Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertdreiundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Verteidigungsminister Rumsfeld fordert beschleunigten Übergang
zu irakischer Souveränität +++ Rotes Kreuz und Roter Halbmond
fordern mehr Schutz für Helfer +++ Ungarischer Konvoi in Irak von Aufständischen
angegriffen +++ US-Zivilverwalter Bremer: Milizen haben keinen Platz in
'neuem Irak'
So.07.12.03 - US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat sich bei seinem
eintägigen Überraschungsbesuch in Irak für einen
beschleunigten Übergang zur irakischen Souveränität
ausgesprochen. Bei einem Treffen in Bagdad mit dem amtierenden
Vorsitzenden des von den USA eingesetzten irakischen Regierungsrats,
Abdel Asis Hakim, sagte Rumsfeld am Samstag nach Angaben eines
US-Regierungsbeamten, es gebe viel zu tun und nicht viel Zeit, es zu
tun. In einer im arabischsprachichen Sender der USA und ihrer
Verbündeten, El Irakija, übertragenene Rede sagte Rumsfeld,
die von den USA angeführten Truppen hätten die Absicht, "bis
zum Ende ihrer Mission" in Irak zu bleiben. "Wir haben keine Angst, und
wir werden uns nicht davonstehlen", fügte er hinzu.
Die Hilfsorganisationen Rotes Kreuz und Roter Halbmond haben zu mehr
Schutz für humanitäre Helfer in Krisengebieten aufgerufen.
Die Sicherheit humanitärer Helfer sei zu einem "extrem heiklen
Problem" geworden, sagte der Präsident des Internationalen
Komitess vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, zum Abschluss der
28. Konferenz von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond am Samstag in Genf. In
der jetzigen Situation sei es noch wichtiger als früher, alle
Akteure, ob Staaten oder bewaffnete Gruppen, an die Achtung der
Menschenrechte zu erinnern, sagte Kellenberger.
Irakische Aufständische haben am Samstagmorgen einen ungarischen
Konvoi beschossen, der Hilfsgüter transportierte. Wie das
ungarische Verteidigungsministerium mitteilte, wurde bei dem
Überfall 120 Kilometer nördlich der kuwaitischen Grenze kein
Soldat verletzt. Als die Truppen das Maschinengewehrfeuer erwidert
hätten, sei möglicherweise einer der Angreifer angeschossen
worden, hieß es. Es war der erste Angriff auf ungarische
Einheiten, seit sie im September in Irak stationiert wurden. Die 300
Soldaten gehören der Stabilisierungstruppe unter polnischem
Kommando an.
Rund um die Uhr suchen US-Soldaten in Tikrit, der nordirakischen
Heimatstadt des entmachteten Staatschefs Saddam Hussein, nach
selbstgebastelten Sprengsätzen, die jederzeit in die Luft gehen
können. Jeder noch so unscheinbare Gegenstand wird
überprüft, denn die Bomben lassen sich auch in leeren
Cola-Dosen, Plastiktüten oder in Tierkadavern verstecken und so
getarnt am Straßenland platzieren. Die Herstellung ist einfach,
und das explosive Material findet sich in den zahlreichen von der alten
Regierung hinterlassenen Waffenlagern in der Region. "Wir finden sie
alle paar Tage. Einmal haben wir innerhalb von 48 Stunden sieben
Stück gefunden", berichtet der Soldat Brad Boyd.
Der US-Zivilverwalter in Irak, Paul Bremer, hat die Bildung einer
eigenständigen Truppe aus irakischen Miliz-Verbänden für
den Kampf gegen Aufständische im Land abgelehnt. "Ich habe seit
meiner Ankunft immer gesagt, dass es keinen Platz für Milizen in
einem neuen Irak gibt", sagte Bremer in einem am Freitag gesendeten
Interview des von der Kriegskoalition kontrollierten Fernsehsenders El
Irakija. Milizen seien Organisationen "ohne eine nationale Vision". Die
USA wollten "nationale Organisationen" wie die neue irakische Armee,
die neue Polizei und die Zivilverteidigung unterstützen, sagte
Bremer. Die Bereitschaft der paramilitärischen Gruppen zur
Zusammenarbeit mit den Besatzern sei zwar zu begrüßen; doch
die Milizen könnten nicht als solche bestehen bleiben.
(Quelle: afp)
Neun Kinder bei US-Luftangriff in Afghanistan getötet
So.07.12.03 - Bei einem amerikanischen Luftangriff in Afghanistan sind neun Kinder
getötet worden. Der genaue Hergang werde noch untersucht, sagte
ein Militärsprecher. Der Angriff in der Nähe von Ghasni, 160
Kilometer südwestlich von Kabul, galt nach seinen Angaben einem
«gesuchten Terroristen». Es sei nicht bekannt gewesen, dass
sich Kinder in der Nähe des Ziels aufgehalten hätten, sagte
Major Christopher West am Sonntag.
Der Gesuchte soll für den Tod von zwei Ausländern
verantwortlich sein. Sein Versteck sei über längere Zeit
beobachtet worden, ehe am Samstag der Pilot eines A-10-Flugzeugs mit
dem Angriff beauftragt worden sei, teilte der Militärsprecher mit.
Danach seien der Gesuchte sowie neun Kinder tot aufgefunden worden. Die
Streitkräfte hätten eine Gruppe von Ermittlern zum Ort des
Angriffs geschickt, die klären sollten, ob die US-Truppen
tatsächlich für den Tod der Kinder verantwortlich seien. Die
Streitkräfte würden sich um die Unterstützung der
Angehörigen kümmern, sagte West.
Bei der Explosion einer Bombe in der südafghanischen Stadt
Kandahar wurden am Samstag 20 Menschen verletzt. Der offenbar auf einem
Zweirad versteckte Sprengsatz explodierte vor einem Hotel. Die
fundamentalistische Taliban-Miliz erklärte, der Anschlag habe
US-Soldaten gegolten, doch sei die Bombe zu spät explodiert.
Kandahar galt bis 2001 als eine ihrer Hochburgen. Der afghanische
Präsident Hamid Karsai bezeichnete den Anschlag als einen Versuch
von Terroristen, die in wenigen Tagen beginnende Große
Ratsversammlung zu behindern.
(Quellen: ap, dpa)
NATO plant offenbar Ministertreffen im Februar in München
So.07.12.03 - Unmittelbar vor der Münchner Sicherheitskonferenz im kommenden
Februar wird es vermutlich ein informelles Treffen der
NATO-Verteidigungsminister stattfinden. Das erklärte ein Sprecher
des Berliner Verteidigungsministeriums am Samstag auf Anfrage der
Nachrichtenagentur AP. Er bestätigte damit einen Vorabbericht des
Nachrichtenmagazins «Focus».
Das Magazin hatte am Samstag berichtet, dass die Münchner
Konferenz dadurch aufgewertet werden solle. Dies wollte der Sprecher
aber nicht kommentieren. Laut «Focus» hatten sich
Verteidigungsminister Peter Struck und sein amerikanischer Kollege
Donald Rumsfeld auf einen entsprechenden Vorschlag der norwegischen
Verteidigungsministerin Kristin Krohn Devold verständigt. Mit
dieser Zusammenkunft solle dem neuen NATO-Generalsekretär Jaap de
Hoop Scheffer erstmals Gelegenheit gegeben werden, so schnell wie
möglich alle Verteidigungsminister des Bündnisses kennen zu
lernen. Der frühere niederländische Außenminister wird
am 1. Januar 2004 Nachfolger von NATO-Generalsekretär George
Robertson.
(Quelle: ap)
Britische Marine hatte im Falkland-Krieg Atomwaffen an Bord
Vor Argentiniens Küste rostet das Wrack eines britischen Schiffes,
in dem sich Atomwaffen befinden. Großbritanniens Marine hatte vor 21 Jahren während
des Falkland-Krieges «Routinemäßig» solche Waffen an
Bord
So.07.12.03 - Durch einen offiziellen Bericht der britischen Regierung an die
argentinische Botschaft in London habe man von den Waffen erfahren,
sagte der argentinische Verteidigungsminister José Pampuro laut
einem Bericht der Nachrichtenagentur Telam. Zum ersten Mal habe die
britische Regierung diesen alten Verdacht bestätigt.
Mit «großer Besorgnis» habe man diese Nachricht
aufgenommen, so Pampuro. Das Kabinett habe lange darüber beraten
und man werde von den Briten weitere Aufklärung verlangen.
Laut dem Bericht, aus dem die argentinische Zeitung
«Clarín» zitiert, waren die Schiffe
«routinemäßig» mit Atomwaffen bestückt.
«Zu keiner Zeit» jedoch sei ein Einsatz geplant gewesen.
Während der Kämpfe wurden demnach Behälter
beschädigt, in denen die Atomwaffen gelagert waren. Auch das
britische Kriegsschiff «Sheffield» hatte laut Berichten
britischer Zeitungen einige davon an Bord. Das Schiff wurde am 4. Mai
1982 von der argentinischen Luftwaffe versenkt, die Waffen sollen noch
immer in dem Wrack vor Südargentinien liegen.
Argentinien hat den Krieg nach kurzen und heftigen Kämpfen
verloren. Bis heute beansprucht die Regierung die Falkland-Inseln.
(Quellen: nz [http://www.netzeitung.de/], rollberg [http://www.rollberg.de/])
Nahost-Konflikt
Fischer kritisiert Israel für Bau der Grenzanlage +++
Hamas-Gründer spricht Israel das Existenzrecht ab +++ Israelis und
Palästinenser beraten erneut über Gipfeltreffen
So.07.12.03 - Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) hat in
ungewöhnlich scharfer Form den Bau der Grenzanlage zwischen Israel
und dem Westjordanland kritisiert. Der Bau könnte der friedlichen
Errichtung eines palästinensischen Staates "den letzten
Stoß" versetzen, sagte Fischer in Berlin beim
Europäisch-Israelischen Dialog. Die EU könne dies nicht
akzeptieren. "Ich empfehle Israel mit Nachdruck, ein Moratorium
einzulegen oder den Verlauf des Zauns zu ändern."
Fischer rief Israel und die Palästinenser zu einem sofortigen
Waffenstillstand auf, der verbunden sein müsse mit einer
"effektiven Sicherheits-Zusammenarbeit". Dies könnte dem
Nahost-Friedensprozess eine "neue Dynamik" verleihen.
Fischer lobte die Genfer Friedensinitiative. Er schätze den unter
Führung des früheren israelischen Justizministers Jossi
Beilin und des ehemaligen palästinensischen Informationsministers
Jassir Abed Rabbo erarbeiteten Friedensplan "sehr hoch ein". Er sei
"ein Signal, ein Licht der Hoffnung." Die Initiative zeige, "dass es
ein Vakuum gibt, das mit neuen Bemühungen gefüllt werden
sollte."
Die Initiative sieht weit reichende Zugeständnisse der
Konfliktparteien vor. Fischer kritisierte auch
Palästinenserpräsident Jassir Arafat: Dieser habe "nie die
Entscheidung getroffen, ob er ein revolutionärer Führer oder
ein demokratischer Staatsmann" sein wolle.
Der Gründer der militanten Palästinenser-Organisation Hamas,
Scheich Ahmed Jassin, spricht Israel weiterhin das Existenzrecht ab.
"Wir sind gegen einen jüdischen Apartheidstaat auf dem Boden von
Palästina", sagte Jassin in einem vorab veröffentlichten
Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Damit erteilte der
Hamas-Gründer dem Friedensplan des Nahost-Quartetts eine Absage.
Die so genannte Road Map sieht die Gründung eines
palästinensischen Staates in den Grenzen der heutigen
Autonomiegebiete vor.
Dies "wäre nur eine Übergangslösung", sagte Jassin dem
«Spiegel». Ziel der Hamas sei, "dass alle
Palästinenser in ihrer Heimat leben können, und zwar alle
Religionen zusammen - Muslime, Christen und Juden." Einen eigenen
jüdischen Staat könnten die Israelis "ja in Europa
gründen". Scharfe Kritik übte der Hamas-Gründer an dem
am Montag in Genf vorgestellten inoffiziellen Friedensplan, "weil er
das Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge
fallen lässt".
Die Autoren des Genfer Abkommens stellten unterdessen klar, dass ihr
Plan nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zur Road Map
gedacht sei. Die Road Map sei "die Mutter aller Initiativen",
erklärten der frühere israelische Justizminister Jossi Beilin
und der ehemalige palästinensische Informationsminister Jassir
Abed Rabbo nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan in
New York. Das Genfer Abkommen enthält Festlegungen zu
Streitfragen, die der internationale Friedensplan Road Map offen
lässt: den Verzicht auf das Rückkehrrecht
palästinensischer Flüchtlinge und die endgültige
Grenzziehung zwischen Israel und einem zukünftigen
palästinensischen Staat.
Annan machte nach Angaben eines Sprechers deutlich, dass die Road Map
der "Schlüsselmechanismus" für den Friedensprozess bleibe.
Die Genfer Initiative habe allerdings die wichtige Debatte über
noch zu lösende Angelegenheiten entfacht. Auch US-Aussenminister
Colin Powell betonte bei einem Treffen mit Beilin und Rabbo in
Washington, die Road Map bleibe die Grundlage für eine Lösung
des Nahost-Konfliktes.
Israel und die Palästinenser wollen am (heutigen) Sonntag ihre
Gespräche zur Vorbereitung eines Gipfeltreffens der
Ministerpräsidenten Ariel Scharon und Ahmed Kureia fortsetzen. Das
kündigte der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat
am Samstag an. Es ist die zweite Unterredung der Unterhändler
beider Seiten binnen einer Woche.
Teilnehmer des Gesprächs sind der Bürochef des israelischen
Ministerpräsidenten Scharon, Dov Weisglass, sein
palästinensischer Kollege Hassan Abu Libdeh, und Erakat selbst. Er
wollte sich nicht dazu äusseren, wie weit die Vorbreitungen
für ein Gipfeltreffen bereits gediehen sind.
(Quelle: ap)
Bibliothek von Alexandria stellt antisemitisches Werk nicht mehr aus
So.07.12.03 - Nach Protesten hat die Bibliothek von Alexandria das antisemitische
"Protokoll der Weisen von Zion" aus einer öffentlichen Ausstellung
entfernt. Die Entscheidung, das Werk öffentlich zugänglich zu
machen, sei ein Fehler gewesen, sagte Bibliothekschef Ismail Serageldin
am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Anders als von ägyptischen
Zeitungen berichtet, sei das Buch in der Ausstellung aber nicht als
"heiliges Buch" oder "Grundlage einer jüdischen Verfassung"
präsentiert worden, betonte Serageldin. Bei den Schriften handle
es sich um ein Werk, das anti-jüdische Vorurteile schüren
solle. Mehrere ägyptische und israelische Zeitungen hatten die
Ausstellung des Dokumentes kritisiert.
Wie 1935 in Basel und 1985 in Südafrika nachgewiesen wurde,
handelt es sich bei dem "Protokoll der Weisen von Zion" um einen
gefälschten Text. Er wurde als Protokoll des ersten zionistischen
Kongresses in Basel ausgegeben, und enthielt angeblich einen Plan zur
Errichtung einer jüdischen Weltherrschaft unter einem König
aus dem Hause Zion. Die fiktiven Aufzeichnungen waren Anfang des
Jahrhunderts in Moskau in Umlauf gebracht worden, um judenfeindliche
Maßnahmen zu begründen. Die Bibliothek von Alexandria
besitzt die 1951 erschienene, erste arabische Übersetzung des
Textes.
(Quelle: afp)
Brüssel soll Zurückhaltung von Antisemitismus-Studie
erklären
So.07.12.03 - Die EU-Kommission muss nach Ansicht des CDU-Europaabgeordneten Armin
Laschet erklären, warum die von einer EU-Agentur beauftragten
Antisemitismus-Studie immer noch nicht veröffentlicht worden ist.
Laschet nannte es am Mittwoch in Brüssel "peinlich", dass die
Studie inzwischen von den jüdischen Gemeinden in Frankreich und
Großbritannien ins Internet gestellt worden sei, da die
Europäische Beobachtungsstelle für Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit (EUMC) als Auftraggeber die Ergebnisse
unterdrücken wolle.
(Quelle: afp)
EU-Antisemitismus-Studie im Internet:
http://www.crif.org/index.php?menu=5&dossier=33&id_doss=2014
http://www.partisan.net/infopartisan/document/antisemitismusstudie.pdf
http://www.cohn-bendit.de/de/standpunkte/index.html
Komitee berät über Commonwealth-Mitgliedschaft Simbabwes
So.07.12.03 - Im Streit um die ausgesetzte Mitgliedschaft Simbabwes im Commonwealth
hat am Samstag ein Sechsstaatenkomitee über Kriterien für
eine mögliche Wiederaufnahme des afrikanischen Landes beraten. Die
Auseinandersetzung hatte bereits den ersten Tag des
Commonwealth-Gipfels in der nigerianischen Hauptstadt Abuja am Freitag
bestimmt. Simbabwes Präsident Robert Mugabe war wie Pakistans
Präsident Pervez Musharraf nicht zu der Konferenz eingeladen.
Delegierte aus Australien, Kanada, Indien, Jamaika, Mosambik und
Südafrika sollten in einer zweistündigen Sitzung Richtlinien
für eine mögliche Wiederzulassung Simbabwes entwickeln. Nach
Ansicht westlicher Regierungen soll der Ausschluss des Landes
aufrechterhalten bleiben. Mehrere afrikanische Staaten sprachen sich
dagegen für eine Wiederaufnahme aus, da Isolation Simbabwe nicht
voranbringe.
«Wir sollten ein Land, das mit Problemen konfrontiert ist, nicht
bestrafen», sagte der malaysische Außenminister Syed Hamid
Albar in der «New Straits Times» (Samstagsausgabe).
Westliche Regierungen im Commonwealth tendierten dazu, anderen Staaten
ihren Willen aufzuzwingen, kritisierte Albar dem Blatt zufolge weiter.
Der kanadische Ministerpräsident Jean Chretien erklärte,
möglicherweise könnte der Ausschluss Simbabwes noch vor dem
nächsten Gipfeltreffen in zwei Jahren aufgehoben werden. Die
Entscheidung darüber liege aber in Mugabes Hand.
Eine Sprecherin des nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo
erklärte, der Staatschef dringe auf eine schnelle Entscheidung in
dem Streit. Commonwealth-Generalsekretär Don McKinnon sagte in der
BBC, er rechne mit einer baldigen Lösung durch das Komitee.
Wegen Unregelmäßigkeiten bei der Wiederwahl Mugabes im
vergangenen Jahr ist Simbabwes Mitgliedschaft im Commonwealth
ausgesetzt. Nach Ansicht von Kritikern hat sich die Situation in
Simbabwe noch verschlechtert, was Menschen- und Medienrechte betrifft.
Die Inflation liegt offiziell bei mehr als 500 Prozent. Malawi und
Sambia haben angekündigt, sich bei dem Gipfel für Mugabe
einzusetzen.
Musharraf zeigte sich unterdessen enttäuscht, dass das
Commonwealth die Aussetzung der pakistanischen Mitgliedschaft nicht
wieder zurückgenommen habe. Dies sei eine «bedauerliche
Entscheidung». Eine Beteiligung Pakistans sei auch im Interesse
des Commonwealth, sagte Musharraf in Lahore.
Der Großteil der 52 vertretenen Staaten beriet am zweiten Tag der
Konferenz über die Themen Kampf gegen den Terror, Aids und
Handelsfragen. Großbritannien, Australien und Nigeria wollten
sich um eine Wiederaufnahme der auf dem Welthandelsgipfel in Mexiko
gescheiterten Gespräche bemühen.
An dem viertägigen Treffen nehmen neben Königin Elizabeth II.
die Staats- und Regierungschefs der früheren Kolonien
Großbritanniens teil. Das Commonwealth repräsentiert fast
ein Drittel der Weltbevölkerung.
(Quelle: ap)
Konfliktparteien in Sudan setzen Friedensverhandlungen fort
Der sudanesische Bürgerkrieg und die dadurch verursachte
Hungersnot forderten bisher mehr als zwei Millionen Todesopfer
So.07.12.03 - Die sudanesische Regierung und die Rebellen im Süden des Landes
haben am Samstag ihre Friedensgespräche wieder aufgenommen.
Vizepräsident Ali Osman Mohammed Taha und Rebellenführer John
Garang trafen in Navasha in Kenia ein, wo die Gespräche unter
kenianischer Vermittlung stattfinden. Verhandelt werden sollte
über die Zusammensetzung einer Übergangsregierung, die
Verwaltung dreier Regionen in Zentralsudan und die Verteilung von
Einnahmen aus dem Ölgeschäft des Landes.
Im September hatten Taha und Garang bereits eine erste Einigung zu
Fragen der Sicherheitspolitik erzielt. Delegierte rechnen jedoch in
diesem Jahr nicht mehr mit einem umfassenden Abkommen, wie dies
US-Außenminister Colin Powell im Oktober gefordert hatte. Der
kenianische Chefvermittler Lazaro Sumbeiywo sagte, er hoffe auf eine
teilweise Einigung bis Ende Dezember und den Abschluss einer weiteren
Übereinkunft Anfang kommenden Jahres. Vertreter beider Seiten
hatten bereits vergangene Woche mit erneuten Gesprächen begonnen.
Eine Sprecherin der sudanesischen Regierung erklärte, den Rebellen
der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA) sollten in der
Übergangsregierung vier wichtige Ministerprosten angeboten werden.
Vermittler wollen nach Angaben eines Rebellenvertreters eine
Beteiligung der SPLA zu einem Drittel erreichen. Am Freitag hatte
erstmals seit dem Beginn des Bürgerkriegs vor 20 Jahren eine
Delegation der SPLA die sudanesische Hauptstadt Khartum besucht.
Im Juli vergangenen Jahres haben die Regierung und die SPLA ein
Rahmenabkommen über eine Einstellung der 1983 ausgebrochenen
Kämpfe geschlossen. Der Bürgerkrieg und die dadurch
verursachte Hungersnot forderten bisher mehr als zwei Millionen
Todesopfer. Die SPLA tritt für eine Autonomie Südsudans ein,
dessen Bevölkerung sich ethnisch, kulturell und religiös vom
Norden unterscheidet.
(Quelle: ap)
Bekenntnis zum Kampf gegen Terror auf Europa-Nordafrika-Gipfel
So.07.12.03 - Mit einem Bekenntnis zum Kampf gegen Terror und illegale Einwanderung
ist am Samstag das Gipfeltreffen von zehn südeuropäischen und
nordafrikanischen Staaten in Tunis zu Ende gegangen. Auch gegen
Geldwäsche, Drogen- und Waffenhandel wollen die Staaten
künftig stärker vorgehen. Überschattet war die
zweitägige Konferenz von internen Streitigkeiten zwischen Algerien
und Marokko sowie Frankreich und Libyen.
Dass noch immer keine Einigung im Streit um die
Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen des
Bombenanschlags auf ein französisches Flugzeug von 1989 gefunden
sei, könnte die französisch-libyschen Beziehungen
verschlechtern, warnte der französische Präsident Jacques
Chirac. Frankreich fordert von Tripolis eine Aufstockung der bisherigen
Entschädigungssumme von 33 Millionen Dollar, nachdem Libyen
zugesagt hatte, wegen des Anschlags auf ein US-Flugzeug über dem
schottischen Lockerbie 1988 fünf bis zehn Millionen Dollar pro
Opfer zu zahlen.
Trotz eines Appells Chiracs zu engerer Zusammenarbeit ist auch ein Ende
der regionalen Streitigkeiten zwischen Algerien und Marokko nicht in
Sicht. Der marokkanische König Mohammed VI. betonte, eine
Beilegung des Konflikts komme nur in Frage, wenn Marokkos nationale
Einheit und territoriale Integrität gewahrt bleibe. Die
Beziehungen zwischen den beiden nordafrikanischen Staaten sind seit
nahezu drei Jahrzehnten wegen des Streits um die Westsahara gespannt.
Auf europäischer Seite nahmen an dem Gipfel Frankreich, Italien,
Spanien, Portugal und Malta teil, auf nordafrikanischer Seite Tunesien,
Algerien, Marokko, Libyen und Mauretanien.
(Quelle: ap)
Neuer Vorschlag zur Lösung des Atomstreits mit Nordkorea
So.07.12.03 - Die USA, Japan und Südkorea haben einen gemeinsamen Vorschlag zur
Lösung des Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm
erarbeitet. Die drei Verbündeten wollten China bitten, das Papier
an Nordkorea weiterzuleiten, teilte der stellvertretende
südkoreanische Außenminister Lee Soo Hyuck am Samstag nach
seiner Rückkehr aus Washington mit. Von der Reaktion
Pjöngjangs hänge ab, ob neue Verhandlungen über den
Konflikt zu Stande kämen. «Die nächsten Tage sind
entscheidend. Ich bin weder optimistisch noch pessimistisch.»
Die Verhandlungen sollten ursprünglich am 17. Dezember in Peking
stattfinden. In Washington und Seoul wurde dieser Termin jedoch
mehrfach in Zweifel gezogen. Hintergrund ist die Weigerung Nordkoreas,
den ersten Schritt zur Beilegung des Streits zu tun. Washington
forderte bislang, das kommunistische Land müsse zuerst sein
Atomwaffenprogramm beenden, ehe es eine Sicherheitsgarantie von den USA
erhalten könne. Pjöngjang will seinen Verzicht auf das
Programm aber nur erklären, wenn es im Gegenzug sofort die
Zusicherung erhält, dass die USA und ihre Verbündeten
Nordkorea nicht angreifen werden.
China hatte Nordkorea in dieser Frage bislang den Rücken
gestärkt. Über den Inhalt des Lösungsvorschlags von
Südkorea, den USA und Japan wurde am Samstag nichts bekannt. Die
ersten Sechsparteiengespräche in Peking, an denen außer den
genannten Staaten auch Russland teilnahm, waren im August gescheitert.
(Quelle: ap)
China wird hinter Deutschland viertgrößte Handelsnation der
Welt
So.07.12.03 - China wird in diesem Jahr zur viertgrößten Handelsnation der
Welt hinter den USA, Japan und Deutschland aufsteigen. Das gesamte
Außenhandelsvolumen werde 2003 rund 800 Milliarden Dollar (rund
662 Milliarden Euro) erreichen, sagte der stellvertretende
Handelsminister Wei Jianguo der Zeitung "China Daily"
(Freitagsausgabe). Dazu beigetragen habe vor allem ein deutlicher Schub
bei den Exporten von Maschinen und Elektronik.
(Quelle: afp)
Einwohnerzahl in Schanghai überschreitet 20-Millionen-Marke
So.07.12.03 - Die Einwohnerzahl in der größten chinesischen Stadt
Schanghai hat nach amtlichen Angaben die 20-Millionen-Marke
überschrittten. Dies sei vor allem wegen der Lage auf dem
Arbeitsmarkt ein Problem, sagte Bürgermeister Han Zheng laut der
Nachrichtenagentur Xinhua und mehrerer örtlicher Tageszeitungen am
Freitag. Die Bildung neuer Arbeitsplätze werde "eine der
Prioritäten oder eine der schwierigsten Herausforderungen der
Zukunft" sein. In diesem Jahr seien in der Metropole am Ostchinesischen
Meer nur rund 100.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Er sei aber
trotzdem zuversichtlich, die Arbeitslosenquote auch im kommenden Jahr
unter fünf Prozent halten zu können, betonte Han. Im November
waren amtlichen Angaben zufolge 4,8 Prozent der Einwohner von Schanghai
arbeitslos.
(Quelle: afp)
Mindestens 26 Tote bei heftigen Kämpfen in Nepal
So.07.12.03 - Bei heftigen Kämpfen zwischen maoistischen Rebellen und
Sicherheitskräften sind seit Freitag in Nepal mindestens 26
Menschen ums Leben gekommen. Wie örtliche Medien berichten, wurden
allein am Freitag bei einem Feuergefecht im Osten des Landes 19
Rebellen getötet. Die Maoisten hatten Ende August einen
Waffenstillstand aufgekündigt und Friedensgespräche mit der
Regierung abgebrochen. In dem seit 1996 andauernden Bürgerkrieg
sind nach Schätzungen bislang mehr als 9000 Menschen ums Leben
gekommen.
(Quelle: dpa)
Russlands Außenminister Iwanow wirft USA Verwicklung in
Rücktritt Schewardnadses vor
Auch der Finanzmagnat und Milliardär George Soros soll eine Rolle
gespielt haben
So.07.12.03 - Der russische Außenminister Igor Iwanow hat den USA eine
Verwicklung in den Rücktritt des georgischen Präsidenten
Eduard Schewardnadse vorgeworfen. Die Fakten zeigten, dass der
Rücktritt nicht spontan erfolgt sei, sagte Iwanow der Zeitung
«Komsomolskaja Prawda». Es habe Vorbereitungen gegeben, an
denen auch der amerikanische Botschafter beteiligt gewesen sei.
Iwanow erklärte weiter, auch der Finanzmagnat und Milliardär
George Soros habe eine Rolle gespielt. Schewardnadse hatte Soros
vorgeworfen, die Opposition gegen ihn finanziert zu haben.
Außerdem hätten die USA vor der Parlamentswahl in Georgien
den ehemaligen Außenminister James Baker nach Tiflis entsandt,
sagte Iwanow. Ziel dieser Mission sei es offenbar gewesen,
Schewardnadse zum Rücktritt zu bewegen. Schewardnadse war nach
wochenlangen Protesten am 23. November zurückgetreten.
(Quelle: ap)
"Ich kann nicht insgesamt über die USA sprechen ... Ich hoffe,
dass die US-Administration nicht beteiligt war", sagte Schewardnadse,
als er über die Hintermänner des Umsturzes in Georgien
sprach. Bereits im Wahlkampf hatte sich der Politiker über die
Einmischungsversuche besonders eines US-Amerikaners beklagt: Des
Multimilliardärs George Soros, dessen Stiftungen und
Gesellschaften in allen postsowjetischen Staaten aktiv sind....
War die angeblich "samtene Revolution" in Georgien in Wirklichkeit eine
"Soros-Revolution?" Diese Frage untersucht Jürgen Elsäser in
einem telepolis-Artikel vom 08.12.03:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16262/1.html
Blick ins Archiv
Georgien gilt als strategisch wichtiges Transit-Land für die
Öl- und Gas-Versorgung des Westens
Die Lage des Landes ermöglicht es, von den zunehmend wichtigeren
Öl-Feldern im Kaspischen Meer Pipelines zu legen, die weder durch
russisches noch durch iranisches oder armenisches Territorium
führen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311280.htm#031128_1
|
Klimawandel: Westeuropa droht Temperatursturz
Wissenschaftler: Um die Klimaveränderung und seine Konsequenzen zu
bremsen, seien weit drastischere Maßnahmen erforderlich, als es
das Kyoto-Protokol zu Treibhausgasreduzierung vorsehe
So.07.12.03 - Die Klimaerwärmung könnte zu einem Temperatursturz in
Westeuropa führen. Nach einer neuen Studie, die Wissenschaftler im
Rahmen der UN-Klimakonferenz in Mailand vorstellten, ist dafür das
Abschmelzen der Polkappen verantwortlich. Durch den Wasserzufluss aus
der Antarktis könnte sich der Golfstrom verlangsamen,
erläuterte Jonathan Bamber von der Universität von Bristol am
Freitag. Die Folgen: Der Nordatlantik und das milde Wetter in
Westeuropa würden erheblich abkühlen.
Sollte das Eis in Grönland und der Antarktis so schnell weiter
schmelzen wie in den letzten Jahren, würde nach fünf
äußerst warmen Jahrzehnten das Wetter in Europa rasch
umschwenken, prognostizierte der Wissenschaftler. Dies würde
besonders die Regionen in Probleme bringen, die sich zuvor auf die
tropischeren Bedingungen eingestellt und entsprechende Maßnahmen
ergriffen hätten. Um den Klimawandel und seine Konsequenzen zu
bremsen, seien weit drastischere Maßnahmen erforderlich, als es
das Kyoto-Protokol zu Treibhausgasreduzierung vorsehe, sagte Bamber.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
EU-Staaten drohen Klimaschutzziele zu verfehlen
Ausstoß an Treibhausgasen gestiegen statt gesunken +++ Gerade
auch Deutschland hat seine klimapolitischen Hausaufgaben nicht gemacht
+++ Russland ratifiziert Kyoto-Protokoll nicht, weil es Einschnitte
für das Wirtschaftswachstum des Landes mit sich bringe
Mi.03.12.03 - Die Europäische Union droht ihre Klimaschutzziele deutlich zu
verfehlen: In den vergangenen drei Jahren sei der Ausstoß an
Treibhausgasen noch gestiegen statt gesunken, sagte
EU-Umweltkommissarin Margot Wallström in Brüssel. Um die
Belastung der Umwelt mit dem schädlichsten Gas Kohlendioxid (CO2)
zu mindern, müssten die EU-Staaten dringend handeln. Gerade auch
Deutschland hat demnach seine klimapolitischen Hausaufgaben nicht
gemacht.
"Der Trend geht in die falsche Richtung", sagte Wallström. Ein
großes Problem seien die wachsenden Verkehrsströme. Sie
seien für einen Großteil des Kohlendioxid-Ausstoßes
verantwortlich....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312030.htm#03120318
Industrieverband BDI stellt in Verhandlungen mit der Regierung seine
Klima-Versprechen komplett in Frage
Mehr in der "tageszeitung" vom 05.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/05/a0075.nf/text
Mehr Berichte zum Thema "Klimawandel" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312030.htm#031203_d
|
Spanien feiert 25. Jahrestag seiner Verfassung
So.07.12.03 - Unter dem Eindruck wachsender separatistischer Bestrebungen hat Spanien
am Samstag den 25. Jahrestag seiner demokratischen Verfassung gefeiert.
König Juan Carlos forderte in seiner Rede vor dem Parlament die
Bürger auf, die Verfassung zu respektieren, die ein Eckpfeiler der
spanischen Stabilität und Moderne sei. Am 6. Dezember 1978 hatten
sich in einer Volksabstimmung fast 90 Prozent der Wähler für
die demokratische Verfassung ausgesprochen.
Es sei die Verpflichtung jedes Spaniers, «die Verfassung zu
respektieren und ihren Geist der Integration und Versöhnung zu
erhalten», sagte Juan Carlos. Die Zentralregierung in Madrid
sieht sich jedoch derzeit immer stärkeren
Unabhängigkeitsbestrebungen im Baskenland und in Katalonien
gegenüber.
Das Baskenland, das als einzige Region 1978 gegen die Verfassung
stimmte, plant ein Referendum über eine größere
Autonomie. In Katalonien gewann kürzlich eine nationalistische
Partei die Kommunalwahlen. Die Präsidenten aus Katalonien und dem
Baskenland, Jordi Pujol und Juan Jose Ibarretxe, nahmen nach
Medienberichten am Samstag nicht an den Feierlichkeiten im Parlament
teil.
Insgesamt stehen die Spanier hinter ihrer Verfassung. In einer am
Samstag veröffentlichten Umfrage der Zeitung «El
País» erklärten 63,9 Prozent der Befragten, die
Verfassung sichere die Koexistenz der Regionen. Im Gegensatz zur
konservativen Regierung wünscht sich jedoch eine Mehrheit eine
Änderung des Verfassungstextes. So sagten 68,4 Prozent, eine
Reform sei notwendig, um das moderne Spanien besser zu reflektieren.
Dabei geht es hauptsächlich um den Senat, der die Interessen der
Regionen stärker vertreten soll, sowie um das Erstgeburtsrecht,
nach dem der erstgeborene Sohn des Königs dessen Nachfolge antritt.
(Quelle: ap)
Massenproteste in Rom gegen Rentenpläne
So.07.12.03 - Hunderttausende Italiener haben in Rom gegen die
Rentenreform-Pläne von Regierungschef Silvio Berlusconi
demonstriert. Nach Angaben der Organisatoren nahmen anderthalb
Millionen Menschen an dem Massenprotest teil, die Behörden gaben
die Zahl mit 250.000 an. In drei großen Zügen strömten
die aus dem ganzen Land angereisten Teilnehmer der Kundgebung auf den
Platz vor der Lateran-Basilika. Die Führer der drei
größten Gewerkschaftsverbände des Landes forderten die
Regierung zur Änderung ihrer Rentenpläne auf.
"Hier sind mehr als anderthalb Millionen von uns", sagte der Chef des
katholisch orientierten Gewerkschaftsbundes CISL, Savinio Pezzotta, auf
der zentralen Kundgebung vor der Sankt-Johannes-Basilika. Zusammen mit
dem linksorientierten Gewerkschaftsbund CGIL und dem moderaten
Arbeitnehmer-Verband UIL hatte die CISL die Großdemonstration
organisiert. Ziel der Proteste sei jedoch nicht, "die Regierung zu
stürzen", sondern sie zu einem "Kurswechsel" zu bewegen, sagte
Pezzotta.
Mehr als 3000 Busse und 40 Sonderzüge brachten die Teilnehmer aus
allen Landesteilen in die italienische Hauptstadt. Auf riesigen
Videobildschirmen wurden die Reden der Gewerkschaftsführer
übertragen. Die geplante Rentenreform "bevorzuge wenige und
benachteilige viele", kritisierte CGIL-Chef Guglielmo Epifani.
Die Regierung sei zu Gesprächen mit den Gewerkschaften bereit, sie
werde aber "nicht vor der Straße zurückweichen", sagte
Vizeregierungschef Gianfranco Fini.
Die Pläne des Berlusconi-Kabinetts sehen eine Erhöhung der
Mindestbeitragsdauer auf 40 Jahre vor. Bislang haben die unter
57-Jährigen nach 37 Arbeitsjahren Anspruch auf volle Rente. Bei
den Älteren sind es 35 Jahre. Ein Fünftel der 57 Millionen
Italiener ist älter als 65 Jahre, damit liegt das Land weltweit an
der Spitze. Derzeit werden 15,7 Prozent des italienischen
Bruttosozialproduktes für die Altersbezüge aufgewendet. In
der italienischen Bevölkerung werden die Pläne mit
großer Sorge betrachtet, vor allem die Jugend fürchtet um
ihre Altersvorsorge.
Der heftige Widerstand der Gewerkschaften gegen den Umbau des
Rentensystems weckt Erinnerungen an den Sturz Berlusconis vor neun
Jahren. Auch damals hatten die Rentenreformpläne der Regierung zu
Massenprotesten geführt.
(Quelle: afp)
Deutschland
Weiter Studentenproteste gegen Millionenkürzungen an Hochschulen
Berlins Wissenschaftssenator schliesst erstmals eine Lockerung der
Sparvorgaben nicht mehr aus +++ Umfrage: Überwiegende Mehrheit der
Studenten gegen Einführung von Studiengebühren
So.07.12.03 - Rund 5.000 Studenten haben am Samstag in Berlin erneut gegen die
Millionenkürzungen an den Hochschulen protestiert. Der knapp
dreistündige Protest verlief nach Polizeiangaben friedlich.
Während der Abschlusskundgebung seilten sich zwei Studenten vom
Dach der Humboldt-Universität ab. Sie trugen ein Plakat mit der
Aufschrift «For Sale» (»Zum Verkauf»). Berlins
Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) schloss erstmals eine
Lockerung der Sparvorgaben nicht mehr aus.
Er könne dies zurzeit zwar nicht zusagen, zunächst müsse
man die Strukturplanung der Universitäten abwarten, sagte Flierl
laut «Berliner Zeitung». Das Parlament werde sich bis zur
Ratifizierung der Hochschulverträge im Sommer oder Frühherbst
nächsten Jahres überlegen müssen, ob es bei dem
Budgetrahmen noch Korrekturen vornehmen wolle. Bislang hatte der
Senator jegliche Änderung an der Sparquote in Höhe von 75
Millionen Euro abgelehnt.
30 Prozent der an deutschen Universitäten eingeschriebenen
Studenten wären einer Forsa-Umfrage zufolge bereit,
Studiengebühren von 500 Euro pro Semester zu akzeptieren, wenn sie
die aufgelaufene Summe erst nach Eintritt ins Berufsleben schrittweise
abbezahlen müssten. Die Umfrage wurde für den
«UniSpiegel», das Studentenmagazin des
«Spiegels», durchgeführt. Die überwiegende
Mehrheit von 69 Prozent der 1.004 Befragten lehnte Studiengebühren
dagegen ab. Drei Viertel aller Studenten glaubten überdies nicht,
dass die Einführung von Studiengebühren in Deutschland zu
einer qualitativen Verbesserung des Studiums führen würde.
(Quelle: ap)
Rund 850 Menschen demonstrieren in Berlin gegen Rechtsextremisten
Berliner Senat registriert erhebliche Zunahme bei Gewalt von Rechts
So.07.12.03 - Rund 850 Menschen haben am Samstag in Berlin gegen einen Aufzug von 200
Rechtsextremisten protestiert. Mehr als 1.000 Polizisten verhinderten
nach Sprecherangaben ein Aufeinandertreffen der Gruppen. Es sei zu
keinen Ausschreitungen gekommen. Die insgesamt sieben
Gegendemonstrationen, zu denen ein Bündnis «für
Demokratie und Toleranz» aus Bürger- und Elterninitiativen
aufgerufen hatten, schlossen zahlreiche Aktionen ein. Unter anderem
reinigten etwa 40 Menschen symbolisch mit Besen die Straße, auf
der zuvor die Rechtsextremisten marschiert waren.
Die Gewalt von Rechts nimmt in Berlin erheblich zu: Alleine im ersten
Halbjahr 2003 wurden 41 Straftaten aus diesem Bereich registriert,
während es im ganzen Jahr 2002 nur 52 waren. Dies geht aus dem am
Mittwoch von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) vorgestellten
Lagebericht zum Rechtsextremismus in der Hauptstadt hervor.
(Quellen: ap, afp)
Schill abgesetzt: Partei vor Spaltung
Zerreißprobe der Schill-Partei gefährdet Hamburger
Mitte-Rechts-Regierung
So.07.12.03 - Die Schill-Partei steht gut drei Jahre nach ihrer Gründung vor der
Spaltung. Der Bundesvorstand der Partei Rechtsstaatlicher Offensive
setzte am Sonnabend ihren Gründer Ronald Schill als Landeschef in
Hamburg ab. Der Bundesvorsitzende Mario Mettbach geht davon aus, dass
in Kürze ein außerordentlicher Bundesparteitag über ein
konstruktives Misstrauensvotum gegen den Bundesvorstand entscheiden
wird.
Die Absetzung von Parteigründer Ronald Schill als Hamburger
Landeschef stürzt die Partei in eine Zerreißprobe und
bedroht die Regierungskoalition an der Elbe. Der neunköpfige
Bundesvorstand der Schill-Partei hat den 45 Jahre alten Schill am
Samstag in Berlin wegen diffamierender Äußerungen über
politische Partner und Gegner entmachtet. Schill zeigte sich
kampfbereit und kündigte Widerstand an. Der Hamburger
Bürgermeister Ole von Beust reagierte abwartend auf die
Entwicklung.
Der Bundesvorsitzende der Schill-Partei und Hamburger Bausenator Mario
Mettbach erklärte, das Votum des Vorstands sei 7:2 gegen Schill
ausgegangen. Schill widersprach: Nur fünf hätten für
seine Absetzung gestimmt, und zwei hätten sich enthalten.
Gefolgsleute Schills deuteten den Koalitionsbruch in Hamburg an.
Mettbach begründete den Bruch damit, dass Schill nicht habe
versprechen wollen, politische Partner nicht mehr zu diffamieren.
Schill hatte die letzten Tage harte Kritik an von Beust und auch
eigenen Leuten geübt. Unter anderem hatte er Beust vorgeworfen,
seine Entlassung im August «handstreichartig» geplant zu
haben.
Schill bezweifelte die Rechtmäßigkeit des Votums. Er sagte,
er bleibe Mitglied der Partei, von der er sich mehr Treue erwartet
habe. Er wolle sich mit seinen Anhängern in Hamburg treffen.
Mettbach sei «politisch tot», erklärte Schill.
Mettbach räumte ein, dass die Hamburger Koalition keine Mehrheit
mehr hätte, wenn Schill die Fraktion der Partei Rechtsstaatlicher
Offensive spalte. Bürgerschaftsmitglied Richard Braak
erklärte, sieben von 25 Fraktionsmitgliedern stünden hinter
Schill: «Das reicht.»
Beust hatte Schill im August als Innensenator entlassen, nachdem dieser
ihm ein homosexuelles Verhältnis mit Justizsenator Roger Kusch
unterstellt hatte. Danach hatte sich Schill zunächst aus der
Politik zurückgezogen. Am vergangenen Wochenende war er aber mit
großer Mehrheit als Hamburger Landesvorsitzender im Amt
bestätigt worden.
Der Hamburger Bürgermeister von Beust hat abwartend auf den Bruch
der Schill-Partei mit ihrem Gründer reagiert. «Entscheidend
für den Bestand der Koalition sind 1. eine faire und sachliche
Zusammenarbeit im Senat. Daran besteht kein Zweifel. Und 2. eine
parlamentarische Mehrheit von 61 Abgeordneten. Ob die Mehrheit
vorhanden ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen»,
erklärte Beust am Samstagabend über seinen Sprecher Christian
Schnee.
Die seit 2001 regierende Koalition aus CDU, Schill-Partei und FDP hat
in der 121-köpfigen Bürgerschaft 64 Sitze, SPD und Grüne
haben 57. Zur Schill-Partei gehören 25 Männer und Frauen.
Wenn Schill drei Abgeordnete findet, die bedingungslos zu ihm halten,
hätte das Regierungsbündnis keine Mehrheit mehr.
Nach Ansicht von Rathaus-Insidern würde Beust nicht weiter
regieren, wenn er von Schill abhängig wäre, selbst wenn sich
die Gruppe der Schill-Freunde innerhalb der Fraktion bilden sollte.
Der Hamburger SPD-Spitzenkandidat Thomas Mirow erklärte:
«Das ist der Anfang vom Ende des regierenden Hamburger
Senats.» Von Beust warf er «Zögern und Zaudern»
gegen Schill vor.
(Quellen: dpa, ap)
Hanauer Atomanlage auf dem Prüfstand des
Außenwirtschaftsgesetzes
So.07.12.03 - Die Bundesregierung will noch einmal eingehend prüfen, ob der von
Bundeskanzler Gerhard Schröder in Aussicht gestellte Verkauf der
Hanauer Atomanlage nach China rechtmäßig ist oder nicht. Es
werde jetzt penibel untersucht, ob der Export der Brennelementefabrik
unter die Auflage des deutschen Außenwirtschaftsgesetzes falle,
wonach Exportgüter das friedliche Zusammenleben der Völker
nicht beeinträchtigen dürfen, bekräftigten am Samstag
Regierungskreise.
Unterdessen hielt die Kritik vor allem aus den Reihen der Grünen
an einem möglichen Verkauf der Anlage an. Die stellvertretende
Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Irmingard
Schewe-Gerigk, sagte der «Rheinischen Post», es sei
«unverantwortlich, dass man eine Technik, die aus
Sicherheitsgründen in Deutschland gar nicht erst ans Netz gegangen
ist, nun nach China exportiert». Auch die von Schröder
erwogene Aufhebung des Waffenembargos gegen Peking lehnte die
Grünen-Politikerin ab. Dies sei tabu, «solange es derart
gravierende Menschenrechtsverletzungen in China gibt».
Die Grünen-Abgeordneten Winfried Hermann und Michele Hustedt
wollen erzwingen, dass die Exportproblematik den Bundestag
beschäftigt. Nach einem Bericht der «Welt» bereiten
beide einen Entschließungsantrag gegen den Verkauf der Hanauer
Anlage sowie gegen die Absicht des Siemens-Konzerns vor, den
konventionellen Teil eines Atomkraftwerks in Finnland zu errichten.
Über den Entschließungsantrag soll nach den Worten Hermanns
Anfang kommender Woche in der Grünen-Fraktion abgestimmt werden,
um Druck auf die Bundesregierung auszuüben. Der «unhaltbare
und gefährliche» Export von Atomanlagen widerspreche dem
Geist des Atomausstiegsgesetzes, heißt es in dem Antragsentwurf.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin ist nach den Worten seines
Sprechers Michael Schroeren der Auffassung, dass der Export der Hanauer
Anlage nach China gestoppt werden sollte, wenn dies rechtlich
möglich sei. Bereits am Freitag hatte der Grünen-Politiker
darauf hingewiesen, dass die einst von Siemens errichtete
Brennelemente-Fabrik ein Produkt mit doppeltem Verwendungszweck sei.
Sie sei zwar selbst nicht dazu geeignet, waffentaugliches Plutonium
herzustellen, doch könnten mit den von ihr produziertes
Brennelementen Schnelle Brüter beschickt werden, die ihrerseits
Plutonium erzeugten.
Falls das Außenwirtschaftsgesetz dem Export der Anlage nicht im
Wege stehen sollte, sieht Trittin jedoch keine Möglichkeit, den
Verkauf zu verhindern. Es gebe dann keine weitere Handhabe gegen den
Export einer Technologie, die in Deutschland aus politischen
Gründen nicht mehr eingesetzt werden könne, sagte der
Minister dem «Handelsblatt». Bundeskanzler Schröder
hatte am Freitag noch einmal versichert, China werde die friedliche
Nutzung der Hanauer Anlage garantieren.
Der SPD-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Franz Maget, kritisierte
das Verhalten Schröders in der Diskussion um die Hanauer Anlage.
Im «Münchner Merkur» schrieb Maget, es möge sein,
dass es am Ende keine rechtliche Handhabe zur Verhinderung des
Geschäfts geben werde. Damit wäre der Fall in
wirtschaftlicher und juristischer Hinsicht erledigt. «Politisch
macht es aber sehr wohl einen Unterschied, ob der Deal von der
Bundesregierung ausdrücklich begrüßt und
unterstützt oder ob er kritisch begleitet wird», fügte
Maget hinzu.
(Quelle: ap)
In Tarifstreit kommt offenbar wieder Bewegung
Verdi-Chef hält Einigung über Öffnungsklauseln für
denkbar. Auch andere Gewerkschaftsvertreter signalisieren
Gesprächsbereitschaft +++ Opposition droht der Regierung weiterhin
mit Aufweichung der Flächentarifverträge auf dem Gesetzesweg
+++ CDA-Chef gegen Unionsvorschläge zu Öffnungsklauseln +++
Wirtschaftsweiser gegen weitere Öffnungsklauseln in den
Flächentarifverträgen
So.07.12.03 - Nach dem gescheiterten Spitzengespräch im Tarifstreit um
gesetzliche Öffnungsklauseln haben die Gewerkschaften wieder
versöhnlichere Töne angeschlagen. Ver.di-Chef Frank Bsirske
sagte der Tageszeitung «Die Welt» (Samstagausgabe), er
halte eine gemeinsame Erklärung mit den Arbeitgebern für
«durchaus denkbar». Indessen droht die Opposition im
Reformpoker mit der Regierung weiterhin mit einer Aufweichung der
Flächentarifverträge auf dem Gesetzesweg.
Nachdem sich DGB-Chef Michael Sommer und Arbeitgeberpräsident
Dieter Hundt am vergangenen Dienstag nicht auf einen Kompromiss hatten
verständigen können, deutete Bsirske in der
«Welt» einen Mittelweg an. In der Vereinbarung könne
stehen, «dass die Tarifvertragsparteien auch in Zukunft die
Möglichkeiten von Öffnungsklauseln nutzen, wenn einzelne
Betriebe in wirtschaftliche Notlagen geraten. Denn dadurch wird
Beschäftigung gesichert.»
Was es nach den Worten des ver.di-Vorsitzenden aus Sicht seiner
Gewerkschaft nicht geben wird, sei «eine präjudizierende
Erklärung über generelle Öffnungsklauseln, die es ins
Belieben der Arbeitgeber stellt, Löhne zu senken und die
Arbeitszeit zu verlängern, um sich Wettbewerbsvorteile zu
verschaffen». Für eine derartige Erklärung gebe es
keinen Bedarf, ebenso wenig wie für gesetzliche
Öffnungsklauseln.
An welchen Forderungen der Gegenseite die Geheimverhandlungen zwischen
Sommer und Hundt gescheitert waren, ist nicht bekannt, doch war schon
vor dem Gespräch klar, dass der DGB keine Absprachen im Namen der
mächtigen Einzelgewerkschaften würde treffen können.
Fest steht aber, dass die Wirtschaft nicht unbedingt auf einer
gesetzlichen Regelung besteht, sondern sich mit der verbindlichen
Absprache zufrieden gäbe, dass Abweichungen vom
Flächentarifvertrag im Bedarfsfall möglich sind.
Neben Bsirske signalisierten auch andere Gewerkschaftsvertreter
Gesprächsbereitschaft. Ein Sprecher des Deutschen
Gewerkschaftsbundes sagte dem Berliner «Tagesspiegel», man
sei «jederzeit gesprächsbereit». Die IG BAU geht nach
den Worten ihres Sprechers Michael Knoche davon aus, dass auch die
anderen Arbeitnehmerorganisationen bereit sind, die Tarifverträge
für Notfälle zu öffnen. Die Gewerkschaft Bauen, Agrar,
Umwelt (BAU) hatte erst vor kurzen zugestanden, dass Bauunternehmen im
Notfall weniger als das vereinbarte Weihnachtsgeld bezahlen. Bei den
Arbeitgebern hieß es, man sei ebenfalls jederzeit zu einer
Einigung bereit.
Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag,
Friedrich Merz, setzt im Gegensatz zu den Tarifparteien weiterhin auf
Konfrontation. Dem Nachrichtenmagazin «Focus» sagte er,
eine Lockerung des Tarifrechts mit dem Ziel betrieblicher
Bündnisse für Arbeit sei «viel wichtiger als das
Vorziehen der Steuerreform». Falls es nicht zu wesentlichen
Änderungen des Arbeitsrechts komme, sollte die Union «nicht
die Hand zu falschen Kompromissen reichen», fügte Merz hinzu.
Der CDA-Vorsitzende Hermann-Josef Arentz lehnt die Vorschläge der
Union für eine gesetzliche Regelung tariflicher
Öffnungsklauseln ab. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wolle
«Abweichungen vom Tarifvertrag auch ohne Zustimmung der
Tarifvertragsparteien ermöglichen», kritisierte der Chef der
CDU-Sozialausschüsse in der «Berliner Zeitung». Dies
halte er faktisch und rechtlich für höchst problematisch.
«Ich glaube, dass wir mit dem grundgesetzlich verbrieften Schutz
der Tarifautonomie da in einen unauflösbaren Konflikt
kommen», sagte Arentz und appellierte an Gewerkschaften und
Arbeitgeber, sich in dieser Frage doch noch untereinander zu einigen:
«Beide Seiten sind aus meiner Sicht moralisch, politisch und auch
verbandspolitisch verpflichtet, einen Weg zu finden.» Wenn sie
keinen gemeinsamen Weg fänden, gäben sie ihre Verantwortung
für die Tarifpolitik an den Gesetzgeber ab. Das wäre eine
Bankrotterklärung.
Nach Informationen der «Leipziger Volkszeitung» plant die
Bundesregierung einen Vorstoß zur Entkrampfung der Debatte. In
Form einer Art «Vorratsgesetz» solle den Tarifparteien
maximal zwölf Monate Zeit zur freiwilligen Vereinbarung von
Öffnungsklauseln für alle Branchen gegeben werden, berichtete
das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Komme eine solche
Regelung nicht zu Stande, trete automatisch eine gesetzliche
Öffnungsklausel in Kraft.
Gegen weitere Öffnungsklauseln in den
Flächentarifverträgen sprach sich der
«Wirtschaftsweise» Jürgen Kromphardt aus. In der
«Berliner Zeitung» verwies er auf die im Vergleich zu den
Unternehmern ungleich schwächere Stellung der Arbeitnehmer, die
wenigstens durch den Flächentarifvertrag gestärkt werde:.
«Insofern wäre ich an dieser Stelle nicht unbedingt für
mehr Markt.»
(Quellen: ap)
Initiative zur Abschaffung des Berufsbeamtentums
So.07.12.03 - Einen Vorstoß zur Abschaffung des Berufsbeamtentums will Land
Nordrhein-Westfalen unternehmen. Für kommenden Mittwoch ist ein
Spitzentreffen zur Reform des öffentlichen Dienstes geplant.
Wolfgang Riotte, Beauftragter für die Reform des öffentlichen
Dienstes in NRW, sagte dem Berliner «Tagesspiegel am
Sonntag», Mitte 2004 werde das Bundesland eine Initiative zur
Änderung des Artikels 33 Grundgesetz starten. Der Vorstoß
werde von den SPD-regierten Ländern unterstützt. Ein Entwurf
liege bereits vor.
Ziel sei es, das Berufsbeamtentum abzuschaffen und ein einheitliches
Dienstrecht für Beamte und Angestellte zu schaffen, erklärte
Riotte.
Der SPD-Beamtenexperte Hans-Peter Kemper setzt sich ebenfalls für
eine Reform ein. «70 Prozent der Beamten sind hoch motiviert,
aber 30 Prozent haben sich eingerichtet und arbeiten vor allem daran,
Bürgerwünsche abzulehnen und Mögliches unmöglich zu
machen», kritisierte Kemper. Auch er plädierte für eine
Vereinheitlichung des Dienstrechts und somit für eine
leistungsbezogenere Besoldung.
Am Mittwoch wird sich Bundesinnenminister Otto Schily mit dem
Beamtenbund, den Fraktionsvorsitzenden und dem
Bundesratspräsidenten treffen, um über eine Reform des
öffentlichen Dienstes zu beraten.
(Quelle: ap)
Steuer-Identifikationsnummern sollen jedermann erfassen
Datenschützer kritisierten den Plan als «Totalerfassung der
Bevölkerung»
So.07.12.03 - Die Bundesbürger sollen nach dem Willen von Bundestag und
Bundesrat in Zukunft mittels Steuer-Identifikationsnummern zentral
erfasst werden. Einem Bericht der «Berliner Zeitung»
(Samstagausgabe) zufolge sollen unter der so genannten Electronic
Taxpayer Identification Number (ETIN) und der zusätzlich geplanten
Wirtschafts-Identifikationsnummer personenbezogene Daten der
Meldeämter sowie die Daten zu sämtlichen Steuerbereichen
bundesweit gespeichert werden.
Die Deutsche Vereinigung für Datenschutz sprach vom Beginn einer
«lückenlosen Bevölkerungskontrolle» im
Steuerbereich und forderte einen Stopp des Gesetzgebungsverfahrens. Das
System ist Teil des von der rot-grünen Koalition eingebrachten
Steueränderungsgesetzes 2003, das der Bundesrat am 27. November
beschlossen hat.
In der Koalition wurde das Vorhaben mit Hinweis auf die
Steuergerechtigkeit verteidigt. Identifizierungsnummern seien ein
denkbarer Weg, um mehr Steuerehrlichkeit zu erreichen, sagte der
innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter
Wiefelspütz, der Nachrichtenagentur AP. Das Vorhaben sei sehr wohl
mit den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vereinbar: «Das eine
schließt das andere nicht aus», sagte Wiefelspütz.
Dagegen kritisierte der Datenschutzverein einen
«datenschutzrechtlichen Quantensprung», über den noch
nicht mal in Fachkreisen diskutiert worden sei. Weder seien die
Notwendigkeit noch die Verhältnismäßigkeit der
zentralen Identifikationsnummern begründet. «Die Versuche
des Gesetzestextes, die Zweckbindung der Nummern zu sichern, scheinen
vom Ansatz her zum Scheitern verurteilt», hieß es in einer
Erklärung der in Bonn ansässigen Vereinigung. Der designierte
Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, sagte der AP, er
werde sich nach seiner noch in diesem Jahr geplanten
Amtseinführung mit dem Thema befassen.
Die Wirtschafts-Identifikationsnummer, auf die Gewerbeaufsicht und
Sozialleistungsträger wie die Krankenversicherungen Zugriff haben
sollen, wird bereits in einer Stadt und in einem Landkreis in Bayern
erprobt.
(Quelle: ap)
Der Text des Steueränderungsgesetzes 2003 (PDF-Datei):
http://dip.bundestag.de/btd/15/015/1501562.pdf
Deutsche Vereinigung für Datenschutz:
http://www.aktiv.org/DVD/
Datenschutzbeauftragter des Bundes bezweifelt Effektivität biometrischer Daten
Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland soll als
großes Testfeld für die Biometrie-Technik genutzt werden
So.07.12.03 - Der designierte Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter
Schaar, hat bezweifelt, ob die geplanten biometrischen Merkmale in
Ausweisen tauglich sind. Systeme zur Gesichtserkennung etwa wiesen eine
viel zu hohe Fehlerquote auf, sagte Schaar laut «Tagesspiegel am
Sonntag». Fingerabdruck-Systeme kritisierte er demnach als leicht
zu überwinden. Für noch am besten geeignet halte er die
Iris-Erkennung, auch wenn es hier noch wissenschaftlicher
Überprüfung bedürfe.
Schaar kritisierte in dem Interview zudem, dass vom Bundeskriminalamt
bereits über 250.000 genetische Fingerabdrücke gespeichert
worden seien. Er teile nicht die Meinung von Strafverfolgern, dass es
sich um harmlose Daten handele. Denn auch aus den nicht codierenden
DNA-Teilen könnten Zusatzinformationen wie das Geschlecht,
ethnische Merkmale oder Krankheitsanfälligkeiten herausgelesen
werden, sagte er zur Begründung. Schaar war im November vom
Bundestag in das Amt des Bundesbeauftragten gewählt worden und
soll noch in diesem Monat die Nachfolge von Joachim Jacob antreten.
Unterdessen wurde bekannt, dass die Fußball-Weltmeisterschaft
2006 in Deutschland als großes Testfeld für die
Biometrie-Technik genutzt werden soll. Die «Computer
Zeitung» zitierte am Samstag eine Vertreterin des
IT-Branchenverbandes Bitkom mit den Worten, dass in verschiedenen
Stadien der Zugang, etwa zu Sportlerkabinen oder VIP-Bereichen,
biometrisch abgesichert und damit die Leistungsfähigkeit der
Technik unter Beweis gestellt werden solle. Zudem denke man an die
Überwachung von Hooligans mit Hilfe von Kameras.
(Quelle: ap)
Brüssel wirft Deutschland mangelnden Datenschutz vor
So.07.12.03 - Die EU-Kommission hat gegen Deutschland und acht andere EU-Staaten ein
Verfahren wegen mangelnden Datenschutzes im Internet und im Mobilfunk
eingeleitet. Diese Staaten hätten eine entsprechende EU-Richtlinie
nicht fristgemäß zum 31. Oktober umgesetzt, beanstandete die
Brüsseler Behörde am Freitag.
Mit einer Aufforderung zur Stellungnahme wurde ein Verfahren wegen
Verstoßes gegen EU-Verträge eingeleitet, das bis zum
Europäischen Gerichtshof führen kann.
Die EU-Richtlinie enthält unter anderem strikte Regeln zum Umgang
mit Standortdaten, die von Mobiltelefonen ausgehen. Außerdem
verbietet sie die Verwendung so genannter cookies bei
Internet-Kontakten ohne Einwilligung des Computer-Nutzers und die
Versendung unerwünschter e-mails mit fingierten oder
gefälschten Absendern («spam»).
(Quelle: dpa)
Auch heise-online berichtet zum Thema unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anm-05.12.03-000/
Netzaktivist warnt vor RFID-Chips
Die Wunderwaffe des Handels gegen Diebstahl heißt RFID (Radio
Frequency Idenfication). Diese winzigen Funkchips, die in der Regel
ohne eigene Stromversorgung eine Kennung aussenden, um Waren in einem
Kaufhaus zu identifizieren, können aber auch Verbraucher
ausspionieren. Cyberrights-Aktivist padeluun warnt im
telepolis-Interview vor Datendiebstahl und Verlust der
Privatsphäre...
Das vollständige Interview mit padeluun auf telepolis:
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/16234/1.html
Weltgipfel der Informationsgesellschaft als Mega-Even
Über die offizielle Schlusserklärung zum Weltgipfel der
Informationsgesellschaft (WSIS [http://www.itu.int/wsis/], 10. bis 12.
Dezember) wird seit vorgestern noch einmal in Genf verhandelt. Gleich, ob
ein Kompromiss über die Menschenrechte, globales Netzmanagement
und die Finanzierung digitaler Brücken noch gelingt oder nicht,
mit einem angeschlossenen Mediengipfel [http://www.wemfmedia.org/],
einem vorab stattfindenden Forschungsgipfel des Cern
[http://rsis.web.cern.ch/rsis/] und einem Alternativgipfel der
zivilgesellschaftlichen Gruppen [http://www.communicationrights.org/]
zu Kommunikationsrechten und Schweizer Gruppen
[http://www.worldsummit2003.de/] wird der Gipfel zum Megaevent. Das
WSIS-Beiprogramm [http://www.wsis-online.net/event/listet] umfasst
über 300 Einzelveranstaltungen....
Mehr bei heise-online (06.12.03) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/mw-06.12.03-004/
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Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
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