Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertneunundfünfzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Annan ermahnt USA zu internationaler Kooperation +++ Aufständische
greifen wieder US-Konvoi in Samarra an +++ Britischer Gesandter in Irak
warnt vor vermehrten Angriffen des irakischen Widerstands gegen
Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Diplomaten +++ Japan verschiebt
offenbar die Entsendung von Helfern für den Wiederaufbau Iraks +++
USA drohen fünf Ländern wegen Waffenprogrammen mit
Konsequenzen: Die Vorgänge im Irak sollten Iran, Nordkorea,
Syrien, Libyen und Kuba eine Lehre sein
Mi.03.12.03 - Die USA müssen nach Ansicht von UN-Generalsekretär Kofi Annan
ihrer Rolle als einzige verbliebene Supermacht auf der Grundlage von
Diplomatie und Dialog gerecht werden. Der Führungsanspruch der USA
werde mehr Anerkennung erfahren, "wenn er in einem multinationalen
Rahmen ausgeübt wird, wenn er auf Dialog und dem geduldigen
Knüpfen von Bündnissen mit den Mitteln der Diplomatie
beruht". Gerade angesichts der Bedrohung des Friedens durch Extremisten
seien die USA "heute wichtiger denn je". Ihre Macht sei mit einer
"großen Verantwortung" verbunden.
In seiner Rede vor dem World Affairs Council in Los Angeles bedauerte
Annan, dass die Einigkeit der Welt nach den Terroranschlägen in
den USA vom 11. September 2001 inzwischen zerbrochen sei. "Fast nie in
der Geschichte war die Welt so vereint wie in den Monaten nach dem 11.
September - und sie war vereint mit Amerika. Wie lange vergangen dieser
Moment der Einigkeit uns nun erscheint!" Annan warnte davor,
"Zwietracht zu sähen". Ansonsten würde die Welt viele der
Errungenschaften des vergangenen halben Jahrhunderts verspielen. Der
Generalsekretär rief dazu auf, die Meinungsverschiedenheiten
über den Irak-Krieg zu überwinden.
In den südlichen Außenbezirken der irakischen Stadt Samarra
ist am Dienstag wieder ein Anschlag auf einen US-Konvoi verübt
worden, wie Augenzeugen berichteten. Die Stadt war am Wochenende
Schauplatz eines der heftigsten Gefechte in Irak, als Rebellen zwei
US-Konvois gleichzeitig angriffen.
Bei dem Anschlag in Samarra, das rund 95 Kilometer nördlich von
Bagdad liegt, soll ein Sprengsatz unter einem US-Geländewagen
explodiert sein. Dieser sei dann mit einem zivilen irakischen Fahrzeug
zusammengestoßen. Ein AP-Fotograf berichtete vom
mutmaßlichen Anschlagsort, US-Soldaten hätten einen
blutverschmierten Körper auf einer Trage weggebracht. Um wen es
sich handelte, war nicht klar. Die US-Armee äußerte sich
zunächst nicht.
Nach der Ermordung von zwei japanischen Diplomaten in Irak hat Tokio
offenbar die Entsendung von Helfern für den Wiederaufbau des
Landes verschoben. Die Zeitung "Asahi" berichtete am Dienstag, die
Ingenieure und Mediziner hätten eigentlich noch vor Ende des
Jahres nach Bagdad, Basra und Mossul aufbrechen sollen. Dieser Termin
werde jedoch nicht eingehalten. Die beiden Diplomaten waren am Samstag
nahe der irakischen Stadt Tikrit getötet worden. Der Überfall
hatte die Diskussion in Japan über die Entsendung von rund 1.000
Soldaten weiter angefacht.
Auch der britische Gesandte in Irak, Jeremy Greenstock, warnte, die
Angriffe des irakischen Widerstands würden sich vermehrt gegen
Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Diplomaten richten. Alle
müssten jetzt auf größtmögliche Sicherheit achten.
Die am Wochenende getöteten Spanier und Japaner hätten nicht
alle Vorschriften eingehalten, sagte Greenstock der BBC.
In Bagdad begannen Arbeiter unterdessen mit der Demontage von vier
riesigen Bronzebüsten des gestürzten Präsidenten Saddam
Hussein. Mit einem Kran trugen sie das erste der vier Monumente vom
Dach des früheren Präsidentenpalastes ab, der heute Sitz der
US-Zivilverwaltung ist. Die vier Meter hohen Büsten waren in den
80er Jahren aufgestellt worden.
Die US-Regierung hat derweil fünf Ländern direkt vorgeworfen,
an Massenvernichtungswaffen zu arbeiten. Sie drohte ihnen mit
Konsequenzen. Die Vorgänge im Irak sollten Iran, Nordkorea,
Syrien, Libyen und Kuba eine Lehre sein, warnte der Staatssekretär
für Rüstungskontrolle im Außenministerium, John Bolton.
Die USA behielten sich alle Optionen vor. Washington betrachtet Iran,
Nordkorea, Syrien, Libyen und Kuba als "Schurkenstaaten".
(Quellen: afp, ap)
Nahost-Konflikt
Palästinenser bei Ramallah erschossen +++ Sondersitzung der
UN-Vollversammlung zu Israels Sperranlage +++ Israels Aussenminister
Schalom lädt Solana zu Besuch nach Israel ein +++ Weltbank
bewilligt 15 Millionen Dollar für Palästinenser. Nach
über drei Jahren Aufstand ist das
Bruttoinlandsprodukt in den Palästinenser-Gebieten um rund 30
Prozent zurückgegangen +++ Israelis und Palästinenser
unterzeichnen Energieabkommen
Mi.03.12.03 - Israelische Soldaten haben am späten Dienstag Abend bei Ramallah
im Westjordanland einen 17 Jahre alten Palästinenser erschossen.
Nach palästinensischen Angaben wurden bei dem Zwischenfall zwei
Palästinenser verletzt. Die Jugendlichen hätten eine
israelische Militärpatrouille mit Steinen beworfen. Innerhalb von
36 Stunden seien im Westjordanland insgesamt sechs Palästinenser
von israelischen Soldaten getötet worden.
Die UN-Vollversammlung hält am Montag eine weitere Sondersitzung
zur israelischen Sperranlage ab. Wie die Sprecherin der Versammlung,
Michèle Montas, am Dienstag mitteilte, wurde die Sitzung auf
Wunsch der arabischen Staaten einberufen. Der palästinensische
Botschafter bei der UNO, Nasser el Kidwa, hatte vergangene Woche
mitgeteilt, er werde der Vollversammlung einen Resolutionsentwurf
vorlegen, demzufolge sich der Internationale Gerichtshof in Den Haag
mit der Sperranlage befassen solle.
Der israelische Aussenminister Silvan Schalom hat am Dienstag den
aussenpolitischen Beauftragten der EU, Javier Solana, für Januar
nach Israel eingeladen. Solana machte nach einer Unterredung mit
Schalom in einem Hotel in der italienischen Stadt Neapel aber deutlich,
dass er die Einladung nur annehmen werde, wenn Israel ihn nicht an
einem Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Jassir
Arafat hindere.
Arafat steht seit zwei Jahren in seinem Hauptquartier in Ramallah im
Westjordanland praktisch unter Hausarrest. Während Israel
bemüht ist, Arafat international zu isolieren, verlangt die
Europäische Union ungehinderten Zugang zu dem gewählten
palästinensischen Präsidenten. Bevor er die Einladung zu
einem Israel-Besuch annehme, werde er sich mit den EU-Aussenministern
beraten, sagte Solana bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Schalom.
Der israelische Aussenminister Silvan Schalom hat am Dienstag den
aussenpolitischen Beauftragten der EU, Javier Solana, für Januar
nach Israel eingeladen. Solana machte nach einer Unterredung mit
Schalom in einem Hotel in der italienischen Stadt Neapel aber deutlich,
dass er die Einladung nur annehmen werde, wenn Israel ihn nicht an
einem Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten Jassir
Arafat hindere.
Arafat steht seit zwei Jahren in seinem Hauptquartier in Ramallah im
Westjordanland praktisch unter Hausarrest. Während Israel
bemüht ist, Arafat international zu isolieren, verlangt die
Europäische Union ungehinderten Zugang zu dem gewählten
palästinensischen Präsidenten. Bevor er die Einladung zu
einem Israel-Besuch annehme, werde er sich mit den EU-Aussenministern
beraten, sagte Solana bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Schalom.
Die Weltbank in Washington will derweil der palästinensischen
Regierung mit einer Soforthilfe im Umfang von 15 Millionen Dollar unter
die Arme greifen.
Nach Auskunft der Weltbank vom Dienstag soll das Geld vor allem
für Projekte in den Bereichen Erziehung, Gesundheit und soziale
Dienstleistungen im Westjordanland und im Gaza-Streifen eingesetzt
werden. Ende vergangenen Jahres hatte die Weltbank schon einmal 25
Millionen Dollar an die palästinensische Regierung
überwiesen, deren Haushaltslage von der Weltbank als "prekär"
beschrieben wird.
Nach über drei Jahren Palästinenser-Aufstand ist das
Bruttoinlandsprodukt Weltbank-Angaben zufolge in den
Palästinenser-Gebieten um rund 30 Prozent zurückgegangen. Die
Weltbank-Experten sehen in jüngster Zeit zwar eine gewisse
Stabilisierung, aber "auf sehr niedrigem Niveau". Im Haushalt der
Palästinenser-Regierung klaffe ein monatliches Loch von 25
Millionen Dollar, was zum Teil auch auf nachlassende Hilfsbereitschaft
ausländischer Geber zurück gehe. Das treffe unter anderem auf
die Mitglieder der Arabischen Liga zu, von denen gegebene Zusagen nicht
eingehalten würden.
Die palästinensische Bevölkerung leidet vor allem unter den
von Israel nach Beginn der sogenannten Intifada eingeführten
Blockaden und Sperren. Viele Palästinenser-Familien sind auf
Einkommen angewiesen, die vom ungehinderten Zugang der Verdiener zu
ihren Arbeitsplätzen in Israel abhängen.
Israel und die palästinensische Autonomiebehörde haben am
Dienstag in Rom ein Energieabkommen unterzeichnet. Nach Angaben der
amtierenden italienischen EU-Ratspräsidentschaft handelt es sich
um das erste derartige Abkommen seit dem Beginn der El-Aksa-Intifada
vor drei Jahren. Die Einigung sieht vor, dass Israelis und
Palästinenser ihre Energienetze künftig gemeinsam nutzen und
zu diesem Zweck ein mit Vertretern beider Seiten besetztes Gremium
bilden. Geplant sind unter anderem auch der Bau eines gemeinsamen
Kraftwerks, die Entwicklung einer Stomverbindung zwischen Gaza und
Netivot sowie eine Erdgasleitung zwischen Aschkelon und Gaza.
(Quellen: dpa, afp, ap, rtr)
Powell will Initiatoren des Genfer Abkommens am Freitag treffen
Mi.03.12.03 - Trotz Protesten der israelischen Regierung will US-Aussenminister Colin
Powell am Freitag mit den Initiatoren des alternativen
Nahost-Friedensplans zusammentreffen. Er sei an deren Ideen für
einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern interessiert,
sagte Powell am Dienstag am Rande seines Tunesien-Besuchs. Der
stellvetretende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte,
Powell würde «einen Fehler machen», wenn er mit den
Initiatoren des von Jerusalem abgelehnten alternativen Plans
zusammentreffe.
Powell erklärte dagegen, das geplante Treffen beeinträchtige
die Unterstützung der USA für Israel in keiner Weise. Er
unterwandere damit auch nicht die Road Map, den von Jerusalem
akzeptierten Friedensplan der USA, der EU, der Vereinten Nationen und
Russlands.
Der am Montag in Genf vorgestellte alternative Friedensplan wurde vom
früheren israelischen Justizminister Jossi Beilin und dem
ehemaligen palästinensischen Informationsminister Jassir Abed
Rabbo ausgehandelt. Beide flogen von Genf aus nach Washington, wo sie
unter anderem mit Powell zusammentreffen wollen.
(Quelle: ap)
Der "Fahrplan" zum Nahost-Frieden (Nahost-Friedensplan / Road Map)
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0305120.htm#030512_d
Genfer Abkommen:
http://www.miftah.org/Display.cfm?DocId=2575&CategoryId=7
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zur Genfer Friedensinitiative unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#031201_e
Ökumenischer Appell für mehr Engagement der USA im Nahen Osten
Mi.03.12.03 - Christliche, jüdische und muslimische Geistliche in den USA haben
die Regierung am Dienstag zu einem verstärkten Engagement im
Nahost-Friedensprozess aufgerufen. Sie kündigten einen
ökumenischen Marsch auf Washington im April an, um
US-Präsident George W. Bush unter Druck zu setzen. Die 32
Geistlichen repräsentieren nach eigenen Angaben 100 Millionen
Gläubige und wollen diese in ihren Predigten dazu aufrufen, die
Regierung zum Handeln zu drängen.
«Dies ist eine einmalige Gelegenheit, weil wir vereint
handeln», sagte Rabbinerin Amy Small. Imam Feisal Abdul Rauf
erklärte, Palästinenser und Israelis müssten der Gewalt
abschwören: «Wir glauben, dass auch 100 weitere Jahre mit
Selbstmordanschlägen Israel nicht ins Meer treiben werden.»
Nutzlos sei aber auch die gezielte Tötung palästinensischer
Extremisten durch die israelischen Streitkräfte, weil sie die
Rekrutierung neuer Selbstmordattentäter nicht verhindere. Der
Erzbischof von Washington, Kardinal Theodore McCarrick, erklärte,
die US-Regierung sei moralisch dazu verpflichtet, den Friedensprozess
voranzubringen.
(Quelle: ap)
Unter Verschluss gehaltene EU-Antisemitismus-Studie empfiehlt angeblich
Datensammlung
Mi.03.12.03 - Die seit Frühjahr unter Verschluss gehaltene Antisemitismus-Studie
im Auftrag der "Europäischen Beobachtungsstelle für Rassismus
und Fremdenfeindlichkeit" (EUMC) regt weit reichende politische und
juristische Maßnahmen gegen antisemitische Übergriffe an.
Unter anderem empfehle die Studie, die nationalen Polizeien sollten
unter Einbeziehung von Europol alle Daten über antisemitische
Vorfälle sammeln und auswerten, berichtete die Tageszeitung "Die
Welt" am Dienstag. Den Erziehungsministerien werde geraten, Kurse
für Toleranz einzurichten und alle in den Schulen genutzten
Geschichtsbücher "auf Vorurteile und Einseitigkeit" zu untersuchen
(Quelle: afp)
Europäischer Jüdischer Kongress stellt unter Verschluss
gehaltenen Antisemitismus-Report der EU ins Internet
Der Europäische Jüdische Kongress (EJC) hat überraschend
die bisher unter Verschluss gehaltene Studie der Europäischen
Union zum Antisemitismus in den Mitgliedstaaten veröffentlicht.
Die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit (EUMC) in Wien, eine EU-Agentur, hatte die Studie
beim Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin in Auftrag
gegeben. Die Ergebnisse aber waren fast ein Jahr lang nicht
veröffentlicht worden.
Während die EUMC in Wien die Nichtpublikation damit
begründete, die Qualität der Studie sei wegen unzureichender
Daten nicht ausreichend, hielten die Berliner Forscher politische
Gründe für die Nichtveröffentlichung für
ausschlaggebend: Unterdrückt werden sollte demnach in erster Linie
das Ergebnis der Studie, wonach vor allem muslimische Zuwanderer
für die Zunahme antisemitischer Vorfälle in der EU
verantwortlich seien.
Der Report stellt fest, es habe in der EU "eindeutig einen Zuwachs
antisemitischer Aktivitäten seit der Eskalation des
Nahostkonflikts im Jahr 2000 mit einem Höhepunkt im Frühjahr
2002" gegeben. Die Studie schreibt zudem, dass physische Attacken auf
Juden sowie die Entweihung und Zerstörung von Synagogen im
Beobachtungszeitraum, der ersten Jahreshälfte 2002, "oft von
jungen muslimischen Tätern begangen wurden". In einigen Staaten
wie etwa in Irland und Luxemburg sei es praktisch ruhig geblieben. In
Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien dagegen
habe es "ziemlich harte antisemtische Vorfälle" gegeben. In
Großbritannien zählte man 20 Vorfälle "extremer Gewalt"
- Attacken, die lebensbedrohlich waren. Für Deutschland erfasste
die Studie vier Gewalttaten: drei gegen Gebäude, eine gegen zwei
Jüdinnen in Berlin.
Der Europäische Jüdische Kongress verurteilte die bisherige
Nichtveröffentlichung der Studie als "eindeutig politische
Entscheidung". Es rief die EU-Regierungen zu konkreten Maßnahmen
gegen Antisemitismus auf. Zugleich stellte der EJC in den Raum, ob man
im Beratergremium der EUMC Konsequenzen ziehen solle. Die EUMC sah sich
gestern aufgrund eines herausragenden Termins nicht in der Lage, eine
Stellungnahme abzugeben."
"tageszeitung" vom 03.12.03
http://www.taz.de/pt/2003/12/03/a0065.nf/text
EU-Antisemitismus-Studie abrufbar unter:
http://www.crif.org
|
18 Männer in Ruanda wegen Beteiligung an Völkermord verurteilt
Mi.03.12.03 - Ein Gericht in Ruanda hat am Dienstag 18 Männer wegen Beteiligung
am Völkermord 1994 zu Haftstrafen von sieben bis 25 Jahren
verurteilt. Das teilte der zuständige Richter Moise Ruzezwa des
Gerichts in der Provinz Kibungo mit. Die Angeklagten waren an der
Ermordung von Frauen und Kindern beteiligt, die in einer Kirche Schutz
gesucht hatten. Nach Angaben des Richters blieben die Angeklagten von
der Todesstrafe verschont, weil sie geständig waren.
Dem Völkermord in dem ostafrikanischen Land vor neun Jahren fielen
mindestens eine halbe Million Ruander zum Opfer, die meisten von ihnen
waren Angehörige des Volkes der Tutsi. Gravierende Vorwürfe
werden auch vor dem UN-Tribunal für Ruanda im Nachbarland Tansania
verhandelt.
(Quelle: ap)
Demonstranten in Elfenbeinküste fordern Abzug französischer
Truppen
Regierungsanhänger drohen mit Wiederaufnahme der Kämpfe gegen
die Rebellen im Norden des Landes
Mi.03.12.03 - Mehrere tausend Demonstranten haben in der Elfenbeinküste den
Abzug der französischen Friedenstruppen gefordert. Die
Regierungsanhänger in der Hauptstadt Abidjan drohten am Dienstag
mit einer Wiederaufnahme der Kämpfe gegen die Rebellen im Norden
des Landes. 4.000 französische Soldaten überwachen eine
Pufferzone zwischen den beiden Bürgerkriegsparteien, die sich im
Juli auf einen Waffenstillstand geeinigt hatten. Seit Montag wird ihr
Hauptquartier in Abidjan von wütenden Regierungsanhängern
belagert.
Mehrere hundert zum Teil mit machten bewaffnete Demonstranten bewarfen
am Dienstag die Kasernentore mit Steinen. Die Soldaten antworteten mit
Tränengas. Einer der Anführer der Protestbewegung drohte mit
Übergriffen auf in der Elfenbeinküste lebende
französische Zivilisten, falls die Truppen die
Waffenstillstandslinie nicht verließen. «Alles, was
französisch ist, wird angegriffen werden», sagte Narcisse
N'Depo.
Der Verteidigungsminister der Elfenbeinküste, René Amani,
verkündete in einer Fernsehansprache am Dienstagabend ein
Demonstrationsverbot. Die Sicherheitskräfte würden alle
Einwohner der Elfenbeinküste vor Übergriffen schützen,
versicherte er. Dennoch sollen die französischen Schulen in
Abidjan am Mittwoch geschlossen bleib
(Quelle: ap)
Vorbereitungen für neue Atomgespräche mit Nordkorea stocken
Mi.03.12.03 - Die Vorbereitungen für eine neue Runde der
Sechs-Länder-Gespräche über das nordkoreanische
Atomprogramm sind nach US-Angaben ins Stocken geraten. Es sei denkbar,
dass die Gespräche mit Nordkorea nicht mehr wie geplant im
Dezember, sondern erst im Januar oder Februar stattfinden könnten,
sagte ein Beamter des US-Außenministeriums am Dienstag in
Washington. Zu den Gründen der Verzögerung wollte er sich
nicht äußern. Außenstaatssekretär John Bolton
hatte die nordkoreanische Regierung zuvor vor Versuchen gewarnt, die
Sechs-Parteien-Gespräche "zu verzögern oder aufzuschieben".
(Quelle: afp)
Wirtschaftsreformen in Nordkorea schaffen neue Armut
UN-Gesandter: Rund eine Million Arbeiter brauchen internationale
Unterstützung
Mi.03.12.03 - Wirtschaftsreformen in Nordkorea haben nach Angaben eines UN-Gesandten
in Teilen der Bevölkerung zur Verelendung geführt. Rund eine
Million Arbeiter bräuchten internationale Unterstützung,
sagte Masud Hyder, der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in
dem kommunistischen Land. Die an sich positiven Reformen führten
in einigen Branchen zu Problemen mit der Folge, dass Arbeitszeiten und
Löhne gekürzt würden. Gleichzeitig stiegen die Preise,
so dass eine wachsende Zahl von Arbeitern sich nicht einmal mehr das
Nötigste leisten könnte. Mit einem Spenden-Aufruf wollten die
UN Nordkorea den Aufbau eines Sozialsystems ermöglichen, damit der
Staat die Reformen fortsetze. Schon jetzt sei der Wandel sichtbar: Es
gebe florierende Kleinunternehmen, neue Geschäfte, und die Nutzung
von Mobiltelefonen nehme zu.
(Quelle: ap)
Geplanter Export der Hanauer Plutonium-Anlage an China sorgt für
Irritationen
Kanzler Schröder hält Lieferung der Atomfabrik an
China für möglich. Bei den Grünen regt sich Widerstand:
Man könne nicht den Atomausstieg beschließen und dann mit
der Atomenergie Geschäfte im Ausland machen +++ Greenpeace: Mit
der Fabrik kann MOX-Brennstoff produziert werden, der für Bauteile
von Atombomben Verwendung finde
Mi.03.12.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat mit Plänen für einen
Verkauf der stillgelegten Hanauer Plutonium-Anlage an China für
innenpolitische Irritationen gesorgt. Auch das Versprechen des
Kanzlers, für eine Aufhebung des europäischen Waffenembargos
gegen China einzutreten, stieß auf Kritik beim grünen
Koalitionspartner und in der Opposition. SPD-Fraktionsvize Michael
Müller sagte der "Welt", das Projekt werde noch zu Diskussionen in
Partei und Fraktion führen. Ein Verkauf an China müsste vom
Ausfuhrausschuss genehmigt werden.
Nach der Prüfzusage von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) an
China formiert sich bei den Grünen der Widerstand gegen einen
Export der Hanauer Atomanlage. "Man kann nicht den Atomausstieg
beschließen und dann mit der Atomenergie Geschäfte im
Ausland machen", kritisierte der Abgeordnete Winfried Hermann in der
"tageszeitung" vom Mittwoch das geplante Geschäft. "Das macht die
Regierung unglaubwürdig."
In einem Brief an das Auswärtige Amt hatte
Umwelt-Staatssekretär Rainer Baake (Grüne) bereits Mitte
November darauf verwiesen, dass mit der Technologie "auch im
großen Umfang Plutonium auch für militärische Zwecke"
hergestellt werden könne.
Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei kündigte in
der "tageszeitung" an, er wolle ein Verbot des Exports der Hanauer
Atomanlage rechtlich prüfen lassen. Der Grünen-Abgeordnete
Reinhard Loske sagte, es gebe atomrechtlich keine Handhabe, "diese
Sache" zu verhindern. Es werde jedoch keine Hermes-Bürgschaften
zur finanziellen Absicherung eines Exports geben.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verwies darauf, dass mit der
Fabrik so genannter MOX-Brennstoff produziert werden könne, der
für Bauteile von Atombomben Verwendung finde.
Zuvor hatten deutsche Regierungskreise bestätigt, dass
Schröder den Wunsch Chinas prüfen wolle, die nie in Betrieb
genommene Hanauer Plutonium-Anlage zu kaufen. Der Siemens-Konzern
beantragte als Eigentümer bereits beim Bundesamt für
Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BafA) den Verkauf. Bei einem Besuch in
Hanau habe eine chinesische Delegation Interesse am Kauf der weitgehend
demontierten Anlage bekundet, sagte ein Siemens-Sprecher. "Der Vorgang
ist inzwischen auf ministerieller Ebene", bestätigte eine
Sprecherin des BafA. Neben dem Wirtschafts- sei auch das
Außenministerium beteiligt.
Das Siemens-Werk im hessischen Hanau sollte plutoniumhaltige
Brennelemente für Atomkraftwerke herstellen. Das Werk wurde 1991
fertiggestellt und vier Jahre später - noch vor der Inbetriebnahme
- aufgegeben. Schätzungen zufolge ist die 700 Millionen Euro teure
Anlage heute noch rund 50 Millionen Euro wert. Im Jahr 2000 hatte es
Pläne gegeben, die Anlage nach Russland zu exportieren. Diese
wurden jedoch nie verwirklicht.
(Quellen: dpa, ap)
DGB-Chef Sommer: Kanzler soll sich für freie Gewerkschaften in
China einsetzen
Mi.03.12.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder soll sich nach dem Willen von
DGB-Chef Michael Sommer in China für freie Gewerkschaften
einsetzen. Sommer äußerte sich am Montag in Berlin befremdet
über eine Äußerung von Chinas Industriepräsident
Xu Kuangdi, wonach chinesische Investoren in Deutschland
«Schwierigkeiten mit den Gewerkschaften» hätten,
während sich chinesische Gewerkschaften kooperativ verhielten.
Damit stellt sich laut Sommer die Frage, was der
Industriepräsident mit seiner Äußerung meine:
«Bedauert er etwa, dass es in Deutschland keine Kinderarbeit gibt
wie ein China?» In China gebe es auch «keine freien
Gewerkschaften, kein Wahlrecht, keine Mitbestimmung», sagte der
DGB-Vorsitzende. Sommer lud den Funktionär ein, sich in
Deutschland vom Beitrag der Gewerkschaften zur Sozialpartnerschaft zu
überzeugen. Schröder beendet am (morgigen) Mittwoch seinen
dreitägigen China-Besuch und fliegt nach Kasachstan weiter.
(Quelle: ap)
Deutscher Kanzler kritisiert Chinas Internet-Verfolgung
Mi.03.12.03 - In deutlicher Form hat Kanzler Gerhard Schröder gegen die
staatliche Verfolgung von politischen Internet-Nutzern in China
Stellung bezogen. China werde sein Ziel, der weltweit größte
Internet-Markt zu werden, nur dann erreichen, wenn das Netz auch
für die eigenen Benutzer attraktiv sei. Da sagte er vor Studenten
der Sun-Yatsen-Universität in Kanton. Peking verfolgt
verstärkt, «Cyber- Dissidenten», die sich mit
Forderungen nach mehr Meinungsfreiheit sowie demokratischen Rechten im
Netz zu Wort melden.
(Quelle: dpa)
Pakistan bietet Indien Truppenabzug aus Kaschmir an
Mi.03.12.03 - Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat Indien einen sofortigen
gegenseitigen Truppenabzug aus Kaschmir angeboten. Pakistan werde seine
Soldaten aus dem pakistanischen Teil der von beiden Ländern
beanspruchten Unruheregion abziehen, wenn Indien mit seinen Truppen im
indischen Teil ebenso verfahre, sagte Musharraf der britischen BBC am
Montagabend.
Die jüngsten Schritte zur Entspannung des Verhältnisses
zwischen den beiden verfeindeten Atommächten seien «erst der
Anfang», betonte er.
Der Vorschlag zum Truppenabzug dürfte für Indien allerdings
nicht annehmbar sein, da im indischen Teil Kaschmirs verschiedene
muslimische Milizen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss
der Region an Pakistan kämpfen. Seit einer Woche gilt zwischen
indischen und pakistanischen Truppen in Kaschmir ein Waffenstillstand,
der sich aber nicht auf die Extremisten im indischen Teil erstreckt.
Knapp zwei Jahre nach der Unterbrechung aller Verkehrsverbindungen
hatten Indien und Pakistan am Montag außerdem vereinbart, zum 1.
Januar den Flugverkehr wieder aufzunehmen.
Bei einem Handgranatenangriff mutmaßlicher Separatisten im
indischen Teil Kaschmirs wurden am Dienstag mindestens 18 Polizisten
verletzt, darunter auch der örtliche Polizeichef. Bei einem
Schusswechsel seien in der Nacht zuvor zwei mutmaßliche
Extremisten und ein Soldat getötet worden. Die Extremisten hatten
nach Beginn des Waffenstillstands eine Zunahme der Gewalt
angekündigt.
Nach Angaben Musharrafs stehen in Kaschmir 50 000 pakistanische
Soldaten 700 000 indischen Truppen gegenüber. Dieses
Kräfteverhältnis dürfte von Indien angezweifelt werden.
Indien wirft Pakistan vor, die Extremisten im indischen Teil Kaschmirs
zu unterstützen. Die Regierung in Islamabad weist das zurück.
Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von britischer
Kolonialherrschaft 1947 drei Kriege gegeneinander geführt, zwei
davon um Kaschmir.
(Quelle: dpa)
OSZE-Konferenz gescheitert
Streit über die russische Georgien- und Moldawienpolitik
lähmte die zweitägige Treffen und überschattete Abkommen
zum Kampf gegen Menschenhandel, Terrorismus und die Verbreitung von
Waffen
Mi.03.12.03 - Die russische Haltung zu den Konflikten in Georgien und Moldawien hat
die OSZE-Ministerratstagung in Maastricht zum Scheitern gebracht. Zum
ersten Mal seit drei Jahren konnten sich die 55 Mitgliedstaaten nicht
auf eine gemeinsame Abschlusserklärung einigen. Besonders scharfe
Kritik an Moskau übte US-Außenminister Colin Powell.
«Das ist ein Rückschlag, auch wenn es Fortschritte
gab», sagte er am Dienstag vor der Versammlung. Er rief Moskau
auf, zum frühest möglichen Zeitpunkt seiner Verpflichtung aus
dem Jahr 1999 zum Abzug seiner Truppen aus Georgien und Moldawien
nachzukommen.
Die Spaltung unter den OSZE-Staaten wurde in der
Abschlusserklärung des amtierenden Ratsvorsitzende und
niederländischen Außenministers Jaap de Hoop Scheffer
deutlich. «Die meisten Minister» unterstützten die
territoriale Integrität Georgiens und befürworteten eine
internationale Friedenstruppe für Moldawien, sagte er. Der
stellvertretende russische Außenminister Wladimir Tschischow
erwiderte prompt, seine Regierung fühle sich den Forderungen nicht
verpflichtet.
Laut Scheffer ist Moskau innerhalb der OSZE weitgehend isoliert. Der
Streit über die russische Georgien- und Moldawienpolitik
lähmte die zweitägige Konferenz und überschattete
Abkommen zum Kampf gegen Menschenhandel, Terrorismus und die
Verbreitung von Waffen.
Powell traf am Dienstag auch mit der georgischen
Übergangspräsidentin Nino Burdschanadse zusammen, die
Russland am Vortag scharf angegriffen hatte. Sie warf Moskau vor,
Rebellen in den Provinzen Südossetien und Abchasien zu
unterstützten und damit die Souveränität Georgiens zu
untergraben. Ein Gespräch mit dem russischen Außenminister
Igor Iwanow in Maastricht verlief nach ihren Angaben enttäuschend.
Der US-Minister stellte sich hinter Burdschandadse.
«Separatisten, die die Integrität Georgiens schwächen
wollen, sollten nicht unterstützt werden», sagte er.
Zugleich versicherte er Burdschanadse die Hilfe Washingtons bei den
Neuwahlen im Januar. Noch in dieser Woche werde ein Expertenteam nach
Georgien geschickt, um bei der Vorbereitung der Wahl zu helfen. Powell
ermahnte die neue Regierung in Tiflis, für einen
«verfassungsgemäßen Prozess» zu sorgen. Aus
fairen, freien und offenen Wahlen müssen eine neue Regierung
hervorgehen, sagte er.
(Quelle: ap)
Putin wirft EU Behinderung bei WTO-Beitritt vor
Mi.03.12.03 - Der russische Präsident Wladimir Putin hat der Europäischen
Union vorgeworfen, Russlands Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO)
zu behindern. Die EU stelle unangemessene Forderungen, wie die nach
einer Erhöhung des Gaspreises in Russland, sagte Putin vor
europäischen Wirtschaftsvertretern im Kreml. Die europäische
Schwerindustrie habe einen solchen Schutz aber nicht nötig.
Der niedrige Gaspreis sei ein «natürlicher Vorteil in
Russland», sagte Putin. Er zog den Vergleich zu dem guten Wetter,
von denen die Bauern in einigen europäischen Ländern
profitierten. «Wir werden solche Vorteile nicht wegwerfen»,
erklärte der Präsident. Russland wolle seinen Energiesektor
reformieren, die Differenzen mit der EU bezögen sich nur auf die
Geschwindigkeit und das Ausmaß der Reformen.
Russland rechnet nach Angaben Putins damit, dass der Handel mit einigen
osteuropäischen Ländern zurückgehen wird, wenn diese im
nächsten Jahr der EU beitreten. Mehrere Regierungen hätten
bereits angekündigt, bilaterale Handelsabkommen mit Russland
kündigen zu müssen. Putin bedauerte außerdem, dass
bisher keine Fortschritte in der Lockerung der Visa-Bestimmungen
für Reisende zwischen der EU und Russland erzielt worden seien.
(Quelle: ap)
Widerstand gegen NATO-Annäherung im Parlament der Ukraine
Mi.03.12.03 - Der ukrainische Verteidigungsminister Ewhen Martschuk hat
eingeräumt, dass es im eigenen Parlament einen zunehmenden
Widerstand gegen die weitere Annäherung an die NATO gibt. Im
Vorfeld der Präsidentschaftswahl im Jahr 2004 sei mit Zulauf
für die Gegner vertiefter transatlantischer Beziehungen zu
rechnen, sagte Martschuk am Dienstag in Brüssel nach einem Treffen
mit den NATO-Verteidigungsministern. Das zeige sich auch daran, dass es
im Parlament Probleme mit der Ratifizierung entsprechender
Vereinbarungen mit der Allianz gebe. Die Verteidigungsreform werde 2006
abgeschlossen sein, kündigte Martschuk an. Er bekräftigte
dabei das Ziel seiner Regierung, der NATO beizutreten.
(Quelle: afp)
EU-Staaten drohen Klimaschutzziele zu verfehlen
Ausstoß an Treibhausgasen gestiegen statt gesunken +++ Gerade
auch Deutschland hat seine klimapolitischen Hausaufgaben nicht gemacht
+++ Russland ratifiziert Kyoto-Protokoll nicht, weil es Einschnitte
für das Wirtschaftswachstum des Landes mit sich bringe
Mi.03.12.03 - Die Europäische Union droht ihre Klimaschutzziele deutlich zu
verfehlen: In den vergangenen drei Jahren sei der Ausstoß an
Treibhausgasen noch gestiegen statt gesunken, sagte
EU-Umweltkommissarin Margot Wallström in Brüssel. Um die
Belastung der Umwelt mit dem schädlichsten Gas Kohlendioxid (CO2)
zu mindern, müssten die EU-Staaten dringend handeln. Gerade auch
Deutschland hat demnach seine klimapolitischen Hausaufgaben nicht
gemacht.
"Der Trend geht in die falsche Richtung", sagte Wallström. Ein
großes Problem seien die wachsenden Verkehrsströme. Sie
seien für einen Großteil des Kohlendioxid-Ausstoßes
verantwortlich. Nach ihren Angaben werden nach jetzigem Stand nur
Großbritannien und Schweden ihre Klimaverpflichtungen einhalten
können.
Das Kyoto-Protokoll verpflichtet die EU-Staaten, ihre
Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um durchschnittlich acht Prozent im
Vergleich zu 1990 zu senken. Deutschland als größter
Verursacher von Treibhausgasen in der EU muss seine Emissionen um 21
Prozent reduzieren.
"Das Kyoto-Protokoll ist aber nicht tot", versicherte die schwedische
Umweltkommissarin mit Blick auf die UN-Klimakonferenz, die derzeit in
Mailand stattfindet. Handlungsbedarf sieht Wallström allerdings
bei der Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern. China werde
die USA schon in absehbarer Zeit als größter Verursacher von
Treibhausgasen ablösen, erklärte sie.
In Moskau sagte der Wirtschaftsberater von Präsident Wladimir
Putin, Andrej Illarionow, Russland könne das Kyoto-Protokoll in
seiner derzeitigen Form "selbstverständlich" nicht ratifizieren,
weil es "bedeutende Einschnitte für das Wirtschaftswachstum" des
Landes mit sich bringen würde. Eine derartige Verantwortung auf
sich zu nehmen, sei "unverantwortlich". Zudem sei es unfair, dass
Russland seine Emissionen senken solle, während größere
Verursacher das Protokoll ablehnten. Ein Sprecher der
UN-Klimarahmenkonvention sagte in Mailand, er sei dennoch "weiterhin
zuversichtlich", dass Russland das Protokoll unterzeichnen werde.
(Quelle: afp)
Verkehr an Treibhausgasmisere der EU schuld
Im Zeitraum von 1990 bis 2010 werden die Emissionen von Treibhausgasen
um 34 Prozent ansteigen
Mi.03.12.03 - Autos und Flugverkehr sind an der Treibhausgas-Misere in der EU schuld.
Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der European Environment Agency,
der bei der UN-Klimakonferenz [http://unfccc.int] , die derzeit in Mailand
stattfindet, vorgestellt wurde. Denn im Zeitraum von 1990 bis 2010
werden die Emissionen von Treibhausgasen um 34 Prozent ansteigen. Damit
wird das Kyoto-Ziel in der EU nicht erreicht werden, befürchtet
die European Environment Agency [http://www.eea.eu.int] .
Nach Berichten von BBC könnte aber innerhalb der EU zumindest die
Reduktion einiger anderer Treibhausgase erfolgreich sein, wenn
innerstaatliche Gesetze durchgesetzt werden. Zu den EU-Staaten, die die
individuellen Kyoto-Ziele definitiv nicht einhalten können,
zählen Dänemark, Spanien, Österreich, Irland und
Belgien. Diese Staaten liegen mit ihren tatsächlichen Emissionen
nämlich um mehr als 20 Prozent über den vereinbarten
Grenzwerten. Positiv entwickelt haben sich hingegen Schweden und
Großbritannien, die weniger Emissionen in die Atmosphäre
blasen als ursprünglich vereinbart.
Wenn die Ziele weiterhin eingehalten werden, können die Emissionen
in der EU um 0,2 Prozent sinken. Pessimistisch beurteilt die European
Environment Agency auch die Entwicklung in Deutschland, dem Land in der
EU, das 25 Prozent aller Treibhausgase emittiert. Die Reduktion von
Treibhausgasen wird dort geringer ausfallen als bisher angenommen. Das
gesamte EU-Ergebnis wird 2010 um nur 0,5 Prozent unter den Werten von
1990 liegen.
Als Grund für das weite Auseinanderklaffen der tatsächlichen
Emissionen von den geplanten Werten gibt die Agentur die rasante
Zunahme des Straßenverkehrs an. Nicht in den Berechnungen
enthalten sind auch die steigenden Zahlen im Flugverkehr. Experten sind
vom Kyoto-Protokoll aber ohnehin nicht begeistert: Der
größte Umweltverschmutzer USA hat das Protokoll nicht
ratifiziert und Russlands Position zum Umweltabkommen ist fraglich.
(Quelle: pte)
Klimawandel: Schneefallgrenze steigt dramatisch a
Mi.03.12.03 - Durch die globale Klima-Erwärmung steigt die Schneefallgrenze nach
Einschätzung der Vereinten Nationen so stark an, dass in einigen
traditionellen Ski-Orten das Skifahren nicht mehr möglich sein
wird. In einem UN-Bericht heißt es, sollten keine drastischem
Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase erfolgen, würden
die Temperaturen binnen hundert Jahren um bis zu 5,8 Grad steigen. Als
Folge könnten bald nur noch Skigebiete in einer Höhe ab 1.800
Meter als schneesicher gelten.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Blick ins Archiv
Deutsche empfinden Klimawandel als reale Bedrohung
Mo.01.12.03 - Die negativen Folgen des Klimawandels werden von einer
übergroßen Mehrheit der Deutschen als reale Bedrohung
empfunden. Dies geht aus einer Umfrage zum Thema Umwelt und Energie
hervor, die am Sonntag in Frankfurt am Main von der WWF-Stiftung
vorgestellt wurde. Dabei stuften 74 Prozent der Befragten die Gefahren
durch die Klimaveränderungen als groß oder sehr groß
ein.
Entsprechend ausgeprägt ist der Wunsch, in Zukunft verstärkt
auf erneuerbare Energie zu setzen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#03120118
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema Klima unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#031130_p
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Deutschland
Behindertenverbände sehen noch langen Weg hin zu Chancengleichheit
Um die Belange behinderter Menschen zu unterstützen, haben die
Vereinten Nationen vor zwölf Jahren den 3. Dezember zum
Internationalen Tag der Behinderten erklärt +++ Deutscher
Behindertenrat: Das Fazit zum Jahrestag ist sehr enttäuschend.
Sozialreformen gingen zu Lasten Alter, Kranker und Behinderter
Mi.03.12.03 - Eine durchwachsene Bilanz des «Europäischen Jahres der
Menschen mit Behinderung» haben Betroffenenverbände gezogen.
Anlässlich des Internationalen Tags der Behinderten am (heutigen)
Mittwoch erklärte Stefan Heinik vom Deutschen Behindertenrat,
positiv sei, dass die Thematik durch die vielfältigen Aktionen
stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt sei. Ilja
Seifert, Gründungspräsident des deutschen
Behindertenverbandes, bemängelte, dass es immer noch kein
Antidiskriminierungsgesetz gebe.
Um die Belange behinderter Menschen zu unterstützen, haben die
Vereinten Nationen vor zwölf Jahren den 3. Dezember zum
Internationalen Tag der Behinderten erklärt. Zudem hat die
Europäische Union 2003 zum «Europäischen Jahr der
Menschen mit Behinderung» ausgerufen. Unter dem Motto
«Nichts über uns ohne uns» soll es einen
Perspektivenwechsel von Mitleid und Bevormundung hin zu Teilhabe,
Gleichstellung und Selbstbestimmung bewirken.
«Das Fazit zum Jahrestag ist sehr enttäuschend», sagte
Seifert der Nachrichtenagentur AP. Wegen des fehlenden
Antidiskriminierungsgesetzes würden Behinderte bei
alltäglichen Belangen wie Mietverträgen oder Versicherungen
weiter benachteiligt: «Immer wieder erreichen uns Alarmsignale,
dass Krankenkassen Behinderungen als Ausschlusskriterium zählen
oder im Heim- und Hilfsmittelbereich ihre Unterstützung
verzögern oder sogar verweigern.»
Nach Einschätzung von Heinik hat sich zwar die juristische Lage in
vielen Bereichen durch das Gleichstellungsgesetz verbessert, allerdings
hapere es noch an der praktischen Umsetzung. Harsche Kritik
äußerte er an den Einschnitten im Gesundheitssystem. Hatte
der Behindertenrat zu Jahresbeginn noch eine Leistungsverbesserung
gefordert, trat durch die Gesundheitsreform das genaue Gegenteil ein:
«Während Pharmaindustrie, Ärzte und Krankenkassen
weitgehend verschont wurden, gingen die Reformen zu Lasten Alter,
Kranker und Behinderter», klagte Heinik.
Christian Berringer, Mitarbeiter des Behindertenbeauftragten der
Bundesregierung, verwies auf die Grenzen der Sparvorgabe: «Jedes
Jahr besteht aus Licht und Schatten. In vielen Belangen konnten auch
Strukturveränderungen, wie eine Verbesserung im
Rehabilitationsbereich oder mehr Mitspracherecht der
Behindertenverbände in Gesundheitsfragen in Angriff genommen
werden.».
Nach Schätzungen sind in Europa rund zehn Prozent der
Bevölkerung oder 38 Millionen Menschen von Behinderungen
betroffen. In Deutschland sind nach Angaben der
Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte 6,7 Millionen
Menschen (8,1 Prozent) als Behinderte anerkannt. Im alltäglichen
Leben stehen sie häufig vor unüberwindlichen Hindernissen.
Ein Schwerpunkt des Europäischen Jahres der Behinderten liegt
deshalb im Kampf für mehr Barrierefreiheit. Öffentliche
Einrichtungen sollten danach grundsätzlich so gestaltet werden,
dass Behinderte sie ohne fremde Hilfe nutzen können. «Leider
laufen die Prozesse föderalistisch bedingt etwas
schleppend», erklärte Berringer. Während die Verkehrs-
und Bauministerien mancher Länder vorbildlich arbeiteten -
beispielsweise durch einen rollstuhlgerechten Umbau öffentlicher
Gebäude - hinkten andere hinterher.
Fortschritte zeigen sich nach Angaben Berringers im
Kommunikationsbereich: Behörden seien verpflichtet, innerhalb der
nächsten drei Jahre ihre Computer blindengerecht zu gestalten.
Zudem sei zu bedenken, dass immer mehr ältere Menschen in der
Gesellschaft lebten, die häufig in ihrer Mobilität
eingeschränkt seien und eine Strukturvereinfachung
begrüßen würden. «Mit der Bahn laufen derzeit
gute Gespräche um im öffentlichen Verkehr diese Entwicklung
voranzutreiben», sagte er.
Ein weiterer Schwerpunkt des Europäischen Jahres der Behinderten
war die Forderung nach einem gleichen Strafmaß beim sexuellen
Missbrauch behinderter Frauen. «Erschreckenderweise wird die
Vergewaltigung bei behinderter Frauen nach wie vor als Vergehen und
nicht als Verbrechen geahndet», sagte Seifert. Dabei würde
das Abhängigkeitsverhältnis schwerbehinderter Frauen
besonders oft auf diese schreckliche Weise ausgenutzt. Das Problem
liege darin, dass sich die Opfer häufig nur beschränkt
äußern könnten.
Es bestehe weiter in vielerlei Hinsicht Handlungsbedarf zur
Durchsetzung von mehr Chancengleichheit. Dies wolle man auch
Bundeskanzler Gerhard Schröder deutlich machen, der für den
16. Dezember Engagierte aus der Behindertenarbeit zu einem
abschließenden Liederabend des Europäischen Jahres der
Behinderten ins Kanzleramt eingeladen hat: «Wir haben Herrn
Schröder bereits mitgeteilt, dass wir zwar gerne mediengerecht
Lieder trällern, aber doch die weiterführende Diskussion im
Vordergrund stehen soll.» Ihre Arbeit zu dem Thema will auch die
Europäische Kommission fortsetzen, die einen Aktionsplan zur
Förderung der Chancengleichheit behinderter Menschen in der
erweiterten EU vorgelegt hat.
(Quelle: ap)
Malteser beklagen wachsende Diskriminierung Behinderter
Mi.03.12.03 - Der Malteser Hilfsdienst hat eine sinkende Akzeptanz gegenüber
ungeborenen Kindern mit Behinderungen beklagt. «Es ist
erschreckend, dass sich ein Klima breit macht, in dem das Austragen
potenziell behinderter Kinder beinahe als Verstoß gegen 'gute
Sitten' und als 'unverantwortliches Handeln' gebrandmarkt wird»,
sagte der Präsident der Organisation, Johannes Freiherr Heereman.
Anlässlich des Internationalen Tages der Behinderten
appellierte der Verein vor allem an die Politiker, die vom Ethikrat
empfohlene Präimplantationsdiagnostik oder Maßnahmen wie
Spätabtreibungen kritischer zu hinterfragen. Die Möglichkeit,
behinderten Ungeborenen das Recht auf ihr Leben zu verweigern,
bezeichnete Heereman als «Diskriminierung im frühest
möglichen Stadium».
«Es reicht nicht, dass Politik und Gesellschaft sich
bestätigen, welche Fortschritte mit sozialpolitischen
Maßnahmen zur Gleichstellung Behinderter gemacht wurden. Wir
erfüllen damit nur Selbstverständliches», erklärte
der Malteser-Präsident. Weit wichtiger seien Impulse aus der
Politik, die den Betroffenen den Rechtfertigungsdruck für das
«Dasein und Anderssein» nähmen. «Dieser
Bewusstseinswandel ist aber nur möglich, wenn für die Politik
die Unantastbarkeit der Menschenwürde und das
uneingeschränkte Lebensrecht außer Frage stehen»,
sagte Heereman.
(Quelle: ap)
Staatsrechtlerin: Konvention für Behinderte nötig
Mi.03.12.03 - Zur weltweiten Beseitigung der Nachteile für behinderte Menschen
ist nach Ansicht der Bochumer Staatsrechtlerin Theresia Degener eine
UN-Menschenrechtskonvention nötig. "Zwar gelten alle sieben
UN-Menschenrechtskonventionen auch für Menschen mit Behinderungen,
doch wird diese Tatsache meistens ignoriert", erklärte die ohne
Hände und Arme aufgewachsene Juristin vor dem Welttag der
Behinderten.
Die Konvention solle die in der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte von 1949 verankerten Rechte ausdrücklich auch
für Menschen mit Behinderungen festschreiben. Festgelegt werden
müssten die Pflichten der UN-Mitgliedstaaten in Bezug auf
Behinderung und Menschenrechte. Die geltenden Regelungen reichten nicht
aus, "weil behinderte Menschen bei der Durchsetzung dieser
Menschenrechtsinstrumente immer wieder vergessen werden", betonte
Degener.
(Quelle: taz/dpa)
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Hilfsorganisationen bangen um Obdachlosenhilfe
Diakonie: Ein Viertel der Hilfesuchenden unter 28 Jahren - Auch mehr
Frauen betroffen +++ Vor allem in Ballungsgebieten gehen die
Obdachlosenzahlen nach oben. +++ Wegen geplanter und
durchgeführter Sozialkürzungen kommen auf die
Obdachlosenhilfe härtere Zeiten zu
Mi.03.12.03 - Trotz der insgesamt stark gesunkenen Zahl von Wohnungslosen ist
Obdachlosigkeit auch in den nun wieder frostigen Nächten
unübersehbar. In Frankfurt am Main, wo Reichtum und Elend
besonders krass aufeinander treffen, ist die Zahl der Wohnungslosen
nach Angaben des Vereins für Wohnraumhilfe jüngst wieder
gestiegen. Experten befürchten jetzt, dass sich angesichts der
kommenden Sozialreformen der positive Trend der vergangenen Jahre
umkehrt.
Seit 1995 hat sich die Zahl der Wohnungslosen insgesamt nahezu
halbiert, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW [http://www.bagw.de/])
auf ihren Internetseiten dokumentiert. Noch haben weder die Bielefelder
Experten noch die katholische Caritas Zahlen, die einen Anstieg der
Obdachlosenzahlen belegen können. Denn Obdachlosen-Statistiken
beruhen grundsätzlich auf Schätzungen, wie BAGW-Sprecherin
Werena Rosenke betont. 2002 betrug die Zahl der Wohnungslosen laut BAGW
demnach insgesamt rund 400.000, davon lebten etwa 20.000 dauernd auf
der Straße.
Laut Diakonie [http://www.diakonie.de/]
gehen die Obdachlosenzahlen aber vor allem in Ballungsgebieten nach
oben. Das liegt am Arbeits- und am Wohnungsmarkt, der die Entwicklung
regional sehr unterschiedlich aussehen lässt. Während in
Ostdeutschland viele Wohnungen leer stehen, ist die Situation in
Städten mit vielen Jobs und Zuwanderung, wie Frankfurt und
München, angespannt.
Klar ist jedoch, dass auf die Obdachlosenhilfe wegen geplanter und
durchgeführter Sozialkürzungen härtere Zeiten zukommen.
Der Präsident des Diakonischen Werkes, Jürgen Gohde, sieht
gar die Basis für die Obdachlosenhilfe gefährdet und fordert,
Wohnungslose bei den Sozialreformen nicht schlechter zu stellen. Noch
aber streiten Bundesregierung und Opposition im Vermittlungsausschuss
über die Umsetzung der Hartz-Reformen, die etwa die Zusammenlegung
von Arbeits- und Sozialhilfe unter Zuständigkeit der in
«Agenturen» umbenannten Arbeitsämter vorsehen.
Wie das Ergebnis am Ende aussieht, ist noch völlig offen.
«Im Moment liegt die Betonung auf Befürchtung», sagt
Stefan Bürkle vom Deutschen Caritas-Verband. Dabei ist
unwahrscheinlich, dass die Höhe der im Bundessozialhilfegesetz
garantierten Leistungen angetastet wird. Ob das Geld aus den
Töpfen der Kommune oder des Bundes komme, ist den Betroffenen
letztendlich egal, sagt etwa Heinz Gonther vom Frankfurter Verein
für Wohnraumhilfe.
Der häufig beklagte Wegfall der Kompetenz der Sozialämter
stört Gonther dagegen nicht. Er erwartet, dass die
Arbeitsagenturen dann die Experten der Kommunen übernehmen. Anders
sieht es dagegen bei den schärferen Zumutungskriterien etwa bei
der Arbeitsvermittlung aus: «Es ist zu befürchten, dass
etliche durch die Maschen fallen», sagt etwa Bürkle.
BAGW-Sprecherin Rosenke sorgt sich deswegen um die über Jahre
aufgebauten Wiedereingliederungsmaßnahmen.
Besonders alarmierend findet Diakonie-Präsident Gohde, dass die
Obdachlosen immer jünger werden und die Zahl der Frauen ohne jede
Unterkunft steige, während die Hilfsangebote für Wohnungslose
zurückgingen. Das Durchschnittsalter der Hilfesuchenden liegt
demnach bei nur 38 Jahren - vor zehn Jahren betrug es noch mehr als 50
Jahre. Als Ursache macht die Diakonie Arbeitslosigkeit,
Lehrstellenmangel und Kürzungen bei der Jugendhilfe verantwortlich.
Auf der anderen Seite steht die positive Entwicklung der vergangenen
Jahre. Sie ist laut BAGW ein Erfolg der Anstrengungen von Kommunen und
freien Trägern. Allerdings hat sich der Trend zuletzt
abgeschwächt. Weil der Sozialwohnungsbestand weiter
rückläufig sein wird, muss laut BAGW wieder mit einem Anstieg
der Wohnungslosigkeit gerechnet werden. Immerhin erreichte der soziale
Wohnungsbau im Jahr 2001 mit nur 14.000 geförderten
Sozialwohnungen einen Tiefststand. Auch in der Mainmetropole liegt das
Problem Gonther zufolge eindeutig beim Mietmarkt: «Die Zahl der
finanzierbaren Wohnungen wird immer knapper» klagt er.
(Quelle: ap)
Seine Freunde nannten ihn Hennes. Die Kinder riefen Penner-Paule. Jetzt
ist Johann Babies tot
Zwei Stunden lang haben sie mit Knüppeln auf den Obdachlosen
eingeschlagen - Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren.
Im Ort sucht man noch immer nach Erklärungen...
Mehr in der "tageszeitung" vom 03.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/03/a0139.nf/text
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Offener Streit zwischen CDU und CSU
Mi.03.12.03 - Trotz aller Geschlossenheitsappelle ist zum Abschluss des
CDU-Bundesparteitags der Riss zwischen CDU und CSU in der Reformpolitik
offen zu Tage getreten. Nachdem sich der Parteitag in der Sozial- und
Steuerpolitik mit langfristigen Reformkonzepten bereits deutlich von
der CSU abgesetzt hatte, wurde CSU-Chef Edmund Stoiber am Dienstag von
den Delegierten wesentlich kühler empfangen als in jüngster
Vergangenheit.
Der Parteitag zollte dem ehemaligen gemeinsamen Kanzlerkandidaten der
Union nur knapp eineinhalb Minuten Beifall. Stoiber hatte zuvor die
Einheit der Union beschworen, aber ansonsten seine Positionen
verteidigt.
Angesichts der mit großer Mehrheit beschlossenen radikalen
Kurswechsel zeigte sich CDU-Chefin Angela Merkel dennoch mit dem
Verlauf des Parteitags zufrieden. «Wir haben etwas
geschafft.» Sie kündigte an, die CDU werde im kommenden Jahr
das «Thema Wachstum» in den Mittelpunkt stellen.
Vorfestlegungen für die abschließenden Verhandlungen im
Vermittlungsausschuss, die in der kommenden Woche in die heiße
Phase gehen, traf der zweitägige Parteitag nicht.
In seiner 90-minütigen Rede machte Stoiber deutlich, seine Partei
sei nicht gewillt, alle Vorschläge der CDU eins zu eins zu
übernehmen. Es sei «nur logisch», wenn um
Weichenstellungen gestritten wird. Am Ende «müssen wir und
werden wir aber gemeinsame Konzepte haben». Ansonsten würden
die Unions-Parteien den «Anforderungen» im Reformprozess
nicht gerecht.
Erst als Merkel nach der Stoiber Rede stehend applaudierte, erhoben
sich die Delegierten zögernd von ihren Stühlen. Stoiber
verließ nur wenige Minuten nach der Rede den Saal. Mehrere
Mitglieder der CDU-Parteispitze gingen nach den Reaktionen auf die
Stoiber-Rede nicht davon aus, dass der CSU-Chef wieder
Unions-Kanzlerkandidat werden kann. «Das halte ich für
ausgeschlossen», sagte ein Vorstandsmitglieder der
Nachrichtenagentur dpa.
Stoiber blieb ausdrücklich bei seinem Kurs in der Rentenpolitik.
Er erinnerte daran, CDU und CSU hätten sich schon in ihrem
Programm zur Bundestagswahl auf einen Kinderbonus und eine
stärkere Anrechnung der Kindererziehungszeiten verständigt.
Die CDU will den Kinderbonus für Erziehende über das
Steuersystem finanzieren. Aus Sicht Stoibers würden damit die
Vorteile einer großen Steuerreform wieder zu Nichte gemacht. Zu
den weit reichenden CDU-Vorschlägen zur Reform der
Krankenversicherung sagte er nichts.
Der Parteitag hatte zuvor einstimmig das Merz-Konzept gebilligt. Es
sieht unter anderem nur noch drei Steuersätze von 12, 24 und 36
Prozent vor sowie die Abschaffung fast aller Ausnahmen bei der
Steuerabzugsfähigkeit. Durch soziale Komponenten sollen vor allem
Familien entlastet werden. Nach dem klaren Votum will die CDU die
Bundesregierung zu raschen Verhandlungen über das
Einkommensteuerrecht drängen.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel sagte, SPD
und Grüne müssten überzeugt werden, schnell zu handeln.
Sollte dies nicht gelingen, werde die Steuerreform ein
«Hauptthema im Bundestagswahlkampf».
In seiner vom Parteitag stürmisch gefeierten Rede sagte Merz, das
geltende System sei nicht mehr reformfähig. Die Menschen
würden es nicht mehr verstehen, der Wettbewerbsdruck aus dem
Ausland nehme zu. Die «voranschreitende Chaotisierung des
deutschen Steuerrechts» provoziere
«Ausweichreaktionen» und Steuerhinterziehung.
(Quelle: dpa)
Rot-Grün wirft CDU Abschied vom Sozialstaat vor
Mi.03.12.03 - Die Beschlüsse des CDU-Parteitags für einen radikalen Umbau
des Sozial- und des Steuersystems sind bei den Regierungsparteien auf
scharfe Kritik gestoßen. SPD und Grüne warfen der CDU am
Dienstag vor, sie habe sich damit vom Sozialstaat verabschiedet.
Völlig unklar sei die Finanzierung der Milliardenlöcher, die
bei einer Umsetzung dieser Konzepte aufgerissen würden. Auch der
Sozialverband VdK verlangte, die CDU müsse ein realistisches
Finanzierungskonzept für ihre Reformvorschläge auf den Tisch
legen.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz sagte: «Das Steuerkonzept
der CDU führt zu einer sozialen Schieflage.» Die drastische
Senkung des Spitzensteuersatzes würde von Arbeitnehmern
finanziert, denen die Zuschläge für Sonn-, Feiertags- und
Nachtarbeit gestrichen werden solle. Der Stufentarif sei außerdem
völlig unfinanzierbar.
Der SPD-Finanzexperte Joachim Poß vertrat die Ansicht, die
Sozial- und die Steuerreformpläne der CDU seien zwei Seiten
derselben Medaille. «Herzog will die Kopfpauschale, bei der jeder
gleich viel für seine Krankenversicherung zahlen soll, Merz will
ein Steuersystem, bei dem die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
kein grundlegender Besteuerungsmaßstab mehr sein soll»,
erklärte er.
Dies laufe nicht nur auf die Abschaffung des Sozialstaats, sondern auch
auf eine grenzenlose Verschuldung des Staates hinaus. Das Merz-Konzept
würde schon im Jahr 2005 Steuerausfälle von fast 20
Milliarden Euro verursachen, rechnete Poß vor. Beim
Herzog-Konzept sei die Finanzierung von 40 Milliarden Euro
Staatszuschüssen offen.
Die Grünen warfen der CDU vor, sie wolle die solidarischen
Sicherungssysteme zerschlagen und Besserverdienende entlasten. Statt
konstruktive Mitarbeit zu leisten, biete die CDU nur haltlose und
unsolidarische Konzepte für morgen, kritisierte Fraktionschefin
Krista Sager. Wenn die CDU tatsächlich ein Interesse an einem
prosperierenden Deutschland habe, müsse sie endlich dem Vorziehen
der letzten Steuerreformstufe und den Strukturreformen der
Bundesregierung zustimmen.
Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Dieter Thomae,
bedauerte, dass die Gesundheits- und Steuerreform der Union nicht
miteinander verzahnt worden seien.
Der Sozialverband VdK äußerte die Sorge, die Pläne der
CDU könnten eine soziale Schieflage zur Folge haben. «Es
besteht die Gefahr, dass die Besserverdienenden entlastet werden und
die Wenigerverdienenden mehr bezahlen müssen», warnte
Präsident Walter Hirrlinger.
Begrüßt wurde das Steuerkonzept indes vom Zentralverband des
Deutschen Handwerks (ZDH). Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer
sagte, der dreistufige Tarif von 12, 24 und 36 Prozent weise das
richtige Ziel. Besonders lobte er die vorgesehene
regelmäßige Anpassung der Einkommensgrenzen. Mit diesem
«Tarif auf Rädern» könne die «kalte
Progression» erfolgreich bekämpft werden.
(Quelle: ap)
CDU-Programm für die Reform der sozialen Sicherungssysteme
(verbschiedet am Montag auf dem Leipziger Parteitag):
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312020.htm#03120au
5.000 Metaller und Studenten protestieren gemeinsam gegen Sozialabbau
In Braunschweig zogen Arbeitnehmer aus Metallbetrieben zogen zur
Technischen Universität, wo sie mit Studenten eine
Kundgebung veranstalteten
Mi.03.12.03 - Tausende Gewerkschafter und Studenten haben am Dienstag in Braunschweig
gemeinsam gegen Einsparungen an den niedersächsischen Hochschulen
und den Abbau von Arbeitnehmerrechten demonstriert. Nach Angaben der
Polizei zogen 2.000 Arbeitnehmer aus Metallbetrieben zur Technischen
Universität, wo sie mit ebenso vielen Studenten eine Kundgebung
veranstalteten. Die Proteste der Studenten standen unter dem Motto
«Lebensqualität für alle - Gegen Bildungs-, Sozial- und
Kulturabbau».
Auf der gemeinsamen Kundgebung warf der niedersächsische
IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine dem niedersächsischen
Ministerpräsidenten Christian Wulf (CDU) vor, er wolle eine
«Spur des sozialen Kahlschlags» durch das Land ziehen.
Nicht nur an Hochschulen und Schulen solle gespart werden. Indem die
CDU Hand an die Tarifautonomie lege, wolle sie auch die Arbeitnehmer
billiger machen.
(Quelle: ap)
Ehemaliger Zwangsarbeiter will Insolvenz der IG Farben stoppe
Mi.03.12.03 - Ein früherer französischer Zwangsarbeiter will die Insolvenz
der deutschen IG Farben in Abwicklung (i.A.) arbeitsgerichtlich
stoppen. Wie sein Anwalt Emmanuel Ludot am Dienstag mitteilte, verlangt
der inzwischen 83 Jahre alte Albert Bourlas, das Nachfolgeunternehmen
der tief in das NS-Regime verstrickten IG Farben müsse ihm vor der
endgültigen Auflösung noch seine ausstehende
Entschädigung zahlen. Das Arbeitsgericht im
südwestfranzösischen Oloron soll am 18. Dezember über
den Fall beraten; sein Urteil wird am 20. Januar 2004 erwartet.
(Quelle: info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/])
Mehr zum Thema 'IG Farben in Abwicklung' unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311170.htm#03111716
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
http://Experimentelle_Musik.bei.t-online.de
www.experimentelle-musik.info
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