Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertfünfundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Staaten im UN-Sicherheitsrat verlangen Offenlegung von Irak-Bericht
über die Suche nach Massenvernichtungswaffen +++ UN-Sicherheitsrat
verurteilt Anschläge auf Ausländer in Irak +++ Anhaltender
Widerstand gegen die Besatzungstruppen in Irak +++ US-Soldat und
irakischer Polizist getötet +++ Japans regierende
Liberaldemokratische Partei genehmigt Entsendung von Truppen nach
Irak
Di.09.12.03 - Im UN-Sicherheitsrat sind Forderungen an die USA und
Großbritannien laut geworden, vertrauliche Informationen
über die Suche nach Massenvernichtungswaffen in Irak offenzulegen.
Auf Initiative Frankreichs und Russlands seien London und Washington
aufgefordert worden, bislang geheim gehaltene Teile eines
Expertenberichtes zugänglich zu machen, wie am Montag in New York
aus UN-Kreisen verlautete. Frankreich und Russland forderten den
Angaben zufolge, dass der Bericht der UN-Waffenkontrollmission UNMOVIC
vorgelegt werde, die vor dem Krieg das irakische Waffenprogramm
untersucht hatte. Nach dem im Oktober vorgelegten Zwischenbericht einer
von den USA eingesetzten Irak-Überwachungsgruppe aus 1400 Experten
war die Suche nach Massenvernichtungswaffen bis dahin erfolglos.
Der UN-Sicherheitsrat hat die Anschläge auf Ausländer, Iraker
und Koalitionsstreitkräfte in Irak scharf verurteilt. In einer
Erklärung vom Montag (Ortszeit) wurden die jüngsten Attacken
auf Italiener, Spanier, Japaner, Südkoreaner und Kolumbianer
besonders hervorgehoben. Der Weltsicherheitsrat fordert alle Staaten
auf, bei der Verfolgung der Angreifer und ihrer Hintermänner
vollständig zusammenzuarbeiten.
Die Abstimmung über den von Italien und Japan eingebrachten Text
verzögerte sich, weil die USA darauf bestanden, dass auch die
Attacken auf Soldaten der Besatzungsmächte verurteilt werden.
Besonders Russland und Mexiko wollten dagegen, dass der Fokus auf den
in den letzten Wochen getöteten Ausländern liege, die die
US-Streitkräfte oder den Wiederaufbau unterstützten.
Die aufgeführten Attacken: Am 12. November explodierte eine
Autobombe vor einem italienischen Stützpunkt in Nassirijah und
tötete 19 Italiener sowie 14 weitere Personen. Am 29. November
erschießen Aufständische in Mahmudijah südlich von
Bagdad sieben spanische Geheimdienstmitarbeiter und und auf der
Straße zwischen Bagdad und Tikrit zwei japanische Diplomaten. Bei
Balad wird am selben Tag ein Kolumbianer getötet. Am 30 November
erschießen Bewaffnete zwei südkoreanische Arbeiter auf ihrem
Weg nach Tikrit.
Der Widerstand gegen die Besatzungstruppen in Irak hat am Montag einen
amerikanischen Soldaten und einen irakischen Polizisten das Leben
gekostet. Der Polizist wurde in Bakuba getötet, beim Versuch, eine
Bombe zu entschärfen. Der Soldat der 101. Luftlandedivision wurde
in Mossul offenbar aus einem Auto heraus erschossen, wie
US-Brigadegeneral Mark Kimmitt mitteilte. Stunden später wurden
bei einem Bombenanschlag auf eine US-Patrouille in der nordirakischen
Stadt drei Soldaten verletzt.
Bereits am Sonntag war ein amerikanischer Soldat in Mossul bei einem
Bombenanschlag ums Leben gekommen. US-Soldaten riegelten am Montag
große Teile der Stadt ab, wie Augenzeugen berichteten. Sie
hielten Autos an und durchsuchten Menschen auf der Straße.
Hubschrauber kreisten über der Stadt. Im nahe gelegenen Kirkuk
stieß die irakische Polizei auf einer Müllhalde auf ein
Waffenlager mit Granaten und Munition. US-Truppen transportierten die
Waffen ab.
In Bakuba, 60 Kilometer nördlich von Bagdad entdeckten irakische
Polizisten einen Sprengsatz in der Nähe eines
Behördengebäudes. Laut Kimmitt explodierte die Bombe und riss
den Polizisten, der versucht hatte, sie zu entschärfen, in den Tod.
Bei einer Razzia in Samarra nördlich von Bagdad beschlagnahmten
amerikanische Truppen 1,9 Millionen Dollar in bar.
Militärsprecherin Josslyn Aberle erklärte am Montag, die
Razzia habe sich gegen einen mutmaßlichen Finanzier von
Terroranschlägen gerichtet. Der Verdächtige sei nicht gefasst
worden, die Truppen hätten jedoch einen seiner Verwandten
festgenommen und das Geld sichergestellt.
Der von den USA eingesetzte Regierungsrat in Bagdad ernannte
unterdessen eine Nachfolgerin für die ermordete Schiitin Akila el
Haschimi. Es handelt sich um die Zahnärztin Salama el Chufadschi,
die in dem 25-köpfigen Gremium ebenfalls die schiitische
Glaubensrichtung vertreten wird, wie der Interimsrat am Montag
erklärte. Damit sind auch wieder drei Frauen in dem Gremium
vertreten.
Chufadschi, eine Professorin für Zahnmedizin an der
Universität von Bagdad, stammt ursprünglich aus Kerbela, der
heiligen Stadt der Schiiten in Südirak. Ihre Vorgängerin
Haschimi wurde am 20. September bei einem Attentat schwer verletzt und
starb fünf Tage später. Sie war die bislang ranghöchste
Irakerin, die einem Anschlag von mutmaßlichen Anhängern des
gestürzten Staatschefs Saddam Hussein zum Opfer fiel.
Nach monatelanger Debatte genehmigte die in Japan regierende
Liberaldemokratische Partei (LDP) von Regierungschef Junichiro Koizumi
am Montag die Entsendung von Truppen nach Irak. Koizumi erklärte,
mit einer Zustimmung des Kabinetts sei am (morgigen) Dienstag zu
rechnen. Er hoffe, dass die Gespräche mit dem Koalitionspartner
Neue Komeito erfolgreich verliefen.
Nach dem Plan der LDP sollen die japanischen Truppen im Südosten
Iraks stationiert werden und dort an der Wiederherstellung der
Wasserversorgung mitarbeiten sowie medizinische Hilfe leisten. Ein
genauer Zeitplan wurde am Montag nicht genannt.
(Quelle: afp, ap)
Nachdem das Militär bislang wenig gegen die irakischen
Widerstandskämpfer ausrichten konnte, will man angeblich
verstärkt Spezialeinheiten einsetzen, die mit ehemaligen
irakischen Geheimdienstmitarbeitern zusammen arbeiten und von
israelischen Experten beraten werden...
...Nach Informationen von Hersh ( Moving Targets) wurde ... eine
Spezialeinheit mit dem Namen Task Force 121 aus Mitgliedern der Army
Delta Force, der Navy seals und der CIA gebildet, um die
Widerstandskämpfer zu fangen oder zu töten. Rat sucht man
offenbar für die Niederschlagung der Aufständischen von
Israel, wo man schon Jahrzehnte lange Erfahrung im Kampf gegen
muslimische Rebellen und Terroristen gesammelt hat. Allerdings
wäre es nicht das erste Mal, dass die Methoden von Mossad und des
israelischen Militär als Vorbild dienten. Neben gezielten
Tötungen hat das US-Militär jüngst im Irak wie
israelische Soldaten damit begonnen, auch die Häuser von
vermeintlichen Widerstandkämpfern zu zerstören. Die
Spezialeinheiten sollen jetzt wie die kleinen israelischen
Kommandoeinheiten organisiert werden, die schnell zuschlagen
können und lernen müssen, wie man ein Netzwerk von
Informanten pflegt, die Informationen zum gezielten
Überraschungsschlag liefern.
US-Spezialeinheiten haben bereits mit israelischen Kommandos im Fort
Bragg und in Israel trainiert, jetzt sollen israelische Experten auch
als Berater im Irak eingesetzt werden. Das aber soll, wie ein
israelischer Regierungsmitarbeiter Hersh erzählt hat, geheim
bleiben, da eine amerikanisch-israelische Kooperation im Irak auf
große Kritik in der arabischen Region stoßen würde.
Das Hauptproblem für die Amerikaner seien fehlende Informationen
über die Widerstandsgruppen im Irak. Um dies zu ändern, wolle
man ehemalige hochrangige Mitglieder der Geheimdienste von Hussein
heranziehen und ausbilden. Sie sollen in die Widerstandsgruppen
eingeschleust werden und die Informationen liefern, nach denen dann die
amerikanischen Spezialeinheiten - oder möglicherweise auch die
irakischen paramilitärischen Verbände, die das Pentagon
aufbauen will - zuschlagen können. Die Baath-Mitglieder, die nach
Ansicht der Amerikaner den Widerstand organisieren, würden sich
beispielsweise nur auf direkten Kontakt verlassen, weswegen ihre
Kommunikation kaum abgehört werden kann. Daher sind Informanten
entscheidend.
Ein früherer Berater der amerikanischen Zivilverwaltung hat Hersh
angeblich die neue Strategie so erklärt: Die einzige
Möglichkeit zu gewinnen, ist unkonventionell vorzugehen. Wir
werden ihr Spiel spielen müssen. Guerilla gegen Guerilla.
Terrorismus gegen Terrorismus. Wir müssen die Iraker über
Angst zur Unterwerfung bringen....
Quelle: telepolis vom 08.12.03
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16272/1.html
http://www.jungewelt.de/2003/12-09/004.php
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US-Regierung warnt Taiwan vor Unabhängigkeitsstreben
Di.09.12.03 - Vor einem Treffen von US-Präsident George W. Bush mit dem
chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao haben die USA Taiwan
vor Schritten in Richtung Unabhängigkeit gewarnt. Ein ranghoher
Regierungsvertreter erklärte am Montag in Washington, der
taiwanischen Regierung sei deutlich gesagt worden, dass die USA jede
Änderung des Status quo ablehnten. Zugleich kritisierte er das
für den 20. März angesetzte Referendum, in dem die
Bürger Taiwans darüber abstimmen sollen, ob China
aufgefordert wird, seine auf Taiwan gerichteten Raketen abzubauen. Es
sei nicht klar, welchem Zweck dieses Referendum dienen solle, sagte der
Regierungsvertreter. Bush und Wen kommen am Dienstag in Washington
zusammen.
(Quelle: ap)
Annan warnt Völkergemeinschaft vor Scheitern in Afghanistan
UN-Generalsekretär fordert erneut Ausweitung der
internationalen Friedensmission +++ US-Streitkräfte beginnen
bisher größte Offensive in Afghanistan
Di.09.12.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat vor dem Scheitern der
Friedensbemühungen in Afghanistan gewarnt und abermals eine
Ausweitung der internationalen Friedensmission gefordert. "Die
Völkergemeinschaft muss sich entscheiden, ob sie ihr Engagement in
Afghanistan erhöht oder eine Verschlimmerung der Situation in Kauf
nimmt", heißt es in einem Bericht Annans an die
UN-Vollversammlung, der am Montag in New York veröffentlicht
wurde. Die Regierung in Kabul drängte er, die
Schlüsselministerien für die Sicherheit zu reformieren. Die
Dominanz von Einzelinteressen müsse beendet werden.
Annans Bericht wurde zwei Tage vor Beginn der Loja Dschirga - der
großen Verfassungsgebenden Konferenz - in Kabul vorgestellt. Das
Treffen ist einer der Meilensteine im Friedensprozess, der vor fast
zwei Jahren in Bonn entworfen worden war. Annan warnte vor "schweren
Herausforderungen" auf dem Weg zu freien Wahlen und einer neuen
Verfassung. Dies könne nur erreicht werden, wenn die
"Verschlimmerung der Sicherheitssituation gestoppt und umgekehrt wird".
Annan lobte ausdrücklich die Entsendung eines Wiederaufbauteams
der Bundeswehr nach Kundus und forderte weitere Staaten auf, dem
deutschen Beispiel zu folgen.
Angesichts des wachsenden Terrors im Süden und Osten Afghanistans
haben die US-Streitkräfte ihre bisher größte
Militäraktion gegen die Taliban und die El Kaida begonnen.
Militärsprecher Bryan Hilferty erklärte am Montag, an der
Operation "Lawine" nähmen vier Bataillone mit insgesamt 2.000
Soldaten teil. Wann die Operation begann, wurde nicht bekannt.
Im Süden und Osten Afghanistans waren in den vergangenen Wochen
Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, US-Soldaten und Mitglieder der
afghanischen Regierung Ziel von Anschlägen geworden. Als besonders
gefährlich gelten die Provinzen Ghasni, Sabul, Kandahar, Paktika
und Paktia. In Ghasni wurde am Montag ein pakistanischer Ingenieur
erschossen und ein weiterer verschleppt. Bewaffnete Männer
hätten ihr Auto auf der Straße zwischen Kabul und Kandahar
angegriffen, teilte die Baufirma Bahar mit. In Sabul waren am Samstag
zwei indische Ingenieure entführt worden, in Ghasni wurde im
vergangenen Monat eine UN-Mitarbeiterin erschossen.
Die Operation "Lawine" folgt der Operation "Mountain Resolve", die am
Wochenende nach einem Monat zu Ende gegangen war. Dabei hatten sich
1.000 amerikanische und afghanische Truppen um die Stabilisierung des
Nordostens an der Grenze zu Afghanistan bemüht.
(Quelle: ap)
In Sachen Menschenrechte steht es bei der UNO nicht zum Besten
Di.09.12.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan sucht einen neuen UN-Hochkommissar
für Menschenrechte. Das Amt ist vakant, seitdem der bisherige
Hochkommissar Sergio Vieira de Mello am 19. August in Bagdad einem
Attentat zum Opfer fiel - er war zugleich UN-Sonderbeauftragter
für den Irak.
"Kofi Annan sollte jetzt schnell einen Nachfolger ernennen; der 10.
Dezember als Tag der Menschenrechte wäre ein gutes Datum, um den
Kommissar vorzustellen", sagt Reed Brody, Direktor der
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Und er äußert
die Erwartung: "Der Neue muss den Mut haben, auch gegenüber
mächtigen Regierungen die Einhaltung der Menschenrechte
einzufordern." Denn seit den Terroranschlägen vom 11. September
2001 kämen die Menschenrechte mehr und mehr unter die Räder.
Russlands Feldzug in Tschetschenien werde mit unverminderter Härte
durchgezogen, die chinesische Führung unterdrücke weiter
grundlegende Freiheiten, und selbst die USA scherten sich um viele
Rechte nicht mehr.
Dass es in Sachen Menschenrechte bei der UNO derzeit nicht zum Besten
steht, wurde bei der diesjährigen Sitzung der
UN-Menschenrechtskommission deutlich: Eine Emissärin des libyschen
Diktators Muammar el-Gaddafi leitete das Gremium, Russland entkam einer
Verurteilung, und über die Repression in China wurde im
wichtigsten Menschenrechtsgremium der Welt erst gar nicht abgestimmt.
Die UN-Menschenrechtskommission und der Hochkommissar mit Sitz in Genf
arbeiten eng zusammen, sie sind aber voneinander unabhängig. Der
Kommissar hat keine reale Macht. Er wirkt über seine
Persönlichkeit, wie die ehemalige irische Präsidentin Mary
Robinson. Sie scheute sich nicht, den Mächtigen die Leviten zu
lesen: In Moskau, Peking und Washington verfolgte man sie mit Argwohn.
Schließlich musste sie auf Druck der USA gehen. Der neue
Hochkommissar müsse das Vertrauen der Regierungen der großen
Staaten haben, sagt Robert Archer, Direktor des International Council
on Human Rights. "Nur mit Konfrontation kann niemand etwas bewirken."
Annan handelte sich auf seine Anfragen schon sieben Absagen ein. Im
Gespräch ist etwa der frühere französische Minister und
UN-Verwalter für das Kosovo, Bernard Kouchner. Und der ehemalige
Generalsekretär von amnesty international, Ian Martin.
Einige Stimmen fordern, eine Frau aus einem Entwicklungsland zu
berufen. Es könnte aber auch der interimsweise amtierende
Hochkommissar Bertrand Ramcharan werden. "Eines ist sicher", sagte ein
hochrangiger UN-Beamter, "zurzeit wollen die mächtigen Regierungen
keinen starken Hochkommissar."
(Quelle: taz/epd)
Nahost-Konflikt
UN schalten Haager Gerichtshof in Streit um Israels Sperranlage ein +++
Israels Vizeministerpräsident Olmert wird wegen Vorschlag
über Rückzug aus den Autonomiegebieten in seiner Partei
heftig kritisiert +++ Palästinensische Regierung weiter um
Waffenruhe bemüht +++ Acht jüdische Siedlungen sollen
angeblich in Kürze aufgelöst werden
Di.09.12.03 - Auf Initiative der arabischen Staaten haben die Vereinten Nationen den
Streit um die israelischen Sperranlagen an den Internationalen
Gerichtshof verwiesen. Die UN-Vollversammlung verabschiedete am Montag
eine entsprechende Resolution. Die Entscheidung fiel mit 90 zu acht
Stimmen bei 74 Enthaltungen. Der Gerichtshof wurde aufgefordert zu
prüfen, ob der Bau der Sperranlagen mit dem internationalen Recht
vereinbar ist. Seine Stellungnahme ist rechtlich nicht bindend.
Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman bezeichnete die Abstimmung
als einen moralischen Sieg für sein Land. Die meisten der
"aufgeklärten Demokratien" hätten den Entwurf nicht
unterstützt. Die meisten Ja-Stimmen seien dagegen von "zumeist
tyrannischen Diktaturen, korrupten und menschenverachtenden Regimes"
gekommen. Sein palästinensischer Kollege Nasser el Kidwa sprach
dagegen von 90 Stimmen für das internationale Recht. Diese Staaten
hätte für die Resolution gestimmt, obwohl sie unter Druck
gesetzt und bedroht worden seien.
Kidwa warnte vor einem Scheitern des internationalen Friedensplans,
sollte Israel den Bau der Sperranlagen fortsetzen. "Für uns sind
Verhandlungen bedeutungslos, ohne zuerst die Mauer zu stoppen",
erklärte er. "Für uns gibt es entweder die Mauer oder die
Road Map."
Die USA und Israel hatten sich gegen die Resolution ausgesprochen mit
der Begründung, diese werde den Gerichtshof "politisieren" und die
Bemühungen um einen Frieden behindern. Die arabischen Staaten
führten an, die Einschaltung des Gerichtshofs sei der einzige Weg,
um den Bau der Sperranlage zu stoppen. Israel will mit der bisher 144
Kilometer langen Absperrung nach eigenen Angaben das Eindringen
palästinensischer Selbstmordattentäter verhindern. Nach
Ansicht der Palästinenser kommt der Wall, der teilweise weit in
das Westjordanland hineinreicht, dagegen einer Beschlagnahmung des
Landes gleich.
Vor der Abstimmung hatte der israelische Regierungschef Ariel Scharon
angekündigt, mit dem Internationalen Gerichtshof zusammenarbeiten
zu wollen. Israel werde deutlich machen, dass es den Zaun zu seiner
Selbstverteidigung brauche, sagte Scharons Berater Raanan Gissin. In
der Diskussion gehe es um das Existenzrecht Israels. So lange die
Palästinenser die Infrastruktur des Terrors nicht ernsthaft
bekämpften, werde der Bau weitergehen.
Das israelische Kabinett will den Verlauf der Sperranlage auf Antrag
von Justizminister Josef Lapid bei der nächsten Sitzung am Sonntag
erneut prüfen. Lapid erklärte, die bisher geplante Route sei
zu lang, zu teuer, werde von den USA nicht akzeptiert und bringe die
Welt gegen Israel auf.
Die UN-Vollversammlung hatte Ende Oktober in einer Resolution die
Sperranlagen verurteilt und Israel zu einem Baustopp aufgefordert. Dem
kam die Regierung nicht nach, wie UN-Generalsekretär Kofi Annan
Ende November feststellte. Ursprünglich hatten die
Palästinenser versucht, eine Verurteilung im Sicherheitsrat zu
erreichen. Dagegen hatten die USA ihr Veto eingelegt.
Am Montagabend sagte Scharon, er werde einseitige Massnahmen
vorschlagen, wenn sich zeige, dass die Palästinenser nicht zur
Zerschlagung der terroristischen Organisationen und zu echten
Verhandlungen bereit seien. Er wolle seine Pläne in den kommenden
Wochen vorstellen.
Wegen seines Vorschlags, Israel solle sich weitgehend aus den
palästinensischen Gebieten zurückziehen, ist der israelische
Vizeministerpräsident Ehud Olmert innerhalb seiner Partei heftig
in die Kritik geraten. Olmerts Angebot widerspreche der Position der
Likud-Partei, sagte der Abgeordnete Usi Landau am Montag. Die
palästinensische Führung erklärte unterdessen, sie wolle
sich trotz der vorerst gescheiterten Verhandlungen über einen
Waffenstillstand weiter um eine Feuerpause bemühen.
Die Palästinenser würden jeden Rückzug als
Zugeständnis werten und vermutlich im Kampf gegen
Terrororganisationen nachlassen, sagte Landau. "Das fügt Israel
grossen Schaden zu, unserer Sicherheit und unserer Fähigkeit,
unser Anliegen in der Welt zu vertreten," erklärte der
Likud-Abgeordnete. Olmert hatte am Freitag angeregt, Israel solle sich
weitgehend aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland
zurückziehen und einseitig eine Grenze festlegen.
Ministerpräsident Ariel Scharon hatte zwei Wochen zuvor
erklärt, er erwäge eine einseitige Grenzziehung und die
Aufgabe einiger illegaler jüdischer Siedlungen auf
palästinensischem Gebiet.
Sein Vorschlag bedeute keinesfalls eine Rückkehr zu den Grenzen
von 1967, betonte Olmert nach einer Sitzung der Likud-Fraktion am
Montag. Er sei davon überzeugt, dass "nicht wenige"
Likud-Vertreter und ein Grossteil aller Likud-Wähler mit seiner
Position überein stimmten. Israel verschwende seine Zeit mit dem
Bemühen um ein Friedensabkommen, das niemals erreicht werden
könne, sagte Olmert vor Journalisten.
Der palästinensische Aussenminister Nabil Schaath sagte am Montag
der Nachrichtenagentur AP, es gebe eine "generelle Bereitschaft" zu
einer Waffenruhe. Allerdings verlangten die radikalen
palästinensischen Gruppen Zusagen, dass Israel dann auch seine
Militäraktionen einstellen werde. Darüber wolle
Ministerpräsident Ahmed Kureia mit der israelischen Regierung
verhandeln.
Die militanten Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad hatten
sich bei den Gesprächen in Kairo am Sonntag lediglich zur Schonung
von Zivilpersonen auf israelischem Territorium bereit erklärt.
Angriffe auf israelische Soldaten und Siedler in den besetzten Gebieten
sollten indessen weiter gehen. Die israelische Regierung sowie
führende Oppositionspolitiker wiesen diese Differenzierung als
völlig inakzeptabel zurück.
"Hamas stellt heutzutage eine grössere Bedrohung für die
palästinensische Autonomiebehörde dar als für uns",
kommentierte der israelische Regierungssprecher Raanan Gissin die Lage.
Kräfte, die eine Regierung herausforderten, müssten umgehend
entwaffnet werden, fügte er hinzu. Israel hat sich zu weiteren
Gesprächen mit Kureia bereit erklärt, will Gissin zufolge
jedoch sofort handeln, wenn es seine Sicherheit bedroht sehe.
Nach palästinensischer Einschätzung scheiterten die Kairoer
Verhandlungen hauptsächlich an der Frage, ob Israel überhaupt
bereit sei, bei einem Waffenstillstand seine Militäraktionen gegen
Palästinenser einzustellen. An eben diesen Offensiven sei
schliesslich der letzte Waffenstillstand vom Juni gescheitert,
erklärte Nafes Assam, ein Sprecher des Islamischen Dschihads.
Acht illegalen jüdischen Siedlungen in den
Palästinensergebieten steht einem Rundfunkbericht zufolge die
Auflösung bevor. Der israelische Verteidigungsminister Schaul
Mofas habe am Montagabend bei einem Treffen mit führenden
Vertretern der Siedler angekündigt, dass in der kommenden Woche
zwei bewohnte und eine unbewohnte Siedlung geräumt würden,
berichtete der israelische Rundfunk. Fünf weitere illegale
Siedlungen würden anschließend aufgelöst. Die Siedler
hätten darauf aufmerksam gemacht, dass einige der illegalen
Siedlungen auf dem Wege der Legalisierung seien. Mofas hatte am Sonntag
die Räumung von insgesamt 18 Siedlungen in den kommenden Tagen
angekündigt.
(Quellen: afp, ap)
Palästinenser entfliehen im Internet den israelischen Restriktionen
Die harten Massnahmen der israelischen Besatzungsstreitkräfte
haben in den vergangenen drei Jahren dazugeführt, dass viele
Palästinenser im Westjordanland in ihren Siedlungen praktisch
eingeschlossen waren. Ein Fluchtweg, der immer stärker genutzt
wird, ist dabei das Internet. Die Palästinenser liegen in der
Internet-Nutzung inzwischen vor den Bürgern vieler anderer
arabischer Staaten
Di.09.12.03 - Palästinensische Geschäftsleute halten über das Internet
Kontakt zu Kunden und Lieferanten, Studenten lernen hier ihren
Unterrichtsstoff und durch die israelischen Absperrungen getrennte
Familien treffen sich wenigstens im Chat-Room. «Die Menschen
nutzen das Internet hier vor allem aus praktischen Gründen,
für das Geschäft, für Nachrichten und
Informationen», sagt Maan Bseiso, der Leiter von Palnet, des
grössten palästinensischen Providers.
Sinnbildlich für die elektronische Revolution sind das
Ibdaa-Kulturzentrum und sein Computerraum im Flüchtlingslager
Deheische im Westjordanland in der Nähe von Bethlehem. Die
Auswirkungen des israelisch-palästinensischen Konflikts sind im
Kulturzentrum mehr als deutlich zu sehen. Ein grosses Wandbild in einem
Gang zeigt einen jungen Mann, der sich einem israelischen Panzer
entgegenstellt. In einer Vitrine liegt zur Erinnerung an die
Kämpfe vor fünf Jahrzehnten ein Kinderschuh. Und das
Computerzentrum mit seinen Rechnern wird dominiert vom Bild eines
Mannes, der ein blutendes Kind in den Armen hält.
Am Nachmittag sitzen hier Jugendliche vor den Rechnern, die
Mädchen kichern beim Austausch von Nachrichten in Chat-Rooms,
grössere Jungen surfen im Internet, Kinder sitzen vor
Computerspielen. Die kichernden Mädchen, so stellt sich heraus,
chatten mit Gleichaltrigen im Flüchtlingslager Chatilla in
Libanon, das durch das Massaker einer israelisch-libanesischen Miliz
1982 weltweit in die Schlagzeilen geriet. «Meine Freundin will
wissen, ob irgendjemand festgenommen oder getötet wurde»,
sagt die 13-jährige Maram Adel. Die grösseren Jungen bringen
gerade die Homepage des Flüchtlingslagers auf den neuesten Stand,
berichten über das Leben unter der israelischen Besatzung. Die
jüngeren sitzen vor eher gewaltorientierten Spielen.
«Das ist eine radikale Generation», sagt Siad Abbas, der
Kodirektor von Ibdaa. «Die Kinder suchen nach Ballerspielen. Das
zeigt etwas über ihr Innenleben.» Abbas sieht das zwar nicht
gerne, nimmt es aber hin, um die Kinder überhaupt für
Computer zu interessieren. Sie sollen hier aber auch nützliche
Dinge mit dem Computer lernen und die Möglichkeiten des Internets
entdecken. «Ich hatte Steine werfen gelernt, bevor ich Lesen und
Schreiben konnte», sagt er 39-jährige Abbas. «Wir
wollen, dass die Kinder für ihre Rechte kämpfen, aber sie
sollten es auf andere Art und Weise tun.»
Die Internet-Nutzung in Palästina ist nach westlichen
Massstäben gemessen gering. Das in Dubai ansässige
Unternehmen Madar Research Group ermittelte, dass im Juni acht Prozent
der Palästinenser online waren. In Israel haben 40 Prozent der
Haushalte Internet-Anschluss. Die palästinensischen Zahlen liegen
aber noch über denen von Ländern wie Marokko, Ägypten
und Jordanien. Sie sind deutlich höher als vor Beginn des
jüngsten Aufstands vor drei Jahren, als es zwei bis drei Prozent
waren, wie Maschhur Abudaka sagt, der Leiter des palästinensischen
Verbands der Internetgesellschaft.
Ein Teil der gestiegenen Internet-Nutzung sei
«natürlicher» Art, ein Teil aber auch auf die
israelischen Zwangsmassnahmen zurückzuführen, sagt Abudaka.
Viele Palästinenser nutzten das Internet, um mit Verwandten in
ihrer Nachbarschaft in Kontakt zu bleiben. «Das ist ein
deutliches Zeichen dafür, dass die Menschen das Internet nutzen,
um die Belagerung zu durchbrechen», sagt Abudaka. Laut Palnet
stieg die Internet-Nutzung immer zu Zeiten besonders starker
Reisebeschränkungen. Das Internet bringe aber auch Ansichten von
aussen nach Palästina, erklärt Abudaka. Beliebt seien die
Nachrichtenseiten der «New York Times» und der liberalen
israelischen Zeitung «Haaretz».
Die palästinensische Bir-Seit-Universität startete ihr
Online-Lernprogramm nach einem israelischen Einsatz im April 2002, als
Studenten nicht mehr in die Hochschule kommen konnten. Wegen der
Beschränkungen habe ein ganzes Semester ausfallen müssen,
sagt der IT-Direktor der Universität, Marwan Tarasi. «Das
Internet war der Ausweg.» Im Juli war ein einfaches
Online-Lernsystem einsatzbereit. «Unter normalen Umständen
hätte es ein paar Jahre gedauert, bis wir diesen Stand erreicht
hätten», sagt Tarasi. «Es ist schon ironisch, aber Not
macht erfinderisch.»
http://www.dheisheh-ibdaa.net/
(Quelle: ap)
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WHO lobt Brasiliens Aids-Politik
Di.09.12.03 - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Brasiliens Aids-Politik als
vorbildlich für alle Entwicklungsländer bezeichnet.
WHO-Generaldirektor Jong-Wook Lee sagte am Sonntag in Brasília,
die Regierung leiste im Kampf gegen das HI-Virus hervorragende Arbeit.
In dem südamerikanischen Land erhalten 140.000 Aids-Patienten
kostenlos antiretrovirale Medikamente, die die Leiden mindern und das
Leben verlängern. Nach einem Plan der WHO sollen bis 2005
mindestens drei Millionen HIV-Infizierte in Entwicklungsländern
solche Medikamente erhalten, zehnmal so viele wie heute. Der
brasilianische Gesundheitsminister Humberto Costa forderte den
Schweizer Pharmakonzern Roche auf, den Preis für das Medikament
Nelfinavir spürbar zu senken. Sonst werde Brasilien den
Patentschutz brechen, wie es das Regelwerk der Welthandelsorganisation
bei einem gesundheitlichen Notstand erlaubt. Seit 1997 erhalten
Infizierte in Brasilien den Medikamentenmix. Die Zahl der Aids-Toten
ging seither um die Hälfte zurück.
(Quelle: taz/epd)
Blick ins Archiv
WHO mit neuer Aids-Strategie
Mo.01.12.03 - Angesichts neuer Rekordzahlen von Aids-Toten und HIV-Infektionen haben
führende Politiker zu einem verschärften Kampf gegen die
Immunschwächekrankheit aufgerufen. Zum Welt-Aids-Tag an diesem
Montag brachen 80 hochrangige US-Politiker, Mediziner und private
Geldgeber zu einer Reise durch Afrika auf.
Es ist die größte und bedeutendste Delegation dieser Art,
wie es am Sonntag hieß. In Kapstadt in Südafrika traten bei
einem der weltweit größten Aids-Benefiz-Konzerte
internationale Stars wie US-Chart- Stürmerin Beyonce Knowles auf.
Umjubelter Gastgeber war der frühere südafrikanische
Präsident Nelson Mandela, dessen einstige Häftlingsnummer
46664 das Motto für die Gala lieferte.
Weltweit tragen nach offiziellen Angaben rund 40 Millionen Menschen das
HIV-Virus in sich, davon mehr als 25 Millionen allein in Afrika....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#03120115
Aids in einem aufgeklärten Zeitalter
Seit dem 14. Jahrhundert gab es keine so machtvolle Seuche: Laut
Jahresbericht des Aids-Bekämpfungsprogramms der Vereinten Nationen
( Unaids) sind dieses Jahr etwa drei Millionen Menschen an Aids
gestorben, fünf Millionen haben sich neu infiziert. Zwei
Rekordzahlen, die sich, wie es aussieht, nächstes Jahr wieder
erhöhen werden. ...
Mehr bei telepolis (30.11.03) unter:
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16210/1.html
Die Wissenschaft hat sich von einer Aids-Schutzimpfung vorerst
verabschiedet, berichtet Reinhard Kurth, Präsident des
Robert-Koch-Instituts in Berlin. Einem Serum für Infizierte
allerdings gibt er Chancen...
Mehr in der "tageszeitung" vom 01.12.03 unter:
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/01/a0111.nf/text
Annan sieht Kampf gegen Aids verloren
Regierungen der Welt seien nicht genügend engagiert. Politiker
täten nichts gegen die Stigmatisierung von HIV-Infizierten und
Aids-Kranken. So genannte sanfte Bedrohungen wie Aids richteten mehr
Unheil in der Welt an als die harte Bedrohung durch den Terrorismus
So.30.11.03 - Der weltweite Kampf gegen Aids ist nach Ansicht von
UN-Generalsekretär Kofi Annan verloren, solange der politische
Wille zu einem Sieg fehlt. Er sei hier auf eine unglaubliche
Kaltherzigkeit gestoßen, die er im 21. Jahrhundert für
unmöglich gehalten habe, sagte Annan am Samstag in einem Interview
des britischen Rundfunksenders BBC: «Ich gewinne den Kampf gegen
Aids nicht, weil die Regierungen der Welt meiner Meinung nach nicht
genügend engagiert sind.»...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#03113002
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema Aids unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#031130_h
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Parlamentswahl verbreitert Putins Machtbasis
OSZE: Wahl hat nicht den rechtlichen internationalen Standards
entsprochen. Kreml-Partei "Einiges Russland" sei durch die
übermäßige Nutzung des Staatsapparates und der Medien
bevorzugt worden
Di.09.12.03 - Die russische Parlamentswahl hat eine erhebliche Stärkung der
Machtbasis von Präsident Wladimir Putin ergeben. Ihr Verlauf wurde
aber am Montag von internationalen Wahlbeobachtern als Rückschritt
im demokratischen Reformprozess gebrandmarkt. Die Kreml-Partei Einiges
Russland wurde nach Auszählung von 98 Prozent der Stimmen mit 37,1
Prozent stärkste Partei, wie die Wahlkommission mitteilte. Sie kam
demnach auf gut drei Mal so viel Stimmenanteil wie die Kommunisten, die
auf 12,7 Prozent abstürzten. Es folgten die ultranationalistischen
Liberaldemokraten (LDPR) mit 11,6 Prozent.
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE) erklärte, die Wahl habe nicht den rechtlichen
internationalen Standards entsprochen. Das sagte der Leiter der
Parlamentarischen Versammlung der OSZE, Bruce George. Die Wahl habe
nicht die internationalen Standards erfüllt.
Die Parlamentswahl am Sonntag wurde von 400 Beobachtern der OSZE
verfolgt. George bemängelte, dass die Kreml-Partei Einiges
Russland durch die übermäßige Nutzung des
Staatsapparates und der Medien bevorzugt worden sei. Andere Parteien
und Kandidaten seien dadurch benachteiligt worden. Die ehemalige
Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth sagte am Montag im
Deutschlandradio, der Wahlverlauf selbst sei weit gehend fair gewesen,
doch der vorausgegangene Wahlkampf sei nicht so positiv gewesen.
Putin erklärte unterdessen im Kreml, für ihn sei
«absolut klar, dass diese Ergebnisse die wirklichen
Präferenzen der Bevölkerung wiedergeben». Die
Nachrichtenagentur Itar-Tass zitierte ihn weiter mit den Worten, die
Wahlbeteiligung von rund 56 Prozent liege im internationalen Rahmen. In
einer Fernsehansprache sagte er, die Wahl sei ein weiterer Schritt zur
Stärkung der russischen Demokratie gewesen. Rund fünf Prozent
der Wähler - 2,8 Millionen - stimmten «gegen alle».
Neben der trotz aller Rhetorik ihres Chefs Wladimir Schirinowski immer
der Kreml-Linie folgende LDPR schaffte nur die
kommunistisch-nationalistische Neugründung Heimatland (Rodina)mit
9,1 Prozent den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Die
westlich ausgerichteten liberalen Parteien Jabloko und Union Rechter
Kräfte (SPS) scheiterten daran.
Die genaue Sitzverteilung ließ sich aber wegen des geteilten
Wahlsystems noch nicht genau beziffern: Die eine Hälfte der 450
Mandate wird proportional unter den Parteien aufgeteilt, die die
Sperrklausel überwanden, die andere in Direktwahlen bestimmt. Wie
groß der Machtzuwachs für den Kreml ausgefallen ist, wird
sich erst nach Auswertung aller Einzelentscheidungen herausstellen.
Eine Zweidrittelmehrheit für die mit Einiges Russland
verbündeten politischen Kräfte schien im Bereich des
Möglichen.
Der KP-Vorsitzende Gennadi Sjuganow bezeichnete die Wahl als eine
Farce, die nichts mit Demokratie zu tun habe, wie die
Nachrichtenagentur Interfax berichtete. SPS-Führer Boris Nemzow
sagte: «Die Mehrheit wird jenen gehören, die für einen
Polizeistaat stehen, für die Beschneidung von Freiheiten, für
die Beseitigung einer unabhängigen Justiz.»
Der frühere Präsident Boris Jelzin warnte unterdessen vor
einer Verfassungsänderung, die Putin eine dritte Amtszeit
ermöglichen würde, sollte er im März zunächst
für eine zweite Periode wiedergewählt werden. «Russland
braucht die Verfassung, die es jetzt hat», sagte er laut Interfax.
(Quelle: ap)
Fronten im Streit um EU-Verfassungsreform verhärtet
Di.09.12.03 - Die Fronten im Streit um die künftige EU-Verfassung haben sich
vier Tage vor den Schlussverhandlungen der Staats- und Regierungschefs
weiter verhärtet. Der italienische EU-Vorsitz lehnte in
Brüssel nach den Beratungen der Außenminister jede
Änderung des Konventsentwurfs bei den künftigen
Abstimmungsregeln im Ministerrat ab. Es gebe keine Erfolg versprechende
Alternative, sagte Italiens Außenminister Franco Frattini.
Deutschland und Frankreich lehnten es ab, über strittige Punkte
wie die Abstimmungsregeln später zu entscheiden. Annäherung
gab es bei den Bestimmungen über Verteidigung und gegenseitigen
Beistand.
"Auf eine schlechte Verfassung können wir verzichten", sagte
Frattini. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte
zu Spekulationen, über besonders strittige Artikel im
Verfassungsentwurf könne der Gipfel notfalls später
entscheiden, er halte nichts von Überbleibseln. Er pflichtete der
Warnung von EU-Konventspräsident Valéry Giscard d'Estaing
bei, keine Verfassung sei besser als eine schlechte Verfassung:
"Giscard ist ein weiser Mann."
Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin lehnte ein
Teilergebnis als mögliches Ende des Gipfels ebenfalls ab. Er wolle
"keine Verfassung um jeden Preis". Villepin schloss auch ein Scheitern
des gesamten Verfassungsentwurfs nicht aus.
Frattini lehnte Vorschläge ab, an den Abstimmungsregeln von Nizza
auch nach 2009 festzuhalten oder bei der doppelten Mehrheit die vom
Konvent empfohlenen Schwellen einer einfachen Mehrheit der Länder
und einer 60-prozentigen Bevölkerungsmehrheit zu ändern.
Einen "Kompromiss nach unten" werde es weder unter italienischem
Vorsitz noch später geben. Notfalls müsse den Bürgern
erklärt werden, dass es keine Verfassung gebe, sagte Frattini: "Es
gibt keine Alternative zu einer guten Verfassung."
Eine Annäherung gab es beim Streit um die Verteidigung und die vom
Konvent vorgeschlagene Beistandsklausel. Beim
Außenministertreffen in Neapel vorletzte Woche sowie bei der
NATO-Herbsttagung vergangene Woche sei klargestellt worden, dass es
keine Verdopplung von Strukturen, keine Diskriminierung und ein hohes
Maß an Transparenz geben werde, sagte Fischer. Für die
Beistandsklausel in der Verfassung kündigte Frattini eine neue
Formel an, die den Bedenken der vier bündnisfreien EU-Staaten
Schweden, Finnland, Irland und Österreich gerecht werde.
(Quelle: afp)
Friedenspolitischer Ratschlag fordert
neuen EU-Verfassungsentwurf
Der Entwurf des EU-Konvents schreibe
die Militarisierung der EU fest.
...Als roter Faden zog sich das Thema der EU-Verfassung durch die
Konferenz (des Friedenspolitischen Ratschlags am vergangenen Wochenende
in Kassel). Der vom EU-Konvent im Sommer dieses Jahres vorgelegte
Entwurf wurde einmütig abgelehnt, denn dieser Text schreibt die
langjährige Militarisierung der EU fest und erhebt diese in
Verfassungsrang.
In Artikel I 40 Absatz 3 heißt es unmißverständlich:
»Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ihre militärischen
Fähigkeiten schrittweise zu verbessern.« Wenn die
EU-Verfassung wie geplant am 9. Mai 2004 in Rom unterzeichnet wird, ist
in den dann 25 EU-Staaten innerhalb der nächsten zwei Jahre mit
der Ratifizierung zu rechnen. Dies hätte zur Folge, daß das
Grundgesetz nachrangig würde.
Deutlicher ausgedrückt hieße das, daß das Verbot der
Vorbereitung eines Angriffskrieges (Art. 26 GG) und der
Verteidigungsauftrag an deutsche Streitkräfte (Art. 87a GG) durch
die neue EU-Verfassung obsolet würden, da »Out of
area-Kampfeinsätze« in der EU-Verfassung gebilligt
würden. Die Teilnehmer beschlossen eine Erklärung
»Gegen diese EU-Verfassung – für ein Europa, das sich dem
Krieg verweigert«. In ihr wird gefordert, daß »ein
neuer Verfassungsentwurf auf breiter gesellschaftlicher Basis unter
Einschluß sozialer, emanzipatorischer Bewegungen«
erarbeitet wird.
Aus "junge Welt" vom 09.12.03:
Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2003/12-09/010.php
Verfassungsentwurf des EU-Konvents:
http://european-convention.eu.int/DraftTreaty.asp?lang=DE
|
EU-Entscheidung über Gen-Mais abermals verschoben
Di.09.12.03 - Eine Entscheidung über das EU-Moratorium für gentechnisch
veränderte Produkte steht weiterhin aus. Der Ausschuss für
Lebensmittelsicherheit konnte sich am Montag in Brüssel nicht auf
eine klare Position einigen. Bei drei Enthaltungen stimmten sechs der
15 Mitglieder für die Zulassung von Gen-Mais. Ebenfalls sechs
votierten gegen den Import, der vor allem von den USA forciert wird.
Mit dem Antrag muss sich nun der Rat der Landwirtschaftsminister
befassen, der für eine Entscheidung weitere 90 Tage Zeit hat.
Seit 1998 ist in der Europäischen Union kein gentechnisch
veränderter Organismus (GVO) mehr zugelassen worden. Im April
kommenden Jahres tritt jedoch eine neue Richtlinie in Kraft, nach der
Produkte mit GVO als solche ausgewiesen und die gentechnisch
veränderten Organismen rückverfolgbar sein müssen. Damit
wäre der Weg frei für die Einfuhr gentechnisch
veränderter Produkte in die EU. Darauf dringen besonders die USA,
die bereits ein Verfahren gegen die EU bei der Welthandelsorganisation
(WTO) eingeleitet haben.
Für die Aufhebung des Moratoriums stimmten Großbritannien,
Irland, Spanien, die Niederlande, Finnland und Schweden. Dagegen waren
Frankreich, Dänemark, Luxemburg, Österreich, Griechenland und
Portugal. Deutschland, Italien und Belgien enthielten sich der Stimme.
Umweltschützer begrüßten das Patt. Jedes Ergebnis, das
die Zulassung von Gen-Mais ausschließe, sei ein Sieg für die
Sicherheit der Öffentlichkeit, erklärte Geert Ritsema von
Friends of the Earth.
(Quelle: ap)
Der europäische Lebensmittelausschuss hat den Import von Genmais
abgelehnt
Das Moratorium gegen gentechnisch veränderte Produkte bleibt
erhalten. Doch könnten sich EU-Minister oder Kommission schon bald
darüber hinwegsetzen...
Mehr in der "tageszeitung" vom 09.12.03
http://www.taz.de/pt/2003/12/09/a0128.nf/text
Hintergrund: Gentechnisch veränderte Pflanzen
Der essbare Bt11-Zuckermais produziert sein eigenes
Insektenvernichtungsmittel. Durch ein eingeschleustes Gen des
Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) stellt die Pflanze ein
Eiweiß her, das für die gefräßige Raupe des
Maiszünslers unverträglich ist. Nach Auffassung des
Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin kann davon
ausgegangen werden, dass der Bt11-Mais gesundheitlich genauso
unbedenklich ist wie konventioneller Zuckermais.
Greenpeace wendet jedoch ein, dass noch nicht alle möglichen
Gefahren absehbar seien. «Man weiß nicht, ob sich giftige
Stoffe in der genmanipulierten Pflanze gebildet haben», sagte
Gentechnik- Expertin Ulrike Brendel von Greenpeace. Zudem
befürchtet Greenpeace, dass beim Anbau von Bt-Mais in den USA auch
andere Insekten geschädigt werden könnten. Auch könne
der Maiszünsler durch den breiten Anbau der Pflanze resistent
gegen das Bt-Gift werden. Dies lasse sich dann nicht mehr wie bislang
in akuten Fällen von herkömmlichen Landwirten gegen den
Maiszünsler einsetzen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist dagegen auf die
umfassenden Untersuchungen: «Die Pflanzen wurden im Hinblick auf
toxische und allergene Wirkungen und auf unbeabsichtigte
Veränderungen der Inhaltsstoffe untersucht», erläuterte
eine Gentechnikexpertin des Instituts und verwies darauf: «Es
kann natürlich auch unbeabsichtigte Effekte bei der
konventionellen Züchtung geben.»
In der Diskussion um den Bt11-Zuckermais innerhalb der EU geht es nur
darum, ob er nach Europa importiert werden darf und nicht um einen
Anbau. Weltweit wurden im Jahr 2002 auf einer Fläche von 58,7
Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Das
entspricht mehr als dem 1,5Fachen Deutschlands
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema "gentechnisch veränderte Pflanzen & Genfood"unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#031130_r
|
Mitglieder der Terrorgruppe '17. November' in Athen verurteilt
Di.09.12.03 - Einer der letzten Prozesse gegen europäische Terrorgruppen aus den
70er Jahren ist abgeschlossen. Ein Sondergericht in Athen erklärte
am Montag 15 Führungsmitglieder der Organisation «17.
November» des Mordes, Raubs und Bombenanschlags in zahlreichen
Fällen für schuldig. Das Strafmaß soll am kommenden
Mittwoch verkündet werden. Den Verurteilten drohen lange
Haftstrafen, die zumeist auf mehrfach lebenslang lauten dürften.
Vier der Angeklagten, darunter die einzige betroffene Frau, wurden
freigesprochen.
Hauptangeklagter in dem neun Monate währenden Verfahren in einem
bunkerähnlichen Gerichtsgebäude war der 58-jährige
Alexandros Giotopoulos. Er gilt als Drahtzieher der Anschläge des
«17. Novembers», obwohl er Verbindungen zu der Organisation
weiterhin bestreitet. Andere Verurteilte bekannten sich indessen zu den
Straftaten, die sie als politisch motiviert beschrieben. Dazu
gehörte auch Dimitris Koufodinas. Er wird für die meisten der
insgesamt 23 Morde der Terrorgruppe seit 1975 direkt verantwortlich
gemacht.
Der «17. November» benannte sich nach dem Datum einer
Studentenrevolte 1973 gegen die damalige griechische
Militärdiktatur. Das erste prominente Opfer der Gruppe war 1975
ein ranghoher Beamter des amerikanischen Geheimdienstes CIA, das letzte
im Juni 2000 der britische Militärattaché Stephen Saunders.
1989 wurde der konservative Politiker Pawlos Bakojannis, der Ehemann
der heutigen Athener Bürgermeisterin Dora Bakojannis, vom
«17. November» getötet. Der Abschluss des
Gerichtsverfahrens erleichtert den griechischen Behörden die
Sicherheitsplanungen für die Olympischen Sommerspiele im August
kommenden Jahres.
(Quelle: ap)
Alternative Nobelpreise in Stockholm vergeben
In Schweden sind am Montag die Alternativen Nobelpreise vergeben
worden. Ausgezeichnet wurden zwei philippinische
Menschenrechtsaktivisten, eine südkoreanische
Bürgerrechtsbewegung und eine ägyptische
Unternehmensvereinigung. Der frühere neuseeländische
Ministerpräsident David Lange erhielt einen Ehrenpreis. Der Preis
für Lange ist nicht dotiert, die vier anderen Preisträger der
so genannten Right Livelihood Awards teilen sich zwei Millionen Kronen
(rund 220.000 Euro)
Di.09.12.03 - Die Auszeichnungen wurden im schwedischen Parlament überreicht,
traditionell zwei Tage vor der Nobelpreis-Zeremonie. Walden Bello und
Nicanor Perlas aus den Philippinen wurden geehrt für ihre
Bemühungen, die Menschen über die Auswirkungen der
Globalisierung aufzuklären, wie die Alternative Nobelpreisstiftung
erklärte. Sie hätten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung
einer theoretischen und praktischen Basis für eine Weltordnung
gespielt, von der alle Menschen profitierten. Die Bürgerkoalition
für Wirtschaftliche Gerechtigkeit aus Südkorea erhielt den
Preis für ihre Bemühungen um ein auf sozialer Gerechtigkeit
basierendes Reformprogramm und um eine Aussöhnung mit Nordkorea.
Die Unternehmensvereinigung SEKEM habe ein Geschäftsmodell
für das 21. Jahrhundert entworfen, das kommerziellen Erfolg mit
sozialer und kultureller Entwicklung verbinde, erklärte die
Stiftung. Der neuseeländische Exregierungschef Lange habe sich
über viele Jahre für eine Welt frei von Atomwaffen eingesetzt.
Überschattet wurde die Verleihung von einem Steuerstreit mit den
schwedischen Behörden. Man werde die Zeremonie möglicherweise
ins Ausland verlegen müssen, sagte der Gründer der
Alternativen Nobelpreisstiftung, Jakob von Üxkull. Die
schwedischen Behörden weigerten sich, der Stiftung weiter
Steuervorteile zu gewähren.
Von Üxkulls Stiftung ist seit ihrer Gründung 1980 von der
Steuer befreit. Dies gilt in Schweden für alle Organisationen,
deren Arbeit dem öffentlichen Interesse dient. Nun machen die
Behörden laut Üxkull jedoch geltend, dass 2001 Alternative
Nobelpreise an zwei Gruppen - die israelische Bewegung Gusch Schalom
und die britische Organisation Trident Ploughshares - gegangen seien,
die nicht im Dienste des öffentlichen Interesses stünden. Aus
diesem Grunde stehe auch der Stiftung keine Steuerbefreiung mehr zu.
«Wir können die Preise nicht in Schweden verleihen, wenn
unsere Arbeit besteuert wird», sagte von Üxkull. Er hoffe
jedoch, dass die Behörden ihre Entscheidung rückgängig
machen würden und die Zeremonie weiter in Stockholm stattfinden
könne. Der Stiftung lägen bereits seit mehreren Jahren
Angebote der Bundesregierung vor, die Preise in Berlin zu verleihen.
Der schwedisch-deutsche Journalist und Briefmarkenhändler von
Üxkull hatte den Alternativen Nobelpreis 1980 ins Leben gerufen.
Damit sollen Leistungen ausgezeichnet werden, die seiner Meinung nach
von den klassischen Nobelpreisen nicht berücksichtigt werden.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://rightlivelihood.se
Deutschland
Atom-Geschäft mit China wird trotz Kritik voran getrieben
Grüne wollen Atomexport mit Hilfe von USA und NATO verhinder
Di.09.12.03 - Das von Kanzler Gerhard Schröder unterstützte
Atomgeschäft mit China steht offenbar kurz vor der Genehmigung.
Die Prüfung des Exports der Hanauer Plutonium-Anlage befinde sich
in der Schlussphase, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts.
Letzter Punkt: Eine militärische Nutzung der Anlage muss
ausgeschlossen werden.
Die Grünen wollen zur Verhinderung des umstrittenen Atomexports
nach China auch die USA und die NATO einschalten. «Von einer
Lieferung der Hanauer Anlage sind auch Sicherheitsinteressen der NATO
und der Vereinigten Staaten berührt. Beide müssen in jedem
Fall vor einem Verkauf einbezogen werden», sagte die
nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn in
der «Rheinischen Post» (Dienstagausgabe).
Auch der Grünen-Vize-Fraktionschef Reinhard Loske forderte die
internationale Kontrolle der Anlage, um eine militärische
Verwendung auszuschließen. «Die Fabrik muss der
lückenlosen Aufsicht durch die internationale
Atomenergiebehörde in Wien unterworfen werden», sagte Loske
der «Berliner Zeitung». Dies gelte für den Fall, dass
der Export rechtlich nicht mehr verhindert werden könne.
Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer hatte die SPD zuvor
nachdrücklich an die Koalitionsvereinbarungen zum Atomausstieg
erinnert. Man müsse sich vergewissern, was die gemeinsame
Grundlage der rot-grünen Energiepolitik sei, sagte Bütikofer
am Montagabend in einem ZDF-Interview für das heute journal.
«Das ist der Atomausstieg, und dazu passt es einfach schlecht,
wenn man mit dieser Leichtfertigkeit, wie es manche gegenwärtig
tun, über so ein Exportgeschäft spricht.» Zwar seien
die Grünen nicht direkt verärgert über Bundeskanzler
Gerhard Schröder, aber «dass der Kanzler nicht mit sich
selbst koaliert, sondern mit den Grünen, muss ja auch irgendwo zum
Ausdruck kommen».
(Quellen: dpa, ap)
Regierung signalisiert Opposition Entgegenkommen bei Arbeitslosenfrage
Di.09.12.03 - Im Ringen um Arbeitsmarkt- und Steuerreform hat die Bundesregierung
ihre Signale der Kompromissbereitschaft an die Opposition erneuert.
«Ich bin immer noch guter Hoffnung, dass das gelingen
wird», sagte Schröder vor der Sitzung des SPD-Vorstands am
Montag in Berlin. Der Kanzler und auch Wirtschaftsminister Wolfgang
Clement appellierten an die Verhandler, den Weg frei für
Steuersenkungen zu machen und auf parteitaktische Spielchen zu
verzichten.
Am Mittwoch treffen sich die Vermittler von Bundestag und Bundesrat zu
den entscheidenden Beratungen. Bei der strittigen Frage der Betreuung
der Langzeitarbeitslosen signalisierte die Bundesregierung
Entgegenkommen. Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Harald
Schartau sagte der «Süddeutschen Zeitung» zur
Finanzierung der rund zwei Millionen Langzeitarbeitslosen: «Ich
teile das Misstrauen gegenüber dem Zentralismus der Bundesanstalt
für Arbeit.» Bislang wollten SPD und Grüne dem Bund die
alleinige Trägerschaft für das Arbeitslosengeld II zuweisen.
Union und FDP lehnen dies ab und wollen eine Zuständigkeit der
Kommunen oder Länder.
Die Forderung des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch
(CDU), die Länder sollten diese Aufgabe in enger Zusammenarbeit
mit Landkreisen und Kommunen übernehmen, lehnte Schartau ab.
«Dann haben wir zwei Systeme für die Betreuung von
Arbeitslosen, zwischen denen die Betroffenen hin- und hergeschoben
werden», sagte der SPD-Politiker.
Clement sagte, er hoffe auf ein Vermittlungsergebnis noch vor
Weihnachten. Ein Kompromiss sei nicht nur aus Verantwortung für
Deutschland, sondern als Signal für Europa notwendig. «Ich
will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich die Vernunft auf allen
Seiten durchsetzt.»
FDP-Arbeitsmarktexperte Dirk Niebel warf der Bundesregierung vor, sich
nicht zu bewegen und keine seriöse Finanzierung für die
Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe vorgelegt zu haben.
Niebel bekundete seine Unterstützung für den
Kompromissvorschlag von Ministerpräsident Koch. Damit gebe es eine
klare Trennung der Zuständigkeiten, und Verschiebebahnhöfe
würden aufgehoben, sagte er der AP. FDP-Chef Guido Westerwelle
forderte alle Beteiligten auf, nicht zu taktieren. Auch für
Schröder sei jetzt die «Zeit der Rhetorik» vorbei,
sagte er im ZDF-Morgenmagazin.
Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph Böhr dämpfte
die Erwartungen an eine vorgezogene Steuerreformstufe. «Das
allein kann einen nachhaltigen Aufschwung nicht bewirken», sagte
er. Die wirkliche Reformarbeit stehe noch bevor.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer
Steinbrück sprach sich im Deutschlandfunk dafür aus, dass ein
überwiegender Teil der Steuerreform kreditfinanziert werde. Es
mache keinen Sinn, auf der einen Seite Geld in den Kreislauf
hineinzupumpen und es auf der anderen Seite herauszuziehen.
(Quelle: ap)
21.000 Metaller protestieren gegen Tarifänderungen
Di.09.12.03 - Annähernd 21.000 BMW-Mitarbeiter haben am Montag in den
bayerischen BMW-Werken gegen mögliche Änderungen der
Tarifgesetze protestiert. Wie die IG Metall mitteilte, nahmen die
Beschäftigten in Dingolfing, München, Regensburg und Landshut
an halbstündigen Informationsveranstaltungen teil. Die Produktion
sei nicht beeinträchtigt worden, sagte ein BMW-Sprecher. In
Bamberg demonstrierten nach IG-Metall-Angaben rund 1.000
Beschäftigte von Bosch und Wieland gegen betriebliche
Tarifverträge und für die Tarifbefugnisse der Gewerkschaft.
(Quelle: ap)
Familienfreundlichkeit ist meisten deutschen Firmen nicht wichti
Di.09.12.03 - Familienpolitik ist den meisten Firmen in Deutschland nicht so wichtig:
Bei einer Umfrage hätten 50,4 Prozent der Firmen erklärt,
entsprechende Maßnahmen im Betrieb seien eher unwichtig. Das
teilte Familienministerin Renate Schmidt in Berlin mit. 1,9 Prozent der
Unternehmen verfügten über einen betriebseigenen
Kindergarten. Diesen Anteil will Schmidt bis auf zehn Prozent steigern.
(Quelle: dpa)
Rechtsextremismus unter Jugendlichen angeblich geringer als angenommen
Di.09.12.03 - Die Verbreitung von Rechtsextremismus unter Jugendlichen wird einer
Studie der Freien Universität Berlin zufolge weithin
überschätzt. In der Untersuchung, über die die
Tageszeitung «Die Welt» (Montagausgabe) berichtete,
heißt es, nur zwei Prozent der befragten Jugendlichen hätten
ein «geschlossenes rechtsextremistisches Weltbild», weitere
vier Prozent hätten verfestigte rechtsextremistische Vorstellungen.
In bisherigen Studien war den Angaben zufolge von bis zu 24 Prozent
rechtsextremistisch eingestellten Jugendlichen die Rede. Die neue
Untersuchung wurde von dem Politologen Klaus Schroeder geleitet. Sein
Mitarbeiter Steffen Alisch sagte der Nachrichtenagentur AP, es seien
862 junge Leute aus vier Kleinstädten befragt worden. Die Studie
sei damit nicht repräsentativ. Man könne aber annehmen, dass
sie «relativ typische, kleinstädtische Milieus»
abbilde.
Rechtsextremismus ist nach der Definition der Studie ein Sammelbegriff
für das Zusammentreffen von Fremdenfeindlichkeit,
Antiparlamentarismus, NS-nahem Geschichtsbild, Antisemitismus,
Nationalismus sowie einem sozialdarwinistischen Weltbild.
Aus dem Vorhandensein von Einzelkomponenten könne noch nicht auf
Rechtsextremismus geschlossen werden. «Antiziviles
Verhalten», das unter anderem die Bereitschaft zur Gewalt
für die Durchsetzung eigener Ziele beinhalte, sei bei 0,2 bis 0,9
Prozent der Jugendlichen festgestellt worden, sage Alisch.
Autoritätsgläubig seien 17 Prozent.
In die Kategorie «nichtziviles Verhalten», die einer
gewissen Gleichgültigkeit gegenüber gesellschaftlichen Werten
und Normen wie dem Rechtssystem entspreche, könnten 34,5 Prozent
der Befragten eingeordnet werden. Diese Gleichgültigkeit sei in
der Tat ein Problem, sagte Alisch, denn damit werde die Weigerung
unterstellt, gegen Bedrohungen der Gesellschaft aktiv zu werden. Das
sei aber nicht gleichbedeutend mit Rechtsextremismus.
(Quelle: ap)
Völkerrechtler - Argentinien-Vorwürfe gegen Mercedes
entkräftet
Der Autobauer DaimlerChrysler hatte nach Erkenntnissen des Berliner
Völkerrechtlers Christian Tomuschat nichts mit dem Verschwinden
von Mitarbeitern während der Militärdiktatur in Argentinien
zu tun. Die Werksleitung habe sich damals zwar zu lange auf die Seite
des argentinischen Regimes geschlagen, von systematischem Kampf gegen
unliebsame Betriebsräte könne aber keine Rede sein.
Unternehmenskritiker äußern Zweifel an Tomuschats Recherchen
Di.09.12.03 - Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Leitung des Werks in Catan 1976
gemeinsame Sache mit der Militärjunta gemacht habe, die mindestens
zehn Mitarbeiter verschleppt hatte, sagte Tomuschat am Montag in
Stuttgart bei der Vorstellung seines Berichts über das Verhalten
von Daimler-Benz in den sieben Jahren der argentinischen Diktatur. Die
verschwundenen Mitarbeiter waren nie wieder aufgetaucht.
Unabhängig davon habe die Staatsanwaltschaft
Nürnberg-Fürth vergangene Woche das Ermittlungsverfahren
wegen Totschlags oder Beihilfe zum Mord an zwei Beschäftigten
gegen den damaligen Werksleiter Juan Tasselkraut eingestellt, teilte
DaimlerChrysler mit. Der einzige Belastungszeuge habe seine Aussagen
nicht mehr aufrechterhalten, der Verdacht habe sich nicht
erhärtet, sagte ein Sprecher des Gerichts.
Die Vorwürfe waren vor allem durch die Journalistin Gabriele Weber
und den Kölner Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und
Aktionäre verbreitet worden. DaimlerChrysler hatte sie stets
zurückgewiesen, im Sommer 2002 aber die Kommission eingesetzt, die
aus Tomuschat und zwei seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter aus
Deutschland und Argentinien bestand. Er sei den Vorwürfen zwei
Monate lang in Südamerika nachgegangen, sagte Tomuschat, der einen
136 Seiten umfassenden Bericht ablieferte.
Die Werksleitung habe sich damals zwar zu lange auf die Seite des
Regimes geschlagen, räumte Tomuschat ein. Von systematischem Kampf
gegen unliebsame Betriebsräte könne aber keine Rede sein.
"Die Mehrzahl der Verschwundenen hatte keine gewerkschaftliche
Aktivität entfaltet", sagte der Völkerrechtler. Der heute
61-jährige Tasselkraut habe die verschleppten Mitarbeiter noch zu
schützen versucht.
Die Unternehmenskritiker wollen sich mit den Ergebnissen des Gutachtens
nicht zufrieden geben. Weber, die ein Buch über den Fall
geschrieben hat, äußerte in einer Stellungnahme Zweifel an
Tomuschats Recherchen. Er habe oberflächlich ermittelt. Der
Berliner Anwalt Wolfgang Kaleck forderte, das Verfahren gegen
Tasselkraut wieder aufzunehmen. Hinterbliebene der verschleppten Opfer
hätten eine Schadenersatzklage in den USDA angestrengt.
Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hatte am Mittwoch
vergangener Woche Haftbefehl gegen den Anführer des Umsturzes in
Argentinien, Jorge Videla, und zwei weitere hochrangige Militärs
beantragt. Der 78-Jährige Videla soll für den Mord an zwei
Deutschen in Argentinien verantwortlich sein.
(Quelle: rtr)
Zweifelhaftes Gutachten über verschwundene Betriebsräte bei
Mercedes Argentinien
"junge Welt" berichtet in ihrer Ausgabe vom 09.12.03 über
Ungereimtheiten im Gutachten des Völkerrechtlers Christian
Tomuschat:
http://www.jungewelt.de/2003/12-09/009.php
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/09/a0162.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/12/09/a0165.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/12/09/a0161.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/12/09/a0163.nf/text
http://www.kritischeaktionaere.de
Hintergrund
Im März 1976 putschten sich in Argentinien die Militärs an
die Macht und entfachten eine beispiellose Vernichtungskampagne gegen
alle, die sie als politische Gegner einstuften. Rund 30.000 Menschen
wurden gefangen genommen und ermordet, ohne dass je Einzelheiten
über ihr Schicksal bekannt geworden wären.
Zwischen 1976 und 1977 "verschwanden" auch mindestens 14
gewerkschaftlich organisierte Betriebsräte des Mercedes-Werkes bei
Buenos Aires. Die Journalistin Gaby Weber geht diesen Fällen seit
Jahren nach - ihre Recherchen führten zu dem Verdacht, die
Unternehmensleitung, genauer der deutsch-argentinische
Produktionsleiter Juan Tasselkraut, habe die Namen und Adressen der
Betriebsräte an die Militärs weitergegeben (Gaby Weber: "Die
Verschwundenen von Mercedes-Benz", 2001). Auf dieser Grundlage hat der
Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck am 27. 9. 1999 Strafanzeige gegen
das Unternehmen und Tasselkraut gestellt. DaimlerChrysler beauftragte
2002 den Völkerrechtsprofessor Christian Tomuschat mit der
Untersuchung der Vorfälle. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg
stellte das Verfahren vor einer Woche ein. (Quelle: taz)
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Nanowissenschaften werden die klassische Medizin stark verändern
Experten: Wahrscheinlichkeit der Toxizität von direkt angewendeten
Nanopartikeln in der Medizin ist nicht vernachlässigbar
Di.09.12.03 - Das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS [http://www.ta-swiss.ch/]
hat die Studie "Nanotechnologie in der Medizin" vorgestellt. Untersucht
wurden künftige medizinische Anwendungen der Nanotechnologie und
ihre Auswirkungen. Der Zeithorizont der Untersuchung reicht bis 2020.
Die Ergebnisse beruhen auf einer internationalen, schriftlichen
Expertenbefragung von über 70 Personen aus unterschiedlichen
Disziplinen.
Die befragten Fachleute erwarten bis 2010 vor allem im Bereich der
Diagnose von Krankheiten markante Fortschritte: Diagnosen werden
schneller, können schon im Frühstadium einer Krankheit
gestellt werden und liefern spezifischere und genauere Resultate als
die bisherigen Methoden. Dank den Ergebnissen der Nanowissenschaften
sollten nach Einschätzung der Experten auch Therapien zu einzelnen
Krankheiten bis 2020 markant verbessert werden können. In erster
Linie erhoffen sich die Expertinnen Fortschritte in der
Früherkennung und Behandlung von Krebs, Herzkreislauf Erkrankungen
und viralen Infektionen.
Auch wenn die Möglichkeiten heute tendenziell eher über- und
die Schwierigkeiten unterschätzt werden, so ist die Meinung
innerhalb der Fachkreise einhellig: Die Nanowissenschaften werden die
klassische Medizin stark verändern. Allerdings gehören die
vielzitierten Nanoroboter wohl noch sehr lange ins Reich der Science
Fiction.Die Hälfte der befragten Fachleute beurteilt die
Wahrscheinlichkeit der Toxizität von direkt angewendeten
Nanopartikeln in der Medizin als nicht vernachlässigbar. So
scheint es etwa möglich, dass die bis jetzt nicht
überwindbare Blut-Hirnschranke durch Nanopartikel umgangen werden
könnte. «Neben allen positiven Möglichkeiten,
dürfen die gefährlichen Auswirkungen der Nanotoxizitiät
und der Nanopartikel für Mensch und Umwelt nicht verharmlost
werden», betont Sergio Bellucci, Geschäftsführer von
TA-SWISS. Die Autoren der TA-SWISS Studie empfehlen daher die
Einrichtung eines interdisziplinären, unabhängigen
Fachgremiums zur laufenden Beurteilung und zur frühzeitigen
Abschätzung möglicher Folgen der Nanotechnologie.
(Quelle: pte)
Nur jeder zweite Internetnutzer besucht Behörden im Netz
Di.09.12.03 - Nur etwa jeder zweite Internetnutzer in Deutschland besucht nach einer
Untersuchung Behörden im Netz. Gemessen an der
Gesamtbevölkerung seien es gerade einmal 26 Prozent, teilte das
Marktforschungsinstitut TNS Emnid am Montag in Bielefeld mit.
Deutschland liege damit bei einem Vergleich von 32 Ländern zur
Nutzung des so genannten E-Governments auf Platz 19.
55 Prozent der Internetnutzer nähmen die Angebote der
Behörden an. Für die Studie wurden 1011 Menschen im Alter
über 14 Jahren telefonisch befragt.
Das Anklicken der Behörden-Seiten diene am häufigsten dazu,
Informationen zu beschaffen (21 Prozent). Download-Angebote werden nur
von 8 Prozent der Befragten angenommen. Transaktionen mit der
Behörde, bei denen Kreditkarten- oder Kontonummer angegeben werden
müssen, wickeln nur 6 Prozent ab. Sicherheitsbedenken geben den
Erhebungen von TNS Emnid zufolge den Ausschlag: Demnach halten 81
Prozent die Nutzung elektronischer Behördendienste für
unsicher. Im internationalen Schnitt lag die Skeptiker-Quote bei 58
Prozent.
«Zwar gibt es beim E-Government Fortschritte, und eine Vielzahl
von Angeboten ist online, jedoch werden sie vom Bürger kaum
wahrgenommen», sagte TNS Emnid-Experte Tristan Helmreich.
«Die Einbahnstraße vom Anbieter zum Nutzer kann nur dann zu
einem beiderseitig stärker genutzten Datenhighway werden, wenn
endlich mehr attraktive Angebote online gehen, die dann - ebenso wie
das Thema Sicherheit - offensiv kommuniziert werden.»
(Quelle: dpa)
Weltinformationsgipfel wegen Internet-Beschränkung in der Kritik
Di.09.12.03 - Die Organisatoren des an diesem Mittwoch in Genf startenden
UN-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft (WSIS [http://www.itu.int/wsis/])
haben bereits im Vorfeld wegen der geplanten limitierten
Internet-Nutzung für Besucher heftige Kritik geerntet.
Die akkreditierten Besucher des fünftägigen Gipfels sollen
lediglich einen auf zwei Stunden begrenzten Zugriff auf das weltweite
Datennetz erhalten, teilte der zivilgesellschaftliche WSIS-
Koordinierungskreis am Montag mit. «Diese Herangehensweise ist
inakzeptabel für einen Weltinformationsgipfel», sagte Markus
Beckedahl vom Koordinierungskreis.
Für eine unbegrenzte Nutzung während Gipfels, der sich mit
möglichen Lösungen der digitalen Spaltung in der Welt
befasst, wollen die Organisatoren 199 Schweizer Franken (128 Euro)
verlangen. Darüber seien nicht nur Besucher und Besucherinnen aus
der Dritten Welt empört, hieß es.
«Von diesem Geld kann man in Bulgarien zwei Monate leben»,
sagte Veni Markovski Vorsitzender der bulgarischen Internet-
Gesellschaft und Direktor der Internet-Verwaltung ICANN. Mit dem Aufbau
frei zugänglicher Netzwerke (Wireles LAN) auf dem
Gipfelgelände wollen die zivilgesellschaftlichen Gruppen zeigen,
dass es auch anders geht.
(Quelle: dpa)
Ein weiterer Bericht zum Thema bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-08.12.03-006/
Digitale Grabenkämpfe
In reichen Ländern ist Mediennutzung Normalität, in wenig
entwickelten die Ausnahme. Die Kluft zwischen Nord und Süd
wächst - das zeigt der UN-Gipfel zur Infogesellschaft
Noch bevor er am Mittwoch feierlich eröffnet wird, gilt der
"Weltgipfel über die Informationsgesellschaft" in Genf vielen
bereits als gescheitert. Dies stimmt - und stimmt doch nicht. Nach
zähen Verhandlungen brachte das letzte Vorbereitungstreffen
Formelkompromisse, sodass man doch noch eine für alle tragbare
"Prinzipienerklärung" und einen "Aktionsplan" präsentieren
wird. Dennoch, die Wirkung dieser Texte dürfte gering bleiben. Die
Fronten sind verhärtet. Gerade das ist lehrreich. Sie bringen die
politischen Konflikte und materiellen Interessen zum Vorschein, die
sich sonst hinter den Versprechen der "Informationsgesellschaft"
verstecken...
Aus der "tageszeitung" vom 09.12.03:
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/09/a0173.nf/text
Nicht Geld oder fehlende Infrastrukturen sind das Hauptproblem der
Wissensgesellschaft...
...sagte auf einer Konferenz zur Rolle der Wissenschaft in der
Informationsgesellschaft (RSIS [http://rsis.web.cern.ch/rsis/]) der Direktor der
Bibliothek von Alexandria,
Ismail Serageldin. "Copyright ist das größte Problem, vor
dem wir stehen."
Die Konferenz stellt den Auftakt zum Weltgipfel der
Informationsgesellschaft [http://www.itu.int/wsis/] dar, der offiziell am
Mittwoch beginnt.
Serageldin empfahl dringend freien Zugang zu Archivbeständen von
Magazinen und aktuellen Zeitschriftenartikeln für große
Bibliotheken. Entwicklungsländern sollten elektronische
Basis-Bibliotheken zur Verfügung gestellt werden und es sollte
dringend über Alternativen zum Copyright nachgedacht werden.
Große Hubs in den Entwicklungsländern sollten digitale
Information von Forschungsinstitutionen in aller Welt vorhalten. Die
Kosten für Konnetivität müssten deutlich gesenkt
werden....
Mehr bei heise-online (08.12.03) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-08.12.03-006/
Bibliothek von Alexandria:
http://www.bibalex.org/website/
Erneut Internet-Dissident in China verurteilt
Di.09.12.03 - In China ist am Montag erneut ein Bürgerrechtler, der in Artikeln
im Internet politische Freiheiten gefordert hatte, zu zwei Jahren Haft
verurteilt worden. Ein Gericht in der Stadt Xi'an habe dem 32 Jahre
alten Yan Jun «Anstiftung zur Untergrabung der
Staatsgewalt» vorgeworfen, berichtete das Informationszentrum
für Demokratie und Menschenrechte in China.
Der frühere Mittelschullehrer habe in fünf Artikeln eine
offizielle Neubewertung der blutig niedergeschlagenen
Demokratiebewegung 1989 und Freiheit für den damals
gestürzten und seither unter Hausarrest stehenden Parteichef Zhao
Ziyang gefordert. Auch habe sich Yan Jun für Presse und
Versammlungsfreiheit sowie unabhängige Gewerkschaften eingesetzt.
Yan Jun war auch an Appellen für politische Reformen in China
beteiligt. Er ist am 2. April festgenommen und am 9. Mai formell
inhaftiert worden. Am 24. Oktober stand er vor Gericht. Das Urteil
wurde jedoch erst am Montag verkündet. Das Zentrum berichtete, das
Wachpersonal habe Mithäftlinge veranlasst, ihn zu schlagen. Dabei
sei Yan Jun die Nase gebrochen worden.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv
UN-Menschenrechtserklärung als Basis für
Informationsgesellschaft
Mo.08.12.03 - Die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen soll
überall in der Welt die Grundlage für eine freie
Informationsgesellschaft sein. Dies soll auf dem von den Vereinten
Nationen für Mittwoch (10. Dezember) in Genf geplanten
dreitägigen Weltgipfel zur Informationsgesellschaft
beschlossen werden.
Darin soll auch das Recht auf freie Meinungsäußerung
ausdrücklich erwähnt werden, wie Marc Furrer, Direktor des
Schweizer Bundesamtes für Kommunikation, am Sonntag in Genf
erklärte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312080.htm#03120820
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Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
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