Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertzweiundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
USA wollen sich nicht auf neue UN-Resolution zur Billigung des
Zeitplans des irakischen Regierungsrats für die Machtübergabe
in Irak festlegen +++ Zentrale der US-Zivilverwaltung in Bagdad
beschossen +++ Der November war für die US-Truppen in Irak der
bisher blutigste Monat seit Beendigung der Hauptkampfhandlungen +++ US-Zivilverwalter
Bremer: Widerstand richtet sich vermehrt gegen Iraker +++
Hilfsorganisation Care Australia erhält Todesdrohungen +++ Tokio
will trotz Ablehnung im Volk Truppen nach Irak schicken +++ Bush: USA
halten in Irak und Afghanistan bis zum Ende durch
Mi.26.11.03 - Entgegen den Forderungen des irakischen Regierungsrats will sich die
US-Regierung nicht auf eine neue UN-Resolution zur Billigung des
Zeitplans für die Machtübergabe in Irak festlegen. Die Frage
müsste "zum geeigneten Augenblick" mit dem irakischen
Regierungsrat und dem UN-Sicherheitsrat geprüft werden, sagte
US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Dienstag. Die Initiative
für eine neue UN-Resolution sei allein von der irakischen Seite
ausgegangen. Washington wolle "nach und nach" entscheiden.
Widerstandskämpfer haben am Dienstag in der irakischen Hauptstadt
Bagdad die Zentrale der US-Zivilverwaltung mit Raketen oder Granaten
beschossen. Reuters-Korrespondenten berichteten, bei der
US-Zivilverwaltung hätten Sirenen geheult.
"Angriff. In Deckung. Das ist keine Übung", wurde über
Lautsprecher durchgesagt. Die US-Zivilverwaltung, die in einem Palast
des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein am Westufer des
Tigris untergebracht ist, war in diesem Monat mehrmals unter
Granatenbeschuss gekommen.
Die Explosionen erschütterten das Zentrum von Bagdad nach Einbruch
der Dunkelheit. Anwohner in einem benachbarten Stadtteil berichteten,
mindestens zwei Raketen seien in der Nähe eingeschlagen. Ein
großer Krater wurde in eine Straße gerissen. Es gab aber
keine Anzeichen dafür, dass jemand verletzt wurde. Auch ein leer
stehendes Wohnhaus wurde beschädigt.
Seit die US-Regierung am 1. Mai die Hauptkampfhandlungen im Irak
für beendet erklärte, sind mehr als 180 US-Soldaten bei
Angriffe getötet worden. Der November war für die
US-Truppen der bisher blutigste Monat. Im ganzen Land kamen mehr als 60
US-Soldaten ums Leben. Allerdings sei die Zahl der Angriffe auf etwa 30
am Tag zurückgegangen, sagte am Dienstag US-Oberst William Darley.
Dies sei zwar niedriger als vor etwa zwei Wochen mit täglich 40
Attacken, entspreche aber der Situation im Oktober und bedeute
verglichen mit August und September immer noch ein erhöhtes Mass
an akuter Gefährdung.
Der Chef der US-Zivilverwaltung, Paul Bremer, rechnete mit weiterer
Gewalt. "Wir müssen davon ausgehen, dass es in den kommenden
Monaten in diesem Land weiterhin Terrorismus geben wird."
Ziel der Angriffe der Aufständischen seien jedoch statt der
Koalitionstruppen nun vermehrt Iraker, die mit den USA
zusammenarbeiteten, sagte US-Zivilverwalter Paul Bremer am Dienstag auf
einer Pressekonferenz in Bagdad. "Früher waren Angriffe auf die
Koalition vorherrschend. Jetzt sind Terroranschläge auf Iraker die
Regel."
Bremer sagte, den Aufständischen sei es nicht gelungen, die
Koalitionstruppen einzuschüchtern. Nun versuchen sie, "unschuldige
Iraker" einzuschüchtern. "Das wird ihnen nicht gelingen",
fügte er hinzu. Man müsse damit rechnen, dass die
Widerstandskämpfer in den kommenden Monaten auch die
"Institutionen der Demokratie" in Irak angreifen würden, um den
politischen Prozess zu stören.
Der Oberbefehlshaber des US-Oberkommandos Mitte, General John Abizaid,
unter dessen Befehl auch die Truppen in Irak stehen, sagte auf
derselben Pressekonferenz, es gebe nur kleine Gruppen
ausländischer Kämpfer in Irak. Sie kämen auch nicht zu
Tausenden, sondern nur in kleinen Gruppen über die Grenzen, sagte
Abizaid. Er hob hervor, bislang seien keine Iraner darunter entdeckt
worden. Das Hauptproblem seien nicht die ausländischen
Kämpfer, sondern "die Agenten des früheren Regimes".
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte in Washington, sein
Ministerium diskutiere mit der US-Zivilverwaltung darüber, ob
möglicherweise ganze Einheiten der aufgelösten irakischen
Armee wieder einberufen werden könnten. Er schloss nach Angaben
des US- Fernsehsenders CNN jedoch aus, dass höhere, Saddam Hussein
nahe stehende Offiziere wieder aktiviert werden.
Die 4. US-Infanteriedivision teilte am Dienstag mit, bei fast 200
Razzien innerhalb von 24 Stunden seien nördlich von Bagdad 18
Iraker festgenommen worden. Die Soldaten hätten zahlreiche Waffen
beschlagnahmt sowie Munition und Zünder zerstört.
Die Hilfsorganisation Care Australia berichtete am Dienstag, es seien
Todesdrohungen gegen ihre Mitarbeiter in Irak eingegangen. Die sechs
ausländischen Mitarbeiter seien deshalb abgezogen worden, die
irakischen Helfer seien angewiesen worden, zu Hause zu bleiben. Eine
Gruppe namens Irakischer Widerstand habe gedroht, alle Mitarbeiter ohne
weitere Vorwarnung umzubringen.
Trotz überwältigender Ablehnung in der japanischen
Bevölkerung hält die Regierung in Tokio an ihrem Plan fest,
Truppen nach Irak zu entsenden. In Anbetracht der Partnerschaft mit den
USA, der Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft und des
nationalen Interesses müsse Japan zur Bildung einer demokratischen
und stabilen Regierung in Irak beitragen, sagte Ministerpräsident
Junichiro Koizumi am Dienstag vor dem Tokioter Parlament.
Kabinettssekretär Yasuo Fukuda erklärte, angesichts der
"Terrorakte" in Irak und der Türkei sei es natürlich, dass
die öffentliche Meinung gegen eine Truppenentsendung sei. Aber
"wenn wir diesen Drohungen nachgeben", könnten die
"terroristischen Gruppen" noch ermutigt werden.
US-Präsident George W. Bush hat die Fortsetzung des
US-Militäreinsatzes in Irak und Afghanistan bekräftigt. Die
USA würden "bis zum Ende durchhalten", um in beiden Ländern
"Demokratie und Freiheit" zu schaffen, sagte Bush in einer Rede am
Dienstag in Las Vegas. "Wir bewältigen die kurzfristigen
Sicherheitsbedürfnisse, indem wir in der Offensive bleiben",
fügte der US-Präsident hinzu.
(Quellen: rtr, dpa, afp, ap)
Teile der anglo-amerikanischen Streitkräfte im Irak sollen auf
unbefristete Zeit dort bleiben
Die Auswahl der Stationierungsorte ermöglicht die strategische
Kontrolle des ganzen Landes und militärische Operationen in
Nachbarländern...
Mehr in der "tageszeitung"vom 26.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/26/a0048.nf/text
|
USA planen Neuordnung ihrer Militärpräsenz im Ausland
Mi.26.11.03 - Die Vereinigten Staaten wollen ihre Militärpräsenz im Ausland
neu ordnen. US-Präsident Bush erklärte, man werde mit den
Verbündeten über eine Umverteilung der Truppen sprechen. Die
Truppen, so Bush, müssten am richtigen Ort sein, um
Problemstaaten, dem globalen Terrorismus und Massenvernichtungswaffen
besser begegnen zu können.
Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte in
Ergänzung zur Erklärung Bushs, dass gemeinsam mit den
Allierten zu überlegen sei, welche Militärpräsenz am
sinnvollsten sei. Rumsfeld strebt Änderungen an, die einen
flexibleren Einsatz der im Ausland stehenden Truppen ermöglichen.
Neben der Stationierung in Deutschland steht die amerikanische
Militärpräsenz in Südkorea im Mittelpunkt der
Überprüfungen. Es gilt als wahrscheinlich, dass ein Teil der
in Deutschland stationierten Truppen abgezogen wird. In Deutschland
leben derzeit in etwa 70.000 US-Soldaten. In Westeuropa haben die USA
116.000 Soldaten stationiert. Wie die US-Zeitung "Washington Times" am
Montag unter Berufung auf ranghohe US-Militärs berichtete, will
das Pentagon auch Soldaten aus Südkorea abziehen, wo derzeit
etwa 37.000 Mann stationiert sind.
Rumsfeld wird die anstehenden Fragen bereits Anfang nächster Woche
bei einem Verteidigungsministertreffen der NATO in Brüssel
erörtern. Anschließend soll Außenminister Colin Powell
die Überlegungen im Kreis seiner NATO-Kollegen fortsetzen.
(Quellen: ap, afp, br-Radionachrichten)
Rüstungsinspekteure der UN sollen weltweites Mandat erhalten
Mi.26.11.03 - Die Arbeit der internationalen Rüstungsinspekteure in Irak ist vom
Kriegsbeginn jäh gestoppt worden. Jetzt wollen Frankreich und
Grossbritannien das Kontrollgremium UNMOVIC mit einem weltweiten und
dauerhaften Mandat für die Suche nach biologischen Waffen und die
Aufdeckung von Raketenprogrammen ausstatten, wie Recherchen der
Nachrichtenagentur AP ergeben haben.
Der britisch-französische Vorstoss wird nach Angaben von
UN-Mitarbeitern und Diplomaten auch von der Europäischen Union
insgesamt sowie von Russland und Kanada unterstützt. Die USA aber
sind dagegen - und sehen sich damit in dieser Frage im gleichen Lager
wie die zurzeit dem Sicherheitsrat angehörenden Staaten Syrien und
Pakistan, deren Rüstungsplanung international mit Sorge betrachtet
wird.
Aus Sicht der USA sind die Aufgaben der UNMOVIC mit dem Krieg bis auf
weiteres obsolet geworden. Jetzt liege die Verantwortung für die
Suche nach Massenvernichtungswaffen in Irak bei den Streitkräften
der Koalition, hat der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte
erklärt. Erst nach dem Abschluss der von CIA-Mitarbeiter David Kay
geleiteten Suche wollen die USA über das weitere Mandat von
UNMOVIC sprechen - und das wird erst für Juni kommenden Jahres
erwartet.
London und Paris wollen sicherstellen, dass die Fachkenntnisse der
UNMOVIC-Experten in Irak auch künftig im Dienst der
internationalen Rüstungskontrolle stehen. Die
Rüstungsinspekteure, die zum Teil schon den gesamten Prozess der
Kontrollen in Irak seit dem Golfkrieg von 1991 begleiten, gelten
weltweit als die besten Experten für biologische Waffen und
Raketenprogramme. Sie haben auch nach Chemiewaffen gesucht, aber hier
gibt es bereits ein globales Mandat in den Händen der Organisation
für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag. Und die
Kontrolle der Atomrüstung ist Aufgabe der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien.
Neben den grundsätzlichen Bedenken der USA gibt es das Problem der
Finanzierung. Der UNMOVIC-Einsatz in Irak wurde aus der irakischen
Ölförderung bezahlt. Bei einem neuen, erweiterten Mandat
müssten die Vereinten Nationen erst neue Geldquellen erschliessen.
Die schwedische UN-Diplomatin Elisabet Borsiin Bonnier hat
vorgeschlagen, UNMOVIC zu einer ständigen Abteilung des
Sekretariats der Vereinten Nationen oder zu einem eigenen Organ des
Sicherheitsrates zu machen. Legitimität und Fachwissen würden
UNMOVIC zu einem idealen Gremium machen, um der Bedrohung durch Staaten
entgegen zu wirken, die sich nicht an internationale
Abrüstungsverträge hielten, sagte Bonnier im Oktober
während einer Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen.
Andere Diplomaten, darunter auch britische, haben vorgeschlagen, die
UNMOVIC (U.N. Monitoring, Verification and Inspection Commission)
umzubennen, um das erweiterte Mandat im Namen kenntlich zu machen, und
den Sitz von New York nach Wien zu verlegen.
(Quelle: ap)
Britischer Richter kritisiert USA wegen Guantánamo
Vorgehensweise in dem US-Gefangenenlager auf Kuba sei ein
'monströser Verstoß gegen das Rechtswesen'
Mi.26.11.03 - Wegen ihrer Gefangenenpolitik in Guantánamo hat der
dritthöchste britische Richter die Vereinigten Staaten scharf
kritisiert. Er betrachte die Vorgehensweise der USA in diesem Fall "als
einen monströsen Verstoß gegen das Rechtswesen", zitierte
der britische Nachrichtensender Channel 4 aus einer Rede von Lord Johan
Steyn in London.
Es stelle sich die Frage, ob die US-Justiz in dem Lager auf Kuba "mit
den internationalen Mindestnormen für den Verlauf eines
rechtmäßigen Verfahrens" in Einklang sei. "Die Antwort
darauf fällt ziemlich kurz aus. Es handelt sich um ein klares
Nein", fuhr der Richter demnach fort. Die Gefangenen von
Guantánomo würden "in äußerster Gesetzlosigkeit"
festgehalten und "jeglicher Rechte" beraubt.
Derzeit halten die USA rund 650 Häftlinge aus 42 Ländern in
dem US-Lager auf Kuba fest; neun von ihnen stammen aus
Großbritannien. Die meisten Gefangenen sind bereits seit rund
zwei Jahren in Guantánamo. Ihnen werden Verbindungen zu den
Taliban und zur Terrororganisation El Kaida vorgeworfen. Die
US-Regierung verweigert den Inhaftierten den Status und damit auch die
Rechte von Kriegsgefangenen; die meisten von ihnen haben keinerlei
Rechtsbeistand.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
USA signalisieren Israel ihren Unmut über Kurs im Nahost-Konflikt.
Washington kürzt Kreditbürgschaften für Israel +++
Autonomiebehörde erwartet Waffenstillstand bereits nächste
Woche +++ Israels Arbeitspartei zum israelischen Rückzug auf Grenzen von
67 bereit +++ Israels Rechte fordert Annexion der
Palästinensergebiete
Mi.26.11.03 - Die USA haben der israelischen Regierung ihren Unmut über deren
Kurs im Nahost-Konflikt signalisiert und eine Kürzung der
Kreditgarantien beschlossen. Die für dieses Jahr zugesagten
Garantien von 1,4 Milliarden Dollar würden um 289,5 Millionen
Dollar verringert, teilte die israelische Botschaft mit. Israel kann
mit Hilfe der amerikanischen Unterstützung Kapital zu niedrigeren
Zinsen aufnehmen, was wegen der angeschlagenen Volkswirtschaft für
den Verbündeten der USA von großer Bedeutung ist.
Die Entscheidung fiel am Montag bei einem Treffen beider Seiten im
Weißen Haus, das von der Nationalen Sicherheitsberaterin
Condoleezza Rice geleitet wurde. Eine offizielle Begründung
für die Kürzung wurde nicht gegeben. Doch sagte der Sprecher
des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Sean McCormack, die
Vereinbarung trage Bedenken der USA hinsichtlich des israelischen
Vorgehens im Westjordanland und im Gazastreifen Rechnung. Konkret geht
es offenbar vor allem um den von Washington abgelehnten Bau einer
Sperranlage entlang der palästinensischen Autonomiegebiete.
Die Kreditgarantien der USA zur Förderung der israelischen
Wirtschaft hatten bislang ein Volumen von neun Milliarden Dollar
über einen Zeitraum von drei Jahren. Bereits im Oktober hat das
US-Außenministerium den Kongress von der geplanten Kürzung
unterrichtet. Zahlen wurden dabei aber noch nicht genannt.
Die palästinensische Autonomiebehörde rechnet derweil bereits
in der kommenden Woche mit einer Waffenstillstandserklärung der
militanten Palästinenserorganisationen. Er erwarte, dass die
militanten Gruppen sich bei den geplanten Verhandlungen in Ägypten
zu einer Waffenruhe bekennen würden, sagte Kabinettsminister Sajeb
Erakat. Die Gespräche sollen am kommenden Dienstag in Kairo
beginnen. Der israelische Regierungsberater Salman Schowal
erklärte, Israel würde eine Waffenruhe positiv aufnehmen.
Erakat sagte, der Erfolg des Waffenstillstands hänge von der
Reaktion Israels ab. Wenn die Palästinenser sich zu einem
Gewaltverzicht bereit erklärten, müsse auch Israel die
"Gewalt gegen die Palästinenser" beenden.
Die israelische Arbeitspartei ist im Falle eines Friedensschlusses
zwischen Israel und den Palästinensern zum Abzug aus den 1967
besetzten Gebieten bereit. Das geht aus einem Friedensplan hervor, den
die Partei am Abend beschloss. Damit würde auch die Teilung
Jerusalems in einen jüdischen und einen arabischen Teil
akzeptiert. Die Errichtung der Sperranlagen zwischen Israel und dem
Westjordanland wird in dem Entwurf befürwortet. Die Arbeitspartei
hatte bei der Parlamentswahl im Januar nur noch halb so viele Sitze
erhalten wie die regierende Likud-Partei.
Die politische Rechte in Israel will indes mit allen Mitteln
Zugeständnisse der Regierung Ariel Scharon an die
Palästinenser verhindern. Die Führung des jüdischen
Siedlerrats in den besetzten Gebieten kündigte am Dienstag an, man
werde eine "Eiserne Wand" schaffen, um die im Rahmen des
Nahost-Friedensplans vorgesehene Räumung von Siedlungen zu
verhindern.
Nach dem "Plan" der Siedler würde Israel das Westjordanland und
der Gazastreifen faktisch annektieren und den hier lebenden über
drei Millionen Palästinensern die israelische
Staatsangehörigkeit anbieten. Eine "jüdische Mehrheit" in
diesem Staat würde per Gesetz gesichert. Israelische
Oppositionspolitiker nannten den Plan "rassistisch".
In Israel sorgte der Plan des radikalen Siedlerrats für Aufsehen,
mit dem die radikale Führung der rund 230 000 jüdischen
Siedler Zugeständnisse Scharons an die Palästinenser
blockieren will. Danach würde ein aus Israel und den
Palästinensergebieten bestehendes "Palästina" in zehn Bezirke
eingeteilt, von denen lediglich zwei oder drei auf die
Palästinenser entfallen würden. Damit werde auf Dauer eine
"jüdische Mehrheit" im israelischen Parlament gesichert. In der
israelischen Verfassung würde außerdem festgeschrieben, dass
der Regierungschef immer ein Jude sein muss.
Die radikale Rechte, zu der auch zahlreiche führende Mitglieder
der regierenden Likud-Partei Scharons gehören, machte bereits
deutlich, dass sie sich mit allen Mitteln gegen angebliche Pläne
Scharons wehren wolle, einseitig jüdische Siedlungen zu
räumen. Abgeordnete, die dazu bereit seien, müssten aus der
Partei ausgeschlossen werden. Scharon hatte am Sonntag vor
Likud-Politikern betont, Israel müsse "schmerzhafte Konzessionen"
für einen Frieden mit den Palästinensern machen. Scharon
betonte jedoch, er habe noch keine Entscheidung getroffen, welche
Maßnahmen er im Rahmen der Verhandlungen mit den
Palästinensern treffen wolle.
Der Generalsekretär der oppositionellen Arbeitspartei, Ofir
Pines-Pas nannte den Plan "eine Mischung aus einem bi-nationalen Staat
und rassistischer Apartheid". Die Friedensbewegung "Schalom Achschaw"
(Frieden jetzt) nannte den Plan "losgelöst von der Realität".
(Quellen: ap, dpa)
Israels Regierung weht der Wind ins Gesicht
Die Opposition wirbt für ihren Friedensplan, der Generalstab und
Ex-Geheimdienstchefs kritisieren die Sicherheitspolitik, während
Scharons Umfrageergebnisse immer schlechter werden ...
Mehr bei telepolis (26.11.03) unter:
http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ost/16159/1.html
Der islamische Antijudaismus ist neu - und gefährlich...
...sagt der Islamwissenschaftler Navid Kermani in einem taz-Interview
vom 26.11.03.: Die Zunahme des islamischen Antisemitismus sei
früher weitgehend auf fundamentalistische Zirkel beschränkt
gewesen. Jetzt erfasse die Idee, dass Israel die US-Politik
dominiert und beide zusammen versuchen, die Muslime zu zerstören,
auch areligiöse und liberale Kreise...
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/11/26/a0117.nf/text
|
Muslime in aller Welt feierten Ende des Ramadans
Mi.26.11.03 - Mit Gebeten in den Moscheen und Festessen im Familienkreis haben
Muslime in aller Welt am Dienstag das Ende des Fastenmonats Ramadan
gefeiert. Viele Politiker nutzten das heiligste islamische Fest Eid el
Fitr, um zu Frieden und Einigkeit in der Welt aufzurufen. Gleichzeitig
wurden Extremismus und Terrorismus verurteilt. In mehreren Ländern
wurde eine Amnestie für Häftlinge erlassen.
In Jakarta versammelten sich hunderte Menschen vor dem Staatspalast, wo
Präsidentin Megawati Sukarnoputri zu Beginn des dreitägigen
Festes vielen Besuchern persönlich die Hand schüttelte.
Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde.
In Kuala Lumpur erinnerte der neue malaysische Ministerpräsident
Abdullah Ahmad Badawi an die Menschen in Irak, Palästina,
Afghanistan oder Saudi-Arabien, die Opfer von Krieg und
Terroranschlägen geworden seien. Angesichts ihres Leids gelte es,
dem Extremismus abzuschwören und den Frieden zu fördern. Der
afghanische Präsident Hamid Karsai äußerte die
Hoffnung, dass sein Land eines Tages frei von Terror und Armut sein
werde.
Der ägyptische Innenminister Habib el Adli ordnete die Freilassung
von mehr als 600 Gefangenen an, wie die Nachrichtenagentur MENA
meldete. Eine Amnestie für Häftlinge, die wegen
geringfügiger Verbrechen verurteilt wurden, ist zu Eid el Fitr
üblich. In Indonesien wurden jedoch auch sieben Männern, die
im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen von Bali einsitzen,
jeweils 15 Tage ihrer zwei- bis achtjährigen Haftstrafen erlassen.
Sie hätten sich gut geführt, hieß es zur
Begründung. Die Betroffenen hatten dem Attentäter Ali Imron
Unterschlupf gewährt, der wegen Beteiligung an den Anschlägen
mit 202 Toten zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.
Israel setzte anlässlich des muslimischen Festes zehn jordanische
Häftlinge auf freien Fuß. Nach Angaben aus Jerusalem waren
sie nicht wegen der Tötung von Israelis verurteilt. Die
jordanische Staatsministerin Asma Chader hatte unlängst
mitgeteilt, Israel habe sich zur Freilassung von insgesamt 25
Jordaniern bereit erklärt, doch habe ihre Regierung 56
zusätzliche Entlassungen gefordert.
US-Präsident George W. Bush richtete eine
Glückwunschbotschaft an die Muslime in den USA. Eid el Fitr sei
dazu geeignet, sich der gemeinsamen Werte aller Gläubigen im Lande
zu erinnern, hieß es darin. Zu diesen Werten gehörten die
Liebe für die Familie, die Dankbarkeit gegenüber Gott, eine
Verpflichtung zu religiöser Freiheit und Respekt für die
kulturelle Vielfalt, die zur Stärke Amerikas beitrage. Mit einer
Zusammenarbeit zur Förderung des Friedens und der gegenseitigen
Verständigung könne eine Zukunft der Hoffnung und
Fürsorge für alle Menschen aufgebaut werden, schrieb Bush.
(Quelle: ap)
Waffenstillstand zwischen Indien und Pakistan in Kaschmir
Mi.26.11.03 - In der umstrittenen Unruheregion Kaschmir ist am Dienstagabend ein
Waffenstillstand zwischen Indien und Pakistan in Kraft getreten. Er war
am Dienstag von den Armeespitzen der beiden verfeindeten
Atommächte vereinbart worden.
Der Waffenstillstand gilt nach offiziellen Angaben entlang der gesamten
Demarkationslinie der geteilten Region. Er erstreckt sich auf die
Truppen der beiden Staaten, nicht aber auf die im indischen Teil
Kaschmirs kämpfenden muslimischen Separatisten.
Der indische Außenstaatssekretär Kanwal Sibal
bekräftigte, für einen dauerhaften Waffenstillstand
müsse die Infiltration von Extremisten aus dem pakistanischen Teil
Kaschmirs gestoppt werden. "Es liegt in den Händen Pakistans",
sagte er nach einem Bericht der Nachrichtenagentur UNI. Ein nicht
näher genannter Regierungsbeamter sagte der «Hindustan
Times», indische Truppen würden weiterhin auf Separatisten
schießen, die einzudringen versuchten.
An der Demarkationslinie in Kaschmir ist es bislang
regelmäßig zu Feuergefechten zwischen indischen und
pakistanischen Truppen gekommen, bei denen auch Zivilisten getötet
wurden. Die Regierungen in Neu Delhi und Islamabad bemühen sich um
eine Entspannung des Verhältnisses, der Friedensprozess war in den
vergangenen Monaten aber ins Stocken geraten. Beide Seiten betonten am
Dienstag ihren Friedenswillen.
Sibal sagte, Indien suche das Gespräch mit Pakistan. Der
pakistanische Militärsprecher Shaukat Sultan sagte dem privaten
Fernsehsender Geo: "Wir hoffen, dass der Waffenstillstand hält und
zu einer weiteren Normalisierung und einem Dialog zwischen den beiden
Ländern führt."
Im indischen Teil Kaschmirs wurde der Waffenstillstand nach
Medienberichten von separatistischen und regierungstreuen Parteien
sowie der Bevölkerung begrüßt. Die pakistanische
Regierung hatte am Sonntag einen einseitigen Waffenstillstand zum Ende
des muslimischen Fastenmonats Ramadan angekündigt. Indien hatte
erklärt, man werde «positiv» antworten.
Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen verschiedene muslimische
Milizen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss der Region
an Pakistan. Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit
von britischer Kolonialherrschaft 1947 drei Kriege gegeneinander
geführt, zwei davon um Kaschmir.
(Quelle: dpa)
Sri Lanka: EU-Kommissar Patten besucht tamilische Rebellen
Mi.26.11.03 - Nach Gesprächen mit der srilankischen Regierung ist
EU-Außenkommissar Chris Patten am Mittwoch in das tamilische
Rebellengebiet geflogen. In der Stadt Kilinochchi, 275 Kilometer
nördlich von Colombo, wurde Patten vom Kommandeur der
Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), Vellupillai Prabhakaran,
erwartet.
Vor seinem Abflug aus Colombo sagte Patten, er wolle die LTTE zur
Wiederaufnahme der seit April unterbrochenen Friedensverhandlungen
drängen. In der srilankischen Hauptstadt sprach der EU-Kommissar
mit Präsidentin Chandrika Kumaratunga. Diese warf der LTTE vor,
neue Kämpfer zu rekrutieren und damit gegen den im Februar
unterzeichneten Waffenstillstand zu verstoßen.
(Quelle: ap)
China protestiert gegen Anti-Dumping-Zölle der USA
Mi.26.11.03 - Eineinhalb Wochen vor dem ersten USA-Besuch des chinesischen
Regierungschefs hat Peking scharf gegen amerikanische
Anti-Dumping-Zölle bei der Einfuhr von Fernsehgeräten
protestiert. Die am Montag von den USA beschlossenen Zölle
stellten eine Verletzung der Grundprinzipien der
Welthandelsorganisation (WTO) dar und seien eine ernste Diskriminierung
chinesischer Firmen, erklärte am Mittwoch das Handelsministerium
in Peking.
Die zunehmenden Spannungen im Handel zwischen beiden Staaten
überschatten die Vorbereitungen auf den Besuch des chinesischen
Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Washington. Während der
viertägigen Reise, die am 7. Dezember beginnt, wird Wen mit
US-Präsident George W. Bush zusammentreffen. Thema der
Gespräche werde auch das Taiwan-Problem sein, sagte ein Sprecher
des Außenministeriums in Peking.
(Quelle: ap)
Milizionäre in Kolumbien geben ihre Waffen ab
Amnesty International: Reine Show für die Fernsehkameras
Mi.26.11.03 - Mehr als 850 Mitglieder einer rechtsgerichteten Miliz in Kolumbien sind
einer Aufforderung der Regierung gefolgt und haben ihre Waffen
abgegeben. Die Mitglieder der Miliz Cacique Nutibara kamen dazu am
Dienstag in Medellin zusammen. Sie sangen die Nationalhymne und legten
dann ihre Gewehre, Munitionsgürtel und Uniformhemden ab. Die im
Großraum Medellin aktive Miliz wird für zahlreiche Morde und
Entführungen verantwortlich gemacht.
Ihr Anführer Giovanni Marin entschuldigte sich in einer Ansprache
für das von Cacique Nutibara verursachte Land und händigte
dann seinen Revolver dem Regierungsunterhändler Luis Carlos
Restrepo aus. Dieser sprach von einem bedeutenden Schritt zur
Beendigung des seit vier Jahrzehnten andauernden Bürgerkriegs.
Den paramilitärischen Gruppen gehören etwa 12.000 Mitglieder
an. Der Friedensplan der Regierung sieht ihre Entwaffnung bis zum Jahr
2006 vor. Gegen die beiden linksgerichteten Guerillabewegungen FARC und
ELN geht die Regierung militärisch vor.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte die
Veranstaltung in Medellin als reine Show für die Fernsehkameras.
Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe betreibe die Entwaffnung
der Milizen auf Kosten einer strafrechtlichen Verfolgung ihrer
Verbrechen, sagte Amnesty-Sprecherin Wende Gozan in New York.
(Quelle: ap)
Schuldenerleichterung für Honduras vereinbart
Mi.26.11.03 - Die Regierung von Honduras hat mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) eine Vereinbarung über einen teilweisen
Schuldenerlass erzielt. Die nach 22 Monaten getroffene
Übereinkunft sieht vor, dass dem mittelamerikanischen Staat 965
Millionen Dollar an Schulden erlassen werden, wenn die Regierung die
gleiche Summe in Sozialprogramme investiert. Außerdem soll
Honduras neue Kredite internationaler Organisationen über zwei
Milliarden Dollar erhalten, der eine 40-jährige Laufzeit und eine
niedrige Verzinsung haben. IWF-Unterhändlerin Adrianne Cheasty
sagte, der Plan stehe im Einklang mit der Strategie des
Währungsfonds zur Reduzierung der Armut in Honduras. Die
Vereinbarung muss noch IWF-Direktorium und vom Parlament in Tegucigalpa
gebilligt werden.
(Quelle: ap)
Bekämpfung des Hungers hat Rückschlag erlitten
Welthungerbericht 2003 der UN-Ernährungsorganisation: Zahl
hungernder Menschen erneut angestiegen - Weltweit sind 842 Millionen
Menschen chronisch unterernährt. Ziel des
Welternährungsgipfels 1996, die Zahl der Hungernden bis zum Jahr
2015 zu halbieren, ist kaum noch zu erreichen
Mi.26.11.03 - Die Zahl hungernder Menschen ist weltweit wieder angestiegen. Die
Bekämpfung des Hungers habe einen Rückschlag erlitten,
heißt es im Welthungerbericht 2003 der
UN-Ernährungsorganisation (FAO), der gestern in Berlin vorgestellt
wurde. Insgesamt seien 842 Millionen Menschen chronisch
unterernährt, davon zehn Millionen in den Industriestaaten.
Als Grund für die alarmierende Entwicklung nannte die FAO neben
Naturkatastrophen, Kriegen und Aids vor allem den "mangelnden
politischen Willen" zum Kampf gegen den Hunger. So habe sich die
Entwicklungshilfe der Industrienationen insgesamt halbiert. Die meisten
der Betroffenen lebten abgeschieden in ländlichen Gegenden und
damit weitab von den internationalen Medien.
Die FAO weist in dem Bericht darauf hin, dass das Ziel des
Welternährungsgipfels 1996, die Zahl der Hungernden bis zum Jahr
2015 zu halbieren, kaum noch zu erreichen ist. Der derzeitige Trend
müsse umgedreht werden. Jährlich müsse die Zahl der
Hungernden um 26 Millionen Menschen reduziert werden. Es fehle jedoch
am politischen Willen, das Hungerproblem endgültig zu lösen.
Während die Zahl der chronisch Unterernährten in den
Entwicklungsländern in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre
um 37 Millionen sank, stieg sie dem Jahresbericht zufolge zwischen 1995
und 2001 wieder um 18 Millionen an.
Die Ausbreitung von Aids verschärft nach Einschätzung der FAO
in vielen Entwicklungsländern die Hungerkrise. Häufig seien
gerade junge Erwachsene von der Krankheit betroffen, die dann als
Arbeitskräfte in der Landwirtschaft ausfielen. Es sei damit zu
rechnen, dass allein im südlichen Afrika bis zum Jahre 2020 ein
Fünftel der in der Landwirtschaft Beschäftigten der
Immunschwäche zum Opfer fallen werde, so der Bericht.
Zugleich nannte die FAO auch Länder, in denen der Hunger in den
vergangenen Jahren erfolgreich bekämpft wurde. Dazu zählen
Brasilien, Tschad, Guinea, Namibia und Sri Lanka. Sie zeichnen sich
durch stetiges Wirtschaftswachstum, ein niedriges
Bevölkerungswachstum und eine niedrige HIV/Aids-Rate aus. In China
sank die Zahl der unterernährten Menschen um 58 Millionen seit
Beginn der Neunzigerjahre. Derzeit verlangsame sich aber der Erfolg in
der Hungerbekämpfung in China.
(Quelle: taz/epd)
Anzahl der HIV-Infektionen und Aidstoten auf Rekordhöhe
Mehr als 40 Millionen Menschen leben weltweit mit der Krankheit,
darunter auch 2,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren
Mi.26.11.03 - An der Immunschwächekrankheit Aids sind in diesem Jahr mehr
Menschen gestorben als je zuvor. Auch die Zahl der HIV-Infizierten sei
auf einen neuen Höchststand gestiegen, teilten die Vereinten
Nationen mit.
"Die Aids-Epidemie weitet sich weiter aus - das volle Ausmaß ist
noch nicht erreicht", sagte Peter Piot, Chef des HIV/Aids-Programms der
Vereinten Nationen (UNAIDS) am Dienstag in London. Mehr als 40
Millionen Menschen leben weltweit mit der Krankheit, darunter auch 2,5
Millionen Kinder unter 15 Jahren. Die afrikanischen Länder
südlich der Sahara sind am stärksten betroffen. In Afrika ist
Aids mittlerweile die häufigste Todesursache, weltweit die
vierthäufigste.
Jeden Tag sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation 8000
Menschen an der Immunschwächekrankheit. Insgesamt seien 2003 mehr
als drei Millionen Menschen an Aids gestorben, heißt es in dem
UNAIDS-Bericht. Fünf Millionen infizierten sich neu mit HIV, dem
Virus, das die Krankheit auslöst.
Während in den Industriestaaten neue Medikamente dazu geführt
haben, dass HIV-Infizierte eine deutlich höhere Lebenserwartung
haben, erhält in Afrika nur einer von 50 Erkrankten die
nötigen Medikamente. 30 Prozent aller weltweit Infizierten leben
im südlichen Afrika, obwohl die Region weniger als zwei Prozent
der Weltbevölkerung stellt. In Botswana und Swasiland sind dem
Bericht zufolge 40 Prozent aller Erwachsenen infiziert. Auch in Indien,
China, Indonesien, Vietnam und Osteuropa breite sich die Krankheit
weiter stark aus.
"Weil die Krankheit im Durchschnitt erst sieben bis zehn Jahre nach der
Infektion ausbricht, werden die Folgen der HIV-Epidemie immer
gravierender", sagte Piot. "Mit anderen Worten, wenn nicht durch ein
Wunder die Übertragung von HIV aufhört, werden immer mehr
Menschen erkranken. Wir stehen erst am Beginn der Aids-Auswirkungen,
besonders in Afrika".
Piot verwies aber darauf, dass die Infektionsraten in einigen
ostafrikanischen Städten zum Stand vor fünf Jahren gesunken
seien. "Prävention wirkt also", sagte er. "Außerdem wird
mehr Geld als je zuvor für die Bekämpfung von Aids
ausgegeben."
In Deutschland werde die Zahl der HIV-Infizierten in den kommenden
Jahren weiter steigen, sagte der Präsident des
Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Kurth. Denn "dank der
Behandlungserfolge" würden weniger Menschen an Aids sterben als
sich neu infizieren. Hierzulande ständen jährlich rund 2000
Neuinfektionen etwa 600 bis 700 Todesfällen gegenüber. Etwa
die Hälfte der neuen HIV-Positiven seien homosexuelle Männer.
Dem RKI zufolge ging der Kondomgebrauch jedoch seit Mitte der neunziger
Jahre zurück, während sexuelle Risikokontakte zunahmen.
Italienische Wissenschaftler erhielten vom Gesundheitsministerium in
Rom die Genehmigung für Tests eines neuen möglichen
Aids-Impfstoffs am Menschen, wie das Forschungsinstitut ISS mitteilte.
Der Impfstoff ziele auf ein im HI-Virus enthaltenes Protein namens TAT
ab, das eine wichtige Rolle bei der Vermehrung der Viren spiele. Die
Forscher hoffen, die Vermehrung von HI-Viren stoppen zu können,
wenn sie das Protein blockieren. Bisher ist kein Mittel bekannt, mit
dem Aids geheilt oder eine HIV-Infektion verhindert werden kann.
Ärzte können lediglich die Folgen der Infektion mit dem Virus
verzögern.
(Quellen: rtr, afp)
Blick ins Archiv
WHO: Hunderttausende Menschen wegen Geldmangel vom Aids-Tod bedroht
Weltweit 42 Millionen Menschen HIV-infiziert +++ In armen Staaten
erhalten nur fünf Prozent der Aids-Patienten eine antiretrovirale
Behandlung +++ Vergangenes Jahr starben drei Millionen Infizierte +++
Das südliche Afrika ist am schlimmsten betroffen
Sa.08.11.03 - Wegen fehlender Finanzmittel bei der Aids-Bekämpfung ist nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Leben von
Hunderttausenden Menschen bedroht. "Das Geld, das wir bis jetzt
zusammenhaben, reicht nicht aus", sagte WHO-Direktor Paulo Teixeira am
Donnerstag in Genf.
Nach vorläufigen Berechnungen fehlen der WHO in den nächsten
beiden Jahren zweihundert Millionen US-Dollar. Insgesamt würden im
weltweiten Kampf gegen Aids jährlich sieben bis neun Milliarden
US-Dollar benötigt, sagte der WHO-Direktor...
Mehr unter:
http://home.t-online.de/../boa-archiv2/k0311080.htm#03110809
Vor zwanzig Jahren wurde das Aidsvirus zum ersten Mal beschrieben
Heute kann zwar mit neuen Medikamenten das Sterben hinausgezögert
werden, aber ein wirksames Gegenmittel gibt es nicht...
Mehr in der "tageszeitung" vom 28.11.03 :
http://www.taz.de/pt/2003/11/28/a0201.nf/text
AIDS: Hilfsorganisationen fordern von Bundesregierung mehr Engagement.
Pharmaindustrie blockiert...
Mehr in "junge Welt vom 28.11.03:
http://www.jungewelt.de/2003/11-28/013.php
Stichwort: Aids
http://www.boa-muenchen.orgome.t-online.de/home/boa-archiv1/k0310260.htm#031026_r
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Georgier wählen im Januar neuen Präsidenten
Nach dem bisherigen Innenminister treten auch Finanzminister Merian
Gogiaschwili und Staatsminister Awtandil Dschorbenadse zurück +++
Anführer der Proteste gegen Schewardnadse, Michail Saakaschwili
äußert die Befürchtung, dass es in Georgien noch zu
Gewalt kommen könnte
Mi.26.11.03 - Nach dem Rücktritt des georgischen Präsidenten Eduard
Schewardnadse soll am 4. Januar ein neuer Staatschef gewählt
werden. Diesen Termin legte das Parlament in Tiflis am Dienstag in
seiner ersten Sitzung seit dem Machtwechsel fest. Der Anführer der
Proteste gegen Schewardnadse, Michail Saakaschwili, forderte, die
Bewegung solle sich auf einen einzigen Präsidentschaftskandidaten
festlegen. Übergangspräsidentin Nino Burdschanadse hob den
von Schewardnadse verhängten Ausnahmezustand auf.
Saakaschwili, dem bei der Wahl des neuen Präsidenten gute Chancen
eingeräumt werden, erklärte, die bisherige Opposition
müsse ihre Einheit wahren. Deshalb sollte sie nur einen einzigen
Kandidaten aufstellen. «Wenn ich mich zu einer Kandidatur
entschließe, dann will ich auch gewinnen», sagte er der
Fernseh-Nachrichtenagentur APTN.
Nach dem bisherigen Innenminister, der bereits am Montag sein Amt
niederlegte, traten am Dienstag auch Finanzminister Merian Gogiaschwili
und Staatsminister Awtandil Dschorbenadse zurück. Letzteren hatte
Übergangspräsidentin Burdschanadse am Montag für die
Wirtschaftskrise und Fälschungen bei der Parlamentswahl vom 2.
November verantwortlich gemacht.
Der Oberste Gerichtshof Georgiens erklärte die Abstimmung am
Dienstag für ungültig. Das Parlament trat daraufhin in seiner
alten Besetzung zusammen. Wann die umstrittene Wahl wiederholt wird,
soll am Mittwoch entschieden werden. Das verarmte Georgien wird
dafür wie bereits am 2. November Finanzhilfen aus dem Ausland
benötigen. «Wir brauchen jetzt Hilfe - dies ist eine
kritische Zeit für Georgien», sagte der amtierende
Parlamentspräsident Gigi Tsereteli.
«Wir müssen jetzt Seite an Seite stehen, unabhängig von
Nationalität und politischen Interessen», sagte
Burdschanadse zu Beginn der Parlamentssitzung. «Heute beginnen
wir eine neue Ära.» In einer Fernsehansprache rief die
Übergangspräsidentin abermals zu Ruhe im Lande auf. Die
Neuwahlen müssten in einem Klima der Ausgewogenheit stattfinden.
Es sei schlimm genug, dass die Wirtschaft in einer Krise stecke.
Saakaschwili äußerte die Befürchtung, dass es in
Georgien noch zu Gewalt kommen könnte. Er rief alle Beamten auf,
ihre Arbeit in den Kommunen wieder aufzunehmen und jeden bewaffneten
Aufstand zu verhindern. Damit schien er auf die Situation in der
autonomen Provinz Adscharien anzuspielen, deren Gouverneur Aslan
Abaschidse eine Zusammenarbeit mit der Übergangsregierung in
Tiflis ablehnt. Bis zur Wahl eines neuen Präsidenten werde er alle
Beziehungen zur Zentralregierung abbrechen, erklärte er am
Montagabend. Abaschidse hatte Schewardnadse bis zuletzt
unterstützt und gilt als entschiedener Gegner Saakaschwilis. Am
Sonntag verhängte er über Adscharien im Südwesten
Georgiens den Ausnahmezustand.
Misstrauen gegenüber der neuen Zentralregierung brachte auch der
Regierungschef der abtrünnigen Provinz Südossetien zum
Ausdruck: Eduard Kokoity erklärte am Dienstag auf einer
Pressekonferenz in Moskau, er habe die Grenzen seiner Region
verstärken lassen. Die wie Südossetien seit dem
Bürgerkrieg von 1992 eigenständige Provinz Abchasien
reagierte ähnlich, erklärte sich am Dienstag aber zu einem
Dialog mit der Übergangsregierung in Tiflis bereit.
(Quelle: ap)
Nordirland wählt ein neues Regionalparlament
Mi.26.11.03 - Gut ein Jahr nach Aussetzung der Selbstverwaltung wird in Nordirland
heute ein neues Parlament gewählt. Im Oktober vergangenen Jahres
war die britische Krisenprovinz erneut unter Londoner Verwaltung
gestellt worden, nachdem die Allparteienregierung aus Protestanten und
Katholiken zerbrochen war. Das 1998 erstmals gewählte
Regionalparlament wurde aufgelöst.
Wahlbeobachter fürchten, dass die Wahlbeteiligung noch unter die
68 Prozent von 1998 fallen könnte, da vor allem
gemäßigte Wähler aus Verdruss über den
schleppenden Fortgang des Friedensprozesses den Urnen fern bleiben
könnten. Vom politischen Kräfteverhältnis in dem
künftigen Regionalparlament dürfte die Zukunft des
Friedensprozesses abhängen.
(Quelle: afp)
Euro-Stabilitätspakt in schwerer Krise
EZB und Bundesbank kritisieren Defizitbeschluss der EU-Finanzminister +++
EU-Währungkommissar Solbes warnt vor weit reichenden Folgen
Mi.26.11.03 - Knapp zwei Jahre nach Einführung des Euro befindet sich der
europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt in der schwersten
Krise seiner noch jungen Geschichte. Auslöser ist der Verzicht der
EU-Finanzminister auf milliardenschwere Sparauflagen für die
Haushaltssünder Deutschland und Frankreich. Bundesfinanzminister
Hans Eichel setzte sich im Kreise seiner EU-Kollegen am Dienstag in
Brüssel auf ganzer Linie durch und fügte der EU-Kommission
eine heftige Niederlage zu.
Der Pakt wurde 1996 geschmiedet und soll den Werterhalt des Euro
garantieren. Die EU-Kommission wollte die Bundesrepublik zwingen, 2004
sechs Milliarden Euro zusätzlich zu sparen. Eichel und
Bundeskanzler Gerhard Schröder ernteten für ihren
erfolgreichen Widerstand heftige Kritik aus dem In- und Ausland. Selbst
die Europäische Zentralbank reagierte ungewöhnlich scharf.
Die Entscheidung der EU-Staaten berge «ernste Risiken»,
betonten die europäischen Währungshüter. Es sei nun
«zwingend erforderlich», dass Frankreich und Deutschland
die Selbstverpflichtungen zur Sanierung ihrer Staatsfinanzen
erfüllten. Andernfalls sei die Glaubwürdigkeit der
europäischen Institutionen und das Vertrauen in die
öffentlichen Haushalte der Euro-Staaten in Gefahr.
Nach einer Vereinbarung der Minister muss die Bundesrepublik zwar
weiter sparen, um 2005 die Neuverschuldung wieder unter die im
Maastricht-Vertrag erlaubte Höchstgrenze von drei Prozent zu
drücken - allerdings auf freiwilliger Basis und ohne Androhung von
Sanktionen bei einem Scheitern des Sparkurses. Möglich wären
eigentlich Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Das Defizitverfahren
gegen Deutschland wurde jedoch auf Eis gelegt.
Entgegen üblicher Praxis fiel der Beschluss nicht einstimmig. Die
Finanzminister aus Spanien, Niederlande, Finnland und Österreich
votierten gegen den in achtstündigen Verhandlungen ausgearbeiteten
Kompromiss. Sie fürchten, dass der Euro-Pakt ausgehöhlt wird
und sich andere EU-Länder jetzt unter Verweis auf das laxe
Vorgehen gegen Deutschland und Frankreich nicht mehr um die Sanierung
ihrer Staatsfinanzen bemühen.
Union und FDP brandmarkten Eichel und Schröder als
Totengräber des Maastricht-Vertrages. Sie erklärten zu Beginn
der viertägigen Bundestagsdebatte über den Haushalt 2004, der
Pakt sei faktisch beerdigt worden, die Euro-Stärke gefährdet.
Schröder wies die Kritik zurück. Wer dagegen polemisiere,
verringere die Chance für einen Konjunkturaufschwung im kommenden
Jahr, sagte er. Eichel betonte: «Der Pakt lebt.»
In ungewöhnlich deutlicher Form haben die Europäische
Zentralbank und die Bundesbank die Aussetzung des EU-Defizitverfahrens
gegen Deutschland und Frankreich kritisiert. Die Entscheidung der EU-
Finanzminister, nicht gegen beide Lände vorzugehen, bringe
«ernste Gefahren» mit sich, erklärte der EZB-Rat am
Dienstag nach einer Sitzung in Frankfurt am Main. «Der Rat
bedauert diese Entwicklung zutiefst».
Eine Nichteinhaltung des Stabilitätspaktes stelle ein Risiko
für die Glaubwürdigkeit des institutionellen Rahmens und
für das Vertrauen in die öffentlichen Finanzen der
Euro-Staaten dar, erklärten die Währungshüter in
Frankfurt. Es sei nun «zwingend erforderlich», dass
Frankreich und Deutschland ihren Verpflichtungen zur
Haushaltskonsolidierung nachkämen. Die Öffentlichkeit
könne sicher sein, dass der EZB-Rat der Preisstabilität
«standhaft verpflichtet» bleibe.
Kritisch äußerte sich auch der Vizepräsident der
Deutschen Bundesbank, Jürgen Stark, zu der Brüsseler
Entwicklung. Die Entscheidung der EU-Finanzminister, dem vorgesehenen
Verfahren nicht zu folgen, sei ein «herber Schlag gegen die
Fundamente der Wirtschafts- und Währungsunion» am Vorabend
der EU-Erweiterung um zehn Länder, sagte er. «Hier wurde aus
Gründen des nationalen Prestiges der Glaubwürdigkeit des
europäischen Stabilitätskonsenses und der europäsichen
Idee Schaden zugefügt.»
EU-Währungskommissar Pedro Solbes - Eichels Gegenspieler in dem
Konflikt - klagte: «Das war kein Sieg für Europa.» Die
Vereinbarung stehe «nicht im Geiste des Paktes». Er behalte
sich eine rechtliche Prüfung vor. In Frage käme eine Klage
vor dem Europäischen Gerichtshof.
"Wir glauben, dass dieser politische Beschluss weit reichende Folgen
haben wird", sagte Solbes nach Abschluss des Treffens der
EU-Finanzminister am Dienstag vor der Presse in Brüssel. "Wir
glauben, dass wir von einem System, das auf Regeln basierte, zu einem
politischen System gewechselt sind, und das stellt ein anderes
Arbeitssystem und eine ernsthafte Veränderung dar", erklärte
er.
Eichel verteidigte den Kompromiss als «bestmögliche
Lösung» im Interesse der Konjunktur. Die Belastbarkeit der
deutschen Bevölkerung sei erschöpft, weitere Einsparungen
seien ihr nicht zuzumuten, sagte er. Deutliche Kritik kam von den
Ländern, die gegen den Konsens votiert hatten. Der spanische
Ministerpräsident José María Aznar beklagte:
«Heute ist ein schlechter Tag für Europa und für die
europäische Wirtschaft.»
(Quellen: ap, rtr)
Hintergrund: Defizit-Sünde dürfte Euro kurzfristig kaum
schaden
Experten warnen vor mittelfristigen Folgen für den Euro
Der Stopp der Defizitverfahren gegen Deutschland und Frankreich wird
den Euro nach Einschätzung von Experten nicht in eine weiche
Währung verwandeln. Allerdings warnen die Volkswirte vor den
mittelfristigen Folgen einer fortgesetzten Beschädigung des
europäischen Stabilitätspaktes.
"Die Entscheidung wird keinen bleibenden Einfluss auf den Euro haben",
sagte Jörg Krämer von der Fondsgesellschaft Invesco Asset
Management. An den Finanzmärkten habe sich ohnehin niemand der
Illusion hingegeben, der europäische Stabilitätspakt werde
strikt eingehalten: "Der Pakt war immer schon ohne Biss." Eine Reihe
von Analysten begrüßte, dass sich die Finanzminister der
Euro-Zone gegen schärfere Sparauflagen für die
Defizitsünder ausgesprochen haben, wie sie die EU-Kommission
gefordert hatte. Der Konjunkturaufschwung wäre sonst kaputtgespart
worden. Andere mahnten, eine Aushöhlung des Paktes werde am Ende
allen schaden.
In der Nacht zum Dienstag hatte eine Mehrheit der Euro-Staaten
vereinbart, die Defizitverfahren gegen Deutschland und Frankreich
vorerst nicht weiter zu treiben. Beide bekamen bis 2005 Zeit, ihre
Defizite unter drei Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt
zurückzuführen. Deutschland soll sein um konjunkturelle
Einflüsse bereinigtes Haushaltsdefizit 2004 um 0,6 Prozentpunkte
und 2005 um 0,5 Prozentpunkte senken, was den deutschen Plänen
entspricht. Die EU-Kommission hatte ambitioniertere Schritte gefordert.
"Die Entscheidung, das Defizitverfahren auszusetzen, ist richtig",
sagte Jürgen Pfister von der Bayerischen Landesbank. "In einer
Phase der labilen Konjunkturentwicklung darf man das zarte
Pflänzchen Aufschwung nicht zerstören." Auch Philip Cliff,
Fondsmanager bei der britischen Threadneedle, sagt: "In diesen Zeiten
brauchen wir keine in Stein gemeißelten Regeln." Die
Schuldenaufnahme der Staaten werde der Wirtschaft einen Stimulus geben,
was auch für die Aktienmärkte ein positives Signal sei.
Andreas Möller, Rentenanalyst bei der WGZ Bank, zeigte sich
überzeugt, eine Verschärfung der Konsolidierungsauflagen
wäre zu aggressiv gewesen und hätte die Konjunktur belasten
können.
Verhaltener werden die Kommentare der Banken-Ökonomen allerdings,
wenn nach den langfristigen Folgen gefragt wird. "Auf lange Sicht ist
eine Haushaltskonsolidierung wichtig, sonst steigen die Zinsen", sagt
etwa Rentenanalyst Möller. Philipp Nimmermann von der ING BHF-Bank
warnte, wenn die Entscheidung der Euro-Finanzminister eine Trendwende
markiere, dass sich alle Länder jetzt nicht mehr um ihre Defizite
kümmern, werde das auch dem Euro schaden.
Während Nimmermann noch davon spricht, der Stabilitätspakt
sei "sehr weit gedehnt", aber zumindest juristisch noch immer
eingehalten worden, sehen andere den Bogen schon überspannt. "Der
Ecofin hat die Demontage des Pakts eingeleitet", sagte der
Wirtschaftsweise Wolfgang Franz in einem Reuters-Interview mit Blick
auf die förmliche Entscheidung der EU-Finanzminister, die den in
der Nacht gefallenen Beschluss der Euro-Gruppe am Dienstag annahmen.
Das Vertrauen in den Pakt sei aufgeweicht: "Wie wollen wir andere
Länder zur Haushaltsdisziplin animieren und vor allem
EU-Beitrittsländern begreiflich machen, dass die Regeln des Paktes
einzuhalten sind, wenn Deutschland und Frankreich dagegen
verstoßen und der Ecofin-Rat nicht dagegen einschreitet?"
Auch Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank sieht in der
Entscheidung des Ecofin in wirtschaftspolitischer Sicht "einen weiteren
Schlag gegen den Sinn und Geist des Paktes". Der Euro-Wechselkurs
sei aber nicht alleine von der Haushaltspolitik abhängig. Hier
spielten auch die wirtschaftliche und politische Entwicklung und die
Stärke der Konkurrenzwährungen eine Rolle. Stefan Schilbe von
HSBC Trinkaus & Burckhardt wies darauf hin, Europa stehe derzeit
mit seinen Defiziten und dem Zinsniveau besser da als die USA. Für
den Markt gehe es aus kurzfristiger Sicht vor allem darum, "welcher
Hund die wenigsten Flöhe hat."
Quelle: rtr, Di.25.11.03
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Klimaschutzziele reichen nicht aus
Nach Ansicht des 'Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen' (WBGU) ist nur noch eine globale
Erwärmung um höchstens weitere 1,4 Grad tolerierbar
Mi.26.11.03 - Gefährliche Veränderungen des Klimas sind nach Ansicht von
Experten nur noch zu vermeiden, wenn der Ausstoß von Kohlendioxid
weltweit stärker zurückgefahren wird als bisher geplant. Die
international vereinbarten Klimaschutzziele müssten
«deutlich höher als bisher gesetzt werden»,
heißt es in einem Gutachten, das am Dienstag in Berlin an
Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und
Wissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) übergeben wurde.
Nach Ansicht des «Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen» (WBGU) ist nur noch eine
globale Erwärmung um höchstens weitere 1,4 Grad tolerierbar.
Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die globale
Mitteltemperatur bereits um 0,6 Grad erhöht. Bei einer
Erwärmung um mehr als 2 Grad würden gefährliche
Klimaänderungen sehr wahrscheinlich. Ohne eine konsequente
Klimaschutzpolitik werde diese Grenze im 21. Jahrhundert
überschritten.
Deshalb muss nach Ansicht der Experten der vom Menschen verursachte
Ausstoß von Kohlendioxid bis 2050 global um 45 bis 60 Prozent
gegenüber 1990 gesenkt werden. Dies bedeute, dass die
Industrieländer ihren Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um
mindestens 20 Prozent verringern müssten. Bisher haben sie sich
lediglich dazu verpflichtet, die Emissionen bis 2012 um 5 Prozent
gegenüber 1990 zu reduzieren.
Das Gutachten unterstreicht nach Ansicht von Bulmahn und Trittin die
Notwendigkeit, dass schon heute Klimaschutzstrategien entwickelt
werden, die über die bisher im Kyoto-Protokoll vereinbarten Ziele
hinaus gehen. «Auch wenn es jetzt darauf ankommt, dass das Kyoto-
Protokoll in Kraft tritt und umgesetzt wird, müssen wir schon
heute darüber nachdenken, wie die nächsten Schritte
aussehen», sagte Trittin. Er verwies darauf, dass sich die
Koalitionsparteien in Berlin darauf verständigt haben, für
Deutschland eine Minderung des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent
gegenüber 1990 anzustreben, wenn die EU sich insgesamt zu einer
Reduzierung um 30 Prozent verpflichtet.
Das 1997 unterzeichnete Kyoto-Protokoll ist bisher von Russland nicht
ratifiziert und deshalb in seiner Umsetzung blockiert. Die USA sind aus
der Vereinbarung völlig ausgestiegen.
(Quelle: dpa)
Noch 1,4 Grad Celsius bis zum Kollaps
Kälte und Krankheiten sieht der Wissenschaftliche Beirat der
Bundesregierung voraus, wenn die Verschmutzung der Luft weitergeht wie
bisher. Ausstoß von Kohlendioxid muss um 60 Prozent bis 2050
reduziert werden. Trittin: Schönen Dank auch ...
Mehr in der 'tageszeitung' vom 26.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/26/a0063.nf/text
Myteriöser Algenteppich vor der australischen Küste
Ein mysteriöser Algenteppich bedeckt Teile des Great Barrier Reef
vor der australischen Küste. Wissenschaftler äußerten
sich am Montag besorgt über die Ausbreitung der Algen und die
möglichen Auswirkungen auf das empfindliche Ökosystem des
größten Korallenriffs der Welt. Die Algen setzen sich nach
Angaben der Experten auf lebenden und toten Korallen fest.
Die Algen seien vor der Küste von Cairns gesichtet worden, sagte
die Meeresbiologin Britta Schaffelke. «Sie bedecken auf einigen
Riffen ganze Gebiete.» Da nur wenig über die seltene
Algenart bekannt sei, machten sich die Experten Sorgen über die
Folgen für das Wachstum der Korallen. Die Algen könnten
ausgewachsene Korallen einhüllen und verhindern, dass sich neue
Korallen entwickeln. Außerdem fürchten die Wissenschaftler,
dass die Pflanzen die Erholung des Riffs nach einer so genannten
Korallenbleiche beeinträchtigen könnten. «Es ist sicher
ein Indikator dafür, dass das Riff sich verändert»,
sagte Schaffelke.
Der Ursprung der als «Golden Noodle» bezeichneten Alge ist
nicht bekannt. Zum ersten Mal wurde sie in den 80er Jahren auf dem
Great Barrier Reef entdeckt, verschwand aber schnell wieder, wie
Schaffelke sagte. Im Jahr 1999 tauchte sie wieder auf. «Ich habe
so etwas noch nie zuvor gesehen», sagte Schaffelke .»Ich
muss sagen, es ist wirklich sehr rätselhaft.» Das Great
Barrier Reef, das von den Vereinten Nationen zum Weltkulturerbe
erklärt wurde, besteht aus mehr als 2.600 einzelnen Riffen und 300
Inseln.
Quelle: info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/], 24.11.03
In Australien sterben jedes Jahr 20.000 Koalas durch Waldrodungen
Mi.26.11.03 - Fast 20.000 Koalas sterben nach Einschätzung von Wissenschaftlern
jedes Jahr im australischen Bundesstaat Queensland durch Waldrodungen.
Das Rodungsprogramm in der Region Brigelow an der Grenze zu New South
Wales habe jährlich den Tod von 100 Millionen Vögeln, Tieren
und Reptilien zur Folge, warnten rund 400 Forscher aus dem ganzen Land
am Dienstag in einem offenen Brief an Regierungschef John Howard. "Das
schließt ein, dass 19.000 Koalas einfach durch Rodungen
getötet werden", sagte der Experte für Artenvielfalt am
Australischen Museum, Professor Hal Cogger.
"Die meisten Menschen denken, dass die Tiere wegziehen und woanders
hingehen, wenn ein Stück Land gerodet wird", erläuterte
Cogger. Das sei ein Irrtum, denn die meisten Koalas würden an Ort
und Stelle sterben. In ihrem Brief forderten die Experten, von weiteren
Rodungen in dem 15 Millionen Hektar großen Gebiet abzusehen. Die
Regierung von Queensland hatte die Rodungspläne im Mai
zunächst eingefroren. Im Gegenzug könnten 150 Millionen
Australische Dollar als Entschädigung für die Landbesitzer
zur Verfügung gestellt werden. Nach Einschätzung der
Wissenschaftler sind Entschädigungen wesentlich billiger als
mögliche Wiederaufforstungen.
Quelle: afp
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Bauern planen gentechnikfreie Zone in Mecklenburg-Vorpommern
Mi.26.11.03 - Die erste gentechnikfreie Zone Deutschlands wollen Landwirte in
Mecklenburg-Vorpommern schaffen. Am 1. Dezember soll ein von 15 Bauern
unterzeichnetes Memorandum in Kraft treten, das den freiwilligen
Verzicht auf genmanipuliertes Saatgut auf zusammenhängenden 10.000
Hektar Ackerfläche für ein Jahr manifestiert, wie der
Deutsche Bauernverband am Dienstag in Berlin mitteilte.
«Wir wollen ein Signal geben, um Berufskollegen zu mobilisieren
und gleichzeitig den Druck auf die Bundesregierung verstärken, das
längst überfällige gesetzliche Regelwerk bei Anwendung
Grüner Gentechnik zu schaffen», erklärte der Initiator
der Aktion, Graf Heinrich von Bassewitz.
(Quelle: ap)
Protest gegen Sparmaßnahmen an den Universitäten
Studenten halten Büro des Berliner Wissenschaftssenators besetzt
+++ In Frankfurt am Main blockierten demonstrierende Studenten eine
Veranstaltung, auf der Ministerpräsident Roland Koch reden sollte
Mi.26.11.03 - Aus Protest gegen Sparmaßnahmen an den Universitäten haben
rund 30 Studenten das Büro des Berliner Wissenschaftssenators
besetzt. In der Nacht zum Mittwoch hielten sich die Studenten weiter im
Büro von Senator Thomas Flierl auf, wie dessen Leiter Diedrich
Wulfert auf Anfrage mitteilte. Beide Seiten führten Gespräche
über die geplanten Kürzungen. Da Flierl auf eine Strafanzeige
verzichtet habe, hätten sich die Polizeikräfte vor dem
Gebäude zurückgezogen, sagte Wulfert.
In Frankfurt am Main blockierten nach Polizeiangaben rund 500
demonstrierende Studenten am Dienstagabend eine Veranstaltung, auf der
Ministerpräsident Roland Koch reden sollte. Der Veranstalter, die
Polytechnische Gesellschaft, sagte den Vortrag daraufhin ab. Koch habe
dies als richtig akzeptiert, erklärte der hessische
Regierungssprecher Dirk Metz. Zugleich kritisierte er, dass die
studentischen Proteste Formen annähmen, die nicht mehr akzeptabel
seien. In Hessen richtet sich der Protest vor allem gegen die geplante
Einführung von Semstergebühren für Langzeitstudenten.
(Quelle: ap)
Metaller protestieren gegen Eingriffe in Tarifrecht
Mi.26.11.03 - Rund 4.000 Beschäftigte von Volkswagen und anderer Metallbetriebe
haben am Dienstag in Salzgitter und Braunschweig für den Erhalt
der Tarifautonomie demonstriert. Nach Angaben der
IG-Metall-Bezirksleitung in Hannover unterbrachen in Salzgitter 3.500
Beschäftigte der Volkswagen AG für eine Stunde ihre Arbeit,
um gegen Eingriffe in das Tarifrecht zu protestieren, die die
Unionsmehrheit im Bundesrat durchsetzen will. Etwa 600 Metaller aus
zehn Unternehmen hätten zudem in Braunschweig demonstriert, sagte
Gewerkschaftsprecher Jörg Köther.
In einer Erklärung warf IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine dem
niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff eine
widersprüchliche Haltung vor. Der Ministerpräsident trete
einerseits für den Erhalt des VW-Gesetzes und damit für
Arbeitnehmerinteressen ein. Den gleichen Arbeitnehmern wolle Wulff aber
durch Eingriffe ins Tarifrecht den Schutz durch Tarifverträge
nehmen. Die Gewerkschaft kündigte für die kommenden acht Tage
weitere Proteste in Hannover, Wolfsburg und Braunschweig an.
(Quelle: ap)
Streit um Arbeitzeitkürzung ohne Lohnausgleich bei Opel
Geplante Absenkung würde zu einem Einkommensverlust von rund 13
Prozent führen
Mi.26.11.03 - Weil bei dem Rüsselsheimer Autobauer Opel auch Angestellte weniger
arbeiten sollen, streiten sich Vorstand und Betriebsrat. Rund 2.700
Angestellte im Stammwerk Rüsselsheim sollen ebenso wie die
Beschäftigten in der Produktion fünf Stunden weniger pro
Woche arbeiten - ohne teilweisen Lohnausgleich. Der Vorstand will
deshalb einem Teil der Angestellten zum Mai 2004 die individuellen
Zusatzverträge kündigen, die eine Ausweitung der tariflichen
Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden regelten.
Die Absenkung auf 35 Stunden würde zu einem Einkommensverlust von
rund 13 Prozent führen. Der Betriebsrat hat per Flugblatt den
Vorstand aufgefordert, die Kündigungen nicht auszusprechen. Die
Maßnahme sei mit den Arbeitnehmervertretern nicht beraten worden.
Außerdem spalte sie die Belegschaft - von 13.000 Werkern sind ein
Viertel betroffen.
(Quelle: taz/dpa)
BA-Chef Gerster erhöht angeblich Spesen um 76 Prozent
Mi.26.11.03 - Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, hat einem
Zeitungsbericht zufolge seine Ausgaben für
Repräsentationszwecke gegenüber seinem Vorgänger um 76
Prozent erhöht. Gersters Vorgänger Bernhard Jagoda
hätten zuletzt 37.500 Euro für die Bewirtung von Gästen
zur Verfügung gestanden, Gerster habe sich für das kommende
Jahr aber 66.000 Euro genehmigen lassen, berichtete die
«Rheinische Post» (Mittwochausgabe). Gerster steht derzeit
wegen eines Millionen-Beratervertrags mit der PR-Firma WMP in der
Kritik.
Das Blatt berichtet, der Bundesrechnungshof wolle neben dem
Beratervertrag nun auch die Ausgaben für
Repräsentationszwecke prüfen. Zudem heißt es in dem
Bericht, dass es in der Nürnberger Bundesanstalt Irritationen
über die Einstellung eines Mitarbeiters gebe, der der
Lebensgefährte von Gersters Büroleiterin sei.
Gerster hatte am Dienstagabend die umstrittene Auftragsvergabe ohne
Ausschreibung an WMP-Medienberater Bernd Schiphorst verteidigt. Sie sei
im Februar in einer Situation erfolgt, in der sich negative
Schlagzeilen über die Bundesanstalt gehäuft und die
Mitarbeiter sich skeptisch über die von der Regierung begonnenen
Reformen geäußert hätten. Damals habe eine
Eilentscheidung getroffen werden müssen. Wegen der
Eilbedürftigkeit sei es auch korrekt gewesen, den mit 1,3
Millionen Euro dotierten Vertrag ohne Ausschreibung an Schiphorst zu
vergeben.
(Quelle: ap)
Sozialverband fordert Jobaktion für Behinderte
Mi.26.11.03 - Der Sozialverband VdK [http://www.vdk.de]
hat die Rücknahme aller Sparvorschläge für den zweiten
Arbeitsmarkt gefordert. «Wer derzeit Fortbildung und
Rehabilitation abbauen oder gar verhindern will, dem muss auf die
Finger geklopft werden», sagte VdK-Präsident Walter
Hirrlinger am Dienstag anlässlich eines Kongresses zur
Beschäftigungssituation Behinderter in Leipzig. Zugleich verlangte
Hirrlinger eine Neuauflage der Aktion «50.000 Jobs für
arbeitslose Schwerbehinderte».
Wie der VdK-Präsident erläuterte, ist bei der ersten Aktion
unter dem gleichen Motto in den Jahren 1999 bis 2002 die Zahl der
arbeitslosen Schwerbehinderten von rund 189.000 auf 144.000 gesunken.
Infolge der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung seien aber heute
bereits wieder 166.000 Betroffenen aus dieser Gruppe arbeitslos.
«Wir wollen deshalb hier in Leipzig ein Signal für 2004
setzen: Eine neue Aktion zum Abbau der Arbeitslosigkeit Behinderter ist
dringend notwendig», unterstrich Hirrlinger.
Weiter führte der VdK-Präsident aus, mehr als die Hälfte
der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seien älter als
50 Jahre. «Wenn allerdings die Bundesanstalt für Arbeit die
für den zweiten Arbeitsmarkt 2004 kürzt und damit auch Gelder
für Fortbildung und Rehabilitation, dann ist dies kontraproduktiv.
Das geplante Arbeitslosengeld II verschärfe die Situation
zusätzlich.
Auch allen jungen Menschen mit Behinderung müsse in Zukunft eine
Teilhabe an der Gesellschaft und dem Arbeitsleben ermöglicht
werden, sagte Armin Fink, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft
der Berufsbildungswerke [http://www.bagbbw.de].
Seine Organisation setze sich deshalb dafür ein, dass die
Bundesanstalt für Arbeit auch künftig ihrem Bildungsauftrag
nachkomme. «Es muss ein Ende sein mit dem Primat der schnellen
Vermittlung bei den Arbeitsämtern», betonte Fink. Weder
dürften Menschen mit Behinderung kurzsichtig in
Anlernverhältnisse geschoben werden, noch dürften nur noch
Menschen gefördert werden, deren Ausbildung sich wirtschaftlich
lohne, unterstrich er.
Ulrich Wittwer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher
Berufsförderungswerke [http://www.arge-bfw.de] machte deutlich:
«Behinderte Menschen haben es nicht nötig, aus Mitleid in
den Arbeitsprozess einbezogen zu werden.» Vielmehr seien sie bei
entsprechender Qualifikation mindestens ebenso einsatz- und
leistungsfähig, wie ihre nichtbehinderten Kolleginnen und Kollegen.
Auf dem Leipziger Kongress «Was zählt, ist die
Einstellung» diskutieren rund 300 Teilnehmer aus Politik,
Wirtschaft und Verbänden sowie Betroffene, wie eine
gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am
Arbeitsmarkt verwirklicht werden kann. Derzeit sind
überproportional viele behinderte Menschen von Arbeitslosigkeit
und auch ganz speziell von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.
(Quelle: ap)
DGB-Vize Engelen-Kefer warnt Bundesregierung vor Zugeständnissen
Mi.26.11.03 - Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer hat die
Bundesregierung eindrücklich vor jedweden Zugeständnissen an
die Union bei den Verhandlungen im Vermittlungsausschuss gewarnt.
Sollten sich CDU und CSU durchsetzen, werde das eine «große
gesellschaftliche Krise» und einen sinkenden Lebensstandard der
Bevölkerung zur Folge haben, sagte Engelen-Kefer der «Neuen
Osnabrücker Zeitung» (Mittwochausgabe).
Die Bundesregierung solle keinen Millimeter nachgeben, forderte die
Vize-Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Das betreffe die
millionenfache kommunale Beschäftigung von Beziehern des
Arbeitslosengeldes II mit Bezahlung auf Sozialhilfeniveau, die
Zumutbarkeit jeder Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sowie einen
massiv subventionierten Niedriglohnsektor. Dann wäre ein
Verdrängungswettbewerb auf dem Arbeitsmarkt zu befürchten und
die Gewerkschaften könnten das Lohnniveau nicht mehr halten, wird
Engelen-Kefer zitiert.
Der Vermittlungsausschuss will am (heutigen) Mittwochnachmittag (17.00
Uhr) eine erste Zwischenbilanz seiner Suche nach Kompromissen für
die zentralen Reformprojekte der rot-grünen Regierung ziehen. Die
Vermittler von Bundestag und Bundesrat wollen auf Antrag der Union auch
prüfen, ob und wie die Gesetze zu Finanzen und Arbeit gemeinsam
behandelt werden können. Im Anschluss will erneut die
Arbeitsgruppe «Arbeit» tagen. Der Auss
(Quelle: ap)
Deutsche haben wenig Vertrauen in Politiker und Wirtschaftsführer
Mi.26.11.03 - Die Deutschen stehen ihren Politikern und Wirtschaftsführern
kritischer gegenüber als alle anderen Europäer. Lediglich 18
Prozent aller Bundesbürger hätten Vertrauen in die Manager
großer Unternehmen, ergab eine gestern veröffentlichte
Studie des Marktforschungsunternehmens GfK. Noch schlechter schneiden
Politiker ab, denen nur 8 Prozent vertrauen. Hoch in der Gunst liegen
dagegen Kirchenvertreter, Rechtsanwälte und besonders Ärzte,
denen 81 Prozent der Bürger Vertrauen entgegenbringen. Für
die Studie wurden rund 22.000 Personen in Europa und den USA befragt.
Demnach ist das Vertrauen in die Politiker in den USA mit 24 Prozent
deutlich höher als in Westeuropa (14 Prozent) sowie in Osteuropa
(12 Prozent). Auch Topmanager schneiden in den USA mit 38 Prozent
besser ab als in Westeuropa (32) und in Osteuropa (28 Prozent).
(Quelle: taz/dpa)
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
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