Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertvierundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Schiiten kritisieren US-Pläne für Machtübergabe.
Ayatollah Sistani fordert Direktwahl der Übergangsregierung in Irak durch das Volk +++
USA geben Suche nach Aufständischen höhere Priorität +++
Bush besucht überraschend US-Soldaten in Irak. US-Präsident:
Koalitionstruppen in Irak werden siegen +++ USA stellen
Pläne für Irak-Resolution wohl bis März zurück
Fr.28.11.03 - Die Führung der schiitischen Bevölkerungsmehrheit im Irak hat
den amerikanischen Plan für die Wiederherstellung der
Souveränität des Landes kritisiert. Großajatollah Ali
Sistani, die höchste schiitische Autorität im Irak, erachte
den Plan als lückenhaft, sagte der Vorsitzende des Obersten Rates
der Islamischen Revolution im Irak (SCIRI), Abdelasis el Hakim, vor der
Presse im schiitischen Wallfahrtsort Nadschaf.
Der Vorsitzende des provisorischen Regierungsrates, Dschalal Talabani,
reiste am Donnerstag nach Nadschaf, um mit Sistani über
mögliche Ergänzungen zu dem Plan zu sprechen, verlautete in
Bagdad. Sistani will unter anderem, dass früher als von den
Amerikanern vorgesehen gewählt wird, damit die Bürger an der
Ausarbeitung der Verfassung und dem Aufbau der staatlichen Organe mehr
Anteil haben.
Der von US-Zivilverwalter Paul Bremer und dem provisorischen
Regierungsrat Mitte November unterzeichnete Plan für den
Machttransfer sieht vor, dass die Souveränität des Irak am 1.
Juli 2004 formal auf eine irakische Übergangsregierung
übergeht. Freie Wahlen und eine endgültige Verfassung soll es
erst Ende 2005 geben.
Nach El Hakims Worten habe Sistani beanstandet, dass der politische
Prozess bei diesem Plan Gefahr laufe, "unzulänglich zu werden und
die Erwartungen der Iraker nicht zu erfüllen". Auch enthalte der
Plan keine ausreichenden Garantien für die Bewahrung der
"islamischen Identität" des Landes. Ali Sistani steht an der
Spitze der einflussreichen Religionsakademie "Hausa Ilmija" in Nadschaf.
Wie die US-Armee unterdessen bekannt gab, starb ein irakischer
Ex-General am Donnerstag in El Kaim, nahe der syrischen Grenze, bei
einem Verhör durch US-Soldaten. Er sei eines natürlichen
Todes gestorben.
Die USA geben nach amerikanischen Medienberichten der Suche nach
Aufständischen im Irak ab sofort größere Priorität
und verringern dafür die Zahl der Experten, die nach
Massenvernichtungswaffen suchen. Dutzende Geheimdienstexperten und
Übersetzer, die bisher nach Bio- und Chemiewaffen suchten, seien
in den vergangenen Tagen mit dem Aufspüren von Aufständischen
beauftragt worden, berichtete die "New York Times" am Donnerstag.
Als erster US-Präsident in der Geschichte hat George W. Bush
überraschend den Irak besucht. Der Präsident traf am
Donnerstag völlig unerwartet in Bagdad ein, wo er mit den
US-Truppen das traditionelle amerikanische Thanksgivingfest beging.
Bush hat sich bei seinem Blitzbesuch in Bagdad erneut vom Sieg der
Koalitionstruppen in Irak überzeugt gezeigt. "Wir werden siegen.
Wir werden gewinnen, weil unsere Sache gerecht ist", betonte der
US-Präsident vor jubelnden Soldaten des 2.
Panzerkavallerie-Regimentes. Die US-Truppen würden auch aus dem
Grund siegen, weil die Iraker Frieden wollten. "Wir sind nicht hunderte
von Meilen in das Herz von Irak gestürmt und haben bittere
Verluste auf uns genommen (...), um uns vor einer Bande von
Schlägern und Attentätern zurückzuziehen." Die
Amerikaner würden so lange im Irak bleiben, "bis der Job getan
ist". "Ihr bekämpft den Terrorismus hier im Irak", sagte Bush bei
seinem Blitzbesuch. "Indem Ihr eine freie und demokratische Gesellschaft
im Nahen Osten aufbaut, verteidigt Ihr zugleich die Sicherheit der
Vereinigten Staaten."
Mit dem Besuch wollte der Präsident nach Angaben aus seiner
Umgebung die Bedeutung des Irakeinsatzes untermauern. Nach dem nur
zweieinhalbstündigen Kurzbesuch flog Bush wieder in die USA ab, wo
er am frühen Freitagmorgen erwartet wurde.
Der US-Fernsehsender CNN zeigte am Abend Bilder von dem Auftritt Bushs.
Der zweieinhalbstündige Besuch, bei dem der Präsident auch
mit US-Zivilverwalter Paul Bremer, dem Kommandeur der US-Truppen im
Irak, General Ricardo Sanchez, und Mitgliedern des provisorischen
Regierungsrates zusammentraf, war aus Sicherheitsgründen bis
zuletzt geheim gehalten worden. Nur wenige ausgewählte
Journalisten hatten den Präsidenten begleitet.
Der Besuch wurde erst bekannt gegeben, als Bush bereits wieder auf dem
Rückflug nach Hause war. Die Präsidentenmaschine war aus
Sicherheitsgründen erst nach Einbruch der Dunkelheit in der
irakischen Hauptstadt gelandet. Nach Informationen der "New York Times"
waren alle Lichter an Bord der Maschine während des Landeanflugs
ausgeschaltet.
Bush hatte nach Angaben von amerikanischen Korrespondenten am
Mittwochabend seine Ranch in Texas in einem unauffälligen Wagen
verlassen und war zum Flughafen gebracht worden. Amerikanische
Fernsehsender hatten in dieser Zeit noch berichtet, der Präsident
bereite sich auf seiner Ranch auf das traditionelle Truthahnessen mit
seiner Familie vor.
Am 25. Oktober war US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz bei
einem Besuch in Bagdad knapp einem Anschlag auf sein Leben entgangen,
als das Hotel "Raschid" mit einem Raketenwerfer beschossen wurde. US-
Außenminister Colin Powell war Mitte September für zwei Tage
zu Gesprächen mit Mitgliedern des provisorischen irakischen
Regierungsrats in Bagdad. Zuvor hatte am 6. September US-
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Bagdad besucht.
Thanksgiving, das die Pilgerväter zum ersten Mal offiziell 1621 in
Plymouth feierten, ist einer der wichtigsten amerikanischen Feiertage.
Dazu gehört bei den meisten Familien ein Truthahnessen, was auch
bei den Armeekantinen für US-Soldaten im Irak und anderswo auf der
Welt Tradition ist. 1863 erklärte Präsident Lincoln den
letzten Donnerstag im November zum nationalen Thanksgiving-Feiertag.
Die USA haben nach Angaben aus aus Kreisen des UNO-Sicherheitsrats ihre
Pläne für eine neue Irak-Resolution bis März kommenden
Jahres zurückgestellt.
Die USA und Großbritannien hatten Diplomaten zufolge kurzzeitig
erwogen, eine Resolution einzubringen, mit der der UNO-Rat die
US-Pläne zur Bildung einer Übergangsregierung im Irak
unterstützen sollte. Aus Kreisen des Sicherheitsrats verlautete am
Mittwoch, die USA seien aber nicht in der Stimmung, über neue
Forderungen Frankreichs, Russlands und Deutschlands im Rat zu
verhandeln. Die Staaten, die den US-geführten Krieg gegen Irak
abgelehnt hatten, fordern nun eine stärkere Rolle der UNO beim
Aufbau der neuen politischen Strukturen in dem arabischen Land.
Den US-Plänen zufolge soll ein Übergangskabinett bis Juni
2004 stehen, dem Ende 2005 eine gewählte Regierung folgen soll.
Die USA hatten lange Zeit die Ansicht vertreten, vor einer
Machtübergabe müssten eine Verfassung geschaffen und Wahlen
abgehalten werden. Angesichts der zunehmenden Zahl getöteter
US-Soldaten vollzog die US-Regierung jedoch einen Richtungswechsel und
sprach sich für eine beschleunigte Machtübergabe aus.
Russland, Frankreich und Deutschland hatten die Entscheidung
begrüßt. Zugleich hatten sie jedoch am Freitag vergangener
Woche auf einer Sicherheitsratssitzung erneut eine stärkere Rolle
der UNO gefordert.
(Quellen: dpa, afp)
Irakische Polizisten leiden unter dem Stigma des Verräters...
... und haben Verständnis für Widerstand gegen die
Besatzungstruppen
Von ihren Landsleuten werden sie als Verräter verachtet. Irakische
Polizisten, die amerikanische Soldaten auf Razzien begleiten, gelten
als Kollaborateure. Zunehmend werden sie Ziel von Anschlägen.
Allein am vergangenen Wochenende kamen dabei elf Polizisten ums Leben.
Dennoch äußern ihre Kollegen Verständnis für den
Widerstand gegen die Besatzungstruppen - und Kritik am Verhalten der
US-Soldaten.
«Schauen Sie sich doch die amerikanischen Stützpunkte
an», sagt Mikdad Thamer, ein 25-jähriger Polizist aus
Bakuba. «Sie verstecken sich hinter ihren Barrikaden,
während wir hier auf der Straße sind und noch nicht einmal
Waffen haben, um uns zu schützen.» Und weiter: «Wir
werden angegriffen, weil sie glauben, dass wir mit den Amerikanern
zusammenarbeiten. Aber das stimmt nicht. Wir versuchen nur, der Stadt
Sicherheit zu bringen.»
Der Verkehrspolizist Salman Chaisaran ist überzeugt, dass der
gewaltsame Widerstand so lange andauert, wie die US-Truppen vor Ort
sind. «Wenn sie wollen, dass die Anschläge aufhören,
dann müssen sie die Städte verlassen und uns die
Verantwortung für die Sicherheit übergeben», sagt
Chaisaran. Ein Polizist in Falludscha, der anonym bleiben will,
bezeichnet die Widerstandskämpfer als «stolze Iraker, die
für ihr Land kämpfen».
Vor der zerstörten Polizeistation in Chan Bani Saad, wo am Samstag
bei der Explosion einer Autobombe zehn Personen ums Leben kamen,
unterhält sich eine Gruppe von Polizisten. Sechs ihrer Kollegen
waren unter den Opfern. Und doch sind sie sich einig: Wenn sie von
einem bevorstehenden Anschlag wüssten, würden sie den
Amerikanern nichts davon sagen. «Wir würden selbst
versuchen, ihn zu verhindern, weil wir nicht wollen, dass Iraker
verletzt werden», sagt einer der Polizisten. Und ein anderer
fügt hinzu: «Wir sind keine Spione.»
Als besonders schlimm empfindet Thamer, der 25-jährige Polizist
aus Bakuba, die gemeinsamen Razzien mit den US-Truppen. Die Amerikaner
würden einfach in die Wohnungen einfallen, Möbelstücke
umwerfen, unschuldige Bewohner drangsalieren und Frauen herumschubsen.
Thamer erzählt von einer Razzia, bei der sie einen Mann in
Unterwäsche antrafen. Ein irakischer Polizist habe ihm die Hose
geben wollen, sei aber von einem US-Soldaten daran gehindert worden.
«Warum zwingen sie ihn, so auf die Straße zu gehen, warum
demütigen sie ihn?», fragt Thamer.
Er versuche, den Irakern zu zeigen, dass er nicht einverstanden sei mit
dem, was die Amerikaner tun. «Ich bin wütend, weil ich den
Amerikanern nicht verständlich machen kann, dass sie den
Hausfrieden brechen. Und ich kann das Verhalten der Amerikaner nicht
vor meinem Volk rechtfertigen», sagt Thamer. «Ich bin in
einer sehr schwierigen Lage, und ich leide enorm darunter.»
Doch auch bei den Amerikanern genießen die irakischen Polizisten
wenig Respekt, wie sie selbst meinen. In Planungen würden sie
nicht einbezogen. Bis zur letzten Minute hielten die US-Soldaten
geheim, welche Häuser sie durchsuchen wollen. «Sie vertrauen
niemandem, der nicht so sein will wie sie», sagt Abbas Adnan, ein
24-jähriger Polizist aus Bakuba. Andere klagen über schlechte
Bezahlung und mangelhafte Ausrüstung.
Schlimmer allerdings sei, von den eigenen Landsleuten als Verräter
gebrandmarkt zu werden, klagen einige Polizisten. Selbst Verwandte
hätten den Kontakt zu ihm abgebrochen, sagt Thamer, und auch seine
Eltern seien nicht glücklich über seine Arbeit. Doch er
könne sich nicht vorstellen, die Stelle aufzugeben. «Ich
mache es für mein Land.»
Der einzige Polizist, der sich im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP positiv über die Amerikaner
äußert, ist der 29-jährige Fadhel Faradsch in Chan Bani
Saad. Er sehe die US-Truppen nicht als Besatzer, sondern als
«Leute, die uns helfen. Sie bauen unser Land auf», sagt
Faradsch neben dem Krater, den die Explosion der Autobombe vor der
Polizeiwache hinterlassen hat. Und er fügt hinzu: «Dieselben
Leute, die die Amerikaner angreifen, greifen auch uns an.»
Quelle: ap, 27.11.03
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Saddam-Porträt sorgt im Bundestag für Ärger
Das Werk ist Teil einer Ausstellung, die das Leben von Irakern
während des Krieges zeigt. CDU-Haushaltsexperte Bernhard Kaster
fordert die Entfernung des Bildes
Fr.28.11.03 - Ein Porträt des gestürzten irakischen Diktators Saddam
Hussein hat für Ärger im Bundestag gesorgt. Das Foto, das
Teil einer Ausstellung im Paul-Löbe-Haus neben dem Reichstag ist,
stiess bei einigen Abgeordneten auf scharfe Kritik.
CDU-Haushaltsexperte Bernhard Kaster bezeichnete es am Donnerstag als
«geschmacklos», ein solches Porträt in einem
Bundestagsgebäude aufzuhängen. Der CSU-Abgeordnete Andreas
Scheuer sprach von einem Skandal. Das Werk ist Teil einer Ausstellung
des Fotografen Thomas Hegenbart.
Das Werk des Hamburger Fotografen Thomas Hegenbart wurde nach Angaben
einer Bundestagssprecherin inzwischen von seinem zentralen Platz
entfernt und an einer weniger prominenten Stelle der Ausstellung
aufgehängt. Damit könne das Bild nicht mehr missverstanden
werden.
Kaster zeigte damit sich zufrieden: «Damit ist das Gröbste
behoben,» sagte er. Dennoch halte er an seiner
grundsätzliche Forderung an Bundestagspräsident Wolfgang
Thierse (SPD) fest, das Bild zu entfernen. Auch Scheuer zeigte sich
erleichtert. Bei der ursprünglichen Konzeptionierung der
Ausstellung habe «einiges Fingerspitzengefühl»
gefehlt. Jetzt könne sich jeder Besucher hingegen ein eigenes
Urteil bilden.
Die Hegenbart-Ausstellung zeigt das Leben von Irakern während des
Krieges. Hegenbart war von Februar bis Juli 2003 im Irak. Die Schau ist
noch bis zum 5. Dezember im Paul-Löbe-Haus zu sehen.
(Quelle: ap)
Bundeswehr droht Mehrbelastung in Kabul
Fr.28.11.03 - Der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul droht offenbar eine
Mehrbelastung. "Wir haben bislang keine klaren Signale, dass uns ein
anderer NATO-Partner bei der Verwaltung des Flughafens ablösen
wird", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der
Bundeswehr in Potsdam dem "Handelsblatt". Ursprünglich sei
für die Flughafenaufsicht in Kabul ein sechsmonatiger Wechsel
zwischen den NATO-Truppen vereinbart worden.
Jetzt gehe man in Bundeswehrkreisen jedoch davon aus, dass die
über 200 dafür abgestellten deutschen Soldaten über den
Februar 2004 hinaus bleiben müssen, sagte der Sprecher. Der
Flughafen ist die Drehscheibe für die Internationale
Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) in Kabul, da der Militärflughafen
in Bagram nahezu ausschließlich von den USA genutzt wird.
Ähnlich prekär sehe es bei der Bereitstellung von
Transporthubschraubern aus. Die Bundeswehr wolle die drei
CH53-Hubschrauber abziehen, die sie dort unterhält. Doch auch
dafür wolle kein NATO-Land Ersatz leisten.
Wie das Handelsblatt aus NATO-Kreisen erfuhr, plant das Bündnis,
in Afghanistan bis zu 32 regionale Wiederaufbauteams (PRT) einzusetzen.
Voraussetzung sei, dass sich genügend NATO-Staaten bereit
fänden, Soldaten zu stellen. Deutschland baut zurzeit in Kundus
ein PRT-Team auf, für das rund 230 Soldaten eingesetzt werden.
Würde das deutsche Modell laut "Handelsblatt" auf die 32 geplanten
PRT-Einheiten übertragen, könnte sich der Mehrbedarf auf
über 6000 Soldaten für Afghanistan belaufen. Die
NATO-Verteidigungsminister wollen sich mit dem Thema bei ihrem Treffen
am Montag in Brüssel beschäftigen.
(Quelle: afp)
SPD und Grüne einigen sich auf Bundeswehr-Entsendegesetz
Auslandseinsätze weiter nur unter Parlamentsvorbehalt +++
Vereinfachtes Verfahren bei kleineren Einsätzen und bei der
Verlängerung von Auslandseinsätzen +++ Bei Gefahr im Verzug
soll die Bundesregierung die Zustimmung des Bundestags nicht vor dem
Einsatz einholen müssen
Fr.28.11.03 - SPD und Grüne haben sich auf ein Entsendegesetz geeinigt, mit dem
die Zustimmung des Bundestags zu Bundeswehr-Einsätzen im Ausland
geregelt werden soll.
In dem am Donnerstag vorgelegten Gesetzentwurf heißt es, generell
müsse der Bundestag Auslandseinsätzen zustimmen. Ein
vereinfachtes Verfahren solle es bei kleineren Einsätzen und bei
der Verlängerung von Auslandseinsätzen geben. Der
Einsatz-Antrag gilt als genehmigt, wenn nicht innerhalb von sieben
Tagen von einer Bundestags-Fraktion oder fünf Prozent der
Bundestagsabgeordneten eine Befassung des Parlaments verlangt wird. Als
so genannter Einsatz von geringer Bedeutung gilt, wenn nur wenige
Soldaten abgestellt werden, wie bei einem Erkundungskommando oder
Austauscheinsätzen in verbündeten Streitkräften. Mit
einem Rückholrecht kann der Bundestag einen Einsatz jederzeit
beenden.
Bei Gefahr im Verzug müsse die Bundesregierung die Zustimmung des
Bundestags nicht vor dem Einsatz einholen, heißt es in dem
Gesetzentwurf weiter. Nicht zustimmen müsste der Bundestag dem
Gesetzentwurf zufolge bei Hilfseinsätzen, bei denen Waffen nur zur
Selbstverteidigung mitgeführt werden.
Der Vize-Chef der SPD-Fraktion, Gernot Erler, und der parlamentarische
Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck,
erklärten, man werde nun mit der Opposition über den
Gesetzentwurf verhandeln. Das Gesetz solle eine möglichst breite
Zustimmung im Parlament bekommen.
(Quelle: rtr)
UN-Abkommen soll Räumung von Blindgängern nach einem Krieg
regeln
Fr.28.11.03 - Ein neues internationales Abkommen soll Staaten nach einem Krieg zur
Räumung von Blindgängern, Landminen und anderen Waffen
verpflichten. Mit einer Zustimmung der Regierungen zu dem
Zusatzprotokoll werde gerechnet, sagte der indische UN-Botschafter
für Abrüstungsfragen, Rakesh Sood, am Donnerstag in Genf.
Eine effektive Umsetzung der Übereinkunft könne die Risiken
für die Zivilbevölkerung reduzieren und Leben retten, sagte
Sood. Die Vereinbarung wurde von Vertretern der 92 Regierungen
erarbeitet, die einen UN-Vertrag über das Verbot besonders
gefährlicher konventioneller Waffen unterzeichnet haben. Es
wäre das erste Zusatzprotokoll zu diesem Abkommen seit 1996.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Washington will sich wieder stärker engagieren
+++ Israel bittet Berlin um Entwicklungshilfe für
Palästinenser +++ Ermittler: Keine EU-Gelder an militante
Palästinenser geflossen +++ Israel will Bau einiger wilder
Siedlungen nachträglich genehmigen. Dies wäre eine grobe
Verletzung des internationalen Friedensplanes +++ Israelischer Minister
setzt sich für Friedensprozess ein
Fr.28.11.03 - Die Vereinigten Staaten wollen nach dem geplanten Treffen der
israelischen und palästinensischen Regierungschefs wieder
verstärkt im Nahost-Konflikt vermitteln. "Wir sind bereit, uns
bestimmter zu engagieren, wenn das Treffen stattgefunden hat", sagte
US-Außenminister Colin Powell am Donnerstag laut einem vorab
verbreitetem Redetext im öffentlichen US-Radio (NPR). Sobald die
Bedingungen dies erlaubten, werde Washington wieder an der Umsetzung
des Nahost-Friedensfahrplans arbeiten. Powell bekräftigte die
US-Position, wonach Palästinenserpräsident Jassir Arafat
nicht mehr als Verhandlungspartner anerkannt werde.
Der israelische Minister für Infrastruktur, Joseph Paritzky, hat
derweil die Bundesregierung um Entwicklungshilfe für die
Palästinenser gebeten. "Dies ist vor allem aus politischen
Gründen von zentraler Bedeutung", sagte der zum linken Flügel
der Regierungskoalition zählende Politiker der Zeitung "Financial
Times Deutschland" (Freitagsausgabe). "Hilfe bei Infrastrukturprojekten
wie Wasser und Abwasser fördert den Friedensprozess. Es wird Dinge
verändern und sowohl die Situation der Bürger dort, als auch
in Israel verbessern".
Eine Sonderkommission der EU für Betrugsermittlungen hat derweil
keine Hinweise auf eine Umleitung von europäischen Hilfsgeldern an
militante Palästinenserorganisationen gefunden. Es gebe keine
Anhaltspunkte dafür, dass EU-Gelder für Einwanderungsprojekte
zum militärischen Arm der Fatah-Bewegung von
Palästinenserpräsident Jassir Arafat gelangt seien, teilte
die EU-Ermittlungseinheit OLAF am Donnerstag in Brüssel mit.
Ungeachtet der harschen Kritik Washingtons an ihrer Siedlungspolitik
will die israelische Regierung nach Angaben von
Vize-Verteidigungsminister Seev Boim einen Teil der wilden Siedlungen
in den Palästinensergebieten legalisieren. Dies wäre eine
grobe Verletzung des internationalen Friedensplanes. Die Bemerkungen
Boims vom Donnerstag widersprechen zudem dem Versprechen der
israelischen Regierung gegenüber Washington, die illegalen
Siedlungen gemäß der "Road Map" aufzugeben.
"Es ist kein Geheimnis, dass in den vergangenen drei Jahren illegale
Siedlungen angelegt wurden", sagte Boim dem Armeerundfunk. "Einige von
ihnen sind Städte, deren Legalisierungsprozess kurz vor dem
Abschluss steht." Der internationale Friedensplan verlangt von Israel
dagegen die Auflösung Dutzender Vorposten, die seit März 2001
angelegt worden sind. Zudem wird die Regierung darin verpflichtet, den
Ausbau existierender Siedlungen auszusetzen.
Der israelische Minister für nationale Infrastruktur, Josef
Paritzky, hat sich für eine Wiederaufnahme des Friedensprozesses
in Nahost ausgesprochen. Nach einer Unterredung mit Außenminister
Joschka Fischer am Donnerstag in Berlin versicherte der Politiker der
zentristischen Schinui-Partei im AP-Gespräch, die israelische
Regierung werde den Prozess neu vorantreiben.
Einigkeit bestand nach Angaben aus Teilnehmerkreisen außerdem
darin, dass der palästinensische Regierungschef Ahmed Kureia ein
neues Momentum in den Friedensprozess bringen könne. Fischer hatte
bei seinen Gesprächen in den USA vergangene Woche an beide Seiten
im Nahost-Konflikt appelliert, einen Schritt zurück zu treten und
einen Neustart des Friedensprozesses zu überdenken.
Paritzky sagte, in der Unterredung seien auch illegale
Außenposten zur Sprache gekommen. Er und seine Partei
stünden dafür, dass "wir die illegalen Außenposten
nicht weiter bestehen lassen werden".
Der umstrittene Westjordanland-Sperrzaun war dem israelischen Minister
zufolge ebenfalls Gesprächsgegenstand. Einigkeit bestand Paritzky
zufolge darin, dass Israel das Recht zur Selbstverteidigung habe. "Der
Verlauf des Zauns muss jedoch neu diskutiert werden und er wird
tatsächlich in der Regierung neu diskutiert werden," sagte
Paritzky.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Scharon: Genfer Friedensinitiative schadet Israel
Arafat unterstützt Genfer Initiative für Nahostfrieden
Fr.28.11.03 - Der israelische Regierungschef Ariel Scharon hat die alternative
Friedensinitiative für den Nahen Osten scharf kritisiert, die am
Montag in Genf feierlich verabschiedet werden soll. Der von
israelischen und palästinensischen Persönlichkeiten
ausgearbeitete Friedensplan "schadet und blamiert" Israel, sagte
Scharon am Donnerstag vor Journalisten in Tel Aviv. Er warnte, die
Initiative gefährde die Umsetzung des offiziellen Friedensplans,
der sogenannten Road Map des internationalen Nahost-Quartetts. "Nur
eine Regierung kann politische Verhandlungen führen und Abkommen
unterzeichnen", betonte der Regierungschef weiter. Er spielte damit
darauf an, dass die Initiative von Vertretern der Zivilgesellschaft
erarbeitet worden war.
Palästinenserpräsident Jassir Arafat steht indes der privaten
Genfer Initiative für eine umfassende Friedensregelung zwischen
Israel und den Palästinensern wohlwollend gegenüber. "Arafats
Position ist bis jetzt unterstützend gewesen", sagte M. Ghaith Al
Omari von der palästinensischen Delegation zur Ausarbeitung der
Initiative am Mittwoch in Genf.
Allerdings erwartet der palästinensische Unterhändler nicht,
dass Arafat der Initiative offiziell seinen Segen gibt. "Dafür ist
es zu früh", sagte Al Omari.
Die von der Schweizer Regierung finanziell und logistisch begleitete
Genfer Initiative, die eine Zweistaatenregelung vorschlägt,
wird von UN-Generalsekretär Kofi Annan und namhaften Ex-Politikern
unterstützt. So wird der frühere US-Präsident Jimmy
Carter bei der Zeremonie in Genf erwartet. Auch die ehemalige irischen
Präsidentin Mary Robinson will sich für das Abkommen
engagieren.
(Quellen: afp, epd)
EU will umstrittenen Antisemitismus-Bericht doch veröffentlichen
Fr.28.11.03 - Die EU-Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
will im Frühjahr 2004 einen umfassenden Bericht über
Antisemitismus in Europa veröffentlichen. Mit dieser
Ankündigung reagierte die in Wien ansässige EU-Behörde
am Mittwoch auf Medienberichte, die Untersuchung werde unter Verschluss
gehalten.
In Israel und bei jüdischen Organisationen hatte die
Vorgehensweise der Beobachtungsstelle Kritik ausgelöst. Ein
Verschweigen von Untersuchungsergebnissen, wonach hinter der
zunehmenden Zahl antisemitischer Vorfälle jugendliche Muslime
stünden, sei nicht hinzunehmen, erklärte der Europäische
Jüdische Kongress am Dienstag in Paris.
Dazu erklärte die Leiterin der EU-Stelle, Beate Winkler, die
Beobachtungsstelle habe kein Problem damit, derartige Informationen zu
veröffentlichen, wenn sie abgesichert seien. Es sei jedoch nicht
Aufgabe der EU-Behörde, ganze Gemeinschaften auf Grund von
Handlungen einzelner Rassisten zu stigmatisieren.
Die "Financial Times" hatte am vergangenen Wochenende Quellen zitiert,
der Untersuchungsbericht werde nicht veröffentlicht, weil darin
Muslime in Europa für viele antisemitische Gewaltakte
verantwortlich gemacht würden. Dem widersprach die
EU-Beobachtungsstelle. Dass noch keine Veröffentlichung erfolgt
sei, habe allein an der unzureichenden Qualität der Erhebungen
gelegen. Für eine Veröffentlichung sprach sich auch der
EU-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit (Grüne) aus, der sich derzeit in
Israel aufhält. Er kündigte eine Anfrage im Europaparlament
an.
Beteiligt an der Erhebung, die im Frühsommer 2002 erfolgte, war
das Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen
Universität Berlin. In israelischen Medien sprach Werner Bergmann,
einer der Autoren, von einer "überhöhten politischen
Korrektheit". Die EU habe die Studie in Auftrag gegen, sie dann aber
aus Frucht vor Konflikten "begraben".
Juliane Wetzel, Mitarbeiterin des Zentrums für
Antisemitismusforschung, wies gegenüber epd die Kritik an der
wissenschaftlichen Qualität der Studie zurück. Dass die
Untersuchungsergebnisse, die Ende vergangenen Jahres vorlagen, nicht
veröffentlicht wurden, sei eine politische Entscheidung gewesen.
(Quelle: epd)
Trotz Waffenruhe: 13 Tote bei Kämpfen und Anschlägen in
Kaschmir
Fr.28.11.03 - Nur einen Tag nach In-Kraft-Treten eines Waffenstillstands an der
umstrittenen Grenze in Kaschmir sind bei Auseinandersetzungen mit
muslimischen Separatisten im indischen Teil der Region gestern dreizehn
Menschen getötet worden. Zehn weitere Personen wurden bei den
insgesamt fünf Zwischenfällen verletzt, wie die Polizei
mitteilte.
Sicherheitskräfte hätten im indischen Teil der Unruheregion
zehn Extremisten erschossen, teilte die Polizei mit. Bei einem
Handgranatenanschlag von Separatisten auf eine Patrouille in Srinagar
seien ein Zivilist getötet und zwölf verletzt worden, als der
Sprengsatz das Ziel verfehlte. Die zwei anderen Toten seien ein Soldat
und ein Polizist.
Ein Ladenbesitzer wurde getötet, als mutmaßliche Extremisten
eine Granate auf einen Sicherheitsposten auf einem belebten Markt in
Srinagar schleuderten. Bei einem Feuergefecht in Nowgam nördlich
von Srinagar wurden vier mutmaßliche Rebellen erschossen.
Unbekannte töteten in der Nachbarstadt Hundwara einen
Polizisten.Vier Extremisten kamen in der Bergregion Udhampur bei einem
Gefecht mit Sicherheitskräften ums Leben. Nordöstlich der
Winterhauptstadt Jammu erschossen paramilitärische Truppen zwei
weitere mutmaßliche Rebellen.
(Quellen: dpa, ap)
Taiwan hält trotz Chinas Drohungen an Referendumsplänen fest
Fr.28.11.03 - Trotz massiver Drohungen der Volksrepublik China hat Taiwan seine
Pläne für ein Unabhängigkeitsreferendum vorangetrieben,
sollte die Regierung in Peking eine Wiedervereinigung gewaltsam
anstreben.
Am Donnerstag stimmte das Parlament einem als "Verteidigungsreferendum"
bezeichneten Gesetzentwurf zu, der Taiwan im Fall eines chinesischen
Angriffs eine Volksabstimmung über die staatliche
Unabhängigkeit erlaubt. Das kommunistische China und Taiwan sind
seit dem Bürgerkrieg 1949 geteilt. China sieht die Insel als
abtrünnige Provinz an und hat mit einer Invasion gedroht, sollte
Taiwan sich offiziell unabhängig erklären. Am Mittwoch hatte
China mit einer scharfen Reaktion gedroht, sollte das Parlament in
Taiwan dem Gesetzentwurf uneingeschränkt zustimmen.
Das Parlament in Taiwan stimmte am Donnerstag zudem für eine
Gesetzesklausel, die Volksabstimmungen über Verfassungsfragen
ermöglicht. Eine Änderung der Landesflagge oder des
offiziellen Namens "Republik China", was China als Schritt in Richtung
Unabhängigkeit ansehen würde, müssen jedoch von einem
Rechtsausschuss gebilligt werden.
China strebt eine Wiedervereinigung mit Taiwan nach dem Vorbild
Hongkongs an. Die ehemalige britische Kolonie war 1997 an die
Volksrepublik China zurückgegeben worden und ist heute eine
Sonderverwaltungszone mit eigenem Parlament. Die Unabhängigkeit
Taiwans wird nach Meinung von Beobachtern zentrales Thema bei den
nächsten Präsidentschaftswahlen im Mai sein.
(Quelle: rtr)
Chefankläger der iranischen Revolutionsgerichte gestorben
Die Art, wie er Angeklagte zum Tode verurteilte, brachte ihm den
Beinamen 'der Blutrichter' ein. Einige seiner Prozesse sollen nur
Minuten gedauert haben
Fr.28.11.03 - Ajatollah Sadek Chalchali, Chefankläger und Richter der iranischen
Revolutionsgerichte, ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Das meldete
die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA am Donnerstag. Chalchali
hatte nach dem Sturz des Schahs 1979 hunderte so genannter
Konterrevolutionäre zum Tode verurteilt. Die Art, wie er
Angeklagte zum Tode verurteilte, brachte ihm den Beinamen «der
Blutrichter» ein. Er verurteilte auch den ehemaligen
Ministerpräsidenten Abbas Howeida zum Tode.
Chalchali starb laut IRNA am Mittwochabend in einem Teheraner
Krankenhaus nach einer Operation. Wie die Agentur unter Berufung auf
seinen Sohn Mohammed Giwi Chalchali meldete, litt er an altersbedingten
Herz- und Hirnerkrankungen.
In seiner Autobiografie hatte Chalchali die Zahl der von ihm
ausgesprochenen Todesurteile gegen Mitglieder der Schah-Regierung und
Sicherheitskräfte mit 85 angegeben. Ihm werden aber von anderen
Quellen viel mehr Hinrichtungen ohne korrektes Gerichtsverfahren
zugeschrieben.
Einige seiner Prozesse sollen nur Minuten gedauert haben. In mehreren
Berichten heißt es, als ein hoher Offizier der
Schah-Streitkräfte, Nematollah Nassiri, vor Gericht erschienen
sei, habe Chalchali seine Pistole gezogen und den Mann erschossen. Sein
Vorgehen hatte er nach seiner Pensionierung mit den Worten verteidigt,
Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini habe ihm damals weit
reichende Vollmachten gegeben und es sei notwendig gewesen, sie
anzuwenden.
(Quelle: ap)
UNO-Resolution verurteilt massive Verletzungen der Menschenrechte im
Iran
Internationale Nichtregierungsorganisationen sprechen vom
"größten Gefängnis für Andersdenkende". Teheran
weist die Resoluion als wertlos und völlig abwegig zurück...
Mehr in der "tageszeitung" vom 28.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/28/a0101.nf/text
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Völkermord-Prozess gegen drei ruandische Ex-Parteiführer
begonnen
Fr.28.11.03 - Vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda hat am Donnerstag
der Völkermord-Prozess gegen drei ranghohe Mitglieder der Partei
von Ex-Präsident Juvénal Habyarimana begonnen. Das Gericht
im tansanischen Arusha wirft den drei Angeklagten Mathieu Ngirumpatse,
Edouard Karemera und Joseph Nzirorera vor, zwischen 1990 und 1994 den
Völkermord an der Tutsi-Minderheit sowie an oppositionellen Hutu
geplant zu haben. Die drei Angeklagten gehörten zur Führung
der Hutu-Partei Republikanische Nationale Bewegung für Demokratie
und Entwicklung (MRND), deren Miliz Interahamwe maßgeblich
für die Morde verantwortlich war. Sie plädierten auf
unschuldig. Der Flugzeugabsturz von Habyarimana am 6. April 1994 war
Auslöser für den Völkermord, bei dem bis Oktober 1994
rund 800.000 Menschen getötet wurden, die meisten von ihnen Tutsi.
(Quelle: afp)
N-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag
Anklage fordert wegen Srebrenica-Massaker lebenslänglich für
Krstic
Fr.28.11.03 - Im Berufungsprozess des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag gegen
den bosnisch-serbischen General Radislav Krstic hat die
Staatsanwaltschaft am Mittwoch eine lebenslängliche Haftstrafe
gefordert. Krstic war Anfang August 2001 als einer der
Hauptverantwortlichen des Massakers von Srebrenica zu 46 Jahren Haft
verurteilt worden. Gegen das Urteil hatten sowohl die Anklage als auch
die Verteidigung Berufung eingelegt. Es war das erste Mal, dass das
Haager Tribunal einen Angeklagten wegen Völkermords schuldig
gesprochen hatte. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der
Kommandeur des zweiten Korps der bosnisch-serbischen Streitkräfte
im Juli 1995 den Massenmord an allen moslemischen Männern im
kampffähigen Alter in der UN-Schutzzone angeordnet hatte.
(Quelle: afp)
Zehntausende demonstrieren in Mexiko gegen Reformen
Der Protest richtet sich gegen die geplanten Finanz- und
Arbeitsmarktreformen sowie gegen die Öffnung des Energiesektors
für private Investoren
Fr.28.11.03 - Zehntausende Menschen haben in Mexiko-Stadt gegen die Strukturreformen
der Regierung von Präsident Vicente Fox protestiert. Die
Demonstranten brachten den Verkehr im Zentrum der
22-Millionen-Einwohner-Stadt rund um die Plaza Zócalo
völlig zum Erliegen, Banken und Geschäfte blieben
geschlossen. Der Protest richtete sich gegen die geplanten Finanz- und
Arbeitsmarktreformen sowie gegen die Öffnung des Energiesektors
für private Investoren.
Nach Angaben der Organisatoren nahmen rund 300.000 Menschen aus allen
Landesteilen an der Kundgebung teil; dagegen zählte die Polizei
nur rund 50.000 Teilnehmer. In anderen Regionen Mexikos seien etwa eine
halbe Million Menschen auf die Straßen gegangen, hieß es.
Die linke Opposition wirft Fox vor, durch die geplante Liberalisierung
des Energiesektors einen Ausverkauf nationaler Interessen zu betreiben.
Der Präsident wies den Vorwurf zurück. Eine Privatisierung
der staatlichen Energiegesellschaften sei nicht geplant, sagte Fox in
der Stadt Morelia im Westen Mexikos. Rund 10.000 Polizisten
überwachten mit Unterstützung von Hubschraubern die
Demonstration, die nach Polizeiangaben friedlich verlief.
(Quelle: afp)
Zwei Demonstranten in Peru getötet
Fr.28.11.03 - Bei Protesten in Peru sind zwei Demonstranten getötet worden. Nach
Angaben eines Innenministeriumssprechers wurden die beiden Männer
am Donnerstag in der Nähe der Stadt Carhuamayo 165 Kilometer
nordöstlich der Hauptstadt Lima von Steinen erschlagen, die andere
Demonstranten geworfen hatten. Dagegen berichtete ein Radioreporter vor
Ort, die Polizei habe die beiden Männer erschossen. Die
Demonstranten hatten gegen mehrere Bergbaugesellschaften protestiert
und von ihnen gefordert, einen See wieder zu reinigen, den die
Unternehmen verschmutzt haben sollen. Bei den Ausschreitungen wurden
weitere drei Demonstranten sowie 18 Polizisten verletzt, wie der
Ministeriumssprecher mitteilte.
(Quelle: ap)
Georgisches Parlament wählt neuen Regierungschef
Übergangsregierung will Beziehungen Georgiens zum Nachbarn
Russland verbessern +++ Nominierung Saakaschwilis zum
Präsidentschaftskandidaten führt zu ersten Rissen innerhalb
der die Übergangsregierung tragenden ehemaligen Oppositionskoalition
Fr.28.11.03 - Vier Tage nach dem Sturz des georgischen Präsidenten Eduard
Schewardnadse hat das Parlament einen neuen Regierungschef bestimmt.
Surab Schwania wurde am Donnerstag einstimmig zum Staatsminister
gewählt, was dem Amt des Ministerpräsidenten in anderen
Ländern entspricht. Er hatte gemeinsam mit
Übergangspräsidentin Nino Burdschanadse und Michail
Saakaschwili die Proteste gegen Schewardnadse angeführt. Schwania
sprach sich für ein Gesetz aus, das dem Expräsidenten gewisse
Privilegien garantieren soll.
Schewardnadse solle weiterhin seine Residenz am Rande von Tiflis nutzen
dürfen und von Leibwächtern geschützt werden, sagte
Schwania. Übergangspräsidentin Nino Burdschanadse
kündigte in einem Interview mit der Deutschen Welle allerdings an,
sie wolle die Besitzverhältnisse von Schewardnadses Familie auf
ihre Rechtmäßigkeit überprüfen. Die Immunität
des Expräsidenten bleibe aber gewahrt, sagte sie dem deutschen
Auslandsrundfunk.
Die Diskussion über einen Termin für die Wiederholung der
umstrittenen Parlamentswahl vom 2. November wurde von den Abgeordneten
in Tiflis erneut vertagt. Der Oberste Gerichtshof Georgiens hat bislang
nur einen Teil der Wahlergebnisse für ungültig erklärt.
Das derzeitige Parlament wird von Parteien dominiert, die hinter
Schewardnadse standen.
Nach einer turbulenten Sitzung am Vormittag, bei der keine
beschlussfähige Mehrheit zusammenkam, trat das Parlament am
Nachmittag erneut zusammen. Neben Schwania wurden nach den
Rücktritten der vergangenen Tage auch zwei neue Minister bestimmt.
Innenminister wurde Georgi Baramidse, das Finanzministerium
übernahm Surab Nogaideli.
Schwania erklärte, die Übergangsregierung wolle die
Beziehungen Georgiens zum großen Nachbarn Russland verbessern.
Auch zu der autonomen Provinz Adscharien werde ein besseres
Verhältnis angestrebt. Er habe bereits mit deren Gouverneur Aslan
Abaschidse gesprochen. Abaschidse gilt als entschiedener Gegner von
Michail Saakaschwili, dem von der Übergangsregierung
unterstützten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am
4. Januar. Saakaschwili sprach sich in einem am Donnerstag
veröffentlichten Interview mit der russischen Tageszeitung
Iswestija für einen Dialog mit Abaschidse aus.
Die Nominierung Saakaschwilis führte unterdessen zu ersten Rissen
innerhalb der die Übergangsregierung tragenden ehemaligen
Oppositionskoalition. Der frühere Parlamentsvorsitzende Akaki
Asatijani erklärte aus Protest dagegen am Donnerstag seinen
Austritt aus der Demokratischen Partei von Interimspräsidentin
Burdschanadse. Saakaschwili sei ein «Heißsporn»,
sagte er zur Begründung.
(Quelle: ap)
Georgien gilt als strategisch wichtiges Transit-Land für die
Öl- und Gas-Versorgung des Westens
Die Lage des Landes ermöglicht es, von den zunehmend wichtigeren
Öl-Feldern im Kaspischen Meer Pipelines zu legen, die weder durch
russisches noch durch iranisches oder armenisches Territorium
führen.
Eine Pipeline von Baku (Aserbeidschan) zur georgischen
Schwarz-Meer-Küste mit einer Kapazität von 250 000 Barrel
(Fass) Öl pro Tag ist bereits seit Ende der 90er Jahre in Betrieb.
Die jüngsten politischen Turbulenzen, hieß es am Montag beim
Ölkonzern BP, haben den Betrieb nicht beeinträchtigt.
Für eine zweite, sehr viel größere Pipeline haben die
Bauarbeiten im Sommer begonnen. Sie wird von Baku an der georgischen
Hauptstadt Tiflis vorbei in die Türkei führen und am
Mittelmeer-Hafen Ceyhan enden. Sie gilt derzeit als das
größte Pipeline-Projekt der Welt, soll 2,9 Milliarden Dollar
kosten, bis zu einer Million Barrel Öl pro Tag transportieren und
hat eine Gesamtlänge von 1800 Kilometern, wovon etwa 300 Kilometer
über georgisches Gebiet laufen. Auf amerikanischen Wunsch hin
lässt es sich das Betreiber-Konsortium unter Führung von BP
viel Geld kosten, den Iran zu umgehen. Eine dritte Pipeline ist hinter
den Kulissen offenbar bereits beschlossen. Sie soll bis weit in die
Türkei hinein Rohr an Rohr mit der Baku-Tiflis-Cheyhan-Pipeline
verlegt werden und von 2007 an große Mengen von Gas nach Westen
transportieren. Im Gespräch ist, sie bis nach Griechenland zu
verlängern.
Mit Georgien hoffte der Westen, ein stabiles Transit-Land zu haben.
Doch nicht zuletzt die Misere der Wirtschaft wird dafür sorgen,
dass das Land anfällig für Unruhen bleibt: Das Sozialprodukt
erreicht laut Osteuropa-Bank erst 38 Prozent der Höhe vor der
Auflösung der Sowjetunion; damit bildet Georgien das Schlusslicht
unter allen ehemaligen Ostblock-Ländern. Der Durchschnittslohn, so
die Londoner Economist Intelligence Unit (EIU), beträgt gerade 50
Dollar pro Monat und liegt damit so hoch wie das Existenzminimum. Wie
Rentner und Arbeitslose überleben – sie bekommen vom Staat nahezu
nichts –, weiß niemand so recht. Andererseits lebt eine kleine
Clique von ehemaligen Sowjet-Bonzen mehr denn je im Luxus.
Die Ursache für den Niedergang des fruchtbaren Landes liegt in
erster Linie, darin sind sich Weltwährungsfonds oder etwa
Osteuropa-Bank einig, in der Korruption. Sie führt dazu, dass die
Steuereinnahmen nur tröpfeln und der Gütertransport durch
Georgien teuer ist, weil Lastwagenfahrer hohe Schutzgelder zahlen
müssen. Die neuen Pipelines schaffen zwar Arbeitsplätze und
bringen auf Jahrzehnte hinaus Durchleitungs-Gebühren von gut 50
Millionen Dollar jährlich ins Land. Doch die Misere wird damit
nicht zu Ende sein: „Die neue Führung wird es schwer haben, gegen
die Korruption anzukommen", prognostiziert Leila Butt von der EIU.
Aus der Süddeutschen Zeitung vom 26.11.03
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Türkisch-islamische Union: Anschläge richten sich gegen Staat
Terrorismus und der Islam seien miteinander unvereinbar
Fr.28.11.03 - Der Vorsitzende der "Türkisch-islamischen Union der Anstalt
für Religion", Ridvan Cakir, hat die Terroranschläge auf
jüdische und britische Einrichtungen in Istanbul scharf
verurteilt. Sie richteten sich vor allem gegen den laizistischen
türkischen Staat und seine Aufnahme in die Europäische Union,
erklärte Cakir am Mittwoch in Frankfurt vor Journalisten.
Terrorismus und der Islam seien miteinander unvereinbar, sagte der
Vorsitzende des größten Dachverbandes von in Deutschland
lebenden Türken. Der Begriff "islamistischer Terrorismus" sei
deshalb eine Beleidigung der islamischen Religion. Zur innenpolitischen
Debatte in Deutschland über die EU-Aufnahme der Türkei nach
den Terroranschlägen wollte sich Cakir nicht äußern.
Sein Verband sei parteipolitisch neutral. Wer gegen den EU-Beitritt der
Türkei sei, "kennt uns nicht genügend", so Cakir. Nötig
sei ein umfassender interreligiöser und interkultureller Dialog.
Die der türkischen Regierung nahe stehende, weltlich orientierte
Organisation ist auch für die religiöse Betreuung der
türkischen Muslime mit Imamen zuständig. Sie wurde 1985 in
Köln gegründet und hat eine enge Bindung an das
Präsidium für Religiöse Angelegenheiten der Türkei.
Zu dem Dachverband gehören 870 Mitgliedsvereine und 550 Imame.
(Quelle: epd)
Kritik an geplanten Anti-Terror-Gesetzen der britischen Regierung
Fr.28.11.03 - Ein Ausschuss des britischen Parlaments hat die geplanten
Anti-Terror-Gesetze der Regierung als potenzielle Gefahr für
Demokratie und Menschenrechte kritisiert. "Unsere Demokratie und die
Bürgerrechte könnten gefährdet werden, wenn die
Regierung unsere Verbesserungsvorschläge nicht
berücksichtigt", warnt die Kommission in ihrem am Freitag
veröffentlichten Abschlussbericht. Die Regierung will nach eigener
Aussage im Kampf gegen den Terror die Polizei stärken.
In Krisensituationen sollen die Sicherheitskräfte unter anderem
die Befugnis erhalten, Gebiete zu evakuieren und zu Sperrzonen zu
erklären. Die Kommission kritisiert vor allem, dass Notfälle
und Krisensituationen in dem Gesetz zu breit definiert sind. Sollte das
Anti-Terror-Gesetz in die falschen Hände geraten, könnte
damit die britische Gesetzgebung unterlaufen oder sogar ausgehebelt
werden, erklärte der Kommissionsvorsitzende Lewis Moonie.
Menschenrechtler hatten bereits zuvor befürchtet, dass mit den
geplanten Gesetzen den Behörden das Recht gegeben werde,
friedliche Demonstrationen zu verbieten und Privateigentum zu
zerstören, ohne für die Schäden aufzukommen.
(Quelle: ap)
Zugewinne für radikalere Parteien bei Wahl in Nordirland
Die zukünftige Regierungsarbeit und mögliche Fortschritte im
Friedensprozess dürften erheblich erschwert werden
Fr.28.11.03 - Bei den Regionalwahlen in Nordirland zeichnen sich Zugewinne für
die radikaleren Parteien ab. Allerdings ist erst ein kleiner Teil der
abgegebenen Stimmen ausgezählt. Nach einer Prognose des irischen
Fernsehens wird Sinn Fein, der politische Flügel der IRA, erstmals
die stärkste Kraft im Lager der Katholiken. Für die
Protestanten sagt die Prognose ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der
gemäßigten UUP des Friedensnobelpreisträgers David
Trimble und der DUP des wesentlich radikaleren Pfarrers Ian Paisley
voraus.
Der Chef der katholischen Sinn-Fein-Partei, Gerry Adams, ist in seinem
Wahlkreis in Belfast-West wiedergewählt worden. Damit sicherte
sich Adams einen Sitz im Regionalparlament. Im ersten Parlament hatte
die Sinn Fein, der politische Arm der katholischen
Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA), 18 Sitze
inne. Zuvor stand bereits der Sieger im Wahlkreis Belfast-Nord fest:
Dort erhielt der Kandidat der protestantischen Democratic Unionist
Party (DUP), Nigel Dodds, die meisten Stimmen.
Ein Sieg der radikalen Parteien beider Lager, DUP und Sinn Fein,
würde eine zukünftige Regierungsarbeit und mögliche
Fortschritte im Friedensprozess erheblich erschweren. Die DUP lehnt das
Friedensabkommen von 1998 und jegliche Zusammenarbeit mit der Sinn Fein
ab, die wiederum das Karfreitagsabkommen unterstützt. Angesichts
der wachsenden Unzufriedenheit der Nordiren mit dem Friedensprozess war
mit einem größeren Zulauf zu den extremistischen Parteien
beider Lager gerechnet worden.
(Quellen: dpa, afp)
Italien: Nach massiven Protesten verzichtet Regierung auf Pläne
für Atommülllager
Fr.28.11.03 - Nach massiven Protesten aus der Bevölkerung hat die italienische
Regierung die Pläne zur Errichtung eines Lagers für
Atommüll bei Scanzano Jonico aufgegeben. Das Kabinett strich am
Donnerstag den Namen der süditalienischen Kleinstadt als Ort
für die Lagerstätte. Ein wissenschaftliches Gremium soll nun
binnen 18 Monaten einen neuen Ort für das Lager finden.
Bewohner und Umweltschützer hatten mit Demonstrationen und
tagelangen Straßenblockaden gegen das geplante Atommülllager
protestiert. Bauern befürchteten, dass durch das unterirdische
Lager nahe der Ortschaft Scanzano Jonico am Golf von Tarent, 100
Kilometer südlich der Hafenstadt Bari, die
Bewässerungssysteme für ihre Felder kontaminiert werden
könnten. Die Entscheidung der Regierung, das Lager dort nicht zu
bauen, wurde von hunderten Bewohnern jubelnd begrüßt. Der
Atommüll stammt aus Bereichen wie der medizinischen Forschung; vor
rund 20 Jahren hat sich Italien gegen nukleare Stromerzeugung
ausgesprochen.
(Quelle: ap)
Französische Studenten demonstrieren gegen geplante Hochschulreform
Seit Wochen gibt es Protestbewegungen an den Hochschulen des Landes
Fr.28.11.03 - Mehr als tausend Studenten haben am Donnerstag in Paris gegen die von
Frankreichs Bildungsminister Luc Ferry betriebene Hochschulreform
demonstreirt. "Für eine Reform in Abstimmung mit den Studenten"
und "Für ein anderes Europa der Bildung", lauteten Slogans. Seit
Wochen gibt es Protestbewegungen an den Hochschulen des Landes; in
Rennes wurde am Montag das Büro des Hochschulpräsidenten
besetzt. Die Studenten fürchten, dass die bisherigen nationalen
Diplome an Ansehen verlieren. Im Zuge einer europaweiten Harmonisierung
sollen die Hochschulzeugnisse auf den Dreischritt
Bachelor-Master-Promotion ausgerichtet werden.
Die Französische Hochschulrektorenkonferenz (CPU)
befürwortete auf einer Sondersitzung am Donnerstag die geplante
Reform. Sie sei "notwendig, um das öffentliche Angebot
weiterzuentwickeln", heißt es in einer Entschließung. Ohne
eine Stärkung der Universität werde sich die "Logik des
Marktes" in Hochschulbildung und -forschung durchsetzen. Die Reformen
liefen entgegen den Befürchtungen der Studenten nicht auf eine
verstärkte Auslese hinaus. Ferrys Reformplan war kürzlich
zurückgezogen worden. Der Minister will aber im Frühjahr
einen neuen Anlauf machen, um ihn durchs französische Parlament zu
bringen.
(Quelle: afp)
"Für eine andere Harmonisierung der Universitäten
in Europa" und gegen eine geplante Dezentralisierung der
französischen Universitäten sind am Donnerstag einige
zigtausend StudentInnen in ganz Frankreich auf die Straße
gegangen.
22 der 90 Universitäten werden bestreikt. Andere
organisieren punktuelle Proteste. Vor allem StudentInnen aus sozial
schwachen Verhältnissen sehen sich als VerlierInnen der Reformen
Mehr in der "tageszeitung" vom 29.11.03 unter:
http://www.taz.de/pt/2003/11/29/a0058.nf/text
|
Proteste gegen Hochschulkürzungen halten an
Mindestens 20.000 Studierende demonstrieren in Berlin +++ In Hamburg
räumen mit Schlagstöcken bewaffnete Polizisten eine spontane
Studenten-Demonstration +++ In Wiesbaden protestierten knapp 800
Studenten der Fachhochschule +++ Im Audimax der Münchner
Ludwig-Maximilians-Universität hielten Professoren aller
Hochschulen im Rahmen einer Aktionswoche Vorlesungen
Fr.28.11.03 - Rund 20.000 Menschen haben nach Polizeiangaben in Berlin gegen die
geplanten Kürzungen bei den Hochschulen protestiert. Die
Demonstranten zogen von den drei Universitäten der Hauptstadt zum
Roten Rathaus, wo eine Abschlusskundgebung stattfand. In Reden und auf
Transparenten wurde vor einem massiven Abbau an Professorenstellen als
Konsequenz der Sparpläne gewarnt. Der rot-rote Senat will den
Landeszuschuss an die Hochschulen bis 2009 um 75 Millionen Euro
kürzen. Vor der Demonstration war eine Besetzung der
PDS-Parteizentrale friedlich zu Ende gegegangen.
An der Demonstration beteiligten sich Studenten aller drei
Universitäten sowie zahlreiche Schüler. Mit der Demonstration
setzten die Studenten die seit einiger Zeit andauernden Proteste gegen
die Sparpläne der Landesregierung fort.
Im Karl-Liebknecht-Haus der PDS hatten sich seit Mittwochnachmittag
zeitweise mehr als hundert Studenten aufgehalten. Die PDS hatte die
Studenten als "Gäste" betrachtet und deshalb auf eine polizeiliche
Räumung verzichtet. Zwischen Dienstag und Mittwoch war zudem das
Büro von Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) von Studenten
besetzt worden. Auch diese Aktion war friedlich zu Ende gegangen.
In Hamburg räumten mit Schlagstöcken bewaffnete Polizisten
eine spontane Demonstration von rund 150 Studenten vor dem Rathaus
gegen die geplante Schließung der Hochschule für Wirtschaft
und Politik (HWP). Sie nahm dabei zwei Wortführer in Gewahrsam.
Bei dem Versuch mehrerer Demonstranten, die beiden gewaltsam zu
befreien, wurde den Angaben zufolge ein Polizist verletzt.
In Wiesbaden protestierten knapp 800 Studenten der Fachhochschule mit
einem Zug durch die Innenstadt gegen die Kürzung des hessischen
Hochschuletats um 30 Millionen Euro sowie die Einführung von
Studiengebühren für Langzeitstudenten. Nach Angaben der
Polizei gab es keine größeren Zwischenfälle.
In Kassel zogen 300 Studenten zur CDU-Zentrale. Auch mit Vorlesungen in
der Straßenbahn, dem Verteilen von
«Studienplätzchen» und dem Putzen von Autoscheiben
sollte auf die desolaten Studienbedingungen hingewiesen werden. An der
Universität Gießen wurden Vorlesungen seit Montag
boykottiert, in Marburg bereits seit 20 Tagen. Für Donnerstagabend
war eine Lichterkette durch Marburg geplant, am Samstag eine
Demonstration. Der Asta Marburg kündigte für Dezember
einzelne Aktionstage an, Schwerpunkt solle vor allem der 15. bis 17.
Dezember sein, wenn der Landtag über die Studiengebühren
entscheiden will.
Im Audimax der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität
hielten Professoren aller Hochschulen im Rahmen einer Aktionswoche in
der Nacht zum Donnerstag Vorlesungen, wie die Fachschaften mitteilten.
Noch deutlich nach Mitternacht hätten rund 1.000 Studierende
teilgenommen. Tagsüber sollten Vorlesungen in der
Fußgängerzone stattfinden, am Abend sollte die Protestwoche
schließlich mit einer Lichterkette enden. Bayern plant die
Einführung von allgemeinen Studiengebühren und massive
Kürzungen.
Der Sprecher des Freien Zusammenschlusses von Studentenschaften, Sascha
Vogt, warnte im Deutschlandradio vor den Folgen eines Vorziehens der
Steuerreform. «Letztendlich werden die Hochschulen zum
großen Teil durch die Länder finanziert. Das heißt,
wenn diese Steuerreform vorgezogen wird, werden die Hochschulen noch
weniger Geld bekommen können.» Damit werde sich die
Situation an den Hochschulen weiter zuspitzen, da sie schon jetzt
unterfinanziert seien. Für neue Einnahmen schlug Vogt die
Einführung der Vermögensteuer vor.
(Quellen: ap, afp)
Immer mehr Studenten, Professoren und Unis beteiligen sich an den
Protesten gegen Kürzungen
Erste Erfolge gibt es in Bayern. Ein bundesweiter Aktionstag ist
geplan...
Mehr in der "tageszeitung" vom 28.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/28/a0070.nf/text
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Stellvertretender CDU-Vorsitzender Rüttgers fordert private
Zusatz-Rente als Pflicht
Fr.28.11.03 - Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers will die
private Renten-Zusatzversicherung zur Pflicht machen. Dies werde die
nordrhein-westfälische CDU beim am Montag beginnenden
Bundesparteitag in Leipzig als Ergänzung zum Herzog-Konzept
beantragen, sagte Rüttgers der "Financial Times Deutschland".
"Ohne Zusatzvorsorge droht bei einem Rentenniveau von nur noch 37
Prozent, das wir in einigen Jahren haben werden, vielen Menschen
Altersarmut", betonte Rüttgers.
Es sei klug, bei der solidarischen Grundabsicherung in den
Sozialsystemen zu bleiben, sagte Rüttgers. Er hoffe, dass er
für die obligatorische Zusatzversicherung beim Parteitag eine
Mehrheit bekomme. "Ob schon alle in der Partei den Mut haben, das offen
auszusprechen, weiß ich nicht. Aber die obligatorische
Zusatzversicherung wird so oder so kommen".
Der nordrhein-westfälische CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende
wandte sich gegen Vorwürfe aus der CSU und Teilen der CDU, mit dem
Herzog-Konzept würde die CDU ihr soziales Gewissen verlieren. Das
sei Unsinn. "Unsozial ist, wer jetzt für den Status quo
plädiert". Die CSU müsse nach der CDU ihr eigenes Konzept
vorlegen. Er sei sicher, dass sich dann im Januar ein Kompromiss finden
lasse.
Der Leitantrag zur Umsetzung der Vorschläge der Herzog-Kommission
steht im Mittelpunkt des Parteitages. Die CDU will an der
Umlagefinanzierung der Rente festhalten, aber das faktische
Renteneintrittsalter erhöhen. Die private Vorsorge soll ausgebaut
werden. Der NRW-Antrag würde das Konzept ausweiten.
(Quelle: afp)
DIHK-Präsident Braun für radikaen Rückbau der
Bundesanstalt für Arbeit
Fr.28.11.03 - Die in der Kritik stehende Bundesanstalt für Arbeit (BA) sollte
nach Ansicht des DIHK-Präsidenten Ludwig Georg Braun
zurechtgestutzt und auf die Arbeitslosenversicherung konzentriert
werden. Alle anderen Aufgaben der Bundesanstalt wie Arbeitsvermittlung,
Weiterbildung oder Arbeitsbeschaffung sollten im Wettbewerb mit
privaten Anbietern vergeben werden, forderte der Präsident des
Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im Gespräch mit
der "Financial Times Deutschland".
Braun verteidigte den BA-Vorstandschef Florian Gerster in der aktuellen
Affäre um den Millionenauftrag an die PR-Firma WMP, ließ
aber Zweifel erkennen, ob die Bundesanstalt in ihrer heutigen Form
überhaupt reformierbar sei.
"Ich glaube, am besten würde der Bundesanstalt für Arbeit
geholfen, wenn man sie wirklich zu dem und auf das
zurückführt, was sie eigentlich ist oder ursprünglich
war: eine Art Versicherungsinstrument im Falle der Arbeitslosigkeit",
sagte Braun. Der Bundesanstalt seien zu viele Aufgaben aufgebürdet
worden. Die gleichberechtigte Führung durch Staat, Arbeitgeber und
Gewerkschaften könne bei diesen Zusatzaufgaben nicht
funktionieren. Deshalb müsse sich die BA auf die
Arbeitslosenversicherung konzentrieren. Weiteren Aufgaben könne
die BA gegen Bezahlung übernehmen, wenn sie sich im Wettbewerb
gegen andere Anbieter durchsetze.
In diesem Wettbewerb habe die BA gute Chancen, sagte Braun. Bei vielen
Mitarbeitern sei hohe Kompetenz und Kenntnis der Märkte vorhanden.
Bestehende Angebote privater Vermittler bewertete Braun positiv: "Es
wäre töricht, wenn man diese Konkurrenz nicht verstärken
würde".
(Quelle: afp)
Wissenschaftler stellen das Fundament des Tarifrechts in Frage
Gewerkschaften und Arbeitgeber hätten die Tarifautonomie zur
Bildung von Kartellen genutzt, um ihre Interessen durchzusetzen
+++ Gewerkschaften regieren empört +++
Bundeswirtschaftsminister Clement lehnt den Vorstoß der
Wissenschaftler umgehend ab und bekennt sich zur Tarifautonomie und zum
Flächentarifvertrag
Fr.28.11.03 - Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium hat die
Fundamente des Tarifrechts in Frage gestellt und damit den Zorn der
Gewerkschaften auf sich gezogen. Die Experten plädierten in einem
am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Gutachten für das
faktische Ende der Flächentarifverträge und der
Tarifautonomie. Minister Wolfgang Clement (SPD) lehnte den
Vorstoß umgehend ab.
Zudem forderten die Wissenschaftler mehr Freiräume für
Löhne unter Tarif in krisengebeutelten Unternehmen. «Streiks
kann man als überholte Form des Tarifstreits ansehen»,
hieß es in ihrer Studie. Das deutsche Tarifrecht sei nicht
Ursache für die hohe Arbeitslosigkeit, müsse aber
stärker auf die Lage der Betriebe und den Erhalt von Jobs
ausgerichtet werden. Angesichts von vier Millionen registrierten und
weiteren zwei Millionen verdeckten Arbeitslosen sei es Zeit für
eine Reform.
«Der Beirat ist frei und unabhängig in der Wahl seiner
Themen», betonte Clement. Der Flächentarifvertrag und die
Tarifautonomie stünden aber nicht zur Disposition. Eingriffe des
Gesetzgebers in Tarifangelegenheiten kämen nicht in Frage. Es sei
allein Sache der Gewerkschaften und der Arbeitgeber über
Lohnsteigerungen und über Ausnahmen in wirtschaftlich
angeschlagenen Firmen zu entscheiden.
Die Gewerkschaften regierten empört auf das Votum des Beirates und
brandmarkten es als «marktradikales Glaubensbekenntnis».
DGB-Chef Michael Sommer begrüßte das klare Bekenntnis des
Bundeswirtschaftsministers zur Tarifautonomie und zum
Flächentarifvertrag. Sommer kritisierte, dass die Wissenschaftler
verfassungsrechtliche Bedenken vom Tisch wischten.
«Die Tarifautonomie heutiger Ausprägung ist nicht
unantastbar», betonten der Beirat. Als sie erstritten worden sei,
«ging es um den Schutz der Schwachen. Das sind jetzt vor allem
die Arbeitslosen und die von Arbeitslosigkeit Bedrohten.»
Gewerkschaften und Arbeitgeber hätten die Tarifautonomie zur
Bildung von Kartellen genutzt, um ihre Interessen durchzusetzen. Ihre
Vereinbarungen gingen in der Regel zu Lasten der Arbeitslosen sowie des
Staates und damit letztlich der Steuerzahler.
Die Wissenschaftler forderten - wie die Union - den Gesetzgeber auf,
mehr Raum für betriebliche Bündnisse zu geben. Die
Entscheidung über die spezielle Vereinbarung dürfe aber nicht
den Tarifparteien obliegen, sondern müsse Sache aller
Beschäftigten des Betriebes sein. Die Experten schlugen eine
Mindestzustimmung von 50 Prozent vor.
Clement sagte, selbst wenn man den Beirat in seiner Aussage zustimme,
dass «das dichte Netz geregelter Arbeitsbeziehungen nicht immer
so flexibel und differenziert ist, wie das für eine komplexe
Volkswirtschaft im internationalen Wettbewerb sein muss», komme
ein Eingriff in die Tarifautonomie nicht in Frage.
Der Beiratsvorsitzende Wernhard Möschel sagte, er wisse, dass das
Thema ein «heißes Eisen» sei, wie auch die prompte
Reaktion Clements zeige. Jedoch müsse «das Problem an den
Hörnern gepackt werden». Das Thema des Gutachtens sei vor
einem Jahr ausgewählt worden, Clement habe nicht darauf eingewirkt.
(Quelle: ap)
Ein weiterer Bericht zum Thema unter:
http://www.taz.de/pt/2003/11/28/a0077.nf/text
Deutschland muss wieder an die Spitze kommen!
Deutschland muss wieder an die Spitze kommen!
Das sind so die Losungen, die stereotyp wiederholt werden. Aber sie
stimmen nicht, sind eine mutwillige Täuschung der
Bevölkerung, die über den Tisch gezogen wird. Es wird ein
düsteres Bild gemalt nach der Methode der Höllenprediger, ein
Drohgemälde wird an die Wand geworfen, damit die Leute zittern und
alles mit sich machen lassen."...
...sagt Prof. Hengsbach in einem Interview mit dem 'Stern'.
Mehr unter:
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/magazin/index.html?
id=515796&:nv=ct_cb
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Grüne streiten über Einführung einer Vermögenssteuer
Fr.28.11.03 - Die Grünen beginnen heute ihren Parteitag in Dresden. Im Vorfeld
ist eine Kontroverse über die Wiedereinführung der
Vermögensteuer ausgebrochen. Finanzexpertin Christine Scheel
wandte sich gegen die Forderung der Parteilinken nach einer Steuer auf
Betriebsvermögen. Der Vorschlag von Fraktionsvize Hans-Christian
Ströbele sieht neben einer vom Vorstand begrüßten
«Millionärssteuer» auf Privatvermögen auch eine
einprozentige Steuer auf Betriebsvermögen ab einer Million Euro
vor.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Die Vermögensteuer ist doch nicht viel mehr als ein Feigenblatt
Die Grünen können nur etwas bewegen, wenn die sozialen
Bewegungen sie unterstützen. Das ist derzeit nicht der Fall...
Mehr in der "tageszeitung" vom 28.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/28/a0164.nf/text
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Union will im Bundesrat Rentengesetz und Haushalt ablehnen
Fr.28.11.03 - Die Unions-Ministerpräsidenten wollen im Bundesrat in den
kommenden Wochen gegenüber der rot-grünen Bundesregierung
Härte zeigen. Bei ihrem Treffen mit CDU-Chefin Angela Merkel
verständigten sich die Regierungschefs am frühen
Freitagmorgen darauf, in der Länderkammer sowohl den
Bundeshaushalt 2004 als auch die Rentenpläne der Bundesregierung
abzulehnen.
Im Hinblick auf das Vorziehen der Steuerreform wollen sie an ihrer
harten Linie festhalten, hieß es nach der Sitzung. Nach der
Verständigung wollen die unionsgeführten Länder bereits
an diesem Freitag gegen den zustimmungsfreien Teil der Rentengesetze
Einspruch einlegen, den der Bundestag dann nur mit der Kanzlermehrheit
zurückweisen könnte.
Dies betrifft zum Beispiel die Nullrunde für Rentner im kommenden
Jahr. Auch den zustimmungspflichtigen Teil wollen sie stoppen. Dabei
geht es um die Verschiebung des Auszahlungstermins auf das Monatsende.
Damit würden in der Rentenkassen im kommenden Jahr neue
Löcher gerissen werden.
Nach dem Willen der Ministerpräsidenten soll der Bundeshaushalt
2004 dann in der Bundesratssitzung am 19. Dezember gestoppt werden.
Nach ihrer Auffassung müsste er nach dem Vermittlungsverfahren
über die Reformgesetze, das zuvor zu Ende gehen dürfte,
ohnehin geändert werden. Durch den Einspruch des Bundesrats
müsste der Bund dann mit einer vorläufigen
Haushaltsführung ins kommende Jahr gehen. Sachsen
Ministerpräsident Georg Mildbradt (CDU) meinte, dass aber schon im
Januar ein neuer Haushalt verabschiedet werden könnte.
In der Frage des Vorziehens der Steuerreform bestätigte die Runde
nach Angaben aus Teilnehmerkreisen die bisherige Linie der Union.
Danach würde sie dem Vorziehen nur zustimmen, wenn die notwendige
Neuverschuldung unter 25 Prozent bleibt und gleichzeitig substanzielle
Arbeitsmarktreformen beschlossen würden.
Vor dem Treffen hatte die Mehrheit der Ministerpräsidenten die
Chancen für eine Einigung über das Vorziehen der Steuerreform
schwinden sehen. Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber (CSU) sagte,
dass ein Vorziehen der Steuerreform nach dem Streit mit der
EU-Kommission über das deutsche Staatsdefizit «sehr, sehr
fraglich geworden ist».
EU-Finanzkommissar Pedro Solbes habe Recht, wenn er den Abbau der
Schulden in Deutschland fordere. «Der Abbau von Schulden ist die
Mutter aller Reformen.» Stoiber forderte von der Bundesregierung
«endlich konkrete» Gegenfinanzierungsvorschläge.
Auch unter den bisherigen Befürwortern des Vorziehens der
Steuerreform im Unions-Lager scheint die Skepsis gewachsen. Baden-
Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU)
erklärte, dass nach dem Streit mit der EU-Kommission über das
deutsche Staatsdefizit es eher schwieriger geworden sei, das Vorziehen
über Schulden zu finanzieren. Grundlegend sei die Maßnahme
aber noch nicht in Frage gestellt.
(Quelle: dpa)
Bundestag billigt Gesundheits- und Sozialetat in zweiter Lesung
Fr.28.11.03 - Der Bundestag hat den Gesundheits- und Sozialetat 2004 in zweiter
Lesung gegen die Stimmen der Opposition gebilligt. Der mit Abstand
größte Einzelplan des Bundes sieht Ausgaben in Höhe von
rund 83,5 Milliarden Euro vor. Das ist gegenüber den für 2003
erwarteten Ausgaben ein Zuwachs von rund 1,5 Milliarden Euro. Zuvor
hatte Sozialministerin Ulla Schmidt die Sofortmaßnahmen zur
Stabilisierung des Rentenbeitragssatzes verteidigt. Zugleich billigte
der Bundestag auch den Arbeits- und Wirtschaftsetat.
(Quelle: dpa)
Milliardenausfälle wegen Maut-Panne belasten Verkehrsetat
Fr.28.11.03 - Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe hat sich wegen möglicher
Milliardenausfälle durch die Panne bei der Maut schwere
Vorwürfe von der Opposition anhören müssen. Politiker
von Union und FDP warfen ihm am Donnerstag im Bundestag vor, er habe
sein Versprechen gebrochen, trotz der Mautpannen keine Verkehrsprojekte
zu streichen oder zu verschieben. Sie berichteten von einer Liste, die
bei mehreren großen Straßen- und Schienenvorhaben sowie bei
Wasserstraßenausbauten einen Stopp vorsieht.
Zugleich stieg der Druck auf die Bundesregierung, deswegen die
Lkw-Vignette wieder einzuführen. Bahnchef Hartmut Mehdorn
verlangte eine Garantie für Staatszuschüsse.
CSU-Generalsekretär Markus Söder forderte die Einführung
einer Lkw-Vignette zum 1. Januar: «Wir können nicht Monat
für Monat auf 156 Millionen Euro verzichten, die dann für
Verkehrsprojekte fehlen», sagte Söder der «Passauer
Neuen Presse».
Der Grünen-Abgeordnete Albert Schmidt sprach von 2,1 Milliarden
Euro Mindereinnahmen, falls die Maut bis Ende 2004 nicht erhoben werden
könne. Dafür seien die Mutterkonzerne von Toll Collect (TC),
DaimlerChrysler und Telekom, haftbar zu machen, verlangte er. Stolpe
solle die «rote Karte ziehen», wenn TC sich bis zum
Kündigungstermin 15. Dezember weiter außer Stande sehe, ein
funktionsfähiges Mautsystem zu präsentieren. Das Verhalten
von TC «grenzt für mich an Betrug», sagte Schmidt.
Die Bundesregierung will Mitte Dezember eine Entscheidung über
eine mögliche Wiedereinführung der Vignette fällen. Sie
war zum 31. August gekündigt worden, dem zunächst geplanten
Termin der Mauteinführung. Am 15. Dezember können die
Verträge mit TC erstmals gekündigt werden. Bisher war von der
Wiedereinführung der Vignette wegen der langen Vorlauffristen von
mindestens sechs Monaten bis zur Einführung und weiteren sechs
Monaten bis zur neuerlichen Kündigung flach gehalten. Die Fristen
sind EU-weit festgelegt und sollen den Lkw-Unternehmen
Planungssicherheit geben.
Der FDP-Abgeordnete Horst Friedrich kritisierte einen nach seinen
Worten beabsichtigten Stopp beim Lückenschluss der A 6 in der
Oberpfalz, sein CSU-Kollege Eduard Oswald nannte den Bau der
Schnellbahnstrecke zwischen Nürnberg und Erfurt, die die
Verbindung München-Berlin beschleunigen soll.
Sowohl die «Nürnberger Zeitung» als auch die
«Financial Times Deutschland» berichteten von einer
Streichliste im Verkehrsetat von 2004 von 513 Millionen Euro. Mehdorn
forderte in der «FTD» auch im Hinblick auf einen
Börsengang eine Garantie für Staatszuschüsse, die in
einem Gesetz verankert werden könne.
BDI-Präsident Michael Rogowski unterstützte Stolpe in dem
Bemühen, der Verkehrsinfrastruktur-Finanzierungsgesellschaft
(VIFG) die Aufnahme von Krediten zu erlauben. Die VIFG ist bisher nur
dazu etabliert worden, die Mauteinnahmen einzusammeln und zu verteilen.
Dagegen wandte sich Schmidt. Es gehe nicht an, dass die Bauindustrie
wegen des Versagens der Wirtschaft bei der Maut einfach einen neuen
Scheck von der Bundesregierung fordere. Rogowski sagte jedoch, es
müsse gerade angesichts der EU-Osterweiterung «alles getan
werden, um den Verkehrsetat vor Kürzungen zu bewahren». Der
SPD-Abgeordnete Reinhard Weis sprach sich dagegen dafür aus, die
Möglichkeit wenigstens zu prüfen.
(Quelle: ap)
Bessere Förderung für Photovoltaik beschlossen
Fr.28.11.03 - Der Bundestag hat eine bessere Förderung von Ökostrom aus
Sonnenenergie beschlossen. Mit den Stimmen von SPD, Grünen und
Union erhöhte das Parlament am Donnerstagabend die im Erneuerbare
Energien Gesetz (EEG) geregelte Vergütung für Strom aus
Photovoltaikanlagen.
Hintergrund ist das Auslaufen des so genannten
100.000-Dächer-Programms, mit dem Photovoltaik bisher
zusätzlich gefördert wurde. Weil diese Unterstützung
wegfällt, wurden die Vergütungssätze für
Solar-Strom erhöht. Damit soll vermieden werden, dass der Markt
für solche Anlagen zusammenbricht.
Strom aus Sonnenstrahlung soll nun mit mindestens 45,7 Cent pro
Kilowattstunde vergütet werden. Für Anlagen auf Gebäuden
oder Lärmschutzwänden gibt es einen Aufschlag von 9,3 bis
11,7 Cent pro Kilowattstunde.
Die entsprechende Änderung des Erneuerbare Energien Gesetzes ist
nur eine Eilmaßnahme, bevor das Gesetz demnächst
gründlich überholt wird. Dabei soll unter anderem die
Förderung der Windkraft gestutzt werden.
(Quelle: ap)
Parteien verurteilen Antisemitismus
Fr.28.11.03 - Nach der Affäre um den CDU-Abgeordneten Martin Hohmann haben sich
alle Bundestagsfraktionen auf eine entschiedene Ablehnung des
Antisemitismus verständigt. «Der Deutsche Bundestag
verurteilt jede Form des Antisemitismus. Antisemitisches Denken, Reden
und Handeln haben keinen Platz in Deutschland», heißt es in
einem Antrag des Innenausschusses. Der Bundestag befasst sich am 11.
Dezember in einer Grundsatzdebatte mit dem Thema. Hohmann wurde nach
antisemitischen Äußerungen aus der Unionsfraktion
ausgeschlossen.
(Quelle: dpa)
Der Bundestag beschließt eine Erklärung gegen den
Antisemitismus, aber greift damit zu kurz, um der von Martin Hohmann
geschürten Stimmung wirklich etwas entgegen setzen zu
können...
Mehr bei telepolis (29.10.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16204/1.html
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Hohmann will angeblich gegen CDU-Ausschluss klagen
Fr.28.11.03 - Der umstrittene Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann will angeblich
gerichtlich gegen seinen Ausschluss aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
vorgehen. Sein Anwalt bereite eine Klageschrift vor, berichtet die
Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf das Umfeld des Abgeordneten.
Der Unionsfraktion sei die Klageschrift bisher nicht bekannt, sagte
eine Sprecherin dem Blatt.
Die Unionsfraktion hatte den Fuldaer Parlamentarier Mitte November
wegen seiner als antisemitisch kritisierten Rede am 3. Oktober aus
ihren Reihen ausgeschlossen. Vergangene Woche leitete die hessische CDU
das Verfahren zu seinem Ausschluss aus der Partei ein. Hohmann war
massiv in die Kritik geraten, weil er in seiner Rede zum Tag der
Deutschen Einheit mit dem Titel "Gerechtigkeit für Deutschland"
die Juden mit dem Begriff "Tätervolk" in Verbindung gebracht hatte.
(Quelle: afp)
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
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