Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertdreiundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Annan schafft neue Arbeitsgruppe für Irak +++ Pentagon schickt
zusätzliche Marine-Einheiten in den Irak +++ Vier Iraker bei
Angriff auf US-Truppen in Mossul getötet +++ Italienische
Botschaft in Bagdad beschossen +++ US-Militär: Gegner der
Koalitionstruppen sammeln sich in Tikrit +++ Frau und Tochter von
Saddam-Vize festgenommen +++ Britischer Außenminister Jack Straw
räumt ernste Sicherheitsprobleme in Irak ein: Beste Lösung
sei rasche Übergabe der Macht an Iraker
Do.27.11.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan trifft sich am kommenden Montag
erstmals mit einer neu geschaffenen Arbeitsgruppe, die ihn in seinen
Entscheidungen zur Zukunft Iraks beraten soll. Wie Annans Sprecher Fred
Eckhard am Mittwoch in New York mitteilte, gehören der Gruppe
Vertreter von 17 Staaten an. Darunter sind die sechs Nachbarstaaten
Iraks - Kuwait, Saudi-Arabien, Jordanien, Syrien, Iran und die
Türkei.
Weiter sind in dem Gremium die fünf ständigen Mitglieder des
Weltsicherheitsrates USA, Russland, Grossbritannien, Frankreich und
China vertreten. Mit Deutschland, Spanien, Pakistan, Angola und Chile
gehören ferner fünf bedeutende nichtständige
Ratsmitglieder der Gruppe an. Und als ein wichtiger Machtfaktor im
arabischen Lager ist auch Ägypten dabei.
Bereits zur Gestaltung der Zukunft Afghanistans rief Annan eine
ähnliche Arbeitsgruppe unter Beteiligung mehrerer Staaten,
darunter auch der Anrainer Afghanistans, ins Leben.
Die Vereinigten Staaten haben unterdessen die bevorstehende
Stationierung zusätzlicher Truppen in Irak angekündigt.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe die Entsendung von rund
dreitausend Marineinfanteristen gebilligt, die zusätzlich zu den
vorgesehenen Einheiten in Irak zum Einsatz kommen sollten, teilte das
Pentagon am Mittwoch (Ortszeit) mit. Dieser Beschluss sei Teil der
laufenden Vorbereitungen für die geplante Rotation der derzeit
stationierten Soldaten. Zunächst sollen im kommenden Jahr rund
56.000 US-Soldaten nach Irak geschickt werden und ihre dort
eingesetzten Kameraden ablösen. Bei einer zweiten Rotationsrunde
sollen weitere 66.531 US-Soldaten nach Irak entsandt werden. Die USA
haben derzeit etwa 132.000 Soldaten dort stationiert.
Bei zwei Attacken auf US-Soldaten in der nordirakischen Stadt Mossul
sind am Mittwochabend vier Angreifer und ein zwölfjähriger
irakischer Junge getötet worden. Vier weitere Iraker und zwei
US-Soldaten wurden nach Angaben irakischer Polizisten verletzt. Der
erste Angriff ereignete sich den Angaben zufolge im Hay-Masraf-Bezirk.
Unbekannte hätten Handgranaten auf einen US-Transporter geworfen.
US-Soldaten hätten daraufhin zurück gefeuert und einen der
Angreifer getötet.
Die italienische Botschaft in Bagdad ist mit einer Rakete oder einem
Mörser beschossen worden. Das berichtete das staatliche
italienische Fernsehen RAI am Mittwochabend. Das italienische
Aussenministerium bestätigte den Vorfall in der irakischen
Hauptstadt, der sich eine halbe Stunde vor Mitternacht (Ortszeit)
ereignet habe. "Wir können ausschliessen, dass jemand verletzt
wurde", erklärte ein Sprecher in Rom.
Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich laut RAI mehrere Personen in
dem Gebäude. Das Geschoss sei im zweiten Stock eingeschlagen. Der
italienische Botschafter habe sich nicht in dem Gebäude
aufgehalten. Der Vorfall ereignete sich zwei Wochen nach dem Anschlag
in der südirakischen Stadt Nassirijah, bei dem 19 Italiener und 14
weitere Personen getötet worden waren.
Die Gegner der Koalitionstruppen in Irak sammeln sich nach
Einschätzung eines hochrangigen US-Militärs derzeit in der
Heimatstadt Tikrit des früheren Machthabers Saddam Hussein. Ihr
Ziel sei die Reorganisation des Widerstandes, sagte der Kommandeur der
4. US-Infanteriedivision, General Raymond Odierno, am Mittwoch. Dazu
gehöre, dass die in anderen Regionen des Landes angeworbenen
Führer des Widerstandes nach Tikrit gebracht würden. Trotz
der massiven US-Razzien in der Region hielten die Aufständischen
weiter an Tikrit als Kommandozentrale fest. "Das ist die Hochburg von
Saddam Hussein. Dieser Ort ist ein Symbol", erläuterte Odierno.
US-Truppen haben bei Samarra (120 Kilometer nördlich von Bagdad)
die Frau und die Tochter des Saddam- Stellvertreters Issat Ibrahim
festgenommen. Das erklärte ein Sprecher der 4.
US-Infanteriedivision am Mittwoch in Tikrit.
Ibrahim war vor dem Sturz des Regimes stellvertretender Vorsitzender
des von Saddam Hussein geführten Revolutionären
Kommandorates. Er ist die Nummer 6 auf der US-Liste der 55
meistgesuchten Regime-Größen.
In der vergangenen Woche hatte das US-Militär auf ihn ein Kopfgeld
von zehn Millionen US-Dollar ausgesetzt. Der Vertraute Saddams, der
schwer krank sein soll, steckt nach Ansicht des US-Militärs hinter
einem Teil der häufigen Anschläge auf US-Truppen. Der
arabische Fernsehsender El Dschasira verwies darauf, dass Ibrahim
mehrere Ehefrauen hat.
Es war nicht klar, mit welcher Begründung die beiden Frauen
festgenommen worden sind. Weibliche Mitglieder der Familien von
gesuchten Regime-Größen sind bislang nicht behelligt worden.
Zwei Saddam-Töchter konnten im Sommer ungehindert nach Jordanien
ausreisen.
Der britische Außenminister Jack Straw räumte am Mittwoch in
Bagdad ein, dass die Besatzer im Irak ernsthafte Sicherheitsprobleme
haben. Die beste Lösung dafür sei, "so rasch wie nur
möglich eine Übergabe der Macht zu ermöglichen". Der
Politiker war zuvor mit Vertretern des provisorischen irakischen
Regierungsrates zusammengetroffen und hatte am Dienstag die britischen
Truppen in der südirakischen Stadt Basra besucht.
(Quellen: ap, afp, dpa)
Unter US-Kontrolle kommt die Pressefreiheit zu kurz - die Freiheit der
Presse im neuen Irak riecht etwas streng
Mehr im ZNet (23.11.03) unter:
http://zmag.de/article/article.php?id=922
Ein neues Gesetz befreit das MiIitär in den USA von
Umweltauflagen
Die Armee muss die Reste ihrer Chemiewaffen nicht entsorgen und darf
die Luft stärker verschmutzen. Verteidigungsminister Rumsfeld: Das
ist notwendig für die Landesverteidigung...
Mehr in der Tageszeitung vom 27.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/27/a0077.nf/text
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Russland besorgt über US-Pläne zur Entwicklung neuer
Atomwaffen
Generalstabschef der russischen Streitkräfte: Moskau müsse
seine Nuklearstrategie überdenken
Do.27.11.03 - Russland hat sich besorgt über die Pläne der US-Regierung zur
Entwicklung einer neuartigen Mini-Atombombe geäußert. Der
stellvertretende Generalstabschef der russischen Streitkräfte,
Juri Balujewski, forderte am Mittwoch, Moskau müsse seine
Nuklearstrategie überdenken. Anlass dieser Forderung ist ein von
US-Präsident George W. Bush unterzeichnetes Gesetz, mit dem
Forschungsmittel für die Entwicklung einer Atomwaffe freigegeben
wurden. Sie soll der Zerstörung unterirdischer Bunker dienen.
Mit dem US-Gesetz wurde ein nach dem Ende des Kalten Krieges
verhängtes Verbot für die Neuentwicklung von nuklearen
Sprengköpfen aufgehoben. Balujewski bezeichnete dies als Furcht
erregend. «Sollten wir unsere Nuklearstrategie überdenken?
Ja, ich denke schon», sagte er vor Journalisten in Moskau. Er
wollte sich nicht dazu äußern, ob Russland ähnliche
Waffen wie die von den USA geplanten entwickeln könnte. Moskau
werde sein Reservoir an taktischen Atomwaffen aber nicht verkleinern.
Besorgt zeigte sich Balujewski auch darüber, dass die USA in
Europa nach wie vor Atomwaffen stationiert hätten, die Ziele in
Russland erreichen könnten. Nach dem Zusammenbruch des Warschauer
Pakts und dem Abzug der sowjetischen Truppen aus Ostdeutschland und
anderen ehemaligen Ostblockstaaten sehe er keine Notwendigkeit
dafür, sagte Balujewski.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelisch-palästinensische Gespräche in London +++ Israel
zieht UN-Resolutionsentwurf wieder zurück +++ Fünf
Palästinenser getötet, darunter ein Kind in Rafah
Do.27.11.03 - Hohe israelische und palästinensische Regierungsvertreter werden
am Donnerstag in London zusammentreffen, um auf Einladung der
britischen Regierung über die Umsetzung des internationalen
Friedensplans zu beraten. Nach israelischen Angaben handelt es sich bei
der zweitägigen Konferenz nicht um offizielle
Friedensverhandlungen. An den Gesprächen nehmen unter anderem der
Sohn des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, Omri
Scharon, sowie der Sicherheitsberater des palästinensischen
Autonomiebehörde, Dschibril Radschub, teil.
Israel hat derweil seinen ersten jemals bei den Vereinten Nationen
eingereichten Resolutionsentwurf vor einer Abstimmung wieder
zurückgezogen. Die Entschließung sei "Opfer einer
feindlichen Übernahme" durch Ägypten geworden, sagte der
israelische UN-Botschafter Dan Gillerman in New York.
Bundespräsident Johannes Rau warb vor der jüdischen Gemeinde
in Uruguay für eine Aussöhnung zwischen Palästinensern
und Juden.
"Der heutige Tag ist für die Vereinten Nationen ein Tag der
Schande und ein Tag der Traurigkeit für die Menschheit", sagte der
UN-Botschafter. Israelische Diplomaten würden künftig nicht
mehr als "Zielscheibe für systematische Anschuldigungen und
voreingenommene Entschließungen" herhalten. Gillerman hatte Ende
Oktober eine Resolution vorgelegt, in der Israel die Auswirkungen
palästinensischer Terrorakte auf israelische Kinder verurteilt.
Die Resolution sei abgelehnt worden, weil bei Auseinandersetzungen in
Nahost "mehr als fünfhundert palästinensische Kunder
getötet und tausende verletzt wurden", sagte der
palästinensische UN-Botschafter Nasser el Kidwa im Anschluss an
Gillermans Äußerungen.
Bundespräsident Johannes Rau warb vor der jüdischen Gemeinde
in Uruguay für eine Aussöhnung zwischen Palästinensern
und Juden und forderte Israel zu Zugeständnissen auf.
Bei verschiedenen gewaltsamen Zwischenfällen sind am Mittwoch
fünf Palästinenser getötet worden.
Israelische Soldaten erschossen am Abend in der Nähe der
jüdischen Siedlung Gusch Katif im Süden des Gazastreifens
drei Palästinenser. Aus israelischen Militärkreisen
verlautete, die Soldaten hätten vier Männer entdeckt, die in
ein Sperrgebiet in der Nähe der Siedlung eindringen wollten.
Mindestens zwei seien bewaffnet gewesen.
Zwei der vier Männer seien entkommen, die beiden anderen
hätten versucht, in einem Auto zu flüchten, dessen Fahrer
gewartet hatte. Die Soldaten hätten das Feuer eröffnet und
dabei die drei Insassen des Fahrzeuges getötet.
Nach palästinensischen Angaben handelte es sich dagegen bei den
drei Männern um unbewaffnete Zivilisten, die auf dem Weg zu einer
Feier zum Ende des Fastenmonats Ramadan waren. Die Cousins hätten
die normalerweise gesperrte Straße genutzt, nachdem sie
gehört hatten, dass die israelische Armee sie wegen des
muslimischen Festes für 24 Stunden geöffnet hatte. Die
Soldaten hätten jedoch auf den Wagen gefeuert.
Zuvor hatten israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben
am Rande des Flüchtlingslagers Rafah im Gazastreifen einen
neunjährigen Jungen erschossen. Der Junge habe sich in dem 500
Meter breiten Streifen zwischen dem Lager und der ägyptischen
Grenze aufgehalten, wo es öfter Schießereien gebe. Die
israelische Armee teilte mit, von ihrer Seite sei in der fraglichen
Zeit in dem Gebiet nicht geschossen worden.
Im Westjordanland verübten nach einem Bericht der Zeitung
"Haaretz" Unbekannte in der Nacht zum Mittwoch einen Anschlag auf den
Bürgermeister der Stadt Nablus. Ghassan Schaka, ein
gemäßigtes Mitglied der Fatah-Organisation von Jassir
Arafat, sei unverletzt geblieben. Sein Bruder sei bei dem
Feuerüberfall auf das Auto jedoch umgekommen. Militante
Palästinenser hätten den Bürgermeister vor Kurzem in
Flugblättern Kollaboration mit Israel vorgeworfen.
(Quellen: ap, afp)
Powell lobt erneut 'Genfer Friedensinitiative' für Nahost
Do.27.11.03 - US-Außenminister Colin Powell hat die "Genfer Friedensinitiative"
zur Beilegung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern
begrüßt. In einem Schreiben an den früheren
palästinensischen Informationsminister Jassir Abed Rabbo und den
ehemaligen israelischen Justizminister Jossi Beilin habe er die
Vereinbarung "gelobt", sagte Powell der am Donnerstag erscheinenden
Wochenzeitung "Die Zeit". Rabbo und Beilin sind Mitbegründer der
Initiative, die unter anderem von Israel die Räumung der besetzten
Gebiete und von den Palästinensern den Verzicht auf ein umfassendes
Rückkehrrecht fordert.
Die beiden Begründer der unabhängigen Friedensinitiative
für Nahost erhielten nach Angaben ihrer Anhänger eine
Einladung in die Vereinigten Staaten. Das US-Außenamt widersprach
dieser Darstellung.
Der ehemalige Leiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Beth,
Ami Ajalon, und der Rektor der palästinensischen
El-Kuds-Universität, Sari Nusseibeh, würden bei dem Besuch in
Washington mit US-Außenminister Colin Powell zusammentreffen,
teilte eine Gruppe von Unterstützern Nusseibehs mit.
US-Außenamtssprecher Richard Boucher sagte dagegen, "derzeit" sei
kein Treffen zwischen Powell und den Initiatoren geplant.
(Quelle: afp)
Wir dürfen die Logik des Terrors nicht akzeptieren...
... sagt der Journalist und Historiker Tom Segev in eimem
taz-Interview vom 27.11.03: Mit der Genfer Initiative versuchen
Israelis und Palästinenser zu zeigen, dass ein Kompromiss in
Nahost möglich wäre ...
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/11/27/a0137.nf/text
Tom Segev wurde 1945 als Sohn jüdischer Einwanderer aus
Deutschland in Jerusalem geboren. International wurde er durch das Buch "Die siebte Million - die
Israelis und der Holocaust" bekannt. (taz)
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Hilfsorganisationen fordern Unterstützung für UN-Truppen in
Kongo
Deutsche Regierung sollte zur UN-Beobachtermission Monuc mit
Ausrüstung oder auch Truppen beitragen +++ EU müsse
die kongolesische Regierung beim Aufbau von Polizei, Justiz
und Sicherheitskräften massiv unterstützen
Do.27.11.03 - Kirchliche Hilfsorganisationen haben eine deutsche Unterstützung
der UN-Truppen in der Demokratischen Republik Kongo gefordert. Die
Bundesregierung sollte zur UN-Beobachtermission Monuc mit
Ausrüstung oder auch Truppen beitragen, sagten Vertreter des
Ökumenischen Netzes Zentralafrika am Dienstag in Berlin. Kongo
müsse zu einem Schwerpunktland der bilateralen Zusammenarbeit der
Regierung werden.
Zum Ökumenischen Netz gehören Brot für die Welt, das
Diakonische Werk, Pax Christi, Misereor, der Evangelische
Entwicklungsdienst und die Vereinigte Evangelische Mission. Sie
forderten einen internationalen "Marshallplan" für Kongo, um ein
Wiederaufflammen der Konflikte zu verhindern. Nach wie vor gebe es dort
ein hohes Maß an Gewalt, nicht nur in der Unruhe-Provinz Ituri.
Auch in der an Ruanda grenzenden Region Nord-Kivu sei die Lage
kritisch. Insgesamt litten in Kongo 70 Prozent der Bevölkerung an
Unterernährung, nicht zuletzt weil gewaltsame Auseinandersetzungen
ein normales Leben unmöglich machten.
"Es gibt ein erschreckendes Ausmaß an Hass zwischen Ruandern und
Kongolesen", sagte Karl Wirtz von Misereor. "Das Potenzial an Gewalt
und Bösartigkeit ist hochgefährlich und kann schnell wieder
zu Massakern führen", warnte er. Es müsse verhindert werden,
dass die internationale Gemeinschaft in der Region noch einmal so
dramatisch scheitere wie 1994 in Ruanda, fügte Martin Domke von
der Vereinigten Evangelischen Mission hinzu.
Zur Unterstützung des Kongo forderten die Hilfsorganisationen
neben der Stärkung der UN-Mission die Wiederherstellung des
Rechtsstaats im Land. Die EU müsse dafür die kongolesische
Regierung beim Aufbau von Polizei, Justiz und Sicherheitskräften
massiv unterstützen. Außerdem riefen die Organisationen die
Bundesregierung dazu auf, sich für den Aufbau von
Kontrollmechanismen bei der Rohstoffförderung einzusetzen. Die
Finanzierung von Waffen durch den Export von Gold, Coltan oder
Diamanten heize den Konflikt immer wieder neu an.
(Quelle: epd)
Howard knüpft Simbabwes Commonwealth-Mitgliedschaft an
Menschenrechte
Do.27.11.03 - Der australische Ministerpräsident John Howard hat die Einladung
Simbabwes zu den Commonwealth-Gipfel von der Menschenrechtssituation in
dem afrikanischen Land abhängig gemacht. «Simbabwe muss eine
grundsätzliche Änderung in der Einstellung und
Betrachtungsweise zeigen, bevor es seine Wiederaufnahme in das
Commonwealth erlangt», sagte Howard am Donnerstag in der
australischen Hauptstadt Canberra.
Simbabwe war im vergangenen Jahr von den Treffen der 54
Commonwealth-Staaten ausgeschlossen worden, nachdem es Zweifel an der
Rechtmäßigkeit des Wahlsiegs von Präsident Robert
Mugabe gegeben hatte. Das nächste Gipfeltreffen der
Commonwealth-Staaten findet vom 5. bis 8. Dezember in der
nigerianischen Hauptstadt Abuja statt. Mugabe sagte vergangene Woche,
er rechne fest mit einer Einladung zu dem Treffen, was zu
Boykottdrohungen der britischen Königin und der Regierungschefs
von Großbritannien, Australien, Kanada und von pazifischen
Staaten führte.
(Quelle:ap )
Bald 20 Millionen Aids-Waisen in Afrika
Aus Geldmangel ihrer Adoptiveltern müssen viele Waisenkinder ihren
Lebensunterhalt in Minen oder Steinbrüchen verdienen oder sich als
Prostituierte verkaufen +++
Organisation Ärzte ohne Grenzen fordert Pharmakonzerne auf,
Patente für Aids-Wirkstoffe fallen zu lassen, um die gängige
Behandlung auch in ärmeren Ländern zu vereinfachen
Do.27.11.03 - Die Zahl der Aids-Waisen im Afrika südlich der Sahara wird sich
neuen UN-Schätzungen zufolge bis zum Ende dieses Jahrzehnts nahezu
verdoppeln. Das Kinderhilfswerk UNICEF rechnet dort bis 2010 mit etwa
20 Millionen Kindern, die einen oder beide Elternteile durch die
Immunschwäche-Krankheit verloren haben.
Um eine weitere dramatische Zunahme der Waisen-Zahlen zu verhindern,
müssten infizierte Eltern endlich Zugang zu Medikamenten bekommen,
forderte der UN-Sonderbeauftragte für Aids in Afrika, Stephen
Lewis, am Mittwoch bei der Vorstellung der UNICEF-Studie «Afrikas
verwaiste Generationen» in Berlin.
Bereits heute leben in Afrika nach Schätzungen des
Kinderhilfswerks 11 Millionen Aids-Waisen. Die Hälfte von ihnen
sei jünger als zehn Jahre. Die Pflegefamilien, die diese Kinder
nach dem Tod ihrer Eltern aufnehmen, sind selten in der Lage, sie
ausreichend mit Nahrungsmitteln, Kleidung oder Medizin zu versorgen.
Aus Geldmangel ihrer Adoptiveltern müssen viele Waisenkinder
darüber hinaus ihre Schulausbildung abbrechen.
Vielen Kindern bleibt laut UNICEF nur die Möglichkeit, ihren
Lebensunterhalt in Minen oder Steinbrüchen zu verdienen oder sich
als Prostituierte zu verkaufen. Die Zahl der Straßenkinder steige
ständig weiter an. «Die Tragödie der Aids-Waisen im
südlichen Afrika bedroht zunehmend die wirtschaftliche und soziale
Stabilität der Region. Wir dürfen diese Menschen nicht ihrem
Schicksal überlassen», sagte Entwicklungshilfeministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD).
UNICEF ruft zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember die Regierungen und die
Öffentlichkeit zur finanziellen Hilfe für afrikanische
Waisenkinder in ihren Dorfgemeinschaften auf. Besondere
Unterstützung benötigten Pflegefamilien, Gemeinden und lokale
Hilfsorganisationen. UNICEF setzt sich darüber hinaus für die
Abschaffung der Schulgebühren für Aids-Waisen ein.
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen forderte die Pharmakonzerne
auf, Patente für Aids-Wirkstoffe fallen zu lassen, um die
gängige Behandlung auch in ärmeren Ländern zu
vereinfachen. Der Einsatz so genannter Kombinationspräparate, die
alle notwendigen Medikamente in einer Tablette vereinen, spiele
für die dringend nötige Vereinfachung der Behandlung in armen
Ländern eine entscheidende Rolle. «Wenn die Aids-Therapie
nicht geändert wird, werden Millionen Menschen, die heute eine
Behandlung brauchen, sterben», sagte Tobias Luppe von der
Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv
Anzahl der HIV-Infektionen und Aidstoten auf Rekordhöhe
Mehr als 40 Millionen Menschen leben weltweit mit der Krankheit,
darunter auch 2,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren
Mi.26.11.03 - An der Immunschwächekrankheit Aids sind in diesem Jahr mehr
Menschen gestorben als je zuvor. Auch die Zahl der HIV-Infizierten sei
auf einen neuen Höchststand gestiegen, teilten die Vereinten
Nationen mit.
"Die Aids-Epidemie weitet sich weiter aus - das volle Ausmaß ist
noch nicht erreicht", sagte Peter Piot, Chef des HIV/Aids-Programms der
Vereinten Nationen (UNAIDS) am Dienstag in London. Mehr als 40
Millionen Menschen leben weltweit mit der Krankheit, darunter auch 2,5
Millionen Kinder unter 15 Jahren. Die afrikanischen Länder
südlich der Sahara sind am stärksten betroffen. In Afrika ist
Aids mittlerweile die häufigste Todesursache, weltweit die
vierthäufigste.
Jeden Tag sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation 8000
Menschen an der Immunschwächekrankheit. Insgesamt seien 2003 mehr
als drei Millionen Menschen an Aids gestorben, heißt es in dem
UNAIDS-Bericht. Fünf Millionen infizierten sich neu mit HIV, dem
Virus, das die Krankheit auslöst....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311260.htm#03112612
WHO: Hunderttausende Menschen wegen Geldmangel vom Aids-Tod bedroht
Weltweit 42 Millionen Menschen HIV-infiziert +++ In armen Staaten
erhalten nur fünf Prozent der Aids-Patienten eine antiretrovirale
Behandlung +++ Vergangenes Jahr starben drei Millionen Infizierte +++
Das südliche Afrika ist am schlimmsten betroffen
Sa.08.11.03 - Wegen fehlender Finanzmittel bei der Aids-Bekämpfung ist nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Leben von
Hunderttausenden Menschen bedroht. "Das Geld, das wir bis jetzt
zusammenhaben, reicht nicht aus", sagte WHO-Direktor Paulo Teixeira am
Donnerstag in Genf.
Nach vorläufigen Berechnungen fehlen der WHO in den nächsten
beiden Jahren zweihundert Millionen US-Dollar. Insgesamt würden im
weltweiten Kampf gegen Aids jährlich sieben bis neun Milliarden
US-Dollar benötigt, sagte der WHO-Direktor...
Mehr unter:
http://home.t-online.de/../boa-archiv2/k0311080.htm#03110809
Vor zwanzig Jahren wurde das Aidsvirus zum ersten Mal beschrieben
Heute kann zwar mit neuen Medikamenten das Sterben hinausgezögert
werden, aber ein wirksames Gegenmittel gibt es nicht...
Mehr in der "tageszeitung" vom 28.11.03 :
http://www.taz.de/pt/2003/11/28/a0201.nf/text
AIDS: Hilfsorganisationen fordern von Bundesregierung mehr Engagement.
Pharmaindustrie blockiert...
Mehr in "junge Welt vom 28.11.03:
http://www.jungewelt.de/2003/11-28/013.php
Stichwort: Aids
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310260.htm#031026_r
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Georgische Opposition nominiert Saakaschwili als Präsident
Bush unterstützt Georgiens Reformkurs +++ OSZE will fü:r Neuwahl
in Georgien fünf Millionen Euro zur Verfügung stellen +++
Saakaschwili: Unruhe in georgischer Armee
Do.27.11.03 - Nach dem Sturz des georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse
hat die siegreiche Opposition Michail Saakaschwili (35) als gemeinsamen
Kandidaten für die Präsidentenwahl am 4. Januar benannt. Zum
Ausgleich solle Übergangspräsidentin Nino Burdschanadse die
gemeinsame Liste von ihrer und Saakaschwilis Partei bei der für
das Frühjahr erwarteten Parlamentswahl anführen. Das teilten
die beiden Politiker am Mittwoch in Tiflis mit.
"Ich bin bereit, die Wahl zu gewinnen und die Verantwortung der
Führung des Landes zu übernehmen", sagte Saakaschwili. "Die
Revolution geht weiter und wird erst zu Ende sein, wenn Georgien ein
blühender und stabiler Staat ist." Die Führer der von Tiflis
abgefallenen georgischen Regionen trafen sich unterdessen in Moskau.
Der russische Präsident Wladimir Putin äußerte am
Mittwoch in Moskau die Hoffnung auf baldige und legale Wahlen in
Georgien. "Ich hoffe, dass in nächster Zukunft die im Gesetz
vorgeschriebenen Prozeduren vollzogen werden - die Wahlen, die uns
einen Partner in Georgien bringen, nämlich einen legal
gewählten Präsidenten Georgiens", sagte Putin bei einem
Treffen mit kaukasischen Kirchenführern.
Ex-Justizminister Saakaschwili hatte mit Charisma und großem
taktischem Geschick die Dauerproteste organisiert, die am Sonntag
schließlich zum Rücktritt Schewardnadses führten. Er
gilt aber als Nationalist, weshalb er von den ethnischen Minderheiten
in Georgien und in Moskau mit Misstrauen gesehen wird.
Die USA kündigten Hilfe bei der Durchführung der Wahl in
Georgien an. US-Präsident George W. Bush hat in einem
Telefongespräch mit der georgischen Übergangspräsidentin
Nino Burdschanadse seine Unterstützung für den Reformkurs des
Landes bekräftigt. Die USA wollten eine Delegation nach Georgien
entsenden, um festzustellen, wie die internationale Gemeinschaft
Georgien bei seinen Reformen unterstützen könne, teilte das
Weiße Haus nach dem Telefonat am Mittwoch mit.
Saakaschwili kündigte unterdessen eine Normalisierung der
Beziehungen Georgiens zu Russland an.
Das von Burdschanadse geführte Parlament in der 1999
gewählten Zusammensetzung hatte am Dienstag die
Präsidentenwahl für den ersten Januarsonntag angesetzt. Damit
lief die Frist für Nominierungen bereits am Mittwoch ab.
Außer Saakaschwili erklärten der Vorsitzende der
früheren georgischen Kommunisten, Dschumber Patiaschwili, und der
Geschäftsmann Temur Schaschiaschwili ihre Kandidatur.
Den Anhängern Schewardnadses gelang es bis zum Mittwochnachmittag
nicht, einen eigenen Kandidaten zu benennen. Nach georgischen
Medienberichten tauschte die neue Führung in Tiflis zahlreiche
Schewardnadse-treue Amtsträger in der Provinz gegen eigene Leute
aus.
Burdschanadse kündigte die baldige Wiedereinführung des Amtes
des Regierungschefs in Georgien ein. Sie werde dem Parlament
vorschlagen, zunächst ein Ministerkabinett ins Leben zu rufen, um
danach auch einen Regierungschef zu bestimmen. Als ihren bevorzugten
Kandidaten nannte sie den früheren Parlamentsvorsitzenden Surab
Schwanija. Schewardnadse hatte das Amt des Regierungschefs 1995
abgeschafft und seitdem diese Amtsgeschäfte selbst geführt.
Der am Sonntag zurückgetretene Schewardnadse selbst räumte am
Mittwoch sein Amtszimmer, von dem aus er fast drei Jahrzehnte lang
Georgien regiert hatte. Das sei ein bitteres Gefühl, sagte er.
«Ich habe hier so lange gearbeitet.» Eine Rückkehr in
die Politik schloss er aus.
Eine Räumung der drei russischen Truppenstützpunkte in
Georgien werde mindestens zehn Jahre dauern, sagte Vizegeneralstabschef
Juri Balujewski in Moskau. Die russischen Soldaten würden sich
jedoch nicht in die inneren Angelegenheiten Georgiens einmischen.
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE) will die Wahl eines neuen Präsidenten in Georgien mit
fünf Millionen Euro unterstützen. Die Mittel sollen in der
kommenden Woche bei einer Konferenz der 55 Mitgliedstaaten in
Maastricht beantragt werden, teilte die niederländische Regierung,
die derzeit den OSZE-Vorsitz innehat, am Mittwoch mit. Zu der Konferenz
werde auch die georgische Übergangspräsidentin Nino
Burdschanadse erwartet.
Mit Hilfe moderner Technik sollten Fälschungen wie bei der
georgischen Parlamentswahl am 2. November verhindert werden, sagte der
niederländische Außenminister und amtierende OSZE-Vorsitzende
Jaap de Hoop Scheffer. Die Empörung über die Fälschungen
hatte die Proteste ausgelöst, die am Wochenende den Rücktritt
des bisherigen Präsidenten Eduard Schewardnadse erzwangen.
Wie der niederländische OSZE-Botschafter Dan Everts am Mittwoch
erklärte, ist das umstrittene Wahlergebnis überwiegend auf ein
gefälschtes Teilergebnis aus der autonomen georgischen Provinz
Adscharien zurückzuführen. Die Provinzregierung habe in
letzter Minute ein offensichtlich zweifelhaftes Ergebnis
veröffentlicht, das den Sieg der Schewardnadse-nahen Partei
Für ein neues Georgien herbeigeführt habe. Damit habe sie die
400 Wahlbeobachter der OSZE überrumpelt, die ansonsten keine allzu
schweren Verstöße festgestellt hätten.
Nach dem Machtwechsel in Georgien regt sich Oppositionsführer
Michail Saakschwili zufolge in Teilen der georgischen Armee Widerstand
gegen die Übergangsregierung. "Teile der Streitkräfte sind in
Bewegung, und es wird über einen Militärputsch gesprochen",
sagte Saakaschwili dem Fernsehsender Rustawi 2.
Allerdings seien daran nur wenige Militärs beteiligt: "Es gibt
zwei oder drei Offiziere, die sich dafür aussprechen, in Georgien
eine Militärdiktatur zu errichten." Der
Präsidentschaftskandidat kündigte ein hartes Vorgehen
gegen mögliche Verschwörer an. "Wir werden solche Züge
und Gespräche energisch unterdrücken."
(Quellen: dpa, ap, afp)
Georgien: eine samtene Revolution ?
Alle Macht dem Volk: Wenn sich in Georgien nichts ändert, muss das
Volk das Parlament erneut stürmen
Mehr bei telepolis (27.11.03)
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16181/1.html
Ob das nun eine friedliche Revolution war oder ein von dem
oppositionellen Triumvirat geschickt eingefädelter Staatsstreich
mit halbdemokratischen Mitteln oder einfach eine Abstimmung der
Hungrigen mit ihren Füßen: Mit Schewardnadses Rücktritt
endet eine Epoche in Georgien
1992 war der frühere Sowjet- Außenminister an die Macht
gekommen, das Land versank gerade im Bürgerkrieg.... Zwar konnte
Schewardnadse den Bürgerkrieg beenden. Befrieden aber konnte er
seine Heimat nicht.
Kriege gegen Separatisten in Ossetien und Abchasien, angeheizt vom
mächtigen Nachbarn in Moskau, rissen Georgien in Stücke.
Schewardnadse herrschte von Anfang an nur über einen Rumpfstaat,
und auch den bekam er nicht in den Griff: Strom und Heizung arbeiten
nur sporadisch, die Fabriken des Landes stehen still, die Menschen
haben keine Arbeit, dafür haben die Kriminellen Hochkonjunktur.
Nicht Politik fürs Volk, sondern alles umfassende Korruption war
das Markenzeichen der Herrschaft Schewardnadses.
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 26.11.03
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Ukraine: Das Internet ist fest in staatlicher Hand
Do.27.11.03 - Die Ukraine sichert sich ab: Die Verwaltung der ukrainischen Top Level
Domain (TLD) .ua wird nun von einem Komitee übernommen, das zur
Hälfte aus der Regierung, zur Hälfte aus dem ehemaligen
Geheimdienst KGB besteht
Die TLD .ua wurde bisher von der Firma Hostmaster verwaltet. Doch
bereits im Juli dieses Jahres ging die ukrainische Regierung vor
Gericht, um ihrerseits die TLD-Verwaltung zu übernehmen.
Gleichzeitig wandte sie sich an die Internet Corporation for Assigned
Names and Numbers (ICANN) damit diese die Übertragung der
Verantwortlichkeit billigte. Anfang November stand die Entscheidung
darüber noch aus und Robert Ménard von den Reportern ohne
Grenzen zeigte sich bereits zu diesem Zeitpunkt höchst besorgt
über die Situation in der Ukraine.
Zeitungen und ein Großteil der Media sind bereits in staatlicher
Hand", sagte auch Robert Shaw von der International Federation of
Journalists. "Das Internet zu kontrollieren ist bedeutend schwieriger,
und es sieht so aus. als ob die Regierung nun hinter dem letzten
offenen Zugang zu Informationen her ist."...
Mehr bei telepolis (26.11.03):
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/16174/1.html
Preis für Pressefreiheit verliehen
Do.27.11.03 - Journalisten aus Afghanistan, Russland, Marokko und Kuba sind am
Dienstag mit dem Internationalen Preis für Pressefreiheit der
Organisation CPJ ausgezeichnet worden. Die vier hätten schwere
Repressalien erdulden müssen, um unabhängig und fundiert
berichten zu können, erklärte das Komitee zum Schutz von
Journalisten (CPJ) in New York. Die Medienorganisation ehrte die wegen
kritischer Artikel bedrohten und verfolgten Autoren und Herausgeber
Abdul Samai Hamed aus Afghanistan, Aboubakr Jamai aus Marokko, Musa
Murados aus der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien sowie Manuel
Vasquez Portal, der nach einer Regierungsoffensive gegen
unabhängige Medien in Kuba derzeit eine 18-jährige Haftstrafe
verbüßt.
(Quelle: ap)
Athen: Hungerstreikende freigelassen
Do.27.11.03 - Die griechische Justiz hat am Mittwoch die Freilassung von fünf
hungerstreikenden Globalisierungskritikern unter Auflagen angeordnet.
Wie der griechische Rundfunk berichtete, haben die Richter die
Freilassung beschlossen, weil das Leben der Inhaftierten nach etwa zwei
Monate dauerndem Hungerstreik in Gefahr war.
Auch zwei weitere Inhaftierte, die sich der Aktion nicht angeschlossen
hatten, kamen auf freien Fuß. Sie dürfen jedoch bis zur
Prozesseröffnung das Land nicht verlassen und müssen sich bei
der Polizei melden. Zuvor hatten zahlreiche
Menschenrechtsorganisationen und 28 Abgeordnete des Europäischen
Parlamentes die griechische Regierung aufgefordert, die
Globalisierungskritiker freizulassen. Die Kritiker waren am 21. Juni
während einer Demonstration in Thessaloniki am Rande des
EU-Gipfeltreffens festgenommen worden.
(Quelle: taz/dpa)
Proteste gegen Sparmaßnahmen der polnischen Regierung
Do.27.11.03 - Mehrere tausend Polen haben am Mittwoch gegen geplante
Sparmaßnahmen der Regierung protestiert. Zu den Demonstrationen
in mehreren Städten hatte die Gewerkschaft Solidarnosc
(Solidarität) aufgerufen. «Nieder mit den Kommunisten,
nieder mit den Reformen der Regierung», skandierten rund 1.500
Gewerkschaftsanhänger bei einem Marsch durch die Warschauer
Innenstadt.
Die größte Kundgebung fand in Lublin im Osten des Landes
statt, wo sich rund 2.000 Demonstranten vor dem Sitz der
Regionalverwaltung versammelten. Solidarnosc organisierte in diesem
Monat bereits eine ganze Reihe von Demonstrationen gegen
Sparmaßnahmen, mit denen die Regierung vor dem EU-Beitritt im
kommenden Jahr die Wirtschaft ankurbeln will.
Die Proteste richten sich insbesondere gegen Einschnitte im
Gesundheits- und Bildungswesen sowie bei den Renten. Die Gewerkschaft
forderte außerdem Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit, die
derzeit bei 17,4 Prozent liegt. Ministerpräsident Leszek Miller
erklärte, die Reformen würden neue Arbeitsplätze
schaffen.
(Quelle:ap)
Paris und London schlagen EU 'sehr schnelle Eingreiftruppe' vor
Do.27.11.03 - Frankreich und Großbritannien schlagen allen EU- Partnern den
Aufbau einer «sehr schnellen Eingreiftruppe» vor. Die Idee
einer solchen Truppe für die allerersten Einsätze in
Krisengebieten solle möglichst rasch in den nächsten Monaten
umgesetzt werden, sagte Verteidigungsministerin Michèle
Alliot-Marie in Paris. Unabhängig von der europäischen
Streitmacht mit 60 000 Soldaten solle die Truppe im Zuge von
EU-Aktionen und «im Rahmen von UN-Resolutionen eingreifen».
(Quelle: dpa)
Entscheidung der EU im Streit um Embryonenforschung vertagt
Do.27.11.03 - Die EU-Wissenschaftsminister haben die Entscheidung über die
Forschung an Reagenzglas-Embryonen am Mittwoch vertagt. In dem Streit
zeichnet sich im Ministerrat jedoch eine Einigung auf der Grundlage
eines portugiesischen Kompromissvorschlags ab. Darüber soll auf
einer Sondersitzung am 3. Dezember weiterberaten werden.
EU-Forschungskommissar Philipp Busquin rückte von seinem
umstrittenen Vorschlag ab, die Forschung an menschlichen Embryonen
vorbehaltlos zu fördern, wie am Mittwoch nach einer Ratssitzung in
Brüssel aus Verhandlungskreisen verlautete. Besonders Deutschland,
Österreich und Italien wandten sich gegen das Papier Busquins.
Portugal legte den Angaben zufolge einen Kompromissvorschlag vor, der
die Förderung der wissenschaftlichen Arbeit mit menschlichen
Embryo-Stammzellen nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Forscher
sollen nur EU-Gelder erhalten, wenn sie mit Embryo-Stammzellen
arbeiten, die vor einem bestimmten Stichtag gewonnen wurden. Der
Vorschlag erscheine mehrheitsfähig, hieß es.
Die Wissenschaftsminister der EU hatten über die Förderung
der umstrittenen Forschung beraten. Als Vorlage diente ein Vorschlag
der EU-Kommission. Danach sollte die wissenschaftliche Arbeit mit
Embryonen aus künstlichen Befruchtungen mit EU-Geldern
vorbehaltlos unterstützt werden. In den milliardenschweren
Brüsseler Fördertopf zahlt auch Deutschland ein. Die Nutzung
menschlicher Embryonen für Forschungszwecke ist in der
Bundesrepublik aber strafrechtlich verboten. Erlaubt ist lediglich die
Arbeit mit importierten Stammzellen, die vor dem 1. Januar 2002 aus
Embryonen gewonnen wurden.
Aus Verhandlungskreisen hieß es, es sei bei der Beratung klar
geworden, dass der Vorschlag der Kommission durch das Veto mehrerer
Länder hätte blockiert werden können. Daraufhin habe
Portugal einen Kompromissvorschlag unterbreitet, der einen Stichtag
vorsehe, der noch zu bestimmen sei. Dieser Weg erscheine nun
mehrheitsfähig. Aus EU-Kreisen verlautete jedoch, Österreich
wolle die Embryonen-Forschung auf jeden Fall blockieren.
Momentan fließen keine Brüsseler Gelder in die
Embryonenforschung, denn bis zum Jahresende läuft ein Moratorium,
das vor eineinhalb Jahren auf Initiative Deutschlands zu Stande kam.
Vor einer Woche entschied allerdings das Europa-Parlament in
Straßburg, die Förderung vorbehaltlos zu erlauben.
Abgeordnete des Deutschen Bundestages begrüßten die
Ergebnisse der Ratssitzung. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria
Böhmer sprach von einer «guten Grundlage für weitere
Verhandlungen». Der portugiesische Vorschlag beruhe ähnlich
wie das deutsche Stammzellgesetz auf einer Stichtagregelung. Damit
könne eine Kommerzialisierung menschlicher Embryonen zu
Forschungszwecken verhindert werden. Der CDU-Parlamentarier Hubert
Hüppe erklärte, es sei ein gutes Signal, dass der
Forschungsfreiheit Grenzen gesetzt würden. Er lobte den Einsatz
der Bundesregierung in Brüssel gegen die Förderung der
verbrauchenden Embryonenforschung. Der
Grünen-Bundestagsabgeordnete Reinhard Loske erklärte,
Deutschland vertrete in der EU keine Minderheitenposition.
(Quelle: ap)
Verheugen: Türkei weit von EU-Beitritt entfernt
Do.27.11.03 - EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen hat davor gewarnt, die
Debatte um einen möglichen EU-Beitritt der Türkei im
Europawahlkampf im kommenden Jahr zu instrumentalisieren. "Meine
Empfehlung ist, den Europawahlkampf nicht zu einem Referendum über
den türkischen Beitritt zu machen", sagte Verheugen der Zeitung
"Financial Times Deutschland". "Denn davon sind wir noch weit entfernt."
Der EU-Kommissar bezeichnete die Debatte, die CDU-Fraktionsvize
Wolfgang Bosbach vor dem Hintergrund der jüngsten
Terroranschläge von Istanbul angestoßen hatte, als
"unanständig und moralisch nicht hinnehmbar".
Am Zeitplan für einen Beitritt werde die EU-Kommission festhalten,
sagte Verheugen. Er lobte "Tempo und Qualität" der türkischen
Reformen. Bosbach hatte gesagt, mit einem türkischen EU-Beitritt
werde die Terrorgefahr nach Europa importiert.
Zudem warnte der EU-Kommissar Polen vor einer harten Haltung in der
Debatte um die EU-Verfassung, da das Projekt auch scheitern könne.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Land in Europa einem
Kompromiss ganz und gar verschließen will", sagte Verheugen.
"Denn wenn der Zeitplan einmal ins Rutschen gerät, weiß man
nie, wann er wieder eingefangen werden kann." Polen und Spanien
beharren auf den Ergebnissen des EU-Gipfels von Nizza, der beiden ein
größeres Stimmrecht im Ministerrat einräumt als der
Verfassungsentwurf.
(Quelle: afp)
EU-Kommissionspräsident Prodi für Überarbeitung des
Euro-Paktes
Auch Frankreich spricht sich für eine Überarbeitung der
Euro-Kriterien ab 2005 aus. Berlin reagiert zurückhaltend
Do.27.11.03 - Der umstrittene Verzicht auf Sparauflagen für Deutschland und
Frankreich hat in der Europäischen Union eine Debatte über
die Reform des Euro-Stabilitätspaktes entfacht. An die Spitze der
Bewegung stellte sich am Mittwoch die EU-Kommission. Ihr Präsident
Romano Prodi sagte nach einer Sondersitzung der Behörde, die
jüngste Entscheidung zeige deutlich, «dass die derzeitige
Situation nicht zufriedenstellend ist». Auch Frankreich sprach
sich für eine Überarbeitung der Euro-Kriterien ab 2005 aus.
Die Bundesregierung reagierte zurückhaltend.
Deutschland und Frankreich hatten der EU-Kommission am Dienstag eine
schwere Niederlage zugefügt. Prodi drohte dennoch nicht mit
rechtlichen Schritten, um die Sparforderungen doch noch durchzusetzen.
Möglich wäre eine Klage vor dem Europäischen
Gerichtshof. Die Euro-Vorgaben dürften nicht «nach
Gusto» ausgelegt werden, betonte Prodi. «Wir müssen
uns alle an die Regeln halten.» Es gehe nicht an, dass eine
Regierung den Pakt - je nach Bedarf - aussetze oder anpasse.
Bundesfinanzminister Hans Eichel und sein französischer Kollege
Francis Mer hatten am Dienstag verhindert, dass das Defizitverfahren
gegen ihre Staaten verschärft wird. Entgegen üblicher Praxis
fiel die Entscheidung aber nicht einstimmig. Der Pakt geriet
anschließend in die schwerste Krise seines siebenjährigen
Bestehens.
Eichel warnte vor einer Debatte über Veränderungen des
Vertrages. Er sei ein geeignetes Instrument und richtig angewandt
worden, meinte er im «Handelsblatt». Der Pakt biete die
Möglichkeit, in Zeiten schwacher Konjunktur entsprechend zu
reagieren. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte, er «halte
den Pakt nicht für dumm», jedoch «für
interpretationsfähig». Notwendig sei eine Balance zwischen
Sparen und Wachstumsimpulsen.
Mer betonte im Radio Europe-1, im Licht der Erfahrungen der letzten
fünf bis sieben Jahre müssten die Europäer
überlegen, wie der Pakt «gemeinsam und auf demokratische
Weise verbessert» werden könne. Eichels Sprecher Jörg
Müller meinte, es sei nicht zu erkennen, dass Mer eine
«klare Handlungsaufforderung formuliert hat, tatsächlich in
einen Reformprozess einzutreten». Auch nach dem Verzicht auf
Sparauflagen für Deutschland und Frankreich gebe es keinen Anlass,
Interpretationen oder Spekulationen über den Pakt anzustellen.
Müller verwahrte sich gegen den Vorwurf, Deutschland und
Frankreich hätten den Stabilitätspakt «zu Grabe
getragen». Es habe keinen Eklat in Brüssel gegeben, vielmehr
sei die Suche nach dem Kompromiss «außergewöhnlich
demokratisch» gewesen. Eichel und Mer zeigten sich
zuversichtlich, dass die gesamtstaatliche Neuverschuldung 2005 wieder
unter der im Euro-Stabilitätspakt vorgeschriebenen
Drei-Prozent-Marke liegen werde. Dazu hatten sie sich freiwillig
verpflichtet. Beide Länder werden 2004 das dritte Jahr in Folge
das Euro-Kriterium verfehlen.
(Quelle: ap)
OECD erwartet für 2004 breiten Aufschwung
Do.27.11.03 - Die OECD rechnet im kommenden Jahr mit einem breiten Aufschwung in den
30 wichtigsten Industriestaaten. Auch in Deutschland sei die Wende
geschafft. «Der Konjunkturmotor wollte lange Zeit nicht richtig
anspringen, nun hat endlich doch im gesamten OECD-Raum eine merkliche
Erholung eingesetzt», sagte OECD-Chefvolkswirt Jean-Philippe
Cotis in Paris.
Das Wirtschaftswachstum dürfte 2004 auf 3,0 Prozent anziehen nach
2,0 Prozent im laufenden Jahr. Die Weltwirtschaft werde von der
Konjunkturlokomotive USA angeschoben. Europa hinke noch hinterher.
Für die Euroländer rechnet die Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für 2004 mit
einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent, nachdem in der
Frühjahrsprognose noch von 2,4 Prozent ausgegangen wurde.
«Es rumpelt noch etwas in Europa, aber die Stimmung verbessert
sich auf breiter Front», meinte OECD-Experte Andreas
Wörgötter. Für 2005 veranschlagt die Organisation
für die Euroländer und für die gesamte EU jeweils 2,5
Prozent. Für den OECD-Raum werden 3,1 Prozent vorausgesagt, wobei
sich die Arbeitslosigkeit vor allem in Europa aber kaum reduziere.
Das Konjunkturtal im laufenden Jahr sei in den Euroländern tiefer
ausgefallen, weil die Binnennachfrage in großen Volkswirtschaften
wie Deutschland noch schleppend verlaufe und das Exportwachstum
kurzzeitig gesunken sei. Deshalb lege Deutschland 2003 eine Nullrunde
ein, bevor dann 2004 mit dem sich wiederbelebendem Export die
Wirtschaft um 1,5 Prozent zulege und der Aufschwung 2005 mit 2,3
Prozent stärker Fuß fasse.
Optimistischer werden dagegen die Aussichten für die US-Wirtschaft
gesehen, die 2004 mit voraussichtlich 4,2 Prozent schneller wachsen
dürfte als zuvor erwartet. Auch die Erholung in Japan erweise sich
als überraschend stabil. Nach dem Ende des Irak-Kriegs sei das
geopolitische Umfeld beständiger, das Vertrauen sei auch an den
Finanzmärkten gewachsen, die Inflation bleibe gedämpft. Die
Ölpreise hätten sich stabilisiert und werden weiter bei 27
Dollar je Barrel (159 Liter) gesehen.
Große Risiken berge allerdings die Wechselkursentwicklung vor dem
Hintergrund der hohen Verschuldungsquoten. «Alle großen
OECD-Länder weisen beispiellos hohe Staatsdefizite auf»,
klagte Cotis. Bei den Anstrengungen zum Abbau und den geplanten
Strukturreformen dürfe nicht nachgelassen werden. Speziell das
US-Leistungsbilanz- und Staatsdefizit sei «untragbar hoch».
Komme es auf Grund der Ungleichgewichte zu einem schnellen
Dollarverfall und einem weiteren starken Euro-Anstieg könnte dies
«den sich anbahnenden Aufschwung in Europa abwürgen»,
warnte die OECD.
Auch in Deutschland seien die Exporte noch der Motor für die
Erholung, erklärte OECD-Deutschland-Experte Eckhard Wurzel. Der
Aufschwung dürfte sich jedoch langsam verbreitern und auch auf
Konsum und Investitionen übergreifen. «In Deutschland sind
wichtige Reformen angestoßen worden, die nicht verwässert
werden dürfen», warnte er. Vor allem in der
Arbeitsmarktpolitik müsse rascher gehandelt werden. Das
gesamtstaatliche Defizit werde 2003 auf 4,1 Prozent steigen und 2005
voraussichtlich noch 3,5 Prozent betragen. Es werde damit erheblich
über der Defizitgrenze des Stabilitäts- und Wachstumspakts
von drei Prozent liegen.
(Quelle: dpa)
Reformstreit im Bundestag
Union hängt Latte für Kompromisse mit Rot-Grün noch
höher
Do.27.11.03 - Regierung und Opposition kämpfen weiter um eine Verständigung
bei den Reformgesetzen. In der Bundestagsdebatte über den
Kanzleretat war keine Annäherung erkennbar. Kanzler Schröder
zeigte sich zu Kompromissen bereit und forderte Union und FDP zum
gemeinsamen Vorgehen auf. CDU-Chefin Merkel stellte klar, dass die
Union nicht um jeden Preis zur Zusammenarbeit bereit sei. Für
Zündstoff sorgte auch die deutsche Entscheidung, die Regeln des
EU-Stabilitätspakts außer Kraft zu setzen.
Nach dem Sieg der Bundesregierung im Streit um EU-Sparauflagen für
Deutschland hat die Union die Hürde für Kompromisse im
Reform-Poker höher gehängt. Durch die rot-grünen
"Eskapaden in Brüssel" sei das Vorziehen der Steuerreform "nicht
einfacher geworden", sagte CDU/CSU-Fraktionschefin Angela Merkel am
Mittwoch in der Generaldebatte des Bundestages über den Haushalt
2004. Sie sei zum Konsens bereit. "Aber es gibt keine Pflicht zum
Kompromiss."
Der Vermittlungsausschuss setzte am Abend seine Verhandlungen über
die Steuersenkungen und die Arbeitsmarktreform fort. Ein Durchbruch
wurde dabei nicht erzielt. Bundeskanzler Gerhard Schröder forderte
erneut, seine Projekte nicht zu blockieren. Er warf der Union unklaren
Kurs vor. Einerseits wollten sie Subventionsabbau. "Sobald es konkret
wird, kneifen Sie." Merkel machte zur Bedingung für eine Einigung,
dass CDU und CSU zentrale Forderungen durchsetzten und die
Beschlüsse mehr Vorteile als Nachteile brächten. "Das ist
unsere Maxime", betonte sie.
Schröder und Finanzminister Hans Eichel mussten sich im Parlament
scharfe Kritik gefallen lassen, weil sie die von der EU-Kommission
geforderten Sparauflagen - sechs Milliarden Euro im kommenden Jahr -
verhindert hatten. Daraufhin war der Euro-Pakt am Dienstag in eine
schwere Krise geraten. Union und und FDP machten Schröder
dafür verantwortlich. Er habe sich "ganz systematisch an dem Erbe
der Deutschen Mark versündigt", betonte Merkel.
Schröder blieb hart: "Wir hätten die Forderungen der
EU-Kommission locker erfüllen können, wenn wir darauf
verzichtet hätten, die Steuerreformstufe 2005 auf 2004
vorzuziehen." Doch dann wäre der Konjunkturaufschwung in Gefahr
geraten. "Ich halte den Pakt nicht für dumm", jedoch "für
interpretationsfähig". Notwendig sei eine Balance zwischen Sparen
und Wachstumsimpulsen. Eine florierende Wirtschaft sei Voraussetzung
für die Sanierung der Staatsfinanzen.
Auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hält
das Vorziehen der Steuerreform jetzt für noch schwieriger. Nun
beharre die Union erst recht darauf, das Projekt zu höchstens
einem Viertel über Kredite zu ermöglichen, meinte er.
Merkel verzichtete weiterhin darauf, eigene Finanzierungsideen zu
präsentieren. Sie plädierte für maßvollen
Subventionsabbau. Um später eine große Steuerreform zu
ermöglichen, dürften die Staatshilfen "nicht wahllos und
beliebig" gekürzt werden. Das Konzept von Koch und seinem
nordrhein-westfälischen SPD-Kollegen Peer Steinbrück reiche
momentan aus. Es brächte der Staatskasse 16 Milliarden Euro in
insgesamt drei Jahren.
(Quellen: dpa, ap)
Experten: Im November wieder mehr Arbeitslose in Deutschland
Konjunkturerholung sei für mehr Jobs noch zu schwach - Viele
Unternehmen könnten ein etwas besseres Geschäft mit den
vorhandenen Arbeitskräften bewältigen
Do.27.11.03 - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im November nach
Einschätzung von Experten jahreszeitlich bedingt um mehr als
50.000 auf über 4,2 Millionen gestiegen. Die Prognosen der
saisonbereinigten Zahlen gehen dagegen angesichts der schwer zu
beurteilenden Effekte der Arbeitsmarktreformen auseinander.
"Rein von der Konjunktur her müsste die saisonbereinigte Zahl um
20.000 steigen", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. Wegen der
Reformen werde die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl wohl
unverändert bleiben: "Keiner weiß aber, wie viele einfach
nur aus der Statistik herausfallen." Ähnlich äußerte
sich Andreas Rees von der HypoVereinsbank: "Eigentlich müsste es
einen Anstieg um 40.000 geben. Wegen der Reformen erwarten wir nun
einen Rückgang um 5.000." Andreas Scheuerle von der DekaBank
prognostiziert dagegen einen Anstieg um 10.000.
Die Bundesanstalt für Arbeit veröffentlicht die offizielle
Statistik für November am 04. Dezember. Im Oktober hatten Reformen
wie die stärkere Prüfung der Arbeitsbereitschaft oder die
Förderung von Existenzgründungen für einen Rückgang
der saisonbereinigten Zahl um 12.000 auf 4,38 Millionen gesorgt. Die
unbereinigte Arbeitslosenzahl war wegen der üblichen
Herbstbelebung um rund 55.000 auf 4,152 Millionen gesunken.
Einig zeigten sich die Experten, dass mehr Menschen mit Beginn der
kalten Jahreszeit arbeitslos gemeldet waren. Das bisher milde Wetter
könnte aber den Anstieg etwas gebremst haben, sagte Ulla Lahl von
der Mizuho Corporate Bank. "Beim Bau gibt es derzeit wegen des Wetters
wohl keine Probleme." Solveen rechnet mit 55.000 Arbeitslosen mehr als
im Oktober, Rees erwartet sogar einen Anstieg um 80.000.
Am Bild eines schwachen Arbeitsmarktes hat auch die zuletzt
rückläufige saisonbereinigte Arbeitslosigkeit nichts
geändert. Die Erholung sei noch nicht stark genug, viele
Unternehmen könnten auch ein etwas besseres Geschäft mit den
vorhandenen Arbeitskräften bewältigen, sagte Scheuerle. Rees
geht zudem davon aus, dass die Wirkung der Reformen im kommenden Jahr
ausläuft: "Irgendwann schwingt das Pendel zurück. Nicht jede
Existenzgründung wird Erfolg haben."
Ähnlich wie die fünf Wirtschaftsweisen und die führenden
Forschungsinstitute erwartet Rees für 2004 einen Anstieg der
Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt. Scheuerle hält erste
spürbare Rückgänge frühestens zur Jahresmitte 2004
für wahrscheinlich. Auch Lahl rechnet erst im zweiten Halbjahr
kommenden Jahres mit einer langsamen Belebung auf dem Arbeitsmarkt:
"Die Unternehmen werden dieses Mal extrem zögerlich sein, neue
Leute einzustellen, weil die Unsicherheit so groß ist."
(Quelle: rtr)
IG-Metall-Chef gegen Arbeitszeitverlängerung
Peters: Den Arbeitgebern gehe es um unbezahlte Mehrarbeit +++
Forderungen nach generellen Öffnungsklauseln für
Tarifverträge erneut eine Absage erteilt
Do.27.11.03 - Vor Beginn der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie hat
IG-Metall-Chef Jürgen Peters die Forderung der Arbeitgeber nach
einer Arbeitszeitverlängerung vehement zurückgewiesen. Den
Arbeitgebern gehe es dabei um unbezahlte Mehrarbeit, sagte Peters am
Mittwochabend in Frankfurt am Main. Dies lehne die IG Metall ab. Der
Gewerkschaftsvorstand legt am heutigen Donnerstag die endgültige
Forderung für die Tarifrunde fest.
Die größte deutsche Industriegewerkschaft wird für die
rund 3,5 Millionen Beschäftigten voraussichtlich vier Prozent mehr
Geld verlangen. Auf diese Forderung hatten sich zuvor die einzelnen
IG-Metall-Bezirke festgelegt. Der IG-Metall-Vorstand kommt um 10.00 Uhr
in Frankfurt am Main zusammen. Die Forderung soll voraussichtlich um
die Mittagszeit bekannt gegeben werden. Die Tarifrunde hat in der Regel
eine Art Leitfunktion für andere Branchen.
Peters sagte, die IG Metall strebe eine reine Entgeltrunde an und warf
dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall vor, Gesprächsangebote
über das Thema Arbeitszeit in der Vergangenheit nicht wahrgenommen
zu haben. Die IG Metall hätte gerne etwa über das Thema
Insolvenzschutz von Arbeitszeitkonten gesprochen, sagte der
IG-Metall-Vorsitzende.
Die erste Verhandlung in der regional geführten Tarifrunde findet
voraussichtlich am 8. Dezember in Thüringen statt. Der
Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat die Forderungen der Bezirke bereits
als unangemessen zurückgewiesen und als Voraussetzung für
Verhandlungen über Geldforderungen eine
Arbeitszeitverlängerung verlangt. Auch die Vorstellungen über
die Laufzeit des neuen Tarifvertrags gehen weit auseinander:
Gesamtmetall verlangt einen zweistufigen Abschluss über mindestens
24 Monate, die IG Metall strebt eine Laufzeit von nur einem Jahr an.
Forderungen nach generellen Öffnungsklauseln für
Tarifverträge erteilte Peters erneut eine Absage und kündigte
für die kommenden Tage verstärkte Proteste in den Betrieben
an.
(Quelle: ap)
Vorwärts zur 42-Stunden-Woche?
Immer mal wieder werden längere Arbeitszeiten als Zaubermittel
gegen mattes Wirtschaftswachstum ins Spiel gebracht. Sinn macht das
nicht - im Gegenteil...
Mehr in der "tageszeitung" vom 26.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/25/a0122.nf/text
Wissenschaftler wollen Sozialhilfe halbieren und
Arbeitslosenversicherung ganz abschaffen
Eine "Halbierung der Sozialabgaben" haben einige Professoren in ihrem
Mitte November vorgelegten Gutachten gefordert. Erreichen wollen sie
dieses Ziel unter anderem durch drastische Kürzungen in der
Pflege- und Krankenversicherung, die zusammengelegt werden sollen,
durch ein Einfrieren der Rentenversicherung und durch die ersatzlose
Abschaffung der Arbeitslosenversicherung – verbunden mit einer
Halbierung der Sozialhilfesätze.
Wer ein solches Gutachten unter der Rubrik "völlig durchgeknallter
Sozialdarwinismus" bagatellisieren möchte, irrt leider. Unter den
fünf Verfassern des Gutachtens sind allein drei prominente
Mitglieder von Beiräten bzw. Sachverständigengruppen der
Bundesregierung:
– Professor Wolfgang Franz, Präsident des Zentrums für
Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und Mitglied
des Sachverständigenrats der Bundesregierung zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
– Prof. Eberhard Wille, Universität Mannheim, Vorsitzender des
Sachverständigenrats im Gesundheitswesen und
– Prof. Friedrich Breyer, Uni Konstanz, Mitglied im wissenschaftlichen
Beirat des Bundesministeriums für Wirtschaft und künftiges
Vorstandsmitglied des Vereins für Socialpolitik.
Auch die Stiftungen, mit deren Hilfe diese Herren sowie die beiden
anderen – Prof. Stefan Homburg aus Hannover und Prof. Reinhold Schnabel
aus Essen – das Gutachten erarbeitet und vorgelegt haben, gelten als
einflußreich: die als regierungsnah geltende
Bertelsmann-Stiftung, die Heinz Nixdorf Stiftung und die den
Unionsparteien nahestehende Ludwig-Erhard-Stiftung....
Mehr in "junge Welt" vom 27.11.03:
http://www.jungewelt.de/2003/11-27/010.php
|
Medienfirma WMP beendet Vertrag mit Bundesanstalt für Arbeit
BA-Chef Florian Gerster war wegen des Vertrages erheblich unter Druck
geraten. Die Bundesanstalt für Arbeit hatte mit dem Berliner Unternehmen
ein Honorarvolumen von 1,3 Millionen Euro vereinbart
Do.27.11.03 - Nach der Kritik an dem millionenschweren Vertrag zwischen der
Bundesanstalt für Arbeit und der Medienfirma WMP beendet das
Berliner Unternehmen seine Beratertätigkeit. BA und WMP
erklärten, dass die Tätigkeit mit einem Honorarvolumen von
1,3 Millionen Euro vorzeitig beendet werden soll. BA-Chef Florian
Gerster war wegen des Vertrages erheblich unter Druck geraten. Die BA
wies einen Bericht zurück, demzufolge Gerster seinen Etat für
die Bewirtung von Gästen um 76 Prozent erhöht hat.
Der Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit (BA) kündigte an,
der Vertrag solle im Einvernehmen mit WMP vorzeitig beendet werden.
"Der Vorstand geht davon aus, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit
zwischen BA und der WMP Eurocom AG vor dem Hintergrund der
gegenwärtigen Mediendebatte nicht gewährleistet ist",
hieß es.
Zuvor hatte sich WMP zur Beendigung der Beratertätigkeit bereit
erklärt. Zur Begründung hieß es, der Bundesanstalt
solle "in dieser schwierigen Situation ihre volle
Handlungsfähigkeit erhalten bleiben". Am Mittwoch begann der
Bundesrechnungshof mit der am Dienstag angekündigten
Überprüfungen in der Nürnberger Bundesanstalt für
Arbeit. Dabei soll auch die Rechtmäßigkeit des
Beratervertrages mit WMP geklärt werden, für den die Firma
nach bisherigen Angaben für 2003 500.000 Euro bekommen sollte.
Für 2004 waren weitere 820.000 geplant.
Die "Rheinische Post" berichtete, Gerster habe den Etat zur Bewirtung
von Gästen für das kommende Jahr auf 66.000 Euro erhöht.
Unter dem Haushaltstitel "außergewöhnlicher Aufwand aus
dienstlicher Veranlassung" seien 36.000 Euro für den Vorstand
bestimmt. Hinzu kämen 16.000 Euro für Gersters neue
Hauptstadtvertretung in Berlin sowie 14.000 Euro für ein neues
Büro in Brüssel. Dazu erklärte eine Sprecherin der BA,
die Kosten für die Büros in Berlin und Brüssel
dürften nicht zu Gersters Aufwendungen hinzugerechnet werden.
Die Volkswagen AG dementierte die Meldung, VW-Vorstand Peter Hartz
solle Gersters Nachfolger werden. Die Chemnitzer "Freie Presse"
berichtete, es gebe bereits einen Krisenplan für Gersters
Ablösung. Demnach sei Hartz als Nachfolger vorgesehen. Dazu sagte
ein VW-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP: "Dr. Hartz wird nicht zur
Bundesanstalt wechseln, sondern ist und bleibt Personalvorstand der
Volkswagen AG."
(Quelle: ap)
Protest gegen Kürzungen im Berliner Bildungsetat
Studenten besetzen PDS-Zentrale und Senatorenbüros +++ DGB sagt den Berliner
Studenten seine Unterstützung für
die Protestaktionen zu: Schmerzgrenze an den Berliner
Universitäten sei erreicht
Do.27.11.03 - Protestierende Studenten sind auch heute Morgen "Gäste" der
PDS-Zentrale im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin. Zu Zwischenfällen
ist es nach Angaben der Polizei dort bisher nicht gekommen. Aus Protest
gegen Kürzungen im Berliner Bildungsetat hatten Studenten gestern
die Parteizentrale friedlich besetzt. Die PDS teilte mit, sie betrachte
sie als ihre Gäste und schließe eine Räumung aus.
Gleichzeitig hatten Studenten nach mehr als 24 Stunden das besetzte
Büro von Wissenschaftssenator Thomas Flierl geräumt.
Die Studenten hatten am Mittwoch die Amtsräume des
Wissenschaftssenators und die PDS-Zentrale besetzt. Rund 100
Studierende drangen in den Sitz des PDS-Bundesverbandes ein,
versperrten die Türen und hängten Plakate mit der Aufschrift
"Besetzt" aus dem Fenster.
Bereits am Dienstagmittag waren rund 30 Studenten in das Büro des
PDS-Senators Thomas Flierl eingedrungen und hielten die Räume rund
28 Stunden besetzt. Flierl zeigte sich erfreut über den
friedlichen Ausgang der Protestaktion am Mittwochnachmittag. "Unsere
Deeskalationsstrategie war richtig", erklärte er. "Mein Angebot
zum Dialog an die Studierenden gilt." Der Senator will nach eigenen
Angaben auf eine Strafanzeige gegen die Studenten verzichten.
Mit den Besetzungen und zahlreichen anderen Aktionen demonstrieren
Berliner Studierende seit Wochen gegen die Kürzungspläne des
Senats. Ab 2006 sollen die Hochschulen 75 Millionen Euro einsparen.
Der Sprecher der PDS, Hendrik Thalheim, sagte der Nachrichtenagentur
AP, die PDS setze auf Dialog mit den Studenten und verstehe deren
Protest als "Aktion des politischen Widerstandes". Nach der friedlichen
Besetzung betrachten "wir die protestierenden Studenten als
Gäste", erklärte PDS-Vorstandsmitglied Wolfgang Gehrcke.
Der DGB sagte den Berliner Studenten seine Unterstützung für
die Protestaktionen zu. Die Schmerzgrenze an den Berliner
Universitäten sei erreicht, wenn auf eine Professorenstelle 250
Studenten kämen, erklärte die Gewerkschaft. Im
Bundesdurchschnitt ist das Verhältnis 90 Studenten pro Professor.
Die Kürzungen im Hochschulbereich ließen die viel
beschworene "Stadt des Wissens" endgültig wie Hohn erscheinen.
Am Mittwoch führten weitere Kundgebungen und Demonstrationen rund
um die Humboldt-Universität und die Charité zu
Behinderungen im Straßenverkehr
(Quellen: dpa, ap)
Mehr Berichte zum "Aufstand der Studenten" unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/16182/1.html
http://www.jungewelt.de/2003/11-27/001.php
Hilfsorganisationen beklagen Stagnieren der Entwicklungshilfe
Do.27.11.03 - Die Deutsche Welthungerhilfe [http://www.welthungerhilfe.de/] und das Hilfswerk
terre des hommes [http://www.tdh.de/]
haben das Stagnieren der deutschen Entwicklungshilfequote beklagt. 2002
sei die öffentliche Entwicklungshilfe zum dritten Mal in Folge auf
dem Niveau von 0,27 Prozent des Bruttoinlandseinkommens verharrt,
erklärten die beiden Organisationen am Mittwoch in Bonn. Die
Bundesregierung wies die Kritik als unausgewogen zurück.
Die Organisationen hatten unter anderem kritisiert, dass sich die
Bundesregierung von ihrer Selbstverpflichtung verabschiede, den
Entwicklungshilfeetat bis 2006 schrittweise auf 0,33 Prozent der
Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Entwicklungshilfeministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul erklärte dagegen, man werde das
0,33-Prozent-Ziel erreichen. «In der mittelfristigen
Finanzplanung sind eindeutige Steigerungen festgeschrieben»,
betonte die SPD-Politikerin.
Die Hilfsorganisationen hatten in ihrem elften Bericht «Zur
Wirklichkeit der Entwicklungshilfe» vor allem die Haushaltszahlen
von Wieczorek-Zeuls Ministerium [http://www.bmz.de/] kritisiert. Für die Jahre
2003 und 2004 werde die versprochene Erhöhung nicht realisiert.
Die Ministerin kritisierte, dass sich der Bericht zu stark auf
Entwicklungszusammenarbeit mit einzelnen Ländern konzentriere.
Deutschland leiste aber darüber hinaus innerhalb der EU und
internationalen Institutionen wie der Weltbank einen großen
Beitrag. Besonders gelte das für den Schuldenerlass für die
ärmsten Entwicklungsländer, betonte Wieczorek-Zeul.
(Quelle: ap)
Sozialwissenschaftler Reemtsma erhält Galinski-Preis
Do.27.11.03 - Der Hamburger Mäzen und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma
ist Träger des Heinz-Galinski-Preises der Jüdischen Gemeinde
Berlin. Reemtsma, der auch Initiator der umstrittenen
Wehrmachtsaustellung war, investiere in Ideen statt in Waren,
erklärte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in seiner vorab
veröffentlichten Laudatio am Mittwoch. Der nach dem früheren
Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland benannte Preis
ist mit 10.000 Euro dotiert.
Mit der Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht von 1941 bis
1944 [http://www.verbrechen-der-wehrmacht.de/]
habe sich Reemtsma für ein differenziertes Geschichtsbild
eingesetzt. Die Ausstellung wurde von Reemtsmas Institut für
Sozialforschung in Hamburg realisiert. Sie habe heftige Diskussionen
hervorgerufen und sei selbst zum geschichtlichen Ereignis geworden,
erklärte Thierse zur Preisverleihung am Abend. Sie habe bewiesen,
dass Menschen auch in der Wehrmacht über Handlungsspielräume
verfügten, die sie je nach moralischer Größe und
Zivilcourage nutzen konnten. Reemtsmas Engagement sei ein wichtiger
Beitrag zur Abwehr rechtsextremistischer Gewalt und Antisemitismus,
erklärte der Bundestagspräsident.
Reemtsma gründete als 1984 als Miterbe der gleichnamigen
Zigarettenfirma das Hamburger Institut für Sozialforschung [http://www.his-online.de/],
das in Forschungsprojekten und Publikationen unter anderem die Rolle
der Gewalt im Prozess der Zivilisation untersucht.
(Quelle: dpa)
BVG spricht in Musterprozess jüdischen Erben Grundstücke zu
Do.27.11.03 - In einem Musterprozess um einen der größten bundesdeutschen
Streitfälle um die Rückgabe jüdischen Eigentums hat eine
Erbengemeinschaft vor dem Bundesverwaltungsgericht obsiegt.
Die Leipziger Richter sprachen den Klägern am Mittwoch ein
Grundstück in der brandenburgischen Gemeinde Teltow-Seehof zu, das
1936 von den damaligen jüdischen Besitzern verkauft worden war. In
der Vorinstanz sei zu Unrecht die gesetzliche Vermutung eines
verfolgungsbedingten Verkaufs als widerlegt angesehen worden, urteilten
die Bundesrichter. Trotz unzureichender Beweise sei das
Verwaltungsgericht Potsdam davon ausgegangen, dass der Druck des
Nazi-Regimes bei dem Verkauf keine Rolle gespielt habe. Die
Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts wird Grundlage für mehr
als 700 Parallelverfahren sein, die noch vor dem Verwaltungsgericht
Potsdam anhängig sind. (AZ: BverwG 8C 10.03)
Die frühere Eigentümerfamilie hatte 1933 einen Maklervertrag
zur Parzellierung des rund 84 Hektar umfassenden Gutes Seehof an der
südlichen Stadtgrenze Berlins geschlossen. Bis 1940 wurden rund
1000 Parzellen an Siedler verkauft. Dazu gehörte auch das etwa
3000 Quadratmeter große Grundstück, um das es vor dem
Bundesverwaltungsgericht ging.
Das Bundesverwaltungsgericht hatte bereits 1999 ein erstinstanzliches
Urteil aufgehoben und verlangt, das jedes einzelne Grundstück zu
prüfen sei. Ob nach der Muster-Entscheidung nun auch
sämtliche andere Grundstücke zurückgegeben werden, ist
offen. Die Leipziger Richter wiesen darauf hin, dass bei den weiteren
Fällen auch eine Rolle spielen könnte, ob heutige
Eigentümer ihr Grundstück nach 1945 "redlich" erworben haben.
In solchen Fällen sieht das Gesetz nicht die Rückgabe,
sondern eine Entschädigung vor.
(Quelle: rtr)
Scharfer Streit im Bundestag um Zentrum gegen Vertreibungen
Do.27.11.03 - Das vom Bund der Vertriebenen (BdV) geforderte Zentrum gegen
Vertreibungen in Berlin hat eine scharfe Auseinandersetzung im
Bundestag über das deutsch-polnische Verhältnis
ausgelöst. Außenminister Joschka Fischer sprach im Bundestag
am Mittwoch von einer «belastenden Debatte», deren Wirkung
er unterschätzt habe. Der ehemalige Staatsminister im
Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, sagte, die Forderung habe zu einer
«Brüskierung Polens» geführt.
Im Verlauf der Debatte rügte das Bundestagspräsidium den
CDU-Abgeordneten Dietrich Austermann, weil er die Ausführungen des
Grünen-Politikers Volmer mit dem Zwischenruf «Hetze»
unterbrochen habe. Austermann erklärte, er sei zu der von
Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner (SPD) geforderten
Entschuldigung bei Volmer bereit, wenn dieser seinen Hinweis auf den
Vater von BdV-Präsidentin Erika Steinbach zurücknehme. Dieser
Hinweis erinnere ihn an «Vorstellungen von Sippenhaft».
Volmer hatte erklärt, er sei von Polen darauf hingewiesen worden,
dass Steinbach nicht auf ein familiäres Vertriebenenschicksal
verweisen könne. Ihr Vater sei Wehrmachtsoffizier gewesen, der
nach dem Krieg «zu Recht nach Hessen zurückgeschickt»
worden sei. «Wo ist da ein Vertriebenenschicksal?» rief
Volmer aus. Die polnischen Reaktionen würden vor diesem
Hintergrund verständlich.
Volmer machte die CDU-Politikerin Steinbach dafür
mitverantwortlich, dass Polen in der europapolitischen Debatte ihre
nationalen Interessen sehr stark in den Vordergrund stellten und
häufig bei den USA Schutz suchten. Wer Steinbach und den
Vertriebenenverbänden zuhöre, müsse glauben, das ein
«längst überwunden geglaubter Revanchismus»
wieder Einzug halte, erklärte Volmer.
Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,
Friedbert Pflüger, wies die Vorwürfe Volmers gegen Steinbach
in einer persönlichen Intervention zurück. Das Zentrum gegen
Vertreibungen solle eben nicht die historische Schuld Nazi-Deutschlands
relativieren, sagte er.
Fischer würdigte die Integrationsleistungen der großen
Volksparteien bei der Bewältigung des Vertriebenenproblems nach
dem Krieg. Viele hätten auch Schwierigkeiten mit dem
deutsch-polnischen Grenzvertrag gehabt, ohne den die deutsche Einheit
allerdings nicht möglich gewesen wäre.
Hier gebe es jedoch ein Problem, erklärte der
Grünen-Politiker. Steinbach repräsentiere etwas, was bei
«Garanten und Sachwaltern» der deutsch-polnischen
Aussöhnung Befürchtungen ausgelöst habe. Er nannte
namentlich die ehemaligen polnischen Außenminister Wladyslaw
Bartoschewski und Bronislaw Geremek.
Allgemein verwies Fischer auch auf «andere hochrangige
Persönlichkeiten, die die deutsche Besatzung erlebten, die wir
historisch zu verantworten» hätten und die der Union nahe
stünden. Er appellierte an die CDU/CSU, das Thema mit großer
Zurückhaltung zu behandeln, wenn nicht «riesiger
Schaden» entstehen solle.
(Quelle: ap)
Vier Jahre Haft für Terrorplaner in Deutschland
Do.27.11.03 - Für die Planung von islamistischen Terroranschlägen in
Deutschland ist ein Palästinenser am Mittwoch in Düsseldorf
zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der 27-Jährige sei Mitglied
der terroristischen Vereinigung Al Tawhid gewesen, befand das
Oberlandesgericht. Es ist das bundesweit erste Urteil gegen ein
Mitglied der El-Kaida-nahen Gruppe.
Der Aussteiger aus der Terrorszene hatte gestanden, Anschläge auf
jüdische Einrichtungen in Düsseldorf und Berlin geplant zu
haben. In mehr als 20 Vernehmungen hatte er ein umfassendes
Geständnis abgelegt, den deutschen Ermittlern tiefe Einblicke in
die islamistische Terrorszene gewährt und war zu einem wichtigen
Zeugen in anderen Terrorverfahren geworden.
Der sechste Strafsenat blieb um ein Jahr unter der Strafforderung der
Bundesanwaltschaft. Das Gericht stufte es als glaubhaft ein, dass der
Angeklagte in Afghanistan in El-Kaida-Lagern zum Terroristen
ausgebildet wurde und zeitweise sogar Leibwächter von Osama bin
Laden war.
Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling appellierte eindringlich an
Bundestag und Bundesrat, die 1999 ausgelaufene Kronzeugen-Regelung
wieder einzuführen. Sie sei «zur Bekämpfung des
organisierten Terrorismus unverzichtbar». Aussteigern müsse
im Gegenzug zu einem umfassenden Geständnis eine deutliche
Strafvergünstigung angeboten werden können.
Der Senat lobte die Ermittler: Ihre Wachsamkeit habe Anschläge in
Deutschland vereitelt. Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt und die
Bundesanwaltschaft hätten «zur richtigen Zeit das Richtige
getan». Allerdings sei durch das frühe Eingreifen die
Beweiserhebung erschwert worden. So sei lediglich eine Pistole
beschlagnahmt worden, da die Waffen für die Anschläge auf ein
jüdisches Gemeindezentrum, eine Discothek und ein Café erst
geliefert werden sollten.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatte der
weltweit gesuchte Terroranführer und Al-Tawhid-Chef Abu Mussab
Sarkawi darauf gedrängt, endlich auch Anschläge in
Deutschland zu verüben. Entsprechende Telefonate waren
abgehört und mitgeschnitten worden. Nachdem sich die Hinweise auf
unmittelbar bevorstehende Gewalttaten verdichteten, schlugen die
Ermittler zu. Am 23. April 2002 wurde der Palästinenser in Krefeld
an einer Bushaltestelle von Spezialkräften überwältigt,
seither saß er in Untersuchungshaft.
In einigen Wochen sollen in Düsseldorf die übrigen
mutmaßlichen Terroristen der deutschen Al-Tawhid-Zelle vor
Gericht gestellt werden. Dazu wird derzeit ein neuer
Hochsicherheitstrakt in der Landeshauptstadt gebaut.
(Quelle: dpa)
Datenschützer warnen vor Gefahr für Telefongeheimnis
Entwurf für ein neues Telekommunikationsgesetz bringe gravierende
Verschlechterungen des Datenschutzes
Do.27.11.03 - Die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern sehen im Entwurf
der Bundesregierung für ein neues Telekommunikationsgesetz
Gefahren. Der Entwurf bringe gravierende Verschlechterungen des
Datenschutzes, erklärte der Bundesbeauftragte am Mittwoch in Bonn.
Darüber hinaus bestünden erhebliche verfassungsrechtliche
Bedenken gegen die vom Rechtsausschuss des Bundesrates geforderte
Verpflichtung der Diensteanbieter zur sechsmonatigen Speicherung der
Verkehrsdaten.
In einer Entschließung forderten die Datenschützer von Bund
und Ländern den Bundestag auf, den Schutz des
Telekommunikationsgeheimnisses sicherzustellen. Sie kritisieren, dass
nach dem Regierungsentwurf die Diensteanbieter alle entstehenden
Verkehrsdaten (also auch alle Zielrufnummern) unverkürzt bis zu
sechs Monate nach Versendung der Rechnung speichern dürfen. Damit
werde ohne Not und ohne überzeugende Begründung eine Regelung
aufgegeben, die bisher die Speicherung von verkürzten
Zielrufnummern vorsieht, wenn die Kundinnen und Kunden sich nicht
für die vollständige Speicherung oder vollständige
Löschung entschieden.
Zugleich wenden sich die Datenschützer gegen die geplante
Einführung einer Identifikationspflicht beim Kauf eines so
genannten Prepaid-Handys. Das würde zu einer verdachtslosen
Datenspeicherung auf Vorrat führen. Wer ein solches Handy kaufe,
gebe es häufig ab oder verschenke es und sei deshalb nicht
identisch mit der Person, die das Handy nutze. Deshalb brächten
diese Daten keinen nennenswerten Informationsgewinn für die
Sicherheitsbehörden.
(Quelle: ap)
Ein weiterer Bericht zum Thema bei heise-online (26.11.03) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anm-25.11.03-000/
Funk-Chip als implantierte Kreditkarte
Do.27.11.03 - Das US-amerikanische Unternehmen Applied Digital Solutions (ADS) hat
einen RFID-Chip (Radio Frequency Identification) vorgestellt, den sich
die Nutzer unter ihre Haut einpflanzen lassen sollen. Für den Chip
namens "Veripay" sucht ADS nun nach Partnern in der Finanzbranche, die
die Technik als Zahlungsmittel nutzen wollen.
Der Vorteil beispielsweise gegenüber Karten als
Identifikationsmittel bestehe darin, dass man den Chip nicht verlieren
und ihn so auch niemand missbrauchen könne. Darin sähen die
Experten das größte Sicherheitsproblem, teilt ADS mit. Nun
hofft das Unternehmen, Banken, Kreditkartenfirmen und andere der
Finanzbranche von seiner Idee zu überzeugen.
ADS hatte seinen ersten transplantierbaren Chip im Januar 2000
angekündigt und im Februar vergangenen Jahres die Zulassung eines
ID-Chips beantragt. Nun wurde die Einführung des neuen RFID-Chips
auf der ID World 2003 in Paris verkündet.
Quelle: heise-online, 26.11.03
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-26.11.03-004/
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
http://www.boa-muenchen.org/home/Experimentelle_Musik
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