Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertachtundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Alarmierender UN-Bericht: Irak 'Schlachtfeld' für
El-Kaida-Terroristen +++ Schlacht mit vielen Opfern in Samarra:
Amerikanische Soldaten sollen nach Angriffen von Aufständischen auf Geldtransporte wahllos
um sich gefeuert haben. Einwohner hätten danach ihre Waffen geholt
und zurückgeschossen, berichten Augenzeugen +++
Internationale Irak-Kontaktgruppe der UNO nimmt Arbeit auf +++
Schiitischer Politiker übernimmt irakische Präsidentschaft
+++ Koalitionstruppen und die von den Amerikanern gelenkte zivile
Übergangsverwaltung genießen in Irak kein Vertrauen
Di.02.12.03 - Der Irak ist nach Einschätzung von Experten der Vereinten Nationen
zum "Schlachtfeld" für Osama bin Ladens Terrororganisation El
Kaida und Anhänger anderer muslimischer Kampfgruppen geworden. Das
Netzwerk von El Kaida breite sich fast ungebremst weiter aus und habe
im Irak einen fruchtbaren Boden gefunden, heißt es in einem
Bericht des zuständigen Ausschusses im UN-Sicherheitsrat. Der
Bericht wurde am Montag in New York vorgelegt.
Darin stellt das "Sanktionskomitee für El Kaida, die Taliban und
Verbündete" fest, dass Terroristen "ungehinderten Zugang" zum Irak
hätten. "Durch die vielen ausländischen und
nicht-muslimischen Soldaten erweist sich (der Irak) als ideales
Schlachtfeld für die Gefolgsleute der von Osama bin Laden
inspirierten 'Muslimischen Weltfront für den Dschihad' (Heiliger
Krieg) gegen die Juden und Kreuzritter', heißt es in dem Bericht,
bezogen auf die Koalition unter US-Führung im Irak. Das Komitee
fordert Regierungen in aller Welt auf, im Kampf gegen den Terrorismus
enger zusammenzuarbeiten und auch härter gegen Terroristen
vorzugehen. Diplomaten des UN-Komitees waren im September durch den
Nahen Osten gereist, um Informationen für den Bericht zu sammeln.
Unter dem Vorsitz von UN-Generalsekretär Kofi Annan hat
unterdessen die Irak-Kontaktgruppe mit Vertretern von 17 Staaten in New
York ihre Arbeit aufgenommen. "Wir hatten eine gute Diskussion", sagte
der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte am Montag (Ortszeit)
nach dem ersten Treffen. Die Teilnehmer seien sich einig über die
Prioritäten gewesen: der wirtschaftliche Aufbau Iraks, die
Machtübergabe an eine einheimische Regierung und die Verbesserung
der Sicherheitslage. Annan habe zugesagt, "ziemlich bald" einen neuen
UN-Sondergesandten für Irak zu ernennen. Er soll Sergio Vieira de
Mello nachfolgen, der im August bei einem Anschlag getötet worden
war.
Nach Einschätzung der UN erlaube die Sicherheitslage im Irak
derzeit kein größeres Engagement der Weltorganisation, sagte
der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte nach dem Treffen vor
Reportern. Der Irak-Sonderbeauftragte der UN, Sergio Vieira de Mello,
war bei dem Bombenanschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad am 19.
August umgekommen. Annan hatte danach alle ausländischen UN-
Mitarbeiter abgezogen.
Aufständische haben am Montag bei Habbanija, 80 Kilometer westlich
von Bagdad, eine US-Patrouille angegriffen. Wie das US-
Militärkommando in Bagdad mitteilte, schossen die Rebellen mit
Handfeuerwaffen aus dem Hinterhalt. Ein US-Soldat wurde schwer
verwundet und erlag später in einem Feldlazarett seinen
Verletzungen.
Am Sonntag starben 54 Iraker, als die US-Truppen Angriffe auf zwei
Geldtransport-Konvois in der Stadt Samarra zurückgeschlugen. Bei
dem Gefecht, das eines der heftigsten seit dem Sturz von Saddam Hussein
war, seien am Sonntag zudem 22 Iraker und fünf US-Soldaten sowie
ein mitreisender Zivilist verletzt worden, sagte der Sprecher der US-
Truppen im Irak, General Mark Kimmitt. Am selben Tag wurden zwei
südkoreanische Elektriker nahe der Stadt Tikrit aus dem Hinterhalt
getötet. Zuvor waren am Wochenende sieben spanische
Geheimdienstbeamte und zwei japanische Diplomaten auf gleiche Weise im
Irak umgekommen.
In einer Erklärung der Streitkräfte vom Montag
hieß es, bei den Angriffen auf die Geldtransporte in Samarra habe
es sich um eine koordinierte Aktion von Gefolgsleuten Saddam Husseins
gehandelt. Anwohner in Samarra sprachen von wesentlich weniger
Todesopfern und warfen den US-Truppen vor, wahllos um sich gefeuert zu
haben.
Nach US-Angaben waren zwei Militärkolonnen in Samarra unterwegs,
um neue Geldscheine und Münzen an Banken auszuliefern. "Sie
wussten, dass wir dorthin gehen", sagte US-Oberst Frederick Rudesheim.
"Das war eine konzertierte Aktion." In einem US-Stützpunkt war ein
halbes Dutzend Verdächtiger zu sehen, denen Säcke über
die Köpfe gestülpt waren. US-Angaben zufolge trugen viele
Angreifer in der 100 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Stadt
Uniformen der paramilitärischen Fedajin-Miliz des gestürzten
Regimes. Jeder Konvoi sei von 30 bis 40 Mann angegriffen worden.
Die Spuren des Gefechts, an dem US-Kampfpanzer mit aller Feuerkraft
teilnahmen, waren am Montag nicht zu übersehen. Ein Dutzend
zerstörter Autos lagen in Straßen. Auf einem Platz war eine
aufgebrachte Menge versammelt, die Saddam Hussein feierte. Ein Mann
feuerte Warnschüsse ab, als sich Journalisten näherten.
Einwohner bestätigten, dass die US-Konvois von Gefolgsleuten
Saddam Husseins angegriffen worden seien. Nachdem die amerikanischen
Soldaten wahllos um sich gefeuert hätten, hätten viele
Einwohner ihre Waffen geholt und zurückgeschossen. Die
Atmosphäre sei nach nächtlichen Verhaftungsaktionen der
Amerikaner aufgeheizt gewesen. "Sie kommen in der Nacht, um Leute zu
verhaften", sagte der 19-jährige Student Athir Abdul Salam. "Was
erwarten sie, wie die reagieren?" Der 30-jährige Ali Hassan
erklärte: "Zivilisten haben auf die Amerikaner
zurückgeschossen."
Sechs zerstörte Autos standen vor einem Krankenhaus - nach Angaben
von Augenzeugen wurden sie beschossen, als sie Verletzte einliefern
wollten. Ein nahe gelegener Kindergarten sei von Panzergranaten
getroffen worden. "Glücklicherweise hatten wir die Kinder
fünf Minuten vorher evakuiert", sagte ein Wächter, Ibrahim
Dschassim.
Die US-Militärführung in Bagdad teilte mit, dass sie seit dem
1. Mai kein größeres Gefecht als das in Samarra gemeldet
habe. Damals hatte US-Präsident George W. Bush das Ende der
Kampfhandlungen verkündet. Die in Samarra angesprochenen Einwohner
wiesen die US-Angaben über getötete Iraker als
überhöht zurück. Es habe acht bis neun Tote gegeben. Im
Leichenschauhaus lagen drei Tote. Es gab keine Möglichkeit, die
unterschiedlichen Angaben zu verifizieren.
Südkorea will trotz des tödlichen Überfalls auf zwei
südkoreanische Ingenieure wie geplant Truppen nach Irak schicken.
Es sei nicht sinnvoll, den Vorfall mit dem Beschluss zur Entsendung von
bis zu 3.000 Soldaten zu verknüpfen, sagte der Nationale
Sicherheitsberater Ra Jong Yil am Montag. Die beiden Südkoreaner
waren am Wochenende auf der Straße zwischen Bagdad und Tikrit
erschossen worden.
Der schiitische Politiker Abdel Asis el Hakim hat am Montag die
rotierende Präsidentschaft im irakischen Regierungsrat
übernommen. Er löste in dem von der US-Besatzungsmacht
eingesetzten Gremium den Kurden Dschalal Talabani ab. El Hakim lehnt
die US-Pläne für den Machttransfer an eine irakische
Regierung ab. Vertreter der schiitischen Bevölkerungsmehrheit
haben sich dagegen gewandt, ein neues Parlament über eine Serie
regionaler Wahlen bestimmen zu lassen. Diese Versammlung soll eine
provisorische Regierung wählen, die am 1. Juli kommenden Jahres
antreten soll. Die Schiiten wollen das Parlament direkt wählen
lassen.
Die Iraker haben nach einer Umfrage kein Vertrauen in die
amerikanisch-britischen Truppen und die von den Amerikanern gelenkte
zivile Übergangsverwaltung. Für die am Montag in London
veröffentlichte Studie befragten die Universität Oxford und
die Forschungsorganisation Oxford Research International 3244 Haushalte.
Die repräsentative Umfrage zeichnet ein Stimmungsbild der
Widersprüche. So halten zwar 42 Prozent den Sturz von
Präsident Saddam Hussein für "das Beste, was in den letzten
zwölf Monaten passiert ist". Doch dieselben
amerikanisch-britischen Truppen, die den Diktator entmachtet haben,
genießen weniger Vertrauen als jede andere Institution. 79
Prozent der Befragten gaben an, "kein Vertrauen" in die Truppen zu
haben. Aber auch den irakischen Parteien misstrauen 78 Prozent.
Großes Vertrauen (70 Prozent) genießen nur die
religiösen Führer des Landes. Den höchsten Wert unter
den ausländischen Institutionen im Lande erzielten mit 35 Prozent
die UN.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Auch das ist neu am modernen Blitzkrieg mit anschließender
Besetzung. Die "Befreiten" werden, bevor sie selbst ihr politisches
Schicksal in die Hand nehmen dürfen, schon einmal befragt nach
ihrer Haltung und ihrer Stimmung
Wie repräsentativ solche Umfragen in einem Land voller Gewalt,
Chaos und Unsicherheit sind, das noch keine wirkliche Orientierung
erlaubt, sei dahin gestellt. Die von Oxford Research
International durchgeführte Befragung von 3.244 Irakern im
Oktober und November hat jedenfalls den Anspruch, die "bislang erste
wirklich repräsentative Meinungsumfrage" im Irak zu sein.
Die Ergebnisse der Befragung sind so wenig konsistent wie die
Entwicklung des immer noch nicht ganz von Hussein befreiten Landes, in
dem die Besatzungsmacht weiterhin ohne wirklich ausgereiftes Konzept
eher einen hilflosen Eindruck macht...
telepolis vom 02.12.03
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16226/1.html
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USA für größere NATO-Rolle in Irak und Afghanistan
Di.02.12.03 - Die USA stehen nach den Worten von Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld einem größeren Engagement der NATO in Afghanistan
und Irak positiv gegenüber. «Die USA sind offen für
eine erweiterte Rolle der NATO in beiden Ländern», sagte
Rumsfeld bei einem Treffen der Verteidigungsminister der Allianz am
Montag in Brüssel. In Afghanistan sei vorstellbar, dass die NATO
neben der UN-Friedenstruppe ISAF auch die Führung der
Verbände im Rahmen der Mission «Enduring Freedom»
übernimmt, die vornehmlich im Norden des Landes gegen versprengte
Verbände von El Kaida und der Taliban kämpft. Konkrete
Pläne oder ein Zeitrahmen dazu lägen allerdings noch nicht
vor.
(Quelle: ap)
Bundeswehr-Verband warnt vor bedenklosem weltweiten Einsatz
Di.02.12.03 - Der Chef des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, hat vor einer
bedenkenlosen Ausweitung internationaler Kriseneinsätze deutscher
Soldaten gewarnt. «Wir müssen da operieren, wo unsere
Sicherheitsinteressen berührt sind», sagte er der
«Lausitzer Rundschau». Er reagierte damit auf das Ziel von
Verteidigungsminister Peter Struck, 130 000 Soldaten für
Einsätze an jedem Ort der Erde bereit zu halten. Derzeit sind rund
9000 auf dem Balkan, in Afghanistan und anderen Krisengebieten
stationiert.
(Quelle: dpa)
Deutscher Verteidigungsminister weist US-Kritik zurück
Struck: EU-Militärpolitik dient zur Stärkung der NATO
Di.02.12.03 - Verteidigungsminister Peter Struck hat die verhaltene Reaktion der USA
auf eine EU-Vereinbarung zur Militärpolitik zurückgewiesen.
Das Vorgehen der Europäischen Union «dient dem Ziel, den
europäischen Pfeiler der NATO zu stärken», sagte Struck
am Montag zum Auftakt eines Treffens der NATO-Verteidigungsminister in
Brüssel. Dies müsse auch im Interesse der USA sein. Insofern
sei «das überhaupt keine Konkurrenzveranstaltung zur
NATO».
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte am Sonntagabend darauf
hingewiesen, dass die NATO funktioniere und nicht in Gefahr gebracht
werden dürfe. Die EU-Außenminister hatten sich am Wochenende
in Neapel im Grundsatz darauf verständigt, einen bereits
bestehenden Militärstab in Brüssel aufzustocken, damit dieser
auch operative Aufgaben übernehmen kann. Zugleich soll aber auch
eine im militärischen NATO-Hauptquartier SHAPE bestehende
EU-Planungszelle permanent eingerichtet werden.
Struck äußerte zudem Zuversicht, dass die noch bestehenden
militärischen Lücken in Afghanistan geschlossen werden
könnten. Der Minister wies aber darauf hin, dass
«Deutschland eine Menge dazu geleistet hat». Struck betonte
deshalb: «Jetzt sind andere gefragt.» Nach seinen Angaben
fehlen für den ISAF-Einsatz in Kabul derzeit Hubschrauber und
Experten für die Aufklärung. Die Mission in Afghanistan steht
seit August unter NATO-Führung.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Rumsfeld warnt EU: NATO nicht in Gefahr bringen
Mo.01.12.03 - Vor der heute beginnenden Herbsttagung der NATO hat
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die EU vor der Bildung einer
unabhängigen militärischen Planungszelle gewarnt. Es
dürfe nichts unternommen werden, was den Nordatlantikpakt in
irgend einer Form in Gefahr bringe, sagte Rumsfeld....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#03120113
EU nimmt Kurs auf Stärkung von Militärstrukturen
EU-Militärstab in Brüssel soll aufgestockt werden und
künftig auch operative Aufgaben übernehmen können.
Zugleich soll eine zurzeit im militärischen NATO-Hauptquartier
SHAPE bestehende EU-Planungszelle permanent eingerichtet werden
Sa.29.11.03 - Nach monatelangen Auseinandersetzungen nimmt die Europäische Union
Kurs auf eine Stärkung der gemeinsamen Militärstrukturen.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien einigten sich nach
Angaben von Diplomaten am Rande eines Treffens der
EU-Außenminister am Freitag in Neapel auf ein gemeinsames
Vorgehen. Die Pläne sollten mit den übrigen Ministern bei den
zweitägigen Verhandlungen über die europäische
Verfassung erörtert werden.
Danach soll der bereits bestehende EU-Militärstab in Brüssel
aufgestockt werden und künftig auch operative Aufgaben
übernehmen können. Zugleich soll eine zurzeit im
militärischen NATO-Hauptquartier SHAPE bestehende EU-Planungszelle
permanent eingerichtet werden. Deutschland und Frankreich drängen
seit langem, dass die EU von der NATO unabhängige
militärische Einsätze planen und führen können
muss. Dagegen waren bislang besonders die USA, die eine Schwächung
der NATO befürchten. Auch Großbritannien war mit Verweis auf
die Allianz skeptisch...
Mehr unter:
http://home/t.online.de/home/boa-archiv2/k0311290.htm#03112911
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema Nato unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#031201ua
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Bush macht Weg frei für neue Atomwaffen-Generation
US-Militärexperten: Die neue Generation von Atomwaffen könnte
für Präventivkriege gegen Feinde eingesetzt werden, die
heimlich Arsenale von Massenvernichtungswaffen anlegen
Di.02.12.03 - Die USA planen die Entwicklung kleiner, punktgenau einsetzbarer
Atomwaffen. Präsident George W. Bush gab mit seiner Unterschrift
unter einen Gesetzentwurf mehr als zehn Millionen Dollar für
Expertenstudien frei, die den Weg für eine neue Generation von
Nuklearwaffen bereiten sollen. 7,5 Millionen Dollar sollen für
eine Machbarkeitsstudie ausgegeben werden, die die Nutzung von
Atomwaffen als "Bunkerbrecher" untersucht. Sechs Millionen Dollar
fließen in eine Studie zur Entwicklung kleiner Atomwaffen mit
begrenzter Schlagkraft. Darüber hinaus werden 24,9 Millionen
Dollar in das Atomtestgelände in Nevada investiert.
Nach Einschätzung von US-Militärexperten könnte die neue
Generation von Atomwaffen für Präventivkriege gegen Feinde
eingesetzt werden, die heimlich Arsenale von Massenvernichtungswaffen
anlegen. Der US-Militärgeheimdienst DIA schätzt, dass
weltweit etwa 1400 Bunker existieren, die als unterirdische Lager
für Massenvernichtungswaffen, als getarnte
Raketenabschussvorrichtungen oder als geheime Kommandozentren genutzt
werden.
Wie US-Regierungsbeamte mitteilten, suchen Waffenforscher derzeit nach
technischen Möglichkeiten, bereits existierende Sprengköpfe
des Typs B61 und B83 in "Bunkerbrecher" umzuwandeln. Dafür
müssten die Bombenhüllen extrem gehärtet werden, so dass
die Sprengköpfe erst dann explodieren, wenn sie Fels-, Stahl- oder
Zementschichten durchdrungen haben. Die Experten suchten außerdem
nach Wegen, kleine Atombomben mit begrenzter Sprengkraft bei Angriffen
mit hoch präzisen Waffen punktgenau einzusetzen.
Zusätzlich sieht das von Bush unterzeichnete Gesetz Investitionen
in Höhe von 24,9 Millionen Dollar auf dem Atomtestgelände in
Nevada vor. Mit dem Geld soll die Einrichtung in die Lage versetzt
werden, die Vorbereitungszeit für Atomtests zu verringern. Bislang
benötigt die Anlage 36 Monate, um einen von der Regierung
angeordneten Atomtest durchzuführen. Künftig sollen es 24
Monate sein. Bush hatte ursprünglich Finanzmittel angefordert, um
die Spanne auf 18 Monate zu verringern. Dies hatte der Kongress aber
abgelehnt.
Auch für die Studien zu den neuen Atomwaffen hatte Bush
ursprünglich einen Betrag angefordert, der sich beinahe auf das
Doppelte der letztlich vom Kongress genehmigten Gelder belief.
Insgesamt hatte der Kongress für das Finanzjahr 2004 die Summe von
6,3 Milliarden Dollar für nuklearwaffenbezogene Ausgaben
bewilligt. Dies waren 303 Millionen Dollar mehr als im Vorjahr und 94
Millionen Dollar weniger als von Bush verlangt.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Russland besorgt über US-Pläne zur Entwicklung neuer
Atomwaffen
Generalstabschef der russischen Streitkräfte: Moskau müsse
seine Nuklearstrategie überdenken
Do.27.11.03 - Russland hat sich besorgt über die Pläne der US-Regierung zur
Entwicklung einer neuartigen Mini-Atombombe geäußert. Der
stellvertretende Generalstabschef der russischen Streitkräfte,
Juri Balujewski, forderte am Mittwoch, Moskau müsse seine
Nuklearstrategie überdenken...
Besorgt zeigte sich Balujewski auch darüber, dass die USA in
Europa nach wie vor Atomwaffen stationiert hätten, die Ziele in
Russland erreichen könnten.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311270.htm#03112701
US-Kongress billigt 401,3 Milliarden Dollar-Rekord-Verteidigungsetat
Aufhebung des zehnjährigen Verbotes so genannter Mini-Atombomben
vorgesehen +++ IPPNW warnt vor neuer 'Spirale der atomaren
Aufrüstung': Frankreich und Russland hätten in Reaktion auf
die US-Pläne bereits die Entwicklung einer neuen
Atomwaffengeneration angekündigt. Auch Nordkorea oder Iran
würden verstärkt versuchen, in den Besitz der Bombe zu kommen
Fr.14.11.03 - Der US-Kongress hat den von der Regierung vorgelegten Rüstungsetat
für das Jahr 2004 in der Rekordhöhe von 401,3 Milliarden
Dollar (rund 346 Milliarden Euro) gebilligt. Nach dem
Repräsentantenhaus stimmte der Senat in Washington zu. Das Gesetz
sieht unter anderem die Aufhebung des zehnjährigen Verbotes so
genannter Mini-Atombomben vor. Dies werde ein neues nukleares
Wettrüsten in Gang setzen, warnten die internationalen Ärzte
für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW)...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311140.htm#03111401
Atombehörde IAEA: USA halten sich nicht an Atomwaffen-Sperrvertrag
Mi.27.08.03 - Der Direktor der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA),
Mohamed ElBaradei, hat den USA vorgeworfen, sich nicht an den
Atomwaffensperrvertrag zu halten.
"Die US-Regierung verlangt von anderen Staaten, keine Atomwaffen zu
besitzen. Und rüstet selbst auf", sagte ElBaradei in einem am
Dienstag vorab veröffentlichten Interview des Magazins "Stern".
"Da wird mit doppeltem Maßstab gemessen." Im
Atomwaffensperrvertrag verpflichteten sich auch die USA zur nuklearen
Abrüstung. "Zurzeit passiert das Gegenteil." ElBaradei kritisierte
die Entscheidung des US-Senats, Forschung an "Mini-Atombomben" zu
finanzieren: "Noch geht es nur um Forschung. Aber das ist schlimm
genug", sagte er. "Ich glaube, es entspricht nicht dem Vertrag, den sie
unterzeichnet haben."
"Die fünf (offiziellen) Atommächte (USA, Russland, China,
Großbritannien und Frankreich) müssen eine klare Botschaft
an die Welt senden: Auch wir rüsten ab. Wir entwickeln keine neuen
Atomwaffen", sagte ElBaradei. Heute seien Atomwaffen nicht mehr
geächtet, sondern erschienen mehr und mehr legitim. Bislang agiere
die Welt auf die Bedrohung durch ihre Weiterverbreitung bestenfalls wie
die Feuerwehr: "Heute der Irak, morgen Nordkorea, übermorgen der
Iran. Und dann?" ElBaradei forderte weitergehende Rechte für die
Waffeninspekteure der Vereinten Nationen (UNO): "Sie müssen
unangemeldet und ungehindert Zugang zu allen Anlagen erhalten."
(Quelle: rtr)
US-Militärs und Rüstungslobby erwägen Einsatz von
Nuklearwaffen - Aufrüstung mit Mini-Nukes
Die Planungen des US-Verteidigungsministeriums zum Einsatz
nuklearer Waffensysteme nehmen konkrete Formen an. Über 150
Vertreter des Militärs und der nationalen Rüstungsindustrie
kamen am Donnerstag vergangener Woche auf dem Luftwaffenstützpunkt
Offutt im US-Bundesstaat Nebraska zusammen, um den künftigen Um-
und Aufbau des nuklearen Waffenarsenals zu beraten. Im Zentrum der
Diskussion stand die Entwicklung von "mini-nukes", kleinen Atomwaffen
mit einer Sprengkraft von bis zu einer Kilotonne...("junge Welt"
vom 11.08.03)
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/08-11/005.php
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15407/1.html
Friedensaktivisten protestieren vor US-Atomwaffenanlag
Mo.11.08.03 - Rund 58 Jahre nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima haben hunderte
Demonstranten vor der US-Anlage Oak Ridge gegen die weitere Produktion
von Kernwaffen protestiert. "Entwaffnung beginnt zuhause" und "Frieden
statt Krieg" war auf den Transparenten der rund 300 Aktivisten zu
lesen, die am Sonntag vor der Waffenfabrik aufmarschierten, aus der das
Uran stammt, das am 6. August 1945 Tod und Verzweiflung über die
japanische Stadt Hiroshima brachte.
Mehrere Demonstranten wurden festgenommen. Gegen die Protestkundgebung
formierte sich eine kleine Gegendemonstration. Noch heute leiden
tausende Menschen an den Spätfolgen der Bomben von Hiroshima und
Nagasaki, nach deren Abwurf Japan am 15. August 1945 kapitulierte.
(Quelle: ap)
|
Empörung in den USA nach Tod eines Schwarzen bei Polizeieinsatz
Di.02.12.03 - In den USA sorgt erneut der Tod eines Schwarzen nach der Misshandlung
durch die Polizei für Schlagzeilen. Der Fall wurde durch eine
Videoaufnahme publik. Sie zeigt, wie Polizisten minutenlang mit
Knüppeln auf den 41-Jährigen einschlagen, weil dieser sich
der Festnahme widersetzte. Als der Mann reglos am Boden liegt, stellt
ein Polizist fest, dass er nicht mehr atmet. Der Schwarze starb wenig
später auf dem Weg zum Krankenhaus. Bürgerrechtsaktivisten
bezeichneten den Vorfall vom Sonntag als Beleg für die
Brutalität der Polizei. Vor mehr als drei Jahren hatte es in
Cincinnati schwere Unruhen gegeben, nachdem ein Polizist einen
Schwarzen erschossen hatte, der sich der Verhaftung entziehen wollte.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Mehr zum Thema in der "tageszeitung" vom 03.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/03/a0097.nf/text
Nahost-Konflikt
Vier Palästinenser bei Groß-Razzia getötet +++ Mehrheit
der Israelis für Aufgabe jüdischer Siedlungen
Di.02.12.03 - Spezialeinheiten der israelischen Armee haben in Ramallah im
Westjordanland vier Palästinenser getötet und über 40
weitere festgenommen. Unter den Getöteten war auch ein
achtjähriger Junge. Bei den Festgenommenen handelt es sich nach
israelischen Angaben um Mitglieder der militanten Hamas-Organisation.
Im Gazastreifen starb ein mutmaßlicher Extremist bei einer
Explosion in seinem Auto. Die Armeeoperation überschattet
jüngste Bemühungen um die Wiederbelebung des gelähmten
Friedensprozesses im Nahen Osten.
Die Israelis unterstützen einer Umfrage zufolge mehrheitlich die
Aufgabe jüdischer Siedlungen im Westjordanland und im
Gazastreifen. In der Erhebung, die die Zeitung "Haaretz" am Montag
veröffentlichte, äußerten 59,8 Prozent der Befragten
Zustimmung zu einer entsprechenden Ankündigung von
Ministerpräsident Ariel Scharon. Dieser hatte vergangene Woche
erklärt, seine Regierung werde für einen Frieden mit den
Palästinensern territoriale Zugeständnisse machen müssen.
Rund ein Drittel der Befragten sprach sich gegen die Räumung von
Siedlungen aus, 6,6 Prozent äußerten sich unentschlossen.
Allerdings gaben lediglich 15,6 Prozent an, sie hielten Scharons
Äußerungen für eine ernsthafte Initiative. 39,2 Prozent
vermuten dahinter einen Versuch, die Umfragewerte des Regierungschefs
zu verbessern. Gut ein Viertel der Befragten sieht den Plan als
Vorstoß, um die Öffentlichkeit auf die mögliche Aufgabe
von Siedlungen vorzubereiten.
An der Umfrage nahmen 876 Personen teil. Die Fehlerquote wurde mit 4,3
Prozent angegeben.
(Quellen: dpa, ap)
Genfer Nahost-Initiative offiziell verabschiedet
Arafat lobt alternativen Friedensplan als 'mutige Initiative' -
Washington betont Vorrang der 'Road Map'
Di.02.12.03 - In einer feierlichen Zeremonie haben hunderte Gäste aus aller
Welt, unter ihnen Friedensnobelpreisträger und ehemalige Staats-
und Regierungschefs, in der Schweiz die "Genfer Friedensinitiative"
für Nahost verabschiedet. "Es ist unwahrscheinlich, dass wir
jemals eine aussichtsreichere Grundlage für Frieden sehen werden",
sagte der frühere US-Präsident Jimmy Carter in seiner
Eröffnungsrede.
"Die einzige Alternative zu dieser Initiative ist anhaltende und
fortwährende Gewalt", sagte Carter vor rund 700 Gästen in
einem Konferenzzentrum nahe dem UN-Hauptsitz. Carter warf der
derzeitigen US-Regierung Einseitigkeit vor. Sie unterstütze nur
Israel und ignoriere das Wohl der Palästinenser. Dies sei "einer
der Hauptgründe für anti-amerikanische Gefühle im
gesamten Nahen Osten und ein Anreiz für terroristische
Aktivitäten".
Unter den Gästen waren neben Carter weitere Nobelpreisträger:
die ehemaligen Präsidenten Polens und Südafrikas, Lech Walesa
und Nelson Mandela per Videobotschaft, sowie der Ire John Hume.
Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) erklärte in
Berlin, angesichts der "Besorgnis erregenden Situation im Nahen Osten
ist die Tatsache, dass prominente israelische und palästinensische
Persönlichkeiten die Perspektive für ein friedliches
Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern erarbeiten ein
ermutigendes Signal der Hoffnung".
Israels Regierungschef Ariel Scharon hatte die Initiative als
"gefährlich" abgelehnt und die "Roadmap" des so genannten
Nahost-Quartetts als einzig verbindliche Grundlage für den
Friedensprozess bezeichnet. Der frühere israelische
Parlamentspräsident Avraham Burg sagte dagegen in Genf, wenn die
"Regierung nicht für das Volk hier ist", müsse das Volk
für sich selbst einstehen.
Auch beim radikalen Flügel von Arafats Fatah-Bewegung sowie bei
extremistischen palästinensischen Organisationen stösst die
Initiative auf Widerstand. Das Dokument sieht die Schaffung eines
palästinensischen Staates vor, der 98 Prozent des Westjordanlands
und den gesamten Gazastreifen umfassen soll. Im Gegenzug sollen
vertriebene palästinensische Familien ihre Forderung nach
Rückkehr in ihre Heimat auf israelischem Territorium aufgeben.
Die Genfer Initiative wurde vom ehemaligen israelischen Justizminister
Jossi Beilin und dem früheren palästinensischen
Unterhändler Jassir Abed Rabbo ins Leben gerufen und von
Politikern beider Konfliktparteien ausgearbeitet. Sie geht über
die "Roadmap" des Nahost-Quartetts hinaus; sie bietet Lösungen
für die strittigsten Punkte und fordert von beiden Seiten
härtere Zugeständnisse.
Der palästinensische Präsident Jassir Aarafat hat sich am
Montagabend ausdrücklich hinter den in Genf vorgestellten
alternativen Nahost-Friedensplan gestellt. In einer schriftlichen
Erklärung bezeichnete Arafat das von früheren israelischen
und palästinensischen Politikern ausgehandelte Dokument als eine
"mutige Initiative, die die Tür zum Frieden aufstösst".
Arafat hatte sich bislang eher zurückhaltend zu dem so genannten
Genfer Abkommen geäussert, das in seiner Fatah-Bewegung umstritten
ist. Allerdings signalisierte er bereits durch die Entsendung seines
Kabinettsministers Kadura Fares und des für Häftlingsfragen
zuständigen Ministers Hischam Abdel Rasek nach Genf
Unterstützung für den Plan.
Das US-Aussenministerium lobte am Montag die Initiatoren des Abkommens.
Sprecher Richard Boucher betonte aber, Grundlage des
Nahost-Friedensprozesses müsse die von den USA gemeinsam mit der
EU, den UN und Russland vorgelegte "Roadmap" bleiben. "Und ich
möchte daran erinnern, dass der erste Schritt ein Ende der Gewalt
ist. Die palästinensische Regierung muss Terror und Gewalt
bekämpfen", sagte Boucher.
(Quellen: afp, ap)
Genfer Abkommen:
http://www.miftah.org/Display.cfm?DocId=2575&CategoryId=7
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zur Genfer Friedensinitiative unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#031201_e
Menschenrechtler fordern von Commonwealth klare Worte zu Nigeria
Di.02.12.03 - Anlässlich des Commonwealth-Gipfels in Nigeria Ende dieser Woche
hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch auf
Einschränkungen der Meinungsfreiheit in dem westafrikanischen Land
hingewiesen. Im Sommer seien mindestens zwölf Demonstranten von
der Polizei erschossen worden, heißt es in dem am Dienstag
veröffentlichten Bericht. Journalisten würden zum Teil mit
Gewalt an der Arbeit gehindert oder eingeschüchtert.
Human Rights Watch forderte die Common-Wealth-Staaten auf, bei dem
Gipfeltreffen ab Freitag Druck auf die nigerianische Regierung
auszüben. Die Organisation warf dem Westen vor, wegen der
großen Ölvorkommen in Nigeria die Augen vor den
Menschenrechtsverletzungen zu verschließen.
Dem Commonwealth gehören Großbritannien und seine ehemaligen
Kolonien an. Zu dem viertägigen Gipfeltreffen in der
nigerianischen Hauptstadt Abuja werden 53 Staatsoberhäupter
erwartet, darunter die britische Königin Elizabeth. Die
stellvertretende Vorsitzende des britischen Unterhauses, Baroness
Caroline Cox, hatte Nigeria am Montag besucht und eine Verbesserung der
Menschenrechtslage angemahnt.
(Quelle: afp)
UN-Ernährungsorganisation fordert mehr Hilfe
FAO: Kampf gegen Hunger ist auch Mittel im Kampf gegen Terrorismus.
Derzeit hungern 842 Millionen Menschen
Di.02.12.03 - Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) hat mehr
Investitionen zur Entwicklung der Agrarwirtschaft in Afrika, Asien und
Lateinamerika gefordert. Von der Landwirtschaft lebten rund 40 Prozent
der Menschen in Entwicklungsländern, sagte FAO-Generaldirektor
Diouf gestern in Rom vor Vertretern von 183 FAO-Mitgliedsländern.
Der Kampf gegen Unterernährung sei auch ein Mittel zur
Bekämpfung des Terrorismus. Daher liege er auch im Interesse der
Industrienationen. "Unzufriedenheit über Hunger und Armut schafft
Extremismus, der die nationale Stabilität gefährden kann", so
Diouf. Laut FAO stieg die Zahl der Hungernden wieder auf derzeit 842
Millionen Menschen weltweit.
Mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen über das FAO-Budget
warnte Diouf vor weiteren Einsparungen. Der Zweijahreshaushalt wurde
bereits 1996 verringert, was einen Personalabbau um 30 Prozent
erforderlich machte. 2002/2003 umfasst der Etat 652 Millionen
US-Dollar. Zu den FAO-Zielen gehört die Verbesserung der
landwirtschaftlichen Produktivität und der Lebensbedingungen in
ländlichen Regionen. Die FAO-Konferenz tagt bis zum 10. Dezember.
(Quelle: taz/epd)
Blick ins Archiv
Bekämpfung des Hungers hat Rückschlag erlitten
Welthungerbericht 2003 der UN-Ernährungsorganisation: Zahl
hungernder Menschen erneut angestiegen - Weltweit sind 842 Millionen
Menschen chronisch unterernährt. Ziel des
Welternährungsgipfels 1996, die Zahl der Hungernden bis zum Jahr
2015 zu halbieren, ist kaum noch zu erreichen
Mi.26.11.03 - Die Zahl hungernder Menschen ist weltweit wieder angestiegen. Die
Bekämpfung des Hungers habe einen Rückschlag erlitten,
heißt es im Welthungerbericht 2003 der
UN-Ernährungsorganisation (FAO), der gestern in Berlin vorgestellt
wurde. Insgesamt seien 842 Millionen Menschen chronisch
unterernährt, davon zehn Millionen in den Industriestaaten.
Als Grund für die alarmierende Entwicklung nannte die FAO neben
Naturkatastrophen, Kriegen und Aids vor allem den "mangelnden
politischen Willen" zum Kampf gegen den Hunger...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311260.htm#03112611
|
Gefälschte Arzneimittel werden weltweit zur Gefahr für
Verbraucher
70 Prozent aller Arzneimittelfälschungen werden in den
Entwicklungsländern registriert
Di.02.12.03 - Gefälschte Medikamente werden für Unternehmen und Patienten
zu einem wachsenden Problem. Weltweit würden immer mehr
Arzneimittel nachgeahmt, sagte die stellvertretende
Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der
Pharmazeutischen Industrie (BPI), Barbara Sickmüller, am
Montagabend in Berlin. Die Bandbreite reiche dabei von gefälschten
Packungen bis hin zu geänderten Wirkstoffen. Für Patienten
könne dies im Extremfall tödlich enden. Eine
Verschärfung der Gesetze sei daher dringend notwendig.
Derzeit seien weltweit bis zu acht Prozent der Medikamente
gefälscht, sagte Sickmüller. In einzelnen Ländern,
beispielsweise in Asien, liege der Anteil sogar bei 80 Prozent. Auch in
Europa und Deutschland träten jedoch vermehrt Betrugsfälle
auf. Re-Importregeln oder Internethandel erleichtere den Tätern
die Arbeit. Die Novelle des Arzneimittelgesetzes, die Anfang kommenden
Jahres im Bundestag beraten werde, müsse dringend umgesetzt
werden, weil darin die Strafen für Arzneimittelfälschungen
drastisch erhöht würden.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO registrierte zwischen 1982 und 1999
weltweit über 770 Arzneimittelfälschungen, 70 Prozent davon
in den Entwicklungsländern. In vielen Fällen wurden nicht nur
die Präparate gefälscht, sondern auch die Wirkstoffe durch
andere Substanzen ersetzt. So starben 1990 in Nigeria über 100
Kinder an Hustensaft, der mit giftigem Lösungsmittel versetzt
wurde. In Niger wurde 1995 ein Menigitis-Medikament entdeckt, das nur
Wasser enthielt.
(Quelle: ap)
Nigerias Regierung hat in ihrem Bemühen, die Einfuhr
gefälschter Medikamente zu unterbinden, neue Richtlinien für
die Händler herausgegeben
Ab Januar besteht für alle Präparate eine
Kennzeichnungspflicht. Wer seine Produkte nicht bei der staatlichen
Kontrollbehörde NAFDAC registrieren läßt, muß mit
dem Verlust seiner Verkaufslizenz rechnen. Außerdem sollen
sämtliche Fakes bis Ende nächsten Jahres aus dem Verkehr
gezogen sein. Ziel ist es, bis spätestens Ende nächsten
Jahres die extrem preiswerten, aber gepanschten Arzneien vom Markt zu
entfernen.
In der ostnigerianischen Stadt Enugu wurden bereits 17 Apotheken
geschlossen, nachdem dort Mitte des Jahres zwei Kinder in einer
städtischen Herzklinik an den Folgen gefälschter Medikamente
gestorben sind. Die Apotheker machen die Importeure für die vielen
Fälschungen in ihren Regalen verantwortlich. »Wenn sie erst
gar nicht ins Land gelangten, würden sie auch nicht
verkauft«, meint David Gabriel, Leiter der in Lagos angesiedelten
»DOGAB Pharmacy«. ...
Aus "junge Welt" vom 02.12.03
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/12-02/007.php
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Deutschland will China-Waffenembargo kippen
Es ist die letzte Sanktion gegen Peking, die seit der blutigen
Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in China noch besteht +++
Grüne lehnen Lockerung des Embargos ab +++ Amnesty ruft
Schröder zu Einsatz für Menschenrechte in China auf +++
Deutschland ist Chinas größter Handelspartner in Europa und
deckt 40 Prozent des chinesisch-europäischen Handelsvolumens ab
Di.02.12.03 - Deutschland hat sich für eine Aufhebung des europäischen
Waffenembargos gegen China ausgesprochen. Kanzler Gerhard Schröder
sagte am Montag in Peking seinem Amtskollegen Wen Jiabao zu, er wolle
sich in der Europäischen Union dafür einsetzen. Es sei
«an der Zeit dafür», sagte der Kanzler nach Angaben
aus Regierungskreisen.
Nach Frankreich ist Deutschland damit das zweite große
europäische Land, dass sich ausdrücklich für ein Ende
des Embargos einsetzt. Es ist die letzte Sanktion gegen Peking, die
seit der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in China
noch besteht.
Die Grünen lehnen die von Schröder angekündigte
Lockerung des Waffenembargos gegen China ab. Grünen-Chefin
Angelika Beer sagte am Montag in Berlin, ein solcher Schritt müsse
gründlich überprüft werden. «Bei den
Menschenrechten ist keineswegs alles im grünen Bereich.»
Gegebenenfalls müsse man Anfragen nach Rüstungslieferungen
zurückweisen.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den deutschen
Kanzler zu deutlichen Hinweisen aufgerufen, «dass der chinesische
Staat die Menschenrechte weiterhin vielfach und schwerwiegend
verletzt». Der am Montag in Berlin veröffentlichte Aufruf
richtete sich auch an die mitreisende Bundesjustizministerin Brigitte
Zypries. Die Organisation rügte: «Während der Reise
soll das zweite Programm des deutsch-chinesischen Rechtsstaatsdialogs
unterzeichnet werden, ohne dass das Thema Menschenrechte bislang eine
angemessene Rolle gespielt hätte.» Dem Dialog fehlten in
dieser Hinsicht Ziele und Ergebnisse.
Amnesty forderte, Schröder solle sich konkret für bestimmte
Betroffene verwenden. Auch in diesem Jahr seien in China wieder
zahlreiche Menschen aus politischen Gründen inhaftiert und zu
hohen Strafen verurteilt worden. Es werde nicht zwischen friedlichem
Protest und gewaltsamen Aktivitäten unterschieden; Folter und
Misshandlung sein unverändert weit verbreitet.
Zum Auftakt des dreitägigen Kanzler-Besuches zeichneten sich neue
Chancen für die deutsche Magnetschnellbahn Transrapid in China ab.
Siemens-Chef Heinrich von Pierer rechnet fest mit dem Bau weiterer
Strecken. Nach einer Inbetriebnahme der weltweit ersten kommerziellen
Strecke zum Flughafen in Schanghai am 1. Januar werde darüber
entschieden. «Es wird weitere Strecken geben.» Dabei sprach
von Pierer von eher kürzeren Strecken als die geplante lukrative
Hochgeschwindigkeitsverbindung über 1300 Kilometer zwischen
Schanghai und Peking. Von Pierer sieht auch gute Chancen für den
Einsatz von konventioneller Schienentechnik wie dem ICE des
Münchner Konzerns. «Ich erwarte, dass es in China beide
Systeme geben wird.»
Der Kanzler traf in Peking auch Staats- und Parteichef Hu Jintao, der
Schröder «als alten Freund Chinas» empfing. Nach dem
Generationswechsel an der Spitze von Partei und Staat war es das erste
Treffen des Kanzlers mit den beiden chinesischen Spitzenpolitikern in
ihrer neuen Position. Hu Jintao, der sich im Tauziehen um Nordkoreas
Atomprogramm engagiert, zeigte sich «optimistisch», da alle
Beteiligten eine friedliche Lösung und als Fernziel eine
atomwaffenfreie koreanische Halbinsel wollten. Hu Jintao sah eine
«instrumentale Rolle» Chinas als Vermittler. Weit gehende
Einigkeit gab es auch über den Irak und Afghanistan.
In Gegenwart von Schröder und Wen Jiabao wurden elf Regierungs-
und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Beide Seiten verlängerten
ihren Rechtsdialog um zwei Jahre. Der Austausch wird um ein eigenes
Kapitel Menschenrechte erweitert. Auch wurde die Gründung neuer
Konsulate, der Schutz von Investitionen sowie Kooperationen in der
Schifffahrt und beim Einsatz erneuerbarer Energien im Verkehr
vereinbart. Schwäbisch Hall besiegelte die erste
chinesisch-deutsche Bausparkasse. Volkswagen zeichnete die Ausweitung
seiner Aktivitäten in China ab. Repower Systems AG vereinbarte den
Bau eines Windparks.
Chinas Ministerpräsident rechnet damit, dass das Handelsvolumen
mit Deutschland in diesem Jahr auf 40 Milliarden US-Dollar steigen
wird. Der Zuwachs in den ersten zehn Monaten betrug schon 49 Prozent.
Deutschland ist Chinas größter Handelspartner in Europa und
deckt 40 Prozent des chinesisch-europäischen Handelsvolumens ab.
Nach den USA ist China der zweitgrößte Handelspartner
Deutschlands außerhalb Europas. Wen Jiabao nahm eine Einladung
Schröders zum Besuch in Berlin an. Die Beziehungen hätten
«eine solide Basis mit einer viel versprechenden Zukunft»,
sagte der Regierungschef.
Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) wird am Dienstag im
Eisenbahnministerium die Chancen des Transrapids oder der ICE-Technik
erkunden. Wie dpa erfuhr, erwägt Schanghai konkret eine
Verlängerung der bestehenden Flughafenstrecke um sieben Kilometer
zum Gelände der geplanten Weltausstellung 2010 sowie um 30
Kilometer zur Küste.
(Quelle: ap)
OSZE-Tagung berät Georgien und Terrorismus
Di.02.12.03 - Mit dem Hinweis auf "alarmierende Entwicklungen" bei internationalem
Terrorismus und Menschenhandel hat der niederländische
Ministerpräsident Jan Peter Balkenende den Ministerrat der
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
eröffnet. Zu Beginn der zweitägigen Beratungen in Maastricht
nannte Balkenende insbesondere die zunehmenden "terroristischen
Angriffe radikaler Gruppen, die vor nichts mehr haltmachen", sowie "den
Menschenhandel in einem Ausmaß, das niemand mehr für
möglich gehalten hätte".
Neben Programmen gegen den internationalen Terrorismus und
Menschenhandel will sich der Rat mit der Lage in Georgien befassen. Die
meisten der 55 OSZE-Mitglieder sind durch ihre Außenminister
vertreten. Der scheidende OSZE-Ratsvorsitzende, der
niederländische Außenminister Jaap de Hoop Scheffer, rief
die Mitgliedstaaten zur Unterstützung der vorgezogenen Neuwahlen
in Georgien auf.
Die Wahlen könnten zwar nicht "wie mit einem Zauberstab" die
internen Konflikte - vor allem mit den abtrünnigen Regionen
Abchasien und Südossetien - lösen; doch könne das neue
politische Klima bei der Suche nach Kompromissen helfen, sagte der
designierte NATO-Generalsekretär. Nach seinen Angaben werden
allein für die Organisation der Neuwahlen fünf Millionen Euro
benötigt.
Die in New York ansässige Journalistenorganisation Committee to
Protect Journalists erhält in diesem Jahr den Journalismus- und
Demokratiepreis der OSZE. Damit würdigt die OSZE den Einsatz der
1981 gegründeten Organisation für die weltweite
Pressefreiheit. Der Preis ist mit 20.000 Dollar (16.675 Euro) dotiert
und wird seit 1996 vergeben. Die Preisverleihung findet am 19. Februar
in Wien statt.
(Quelle: afp)
Burdschanadse wirft Moskau Aushöhlung der Souveränität
Georgiens vor
Raschen Abzug der noch in Georgien stationierten russischen Truppen
gefordert
Di.02.12.03 - Die georgische Übergangspräsidentin Nino Burdschanadse hat am
Montag zu Beginn der OSZE-Ministerratstagung in Maastricht scharfe
Angriffe gegen Russland gerichtet. Bei ihrem ersten Auftritt auf
internationaler Bühne nach dem Sturz von Präsident Eduard
Schewardnadse vor über einer Woche warf sie Moskau vor, die
Souveränität Georgiens zu untergraben.
In Anwesenheit des russischen Außenministers Igor Iwanow
bezichtigte sie Moskau, die Provinzen Südossetien und Abchasien zu
unterstützten, die sich nach dem Bürgerkrieg von 1992
für unabhängig erklärt hatten. Burdschanadse forderte
außerdem einen raschen Abzug der noch in Georgien stationierten
russischen Truppen. Trotz der scharfen Kritik streckte sie aber auch
die Hand in Richtung Moskau aus und bot eine Verbesserung der
Beziehungen an. Nach ihrer Rede traf sie in einem kleinen Konferenzraum
zu einer vertraulichen Unterredung mit Iwanow zusammen. Über den
Inhalt des Gesprächs verlautete nichts.
(Quelle: ap)
Französische Diplomaten im Streik
Di.02.12.03 - Erstmals in seiner Geschichte hat am Montag der diplomatische Dienst
Frankreichs gestreikt. Weltweit beteiligten sich nach
Gewerkschaftsangaben 94 Prozent der 9.300 Beschäftigten an dem
Protest gegen Budgetkürzungen, einige Botschaften und Konsulate
der «Grande Nation» blieben geschlossen. In Paris
demonstrierten rund 100 Diplomaten vor dem Senat, wo der Haushalt des
Außenministeriums beraten wurde.
Es sei unverständlich, dass Staatspräsident Jacques Chirac
international große Ambitionen habe und gleichzeitig die
«menschlichen und finanziellen Ressourcen» ständig
abgebaut würden, kritisierten die Gewerkschaften. 2004 sollen im
weltweit hinter den USA zweitgrößten diplomatischen Dienst
weitere 116 Stellen wegfallen. Auch im Alltag macht sich die
Finanzknappheit bemerkbar.
Im traditionsreichen Pariser Außenministerium am Quai d'Orsay
habe es im Oktober tagelang praktisch kein neues Papier mehr gegeben,
berichteten Medien. Die Diplomaten hätten Blätter
doppelseitig beschrieben und kopiert, schrieb
«Libération». Der konservative «Figaro»
zitierte Yvan Sergeff von der Gewerkschaft USMAE: «Die
Hälfte der Aufzüge ist kaputt. Es gibt kein Geld für
Reparaturen.»
Der eintägige diplomatische Protest richtet sich auch gegen eine
Kürzung der Auslandszulagen. «Ein Streik in diesem Haus ist
keine alltägliche Angelegenheit», räumte
Außenminister Dominique de Villepin auf einer
Mitarbeiterversammlung letzte Woche ein. Deshalb weiß das
Ministerium auch nicht genau, ob Botschafter und Generalkonsuln
überhaupt streiken dürfen. In ihren Statuten stehe dazu
jedenfalls nichts. «Das ist noch nicht da gewesen»,
erklärte ein Ministeriumssprecher.
Der Quai d'Orsay teilte am Montag mit, der Streik werde in der Pariser
Zentrale mit ihren 3.900 Beschäftigten und den Außenposten
mehr oder weniger befolgt. Nach Angaben der Gewerkschaft UNSA-USMAE
blieben die Botschaft in Athen und das Konsulat in Lüttich
geschlossen. Die CGT-Gewerkschaft berichtete, das gesamte Personal in
Addis Adeba, Montevideo, Havanna, Dakar und Tunis habe sich an dem
Ausstand beteiligt. In Rabat, Buenos Aires, Mexico-Stadt, Bukarest und
Washington lag die Mobilisierung den Angaben zufolge bei mindestens 97
Prozent.
Die Botschaft in Berlin erklärte, mindestens ein Konsulat in
Deutschland sei geschlossen. Der Botschaftsbetrieb werde dagegen
aufrechterhalten.
(Quelle: afp)
Deutschland
CDU leitet auf Pateitag in Leipzig radikalen Kurswechsel ihrer
Sozialpolitik ein
Delegierte stimmen für Einführung der Kopfpauschale und Rente
mit 67 +++ Blüm gegen CDU-Pläne zum Umbau der Sozialsysteme
+++ Der Fall Hohmann wird doch zum Thema +++ 6000 Polizisten und
Soldaten demonstrieren vor CDU-Parteitag
Di.02.12.03 - Die CDU hat mit überwältigender Mehrheit ihre radikalste
Kursänderung in der Sozialpolitik der vergangenen Jahrzehnte
beschlossen. Nach dem angestrebten Wahlsieg 2006 wollen die
Christdemokraten das bisherige Krankenversicherungssystem abschaffen
und ein einkommensunabhängiges Prämienmodell einführen.
Der Parteitag in Leipzig stimmte am Montagabend nach mehrstündiger
Debatte auch für eine mittelfristige Erhöhung des
Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Die Diskussion war zuvor von einem
Eklat über den Ausschluss des Abgeordneten Martin Hohmann
überschattet worden, nachdem ein Delegierter lautstark das
Vorgehen von CDU-Chefin Angela Merkel kritisiert hatte.
Zum Auftakt hatte Merkel eindringlich für den Reformkurs geworben
und den Ausschluss Hohmanns gegen alle Kritik gerechtfertigt. Sie warf
der von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) geführten
Regierung Unfähigkeit auf ganzer Linie vor. «Die Uhr
für Herrn Schröder und Rot-Grün» läuft ab,
sagte sie zum Abschluss ihrer mit fünfminütigem Beifall
bedachten Grundsatzrede. Nach dem Auftritt schlug Thüringens
Ministerpräsident Dieter Althaus die CDU-Vorsitzende als
Kanzlerkandidatin für die nächste Bundestagswahl vor.
«Mit Merkel wollen wir 2006 gewinnen», sagte Althaus der
Tageszeitung «Die Welt».
Vor der Rede des ehemaligen Unions-Kanzlerkandidaten und CSU-Chefs
Edmund Stoiber zum Abschluss des Parteitags an diesem Dienstag
versuchte Merkel nochmals die Wogen im Streit mit der Schwesterpartei
um den Reformkurs zu glätten. «Die CDU braucht eine starke
CSU, die CSU braucht eine starke CDU.» Nach Informationen der
Nachrichtenagentur dpa gab es aber unter den Delegierten verschiedener
Landesverbände nach wie vor großen Unmut über die
Haltung der CSU. CDU-Vorstandsmitglieder erwarteten einen erheblich
kühleren Empfang für Stoiber als bei den vergangenen
CDU-Parteitagen.
Der frühere Bundesminister Norbert Blüm hat den von der CDU
geplanten Umbau der Sozialversicherungen als unbezahlbar kritisiert.
Blüm sagte am Montag auf dem CDU-Parteitag, die bei der
Krankenversicherung geplante Einführung einer Kopfpauschale sei
ungerecht und unsolidarisch. «Das ist eine plattgewalzte
Gerechtigkeit.» Der Nachteil dieser Gleichmacherei solle durch
staatliche Zuschüsse ausgeglichen werden.
Blüm kritisierte, 28 Milliarden Euro koste allein der
Sozialausgleich in der Krankenversicherung. Dabei müsse der
Arbeitnehmer die angestrebte Versteuerung des Arbeitgeberzuschusses in
Höhe von 18 Milliarden Euro zahlen. Das sei eine höhere Summe
als die angekündigte Entlastung durch die vorgezogene
Steuerreform. Hinzu kämen der Ausgleich bei der
Pflegeversicherung, ein Kinderbonus und Milliarden für die
Kindererziehung. «Wo wollen Sie zwischen 50 und 60 Milliarden
Euro herbringen», fragte Blüm.
Das Kopfpauschalenmodell in der Schweiz zeige, dass die Pauschalen
laufend erhöht werden müssten, erklärte der
CDU-Politiker. «Wenn nichts da ist, kann nichts ausgegeben
werden.» Im Bundeshaushalt finde künftig ein Kampf darum
statt, ob das Geld für den Straßenbau oder für
Sozialtransfers ausgegeben werden solle. Die CDU plane einen
«großen Kuddelmuddel» zwischen Krankenversicherung,
Staats- und Solidarhaushalt. Stattdessen sollte lieber die
Beitragsbemessungsgrenze erhöht werden.
Blüm vertrat auf dem CDU-Parteitag die Minderheitenposition.
Nach Worten Merkels will sich die Union mit den Beschlüssen von
Leipzig auf die erhoffte Übernahme der Regierungsverantwortung im
Jahr 2006 vorbereiten und sich als «Reformmotor»
profilieren. Allerdings müssen die Beschlüsse noch mit der
CSU abgestimmt werden, die bei Rente und insbesondere Gesundheit
völlig andere Vorstellungen hat. Für den Kurswechsel stimmten
nach Feststellung des Tagungspräsidiums nur vier der rund 1000
Delegierten mit Nein. Einer enthielt sich.
Mit den Beschlüssen, die auf Vorschläge der Herzog-Kommission
zurückgehen, hat die CDU als erste der Bundestagsparteien ein
geschlossenes Konzept für die Zukunft der sozialen
Sicherungssysteme für die nächsten 30 Jahre vorgelegt. Der
Systemwechsel in der Krankenversicherung war in der Partei lange
umstritten. Letztlich verständigten sich alle Flügel auf
einen Kompromiss, der den Sozialausgleich bei Zahlung der 200 Euro
hohen Prämie präziser regelt.
Zum Fraktionsausschluss Hohmanns sagte Merkel, die CDU habe dabei ihre
Grundwerte als Maßstab angelegt. Wer durch Wort oder Tat Zweifel
an der Einmaligkeit des Holocaust deutlich werden lasse und davon
keinen Abstand nehme, müsse mit Konsequenzen rechnen. Bei dieser
Passage zollte nur etwa die Hälfte der Delegierten spontanen
Beifall.
In der anschließenden Debatte übte der
nordrhein-westfälische Delegierte Leo Lennartz scharfe Kritik an
dem Vorgehen der Partei- und Fraktionsspitze. Gegen Hohmann, der sich
mit einer als antisemitisch empfundenen Rede ins Abseits gestellt
hatte, sei «ein Klima der Vorverurteilung» erzeugt worden.
Während dieser Ausführungen riefen mehrere Delegierte
«Aufhören, Aufhören». In einer improvisierten
Pressekonferenz sagte Lennartz, es gehe ihm nur um das Verfahren. Der
nordrhein-westfälische Landesvorsitzende und CDU-Vize Jürgen
Rüttgers entgegnete dem Redner mit einer bei CDU-Parteitagen
selten erlebten Schärfe: «Gott sei Dank ist dies ihr letzter
Parteitag», sagte er, «ich will mit solchen Leuten wie
Ihnen nicht in einer Partei sein.»
Merkel warf Kanzler Schröder in ihrer Grundsatzrede vor, den
Patriotismus-Begriff umgedeutet zu haben. Aus der Sicht Schröders
sei nur Patriot, wer seinen Reformen zustimme. «Da kann er lange
warten», sagte die CDU-Chefin.
Vor Beginn des CDU-Bundesparteitages haben rund 6000 Polizisten und
Soldaten am Montag in Leipzig gegen Sozial- und Personalabbau und
Ausverkauf der inneren Sicherheit demonstriert. Aus ganz Deutschland
waren Polizeibeschäftigte und Angehörige der Bundeswehr
angereist. In den vergangenen fünf Jahren wurden nach Angaben der
Polizeigewerkschaft 7000 Stellen im Polizei- Vollzugsdienst abgebaut.
4000 Stellenstreichungen stünden bevor.
Schon vor zwei Wochen waren Tausende Demonstranten den Aufrufen der
Gewerkschaft der Polizei (GdP) und des Deutschen BundeswehrVerbandes
(DBwV) zu einer Protestkundgebung anlässlich des SPD-Parteitages
in Bochum gefolgt.
«Die Polizeipräsenz wird immer dünner, die
Übergriffe auf Leben, Gesundheit und Eigentum der Menschen
steigen», sagte der Bundesvorsitzende der GdP, Konrad Freiberg,
während der Kundgebung in Leipzig. «Immer größer
wird der Unmut in der Bevölkerung über die Zustände auf
den Straßen, über Vandalismus, Belästigungen,
Unsicherheit.» Wenn es um das Sicherheitsbedürfnis von
Politikern gehe, würden Polizisten aus anderen Dienstgruppen
abgezogen. In Berlin müssten Zivilfahnder, die sonst Verbrecher
jagten, jetzt Politikerwohnungen und Botschaften beschützen, sagte
Freiberg.
Der stellvertretende Vorsitzende des Bundeswehrverbandes Wolfgang
Ostermeier verwies auf die historischen Ereignisse in Leipzig zur Wende
und sagte: «Wir sind hier das Volk.» In Sonntagsreden werde
die Bundeswehr als Armee der Einheit gewürdigt. «Aber in der
Wirklichkeit sieht das anders aus.» Die ungleiche Besoldung von
Soldaten aus Ost und West sei ungerecht und unsozial. Den Soldaten, die
fern von ihren Familien unter anderem in Afghanistan, auf dem Balkan
und am Horn von Afrika zum Auslandseinsatz sind, würden zu Hause
Urlaubskasse und Weihnachtsgeld gekürzt. Wegen der erneuten
Reduzierung der Streitkräfte auf künftig 250 000 Soldaten
müssten 20 000 Familien umziehen, weitere 100 Standorte
würden geschlossen.
(Quellen: dpa, ap)
Das CDU-Programm für die Reform der sozialen Sicherungssysteme
Di.02.12.03 - Das am Montag vom Leipziger CDU-Parteitag beschlossene Programm zur
Reform der sozialen Sicherungssysteme basiert auf den Vorschlägen
einer von Altbundespräsident Roman Herzog geleiteten
Expertenkommission. Die CDU-Führung hatte sich das Konzept
unverändert zu Eigen gemacht. Der Leipziger Parteitag hat es in
wesentlichen Punkten präzisiert.
Mit dem Konzept leitet die CDU einen radikalen programmatischen
Kurswechsel ihrer Sozialpolitik ein: In den Sozialsystemen soll
künftig die Eigenvorsorge der Bürger eine tragende Rolle
spielen, wobei die finanzielle Bevorzugung von Familien und der soziale
Ausgleich aus Steuermitteln bezahlt werden sollen. Die Reform der
Kranken- und der Pflegeversicherung soll schnellstmöglich,
spätestens nach einer Regierungsübernahme durch die Union,
verwirklicht werden.
Die wichtigsten Vorschläge:
KRANKENVERSICHERUNG
Die Krankenversicherung soll komplett umgestellt werden von der
einkommensabhängigen Umlagefinanzierung auf ein kapitalgedecktes
und einkommensunabhängiges Pro-Kopf-Prämiensystem. Diese
Prämie soll pro Person 180 Euro plus 20 Euro Vorsorgebeitrag zum
Aufbau einer kapitalgedeckten Altersrückstellung betragen. Nach
Berechnungen der CDU sichert dieser Betrag Krankenkassen
unveränderte Einnahmen, so dass der bisherige Leistungskatalog
einschließlich Krankengeld und Zahnbehandlung erhalten bleibt.
Arbeitnehmer mit Monatseinkommen von knapp 1.400 Euro (Alleinstehende)
bzw. knapp 2.800 Euro (Verheiratete) würden zum Zeitpunkt der
Umstellung nicht mehr für die Krankenversicherung zahlen als
heute. Für Einkommen unterhalb dieser Grenze soll es einen aus
Steuern finanzierten Sozialausgleich geben. Kinder bleiben beitragsfrei
mitversichert. Damit sich bei dem Sozialausgleich niemand als
Bittsteller beim Sozialamt fühlen muss, sollen die Krankenkassen
den Zuschuss direkt vom Finanzamt bekommen.
Der bisherige Arbeitgeber-Anteil am Beitrag soll bei 6,5 Prozent
gedeckelt, ausgezahlt und so dem zu versteuernden Einkommen
zugeschlagen werden. Nach Berechnungen der CDU ergibt das
zusätzliche Steuereinnahmen von 16 bis 18 Milliarden Euro
jährlich, womit ein großer Teil des Sozialausgleichs bezahlt
werden könnte. Als Auswirkungen der Reform erwartet die CDU
darüber hinaus 2,5 bis 3,0 Prozent Wachstum, eine Million neue
Arbeitsplätze und rund 20 Milliarden Euro Steuermehreinnahmen, so
dass insgesamt der größte Teil der 40 Milliarden Euro
Gesamtkosten des Sozialausgleichs gegenfinanziert wäre.
PFLEGE
Analog zur Krankenversicherung wird auch hier eine
schnellstmöglich zu beginnende und etwa 2030 abgeschlossene
Umstellung vorgeschlagen vom gegenwärtigen Umlageverfahren zu
einem Prämienmodell mit einer starken kapitalgedeckten Komponente.
Der Arbeitgeberanteil soll ebenfalls als Einkommensbestandteil an die
Arbeitnehmer ausgezahlt und somit versteuert werden. Leistungen sollen
nicht eingeschränkt, sondern dynamisiert werden.
Nach diesem Modell müssten neu eintretende 20-Jährige etwa ab
dem Jahr 2030 lebenslang 52 Euro monatlich zahlen, wer dann schon 45
oder älter ist, 66 Euro. Geringverdiener bekämen
Zuschüsse. Für den Aufbau eines Kapitalstocks in der
Umstellungsphase müsste der Beitrag von 1,7 auf 3,2 Prozent
angehoben werden.
An der paritätischen Finanzierung durch Arbeitnehmer und
Arbeitgeber soll grundsätzlich festgehalten werden. Die
höheren Kosten in der Aufbauzeit sollen durch Verzicht auf einen
bezahlten Urlaubstag oder einen Feiertag aufgefangen werden. Der
Sozialausgleich soll aus Steuermitteln erfolgen, deren Höhe mit
rund elf Milliarden Euro im Jahr angegeben wird.
Kinder und Ehepartner, die Kinder erziehen oder Angehörige
pflegen, sollen beitragsfrei mitversichert bleiben. Darüber hinaus
ist ein Bonus von zehn Euro pro Kind und Monat vorgesehen. Einen
Prämienzuschlag für Kinderlose lehnt die CDU
ausdrücklich ab.
RENTE
Bei der Rentenversicherung hält die CDU am bestehenden System
fest, will aber die private und betriebliche Zusatzvorsorge
stärken und den kapitalgedeckten Teil der Altersvorsorge
ausweiten. Als Voraussetzung dafür wird auch die beabsichtigte
große Steuerreform genannt. Erklärtes Ziel ist es, den
Rentenbeitrag «dauerhaft nicht wesentlich über 20 Prozent
ansteigen zu lassen».
Die CDU will Anreize zur Frühverrentung beseitigen und strebt eine
Verlängerung der tatsächlichen Lebensarbeitszeit an. Als
Richtnorm soll gelten: Ohne Abschläge Rente beziehen kann, wer 45
Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt oder in dieser Zeit
Erziehungs- und Pflegezeiten erfüllt und das 63. Lebensjahr
vollendet hat oder bei einer geringeren Zahl von Versicherungsjahren
das 67. Lebensjahr vollendet hat. Der Aufbau dieses
«Korridors» zwischen 63. und 67. Lebensjahr soll
schrittweise von 2011 bis 2023 erfolgen. Die Regelung würde etwa
Handwerkern einen früheren Renteneintritt ermöglichen als
Akademikern, die erst mit Ende 20 ins Berufsleben eintreten.
Ein erweiterter demographischer Faktor, der die
Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt, soll für einen
langsameren Rentenanstieg sorgen. Wer viele Jahre für wenig Geld
gearbeitet hat, dem soll die Rente aus Steuermitteln um 15 Prozent
über den Sozialhilfesatz hinaus aufgestockt werden. Gleichzeitig
soll Kindererziehung stärker gewichtet werden: Für vor 1992
geborene Kinder sollen drei Jahre statt bisher ein Jahr angerechnet
werden, für danach geborene Kinder fünf statt bisher drei
Jahre. Durch diese auf Antrag der Frauen-Union beschlossene
Verbesserung ist nach Angaben von Generalsekretär Laurenz Meyer
ein ursprünglich vorgesehener Erziehungszuschuss zum Rentenbeitrag
von 50 Euro pro Kind und Monat aus Steuermitteln nicht mehr
finanzierbar.
Die CDU wendet sich gegen Überlegungen, die Schwankungsreserve der
gesetzlichen Rentenversicherung von jetzt noch einer halben
Monatsausgabe weiter abzusenken. Stattdessen fordert sie mittelfristig
eine Aufstockung auf mindestens zwei Monatsausgaben. Die Umstellung auf
die vom Bundesverfassungsgericht verlangte nachgelagerte Besteuerung
der Rente - das ist die Besteuerung bei der Auszahlung bei
gleichzeitiger Steuerfreiheit der Vorsorgeaufwendungen - soll zur
Vermeidung von Doppelbesteuerungen in einem langfristigen Verfahren
erfolgen.
(Quelle: ap)
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CDU verlor in zehn Jahren fast 100.000 Mitglieder
Das Durchschnittsalter der CDU-Mitglieder beträgt derzeit 55,3
Jahre. Mehr als 46 Prozent der CDU-Mitglieder sind über 60 Jahre
alt, nur gut fünf Prozent sind zwischen 16 und 29 Jahre. 74,9
Prozent der Mitglieder sind männlich
Di.02.12.03 - Die CDU hat innerhalb der letzten zehn Jahre fast 100.000 Mitglieder
verloren. Das geht aus dem Geschäftsbericht der
Bundesgeschäftsstelle hervor, den Generalsekretär Laurenz
Meyer am Montag in Leipzig auf dem Bundesparteitag der CDU vorstellte.
Danach zählte die Union am 30. September 2003 noch 588.928
Mitglieder, während es Ende 1993 685.343 waren.
Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, beträgt das
Durchschnittsalter der CDU-Mitglieder derzeit 55,3 Jahre. Mehr als 46
Prozent der CDU-Mitglieder sind über 60 Jahre alt, nur gut
fünf Prozent sind zwischen 16 und 29 Jahre. 74,9 Prozent der
Mitglieder sind männlich. Dabei unterscheiden sich die alten und
die neuen Bundesländer beim Anteil der weiblichen Mitglieder
deutlich: Während in Westdeutschland der Frauenanteil bei 24,7
Prozent liegt, sind in Ostdeutschland immerhin 29,6 Prozent der
CDU-Mitglieder weiblich.
Stärkster Landesverband ist weiterhin Nordrhein-Westfalen mit
185.233 Mitgliedern, Schlusslicht ist Bremen mit 3.657. Während im
bevölkerungsreichsten Bundesland im Vergleich zum Vorjahr die
Mitgliederzahlen zurückgingen, konnten die Norddeutschen einen
leichten Anstieg für sich verbuchen.
Mit einem Anteil von 27,1 Prozent an der Gesamtzahl stellen Angestellte
die größte Gruppe der Parteimitglieder, in Ostdeutschland
kommen sogar 32,6 Prozent der Mitglieder aus dieser Berufsgruppe.
(Quelle: ap)
Müntefering räumt Vermittlungsproblem bei Agenda 2010 ein
Der SPD-Fraktionschef wandte sich nochmals gegen das von der CDU
favorisierte System der Kopfpauschalen in der Krankenversicherung
und plädierte dafür, das Prinzip der Beitragsfinanzierung in
der Sozialversicherung beizubehalten +++ SPD-Funktionäre aus
Rheinland-Pfalz fordern höhere Besteuerung großer Einkommen
und Vermögen +++ Müntefering: Möglichkeiten von
Nationalstaaten, Kapital zu besteuern, werden in einer globalisierten
Wirtschaft immer geringer
Di.02.12.03 - Der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Franz Müntefering, hat Fehler
bei der öffentlichen Vermittlung der Agenda 2010 eingeräumt.
Die SPD habe bei den Reformvorhaben nicht die großen Leitlinien
deutlich gemacht, sondern «tausend Details» angesprochen,
sagte Müntefering bei einer Regionalkonferenz der Partei am
Montagabend in Koblenz: «Die Vielzahl von Details hat dazu
geführt, dass uns die Vermittlung verdammt schwer gefallen
ist.»
Die SPD müsse aber deutlich machen, dass sie «das, was getan
werden muss, besser kann als die anderen», sagte der
Fraktionschef. Müntefering verwies auf das von der Bundesregierung
geplante Vorziehen der Steuerreform. Mit dem Vorziehen der Steuerreform
werde ein vierköpfige Familie mit 3.731 Euro Monatseinkommen
künftig keine Steuern mehr zahlen. Diese Familie werde pro Jahr um
2.830 Euro Steuern im Jahr entlastet. Der SPD-Politiker forderte die
Union erneut auf, dem Vorziehen der Steuerreform zum 1. Januar 2004
zuzustimmen.
Müntefering wandte sich nochmals gegen das von der CDU
favorisierte System der Kopfpauschalen in der Krankenversicherung. Wenn
die Christdemokraten vorschlügen, den sozialen Ausgleich über
Steuern zu finanzieren, werde vergessen, dass heute bereits 77
Milliarden Euro Steuern in die Rentenversicherung flössen. Bei
einer Ausweitung auf die gesetzliche Krankenversicherung komme das
System der Steuerfinanzierung an seine Grenzen.
Der SPD-Fraktionschef plädierte dafür, das Prinzip der
Beitragsfinanzierung in der Sozialversicherung beizubehalten. «Im
Sinne der Solidarität müssen Menschen für Menschen da
sein», sagte Müntefering: «Das ist sicherer als Aktien
oder große Versicherungen.»
Müntefering warnte davor, die Macht der Gewerkschaften gesetzlich
zu beschneiden. Entsprechende Forderungen der Union führten zum
«Häuserkampf» in den Betrieben, warnte der
SPD-Politiker. «Wir wollen, dass die Rechte der Arbeitnehmer
gebündelt werden können.» Das gehöre zur
Demokratie dazu.
Zahlreiche SPD-Funktionäre aus Rheinland-Pfalz forderten eine
stärkere Beteiligung großer Einkommen und Vermögen an
den mit der Agenda einhergehenden Belastungen. «Es gibt auch
unter den Kollegen in den Betrieben eine große Einsicht, dass es
schmerzliche Reformen geben muss», sagte der Koblenzer
Ortsvereinsvorsitzende Ferhat Cato. Bei den Belastungen drohe aber eine
soziale Schieflage: «Die mit den dickeren Portemonnaies
müssen stärker beteiligt werden, als die, die wenig
haben.»
Müntefering warnte vor der Annahme, die großen Vermögen
könnten auf wirksame Weise deutlich höher besteuert werden.
Die Möglichkeiten von Nationalstaaten, Kapital zu besteuern,
würden in einer globalisierten Wirtschaft immer geringer.
(Quelle: ap)
Über 20.000 Metaller demonstrieren in Wolfsburg für
Tarifautonomie
Di.02.12.03 - Mit einer Großkundgebung in Wolfsburg hat die IG Metall in
Niedersachsen am Montag ihre Proteste gegen Eingriffe in die
Tarifautonomie fortgesetzt. Nach Angaben der Polizei folgten über
20.000 Beschäftigte von Volkswagen und anderen Metallbetrieben dem
Aufruf der Gewerkschaft und protestierten gegen die von CDU und FDP
propagierten Änderungen des Tarifrechts. Die IG Metall sprach von
25.000 Teilnehmern.
Auf der Kundgebung kritisierte der stellvertretende Vorsitzende des
VW-Konzernbetriebsrates, Bernd Sudholt, die Bestrebungen, durch so
genannte betriebliche Bündnisse ein Unterschreiten von
Tarifverträgen ohne Zustimmung der Tarifparteien zu
ermöglichen. Sudholt forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) auf, im Vermittlungsausschuss nicht gegenüber den
Unionsparteien einzuknicken.
Der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine
verlangte in einer Erklärung von der CDU-Vorsitzenden Angela
Merkel und von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), sie
sollten ihrem Meinungsumschwung in Sachen Tarifrecht Taten folgen
lassen. Ankündigungen habe es genügend gegeben. «Die
Unionsparteien müssen den Verzicht auf ihre gesetzlichen Eingriffe
in das Tarifrecht eindeutig erklären», forderte Meine.
(Quelle: ap)
Längste Uni-Vorlesung als Protest gegen Berliner Hochschulpolitik
Di.02.12.03 - Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben die Berliner Studenten am
Montag ihre seit Wochen andauernden Proteste gegen die Kürzungen
bei den Hochschulen in der Hauptstadt fortgesetzt. Am Potsdamer Platz
starteten die Physik-Fachbereiche der drei Berliner Universitäten
mit der nach eigenen Angaben längsten Uni-Vorlesung aller Zeiten.
Rund 40 Menschen kamen am Mittag zum Auftakt des Vorlesungsmarathons,
der bis Donnerstag andauern soll. Die Studenten sind überzeugt,
dass sie mit der Aktion einen neuen Rekord aufstellen werden. "Wir
haben im Guiness-Buch der Rekorde nichts Gegenteiliges gefunden", sagte
Mitinitiator Benjamin Bertsche.
Zum Beginn der viertägigen Aktion wurde ein Referat über die
Quantenmechanik gehalten. Bis Donnerstag sollen alle Bereiche der
Physik abgehandelt werden, vom Atomaufbau bis zum Urknall. Die
Studentenproteste richten sich gegen das Vorhaben des Senats, den
Landeszuschuss an die Hochschulen bis 2009 um 75 Millionen zu
kürzen. Erst am Samstag hatten 10.000 Menschen vor dem Roten
Rathaus in Berlin gegen die Pläne der SPD/PDS-Regierung
demonstriert. In der vergangenen Woche hatten Studenten zudem die
Büros der Senatoren für Kultur und Finanzen, Thomas Flierl
(PDS) und Thilo Sarrazin (SPD), sowie die Parteizentrale der PDS
besetzt.
(Quelle: afp)
Lehrerarbeitszeit: Statt 23 Stunden tatsächlich 55
Di.02.12.03 - Lehrer sind faul, überbezahlt und arbeiten nur halbtags - so
lautet ein gängiges Klischee. Deputate von durchschnittlich 27
Stunden pro Woche stärken viele in ihrer Meinung, dass Lehrer zu
wenig arbeiten. Doch sagt diese Zahl wenig über die
tatsächliche Arbeitszeit, die oft weit über 40 Stunden pro
Woche liegt. In mehreren Bundesländern laufen zurzeit Projekte,
die die Lehrerarbeitszeit neu bestimmen und transparenter machen sollen.
Dass Lehrer weit mehr Arbeitsstunden haben als nur ihr Deputat, zeigt
das Beispiel einer jungen Realschullehrerin. Mit einem Deputat von 23
Stunden unterrichtet sie in sechs Klassen Hauptfächer, was 36
Klassenarbeiten im Schuljahr bedeutet. Da sie Berufsanfängerin
ist, muss sie mehr Zeit für die Unterrichtsvorbereitung aufwenden
als ihre erfahreneren Kollegen. Dazu kommen Tätigkeiten neben dem
Unterricht wie Projektarbeiten oder Klassenfahrten. «Pro Woche
arbeite ich rund 55 Stunden für die Schule», bilanziert die
Pädagogin.
Formal gilt für Lehrer die Arbeitszeit für Beamte: Bis zu 42
Stunden pro Woche. Da ihre Arbeit aber nicht nur aus reinem
Unterrichten besteht, legen die Bundesländer Deputate fest. Diese
reichen von durchschnittlich 24 bis 26 Stunden an Gymnasien bis zu 28
bis 30 Stunden an Grundschulen und wurden in den vergangenen Jahren
mehrfach erhöht, wie Heiko Gosch vom Vorstand der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW) erklärt. «Diese Deputate
dienen auch als Messgröße für die Personalzuweisungen
an die Schulen.» Dazu kommen weitere Arbeiten wie Vorbereiten des
Unterrichts, Aufsichtführen, Konferenzen, Schulveranstaltungen
oder Fortbildungen. Deren Größenordnung ist nicht
festgeschrieben. «Das folgt quasi einer nach oben offenen
Skala», kritisiert Gosch.
In Ostdeutschland sieht die Lage wegen dramatisch gesunkener
Schülerzahlen anders aus als im Westen. So arbeiten in
Mecklenburg-Vorpommern die meisten Lehrer Teilzeit. Dabei müssen
etwa in den höheren Klassen die Sprachlehrer, von denen es
tendenziell zu wenig gibt, mehr arbeiten als ihre Kollegen. Je nach
Fach liegt die Beschäftigung zwischen 50 und 100 Prozent der
Normalarbeitszeit. Auch die 22.450 Lehrer in Sachsen-Anhalt arbeiten
seit diesem Schuljahr verkürzt: An Grundschulen unterrichten sie
nur 78 Prozent ihres Deputats, an Sekundarschulen 88 und an Gymnasien
92 Prozent.
In Hessen dagegen müssen alle Lehrer bis zum 50. Lebensjahr ab
Januar eine Schulstunde mehr unterrichten, damit mehr als 1.000
Lehrerstellen abgebaut werden können. Auch Bayern und
Nordrhein-Westfalen wollen die Lehrerarbeitszeit erhöhen.
Baden-Württemberg will bis zum Frühjahr 2005 ein neues
Konzept zur Lehrerarbeitszeit vorlegen. Die Bewertung
ausschließlich über das Deputat sei überholt, weil sie
die anderen Tätigkeiten nicht berücksichtige, heißt es
beim Ministerium. Diskutiert werden sollen etwa flexible Deputate,
Überprüfbarkeit der Jahresarbeitszeit oder
Urlaubsansprüche.
«Wenn solche Überlegungen dazu führen, dass eine andere
Arbeitszeitstruktur eingeführt wird, sehen wir das positiv»,
sagt Gosch. Kritisch werde es aber, wenn eine Neuregelung nur dazu
diene, «geschickt kaschiert eine Erhöhung der
Gesamtbelastung zu erreichen». Das sieht die GEW etwa in Hamburg,
wo der inzwischen zurückgetretene Bildungssenator Rudolf Lange zum
laufenden Schuljahr ein «Faktorisierungsmodell»
einführte.
Dieses geht von einer Jahresarbeitszeit von 1.770 Zeitstunden aus und
verteilt diese auf 38 Wochen, was pro Woche 46,578 Zeitstunden ergibt.
Die Unterrichtsaufgaben werden mit 75 Prozent veranschlagt, weitere
Aufgaben mit insgesamt 25 Prozent. Die Einzelaufgaben bekommen
Zeitfaktoren - etwa 1,3 für Grundschulklassen gegenüber 1,8
für Deutsch in der Oberstufe. Daraus ergibt sich dann die
Arbeitsleistung für die einzelnen Lehrer.
Langes Modell löste massive Proteste aus. «Dieses Konzept
stand allein unter der Vorgabe, mehrere 100 Stellen einsparen zu
müssen», sagt Gosch. Die Grünen kritisierten etwa, dass
Förderunterricht zu niedrig faktorisiert werde, was zu einem
radikalen Abbau führe. Eltern und Schüler sind unzufrieden
mit den praktischen Auswirkungen.
Über eine gerechte Bestimmung der Lehrerarbeitszeit gibt es aber
auch in der GEW keine einheitliche Meinung. Die einen wollen an einer -
allerdings stark modifizierten - Pflichtstundenregelung festhalten, die
anderen wollen eine Gesamtarbeitszeit als Basis der Berechnung.
«Beiden Konzepten gemeinsam ist aber, dass man nicht von einer
Verbrauchszeit, sondern von einer Planzeit ausgehen muss - wir
können nicht mit der Stoppuhr die Arbeitszeit festlegen»,
betont Gosch.
(Quelle: ap)
Bis zum Jahr 2015 fehlen 74.000 Lehrer
Wesentlicher Grund für den großen Bedarf ist die Tatsache,
dass jetzt und in den kommenden Jahren viele Lehrer in Pension gehen,
die zu einer Zeit eingestellt wurden, als noch die geburtenstarken
Jahrgänge zur Schule kamen. Eine weitere Ursache liegt offenbar in
der gesunkenen Attraktivität des Lehrerberufs
Di.02.12.03 - Deutschland steht vor einem dramatischen Lehrermangel. Nach einer
Modellrechnung der Kultusministerkonferenz (KMK) werden bis zum Jahr
2015 rein rechnerisch noch rund 74.000 Lehrer gebraucht. In diesem
Zeitraum stehen für 371.000 freie Stellen an allgemein bildenden
und Berufsschulen nur 297.000 Referendare zur Verfügung. Mit einer
groß angelegten Kampagne unter dem Titel «Bildung - unser
Ticket in die Zukunft» rührt die KMK deshalb bundesweit die
Werbetrommel für das Lehramtsstudium.
Die Modellrechnung geht allerdings davon aus, dass die Lehrer mit
unterschiedlicher Ausbildung überall einsetzbar wären, was in
der Praxis nicht der Fall ist. Vor allem im Sekundarbereich I und bei
den Berufsschulen werden Lehrer fehlen. Bei den einzelnen Fächern
wird es den größten Mangel in den mathematischen sowie in
den naturwissenschaftlich-technischen Bereichen geben. An den
Berufsschulen werden Lehrer sowohl für die
ingenieurwissenschaftlichen Fächer als auch für Wirtschaft,
Verwaltung und Recht gesucht.
Wesentlicher Grund für den großen Bedarf ist die Tatsache,
dass jetzt und in den kommenden Jahren viele Lehrer in Pension gehen,
die zu einer Zeit eingestellt wurden, als noch die geburtenstarken
Jahrgänge zur Schule kamen. Eine weitere Ursache liegt offenbar in
der gesunkenen Attraktivität des Lehrerberufs. Vor allem
Studierende der naturwissenschaftlichen Fächer an den Hochschulen
entscheiden sich eher für die Wirtschaft als für ein Lehramt:
Allein in Thüringen gab es vor zehn Jahren noch etwa 200
Lehrer-Absolventen pro Jahr, jetzt sind es nur noch 20, wie das
Kultusministerium in Erfurt mitteilte.
Wegen der zurückgehenden Schülerzahlen im Osten gibt es
zwischen den alten und neuen Bundesländern allerdings gravierende
Unterschiede beim künftigen Lehrerbedarf. So geht aus einer
Dokumentation der KMK hervor, dass in Westdeutschland der Bedarf an
neuen Lehrkräften im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren noch
sehr hoch sein wird.
In den 15 Jahren von 1986 bis 2000 wurden dort rund 13.000
Lehrkräfte pro Jahr in den öffentlichen Schuldienst
eingestellt. In den 15 Jahren von 2001 bis 2015 wird der Bedarf dagegen
mehr als 25.000 pro Jahr betragen. Der Einstellungsbedarf soll noch
einmal ansteigen und bereits im Jahr 2004 mit knapp 31.000 seinen
Höhepunkt erreichen. Danach wird er tendenziell bis auf 21.000
Lehrer im Jahr 2015 abnehmen.
In den neuen Ländern war der Einstellungsbedarf gegen Ende der
90er Jahre auf Grund sinkender Schülerzahlen sehr gering. Schulen
mussten geschlossen werden, was mit Stellenabbau verbunden war; viele
Lehrer erhielten Teilzeitverträge. Mitunter reduzierte sich der
Lehrergesamtbedarf so stark, dass trotz Abgängen von
Lehrkräften aus dem Schuldienst - von Mangelfächern abgesehen
- keine Neueinstellungen nötig waren.
Daran wird sich zunächst wenig ändern. Wie aus der
KMK-Dokumentation hervorgeht, ist erst ab 2007 mit einem steigenden
Bedarf an neuen Lehrkräften zu rechnen. Dieser wird im Jahr 2015,
in dem rund 4.500 Lehrkräfte in den neuen Ländern eingestellt
werden müssen, seinen Höhepunkt erreichen. So kommt es, dass
beispielsweise in einem Land wie Thüringen, in dem tausende
Lehrerstellen in den vergangenen Jahren abgebaut wurden und noch heute
zwei von drei Lehrern in Teilzeit arbeiten, ebenfalls eine
Werbekampagne für den Lehrerberuf gestartet wurde. Schirmherrin
des Projekts ist Katharina Althaus, die Frau des
CDU-Ministerpräsidenten Dieter Althaus.
(Quelle: ap)
Politikerinnen warnen vor 'Lex Kopftuch'
Konkrete Schritte hin zu Kopftuchverbot bislang in vier Ländern
Di.02.12.03 - Prominente Vertreterinnen aus Politik und Gesellschaft haben sich
vehement gegen ein generelles Kopftuchverbot an deutschen Schulen
ausgesprochen. In einem in Berlin vorgestellten Aufruf, der von der
Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Marieluise Beck, und
Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) mitinitiiert
wurde, treten die Verfasserinnen für eine differenzierte Debatte
über das Thema ein. Beck sagte bei der Vorstellung des Aufrufs,
eine Ausgrenzung der Kopftuchträgerinnen würde nur den
Fundamentalisten in die Hände spielen.
Ein Kopftuchverbot würde nur die Stigmatisierung jener Frauen
vorantreiben, die es tragen, heißt es in dem "Aufruf wider eine
Lex Kopftuch". "Wenn wir ohne Prüfung der individuellen Motive
generell Frauen mit Kopftuch vom öffentlichen Schulleben
ausschließen, treffen wir gerade die Frauen, die mit ihrem
Streben nach Berufstätigkeit einen emanzipatorischen Weg
beschreiten wollen." In dem Text wird zugleich eingeräumt, dass es
eine "Politisierung des Glaubens" gebe, die den Umgang mit dem Islam
nicht einfacher mache.
Beck sagte, wo der Islam im Unterricht politisch missbraucht werde,
könne dem durch disziplinarische Maßnahmen Einhalt geboten
werden. Die frühere Ausländerbeauftragte des Berliner Senats,
Barbara John, sagte, Verbote würden nur weiter radikalisieren.
Auch die frühere Bundesjustizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprach sich dafür aus, die
Debatte auf eine breitere Basis zu stellen. Zu den Unterzeichnern
gehören auch mehrere SPD-Bundestagsabgeordnete,
Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) und die
Berliner Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS). Unterstützt
wird der Aufruf außerdem von der Bundesbeauftragten für die
Stasi-Akten, Marianne Birthler, der Hamburger Bischöfin Maria
Jepsen, Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane und der
Schauspielerin Katja Riemann.
Nach dem so genannten Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichts von
Ende September wollen mehrere Bundesländer per Gesetz moslemischen
Lehrerinnen das Tragen von Kopftüchern im Unterricht verbieten.
Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Niedersachsen haben bereits
entsprechende Gesetzentwürfe auf den Weg gebracht oder in
konkreter Planung.
Nach dem so genannten Kopftuchurteil des Bundesverfassungsgerichts
wollen mehrere Bundesländer per Gesetz moslemischen Lehrerinnen
das Tragen von Kopftüchern im Unterricht verbieten.
Baden-Württemberg brachte bereits Mitte November als erstes
Bundesland einen Gesetzentwurf zum Kopftuchverbot auf den Weg. In
Bayern sol eine entsprechende Nouvelle noch im Dezember vom Kabinett
verabschiedet werden. Niedersachsen will die Änderung des
Schulgesetzes bis Januar einleiten. In Hessen, wo die Landesregierung
ein Kopftuchverbot für den gesamten Öffentlichen Dienst
plant, soll mit dem Vorhaben ebenfalls noch im Dezember begonnen
werden. Im Saarland arbeitet die regierende CDU-Fraktion an einer
entsprechenden Gesetzesänderung.
In Berlin wurde dagegen die für Anfang 2004 geplante
Gesetzesnovelle vertagt, nachdem sich die PDS innerhalb der rot-roten
Koalition gegen das geplante Kopftuchverbot im gesamten
Öffentlichen Dienst gewandt hatte. Nun will die Koalition im
Frühjahr erneut über die Streitfrage beraten. Brandenburg
möchte sich nach Angaben des Kultusministeriums in der
Verbotsfrage mit Berlin "abstimmen" und sieht deshalb derzeit keinen
aktuellen Handlungsbedarf.
Der Bremer Bildungssenator Willi Lemke (SPD) will seinem Sprecher
zufolge dem Senat einen Entwurf für eine Gesetzesänderung
vorlegen, an dem Papier werde derzeit gearbeitet. Es sei allerdings
offen, ob sich in der SPD und im Rathaus dafür eine Mehrheit
findet. Keinen Grund für ein Kopftuchverbot oder akuten
Handlungsbedarf sehen derzeit Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen,
Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und
Schleswig-Holstein. Hamburg hat noch keine abgeschlossene Meinung.
(Quellen: afp)
Blick ins Archiv
Ausländerbeauftragte kritisiert Pläne zum Kopftuchverbot
Verband Bildung und Erziehung spricht sich gegen islamische
Kopftücher an Schulen aus
So.30.11.03 - Die Ausländerbeauftragte Marieluise Beck sieht das in Bayern und
Baden-Württemberg vorgesehene Verbot des islamischen Kopftuchs in
Schulen als «nicht verfassungsfest». Man könne nicht
christliche und jüdische Zeichen in der Schule akzeptieren und
gleichzeitig festschreiben, dass das Kopftuch als islamisches Zeichen
nicht zu Deutschland gehöre, sagte die Grünen-Politikerin der
«Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstagausgabe). Der
Verband Bildung und Erziehung (VBE) fasste einen Beschluss gegen
Kopftücher an Schulen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#03113010
Ernst Gottfried Mahrenholz, der frühere stellvertretende
Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hat den
baden-württembergischen Entwurf zu einem Anti-Kopftuch-Gesetz
einer massiven verfassungsrechtlichen Kritik unterzogen...
In einem ausführlichen Brief an die Stuttgarter Kultusministerin
Annette Schavan (CDU) arbeitet er heraus, dass der Gesetzentwurf den
Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts im Urteil vom 24. September
widerspreche...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#031130_m
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zur Kopftuch-Debatte unter:
http://www.boa-muenchen.org/k0311300.htm#031130_n
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Parlamentarier kritisieren Nebentätigkeit von Abgeordneten
Di.02.12.03 - Die Nebentätigkeiten einiger Parlamentarier sind im Bundestag in
die Kritik geraten. «Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass
Abgeordnete keine privaten Nebentätigkeiten ausüben sollen.
Wir brauchen hier eine neue, klare Regelung», sagte der
stellvertretende SPD-Fraktionschef Michael Müller der
«Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe).
Den Grünen-Abgeordneten Winfried Hermann zitierte das Blatt mit
den Worten, die «Mitglieder des Parlaments sollten Distanz halten
gerade zu den thematischen Bereichen, in denen sie selbst
gesetzgeberisch tätig werden». Die Abgeordneten müssten
aufpassen, nicht Lobbyisten von Partikularinteressen zu werden.
Hermann regte an, dass sich alle Mitglieder der Grünen-Fraktion
noch einmal Gedanken darüber machen, ob sie in den richtigen
Gremien sitzen. Der Abgeordnete reagierte damit auf die Debatte
über die Nebentätigkeiten der grünen Finanzexpertin
Christine Scheel, die in den Beiräten zweier
Versicherungsunternehmen sitzt.
(Quelle: ap)
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
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