Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihunderteinundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Hoher islamischer Würdenträger in Irak fordert Waffenruhe zu
Ramadan-Ende +++ Irakischer Regierungsrat legt UNO Zeitplan zur
Machtübergabe vor. Talabani: Der Irak werde ein demokratisches
föderatives System haben, das die islamische Identität der
Mehrheit der Bevölkerung respektiert und zugleich andere
Religionen schützt +++ Chirac kritisiert erneut das Vorgehen
der USA im Irak und verlangt schnellere Machtübertragung an Iraker
+++ Widerstand gegen die Besatzungstruppen in Irak scheint sich immer
stärker auch auf den Norden auszuweiten. US-Soldaten ziehen sich
nach anhaltenden Anschlägen aus Polizeiwachen rund um Kirkuk
zurück +++ TV-Sender El Arabija darf vorläufig nicht mehr aus
Irak berichten. Internationale Medienorganisationen portestieren. USA
verteidigen Schliessung des Senders
Di.25.11.03 - Ein hoher islamischer Würdenträger in Irak hat
Untergrundkämpfer und US-Soldaten anlässlich der
Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan zu einer Waffenruhe
aufgefordert. Die Iraker wollten diese Woche "in Frieden leben, ohne
die Explosion von Sprengstoff, ohne Bomben, ohne Schüsse", sagte
Adnan el Dulaimi, Chef der sunnitischen Religionsverwaltung (Wakf), bei
einer Predigt in der Bagdader Um-el-Kura-Moschee. "Ich rufe den
Widerstand auf, seine Operationen diese Woche einzustellen."
An die Besatzungstruppen gerichtet sagte Dulaimi: "Behandeln Sie die
Iraker nicht wie Terroristen. Beenden Sie die Hausdurchsuchungen und
die Jagd auf Iraker."
Sunnitische Religionsgelehrte in Irak hatten den gestrigen Montag als
Eid el Fitr, "Tag des Fastenbrechens", festgelegt. Er steht am Beginn
mehrtägiger Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Die
Bewohner von Bagdad begrüßten den Tag mit
Freudenschüssen. Auschlaggebend für die Festlegung des
Fastenmonats und seines Endes ist der Stand des Monds.
Der provisorische Regierungsrat im Irak hat unterdessen der UNO
offiziell seinen Zeitplan für die Beendigung der Besatzungsmacht
und für den Übergang zur Demokratie vorgelegt. Der
UN-Sicherheitsrat solle eine entsprechende Resolution verabschieden,
erklärte der amtierende Vorsitzende des Regierungsrates, Dschalal
Talabani, in einem Brief, den die UN am Montag (Ortszeit)
veröffentlichten.
Talabani informierte das UN-Gremium darin formell über die
Einzelheiten des mit den Besatzungsmächten USA und
Großbritannien vereinbarten Zeitplans bis zur Bildung einer
demokratisch gewählten Regierung Ende 2005. UN-Diplomaten rechnen
mit einem Beschluss des Sicherheitsrates nicht vor Anfang Dezember.
Nach dem Zeitplan soll bis Ende Mai nächsten Jahres eine
provisorische Volksvertretung aus allen Schichten der Bevölkerung
gebildet werden. Dieses Gremium soll bis Ende Juni 2004 eine
Übergangsregierung wählen. Damit werde die Besatzung des Irak
formell enden, und der von den Besatzern berufene provisorische
Regierungsrat werde sich auflösen.
Bis zum 15. März des Jahres 2005 sollen dann allgemeine Wahlen
für eine verfassungsgebende Versammlung stattfinden. Über die
Annahme der Verfassung soll bei einem Referendum entschieden werden,
und danach soll bis Ende 2005 auf der Basis der Verfassung eine
Regierung aus allgemeinen Wahlen hervorgehen.
Der provisorische Regierungsrat werde zuvor - nicht später als
Ende Februar 2004 - ein zeitweiliges Grundgesetz erlassen, das bis zur
Annahme der Verfassung gelten werde. Das Grundgesetz werde auf der
Achtung der Menschenrechte und der grundlegenden Freiheiten beruhen,
darunter der Religionsfreiheit, sowie auf der Gleichheit aller
Bürger.
Die Trennung von Exekutive, Legislative und Justiz werde
gewährleistet, erklärte Talabani. Durch eine stärkere
Dezentralisierung solle der besonderen Situation der irakischen Kurden
im Norden entsprochen werden. Die Kontrolle über die Armee und die
Sicherheitskräfte durch die Politik werde zum Grundsatz erhoben.
Der Irak werde ein demokratisches föderatives System haben, das
die islamische Identität der Mehrheit der Bevölkerung
respektiert und zugleich andere Religionen schützt, heißt es
in der Erklärung weiter.
Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat das Vorgehen der USA im
Irak erneut kritisiert. Beim Gipfeltreffen mit dem britischen
Premierminister Tony Blair in London nannte Chirac die Irak-Strategie
von US-Präsident George W. Bush 'lückenhaft'. Dessen Plan,
die Macht im kommenden Sommer an die Iraker zu übertragen, sei
zwar der richtige Weg, gehe aber nicht weit genug. Chirac hält die
Übergangsperiode für zu lang. Außerdem müsse den
Vereinten Nationen eine bedeutendere Rolle beim Wiederaufbau des Irak
zugewiesen werden.
US-Soldaten haben derweil nördlich der irakischen Hauptstadt
Bagdad an einer Straßensperre das Feuer auf einen Wagen
eröffnet und dabei einen Fahrzeuginsassen getötet. Ein
weiterer Insasse des Wagen sei bei dem Zwischenfall in Dawar verletzt
worden, teilte US-Militärsprecher Bill MacDonald am Montag in der
nordirakischen Stadt Tikrit mit. Der Wagen sei mit hoher
Geschwindigkeit auf einen Kontrollpunkt zugerast und habe trotz
Warnschüssen nicht gestoppt. In der Nähe von Balad, ebenfalls
nördlich von Bagdad, hätten US-Soldaten einen Iraker
erschossen, der sie bei der Durchsuchung einer Obstplantage angegriffen
habe. Beide Zwischenfälle ereigneten sich dem Sprecher zufolge
bereits am Sonntag.
Der von den USA eingesetzte irakische Verwaltungsrat hat am Montag das
Büro des arabischen Fernsehsenders El Arabija in Bagdad
geschlossen. Zugleich wurde dem Sender vorläufig untersagt, aus
Irak zu berichten. Begründet wurde der Schritt mit der
Ausstrahlung eines Tonbands vor einer Woche, auf dem der gestürzte
irakische Präsident Saddam Hussein zum Widerstand aufruft.
El Arabija habe sich damit der Anstiftung zum Mord schuldig gemacht,
erklärte der amtierende Präsident des Verwaltungsrates,
Dschalal Talabani auf einer Pressekonferenz. Wenige Minuten später
stürmte die irakische Polizei das Büro des Senders im
Bagdader Stadtteil Mansur. Den Journalisten wurden Geld- und
Haftstrafen bis zu einem Jahr angedroht, falls sie sich nicht an das
Sendeverbot hielten. Ferner wurde damit gedroht, die Ausrüstung zu
beschlagnahmen.
Der in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige
Sender protestierte gegen die Schliessung des Büros in Irak,
erklärte sich aber bis zur Klärung des Streits bereit, nicht
mehr aus Irak zu senden. Die Zentrale in Dubai werde aber weiter
Berichte über die Lage in Irak ausstrahlen. El Arabija wurde die
Wiederaufnahme der Berichterstattung aus Irak für den Fall in
Aussicht gestellt, dass sich der Sender schriftlich verpflichtet,
niemals den Terrorismus zu bestärken.
Internationale Medienorganisationen wie etwa die in Paris
ansässige Gruppe Reporter ohne Grenzen verurteilten das Vorgehen
des irakischen Verwaltungsrats als Einschränkung der
Pressefreiheit. Das New Yorker Komitee zum Schutz von Journalisten
(CPJ) erklärte, dass Stellungnahmen des gestürzten irakischen
Regimes einen hohen Nachrichtenwert hätten, so dass
Nachrichtenmedien darüber berichten müssten. El Arabija nahm
kurz vor Beginn des Irak-Krieges im Frühjahr seinen Sendebetrieb
auf. Besitzer des Senders ist ein Schwiegersohn des saudiarabischen
Königs Fahd.
Das US-Aussenministerium hat die Schliessung des arabischen
Fernsehsenders El Arabija in Bagdad verteidigt. Es müsse
verhindert werden, dass solche Medien als "Kanal für Aufhetzung"
genutzt würden, sagte am Montag der Sprecher des Ministeriums,
Richard Boucher. Die Meinungsfreiheit gebe niemandem das Recht, in
einem überfüllten Theater "Feuer" zu rufen, sagte Boucher
unter Hinweis auf einen historischen Fall vor dem Obersten Gerichtshof
der USA.
Der Widerstand gegen die Besatzungstruppen in Irak scheint sich
unterdessen immer stärker auch auf den Norden auszuweiten. Bei
Kirkuk brannte am Montag eine Ölpipeline. Ein Manager der Northern
Oil Company, Abdel el Kassas, machte dafür Sabotage
verantwortlich.
Die betroffene Pipeline verbindet die Erdölfelder bei Kirkuk mit
der Hauptverbindungsleitung in der Region. Einzelheiten über das
Ausmass des Schadens waren zunächst nicht bekannt.
Aufständische haben in den letzten Monaten wiederholt
Ölleitungen in der Umgebung von Kirkuk angegriffen.
US-Soldaten haben am Montag in der nordirakischen Region um die
Ölstadt Kirkuk mit dem Rückzug aus den örtlichen
Polizeiwachen begonnen. Die US-Armee werde sich nach anhaltenden
Anschlägen nun beschleunigt aus den insgesamt 23 Polizeistationen
der Provinz zurückziehen, darunter auch aus allen acht
Polizeivertretungen in der Stadt selbst, teilte der Polizeichef von
Kirkuk, Turhan Jussef, mit. Die irakische Polizei werde
vollständig die Verantwortung für die Sicherheit in der Region
übernehmen. Die Soldaten der 4. Infanteriedivision waren den
Angaben zufolge am Montag dabei, sich am vier Kilometer außerhalb
der Stadt gelegenen Flughafen neu zu gruppieren. Jussef zufolge hatte
die Polizei um den Rückzug der Soldaten gebeten.
In Mossul explodierte neben einem Militärkonvoi eine Bombe.
Anschliessend fielen Schüsse, wobei ein US-Soldat verletzt wurde.
Nach dem Überfall feuerten US-Soldaten Augenzeugen zufolge in alle
Richtungen. Das betroffene Gebiet wurde abgesperrt. Am Sonntag waren in
der Stadt zwei US-Soldaten in ihrem Fahrzeug erschossen worden,
anschliessend schlugen Jugendliche mit Pflastersteinen auf ihre Leichen
ein. Die Szene erinnerte an die Situation in Somalia 1993, als die
Leichen von amerikanischen Marineinfanteristen durch die Strassen von
Mogadischu gezogen wurden. Bislang hatte sich der Widerstand gegen die
US-Truppen hauptsächlich auf das so genannte sunnitische Dreieck
bei Bagdad konzentriert.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Die Irak-Politik der Bush-Regierung bricht sichtbar in sich zusammen.
Angesichts einer ganzen Reihe von militärisch-politischen
Desastern – dem Abschuß von Helikoptern, Selbstmordattentaten,
Mörserangriffen auf das Hauptquartier der amerikanischen
Besatzungstruppen in der »Grünen Zone« im Zentrum
Bagdads – ist ein Wendepunkt im Irak-Krieg erreicht...
...Die Ankündigung der US-Regierung, nun beschleunigt auf ihren
Rückzug aus dem Irak hinzuarbeiten, wird mit Sicherheit keinen
Truppenabzug nach sich ziehen. Alles deutet darauf hin, daß das
Weiße Haus und das Pentagon den Widerstand im Irak mit immer
brutaleren Methoden bekämpfen und auch vor Massentötungen und
der Errichtung von Lagern für mutmaßliche Besatzungsgegner
nicht zurückschrecken werden.
Einen gewissen Einblick, welche Pläne auf höchster
Regierungsebene diskutiert werden, geben Kommentare führender
US-amerikanischer Medien, die in den vergangenen Wochen ein viel
gewaltsameres und weitergehendes Programm der Aufstandsbekämpfung
forderten. Diese Kommentare und Leitartikel richten sich weniger an die
amerikanische Öffentlichkeit – die entsprechende Kampagne wird zu
gegebener Zeit einsetzen –, sie sollen der Regierung den Rücken
stärken und die herrschende Elite als Ganzes auf die
bevorstehenden, entsetzlichen Maßnahmen einstimmen.
An der Spitze der Kampagne steht die Washington Post, die führende
Tageszeitung der amerikanischen Hauptstadt. Unter all den Zeitungen,
die früher als politisch liberal galten, hat sich die Post zur
entschlossensten Befürworterin eines Siegs im Irak gemausert...
Aus "junge Welt" vom 25.11.03
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/11-25/003.php
Anschläge auf Pipelines und skeptische Nachbarn erschweren die
Wiederaufnahme des irakischen Ölexports.
Die
Schlüsselindustrie für den Wiederaufbau des Landes steht vor
enormen Schwierigkeiten. Noch ist keine Lösung in Sicht...
Mehr in der "tageszeitung" vom 25.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/25/a0064.nf/text
Die Bundespolizei FBI überwacht systematisch Kriegsgegner sowie ihre
Protestvorbereitungen und ordnet sie intern der Terrorbekämpfung
zu.
Örtliche Polizeibehörden wurden in einer Anweisung vor
Friedensdemonstrationen aufgefordert, der Anti-Terror-Einheit des FBI
verdächtige Aktivitäten zu melden, berichtete die New York
Times am Sonntag...
Mehr in der 'tageszeitung" vom 25.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/25/a0051.nf/text
und bei telepolis (26.11.03) unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/16173/1.html
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Bush unterzeichnet 400-Milliarden-Haushalt für die
Streitkräfte
Pentagon erhält größere Kontrolle über
Zivilangestellte der Streitkräfte +++ Lockerung bisheriger
Umweltauflagen
Di.25.11.03 - US-Präsident George W. Bush hat das Haushaltsgesetz zur
Finanzierung der Streitkräfte im kommenden Jahr unterzeichnet. Das
vom Kongress verabschiedete Budget hat ein Volumen von 401,3 Milliarden
Dollar. Das Gesetz gibt dem Pentagon außerdem eine
größere Kontrolle über die Zivilangestellten der
Streitkräfte und lockert bisherige Umweltauflagen. In dem Budget
sind die Ausgaben für neue Rüstungsprogramme nicht mit
enthalten - diese werden von einem schon im September unterzeichneten
Beschaffungsgesetz mit einem Umfang von 368 Milliarden Dollar abgedeckt.
Bush unterzeichnete das Gesetz am Montag bei einem Besuch des
Militärstützpunkts Fort Carson in Colorado. Dabei
würdigte er die Einsätze in Afghanistan und Irak und sagte:
"Amerikas Streitkräfte stehen zwischen unserem Land und ernster
Gefahr."
(Quelle: ap)
USA schieben ehemaligen KZ-Aufseher ab
Di.25.11.03 - Ein amerikanischer Bundesrichter hat die Abschiebung eines ehemaligen
KZ-Aufsehers verfügt, der sich mehr als 50 Jahre den
US-Behörden entzogen hat, bis er im Juli festgenommen wurde.
Richter Larry Dean folgte am Montag in Detroit dem Antrag der
Regierung, den 78-jährigen Johann Leprich ins Ausland
abzuschieben. Dafür kommen sein Heimatland Rumänien, Ungarn
oder auch Deutschland in Frage, wie ein Sprecher der
Einwanderungsbehörde mitteilte.
Leprich war nach eigenem Geständnis Mitglied des
Totenkopf-Bataillons der SS und Aufseher im Lager Mauthausen in
Österreich, wo von 1938 bis Kriegsende 119.000 Gefangene
hingerichtet wurden oder den Strapazen der Zwangsarbeit erlagen. Er
wurde Anfang Juli in seinem Haus in Clinton Township im US-Staat
Michigan festgenommen, wo er mit seiner Frau und seinem Sohn lebte.
Leprich kam bereits 1952 in die Vereinigten Staaten und erhielt nach
sechs Jahren die amerikanische Staatsbürgerschaft. Diese wurde ihm
aber 1987 wegen falscher Angaben in seinem Einwanderungsantrag wieder
entzogen. Vor der drohenden Abschiebung floh Leprich damals nach
Kanada. Seitdem hielt er sich nach Angaben der Behörden
abwechselnd dort und in den USA auf.
(Quelle: ap)
Kompromiss im Ringen um Iran-Resolution der IAEA
USA und europäische Staaten legen Streit um Bewertung der
iranischen Atompolitik bei
Di.25.11.03 - Die USA und die europäischen Staaten haben ihren Streit um die
Bewertung der iranischen Atompolitik beigelegt. Rechtzeitig vor der
Wiederaufnahme der Beratungen im Gouverneursat der Internationalen
Atomenergie-Behörde (IAEA) verständigten sich beide Seiten am
Montagabend auf den Entwurf für eine gemeinsame
Entschließung.
Strittig war bis zuletzt vor allem die Frage, wie bei künftigen
Verstößen Irans gegen internationale Abkommen verfahren
werden soll. Hier widersetzten sich die europäischen Staaten dem
Verlangen der USA, dass ein solcher Fall automatisch dem Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen vorzulegen sei. Der jetzt erzielte Kompromiss
droht nur noch indirekt mit dem Sicherheitsrat und ist in seinen
Formulierungen abgeschwächter, als von den USA ursprünglich
angestrebt worden war.
Die entscheidende Stelle lautet nach Informationen aus diplomatischen
Kreisen wie folgt: "Sollten irgendwelche weiteren schwer wiegenden
Verstöße Irans ans Licht kommen, wird der Gouverneursrat
sofort zusammenkommen, um in Anbetracht der Umstände und der
Empfehlung des Generaldirektors alle verfügbaren Optionen zu
erwägen." Zu diesen Optionen gehört nach dem IAEA-Statut auch
die Anrufung des Sicherheitsrates.
Nach der Vereinbarung sei jetzt alles für die Fortsetzung der
Sitzung am Mittwoch vorbereitet, sagte ein Diplomat. Wegen der
Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA auf der einen und
Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf der anderen Seite
waren die Beratungen Ende vergangener Woche vertagt worden. Dabei kam
es am Freitag zu einer heftigen verbalen Konfrontation zwischen
IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei und dem US-Chefdeleigierten
Kenneth Brill. Dieser warf ElBaradei vor, Beweise herunterzuspielen,
dass Iran über 18 Jahre hinweg versucht habe, Atomwaffen zu
entwickeln.
Der iranische IAEA-Gesandte Ali Akbar Salehi deutete an, dass seine
Regierung mit einer Resolution ohne direkte Erwähnung des
Sicherheitsrates zufrieden wäre. Bei den Verhandlungen in Wien
habe "die Macht der Vernunft" eine Chance erhalten, am Ende die
Oberhand zu behaupten. Nach Informationen aus der US-Delegation gingen
der Einigung Telefongespräche des amerikanischen
Außenministers Colin Powell mit seien Kollegen in Berlin, Paris
und London voraus.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Scharon lehnt Bedingungen für Treffen mit Kureia ab. Der
palästinensische Ministerpräsident hatte darauf beharrt, dass
eine Begegnung mit Scharon auch zu Ergebnissen führen müsse
+++ Hamas-Führer Jassin droht Israel weitere Gewalt an
Di.25.11.03 - Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon will sich vor
einem Treffen mit dem palästinensischen Regierungschef Ahmed
Kureia nicht auf Ergebnisse festlegen lassen. "Ich werde keine
bindenden Verpflichtungen eingehen, um Abu Ala (Kureia) zu treffen",
sagte Scharon nach Angaben des Likud-Politikers Gideon Saar am Montag
vor Abgeordneten seiner Partei. "Wenn er ein Treffen will, werden wir
uns treffen, wenn er es nicht will, dann nicht", zitierte Saar den
Regierungschef.
Kureia rief Scharon am Montag auf, "ernsthafte Schritte" zu
unternehmen, um den Weg für eine Wiederaufnahme der Gespräche
zu ebnen. In einem Interview der Nachrichtenagentur AP beharrte er
darauf, dass eine Begegnung mit Scharon auch zu Ergebnissen führen
müsse. Scharon müsse dazu bereit sein, die
Schlüsselforderungen der Palästinenser zu erörtern.
Diese sind laut Kureia ein Baustopp jüdischer Siedlungen, die
Aufhebung der Reisebeschränkungen für Palästinenser, die
Freilassung palästinensischer Häftlinge, die Aufhebung des
De-facto-Hausarrests von Präsident Jassir Arafat und ein Baustopp
der israelischen Sperranlagen zum Westjordanland hin. "Dies sind keine
Vorbedingungen für ein Treffen mit Scharon", sagte Kureia. "Es
sind jedoch die Voraussetzungen für den Erfolg eines jeglichen
Treffens und die Voraussetzungen für den Erfolg des
Friedensprozesses."
Dem Fernsehsender El Arabija sage Kureia, er hoffe, dass Berichte
über Scharons Bereitschaft, jüdische Siedlungen
aufzulösen und das Leid der Palästinenser zu verringern, kein
"Propagandatrick" seien. Israelische Medien hatten am Sonntag
berichtet, Scharon erwäge einseitige Schritte, darunter eine
unilaterale Grenzziehung und die Aufgabe einiger illegaler Siedlungen
auf palästinensischem Gebiet.
Den Likud-Abgeordneten sagte Scharon laut Saar: "Wenn es eine
palästinensische Regierung nach der anderen gibt, und ich
überzeugt bin, dass es keinen Fortschritt gibt, dann werden wir
einseitige Schritte unternehmen, nicht im Sinne von Konzessionen,
sondern in unserem eigenen Interesse." Eine mögliche
Auflösung von Siedlungen erwähnte Scharon nicht, wie
Teilnehmer der Sitzung mitteilten.
Der israelische Außenminister Silvan Schalom sagte am Montag,
Scharon und Kureia wollten sich in der kommenden Woche treffen. In den
nächsten Tagen - nach dem islamischen Fest des Fastenbrechens (Eid
el Fitr) - würden Mitarbeiter der beiden Politiker zusammenkommen,
um das Gespräch vorzubereiten. Von palästinensischer Seite
wurde dies dementiert. Die Palästinenser erarbeiten derzeit eine
Liste mit Verpflichtungen, die Scharon und Kureia bei ihrem Treffen
bestätigen sollen.
Der Mitbegründer der militanten Palästinenser-Organisation
Hamas, Scheich Ahmed Jassin, sieht nach eigener Aussage
gegenwärtig keine Chance für einen Waffenstillstand mit
Israel. Zugleich drohte er in einem Interview der Tageszeitung "Die
Welt" (Dienstagsausgabe) mit weiteren Gewalttaten der Hamas.
"Ohne israelischen Rückzug kann von einer Einstellung des Kampfes
keine Rede sein", sagte Jassin laut Vorabbericht. "So lange
palästinensische Zivilisten Opfer israelischer Angriffe sind, so
lange werden israelische Zivilisten Opfer sein", kündigte er an.
Vor Verhandlungen der Hamas über einen Waffenstillstand erwarte er
Zugeständnisse Israels. "Von Hudna (Feuerpause) kann zu diesem
Zeitpunkt keine Rede sein. Jetzt wirklich nicht", sagte Jassin.
Von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon sei nichts zu
erwarten, erklärte Jassin. "Der wird nichts tun. Und solange die
Soldaten hier direkt neben uns sitzen und so lange es Luftangriffe
gibt, kann von einer Beruhigung der Lage keine Rede sein",
erklärte der geistliche Führer der Hamas.
Anfang des Monats hatte der an einen Rollstuhl gebundene Jassin seine
Bereitschaft zu Gesprächen über einen Waffenstillstand mit
dem palästinensischen Ministerpräsidenten Ahme Korei
bekundet. Zugleich hatte er jedoch die Aussichten für einen
Waffenstillstand als gering bezeichnet.
Die einzelnen Palästinenser-Gruppierungen wollen am 2. Dezember in
Kairo über einen Waffenstillstand beraten. Israel hatte
angekündigt, es könne die Jagd auf Anführer militanter
Gruppen einstellen, wenn Selbstmordanschläge und andere Angriffe
auf Israelis gestoppt werden.
(Quellen: ap, rtr)
Die Mehrheit der Israelis und Palästinenser befürwortet die
Genfer Initiative zur Lösung des Nahost-Konflikts.
Nach einer
gestern in der israelischen Tageszeitung Haaretz veröffentlichten
Umfrage begrüßen 53 Prozent der befragten 610 Israelis und
56 Prozent der befragten Palästinenser den symbolischen Vertrag,
der am 1. Dezember in Genf vorgestellt werden soll und zwei getrennte
Staaten vorsieht.
Quelle: taz, 25.11.03
Vor kurzem wurde das sogenannte 'Genfer Abkommen' publiziert. Dabei
handelt es sich um einen inoffiziellen Friedensvorschlag, ausgehandelt
von früheren israelischen und palästinensischen Offiziellen
...Im 'Genfer Abkommen' wird zur vollständigen (wechselseitigen)
Anerkennung zwischen Israel und dem (künftigen) neuen
Palästinenserstaat aufgerufen - vollwertige diplomatische
Beziehungen inklusive. Anders als berichtet verlangt das Abkommen von
Palästina aber keineswegs, Israel als "jüdischen Staat"
anzuerkennen. Vielmehr soll jeder Staat den andern als "Heimat
('homelands') des jeweils anderen Volkes" anerkennen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311150.htm#031115kd
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Italiens Vize-Regierungschef Fini in Israel
Fini verurteilt faschistische Vergangenheit des Landes. Noch 1994
hatte er Mussolini als einen der größten Politiker des 20.
Jahrhunderts bezeichnet, diese Aussage aber später widerrufen. Die
Enkelin Mussolinis, Alessandra Mussolini, ist Mitglied von Finis Partei
Di.25.11.03 - Der italienische Vize-Regierungschef Gianfranco Fini hat am Montag bei
einem Besuch in Israel die faschistische Vergangenheit seines Landes
verurteilt. Fini ist Chef der rechts-konservativen Nationalen Allianz
und bemüht sich seit Jahren, deren historische Verbindung zu
post-faschistischen Strömungen zu kappen und die Partei
stärker in die Mitte des Parteienspektrums zu führen.
Fini forderte Europa auf, das Unkraut des Antisemitismus auszurotten,
das vereinzelt noch immer wuchere. Italien hat zur Zeit die
Ratspräsidentschaft der Europäischen Union (EU) inne.
Er verurteile die beschämenden Seiten der italienischen
Geschichte, sagte Fini, nachdem er in Jad Waschem, dem Jerusalemer
Gedenkort für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus,
einen Kranz niedergelegt hatte. Zugleich kritisierte er die
Gleichgültigkeit der italienischen Landsleute gegenüber den
anti-jüdischen Gesetzen unter dem faschistischen Diktator Benito
Mussolini und ihre Komplizenschaft mit dessen in den dreißiger
Jahren herrschenden Regime. Fini hatte Mussolini 1994 noch als einen
der größten Politiker des 20. Jahrhunderts bezeichnet, diese
Aussage aber später widerrufen. Die Enkelin Mussolinis, Alessandra
Mussolini, ist Mitglied von Finis Partei.
Israel bereitete dem Politiker einen warmherzigen Empfang. "Fini ist
ein guter und freundlicher politischer Vertreter", sagte der
israelische Ministerpräsident Ariel Scharon bereits in der
vergangenen Woche. Fini gilt in dem Land als einer der wenigen
europäischen Befürworter der israelischen Politik
gegenüber den Palästinensern. Vor kurzem hatte Fini die von
Israel geplante Sperranlage zu den Palästinenser-Gebieten im
Westjordanland als Akt der Selbstverteidigung gerechtfertigt. Die
Europäische Union (EU) und die USA haben die Anlage scharf
kritisiert.
(Quelle: rtr)
Israels Ministerpräsident sieht kollektiven Antisemitismus in
Europa
Scharon: Europäer unterscheiden nicht zwischen Israel und den
Juden - Wachsende Zahl von Moslems gefährdet Juden in
Europa
Di.25.11.03 - Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat Europa
"kollektiven Antisemitismus" vorgeworfen. In einem Interview mit dem
online-Informationsdienst EUpolitix.com bezeichnete er gleichzeitig die
wachsende Zahl von Muslimen innerhalb der EU als Gefahr "für das
Leben der Juden".
Scharon reagierte mit dem Interview auf eine Umfrage, in der die
meisten Europäer Israel als die "größte Gefahr für
den Weltfrieden" eingestuft hatten. "Wir stehen in Europa einem
Antisemitismus gegenüber, der immer existierte und wirklich kein
neues Phänomen ist", meinte Scharon. Die Europäer würden
nicht zwischen Israel und den Juden unterscheiden. "Wir sprechen hier
von einem kollektiven Antisemitismus. Der israelische Staat ist ein
jüdischer Staat und beides wird miteinander gleichgesetzt", sagte
Scharon.
Scharon mahnte gleichzeitig, die wachsende Zahl von Muslimen in der EU
gefährde das Leben von Juden. "Da die muslimische Präsenz in
Europa immer stärker wird, bedroht dies sicherlich das Leben von
Juden", sagte er. Allein die Tatsache, dass es, so Scharon, eine
"riesige Zahl von etwa 17 Millionen Muslimen in der EU gibt", mache
dies zu einer "politischen Frage". Scharon pries die italienische
Regierung während deren EU-Präsidentschaft Europa eine
ausgewogenere Politik gegenüber Israel verfolgt habe.
In Jerusalem empfing Scharon den stellvertretenden italienischen
Regierungschef Gianfranco Fini zum Auftakt seines viertägigen
Besuchs in Israel. Die Einladung an Fini war von Oppositionspolitikern
scharf kritisiert worden. Der frühere Justizminister Jossi Beilin
nannte den Besuch "eine Schande für Israel".
(Quelle: dpa)
Eine aktuelle Forsa-Studie kommt zu dem Ergebnis: Jeder fünfte
Deutsche ist latent antisemitisch
Forsa befragte am 14. und 15. November 1.301 Bundesbürger und kam
zu dem Schluss, dass der Anteil der Deutschen mit "latent
antisemitischen" Einstellungen seit 1998 von 20 auf 23 Prozent
gestiegen ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten bei ihren
Antworten auf unterschiedliche Fragen zwischen den Skalenwerten 1
("trifft überhaupt nicht zu") bis 7 ("trifft voll zu")
wählen, wobei die Werte 5-7 von den Forsa-Mitarbeitern als "latent
antisemitisch" eingestuft wurden.
Die Ergebnisse sprechen für sich. 36% der Befragten waren der
Ansicht, dass Juden versuchen, aus der nationalsozialistischen
Vergangenheit Vorteile zu ziehen und die Deutschen für ihre
historische Schuld zahlen zu lassen. Außerdem unterstützten
28% die Behauptung, Juden hätten auf der Welt zu viel Einfluss.
61% waren schließlich der Meinung, dass nicht mehr so viel
über Judenverfolgung und Holocaust geredet, sondern endlich ein
Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen werden soll.
Ob es angesichts dieser Resultate noch angemessen ist, von "latentem"
Antisemitismus zu sprechen, sei einmal dahingestellt ...
Quelle: telepolis vom 20.11.03
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16130/1.html
In einer Umfrage
hatte kürzlich die Mehrheit der EU-Bürger Israel als größte Gefahr
für den Frieden in der Welt genannt...
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16004/1.html
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15990/1.html
http://europa.eu.int/comm/public_opinion/
flash/fl151_iraq_full_report.pdf
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UN zu Friedensmission in der Elfenbeinküste aufgefordert
Di.25.11.03 - Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) hat die
Vereinten Nationen zu einer Friedensmission in der Elfenbeinküste
aufgefordert. Eine Delegation der Organisation erklärte dem
Sicherheitsrat am Montag in New York, dass die Lage in dem Land trotz
des Friedensabkommens zwischen Regierung und Rebellen immer chaotischer
werde. Sie bat die internationale Gemeinschaft, die
ECOWAS-Friedenstruppe von 1.200 Mann durch eine UN-Truppe
abzulösen. Bislang haben die Vereinten Nationen weniger als 100
unbewaffnete Militärbeobachter in die Elfenbeinküste
geschickt. Der Sicherheitsrat will im Januar einen Bericht über
diese Mission prüfen und dann über sein weiteres Vorgehen
beraten. Der Bürgerkrieg begann am 19. September 2002 nach einem
gescheiterten Umsturzversuch. Zwischen Regierungstruppen und Rebellen
haben französische Truppen eine Pufferzone gebildet.
(Quelle: ap)
Indien will 'positiv' auf pakistanische Friedensinitiative reagieren
Di.25.11.03 - Im Konflikt um die Himalaya-Provinz Kaschmir stehen die Zeichen
zwischen Indien und Pakistan weiter auf Entspannung. Nachdem Pakistan
am Sonntag eine "einseitige Waffenruhe" an der Grenze in Kaschmir in
Aussicht gestellt hatte, kündigte die indische Regierung am Montag
eine "positive Antwort" an.
Der pakistanische Ministerpräsident Zafarullah Khan Jamali
erklärte am Sonntag, seine Soldaten würden vom muslimischen
Feiertag Eid el Fitr an das Feuer einstellen. Der Feiertag markiert das
Ende des Fastenmonats Ramadan und fällt in die Mitte der Woche.
Das genaue Datum hängt vom Mond ab.
"Wir werden positiv auf diese Initiative reagieren", sagte Navtej
Sarna, Sprecher des indischen Außenministeriums, am Montag.
Für einen dauerhaften Frieden müsse Pakistan jedoch "die
Infiltration von der anderen Seite der provisorischen Grenze beenden".
Er wiederholte damit den indischen Vorwurf, wonach Pakistan islamische
Extremisten in Kaschmir mit Waffen ausrüstet, finanziell
unterstützt und ausbildet. An der 1972 gezogenen Grenze in
Kaschmir kam es in der Vergangenheit regelmäßig zu Gefechten
mit zahlreichen Toten und Verletzten.
(Quelle: aü)
Anklage gegen Studentin wird Gradmesser für Chinas Internetfreiheit
Di.25.11.03 - Der Fall der seit einem Jahr inhaftierten Studentin Liu Di, die in
China zum Symbol der freien Meinungsäußerung im Internet
geworden ist, ist von der Polizei erneut bei der Anklagebehörde
eingereicht worden.
Das Informationszentrum für Demokratie und Menschenrechte in
Hongkong berichtete am Montag, nach dem Gesetz müsse die
Staatsanwaltschaft in Peking innerhalb von eineinhalb Monaten
entscheiden, ob die 23-Jährige vor Gericht gestellt oder
freigelassen werde. Erst vor gut drei Wochen hatte die
Staatsanwaltschaft den Fall aus Mangel an Beweisen an die ermittelnde
Polizei zurückgegeben.
Die Entscheidung werde "der Prüfstein, in welche Richtung der
politische Wind in Peking weht", meinte Frank Lu von dem Zentrum. Es
sei unklar, ob die Polizei neue Beweise gefunden habe, doch sollte in
dem vergangenen Jahr eigentlich schon ausreichend ermittelt worden
sein. Daher gehe das Zentrum davon aus, dass es keine neue Beweislage
gebe. Doch könne die Staatsanwaltschaft den Fall diesmal nicht
mehr zurückweisen, sondern müsse über eine Anklage
entscheiden.
Mehr als 2000 Unterzeichner in China und dem Ausland haben nach Angaben
des Zentrums in einem offenen Brief die Freilassung des bekannten
Internetautors Du Daobin gefordert, der wegen seiner Artikel und der
Forderung nach Freilassung der Psychologiestudentin am 28. Oktober
selbst festgenommen worden war. Der Vorwurf lautet auf "Anstiftung zur
Untergrabung der Staatsgewalt". Allein seit Anfang Oktober sind in
China nach Angaben des Zentrums acht Menschen wegen politischer
Aktivitäten im Internet zu drei bis zehn Jahren Gefängnis
verurteilt worden. Drei wurden vor Gericht gestellt.
(Quelle: dpa)
Auch heise-online (24.11.03) berichtet über den Fall:
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-24.11.03-002/
OAS-Generalsekretär: Lateinamerika soll Indianer besser integrieren
Ausschluss indigener Bevölkerungsgruppen habe verheerende Folgen
für das politische System mehrerer Länder
Di.25.11.03 - Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS),
Cesar Gaviria, hat sich für eine bessere gesellschaftliche
Integration der Indianer in Mittel- und Südamerika ausgesprochen.
"Der Ausschluss indigener Bevölkerungsgruppen hat verheerende
Folgen für das politische System mehrerer Länder", sagte
Gaviria am Montag vor 120 Vertretern politischer Parteien aus 34
Staaten, die in der kolumbianischen Stadt Cartagena zu einer
dreitägigen Konferenz zusammengekommen sind.
"Es gibt eine Krise der Volksvertretung in Lateinamerika", sagte der
Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Brasiliens (PSDB), Javier
Romeida. Die Krise der Demokratie könne nur dann überwunden
werden, wenn die Parteien sich mehr als bisher dem Volk
annäherten. Auch der Generalsekretär der chilenischen
Christdemokraten (PDC), Jaime Francisco Mule, sagte, überall in
Lateinamerika verlören die politischen Parteien an
Glaubwürdigkeit.
Das Cartagena-Forum wird von der OAS bereits das dritte Jahr in Folge
ausgerichtet. Diesmal steht es vor allem unter dem Eindruck der Revolte
in Bolivien, bei der im Oktober Präsident Gonzalo Sanchez de
Lozada gestürzt wurde. An der Spitze der Erhebung standen
indianische Gruppen, die sich gegen marktwirtschaftliche Reformen und
Globalisierung im Handel wehren.
(Quelle: ap)
Chilenische Diktatur: Mindestens 400 Oppositionelle getötet und
ins Meer geworfen
Di.25.11.03 - Die chilenische Diktatur hat einem Pressebericht zufolge in den
70er-Jahren mindestens 400 getötete Oppositionelle im Meer
verschwinden lassen. Zwischen 400 und 500 Leichen seien zwischen 1974
und 1978 von Militärhubschraubern aus in den Pazifischen Ozean
geworfen worden, berichtete die Zeitung La Nación am Sonntag.
Vermutlich seien die ersten Oppositionellen bereits in den letzten
Wochen des Putschjahres 1973 auf diesem Wege verschwunden. Mindestens
40-mal seien Helikopter mit Leichen zwischen Santiago und dem Meer
unterwegs gewesen. Dies habe der Ermittlungsrichter Juan Guzmán
Tapia herausgefunden, als er ehemalige Militärs befragte, um etwas
über den Verbleib von zehn Spitzenpolitikern der Kommunistischen
Partei herauszufinden, die im Mai 1976 festgenommen worden waren.
(Quelle: taz/afp)
Anklage gegen neun mutmaßliche Komplizen der Anschläge in
Istanbul
Di.25.11.03 - Nach den Selbstmordanschlägen in Istanbul hat die türkische
Justiz am Dienstag Anklage gegen neun mutmaßliche Mittäter
erhoben. Nach einer bis tief in die Nacht hinein reichenden
Anhörung im Gericht für Staatssicherheit wurde acht Personen
die Mitgliedschaft in einer illegalen Vereinigung zur Last gelegt. Ein
weiterer Angeklagter muss sich wegen Beihilfe für eine illegale
Organisation verantworten, wie der Strafverteidiger Selahattin Karahan
mitteilte.
Drei weitere zunächst verhaftete Personen wurden nach seinen
Angaben wieder freigelassen. Den Angeklagten drohen Haftstrafen bis zu
fünf Jahren. Zuvor hatte der Gouverneur von Istanbul, Muammer
Güler, erklärt: "Wir haben die Schuldigen identifiziert, die
den Anschlag auf das britische Konsulat verübten. Wir haben alle
Einzelheiten und wir kennen ihre Verbindungen." Bei den Anschläge
auf zwei Synagogen, das britische Generalkonsulat und eine britische
Bank kamen 57 Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
Unions-Kritik an Bosbach wegen Türkei-Äußerungen
Di.25.11.03 - Nach seiner Warnung vor einem EU-Beitritt der Türkei steht
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach nun auch in den eigenen Reihen in
der Kritik. CDU-Außenpolitiker Friedbert Pflüger widersprach
Bosbach am Montag ausdrücklich und betonte, die
Terroranschläge in Istanbul hätten nichts mit der
EU-Mitgliedschaft zu tun. Ähnlich äußerten sich die
CDU-Politiker Jörg Schönbohm und Elmar Brok.
Außenminister Joschka Fischer flog unterdessen zu einem
Solidaritätsbesuch in die Türkei.
Bosbach hatte nach den verheerenden Bombenanschlägen in Istanbul
vergangene Woche gegen einen EU-Beitritt der Türkei argumentiert,
weil andernfalls das Terrorproblem in die Gemeinschaft importiert
würde. Für die Verknüpfung beider Themen hatte er
bereits aus dem Regierungslager heftige Schelte bezogen.
Nun sagte Pflüger der Nachrichtenagentur AP, "Herr Kollege Bosbach
hat mit seiner Stellungnahme einen falschen Eindruck vermittelt". Die
Union lasse sich ihre außenpolitische Agenda nicht von Osama bin
Laden - dem Anführer des Terrornetzwerks El Kaida - diktieren.
"Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion bleibt - wie vorher - hinsichtlich
einer übereilten EU-Mitgliedschaft skeptisch", sagte Pflüger.
Doch wolle sie eine möglichst enge Anbindung der laizistischen
Türkei an die EU.
Brandenburgs Innenminister Schönbohm sagte zu Bosbachs
Verknüpfung: "Ich halte diese Diskussion für abwegig." Es
gehe darum, der Türkei zu helfen und "die Terrorgefahr zu
bestehen", sagte er bei "Sabine Christiansen". Der
CDU-Europaabgeordnete Brok sagte im Berliner Inforadio: "Ich bin
gegenwärtig selbst gegen eine Mitgliedschaft der Türkei, weil
sie die politischen Kriterien nicht erfüllt." Aber dies mit den
Terroranschlägen zu verknüpfen, sei "negativ zu beurteilen".
FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt betonte im ZDF, der vorgegebene
Fahrplan für mögliche Beitrittsverhandlungen mit der
Türkei müsse eingehalten werden. Die Terrorgefahr in Europa
habe mit dem möglichen Beitritt nichts zu tun.
Der Europa-Abgeordnete Martin Schulz (SPD) bezeichnete Bosbachs
Äußerungen im ZDF-"Morgenmagazin" als unerträglich und
warf ihm Gefühlskälte und Opportunismus vor. Die
Grünen-Außenpolitikerin Claudia Roth nannte es schamlos, wie
Unionspolitiker das Leid in der Türkei politisch ausnützten.
Allerdings sieht auch EU-Chefdiplomat Javier Solana mögliche
Auswirkungen der Terroranschläge auf den Beitrittsprozess der
Türkei. Die jüngsten Anschläge seien vor allem darauf
zurückzuführen, dass es Menschen in der Türkei gebe, die
kein gemäßigtes islamisches Land wollten, das in die
europäische Union integriert werde, sagte Solana bei "Sabine
Christiansen". Auch vor diesem Hintergrund müsse die Türkei
im Hinblick auf die Kopenhagener Kriterien beurteilt werden.
Diese Kriterien sind Voraussetzung für eine EU-Mitgliedschaft und
sehen ein demokratisches System und die Marktwirtschaft vor. 2004 werde
man beurteilen, wie lange der Beitrittsprozess der Türkei dauern
werde, sagte Solana.
(Quelle: ap)
Machtwechsel in Georgien
Innenminister tritt zurück +++ Gouverneur
Abaschidse lehnt Zusammenarbeit mit neuer Regierung in Tiflis ab. Er
gilt als entschiedener Gegner von Michail Saakaschwili, dem Führer der
Protestbewegung, +++ Russlands
Präsident Putin über Art des Machtwechsels in Georgien
besorgt
Di.25.11.03 - Einen Tag nach dem Rücktritt des georgischen Präsidenten
Eduard Schewardnadse hat auch Innenminister Koba Nartschemaschwili sein
Amt niedergelegt. Zu diesem Schritt habe er sich bereits am Sonntag
entschlossen, sagte Nartschemaschwili am Montag vor Journalisten in der
georgischen Hauptstadt Tiflis. Bevor er seinen Rücktritt
verkünden konnte, seien aber noch verschiedene "technische
Details" zu klären gewesen. "Ich habe meine Pflicht getan, indem
ich als Minister den Präsidenten unterstützt habe",
fügte er hinzu. Der georgische Oppositionsführer Michael
Saakaschwili hatte den Innenminister zuvor aufgefordert, sein Amt
abzugeben, und ihn für Wahlbetrug bei der Parlamentswahl am 2.
November verantwortlich gemacht.
Unterdessen zeichneten sich neue Herausforderungen für die
Interimsverwaltung ab. Der Gouverneur der autonomen georgischen Provinz
Adscharien lehnt eine Zusammenarbeit mit der neuen
Übergangsregierung in der Hauptstadt Tiflis ab. Bis zur Wahl eines
neuen Präsidenten werde er alle Beziehungen zur Zentralregierung
abbrechen, teilte Gouverneur Aslan Abaschidse am Montag mit. Abaschidse
hatte den am Sonntag zurückgetretenen Präsidenten Eduard
Schewardnadse unterstützt. Er gilt als entschiedener Gegner von
Michail Saakaschwili, dem Führer der Protestbewegung, die den
Rücktritt Schewardnadses erzwungen hatte.
Als Reaktion darauf hatte Abaschidse am Sonntag über seine Provinz
im Südwesten Georgiens den Ausnahmezustand verhängt. Drei
weitere Provinzgouverneure legten ihr Amt nieder.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich am Montag besorgt
geäußert, dass sich der Machtwechsel im Nachbarland Georgien
unter dem Druck drohender Gewalt vollzogen habe.
Es sei ein großer Druck dadurch entstanden, dass der Konflikt
zwischen Opposition und Regierung andernfalls nicht mehr ohne Gewalt zu
lösen gewesen wäre, sagte Putin während der
wöchentlichen Kabinettssitzung. Dies löse folgerichtig
Bedenken aus. "Diejenigen, die ein solches Vorgehen organisieren und
dazu ermutigen, müssen dafür die Verantwortung vor dem
georgischen Volk übernehmen." Der georgische Präsident Eduard
Schewardnadse hatte am Sonntag nach wochenlangen Massenprotesten seinen
Rücktritt erklärt. Anschließend hatte er gesagt: "Wenn
ich morgen gezwungen wäre, meine Autorität durchzusetzen,
würde es zu einem großen Blutvergießen führen."
Allerdings hatte sich zuletzt auch die Armee auf die Seite der
Opposition gestellt.
Putin äußerte die Hoffnung, dass die neue Führung
Georgiens die "Tradition der Freundschaft zwischen beiden Ländern"
wiederbelebe. "Die Beziehungen zwischen Russland und Georgien waren in
den vergangenen Jahren ziemlich schwierig", fügte er hinzu.
Schewardnadse hat das Land während seiner elfjährigen
Regierungszeit stärker an den Westen angenähert und den
russischen Einfluss verringert. Der 75-Jährige war vor seinem
Engagement in Georgien Außenminister der Sowjetunion und nahm an
den Gesprächen zur Wiedervereinigung Deutschlands teil.
Der geplante Bau einer Erdöl- und einer Erdgasleitung durch die
Schwarzmeerrepublik dürfte von der politischen Krise in Georgien
nicht beeinträchtigt werden. Das von BP geleitete Konsortium
für die Pipeline von Baku in Aserbaidschan nach Ceyhan in der
Türkei befürchtete einem Sprecher zufolge keine
Verzögerungen.
(Quellen: rtr, ap)
Zahl der HIV-Infektionen in Russland seit 2000 fast verzehnfacht
Di.25.11.03 - In Russland hat sich die Zahl der HIV-Infizierten einem Fachmann
zufolge in den vergangenen drei Jahren fast verzehnfacht. Während
Anfang 2000 etwa einer von 5000 Russen den Aids-Virus in sich getragen
habe, sei nun bereits etwa einer von 550 mit dem Virus infiziert,
meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Montag unter
Berufung auf den Leiter des russischen Zentrums für
Aidsbekämpfung, Wadim Pokrowski. Am meisten hätten sich
Männer im Alter von 15 bis 30 Jahren mit dem Virus angesteckt.
Verschiedene Fachleute in der Behörde gingen davon aus, dass in
Russland schon in ein paar Jahren so viele Menschen an der
Immunschwächekrankheit sterben könnten wie bei
Autounfällen, wurde Pokrowski zitiert.
(Quelle: afp)
UNHCR und amnesty kritisieren
EU-Asylrichtlinie
Besorgt über "Drittstaaten"-Regelung und Abschiebung vor
Berufungsentscheid
Di.25.11.03 - Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) ist über
eine geplante EU-Richtlinie für Asylverfahren besorgt. Der Entwurf
laufe auf eine Verschlechterung bestehender Standards hinaus, mahnte
UN-Flüchtlingshochkommissar Ruud Lubbers gestern in Genf. "Falls
dieser Prozess fortgesetzt wird, fürchte ich, dass diese
Richtlinie auf einen Katalog unverbindlicher Vorschriften reduziert
wird", schrieb Lubbers an den EU-Ratsvorsitzenden und italienischen
Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Ähnlich
äußerte sich die Menschenrechtsorganisation amnesty
international (ai).
Das UNHCR warnte, dass Asylsuchende nach dem Entwurf in Länder mit
unzulänglichen Garantien für ihren Schutz geschickt werden
können. Auch sei eine Zwangsabschiebung möglich, bevor
über eine Berufung gegen einen solchen Beschluss entschieden sei.
Und Asylsuchenden, die über ein so genanntes sicheres Drittland
kommen, könne der Zugang zu einem Asylverfahren oder gar die
Einreise verweigert werden. "Das Konzept ,sicherer Drittstaat' und die
Grenzverfahren (…) werden dazu dienen, die Last von den
EU-Mitgliedstaaten auf weiter entfernte Länder abzuwälzen",
schrieb Lubbers.
"Die nationalen Regierungen scheinen einen Wettbewerb begonnen zu
haben, wer die Standards zum Flüchtlingsschutz als Antwort auf
populistischen Druck am weitesten senken kann", kritisierte amnesty
international. Die Organisation unterstützt ausdrücklich
Lubbers Kritik an den Plänen. Die EU-Innenminister treffen sich am
Donnerstag in Brüssel, um über gemeinsame Regeln für
Asylverfahren zu beraten. Ein Sprecher der EU-Kommission betonte
gestern, die Brüsseler Behörde werde keinen Beschluss
mittragen, der gegen die Genfer Flüchtlingskonvention oder die
Menschenrechte verstoße.
(Quelle: taz/dpa)
EU-Finanzminister erzielen Kompromiss im Defizitstreit
Berlin verpflichtet sich, die Neuverschuldung 2005 unter die
Drei-Prozent-Marke des Stabilitätspaktes zu drücken +++
Defizitverfahren gegen Deutschland vorerst ausgesetzt
Di.25.11.03 - Nach achtstündigem Ringen haben die Finanzminister der Eurogruppe
in der Nacht zum Dienstag in Brüssel einen Kompromiss im Streit um
neue Sparauflagen für Deutschland gefunden. Einer mehrheitlich
beschlossenen Vereinbarung zufolge verpflichtet sich Berlin, die
Neuverschuldung 2005 unter die Drei-Prozent-Marke des
Stabilitätspaktes zu drücken. Die EU-Kommission setzte sich
nicht mit ihrer Forderung durch, das Defizitverfahren gegen Deutschland
zu verschärfen. Stattdessen wurde es vorerst ausgesetzt.
Vier EU-Staaten stimmten gegen die Vereinbarung.
EU-Währungskommissar Pedro Solbes sagte: «Die EU-Kommission
bedauert zutiefst, dass die vorbereitete Schlussfolgerung nicht im
Geiste des Paktes steht.» Er werde sich weitere Schritte
vorbehalten, die Vereinbarung zu prüfen. Der deutsche
Finanzminister Hans Eichel zeigte sich dagegen erleichtert. Die
Umsetzung des Beschlusses werde zwar «sehr anstrengend für
Deutschland». Die Vereinbarung sei aber eine «realistische
Basis». Für die Erklärung gebe es eine breite
Zustimmung.
Laut Eichel verpflichtete sich die Bundesregierung, das
konjunkturbereinigte Defizit 2004 um 0,6 und 2005 um weitere 0,5
Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts abzubauen. Dem zu Grunde liege
die Prognose der EU-Kommission, wonach die deutsche Wirtschaft 2004 um
1,6 und 2005 um 1,8 Prozent wachse.
Eichel betonte, die Vereinbarung laufe außerhalb der von der
EU-Kommission vorgeschlagenen Verschärfung des Defizitverfahrens
gegen Deutschland. Wenn die Bundesregierung die Vereinbarung aber nicht
einhalte, könne das Verfahren «zu jeder Zeit» wieder
aufgenommen werden. Solbes hatte auf einer Verschärfung des
Verfahrens bestanden.
Er wollte zudem durchsetzen, dass Deutschland das konjunkturbereinigte
Defizit 2004 um 0,8 Prozentpunkte senkt. Dies hätte einer Summe
von bis zu sechs Milliarden Euro entsprochen. Die jetzt vereinbarten
0,6 Prozentpunkte hatte Eichel ohnehin für den Haushalt 2004
eingeplant. Die Vereinbarung der Eurogruppe muss von den 15
EU-Finanzministern formell noch abgesegnet werden, die am
Dienstagmorgen in Brüssel zusammenkommen wollten. Eichel sagte, er
rechne damit, dass die Vereinbarung angenommen werde.
Nach Angaben des italienischen Finanzministers und amtierenden
EU-Ratsvorsitzenden Giulio Tremonti stimmten die Niederlande,
Österreich, Finnland und Spanien gegen die Vereinbarung. Für
eine Sperrminorität reicht dies aber nicht aus.
Eichel wie auch Tremonti betonten, die Vereinbarung bewege sich im
Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Das Regelwerk habe
mittlerweile für die Haushaltspolitik eine
«außerordentliche Wirkung entfaltet», sagte Eichel.
Es sei aber auch wichtig, dass Europa aus der Wachstumsschwäche
herauskomme. Tremonti sprach von einer «intelligenten
Auslegung» des Paktes.
Der Streit um neue Sparauflagen für Deutschland war in den
vergangenen Tagen eskaliert. Die EU-Kommission wollte die
Bundesregierung dazu zwingen, das konjunkturbereinigte Defizit bis 2005
um 1,3 Prozentpunkte zu senken. Solbes wollte mit der Empfehlung sicher
gehen, dass Deutschland den Stabilitätspakt 2005 wieder
einhält. Eichel hatte die Empfehlungen mit der Begründung
kategorisch abgelehnt, dass weitere Einsparungen die langsam anziehende
Konjunktur abwürgen würde.
(Quelle: ap)
Heute ist der internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen
Di.25.11.03 - Zum heutigen internationalen Tag "Gegen Gewalt gegen Frauen" hat sich
UN-Generalsekretär Annan dafür eingesetzt, Frauen besser zu
schützen. Annan forderte die Mitgliedsstaaten der Weltorganisation
auf, für ein Ende der Vergewaltigung als Kriegsstrategie, der
Zwangsprostitution und des Frauenhandels zu sorgen. Nach Schätzung
der Vereinten Nationen werden jedes Jahr mehr als 700.000 Frauen und
Mädchen verschleppt, um dann sexuell ausgebeutet zu werden.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Arbeiterinnen in Niedriglohnländern:
Ein Tag Nähen für 1
Dollar 59
90 Prozent unserer Klamotten kommen aus Niedriglohnländern.
Diejenigen, die sie nähen, kriegen ein Prozent des Verkaufspreises
für ihre Arbeit...
Mehr in der "tageszeitung" vom 25.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/25/a0098.nf/text
Frauenhäuser in Deutschland protestieren gegen Mittelkürzungen
Di.25.11.03 - Berlin (AFP) - Gegen eine Einschränkung von Hilfsangeboten
für von Gewalt betroffene Frauen hat sich die Arbeitsgemeinschaft
Autonomer Frauenhäuser gewandt. Angesichts massiver Kürzungen
in den Haushalten von Ländern und Kommunen stünden die Opfer
von Gewalt immer häufiger vor verschlossenen Türen,
erklärte die Arbeitsgemeinschaft vor dem Internationalen Tages
gegen Gewalt gegen Frauen am Dienstag.
Als Beispiele wurden die Schließung von acht Frauenhäusern
in Hessen, die Kürzung von einer Million Euro bei Frauenprojekten
in Berlin sowie eine 30-prozentige Mittelkürzung in
Nordrhein-Westfalen genannt.
"Schließungen von Hilfeeinrichtungen gefährden die
bisherigen Erfolge in der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen",
heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung der
Arbeitsgemeinschaft und weiterer Trägerverbände von
Hilfseinrichtungen für Frauen. Sie verwiesen darauf, dass
jährlich in Deutschland etwa 40.000 Frauen und ihre Kinder
Zuflucht in Frauenhäusern finden. Bereits jetzt müssten aber
täglich Frauen wegen Platzmangels abgewiesen werden.
Eine positive Bilanz ihrer Anstrengungen zum Schutz von Frauen vor
Gewalt zog unterdessen Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD).
Der 1999 vorgelegte diesbezügliche Aktionsplan der Bundesregierung
werde in enger Zusammenarbeit mit den Trägern der Hilfsangebote
sowie mit Ländern und Kommunen umgesetzt.
"Betroffene Frauen verhalten sich nicht länger als stille Opfer,
sondern nehmen aktiv die Unterstützung durch staatliche Stellen an
und nutzen die vielfältigen Einrichtungen und Hilfsangebote,
insbesondere Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen und Notrufe",
erklärte die Ministerin. Auch Schmidt appellierte aber
eindringlich an Länder, Kommunen und Sponsoren, ihr bisheriges
Engagement fortzusetzen.
Blick ins Archiv
Afghanische Frauen verzichten nach Drohung auf Kandidatur
Sa.22.11.03 - Nach Morddrohungen haben zwei Frauen in Afghanistan am Freitag ihre
Kandidatur für die Große Ratsversammlung (Loja Dschirga)
zurückgezogen. Beide seien am Abend zuvor in ihren Wohnungen in
Dschalalabad von maskierten und bewaffneten Männern bedroht
worden, sagte eine der beiden Kandidatinnen, Humaira. Die Wahl in der
Stadt wurde daraufhin zunächst ausgesetzt. Die Loja Dschirga soll
am 10. Dezember die neue Verfassung Afghanistans verabschieden. Ein
Fünftel der insgesamt 500 Sitze des Rats ist explizit Frauen
vorbehalten.
(Quelle: ap)
UN beklagen weltweite Gewalt gegen Frauen
Sa.22.11.03 - Weltweit wird einem UN-Bericht zufolge jede dritte Frau im Laufe ihres
Lebens geschlagen, vergewaltigt oder auf andere Weise misshandelt.
Gewalt gegen Frauen sei "das am weitesten verbreitete und am wenigsten
bestrafte Verbrechen", beklagt der UN-Entwicklungsfonds für Frauen
(UNIFEM) in seiner am Freitag in New York veröffentlichten
Untersuchung.
In vielen Ländern seien zwar Fortschritte beim gesetzlichen Schutz
der Frauen zu verzeichnen, doch würde die Einhaltung der Gesetze
oftmals nicht entsprechend nachhaltig durchgesetzt. Den Regierungen
würde dazu häufig das Geld fehlen, das sie eher in
Militär oder Sicherheitskräfte investierten, heißt es
in dem Bericht zum Internationalen Frauentag am 25. November.
Die Gewalt gegen Frauen sei eine "globale Pandemie", erklärte
UNIFEM-Exekutivdirektorin Noeleen Heyzer. Sie zu bekämpfen,
müsse international Priorität erhalten. Im vergangenen Jahr
sei UNIFEM von Frauen in aller Welt um Unterstützung in Höhe
von mehr als 15 Millionen Dollar (rund 12,6 Millionen Euro) gebeten
worden, habe ihnen aber nur mit rund eine Million Dollar unter die Arme
greifen können.
(Quelle: ap)
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Ausschuss 'Wahlbetrug' endet im Streit
Di.25.11.03 - Der Untersuchungsausschuss zum angeblichen rot-grünen Wahlbetrug
hat in einem heftigen Parteienstreit geendet. Im Abschlussbericht, den
SPD und Grüne mit ihrer Mehrheit am Montag beschlossen, werden die
Lügenvorwürfe als "haltlos" bezeichnet. Union und FDP kamen
nach monatelanger Beweisaufnahme zu einem gegensätzlichen
Ergebnis: Minister hätten die die Öffentlichkeit über
die Lage der Staats- und Sozialkassen belogen.
Der Ausschuss beendete seine Arbeit knapp ein Jahr nach seiner
Einsetzung. Am 11. Dezember wird der Bundestag abschließend
über die Ergebnisse des Gremiums beraten. Ein Kodex über die
Informationspflichten von Regierungen vor Wahlen, wie er zu Beginn der
Ausschussarbeit im Gespräch war, wird dann nicht beschlossen
werden. Die Parteien konnten sich darüber nicht einigen.
Das Gremium sollte untersuchen, ob Mitglieder der Bundesregierung die
Öffentlichkeit vor der Bundestagswahl am 22. September 2002
"falsch oder unvollständig" über die Lage der Staats- und
Sozialkassen unterrichtet hatten. Nach Auffassung von Unions-Obmann
Peter Altmaier (CDU) haben dabei sowohl Finanzminister Hans Eichel als
auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und der damalige
Arbeitsminister Walter Riester (alle SPD) die Bürger falsch
informiert.
Altmaier machte Eichel den Vorwurf, öffentlich an einer
Neuverschuldung von rund 21 Milliarden Euro festgehalten zu haben,
obwohl Fachbeamte bereits Mitte 2002 eine Neuverschuldung von 33
Milliarden Euro eingeplant hätten. Zudem kreidete die Union Eichel
an, er habe wider besseres Wissen den Eindruck erweckt, Deutschland
werde das Maastricht-Kriterium von höchstens 3,0 Prozent
Neuverschuldung erreichen.
Ulla Schmidt habe schon Ende August 2002 interne Informationen gehabt,
dass die Krankenversicherung in eine größere Schieflage
kommen werde als vor der Wahl dargestellt. «Das
Lügengebäude der Regierung» sei in dem Gremium
zerbrochen, lautete das Unions-Fazit.
SPD-Obmann Dieter Wiefelspütz meinte hingegen, dass der Ausschuss
überflüssig gewesen sei. Nach der Arbeit wisse er nun, wie
unsicher Prognosen seien. Selbst wenn man einen Betrug wollte, sei dies
nicht möglich, weil ohnehin alle Daten öffentlich seien.
Grünen-Sprecher Jerzy Montag sagte, der Vorwurf der Wahllüge
sei "wie eine Seifenblase geplatzt".
Der Ausschuss hat in 33 Sitzungen 32 Zeugen vernommen. Prominentester
Zeuge war am 3. Juli der Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der
damals alle Vorwürfe abgestritten hatte. Der FDP- Abgeordnete
Hans-Joachim Otto sagte, bei Schröder gebe es eine Diskrepanz
zwischen objektiver Wahrheit und seinen Aussagen vor der Wahl. Altmaier
sagte, entweder habe Schröder gelogen oder er sei von seinem Haus
schlecht informiert worden. Letzteres könne er sich aber nur
schwer vorstellen.
(Quelle: dpa)
Chef der Bundesanstalt für Arbeit weiter in der Kritik
Gerster sieht sich als Opfer einer
"inszenierten Medienkampagne"
Di.25.11.03 - Die Kritik am Chef der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Florian
Gerster, wegen des 1,3-Millionen-Beratervertrages mit der Berliner
Firma WMP reißt nicht ab. CDU und FDP behielten sich
Rücktrittsforderungen vor für den Fall, dass sich die
Vorwürfe der Geldverschwendung bestätigen.
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte dem Bonner
"Generalanzeiger" (Dienstag): "Es reicht jetzt langsam mit den
Eskapaden von Herrn Gerster. Er soll sich (am Freitag) vor dem
Bundestags-Ausschuss für Wirtschaft für sein Verhalten
rechtfertigen. Danach sehen wir weiter."
FDP-Fraktionsvize Carl-Ludwig Thiele sagte der Chemnitzer "Freien
Presse" (Dienstag), sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten,
dürfte Gerster nicht mehr zu halten sein. Es sei "abenteuerlich",
in dieser Höhe Beitragsgelder für Öffentlichkeitsarbeit
der BA zu verwenden. Für personelle Konsequenzen aus dem "Skandal"
hatten am Wochenende bereits die Unionspolitiker Horst Seehofer (CSU)
und Hermann-Josef Arentz (CDU) plädiert.
Das Bundesarbeitsministerium stellte sich am Montag vor den BA-
Vorstandsvorsitzenden. Eine Sprecherin stellte aber im Berliner
"Tagesspiegel" (Dienstag) auch klar: "Wenn der Verwaltungsrat der BA
die Rechtmäßigkeit des Vertrags anzweifelt, dann sind wir
bereit, dies zu überprüfen." Es gebe "keine Anhaltspunkte,
Herrn Gerster im Moment in irgendeiner Weise zu kritisieren", hatte es
am Montag vom Ministerium geheißen.
Gerster sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag):
"Solange ich den Eindruck habe, dass ich Rückendeckung in der BA
und in der Regierung habe, denke ich nicht an einen Rücktritt." Es
handele sich um eine "inszenierte Medienkampagne".
Die Bundesanstalt hatte WMP für ein Honorar von rund 500 000 Euro
in diesem und rund 800 000 Euro im kommenden Jahr beauftragt, die
Kommunikationsabläufe und die Öffentlichkeitsarbeit der
Behörde umzustrukturieren. Dazu stellt die BA zusätzlich 25
Millionen Euro für eine Imagekampagne bereit, um den Umbau in der
Öffentlichkeit zu begleiten.
Gerster nannte diese Summe "bescheiden" angesichts der
Größenordnung der Institution. Die Kampagne sei nötig,
um den neuen Namen der Bundesanstalt, die neuen Instrumente und den
virtuellen Arbeitsmarkt der Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Die Bundesanstalt sieht mit der Kritik an dem WMP-Vertrag ihre nach
eigener Ansicht Erfolg versprechende Reformarbeit diskreditiert. Alle
Beteiligten sollten zur Sachlichkeit zurückkehren "und erst
Tatsachen zur Kenntnis nehmen, bevor Urteile abgegeben werden",
forderte der BA-Vorstand. Die Grünen warnten vor einer Kampagne
gegen Gerster, ließen aber auch Unbehagen über den Vorgang
erkennen.
Die BA-Verwaltungsratsvorsitzende, DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer, hatte
sich am Montag von Gerster distanziert. ver.di- Vorstandsmitglied
Isolde Kunkel-Weber kritisierte im "Tagesspiegel" mit Blick auf den
Beratervertrag eine "Anrüchigkeit" und befürchtete einen
"weiteren Verlust an Glaubwürdigkeit" für die BA. Die
Vertragssumme komme ihr "ziemlich hoch" vor.
WMP-Vorstandsmitglied Schiphorst wies am Montag den Vorwurf
zurück, es sei ein "Geheimvertrag" mit Gerster geschlossen worden.
Man habe die Zusammenarbeit im April "sofort" publik gemacht, sagte er
in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering zeigte Verständnis
für die Öffentlichkeitsarbeit der BA. Wer einen so
großen Haushalt zu verwalten habe, der müsse "auch über
eine gute Öffentlichkeitsarbeit nachdenken", sagte
Müntefering am Montagabend in Berlin. Dazu gehöre auch die
Zusammenarbeit mit Werbeagenturen. "Alle, die jetzt so tun, als ob das
ungewöhnlich ist, sind nicht ganz ehrlich."
(Quelle: dpa)
Ein Vorschlag zur Bewältigung des Arbeitslosenproblems: Die
Bundesanstalt für Arbeit schreibt millionenschwere Aufträge
aus für erwerbslose Grafiker, Texter, Schnelldenker und andere
Quereinsteiger...
...Die Aufgabenstellung: ein Werbekonzept für die neue
Arbeitsmarktpolitik der rot-grünen Bundesregierung. Etwa so:
"Entwickeln Sie eine Kampagne für die Arbeitsämter, einen
Auftritt auf Plakaten, Anzeigen und im Fernsehen, der Millionen
Joblosen die Kürzungen bei der Arbeitslosenhilfe nahe bringt und
das Arbeitsamt als Dienstleistungsagentur erscheinen lässt. Sie
als Betroffener wissen am besten um die Sensibilität des
Themas."...
Eine solche Ausschreibung wäre mehr als ein Gag, denn schlagartig
enthüllte sich damit das Verrückte an der PR-Politik des
Chefs der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster. Es gibt
nichts Zynischeres, als mit viel Tamtam für etwas zu werben, das
den Betroffenen nur Nachteile bringt. Gerster hat mit der geplanten
Ausweitung der Werbekampagnen deshalb ein falsches Signal gesetzt...
."tageszeitung" vom 25.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/25/a0007.nf/text
|
BfA-Mitarbeiter demonstrieren gegen Stellenabbau
Strukturreform bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte
kostet laut Personalrat 8000 Arbeitsplätze
Di.25.11.03 - Beschäftigte der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte
demonstrieren heute für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Nach
Einschätzung des Personalrats wird die Neustrukturierung der
gesetzlichen Rentenversicherung in Berlin bis zu 8000
Arbeitsplätze kosten. Nach jahrelangem Streit hatten sich Bund und
Länder auf eine neue Struktur bei der Rentenversicherung geeinigt.
Der Personalrat fürchtet, dass dadurch 2,9 Millionen Versicherte
verloren gehen. Er erwartet zu der Demonstration rund 10 000 Teilnehmer.
(Quelle: dpa)
Bundesregierung hat Zweifel an Ausbildungsplatzabgabe
Di.25.11.03 - Die Bundesregierung hat große Zweifel, dass die vom SPD-Parteitag
beschlossene Ausbildungsplatzabgabe tatsächlich in Kraft treten
wird. Das schreibt die "Leipziger Volkszeitung" Bundeskanzler Gerhard
Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement wollen demnach
keinesfalls eine zentrale Abgabe unterstützen. In Frage käme
allenfalls eine freiwillige Regelung für Arbeitsamts- Regionen mit
besonderen Problemen bei der Jugendarbeitslosigkeit. Die Union will
jede Form von Ausbildungsplatzabgabe ablehnen.
(Quelle: dpa)
Hessen setzt Polizei gegen Schulschwänzer ein
Di.25.11.03 - Hessen will verstärkt die Polizei einsetzen, um notorische
Schulschwänzer zurück auf die Schulbank zu bringen. Die
Landesregierung kündigte am Montag in Wetzlar ein Modellprojekt
gegen Schulschwänzer an, das am 1. März 2004 in Mittelhessen
starten soll. In enger Verzahnung sollen die beteiligten Schulen, das
Schulamt, der schulpsychologische Dienst, die kommunalen
Jugendämter und die Polizei für eine Wiederaufnahme des
geregelten Schulbesuchs sorgen.
"Wer sich zu lange vor der Schulbank drückt, läuft Gefahr,
ins gesellschaftliche Abseits und in eine Abwärtsspirale zu
geraten", warnte Innenminister Volker Bouffier (CDU). Nicht selten
mündeten Schulschwänzerkarrieren in fehlenden
Schulabschlüssen, Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Wenn man
frühzeitig eingreife, könne man auch dem Entstehen von
Jugendkriminalität vorbeugen. An dem Modellprojekt nehmen
zunächst acht Schulen im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis teil.
Bouffier kündigte an, die Polizei werde in Wetzlar und Umgebung
künftig die einschlägigen Treffpunkte von Jugendlichen
kontrollieren und Schulschwänzer notfalls zwangsweise an die
Schulen zurückbringen. Nach Angaben des Kultusministeriums sollen
in einem ersten Schritt Vertreter von Schule, Schul- und Jugendamt
Gespräche mit den betroffenen Eltern und Schülern
führen, um die Jugendlichen wieder zum Schulbesuch zu motivieren.
Bei einem erfolgreichen Verlauf des Modellprojekts soll das
Anti-Schulschwänzer-Programm auf das ganze Land ausgedehnt werden.
Die hessischen Grünen forderten die Landesregierung auf, in erster
Linie die Ursachen des Schwänzens zu bekämpfen: "Nach den
Äußerungen des Innenministers ist zu befürchten, dass
das Modellprojekt hauptsächlich auf spektakuläre
Polizeieinsätze zielt und nicht auf die Vernetzung von Hilfs- und
Beratungsangeboten innerhalb und außerhalb der Schulen",
kritisierte die Grünen-Abgeordnete Priska Hinz.
Im vergangenen Jahr hatte eine damals 14-Jährige aus dem
südosthessischen Flörsbachtal als "Deutschlands schlechteste
Schülerin" Schlagzeilen gemacht. Wie damals bekannt wurde, war das
Mädchen versetzt worden, obwohl es im ersten Halbjahr 2002
insgesamt 76 mal die Schule geschwänzt hatte und ihr Zeugnis
ausnahmslos Sechsen aufwies. Die Versetzung wurde seinerzeit auf
Anweisung des hessischen Kultusministeriums rückgängig
gemacht.
(Quelle: ap)
Medienkonsum steigt weiter
Deutsche surfen täglich 49 Minuten im Internet - Fünf Mal
mehr als 1999. Damit hat das Netz sowohl Tageszeitungen als auch
Zeitschriften hinter sich gelassen +++ Insgesamt acht Stunden pro Tag
für TV, Internet und Radio
Di.25.11.03 - Die Mediennutzung ist in den letzten Jahren bei den 14- bis
49-Jährigen weiter gestiegen. Laut einer aktuellen Langzeitstudie
konsumieren die Befragten täglich acht Stunden, bei der letzten
Befragung 1999 waren es noch um eineinhalb Stunden weniger. Davon
surfen die Befragten 49 Minuten pro Tag im Internet, mehr als fünf
Mal so lange wie 1999 (neun Minuten). Damit hat das Netz sowohl
Tageszeitungen (22 Minuten, 1999: 24) als auch Zeitschriften (15
Minuten, 1999: 15) hinter sich gelassen.
Der TV-Konsum ist in derselben Zeit von 146 auf 156 Minuten pro Tag
gestiegen, Radio wird mittlerweile bis zu 160 Minuten täglich
gehört (1999: 143). Subjektiv am wichtigsten ist den Befragten
laut Studie das Fernsehen. 72 (1999: 71) Prozent gaben an, dass ihnen
das Fernsehen wichtig oder sehr wichtig sei. Damit ist die Bedeutung
dieses Mediums weitgehend konstant geblieben, während die Werte
des Radios (69 Prozent, 1999: 73) und der Tageszeitungen (64 Prozent,
1999: 74) zurückgingen.
Die Studie wurde vom Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von
SevenOne Media durchgeführt.
(Quelle: futurezone)
Virtuelle Stimme macht Sängern Konkurrenz
Eigenkompositionen in Zukunft von Weltstars singen lassen +++ Software
"Vocaloid" ermöglicht Interpretenwechsel auf Knopfdruck
Di.25.11.03 - Statt sich mit zickenden Diven und ihren Allüren herum zu
ärgern, könnten Musikproduzenten schon bald auf eine Stimme
aus der Retorte zurückgreifen, die 24 Stunden täglich
unermüdlich jeden noch so albernen Song trällern kann.
Wissenschaftler der spanischen Pompeu Fabra Universität haben im
Auftrag von Yamaha eine elektronische Stimme "Vocaloid" entwickelt.
Die Software erlaubt dem Nutzer, Eigenkompositionen von einer
körperlosen, aber äußerst lebensechten Stimme in
Konzertqualität singen zu lassen. In weiterer Folge wäre auch
denkbar, dass Weltstars wie Robbie Williams und Madonna oder auch
längst verstorbene Legenden wie Elvis mit Hilfe der Software
allzeit für ein Duett bereit stehen.
Die Software analysiert die tagelang in unzähligen Lauten
eingesungene Formantstruktur einer Stimme, extrahiert sie und speichert
sie in so genannten Vocal Bibliotheken. Gibt man anschließend
einen beliebigen Wortlaut und Melodie vor, singt der Computer mit der
zuvor analysierten Stimme.
Quelle: futurezone (24.11.03)
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&view=bw&id=200712&tmp=6880
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
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