Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertsiebenundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Zählung der zivilen Kriegstoten in Irak offenbar gestoppt +++
Annan kritisiert Ausschluss der Anti-Kriegs-Allianz von
Großprojekten in Irak durch USA +++ Pentagon: Vergabe-Praxis bei
Irak-Wiederaufbau ist keine Strafaktion +++ Bush spricht mit
Schröder, Chirac und Putin über umstrittene Irak-Verträge +++
Nicaragua geht das Geld für seine Soldaten in Irak aus und bittet
befreundete Länder um Finanzhilfe
Do.11.12.03 - Die Zählung der zivilen Kriegstoten in der irakischen
Bevölkerung ist nach Informationen der Nachrichtenagentur AP auf
Anordnung des Gesundheitsministers und der amerikanisch geführten
Übergangsverwaltung gestoppt worden. Die Leiterin der
Statistikabteilung des Gesundheitsministeriums, Dr. Nagham Mohsen, sagte
am Mittwoch der AP: "Wir haben die Erfassung der Informationen gestoppt,
weil unser Minister ihr nicht zustimmt. Die Übergangsverwaltung
will das auch nicht."
Gesundheitsminister Chodeir Abbas wies per E-Mail die Darstellung
Mohsens zurück. Er habe mit dieser Anordnung nichts zu tun und habe
noch nicht einmal gewusst, dass so eine Untersuchung laufe. Mohsen
sagte, die Anordnung sei ihr vom Direktor der Planungsabteilung des
Ministeriums, Nasar Schabandar, übermittelt worden.
Abbas, ebenso wie Schabandar derzeit auf Auslandsreise, schrieb: "Mir
ist nichts von einer Erhebung ziviler Kriegsopfer bekannt, geschweige
denn, dass sie vom Gesundheitsministerium begonnen wurde und noch
weniger, dass sie gestoppt worden sein soll." Die US-Zivilverwaltung
habe ihn auch nicht angewiesen, eine solche Erhebung zu stoppen.
Trotz Abbas Dementis ist schon des öfteren in Medien über
eine Erhebung des Gesundheitsministeriums berichtet worden, mit der die
Zahl der im Krieg getöteten Zivilpersonen erfasst werden solle. Im
August wurde eine vorläufige Zahl von 1.764 genannt. AP war in
einer eigenen Erhebung bei irakischen Krankenhäusern auf eine Zahl
von 3.240 zwischen 20. März und 20. April im Krieg getöteten
Zivilpersonen gekommen. Die Statistik des Gesundheitsministeriums sollte
auf Angaben aller Krankenhäuser beruhen und damit umfassender sein.
Mohsen berichtete, dass viele Krankenhäuser Statistiken gesandt
hätten. Im vergangenen Monat habe Schabandar sie zu sich bestellt
und ihr geraten, sich nicht mehr mit dem Thema zu befassen. Sie
hätte eine umfassende Statistik erstellen können, wenn
US-Verwaltung und ihr Ministerium das gewollt hätten, sagte sie.
Die USA und Großbritannien haben keine Zahlen über die
zivilen Opfer des Krieges erfasst. Sie haben betont, ihr Feldzug sei
darauf ausgerichtet gewesen, Opfer in der Zivilbevölkerung zu
vermeiden.
In Folge des Kriegs sind in Irak einer am 11.November
veröffentlichten Studie der Gruppe Medact [http://www.medact.org/tbx/pages/]
zufolge zwischen 21.000 und 55.000 Menschen ums Leben gekommen. Bei den
Opfern handele es sich zumeist um irakische Soldaten und Zivilisten.
Medact gehören Beschäftigte des Gesundheitsbereichs an. Die
vorläufigen Zahlen ergäben sich aus verschiedenen im Internet
und in anderen Medien veröffentlichten Berichten.
[Mehr im boa-Nachrichten-Archiv unter: http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311120.htm#031112_a]
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat den Beschluss der USA
kritisiert, Deutschland und andere Staaten wegen ihrer Gegnerschaft zum
Irakkrieg von milliardenschweren Wiederaufbau-Aufträgen
auszuschließen. Auf entsprechende Fragen von Journalisten sagte
Annan am Mittwoch in Genf, es sei die Aufgabe aller, für die
Stabilität in Irak zu sorgen. An einer chaotischen Lage in dem
Zweistromland könne niemandem gelegen sein. Uneinigkeit stiftende
Maßnahmen und Entscheidungen sollten deshalb vermieden werden.
Nach der am Dienstag bekannt gewordenen Richtlinie des
stellvertretenden US-Verteidigungsministers Paul Wolfowitz sollen
Unternehmen aus Ländern, die gegen den Irak-Krieg waren, keine
Generalaufträge erhalten. Ausgeschlossen sind unter anderen Firmen
aus Deutschland, Frankreich, Russland, China und Kanada.
Der Wert der Aufträge beläuft sich auf 18,6 Milliarden Dollar
(etwa 15,2 Milliarden Euro), die aus US-Steuergelder bezahlt werden.
Die US-Regierung hatte bereits im Vorfeld des Krieges gewarnt, die
Gegner würden keine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau des
Iraks spielen. Zur Begründung heißt es in der Richtlinie,
dieser Schritt "ist notwendig, um die wesentlichen
Sicherheitsinteressen der USA zu schützen".
Der Beschluss widerspricht nach den Worten des Sprechers des
Weißen Hauses, Scott McClellan, nicht den Regeln der
Welthandelsorganisation WTO. Er betonte, dass sich Firmen aus den
ausgeschlossenen Ländern aber weiterhin um Nebenverträge
bewerben könnten. McClellan deutete an, dass sich auch andere als
die 63 erwähnten Staaten am Wiederaufbau beteiligen könnten,
wenn sie der Koalition im Irak beitreten würden.
Die russische Regierung kritisierte den Ausschluss der Kriegsgegner
scharf und bekräftigte zugleich ihre Forderung nach
Rückzahlung aller irakischen Schulden von insgesamt 8 Milliarden
Dollar (6,5 Milliarden Euro) an Moskau. Außenminister Igor Iwanow
sagte nach einem Treffen mit Fischer in Berlin, Moskau orientiere sich
an den Zusicherungen von US-Präsident George W. Bush, wonach die
Anwesenheit der US-Streitkräfte im Irak nur vorübergehend sei
und das irakische Volk über seine Ressourcen selbst verfügen
könne.
Ein Sprecher des französischen Außenministeriums sagte: "Wir
werden die Vereinbarkeit dieser Entscheidung mit dem internationalen
Wettbewerbsrecht gemeinsam mit unseren betroffenen Partnern,
insbesondere in der EU und der Kommission, prüfen." Die Richtlinie
von Wolfowitz habe man zur Kenntnis genommen.
Als "verwunderlich und unglücklich" bezeichnete Belgien den
Ausschluss vom Aufbau des Iraks. Die Entscheidung der USA sei "kein
juristisches, sondern ein politisches Signal, das ungelegen kommt in
der heutigen Lage, wo es um multilaterale Anstrengungen für das
irakische Volk gehen muss", sagte ein Sprecher des
Außenministeriums in Brüssel.
Der deutsche Regierungssprecher Béla Anda sagte, das Vorgehen
sei "nicht akzeptabel" und entspreche nicht dem Geist der Vereinbarung
mit den Vereinigten Staaten, "in die Zukunft zu schauen".
US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) haben unterdessen den umstrittenen Ausschluss von
Ländern der Anti-Kriegskoalition bei der Vergabe von
Wiederaufbau-Aufträgen in Irak erörtert. Bush habe am
Mittwoch mit Schröder sowie mit den Staatschefs Frankreichs und
Russlands, Jacques Chirac und Wladimir Putin, telefoniert,
bestätigte ein US-Regierungssprecher in Washington.
Der US-Präsident habe während der Gespräche zugesagt, in
der Frage "in Kontakt zu bleiben", sagte der Regierungssprecher.
Die Telefonate seien jedoch schon vor der jüngsten
Wiederaufbau-Debatte geplant gewesen, betonte der
US-Regierungssprecher. Der US-Präsident habe unter anderem darum
gebeten, demnächst den Sonderbeauftragten Washingtons für die
Verhandlungen über die irakischen Auslandsschulden, James Baker,
zu empfangen. Die irakischen Auslandsschulden werden auf zwischen 120
und 380 Milliarden Dollar (100 bis 316,6 Milliarden Euro)
geschätzt. Hauptgläubiger sind Russland, Frankreich, Japan,
die USA und Deutschland.
Das Pentagon wies Spekulationen zurück, mit dem Ausschluss
Deutschlands und anderer Staaten von Wiederaufbau-Aufträgen in
Irak sollten diese Länder wegen ihrer Gegnerschaft zum Irakkrieg
bestraft werden. Die Maßnahme sei vielmehr als Einladung an die
Regierungen dieser Länder gedacht, der Kriegskoalition
beizutreten, erklärte Pentagon-Sprecher Larry Di Rita am Mittwoch
in Washington. "Das ist keine fixierte, abgeschlossene Liste", sagte
er. "Dies soll nach vorne schauen und wird möglicherweise
erweitert."
Nach Di Ritas Angaben wäre es eine willkommene Geste, sollte sich
ein Land dazu entschließen, jetzt der Koalition beizutreten -
auch dann, wenn damit keine Truppenentsendung nach Irak verbunden sein
sollte. Es genüge, öffentliche Unterstützung zu
bekunden. "Das ist nicht nichts", sagte Di Rita. "Dazu gehört
auch, in die Parlamente und die Öffentlichkeit zu gehen und zu
sagen: 'Wir sind mit der Koalition in Irak, wissend, dass es umstritten
und gefährlich ist, dass es unordentlich ist und dass es lange
dauern wird.'"
Das US-Verteidigungsministerium teilte unterdessen mit, dass der Beginn
der Ausschreibungen verschoben worden sei. Die Formulierungen
müssten noch standardisiert werden, sagte Major Joe Yaws. Mit der
internationalen Kritik an dem Ausschluss von Ländern wie
Deutschland, Frankreich und Russland habe dies nichts zu tun, betonte
er.
Unterdessen nahmen die US-Truppen in Irak in der Heimatstadt des
gestürzten Machthabers Saddam Hussein drei mutmaßliche
Anführer von Widerstandsgruppen fest. Bei der Razzia in Tikrit
stießen die US-Soldaten in der Nacht zu Donnerstag im Garten
eines der Festgenommenen auf ein Waffenversteck mit Handgranaten,
Sprengstoff, selbst gefertigten Bomben und Mörsergranaten. Eine
solche Vielfalt an Waffen sei selten, sagte der den Einsatz
führende US-Militär. In Handschellen und mit
Plastiksäcken über den Köpfen wurden die Männer
abgeführt.
Nicaragua geht derweil das Geld für seine in Irak stationierten
Soldaten aus und hat sich deshalb mit der Bitte um Finanzhilfe an
befreundete Länder gewandt. Verteidigungsminister José Adan
Guerra sagte am Mittwoch in Managua, möglicherweise werde es in
den kommenden Tagen entsprechende Zusagen geben. Das bitterarme Land
benötigt 900.000 Dollar (knapp 740.000 Euro) für ein neues
Kontingent von 115 Soldaten, das ab Februar die im südirakischen
El Diwanija stationierten Truppen ablösen soll.
(Quellen: afp, ap, dpa)
Corporate Killers
Immer mehr private Firmen sind im Irak mit militärischn Aufgaben betraut
Laut offiziellen Angaben beläuft sich die Truppenstärke der
Briten im Irak auf 9.900 und gilt damit als zweitstärkste Truppe
der alliierten Kräfte im Irak. Nach Recherchen der britischen
Tageszeitung The Guardian wird diese Zahl allerdings knapp von einem
ganz anderen Kontingent überboten: 10.000 private Vertragspartner
sind derzeit im Irak mit militärischen Aufgaben betraut. Das sei
nichts weniger als "Neuland" im Kriegswesen, eine Revolution mit
unabsehbaren, weit reichenden Konsequenzen, meinen die Experten....
Mehr bei telepolis (10.12.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16298/1.html
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Sechs Kinder bei US-Angriff in Afghanistan getötet
Do.11.12.03 - Ein Angriff amerikanischer Truppen hat im Osten Afghanistans sechs
Kinder das Leben gekostet. Ein US-Militärsprecher erklärte am
Mittwoch, die Todesfälle hätten sich bereits am Freitag
ereignet. Der von Kampfflugzeugen unterstützte Angriff habe sich
gegen Gebäude in der Stadt Gardes gerichtet, wo ein
flüchtiger afghanischer Kommandeur Waffen gelagert habe. Am
folgenden Tag seien die Leichen von zwei Erwachsenen und sechs Kindern
entdeckt worden, die offenbar von einer einstürzenden Mauer
erschlagen worden seien.
Die US-Truppen hätten keine Hinweise auf die Anwesenheit von
Zivilisten gehabt, sagte Militärsprecher Brian Hilferty weiter.
Bereits am Samstag war bekannt geworden, dass bei einem US-Luftangriff
auf einen gesuchten Taliban-Funktionär neun Kinder getötet
worden waren.
Hilferty drückte Bedauern über die Opfer aus, erklärte
aber, der Tod von Zivilisten lasse sich nicht immer vermeiden. "Wenn
sich Nichtkämpfende mit tausenden Waffen umgeben in einem
Gebäude, das bekanntermaßen von einem Terroristen genutzt
wird, sind wir für die Folgen nicht vollständig
verantwortlich", sagte er.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai warnte unterdessen, er
werde nicht für eine neue Amtszeit zur Verfügung stehen, wenn
sich die Verfassungsgebende Versammlung, die Loja Dschirga, für
ein parlamentarisches Staatssystem entscheiden sollte. Nach einem
Anfang November vorgelegten Entwurf soll Afghanistan eine demokratische
islamische Republik werden mit einem starken Präsidenten und einem
Zwei-Kammer-Parlament. Kritiker fürchten eine zu große
Machtfülle des Präsidenten, der zugleich Oberbefehlshaber der
Streitkräfte wäre und neben einem Drittel der Abgeordneten
des Oberhauses auch Richter und Sicherheitsbeamte ernennen können
soll.
Nahe der afghanischen Hauptstadt Kabul begann derweil die Entwaffnung
der Milizen des afghanischen Verteidigungsministers Mohammed Fahim,
eines der mächtigsten Kriegsherren des Landes. Nach Angaben eines
Sprechers Fahims gaben die Kämpfer 64 schwere Waffen ab.
Zahlreiche weitere sollen noch in der unzugänglichen Bergregion
versteckt sein.
(Quelle: ap)
Friedensnobelpreisträgerin Ebadi kritisiert US-Politik
11. September werde als Vorwand genutzt, um universelle Prinzipien
zu missachten
Do.11.12.03 - Die iranische Rechtsanwältin Schirin Ebadi hat ihre Dankesrede bei
der Verleihungszeremonie des Friedensnobelpreises genutzt, um die USA
für ihr Vorgehen nach dem 11. September 2001 zu kritisieren. Ohne
die USA namentlich zu erwähnen, sagte die für ihren Einsatz
für die Menschenrechte ausgezeichnete Ebadi am Mittwoch in Oslo,
in den vergangenen Jahren hätten "einige Staaten" die Ereignisse
des September 2001 als "Vorwand" genutzt, um universelle Prinzipien und
Menschenrechte zu verletzen.
In Anspielung auf den US-geführten Kampf gegen den Terrorismus
sagte Ebadi, Verfechter von Menschenrechten beobachteten mit wachsender
Sorge, dass die Normen nicht nur von ihren "notorischen Gegnern"
missachtet würden, sondern zunehmend auch von westlichen
Demokratien. Die 56-jährige Professorin nahm die Auszeichnung im
Rathaus von Oslo aus den Händen des neuen Vorsitzenden des
Nobel-Komitees, Ole Mjoes, entgegen. Zu einer Zeit, in der der Islam in
vielen Teilen der westlichen Welt verteufelt werde, sei das
Nobel-Komitee von dem Wunsch geleitet gewesen, den Wert und die
Wichtigkeit eines Dialogs zwischen Völkern und Kulturen zu
fördern, sagte Mjoes.
Der norwegische König Harald IV. hatte sich wegen der andauernden
Genesung nach einer Operation für die Zeremonie entschuldigen
lassen. Ihn vertraten Königin Sonja und Kronprinz Haakon mit
seiner Gattin Mette-Marit. Der Friedensnobelpreis ist mit zehn
Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert.
Mit Blick auf Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zu Israel und Irak
sagte Ebadi, sie frage sich, weshalb bestimmte Resolutionen bindend
seien, andere dagegen offenbar nicht. In den vergangenen 35 Jahren
seien dutzende Resolutionen zur israelischen Besatzung der
Palästinensergebiete gefasst, aber nicht wirksam umgesetzt worden.
Dagegen habe es nur einer Resolution bedurft, um 1991 den Golfkrieg
gegen den irakischen Machthaber Saddam Hussein zu führen; der
jüngste Irak-Krieg sei sogar gegen den Widerstand des
Sicherheitsrats geführt worden.
Trotz Todesdrohungen fundamentalistischer Schiiten in ihrer Heimat
verzichtete Ebadi bei ihrer Dankesrede auf den Hedschab, die gesetzlich
vorgeschriebene Kopfbedeckung für iranische Frauen. Das staatliche
Fernsehen in Iran bedachte die Preisverleihung nur mit einer kurzen
Meldung und zeigte ein Archivfoto Ebadis mit traditioneller
Verschleierung. In mehreren iranischen Medien war sie Anfang der Woche
als Marionette der USA und "Sharon" Ebadi tituliert worden.
Die Diskriminierung von Frauen in islamischen Ländern liege in den
von Männern dominierten Gesellschaften begründet, nicht aber
in der Religion Islam, sagte Ebadi. In der mehr als
hundertjährigen Geschichte des Preises ist sie die erste geehrte
Moslemin. Vor ihr waren bereits zehn Frauen mit dem Nobelpreis bedacht
worden.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Drei Palästinenser bei Einmarsch in Rafah getötet +++
Palästinensischer Regierungschef Kureia warnt Israel vor
einseitigen Schritten +++ Israels Ministerpräsident Schalom:
Treffen Scharon-Kureia soll 'so bald wie möglich' stattfinden +++
Bau von Sperrwall im Westjordanland gestoppt: Israelische
Offiziere hatten Bedenken geäußert +++ Palästinenser
bitten um internationale Finanzhilfe
Do.11.12.03 - Beim Einmarsch israelischer Soldaten in die Ortschaft Rafah im
südlichen Gazastreifen sind am (heutigen) Donnerstagmorgen drei
Palästinenser getötet worden. Zehn weitere seien bei der
Militäraktion verletzt worden, berichteten palästinensische
Krankenhausmitarbeiter. Die Soldaten hätten auf der Suche nach
Angehörigen der radikalen Organisationen Hamas und Islamischer
Dschihad unterstützt von Hubschraubern zwei Häuser umstellt.
Anschließend habe sich ein Schusswechsel entwickelt, sagten
palästinensische Sicherheitskräfte.
In Rafah kommt es oft zu Gefechten. Israelische Truppen suchen immer
wieder nach Tunneln, durch die nach ihren Angaben Waffen von
Ägypten eingeschmuggelt werden. Die Grenze geht mitten durch das
Flüchtlingslager.
Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia hat
Israel davor gewarnt, sich einseitig Teile des Westjordanlands oder des
Gazastreifens anzueignen. In einem solchen Fall würde "das Feuer
brennen, der Terror wachsen", sagte Kureia in einem am Donnerstag
veröffentlichten Interview der israelischen Zeitung "Maariv". Die
israelische Regierung hatte in den vergangenen Tagen mehrfach
einseitige Schritte in den besetzten Gebieten in Aussicht gestellt.
Dazu gehört die Verlegung jüdischer Siedlungen, die zum Teil
geräumt, anderenorts aber mit Hilfe des im Bau befindlichen
Grenzzauns weiter befestigt werden sollen. Kureia warnte vor einem
potenziellen Desaster: "Man kann nicht einen Zaun auf unserem Land
errichten, um uns wie Hühner einzupferchen, und glauben, dass dann
alles in Ordnung sein wird." Die Palästinenser wären jedoch
bereit, sogar zu den Kosten der Sperranlage beizutragen, wenn diese
entlang der israelischen Grenzen von 1967 errichtet würde. Kureia
rief zu einer sofortigen Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen
für den Nahen Osten auf.
Israels Ministerpräsident Ariel Scharon will seinen neuen
palästinensischen Amtskollegen Ahmed Kureia in Kürze treffen,
sollten die Palästinenser zu einem Gespräch ohne
Vorbedingungen bereit sein. Das Treffen könnte "so bald wie
möglich" stattfinden, sagte Außenminister Silvan Schalom am
Mittwoch in Rom. Allerdings werde Scharon es nicht akzeptieren, wenn
die Palästinenser das Treffen an Vorbedingungen in Bezug auf den
Bau des Grenzwalls zum Westjordanland knüpfen.
Israel hat derweil die Errichtung des Sperrwalls im östlichen
Westjordanland wegen juristischer Bedenken vorerst gestoppt. Die
Arbeiten an der Trennungslinie im Jordantal seien auf Eis gelegt
worden, weil Offiziere gegenüber einem Parlamentsausschuss
Bedenken geäußert hätten, sagte ein Abgeordneter der
linksgerichteten Meretz-Partei, Avschalom Willan, in Jerusalem.
Die Militärs und Fachleute des Justizministeriums seien der
Ansicht, in dem betroffenen Abschnitt könne die Sperranlage
rechtlich nicht als "Verteidigungseinrichtung" für israelische
Ortschaften betrachtet werden, da sie auch zwischen
palästinensischen Dörfern verlaufen solle.
Während Israel den Bau des Sperrwalls mit dem Argument verteidigt,
er biete Schutz vor Selbstmordattentätern aus den
Palästinensergebieten, sehen die Palästinenser darin einen
Vorgriff auf die Grenze eines künftigen Palästinenserstaats.
Die Anlage verläuft teilweise weit durch palästinensisches
Gebiet, um jüdische Siedlungen mit einzubeziehen. Nach einem
UN-Bericht hätte Israel nach Fertigstellung des Sperrwalls de
facto 15 Prozent des Westjordanlands annektiert.
Der palästinensische Finanzminister Salam Fajad hat bei einer
internationalen Geberkonferenz in Rom um internationale Hilfe in
Höhe von 1,2 Millarden Dollar (rund 980 Millionen Euro) gebeten.
Diese Summe werde im nächsten Jahr notwendig, um das
Haushaltsdefizit auszugleichen, sagte Fajad vor Vertretern von 14
Geberstaaten. Nach Angaben der Weltbank soll die internationale
Gemeinschaft 600 Millionen Dollar zum palästinensischen Budget
beisteuern, auf etwa 400 Millionen Dollar wurde die humanitäre
Hilfe beziffert.
(Quellen: afp, ap)
Den Kibbuzim steht in Israel eine ungewisse Zukunft bevor
Do.11.12.03 - Nachdem Esther Cohen die Hölle der Konzentrationslager
überlebt hatte, erschienen ihr die malariaverseuchten Sümpfe
rund um den Kibbuz Metzuba wie ein Paradies. Doch ob der
77-Jährigen ein ruhiger Lebensabend in ihrem persönlichen
Garten Eden gegönnt sein wird, ist noch unklar: Metzuba - 1942 in
West-Galiläa gegründet - schuldet den USA 10,2 Millionen
Dollar (8,3 Millionen Euro) und ist der ärmste Kibbuz Israels.
«Wir haben eine neue Lebensform aufgebaut und dachten sie
würde bis zum Ende aller Tage bestehen», erzählte die
aus Ungarn stammende Cohen, «jetzt bricht alles vor unseren Augen
zusammen».
Viele der 268 israelischen Kibbuzim stehen vor ähnlichen Problemen
wie Metzuba. Über 80 Prozent der Gemeinwesen befinden sich in
ernsthaften Finanznöten, insgesamt schuldet die Kibbuz-Bewegung
den USA zwei Milliarden Dollar. Manche sagen der gemeinschaftlichen
Lebensform, die als Symbol des Landes gilt und die zwei israelische
Minister hervorbrachte, bereits das Ende voraus.
Der schleichende Niedergang der Kibbuzims zeichnete sich schon vor
Jahrzehnten ab, als die ersten der Nachfolgegeneration sich nicht mehr
mit der Ideologie der Gründungsväter identifizieren konnten.
Sie kehrten dem ländliche Kommunenleben den Rücken und
wanderten in Grossstädte ab. Hinzu kamen ab Mitte der 80er Jahre
wirtschaftliche Schwierigkeiten. Von den Auswirkungen einer
400-prozentigen Inflation haben sich viele Gemeinwesen bis heute nicht
erholt.
Die Kibbuzim, «einst der glorreiche Stolz Israels, sind
inzwischen pathetische Wagensiedlungen», schrieb Kolumnist Jael
Pas-Melamed in einer israelischen Zeitung. Es gibt Ausnahmen: Einige
wenige Kibbuzim haben Unternehmen aufgebaut, die zu den erfolgreichsten
des Landes zählen und ihre Produkte in die ganze Welt exportieren.
Andere haben Einkaufszentren erbaut oder vom Landverkauf profitiert.
Die Gemeindewesen haben inzwischen erkannt, dass der Prinzipientreue
der ursprünglichen Ideologie veränderte Ansprüche
gegenüberstehen. Um Abwanderungen zu vermeiden, müssen
Kompromisse geschlossen und Anpassungsarbeit geleistet werden. Hatte
anfangs noch die Kibbuzgesellschaft Vorrang vor der Familie, hat sich
hier im Lauf der Zeit die Priorität verändert: Auch die
Individualität des Einzelnen wird zunehmend gefördert. So
haben die Mitglieder mehr Freiheiten bei ihrer Kleider- oder
Einrichtungsauswahl und Kinder wohnen nicht mehr mit Gleichaltrigen
zusammen, sondern schlafen bei ihren Eltern. Auch Awschalom Wilan,
einstiger Anführer der Kibbuz-Bewegung, sieht die einzige
Überlebenschance der Gemeinwesen inzwischen in einer zunehmenden
Individualisierung.
Metzuba kann von erfolgreichen Exportgeschäften nur träumen.
Die Hausdächer des Kibbuz sind löchrig, für Reparaturen
fehlen die finanziellen Mittel. Die Firma der Gemeinschaft, die
Bettwäsche und Tischtücher herstellte, ging im Oktober
pleite. Das Ende kam überraschend, denn die aussen stehenden
Manager des Unternehmens liessen die Mitglieder in dem Glauben, dass
alles gut liefe. Dudu Gonen, war als LKW-Fahrer für die
Stofffabrik tätig und ist nun dabei, die Restposten der Firma zu
verkaufen. «Ich komme jeden Tag hierher und muss weinen»,
sagte der 52-Jährige. Für seine Familie und sich stehen ihm
monatlich 225 Dollar zur Verfügung. Gonen ist nur einer von 178
erwachsenen Bewohnern, und fast alle werden von Existenzängsten
geplagt.
Die Kibbuzim hätten den Fehler gemacht, keine eigenen
Wirtschaftsprofis auszubilden, erklärte der 82-jährige Hanan
Lev. Dadurch sei man gezwungen gewesen, sich auf externe Kräfte zu
verlassen. «Wenn wir scheitern, tragen wir auf jeden Fall einen
Teil der Schuld», sagte Len, der Anfang der 40er Jahre an den
Malaria-Sümpfen zeltete, um beim Bau Metzubas zu helfen. Seine
Enkel und Urenkel sind nicht mehr im Kibbuz. Sie versuchen anderorts
ihr Glück aufzubauen.
(Quelle:ap)
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Menschenrechtspreis geht an inhaftierten marokkanischen Journalisten
Do.11.12.03 - Der in Marokko inhaftierte Journalist Ali Lmrabet ist am Mittwoch mit
dem Menschenrechtspreis von Reporter ohne Grenzen ausgezeichnet worden.
Die Regierung wirft dem populären Karikaturisten vor, mit seinen
Artikeln und frechen Cartoons König Mohamed VI. beleidigt und die
Integrität des Staates bedroht zu haben, wie Reporter ohne Grenzen
mitteilte. Der 44-Jährige befinde sich seit Ende November im
Hungerstreik, berichtete die Organisation anlässlich der
Preisverleihung am Tag der Menschenrechte in Paris.
Weitere Auszeichnungen gingen an Michèle Montas, Direktorin des
zurzeit geschlossenen Radios Haiti Inter, und die Tageszeitung
«Daily News» in Simbabwe. Die Preise sind mit 2.500 Euro
dotiert. «Mit der Auszeichnung wollen wir denjenigen, die hart um
Pressefreiheit kämpfen müssen, weiter Mut zusprechen»,
erklärte die Geschäftsführerin von Reporter ohne Grenzen
in Deutschland, Elke Schäfter. Die öffentliche Aufmerksamkeit
durch die Preisverleihung könne ein Einlenken der Regierungen
bewirken.
Der zur drei Jahren Haft verurteilte Lmrabet sei gesundheitlich sehr
geschwächt, hieß es. «Ali Lmrabet ist kein Verbrecher,
sondern ein Journalist, der seiner Berufung nachgegangen ist»,
erklärte Schäfter. Michèle Montas erhielt den Preis
für ihr Engagement zu Gunsten der Pressefreiheit in Haiti. Seit
drei Jahren kämpft sie nach Angaben von Reporter ohne Grenzen
für die Aufklärung des Mordes an ihrem Mann und weiterer
Verbrechen an Journalisten. Dabei entkam sie selbst nur knapp einem
Mordanschlag.
Die vom Mugabe-Regime in Simbabwe seit ihrer Gründung 1999
schikanierte Zeitung «Daily News» habe es als eine der
letzten gewagt, unabhängig über Menschenrechtsverletzungen
und Korruption zu berichten, erklärte Reporter ohne Grenzen. Seit
Oktober sei das Blatt geschlossen. Einige Mitarbeiter gäben die
Zeitung nun als Internet-Ausgabe von Südafrika aus heraus.
(Quelle: ap)
Reporter ohne Grenzen:
Kein Schadenersatz für zivile Opfer des Kosovo-Krieges
Das Bonner Landgericht hat am Mittwoch ein Stück Justizgeschichte
geschrieben. Erstmals haben Richter über eine Schadenersatzklage
von Opfern eines Krieges entschieden, an dem die Bundesrepublik selbst
teilgenommen hat - Opfern des Kosovo-Krieges
Do.11.12.03 - Im Mittelpunkt des Prozesses stand ein NATO-Luftangriff auf die
Brücke der 4.000-Einwohner-Stadt Varvarin. Dabei waren am 30. Mai
1999 zehn Menschen getötet und 17 schwer verletzt worden -
ausnahmslos Zivilisten. Zwei NATO-Flugzeuge hatten die Brücke zur
Mittagszeit angegriffen, obwohl gerade nur wenige Meter entfernt
tausende Menschen das Dreifaltigkeitsfest der Orthodoxen Kirche
feierten oder sich auf dem Wochenmarkt drängten.
Insgesamt 35 jugoslawische Staatsangehörige forderten deshalb vor
dem Bonner Landgericht, unterstützt von der deutschen
Friedensbewegung, für das erlittene Leid Schadenersatz in
Höhe von 710.000 Euro. Der ohne Vorwarnung erfolgten Angriff auf
die belebte Brücke habe das Völkerrecht verletzt. Und die
Bundesregierung trage dafür Mitverantwortung. Denn sie habe das
Vorgehen der NATO mitgetragen, erklärten die Kläger.
Eine schwere, eine ungewohnte Aufgabe für die Richter. Und der
Vorsitzende der 1.Zivilkammer, Heinz Sonnenberger, gesteht bei der
Urteilsverkündung am Mittwoch offen die innere Zerrissenheit der
Kammer ein. «Es ist ein Rechtsstreit, bei dem man spontan der
Meinung ist, dass man helfen muss», sagt er zu den Klägern
gewandt. Die Bilder vom Ort des Luftangriffs seien «in ihrer
Grauenhaftigkeit kaum zu überbieten».
Und doch, fast wirbt Sonnenhofer um Verständnis, das Gericht
müsse sich an Recht und Gesetz halten - und weder im
Völkerrecht, noch im deutschen Staatshaftungsrecht gebe es eine
Grundlage für die Forderung. Die Klage wird abgewiesen.
«Zivilgerichte können Kriegsfolgen nicht lösen. Dazu
sind allein die am Krieg beteiligten Staaten in der Lage», sagte
Sonnenberger.
Ausdrücklich betont Sonnenberger, das Gericht habe nicht
geprüft, ob der NATO-Einsatz an sich rechtswidrig gewesen sei,
sondern nur, ob es eine Basis für individuelle
Schadenersatzansprüche gegen die Bundesrepublik gebe. Doch dies
ergebe sich weder aus dem Völkerrecht noch aus dem deutschen
Staatshaftungsrecht. Und auch nicht aus der Europäischen
Menschenrechtskonvention - schon weil Jugoslawien 1999 dem Europarat
nicht angehört habe. «Nicht der einzelne Bürger,
sondern allenfalls dessen Heimatstaat kann Anspruch auf Schadenersatz
erheben», sagte der Richter.
Die Rechtsanwälte der Kläger zeigten sich enttäuscht
über die Entscheidung des Gericht. «Am internationalen Tag
der Menschenrechte hätten wir etwas anderes erwartet», sagte
die Hamburger Rechtsanwältin Gül Pinar. Die Einschätzung
der Kammer, stehe «auf wackeligen Füßen». Das
Gericht hätte neue Wege gehen können, gestützt auf die
Weiterentwicklung des humanitären Völkerrechts in den Jahren
seit dem Zweiten Weltkrieg, glauben die Anwälte. Sie kündigen
Berufung gegen das Urteil beim Oberlandesgericht Köln an. Pinar
ist sicher, dass der Fall letztlich vom Bundesgerichtshof entschieden
wird.
Vesna Milenkovic, deren 15jährige Tochter bei dem Luftangriff
getötet wurde, hat die Urteilsverkündung mit regungslosem
Gesicht verfolgt. «Ich bin enttäuscht, aber ich habe damit
gerechnet», sagt sie. Doch sind die Kläger entschlossen
weiterzumachen. Ihr Mann Zoran Milenkovic sagt: «Wir erwarten,
dass das nächste Gericht ein gerechteres Urteil spricht.»
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
«Der Tod kam Sonntag am Fluss»
...Zoran Milenkovicc ist ein großer, bedächtiger Mann. Der
Bürgermeister spricht mit leiser Stimme für seine Kleinstadt
Varvarin, 180 Kilometer südlich von Belgrad im heutigen
Serbien-Montenegro. Der 30. Mai 1999, sagte er gestern im Saal 19 des
Bonner Landgerichts vor der 1. Großen Zivilkammer, "war ein
wunderschöner Tag", ein Sonntag. Die 4.000 Einwohner feierten das
serbisch-orthodoxe Fest der Heiligen Dreifaltigkeit. Es war der
Todestag seiner 15-jährigen Tochter Sanja.
Um 13 Uhr bombardierte ein Kampfjet der Nato die Brücke über
den Fluss Morava, zwei Raketen schlugen ein. Sanja und zwei ihrer
Freundinnen stürzten zwischen den Trümmern in den Fluss,
mehrere Menschen, auch Sanja, starben. Beim nächsten Angriff kamen
andere zu Tode, die zu helfen und zu retten versuchten. Zoran und Vesna
Milenkovic klagen gegen die Bundesrepublik Deutschland. Sie wollen vom
Nato-Partner Deutschland eine Entschädigung für das Leid der
Opfer, für die 17 Schwerverletzten und die 10 Toten. Sie klagen
zusammen mit 33 weiteren betroffenen Einwohnern und berufen sich dabei
vor allem auf das Zusatzprotokoll I über den Schutz der Opfer von
internationalen bewaffneten Konflikte des Genfer Abkommens, das 1977
ratifiziert wurde. Es verpflichtet die Kriegsparteien dazu, den Schutz
der Zivilbevölkerung zu gewährleisten. Dies sei in Varvarin,
so die Vertreter der Kläger, die Hamburger Rechtsanwältin
Gül Pinar, und ihr Berliner Kollege, Ulrich Dost, nicht geschehen.
Varvarin, im Kosovokrieg weitab von jeder Kampfhandlung und
militärisch völlig unbedeutend, sei ohne Grund und ohne
Vorwarnung angegriffen worden, so die Rechtsanwälte. Deutschland
habe den Luftangriff zwar nicht selbst geflogen, ihn wohl aber mit zu
verantworten, weil es als einer der 19 Nato-Beteiligten das Recht zu
einem Veto gegen den Einsatz gehabt und nicht genutzt habe...
(Aus: Heide Platen - "Der Tod kam Sonntag am Fluss", "tageszeitung" vom
16.10.03)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/16/a0085.nf/text
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Bosnischer Serbe wegen Massakers von Srebrenica veurteilt
Do.11.12.03 - Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat am Mittwoch den
bosnischen Serben Dragan Obrenovic wegen seiner Rolle beim Massaker von
Srebrenica zu 17 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als
erwiesen an, dass der einstige Befehlshaber der Zvornik-Brigade die
Ermordung von mehr als 7.000 muslimischen Jungen und Männern im
Juli 1995 hätte verhindern können. Strafmildernd wirkte sich
nach Angaben des Vorsitzenden Richters Liu Daqun aus, dass der
Angeklagte Reue zeige und mit dem Tribunal zusammengearbeitet habe.
Obrenovic hatte sich im Mai schuldig bekannt. Die Anklage verzichtete
daraufhin auf den Anklagepunkt des Völkermordes und forderte eine
Haftstrafe zwischen 15 und 20 Jahren.
(Quelle: ap)
Russland will engere Zusammenarbeit mit EU und Nato
Do.11.12.03 - Russland will nach Angaben von Außenminister Igor Iwanow seine
Beziehungen zur Europäischen Union wie zur Nato weiter vertiefen,
strebt aber keinen Beitritt an. Ihm schwebe die Vision eines
gemeinsamen Sicherheits-, Rechts- und Wirtschaftsraumes vor,
erklärte Iwanow am Mittwochabend in München. In der
Sicherheits- und Verteidigungspolitik entwickle sich die Zusammenarbeit
jedoch viel zu langsam.
Russland wolle mit der EU, der Nato, der OSZE und den USA eine neue
Sicherheitsarchitektur aufbauen. So könnten gemeinsame Bedrohungen
wie Terror, Drogenhandel, organisierte Kriminalität oder die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen besser bekämpft werden.
Einige Partner aber seien noch nicht zu einer gleichberechtigten
Zusammenarbeit bereit, kritisierte Iwanow. Nicht alle hätten
verstanden, wie sehr sich Russland in den vergangenen Jahren gewandelt
habe.
Das Ergebnis der Parlamentswahlen spiegle die Verbesserung der
politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage wider. Russland habe
aber noch viele soziale Probleme und müsse auch «noch viel
tun zur Vervollkommnung des demokratischen Systems», räumte
Iwanow ein.
Deutschland und Russland hätten in vielen Fragen der Weltpolitik
gleiche Positionen. Ihre Zusammenarbeit könne ein Motor für
Russlands Annäherung an die EU sein. Er hoffe, dass sich die
abgekühlten Beziehungen Russlands zu den osteuropäischen
Staaten nach deren EU-Beitritt wieder verbessern werde.
(Quelle: ap)
Russlands Kommunistische Partei wirft Wahlkommission
Stimmenfälschung vor
Do.11.12.03 - Drei Tage nach der Parlamentswahl in Russland hat der Vorsitzende der
Kommunistischen Partei (KP), Gennadi Sjuganow, der Zentralen
Wahlkommission die Fälschung von mindestens 3,5 Millionen Stimmen
vorgeworfen. «Die Wahlbeteiligung lag nicht bei 56 Prozent, wie
die Wahlkommission behauptet, sondern bei 52,58 Prozent»,
erklärte Sjuganow am Mittwoch in Moskau. Er berief sich auf Zahlen
der KP, die parallel zur offiziellen eine eigene Stimmenauszählung
durchführte.
Die gefälschten Stimmen wurden nach Angaben Sjuganows zu Gunsten
der Kreml-Partei Einiges Russland hinzugefügt, die die Wahl am
Sonntag nach vorläufigen Ergebnissen mit 37,1 Prozent der Stimmen
klar gewonnen hatte. Nach den Zahlen der KP hätten es die beiden
liberalen Parteien Jabloko und Union Rechter Kräfte (SPS) ins
Parlament geschafft. Der Wahlkommission zufolge scheiterten sie an der
Fünf-Prozent-Hürde.
(Quelle: ap)
Zukunft der EU-Verfassung vor Gipfel weiter offen
Polen will der Verfassung nicht zustimmen, falls darin das Stimmgewicht
des Beitrittslandes geschmälert werden sollte
Do.11.12.03 - Kurz vor dem EU-Gipfel in Brüssel ist die Zukunft der
europäischen Verfassung weiter unsicher. Luxemburgs Regierungschef
Jean-Claude Juncker warnte eindringlich vor den Folgen eines Scheiterns
der Regierungskonferenz, die am Freitag beginnt. In diesem Fall
würden die Kernstaaten der Europäischen Union bei der
weiteren Integration voraussichtlich eigene Wege gehen, sagte Juncker
der "Berliner Zeitung". Der polnische Präsident Aleksander
Kwasniewski drohte unterdessen mit dem Veto seines Landes, falls das
Stimmgewicht Polens geschmälert werden sollte.
Die Staats- und Regierungschefs der EU müssten sich ihrer
Verantwortung gewachsen zeigen, forderte Juncker. Andernfalls komme
"eine besondere Verantwortung auf die sechs Gründungsmitglieder
zu", sagte der dienstälteste EU-Regierungschef der "Berliner
Zeitung". "Kerneuropa ist kein Ziel, könnte aber, was ich nicht
wünsche, Folge einer Nicht-Einigung sein." Neben Luxemburg waren
Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande und Belgien 1957 an
der Gründung der Europäischen Gemeinschaft beteiligt.
Juncker warnte davor, Vorschlägen von Großbritannien und
Polen zu folgen und wesentliche Streitpunkte bei der künftigen
EU-Verfassung zunächst auszuklammern. Die Staats- und
Regierungschefs müssten sich jetzt einig werden, ob auch in
Zukunft noch jedes EU-Land einen Kommissar nach Brüssel schicken
solle und wie die Machtverteilung zwischen großen und kleinen
Mitgliedsländern aussehen solle, mahnte der Luxemburger. Als
Kompromiss sei aber möglich, jetzt Beschlüsse zu fassen, die
erst später in Kraft treten.
Polen werde der Verfassung nicht zustimmen, falls darin das
Stimmgewicht des Beitrittslandes geschmälert werden sollte, sagte
Kwasniewski am Mittwoch dem britischen Rundfundsender BBC. "Wir haben
das Recht, für ein gutes Gleichgewicht in der Europäischen
Union zu kämpfen", betonte der Staatschef. Seinen Standpunkt will
Kwasniewski voraussichtlich auch bei einem Treffen im Laufe des Tages
mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin darlegen.
Polen gehört zusammen mit Spanien zu den vehementesten Gegnern der
im EU-Verfassungsentwurf vorgesehenen doppelten Mehrheit im
Europäischen Rat. Es will an den für das Land
günstigeren Regeln des Vertrags von Nizza festhalten. Deutschland
macht sich dagegen für die Verabschiedung des vorliegenden
Verfassungsentwurfes stark.
(Quelle: afp)
EU-Verfassungs-Entwurf des Europäischen Konvents:
http://european-convention.eu.int/DraftTreaty.asp?lang=DE
Mehrheit der Deutschen für EU-Beitritt der Türkei
Do.11.12.03 - Zwei Drittel aller Deutschen befürworten einer Umfrage des Essener
Zentrums für Türkeistudien zufolge grundsätzlich einen
EU-Beitritt der Türkei. 58 Prozent sind für eine Aufnahme des
Landes, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Acht
Prozent der Befragten sind sogar für eine kurzfristige
bedingungslose Aufnahme des Landes. Rund 32 Prozent lehnen einen
Beitritt kategorisch ab. Von den befragten SPD-Anhängern sind 72
Prozent für einen Beitritt, aber auch 59 Prozent der
CDU-Anhänger befürworten die Aufnahme des Landes. Für
die Studie wurden 1000 Erwachsene befragt.
Das wichtigste Argument für einen Beitritt war für die
Befragten, dass die EU-Mitgliedschaft bei der Integration der
Türken in Deutschland und Europa helfen würde. Dieser
Begründung stimmen rund 61 Prozent zu. Rund 53 Prozent sehen die
geographische Zugehörigkeit des Landes zu Europa als wichtiges
Argument. Knapp über 50 Prozent halten die EU-Mitgliedschaft der
Türkei aus militärisch-strategischen Gesichtspunkten für
wünschenswert.
Bei den Argumenten für ein Nein zum Beitritt wurde mit rund 66
Prozent am häufigsten die mangelhafte Achtung der Menschenrechte
und der Demokratie in der Türkei genannt. Knapp über 60
Prozent der Befragten fürchten zu großen Fundamentalismus
und Extremismus innerhalb der Türkei, rund 59 Prozent sehen einen
zu starken Einfluss des Militärs auf die Politik.
(Quelle: afp)
Oxfam kritisiert EU-Sicherheitsstrategie als unausgewogen
Do.11.12.03 - Die Hilfsorganisation Oxfam hat die von den EU-Außenministern am
Dienstag in Brüssel beschlossene europäische
Sicherheitsstrategie kritisiert. Neben den Gefahren wie Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen und Terrorismus müssten die "vergessenen
Konflikte" einen höheren Stellenwert erhalten, forderte Jo
Leadbeater vom Brüsseler Büro von Oxfam International.
Die neue europäische Sicherheitsstrategie müsse eine Antwort
auf die Bedrohungen geben, denen Millionen Menschen in so genannten
vergessenen Konflikten ausgeliefert seien, so der Oxfam-Experte. Wenn
sich die Europäische Union ernsthaft um die weltweite Sicherheit
kümmere, müsse sie über den eigenen Hinterhof
hinausblicken.
Vor allem sei die EU gefordert, den internationalen Waffenhandel
einzudämmen, verlangt die Hilfsorganisation. Die Welt werde mit
Waffen überschwemmt, die weltweit in 40 bewaffneten Konflikten
eingesetzt würden. Rund 16 Milliarden Munitionseinheiten
würden jährlich hergestellt. Weiter sprach sich Oxfam
dafür aus, eine klare Unabhängigkeit und Unparteilichkeit der
humanitären Hilfe der EU zu garantieren.
(Quelle: epd)
Oxfam:
http://www.oxfam.org/
EU-Kommission prüft deutschen Atom-Deal mit China
Der geplante Verkauf der Hanauer Plutonium-Anlage nach China
könnte der neuen Strategie der Europäischen Union gegen die
Ausbreitung von Massenvernichtungswaffen zuwider laufen
Do.11.12.03 - Der geplante Verkauf der Hanauer Atomfabrik nach China beschäftigt
nun auch die Europäische Union. Nach Informationen der
«Berliner Zeitung» (Donnerstagausgabe) prüft die
EU-Kommission in Brüssel, ob das Geschäft gegen Ausfuhrregeln
der Gemeinschaft verstößt und untersagt werden kann.
Europäische Rechtsvorschriften sehen den Angaben zufolge vor, dass
der Export militärisch nutzbarer Güter einer
Genehmigungspflicht unterliegt.
Die «Berliner Zeitung» berichtet weiter, dass das geplante
Geschäft nach Ansicht von EU-Experten auch der neuen Strategie der
Europäischen Union gegen die Ausbreitung von
Massenvernichtungswaffen zuwider laufen könnte. Das Dokument soll
beim Brüsseler Gipfel am Wochenende verabschiedet werden. Die
Regierungschefs wollen sich damit verpflichten, die Exportkontrollen
für gefährliche Güter zu verstärken.
(Quelle: ap)
Rechtspopulist Blocher in Schweizer Bundesrat gewählt
Do.11.12.03 - Der Rechtspopulist Christoph Blocher ist in die neue Schweizer
Regierung eingezogen. Das Parlament in Bern wählte den
Milliardär und strategischen Kopf der EU-feindlichen Schweizer
Volkspartei (SVP) am Mittwoch in das siebenköpfige Kabinett, den
Bundesrat. Blochers Ministerposten geht auf Kosten der Christlichen
Volkspartei (CVP), die jetzt nur noch ein Bundesratsmitglied stellt.
Damit ist die so genannte «Zauberformel» außer Kraft
gesetzt, nach der die vier größten Parteien jahrzehntelang
das Kabinett bildeten.
Die SVP besetzt mit Blocher erstmals in ihrer Geschichte zwei Sitze im
Bundesrat. Seit 44 Jahren stellten die Christliche Volkspartei (CVP),
die Sozialdemokraten (SP) und die Freidemokraten (FDP) je zwei
Bundesräte, die den deutschen Bundesministern entsprechen. Die SVP
hatte bislang nur einen Regierungsposten inne, wollte dies nach ihrem
Sieg bei der Parlamentswahl im Oktober aber nicht länger
akzeptieren. Im Wahlkampf hatte sie mit einer harten Linie
gegenüber Einwanderern und einem klaren Nein zu einem EU-Beitritt
der Schweiz geworben.
Die neue Regierung setzt sich aus je zwei SVP-, zwei SP- und zwei
FDP-Vertretern sowie einem CVP-Mitglied zusammen. Die CVP stellt damit
zum ersten Mal seit 84 Jahren nur noch ein Mitglied der Regierung,
nachdem sie bereits bei der Parlamentswahl eine Niederlage erlitt.
Blocher setzte sich im dritten Wahlgang mit einer knappen Mehrheit von
121 zu 116 Stimmen gegen die bisherige Justizministerin, Ruth
Metzler-Arnold von der CVP, durch. Zum ersten Mal seit 131 Jahren wurde
damit ein amtierendes Mitglied aus dem Bundesrat abgewählt.
Blocher versprach nach seiner Wahl, sich ganz in den Dienst der Schweiz
zu stellen. Die SVP sei nun klar eine Regierungspartei. Er versprach,
«dass ich alles tun werde, dass das Vertrauen gerechtfertigt
ist».
Welches Ministerium der 63-Jährige übernehmen wird, war
zunächst unklar. Als Unternehmer wünscht er sich das Finanz-
oder Wirtschaftsressort. Beobachter vermuteten allerdings, dass Blocher
das weniger bedeutsame Ministerium für Verteidigung und Sport
erhalten werde, das bislang seinem Parteifreund Samuel Schmid
untersteht.
Schmid wurde als Bundesrat bestätigt, ebenso Wirtschaftsminister
Joseph Deiss (CVP). Deiss wird im kommenden Jahr Bundespräsident
der Schweiz, nachdem ursprünglich Metzler-Arnold für dieses
Amt vorgesehen war. Er wird Anfang 2004 den FDP-Bundespräsidenten
Pascal Couchepin ablösen, ohne wie üblich vorher das Amt des
Vizepräsidenten ausgeübt zu haben.
Im Amt bestätigt wurden weiter Verkehrsminister Moritz Leuenberger
(SP), Außenministerin Micheline Calmy-Rey (SP) und der bisherige
Bundespräsident Couchepin. Zum Nachfolger des am Vormittag
abgetretenen Finanzministers Kaspar Villiger (FDP) wurde dessen
Parteifreund Hans-Rudolf Merz gewählt, der ebenfalls als
erklärter Gegner eines Schweizer EU-Beitritts gilt.
Die EU-Kommission wollte sich zunächst nicht zur neuen
Zusammensetzung der Regierung äußern. Ein Sprecher
erklärte in Brüssel lediglich, die Kommission hoffe auf eine
weiterhin gute Zusammenarbeit mit der Schweiz, um alle noch offenen
Fragen zu lösen.
(Quelle: ap)
Demonstrationen gegen Rechtsrutsch in der Schweizer Regierung
Do.11.12.03 - In mehreren Schweizer Großstädten haben Demonstranten am
Mittwoch gegen den Rechtsrutsch und den gesunkenen Frauenanteil in der
Schweizer Regierung protestiert. Mindestens 2.500 Menschen gingen in
Bern, Zürich und Genf auf die Straße. Im Zentrum der Kritik
stand der Einzug des Rechtspopulisten Christoph Blocher ins Kabinett.
In Bern forderten am Nachmittag rund 500 Demonstranten beim Bundeshaus
«weniger Blocher und mehr Frauen» in der Regierung.
Parlamentarier der EU-feindlichen Schweizer Volkspartei (SVP) wurden
mit Buhrufen und Pfiffen empfangen. Am Abend versammelten sich rund
1.500 Demonstranten vor der Berner Heiliggeistkirche, um mit Fackeln
durch die Innenstadt zu ziehen.
Im Zentrum von Zürich nahmen nach Polizeiangaben rund 1.000
Menschen an einer Protestaktion teil. Die Demonstration «Gegen
die Ausgrenzung von Frauen und den Rechtsrutsch der
Landesregierung» war von einem am Mittag gebildeten
Ad-hoc-Komitee organisiert worden, an dem sich Studierende der
Universität Zürich, Gewerkschaften sowie die Sozialdemokraten
und die Grünen beteiligten. In einem Kommuniqué hieß
es unter anderem, Blocher habe sich mit wiederholten rassistischen und
menschenverachtenden Äußerungen sowie seiner Hetze gegen
Scheininvalide und Scheinasylanten für ein Amt in der Regierung
disqualifiziert.
In Genf fanden sich auf der Place Neuve laut Polizeiangaben etwa 200
Demonstranten ein. Sie zogen zum Sitz der SVP und skandierten dort
Parolen gegen Blocher.
(Quelle: ap)
Fischerprotest mit Hafenblockaden gegen drastische Reduzierung der
EU-Fangquoten
Do.11.12.03 - Mit Streiks und Hafenblockaden haben Fischer am Mittwoch gegen
EU-Pläne einer drastischen Reduzierung ihrer Fangquoten
protestiert. Am Ärmelkanal zwischen Dover und Calais fielen
Dutzende Fährverbindungen für tausende Passagiere aus, im
belgischen Antwerpen verteilten Fischer gratis fünf Tonnen ihres
Fangs. Protestaktionen gab es auch im nordfranzösischen
Boulogne-sur-Mer, an der Atlantikküste bei Bordeaux und in den
Mittelmeerhäfen Marseille, Martiges, Fos, Nizza sowie Ajaccio und
Bastia auf Korsika. Dagegen fiel die Mobilisierung in der Bretagne
geringer aus.
Der Präsident des Branchenverbands CNPMEM, Pierre-George
Dachicourt, erklärte, die Entscheidungen Brüssels bedrohten
die europäische Fischerei in ihrer Existenz. EU-Kommissar Franz
Fischler will vor allem reduzierte Fangquoten für den Kabeljau
durchsetzen. Darüber berät die Europäische Union in der
nächsten Woche. Dachicourt wehrte sich im Radio Europe-1 gegen
neue Auflagen. Die Fischer wären von einem Aussterben der
Bestände als erste betroffen und würden sich ihren Broterwerb
nicht selbst kaputtmachen. Der Vorsitzende des Fischerverbands des
bretonischen Concarneau, Jean-Pierre Salaün, erklärte, von
der Reform seien vom Familienbetrieb bis zur Hochseefischerei alle
betroffen.
(Quelle: ap)
Kopenhagen: Aus für Hippie-Siedlung Christiania
Do.11.12.03 - Die alternative Hippie-Siedlung Christiania in Kopenhagen darf nach
Angaben von Regierungsanwälten geräumt werden. Die Bewohner
hätten das Gelände vom Staat nur geliehen und nicht
gepachtet, erklärte die von der Regierung beauftragte Kanzlei am
Mittwoch. Die Bewohner der Kommune protestieren seit zwei Jahren gegen
die angedrohte Räumung. Die liberal-konservative Regierung hatte
beim Amtsantritt im Jahr 2001 angekündigt, den Verkauf von
Haschisch in Christiania zu unterbinden und die 1971 gegründete
Siedlung, in der etwa 1.000 Menschen leben, räumen zu lassen.
(Quelle: info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/])
Mehr unter:
http://www.christiania.org
Menschenrechtler rügen China-Politik des deutschen Kanzlers
Do.11.12.03 - Die China-Politik von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
stößt auf scharfe Kritik von Menschenrechtlern. Sie
orientiere sich zu sehr an wirtschaftlichen Interessen, sagte die
Generalsekretärin der deutschen Sektion von amnesty international,
Barbara Lochbihler, am Dienstag.
Schröders Vorschlag, das Waffenembargo gegenüber China
aufzuheben, mache deutlich, wie wenig Bedeutung er der
tatsächlichen Lage der Menschenrechte in dem Land beimesse, wenn
es um ökonomische Interessen gehe, rügte Lochbihler in einem
Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die
Bundesregierung habe zwar anders als ihre Vorgängerinnen die
Menschenrechts-Politik zu ihrer Leitlinie erklärt: "Aber wenn es
um starke Länder wie China, USA oder Russland geht, fällt sie
weit hinter ihre Ansprüche zurück".
Nach Ansicht der Gesellschaft für bedrohte Völker hat die
Menschenrechtspolitik der Bundesregierung ein "trauriges Rekordtief"
erreicht. Mit ihrer Außenpolitik setze die Regierung
ausschließlich auf den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen,
erklärte der Generalsekretär der in Göttingen
ansässigen Menschenrechtsorganisation, Tilman Zülch.
"Wir erleben derzeit weltweit schwere Zeiten für die
Menschenrechte", erklärte der Direktor des Deutschen Instituts
für Menschenrechte, Heiner Bielefeldt. Einerseits drohe ihre
Ignorierung angesichts des "Primats einer zu eng gefassten
Sicherheitspolitik", andererseits würden sie, wie im Fall des
Iraks, von den USA und Großbritannien sogar zu Kriegszecken
instrumentalisiert.
Sowohl amnesty als auch das Berliner Institut registrierten im
Bewusstsein der Bevölkerung eine hohe Wertschätzung für
die Menschenrechte, aber auch ganz erhebliche Lücken im konkreten
Wissen. Nur jedem zweiten Deutschen sei klar, dass sie international
verbindlich festgelegt sind. Vier Prozent könnten als richtiges
Vertragsdokument auch die UN-Menschenrechtscharta benennen, hieß
es in einer gemeinsam von beiden Organisationen präsentierten
Studie.
Zülch kritisierte insbesondere die Tschetschenien-Politik der
Bundesregierung. Hartnäckig vernebele sie den russischen
Völkermord in Tschetschenien als "Antiterror-Maßnahme". Sie
sei deshalb mitschuldig am Mord an 80.000 Tschetschenen seit 1999.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD),
Wolfgang Huber, kritisierte die Errichtung eines Sperrzauns um die
Palästinenser-Gebiete durch die israelische Regierung. Dies
beeinträchtige die Rechte der palästinensischen
Bevölkerung auf Freizügigkeit, die Sicherung ihrer
wirtschaftlichen Existenz und den Zugang zu Wasser, erklärte er in
Hannover.
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) forderte
Israel auf, im Umgang mit den Palästinensern die Menschenrechte zu
achten. "Alle Kinder dieser Welt haben ein Recht auf ein Leben ohne
Gewalt, Zerstörung und Furcht", erklärte sie in Berlin. Auch
die israelische Bevölkerung leide unter der Unsicherheit und
Gewalt im Nahen Osten.
Menschenrechtspolitiker aller Bundestagsfraktionen riefen die
Abgeordneten auf, sich auf Auslandsreisen für politisch verfolgte
Parlamentarier einzusetzen. Informationen zur Gefährdung
oppositioneller Politiker sollten vor Delegationsreisen an die
Bundestagsabgeordneten verteilt werden, erklärten sie in Berlin.
(Quelle: epd)
Erste Runde im entscheidenden Reformpoker ohne greifbares Ergebnis
Vermittlungsgespräche bei Steuerreform festgefahren
Do.11.12.03 - Die Beratungen im Vermittlungsausschuss haben sich am Mittwoch beim
Thema Steuerreform festgefahren. Die SPD machte dafür die Union
verantwortlich, die über die Steuern nur in Verbindung mit ihrer
Forderung nach Korrekturen am Tarifrecht habe sprechen wollen. Die
Verhandlungen wurden am späten Abend auf heute Nachmittag vertagt.
Vor dem Streit um die Steuern hatten beide Seiten in einer Reihe
weiterer Fragen Fortschritte erzielt, nach SPD-Angaben auch bei der
strittigen Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum neuen
Arbeitslosengeld II.
SPD-Parlamentsgeschäftsführer Wilhelm Schmidt warf der Union
vor, die Verhandlungen zu blockieren, indem sie eine "nicht
sachgerechte Verknüpfung" zwischen den Themen Steuerreform und
Tarifrecht herstelle. Die SPD lehnt einen Eingriff des Gesetzgebers in
die Tarifautonomie strikt ab.
Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU)
verteidigte die Verknüpfung von Steuerreform und Tarifrecht. Mit
den von ihr geforderten Strukturreformen im Arbeitsrecht wolle die
Union langfristig mehr Wachstum erreichen. Dies sei wichtiger als das
Vorziehen der Steuerreform auf 2004, da die Steuersenkungen ja Anfang
2005 ohnehin in Kraft treten würden.
Der Vorsitzende des Vermittlungsausschusses, Bremens Bürgermeister
Henning Scherf (SPD), gab sich trotz des Streits um die Steuern
versöhnlich. "Wir sind uns bei vielen Themen einig", sagte er beim
Verlassen des Bundesratsgebäudes, wo die Verhandlungen
stattfinden. Dagegen drohte der parlamentarische
Geschäftsführer der Union im Bundestag, Volker Kauder, mit
einem Scheitern.
Fortschritte gab es nach den Worten Schmidts bei der Umsetzung der
grundsätzlich von beiden Seiten befürworteten Zusammenlegung
von Arbeitslosen- und Sozialhilfe für Erwerbsfähige.
Annäherungen gab es nach übereinstimmenden Angaben beider
Seiten bei den Themen Handwerksordnung und Reform der Sozialhilfe.
Weitgehend einig waren sich die Unterhändler beider Seiten in der
Skepsis gegenüber einem Gipfeltreffen der Parteichefs. "Der
Mittelpunkt der Entscheidungen ist der Vermittlungsausschuss", sagte
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Ähnlich
äußerten sich Unterhändler der SPD. Die Verhandlungen
müssen spätestens am Dienstag abgeschlossen werden, wenn die
Gesetze zum Jahreswechsel in Kraft treten sollen.
(Quelle: afp)
Hintergrund: Die Kompromisslinien
Do.11.12.03 - Welche Kompromisse sind im Reformpoker bei welchen Gesetzesvorhaben
möglich? Die Nachrichtenagentur dpa dokumentiert Positionen und
Chancen:
TABAKSTEUER: Einigungschancen. Die Arbeitsgruppe hat zwei Varianten
für die Tabaksteuer-Erhöhung vorgeschlagen, die
frühestens zum 1. März 2004 - zwei Monate später als
geplant - umgesetzt werden können. Strittig: Zeitplan und
Erhöhungsschritte der dreistufigen Anhebung.
STEUEREHRLICHKEIT: Starke Annäherung. Ein Gesetzestext ist
fachlich abgestimmt, die Union verlangt aber noch eine
Protokollerklärung zur künftigen Besteuerung von
Kapitalerträgen. Sie ist gegen eine Wiedereinführung der
Vermögensteuer und höhere Erbschaftsteuer. Nach jetzigem
Stand sollen Steuersünder die hinterzogenen Beiträge nach
Kalenderjahren darlegen. Zudem wird die Amnestie auf 2002 erweitert.
Derzeit könnte 2004 «nacherklärtes» Geld zu einem
Satz von 25 und bis Ende März 2005 von 35 Prozent nachversteuert
werden.
STEUERREFORM/HAUSHALTSBEGLEITGESETZ: Keine Annäherung bei der
geplanten vorgezogenen Steuerentlastung um 15,6 Milliarden Euro und
ihrer Finanzierung. Die Union will das Vorziehen der dritten Stufe nur
zu maximal 25 Prozent über neue Schulden finanzieren.
Rot-Grün sagt, wenn die Bundestagsbeschlüsse umgesetzt
werden, seien die Ausfälle für Bund und Land unterm Strich
gegenfinanziert. Bei der Eigenheimzulage, die die Koalition nicht mehr
komplett abschaffen, aber zumindest halbieren will, ist die Union nur
zu geringen Kürzungen bereit. Auch bei der Pendlerpauschale bremst
die Union.
SUBVENTIONSABBAU: Eine Unterarbeitsgruppe hat sich am Dienstag nochmals
mit den Vorschlägen der Ministerpräsidenten
Koch/Steinbrück befasst. Danach sollen alle Subventionen zwischen
2004 und 2006 jährlich pauschal um 4 Prozent gekürzt werden.
Die Liste basiert aber auf den Staatshilfen von 2002, sie könnte
also aktualisiert werden. Nach derzeitigem Stand sollen investive
Mittel wie für den Regionalverkehr verschont werden. Einzelposten
könnten dafür schon im ersten Jahr um 12 Prozent gekürzt
werden. Etwaige Änderungen der Liste sollen das gesamte
Finanzierungsvolumen aber nicht beeinträchtigen.
GEMEINDEFINANZREFORM: Verhärtete Positionen. Die Union lehnt die
Pläne für eine Reform der Gewerbesteuer ab. Die Regierung
will diese zu einer «Gemeindewirtschaftsteuer» machen, in
die Freiberufler einbezogen und wo auch Zins- sowie Mieteinkünfte
berücksichtigt werden sollen. Zudem will Rot-Grün durch eine
niedrigere Umlage den Kommunen mehr aus ihrem wichtigen
Gewerbesteueraufkommen lassen. Die Union will dagegen den
Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer erhöhen und ein
einjähriges Sofortprogramm für die Kommunen.
UNTERNEHMENSBESTEUERUNG: Beide Seiten liegen auseinander. Die Union
erkennt offensichtlich an, dass die Verrechnung von
Verlustvorträgen reduziert werden muss. Es hat sich ein
Vortragsvolumen von bis zu 400 Milliarden Euro aufgetürmt. Es kann
daher sein, dass Firmen trotz Wachstums jahrelang keine
Körperschaftsteuer zahlen. Bei der Einschränkung der
Gesellschafterfremdfinanzierung wird gegenüber dem
Bundestagsbeschluss eine erhöhte Freigrenze von 250 000 statt 50
000 Euro vorgeschlagen. Strittig ist der Umfang der Steueränderung
für Kranken- und Lebensversicherer bei Verlusten aus
Aktiengeschäften. Rot-Grün hält die für 2003
getroffene Regelung für ausreichend, um Pleiten abzuwenden. Eine
von Union und FDP geforderte Erleichterung auch für 2001/2002
lehnt Rot-Grün ab.
ZUSAMMENLEGUNG VON ARBEITSLOSEN- UND SOZIALHILFE: Ergebnis völlig
offen. Wer ist künftig für die Langzeitarbeitslosen
zuständig, und wer bezahlt das? Die Koalition will der
Bundesanstalt für Arbeit die Federführung und
Zuständigkeit für das steuerfinanzierte, die Kommunen
entlastende Arbeitslosengeld II geben. Die Union will das zur Sache der
Kommunen machen. Die Koalition könnte entgegenkommen und eine
angemessene Beteiligung der Kommunen zulassen. Weiter strittig: Welche
Arbeiten müssen Langzeitarbeitslose annehmen? Die Union hält
auch Jobs für zumutbar, die unter Tarif bezahlt werden. Im
Gegenzug plädiert sie dafür, solche Tätigkeiten durch
höhere Zuschüsse attraktiver zu machen.
TARIFRECHT: Festgefahrene Fronten im Streit um die gesetzliche
Verankerung tariflicher Öffnungsklausel (Forderung der Union).
Dies würde es Betrieben erlauben, von den Tariflöhnen auch
ohne Notlage und ohne Zustimmung der Gewerkschaften nach unten
abzuweichen. Die Tarifparteien konnten sich bisher nicht auf
freiwillige Vereinbarungen für betriebliche Öffnungsklauseln
verständigen.
HANDWERKSORDNUNG: Einigungschancen. Im Mittelpunkt steht die Lockerung
des Meisterzwangs. Auch die Union will eine Reform, knüpft aber an
die Zulassung von Gesellen, sich mit einem Betrieb selbstständig
zu machen, wesentlich strengere Voraussetzungen.
KÜNDIGUNGSSCHUTZ: Der Union gehen die beschlossenen Lockerungen
nicht weit genug: Sie will, dass der Kündigungsschutz nur noch in
Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten gilt. Die Regierung hatte
beschlossen, dass Firmen mit maximal fünf Beschäftigten bis
zu fünf weitere Arbeitnehmer befristet einstellen können,
ohne dass so die Belegschaft unter Kündigungsschutz fällt.
Ein Kompromiss ist denkbar.
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Tausende protestieren in Frankfurt gegen soziale Demontage
Do.11.12.03 - Knapp 4.000 Menschen haben nach Polizeiangaben am Mittwoch in Frankfurt
am Main gegen den Abbau staatlicher Leistungen für Arbeitslose,
Rentner, Kranke und Behinderte protestiert. Die vom Sozialverband VdK
Hessen organisierte Demonstration richtete sich im einzelnen gegen die
Nullrunde für Rentner, die Streichung von Krankengeld und
Zahnersatz, gegen die Zuzahlungen im Gesundheitswesen und gegen eine
Absenkung des Arbeitslosengeldes auf Sozialhilfeniveau. Laut VdK hatten
80 Busse aus allen Landesteilen die Teilnehmer nach Frankfurt gebracht.
(Quelle: ap)
Deutsche Bank muss Leo Kirch Schadenersatz zahlen
Do.11.12.03 - Die Deutsche Bank muss dem Pleite gegangenen Medienunternehmer Leo
Kirch Schadenersatz zahlen. Das Institut sei zur Verschwiegenheit
verpflichtet und müsse sich die Äußerungen seines
früheren Vorstandschefs Rolf Breuer zurechnen lassen,
erklärte das Oberlandesgericht München am Mittwoch. Breuer,
heute Aufsichtsratschef der Bank, hatte im Februar 2002 in einem
Fernsehinterview gesagt, der Finanzsektor werde Kirch wohl keine
weiteren Gelder mehr zur Verfügung stellen.
Auf die Frage, ob die Deutsche Bank noch bereit sei, dem angeschlagenen
Medienkonzern von Leo Kirch zu helfen, antwortete Breuer damals
wörtlich: "Das halte ich für relativ fraglich. Was man alles
darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor
nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder
gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."
Diese beiden Sätze, so entschied gestern das Münchner
Oberlandesgericht, stellen eine Verletzung des Bankgeheimnisses dar, und
somit hat Leo Kirch Anspruch auf Schadenersatzforderungen gegen die
Deutsche Bank.
Die Anwälte von Kirch hatten in ihrer Klage argumentiert, dass
sich die Verhandlungsbedingungen mit verschiedenen Banken nach Breuers
Aussage schlagartig verschlechtert hatten. Wenige Monate später
fiel der Kirch-Konzern Stück für Stück zusammen, den
meisten Bereichen stehen seitdem die Insolvenzverwalter vor.
In erster Instanz hatte das Landgericht München Breuer und die
Deutsche Bank wegen Bruch des Bankgeheimnisses zu unbeschränktem
Schadenersatz verurteilt. Das Oberlandesgericht sah dagegen keine Basis
für eine persönliche Haftung Breuers.
Kirchs Anwälte zeigten sich zufrieden mit dem Urteil.
Wolf-Rüdiger Bub sagte: «In der Sache selbst ist das Urteil
voller Erfolg. Breuer wäre ja ohnehin nicht in der Lage gewesen,
selbst zu zahlen». Anwalt Peter Gauweiler erklärte: "Der
Gesamtschaden wird in die Milliarden gehen". Bub kündigte an, eine
Reihe von Leistungsklagen einzureichen, um in einer Vielzahl von
Einzelfällen Schadenersatz zu erstreiten. Anwälte der
Deutschen Bank lehnten jeden Kommentar ab.
(Quelle: ap, taz)
Bundesweite Durchsuchungen bei 'Kalifatstaat'
Do.11.12.03 - Das Bundeskriminalamt hat am Morgen bundesweit 1100 Objekte von
mutmaßlichen Anhängern des radikalislamischen
«Kalifatstaats» durchsucht. Das bestätigte ein
Sprecher in Köln auf Anfrage. Auch die Wohnung des als
«Kalif von Köln» bekannten Führers Metin Kaplan
wurde durchsucht. Der Verein war im Dezember 2001 von
Bundesinnenminister Otto Schily verboten worden. Derzeit kämpft
Kaplan gegen seine Auslieferung in die Türkei.
(Quelle: dpa)
Limbach warnt vor Kopftuchverbot an Schulen
Do.11.12.03 - Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, hat sich
gegen ein Kopftuchverbot an Schulen ausgesprochen. "Wir laufen
gegenwärtig Gefahr, dieses Kleidungsstück zu einem Fetisch zu
machen", sagte die frühere Präsidentin des
Bundesverfassungsgerichtes der Wochenzeitung "Jüdische Allgemeine"
in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview. Es
würden "Ängste vor Ideologien hochgespielt, mit denen wir uns
besser in der Sache auseinandersetzten, anstatt sie an solchen Symbolen
festzumachen", betonte Limbach.
Zwar sei nicht zu leugnen, dass fundamentalistische Kräfte
versuchten, das Kopftuch politisch zu instrumentalisieren. Gleichwohl
stelle sich die Frage, ob die Devise "Keine Freiheit für die
Feinde der Freiheit" die richtige Antwort darauf sei. "Ein Verbot des
Kopftuchs dürfte eher fundamentalistischen Strategien in die
Hände spielen als diesen entgegenwirken", sagte Limbach.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Türkisch-stämmige Abgeordnete für Kopftuchverbot
Kopftuch werde von Islamisten als Kampfsymbol missbraucht. Frauen die
sich stark verhüllten, machten damit eine politische Aussage
Sa.06.12.03 - Drei muslimische Parlamentarierinnen des Berliner Abgeordnetenhauses
haben sich für das Kopftuchverbot im Staatsdienst ausgesprochen.
Es stimme nicht, dass die 2. und 3. Generation Musliminnen in
Deutschland das Kopftuch nur der Tradition zuliebe trügen, sagte
die frauenpolitische Sprecherin der PDS, Evrim Baba. Das Kopftuch werde
von Islamisten vielmehr als Kampfsymbol missbraucht...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312060.htm#03120617
Politikerinnen warnen vor 'Lex Kopftuch'
Konkrete Schritte hin zu Kopftuchverbot bislang in vier Ländern
Di.02.12.03 - Prominente Vertreterinnen aus Politik und Gesellschaft haben sich
vehement gegen ein generelles Kopftuchverbot an deutschen Schulen
ausgesprochen. In einem in Berlin vorgestellten Aufruf, der von der
Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Marieluise Beck, und
Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) mitinitiiert
wurde, treten die Verfasserinnen für eine differenzierte Debatte
über das Thema ein. Beck sagte bei der Vorstellung des Aufrufs,
eine Ausgrenzung der Kopftuchträgerinnen würde nur den
Fundamentalisten in die Hände spielen.
Ein Kopftuchverbot würde nur die Stigmatisierung jener Frauen
vorantreiben, die es tragen, heißt es in dem "Aufruf wider eine
Lex Kopftuch"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312020.htm#03120223
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zur Kopftuch-Debatte unter:
http://www.boa-muenchen.org/k0312020.htm#031202ps
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Waldsterben nimmt wieder zu
Mehr als 50 Prozent aller Tannenbäume geschädigt
Do.11.12.03 - Mehr als die Hälfte aller Tannenbäume in Deutschland ist
geschädigt. Damit ist die Tanne der am meisten von negativen
Umwelteinflüssen betroffene Baum. Auch die Eiche ist besonders
stark geschädigt. Darauf hat der Deutsche Naturschutzring DNR) in
Berlin hingewiesen. Insgesamt haben die Waldschäden weiter
zugenommen. 21 Prozent aller Bäume weisen deutliche Schäden
auf. Vor einem Jahr waren es noch 19 Prozent.
Den stärksten Zuwachs mussten Rheinland-Pfalz und
Baden-Württemberg hinnehmen. Der DNR sieht damit einen
langfristigen Trend bestätigt und keinen Grund zur Entwarnung. Als
Hauptursache nannte der DNR-Präsident Hubert Weinzierl steigende
Stickstoff- und Säurebelastung des Waldbodens durch Abgase und
landwirtschaftliche Düngemittel. Für das nächste Jahr
seien "dramatische Schäden" zu erwarten, weil zu dem Zeitpunkt
der Waldschadens-Erhebung noch genügend Wasser im
Boden gewesen sei. Nach Angaben der Forstämter ließen zudem
die diesjährige Hitzewelle sowie das hohe Niederschlagsdefizit
viele Bäume vorzeitig Nadeln und Blätter verlieren.
Die Bundesregierung stellt morgen den offiziellen Waldschadensbericht
vor.
(Quellen: dpa, epd)
Goodbye Kyoto?
Im Umfeld des Mailänder Klimagipfels suchen Wissenschaftler und
Politiker nach neuen Schuldigen und alternativen
Lösungsstrategien...
Mehr bei telepolis (11.12.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/16305/1.html
Blick ins Archiv
Klimawandel: Westeuropa droht Temperatursturz
Wissenschaftler: Um die Klimaveränderung und seine Konsequenzen zu
bremsen, seien weit drastischere Maßnahmen erforderlich, als es
das Kyoto-Protokol zu Treibhausgasreduzierung vorsehe
So.07.12.03 - Die Klimaerwärmung könnte zu einem Temperatursturz in
Westeuropa führen. Nach einer neuen Studie, die Wissenschaftler im
Rahmen der UN-Klimakonferenz in Mailand vorstellten, ist dafür das
Abschmelzen der Polkappen verantwortlich...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312070.htm#03120715
Mehr Berichte und Hintergrundinformationen zum Thema "Klimawandel" unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312070.htm#031207_a
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Erneut Internet-Dissendent in China vor Gericht
Beklagte sich online über Korruption
Do.11.12.03 - Ein Finanzbeamter ist am Mittwoch in China vor Gericht gestellt worden,
weil er über das Internet seine politische Meinung verbreitet oder
mit Dissidenten im Ausland kommuniziert hat.
Das Gericht in Dazhou in der Provinz Sichuan machte dem
32-jährigen Li Zhi den Prozess, doch wurde noch kein Urteil
verkündet, wie ein Mitarbeiter bestätigte. Der Finanzbeamte
hat sich nach Angaben von Menschenrechtlern im Internet über
Korruption in der Stadtregierung beklagt und Informationen darüber
ins Ausland verschickt. Ihm wurde "Untergrabung der Staatsgewalt"
vorgeworfen, was eine mehrjährige Haftstrafe erwarten lässt.
Erst am Montag war in Xi'an ein Internet-Dissident zu zwei Jahren Haft
verurteilt worden.
Menschenrechtsgruppen sind mehr als 60 Fälle bekannt, in denen
Internetuser festgenommen, vor Gericht gestellt oder verurteilt worden
sind. Vier Bürgerrechtler, die sich zusätzlich noch in einer
politischen Vereinigung organisiert hatten, erhielten zwischen acht bis
zehn Jahre Haft.
(Quelle: futurezone)
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
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