Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertneunundvierzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Mindestens 15 Tote bei Anschlägen in Irak +++ Human Rights Watch
wirft den Aufständischen vor, mit gegen Zivilpersonen gerichteten
Anschlägen Kriegsverbrechen zu begehen +++ Flugzeug der
Deutschen-Post-Tochter DHL von Rakete getroffen +++ Alliierte in Irak
halten 300 ausländische Kämpfer gefangen +++ USA angeblich
bis 2006 mit hunderttausend Soldaten in Irak präsent +++
Wieder Eisenbahnverkehr zwischen Mossul und Syrien
So.23.11.03 - Zwei Selbstmordanschläge innerhalb von 30 Minuten haben am Samstag
in Städten nördlich von Bagdad mindestens 15 Menschen das
Leben gekostet. Bei den meisten Opfern handelte es sich um irakische
Polizisten, wie die Behörden mitteilten. Ein weiterer Polizist
wurde den Angaben zufolge am Abend in Mossul erschossen.
Die Selbstmordanschläge richteten sich gegen zwei Polizeistationen
in den Städten Baakuba und Chan Bani Saad, das an der Strasse
zwischen Bagdad und Bakuba liegt. In Chan Bani Saad starben nach
Angaben eines US-Militärsprechers zehn Menschen: sechs Polizisten,
drei Zivilisten und der Selbstmordattentäter. Nach irakischen
Angaben war unter den Opfern auch ein fünfjähriges
Mädchen. Zehn weitere Personen seien verletzt worden. In Baakuba
riss ein Selbstmordattentäter nach Polizeiangaben vier Polizisten
mit in den Tod. Ein weiterer werde noch vermisst, zehn Zivilpersonen
seien verletzt worden. Militärangaben zufolge wurden fünf
Polizisten getötet und 15 weitere verletzt.
Die Krankenhäuser von Baakuba und Chan Bani Saad waren angesichts
der zahlreichen Attentatsopfer hoffnungslos überfordert. Der
Polizeichef von Chan Bani Saad, Askari, sagte, ein mit "massenweise"
Sprengstoff präpariertes Fahrzeug sei mit hoher Geschwindigkeit
auf die Polizeiwache zugefahren und habe auch nicht angehalten, als
Polizisten geschossen hätten.
Der Anschlag in Baakuba rund 40 Kilometer weiter nördlich verlief
ähnlich: Auch hier fuhr ein Auto auf die Polizeizentrale zu.
Baakuba und Chan Bani Saad liegen in der Provinz Dijala, einer Hochburg
des gegen die USA gerichteten Widerstands.
In Mossul explodierte nahe einem US-Militärkonvoi eine in einem
Wagen versteckte Bombe, wie die Polizei berichtete. Zwei Iraker wurden
den Angaben zufolge verwundet, als US-Soldaten nach der Detonation das
Feuer eröffneten.
Vor den Anschlägen hatte der US-Geheimdienst vor weiteren
Angriffen im Zusammenhang mit dem herannahenden Ende des Fastenmonats
Ramadan gewarnt. Die Organisation Human Rights Watch warf den
Aufständischen in Irak unterdessen vor, mit gegen Zivilpersonen
gerichteten Anschlägen Kriegsverbrechen zu begehen. Alle
irakischen Zivilpersonen stünden unter dem Schutz der Genfer
Konvention, betonte die Organisation. Dies gelte "unabhängig
davon, ob sie mit der US-Besatzung sympathisieren oder mit den
Aufständischen", sagte Sprecher Joe Stork in New York.
Über Bagdad wurde zum ersten Mal seit dem offiziellen Ende des
Irak-Kriegs eine ziviles Flugzeug von einer Rakete getroffen. Laut den
US-geführten Streitkräften wurde auf die Maschine der
Deutschen-Post-Tochter DHL kurz nach dem Start vom Flughafen Bagdad
eine Boden-Luft-Rakete vom Typ SAM-7 abgefeuert. Das Flugzeug sei in
Brand geraten und habe daraufhin zum Flughafen umkehren müssen.
Ein Sprecher der Deutschen Post sagte, an Bord der DHL-Maschine seien
drei Menschen gewesen. Die Tochtergesellschaft ist demnach als einziges
Unternehmen weltweit mit der Auslieferung der Post an die in Irak
stationierten US-Soldaten betraut. Das Logistikunternehmen importiert
zudem humanitäre Güter für die irakische
Bevölkerung.
DHL setzte bis Montag alle weiteren Flüge nach Bagdad aus. Die
jordanische Fluggesellschaft Royal Jordanian kündigte in Amman an,
ihre Flüge in die irakische Hauptstadt für drei Tage
einzustellen. Neben Royal Jordanian befördert nur die
südafrikanische AirServ regelmässig Passagiere nach Irak. Sie
wollte ihren Flugbetrieb beibehalten.
Die US-geführten Alliierten halten derweil in Irak mehr als 300
ausländische Untergrundkämpfer fest, die überwiegend aus
arabischen Staaten stammen. Die Mehrzahl komme aus Syrien und Iran,
sagte ein Sprecher der US-Armee am Samstag in Bagdad. Neben etwa 140
Syrern und 70 Iranern stünden auch noch Jemeniten,
Palästinenser, Tschader und Saudiaraber unter Kontrolle der
Alliierten. Die 307 festgehaltenen Aufständischen seien zumeist
"ziemlich jung, arbeitslos und überzeugt, dass der Sinn ihres
Lebens darin liegt, für ihre Sache zu sterben". Die USA und
Großbritannien hatten Syrien und Iran wiederholt beschuldigt,
Untergrundkämpfer über ihr Territorium nach Irak einreisen zu
lassen. In Damaskus und Teheran wurden die Anschuldigungen
zurückgewiesen.
Nach Informationen der "New York Times" will die US-Regierung bis
Anfang 2006 mindestens hunderttausend Soldaten in Irak belassen. Sollte
eine noch längere Truppenpräsenz nötig sein, werde die
US-Armee "den Schmerz wirklich zu spüren beginnen", zitierte die
Zeitung am Samstag einen nicht namentlich genannten US-Militär.
Ein weiterer hochrangiger Armeeangehöriger sagte der Zeitung
hingegen, es sei derzeit noch zu früh, um die genaue
Truppenstärke des Jahres 2006 zu benennen. Dieser Punkt werde
voraussichtlich im Sommer kommenden Jahres in Verhandlungen mit der bis
dahin eingesetzten irakischen Regierung entschieden. Das Pentagon hatte
angekündigt, die Zahl der US-Soldaten in Irak bis Mai 2004 von
derzeit 130.000 auf 105.000 zu reduzieren.
Zum ersten Mal seit dem Kriegsbeginn im März ist am Samstag wieder
ein Personenzug die 750 Kilometer lange Strecke von der syrischen
Grenze bis zur nordirakischen Stadt Mossul gefahren. Die Wiederaufnahme
des Bahnverkehrs stelle einen grossen Schritt zur Normalität in
Irak dar, sagte der britische Generalmajor Andrew Figgures. Ein
Vertreter der irakischen Eisenbahn sagte, demnächst sollten die
Züge auch wieder vom syrischen Aleppo über Mossul bis Bagdad
fahren.
(Quellen: ap, afp)
In den ersten Monaten nach Ende der Hauptkampfhandlungen galt Mossul
als Paradebeispiel für die Befriedung Iraks. Doch mittlerweile
haben viele Einwohner der drittgrössten Stadt im Norden des Landes
den Eindruck, sie lebten mitten auf dem Schlachtfeld
Die Attacken von Aufständischen nahmen in den vergangenen Wochen
stark zu. Und in Mossul mussten die US-Besatzer ihren bislang
grössten Tagesverlust hinnehmen: 17 Soldaten starben beim
Zusammenstoss zweier Militärhubschrauber am vergangenen
Wochenende, fünf weitere wurden verletzt.
Nach Angaben der US-Behörden handelte es sich um einen Unfall.
Zeugen berichten hingegen, die beiden Black Hawks seien vor dem Crash
Raketen ausgewichen und einer der Helikopter sei getroffen worden.
Ungeachtet der wahren Absturzursache offenbart die Katastrophe einen
Stimmungswandel in Mossul, einer Stadt, die ausserhalb des Sunnitischen
Dreiecks nördlich und westlich von Bagdad liegt, der Hochburg des
Widerstands gegen die Besatzungstruppen.
«Ich habe mich gefreut, weil die Amerikaner unsere Feinde sind.
Sie verfolgen uns», sagt Raschad Hamid, in dessen Nachbarschaft
Trümmerteile der Hubschrauber landeten. Am Tag nach dem Absturz
wollte er zum Gebet eine Moschee aufsuchen. «Ein Soldat stiess
mich einfach in mein Haus zurück.» Sein Nachbar Nauaf Salah
glaubt, Aufständische hätten den Helikopter abgeschossen.
«Und es ist ihr Recht. Das ist unser Land, warum sind die
Amerikaner hier?»
Die Welle der Gewalt überrollt Mossul völlig
überraschend. Monatelang war es dort äusserst ruhig, so dass
sich die Besatzer um den Wiederaufbau der Infrastruktur kümmern
konnten. Seit Anfang November mehren sich aber die Angriffe: Eliche
US-Soldaten wurden dabei getötet oder verwundet, auch einige
Iraker, die mit den Besatzungstruppen kooperieren, wurden erschossen.
Ahmad Tschalabi, einflussreiches Mitglied im irakischen Regierungsrat,
wähnt den «heldenhaften Weg Mossuls Richtung Frieden und
Fortschritt» in Gefahr. «Je mehr wir erreichen, desto mehr
versuchen diese Menschen, ihre Aktionen durchzuführen»,
sagte er bei einem Besuch vor wenigen Tagen. Für die US-Besatzer
stecken Anhänger des gestürzten Diktators Saddam Hussein
hinter den Anschlägen. Obwohl in Mossul viele Kurden und Christen
leben, ist die Mehrheit sunnitisch und gehört damit der selben
muslimischen Glaubensrichtung wie Saddam Hussein an.
Womöglich steckt hinter der jüngsten Gewalt auch eine
bewusste Taktik. «Wahrscheinlich sind einige der
Widerstandskämpfer aus dem Sunnitischen Dreieck in den Norden
gegangen», sagt Abdul Jabbar Abid Mustafa, Dekan der
politologischen Fakultät an der Universität von Mossul.
«Während die Amerikaner mit Anschlägen in Tikrit (im
Sunnitischen Dreieck) rechnen, verüben die Guerillas Attacken in
unserer Stadt - und erwischen die Besatzer auf dem falschen Fuss.»
Jedenfalls reagieren die US-Soldaten mit vermehrten Razzien,
Verhaftungen, Strassensperren. Dabei wollen sie nach eigenen Angaben
die Öffentlichkeit nicht provozieren: «Wir wollen als
Befreiungsarmee angesehen werden, nicht als Besatzungsmacht»,
sagt Generalmajor David Petraeus von der 101. Luftlandedivision.
Den Beteuerungen zum trotz berichten die Iraker von ständigen
Schikanen. «Wenn sie Häuser durchsuchen wollen, zerschlagen
die Amerikaner um 03.00 Uhr morgens die Türen, bellen Frauen und
Kinder an und richten ihre Maschinengewehre auf die
Hausbewohner», erzählt Salem el Hadsch, ein Mitglied im
Stadtrat.
«Die Atmosphäre hat sich drastisch verschlechtert»,
stellt auch Café-Betreiber Saber el Noeimi fest. Als vergangenen
Frühling die ersten Soldaten sein Café «El
Karam» betraten, waren sie freundlich und geduldig. «Ein
US-Hauptmann hatte eine Liste mit Fragen, um unsere Meinung über
die Besatzung zu erfahren. Wir sprachen über eine Stunde mit
ihm», sagt Noeimi. «Er stellte sein Gewehr in die Ecke und
nahm den Helm ab.»
Vergangene Woche seien dann abermals drei schwer bewaffnete Soldaten
ins Café gekommen, zahlreiche andere umstellten es. Die drei
hatten eine Liste mit Dutzenden Namen und überprüften die
Papiere von Noeimis Kunden. «Warum mögt ihr uns
nicht», fragte einer der Soldaten. «Weil ihr die Waffen auf
uns richtet» antwortete Noeimi. «Weil ihr nicht als Freunde
kommt.»
Quelle: ap
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Amerika gedenkt Ermordung Kennedys vor 40 Jahren
So.23.11.03 - Die USA haben des Jahrestags der Ermordung von Präsident John F.
Kennedy gedacht. Hunderte Menschen versammelten sich im texanischen
Dallas, wo Kennedy vor 40 Jahren, am 22. November 1963, um 12.30 Uhr
von tödlichen Schüssen getroffen wurde. Aus dem Fenster eines
Gebäudes hatte Lee Harvey Oswald auf Kennedy gefeuert.
Jüngsten Umfragen zufolge glauben die meisten Amerikaner, dass der
Mord nicht die Tat eines Einzeltäters war. Die meisten vermuten
eher eine größere Verschwörung.
(Quelle: dpa)
John F. Kennedy wird auch 40 Jahre nach seiner Ermordung nicht nur in
den USA als die Lichtgestalt eines modernen, guten Amerika dargestellt.
Dabei sehen Historiker die politische Bilanz der dreijährigen
Amtszeit von Kennedy weit weniger glanzvoll. John F. Kennedy sei in vieler Hinsicht dem
derzeitigen Präsidenten George W. Bush ähnlich: Für beide seien
«Rücksichtslosigkeit und Verlogenheit» typisch
Kennedy als Hausherr im Weißen Haus war sicher mehr der
wortgewandte Intellektuelle und schillernde Lebemann, dem Hollywood
ebenso zu Füßen lag wie das Gros der Intellektuellen. Bush
dagegen, der früher Alkoholprobleme hatte, glänzt kaum mit
Rhetorik, ist eher ein spröder Asket und konservativer,
«wiedergeborener» Christ. Aber beide stammen aus
mächtigen, reichen Familien, die sie auf dem Weg ins Weiße
Haus massiv unterstützten. Vor allem aber trennt die beiden wenig
in ihren Visionen über die auserwählte Rolle der USA in der
Welt als offensiver Verteidiger der Freiheit.
Auch Kennedy habe wie Bush im Angriff die beste Verteidigung gesehen,
habe erklärt, dass die USA bereit seien, «jeden Preis zu
zahlen und jede Last zu tragen..., um die Feinde zu
bekämpfen», so der Politikwissenschaftler Robert Higgs.
«Rücksichtslosigkeit und Verlogenheit» seien für
Kennedy und Bush typisch, meint Higgs. Er spricht von
«beunruhigenden Ähnlichkeiten» vor allem im Umgang mit
der Öffentlichkeit und der hohen Risikobereitschaft in ihrer
offensiven Außenpolitik.
Kennedy war kein Politiker, der sich Zögerlichkeit mit den Feinden
des Westens und seiner Werte vorwerfen lassen wollte. Mit der
Aufstockung der US-Truppen in Vietnam auf 17 000 Mann legte er den
Grundstein für den langjährigen blutigen Krieg in
Südostasien und die bitterste Niederlage der USA im 20.
Jahrhundert. Kennedy genehmigte den Einsatz von Napalm. «Kennedy
glaubte - wie Bush heute im Irak - dass sich die Probleme in Vietnam
rasch lösen ließen», schreibt der Historiker Howard
Jones. Bush wie Kennedy sei gemein, dass sie ihre militärischen
Aktivitäten betrieben, ohne wirklich einen realistischen Plan zu
haben.
Aber schon vor Vietnam hatte Kennedy außenpolitisch erhebliches
Ungeschick bewiesen. 1961 versuchte er geradezu dilettantisch und
vergeblich, mit einer Militärintervention in Kuba
(«Schweinebucht- Invasion») den damals erfolgreichen und
populären Revolutionär Fidel Castro zu stürzen.
Historiker hinterfragen auch das als Erfolg Kennedys gefeierte Ergebnis
der Kubakrise 1962. Damals hatte sein sowjetischer Gegenspieler Nikita
Chruschtschow nur nachgegeben und die Schiffe mit den Raketen für
Kuba nur deshalb zurückbeordert, weil Washington im Gegenzug den
Abbau von Mittelstreckenraketen in der Türkei und die Aufgabe
künftiger Invasionspläne in Kuba zugesichert habe. An seiner
Beharrlichkeit, den sowjetischen Imperialismus in der ganzen Welt
aufzuhalten, ließ Kennedy keine Zweifel - seine berühmte
kämpferische Rede an der Berliner Mauer, wo er in radebrechendem
Deutsch sagte, «Ich bin ein Berliner!», war dafür nur
ein Beleg.
Die größten historischen Verdienste des 35. Präsidenten
der USA, der massiv unter schweren, geheim gehaltenen Krankheiten wie
der Addison-Krankheit litt, liegen wohl in der Innenpolitik. Kennedy
begeisterte nicht nur die Jugend mit den Idealen von Gerechtigkeit und
Zivilcourage. Er nahm sich der sozialen Probleme der USA an, erzielte
Fortschritte in der Bildungs- und Gesundheitspolitik.
Zunächst zögerlich verschrieb sich Kennedy der
Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen. Er nahm es in Kauf, dass seine
große Popularität wegen seines Eintretens für die
Schwarzen rapide schmolz. Kennedy begründete auch das
Weltraumprogramm «Apollo» und machte damit den Weg für
die erste Mondlandung (1968) erst möglich.
Schließlich schuf Kennedy das US-Friedenskorps. Darin arbeiten
junge Amerikaner auf freiwilliger Basis in vielen Ländern der
Dritten Welt. Diese zivile Entwicklungshilfeorganisation hat weltweit
wichtige Akzente setzen können gegen den Ruf des
«hässlichen Amerikaners», der nur mit
Wirtschaftsinteressen in arme Länder komme.
Quelle: dpa, 22.11.03
Mehr zum Thema bei Telepolis unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/15997/1.html
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16146/1.html
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Afghanistan: Intercontinental-Hotel in Kabul beschossen
So.23.11.03 - Das Intercontinental-Hotel in Kabul ist am Samstag unter Beschuss
gekommen. Im Garten des Hotels sei eine Rakete oder eine Granate
explodiert, teilte ein Sprecher der Internationalen
Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) mit. Mehrere Hotelfenster seien zu
Bruch gegangen, Berichte über Verletzte gab es aber zunächst
nicht. Das Geschoss schlug Polizeiangaben zufolge 30 Meter von dem
Hotel entfernt in eine Mauer ein. Vor Ort waren Dutzende von
Polizeiwagen zu sehen, auch die ISAF schickte nach Angaben des
Sprechers Soldaten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Palästinenser reagieren zurückhaltend auf israelische
Angebote +++ Scharon will angeblich jüdische
Siedlungen auflösen +++ Hamas-Führer bezeichnet alle
Palästinenser die am 'Genfer Abkommen' mitgewirkt haben als
Verräter +++ Israelische Soldaten töten Palästinenser im
Gazastreifen und im Westjordanland +++ Palästinenser töten
zwei Wachmänner der israelischen Sperranlage
So.23.11.03 - Die palästinensische Autonomiebehörde hat am Samstag
zurückhaltend auf Ankündigungen Israels reagiert, "einseitige
Schritte" Richtung Frieden zu unternehmen. Israelische Medien hatten am
Freitag unter anderem berichtet, Ministerpräsident Ariel Scharon
wolle vom Sommer an mehrere jüdische Siedlungen auf
palästinensischem Gebiet aufgeben. "Wir hoffen, dass es sich bei
dem Bericht nicht um einen PR-Gag handelt", sagte der
palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat am Samstag.
"Wir brauchen ehrliche Schritte für einen Frieden", erklärte
er weiter und rief zur Umsetzung der so genannten "Road Map" auf. In
weiteren Medienberichten vom Freitag hatte es geheissen, Scharon
erwäge die Lockerung einiger den Palästinensern auferlegter
Beschränkungen oder eine Änderung der militärischen
Vorgehensweise im Gazastreifen und im Westjordanland.
Dessen ungeachtet kam es auch am Samstag zu neuer Gewalt: Am Morgen
erschossen israelische Soldaten einen Palästinenser, der in eine
200 Meter breite Sicherheitszone am Sperrzaun zwischen Israel und dem
Gazastreifen eingedrungen war. Nach Armeeangaben wurden bei der Leiche
20 Kilogramm Sprengstoff und ein Gewehr gefunden.
In der Stadt Dschenin im Westjordanland kam bei einem Zusammenstoss
zwischen Soldaten und Palästinensern ein Zehnjähriger ums
Leben. Nach palästinensischen Angaben gehörte der Junge zu
einer Gruppe von Steinewerfern, auf die die Soldaten geschossen
hätten. Die israelischen Streitkräfte teilten dagegen mit,
die Soldaten hätten auf Schüsse eines Bewaffneten reagiert,
der aus einer Menschenmenge heraus auf sie gefeuert habe. Der Tod des
Jungen werde untersucht.
Palästinenser haben am Samstag zwei Wachmänner der
israelischen Sperranlage zum Westjordanland erschossen. Die Wachen
seien in ihrem Wagen in der Nähe des Ostjerusalemer Vorortes Abu
Dis überfallen worden, teilte die Polizei mit. Die Männer
hätten für einen privaten Wachdienst gearbeitet. Zahlreiche
Soldaten und Polizisten fahndeten vor Ort nach den Tätern.
Israelische Soldaten drangen auf autonomes Palästinensergebiet bei
Bethlehem vor und besetzten einen Polizeiposten in der Nähe des
Tatortes.
Tausende Anhänger von Hamas und Islamischem Dschihad protestierten
unterdessen gegen den so genannten Genfer Friedensplan für den
Nahen Osten. Hamas-Führer Nisar Riajan erklärte am
Freitagabend vor rund 4.000 Anhängern der beiden
Untergrundorganisationen im Flüchtlingslager Dschebalija im
Gazastreifen, alle Palästinenser, die an dem inoffiziellen
Friedensplan mitgewirkt hätten, seien Verräter. Sie
verhandelten ohne Vollmacht über das Schicksal der gesamten
Bevölkerung.
Das Genfer Dokument, das federführend vom früheren
palästinensischen Informationsminister Jasser Abed Rabbo und dem
früheren israelischen Justizminister Jossi Beilin erarbeitet
wurde, sieht die Errichtung eines palästinensischen Staates vor,
zu dem 98 Prozent des Westjordanlandes und der gesamte Gazastreifen
gehören sollen. Im Gegenzug sollen die Palästinenser auf die
Rückkehr von rund vier Millionen Kriegsflüchtlingen und ihrer
Nachkommen nach Israel verzichten. Der Plan soll am 1. Dezember
offiziell vorgestellt werden.
(Quellen: afp, ap)
Vor kurzem wurde das sogenannte 'Genfer Abkommen' publiziert. Dabei
handelt es sich um einen inoffiziellen Friedensvorschlag, ausgehandelt
von früheren israelischen und palästinensischen Offiziellen
...Im 'Genfer Abkommen' wird zur vollständigen (wechselseitigen)
Anerkennung zwischen Israel und dem (künftigen) neuen
Palästinenserstaat aufgerufen - vollwertige diplomatische
Beziehungen inklusive. Anders als berichtet verlangt das Abkommen von
Palästina aber keineswegs, Israel als "jüdischen Staat"
anzuerkennen. Vielmehr soll jeder Staat den andern als "Heimat
('homelands') des jeweils anderen Volkes" anerkennen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311150.htm#031115kd
Während das israelische Militär ein Manöver bei den
Shebaa-Farmen an der Grenze zum Libanon abhielt, Guerilla-Abwehr und
Invasion in "Feindgebiet" probte, befand sich am vergangenen Wochenende
ein Vertreter des Bundeskanzleramts in Beirut, um mit dem
Generalsekretär der Hisbollah, Sayyed Hassan Nasrallah, die
letzten Details des Gefangenenaustauschs mit Israel zu besprechen. Vor
12 Tagen hatte das israelische Kabinett mit knapper Mehrheit den
Gefangenenaustausch abgesegnet. Die seit über einem Jahr laufenden
Verhandlungen scheinen dem Ende entgegen zu gehen...
In Israel ist der Gefangenaustausch seit Wochen ein Thema, das hohe
publizistische Wellen schlug und Premierminister Scharon vor eine der
größten Bewährungsproben seiner Amtszeit stellte...
Für die Hisbollah dagegen sind die Verhandlungen bereits jetzt ein
voller Erfolg, bedeuten sie doch eine quasi offizielle Anerkennung durch
die israelische Regierung, die die libanesische Organisation bisher als
"blutrünstige Terroristen" gebrandmarkt hatte und normalerweise
mit "Terroristen" nicht verhandelt.
"In Sachen psychologischer Kriegsführung hat die Hisbollah Israel
geschlagen. Noch nie war Israel in einer so depressiven Situation.
Israel ist in die Falle der Hisbollah gegangen. .." schrieb Zeev Schiff
in der israelischen Tageszeitung "Haaretz" ...
Die psychologische Kriegsführung der Hisbollah habe nur deshalb
Erfolg, "weil ihre Drohungen bewiesenermaßen Substanz haben",
sagt Amal Saad-Ghoryaeb, Assistenzprofessorin an der Fakultät
für Politik an der "Libanese American University" in Beirut. "Es
ist die tatsächliche Bedrohung mit Gewalt."...
Quelle: telepolis vom 23.11.03
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/16134/1.html
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Knapp 1000 Islamisten bei anti-israelischer Demonstration in Berlin
Angebliches 'zionistisches Komplott gegen Moslems und Christen im
heiligen Land' angeprangert +++ An pro-israelischer Gegenkundgebung
beteiligten sich etwa hundert Menschen. Bündnis aus
Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, der Grünen, der CDU, der
PDS und anderen Gruppierungen hatten dazu aufgerufen
So.23.11.03 - Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen haben am Samstag Hunderte
fundamentalistische Moslems in Berlin friedlich demonstriert. Rund
1.000 Menschen versammelten sich am Samstag im Zentrum der Hauptstadt.
Am einer pro-israelischen Gegenkundgebung beteiligten sich etwa hundert
Menschen. Mehrere hundert Polizisten trennten die beiden Gruppen
voneinander. Zwei Demonstranten wurden erkennungsdienstlich behandelt,
aber nicht festgenommen.
Zu kleineren Rangeleien kam es zwischen den Gegendemonstranten und der
Polizei. Einige Kundgebungsteilnehmer wollten sich mit einer
israelischen Fahne der Islamisten-Demonstration in den Weg stellen. Die
Polizei sperrte die Aktivisten kurzfristig in ein Café ein und
drängte sie dann in einen nahe gelegenen Hauseingang ab. Die
Türscheibe des Cafés ging dabei zu Bruch, verletzt wurde
niemand.
Polizeisprecherin Brigitte Wenzel zeigte sich mit dem
Anti-Konflikt-Konzept der Polizei sehr zufrieden. Im Gegensatz zu den
Vorjahren seien während der Moslem-Demonstration keine
Hass-Parolen gegen Israel gerufen worden. Redner hatten allerdings ein
"zionistisches Komplott gegen Moslems und Christen im heiligen Land"
angeprangert. Die Polizei zog ein Schild mit der Aufschrift "Juden sind
Mörder" aus dem Verkehr. Unter den Demonstrationsteilnehmern waren
Araber, Türken und Iraner. Viele trugen Bilder des früheren
iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini.
Die Demonstranten begingen mit ihrer Aktion den Al-Quds-Tag. Erstmals
1979 hatte Khomeini zu Kundgebungen an diesem Tag aufgerufen. In Berlin
gibt es sie seit 1995. In diesem Jahr protestierte zum ersten Mal ein
Gegenbündnis aus Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, der
Grünen, der CDU, der PDS und anderen Gruppierungen.
(Quelle: ap)
Wer Antisemitismus sät, wird Dschihad ernten
Die verheerenden Anschläge in Istanbul stellen auch den weltweit
wachsenden Antisemitismus ins Zentrum der Diskussion. Der Autor
Matthias Küntzel weist anhand der Rede des ehemaligen malaysischen
Premiers Mahathir und der Äußerungen religiöser
Autoritäten der Muslime nach, dass Judenfeindschaft zum Kern des
politischen Islam gehört...
Mehr unter:
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/
dokumentation/?cnt=343423&sid=4018fb3a07f4e64c4633f24c1fe45cfd
Dr. Matthias Küntzel, geboren 1955, ist Politikwissenschaftler und
Publizist. Jüngste Veröffentlichungen: "Der Weg in den Krieg.
Deutschland, die Nato und das Kosovo" (Berlin 2000); "Djihad und
Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg" (Freiburg
2002). Außerdem zahlreiche Buch- und Zeitschriftenbeiträge
zur deutschen Vergangenheits- und Außenpolitik sowie zum
Antisemitismus, Islamismus und Nahostkonflikt
(Frankurter Rundschau)
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Libyen will Wirtschaft privatisieren
So.23.11.03 - Libyen plant nach eigenen Angaben in den kommenden fünf Jahren
umfassende Wirtschaftsreformen. Wie Kabinettsminister Schukri Ghanim am
Samstag in Tripolis bekannt gab, will die Regierung am Januar 360
staatliche Betriebe privatisieren und zudem eine Börse
eröffnen. Damit solle auf das offensichtliche Scheitern der
Staatsbetriebe reagiert werden, sagte Ghanim. Unternehmen in
strategisch wichtigen Bereichen wie dem Öl- und Energiesektor
sollten jedoch in staatlicher Hand bleiben. Das Finanzministerium
kündigte darüber hinaus eine Senkung von Zöllen für
den Import von Rohstoffen durch die neuen privaten Unternehmen an. Laut
dem vom US-Geheimdienst herausgegebenen "CIA World Factbook 2003" hat
Libyen Schulden in Höhe von 4,4 Milliarden Dollar und ist vor
allem auf Ölexporte angewiesen.
(Quelle: ap)
Türken protestieren mit Schweigemärschen gegen
Terroranschläge
Alle vier Selbstmordattentäter in Istanbul waren Türken
So.23.11.03 - Zwei Tage nach den jüngsten Selbstmordanschlägen in Istanbul
haben tausende Türken mit Protestkundgebungen ein Zeichen gegen
den Terrorismus gesetzt. Allein in Istanbul zogen etwa 3000 Menschen
mit Parolen wie "Ja zum Frieden, nein zum Krieg" durch die Innenstadt.
In einer Schweigeminute gedachten sie der Opfer der Anschläge.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nannte es eine "Schande",
dass türkische Bürger dahinter steckten.
Bei den Anschlägen auf jüdische und britische Einrichtungen
kamen 57 Menschen ums Leben. Die Zahl der Todesopfer von Donnerstag
stieg nach Regierungsangaben auf 30. Medienberichten zufolge wurden 18
Verdächtige festgenommen.
Die Demonstranten in Istanbul waren überwiegend dem linken
politischen Spektrum zuzurechnen. In Parolen richteten sie sich gegen
die jüngsten Terroranschläge sowie gegen die Politik von
US-Präsident George W. Bush. "Kein Terrorismus, kein
Imperialismus", hieß es in Sprechchören. Auch in Ankara und
Izmir fanden Demonstrationen statt. Am Samstag wurden wieder mehrere
Todesopfer der Anschläge vom Donnerstag beigesetzt, unter ihnen
mit Kerem Yilmazer einer der bekanntesten Schauspieler des Landes.
Die blutigen Bombenanschläge in Istanbul sind von vier
türkischen Terroristen verübt worden. Das gab
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Trauerfeier in
Istanbul bekannt. Indes hat die türkische Polizei schwere
Vorwürfe gegen die Medien erhoben. Sie seien wegen der vorzeitigen
Bekanntgabe der Namen von Verdächtigen indirekt für die
zweite Terrorserie mitverantwortlich.
Landesweit sagten Synagogen die Sabbath-Feiern ab, wie jüdische
Behörden mitteilten.
Den Anschlägen auf das britische Konsulat und eine britische Bank
vorausgegangen waren die Bombenanschläge auf zwei Synagogen am
vergangenen Samstag. Großbritannien und Israel haben
Geheimdienstmitarbeiter nach Istanbul geschickt, um bei der
Aufklärung zu helfen. Gerichtsmediziner untersuchten beim
britischen Konsulat am Samstag Beweismittel.
Wie die Zeitung "Hürriyet" berichtete, wurden die 18
Verdächtigen bereits wenige Stunden nach den fast zeitgleichen
Detonationen am Donnerstag verhaftet. Weiter hieß es, die
Ermittler hätten den Autohändler identifiziert, der den
Attentätern die später mit Sprengstoff versehenen
Kleinlastwagen verkaufte.
Die Zeitung "Millyet" berichtete, einer der beiden Attentäter von
Donnerstag habe die Wagen für die Anschläge auf die britische
Bank und eine der Synagogen am selben Tag erworben. Die Polizei
ermittle derzeit, ob noch weitere Autos verkauft wurden.
"Wir haben große Fortschritte erzielt", sagte Justizminister
Cemil Cicek dem Sender CNN-Turk, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.
Am Freitag hatte Außenminister Abdullah Gül von mehrere
Festnahmen berichtet, gab jedoch keine Zahl an. Im Zusammenhang mit den
Anschlägen auf die Synagogen wurden nach Behördenangaben
sechs Personen festgenommen.
Unter den Bekennerschreiben ist auch das des mutmaßlichen
El-Kaida-Aktivisten Abu Mohammed el Abladsch. In seiner E-Mail an die
in London ansässige arabischsprachige Wochenzeitung "El
Madschalla" warnt er vor einer "großen Operation" zwischen den
islamischen Feiertage Eid el Fitr kommende Woche und dem Opferfest im
Januar.
Bereits am Freitagabend waren Militärführer und Politiker zu
Gesprächen über einen Geheimdienstbericht zusammengekommen,
wonach türkische Islamisten in den Kriegen in Afghanistan,
Tschetschenien und Bosnien Kontakte zur El Kaida geknüpft haben
könnten. Das Gremium erklärte, die Anschläge hätten
die Notwendigkeit einer verstärkten regionalen und internationalen
Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror deutlich gemacht. Zu dem
Geheimdienstbericht äußerten sich die Politiker nicht.
(Quellen: ap, dpa, afp)
USA rufen Parteien in Georgien zu Dialog auf
Georgischer Verteidigungsminister schließt Gewalt aus +++
Russischer Außenminister spricht mit georgischer Opposition
So.23.11.03 - Angesichts des zunehmend eskalierenden Machtkampfes in Georgien haben
die USA beide Seiten aufgerufen, auf Gewalt zu verzichten und
Verhandlungen aufzunehmen. Präsident Eduard Schewardnadse und die
Opposition sollten im Interesse Georgiens einen Kompromiss finden,
sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Samstag in
Washington. Zuvor rief Schewardnadse in Tiflis den Ausnahmezustand aus,
nachdem Anhänger der Opposition das Parlament gestürmt hatten.
Die innenpolitischen Entwicklungen würden die derzeitige
Ausbildung von georgischen Antiterroreinheiten durch die USA jedoch
nicht beeinträchtigen, betonte ein Sprecher der
US-Marineinfanterie. Die US-Truppen wollen noch bis kommenden Mai vor
Ort georgische Streitkräfte ausbilden. Diese Vereinbarung mit der
georgischen Regierung werde eingehalten, erklärte Major Jim Keefe.
Der georgische Verteidigungsminister David Tewsadse hat derweil den
Einsatz der Streitkräfte zur Beendigung der gegenwärtigen
Krise ausgeschlossen. Die Armee betrachte es nicht als erforderlich,
militärische Gewalt zur Herstellung von Ordnung einzusetzen, sagte
Tewsadse am Sonntag. Er sagte nicht, auf wessen Seite die
Streitkräfte im Machtkampf zwischen der Opposition und
Präsident Eduard Schewardnadse stehen.
Der russische Außenminister Igor Iwanow ist am Sonntag mit
Vertretern der Opposition zusammengekommen.
Schewardnadse, der nach der Stürmung des Parlaments am Samstag den
Ausnahmezustand verhängt und von einem Staatsstreich gesprochen
hatte, blieb in seinem Haus. "Für uns ist es wichtig, dass alles
im Rahmen der Verfassung und der Rechtmäßigkeit ist»,
erklärte Schewardnadse laut einem Bericht der Nachrichtenagentur
Interfax. Er rief beide Seiten zum Dialog auf. Tausende Demonstranten
blieben die Nacht über vor dem Parlament, nachdem
Oppositionsführer Michail Saakaschwili sie aufgerufen hatte, ihren
Sieg zu verteidigen.
(Quellen: ap)
+++ A k t u e l l e M e l d u n g +++ So.23.11.03 - 18:53 Uhr +++
Schewardnadse zurückgetreten
Vor dem Parlament in Tiflis feierten zehntausende
Demonstranten den Rücktritt des 75-Jährigen
So.23.11.03 - Der georgische Präsident Eduard Schewardnadse hat sich am Sonntag
dem Druck wochenlanger Proteste gebeugt und seinen Rücktritt
erklärt. "Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dies mit
Blutvergießen enden könnte, falls ich meine Rechte
ausnutze", sagte er. Auf die Frage, wohin er gehe, sagte er: "Nach
Hause."
Oppositionsführer Michail Saakaschwili bezeichnete Schewardnadses
Entscheidung als "mutigen Akt". "Mit seinem Rücktritt hat er
verhindert, dass in diesem Land Blut vergossen wird. Die Geschichte
wird ihn freundlich beurteilen." Vor dem Parlament in Tiflis feierten
aber zehntausende von Demonstranten den Rücktritt des
75-Jährigen.
Interfax zufolge sagte Schewardnadse zu seinem Rücktritt: "Ich
halte es für notwendig, das jetzt zu tun." Oppositionsführer
Surab Schwania sagte, Schewardnadse werde Georgien nicht verlassen. Ein
anderer Oppositionspolitiker, Georgi Baramadise, hatte als erster die
Rücktrittsnachricht verbreitet: Saakaschwili habe ihn telefonisch
aus Schewardnadses Wohnsitz über die Unterzeichnung der
Rücktrittserklärung informiert. Saakaschwili hatte den
Präsidenten zuvor ultimativ dazu aufgefordert.
Im Machtkampf hatte die von Saakaschwili geführte Opposition am
Sonntag deutlich die Oberhand gewonnen: Auch aus Reihen der
Sicherheitskräften erhielt sie Zulauf. Zudem rief sie nach der am
Samstag erfolgten Besetzung des Parlaments und des
Präsidentenpalasts zum Sturm weiterer Regierungsgebäude und
der Privatwohnung des Präsidenten auf. Schewardnadse forderte
dagegen die Demonstranten in einer Fernsehansprache auf, das Parlament
zu räumen. Andernfalls werde er den am Samstag verhängten
Ausnahmezustand umsetzen.
Der Kommandeur einer Eliteeinheit des Verteidigungsministeriums, Georgi
Schengilia, erklärte aber, er werde die Befehle Schewardnadses
nicht mehr ausführen. Bereits am Samstagabend hatte ein
Brigadekommandeur über den TV-Sender Rustawi-2 angekündigt,
er werde nicht gegen die Protestbewegung vorgehen.
Laut Rustawi-2 stießen rund 170 Soldaten der georgischen
Nationalgarde zur Opposition. Das genaue Ausmaß der
Übertritte war jedoch zunächst nicht zu beziffern.
Saakaschwili sagte, fast das gesamte Heer sei inzwischen zu den
Demonstranten übergelaufen.
Mit dem Sturm auf das Parlament war die konstituierende Sitzung der am
2. November gewählten neuen Volksvertretung unterbrochen worden.
Anschließend hatte sich Nino Burdschanadse, die Präsidentin
des vorherigen Parlaments, zur Übergangspräsidentin
erklärt. Sie werde bis zu vorgezogenen Parlaments- und
Präsidentenwahlen in 45 Tagen amtieren. Die Parlamentswahl vor
drei Wochen wurde nach Einschätzung von Opposition und
internationalen Beobachtern manipuliert. Schewardnadse entließ am
Sonntag seinen Sicherheitschef Tedo Dschaparidse, weil dieser
öffentlich Wahlfälschungen eingeräumt hatte.
(Quelle: ap)
Indien errichtet Grenzzaun in Kaschmir
Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehr als ein Dutzend
muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss
an Pakistan
So.23.11.03 - Indien errichtet in Kaschmir einen Stacheldrahtzaun an der Grenze zum
pakistanischen Teil der Region. Fast ein Fünftel des elektrisch
geladenen Zauns sei bereits fertig gestellt, teilte Armeechef N.C Vij
am Samstag mit. Bis Mitte 2005 soll die gesamte 745 Kilometer lange
Grenze mit der Sperranlage versehen sein, sagte Vij der
Nachrichtenagentur Press Trust of India. Damit solle das Eindringen
militanter Islamisten aus Pakistan unterbunden werden.
Der Zaun wird laut Vij etwa zehn Kilometer von der Grenze entfernt auf
indischem Gebiet errichtet. Rund 4.000 Soldaten seien an dem Bau
beteiligt. Bis zur Errichtung des Zaunes hatten weder Indien noch die
Regierung in Islamabad Befestigungen an der Grenzlinie errichtet, um zu
vermeiden, dass die umstrittene Grenzziehung als dauerhaft angesehen
wird.
Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehr als ein Dutzend
muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss
an Pakistan. Die indische Regierung wirft Pakistan vor, militante
Islamisten auszubilden und in den indischen Teil Kaschmirs
einzuschleusen, was der Nachbarstaat jedoch zurückweist. Seit der
Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft im Jahr 1947
haben Indien und Pakistan bereits zwei Kriege um das zwischen beiden
Staaten geteilte Kaschmir geführt. Die Auseinandersetzungen
kosteten seit 1989 mehr als 65.000 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Athen: Universitätsbesetzer fordern Freilassung von
Hungerstreikenden
So.23.11.03 - Rund ein Dutzend Demonstranten hat am Samstag weiter die Verwaltung der
Universität von Athen besetzt gehalten. Sie forderten die
Freilassung von fünf inhaftierten Personen, die seit zwei Monaten
im Hungerstreik sind. Die fünf aus Großbritannien, Spanien,
Syrien und Griechenland stammenden Demonstranten waren im Juni bei
gewaltsamen Protesten gegen den Gipfel der Europäischen Union
festgenommen worden. Sie warten in einem Athener Gefängnis auf
ihren Prozess. Ihr Zustand soll ernst sein. Die Hochschulleitung hat
die Besetzung zwar scharf verurteilt, sie hat bislang aber nicht die
Polizei gebeten einzuschreiten.
(Quelle: ap)
Zusammenstöße bei Demonstration in Antwerpen
So.23.11.03 - Bei Zusammenstößen zwischen Polizei und nordafrikanischen
Jugendlichen in Antwerpen sind am Samstag mehr als 30 Personen
festgenommen worden. Die Stadt Antwerpen hatte belgischen
Medienberichten zufolge aus Sicherheitsgründen eine für
Sonntag angemeldete Demonstration verboten, mit der an die
Erschießung eines marokkanischen Lehrers durch einen für
seine rechtsgerichteten Einstellungen bekannten belgischen Nachbarn vor
einem Jahr gedacht werden sollte. Die Jugendlichen hätten
Autoscheiben eingeschlagen, als sie vor der Polizei geflogen seien,
hieß es weiter. Ein Polizeisprecher teilte mit, 30 bis 35
Personen seien festgenommen worden. Die Spannungen waren vor einer
Woche zusätzlich verschärft worden, als ein Polizist einen
Marokkaner bei einem Raubüberfall auf ein Schnellrestaurant in
Mechelen erschoss. Die Zusammenstöße in Antwerpen dauerten
zwei Stunden am Nachmittag an. Die Polizeistreifen seien für das
gesamte Wochenende verstärkt worden, hieß es.
(Quelle: ap)
Früherer RAF-Terrorist Wagner soll nach 24 Jahren begnadigt werden
So.23.11.03 - Nach 24 Jahren Haft soll der frühere RAF-Terrorist Rolf Clemens
Wagner begnadigt werden. Der Sprecher des Bundespräsidialamts,
Klaus Schrotthofer, bestätigte am Samstag einen Bericht des
Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und sagte, Bundespräsident
Johannes Rau habe einen solchen Antrag gestellt. Das Verfahren sei aber
noch nicht abgeschlossen. Der 59-Jährige Wagner war unter anderem
wegen Beteiligung an der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten
Hanns Martin Schleyer zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer
Steinbrück setzte ein Verfahren zur Begnadigung Wagners in Gang,
wie ein Sprecher der Düsseldorfer Landesregierung erklärte.
Als Termin für Wagners Entlassung ist den
«Spiegel»-Informationen zufolge Anfang Dezember vorgesehen.
Wagner war 1979 festgenommen worden. Unter den Ex-RAF-Terroristen ist
er derjenige, der am längsten in Haft sitzt.
(Quelle:ap)
Keine Annäherung im Unionsstreit über Sozialreformen
CDU zweifelt an Verfassungsmäßigkeit der CSU-Pläne +++
Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, nennt
Seehofer einen politischen Traumtänzer
So.23.11.03 - Führende CDU-Politiker kritisierten am Samstag die Pläne der
Schwesterpartei in der Rentenpolitik als verfassungsrechtlich
bedenklich. Dagegen erneuerte der stellvertretende CSU-Vorsitzende
Horst Seehofer seine Einwände gegen die von der CDU geplanten
lohnunabhängigen Kopfpauschalen zur Finanzierung des
Gesundheitswesens. Die Spitzen von CDU und CSU bekräftigen, eine
Einigung in dem Sozialreformstreit vor dem CDU-Parteitag Anfang
Dezember sei nicht notwendig.
Zwischen CDU und CSU schwelt schon seit Tagen ein heftiger Streit
über die Zukunft der Sozialsysteme. Einer der Konfliktpunkte ist
die Finanzierung von Entlastungen von Familien mit Kindern im
Rentensystem. Während die CSU dies über höhere
Rentenbeiträge für Kinderlose bezahlen will, favorisiert die
CDU eine Finanzierung über das Steuersystem.
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte dem Magazin "Focus", die
von der CSU geplante Spreizung der Beiträge werde vor Gericht
nicht haltbar sein: "Ein so großer Unterschied in den
Beiträgen wird aber beispielsweise für ungewollt kinderlose
Paare vor der Verfassung sicherlich keinen Bestand haben." Die
CDU-Vorsitzende Angela Merkel sagte der "Bild am Sonntag", Kinderlose
könnten nicht 40 Jahre Rentenbeiträge leisten und dann
weniger herausbekommen als sie einbezahlt hätten.
Seehofer lehnte auf einer Veranstaltung des
CSU-Arbeitnehmerflügels im bayerischen Beilingries die von der CDU
geplanten Kopfpauschalen im Gesundheitswesen ab. Es sei mit der
christlichen Soziallehre nicht vereinbar, wenn der Hausmeister den
gleichen Beitrag in die Gesundheitskasse leiste wie der Chef des
Hausmeisters. Seinen Verzicht auf die Forderung nach einer
Bürgerversicherung im Gesundheitswesen begründete er damit,
dass die CSU geschlossen auftreten solle. CSU-Chef Edmund Stoiber hat
zwar die CDU-Pläne für Kopfpauschalen abgelehnt, gleichzeitig
aber auch einer Bürgerversicherung, in die Beamte und
Selbstständige einzahlen müssten, eine Absage erteilt.
Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, bezeichnete
Seehofer in der "Welt am Sonntag" einen "politischen Traumtänzer"
und nannte die CSU-Rentenpläne Besorgnis erregend. Merkel richtete
eine deutliche Warnung an ihren Stellvertreter im Fraktionsvorsitz.
"Wir erwarten alle voneinander, und damit auch von Horst Seehofer, dass
niemand in CDU und CSU sich dem anderen intellektuell oder emotional
überlegen fühlt", sagte sie. Der Unmut über die CSU
hatte sich in der CDU vor allem an Seehofers Person festgemacht. Ihm
war vorgeworfen worden, er vergreife sich gegenüber der
Schwesterpartei zunehmend im Ton.
(Quelle: rtr)
Handel dringt auf Einigung über Steuersenkungen
HDE: Konsumenten müssen früh Klarheit haben
So.23.11.03 - Der Einzelhandel hofft schon zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts auf
eine Verständigung von Regierung und Opposition auf das Vorziehen
der letzten Stufe der Steuerreform auf 2004. "Ohne dieses positive
Signal wird es schwierig werden, das nicht berauschende Ergebnis des
Vorjahres im Weihnachtsgeschäft zu übertreffen", sagte der
Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus
Pellengahr, am Sonntag in einem Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP.
Für den Handel sei es zu spät, wenn die Einigung auf das
Vorziehen der Steuersenkungen erst kurz vor Weihnachten in einem
riesigen Reformpaket komme. Regierung und Opposition sollten so schnell
wie möglich Eckpunkte für die Entlastungen und die
Gegenfinanzierung vereinbaren. Laut Pellengahr lagen die Umsätze
im Weihnachtsgeschäft 2002 unter dem langjährigen Mittelwert
von zehn Milliarden Euro.
Zusätzliche Rabattaktionen, sind laut Pellengahr im Handel nicht
geplant. "Es macht ökonomisch keinen Sinn, in einer Zeit
steigender Nachfrage die Preise zu senken," sagte er.
Distanziert äußerte er sich zum Vorschlag aus den Reihen von
FDP und Grünen, mit verkaufsoffenen Adventssonntagen das
Geschäft anzukurbeln. "Es ist viel Lärm um nichts, denn nach
geltendem Ladenöffnungsrecht sind die Sonn- und Feiertage im
Dezember ausdrücklich von einer Öffnung ausgenommen."
Unabhängig von der Rechtslage benötige der Handel für
verkaufsoffene Sonntage sehr lange Planungs- und Vorlaufzeiten. In
diesem Jahr sei es daher ohnehin zu spät.
(Quelle: ap)
Merkel skeptisch über Vorziehen der Steuerreform
Die CDU-Vorsitzende kritisiert zudem die SPD-Parteitagsbeschlüsse zur Ausbildungsplatzabgabe
und zur Erbschaftssteuer +++ Union will laut 'Spiegel' zahlreiche rot-grüne Arbeitsmarkt-Gesetze
rückgängig machen
So.23.11.03 - Die Union steht einem Vorziehen der Steuerreform offenbar zunehmend
skeptisch gegenüber. CDU-Chefin Angela Merkel sagte der "Bild am
Sonntag", sie sehe ein Vorziehen "vor allem durch den Streit der
Regierung mit der EU-Kommission sehr belastet". Die EU-Kommission hat
strenge Sparvorgaben für Deutschland wegen seines
Haushaltsdefizits vorgeschlagen. Auch der CSU-Finanzexperte Hans
Michelbach sieht das Vermittlungsverfahren über das Vorziehen der
dritten Stufe der Steuerreform gefährdet.
Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung um den Stabilitätspakt
und die Vorgaben der EU-Kommission sagte Michelbach der "Welt am
Sonntag", dies sei "eine neue Qualität". Denn mit dem
Haushaltsentwurf 2004 verletze Deutschland den Pakt "vorsätzlich
schon im Voraus". Das werde auch das Vermittlungsverfahren im Bundesrat
"auf wacklige Füße" stellen, da mit einem Vorziehen der
Reform weitere Steuerausfälle und ein noch größeres
Defizit verknüft seien.
Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge wächst
in der Union intern der Widerstand gegen die von der Regierung geplante
Steuersenkung. Selbst das CDU-regierte Baden-Württemberg, das
bislang am stärksten für die Steuerreform eingetreten sei,
könne Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nicht mehr sicher
zu den Befürwortern zählen, berichtet das Magazin, ohne dabei
genauere Quellen zu nennen. Grund dafür sind demnach
Mindereinnahmen von 650 Millionen Euro und entsprechend höhere
Schulden, wodurch der Landeshaushalt die Grenze der
Verfassungsmäßigkeit mit Sicherheit überschreiten
würde.
Merkel kritisierte zudem einzelne Beschlüsse des SPD-Parteitags.
Die "Symbolbeschlüsse" zur Ausbildungsplatzabgabe und zur
Erbschaftssteuer dienten nur der "Befriedigung des linken SPD-Teils".
Sie würden dem Investitionsklima im Land schaden.
Die Union will laut "Spiegel" zahlreiche rot-grüne
Arbeitsmarkt-Gesetze rückgängig machen. Das gehe aus dem
Forderungskatalog von CDU und CSU für den Vermittlungsausschuss
hervor. So beabsichtige die Union, die geänderten Schwellenwerte
im Betriebsverfassungsgesetz, nach denen in vielen Unternehmen mehr
Betriebsräte gewählt werden durften, wieder auf das
frühere Niveau zurückzuführen. Auch den Rechtsanspruch
auf Teilzeit wolle die Union beschneiden. Die Möglichkeiten,
Arbeitnehmer befristet einzustellen, sollten dagegen deutlich
ausgeweitet werden.
(Quelle: afp)
Gewerkschaften warnen vor Tariföffnung
Steuerreform dürfe nicht zur Erpressung missbraucht werden, um die
Tarifautonomie auszuhebeln
So.23.11.03 - Die Gewerkschaften haben nochmal eindringlich vor einer Aufweichung der
Tarifautonomie gewarnt. Der Vorsitzende des IG-Metall-Bezirks
Küste, Frank Teichmüller, sprach am Samstag von einem
"Kuhhandel" der Bundesregierung mit der Opposition im
Vermittlungsausschuss. Der Schutz der Beschäftigten dürfe
nicht gegen ein Vorziehen der Steuerreform getauscht werden, forderte
Teichmüller auf einer DGB-Kundgebung im niedersächsischen
Leer. IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt warnte vor "Erpressung".
Teichmüller argumentierte, dass eine Veränderung der
Tarifautonomie nur zu mehr Konflikten in den Betrieben führen
werde. Die IG Metall sei für betriebsnahe Lösungen, Union,
FDP sowie verschiedene Arbeitgeberverbände wollten diese
Lösung dagegen nicht, sondern "gewerkschaftsfreie Betriebe", sagte
Teichmüller.
Schmoldt sagte in einem Interview der "Welt am Sonntag", die
Steuerreform dürfe nicht zur Erpressung missbraucht werden, um die
Tarifautonomie auszuhebeln. Stattdessen verlangte der Vorsitzende der
IG Bergbau, Chemie, Erden innerhalb des geltenden Rechts mehr
Flexibilität: In der chemischen Industrie habe man gezeigt, dass
Öffnungsklauseln auch ohne gesetzliche Regelungen gemacht werden
könnten. Entscheidend sei, dass die Tarifparteien das letzte Wort
hätten. Schmoldt betonte aber, dass man bei Einschränkungen
der Tarifautonomie Verfassungsklage einreichen werde.
Der zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Berthold Huber, drohte den
Arbeitgebern mit einem "ernsthaften Konflikt", sollten sie für
eine Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich den
Manteltarifvertrag kündigen. Dies widerspreche auch dem
Bürgerlichen Gesetzbuch, sagte Huber der «Neuen
Osnabrücker Zeitung» (Samstagausgabe). Einem Handwerker, der
zehn Stunden gearbeitet habe, dürfe man auch nicht nur acht
Stunden bezahlen. Selbst die von der Union gewünschten
gesetzlichen Öffnungsklauseln würden das nicht
ermöglichen.
Huber warnte angesichts der Forderung der Arbeitgeber vor einer "ganz
komplizierten Tarifrunde". Er bot den Arbeitgebern aber an, die so
genannte Quotenregelung zu verändern, wonach bis zu 18 Prozent der
Belegschaften generell 40 Wochenstunden arbeiten dürfen.
(Quelle: ap)
Spam-Anteil verdoppelt sich 2003
50 Prozent aller Mails sind Spam +++ UNO warnt vor Abwertung der E-Mail
als Medium
So.23.11.03 - Die UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung, UNCTAD, hat im
Zusammenhang mit ihrem aktuellen E-Commerce-Bericht auch vor den Folgen
unerwünschter Werbe-Mails (Spam) und Viren für die weitere
Entwicklung des Internets gewarnt.
Laut UNCTAD betrug der Spam-Anteil im weltweiten E-Mail-Aufkommen zum
Jahresanfang noch 25 Prozent, Ende März waren es schon 36 Prozent
- und bis Ende Dezember stehe zu befürchten, dass dann die
Hälfte der elektronischen Post aus Werbemüll bestehe.
Demnach könnte die weitere Verbreitung von Spam nicht nur E-Mails
als wichtiges Kommunikationsmittel abwerten, sondern dürfte 2003
auch allein durch die Verschwendung technischer Ressourcen 17,5
Milliarden Euro Schaden anrichten. Immer mehr der am meisten
betroffenen US-User schränken nach neuesten Erkenntnissen ihre
E-Mail-Kommuniktion wegen der anhaltenden Spam-Flut ein: Ein Viertel
schreibt weniger Mails wegen Spam.
Neben Spam wird laut UNCTAD auch durch die zunehmende Anzahl "digitaler
Attacken" (inklusive Viren und Würmern) das Vertrauen in das
Internet generell untergraben. Wie beim Spam sind laut der UNO, die
sich dabei unter anderem auf Berichte der Sicherheitsfirma mi2g
bezieht, die USA einerseits am meisten von den Attacken betroffen,
andererseits gehen auch die meisten Attacken von dort aus.
Laut UNCTAD gab es in der ersten Jahreshälfte weltweit bereits
91.000 "digitale Attacken", während 2002 insgesamt nur 87.500
Vorfälle registriert wurden. Die Entwicklungs- und
Schwellenländer führen die Statistik bei den Attacken auf
Regierungsrechner an.
Quelle: futurezone
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&view=bw&id=200093&tmp=7242
Versender von Spam für Penisvergrößerungen erhält
Morddrohungen
So.23.11.03 - Weil er einen Versender von Spam für
Penisvergrößerungen mit Mord bedroht hat, muss sich ein
Computer-Programmierer in Kalifornien demnächst vor Gericht
verantworten.
Er habe die Drohungen ausgestoßen, weil eine kanadische Firma ihn
unaufhörlich mit unverlangten Werbe-Angeboten via Internet zur
Penisverlängerung bombardiert habe, sagte der 44-jährige
Charles Booher. Er war am Donnerstag festgenommen und gegen Kaution von
75.000 Dollar wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die
Staatsanwaltschaft wirft Booher vor, der kanadischen
Spam-Versenderfirma gedroht zu haben, ihr "ein Paket voll mit
Anthrax-Sporen" zu schicken. Außerdem habe er einem Angestellten
gedroht, ihn mit Hilfe einer Kugel zu entmannen, ihn mit einer
Bohrmaschine und einem Eispickel zu malträtieren und im
übrigen die Angestellten des ungenannten Internet-Providers zu
kastrieren, bis sie ihn endlich von ihrer Email-Liste streichen
würden.
Booher räumte Reuters gegenüber ein, er habe sich wohl
schlecht benommen. Aber sein Computer sei durch die massenhaften Popups
und Werbe-Emails über zwei Monate hin praktisch nicht mehr
benutzbar gewesen. Er sei dann auf die Web-Seite der Versender gegangen
und habe diese gebeten: "Bitte, bitte, bitte hört doch auf damit,
mich zu ärgern", und dann sei das Ganze eben eskaliert. "Irgendwie
habe ich danach die Kontrolle verloren", sagte der Programmierer, dem
nun im Fall einer Verurteilung bis zu fünf Jahren Gefängnis
und Strafe in Höhe von bis zu 250.000 Dollar drohen. Er
verfüge weder über Anthrax noch habe er irgendwelche Waffen
im Haus, erklärte der genervte Programmierer.
Internet-Experten zufolge belasten und verstopfen die zumeist
automatisch an Millionen von Nutzern verschickten Spam-Mails zunehmend
die internationalen Netze.
(Quelle: rtr)
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