Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Eskalation der Gewalt zum Ramadanende im Irak: 21 Tote bei
Anschlägen und Attentaten - Drei US-Soldaten unter den Opfern +++
Türken nach Anschlag in Kirkuk festgenommen +++ Pipeline im Norden
Iraks in Flammen +++ Alliierte beschließen Einstellung von
Zivilflügen nach Bagdad +++ Koalitionsstreitkräfte
bombardieren Ziele in Mittelirak +++ Irakischer Außenminister
ernennt irakisch-amerikanische Politikerin zur Botschafterin in den USA
Mo.24.11.03 - Eine Serie blutiger Anschläge und Attentate hat am Wochenende in
Irak 21 Menschen das Leben gekostet.. Zwei Selbstmordattentäter
rissen am Samstag vor Polizeiwachen nördlich von Bagdad 18
Menschen mit sich in den Tod. Mehr als 50 Menschen wurden verletzt. Bei
Angriffen auf US- Militärkonvois starben am Sonntag drei
Amerikaner. In Kirkuk beschossen Unbekannte den Freizeitclub der
irakischen Ölgesellschaft NOC. Drei US-Bürger wurden
verletzt. Eine DHL-Frachtmaschine wurde am Samstag bei Bagdad von einer
Rakete getroffen, konnte aber sicher landen.
Am Sonntag erschossen Unbekannte in Mossul im Norden des Landes zwei
US-Soldaten in ihrem Fahrzeug und schlugen anschließend mit
Pflastersteinen auf ihre Leichen ein.
Augenzeugen in Mossul berichteten zunächst, den beiden Soldaten
sei die Kehle durchgeschnitten worden. Später hieß es
jedoch, sie seien im Bezirk Ras el Dschadda auf dem Weg zu einer
Garnison erschossen worden. Dutzende Schaulustige hätten
anschließend auf die Leichen eingeprügelt und die
Ausrüstung der Soldaten geplündert.
In Latifijah, 30 Kilometer südlich von Bagdad, erschossen
Unbekannte laut irakischen Angaben den Polizeichef sowie seinen
Leibwächter und seinen Fahrer. Am Samstag wurde in Mossul
ebenfalls ein Polizeihauptmann erschossen.
Bei der Explosion einer Bombe in Bakuba nördlich von Bagdad starb
am Sonntag ein US-Soldat, zwei weitere wurden verletzt.
Zum Ende des Fastenmonats Ramadan am Dienstag warnten die
US-Behörden vor einer Zunahme von Anschlägen. Die
Koalitionsstreitkräfte setzten derweil ihre Offensive fort und
bombardierten am Sonntag laut Augenzeugenberichten Ziele in Mittelirak.
In Samara eröffneten sechs Militärhubschrauber das Feuer,
nachdem vier Panzerabwehrraketen auf eine Garnison abgefeuert wurden,
wie die Polizei mitteilte. Ein Iraker sei dabei getötet worden.
Die Selbstmordanschläge vom Samstag richteten sich gegen zwei
Polizeistationen in den Städten Bakuba und Chan Bani Saad, das
zwischen Bagdad und Bakuba liegt. In Chan Bani Saad starben nach
Angaben eines US-Militärsprechers sechs Polizisten, drei
Zivilisten und der Selbstmordattentäter. In Bakuba riss ein
Selbstmordattentäter nach irakischen Angaben drei Polizisten mit
in den Tod, ein weiterer wurde noch vermisst. Bei den Anschlägen
seien mindestens 20 weitere Personen verletzt worden.
Kurdische Milizen haben im Norden Iraks drei türkische
Staatsbürger festgenommen, die in den schweren Sprengstoffanschlag
auf die Büros kurdischer Parteien in Kirkuk verwickelt sein
sollen. Die Verdächtigen seien kurz nach dem Attentat am
Donnerstag festgenommen worden, sagte ein Vertreter der Patriotischen
Union Kurdistans (PUK).
Am Donnerstag waren fünf Menschen getötet worden, als vor den
Geschäftsstellen der PUK und der Demokratischen Partei Kurdistans
(DPK) eine Autobombe explodierte. Drei der Toten waren Kinder. Etwa 30
Menschen erlitten Verletzungen.
Eine Ölpipeline im Norden Iraks ist am heutigen Montag in Brand
geraten. Ursache sei vermutlich Sabotage, sagte ein Manager der
Northern Oil Company, Abdel el Kassas, in Kirkuk. Die betroffene
Leitung verbindet die Ölfelder bei Kirkuk mit der
Hauptverbindungsleitung in der Region. Aufständische haben
wiederholt Leitungen in der Umgebung von Kirkuk angegriffen.
Nach dem Raketenangriff auf ein Frachtflugzeug der Deutsche
Post-Tochter DHL haben die US-geführten Streitkräfte in Irak
die vorläufige Einstellung ziviler Flüge nach Bagdad
beschlossen. Die Flüge der jordanischen Fluggesellschaft Royal
Wings und der DHL würden bis zum Vorliegen neuer
Ermittlungergebnisse vorläufig eingestellt, sagte ein
US-Militärsprecher am Sonntag in der irakischen Haupstadt.
Militärflüge würden fortgesetzt.
Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari ernannte derweil die
irakisch-amerikanische Politikerin Rend Rahim Francke zur neuen
Botschafterin in den USA. Francke war lange Jahre Vorsitzende der
prodemokratischen Irak-Stiftung mit Sitz in Washington.
US-Außenminister Colin Powell bat unterdessen bei
palästinensischen Politikern um Unterstützung für die
irakische Übergangsregierung, die im Juni eingesetzt werden soll.
Er habe einen entsprechenden Brief von Powell erhalten, sagte
Außenminister Nabil Schath.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Bush führt nun den Krieg, den sein Vater aus Gründen nicht
führen wollte, die der Sohn als selbst ernannter
Weltgefahrenbeauftragter ignoriert...
Er führt einen Krieg, der
kein Krieg sein soll, sondern eine Polizei- und Aufräumaktion,
bestenfalls ein Nachkriegsscharmützel, eine lästige
Durchgangsphase zur irakischen Demokratie westlichen Zuschnitts ...
Doch schon kursiert ein hässliches Wort, ein traumatisches Wort
für die amerikanische Wohlstands- und Erfolgsgesellschaft:
Vietnam. Vietnam steht in der Bewertung historischer Katastrophen
Amerikas - vielleicht gleichberechtigt neben dem amerikanischen
Sezessionskrieg - für die fürchterlichste Kriegserfahrung
dieser Nation. Vietnam wurde zum Zeichen für die
Unbeherrschbarkeit von Welt und Geschichte, nicht weniger aber der
Torheit der Mächtigen, denen die Courage fehlte, den eigenen
Irrweg zu erkennen....
Heute ist in Bagdad die Hölle los. Es sind nicht nur die
allfälligen Anschläge, die die Weltnachrichten aufheizen,
sondern es gibt auch die Hölle der alltäglichen
Unsicherheiten, in der Menschen ihre Familien mit der Kalaschnikow
verteidigen müssen, weil der Mensch seinem Nachbarn wieder zum
Wolf geworden ist. Weder die Besatzer noch die irakische Polizei
richten bislang gegen die Anschläge und Übergriffe
marodierender Banden, Erpresser und der bunt gemischten Feinde Amerikas
viel aus. Was flüstert wohl eine irakische Mutter ihren Kindern
zu: "Halte dich nicht in der Nähe von amerikanischen Soldaten auf."
Das ist die wahre Begrüßung der Eroberer. Bushs
geschichtsseliger Vergleich des Irak mit der westdeutschen
Nachkriegssituation, die so stromlinienförmig in der
bundesrepublikanischen Demokratie mündete, wird durch jeden
weiteren Bombenanschlag ad absurdum geführt. Paradox formuliert:
"Geschichte wiederholt sich, aber eben anders, als sie sich zuvor
zugetragen hat."...
Aus: Goedart Palm - "Zur Vietnamisierung des Globus - Bush und die List
der Geschichte", telepolis vom 24.11.03
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16154/1.html
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10.000 protestieren gegen Militärschule in Georgia
Mo.24.11.03 - Rund 10.000 Menschen haben vor einer Kaserne im US-Staat Georgia gegen
die dortige Militärausbildung für Offiziere aus Lateinamerika
demonstriert. 30 bis 40 Pazifisten drangen am Sonntag in das
Gelände von Fort Benning bei Columbus ein und wurden festgenommen.
Die Teilnehmer der jährlichen Protestaktion werfen Absolventen der
Militärschule vor, für Gräueltaten der Streitkräfte
in Mittel- und Südamerika verantwortlich zu sein. Die
Demonstrationen erinnern jedes Jahr im November an die Ermordung von
sechs Jesuitenpriestern und zwei weiteren Personen am 19. November 1989
in El Salvador. Die US-Streitkräfte weisen die Vorwürfe
zurück und erklären, zum Unterricht am Western Hemisphere
Institute for Security Cooperation (die ehemalige School of the
Americas) gehörten auch Kurse über die Menschenrechte.
(Quelle: ap)
Afghanistan: Karsai rechnet mit langfristiger Hilfe der Bundeswehr
Mo.24.11.03 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai rechnet mit einer
langfristigen Hilfe der Bundeswehr beim Wiederaufbau seines Landes. Er
sei dankbar für die Unterstützung und gehe davon aus, dass
diese noch so lange andauern werde, "wie Afghanistan nicht alleine in
die Zukunft gehen kann", sagte Karsai in einem Interview der
"Augsburger Allgemeinen" (Montagausgabe).
Er habe die Zusicherung weiterer Hilfe nicht nur von US-Präsident
George W. Bush, sondern auch von Bundeskanzler Gerhard Schröder und
anderen Staats- und Regierungschefs. Die Bevölkerung sei von der
internationalen Hilfe so angetan, dass sie inzwischen nicht nur in
Kabul, sondern auch im nach wie vor bekämpften Süden und im
Norden um ISAF-Truppen bitte. Gerade im Kampf gegen den Terrorismus
brauche Afghanistan die Unterstützung der internationalen Truppen.
(Quelle: ap)
Taliban bekennen sich zu Anschlag auf Kabuler Hotel
Weitere Attentate auf Ausländer angedroht
Mo.24.11.03 - Die radikalislamische Taliban-Miliz hat sich zu dem Bombenanschlag auf
das Hotel Intercontinental in Kabul bekannt und mit weiteren Attentaten
auf Ausländer gedroht. "Es wird bald ähnliche Anschläge
auf Ausländer geben", sagte ein anonymer Anrufer dem Kabuler
Büro der Nachrichtenagentur AFP. Er gab sich als ehemaliger
Funktionsträger der vor zwei Jahren gestürzten afghanischen
Taliban aus. Bei einer Demonstration vor dem Verteidigungsministerium
in Kabul kam ein Kundgebungsteilnehmer ums Leben, als Soldaten in die
Menge feuerten.
Die internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF wollte sich nicht zum
Stand der Ermittlungen äußern. "Unsere Untersuchungen
schreiten voran", sagte der deutsche ISAF-Sprecher Jörg Langer.
Bei der Bombenexplosion vor dem von Ausländern bewohnten Hotel
Intercontinental war am Samstag niemand verletzt worden. An dem
Gebäude entstand Sachschaden: An der Rückseite des Hotels
gingen sämtliche Scheiben zu Bruch, auch das Mauerwerk wurde
beschädigt. Hotelgäste sprachen von einer massiven Explosion.
Das Hotel liegt etwa eineinhalb Kilometer von der britischen Botschaft
in Kabul entfernt und ist Treffpunkt von Hilfsorganisationen,
Diplomaten, Regierungsvertretern und Journalisten.
Afghanische Soldaten erschossen derweil einen Demonstranten, vier
weitere wurden nach Regierungsangaben verletzt. Die meisten der
Kundgebungsteilnehmer waren Mitarbeiter oder ehemalige Mitarbeiter des
Verteidigungsministeriums, die die Zahlung ihrer seit Monaten
ausstehenden Löhne verlangten. Die Polizei habe das Feuer
eröffnet, nachdem die Demonstranten das Ministerium stürmen
wollten, sagte ein Regierungssprecher.
(Quelle: afp)
Iran gegen Einbeziehung des Sicherheitsrats im Atomstreit
Mo.24.11.03 - Im Streit um das iranische Atomprogramm gibt es nach Ansicht Teherans
keinen Grund, die Angelegenheit dem Weltsicherheitsrat vorzulegen. Der
iranische Außenamtssprecher Hamid Resa Asefi reagierte damit am
Sonntag auf die anhaltende Diskussion zwischen der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) und den USA. Washington fordert, dass
Iran wegen Verletzung des Atomwaffensperrvertrags gerügt wird, was
Sanktionen des Rates zur Folge haben könnte.
Laut IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei hat die UN-Behörde
keine Hinweise auf ein geheimes iranisches Atomwaffenprogramm entdeckt.
Entsprechende Bestrebungen Teherans könnten bis zur
vollständigen Prüfung aller Informationen jedoch nicht
völlig ausgeschlossen werden. US-Botschafter Kenneth Brill
erklärte, ElBaradeis Bericht beschönige lediglich die schon
seit 18 Jahren andauernde Täuschung über das iranische
Nuklearprogramm. Der Gouverneursrat der IAEA will am Mittwoch weiter
über eine mögliche Resolution beraten.
(Quelle: ap)
Teheran weist UN-Kritik an Menschenrechtsverletzungen zurück
Mo.24.11.03 - Die Regierung in Teheran hat am Sonntag eine UN-Resolution über
anhaltende Menschenrechtsverletzungen in Iran als völlig
inakzeptabel kritisiert. Der am Freitag von einem Ausschuss der
UN-Vollversammlung verabschiedete Text verdrehe Tatsachen und sei
lediglich politisch motiviert, sagte Außenamtssprecher Hamid Resa
Asefi. Positive Entwicklungen in Iran würden nicht
berücksichtigt.
Die von Kanada eingebrachte Resolution drückt Besorgnis der
Vereinten Nationen über Folter und andere Formen unmenschlicher
Bestrafungen aus und fordert Teheran zur Erfüllung seiner
internationalen Verpflichtungen auf. Zudem heißt es, die
Meinungsfreiheit sei in Iran stark eingeschränkt. Es wird
erwartet, dass die Resolution auch von der UN-Vollversammlung
angenommen wird.
Der UN-Menschenrechtsexperte Ambeyi Ligabo berichtete nach einem Besuch
in Iran Anfang November, er habe zahlreiche Klagen über
Menschenrechtsverletzungen von politischen Aktivisten und
Schriftstellern erhalten. Im Juli sorgte der Tod der
iranisch-kanadischen Fotojournalisten Zahra Kazemi für
Schlagzeilen, die nach einem 77 Stunden dauernden Verhör durch
Sicherheitskräfte an Kopfverletzungen starb. Ein
Geheimdienstmitarbeiter wurde inzwischen wegen Mordes an Kazemi
angeklagt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelischer General zu Hisbollah-Verhandlungen nach Deutschland +++
Scharon will einseitige Grenzziehung
Mo.24.11.03 - Ein Abgesandter der israelischen Regierung wird am heutigen Montag zu
Gesprächen über einen Gefangenenaustausch mit der
libanesischen Hisbollah-Miliz nach Deutschland reisen. Reservegeneral
Ilan Biran werde dort die seit Monaten andauernden
Vermittlungsbemühungen Deutschlands fortsetzen, berichtete der
israelische Rundfunk am Sonntag.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon plant eine
unilaterale Grenzziehung und die Aufgabe einiger illegaler Siedlungen
auf palästinensischem Gebiet. Mehrere israelische Zeitungen
berichteten am Sonntag über die neue Strategie des
Regierungschefs. Sie solle umgesetzt werden, wenn die "Road Map"
scheitere. "Der Ministerpräsident hat nicht aufgehört,
über die Lösung des Konfliktes nachzudenken", sagte Scharon
der Zeitung "Jediot Ahronot". Er werde seinen Plan bald
ausführlich vorstellen.
Dem neuen Plan zufolge soll der derzeit erbaute Sperrwall die
künftige Staatsgrenze markieren. Einige kleinere Siedlungen
würden aufgegeben, hieß es in den Berichten. Demnach sollten
einige Siedler in die Negew-Wüste umgesiedelt werden. Zudem seien
ein Rückzug aus palästinensischen Städten sowie die
Freilassung palästinensischer Häftlinge vorgesehen.
Die Initiative wird zu einem Zeitpunkt publik, an dem es auch neue
Versuche zur Wiederbelebung des internationalen Friedensplanes gibt.
Die militanten Untergrundorganisationen haben sich zu einem
Gipfeltreffen in Kairo in dieser Woche bereit erklärt. Dort soll
eine einseitige Waffenruhe vereinbart werden. Mit einer entsprechenden
Erklärung will der palästinensische Ministerpräsident
Ahmed Kureia bei einem Gipfel mit Scharon Zugeständnisse der
israelischen Seite erreichen.
(Quellen: afp, ap)
Militärjunta in Birma hebt Hausarrest für vier Oppositionelle
auf
Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi bleibt jedoch weiter
in Haft
Mo.24.11.03 - Die Militärregierung in Birma hat am Sonntag den Hausarrest
für vier führende Oppositionelle aufgehoben. Fünf
weitere Oppositionsführer, darunter
Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, blieben jedoch weiter
in Haft. Der von dem Hausarrest betroffene Geschäftsführer
von Sun Kys Nationaler Liga für Demokratie (NLD), Nyunt Wei,
erklärte, ein ranghoher Geheimdienstoffizier haben ihn
persönlich über das Ende der Maßnahmen informiert. Kurz
nach dessen Besuch seien die Wachen vor seinem Haus abgezogen worden.
Die Militärjunta hatte die neun Mitglieder des
NLD-Exekutivkomitees sowie zahlreiche weitere Oppositionelle nach
blutigen Zusammenstößen mit Regierungsanhängern im Mai
festgenommen und später unter Hausarrest gestellt. Wegen der
Verfolgung der Demokratiebewegung steht die Regierung in Rangun unter
internationalem Druck. Mehrere Staaten, darunter die USA, haben
Sanktionen gegen das südostasiatische Land verhängt.
(Quelle: ap)
Pakistan kündigt vorläufigen Waffenstillstand in Kaschmir an
Mo.24.11.03 - Der pakistanische Ministerpräsident Zafarullah Khan Jamali hat am
Sonntag einen vorläufigen Waffenstillstand an der
Demarkationslinie des geteilten Kaschmirs ausgerufen. Er habe die
pakistanischen Streitkräfte in dem Gebiet angewiesen, ab dem
islamischen Feiertag Eid el Fitr Mitte dieser Woche eine
vollständige Waffenruhe einzuhalten, erklärte Jamali. Von
Indien erwarte er eine entsprechende positive Reaktion, da der Schritt
Pakistans ansonsten unvollständig wäre. "Pakistan
wünscht sich Frieden mit Indien", sagte der Regierungschef.
An der Grenze zum pakistanischen Teil Kaschmirs errichtet Indien
inzwischen einen Stacheldrahtzaun, wie Heereschef N.C Vij am Samstag
mitteilte. Damit solle das Eindringen militanter Islamisten aus
Pakistan unterbunden werden. Bis zur Errichtung des Zaunes hatten weder
Indien noch die Regierung in Islamabad Befestigungen an der Grenzlinie
errichtet, um zu vermeiden, dass die umstrittene Grenzziehung als
dauerhaft angesehen wird.
Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehr als ein Dutzend
muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss
an Pakistan, fast täglich kommt es zu gewaltsamen
Auseinandersetzungen. Die indische Regierung wirft Pakistan vor,
militante Islamisten auszubilden und in den indischen Teil Kaschmirs
einzuschleusen, was der Nachbarstaat jedoch zurückweist. Seit der
Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft im Jahr 1947
haben Indien und Pakistan bereits zwei Kriege um das zwischen beiden
Staaten geteilte Kaschmir geführt. Die Auseinandersetzungen
kosteten seit 1989 mehr als 65.000 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Pro-Peking-Partei in Hongkong verliert Kommunalwahl
Mo.24.11.03 - Bei der Kommunalwahl in Hongkong hat die mit der KP in Peking
verbundene Partei eine deutliche Niederlage erlitten. Die Demokratische
Allianz für die Verbesserung von Hongkong (DAB) schickt nach
vorläufigen Ergebnissen vom Montag nur noch 62 bis 64 Vertreter in
die 18 Bezirksräte, 20 weniger als nach der Wahl von 1999.
Hingegen rechnet die oppositionelle Demokratische Partei mit 92 Sitzen,
sechs mehr als bisher.
Der Vorsitzende der DAB, Jasper Tsang, reichte seinen Rücktritt
ein. Das Zentralkomitee der Partei will frühestens am Dienstag
darüber entscheiden. Das Wahlergebnis gilt als politische
Niederlage des Hongkonger Verwaltungschefs Tung Chee Hwa. Dieser hatte
im Juli eine schwere politische Krise zu bestehen, als 500.000 Menschen
gegen ein von ihm vorgelegtes Staatsschutzgesetz demonstrierten.
Die Wahlbeteiligung lag bei 44 Prozent. 1999 waren es erst 36 Prozent
gewesen. Die Zuständigkeit der Bezirksräte beschränkt
sich meist auf Angelegenheiten der örtlichen Infrastruktur. Im
nächsten Jahr wird auch die Volksversammlung der chinesischen
Sonderverwaltungsregion neu bestimmt, wobei aber nur die Hälfte
der 60 Abgeordneten frei gewählt wird.
(Quelle: ap)
Internetüberwachung in China
Chinesische Experten sehen Ende der Info-Kontrolle
Mo.24.11.03 - Die chinesische Regierung kontrolliert bekannterweise die den
Bürgern zugänglichen Informationen und pflegt diese Zensur
auch im Internet. Was immer von den Behörden als bedrohlich
angesehen wird, wird blockiert. Doch chinesische Internetexperten
zweifeln am Bestand dieser Überwachung, da sich das Internet in
dem kommunistischen Land immer weiter verbreitet.
"Ich würde zwar nicht sagen, dass China schon demokratisch ist,
aber es kann die Informationen nicht mehr länger kontrollieren,"
so Guo Liang, Wissenschaftler am Institut für Sozialentwicklung an
der Chinese Academy of Social Sciences.
Etwa 50.000 Websites sind für chinesische User im Durchschnitt
nicht erreichbar. Manche Themenbereiche wie Demokratisierung, Tibet und
Taiwan sind nahezu vollständig blockiert.
Im Juli 2003 soll China bereits 68 Mio. Internet-Nutzer gehabt haben.
Insgesamt hat das Land 1,3 Mrd. Einwohner. Guo und viele andere
zweifeln an der Effektivität der Filtersysteme. Geschickten Usern
sei es durchaus möglich die Blockaden der Zensur zu umgehen.
"Meiner Ansicht nach, kann man das Internet einfach nicht
kontrollieren," so Guo. "Die Leute können Informationen aller Art
erlangen. Auch Grafiken können die Filter nicht scannen." Als
Besispiel nennt er Falun Gong, eine religiöse Bewegung die von der
Regierung als "böser Kult" klassifiziert und verboten wurde.
"Trotzdem bekomme ich sicher einmal pro Woche ein Massenmail von Falun
Gong," sagt Guo. "Die chinesischen Texte werden dabei einfach als Foto
versandt. Wie sollen die Filter das erkennen?"
Im Rahmen einer Studie über die Internetnutzung in China befragte
Guo 4.100 Personen zwischen 17 und 60 Jahren in 12 chinesischen
Städten. Die Ergebnisse sind zwar nicht auf ganz China anwendbar,
doch zeigen sie schon deutlich, dass das Internet als Plattform zur
freien Meinungsäußerung und Fenster zur westlichen Welt
gesehen wird. So stimmten 72 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass
das Internet seinen Nutzern neue Möglichlichkeiten zur
Äußerung von politischen Ansichten gibt. 61 Prozent sehen
das Netz als Chance, Kritik an der Regierung zu üben. 73 Prozent
sind der Meinung, die Behörden könnten mit Hilfe des
Internets die wirklichen Ansichten der chinesischen Bürger besser
kennenlernen. Nur 13 Prozent sprachen sich für eine weitere
Kontrolle politischer Netz-Inhalte aus.
Besonders hoch ist die Internetnutzung in Großstädten wie
Peking und Schanghai, wo etwa ein Drittel der Einwohner bereits online
ist. Doch laut der Studie waren auch in den kleineren Städte
bereits 27 Prozent zumindest ein Mal online. 63 Prozent der Befragten
gaben dabei an, von zu Hause aus ins Internet zu gehen, der Rest nutzt
eines der vielen Internet-Cafes.
Hauptproblem der Intrnet-Nutzung sind immer noch die langsamen
Verbindungen in China. Ursache dafür sind die Filter, die der
gesamte Datenverkehr passieren muss, wenn er die "Grenze" passiert. 34
Prozent beklagen desweiteren ständige Verbindungsabbrüche.
(Quelle: futurezone)
Georgien: Ruhige Lage in Tiflis nach Rücktritt Schewardnadses
Übergangspräsidentin um Stabilität bemüht +++
Baldige Neuwahlen angestrebt +++ USA
sagen Zusammenarbeit zu
Mo.24.11.03 - Am Morgen nach dem Rücktritt des georgischen Präsidenten
Eduard Schewardnadse hat sich die Lage auf den Straßen der
Hauptstadt Tiflis beruhigt. In der Nacht zum Montag hatten zehntausende
Anhänger der Opposition das Abdanken des 75-Jährigen gefeiert.
Die amtierende Staatschefin Nino Burdschanadse rief die Behörden
auf, nach den dreiwöchigen Protesten überall im Land die
Ordnung wiederherzustellen. Die Menschen sollten wieder ihrem
geregelten Alltag nachgehen, sagte die bisherige Parlamentsvorsitzende.
Die siegreiche Opposition hatte wenige Stunden nach dem Rücktritt
Schewardnadses baldige Neuwahlen angekündigt. "Wir werden unser
Bestes tun, die Wahlen in 45 Tagen abzuhalten", kündigte
Burdschanadse in Tiflis an.
In der Nacht gab es zu Schewardnadses Aufenthaltsort
widersprüchliche Angaben. Nach einigen russischen Medien
verließ er Georgien per Flugzeug mit unbekanntem Ziel. Dafür
gab es bis zum Morgen keine Bestätigung. Georgische
Sicherheitsquellen berichteten, der gestürzte Präsident sei
immer noch in seiner Residenz bei Tiflis. Die Bundesregierung hatte
erklärt, Schewardnadse sei wegen seiner Verdienste um die
Wiedervereinigung in Deutschland willkommen.
Die USA haben der Übergangspräsidentin Nino Burdschanadse
ihre Zusammenarbeit zugesagt. Washington freue sich auf die
Zusammenarbeit mit der bisherigen Parlamentspräsidentin "in ihrem
Bemühen" um die georgische Demokratie und einen
verfassungsgemäßen Regierungswechsel, erklärte
US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Sonntag. Die USA seien
bereit, Georgien bei der Organisation freier und fairer Wahlen zu
unterstützen, wie sie die Verfassung vorsehe.
(Quellen: dpa, ap)
Dokumentation: Schewardnadses Rücktrittserklärung
Nach wochenlangen Protesten der Opposition hat der georgische
Präsident Eduard Schewardnadse (75) am Sonntagabend seinen
Rücktritt erklärt. Vor Journalisten in Tiflis begründete
er seine Entscheidung mit folgenden Worten (in Auszügen):
«Ich sehe, dass die Angelegenheit nicht ohne Blutvergießen
ausgegangen wäre. Ich hätte meine Vollmachten nutzen
müssen. Das ging aber nicht, deshalb habe ich meinen
Rücktritt unterzeichnet (...)
Mit der Opposition gab es einen menschlichen Dialog. Ich habe die
Entscheidung getroffen zu gehen.»
Auf die Frage eines Journalisten, wohin er nun wolle: «Nach
Hause. Ich werde jetzt meine Memoiren schreiben.»
Zur Frage nach einem möglichen Nachfolger: «Diese Frage geht
mich nichts an. Das muss ich nicht mehr entscheiden. Urteilen Sie
selbst.»
(Quelle: dpa)
Seit Jahren befindet sich Georgien am Rande des Zusammenbruchs, es hat
einen Bürgerkrieg und mehrere Separatistenkriege erleben
müssen...
...Aber auch eine Machtübernahme durch die Opposition unter dem
Populisten Michail Saakaschwili und der weit gemäßigteren
Frau Burdschanadse garantiert weder Demokratie noch Frieden.
Saakaschwili hat in den USA studiert und unter Schewardnadse
vorübergehend Regierungserfahrung gesammelt – das notwendige
taktische Geschick, das zersplitterte Kaukasus-Land zu einen und zu
führen, ist damit noch nicht gewährleistet. So ist der
Oppositionsführer ein ausgesprochener Nationalist, was zu
Problemen mit den verschiedenen ethnischen Gruppen führen
könnte. Regionen wie Südossetien, Abchasien oder Adscharien
haben sich de facto von der Hauptstadt losgesagt. Sie werden sich einer
neuen Zentralisierung zu widersetzen versuchen. Vor dem
Bürgerkrieg von 1992 wollte Swiad Gamsachurdia, ein zum
Präsidenten gewählter Erznationalist, das Land einen. Er
löste stattdessen einen brutalen Konflikt aus. Am Ende des Kriegs,
an dem die Machtübernahme Schewardnadses stand, war das Land nur
noch ein Rumpfstaat, und der übermächtige Nachbarstaat
Russland spielte die Separatisten gegen die Zentralregierung in Tiflis
bei jeder Gelegenheit aus.
Später schwappte der Krieg im benachbarten Tschetschenien
über. Das georgische Pankisi-Tal, eine schwer zugängliche
Gebirgsregion an der russischen Grenze, wurde zur „sicheren
Auslandsbasis" tschetschenischer Rebellen.
Angeblich fanden sogar einige von Osama bin-Ladens
Al-Qaida-Kämpfern Unterschlupf im Pankisi. Die Lage erregte den
Zorn Russlands, das mit einer Militäraktion drohte. Nur mit
US-Hilfe konnten georgische Truppen gegen die Tschetschenen vorgehen,
die das Pankisi-Gebiet dann auch verließen.
Trotz dieser Wirren konnte sich Schewardnadse lange an der Macht
halten; am Ende wurde ihm vor allem das Thema Korruption zum
Verhängnis. Der heutige Oppositionsführer Saakaschwili wollte
als Justizminister gegen die Missstände vorgehen und zeigte
öffentlich Photos der Luxusvillen von Ministern und
Schewardnadse-Vertrauten. Schewardnadse verstieß ihn daraufhin –
und baute so den politischen Gegenspieler auf, der ihn jetzt aus dem
Land vertrieben hat.
Süddeutsche Zeitung vom 24.11.03
Im Kaukasus geht vor allem um die Ausbeutung von Rohstoffen...
...Einer der Schauplätze ist Georgien. Durch das Land soll die
große Erdölleitung von den aserbeidschanischen
Fördergebieten am Kaspischen Meer bis zum türkischen
Mittelmeerhafen Ceyhan führen. Diese Pipeline soll einem
internationalen Konsortium unter US-Führung den Zugang zu den
Rohstoffen der Kaspi-Region sichern. Damit wäre Russland, das die
Kaukasusregion als seine Einflusssphäre sieht, weitgehend aus dem
Spiel.
Militärisch sind beide Großmächte in Georgien
präsent. Moskau hat weiterhin zwei Stützpunkte im Lande. Die
USA schickten im Februar 2002 mehr als 200 Militärinstrukteure und
eine geheim gehaltene Zahl von CIA-Experten. Im Gegensatz zu den Russen
wurden die Amerikaner bei ihrer Ankunft im ganzen Land gefeiert. Schon
seit einigen Jahren gilt Tiflis als Schauplatz von Aktionen der
großen Geheimdienste, wie dies in den Zeiten des Kalten Krieges
West-Berlin oder Wien waren. Verfolgungsfahrten und Versteckspiele,
Anschläge und Mord – das ganze Repertoire ist aufgeboten.
Immer noch ist Georgien von russischen Gas- und Stromlieferungen
abhängig. Moskau spielt seine Macht bewusst aus: Georgien hat
keine Chance, ohne stabile und billige Energieversorgung seine
katastrophale Wirtschaftskrise zu überwinden. Überdies hat
Moskau die Visumspflicht für Georgier eingeführt. Damit ist
den georgischen Obst- und Gemüsebauern ihr wichtigster Absatzmarkt
jenseits des Kaukasus fast völlig verloren gegangen. Und
schließlich befinden sich die abtrünnigen Regionen
Südossetien und Abchasien unter Moskauer Kontrolle. In beiden
Gebieten steht russisches Militär, der Rubel ist Zahlungsmittel.
Die Regionen sind faktisch in den russischen Wirtschaftsraum
eingegliedert, gelten gleichzeitig aber als Basis für Waffen- und
Drogenschmuggel sowie Menschenhandel. Für internationale
Strafverfolger sind sie ein rechtsfreier Raum. Moskau ist keineswegs
daran interessiert, zur Stabilisierung beizutragen.
Unterdessen treiben die Amerikaner den Bau der Pipeline energisch
voran, die 2005 fertiggestellt sein soll. Moskau wiederum setzt auf ein
Konkurrenzprojekt nördlich des Kaukasus. Gleichzeitig stärken
die Russen ihren Einfluss in Armenien, das südlich der von den
Amerikanern gebauten Pipeline liegt; kürzlich wurde dort der erste
russisch-armenische Militärverband gebildet. Türken und
Aseris, die beide im „Großen Spiel" auf amerikanischer Seite
stehen, sind traditionell mit den Armeniern verfeindet.
Der nun zurückgetretene Schewardnadse hatte zuletzt noch versucht,
sich nach beiden Seiten abzusichern. Er wiederholte einerseits, dass
Georgien 2005 der Nato beitreten wolle. Andererseits beriet er sich
noch vor wenigen Tagen telefonisch mit Russlands Präsidenten
Wladimir Putin. Dieser sicherte ihm „jegliche mögliche
Unterstützung durch alle zur Verfügung stehenden Mittel" zu.
In den Augen der georgischen Opposition klang das wie eine Drohung.
Erst einmal ist sie vergeblich geblieben.
Süddeutsche Zeitung vom 24.11.03
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Türkei sieht Annäherung an EU nach Anschlägen in Istanbul
EU-Chefdiplomat Solana: Terror könnte Beitrittsprozess der
Türkei beeinflussen +++ Täterschaft von El Kaida in
Istanbul nicht sicher
Mo.24.11.03 - Nach den Bombenanschlägen in Istanbul und der anschließenden
Debatte über einen EU-Beitritt der Türkei sieht der
türkische Vize-Premier Abdüllatif Sener Zeichen für eine
Annäherung. Während verschiedene Politiker gemutmaßt
hätten, die Attentate würden die Türkei von der
Europäischen Union entfernen, sei "genau der gegenteilige Reflex
einer Annäherung" entstanden, zitierte ihn die türkische
Nachrichtenagentur Anadolu.
In Zusammenhang mit den "Zwischenfällen" in Istanbul müsse in
Betracht gezogen werden, "dass die neue Lage, die sich in den
vergangenen Monaten in Irak ergeben hat, und die fortwährenden
Konflikte (in der Region) einen Einfluss haben", sagte Sener. Deshalb
solle die internationale Gemeinschaft im Nahen Osten "so schnell wie
möglich" für Sicherheit und Stabilität sorgen.
Mehrere Unionspolitiker hatten in den vergangenen Tagen vor einem
schnellen Beitritt der Türkei zur EU gewarnt. CDU-Chefin Angela
Merkel vertrat in der "Bild am Sonntag" die Auffassung, dass eine
Mitgliedschaft "beide Seiten" zum jetzigen Zeitpunkt
"überfordert". Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU)
sagte der "Abendzeitung", bei der aktuellen Sicherheitslage sei ein
schneller Beitritt der Türkei "nicht in unserem Interesse".
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) kritisierte die Warnungen aus
der Union im "Spiegel" als "völlig charakterlos".
Die Terroranschläge in der Türkei könnten sich nach
Ansicht des EU-Chefdiplomaten Javier Solana auf den
EU-Beitritts-Prozess des Landes auswirken. Die jüngsten
Anschläge seien vor allem darauf zurückzuführen, dass es
Menschen in der Türkei gebe, die kein gemäßigtes
islamisches Land wollten, das in die europäische Union integriert
werde, sagte Solana am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Sabine
Christiansen". Auch vor diesem Hintergrund müsse die Türkei
im Hinblick auf die Kopenhagener Kriterien beurteilt werden.
Diese Kriterien sind Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in der
Europäischen Union und sehen ein demokratisches System und die
Marktwirtschaft vor. 2004 werde man beurteilen, wie lange der
Beitrittsprozess der Türkei dauern werde, sagte Solana. Er betonte
aber zugleich die strategische Bedeutung der Türkei für die
Sicherheit sowohl in dieser Region als auch in ganz Europa. Der
Chefdiplomat rief die EU-Staaten dazu auf, der Türkei im Kampf
gegen den Terrorismus zu helfen, auch damit das Land so weit wie
möglich den Kopenhagener Kriterien entsprechen könne.
Der italienische Außenminister Franco Frattini machte sich
dagegen für eine EU-Aufnahme der Türkei stark. Damit
könnte Kräften im türkischen Militär der Wind aus
den Segeln genommen werden, die sich möglicherweise an die Macht
putschen wollten, sagte Frattini am Sonntag der Zeitung "Corriere della
Sera". Jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt, zurückzurudern,
erklärte Frattini, dessen Land zurzeit die
EU-Ratspräsidentschaft innehat. Je mehr Europa die Angelegenheit
vorantreibe, desto mehr werde sich die Türkei um Reformen und
Demokratie bemühen.
Bei insgesamt vier Bombenanschlägen in der größten
türkischen Stadt waren am 15. November und am vergangenen
Donnerstag insgesamt 53 Menschen getötet und hunderte weitere
verletzt worden. Zu den Attentaten bekannten sich die radikalislamische
Terrororganisation El Kaida sowie eine türkische Gruppierung
namens IBDA-C. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan hält jedoch die Täterschaft des Terrornetzwerks El
Kaida nicht für erwiesen. "In Hinblick auf El Kaida gibt es noch
keine endgültigen Ergebnisse", sagte Erdogan in einem Interview
mit dem britischen Sender BBC. "Wir sind uns nicht hundertprozentig
sicher." Es sei allerdings gewiss, dass hinter den Anschlägen ein
"religiöses Motiv" stehe.
Die britische Gemeinde in Istanbul gedachte am Sonntag der Opfer der
Anschläge. Bei dem Gedenkgottesdienst in der anglikanischen Kirche
von Istanbul war auch die Witwe des getöteten britischen
Generalkonsuls Roger Short anwesend. Short ist einer der 28 Toten der
Selbstmordanschläge auf britische Einrichtungen vom Donnerstag.
(Quellen: afp, ap)
Die türkischen Attentäter sind Kurden und sollen ihre Tat
über das Internet geplant haben, die türkische Regierung
sieht in den Medien Mitverantwortliche, die Terroristen von Istanbul
haben wieder einmal einen erfolgreichen Mediencoup inszeniert ...
Mehr bei telepolis (24.11.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16153/1.html
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Scheich nimmt Aufruf zum 'Heiligen Krieg' zurück
Dem gewalttätigen Extremismus in aller
Öffentlichkeit abgeschworen
Mo.24.11.03 - Der für seine Aufrufe zum islamischen "Heiligen Krieg" bekannte
saudiarabische Scheich Nasser el Fahd hat dem gewalttätigen
Extremismus in aller Öffentlichkeit abgeschworen. "Wir haben nicht
gedacht, dass es so weit kommen würde", sagte er in Bezug auf den
Selbstmordanschlag vom 9. November, bei dem in Saudi-Arabien 18 Muslime
getötet worden waren.
"Meine Botschaft ist: Fürchtet Gott und beendet das
Blutvergießen, Fürchtet Gott und bereut Eure Fehler, Es ist
keine Schande, Fehler zuzugeben", rief er seinen Anhängern in der
Nacht zum Sonntag im saudiarabischen Fernsehen zu.
El Fahd (35), der im vergangenen Mai in Medina verhaftet worden war,
ist bereits der zweite prominente Fundamentalistenführer, der
seine Aufrufe zum Hass gegen angebliche "Ungläubige"
öffentlich bereut. Obwohl das Herrscherhaus von Saudi-Arabien
offiziell erklärt hat, es führe keinen Dialog mit den
Extremisten, sind viele Religionsgelehrte im Königreich der
Meinung, dass dieser Dialog bereits stattgefunden hat, und dass die
öffentliche Buße der Fundamentalisten-Scheichs das Ergebnis
dieser Gespräche ist.
(Quelle: dpa)
Erstarkte Nationalisten erklären sich zu Siegern in Kroatien
Mo.24.11.03 - Nach den Parlamentswahlen in Kroatien haben sich die in den
Auszählungen führenden Parteien des rechtsgerichteten und
nationalistischen Spektrums zu Siegern erklärt. Wie die staatliche
Wahlkommission in Zagreb am frühen Montagmorgen auf Basis von
Teilergebnissen mitteilte, führte die national-konservative
Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) als stärkste
Einzelpartei deutlich vor den regierenden Sozialdemokraten (SDP) von
Ministerpräsident Ivica Racan.
Die HDZ und zwei weitere Rechtsparteien könnten nach diesen
vorläufigen Ergebnissen der Kommission auf 72 Mandate im Sabor
(Parlament) kommen, während die SDP und ihre sechs möglichen
Koalitionspartner nur 65 Sitze erhielten. Die HDZ wird nach diesen
Angaben allein 62 Sitze in dem Parlament besetzen. Das Parlament hatte
in der vergangenen Legislaturperiode 160 Sitze, von denen 8 für
Minderheiten und 12 von den Auslandskroaten bestimmt wurden.
Die etwa 4,3 Millionen Wahlberechtigten standen am Sonntag vor einer
Richtungsentscheidung. Die Sozialdemokraten und ihre Koalitionspartner
hatten die von dem Staatsgründer Franjo Tudjman geschaffene HDZ im
Jahr 2000 von der Macht verdrängt. Damit wurde zugleich eine
internationale Isolation des Landes beendet und ein Kurs Richtung EU
eingeschlagen.
Ministerpräsident Racan forderte seine Anhänger in der Nacht
auf, nicht vorzeitig die Segel zu streichen. Im Verlauf der
Auszählung habe sich das Stimmenverhältnis zum Vorteil der
SDP verbessert. Dagegen proklamierte der HDZ-Vorsitzende Ivo Sanader,
seine Partei werde die neue Regierung bilden. "Die HDZ ist einziger und
klarer Sieger dieser Wahl", sagte Sanader. Das Ergebnis der Wahl sei
ein klares Signal dazu, was die Wähler wollten.
Racan und Sanader haben angekündigt, Kroatien in die
Europäische Union führen zu wollen. Racans Regierung war aber
inmitten eines schwierigen Reformprozesses wegen der hohen
Arbeitslosigkeit und der wirtschaftlichen Lage unter Druck geraten. Ein
Hauptstreitpunkt blieb die Zusammenarbeit mit dem
UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.
(Quelle: dpa)
In Nordirland droht weitere Polarisierung
Mo.24.11.03 - Die gerade aufgekeimten Hoffnungen auf einen neuen Durchbruch im
Nordirland-Konflikt wurden umgehend wieder zerstört: Vor einem
Monat setzte die britische Regierung die im Mai verschobene Wahl
für ein neues Regionalparlament in Belfast auf den 26. November
an. Unmittelbar danach gab die Untergrundorganisation IRA eine weitere
Reduzierung ihres Waffenarsenals bekannt. Doch die protestantischen
Unionisten lehnten die Wiedereinsetzung der Vier-Parteien-Koalition
weiterhin ab.
Der Friedensprozess in der britischen Unruheprovinz tritt damit weiter
auf der Stelle. Der britische Premierminister Tony Blair und der
irische Ministerpräsident Bertie Ahern hatten auf eine
Bereitschaftserklärung der nordirischen Parteien zur Fortsetzung
ihrer Zusammenarbeit noch vor der Wahl gehofft. Sie sehen in einer
neuen Mehr-Parteien-Regierung den einzigen Schlüssel zu einer
erfolgreichen Selbstverwaltung in Belfast. Diese wurde schon vier Mal
ausgesetzt, zuletzt im Oktober 2002.
Doch David Trimble von der Ulster Unionist Party (UUP) weigert sich
beharrlich, einem neuen Bündnis mit der Sinn-Fein-Partei
zuzustimmen, die der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) nahe steht.
Erst müsse die IRA ihre Entwaffnungsschritte im Detail offen
legen, fordert der Chef der größten Partei der probritischen
Protestanten.
Die Entwaffnung der von katholischen Extremisten getragenen IRA ist
seit der Unterzeichnung des so genannten Karfreitagsabkommens vor
fünfeinhalb Jahren stets der Hauptstreitpunkt geblieben. Damals,
am 10. April 1998, vereinbarten Blair und Ahern sowie die
Spitzenvertreter der nordirischen Parteien eine Selbstverwaltung unter
gleichberechtigter Beteiligung der Protestanten und Katholiken.
Beschlossen wurde ferner eine Polizeireform und ein Abbau der
britischen Militärpräsenz in Nordirland. Im Gegenzug sollten
alle paramilitärischen Organisationen entwaffnet werden.
Unter der Vermittlung des amerikanischen Senators George Mitchell
fanden die zerstrittenen Gruppen im Dezember 1999 zu einer
Vier-Parteien-Koalition zusammen. Auf protestantischer Seite
gehörte dazu neben Trimbles UUP die radikalere Democratic Unionist
Party (DUP) von Ian Paisley. Diese nahm zwar Ministerposten an, lehnte
es aber weiterhin ab, sich mit Sinn Fein an einen Tisch zu setzen.
Gleichwohl war die Partei von Gerry Adams ebenso Teil der Koalition wie
die Social Democratic and Labour Party (SDLP), die Partei der
gemäßigten Katholiken. Diese wurde damals von John Hume
geleitet, heute steht ihr Mark Durkan vor.
Die IRA erklärte 1997 einen Waffenstillstand, der bis heute
eingehalten wird. Doch ihre Abrüstung, die gemäß dem
Karfreitagsabkommen im Mai 2000 abgeschlossen sein sollte, zieht sich
hin. Auch über die Waffenabgabe der protestantischen
Untergrundkämpfer wird immer wieder heftig gestritten.
Zur Verifizierung der Entwaffnung wurde 1997 die Unabhängige
Internationale Entwaffnungskommission (IICD) unter Vorsitz des
kanadischen Generals John de Chastelain eingesetzt. Dieser bezeugte im
Oktober 2001 und im April 2002, dass die IRA Teile ihres Waffenarsenals
unbrauchbar gemacht hat. Details über den Umfang und die Art der
Waffen wurden allerdings nicht bekannt. De Chastelain bestätigte
am 21. Oktober auch den jüngsten Abrüstungsschritt der IRA,
der weitaus umfangreicher gewesen sei als die vorherigen. Unter Verweis
auf die der IRA zugesicherte Vertraulichkeit nannte er jedoch abermals
keine Einzelheiten.
Trimble aber beharrt auf Transparenz und handfesten Beweisen. Zu tief
sitzt bei den Protestanten das Misstrauen gegenüber IRA und Sinn
Fein. Bestärkt wurden sie darin im Oktober 2002 von Berichten,
wonach mit Hilfe von Sinn Fein IRA-Spione in den nordirischen
Regierungsapparat gelangt sein sollen. Um einem Auszug der Protestanten
aus der Belfaster Regierung zuvorzukommen, übernahm London damals
wieder die völlige Verwaltung über Nordirland.
Blair und Ahern setzen weiter darauf, Trimble nach der Wahl für
eine Neuauflage der Vier-Parteien-Koalition zu gewinnen. Doch seine
UUP, die schon bei der britischen Parlamentswahl im Juni 2001
Einbrüche erlitt, könnte am kommenden Mittwoch hinter
Paisleys DUP zurückfallen. Diese aber lehnt ein Bündnis mit
Sinn Fein kategorisch ab.
Für einen dauerhaften Frieden in Nordirland führt jedoch kein
Weg an Sinn Fein vorbei - umso mehr als diese Partei mit
Stimmengewinnen rechnen kann. Es droht also eine weitere Polarisierung
in der britischen Unruheprovinz. Damit aber könnte der
Friedensprozess auf Jahre hin erstarren.
(Quelle: ap)
Die letzten Tage der IRA
Am kommenden Mittwoch wird in Nordirland ein neues 108köpfiges
Regionalparlament gewählt. Bereits am 21. Oktober war der
Wahltermin von der britischen Regierung in London angekündigt
worden – ein Jahr nach der Auflösung des vormaligen
Regionalparlaments samt Regierung und sechs Monate nach der Absage der
bereits für Mai 2003 geplanten Wahlen. Vor diesem Hintergrund
analysiert Jürgen Schneider in der heutigen (24.11.03) und
morgigen "junge Welt"-Ausgabe den Nordirland-Konflikt:
http://www.jungewelt.de/2003/11-24/005.php
http://www.jungewelt.de/2003/11-25/007.php
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Italiener demonstrieren gegen Atommüll
Mo.24.11.03 - Den zehnten Tag in Folge haben am Sonntag tausende Demonstranten im
Süden Italiens mit Straßenblockaden gegen ein geplantes
Lager für Atommüll demonstriert. Die Regierung hatte den Bau
am 14. November angekündigt, eine weitere Entscheidung am
Donnerstag nach Protesten von Umweltschützern jedoch zunächst
vertagt. Bauern befürchten, dass durch das unterirdische Lager
nahe der Ortschaft Scanzano Jonico am Golf von Tarent, 100 Kilometer
südlich der Hafenstadt Bari, die Bewässerungssysteme für
ihre Felder kontaminiert werden könnten.
Da auch Lastwagen mit notwendigen Nahrungsmitteln die Straßen
nicht passieren dürfen, gehen den Einwohnern inzwischen
Lebensmittel wie Milch und Brot aus. Die Demonstranten wollten ihre
Proteste aber so lange aufrechterhalten, bis die Regierung ihre
Entscheidung zurücknimmt. Der Atommüll stammt aus Bereichen
wie der medizinischen Forschung; vor rund 20 Jahren hat sich Italien
gegen nukleare Stromerzeugung ausgesprochen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Union will Anfang Dezember konkrete Reformvorschläge machen
Mo.24.11.03 - Anfang Dezember will die Union im Vermittlungsausschuss von Bundestag
und Bundesrat konkrete Vorschläge zu den rot-grünen Reformen
vorlegen. Da kündigte der baden-württembergische
Finanzminister Gerhard Stratthaus in der "Financial Times Deutschland"
(Montagausgabe) an. "Wir müssen - auch über Steuersenkungen -
für mehr Wirtschaftswachstum sorgen", sagte der CDU-Politiker, der
in dem Vermittlungsausschuss die Arbeitsgruppe "Finanzen und Steuern"
leitet.
Das habe höchste Priorität. Das Ganze funktioniere aber nur,
wenn die wachsende Nachfrage auf ein flexibles Angebot am Arbeitsmarkt
treffe, sagte Stratthaus. Die Union verlange von der SPD unter anderem
eine weiter gehende Lockerung des Kündigungsschutzes sowie
Änderungen des Tarifrechts, um noch flexiblere
Arbeitsbündnisse auf betrieblicher Ebene zu ermöglichen.
(Quelle: ap)
Gerster soll Medienberater für 820.000 Euro engagiert haben
Chef der Bundesanstalt für Arbeit will mit einer 25 Millionen Euro teuren
Kampagne das Image seiner Behörde aufpolieren +++
Arbeitnehmerseite im BfA-Verwaltungsrat kritisiert: Auf der einen Seite
werden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zurückgefahren und auf
der anderen Seite wird der Marketingetat aufgebläht +++
CDA-Vorsitzender fordert zum Nachdenken über Ablösung
Gersters auf
Mo.24.11.03 - Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, will mit
einer 25 Millionen Euro teuren Kampagne das Image seiner Behörde
aufpolieren. Wie "Bild am Sonntag" berichtete, soll Gerster den
früheren Bertelsmann-Manager und jetzigen Präsidenten des
Fußballclubs Hertha BSC Berlin, Bernd Schiphorst, für
820.000 Euro als Medienberater eingestellt haben. Der CSU-Politiker
Horst Seehofer reagierte mit Empörung auf den hoch dotierten
Beratervertrag.
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer verlangte
Einsicht in die Verträge mit Schiphorst. Die Gewerkschafterin, die
auch Mitglied im Verwaltungsrat der Behörde ist, kritisierte den
hohen Etat für Beratungsfirmen. Die Arbeitnehmerseite habe dem
gesamten Haushalt nicht zugestimmt, weil auf der einen Seite
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zurückgefahren würden und
auf der anderen Seite der Marketingetat aufgebläht werde, sagte
Engelen-Kefer der Nachrichtenagentur AP. Sie nannte das von Schiphorst
vorgelegte Konzept nicht überzeugend. Das überzeugendste
Marketingkonzept für Gerster sei, wenn er es schaffe, die
Arbeitslosigkeit zu senken.
Seehofer forderte im Nachrichtensender N24 die umgehende Offenlegung
des Vertrages vor dem zuständigen Bundestagsausschuss. Sollten die
Vorwürfe zutreffen, "wäre das eine Ungeheuerlichkeit", sagte
Seehofer. Er sprach sich für personelle Konsequenzen aus, falls
die Vorwürfe wahr seien. Angesichts des gigantischen
Arbeitslosenproblems könne Gerster sein Image vor allem dadurch
verbessern, dass er "Effizienz und Qualität seines Tuns
verbessert".
Schiphorst dementierte in der Berliner Tageszeitung "B.Z.", dass er von
Gerster mit 820.000 Euro entlohnt werde. Er werde einzig und allein von
der Agentur WMP bezahlt. "Fakt ist auch, das die WMP einen
Beratervertrag mit der Bundesanstalt für Arbeit besitzt", wird
Schiphorst zitiert. Er leite eine Arbeitsgruppe, die die BA
unterstützt. Schiphorst ist im Vorstand der WMP AG.
Für eine umfassende Marketingkampagne, mit der Schiphorst der
Bundesanstalt zu einer besseren öffentlichen Wahrnehmung verhelfen
soll, will Gerster im kommenden Jahr 25 Millionen Euro bereitstellen.
Der Verwaltungsrat hatte diese Summe auf seiner Sitzung am Freitag
jedoch erst einmal sperren lassen. Wie das Blatt weiter berichtet,
verdoppelt sich im Vergleich zu 2002 im nächsten Jahr der Haushalt
für Öffentlichkeitsarbeit. Standen 2002 noch 135,6 Millionen
Euro für diese Zwecke bereit, sollen es 2004 251,3 Millionen Euro
sein.
Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA),
Hermann-Josef Arentz, hat unterdessen die Bundesregierung aufgefordert,
über eine Ablösung des Chefs der Bundesanstalt für
Arbeit, Florian Gerster, nachzudenken. "Sollten die bekannt gewordenen
Zahlen und die Absichten des Vorstandsvorsitzenden zutreffen, dann ist
das ein klarer Fall von Veruntreuung von Beitragsgeldern", sagte Arentz
der "Rheinischen Post" vom Montag. Der zuständige Ausschuss des
Bundestags müsse sich umgehend mit Gersters drastisch gestiegenen
Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit befassen und Gerster dazu
vorladen. Eine derartige Erhöhung des Etats sei besonders
skandalös, wenn die Bundesanstalt gleichzeitig die Mittel für
Ausbildungs- und Wiedereinstiegsprogramme gnadenlos zusammenstreiche.
(Quellen: ap, afp)
Hessens Kultusministerin will Erziehungsverträge
Auf diese Weise soll dem 'erschreckenden Desinteresse' vieler Eltern am
Schulerfolg ihrer Kinder begegnet werden
Mo.24.11.03 - Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU) will Eltern per Vertrag an
ihre Erziehungspflichten erinnern. Die derzeitige Präsidentin der
Kultusministerkonferenz (KMK) sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus", die
Schule werde mit Erziehungsaufgaben überfordert. Viele
Schüler kämen unpünktlich, hätten nicht
gefrühstückt, es hapere bei der Ordnung, und die
Konzentrationsfähigkeit sei katastrophal. Bei der KMK-Konferenz am
4. Dezember in Bonn wolle sie deshalb für
"Erziehungsvereinbarungen" werben.
Nach britischem Vorbild sollen diese Verträge einen Wertekonsens
vorschreiben, an den sich Lehrer, Eltern und Schüler zu halten
hätten. Dort seien Aufgaben wie die Mitgabe von Pausenbroten oder
Ziele wie Ehrlichkeit und Toleranz festgelegt. Wolff will nach eigenen
Angaben auf diese Weise dem "erschreckenden Desinteresse" vieler Eltern
am Schulerfolg ihrer Kinder begegnen.
(Quelle: afp)
Thüringen will Internet-Verbindungsdaten speichern
Mo.24.11.03 - Thüringens Justizminister Karl Heinz Gasser hat gefordert, die
Möglichkeiten der Strafverfolgung durch befristete Speicherung der
Internet-Verbindungsdaten zu verbessern. Einen entsprechenden Antrag
hat das Thüringer Justizministerium in diesem Monat zusammen mit
Bayern und Hessen im Rechtsausschuss des Bundesrates gestellt.
Gasser warnte am Freitag, vor den Gefahren durch das Internet vor allem
für Kinder und Jugendliche. Pädosexuelle würden
mittlerweile in 97 Prozent der Fälle über das Internet an
Kinder herantreten. Anlass für die Warnung ist ein kürzlich
vor dem Landesgericht Erfurt verhandelter Fall eines u.a. wegen
sexuellen Missbrauchs verurteilten Pädophilen, der den Kontakt zu
seinem Opfer über Internet aufgebaut hatte.
"Das Internet eröffnet solchen Verbrechern bislang ungeahnte
Möglichkeiten. Musste ein Pädophiler früher auf die
Straße, auf Spielplätze oder Schulhöfe gehen, um den
Kontakt zu seinen Opfern herstellen zu können, so kann er dieses
Risiko 'Öffentlichkeit' heute leicht umgehen", warnt Gasser. Die
Anonymität des Internet biete z.B. die Möglichkeit, sich im
Chatroom als gleichaltriges Kind auszugeben und ein Treffen zu
vereinbaren. Von solchen Treffen erzählten Kinder ihren Eltern
häufig nichts, aus Angst, diese würden ihnen daraufhin den
Internetzugang sperren. Seit langem schon setzt sich Gasser für
ein sicheres Internet ein. "Wir müssen diesen Kriminellen das
Handwerk legen, indem wir sie auch im Internet verfolgen", so Grasser
abschließend.
(Quelle: pte)
Warnung vor Funkchip-Inflation
Internationale Bürgerrechts- und Datenschutzorganisationen gegen
Bestrebungen der Funkchip-Industrie, ein globales Identifikationssystem
zu schaffen, in dem jedes Produkt mit der Person seines Käufers
oder der späteren Eigentümer verknüpft werden
könnte +++ Getarnte Anbringung in Alltagsobjekten +++ Verdecktes
Auslesen durch Dritte +++ Missbrauch nicht verhinderbar
Mo.24.11.03 - Während im EU-Ministerrat (Innen und Justiz) ab Donnerstag erneut
über Zoll-Zusammenarbeit beraten wird - dazu gehören die
offenen Fragen um Flugdaten, Pässe und damit Biometrie und
Funkchips - formiert sich erstmals eine breite Protestfront gegen die
drohende Funkchip-Inflation. Mehr als vierzig internationale
Bürgerrechts- und Datenschutzorganisationen haben am vergangenen
Freitag ein gemeinsames, umfangreiches Forderungspapier [http://www.privacyrights.org/ar/RFIDposition.htm]
für den Einsatz von Funkchips in Produkten für den
Endverbraucher veröffentlicht.
Ganz oben in der Rangordnung von Gefahren für die
Zivilgesellschaft steht die versteckte Anbringung von so genannten
RFID-Tags in allen möglichen Objekten des Alltags, wie Kleidung
oder Dokumenten. Die Initiative wird von den vier bedeutendsten Civil
Liberties und Datenschutz-Organisationen der USA unterstützt.
Die derzeit laufenden Bestrebungen der Funkchip-Industrie, ein globales
Identifikationssystem zu schaffen, in dem jedes Produkt mit der Person
seines Käufers oder der späteren Eigentümer
verknüpft werden könnte, würden zu einem massiven
Anwachsen gespeicherter persönlicher Daten beitragen, hieß
es in der Erklärung. Die Gefahr, dass Daten dabei von Unbefugten
ausgelesen und missbraucht werden könnten, sei von der Technologie
grundsätzlich gegeben und mit technischen Mitteln nicht
auszuschließen.
Eine Untersuchung des Berliner Instituts für Zukunftsstudien und
Technologiebewertung war unlängst zu dem Ergebnis gekommen, dass
eine inflationäre Vermehrung von Chip-gesteuerten, "intelligenten"
Alltagsgegenständen unmittelbar bevorstehe. Ein Missbrauch der
Sensorensignale könne zur völligen Auflösung jeder
Privatheit führen. Die Überwachung von Bewegungsprofilen und
die digitale Bevormundung könnten gefährliche Folgen für
die gesamte freiheitliche Gesellschaft haben, hieß es.
Quelle: futurezone vom 23.11.03
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&view=bw&id=200452&tmp=85537
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
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