Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertzweiundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Tote und Verletzte bei Explosion vor Moschee in Bagdad +++
Demonstration in Bagdad gegen Terroranschläge +++ Rumsfeld
überraschend zu Besuch in Nordirak +++ Ex-Außenminister
Baker soll über irakische Schulden verhandeln +++ 16 Staaten sagen
Irak wirtschaftliche Garantien in Höhe von 2,4 Milliarden Dollar
zu +++ Irak will in Kürze Menschenrechtstribunal einsetzen. Bei
einigen Menschenrechtsgruppen stoßen die Pläne für das
Tribunal auf Kritik
Sa.06.12.03 - Eine Bombenexplosion vor einer Moschee in Bagdad hat am Freitag zwei
Iraker und einen US-Soldaten das Leben gekostet. Mindestens 13 weitere
Menschen wurden verletzt, die meisten von ihnen waren irakische
Zivilpersonen, wie ein Krankenhaussprecher mitteilte. Die Bombe wurde
nach US-Angaben gezündet, als ein US-Konvoi die
El-Samarrai-Moschee passierte.
In Rom sagten 16 Staaten Irak wirtschaftliche Garantien in Höhe
von 2,4 Milliarden Dollar (zwei Milliarden Euro) zu.. Die
internationale Bürgschaft wurde von der US-Zivilverwaltung, der
irakischen Handelsbank und Kreditanstalten der 16 beteiligten
Länder unterzeichnet. Sie solle Investoren weltweit zu
Geschäftsbeziehungen in Irak anregen, sagte der Präsident der
irakischen Handelsbank, Hussein el Usrim. Zunächst solle die
Bürgschaft für den Kauf von medizinischer Ausstattung im Wert
von knapp acht Millionen US-Dollar genutzt werden, erklärte die
Handelsbank. Dies sei nur ein Teil des Bedarfs für das kommende
Jahr, betonte die Bank. Unter den Bürgschaftsgaranten sind die
USA, Deutschland, Großbritannien und Japan. Mit je 500 Millionen
Dollar stellen die USA und Japan den größten Anteil der
Garantien. Frankreich, ein erklärter Gegner des Irak-Krieges,
beteiligte sich nicht an dem Abkommen.
US-Präsident George W. Bush ernannte unterdessen den ehemaligen
amerikanischen Außenminister James Baker zu seinem
persönlichen Botschafter für den Schuldenabbau und
wirtschaftlichen Wiederaufbau in Irak. Baker werde mit internationalen
Organisationen und den Irakern zusammenarbeiten, erklärte Bush in
einer Stellungnahme. Der irakische Regierungsrat habe die Ernennung
eines solchen Botschafter gewünscht. Die Schuldenlast
gefährde Iraks Aussichten auf politische und wirtschaftliche
Entwicklung, betonte Bush. Nach Angaben der US-Zivilverwaltung hat Irak
Schulden in Höhe von rund 125 Milliarden Dollar.
Der US-Zivilverwalter für Irak, Paul Bremer, warnte vor einer
Zunahme von Anschlagen auf Koalitionsstreitkräfte in den kommenden
Monaten. Während der Vorbereitung auf die Souveränität
des Landes und der Ernennung einer irakischen Übergangsregierung
bis Ende Juni werde der Aufstand von Anhängern des gestürzten
Machthabers Saddam Hussein zunehmen, sagte Bremer gegenüber der
Fernsehnachrichtenagentur APTN.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist am Samstag
überraschend in der nordirakischen Stadt Kirkuk eingetroffen. Es
war sein zweiter Besuch in Irak binnen vier Monaten. Seine Maschine kam
aus Tiflis, wo er sich mit Vertretern der georgischen
Übergangsregierung getroffen hatte.
Aus US-Regierungskreisen verlautete, Rumsfeld wolle sich in Irak ein
Bild von der politischen und militärischen Lage machen. Sein
Besuch sei aus Sicherheitsgründen nicht angekündigt worden.
Rund tausend Menschen haben am Freitag im Zentrum der irakischen
Hauptstadt Bagdad gegen die Angriffe auf US-Truppen und Iraker
demonstriert. "Nein zum Terror" stand auf ihren Plakaten Dutzende
Kinder marschierten mit Blumen an der Spitze des Zuges. Auf
Spruchbändern war zu lesen: "Unschuldige Kinder, Opfer des
Terrorismus". Der Organisator Sabih Hassan sagte: "Unsere Kinder haben
ein lebenswichtiges Bedürfnis nach Frieden und Sicherheit."
Der irakische Verwaltungsrat will schon in den nächsten Tagen ein
Tribunal zur Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen unter dem alten
Regime einsetzen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Freitag von
irakischen und amerikanischen Gewährsleuten. Das Tribunal will
hunderten Vertretern der Regierung des gestürzten Präsidenten
Saddam Hussein den Prozess machen. Auch Saddam Hussein selbst
könnte vor das Gericht gestellt werden, sollte er festgenommen
werden.
Bei einigen Menschenrechtsgruppen stoßen die Pläne für
das Tribunal auf Kritik. Sie beklagen, dass die amerikanischen Besatzer
zu stark beteiligt seien und dass die irakischen Richter und
Staatsanwälte für solche Verfahren über nicht
genügend Erfahrung verfügten. Das Gesetz zur Einrichtung des
Tribunals könnte bereits am Sonntag verabschiedet werden, wie ein
Mitglied des von den USA eingesetzten Verwaltungsrats mitteilte. Einen
ähnlichen Vorschlag für ein Tribunal hatten die USA schon im
April gemacht.
Das Tribunal würde sich stark von jenen unterscheiden, die von den
Vereinten Nationen zur Verfolgung von Kriegsverbrechen im früheren
Jugoslawien und in Ruanda eingerichtet wurden. Die zwei UN-Tribunale
sind mit internationalen Juristen besetzt.
(Quellen: ap, afp)
Das aggressive Vorgehen der US-Regierung gegen 'Schurkenstaaten' hat
seine Vorgeschichte
Vor zehn Jahren erfand die Clinton-Administration mit dem Begriff der
"Counterproliferation" zugleich die neue Strategie, die Interventionen
nach dem Muster des Irakkriegs begründete.
Am 7. Dezember 1993 tauchte ... erstmals offiziell und
öffentlich der neue Begriff "Counterproliferation" auf .
Insbesondere gegnerische Atomwaffen sollten nach dieser Strategie den
US-Streitkräften zu einer neuen Mission nach dem Ende des Kalten
Krieges verhelfen. Das US-Militär müsse lernen, so der
Verteidigungsminister, angesichts der neuen Lage "Kriege anders zu
führen". Wenn nötig, sollten Versuche, sich ABC-Waffen zu
beschaffen, auch gewaltsam verhindert werden.
Zur Counterproliferation gehört unweigerlich das Gerede von den
"Schurkenstaaten", die Aufteilung in gute und böse, legitime und
illegitime Waffenbesitzer. Denn einige neue Atommächte, dauerhafte
oder zeitweilige Verbündete der USA, stehen selbstverständlich
nicht auf der Zielliste: Israel nicht, aber eben auch nicht Indien oder
das derzeit für die USA so wichtige Pakistan. Atomwaffen scheinen
nur dann ein Problem zu sein, wenn sie US-Interventionen im Wege
stehen. Mit den Mitteln der Counterproliferation soll diese
militärische Bewegungsfreiheit gesichert werden...
Aus der "tageszeitung" vom 06.12.03
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/06/a0090.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/12/06/a0092.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/12/06/a0096.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/12/06/a0093.nf/text
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Protokolle des US-Außenministeriums belasten Kissinger schwer
Henry Kissinger hat amerikanischen Dokumenten zufolge die argentinische
Militärdiktatur 1976 in der Ausschaltung von Regimegegnern
bestärkt und zugleich zur Eile gemahnt. Das geht aus jetzt
freigegebenen Protokollen des US-Außenministeriums hervor.
Sa.06.12.03 - Die regierungsunabhängige Organisation "National Security
Archives" an der George Washington Universität am Donnerstag in
Buenos Aires hatte die freigegebenen Protokolle des
US-Außenministeriums ausgewertet. Demnach hat Kissinger bei einem
Treffen mit dem damaligen Außenminister Argentiniens,
César Guzzetti, am 7. Oktober 1976 in New York vor einer
negativen Reaktion des US-Kongresses auf die bereits zum Teil bekannt
gewordenen schweren Menschenrechtsverletzungen in Argentinien gewarnt.
"Wenn Sie das beenden können, bevor der Kongress seine Sitzungen
(im Frühjahr 1977) wieder aufnimmt, desto besser", zitierte die
Zeitung Pagina-12 aus den Protokollen des Außenministeriums.
Anderenfalls könne der US-Kongress die Militärhilfe für
die Diktatur stoppen und auch andere Kredite blockieren. Guzetti habe
versichert, dies sei bis Ende 1976 zu schaffen.
Nach Erkenntnissen der argentinischen Kommission zur Aufarbeitung der
Diktaturverbrechen wurde die Hälfte der insgesamt etwa 30.000 bis
zum Ende der Diktatur 1983 verschwundenen Menschen im ersten Jahr nach
dem Putsch im März 1976 verschleppt. Aus den Dokumenten ergibt
sich nicht, dass Kissinger auf die sofortige Wahrung der Menschenrechte
gedrängt habe. Er habe der Junta vielmehr "grünes Licht"
für den "schmutzigen Krieg" gegeben, schrieb National Security
Archives auf ihrer Webpage.
Die auflagenstärkste Zeitung Argentiniens Clarin bemerkte, dass
ein mäßigender Einfluss Kissingers auf die Generäle
hunderten Menschen Folter und Tod hätte ersparen können. Die
Protokolle der Gespräche hätten auch erstmals die vehemente
Unterstützung der argentinischen Diktatoren durch die damalige
US-Regierung unter Präsident Gerald Ford offen gelegt, schrieben
die Zeitungen weiter.
Im Hinblick auf die Menschenrechtsverletzungen sagte Kissinger: "Wir
wollen stabile Verhältnisse und ihnen keine unnötigen
Probleme bereiten." Bald darauf gewann Jimmy Carter die
Präsidentenwahl und wurde zu einem der schärfsten Kritiker
der Militärdiktatur.
(Quelle: sz/dpa)
Blick ins Archiv
Deutsches Gericht erlässt Haftbefehl gegen Argentiniens
Ex-Präsident
Dem ehemaligen Anführer der Militärjunta wird die Ermordung zweier Deutscher vorgeworfen
Do.04.12.03 - Das Amtsgericht Nürnberg hat gegen den früheren
argentinischen Staatspräsidenten Jorge Videla Haftbefehl wegen der
Ermordung zweier Deutscher erlassen. Dem 78-jährigen ehemaligen
Anführer der Militärjunta sowie zwei weiteren ehemaligen
hohen Militärs wird vorgeworfen, mittelbar an dem Mord an den
Studenten Elisabeth Käsemann und Klaus Zieschank beteiligt gewesen
zu sein, wie die Nürnberger Justiz am Mittwoch mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312040.htm#03120417
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Anschläge in Afghanistan weiten sich aus
Sa.06.12.03 - Die Anschläge in Afghanistan weiten sich aus: Nach
ausländischen Truppen, Hilfsorganisationen und
Regierungseinrichtungen wurde auch eine islamische Schule Ziel eines
Angriffs. Im Hauptgebäude der Schule in der südöstlichen
Provinz Paktia schlug am späten Donnerstagabend eine Rakete ein,
wie die Behörden am Freitag mitteilten. Insgesamt kam es am
Donnerstag allein in Paktia und der Nachbarprovinz Paktika zu drei
Anschlägen und einem Angriff auf einen US-Konvoi. Zudem schlug
nahe der US-Botschaft in Kabul eine Rakete ein.
Der Angriff ereignete sich nur wenige Stunden nach dem Besuch von
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in Kabul. Verletzte gab es bei
keinem der Vorfälle.
Der Raketenangriff auf die Schule nahe der Stadt Chost ereignete sich
nach Behördenangaben am späten Abend, als die Lehrer bereits
schliefen. In einem nahe gelegenen Feld seien zwei weitere Raketen
gelandet. Der Chef der Bezirksbehörde, Mohammed Akbar Sadran,
machte El-Kaida- und Taliban-Kämpfer für den Angriff
verantwortlich. «Sie schießen ständig solche Raketen
ab. Sie wollen Frieden und Sicherheit zerstören», sagte er.
Bei der nordöstlich von Chost gelegenen Stadt Gardes geriet am
Donnerstagabend ein US-Militärkonvoi unter Beschuss, wie ein
Armeesprecher mitteilte. Die Soldaten hätten zurückgeschossen
und die Angreifer vertrieben, sagte der Sprecher.
Wie er weiter berichtete, gingen in der Nähe des
US-Militärstützpunkts Orgun in der Provinz Paktika mehrere
Raketen nieder. Im gleichen Bezirk explodierte am Donnerstag eine Bombe
vor dem Sitz der örtlichen Verwaltung, wie der Chef der
Zollbehörde mitteilte. Das Gebäude sei leicht beschädigt
worden.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelische Soldaten erschiessen Palästinenser +++ Kairoer
Gespräche von Palästinensergruppen über Waffenruhe
stocken +++ Islamischer Dschihad kündigt Racheaktionen gegen
Israel an +++ Israel laut dem stellvertretenden
Ministerpräsidenten Olmert zu Rückzug aus besetzten Gebieten
gezwungen
Sa.06.12.03 - Israelische Soldaten haben am Freitagabend im Gazastreifen einen
Palästinenser erschossen. Wie die Streitkräfte mitteilten,
ereignete sich der Zwischenfall in einem militärischen Sperrgebiet
bei Rafah im südlichen Gazastreifen. Dort kommt es beinahe
täglich zu Zusammenstössen zwischen militanten
Palästinensern und israelischen Soldaten.
Auch am zweiten Tag der Verhandlungen palästinensischer
Gruppierungen um eine einseitige Waffenruhe zeichnete sich keine
Einigung ab. Der Hamas-Delegierte Mohammed Nassal betonte, Israel
müsse zuerst seine Militäraktionen stoppen, bevor über
einen Waffenstillstand verhandelt werden könne. "Das Höchste,
was Hamas anbieten kann, ist es, Zivilpersonen aus dem Konflikt
herauszuhalten", sagte ein der Organisation nahe stehender
Verhandlungsführer.
Ein ranghohes Mitglied des Islamischen Dschihad erklärte dagegen,
die Organisation sei bereit, die Waffen ein Jahr oder länger ruhen
zu lassen. Einen teilweisen Waffenstillstand wird Israel vermutlich
jedoch nicht akzeptieren. Eine Einigung würde die Position des
palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Kureia bei einem
geplanten Treffen mit Scharon deutlich stärken.
Kureia wollte nach Angaben palästinensischer Delegierter an den
Verhandlungen teilnehmen, sobald erste Fortschritte erzielt seien. Auf
ein Ende der Gewalt drängen neben der ägyptischen Regierung
auch die Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten
Jassir Arafat sowie kleinere Gruppen. Sie erhoffen sich von einer
Waffenruhe eine stärkere Position in den Verhandlungen mit Israel.
Der militärische Flügel der Palästinenserorganisation
Islamischer Dschihad hat unterdessen Anschläge in Israel
angekündigt. In einer in der Nacht zum Samstag an die
Nachrichtenagentur AFP in Gaza gefaxten Erklärung der
El-Kuds-Brigaden heißt es, es werde eine "sehr starke Antwort auf
die zionistischen Verbrechen in Ramallah, Dschenin und Rafah" und auf
die am Freitag erfolgte Deportation von zwölf
palästiensischen Häftlingen aus dem Westjordanland nach Gaza
geben.
Israel ist nach den Worten des stellvertretenden
Ministerpräsidenten Ehud Olmert zu einem weitgehenden Rückzug
aus den besetzten Gebieten und aus Teilen Ostjerusalems gezwungen.
Grund sei die demographische Entwicklung, sagte Olmert am Freitag in
der Zeitung "Jediot Ahronot". Die Israelis seien in Gebieten unter
israelischer Kontrolle gegenüber den kinderreicheren
Palästinensern bald in der Minderheit.
Daher könnten die Palästinenser bald statt eines eigenen
Staates das Wahlrecht fordern, zitierte ihn das Blatt weiter. Neben dem
Rückzug sei auch die Aufgabe von Siedlungen im Westjordanland
notwendig. Israel müsse jedoch die Kontrolle über die
Altstadt Jerusalems behalten, auch sollten arabische Viertel nahe dem
Stadtzentrum in der Hand Israels bleiben. Olmert gilt als Vertrauter
von Ministerpräsident Ariel Scharon und gehört zu dessen
Likud-Partei, die bisher die Aufgabe des Westjordanlandes oder
Ostjerusalems kategorisch abgelehnt hat.
Die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern seien zum
Scheitern verurteilt, sagte Olmert. Er nannte gegenüber dem Blatt
keinen genauen Grenzverlauf, in einem künftigen Israel sollten
jedoch 80 Prozent der Bevölkerung jüdisch und 20 Prozent
arabisch sein, sagte er. Derzeit leben 1,3 Millionen Araber und 3,5
Millionen Palästinenser zusammen mit 5,2 Millionen Juden in von
Israel kontrollierten Gebieten.
Olmerts Äußerungen kamen eine Woche nach der
Ankündigung Scharons, beim Scheitern der Nahost-Verhandlungen
einseitige Schritte vorzunehmen. Die Zeitung "Maariv" berichtete,
Scharon plane die Aufgabe von kleinen Siedlungen in Gazastreifen und
Westjordanland. Dafür sollten größere Siedlungen nahe
Jerusalem annektiert werden.
(Quellen: ap, afp)
USA halten trotz Genfer Initiative an der Road Map fest
Sa.06.12.03 - Die USA wollen trotz des alternativen Friedensplans israelischer und
palästinensischer Politiker an der so genannten Road Map des
Nahost-Quartetts festhalten. Das sagte ein Sprecher des
US-Aussenministeriums am Freitag nach einer Unterredung von
Aussenminister Colin Powell mit den Initiatoren des am Montag in Genf
offiziell vorgestellten alternativen Plans.
"Es war ein gutes, konstruktives Treffen", sagte Adem Ereli. Die Road
Map werde jedoch nicht geändert, erklärte der Sprecher
weiter. "Wir sind überzeugt, dass wir mit der Road Map auf dem
richtigen Weg sind."
Der frühere israelische Justizminister Jossi Beilin und der
ehemalige palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo,
die den alternativen Plan in zweijährigen Geheimgesprächen
ausgehandelt hatten, erklärten nach der Unterredung, die Kontakte
mit der amerikanischen Regierung würden fortgesetzt.
Demgegenüber sagte Ereli, es gebe keine Pläne für ein
weiteres Treffen. Er schloss allerdings Kontakte auf der einen oder
anderen Ebene nicht aus.
Das inoffizielle Dokument sieht unter anderem die Schaffung eines
palästinensischen Staates vor, der 98 Prozent des Westjordanlands
und den gesamten Gazastreifen umfassen soll. Im Gegenzug sollen
vertriebene palästinensische Familien ihre Forderung nach
Rückkehr in ihre Heimat auf israelischem Territorium aufgeben.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat den Plan als
subversiv zurückgewiesen. Auch beim radikalen Flügel von
Jassir Arafats Fatah-Bewegung sowie bei extremistischen
palästinensischen Organisationen stösst die Initiative auf
Widerstand.
Rund 900 Palästinenser demonstrierten am Freitag im
Flüchtlingslager Ein el Hilweh am Rand der südlibanesischen
Hafenstadt Sidon gegen die Genfer Initiative. Sie bezeichneten das
Abkommen als Verrat. Die Demonstranten wandten sich vor allem dagegen,
dass der Plan die Rückkehr vertriebener Palästinenser
ausschliesst.
(Quellen: ap)
Genfer Abkommen:
http://www.miftah.org/Display.cfm?DocId=2575&CategoryId=7
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zur Genfer Friedensinitiative
im boa-Nachrichten-Arhciv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#031201_e
Der "Fahrplan" zum Nahost-Frieden (Nahost-Friedensplan / Road Map)
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0305120.htm#030512_d
Gegner der Genf-Initiative verbrennen Schweizer Flagge in Nablus
Sa.06.12.03 - Tausende Palästinenser haben am Freitag in Nablus im
Westjordanland gegen die Genfer Nahost-Initiative demonstriert. Dabei
wurde auch eine Schweizer Flagge verbrannt, wie ein Korrespondent der
Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Demonstranten stießen
Puppen ins Feuer, die die Initiatoren des Plans, Israels früheren
Justizminister Jossi Beilin und den ehemaligen palästinensischen
Informationsminister Jassir Abed Rabbo, darstellen sollten. Auf
Transparenten wurde die Initiative als "großes Komplott" und
"großes Verbrechen" bezeichnet. Aufgerufen zu der Kundgebung
hatte die radikale Palästinenserorganisation Hamas. Die
Demonstranten wandten sich vor allem dagegen, dass der Plan die
Rückkehr vertriebener Palästinenser ausschliesst. Die Schweiz
hatte die Ausarbeitung des Plans logistisch und finanziell
unterstützt. Einige Vorbereitungstreffen fanden in Genf statt.
(Quelle: afp)
Israelischer Minister Sharansky lobt EU-Studie zum Antisemitismus
Sa.06.12.03 - Der israelische Minister Natan Sharansky hat die umstrittene EU-Studie
zum Antisemitismus in Europa gelobt. Die Erhebung zeige einen klaren
Zusammenhang zwischen der Größe von Moslem-Gemeinschaften
und physischen Angriffen gegen Juden, sagte Israels Minister für
Jerusalem und die jüdische Diaspora während seines
Berlin-Besuches am Freitag. Die Europäer müssten sich
ernsthaft fragen, warum eine EU-Behörde eine Studie bestelle und
sie dann nicht veröffentliche. «Das sollte man wirklich
überprüfen», sagte Sharansky.
Die EU-Behörde zur Beobachtung von Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit (EUMC) hatte die Studie beim Institut für
Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin (TU) in
Auftrag gegeben. Die Ergebnisse zeigten nach Presseberichten
antisemitische Tendenzen - außer bei Rechtsradikalen - vor allem
bei islamischen und arabischen Gruppen in Europa. Außerdem wurde
ein Anstieg von ausländerfeindlichen und antisemitischen
Übergriffen in Deutschland seit Anfang der 90er Jahre nachgewiesen.
Das EUMC hatte die Studie wochenlang unter Verschluss gehalten. Die
Berliner Autoren erklärten, den Auftraggebern seien die Ergebnisse
politisch unangenehm, weil sie Moslems in einem schlechten Licht
darstellten. Das EUMC sprach dagegen von «mangelnder
Qualität» und fehlenden Beweisen. Schließlich hatte
der Europäische Jüdische Kongress das Papier Mitte dieser
Woche eigenmächtig ins Internet gestellt.
Sharansky, der zu einem privaten Besuch nach Berlin kam, beklagte
massive antisemitische Propaganda in arabischen Fernsehfilmen.
Journalisten präsentierte er Teile einer TV-Serie, die nach seinen
Angaben vom syrischen Fernsehen produziert und im November vom
Hisbollah-Kanal Al-Manara ausgestrahlt wurden. In dem Streifen werden
unsympathische Rabbiner gezeigt, die ein Kind schlachten und mit dem
Blut ungesäuertes Brot für das jüdische Passah-Fest
backen. Außerdem ist von einer weltweiten Verschwörung der
Rothschild-Familie die Rede.
Das Programm von Al-Manara ist nach Sharanskys Angaben über Kabel
und Satellit auch in Europa zu empfangen. Auch Moslems in Deutschland
sähen den Sender. «Die europäischen Länder
müssen sich gegen solche Propaganda verteidigen», forderte
Sharansky.
Der israelische Minister ist das erste Mal seit 17 Jahren wieder in
Berlin. Wegen seines Einsatzes für die Auswanderung von Juden nach
Israel saß der russisch-stämmige Sharansky in der
Sowjetunion jahrelang im Gefängnis. 1986 war er aus der Haft
entlassen worden und über die Glienicker Brücke in Berlin in
die Freiheit gelangt. Am Nachmittag wollte Sharansky die Brücke
besuchen.
(Quelle: ap)
EU-Antisemitismus-Studie im Internet:
http://www.crif.org/index.php?menu=5&dossier=33&id_doss=2014
http://www.partisan.net/infopartisan/document/antisemitismusstudie.pdf
http://www.cohn-bendit.de/de/standpunkte/index.html
Saudi-Arabien reformiert Bildungssystem
Künftig soll mehr Toleranz und Offenheit gelehrt werden
Sa.06.12.03 - Saudi-Arabien will sein Bildungssystem reformieren und künftig
Toleranz und Offenheit lehren. Mehrere Zeitungen des Landes berichteten
am Freitag unter Berufung auf den stellvertretenden
Ministerpräsidenten Prinz Sultan, die jungen Araber sollten besser
auf das Berufsleben vorbereitet werden.
«Die Reformen haben zum Ziel, Moral, Flexibilität, die
Offenheit für den Dialog und den Respekt anderer Meinungen zu
stärken, während gleichzeitig religiöse Fächer die
Basis unseres Bildungssystems bleiben sollen», wurde Prinz Sultan
in den Zeitungen zitiert. Die Regierung will 3,7 Milliarden Riyal (830
Millionen Euro) in neue Hochschulen und Lehrinstitute investieren.
Außerdem sollen die Lehrpläne überarbeitet werden. Aus
einigen Büchern für den Religionsunterricht wurden bereits
Passagen gestrichen, in denen Christen und Juden beleidigt wurden.
Die USA und saudiarabische Intellektuelle hatten nach den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 eine Bildungsreform in
Saudi-Arabien verlangt. Von den 19 Attentätern stammten 15 aus dem
Königreich.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
UNO kritisiert Einschränkung von Rechten
in der arabischen Welt
Auch Defizite bei der Bildung bemängelt: Machtstrukturen in
arabischen Ländern unterbänden das aktive Denken, sie
"erlöschen die Flamme des Lernens und ersticken den Antrieb zur
Innovation", heißt in einem UN-Bericht +++ Voraussetzung für eine Wissensgesellschaft sei die
Garantie der Grundfreiheiten
Di.21.10.03 - Viele arabische Regierungen haben nach Einschätzung der Vereinten
Nationen im Zuge des von den USA geführten Kampfes gegen den
internationalen Terrorismus die bürgerlichen und politischen
Freiheiten in ihren Ländern deutlich eingeschränkt. Das
Vorgehen der USA habe einigen Machthabern in der arabischen Welt als
Rechtfertigung für die Verabschiedung von Gesetzen zur
Einschränkung von Rechten gedient, heißt es in dem zweiten
Bericht zur menschlichen Entwicklung in der arabischen Welt, den das
UN-Entwicklungsprogramm am Montag vorstellte.
Schwerpunktthema des Berichts sind Fragen der Bildung vor dem
Hintergrund der politischen Verhältnisse in den arabischen
Ländern. "Man braucht Freiheit für den Erwerb von Bildung",
betonte der Hauptautor der Studie, Nader Fergani. Der Bericht
bemängelt einen "Mangel an rationaler Politik, die die
grundlegenden Werte und den institutionalisierten Rahmen vorgibt, um
eine Wissensgesellschaft zu fördern". Ursachen für die
wachsende Wissenskluft seien dabei keineswegs die arabische Kultur und
Religion, die grundsätzlich Bildung förderten, sagte Fargany.
Vielmehr unterbänden die Machtstrukturen das aktive Denken, sie
"erlöschen die Flamme des Lernens und ersticken den Antrieb zur
Innovation", heißt es in dem Bericht....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310210.htm#03102104
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Polizei in Südiran schlägt Proteste blutig nieder
Sa.06.12.03 - In Südiran hat die Polizei Proteste von Bürgern blutig
niedergeschlagen. Dabei seien vier Menschen ums Leben gekommen, sagte
der reformorientierte Abgeordnete Dschafar Kambusia am Freitag der
Nachrichtenagentur AP. Auslöser der Unruhen in der Stadt Sarawan
seien die tödlichen Schüsse der Polizei auf einen
Motorradfahrer gewesen, der einen Befehl zum Anhalten ignoriert habe.
Kambusia sagte, daraufhin sei eine Gruppe vor das Büro des
Provinzgouverneurs gezogen und habe auf dem Weg dorthin die Scheibe
eines Polizeifahrzeugs eingeschlagen. Es sei zu Auseinandersetzungen
mit den Beamten gekommen. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.
Nach Angaben Kambusias war die Lage am Freitag in Sarawan ruhig. Die
staatlichen iranischen Medien hatte nicht über den Vorfall vom
Donnerstag berichtet.
(Quelle: ap)
Zahl der Toten nach Anschlag auf Zug in Südrussland steigt weiter
42 Tote und 151 Verletzte nach Selbstmordanschlag
Sa.06.12.03 - Nach dem Bombenanschlag auf einen Pendlerzug in Südrussland ist
die Zahl der Toten auf 42 gestiegen. 151 Verletzte lagen in der Nacht
zum Samstag im Krankenhaus, wie die Behörden mitteilten. Bei dem
Selbstmordanschlag nahe der Stadt Jessentuki wurden am Freitag
insgesamt knapp 200 Menschen verletzt; einige wurden ambulant
behandelt. Die USA verurteilten die Tat als Terrorakt.
Ein Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, sagte, weder
nationale, ethnische, religiöse oder politische Gründe
rechtfertigten einen solchen Anschlag. «Im Kampf gegen den
Terrorismus stehen wir an der Seite des russischen Volks»,
erklärte er. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte
den Anschlag und sprach den Angehörigen der Opfer sein
Mitgefühl aus.
Die Bombe wurde den Ermittlungen zufolge im morgendlichen Berufsverkehr
im zweiten Wagen des Zuges gezündet. Von der Wucht wurden
zahlreiche Passagiere aus dem Zug geschleudert, andere wurden in dem
umgestürzten Waggon unter Metall den Trümmern begraben. Der
russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete die Bluttat als
«Versuch der Destabilisierung vor der Parlamentswahl» am
Sonntag.
Wer hinter dem Anschlag steckte, war noch unklar. Der tschetschenische
Rebellenführer Aslan Maschadow wies in einer Presseerklärung
eine Verantwortung für den Anschlag zurück. «Wir
verurteilen jegliche Gewalt, die sich direkt oder indirekt gegen die
Zivilbevölkerung richtet», teilte der im Untergrund lebende
Präsident der abtrünnigen Kaukasusrepublik mit.
Der Nationale Sicherheitsdienst FSB sprach von vier Tätern, davon
drei Frauen. Vor Ort sei die Leiche eines männlichen
Selbstmordattentäters gefunden worden, sagte der Chef des
Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolai Patruschew. Unmittelbar vor der
Explosion seien zwei Frauen von dem Zug abgesprungen. Eine dritte
mutmaßliche Mittäterin sei bei dem Anschlag schwer verletzt
worden und werde wohl nicht überleben, hieß es. Am
Körper des mutmaßlichen Selbstmordattentäters seien
Granaten gefunden worden.
Der Anschlag ereignete sich auf der Strecke zwischen Mineralnje Wodi
und der Stadt Jessentuki. Auf derselben Strecke waren im September bei
zwei Anschlägen sechs Menschen getötet worden. Zu diesen
Anschlägen bekannte sich niemand.
(Quelle: ap)
Russlands Nordkaukasus ist ein Pulverfass
Nirgendwo in Russland leben so viele verschiedene Völker zusammen
wie im Norden des Kaukasus'. Der Krieg russischer Truppen gegen die
abtrünnige Republik Tschetschenien hat die Region, die vor 200
Jahren erstmals vom Zarenreich erobert wurde, erneut zu einem
Pulverfass gemacht
Das ethnische Geflecht aus rund vier Millionen Menschen wird auch als
«Bienenkorb der Völker» oder «Berg der
Sprachen» bezeichnet. Zu den nordkaukasischen Völkern in
Russland gehören Kabardiner, Balkaren, Adygejer, Karatschaier,
Tscherkessen, Tschetschenen, Inguscheten, Nordosseten, Dagestaner. Vor
allem in Dagestan gibt es weitere kleine Völkerschaften, die oft
nur einige tausend Menschen zählen, aber eigene Sprachen haben.
Die meisten Kaukasier sind Moslems.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 brachen die jahrzehntelang
unterdrückten Konflikte zwischen Russen und Kaukasiern, aber auch
innerhalb der Völkerschaften, wieder aus. Der sowjetische Diktator
Josef Stalin hatte die Grenzen gezielt quer durch die Siedlungsgebiete
der Völker gezogen und verwandte Volksgruppen getrennt. Wegen
Territorialstreitigkeiten geriet der Kaukasus zu Beginn der neunziger
Jahre in Brand.
Streit gibt es beispielsweise zwischen Inguschetien und Nord-Ossetien.
Inguschetien trägt seit Jahren die Hauptlast der Flüchtlinge
aus Tschetschenien. Karatschaier und Tscherkessen streben eine Trennung
der Teilrepublik an, in der sie zusammengespannt sind. Terrorakte
erschüttern die südrussische Region Stawropol, die mit ihren
Bergen und Heilquellen ein Hauptferiengebiet Russlands sein könnte.
(Quelle: dpa, 05.12.03)
Die Wurzeln des Tschetschenien-Konflikt
Der Konflikt um die mehrheitlich von Moslems bewohnten Teilrepublik
Tschetschenien hat seine Wurzeln in einer wechselvollen und von Gewalt
geprägten Geschichte. Die Russen sprechen von einem Kampf gegen
den Terrorismus, die tschetschenischen Rebellen vom Kampf für ihre
Unabhängigkeit, Freiheit und einen islamischen Gottesstaat
Seit den Zeiten Iwans des Schrecklichen (1547-84) haben die russischen
Zaren versucht, das Siedlungsgebiet der Tschetschenen im Kaukasus unter
ihre Kontrolle zu bringen und so das Reich nach Süden hin
abzusichern. Zunächst ohne Erfolg. Erst 1859 konnten sie im so
genannten ersten Kaukasuskrieg den Widerstand der von Imam Schamil
geführten Tschetschenen brechen.
Der später in den Wirren der russischen Revolution gewonnenen
Selbstständigkeit machte die kommunistische Sowjetunion 1920 ein
Ende. Unter dem sowjetischen Diktator Josef Stalin (1922-53) litten die
Tschetschenen mehr als andere Kaukasusvölker. Während des
Zweiten Weltkriegs ordnete Stalin wegen ihrer angeblichen Kollaboration
mit den Deutschen die Massen-Deportation von Tschetschenen nach
Zentralasien an. Erst in den 1950ern wurde ihnen die Rückkehr in
ihre Heimat erlaubt.
Wegen der Kriegswirren im 19. Jahrhundert verließen viele
Tschetschenen ihr Land. Heute gibt es im Ausland größere
Gruppen u.a. in Dagestan, Inguschetien, der Türkei und Kasachstan.
Bis heute hat das unbeugsame Bergvolk von jetzt schätzungsweise
etwa einer Million Menschen an seiner kulturellen Eigenständigkeit
und seinen kriegerischen Traditionen festgehalten. Das seit
Jahrhunderten wichtigste Bindeglied im Zusammenleben sind nicht
staatliche Institutionen, sondern die Familienclans. Von den
«ungläubigen» Besatzern unterscheidet die
Tschetschenen auch ihr strikter moslemischer Glaube, den sie im 16.
Jahrhundert unter der Herrschaft der Türken angenommen haben.
Die einseitige Unabhängigkeitserklärung Tschetscheniens nach
dem Zerfall der Sowjetunion 1991 hatte zwei Kriege zur Folge. Der erste
endete 1996 nach fast zwei Jahren mit dem sieglosen Rückzug der
russischen Armee und einem Friedensabkommen, das Autonomie und
Verhandlungen über eine Unabhängigkeit in Aussicht stellte.
Nach schweren Bombenanschlägen in Russland marschierten russische
Truppen 1999 erneut in Tschetschenien ein, verwüsteten die
Hauptstadt Grosny und brachten weite Teile des Landes zumindest
tagsüber unter ihre Kontrolle. Der Partisanen-Krieg eskalierte und
hat bis heute mehrere zehntausend Menschen das Leben gekostet. Ein Ende
ist nicht in Sicht.
(Quelle: dpa, 05.12.03)
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US-Verteidigungsminister trifft georgische Übergangsregierung in
Tiflis
Rumsfeld fordert den Abzug russischer Truppen aus Georgien +++ Der
amerikanische Verteidigungsminister besuchte in Georgien einen
ehemaligen Militärstützpunkt der sowjetischen
Streitkräfte, auf dem heute US-Soldaten georgische Truppen
für den Anti-Terror-Kampf ausbilden
Sa.06.12.03 - Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat der
georgischen Übergangsregierung bei seinem Besuch in Tiflis die
Unterstützung der USA zugesagt. In einer Pressekonferenz mit
Übergangspräsidentin Nino Burdschanadse erklärte
Rumsfeld, Amerika unterstütze die Sicherheit und die territoriale
Integrität Georgiens. Gleichzeitig forderte der
Verteidigungsminister einen Abzug der russischen Truppen aus dem Land.
Rumsfeld mahnte einen «glaubwürdigen Wahlprozess» vor
der Abstimmung über den neuen Präsidenten am 4. Januar an.
Dies sei für die Stabilität in Georgien von
größter Bedeutung. Burdschanadse sagte, ihr Land wolle sich
weiterhin um eine Integration in die westliche Allianz bemühen.
Sie dankte den USA für die Unterstützung «in einer sehr
schwierigen Zeit für unser Land». An dem Treffen nahmen
neben der Übergangspräsidentin auch Michail Saakaschwili und
der Staatsminister Surab Schwanija teil.
Rumsfeld besuchte in Georgien einen ehemaligen
Militärstützpunkt der sowjetischen Streitkräfte, auf dem
heute US-Soldaten georgische Truppen für den Anti-Terror-Kampf
ausbilden.
Die Gewalt im Land ging unterdessen weiter. Am Donnerstagabend wurde
nach offiziellen Angaben der frühere Leiter der Zollbehörde
entführt, als er mit einem Leibwächter sein Haus
verließ. Wie aus Kreisen des Innenministeriums weiter verlautete,
wurde zudem ein russischer Diplomat in seinem Wagen ausgeraubt.
Nordöstlich der Hauptstadt hoben Sicherheitskräfte ein
Sprengstofflager aus, das aus einem russischen
Militärstützpunkt stammt, wie Sicherheitsminister Waleri
Chaburdsania am Donnerstag mitteilte.
Der frühere georgische Präsident Eduard Schewardnadse war
nach wochenlangen Protesten am 23. November zurückgetreten.
(Quelle: ap)
UN-Tribunal verurteilt serbischen General
20 Jahre Haft für Terror gegen Sarajevo
Sa.06.12.03 - Wegen der Belagerung von Sarajevo und des blutigen Terrors gegen die
Einwohner der Stadt hat das UN- Kriegsverbrechertribunal am Freitag den
bosnisch-serbischen General Stanislav Galic zu 20 Jahren Gefängnis
verurteilt. Galic war nach Überzeugung des Gerichts als Kommandeur
der serbischen Belagerungstruppen verantwortlich für zahlreiche
Angriffe auf Zivilisten zwischen 1992 und 1994.
Die Untersuchungshaft, die der jetzt 60-Jährige seit seiner
Festnahme durch SFOR-Soldaten im Jahr 1999 abgesessen hat, wird auf die
Haftstrafe angerechnet. In einem abweichenden Votum erklärte einer
der drei Richter zehn Jahre Haft für Galic für ausreichend.
Er sah es nicht als erwiesen an, dass die Belagerer gezielt und bewusst
die Bevölkerung terrorisiert hätten.
«Nirgendwo in Sarajevo konnten Zivilisten einen sicheren Platz
finden», schilderte dagegen der Gerichtsvorsitzende Alfonsus Orie
das Los der Einwohner, die fast zwei Jahre lang am hellen Tag von den
umringenden Hügeln aus unter Feuer genommen wurden.
Heckenschützen hätten sie bei Beerdigungen, bei Fahrten in
Krankenwagen, Straßenbahnen und beim Fahrradfahren angegriffen.
«Sie wurden beschossen, als sie im Garten arbeiteten, auf dem
Markt einkauften oder Müll wegbrachten, und Kinder wurden beim
Spiel beschossen», schilderte der Richter die damaligen
Verhältnisse. Aus den Zeugenaussagen folgerte das Tribunal:
«Es ging vor allem darum, die Zivilbevölkerung zu
terrorisieren, unter militärischen Aspekten hatten die Angriffe
keine Bedeutung».
Als ein Beispiel für den blutigen Alltag in Sarajevo schilderte
der Gerichtsvorsitzende den Tod der Hausfrau Munira Zametica (48) beim
Wasser Holen am Dobrinja-Fluss am 11. Juli 1993. Als sie vom Ufer aus
ihren Eimer füllte, wurde sie von einem Hügel aus
niedergeschossen und lag blutend im Wasser. Ihre Tochter Vahida und
eine Freundin wagten nicht, den Schutz einer Brücke zu verlassen,
um ihr zu helfen, weil weiter Kugeln einschlugen. Die Frau starb
später.
Nach dem vor zwei Jahren abgeschlossenen Verfahren hatte die Anklage
lebenslange Haft gefordert. Die Verteidigung hatte Freispruch
beantragt, da sich unter den Menschen in der Stadt 50 000 Soldaten der
vorwiegend muslimischen Streitkräfte von Bosnien-Herzegowina
befunden hätten. Sie hätten meist keine Uniformen getragen
und mit Vorliebe von Schulen, Krankenhäusern oder Moscheen aus die
Belagerer unter Feuer genommen.
Das Tribunal räumte ein, dass bosnische Soldaten gelegentlich
versucht haben könnten, internationale Sympathie dadurch zu
gewinnen, dass sie selbst Schüsse aus dem Hinterhalt auf
Landsleute abgaben und dafür die serbischen Angreifer
verantwortlich machten. Selbst wenn es so etwas gegeben haben
könnte, würde es doch nichts daran ändern, dass sich die
Heckenschützen-Angriffe und Bombardierungen der serbischen
Belagerer vor allem gegen Zivilisten richteten, betonte der
Gerichtsvorsitzende.
(Quelle: dpa)
Staaten streben neue UN-Verhandlungen über Klonverbot an
Deutsche Regierung lehnt derzeit erneute Verhandlungen ab
Sa.06.12.03 - Die Befürworter eines internationalen Klonverbotes streben in der
UN-Vollversammlung am kommenden Montag eine erneute Abstimmung
über ein Klonverbot an. Der Vertagungsbeschluss des
UN-Rechtsausschusses vom November könne damit revidiert werden,
teilte der Bioethik-Experte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hubert
Hüppe, am Freitag in Berlin mit.
Die Staaten, die das Klonen menschlicher Embryos zu Forschungs- und zu
Fortpflanzungszwecken fordern, wollen über das Klonverbot
debattieren. Dazu gehören nach Informationen der "Financial Times
Deutschland" die USA, Portugal, Norwegen, Spanien und Costa Rica. Die
Bundesregierung lehne derzeit erneute Verhandlungen ab, so die Zeitung.
Deutschland hatte sich auch im UN-Rechtsausschuss der knappen Mehrheit
für die zweijährige Vertagung der Verhandlungen angeschlossen
und war dafür von den Bundestagsfraktionen der Union, SPD und
Grünen stark kritisiert worden.
Die Bundesregierung habe jetzt die Gelegenheit, ihr
Abstimmungsverhalten zu korrigieren, sagte Hüppe. Wenn am Montag
die UN-Vollversammlung für ein umfassendes Klonverbot stimme,
kämen Staaten in Erklärungsnot, die dennoch das Klonen
menschlicher Embryos zuließen.
Deutschland hatte sich mit der Begründung, dass nicht alle Staaten
für eine umfassende Klonkonvention zu gewinnen seien, dem
Vertagungsbeschluss angeschlossen.
(Quelle: epd)
Deutschland
Neue Atompläne sorgen für Zündstoff bei Rot-Grün
Berlin erwägt Bürgschaft für AKW-Bau in Finnland +++
Grünen-Abgeordnete bereiten Antrag gegen Atomgeschäfte vor
+++ Greenpeace protestiert gegen Export von Plutoniumfabrik
Sa.06.12.03 - Neben dem Wirbel um den geplanten Export der Hanauer Plutoniumanlage
nach China sorgt ein weiteres Atomgeschäft für Zündstoff
in der Koalition. Derzeit prüfe die Bundesregierung, Siemens
für die Beteiligung am Bau eines Atomkraftwerkes in Finnland eine
Exportbürgschaft zu erteilen, sagte Vizeregierungssprecher Thomas
Steg in Berlin. Eine Koalitionsrunde zum Hanau-Streit ist laut Steg
nicht geplant. Scharfe Kritik an dem möglichen Verkauf der
Plutoniumanlage kam aus den Reihen der Grünen. Der Vorsitzende der
Saar-SPD, Heiko Maas, sprach von einem "Glaubwürdigkeits-GAU"
für seine Partei. Die Grünen-Bundestagsabgeordneten Winfried
Hermann und Michaele Hustedt bereiten einen Entschließungsantrag
gegen die Atomgeschäfte mit China und Finnland vor. Hermann
forderte Außenminister Joschka Fischer in einem Interview mit der
"Welt" auf, sich gegen die Geschäfte einzusetzen. Der Antrag solle
Anfang kommender Woche in der Bundestagsfraktion abgestimmt werden. Der
"unhaltbare und gefährliche" Export von Atomanlagen widerspreche
dem Geist des Atomausstiegsgesetzes, heiße es in dem Antrag.
Dass die Bundesregierung die Förderung eines Atomkraftwerks im
Ausland in Erwägung zieht, begründete Vizeregierungssprecher
Steg damit, dass die Entscheidung für die Atomenergie in Finnland
bereits unverrückbar gefallen sei. Dies müsse die Regierung
zur Kenntnis nehmen. Eine Entscheidung über die Bürgschaft
solle noch vor Weihnachten fallen. Am kommenden Dienstag empfängt
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den finnischen
Ministerpräsidenten Matti Vanhanen. Siemens ist Teil eines
deutsch-französischen Konsortiums, das sich um den Auftrag
für den Bau des finnischen Atomkraftwerkes beworben hat.
Zum geplanten China-Export sagte Steg, die Bundesregierung erwarte eine
förmliche Erklärung der chinesischen Seite, dass die Hanauer
Anlage ausschließlich zur friedlichen Nutzung und nicht für
militärische Zwecke bestimmt sei. Ein Sprecher des
Bundesumweltministeriums bekräftigte, dass die Anlage auch zur
Herstellung von waffenfähigem Plutonium dienen könne.
Der Grünen-Abgeordnete Winfried Hermann nannte einen
möglichen Export in der Chemnitzer "Freien Presse" "dumm und
verantwortunglos". Maas sagte der "Saarbrücker Zeitung", ein
Atomausstieg im Inland bei gleichzeitiger Atom-Förderung im
Ausland sei "nicht mehr nachvollziehbar".
"Wenn es eine rechtliche Chance gibt, den Verkauf zu verhindern, sollte
man sie nutzen", wurde Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne)
in der "Berliner Zeitung" zitiert. Hermann forderte Außenminister
Joschka Fischer (Grüne) sowie Trittin auf, der Fraktion Rede und
Antwort zu stehen. Beide sollen schon lange von den Exportplänen
gewusst haben.
Umgekehrt begrüßte Hessens Ministerpräsident Roland
Koch (CDU) im Berliner "Tagesspiegel", dass jetzt auch bei Fischer
"eine Umkehr Platz greift", nachdem dieser früher als hessischer
Umweltminister die Hanauer Anlage erbittert bekämpft hatte.
Mit einer Aktion vor dem ehemaligen Siemens-Brennelementewerk in Hanau
hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Freitag gegen den
geplanten Export der Anlage nach China protestiert. Aktivisten der
Organisation projizierten nach eigenen Angaben das chinesische
Schriftzeichen für Gefahr sowie den Text "Keine Atomfabrik nach
China" auf die Außenmauer des Gebäudes. Greenpeace
erklärte, die Anlage könne große Mengen
waffenfähiges Plutonium verarbeiten und sei eine Gefahr für
die internationale Sicherheit.
Greenpeace forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und
Außenminister Joschka Fischer (Grüne) auf, Siemens einen
Export nicht zu genehmigen. «Mit dem Export der Fabrik würde
Außenminister Fischer seine eigene frühere Politik ad
absurdum führen», sagte Stefan Schurig, Leiter des Klima-
und Energiebereichs bei Greenpeace. «In den 90er Jahren war
Fischer die Anlage zu gefährlich. Sie ist heute kein Stück
sicherer geworden.» Fischer hatte als hessischer Umweltminister ab
1991 eine Inbetriebnahme der rund 1,1 Milliarden Mark (560 Millionen
Euro) teueren Fabrik verhindert.
(Quellen: afp, dpa, ap)
Experten: Hanau-Verkauf kann verhindert werden
Öko-Institut Darmstadt hält Plutoniumfabrik eindeutig
für militärisch nutzbar. Andere Forscher widersprechen ...
Mehr in der "tageszeitung" vom 06.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/06/a0087.nf/text
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Gesetzlich Krankenversicherte werden nicht wie erhofft entlastet
Sa.06.12.03 - Der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung wird im kommenden
Jahr nicht wie von Regierung und Opposition versprochen auf 13,6
Prozent sinken. Realistisch seien 14 Prozent, schreibt die «Neue
Osnabrücker Zeitung» unter Berufung auf den
Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt. Durch die
Gesundheitsreform könne der Beitragssatz zwar auf 13,8 Prozent
sinken. Steigende Kredite und anhaltende Finanzprobleme der Kassen
heben das zum Teil aber wieder auf.
(Quelle: dpa)
Weniger Langzeit-Therapien für chronisch Kranke geplant
Die Pressemitteilung vom 2. Dezember bestand aus ein paar kargen
Worten: Nach Auffassung des Gesundheitsministeriums, so teilte der
Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen mit, ließen die
Heilmittel-Richtlinien einen zu großen Spielraum für
ärztliche Verordnungen. Es gelte, dem „medizinisch nicht
begründeten Ausgabenanstieg" von etwa zwanzig Prozent durch
„gewisse Einengungen des Ermessensspielraums wirksam entgegenzutreten".
Dies hat der Ausschuss am 1. Dezember getan: Behinderte und Kranke, die
Physio- oder Ergotherapie, Logopädie oder Krankengymnastik
brauchen, müssen nach dem Willen des Ausschusses mit
Einschränkungen rechnen. So soll es langfristige Verordnungen
nicht mehr wie bisher geben, die Therapiepausen verlängern sich in
der Regel von sechs auf zwölf Wochen, Kindern in der
Frühförderung darf der Arzt keine zusätzlichen
Behandlungen verschreiben.
Noch sind die Details des Beschlusses nicht bekannt, die Aufregung in
den Behinderten- und Patientenverbänden aber ist groß.
„Nicht das medizinisch Notwendige steht im Mittelpunkt, sondern der
Kostenaspekt", heißt es im Büro des Behindertenbeauftragten
der Bundesregierung. Hans Herrmann Haack verfasste Brandbriefe; in
einer Nacht-und-Nebel-Aktion setze der Bundesausschuss medizinisch
fragwürdige Beschränkungen durch, schrieb er an die
Gesundheitsministerin. 2004 wäre dies nicht mehr möglich, da
mit der Gesundheitsreform auch Patienten im Bundesausschuss
Mitspracherecht hätten. Der Bundesausschuss legt fest, was die
Ärzte verschreiben dürfen und die Kassen bezahlen
müssen, seine Machtfülle stand immer wieder in der Kritik,
auch bei Sozialgerichten.
Ob sich das Gesundheitssystem mit Einschränkungen bei den
Heilmitteln sanieren lässt, ist eher fraglich. 2,5 Prozent der
Gesamtausgaben der Kassen werden für Physio- oder Ergotherapien
verbraucht. 1,76 Milliarden Euro waren das im ersten Halbjahr 2003.
Gerade für Behinderte und chronisch Kranke aber sind langfristige
Therapien lebenswichtig, sie erhalten Beweglichkeit und
Selbständigkeit, viele Patienten brauchen lebenslang Behandlungen.
Sie werden am stärksten von den Beschränkungen betroffen
sein. Die Verbände beklagen, dass nicht mehr zwischen chronisch
und akuten Erkrankungen unterschieden werde. Eine Verlängerung der
Therapie müsse vom Arzt beantragt und den Kassen genehmigt werden.
Dies bedeute mehr bürokratische Barrieren, höhere Kosten –
durch die neuen Zuzahlungsregelungen auch für die Patienten. Eine
Therapiepause von zwölf Wochen werfe Patienten etwa nach einem
Schlaganfall auf Null zurück.
Bei den Innungskrankenkassen (IKK) weist man die Vorwürfe
zurück. Der Arzt habe das Mandat, nach einer ersten
Behandlungswelle eine zweite zu beantragen. Die Kassen aber
müssten die Informationen bekommen. Es seien nicht
zwangsläufig lebenslange Therapien notwendig, und manche Patienten
seien über eine Therapiepause auch ganz froh. Ob die Kassen von
den Einschränkungen profitieren werden, kann man bei der IKK noch
nicht sagen. Im Gesundheitsministerium wollte man sich zum Beschluss
des Ausschusses noch nicht äußern. Zwei Monate hat
Ministerin Ulla Schmidt Zeit, ein Veto einzulegen.
Süddeutsche Zeitung vom 05.12.03
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Studenten protestieren nackt gegen Millionenkürzungen an
Hochschulen
Ihr Motto: «Wir geben unser letztes Hemd» +++ Rund 800
Menschen bei «Bettel-Demo» durch das Berliner Villenviertel
Grunewald - Mit dabei: Studenten Erwerbslosenprojekte,
Obdachloseninitiativen und Hochschullehrer. Ihr Ziel: Auf die
unhaltbaren Zustände von großem privaten Reichtum und
öffentlicher sowie persönlicher Armut aufmerksam machen
Sa.06.12.03 - Nackt sind am Freitag rund 50 Berliner Studenten aus Protest gegen die
Millionenkürzungen an den Hochschulen über den
Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerannt. Bei Temperaturen
um den Gefrierpunkt liefen die mit Parolen bemalten jungen Frauen und
Männer rund fünf Minuten lang zwei Mal um die Kirche. Das
Motto der Aktion lautete «Wir geben unser letztes Hemd».
Rund 800 Menschen zogen nach Polizeiangaben mit Lampions und Fackeln
ausgestattet bei der so genannten «Bettel-Demo» durch das
Berliner Villenviertel Grunewald.
Neben Studenten nahmen an dem Protestzug unter dem Motto
«Ruprecht und Nikolaus kommen...» auch
Erwerbslosenprojekte, Obdachloseninitiativen und Hochschullehrer teil.
Ziel sei es, auf die unhaltbaren Zustände von großem
privaten Reichtum und öffentlicher sowie persönlicher Armut
aufmerksam zu machen, erklärten die Organisatoren. Auch an anderen
Stellen wurde der Protest fantasievoll fortgesetzt. So machten am
Kurfürstendamm 40 Studenten mit Theaterstücken und
Performances auf die Misere aufmerksam. Nach Polizeiangaben verliefen
die Aktionen friedlich.
In Frankfurt am Main protestierten rund 400 Studenten lautstark gegen
die geplante Einführung von Studiengebühren. Sie versammelten
sich vor der Festhalle, wo die Auslosung der Qualifikationsgruppen zur
Fußball-Weltmeisterschaft 2006 stattfinden sollte. Ein
Polizeisprecher sagte, die Studenten seien vom Unicampus und vom
Bahnhof vor den Haupteingang der Festhalle gezogen. Die Proteste seien
ausgesprochen friedlich.
(Quelle: ap)
Merkel für Studiengebühren und
Hochschul-Eingangsprüfungen
Sa.06.12.03 - CDU-Chefin Angela Merkel hat sich für Studiengebühren
ausgesprochen. Auch seien künftig an den Hochschulen
Eingangsprüfungen unverzichtbar, sagte Merkel bei einem Symposium
der Humboldt-Universität in Berlin. Das Abitur habe seine
Berechtigung als Zugangsvoraussetzung verloren. Leider gebe es in
Deutschland noch ein Studiengebührenverbot. Sie hoffe, dass dies
bald vom Verfassungsgericht aufgehoben werde.
(Quelle: dpa)
Türkisch-stämmige Abgeordnete für Kopftuchverbot
Kopftuch werde von Islamisten als Kampfsymbol missbraucht. Frauen die
sich stark verhüllten, machten damit eine politische Aussage
Sa.06.12.03 - Drei muslimische Parlamentarierinnen des Berliner Abgeordnetenhauses
haben sich für das Kopftuchverbot im Staatsdienst ausgesprochen.
Es stimme nicht, dass die 2. und 3. Generation Musliminnen in
Deutschland das Kopftuch nur der Tradition zuliebe trügen, sagte
die frauenpolitische Sprecherin der PDS, Evrim Baba. Das Kopftuch werde
von Islamisten vielmehr als Kampfsymbol missbraucht. Frauen die sich
stark verhüllten, machten damit eine politische Aussage, betonte
Baba. Der Koran enthalte dazu keine wörtliche Aufforderung, dies
werde lediglich von Extremisten so auslegt. Symbolisch bedeute das
Kopftuch, dass eine Frau sich dem Mann unterordnen müsse.
Die überparteiliche Frauen-Initiative gegen ein Kopftuchverbot, an
der sich die Bundesausländerbeauftrage Marieluise Beck
(Grüne) und die frühere Bundestagspräsidentin Rita
Süßmuth (CDU) beteiligt hatten, sei „blauäugig, naiv
und intellektuell oberflächlich", betonten die
türkisch-stämmigen SPD-Abgeordneten Dilek Kolat und
Ülker Radziwill. Stark sichtbare religiöse Symbole, die sich
politisch missbrauchen ließen, müssten in Staatsdienst und
Schule verboten werden. „Die Politik muss Grenzen setzen."
Nach dem Kopftuch-Urteil des Bundesverfassungsgerichts wollen mehrere
Bundesländer, darunter Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und
Niedersachsen, das Kopftuch im Unterricht per Gesetz verbieten. Der
Streit darüber geht quer durch alle Parteien.
(Quelle: sz)
Blick ins Archiv
Politikerinnen warnen vor 'Lex Kopftuch'
Konkrete Schritte hin zu Kopftuchverbot bislang in vier Ländern
Di.02.12.03 - Prominente Vertreterinnen aus Politik und Gesellschaft haben sich
vehement gegen ein generelles Kopftuchverbot an deutschen Schulen
ausgesprochen. In einem in Berlin vorgestellten Aufruf, der von der
Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Marieluise Beck, und
Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) mitinitiiert
wurde, treten die Verfasserinnen für eine differenzierte Debatte
über das Thema ein. Beck sagte bei der Vorstellung des Aufrufs,
eine Ausgrenzung der Kopftuchträgerinnen würde nur den
Fundamentalisten in die Hände spielen.
Ein Kopftuchverbot würde nur die Stigmatisierung jener Frauen
vorantreiben, die es tragen, heißt es in dem "Aufruf wider eine
Lex Kopftuch"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312020.htm#03120223
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zur Kopftuch-Debatte unter:
http://www.boa-muenchen.org/k0312020.htm#031202ps
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Verhandlungen zur Zuwanderung treten auf der Stelle
Sa.06.12.03 - Die Verhandlungen über das Zuwanderungsgesetz treten weiter auf
der Stelle. Ohne greifbares Ergebnis vertagte sich am Freitag die
Arbeitsgruppe von Koalition und Opposition zum Vermittlungsverfahren
auf den 16. Januar. Beide Seiten erklärten jedoch, die
Gespräche seien nicht aussichtslos. «Die Einigungschancen
stehen 50 zu 50», sagte der bayerische Innenminister Günther
Beckstein der Nachrichtenagentur AP.
Gestritten wird vor allem über drei Themenkomplexe: die Zulassung
so genannter Arbeitsmigration, also der Zuwanderung von
Arbeitskräften mit einer Quotenregelung; die Integration hier
lebender Ausländer und die damit zusammenhängenden Kosten;
und den Flüchtlingsschutz für Opfer nichtstaatlicher
Verfolgung.
Der Ausgang der Gespräche sei völlig offen, sie seien aber
auch «nicht völlig aussichtslos», sagte der
parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker
Beck, in Berlin. Beck appellierte allerdings an die Union, sich zu
bewegen. Dies betreffe vor allem die Arbeitsmigration. Hier probe die
Union eine «Totalblockade».
Ziel der Koalition sei es, vom Anwerbestopp der 70er Jahre wegzukommen
und die Zuwanderung von Arbeitskräften grundsätzlich neu zu
regeln. Das sei ein Kernpunkt des Gesetzes, ohne den es keine Einigung
geben werde. Auch Rot-Grün sei allerdings klar, dass derzeit
angesichts hoher Arbeitslosigkeit keine «große Zahl»
von Arbeitszuwanderern nach Deutschland kommen könne.
Beim Punkt Integration scheine noch am ehesten eine Einigung
möglich, sagte Beck weiter. Details zum Verhandlungsstand wollte
der Grünen-Politiker unter Hinweis auf die Vertraulichkeit des
Vermittlungsverfahrens nicht nennen.
Der CSU-Politiker Beckstein sagte, den Grünen sei in den
Verhandlungen klar gemacht worden, dass sie sich nicht mit den
Maximalforderungen ihrer Parteitagsbeschlüsse durchsetzen
könnten. «Die SPD kommt uns in erheblichem Umfang
entgegen», sagte Beckstein. «Wie das bei den Grünen
ist, ist noch nicht klar.»
Zum Streit um die Arbeitsmigration sagte der Minister, mit der SPD
herrsche Übereinstimmung, dass in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit
die Zuwanderung aus Drittländern nicht erleichtert werden
könne. Bei der EU-Erweiterung sei eine Übergangsfrist von
sieben Jahren für Zuwanderung von Arbeitskräften ausgehandelt
worden. Dies dürfe nicht per Gesetz zu Gunsten von
Drittländern ausgehebelt werden. Klar sei, dass es für
Höchstqualifizierte wie «nobelpreisverdächtige
Naturwissenschaftler» Ausnahmen geben werde.
Bis zum nächsten Verhandlungstermin am 16. Januar sollten
Mitarbeiter konkrete Vorschläge und Formulierungen zu einzelnen
Streitfragen, unter anderem der Integration, vorlegen, sagte Beckstein
weiter. Danach könnte eine kleinere Arbeitsgruppe eingesetzt
werden, um eine Lösung der politischen Streitfragen zu suchen. Ob
es zu einer Einigung komme, werde sich in den vier Wochen nach dem
nächsten Verhandlungstermin entscheiden.
(Quelle: ap)
Sinti und Roma reichen 51 Beschwerden bei Presserat ein
Sa.06.12.03 - Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma reicht 51 Beschwerden gegen
Zeitungsartikel beim Deutschen Presserat ein. In den monierten
Publikationen der vergangenen zwölf Monate würden
Beschuldigte als «Sinti», «Roma»,
«Zigeuner» oder mit anderen Synonymen belegt, was den Hass
und die Vorurteile in der Bevölkerung gegen die gesamte Minderheit
schüre, teilte der Zentralrat am Freitag in Heidelberg mit.
Solche Kennzeichnungen seien ein Verstoß gegen eine vom
Zentralrat als unzureichend kritisierte Ziffer 12.1 des Pressekodex.
Danach soll in der Berichterstattung über Straftaten die
Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu
religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann
erwähnt werden, «wenn für das Verständnis des
berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht».
Der Zentralrat kritisierte, dass in nahezu allen monierten Fällen
die Behörden die Minderheitenbezeichnung veranlasst hätten.
Als Datum für das Einreichen der Beschwerden wählte die
Organisation den (morgigen) 7. Dezember. An diesem Tag habe das
Reichsinnenministerium im Jahr 1935 erlassen, bei allen Mitteilungen an
die Presse über Straftaten von Juden die Rassenzugehörigkeit
hervorzuheben.
(Quelle: ap)
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
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