahme neuer Fahndungsdaten, darunter auch von
Fingerabdrücken und Fotos, berge Gefahren für Menschenrechte
und Datenschutz, warnte die Straßburger Versammlung am Donnerstag
in einer Empfehlung an den Rat. Daher müsse die Verwaltung dieses
Systems in die Hände einer EU-Agentur gelegt und vom
Europaparlament kontrolliert werden.
Anlass für das Votum ist ein Beschluss der EU-Innenminister vom
Juni dieses Jahres, den derzeitigen SIS-Zentralcomputer in
Straßburg bis 2006 durch eine neue Anlage mit erheblich
größerer Speicherkapazität zu ersetzen.
Dadurch soll die Aufnahme "neuer Kategorien" von Daten und eine
Verknüpfung mit anderen Datenbanken ermöglicht werden. Die
Initiative dazu hatte die spanische Regierung ergriffen, die das
Schengener Informationssystem auch im Anti-Terror-Kampf einsetzen will.
Nach Informationen des Europaparlaments sollen die neuen SIS-Computer
rund 157 Millionen Euro kosten und so konzipiert werden, dass er auch
biometrische Daten wie Fingerabdrücke aufnehmen kann.
Außerdem soll "neuen Behörden" oder Einrichtungen der
Zugriff zu den personenbezogenen Daten ermöglicht werden. Dabei
könnte es sich um Ausländer- oder Asylbehörden,
Sicherheits- und Nachrichtendienste oder auch um nicht-staatliche
Stellen handeln, etwa um Kreditinstitute, heißt es in dem Text des
Parlaments.
Auch ein Datenaustausch mit Drittländern werde ins Auge gefasst.
Angesichts dieser Pläne fordert das Europaparlament eine
"öffentliche Debatte über die politischen Ziele", die mit der
neuen Schengen-Datenbank verfolgt werden sollen.
Das mitlerweile acht Jahre alte Schengener Informationssystem
wird derzeit von 13 Mitgliedsstaaten und zwei weiteren Staaten (Norwegen
und Island) eingesetzt.
Das SIS war ursprünglich als Ausgleich für den Wegfall von
Grenzkontrollen im Schengen-Raum geschaffen worden. Im Zentralcomputer
sind Fahndungsdaten über Personen oder Gegenstände, etwa
gestohlene Autos oder Waffen, gespeichert. Sie können derzeit von
den Polizeidiensten der Schengen-Länder abgerufen werden.
Kontrolliert wird das System bisher von einer gemeinsamen
Kontrollinstanz, in der die Datenschutzbehörden der beteiligten
Länder vertreten sind. Das Europaparlament hat bereits in der
Vergangenheit vergeblich eine klare Datenschutzregelung für das SIS
gefordert.
(Quelle: futurezone)
Das Schengener
Informationssystem:
http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/lvb/l33020.htm
Fronten im EU-Defizitstreit weiter verhärtet
Fr.21.11.03 - Die
Fronten im Kampf zwischen Deutschland und der EU-Kommission über
den Abbau der deutschen Neuverschuldung sind weiter verhärtet.
"Das Argument, dass wir die deutsche Wirtschaft abwürgen, ist
völlig inakzeptabel", hieß es am Donnerstag in Brüsseler
Kommissionskreisen, wenige Tage vor der möglicherweise
entscheidenden Sitzung der EU-Finanzminister. Deutschland liege mit
seinen Vorwürfen über einen zu restriktiven Kurs der
Kommission falsch. Zugleich wurde in den Kreisen eine Gegenfinanzierung
der geplanten Steuersenkungen gefordert. In deutschen Regierungskreisen
hieß es, die Bundesregierung wolle zwar eine Einigung. Allerdings
könne sie die von der Kommission verlangten zusätzlichen
Einsparungen nicht aufbringen und lehne auch weiterhin das von der
Kommission verfolgte Verfahren ab.
In ihren neuen Sparauflagen an Deutschland verlangt die Kommission 2004
zusätzliche Einsparungen in Milliardenhöhe. Im Gegenzug soll
Deutschland ein Jahr länger Zeit bekommen, das Staatsdefizit unter
die EU-Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu senken.
Wie Deutschland dies erreichen soll, gab die Kommission nicht vor. Doch
in Kommissionskreisen wurde deutlich darauf hingewiesen, dass die
Behörde das Vorziehen der Steuerreform nur bei einer
Gegenfinanzierung durch Einsparungen für sinnvoll hält. Auch
CDU und CSU dringen darauf.
Die Kommission unterstütze einen Abbau der Steuerbelastung,
hieß es in den Kommissionskreisen. Wenn dies nicht durch
niedrigere Ausgaben aufgefangen werde, werde die Steuersenkung aber
keine Wachstumsimpulse zur Folge haben. Zahlen aus der Vergangenheit
zeigten, dass Privathaushalte aus Sorge vor künftigen
Steuererhöhungen mehr sparen würden, wenn der Staat über
Defizite mehr Geld bereitstelle.
Deutschland wolle eine Einigung im Finanzministerrat, betonten deutsche
Regierungskreise erneut. "An Konfrontation kann niemand Interesse
haben." Es werde versucht, eine Kampfabstimmung im Ecofin zu vermeiden.
Die Bundesregierung wolle das wirtschaftlich Beste und nicht den
Stabilitätspakt zurecht biegen. Es sei aber nicht möglich,
2004 die geforderte zusätzliche Konsolidierung von sechs Milliarden
Euro aufzubringen.
Damit blieb weiter unklar, wie ein Kompromiss aussehen könnte.
Denn Deutschland lehnt nicht nur die Sparauflagen in ihrer Höhe ab,
sondern wehrt sich auch dagegen, dass die Kommission das
Defizitverfahren weiter auf Sanktionen zutreiben will. In
Regierungskreisen wurde vor einem "erheblichen Vertrauensverlust"
gewarnt, falls Deutschland durch ein Beharren auf dem Verfahren zu
prozyklischer Politik gezwungen werde.
Falls es zu einer Kampfabstimmung kommt, rechnet die Bundesregierung
weiterhin mit einem Sieg. Dabei setze das Finanzministerium allerdings
auf die Kraft seiner Argumente, sagte ein Sprecher. Er wies einen
Bericht der Zeitung "Die Welt" zurück, wonach Deutschland anderen
Staaten ihre Unterstützung mit Zugeständnissen bei der
Strukturförderung abkaufe.
Die Bundesregierung sieht offenbar Frankreich weiter fest an ihrer
Seite und erwartet nicht, dass Frankreichs Finanzminister Francis Mer in
seinem eigenen Defizitverfahren auf Kompromisskurs geht. "Frankreich
ist derzeit nicht in der Lage, der Kommission neue
Konsolidierungsschritte zuzusagen", hieß es in den
Regierungskreisen. Es wurde angedeutet, dass diese Position mit
Frankreichs Präsident Jacques Chirac abgestimmt ist. "Wir sprechen
nicht mit dem Finanzministerium", hieß es.
Ein Kommissionssprecher hatte zuvor noch gesagt, es sei "sehr positiv,
dass Frankreich sich in Richtung der Empfehlungen der Kommission
bewegt". Anders als Deutschland hat Frankreich nur das Sparvolumen,
nicht aber das Verfahren kritisiert.
In italienischen Regierungskreisen hieß es, ein denkbarer
Kompromiss sei, Deutschland bis 2006 statt bis 2005 Zeit zu geben, sein
Defizit zu senken. In Kommissionskreisen hieß es dazu, theoretisch
könne die Kommission ihre Empfehlungen zurückziehen, wenn die
Änderungen deren Substanz angriffen.
(Quelle: rtr)
Berlin angeblich machtlos gegen EU-Förderung der
Stammzellenforschung
Fr.21.11.03 -
Nach dem positiven Votum des EU-Parlaments zur Förderung der
Forschung mit embryonalen Stammzellen aus künstlicher Befruchtung
geht die Bundesregierung davon aus, dass sie eine solche Entwicklung
nicht mehr verhindern kann. In einem Deutschlandfunk-Interview
bestätigte Staatssekretär Wolf-Michael Catenhusen (SPD) vom
Forschungsministerium am Donnerstag, dass es auch keine Handhabe dagegen
gebe, wenn deutsche Steuergelder für diese hier zu Lande
verbotenen Forschungen eingesetzt würden.
Laut Catenhusen wird bei der Sitzung der EU-Forschungsminister am 3.
Dezember voraussichtlich eine Sperrminorität aus Deutschland,
Italien, Österreich und Portugal eine Bestätigung der Vorlage
der EU-Kommission verhindern. Das Problem sei aber, dass das auf
deutsches Betreiben seinerzeit vereinbarte Forschungs-Moratorium Ende
des Jahres auslaufe. Das bedeute, dass, wenn es nicht verlängert
werde, "möglicherweise die Kommission sogar im Rahmen ihrer
Kompetenzen vollendete Tatsachen schaffen kann".
Als "sinnvollen Kompromiss" schilderte der Staatssekretär eine
Regelung, nach der Forschungen mit Stammzellen von Embryonen aus
künstlicher Befruchtung mit EU-Mitteln gefördert werden,
jedoch die Förderung von Arbeiten, bei denen Embryonen zu
Forschungszwecken zerstört werden, in der nationalen
Entscheidungskompetenz bleibt.
Zur Frage des Einsatzes deutscher Steuergelder verwies Catenhusen auf
die Rechtslage: Da es seit Juni 2002 ein Forschungsrahmenprogramm der EU
gebe, handele es sich bei den eingezahlten Beträgen um
Gemeinschaftsgelder, gegen deren Verwendung es keine
Veto-Möglichkeit des Bundes gebe.
Kritik am Verhalten der Bundesregierung in dieser Frage wies Catenhusen
zurück. Sie basiere auf einer völligen "Verkennung der
Situation, dass ... die mit breiter Mehrheit getragene deutsche
Gesetzgebung in der Europäischen Union nicht mehrheitsfähig
ist". Zur Zeit komme es darauf an, das Kunststück fertig zu
bringen, als Minderheit durchzusetzen, dass die Mehrheit den deutschen
Standpunkt respektiere.
Politiker von CDU und CSU forderten die Bundesregierung auf, eine
Entscheidung des Forschungsministerrats für die Förderung der
verbrauchenden Embryonenforschung zu verhindern. Die stellvertretende
CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Maria Böhmer erklärte im Berliner
Deutschlandradio, es wäre eine fatale Situation, wenn im Ausland
möglich wäre, was in Deutschland verboten sei. Die
CSU-Familienpolitikerin Maria Eichhorn nannte den Beschluss des
EU-Parlaments unverantwortlich und gefährlich. Der Vorsitzende der
CDU-Wertekommission, Christoph Böhr, forderte die Bundesregierung
auf, gegen eine Entscheidung zur Forschungsförderung Klage beim
Europäischen Gerichtshof einzureichen.
Der vom EU-Parlament am Mittwoch in Straßburg mit 300 gegen 210
Stimmen verabschiedete Beschluss geht noch über die umstrittenen
Pläne der EU-Kommission hinaus. Nach dem Kommissionsvorschlag soll
die Forschung an menschlichen Stammzellen nur gefördert werden,
wenn die dafür genutzten Embryonen bereits vor dem 27. Juni 2002
existierten. Das Parlament stellte sich gegen diese Einschränkung.
Der Beschluss ist allerdings nicht bindend. Die Entscheidung wird von
den Mitgliedstaaten getroffen.
(Quelle: ap)
Mindestens 20.000 Studenten protestieren in Bayern gegen
Sparpläne
Fr.21.11.03 - Aus
Protest gegen die Sparpläne der bayerischen Landesregierung sind
am Donnerstag mehrere tausend Studenten im Freistaat auf die
Straße gegangen. In München nahmen nach Polizeiangaben mit
12.000 Studenten mehr als erwartet teil, in Würzburg demonstrierten
7.000 und Erlangen 4.500 Hochschüler gegen Streichungen im
Bildungsetat und die von der CSU geplante Einführung von
Studiengebühren.
Studentenvertreter warfen der Regierung von Ministerpräsident
Edmund Stoiber Wahlbetrug vor. Anstatt wie angekündigt die Bildung
zu stärken, würden die entsprechenden Etats um zehn Prozent
gekürzt. Auch zahlreiche Professoren und wissenschaftliche
Mitarbeiter schlossen sich den Protesten an.
Besonders umstritten ist eine Halbierung der Zahl der Lehrstühle
am renommierten Geschwister-Scholl-Institut für Politische
Wissenschaft der Münchner Universität, das als
zweitgrößtes seiner Art in Deutschland gilt. Tausende
Studenten zogen am Nachmittag in München an der Staatskanzlei mit
Sprechchören wie "Edmund Stoiber Hochschulräuber" oder "Wer
kürzt, der stürzt" vorbei.
Unterstützung erhielten die Studierenden von der
Landtagsopposition aus SPD und Grünen. Auch die Sozialdemokraten
beschuldigten Stoiber eines Wahlbetrugs: Noch in ihrem
Regierungsprogramm vom Juli 2003 habe die CSU versprochen, die
Personalausstattung der Universitäten den Studentenzahlen
anzupassen. Im vergangenen Jahr habe der Ministerpräsident
Studiengebühren für die Zukunft ausgeschlossen.
SPD-Fraktionschef Franz Maget forderte Stoiber auf, das Bildungswesen
von den geplanten Einsparungsmaßnahmen auszuklammern und auf
Studiengebühren zu verzichten.
Der bayerische Staatskanzleichef Erwin Huber verteidigte dagegen die
Regierungspläne: "Sparanstrengungen sind angesichts der
Verschuldung der öffentlichen Hand und der zurückgegangenen
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in Deutschland leider ohne
Alternative." Allerdings hätten Bildung und Forschung weiterhin
oberste Priorität für die Landesregierung.
"Es wird nicht nur nach der Methode Rasenmäher gehen", sagte der
CSU-Politiker. Es gebe jedoch auch in den Hochschulen
Möglichkeiten, die Effizienz zu steigern und Verwaltungskosten
einzusparen, ohne dass die Studienbedingungen in der Substanz tangiert
würden. Die bayerische Staatsregierung wolle die Hochschulen so neu
organisieren, dass sie «im internationalen Vergleich eine
führende Stellung einnehmen können», versprach der
CSU-Politiker.
Unterdessen kritisierte auch der bayerische Philologenverband erste
Umsetzungsvorschläge der CSU für die geplante Verkürzung
der Schulzeit an den Oberschulen. "Das Gymnasium wird seine Vielfalt
verlieren und seine bisherige Bildungsbereite", sagte der Vorsitzende
des Lehrerverbandes, Max Schmidt. "Es wird mit bis zu 38
Unterrichtsstunden und zusätzlichen Hausaufgabenzeiten den
Schülerinnen und Schülern höhere Arbeitsbelastungen
aufbürden, als sie jeder Erwachsene hat", fügte er hinzu. Als
absurd wies er Pläne zurück, Fächer wie Kunst und Musik
oder Geschichte und Erdkunde zusammen zu legen. Schmidt warf der
Regierung "Kürzungen und Einsparungen zu Lasten der Qualität"
vor.
(Quelle: ap)
Metallarbeitgeber wollen Betriebsvereinbarungen über
Mehrarbeit
Fr.21.11.03 -
Drei Wochen vor dem Start der Tarifrunde in der Metall- und
Elektroindustrie stehen sich Arbeitgeber und die Gewerkschaft
unversöhnlich gegenüber. Die IG Metall übte Kritik an der
Forderung von Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser nach
Öffnungsklauseln, die Betriebsvereinbarungen über Mehrarbeit
von bis zu fünf Stunden pro Woche ermöglichen sollen.
Kannegiesser nannte dies am Donnerstag in Berlin eine "Voraussetzung, um
überhaupt über Geldforderungen zu reden".
Der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg
Hofmann lehnte die Forderung nach solchen Öffnungsklauseln und nach
verlängerten Arbeitszeiten ohne Bezahlung ab. "Wir brauchen den
Schutz der Tarifverträge." Wer daran rüttle, rüttle am
System des Flächentarifvertrags. Hofmann erklärte, die
Gewerkschaft sage nicht Nein zu Gesprächen über das Thema
Arbeitszeitgestaltung.
Bisherige Öffnungsklauseln erlauben bereits zur Anpassung an die
Auftragslage eine flexible Verteilung der Arbeitszeit. Dies wollen die
Metall-Arbeitgeber laut Kannegiesser ergänzen durch die
Möglichkeit, die Arbeitszeit auf freiwilliger Basis auch zu
erhöhen. Er nannte Vereinbarungen in einer Bandbreite von 35 bis 40
Wochenstunden bei vollem, teilweisen oder gar keinem Lohnausgleich,
abhängig von der übereinstimmenden Beurteilung der
Betriebsparteien.
Kannegiesser wies zugleich darauf hin, dass in den Tarifverträgen
schon seit längerem das Absenken der Arbeitszeit auf bis zu 29
Stunden ohne oder mit nur teilweisem Lohnausgleich möglich sei.
Die IG Metall hatte eine Erhöhung der Löhne und Gehälter
um vier Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert.
Dies wies Kannegiesser als nicht vorstellbar zurück, ohne
allerdings selbst einen Prozentsatz zu nennen. Er plädierte aber
für einen zweistufigen Abschluss über mindestens 24 Monate,
weil anders ein Einstieg in die vereinbarte große Tarifreform
(ERA) nicht möglich sei.
Die IG Metall fordert für die knapp 800.000 Beschäftigten der
baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie insgesamt vier
Prozent mehr Geld. Bezirksleiter Jörg Hofmann erklärte in
Sindelfingen, dies entspreche den Erwartungen der Beschäftigten
und unterstütze die zu erwartende Konjunkturbelebung.
In der Forderung ist nach Hofmanns Angaben auch die Strukturkomponente
von 1,39 Prozent für die Einführung des
Entgeltrahmen-Tarifvertrags (ERA) enthalten. Der ERA regelt die
Angleichung der Bezahlung zwischen Arbeitern und Angestellten in der
Metall- und Elektroindustrie. Die Gewerkschaft strebe ein Laufzeit des
Tarifvertrags von einem Jahr an, sagte Hofmann und betonte, der Bezirk
Baden-Württemberg wolle eine aktive Rolle in der Tarifrunde 2004
spielen. Die Verhandlungen sollen am 15. Dezember beginnen.
Die Metall- und Elektroindustrie ist der mit Abstand größte
Industriezweig Deutschlands. Ihre Tarifabschlüsse haben in der
Regel eine Art Leitfunktion für andere Branchen. Nach Angaben von
Gesamtmetall umfasst die Branche 22.700 Betriebe mit fast 3,5 Millionen
Beschäftigten, darunter 185.000 Lehrlinge. Die Lohn- und
Gehaltssumme gibt der Verband mit 140 Milliarden Euro, die Kosten
für ein Prozent Lohnerhöhung mit 1,7 Milliarden Euro an.
(Quelle: ap)
CDU-Wirtschaftspolitiker fordern Verbot von Warnstreiks
Fr.21.11.03 -
CDU-Wirtschaftspolitiker fordern ein Verbot von Warnstreiks. Wie die
"Bild"-Zeitung berichtet, will die Unions- Mittelstandsvereinigung MIT
einen entsprechenden Antrag auf dem CDU- Parteitag Ende November
einbringen. MIT-Chef Peter Rauen sagte dem Blatt, Warnstreiks seien
"unzeitgemäß und gehören verboten". Mit punktuellen
Aktionen könnten heute große Produktionsbereiche lahm gelegt
werden, ohne dass die Arbeitgeber sich dagegen wehren können, so
Rauen.
(Quelle: dpa)
Mittelstandsvereinigung hatte angeblich Kontakt mit
Rechtsextremen
Fr.21.11.03 - Der
Bund der Selbstständigen (BdS), die größte und
älteste Mittelstandsvereinigung Deutschlands, prüft eine
Trennung von seinem Landesverband Nordrhein-Westfalen wegen
möglicher Kontakte zu Rechtsextremisten. Stellvertretender
Vorsitzender des Landesverbandes ist der hessische Bundestagsabgeordnete
Martin Hohmann (CDU), wie das ARD-Magazin "Monitor" am Donnerstag vorab
berichtete. Hohmann ist aus der CDU/CSU-Fraktion ausgeschlossen worden,
weil er in einer Rede die Juden in Zusammenhang mit dem Begriff
"Tätervolk" gebracht hatte.
Laut "Monitor" erklärte der Präsident des
BdS-Bundesverbandes, Rolf Kurz: "Es kann nicht sein, dass hier eine
Scharnierfunktion und vor allen Dingen dann womöglich eine
Förderung rechtsextremen Gedankengutes über den Verband
möglich ist. Dort werden wir auf jeden Fall die Grenze setzen."
Kurz, so hieß es, habe damit auf Recherchen des ARD-Magazins
reagiert. Diese belegten, dass seit Jahren rechtsextreme Verlage mit
Hilfe der innerhalb des nordrhein-westfälischen BdS-Landesverbands
gegründeten Arbeitsgemeinschaft "Stimme der Mehrheit" tätig
seien. Dem Bericht zufolge erklärte der Rechtsradikalismus-Experte
Siegfried Jäger von der Universität Duisburg: "Es handelt sich
bei den Gründern um einen Kreis von politisch gleichgesinnten
rechten Leuten, die sich sehr stark auf die 'konservative Revolution'
der Weimarer Zeit beziehen, die man häufig als
Steigbügelhalter des Nationalsozialismus bezeichnet."
Der nordrhein-westfälische BdS-Landesvorsitzende Hans Peter
Murmann bestritt laut "Monitor" eine Beziehung zwischen der "Stimme der
Mehrheit" und seinem Landesverband. Er erklärte: "Bei der Stimme
der Mehrheit handelt es sich nicht um eine Arbeitsgemeinschaft des BdS
NRW."
Nach Angaben von "Monitor" fand während der Recherchen auf der
Homepage der "Stimme der Mehrheit" eine Säuberung statt. Listen mit
Büchern rechtsextremer Verlage seien gelöscht worden, ebenso
das BdS-Logo und andere Bezüge der "Stimme der Mehrheit" zum
BdS-Landesverband. Rolf Kurz habe diese "Löschaktion"
bestätigt.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema
unter:
http://www.hagalil.com/archiv/2003/11/bds.htm
SPD-Querelen gehen weiter
Fr.21.11.03 - Die
Querelen zwischen Kanzler Gerhard Schröder und dem
niedersächsischen SPD-Landesverband gehen auch nach dem Bochumer
Parteitag weiter. Der Heimatverband des Parteivorsitzenden wehrte sich
am Donnerstag vehement gegen Kritik, schuld an der Wahlschlappe von
Generalsekretär Olaf Scholz zu sein. Die Mehrheit der Deutschen
sieht die SPD nach einer Umfrage durch den Kongress geschwächt.
Die "Bild"-Zeitung berichtete unterdessen, Schröder habe in einem
anderen Zusammenhang SPD-Landtagsfraktionschef Sigmar Gabriel einen
"Brandstifter und Feuerlöscher zugleich" genannt.
Zu Vorwürfen, die Landes-SPD habe eine Intrige gegen Scholz
angezettelt, sagte Gabriel: "Ich weiß nicht, woher solche
verrückten Gedanken kommen." SPD-Bundestagsfraktionsvize Ludwig
Stiegler stellte sich hinter Jüttner und Gabriel. Sicher habe es
unter den niedersächsischen Delegierten eine "besondere Aversion"
gegen Scholz gegeben. Es gebe aber keinen Beleg dafür, dass diese
von der niedersächsischen SPD-Führung kam, sagte Stiegler dem
"Tagesspiegel" (Berlin/Freitag). Außerdem sei das schlechte
Ergebnis sicher nicht durch Niedersachsen allein zu Stande gekommen.
Laut "Bild" sprach Schröder von Gabriel als "Brandstifter und
Feuerlöscher zugleich", da er die Parteibasis beim Thema
Tarifautonomie erst gegen die Führung aufgehetzt habe und ihr dann
medienwirksam zur Hilfe geeilt sei. Gabriel, der als möglicher
neuer SPD-Generalsekretär gehandelt worden war, betonte: "Ich habe
kein Interesse, nach Berlin zu gehen." Er wolle stattdessen bei der
nächsten Landtagswahl 2008 wieder in Niedersachsen antreten.
Stiegler verteidigte Scholz gegen den Vorwurf, er ließe sich
nicht beraten. "Der Olaf ist extrem aufnahme- und beratungsfähig."
Scholz werde bis mindestens 2006 Generalsekretär bleiben "und in
zwei Jahren bestens dastehen". Er sei ein "hoch qualifizierter,
pfiffiger Knabe".
Niedersachsens SPD-Landeschef Wolfgang Jüttner sagte zwar, er
wolle "nicht weiter zündeln". Zugleich erklärte er aber, wer
vor dem Parteitag nicht die Unzufriedenheit der Delegierten gesehen
habe, "sollte über seinen Instinkt nachdenken". Der
Nachrichtenagentur dpa in Hannover sagte Jüttner, er habe in der
Landespartei erfolgreich für Scholz geworben. "Wenn ich gesagt
hätte: 'Ihr wählt ihn nicht!', wäre er durchgefallen."
Schröder soll Jüttner mit den Worten gedroht
haben:"«Euch mache ich fertig". Jüttner sagte dazu der "Neuen
Presse" (Hannover/Donnerstag): "Da gilt das Prinzip, herbe
Äußerungen nach 22 Uhr unterliegen der Schweigepflicht." Auch
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering sagte: "Wenn da was gesagt
worden ist, dann war das nach 22 Uhr, und das war das Nachtprogramm."
Niedersachsens Ex-Innenminister Heiner Bartling und der neu in den
SPD-Bundesvorstand gewählte bayerische Landtagsfraktionschef Franz
Maget stützten Schröder. "Ich kann den Ärger des Kanzlers
verstehen", sagte Bartling der dpa. Maget sagte: "Da ist eine gewisse
Emotion auch am Platz." Die schlechten Wahlergebnisse für Scholz
und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement seien indiskutabel.
Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders n-tv halten
62 Prozent von 500 Befragten die SPD durch die Streitigkeiten auf dem
Parteitag für geschwächt. Nur 26 Prozent sähen die Partei
gestärkt. Unter den SPD-Anhängern sei das Bild deutlich
positiver: Hier hielten 67 Prozent die SPD für gestärkt und
33 Prozent für geschwächt.
(Quelle: dpa)
Karlsruhe ist Deutschlands Internet-Hauptstadt 2003
Fr.21.11.03 -
Karlsruhe ist Deutschlands Internet-City Nummer eins. So lautet
zumindest das Ergebnis einer Studie, die der Wirtschafts-Informatiker
Dr. Edgar Einemann aus Bremerhaven im Auftrag des Magazins DMEuro
erstellte. Die badische Universitätsstadt weise bezogen auf die
Einwohner den besten Gesamtwert in den Disziplinen aktive Nutzer,
Web-Angebote und Internet-Klima auf. Auf den nächsten Plätzen
folgen München, Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg und Bonn. Die
letzten Ränge unter den Top 100 belegen in der Studie Salzgitter
(100), Mülheim an der Ruhr (99) und Hagen (98).
Erstmals seien in großem Umfang echte Nutzungsdaten anonymisiert
ausgewertet worden, um ein realistisches Bild des deutschen Internets zu
erhalten, teilte das Unternehmen 1&1 mit, das sich an der Studie
beteiligte. Einemann nahm die 100 größten deutschen
Städte unter die Lupe und erfasste 38 Indikatoren über das
Internet-Angebot, die Internet-Nutzung und das Internet-Umfeld in den
Regionen.
Karlsruhe liege beim quantitativen Internet-Angebot auf dem zweiten
Rang und bei der Nutzung des Internet-Angebots auf dem ersten. Der
Zweitplatzierte München habe zwar quantitativ mehr Angebote im
Netz, bei der Nutzung sacke die bayerische Landeshauptstadt aber auf
Rang Neun ab. Die fleißigsten Internet-Surfer finden sich laut
Studie in Heidelberg, gefolgt vom westfälischen Witten.
(Quelle: heise-online)
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