Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Armee im Irak in schwere Gefechte verwickelt. US-Truppen töten
46 Angreifer im Norden Iraks +++ Aufständische in Irak töten
am Wochenende mindestens 14 Ausländer +++ Irakischer Regierungsrat
fordert Mitspracherecht der Bevölkerung +++ Japaner lehnen
Truppenentsendung nach Irak mehrheitlich ab
Mo.01.12.03 - Beim schwersten Gefecht seit dem offiziellen Ende der
Hauptkampfhandlungen haben US-Truppen in Nordirak mindestens 46 Iraker
getötet. Die Streitkräfte wehrten nach eigenen Angaben
Angriffe auf zwei US-Konvois ab, die im Osten und Westen der Stadt
Samarra gleichzeitig mit Bomben und Granaten beschossen wurden. Die
Angreifer hätten eine Straßensperre errichtet und von den
Dächern aus das Feuer eröffnet. Bei Angriffen auf
Verbündete der USA wurden am Wochenende sieben Spanier, zwei
Japaner, zwei Koreaner und ein Kolumbianer getötet.
Bei den Gefechten in Samarra wurden nach Angaben eines
Militärspechers mindestens 18 Iraker verletzt und weitere acht
gefangen genommen. Auch fünf amerikanische Soldaten und ein
Zivilist seien verletzt worden. Viele der getöteten Iraker trugen
den Angaben zufolge Uniformen der Fedajin, einer Elitetruppe des
gestürzten Staatschefs Saddam Hussein.
Etwa ein Stunde später wurde ein weiterer Konvoi der US-Truppen
von vier Männern mit automatischen Waffen angegriffen, wie der
Sprecher weiter mitteilte. Die Soldaten hätten
zurückgeschossen und alle vier verletzt. Samarra liegt etwa 100
Kilometer nördlich von Bagdad im so genannten sunnitischen
Dreieck, in dem die alliierten Truppen bisher auf den
größten Widerstand stießen.
Bei den getöteten Spaniern handelte es sich um
Geheimdienstmitarbeiter. Sie waren nach Augenzeugenberichten rund 50
Kilometer südlich von Bagdad in Zivilfahrzeugen unterwegs, als sie
aus einem hinter ihnen fahrenden Wagen beschossen wurden. Auf
Fernsehbildern war zu sehen, wie Jugendliche auf die Leichen am
Straßenrand eintraten. Ein achter Geheimdienstmitarbeiter entkam
unverletzt. Insgesamt wurden bislang zehn Spanier in Irak getötet.
Die Regierung in Madrid betonte, sie werde an ihrem Einsatz festhalten.
Spanien gehört zu den engsten Verbündeten der USA und hat
1.300 Soldaten in Irak stationiert. US-Präsident George W. Bush
sprach dem spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar
telefonisch sein Beileid aus. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder
kondolierte.
Auf der Straße von Tikrit nach Bagdad wurden zwei japanische
Diplomaten erschossen. Auch ihr irakischer Fahrer soll bei dem Angriff
ums Leben gekommen sein. Die Diplomaten wollten an einer Konferenz zum
Wiederaufbau Iraks teilnehmen.
Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi erklärte,
sein Land werde sich dem Terror nicht beugen und Irak weiter beim
Wiederaufbau unterstützen. In Japan wird derzeit heftig über
die Entsendung von rund 1.000 Soldaten gestritten, die sich nicht an
Kampfeinsätzen beteiligen sollen.
Die beiden Südkoreaner wurden ebenfalls auf der Straße
zwischen Bagdad und Tikrit erschossen, wie das Außenministerium
in Seoul mitteilte. Sie hätten in der Heimatstadt des
gestürzten Staatschefs Saddam Hussein elektrische Leitungen
verlegen sollen. In derselben Gegend wurde auch der Kolumbianer Opfer
eines Angriffs. Er arbeitete als Zivilist für die alliierten
Streitkräfte.
Die jüngsten beiden Opfer unter den US-Soldaten wurden nach
Militärangaben bei einem Angriff auf ihren Konvoi nahe der
syrischen Grenze getötet. Im November sind damit 79 US-Soldaten in
Irak ums Leben gekommen. Insgesamt verloren die Koalitionstruppen im
November 104 Soldaten - mehr als in jedem anderen Monat seit Beginn des
Irak-Kriegs.
Die von den USA vorgeschlagene Methode zur Bildung einer irakischen
Übergangsregierung stößt im derzeit amtierenden
Regierungsrat auf Widerstand. Das Gremium beschloss am Sonntag,
Alternativen zu dem von den USA geplanten Wahlmodus zu suchen, sagte
ein Mitarbeiter von Regierungsrat-Mitglied Abdel Asis el Hakim.
Erst vor zwei Wochen hatte der Regierungsrat, der von den USA
eingesetzt wurde, die Pläne Washingtons gebilligt. Demnach sollten
regionale Wahlkomitees Delegierte an eine Nationalversammlung entsenden,
die dann wiederum die Mitglieder der Übergangsregierung
wählen sollte. Insbesondere die Schiiten drängen jedoch auf
die Durchführung allgemeiner Wahlen.
Der irakische Regierungsrat hat sich am Sonntag für ein
Mitspracherecht der Bevölkerung bei der von den USA geplanten
Machtübergabe ausgesprochen. Das Gremium habe "einstimmig die
Entscheidung getroffen, auf die Iraker zuzugehen und sich mit ihnen zu
beraten", sagte Ratsmitglied Abdel Asis el Hakim dem arabischen
Fernsehsender El Dschasira. Dies bedeute aber nicht zwangsläufig,
dass die Interimsregierung im kommenden Jahr direkt vom Volk
gewählt wird. Eine Wahl sei die "beste Methode", allerdings seien
auch andere Möglichkeiten denkbar, wie das Volk "seinen Willen
ausdrücken kann". Die Schwierigkeit bei einer allgemeinen Wahl
sei, dass es keine genaue Bevölkerungsstatistik oder
Wählerlisten gebe, hieß es.
Nach dem gewaltsamen Tod von zwei japanischen Diplomaten in Irak haben
sich nur neun Prozent der Japaner für eine Entsendung von Truppen
in das von Aufständen erschütterte Land ausgesprochen. 43
Prozent der Befragten sprachen sich in einer Umfrage unabhängig
von der Sicherheitslage gegen den Einsatz japanischer Soldaten in Irak
aus, wie die Tageszeitung "Mainichi Shimbun" am Montag berichtete. 40
Prozent befürworteten demnach eine Truppenentsendung, wenn die
Lage vor Ort sicherer geworden sei. 79 Prozent waren der Meinung,
japanische Soldaten würden nach ihrer Entsendung in Irak Ziele von
Angriffen werden.
(Quellen: ap, afp)
100 Guantanamo-Häftlinge sollen Lager verlassen
Mo.01.12.03 - Mehr als 100 der auf dem US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba
festgehaltenen Verdächtigen sollen offenbar bis Januar
freigelassen oder verlegt werden. Aus US-Militärkreisen verlautete
am Sonntag, eine erste Gruppe werde Guantanamo Ende Dezember verlassen,
eine zweite im Januar. Ob die Verdächtigen in andere Haftanstakten
gebracht werden oder den Strafverfolgungsbehörden in ihren
Heimatländern übergeben werden sollten, wollte der
Gewährsmann nicht sagen.
Er erklärte, auch drei Jungen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren
würden im Januar aus Guantanamo weggebracht. Der für den
Stützpunkt verantwortliche amerikanische Generalmajor Geoffrey
Miller hatte sich bereits im August für einen Transfer der Jungen
eingesetzt. Seine Empfehlung war an das Pentagon weitergeleitet worden.
Die Jungen leben in Guantanamo getrennt von den anderen
Häftlingen. Der Gewährsmann sagte, einer von ihnen habe
während einer amerikanischen Militäroperation in Afghanistan
möglicherweise einen US-Soldaten getötet.
Die USA und Großbritannien stehen unterdessen nach Angaben eines
Rechtsanwalts kurz vor einer Einigung über die Rückkehr von
neun in Guantanamo festgehaltenen Briten in ihre Heimat. Clive Stafford
Smith sagte in der Sonntagsausgabe der Zeitung «The
Observer», zwei der Festgehaltenen würden vermutlich noch
vor Weihnachten ohne Anklage freigelassen, die sieben anderen
würden sich schuldig bekennen und müssten dann ihre Strafe in
Großbritannien verbüßen.
Die Einigung laufe vermutlich darauf hinaus, dass sich die sieben
Briten in einigen «unsinnigen Anklagepunkten schuldig bekennen
müssen», sagte Stafford der Zeitung. Gegen die beiden
anderen «liegt einfach nichts vor». Das britische
Außenministerium lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht
zunächst ab.
In Guantanamo werden seit Beginn des Afghanistan-Kriegs vor zwei Jahren
ohne Anklage und ohne einen Rechtsbeistand 660 Menschen gefangen
gehalten. Sie werden von den USA verdächtigt, Taliban- oder
El-Kaida-Mitglieder zu sein. Bisher wurden 88 freigelassen.
Einer der führenden Juristen in Großbritannien hatte in der
vergangenen Woche die Inhaftierungen auf dem US-Stützpunkt als
rechtswidrig verurteilt. Lordrichter Steyn sagte, das Lager an der
Ostspitze Kubas verfolge die einzige Absicht, den Häftlinge
jeglichen Schutz des Rechtsstaates zu nehmen und sie «der Gnade
der Sieger» auszuliefern.
(Quelle: ap)
US-Militärjuristen prangern Umgang mit Gefangenen auf Guantanamo an
Admiral Don Guter, der als oberster Jurist der Navy Dienst getan hatte,
bis er letztes Jahr in Pension ging, hat sich mit seinem
Vorgänger, Admiral John Hutson, und einem Rechtsexperten der
US-Army für Gefangenenfragen, Exgeneral David Brahms,
zusammengetan, um die Bush-Regierung wegen der Gefangenenbehandlung auf
Guantanamo zum Umdenken zu zwingen. Zwar wird das Trio nicht müde
zu unterstreichen, daß in Kriegszeiten besondere
Sicherheitsanforderungen gelten. Aber noch mehr sind die drei
darüber besorgt, daß das Beispiel Guantanamo – insbesondere
lange Haft ohne Anklage, Anhörung oder Verteidigung –
Rechtsgrundlagen unterhöhlt und in Zukunft den
US-Streitkräften schweren Schaden zufügen wird.
»Für mich ist es eine Frage der Balance zwischen den
Sicherheitserfordernissen und einem fairen Gerichtsverfahren, und ich
denke, wir haben diese Balance verloren«, sagte Guter. Guter,
Hutson und Brahms befürchten, daß Guantanamo die 200 Jahre
alte Tradition der USA zur Kodifizierung und zum Schutz der Rechte der
Gefangenen umwirft. »Blinde Loyalität ist
gefährlich«, sagte Admiral Guter am Samstag in einem
Interview und unterstrich: »Wir haben geschworen, die Verfassung
zu schützen, nicht den Präsidenten oder den
Verteidigungsminister. Unsere Loyalität gehört dem
System«.
Quelle: "junge Welt" vom 01.12.03:
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/12-01/005.php
Blick ins Archiv
Britischer Richter kritisiert USA wegen Guantánamo
Vorgehensweise in dem US-Gefangenenlager auf Kuba sei ein
'monströser Verstoß gegen das Rechtswesen'
Mi.26.11.03 - Wegen ihrer Gefangenenpolitik in Guantánamo hat der
dritthöchste britische Richter die Vereinigten Staaten scharf
kritisiert. Er betrachte die Vorgehensweise der USA in diesem Fall "als
einen monströsen Verstoß gegen das Rechtswesen", zitierte
der britische Nachrichtensender Channel 4 aus einer Rede von Lord Johan
Steyn in London...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311260.htm#03112603
Blick ins Archiv
Rechtsanwalt wirft USA Folter von Guantanamo-Gefangenen vor +++ USA
verschärfen Auflagen für Berichterstattung über
Guantanamo
Mi.08.10.03 - Ein australischer Rechtsanwalt hat die US-Streitkräfte heute
(Mittwoch) der Folterung von Gefangenen in Guantanamo Bay beschuldigt.
Der in den USA tätige Anwalt Richard Bourke berief sich auf
Aussagen entlassener Häftlinge und Berichte von Angehörigen
der Streitkräfte. Die Foltermethoden erinnerten ans finstere
Mittelalter, sagte er in einem Interview mit dem australischen Rundfunk
ABC. Bourke vertritt seit zweieinhalb Jahren die Belange von mehreren
Dutzend Terrorverdächtigen in Guantanamo...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310080.htm#03100801
IKRK kritisiert USA wegen Haftbedingungen auf Guantanamo
Gefangene sind auf unbestimmte Zeit ohne Anklageerhebung festhalten +++
Kein Zugang zu Anwälten und kein Einspruchsmöglichkeite gegen
Inhaftierung +++ Viele Gefangene sind in schlechter psychischer
Verfassung +++ US-Regierungssprecher: Häflinge werden human
behandelt
Sa.11.10.03 - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat die
Haftbedingungen der auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Guantanamo auf
Kuba festgehaltenen Terrorverdächtigen kritisiert. Viele
Inhaftierte seien wegen der Unsicherheit über ihr Schicksal in
schlechter psychischer Verfassung, sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal
am Freitag zum Abschluss eines zweimonatigen Besuchs einer Delegation
des Roten Kreuzes in Guantanamo. Die US-Regierung wies die Kritik
zurück....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310110.htm#03101102
US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay - Auf ihrer Basis im Südosten Kubas halten die USA etwa 660
vermeintliche Terroristen gefangen - ohne Aussicht auf Prozess oder
Freilassung. Die wenigsten dürften Taliban- oder
Al-Qaida-Führer sein. Mit ihnen zu sprechen ist nicht gestattet.
Aber ihre Gesichter drücken Wut und Verzweiflung aus. In den
letzten 18 Monaten hat es im Lager 32 Selbstmordversuche gegeben...
Mehr in der "tageszeitung" vom 11.10.03:
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0146.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0141.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0140.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0143.nf/text
Zwangsrekrutiert und als Terroristen verkauft - Nach dem
Afghanistankrieg suchten sich die US-Militärs mit Hilfe
fragwürdiger Alliierter ihre Gefangenen für Guantánamo
Bay aus...
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/11/a0148.nf/text
Viele Guantanamo-Gefangene offenbar ohne El-Kaida-Kontakte
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0212250.htm#guantanamo
Anwälte fordern mehr Rechte für Häftlinge in Guantanamo
Die Bush-Regierung bemüht sich , die Grenze zwischen Kriegs-und Strafrecht aufzulösen. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-muenchen/
k0212050.htm#guantanamo
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Zahlreiche Städte begehen weltweit den 'Tag gegen Todesstrafe'
Mo.01.12.03 - Mehr als hundert Städte weltweit haben auf Anregung der
katholischen Sant'Egidio-Gemeinschaft in Italien einen "Tag für
das Leben und gegen die Todesstrafe" begangen. In einem in Rom
veröffentlichten Appell mehrerer Friedensnobelpreisträger
hieß es, "die Todesstrafe erniedrigt die Exekutierten und die
Staaten, die exekutieren". Unterzeichnet war der Aufruf unter anderem
vom Dalai Lama und vom früheren sowjetischen Staats- und
Parteichef Michail Gorbatschow. Beim Angelus-Gebet im Petersdom lobte
Papst Johannes Paul II. die Initiative.
Nach Angaben des Sprechers Francesco Dante wurden in den 111
Teilnehmerstädten symbolische Denkmäler gegen die Todesstrafe
enthüllt. Erstmals zählte die japanische Hauptstadt Tokio zu
den Teilnehmern. Ende 2002 saßen in Japans Gefängnissen 110
zum Tode Verurteilte ein. Unter anderem nahmen auch Brüssel,
Stockholm, Santiago de Chile, Dallas und Bogotà teil.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Dutzende Festnahmen von Hamas-Aktivisten bei israelischer Razzia +++
US-Gesandter mahnt Israel zum Abriss 'wilder Siedlungen' +++ Scharon:
Kein Baustopp an Sperranlage als Gesprächsbedingung +++
Militärspitze kritisiert erneut Scharon wegen seiner
Palästinenserpolitik
Mo.01.12.03 - Israels Armee ist mit Spezialeinheiten in die Stadt Ramallah im
Westjordanland eingedrungen. Soldaten nahmen nach Angaben des
israelischen Rundfunks Dutzende Männer fest, die der militanten
Hamas-Organisation angehören sollen. Die Hamas-Zelle in Ramallah
soll für die Planung von zwei Selbstmordanschlägen
verantwortlich sein. Dabei waren im September in Jerusalem und
östlich von Tel Aviv 16 Israelis getötet wurden. Während
der Aktion kam es laut Augenzeugen zu Schusswechseln und Explosionen.
Der US-Sondergesandte William Burns hat Israel zum Abriss ungenehmigter
Siedlungen in den Palästinensergebieten aufgefordert. Die
israelische Regierung müsse ihren Verpflichtungen vom
Nahost-Gipfel in Akaba nachkommen und derartige Stützpunkte
jüdischer Siedler auflösen, sagte der Nahostgesandte Burns am
Sonntag nach einem Treffen mit dem israelischen Außenminister
Silvan Schalom in Jerusalem.
Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hat derweil
ausgeschlossen, als Bedingung für Gespräche mit den
Palästinensern den Bau der israelischen Sperranlage zum
Westjordanland zu stoppen.
In einem offiziellen Bericht zur Sitzung des israelischen Kabinetts am
Sonntag wurde Scharon mit den Worten zitiert, es werde keinen Baustopp
oder Abriss des Sperrzauns geben. Israel begründet den Bau des
Sperrzauns mit dem Schutz vor palästinensischen Anschlägen.
Die Palästinenser befürchten, der teilweise auf ihrem Gebiet
verlaufende Zaun nehme die Grenzen eines künftigen
Palästinenser-Staats vorweg. Der palästinensische
Ministerpräsident Ahmed Korei hatte am Samstag gesagt, solange
Israel den Zaun weiterbaue seien Gespräche unnötig.
Ein seit der Regierungsübernahme Koreis erwartete Zusammenkunft
der beiden Regierungschefs sollte die Umsetzung des internationalen
Friedensplans wieder in Gang bringen, die seit Wochen brach liegt.
Der Bau der Anlage wurde von weiten Teilen der internationalen
Gemeinschaft verurteilt, darunter auch von den USA, dem engsten
Verbündeten Israels, der Europäischen Union (EU) und den
Vereinten Nationen (UNO), die zu den Initiatoren des Friedensplans
gehören. Die Anlage besteht aus meterhohen Betonmauern oder
Zäunen, die mit Stacheldraht gesichert sind. Die Verlauf der
Sperranlage orientiert sich nicht immer an der so genannten Grünen
Linie, der Grenze vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967, sondern reicht in
besetztes Gebiet hinein, um jüdische Siedlungen zu umfassen.
Dadurch sind etliche palästinensische Dörfer und Städte
vom Rest des Westjordanlandes abgeschnitten.
Wegen seiner Drohungen gegen die palästinensische Führung ist
der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon erneut in den
Reihen der israelischen Militärspitze in die Kritik geraten.
Mehrere ranghohe Offiziere hätten Kritik an Scharons Ultimatum
gegen den palästinensischen Regierungschef Ahmed Kureia
geübt, berichtete die israeische Tageszeitung "Haaretz" am
Sonntag. Auch Generalstabschef Mosche Jaalon habe in
Privatgesprächen Zweifel an Scharons Drohungen
geäußert. Jaalon und mehrere Offiziere sprächen sich
für die Unterstützung Kureias aus. So setzten sie sich
für einen Abzug Israels aus palästinensischen Dörfern im
Westjordanland ein sowie für die Aufhebung von
Straßensperren und eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den
Autonomiegebieten.
(Quelle: afp, dpa, rtr, ap)
Demonstration in Genf für alternativen Nahost-Friedensplan
Mo.01.12.03 - Rund 400 Demonstranten haben am Sonntag in Genf ihre Unterstützung
für den alternativen Nahost-Friedensplan bekundet. Sie trugen
Blumen in der Hand und spannten als Zeichen der Verbindung zwischen
Israelis und Palästinensern ein Seil über eine
Seebrücke. Der Plan des früheren israelischen Justizministers
Jossi Beilin und des ehemaligen palästinensischen
Informationsministers Jassir Abed Rabbo sollte am (heutigen) Montag in
Genf symbolisch unterzeichnet werden. Rabbo nahm auch an der
Demonstration teil
"Israel-Palästina: zwei Staaten, ein Friede", lautete eines der
Spruchbänder. In einer Erklärung der Organisatoren hieß
es, mit der Genfer Initiative solle die "selbstmörderische
Spirale" der Gewalt in der Region gestoppt werden.
Über den Ablauf der Unterzeichnungszeremonie wurde Stillschweigen
gewahrt. Es wurde jedoch bekannt, dass als einer der prominentesten
Gäste der frühere US-Präsident Jimmy Carter erwartet
wird. Der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela
wird vermutlich per Video zugeschaltet. Als mögliche Gäste
wurden ferner der frühere polnische Präsident Lech Walesa und
der ehemalige Parteichef der gemäßigten nordirischen
Katholiken, John Hume, genannt. Sie alle sind
Friedensnobelpreisträger.
Der alternative Genfer Friedensplan stößt beim radikalen
Flügel von Arafats Fatah-Bewegung sowie bei extremistischen
palästinensischen Organisationen auf starken Widerstand. Auch
Scharon hat ihn als subversiv zurückgewiesen. Das Dokument sieht
unter anderem die Schaffung eines palästinensischen Staates vor,
der 98 Prozent des Westjordanlands und den gesamten Gazastreifen
umfassen soll. Im Gegenzug sollen vertriebene palästinensische
Familien ihre Forderung nach Rückkehr in ihre Heimat auf
israelischem Territorium aufgeben.
(Quelle: ap)
Genfer Abkommen in Palästina umstritten
Zwar nimmt die Fatah heute nun doch an der Zeremonie in Genf teil, aber
die Kritik am Abkommen, das die israelische Regierung scharf ablehnt,
nimmt auch unter Palästinensern zu
Mit einer großen Zeremonie wird heute in Genf das nach der
schweizerischen Stadt benannte inoffizielle Abkommen zwischen Israelis
und Palästinensern vorgestellt. Zunächst geheim ausgehandelt
von Akteuren beider Seiten, plauderte Mitte Oktober ein israelischer
Teilnehmer aus dem Nähkästchen. Die israelische Regierung
verdammte die Friedensbemühungen sofort in den schärfsten
Tönen. Der Coup klappte. Das Vorhaben ist seither in aller Munde
und heimst internationale Unterstützung im großen Stil ein.
Bei den Organisatoren stapeln sich die Unterstützungsschreiben der
Außenminister aller Länder. Nun wurden die Macher sogar ins
Weiße Haus eingeladen. Präsident Jassir Arafat steht hinter
dem Dokument. Aber die palästinensische Bevölkerung sieht
trotz allem internationalen Jubel die Initiative nüchterner....
Mehr in telepolis vom 01.12.03 unter:
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/16215/1.html
Genfer Abkommen:
http://www.miftah.org/Display.cfm?DocId=2575&CategoryId=7
Blick ins Archiv
Scharon: Genfer Friedensinitiative schadet Israel
Arafat unterstützt Genfer Initiative für Nahostfrieden
Fr.28.11.03 - Der israelische Regierungschef Ariel Scharon hat die alternative
Friedensinitiative für den Nahen Osten scharf kritisiert, die am
Montag in Genf feierlich verabschiedet werden soll. Der von
israelischen und palästinensischen Persönlichkeiten
ausgearbeitete Friedensplan "schadet und blamiert" Israel, sagte
Scharon am Donnerstag vor Journalisten in Tel Aviv....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311280.htm#03112806
Die Mehrheit der Israelis und Palästinenser befürwortet die
Genfer Initiative zur Lösung des Nahost-Konflikts.
Nach einer
gestern in der israelischen Tageszeitung Haaretz veröffentlichten
Umfrage begrüßen 53 Prozent der befragten 610 Israelis und
56 Prozent der befragten Palästinenser den symbolischen Vertrag,
der am 1. Dezember in Genf vorgestellt werden soll und zwei getrennte
Staaten vorsieht.
Quelle: taz, 25.11.03
Vor kurzem wurde das sogenannte 'Genfer Abkommen' publiziert. Dabei
handelt es sich um einen inoffiziellen Friedensvorschlag, ausgehandelt
von früheren israelischen und palästinensischen Offiziellen
...Im 'Genfer Abkommen' wird zur vollständigen (wechselseitigen)
Anerkennung zwischen Israel und dem (künftigen) neuen
Palästinenserstaat aufgerufen - vollwertige diplomatische
Beziehungen inklusive. Anders als berichtet verlangt das Abkommen von
Palästina aber keineswegs, Israel als "jüdischen Staat"
anzuerkennen. Vielmehr soll jeder Staat den andern als "Heimat
('homelands') des jeweils anderen Volkes" anerkennen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311150.htm#031115kd
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Anschläge in Instanbul: Syrien weist 22 Terrorverdächtige in
die Türkei aus
Mo.01.12.03 - Syrien hat im Zusammenhang mit den Selbstmordanschlägen in
Istanbul nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Anatolien 22
Verdächtige an die Türkei ausgeliefert.
Die Festgenommenen sollen Verbindungen zu einem der mutmaßlichen
Drahtzieher der vier Anschläge auf jüdische und britische
Einrichtungen gehabt haben, wie die staatliche türkische
Nachrichtenagentur am Sonntag meldete. Die jetzt Ausgelieferten
hätten sich nach den Anschlägen aus der Türkei
abgesetzt. Bei den Anschlägen auf zwei Synagogen sowie eine
britische Bank und das britische Konsulat waren innerhalb einer Woche
61 Menschen getötet worden.
In der Türkei wurde am Wochenende Anklage gegen einen
mutmaßlichen Hintermann der Anschläge auf die Synagogen
erhoben. Der Mann hatte nach Polizeiangaben die Anweisung für
einen der Anschläge gegeben und bei der Ausführung geholfen.
Der Verdächtige war an der türkischen Grenze beim Versuch
gefasst worden, mit falschen Papieren in den Iran auszureisen. Die
türkische Extremistengruppe "Front der Vorkämpfer für
einen Großen Islamischen Osten" (IBDA-C) hat sich im eigenen und
im Namen der Extremistengruppe El Kaida zu den Anschlägen bekannt.
(Quelle: rtr)
Soldaten besetzen kurzzeitig Staatsfernsehen der Elfenbeinküste
In Fernsehansprache die französischen und
westafrikanischen Friedenstruppen aufgefordert, das Land zu verlassen
+++ Französischer Militärsprecher äußert sich besorgt
über den Vorfall
Mo.01.12.03 - Protestierende Soldaten haben am Sonntag kurzzeitig das staatliche
Fernsehen der Elfenbeinküste besetzt und eine Wiederaufnahme der
Kämpfe gegen die Rebellen im Norden des Landes angedroht. Die
französischen und westafrikanischen Friedenstruppen sollten das
Land verlassen, forderte ein Offizier in einer Fernsehansprache. Er
rief die Führung der Streitkräfte zum Rücktritt auf,
erklärte sich aber gleichzeitig loyal zu Präsident Laurent
Gbagbo. Nach der Ausstrahlung der Ansprache verließen die
Soldaten den Sender.
«Dies ist kein Staatsstreich», betonte der Offizier, der
sich den Fernsehzuschauern nicht vorstellte. Er erklärte, seine
Soldaten wollten die Rebellen angreifen: «Wir haben die Mittel,
um zu kämpfen. In 48 Stunden werden wir unser Land
befreien.» Deshalb müssten die westafrikanischen und
französischen Truppen, die derzeit eine Pufferzone zwischen
Regierungstruppen und Rebellen überwachen, gehen: «Unsere
Männer sagen den Weißen, dass sie die Frontlinie verlassen
sollen», sagte der Offizier.
Ein französischer Militärsprecher äußerte sich
besorgt über den Vorfall. Die Erklärung könnte
«einen Flächenbrand auslösen», sagte er. Der
Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste hatte im September 2002 mit
einem Putschversuch begonnen und wurde im Juli offiziell beendet. Die
Regierung kontrolliert den Süden des Landes mit der Hauptstadt
Abidjan, die Rebellen den Norden.
(Quelle: ap)
Taiwans Präsident droht mit Volksabstimmung über
Unabhängigkeit
Mo.01.12.03 - Der taiwanische Präsident Chen Shui-bian hat mit der
Durchführung einer Volksabstimmung über die
Unabhängigkeit Taiwans von China gedroht. Hunderte auf Taiwan
gerichtete Raketen rechtfertigten ein solches Referendum, sagte Chen am
Sonntag auf einer Wahlkampfveranstaltung. Ein in der vergangenen Woche
vom Parlament verabschiedetes Gesetz sieht ein Referendum vor, wenn
Taiwan von China bedroht werden sollte.
Auf einer Wahlkampfveranstaltung am Samstag hatte Chen
angekündigt, möglicherweise im Präsidentschaftswahlkampf
im März eine Volksabstimmung über Taiwans
Souveränität durchzuführen. Die Opposition hatte ihm
daraufhin vorgehalten, er missbrauche das Gesetz, da es
tatsächlich derzeit keine Bedrohung durch China gebe. Auf Chens
Ankündigung gab es zunächst keine Reaktionen aus China,
Peking hatte jedoch schon früher deutlich vor der Verabschiedung
des Gesetzes gewarnt und von einer möglichen Katastrophe
gesprochen.
Angesichts von fast 500 in südlichen chinesischen Provinzen
stationierten Raketen lebe Taiwan unter einer ständigen Bedrohung,
argumentierte Chen. Ein Referendum müsse eine
Präventivmaßnahme sein, andernfalls wäre es
wirkungslos, zitierte die Zeitung «United Daily News» den
Staatschef weiter.
Im Rahmen der Bemühungen Taiwans um einen Beobachterstatus bei der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Regierung offenbar
Unterstützung von den USA erhalten. US-Präsident George W.
Bush habe ihm in einem Schreiben versichert, dass Washington die
Bewerbung Taiwans unterstütze, erklärte Chen in einer am
Sonntag im Fernsehen übertragenen Wahlkampfveranstaltung. Die
Bemühungen Taiwans scheitern seit sechs Jahren am Widerstand
Chinas, das in einer Beteiligung an der internationalen Organisation
einen Ausdruck taiwanesischer Souveränität sieht. Der
Inselstaat hatte sich während der kommunistischen
Machtübernahme in Peking 1949 von China abgespalten, was Peking
jedoch nicht anerkennt.
(Quelle: ap)
China lässt Internet-Dissidentin frei
Mo.01.12.03 - Chinas Regierung hat nach Angaben von Menschenrechtsgruppen die unter
ihrem Internet- Namen "Stainless Steel Mouse" (Edelstahl-Maus) bekannt
gewordene Dissidentin Liu Di freigelassen.
Die Bundesregierung habe sich bei der chinesischen Regierung für
die 23-Jährige ehemalige Psychologie-Studentin eingesetzt.
Außer Liu Di wurden auch Wu Yiran (34) und Li Yibin (29)
freigelassen, die im Internet ihre Meinungen vertreten hatten.
Das Informationszentrum für Menschenrechte und Demokratie teilte
am Sonntag mit, Liu Di habe am Freitag das Qincheng-Gefängnis
verlassen. Sie war seit November 2002 ohne formelle Anklage in Haft
gehalten worden, nachdem sie eine Satire über Chinas
kommunistische Partei geschrieben und in Internet-Foren die Freilassung
von anderen Dissidenten verlangt hatte. Tausende Menschen hatten in
Online-Petitionen ihrerseits Freiheit für Liu gefordert.
Am heutigen Montag wird Bundeskanzler Gerhard Schröder in Peking
erwartet. Bei den Gesprächen mit chinesischen Regierungsvertretern
soll neben Wirtschaftsthemen auch die Frage der Menschenrechte
angesprochen werden. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao reist
zudem in einigen Tagen in die USA. China lässt oft Dissidenten vor
Besuchen ausländischer Staatsgäste oder Auslandsreisen
hochrangiger chinesischer Politiker frei.
Mit Hilfe einer speziellen Internet-Polizei und dem Blockieren von
einigen ausländischen Nachrichten-Websites versucht die
chinesische Regierung den Online-Zugang ihrer Bürger zu
kontrollieren.
(Quellen: rtr, heise-online)
Biometrie-Ausweise für 1,3 Milliarden Chinesen
Mo.01.12.03 - Rund 1,3 Milliarden Chinesen sollen offenbar Personalausweise bekommen,
die biometrische Daten speichern. Als Hersteller ist der Bayer-Konzern
im Gespräch, mit dem die Regierung in Peking laut "Welt am
Sonntag" über die Produktion von neuen, fälschungssicheren
Ausweisen verhandelt. Demnach sind die Ausweise im Scheckkarten-Format
geplant. Welche Daten des Karteninhabers im Einzelnen auf dem Chip
gespeichert werden sollen, geht aus dem Bericht nicht hervor. Unter
Berufung auf Hagen Noerenberg, den künftigen Leiter des
Unternehmensbereichs Material Science bei Bayer, hieß es weiter,
auch Kranken- und Sozialversicherungskarten, Studentenausweise oder
elektronische Geldbörsen mit einem Biometrie-Chip seien denkbar.
Auf der Bayer-Website ist die laut Hersteller weltweit erste
Multifunktions-Chipkarte zu sehen, die in der
Sonderverwaltungszone Makao bereits im Einsatz ist.
(Quelle: info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/])
Venezuela: Chavez wirft Opposition Fälschung von Unterschriften
für Referendum vor
Mo.01.12.03 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat die Initiatoren der
Unterschriftenaktion für seine Abwahl der Fälschung
beschuldigt. Die Opposition habe einige Leute mehrfach oder mit
gefälschten Ausweisen unterschrieben lassen, sagte Chavez am
Sonntag (Ortszeit) bei einem öffentlichen Auftritt in der
Hauptstadt Caracas. Zuvor hatte die Opposition berichtet, in einigen
Orten seien bereits die Unterschriftenlisten ausgegangen. Mit 2,4
Millionen Unterschriften könnte eine Volksabstimmung zur Abwahl
Chavez' erzwungen werden.
Der Sonntag war dritten von vier Tagen, an denen sich die Bürger
an dem Begehren der Opposition beteiligen konnten. Chavez kündigte
an, jede einzelne Unterschrift werde sorgfältig
überprüft werden. Mehrere Unternehmen hätten ihre
Arbeitnehmer gezwungen, die Petition zu unterzeichnen.
Die Opposition hatte bereits vor einigen Monaten genügend
Unterschriften für eine Volksabstimmung eingereicht. Das
zuständige Wahlgremium erklärte die Listen jedoch für
ungültig, weil von der Verfassung vorgesehene Termine nicht
eingehalten worden seien.
(Quelle: ap)
Chavez – ein Staatsstreich von innen
Im Jahr 2001 reisten die Dokumentarfilmerinnen Kim Bartley und Donnacha
O´Brien nach Venezuela, um eine Darstellung des demokratisch
gewählten, linken Präsidenten Hugo Chávez zu drehen.
Chávez war durch die Unterstützung der Armen Venezuelas ins
Amt gekommen. Während Bartley und O´Brien im April 2002
filmten, fanden sie sich inmitten eines Coupversuchs gegen
Chávez wieder und ihre Kameras fingen die unglaublichen Bilder
diese Aprils ein. Aus dem umfangreichen Filmmaterial erstellten sie die
Dokumentation "Chávez – ein Staatsstreich von innen". Der Film
wurde am 14.09.2003 im ZDF und zuvor bei ARTE gezeigt.
Im ZNet (03.11.2003) ist ein Interview mit den Filmautorinnen Bartley
und O´Brien abrufbar unter:
http://zmag.de/artikel.php?id=926
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=45&ItemID=4442
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Elf russische Soldaten in Tschetschenien getötet
Mo.01.12.03 - In der Kaukasusrepublik Tschetschenien sind am Wochenende erneut elf
russische Soldaten bei Angriffen der Rebellen und Explosionen
getötet worden. Weitere 16 seien verletzt worden, verlautete am
Sonntag aus Kreisen der von Moskau eingesetzten tschetschenischen
Verwaltung.
Die Rebellen griffen nach Angaben eines Gewährsmannes innerhalb
von 24 Stunden 19 Mal Außenposten der russischen Truppen an.
Dabei wurden fünf Soldaten getötet. Bei Gefechten zwischen
den Truppen und Rebellen in der Region Wedeno kamen vier Soldaten ums
Leben. Zwei weitere wurden getötet, als ihr Fahrzeug am Samstag im
Bezirk Schali auf eine Mine fuhr. Der Gewährsmann sagte weiter,
die Truppen hätten in den Bezirken Itum-Kale, Schali und Wedeno
schwere Artillerie gegen mutmaßliche Stellungen der Rebellen
eingesetzt. Bei Razzien seien 200 Verdächtige festgenommen worden.
Die Behörden hatten am Samstag in der tschetschenischen Hauptstadt
Grosny die Leichen eines russischen Offiziers und dreier Soldaten
gefunden, wie weiter verlautete. Die drei Männer seien offenbar
erschossen worden.
(Quelle: ap)
EU einigt sich über Verteidigung - Machtstreit geht weiter
Nato soll Basis der Verteidigung bleiben +++ Streit um Machtverteilung
festgefahren: Spanien wehren sich gegen eine Umverteilung der
Stimmengewichte im EU-Ministerrat zu Gunsten der großen
Länder
Mo.01.12.03 - Im ersten wichtigen Durchbruch in der EU-Verfassungskonferenz hat sich
die Europäische Union (EU) weitgehend auf eine Verteidigungsunion
geeinigt, um auch unabhängig von der Nato Einsätze zu
führen.
Ein Kompromiss in Verhandlungen Deutschlands und Frankreichs mit
Großbritannien ebnete bei einem Außenministertreffen in
Neapel am Wochenende den Weg für eine weitgehende Einigung aller
EU-Partner. Doch in der für die Verfassung zentralen Frage der
künftigen Machtverteilung im EU-Ministerrat waren keine
Kompromisslinien mit Polen und Spanien zu erkennen, die ein neues
System ablehnen. Außenminister Joschka Fischer warnte vor einem
Scheitern der Verfassungskonferenz, falls diese Frage auf dem EU-Gipfel
in zwei Wochen vertagt werden sollte. "Ich fahre besorgter aus Neapel
weg als ich herkam", sagte er. Sein polnischer Kollege Wlodzimierz
Cimoszewicz sah sich dagegen bestärkt: "Ich verlasse Neapel viel
optimistischer."
Fischer sprach von wichtigen Fortschritten und erwartete einen Konsens
in der Verteidigungspolitik. Dazu äußerte sich lediglich
Österreich zurückhaltend, das keinem Militärbündnis
angeschlossen ist. Irland will noch klären lassen, wie seine
Neutralität gesichert werden kann.
Die Vorschläge der italienischen EU-Ratspräsidentschaft sehen
vor, dass die EU einstimmig eine Verteidigungskooperation eines
kleineren Kreises ihrer Mitglieder genehmigen kann. Daran soll
ähnlich wie bei der Währungsunion jeder EU-Staat teilnehmen
können, der bestimmte Kriterien etwa bei Rüstung und
Truppenausstattung erfüllt. Über konkrete Einsätze von
EU-Truppen sollen nur die an der Verteidigungsunion teilnehmenden
Länder einstimmig entscheiden und sich zuvor auch mit allen
anderen EU-Staaten beraten.
Die EU will zudem eine Beistandsklausel in ihre Verfassung aufnehmen,
die alle Mitgliedstaaten bei einem bewaffneten Angriff zu Hilfe "im
Rahmen ihrer Möglichkeiten" verpflichtet. Ausdrücklich wird
in dem Beistandsartikel die Rolle der Nato betont. Das US-geführte
transatlantische Bündnis soll demnach für seine Mitglieder
die Grundlage ihrer Verteidigung bleiben. Der britische
Außenminister Jack Straw betonte, jeder erkenne an, dass die EU
die Nato ergänze, aber keine Alternative sei.
Die Einigung Deutschlands, Frankreichs und Großbritannien sieht
Diplomaten zufolge auch eine Art EU-Hauptquartier für von der Nato
unabhängige Militäreinsätze vor, um diese auch ohne
Rückgriff auf das Nato-Hauptquartier Shape organisieren zu
können. Die EU soll aber nur dann eigene Militäreinsätze
führen, wenn die Nato nicht eingreifen will. Die bislang nur
vorübergehend eingerichtete EU-Planungseinheit in Shape soll
dauerhaft die Verbindung zur Nato stärken. Der EU-Stab führt
derzeit den Militäreinsatz in Mazedonien.
Bedenken Großbritanniens hatten lange eine gemeinsame Linie der
drei größten EU-Staaten verhindert. Die Briten hatten Kritik
der USA unterstützt, die eine Konkurrenz zur Nato verhindern
wollen. In dem Verteidigungsbündnis ist die USA
Führungsmacht. Im US-Außenministerium hieß es, die USA
hätten weiterhin Bedenken. Das Thema dürfte auch die
Nato-Verteidigungsminister beschäftigen, die von Sonntagabend an
in Brüssel tagen.
Der Streit über die Stimmgewichtung im EU-Ministerrat war dagegen
zwei Wochen vor dem entscheidenden Gipfel festgefahren. Spanien und
Polen lehnen den Vorschlag im Verfassungsentwurf ab, die
Stimmgewichtung künftig an der Bevölkerungszahl auszurichten.
Beide Länder haben derzeit fast ebenso viele Stimmen wie
Deutschland, jedoch nur halb so viele Einwohner. Polen sah wachsende
Unterstützung für seine Position und lobte eine Forderung
Großbritanniens, erst in einigen Jahren über die
Einführung der neuen Stimmgewichtung zu entscheiden. Fischer
sagte, falls dies geschehe, seien die Verfassungsverhandlungen
praktisch gescheitert.
Ein Konsens zeichnete sich über die Größe der
EU-Kommission ab. Der italienische EU-Ratsvorsitzende Franco Frattini
sagte, es gebe einen breiten Konsens, dass jedes Land einen
stimmberechtigten Kommissar stellen solle. Dies entspricht der
Forderung vieler kleinerer Länder unter Führung
Österreichs, die sich damit vor allem gegen Deutschland
durchsetzten. Allerdings solle die Tür offen bleiben, später
erneut über die von Deutschland geforderte Verkleinerung der
Kommission zu reden.
(Quelle: rtr)
Rumsfeld warnt EU: NATO nicht in Gefahr bringen
Mo.01.12.03 - Vor der heute beginnenden Herbsttagung der NATO hat
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die EU vor der Bildung einer
unabhängigen militärischen Planungszelle gewarnt. Es
dürfe nichts unternommen werden, was den Nordatlantikpakt in
irgend einer Form in Gefahr bringe, sagte Rumsfeld. Bis Dienstag wollen
zunächst die NATO-Verteidigungsminister in Brüssel beraten,
am Donnerstag und Freitag treffen sich dann die Außenminister.
Schwerpunktthemen sind in diesem Jahr Afghanistan und Bosnien sowie die
europäische Verteidigungspolitik.
Rumsfeld sagte weiter, er habe in seinem erwachsenen Leben beobachtet,
dass die NATO eine "fabelhafte Geschichte" von Verteidigung,
Abschreckung und der Verbreitung von Frieden gehabt habe. Diese Ansicht
werde auch von den meisten Mitgliedern der Allianz geteilt, die nichts
wollten, was das Bündnis instabil machen könne. Eine
eigenständige EU-Planungszelle für Militäroperationen
berge die Gefahr eines Wettbewerbs um Ressourcen zwischen EU und NATO.
Am Wochenende hatten die EU-Außenminister in Neapel den Weg
für eine gemeinsame Verteidigungspolitik geebnet. Ein
entsprechender Vorstoß von Deutschland, Frankreich und
Großbritannien stieß bei den Ministern aus den 25 heutigen
und künftigen EU-Staaten auf breite Zustimmung. Die förmliche
Entscheidung sollen die Staats- und Regierungchefs der EU bei ihrem
Gipfel am 12. und 13. Dezember in Brüssel treffen.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
EU nimmt Kurs auf Stärkung von Militärstrukturen
EU-Militärstab in Brüssel soll aufgestockt werden und
künftig auch operative Aufgaben übernehmen können.
Zugleich soll eine zurzeit im militärischen NATO-Hauptquartier
SHAPE bestehende EU-Planungszelle permanent eingerichtet werden
Sa.29.11.03 - Nach monatelangen Auseinandersetzungen nimmt die Europäische Union
Kurs auf eine Stärkung der gemeinsamen Militärstrukturen.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien einigten sich nach
Angaben von Diplomaten am Rande eines Treffens der
EU-Außenminister am Freitag in Neapel auf ein gemeinsames
Vorgehen. Die Pläne sollten mit den übrigen Ministern bei den
zweitägigen Verhandlungen über die europäische
Verfassung erörtert werden.
Danach soll der bereits bestehende EU-Militärstab in Brüssel
aufgestockt werden und künftig auch operative Aufgaben
übernehmen können. Zugleich soll eine zurzeit im
militärischen NATO-Hauptquartier SHAPE bestehende EU-Planungszelle
permanent eingerichtet werden. Deutschland und Frankreich drängen
seit langem, dass die EU von der NATO unabhängige
militärische Einsätze planen und führen können
muss. Dagegen waren bislang besonders die USA, die eine Schwächung
der NATO befürchten. Auch Großbritannien war mit Verweis auf
die Allianz skeptisch...
Mehr unter:
http://home/t.online.de/home/boa-archiv2/k0311290.htm#03112911
Nato um Ausgleich im Streit über EU-Verteidigung bemüht
Di.21.10.03 - Im Streit über die Verteidigungspläne einiger EU-Staaten hat
sich die Nato am Montag bemüht, die Wogen zu glätten.
Auf Wunsch der USA kam der Nato-Rat zu einer informellen Sondersitzung
zusammen. Vor dem EU-Gipfel vergangene Woche in Brüssel hatten die
USA die EU-Pläne in der Nato scharf als Bedrohung für die
Zukunft des Verteidigungsbündnisses kritisiert. Diplomaten zufolge
verlief das Treffen am Montag ruhiger, brachte aber keine neuen
Ergebnisse. Die Beratungen hätten sich zweieinhalb Stunden im
Kreis gedreht...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310210.htm#03102108
NATO-Planspiel «Dynamic Response '07»
Nato-Verteidigungsminister testen globale Einsatzbereitschaft
Do.09.10.03 - Kurzfristige Nato-Kampfeinsätze auf der ganzen Welt haben am
Mittwoch die Debatte der Nato-Verteidigungsminister während ihres
Treffens in den USA bestimmt.
In einem vierstündigen Planspiel testeten die Minister und
Armeechefs der 19 Mitgliedstaaten die Beilegung politischer und
militärischer Differenzen über Kampfeinsätze
außerhalb der historischen Nato-Grenzen. Das Szenario spielte
Teilnehmerkreisen zufolge im Jahr 2007 und hatte mit Terrorismus und
Massenvernichtungswaffen in einem fiktiven Land in der
Mittelmeer-Region oder dem Nahen Osten zu tun....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310090.htm#0310090
Russland warnt NATO wegen ihrer militärischen Offensivdoktrin
Fr.03.10.03 - Russland hat der NATO mit einer radikalen Änderung seiner
militärischen Strategie gedroht. Sollte das
Verteidigungsbündnis in seiner jetzigen Form bestehen bleiben, sei
Russland zu einer Änderung seiner Pläne über die
Umstrukturierung der Streitkräfte gezwungen, heißt es in
einem am Donnerstag veröffentlichten Dokument des
Verteidigungsministeriums. Davon sei auch das russische Nuklearprogramm
betroffen. Verteidigungsminister Sergej Iwanow schloss außerdem
einen Präventivschlag Russlands nicht aus...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#03100304
Nato peilt weltweite Einsätze an - Stratiegieentwurf sieht
vorbeugende Schläge gegen Terror vor
BRÜSSEL, 6. Juni 2002Beim Kampf gegen den Terrorismus schwenkt die Nato auf die Linie der
USA ein, die auf militärische Präventivschläge gegen
jene Staaten dringt, die der Unterstützung von Terroristen
verdächtigt werden. Das Bündnis schließt damit welt
weite Einsätze nicht mehr aus. Auf ihrem Gipfel im November in
Prag will die Nato sich durch Rüstungsbeschlüsse für
diese Aufgaben fit machen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_v
NATO stößt bis Rußland vor - Prager Gipfel billigte
größte Erweiterung der Allianz. Eingreiftruppe geschaffen
Prag - 22.11.2002 - Mit der »Beitrittseinladung« an
sieben osteuropäische Staaten hat die NATO am Donnerstag in Prag
die größte Erweiterung ihrer 53jährigen Geschichte
beschlossen. Das Bündnis wird damit bis Mitte 2004 auf 26
Mitglieder anwachsen und sein Territorium bis an die Grenze zu
Rußland ausdehnen. Dieser Beschluß soll nach den Worten von
NATO-Generalsekretär George Robertson »die endgültige
Überwindung der Teilung Europas« markieren...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_w
Verteidigungsminister Struck: Landesverteidigung nicht mehr oberste
Aufgabe der Bundeswehr. Deutschland wird am Hindukusch verteidigt
Fr.06.12.02 - Verteidigungsminister Peter Struck will das nicht
hören, aber er hat der Bundeswehr eine Reform der
Reform verordnet. Noch gravierender als seine Streichliste ist jedoch
seine zweite, überraschende Botschaft. Er gibt den deutschen
Soldaten einen neuen Auftrag. So verkündet der
Sozialdemokrat am Donnerstag in Berlin in Abkehr von seinem
Vorgänger Rudolf Scharping (SPD) den Abschied von der
Landesverteidigung als oberste Aufgabe der Armee...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310030.htm#031003_x
Bundeswehr plant Präventivschläge
"Studie fordert Fähigkeit zum Präventivschlag"
überschrieb die Süddeutschen Zeitung am 9. November 1992
ihren Bericht über ein Papier des "Zentrums für Analysen und
Studien der Bundeswehr" in Waldbröl.
Diese Studie (SFT 21) ist eine Zukunftsanalyse der
sicherheitspolitischen Bedürfnisse der Bundesrepublik und der
daraus abzuleitenden Strategien und Strukturen der Streitkräfte.
Dabei kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass aufgrund einer
veränderten Bedrohungslage die Bundeswehr zu "offensiven
Operationen" zu befähigen sei. Angesichts der Gefährdung
durch Massenvernichtungswaffen solle über die Möglichkeit
präventiver militärischer Optionen politisch entschieden
werden, empfahlen die Autoren.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/a0211100.htm#top
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Euro erreicht mit 1,2039 Dollar in Tokio weiteres Rekordhoch
Mo.01.12.03 - Der Euro hat am Montag eine neue Rekordmarke gegen den Dollar erreicht.
Die europäische Gemeinschaftswährung überstieg an der
Börse von Tokio erneut die Marke von 1,20 Dollar und wurde um
09.00 Uhr Ortszeit (01.00 Uhr MEZ) bei 1,2039 Dollar notiert, wie ein
Devisenhändler der UFJ Bank in der japanischen Hauptstadt
mitteilte. Knapp drei Stunden später war der Euro wieder auf
1,2026 Dollar zurückgefallen. Die Europa-Währung sei unter
anderem wegen der angespannten Sicherheitslage in Irak gekauft worden,
sagte UFJ-Händler. Es gebe offenbar weitere Nachfrage.
(Quelle: afp)
Italien: Nach Faschismuskritik Krise bei der rechtskonservativen
Nationalen Allianz
Mo.01.12.03 - Die Verurteilung des italienischen Faschismus durch den
Parteivorsitzenden Gianfranco Fini hat die rechtskonservative Nationale
Allianz (AN) in Rom in eine Krise gestürzt. Alessandra Mussolini,
40, Enkelin des ehemaligen italienischen Diktators, kündigte am
Wochenende die Gründung einer Konkurrenzpartei an. Sie hatte schon
zuvor ihren Austritt aus der AN angekündigt.
Um die Positionen zu klären, forderten führende Mitglieder
einen Parteitag noch vor Jahresende. Auch an der Basis regt sich Unmut
gegen den Kurs des stellvertretenden Ministerpräsidenten Fini. Die
AN war Mitte der 90er-Jahre aus der neofaschistischen Partei
Italienische Soziale Bewegung (MSI) hervorgegangen. Seit 2001
gehört die AN der Mitte-rechts-Regierung von
Ministerpräsident Silvio Berlusconi an. Fini hatte kürzlich
bei einer Israelreise den Faschismus als "absolutes Übel"
bezeichnet.
(Quelle: taz/dpa)
WHO mit neuer Aids-Strategie
Mo.01.12.03 - Angesichts neuer Rekordzahlen von Aids-Toten und HIV-Infektionen haben
führende Politiker zu einem verschärften Kampf gegen die
Immunschwächekrankheit aufgerufen. Zum Welt-Aids-Tag an diesem
Montag brachen 80 hochrangige US-Politiker, Mediziner und private
Geldgeber zu einer Reise durch Afrika auf.
Es ist die größte und bedeutendste Delegation dieser Art,
wie es am Sonntag hieß. In Kapstadt in Südafrika traten bei
einem der weltweit größten Aids-Benefiz-Konzerte
internationale Stars wie US-Chart- Stürmerin Beyonce Knowles auf.
Umjubelter Gastgeber war der frühere südafrikanische
Präsident Nelson Mandela, dessen einstige Häftlingsnummer
46664 das Motto für die Gala lieferte.
Weltweit tragen nach offiziellen Angaben rund 40 Millionen Menschen das
HIV-Virus in sich, davon mehr als 25 Millionen allein in Afrika. In
Deutschland sind rund 39 000 Menschen betroffen. Jüngsten Angaben
zufolge sind noch nie so viele Menschen an Aids gestorben wie in diesem
Jahr. Auch die Zahl der neuen HIV-Infektionen war nie höher. Das
geht aus dem Jahresbericht des Aids-Bekämpfungsprogramms der
Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor.
Vor rund 40 000 Stadionbesuchern in Kapstadt und Millionen von
Fernsehzuschauern in 166 Ländern rief der 85-jährige Mandela
Politiker und Organisationen zum Handeln gegen Aids auf. «Ich war
auf Robben Island inhaftiert, wo ich auf diese Nummer reduziert werden
sollte. Auch HIV-Infizierte drohen zu Nummern zu werden, wenn wir nicht
handeln.»
Der 80-köpfigen Afrika-Delegation gehören
US-Gesundheitsminister Tommy Thompson, der Generaldirektor der
Weltgesundheitsorganisation, J.W. Lee, und der Diektor des
UN-Aids-Programms, Peter Piot, an. Sechs Tage lang bereisen sie Kenia,
Ruanda, Uganda und Sambia, wie Thompson am Frankfurter Flughafen sagte.
Die Delegation hat 15 Milliarden Dollar (rund 12,5 Milliarden Euro) von
US-Präsident George W. Bush im Gepäck.
Der «Global Aids Coordinator» der US-Regierung,
Ex-Botschafter Randall Tobias, beschrieb das Ziel der Reise als
«zuhören und lernen». Bevor das Geld in den
nächsten fünf Jahren ausgeschüttet werde, wolle man sich
über den Ist-Zustand von Prävention und Therapie informieren
und klären, welche Hilfsmöglichkeiten langfristigen Erfolg
versprechen.
Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sprach von einer
Geißel der Menschheit. «Trotz enormer Fortschritte bei der
Entwicklung lebensverlängernder Medikamente bleibt Aids auf
absehbare Zeit nicht heilbar. Prävention ist deshalb nach wie vor
das Gebot der Stunde.» Die Bundesregierung beteilige sich mit
jährlich 300 Millionen Euro an der weltweiten Bekämpfung der
Immunschwächekrankheit und gehöre damit zu den
größten Gebern.
Das Bundesforschungsministerium will die deutsche Aids-Forschung
stärker vernetzen. «Wir müssen alle Chancen für
schnelle Erfolge im Kampf gegen die tödliche
Immunschwächekrankheit bündeln», sagte Ministerin
Edelgard Bulmahn (SPD) am Sonntag in Berlin. Ein zentraler Schwerpunkt
ist der Aufbau einer bundesweiten Datenbank. Die Krankheitsdaten der
Patienten können den Angaben zufolge den Verlauf der HIV-Infektion
aufdecken und damit die bekannten Therapien verbessern. In das Netzwerk
mit Zentrale an der Universität Bochum sind auch städtische
Krankenhäuser, Fachpraxen und niedergelassene Ärzte
eingebunden.
Bis zum Jahr 2005 sollen drei Millionen Aids-Patienten
lebensverlängernde Medikamente erhalten. Eine entsprechende
Strategie will die WHO am Welt-Aids-Tag in Nairobi vorstellen. Unter
anderem soll die Behandlung vereinfacht werden. Die Zahl der Therapien
sei bereits von 35 auf 4 gesunken. Künftig sollen die
verschiedenen Medikamente in einer einzigen Packung angeboten werden.
Nach WHO-Angaben brauchen insgesamt fünf bis sechs Millionen
Menschen diese Medikamente. Bislang hätten jedoch nur etwa 400 000
von ihnen Zugang dazu. In Afrika, dem am stärksten betroffenen
Kontinent, werden nur etwa ein Prozent der Infizierten mit Anti-
Viren-Medikamenten behandelt.
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Hilfsorganisation
medico international kritisierten die Politik der Industrienationen als
scheinheilig. Fehlende Einzahlungen der reichen Staaten in den globalen
Fonds gegen Aids und ein starrer Patentschutz für Medikamente
blockierten wirksame Hilfen, teilten die Organisationen in Frankfurt
mit.
(Quelle: dpa)
UNO plant Mammutaktion gegen Aids
Zehntausende sollen für Verteilung von Aids-Medikamenten sorgen
Mo.01.12.03 - Am Welt-Aids-Tag am heutigen Montag stellen UN- Hilfsorganisationen in
Nairobi einen Plan für die Behandlung von bis zu drei Millionen
Aids-Patienten bis zum Jahr 2005 vor. Dazu soll zunächst die
Behandlung vereinfacht werden, raten die Weltgesundheitsorganisation
WHO und UNAIDS.
Künftig soll der so genannte Cocktail verschiedener Medikamente im
Sammelpack angeboten werden. Zudem sollen zehntausende Mitarbeiter im
Gesundheitsdienst geschult werden, um die Behandlung von Patienten auch
in ländlichen und sehr armen Gegenden zu ermöglichen. In
Afrika, dem am stärksten betroffenen Kontinent, werden bislang nur
etwa ein Prozent der Infizierten mit lebenserhaltenden
Anti-Viren-Medikamenten behandelt.
(Quelle: dpa)
Aids in einem aufgeklärten Zeitalter
Seit dem 14. Jahrhundert gab es keine so machtvolle Seuche: Laut
Jahresbericht des Aids-Bekämpfungsprogramms der Vereinten Nationen
( Unaids) sind dieses Jahr etwa drei Millionen Menschen an Aids
gestorben, fünf Millionen haben sich neu infiziert. Zwei
Rekordzahlen, die sich, wie es aussieht, nächstes Jahr wieder
erhöhen werden. ...
Mehr bei telepolis (30.11.03) unter:
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16210/1.html
Die Wissenschaft hat sich von einer Aids-Schutzimpfung vorerst
verabschiedet, berichtet Reinhard Kurth, Präsident des
Robert-Koch-Instituts in Berlin. Einem Serum für Infizierte
allerdings gibt er Chancen...
Mehr in der "tageszeitung" vom 01.12.03 unter:
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/01/a0111.nf/text
Blick ins Archiv
Annan sieht Kampf gegen Aids verloren
Regierungen der Welt seien nicht genügend engagiert. Politiker
täten nichts gegen die Stigmatisierung von HIV-Infizierten und
Aids-Kranken. So genannte sanfte Bedrohungen wie Aids richteten mehr
Unheil in der Welt an als die harte Bedrohung durch den Terrorismus
So.30.11.03 - Der weltweite Kampf gegen Aids ist nach Ansicht von
UN-Generalsekretär Kofi Annan verloren, solange der politische
Wille zu einem Sieg fehlt. Er sei hier auf eine unglaubliche
Kaltherzigkeit gestoßen, die er im 21. Jahrhundert für
unmöglich gehalten habe, sagte Annan am Samstag in einem Interview
des britischen Rundfunksenders BBC: «Ich gewinne den Kampf gegen
Aids nicht, weil die Regierungen der Welt meiner Meinung nach nicht
genügend engagiert sind.»...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#03113002
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema Aids unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#031130_h
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In Mailand beginnt neue Runde der UN-Klimaschutzkonferen
Mo.01.12.03 - In Mailand beginnt heute eine neue Runde der UN- Klimakonferenz. Es
geht um die Verringerung der Treibhausgase. Vertreter aus über 180
Ländern suchen nach Wegen, wie das noch immer nicht gültige
Kyoto-Protokoll zu retten ist. Die USA und Russland haben das vor sechs
Jahren beschlossene Vertragswerk noch nicht ratifiziert. UN-Experten
fürchten, dass die für das Klima schädlichen
Treibhausgase in den reichen Industrieländern in diesem Jahrzehnt
um durchschnittlich 17 Prozent zunehmen werden.
(Quelle: dpa)
Deutsche empfinden Klimawandel als reale Bedrohung
Mo.01.12.03 - Die negativen Folgen des Klimawandels werden von einer
übergroßen Mehrheit der Deutschen als reale Bedrohung
empfunden. Dies geht aus einer Umfrage zum Thema Umwelt und Energie
hervor, die am Sonntag in Frankfurt am Main von der WWF-Stiftung
vorgestellt wurde. Dabei stuften 74 Prozent der Befragten die Gefahren
durch die Klimaveränderungen als groß oder sehr groß
ein.
Entsprechend ausgeprägt ist der Wunsch, in Zukunft verstärkt
auf erneuerbare Energie zu setzen. Auf die Frage nach der bevorzugten
Energiequelle für künftige Kraftwerke plädierten 72
Prozent der insgesamt 1.000 Befragten für erneuerbare Energien und
22 Prozent für Gaskraftwerke. Kohle zogen nur fünf Prozent
vor.
Der WWF wertete die Ergebnisse als klares Plädoyer für einen
schrittweisen Ausstieg aus der Kohle. Rund die Hälfte der
deutschen Kraftwerke müsse im nächsten Jahrzehnt aus
Altersgründen vom Netz. «Es wäre nicht nur teuer und
ökologisch unsinnig, die alten Anlagen durch neue CO2-Schleudern
zu ersetzen, sondern auch politisch unklug», erklärte Regine
Günther, Leiterin des Klimareferats beim WWF Deutschland.
Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos aus Mölln
durchgeführt. Gefragt wurde unter anderem, inwieweit die
Investitionspolitik der Stromkonzerne die Bundesbürger bei ihrer
Wahl des Energieversorgers beeinflusse. 58 Prozent der Befragten gaben
an, dass sie ihren Stromversorger gegebenenfalls wechseln würden.
Für einen großen Teil hängt die Entscheidung über
den Versorger auch vom Preis ab. Für fast 40 Prozent käme ein
Wechsel aus diesem Grund nicht in Frage.
Auffällig war nach Angaben der Umweltstiftung, dass Frauen
«sauberer» Strom offensichtlich besonders am Herzen liege.
Die Bereitschaft, den Energieversorger zu wechseln, wenn dieser ihren
Wünschen nach an Kohlendioxid armer Energie nicht nachkomme, ist
bei ihnen rund zehn Prozent höher als bei den Männern.
Vor der am Montag beginnenden Vertragsstaatenkonferenz zum Klimaschutz
in Mailand wollte der WWF zudem wissen, was die Deutschen von der
Klimaschutzpolitik der Bundesregierung halten. 35 Prozent
erklärten, die Bundesregierung tue genügend, um dem
Klimawandel wirksam zu begegnen. Fünf Prozent sind der Ansicht,
dass eher zu viel getan werde. Die überwiegende Mehrheit (58
Prozent) glaubt hingegen, dass die deutsche Regierung zu wenig oder
sogar viel zu wenig tue.
Nach Ansicht des WWF nimmt für eine zukunftsweisende
Energiepolitik der Stromsektor eine Schlüsselrolle ein. Mehr als
ein Drittel der weltweit vom Menschen erzeugten CO2-Emissionen sei auf
die Stromversorgung zurückzuführen. Die Verbrennung von
kohlenstoffreichen Energieträgern wie Stein- und Braunkohle zur
Stromerzeugung führe weltweit jährlich zu einem Ausstoß
von rund 24 Milliarden Tonnen Kohlendioxid.
(Quelle: ap)
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema Klima unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#031130_p
Affäre um Grünen-Politikerin Scheel
Mo.01.12.03 - Spitzenpolitiker der Grünen haben nach einem Zeitungsbericht
verärgert auf Nebentätigkeiten ihrer Abgeordneten Christine
Scheel bei der Versicherungswirtschaft reagiert. Nach Informationen der
«Berliner Zeitung» erwarten die Fraktionsvorsitzende Krista
Sager, Parteichef Reinhard Bütikofer, Umweltminister Jürgen
Trittin und Verbraucherministerin Renate Künast Aufklärung
von Scheel.
Sie habe «einige Fragen zu beantworten», hieß es. Man
halte eine Nebentätigkeit in der Versicherungswirtschaft und die
Funktion der Vorsitzenden des Finanzausschusses des Bundestages
für «schwer vereinbar».
Heute (Montag) will sich der Fraktionsvorstand der Grünen mit dem
Vorgang beschäftigen, schreibt die «Berliner Zeitung».
Das Blatt hatte am Wochenende über die Nebentätigkeit Scheels
im Beirat der Barmenia und der Hamburg-Mannheimer Versicherung
berichtet. Der Parlamentarische Geschäftsführer der
Grünen, Volker Beck, sagte der Zeitung, er habe von Scheels
Nebentätigkeiten nichts gewusst, obwohl diese im Handbuch des
Bundestages verzeichnet sind. Es sei in keiner Fraktion üblich,
dies zu überprüfen. Bei Scheels Aktivitäten handele es
sich aber um nichts Illegales.
(Quelle: dpa)
Krankenkassen befürchten drei Milliarden Euro Defizit. ap
Mo.01.12.03 - Die Krankenkassen erwarten zum Jahresende erneut ein Finanzloch von
drei Milliarden Euro. «Der Trend dazu verfestigt sich»,
sagte der Chef des AOK-Bundesverbands, Hans Jürgen Ahrens, am
Wochenende. Trotz der Entlastung durch die Gesundheitsreform wollte er
keine Beitragssenkung zusagen. Dagegen hält Gesundheitsministerin
Ulla Schmidt eine Verringerung des durchschnittlichen Kassensatzes von
14,3 auf 13,6 Prozent weiter für realistisch.
Ahrens sagte dem Berliner «Tagesspiegel am Sonntag», rein
rechnerisch müssten angesichts des Defizits, das nach seiner
Schätzung das Ausmaß des Vorjahres erreicht, die
Beitragssätze sogar um 0,3 Prozentpunkte steigen. Zwar werde die
Gesundheitsreform 2004 neun bis zehn Milliarden Euro Einsparungen
bringen. «Die Kassen haben aber auch Schulden angehäuft, die
sie zum Teil tilgen müssen.»
Zudem habe es erneute Kostensteigerungen etwa bei Arzneimitteln sowie
einen deutlichen Rückgang der Beitragseinnahmen wegen der hohen
Arbeitslosigkeit gegeben, berichtete Ahrens. Es sei illusorisch,
für 2004 von einem Jahr ohne Defizit auszugehen.
Eine Sprecherin von Schmidts Ministerium sagte, die Entlastung durch
die Gesundheitsreform reiche zur gewünschten Beitragssenkung aus,
selbst wenn das Defizit bei drei Milliarden Euro läge. Eine
offizielle Prognose will der Schätzerkreis der Krankenversicherung
kommende Woche erarbeiten. Die Reform lasse den Kassen für 2004
drei Milliarden Euro Spielraum zum Abbau von Defiziten und Schulden und
darüber hinaus sieben Milliarden Euro zur Beitragssenkung, betonte
die Sprecherin. Die Senkung der Beiträge um durchschnittlich 0,7
Punkte sei also möglich.
Jede Kasse müsse für sich einen Haushalt aufstellen, den die
Aufsichtsbehörden zu genehmigen hätten, sagte die Sprecherin.
Dies gelte auch für die Allgemeinen Ortskrankenkassen. Die
Äußerungen Bundesverbands seien nachrangig.
Die Techniker Krankenkasse erkannte zwar die Entlastung durch die
Reform an, verwies aber ebenfalls auf Risiken im kommenden Jahr.
«Wir werden abwarten, wie die Situation im ersten Quartal ist,
bevor der Beitragssatz gesenkt werden kann», sagte TK-Chef
Norbert Klusen der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung». Der Verwaltungsrat hatte zuletzt beschlossen,
den TK-Beitragssatz von 13,7 Prozent zunächst nicht zu senken.
Bereits das Jahr 2002 hatte die gesetzliche Krankenversicherung
insgesamt mit knapp drei Milliarden Euro Defizit abgeschlossen. Im Lauf
dieses Jahres flachte zwar der Ausgabenzuwachs ab, doch
äußerte sich auch die Bundesregierung besorgt über
einen Einnahmerückgang. Zur Jahresmitte lag das Defizit nach
Angaben des Sozialministerium bereits bei 1,8 Milliarden Euro.
(Quelle: ap)
Discount-Kunst bei Aldi ging weg wie 'warme Semmeln'
Renner war offenbar ein Werk des Beuys-Schülers Felix Droese, der
bereits auf der documenta Kassel und der Biennale Venedig ausgestellt
hat
Mo.01.12.03 - Aldi im Kunst-Rausch: Die signierten Künstler-Grafiken, die der
Discounter am Montag in hoher Auflage auf den Markt gebracht hat,
gingen weg wie «warme Semmeln». Bereits kurz nach
Geschäftsöffnung war die Kunst im Sonderangebot für
12,99 Euro in vielen der 1500 Filialen von Aldi-Süd ausverkauft.
Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in mehreren
Städten.
Renner war offenbar das Blatt des Beuys-Schülers Felix Droese
(53), der nach eigenen Angaben für den Discounter 20 000 Werke
signiert hat. Bereits am Vormittag tauchten einzelne der gerahmten
Arbeiten aus der Aldi-Galerie bei dem elektronischen Auktionator e-bay
für 19,99 Euro auf.
Neben den Offset-Drucken des prominenten Düsseldorfers Droese, der
bereits auf der documenta Kassel und der Biennale Venedig ausgestellt
hat, wurden im Aldi-Werbezettel («Kunst-Galerie!») eine
abstrakte Farbkomposition von Georg Schädel und eine
gefällige Mittelmeer-Szene von Carola Steege angeboten.
Aldi-Filialleiter oder Kassiererinnen hüllten sich zum begehrten
Kultur-Angebot in Schweigen: «Wir dürfen leider keine
Auskünfte erteilen!» Das Kunst-Angebot sei
«Betriebsgeheimnis - auch von der Menge her». TV-Kameras
mussten vor der Türe bleiben; die Zentrale von Aldi-Süd in
Mülheim an der Ruhr gab sich ebenfalls verschwiegen.
Angesichts des wohl unerwarteten Runs auf die Discount-Kunst gab es
statt Schnäppchen für viele Kunstfreunde lange Gesichter:
«Ich war in einigen Läden, hab nichts mehr bekommen»,
meldete eine sportliche 53-jährige Kunstliebhaberin in
Düsseldorf, die erfolglos mit ihrem Fahrrad auf Kunsttour gegangen
war. Im hessischen Bad Vilbel blieb von insgesamt 14 angebotenen
Motiven am Vormittag kein Stück mehr liegen, auch das Lager war
leer. «Es gab nur noch Stillleben, Toskana und die griechischen
Inseln», meinte eine enttäuschte Kundin, die eher für
Abstraktes schwärmt.
(Quelle: dpa)
Ein Discounter im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit: Seit
heute gibt es bei Aldi handsignierte und nummerierte
Künstlerdrucke zum Preis von 12,99 Euro zu kaufen
Ausgerechnet "Silberfinger" heißt eine der beiden Grafiken, die
der Beuys-Schüler Felix Droese in den letzten Tagen für den
Lebensmittel-Discounter Aldi signierte, zumindest für dessen
Filialen im Bereich Aldi-Süd. Auch wenn ihm nach 20.000
Unterschriften der Finger, der den Stift führte, ganz schön
weh getan haben muss - jetzt weiß er wenigstens, wie sich der
Finger anfühlt, den er so klug versilbert hat.
Documenta- und Biennale-Teilnehmer Droese war es, der auf die Idee kam,
jetzt zu Weihnachten die Kunst endlich richtig unter die Leute zu
bringen....
Der 1950 geborene Droese, der für seine riesigen, auch schon mal
mit Kuhmist oder Blut ausgemalten Holzschnitte zu existenziellen Themen
wie Leben und Tod, Geschichte und Gegenwart bekannt ist, sieht sein
Renommee nicht bedroht: "Meine Reputation besteht gerade darin, dass
ich die Situationen umdrehe." Nicht mehr der Kunsthändler sei am
Zuge, sondern der Käufer. In den Zwanzigerjahren hätten
übrigens Berliner Kaufhäusern wie KaDeWe und Wertheim Bilder
heutiger Klassiker wie Käthe Kollwitz und Otto Nagel für ein
paar Mark verkauft...
Quelle: "tageszeitung" vom 01.12.03
http://www.taz.de/pt/2003/12/01/a0145.nf/text
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Tscheche Jiri Grusa neuer PEN-Präsident
Die Freiheit des Wortes in einer von Bildern dominierten Welt angemahnt
Mo.01.12.03 - Der tschechische Schriftsteller Jiri Grusa ist neuer Präsident des
internationalen PEN. Der neue PEN-Präsident hat die Freiheit des
Wortes in einer von Bildern dominierten Welt angemahnt. Eine wichtige
und schwierige Aufgabe sei es, die Welt der Buchstaben gegen die
Bilderwelten der elektronischen Medien zu behaupten, sagte Grusa am
Samstag im Deutschlandradio Berlin. Die Individualität der
Literatur müsse dem Druck der Vereinfachung trotzen.
«Schriftsteller müssen einen Namen finden für etwas,
was vor ihnen noch nicht benannt wurde», fügte Grusa hinzu,
der auch tschechischer Botschafter in Wien ist. Er wolle sich nicht nur
für die Freiheit des Wortes einsetzen, sondern auch für die
«Freiheit von Hass». In einer Welt, in der die
Schwarz-Weiß-Rhetorik zunehme, müssten Schriftsteller eine
vermittelnde Ausdruckswiese pflegen, sagte der neue PEN-Präsident.
Er wolle sich zudem dafür einsetzen, dass auch kleine Sprachen die
Chance bekämen, sich auf internationaler Bühne zu
äußern, sagte Grusa.
Der 65-Jährige tritt die Nachfolge des Mexikaners Homero Aridjis
an, der nach sechsjähriger Amtszeit nicht mehr kandidierte. Bei
der Abstimmung auf dem Weltkongress der Schriftstellervereinigung in
Mexiko-Stadt erhielt Grusa, der keinen Gegenkandidaten hatte, 54
Ja-Stimmen bei 7 Gegenstimmen und 12 Enthaltungen. Grusa, der nicht nur
auf Tschechisch, sondern auch auf Deutsch schreibt, blickt auf eine
lange schriftstellerische Laufbahn zurück.
Als Dissident und Mitunterzeichner der «Charta 77» wurde
der am 10. November 1938 in Parduci (Böhmen) geborene Autor vom
damaligen kommunistischen Regime verfolgt und 1981 ausgebürgert.
Nach der politischen Wende wurde Grusa, der sich in der Bundesrepublik
niedergelassen hatte, tschechischer Botschafter in Bonn. «Ich
habe das Mitteleuropäische von unten bis nach oben gesehen, und
von oben nach unten auch, mich kann nicht viel überraschen»,
sagt Grusa. Die Erfahrung von drei Diktaturen - Nationalsozialismus,
Kommunismus und sowjetische Fremdherrschaft - hat er in seinem Roman
«Dotaznik» (dt. 1979, Der 16. Fragebogen) literarisch
verarbeitet.
Als eines seiner wichtigsten Ziele nannte der neue PEN-Präsident
eine Reform der Organisationsstruktur der 1921 gegründeten
Vereinigung. Diese müsse übersichtlicher werden, sagte Grusa
der dpa. Er wolle außerdem die Kooperation mit den «Zentren
der Literalität» verstärken, zum Beispiel mit
Schriftstellerverbänden. Mit Hilfe des Internets könne
außerdem die Kommunikation zwischen den einzelnen PEN-Zentren
modernisiert werden. Der Noch-Botschafter in Wien wollte als erstes
seinen Minister anrufen und ihm sagen, dass er den Dienst quittieren
möchte.
Der Abstimmung in nicht öffentlicher Sitzung waren heftige
Kontroversen vorausgegangen. Der scheidende PEN-Präsident Aridjis
warf dem PEN-Sekretariat in London vor, die einzelnen PEN-Zentren nicht
rechtzeitig über die Kandidatur Grusas informiert und dessen
Absichtserklärung nicht verschickt zu haben. Dem Internationalen
Sekretär Terry Carlbom warf Aridjis eine
«Ein-Mann-Diktatur» und «Manipulationen sowjetischen
Stils» vor. Carlbom, der neben Aridjis saß, reagierte auf
die Angriffe nicht. Der französische Delegierte Sylvestre Clancier
behauptete, das Sekretariat habe eine Gegenkandidatur verhindert.
Delegierte aus verschiedenen PEN-Zentren wiesen auf Nachfrage die
Anschuldigungen Aridjis zurück und versicherten, die schriftlichen
Unterlagen mit der Absichtserklärung Grusas rechtzeitig erhalten
zu haben. Die russische Delegation teilte mit, dass der von den
Franzosen favorisierte peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa
eine Kandidatur von vorneherein abgelehnt habe. Grusa sagte, er habe
mit der Kontroverse unmittelbar vor seiner Wahl nicht gerechnet:
«Es ist doch nicht meine Schuld, dass es nur einen Kandidaten
gab.»
Die drei Anfangsbuchstaben der Wörter Poets, Essayists, Novelists
bilden den Namen der internationalen Schriftstellervereinigung, die
weltweit in 134 Zentren organisiert ist. In den 20er Jahren in England
als ein literarischer Freundeskreis gegründet, hat sich der
PEN-Club über die Länder der Erde ausgebreitet. Er setzt sich
vor allem für verfolgte und unterdrückte Schriftsteller ein.
(Quellen: dpa. ap)
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
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