Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertneunundsechzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Streit über Wiederaufbauprojekte in Irak +++ Bush ruft
Berlin, Paris und Moskau zu irakischem Schuldenerlass auf. Irak hat
mehr als 100 Milliarden Dollar Schulden +++ Weitere Irak-Ausschreibung
über zwei Milliarden Dollar. US-Heeressprecher: Deutschland,
Frankreich, Russland und Kanada ohne Chance +++ US-Präsident
fordert Ausgleich überhöhter Rechnungen durch
US-Auftragnehmer im Irak +++ Spanien verlängert Einsatz seiner
Soldaten im Irak +++ US-Soldat bei Sprengstoffanschlag nahe Ramadi in
Irak getötet
Sa.13.12.03 - Der Streit über die amerikanische Vergabepolitik für
Wiederaufbauprojekte in Irak reißt nicht ab. Australien und
Großbritannien verteidigten am Freitag die Entscheidung der USA,
keine Aufträge an Unternehmen aus kriegskritischen Staaten wie
Deutschland und Frankreich zu vergeben. Dagegen bekräftigte
EU-Chefdiplomat Javier Solana die Kritik der EU-Kommission an der
Haltung Washingtons. Trotz einer spöttischen Reaktion von
US-Präsident George W. Bush versicherte Solana, die
transatlantischen Beziehungen seien nicht gefährdet.
Bush hatte am Donnerstagabend ungewöhnlich scharf auf die Kritik
von Bundeskanzler Gerhard Schröder geantwortet, der betont hatte,
bei der Ausschreibung der Projekte müsse internationale Recht
gelten. "Internationales Recht? Da rufe ich wohl besser meinen Anwalt
an. Darauf hat er mich nicht hingewiesen", sagte Bush in Washington.
Der australische Außenminister Alexander Downer rechtfertigte die
US-Politik in einem Rundfunkinterview mit der Begründung, bei den
Aufträgen über 18,6 Milliarden Dollar (15,2 Milliarden Euro)
gehe es schließlich um amerikanische Steuermittel. Die Alliierten
seien verärgert darüber, dass Länder wie Deutschland und
Frankreich auf der Madrider Geberkonferenz vor sechs Wochen kein Geld
für den Wiederaufbau Iraks geben wollten "und jetzt auf der
anderen Seite sagen, sie wollten Zugang zu Verträgen, die mit
amerikanischem Steuergeld finanziert werden".
Solana argumentierte genau umgekehrt. "Man sagt, dass Länder sich
nicht an Ausschreibungen beteiligen dürfen, und gleichzeitig
bittet man die gleichen Länder um Zusammenarbeit, Geld und eine
Entschuldung", sagte er. Gleichzeitig wies er Befürchtungen
zurück, der Streit werde nach der Spaltung der internationalen
Gemeinschaft über den Irak-Krieg zu einem neuen Zerwürfnis
führen. "Diese Schwierigkeiten sind längst überwunden,
die Atmosphäre ist jetzt sehr gut", sagte Solana.
Um Vermittlung bemühte sich am Freitag die japanische Regierung.
Kabinettschef Yasuo Fukuda rief die internationale Gemeinschaft am
Rande des ASEAN-Gipfels in Tokio zur Zusammenarbeit beim Wiederaufbau
Iraks auf. Obwohl Japan nicht betroffen ist, äußerte Fukuda
Verständnis für die Proteste gegen den Ausschluss der
Kriegsgegner. Seine Regierung hatte den Irak-Krieg unterstützt und
will in den kommenden vier Jahren fünf Milliarden Dollar (gut vier
Milliarden Euro) für den Wiederaufbau bereitstellen - die
zweithöchste Summe nach den USA. Ferner will Japan rund 1.000
Soldaten nach Irak entsenden, die allerdings nicht für
Kampfeinsätze vorgesehen sind.
US-Präsident George W. Bush hat Deutschland, Russland und
Frankreich dazu aufgerufen, einen Teil der irakischen Auslandsschulden
zu erlassen. Die drei Länder könnten sich somit für das
Wohl der Iraker einsetzen, sagte Bush in Washington. Bushs
Sonderbeauftragter James Baker wird am Mittwoch in Berlin erwartet. Bei
Gesprächen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder soll es auch um
die irakischen Auslandsschulden gehen.
Wer so viele Bodenschätze besitze wie der Irak, dem sei es auch
zuzumuten, seine Schulden zu begleichen: Dieses Argument wird schon
länger gegen einen pauschalen Schuldenerlass für den Irak
vorgebracht. Die gesamte Auslandsverschuldung Bagdads wird auf 100 bis
120 Milliarden Dollar geschätzt. Die Bundesrepublik fordert 2,4
Milliarden Dollar, Japan vier Milliarden Dollar, Russland 3,5
Milliarden, Frankreich drei Milliarden Dollar. Bei weiteren
Gläubigerländern hat der Irak Verbindlichkeiten in Höhe
von 21 Milliarden Dollar, dazu kommen noch einmal Zinszahlungen in
gleichem Umfang. Privaten Gläubigern schuldet der Irak etwa 1,9
Milliarden Dollar.
Die Forderungen der Golfstaaten belaufen sich zusätzlich auf 55
Milliarden Dollar. Diese Summe stammt überwiegend aus dem Krieg
gegen Iran (1980 bis 1988). Die Golfstaaten betrachten diese Summe als
Kredit, der Irak sieht sie dagegen als Beitrag zu dem Krieg gegen
Ayatollah Khomeini, der den Interessen aller Araber gedient habe. Nicht
einberechnet in diesen Summen sind einige Milliarden Dollar, welche
Kuwait noch als Reparationen für die Invasion im August 1990
fordert.
Ob es zumindest einen Teil-Schuldenerlass geben wird, hängt
wesentlich von den im „Pariser Club" versammelten
Gläubigerländern ab. Deren Entscheidungen werden auch unter
politischen Gesichtspunkten gefällt. Dem neuen Staat
Serbien-Montenegro wurden zwei Drittel seiner Verbindlichkeiten
erlassen. Europa und Amerika wollten verhindern, dass der Staat gleich
zum Start durch wirtschaftliche Schwierigkeiten verunsichert wird. Ein
ähnliches Argument nennen die USA jetzt für den Irak.
Der alten Bundesrepublik wurden1953 im Londoner Schuldenabkommen die
von den Nationalsozialisten gemachten Schulden erlassen. Die Summe
betrug damals 15 Milliarden Mark – ein Betrag, der zwei Drittel des
damaligen Bundeshaushaltes ausmachte.
Das Pionierkorps des US-Heeres hat am Freitag den Wiederaufbau der
irakischen Ölindustrie ausgeschrieben. Es handelt sich um ein
Auftragsvolumen von zwei Milliarden Dollar, zusätzlich zu den
bisher veröffentlichten Projekten über 18,6 Milliarden
Dollar. Gebote aus Deutschland, Frankreich, Russland und Kanada
würden nicht berücksichtigt, sagte ein Sprecher.
Der Öl-Kontrakt ist zu einem der größten
Wiederaufbauprojekte in Irak geworden.
Spaniens Soldaten bleiben bis zunächst Ende Juni kommenden Jahres
im Irak. Die Regierung hat eine Verlängerung des Einsatzes um ein
halbes Jahr beschlossen. Nach dem Tode von sieben spanischen
Geheimdienstlern bei einem Anschlag vor zwei Wochen hatten die
oppositionellen Sozialisten und Kommunisten die Rückkehr der
spanischen Einheiten gefordert. Spanien hatte im Irak-Krieg zu den
engsten Verbündeten der USA gehört, sich an der
militärischen Eroberung des Landes jedoch nicht direkt beteiligt.
Bei einem Sprengstoffanschlag nahe der irakischen Stadt Ramadi ist ein
US-Soldat ums Leben gekommen. Der Soldat sei seinen Verletzungen
erlegen, die er bei dem Angriff mit einem selbst gebastelten Sprengsatz
am Freitagmorgen erlitten habe, sagte ein US-Armeesprecher am Samstag.
Zwei weitere Soldaten seien bei dem Anschlag rund 100 Kilometer
westlich von Bagdad verletzt und in ein US-Militärkrankenhaus in
der irakischen Hauptstadt gebracht worden. Ein weiterer US-Soldat sei
am Freitagmorgen in Bagdad durch "nicht-feindlichen Beschuss" ums Leben
gekommen. Seit dem offiziellen Ende der größeren
Kampfhandlungen am 1. Mai wurden insgesamt 197 US-Soldaten bei
Angriffen getötet und 2200 US-Soldaten verletzt.
US-Präsident George W. Bush hat eine Rückzahlung
überhöhter Rechnungen durch US-Auftragnehmer im Irak
gefordert.
Sollte eine Prüfung des US-Verteidigungsministeriums ergeben, dass
ein Subunternehmen des Ölkonzerns Halliburton
überhöhte Beträge für Öllieferungen in den
Irak abgerechnet habe, dann erwarte er eine Rückzahlung der
Differenz,
Anzeige
sagte Bush am Freitag in Washington vor Journalisten. "Die Untersuchung
wird die Fakten für alle offen legen. Falls zuviel berechnet
wurde, wie wir es annehmen, dann muss dieses Geld zurückgezahlt
werden", sagte er. Ein kuwaitischer Subunternehmer der
Halliburton-Tochter Kellog Brown and Root hat möglicherweise 61
Millionen Dollar mehr für die Öllieferungen aus Kuwait in den
Irak abgerechnet, als ihm zusteht. Halliburton hat die Untersuchung
begrüßt und erklärt, nicht fehlerhaft abgerechnet zu
haben.
Bushs Stellvertreter Dick Cheney war Chef von Halliburton, bevor er in
die Politik wechselte. Die Opposition im US-Parlament hatte kritisiert,
dass bei der Vergabe mehrerer Aufträge für den Wiederaufbau
der irakischen Ölindustrie an den Konzern die engen Beziehungen
Cheneys zu Halliburton eine Rolle gespielt hätten. Cheney war
fünf Jahre lang Chief Executive des zweitgrößten
Ölindustrie-Ausrüsters der Welt.
(Quellen: ap, dpa, afp, rtr)
UN fordern mehr Truppen für Afghanistan
Sa.13.12.03 - Die schon von Selbstmordattentätern aus Irak hinaus getriebenen
Vereinten Nationen müssen nach den Worten des UN-Gesandten Lakhdar
Brahimi auch ihr Engagement in Afghanistan beenden, wenn sich die
Sicherheitslage nicht bald deutlich verbessert. Seit März sind in
Afghanistan mindestens elf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bei
gezielten Angriffen getötet worden. Mehr ausländische
Soldaten seien erforderlich, sagte Brahimi am Freitag im Interview mit
der Nachrichtenagentur AP.
«Die Länder, die sich zur Unterstützung Afghanistans
bekannt haben, können nicht länger von uns erwarten, dass wir
unter inakzeptablen Sicherheitsbedingungen arbeiten», sagte
Brahimi. «Sie halten unsere Anwesenheit hier für wichtig.
Gut, wenn dem so ist, dann sollen sie auch dafür sorgen, dass die
Bedingungen stimmen. Wenn nicht, dann gehen wir.» Die UN haben
ihre Mitarbeiter schon aus einigen besonders unruhigen Regionen
abgezogen.
Die Türkei erwäge, weitere Soldaten zu schicken, sagte
Brahimi, und das sei hoch willkommen. Ein Treffen mit der
französischen Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie
endete aber ohne Ergebnis. Alliot-Marie erklärte, Frankreich, das
500 Soldaten in Afghanistan hat, habe nicht vor, weitere Truppen zu
schicken oder ihren Einsatz über die Hauptstadt Kabul hinaus
auszudehnen, von Ausnahmen abgesehen.
Die größte Streitmacht haben die USA mit 11.700 Soldaten in
Afghanistan. Ihre jüngste Offensive wird aber überschattet
von zwei Fehlangriffen, bei denen 15 Kinder getötet wurden.
Brahimi mahnte, die USA müsste mit größerer Sorgfalt
vorgehen. Sie müssten auch einige ihrer Verbündeten im Kampf
gegen die Taliban fallen lassen. Er bezog sich dabei auf einige
mächtige Milizführer, die aber von vielen Afghanen als
korrupt und gefährlich betrachtet werden.
Das Treffen der Verfassungsgebenden Versammlung Afghanistans, der so
genannten Loja Dschirga, wurde zum zweiten Mal binnen einer Woche
verschoben. Die rund 500 Delegierten wollen nun am Sonntag in Kabul
zusammenkommen, wie der Pressesprecher der afghanischen Regierung,
Sultan Bahin, am Freitag mitteilte. Zuvor war die Konferenz bereits vom
Mittwoch auf Samstag verlegt worden.
Als Grund wurde jedes Mal angeführt, dass es einigen Teilnehmern
wegen schlechten Wetters und der Unwegsamkeit des Landes immer noch
nicht gelungen sei, in Kabul einzutreffen. Weitere Verzögerungen
brachte die Entscheidung, alle Delegierten zunächst in einem
Einführungsseminar auf die Loja Dschirga vorzubereiten.
Mutmaßungen, dass die Verschiebung auch auf Sicherheitsprobleme
zurückzuführen sein könnte, wies Bahin zurück.
(Quelle: ap)
Nach dem Sieg über die Taliban stand für Afghanistan ein
ambitioniertes Projekt namens Nationbuilding auf der Agenda...
...Doch zwei Jahre nach Bildung der Koalitionsregierung unter
Präsident Karsai beschränkt sich die Autorität der
Zentralregierung noch immer auf die Hauptstadt Kabul. Das Land
produziert 36-mal mehr Opium als zu Zeiten der Taliban. In den Regionen
herrschen nach wie vor die "starken Männer", die sich weder von
der Regierung noch von den internationalen Organisationen in ihre
Angelegenheiten - und in ihre Geschäfte - hinreinreden lassen. Ein
aufschlussreiches Beispiel für die faktische Autonomie der
regionalen Autoritäten ist die Provinz Herat an der Grenze zum
Iran....
Mehr in Le Monde diplomatique (Nr. 7232 vom 12.12.2003, Seite 5):
http://www.taz.de/pt/2003/12/12/a0029.nf/text
Mehr zum Thema Opiumanbau in Afghanistan in der "tageszeitung" vom 20.12.03 unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/20/a0150.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/12/20/a0153.nf/text
Ab morgen wollen 500 Delegierte, darunter knapp 100 Frauen, in einem
Zelt auf dem Gelände der polytechnischen Universität in Kabul
in der Großen Ratsversammlung (Loja Dschirga) über die neue
Verfassung beraten
Ehemalige Mudschaheddin stellen die Mehrheit. Sie dürften
dafür sorgen, dass das neue Grundgesetz mehr Scharia und weniger
Frauenrechte enthält als der Entwurf. Präsident Karsai droht
mit Rückzug, sollte er einen Premierminister bekommen...
Mehr in der "tageszeitung" vom 13.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/13/a0154.nf/text
Der in über einjähriger Arbeit von einer Kommission
ausgearbeitete und mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen
diskutierte Entwurf sieht ein Präsidialsystem mit einem Parlament
aus zwei Kammern vor. Der Präsident hat eine sehr starke Stellung.
Afghanistan soll eine "Islamische Republik" sein, in der kein Gesetz
gegen "die heilige Religion des Islam" verstoßen darf. Der
Verfassungsentwurf bekennt sich zur Menschenrechtserklärung der
Vereinten Nationen und erwähnt das Wort Scharia, die islamische
Rechtsprechung, nicht explizit. Männer und Frauen sind vor dem
Gesetz gleich. Die Delegierten, unter ihnen knapp 100 Frauen, waren in
den letzten Tagen in den Provinzen von den knapp 20.000
Wahlmännern und -frauen gewählt worden, die bereits für
die Loja Dschirga im vergangenen Jahr von der Bevölkerung
gewählt worden waren. Weitere Delegierte schicken Minderheiten und
Flüchtlinge. 25 Männer und 25 Frauen ernannte Präsident
Karsai persönlich.
(Quelle: taz)
|
Nahost-Konflikt
Scharon kritisiert Rolle Deutschlands im Nahost-Friedensprozess +++
Bush: Palästinenser-Staat ist im Interesse Israels +++
Israelischer Außenminister Schalom: Israel legt Plan für
Gespräche mit Palästinensern vor +++ Mehrere zehntausend
Palästinenser erinnern an Hamas-Gründung +++
Hamas-Führer droht mit weiteren Selbstmordanschlägen +++ Kein
Verfahren in der Schweiz gegen angebliche israelische Kriegsverbrecher
+++ Palästinensischer Außenminister lobt Schweizer Engagement im Nahost
Sa.13.12.03 - Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat die Haltung
Deutschlands und der EU beim Nahost-Friedensprozess kritisiert. "Wir
hoffen, dass die Bundesrepublik und mit ihr die Europäische Union
sich ihre Haltung gegenüber (Jassir) Arafat überlegt, weil
Arafat das größte Hindernis auf dem Weg zum Frieden ist",
sagte Sharon der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe).
Von Bundesaußenminister Joschka Fischer forderte Sharon mehr
Zurückhaltung im Umgang mit dem
Palästinenser-Präsidenten: Fischer "bemüht sich zwar
sehr, den Friedensprozess voranzutreiben. Aber er muss verstehen, dass
Europa Jassir Arafat nicht den Eindruck geben darf, dass Europa ihn
unterstützt". Besuche von europäischen Regierungsmitgliedern
bei Arafat bezeichnete der israelische Ministerpräsident als
"historischen Fehler".
Von Deutschland forderte Sharon ausdrücklich ein eindeutiges
Vorgehen gegen Antisemitismus, der "eine große Gefahr für
alle Demokratien" sei. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, dass das
jüdische Volk "das Recht auf Selbstverteidigung hat, wenn es
bedroht wird", betonte Sharon. "Dafür müssen alle
demokratischen Staaten, auch und gerade Deutschland, einstehen."
US-Präsident George W. Bush hat unterdessen Israel vor
Maßnahmen gewarnt, die die Gründung eines
Palästinenserstaates behindern könnten. Israel müsse
sich darüber bewusst sein, dass es "keine Maßnahmen
ergreifen" dürfe, die die Bildung eines palästinensischen
Staates erschwerten, sagte Bush am Freitag in Washington. Ein
Palästinenserstaat sei sowohl im Interesse Israels, als auch des
"armen und leidenden palästinensischen Volkes".
Israel will in der kommenden Woche einen Plan zur Wiederbelebung der
Friedensgespräche mit den Palästinensern vorlegen.
Ministerpräsident Ariel Scharon werde den Plan öffentlich
vorstellen, sagte Außenminister Silvan Schalom am Freitag nach
einem Treffen mit US-Außenminister Colin Powell in Washington.
Details wollte Schalom zunächst nicht nennen. "Wenn die
Palästinenser es ernst meinen, können wir sofort
Verhandlungen mit ihnen aufnehmen", sagte Schalom. Israels
Regierungschef Scharon hatte am Dienstag angekündigt, dass er zur
Räumung einiger jüdischer Siedlungen in den
Palästinensergebieten bereit wäre.
Mehrere zehntausend Anhänger der radikalen
Palästinenserorganisation Hamas haben sich am Freitag im
Flüchtlingslager Dschabalija im Gazastreifen versammelt, um an den
16. Jahrestag der Gründung der Bewegung zu erinnern. "Ich
schwöre vor Allah, dass kein einziger Jude in unserem Land
Palästina bleiben wird", sagte Hamas-Anführer Abdelasis
Rantissi. In der Frage des Status von Jerusalem und des
Rückkehrrechts der Flüchtlinge werde es keine
Zugeständnisse geben.
Unter dem Jubel der Menschen erklärte Rantisi, weitere
Hamas-Kommandos würden «tief im zionistischen Gebilde»
zuschlagen und es erschüttern. «Der Heilige Krieg
kommt.»
Rantisi erschien zum ersten Mal seit Monaten wieder in der
Öffentlichkeit, nachdem Israel versucht hatte, ihn und andere
Führer der Hamas gezielt zu töten. Vor knapp einer Woche war
es dem palästinensischen Ministerpräsidenten Ahemd Kureia und
ägyptischen Vermittlern nicht gelungen, die Hamas und andere
militante Gruppen zu einem Waffenstillstand zu bewegen.
Bei palästinensischen Selbstmordanschlägen wurden in den
vergangenen drei Jahren mehr als 430 Menschen getötet. Die meisten
der mehr als hundert Anschläge wurden von Hamas-Anhängern
ausgeführt.
Gegen vier angebliche israelische Kriegsverbrecher wird in der Schweiz
kein Verfahren eingeleitet. Der Oberauditor der Schweizer Armee hat
dies abgelehnt, da sich keiner der beschuldigten Männer in der
Schweiz befinde. Der Zürcher Anwalt Marcel Bosonnet vermisst eine
eigentliche Auseinandersetzung mit seinem Anliegen.
Wie das Oberauditorat am Freitag mitteilte, ist die Anwesenheit von
Beschuldigten in der Schweiz gemäss ständiger Praxis eine
Bedingung für die Einleitung eines Strafverfahrens gegen
ausländische Staatsbürger, die im Ausland allfällige
Kriegsverbrechen gegen Ausländer begangen haben sollen. Bosonnet
hatte wegen zwei Tatbeständen Anzeige gegen die vier Israelis,
neben drei hohen Vertretern des Sicherheitsapparats auch der
frühere Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer, erhoben. In
einem Fall geht es um rund 60 Hauszerstörungen in der Stadt Rafah
im Januar 2002, im anderen Fall werden Anschuldigungen im Zusammenhang
mit in Israel "systematisch angewandten Folterungen" erhoben. Die
Anzeige stützte sich gemäss Bosonnet auf das Schweizer
Militärstrafrecht. Demnach sei es möglich, auch nicht in der
Schweiz ansässige Personen für ausserhalb des Landes
verübte Kriegsverbrechen in der Schweiz zur Rechenschaft zu ziehen
und auf der Grundlage der Genfer Konventionen zu verurteilen.
In der eingereichten Anzeige sei detailliert begründet, warum die
Schweiz zuständig sei, sagte Bosonnet auf Anfrage. In der rund
hundertseitigen Erklärung sei auf Literatur und Rechtsprechung
hingewiesen worden. Der Oberauditor habe sich die Sache etwas einfach
gemacht. "Eine eigentliche Auseinandersetzung mit unserer Argumentation
ist nicht erfolgt", sagte der Anwalt. Der Oberauditor habe nicht
juristisch, sondern politisch entschieden. Bosonnet will die Anzeige
nun dem Vorsteher des Eidgenössischen Departements für
Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vorlegen. Falls
sich eine der genannten Personen in der Schweiz aufhalte, könne
diese mit dem Entscheid nun immerhin verhaftet werden, sagte Bosonnet.
Der Aussenminister der palästinensischen Behörde, Nabil
Shaat, sieht die Genfer Initiative als nützlichen Versuch, den
Dialog wieder in Gang zu bringen. Er sei dankbar für das
Engagement der Schweiz im Friedensprozess im Nahen Osten, sagte er am
Freitag nach seinem Treffen mit Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in
Bern.
Die Schweiz habe dem palästinensischen Volk im Friedensprozess und
im Bestreben nach Unabhängigkeit immer geholfen, sagte Shaat.
"Nicht nur finanziell, sondern auch ideell", fügte er an. Auch die
Genfer Initiative sei ein nützlicher Versuch, den Dialog in Gang
zu bringen. Sie könnte als Grundlage dienen, falls die
Verhandlungen zum offiziellen Friedensplan wieder aufgenommen
würden. Es sei jedoch eine Initiative der Zivilbevölkerung.
Dass es auch in politischen Kreisen auf so reges Interesse stosse,
zeige nur, wie gross der Wunsch nach einer friedlichen Lösung im
Nahen Osten sei.
Calmy-Rey bezeichnete die Genfer Initiative als Erfolg. Sie habe zu
einer Intensivierung des Dialogs geführt, sagte sie. Die Schweiz
habe aber aber keinen Einfluss auf den Inhalt der Initiative
ausgeübt. Shaat forderte die Bundesrätin auf, sich weiter
für den Frieden einzusetzen, auch wenn damit ein gewisses Risiko
verbunden sei. "Lieber eine Million Mal ein Risiko für den Frieden
eingehen als einmal für den Krieg", sagte er.
Die Schweiz engagiert sich laut Calmy-Rey seit 1993 im Westjordanland
und im Gaza mit Aufbau- und Flüchtlingshilfe sowie für die
Menschenrechte. Im laufenden Jahr wurden dafür 31 Millionen
Franken aufgewendet.
(Quellen: ap, afp)
Baradei: Israels Nuklearpotenzial ist Gefahr für Nahen Osten
Sa.13.12.03 - Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA),
Mohamed el Baradei, sieht in den atomaren Fähigkeiten Israels eine
Gefahr für den Nahen Osten. Die Tatsache, dass Israel nukleare
Kapazitäten besitze, beschleunige das Wettrüsten und schaffe
Gefahren in der Region, sagte Baradei der israelischen Zeitung
"Haaretz" vom Freitag. Der Status Quo sei nicht gut und sorge für
Frustrationen, da Israel offenbar über ein Atomarsenal
verfüge, während andere Länder der Region den
Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hätten. Mit seiner Idee, eine
atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten zu schaffen, habe er sich nicht
durchsetzen können.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Atombehörde soll Israel überprüfen
Mi.01.10.03 - Saudi Arabien, Syrien und Ägypten haben die Internationale
Atomenergiebehörde in Wien aufgefordert, das Waffenarsenal Israels
zu überprüfen. Es sei nicht akzeptabel, dass andere
Länder des Besitzes von Massenvernichtungswaffen bezichtigt
würden, während Israels Atomwaffenpotenzial ignoriert werde ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310010.htm#03100130
Kieler Werft soll offenbar wieder U-Boote für Israel bauen
Boote sind für das Abfeuern von Trägerraketen mit
nuklearen Sprengköpfen präpariert +++ Experte: Lieferung
würde den Tatbestand der Beihilfe zur Weiterverbreitung von
Kernwaffen erfüllen
Do.06.11.03 - Deutschland wird Israel einem Zeitungsbericht zufolge zwei weitere
U-Boote vom Typ "Dolphin" liefern. Die "Berliner Zeitung"
(Donnerstagausgabe) zitierte einen Sprecher der Kieler
Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) mit den Worten, die
Bundesregierung habe die Genehmigung für "technische
Gespräche" zur Vorbereitung des Geschäfts erteilt. Ein
Liefertermin sei noch nicht absehbar. HDW hatte bereits in den Jahren
1999/2000 drei U-Boote dieses Typs für die israelische Marine
gebaut.
Die Boote sind der Zeitung zufolge für das Abfeuern von
Trägerraketen mit nuklearen Sprengköpfen präpariert. Das
Blatt zitierte den Sicherheitsexperten Ottfried Nassauer mit der
Einschätzung, dass ihre Lieferung den Tatbestand der Beihilfe zur
Weiterverbreitung von Kernwaffen erfüllen würde. Die
endgültige Exportentscheidung muss der Bundessicherheitsrat
fällen.
(Quelle: ap)
Mossad erstellt angeblich Plan zur Zerstörung von Irans
Atomanlagen
Mo.13.10.03 - Israel bereitet laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der
Spiegel" Angriffsstrategien zur Zerstörung iranischer Atomanlagen
vor. Eine Spezialeinheit des Geheimdiensts Mossad habe vor zwei Monaten
den Auftrag zur Ausarbeitung entsprechender Pläne erhalten, meldet
das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Die US-Zeitung "Los Angeles Times"
berichtete am Samstag, als Reaktion auf das iranische Atomprogramm habe
Israel U-Boot-Raketen so umgerüstet, dass sie nukleare
Sprengköpfe tragen könnten.
Zudem könnten die verbesserten Raketen auch Ziele an Land treffen,
schrieb die "Los Angeles Times" unter Berufung auf amerikanische und
israelische Quellen. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310130.htm#03101302
Heftige Kritik der Kirchen an deutschen Waffenexporten nach Israel +++
Israel rüstet offenbar von Deutschland gelieferte U-Boote
mit Abschussvorrichtungen für Nuklearwaffen aus
Mo.13.10.03 - Angesichts der Verschärfung des Nahost-Konflikts haben
Kirchenvertreter und Experten für Sicherheitspolitik deutsche
Rüstungsexporte nach Israel kritisiert. Diese würden den
politischen Friedensbemühungen widersprechen, sagte der
Vorsitzende der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE),
Prälat Karl Jüsten, am Donnerstag in Berlin. Trotz der Lehren
aus der deutschen Geschichte müsse über die
Rüstungskooperation in Deutschland eine "rationale Debatte"
geführt werden, so der Prälat.
Nach einer Studie des Informationszentrums für transatlantische
Sicherheit (BITS) gehört Israel seit 1999 zu den
größeren Empfängern deutscher Waffen. Trotz des
rot-grünen Transparenzversprechens bei
Rüstungsgeschäften, halte die Regierung einen Teil der
Lieferungen geheim, sagte Christopher Steinmetz, einer der Autoren...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310130.htm#03101303
Israels deutsche Atom-U-Boote
Laut einem Bericht der "Los Angeles Times" sind von Deutschland an
Israel gelieferte U-Boote umgebaut und mit Mittelstreckenraketen mit
Atomsprengköpfen bestückt worden. Das sollen israelische und
US-Quellen bestätigt haben. (taz vom 13.10.03)
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/10/13/a0107.nf/text
http://www.telepolis.de/deutsch/special/ost/15829/1.html
|
18 Tote bei Angriff auf staatlichen Fernsehsender der
Elfenbeinküste
Sa.13.12.03 - Eine Versuch zur gewaltsamen Übernahme des staatlichen Fernsehens
in Elfenbeinküste ist am Freitag nach einem zweistündigen
Feuergefecht gescheitert. Bei den Kämpfen wurden 18 Menschen
getötet, darunter ein Soldat, wie Verteidigungsminister
René Amani mitteilte. «Die Situation ist unter
Kontrolle», erklärte der Minister am Nachmittag in einer von
dem überfallenen Sender ausgestrahlten Fernsehansprache. Es handle
sich um einen sehr ernsten Vorfall, der untersucht werden müsse.
Mit der Übernahme des staatlichen Fernsehens haben in der
Elfenbeinküste häufig Putschversuche und Staatsstreiche
begonnen. Kabinettsminister Theodore Mel erklärte, die Regierung
habe diesmal einen Hinweis auf die kurz bevorstehende Revolte erhalten
und noch über Nacht die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.
Aus Kreisen der Militärpolizei verlautete, die Angreifer
hätten T-Shirts mit dem Namen einer der Milizen getragen, die vor
einem Jahr zum Schutz der Regierung vor Aufständischen
gegründet worden war. Ein vereitelter Putschversuch gegen
Präsident Laurent Gbagbo hatte im September 2002 einen
Bürgerkrieg ausgelöst, der im Juli offiziell für beendet
erklärt wurde. Damals wurde eine Regierung der Nationalen Einheit
unter Beteiligung der Rebellen gegründet, die das Kabinett im
September jedoch unter Protest verließen.
Am 30. November hatten Regierungssoldaten den staatlichen Fernsehsender
gestürmt und zeitweise unter ihre Kontrolle gebracht. Sie
forderten die Bürger zu neuen Angriffen auf die Rebellen auf, die
den Norden des Landes kontrollieren.
(Quelle: ap)
Verhärtete Positionen bei Verhandlungen über EU-Verfassung
Berlusconi bringt Vertagung der Hauptstreitpunkte auf 2004 ins Spiel
Sa.13.12.03 - Die Staats- und Regierungschefs der bald 25 EU-Staaten setzten ihre
Verhandlungen über die erste europäische Verfassung am
Samstagvormittag fort. Erwartet wird, dass der amtierende
EU-Ratsvorsitzende und italienische Ministerpräsident Silvio
Berlusconi einen Kompromissvorschlag in der weiter strittigen Frage der
Stimmengewichtung vorlegt. Bis in die Nacht hinein hatte Berlusconi
Einzelgespräche mit mehreren Regierungschefs geführt.
In dem so genannten Beichtstuhl-Verfahren zeichneten sich zunächst
aber keine Fortschritte ab. Die bilateralen Gespräche wollte
Berlusconi am frühen Samstagmorgen fortsetzen. Besonders Polen
zeigte sich weiterhin hartnäckig, die im Verfassungskonvent
vorgesehene doppelte Mehrheit bei der Stimmengewichtung zu akzeptieren.
Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte, der Gipfel sei von
einer Lösung der strittigen Verfassungsfragen noch weit entfernt.
Der Graben sei «noch weit und tief», sagte der
Grünen-Politiker am Freitagabend im «Heute Journal» des
ZDF. Fischer betonte, Deutschland gehe es bei der Regelung der
Mehrheitsverhältnisse im Europäischen Rat nicht darum, ein
möglichst großes Gewicht zu erlangen. Vielmehr könne
sich eine Union der 25 kein Blockademodell leisten, das Minderheiten
bevorzuge.
Der Luxemburger Ministerpräsident Jean-Claude Juncker sagte,
Miller habe im Kreis der Chefs keine Signale zur Kompromissbereitschaft
erkennen lassen. «Das war nur ein Aufwärmen der Argumente,
die man schon lange kennt», sagte Juncker am Abend. Der polnische
Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz hatte am Freitag von
Deutschland mehr Bewegung gefordert: «Ich denke, wir haben gute
Gründe, von unseren deutschen Freunden mehr Flexibilität zu
erwarten.»
Spaniens Regierungschef Jose Maria Aznar deutete dagegen
Kompromissbereitschaft an. Der Europa-Abgeordnete Elmar Brok rechnet
nach eigenen Worten mit einer Isolierung Polens. Er gehe davon aus,
«dass die Spanier offen sind am Ende des Tages», sagte Brok,
die Verhandlungen für das Europäische Parlament beobachtet.
Andererseits wisse niemand, «wie man argumentativ an die Polen
herankommt».
Berlusconi schloss Nachverhandlungen über die Hauptstreitpunkte
2004 nicht aus. In der besonders strittigen Frage der Stimmengewichtung
wollen Polen und Spanien am EU-Vertrag von Nizza festhalten, der beiden
Ländern ein größeres Gewicht einräumt als ihnen
nach ihrer Bevölkerungszahl zusteht. Deutschland und Frankreich
treten für die Einführung der doppelten Mehrheit ein, wie dies
der EU-Verfassungskonvent vorgeschlagen hatte. Danach ist eine
Entscheidung gefallen, wenn eine Mehrheit der EU-Staaten zustimmen, die
zugleich mindestens 60 Prozent der EU-Bevölkerung
repräsentieren.
(Quelle: ap)
EU-Verfassung: Soziale Sicherung auch künftig nicht einklagbar.
Priorität für Unternehmen
Während auf dem Brüsseler EU-Gipfel noch um das
Abstimmungsverfahren im Ministerrat gestritten wird, stehen andere
Punkte auf dem Treffen nicht mehr zur Debatte. Dazu gehört auch
der Umfang garantierter und einklagbarer sozialer Rechte...
Mehr in "junge Welt" vom 13.12.03:
http://www.jungewelt.de/2003/12-13/008.php
EU-Verfassungs-Entwurf des Europäischen Konvents:
http://european-convention.eu.int/DraftTreaty.asp?lang=DE
|
EU-Kommission erwägt Aufhebung des Waffenembargos gegen China
Sa.13.12.03 - Die EU erwägt eine Aufhebung des Waffenembargos gegen China. Das
Thema solle dem Außenministerrat vorgelegt werden, teilte der
italienische Regierungschef und amtierende EU-Ratsvorsitzende Silvio
Berlusconi am Freitag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel mit. Die
EU hatte das Exportverbot nach der blutigen Niederschlagung der
Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahr 1989
verhängt. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte sich bei
seiner China-Reise in der letzten Woche für eine Aufhebung des
Embargos ausgesprochen.
Im Zusammenhang mit dem Embargo will die EU-Kommission Medienberichten
zufolge auch den geplanten Verkauf der Hanauer Atomfabrik nach China
prüfen. Hintergrund ist laut einem Bericht der «Berliner
Zeitung» vom Donnerstag, dass der Export militärisch
nutzbarer Güter einer Genehmigungspflicht unterliegt.
(Quelle: ap)
Mailand: UN-Klimakonferenz beendet
Sa.13.12.03 - Die Europäische Union will nach Angaben von Bundesumweltminister
Jürgen Trittin (Grüne) die Umsetzung des Kyoto- Protokolls
weiter vorantreiben, obwohl es von den USA und Russland noch nicht
ratifiziert ist. Zum Abschluss der UN-Klimakonferenz wies er am Freitag
erneut die Kritik der USA an der Vereinbarung zur Reduktion der
Treibhausgase zurück. Diese sei keine «Zwangsjacke»
wie von der US-Delegation behauptet worden sei, sagte Trittin laut
einer schriftlichen Erklärung.
Die EU wolle alles unternehmen, was zur Umsetzung des Protokolls
notwendig sei. Anfang 2005 würden die EU-Staaten den Handel mit
Emissionsrechten einführen, um mit großer Flexibilität
für Staaten und Industrie die Reduktionsziele zu erreichen,
betonte Trittin.
«In Mailand ist deutlich geworden, dass die internationale
Klimapolitik am Scheideweg steht», sagte der Minister. Auf der
einen Seite stehe das von 120 Staaten ratifizierte Kyoto-Protokoll, auf
der anderen der US-Ansatz unverbindlicher Absprachen. «Wir
können es uns aber angesichts bereits heute erkennbarer Folgen des
Klimawandels nicht erlauben, weiter untätig abzuwarten»,
fügte er hinzu. Der Temperaturanstieg bis 2100 müsse auf 2
Grad begrenzt werden. Die wissenschaftlichen Szenarien gingen von einer
globalen Erwärmung um bis zu 5,8 Grad aus.
Auf der Klimakonferenz seien letzte Lücken bei der Ausgestaltung
des Kyoto-Protokolls geschlossen worden. So könnten sich die
Industrieländer Aufforstungsprojekte in den
Entwicklungsländern für ihr Klimaschutzziel anerkennen
lassen. Waldverluste etwa durch Abholzung oder Waldbrände
würden zum Verlust von entsprechend erteilten
Emissionsgutschriften führen. Die Umweltstiftung World Wide Fund
for Nature (WWF) begrüßte dies Ergebnis. Dennoch sei es
schlecht, dass insbesondere große Plantagen und Projekte mit
genetisch veränderten Organismen nicht ausgeschlossen worden seien.
Damit das Kyoto-Protokoll nun auch in Kraft treten kann, fordert der
WWF Russland auf, es zu ratifizieren. «Das Kioto-Protokoll steht
jetzt auf einem soliden Fundament. Das Haus ist fertig gestellt und
Russland hält den Schlüssel in seinen Händen. Alles was
wir nun brauchen ist, dass Russland die Tür öffnet», so
Alexey Kokorin, Leiter des russischen WWF-Klimaprogramms.
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
fordert die Bundesregierung auf, Russland zur Ratifizierung des
Kyoto-Protokolls zu drängen. In Mailand sei die Grundlage
geschaffen worden, um das Protokoll ohne weitere Verzögerung in
Kraft zu setzen. Den USA sei es nicht gelungen, die Verhandlungen zu
behindern.
Während des Mailänder Treffens gab es laut Trittin eine
breite Unterstützung für die geplante Weltkonferenz zu
alternativen Energien im kommenden Juni in Bonn. Auch arabische Staaten
hätten sich in Mailand zum Ausbau erneuerbarer Energien bekannt.
Jemen wolle im Frühjahr ein arabisches Vorbereitungstreffen zur
Bonner Konferenz ausrichten.
Der Direktor des UN-Umweltprogramms (UNEP), Klaus Töpfer, sagte in
einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung»
(Freitagausgabe): «Ich glaube, wir sollten nicht das
Hauptaugenmerk immer und immer wieder darauf richten, wann und wie
Russland nun ratifiziert.» Angesichts des Klimawandels müsse
man «schlicht und einfach handeln - mit oder ohne
Kyoto-Protokoll, wobei dieses Protokoll nach wie vor den besten Weg
darstellt.»
(Quelle: dpa)
WHO-Studie über Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit
Hitzewelle des vergangenen Sommers hat in Europa rund 20 000 Menschen
das Leben gekostet
Fr.13.12.03 - Mehr als 150 000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des
Klimawandels. Das geht aus einer am Donnerstag in Mailand
veröffentlichten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
hervor. Danach sind auch 2,4 Prozent der weltweiten
Durchfallerkrankungen sowie 2 Prozent aller Malaria-Fälle durch
die Änderungen des Klimas ausgelöst worden. In Gegenden mit
mehr Regenfällen könne sich das Wasser stauen und unter
anderem den Malaria-Mücken als Brutstätte dienen.
In Europa dagegen habe die Hitzewelle des vergangenen Sommers rund 20
000 Menschen das Leben gekostet, heißt es in der Studie weiter,
die auf der UN-Klimakonferenz in Mailand vorgestellt wurde. Ein
heißer europäischer Sommer lässt sich nach Ansicht von
Klimaforschern zwar nicht auf den Treibhauseffekt
zurückführen. Die 90er Jahre seien im globalen Schnitt aber
das Jahrzehnt mit den bisher höchsten aufgezeichneten Temperaturen
gewesen und dieser Trend werde anhalten, meinen die Autoren.
«Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass Änderungen des
weltweiten Klimas weit reichende Folgen für die Gesundheit und das
Wohlergehen der Menschen auf der ganzen Welt haben wird», sagte
die stellvertretende WHO-Generaldirektorin Kerstin Leitner.
Die Studie beleuchtet unter anderem, wie sich das Wetter, die
Luftverschmutzung sowie die Verseuchung von Wasser und Lebensmitteln
auf die Gesundheit auswirken. Während des vergangenen Jahrhunderts
habe sich die Durchschnittstemperatur der Erdoberfläche um 0,6
Grad Celsius erwärmt. Änderungen im Klima beeinflussten viele
Ökosysteme und hätten deshalb auch Auswirkungen auf die
menschliche Gesundheit. In der Untersuchung, an der auch das
Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und andere Organisationen
beteiligt waren, sind auch Anweisungen enthalten, wie die Staaten auf
den Klimawandel reagieren können.
(Quelle: dpa)
Klimafolgeschäden 2003: 60 Milliarden Dollar
Fr.13.12.03 - Die Naturkatastrophen des Jahres 2003 haben Experten beim Klimagipfel
in Mailand mit 60 Mrd. Dollar angegeben, berichtet BBC-Online am
Donnerstag. UNEP-Generaldirektor Klaus Töpfer bezeichnet die
globale Erwärmung als Realität, die Menschen wie auch der
Wirtschaft große Schäden zufügt. Dagegen bezeichnet
US-Senator James Inhofe die globale Erwärmung als
größten Unfug der Welt und teilt damit die Meinung des
US-Kongresses.
Düstere Zahlen präsentierte die Münchner Rück, eine
der größten Rückversicherungsgesellschaften. Allein den
Schaden für die Landwirtschaft in Europa durch die lang anhaltende
heiße Trockenperiode in diesem Sommer bezifferte das Unternehmen
mit zehn Mrd. Dollar. 20.000 Menschen sind an den Folgen der Hitze in
diesem Sommer gestorben. Weitere Umweltereignisse, die der
Volkswirtschaft extreme Kosten gebracht haben, waren die
Überflutungen in China mit acht Mrd. Dollar und die Tornados im
mittleren Westen der USA, die rund drei Mrd. Dollar
Versicherungsschäden verursachten.
Experten warnten in Mailand davor, dass Naturkatastrophen in Zukunft
noch häufiger auftreten werden. Chinas Chefdelegierter bei der
Konferenz in Mailand meinte, dass die Katastrophen aber
Entwicklungsländer wesentlich härter treffen als
Industrienationen. Auswirkungen sind bereits jetzt deutlich zu
spüren.
Der US-Kongress sieht im Klimaschutz wesentliche Unvereinbarkeiten mit
Grundwerten wie der persönlichen Freiheit, des Wohlstands und der
Entwicklung der gesamten Umweltpolitik der USA. Mitglieder der
republikanischen Partei stehen den Äußerungen der
Wissenschaftler in Themen der globalen Erwärmung jedenfalls extrem
kritisch gegenüber. Wenn Industrieanlagen-Betreiber nämlich
dazu angehalten werden, Emissionen zu reduzieren, führt dies nach
Ansicht der Partei zu deutlichen Verlusten von Wählerstimmen, da
die Amerikaner darin eine Reduktion der Produktivität, steigende
Arbeitslosigkeit und eine Verteuerung der Energiekosten sehen.
(Quelle: pte)
Mehr unter:
http://unfccc.int
|
UN verschieben Beratungen über Klonverbot um ein Jahr
Die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen sind hinsichtlich eines
Klonverbots menschlicher Zellen tief gespalten
Sa.13.12.03 - Die Vereinten Nationen werden erst Ende kommenden Jahres über ein
Abkommen zum weltweiten Klonverbot menschlicher Zellen entscheiden.
Einen entsprechenden Beschluss fasste am Dienstag die
UN-Vollversammlung in New York. Die Beratungen wurden damit auf die
nächste Sitzungsperiode der Versammlung vertagt, die im September
2004 beginnt. Der Rechtsausschuss der Generalversammlung hatte vor gut
vier Wochen angeregt, die Diskussion sogar um zwei Jahre zu verschieben.
Die 191 UN-Mitgliedstaaten sind hinsichtlich eines Klonverbots
menschlicher Zellen tief gespalten. Costa Rica, die USA und etwa 50
weitere Staaten fordern ein vollständiges Verbot des reproduktiven
wie des therapeutischen Klonens. Unter anderen Belgien und
Großbritannien wollen dagegen nur das Klonen von Babys verbieten.
Die Frage der Reproduktion zu wissenschaftlichen und medizinischen
Zwecken soll diesem Entwurf zufolge den einzelnen Staaten
überlassen werden. Deutschland und Frankreich hatten sich in einer
gemeinsamen Initiative darum bemüht, eine Kampfabstimmung in
dieser Frage zu vermeiden, um so die Chancen für eine von
möglichst vielen Staaten getragene internationale Konvention zu
bewahren.
Diplomaten zufolge zeichnete sich in der Vollversammlung ab, dass die
Vorlage von Costa Rica nicht genügend Zustimmung finden
würde. Überraschend hätten sich die USA nicht für
den Entwurf eingesetzt, hieß es. Costa Rica habe das Dokument
daraufhin zurückgezogen und sich als Kompromiss auf eine
Abstimmung erst im kommenden Jahr eingelassen.
Die Abstimmung des Rechtsausschusses am 6. November war mit 80 gegen 79
Stimmen denkbar knapp ausgefallen. 15 Staaten enthielten sich der
Stimme.
(Quelle: ap)
Frankreich: Gesetz macht Weg für 'Designer-Babys' frei
Auswahl von Embryonen mit Hilfe der Präimplantations-Diagnostik (PID)
in bestimmten Fällen zulässig
Sa.13.12.03 - Mit Blick auf Anämien und andere schwere vererbbare Krankheiten
hat die Pariser Nationalversammlung neue Anwendungsmöglichkeiten
der Präimplantations-Diagnostik (PID) befürwortet. Die
französischen Abgeordneten stimmten für eine Neuregelung,
nach der die genetische Überprüfung von Embryonen in
bestimmten Fällen genehmigt werden soll. Darüber hinaus
sollen gezielt Zellen zur Behandlung bereits geborener Geschwister
gewonnen werden. Die Nationalversammlung setzte zugleich eine
Fünf-Jahres-Frist für Versuche an so genannten
überzähligen Embryonen.
Derzeit liegen 15 Anträge von Elternpaaren vor, die Kinder mit
Blutarmut oder anderen schweren Erbkrankheiten haben. Mit Hilfe der PID
sollen sie bei neuen Schwangerschaften das Risiko einer solchen
Erkrankung ausschließen können. Von Kritikern als
"Designer-Babys" bezeichnete Embryonen sollen in vitro gezeugt und erst
nach der genetischen Überprüfung in die Gebärmutter
eingepflanzt werden können.
Die PID ermöglicht es, unter befruchteten Embryonen jene
auszuwählen, die mit der Blutgruppe der bereits geborenen Kinder
übereinstimmen. Stammzellen aus der Nabelschnur sollen eine
Behandlung ermöglichen, ohne dass der erbliche Defekt
weitergegeben wird. Die Auswahl von Embryonen nach
Überprüfung ihres Erbmaterials ist umstritten, weil es sich
um einen aktiven Eingriff der Mediziner in die Vererbung handelt. Vor
dem Inkrafttreten muss die Neuregelung noch vom Pariser Senat, der
zweiten Parlamentskammer, befürwortet werden.
Fünf Jahre lang geforscht werden soll an so genannten
überzähligen Embryonen, die per In-Vitro-Befruchtung erzeugt,
von den betroffenen Paaren aber nicht gebraucht werden. Medizinische
Versuche an diesen Embryonen sollen in Frankreich erlaubt werden, wenn
davon "große therapeutische Erfolge" erwartet werden können.
"Wir schaffen uns einen Zeitraum von fünf Jahren, dann sehen wir
weiter", erklärte der Pariser Gesundheitsminister
Jean-François Mattei. Forschungsministerin Claudie
Haigneré sprach von einem "wirklichen Fortschritt für
unsere Labors, die sich an die Arbeit machen können".
(Quelle: afp)
Hitzige Debatte über Verbot religiöser Zeichen an Frankreichs
Schulen
Sa.13.12.03 - Die Expertenempfehlung zum Verbot demonstrativer religiöser
Zeichen an öffentlichen Schulen hat in Frankreich eine hitzige
Debatte ausgelöst. Der grüne Abgeordnete Noël
Mamère warnte am Freitag, damit würden Moslems
"ausgeschlossen". Der konservative Abgeordnete Lionnel Luca kritisierte
hingegen, dass die Kommission den Moslems zu weit entgegenkomme, indem
sie den Arabisch-Unterricht verstärken und das moslemische
Opferfest zum schulfreien Tag erklären wolle. Präsident
Jacques Chirac dürfe den Experten nicht folgen, sondern müsse
"in Erinnerung rufen, dass Frankreich in erster Linie ein Land mit
christlicher Geschichte ist", sagte Luca.
Die Kommission hatte am Donnerstag ein Bündel von Maßnahmen
vorgeschlagen, um die weltanschauliche Unabhängigkeit des Staates
zu untermauern. Chirac will sich dazu am kommenden Mittwoch
äußern. Auch an den Schulen bot der Vorstoß viel
Gesprächsstoff. Zahlreiche Schüler begrüßten den
Vorschlag, am jüdischen Jom-Kippur-Feiertag und zum moslemischen
Aid-el-Kebir solle es schulfrei geben. Allerdings wurde dies zum Teil
auch als "hinterhältiges Manöver" der Politiker
eingeschätzt. "Sie nehmen uns die religiösen Zeichen, dann
gestehen sie uns die Feiertage zu - und schon sind alle zufrieden",
mokierte sich der 18-jährige Moslem Fouad in der Pariser
Trabantenstadt Sarcelles.
Die von Chirac eingesetzte Kommission befürwortet ein gesetzliches
Verbot religiöser Zeichen in den staatlichen Schulen. Die Debatte
entzündete sich an moslemischen Mädchen, die mit Kopftuch zur
Schule kommen. Ein Verbot soll aber auch das Tragen der jüdischen
Kippa und großer christlicher Kreuze betreffen. Weit darüber
hinaus will der französische Staat den Einfluss von Religionen auf
das öffentliche Leben eindämmen. In der Stadt Mons-en-Baroeul
bei Lille wurde eine Regelung des Stadtbades von 1996 wieder
abgeschafft, die spezielle Öffnungszeiten für moslemische
Mädchen und Frauen vorsah
(Quelle: afp)
Deutschland und Frankreich starten mit USA Bildungsaustausch
Sa.13.12.03 - Nach dem Vorbild der deutsch-französischen Bildungszusammenarbeit
haben Deutschland und Frankreich mit den USA ein gemeinsames
Austauschprogramm gestartet. Der deutsche Botschafter Wolfgang
Ischinger und sein französischer Kollege Jean-David Levitte
stellten die Initiative am Freitag in Washington vor. Ab dem kommenden
Jahr sollen zunächst rund einhundert Studenten der drei
Länder zwischen 21 und 30 Jahren an dem Programm teilnehmen, das
unter anderem einen verstärkten transatlantischen Austausch und
Bildungsreisen auf dem jeweils anderen Kontinent vorsieht. Die
Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, da die transatlantischen
Beziehungen unter anderem wegen der unterschiedlichen Haltungen im
Irak-Konflikt angespannt sind.
Deutschland und Frankreich haben im Jahr 1963 ihr Programm für den
Austausch von Schülern und Studenten ins Leben gerufen. Seitdem
haben rund 200.000 Kinder, Jugendliche und Studenten beider Länder
Schulen, Universitäten sowie Sport- und Kulturveranstaltungen im
jeweils anderen Land besucht.
(Quelle: afp)
Deutschland
Berliner Studenten besetzen SPD-Parteizentrale
Sa.13.12.03 - Rund 30 Berliner Studenten haben vorübergehend die Bundeszentrale
der SPD in der Hauptstadt besetzt. Die Teilnehmer der Aktion drangen am
Vormittag in das Willy-Brandt-Haus im Stadtteil Kreuzberg ein und
entrollten auf dem Balkon eines oberen Stockwerkes fünf
Transparente. Die Besetzer ließen die ultimative Aufforderung der
SPD, das Gebäude zu verlassen, verstreichen. Nach Eintreffen der
Polizei verließ ein Teil der Besetzer das Gebäude
freiwillig, andere ließen sich von den Beamten hinaustragen.
Die Berliner Studenten protestieren mit Demonstrationen,
Vorlesungsboykotten und spektakulären Aktionen seit Anfang
November gegen die Sparpläne des rot-roten Senats. Nach dem Willen
der Landesregierung sollen die jährlichen Zuschüsse für
die Hochschulen der Hauptstadt bis 2009 um 75 Millionen Euro gesenkt
werden. In Berlin, Frankfurt am Main und Leipzig sind am Samstag im
Rahmen einer bundesweiten Aktion Großdemonstrationen gegen
Kürzungen und die Einführung von Studiengebühren
geplant. In Berlin rechnen die Veranstalter mit mehr als 40.000
Teilnehmern, in den anderen beiden Städten werden jeweils mehr als
10.000 Menschen erwartet.
(Quelle: afp)
Die Studentenproteste werden militanter ...
... sagt der Bundesgeschäftsführer des "Bundes demokratischer
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler" (BdWI), Torsten Bultmann, in
einem taz-Interview vom 13.12.03.
Bultmann: Während des 97er Everybodies-Darling-Streik hat es
längst nicht so viele Besetzungsaktionen gegeben, wie es aktuell
der Fall ist. Damals haben die Politiker die Studenten
parteiübergreifend gehätschelt und gepäppelt - inklusive
Kohl. Jetzt spüren die Streiker wesentlich schneller den
Polizeiknüppel, in Göttingen zum Beispiel....
...Mein Eindruck aus vielen Streikveranstaltungen und
Podiumsdiskussionen ist, dass die Bereitschaft ausgeprägt ist,
Alternativen zur Bildungsfinanzierung und zur gegenwärtigen
Sozialpolitik zu diskutieren. "Wir fordern mehr Profs und mehr
Bücher" - das war überwiegend die Parole von 1997. Heute geht
das viel weiter.
...Wir haben eine recht einmalige historische Konstellation. Die Zahl
der Studierenden ist zum ersten Mal über zwei Millionen
angestiegen. Gleichzeitig rauben einzelne Bundesländer mit
Rückbauprogrammen den Hochschulen bis zu zehn Prozent der
Studienplätze und Dozentenstellen. Das alles ist in den Kontext
der Agenda 2010 eingebettet, des größten Sozialabbaus der
Nachkriegsgeschichte. Es ist möglicherweise nur eine Frage der
Zeit, dass die Studenten daraus radikale Schlussfolgerungen ziehen....
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/13/a0172.nf/text
Torsten Bultmann beschäftigt sich seit Jahren mit
Möglichkeiten und Problemen der Bildungspolitik.
Bewegt sich was? - Heute wollen die Studenten bundesweit gegen
Bildungsabbau demonstrieren. Die Berliner Kommilitonen beschlossen am
Mittwoch, ihren Streik bis Anfang Januar fortzusetzen. Zwei taz-Autoren
haben die Vollversammlung besucht und berichten aus persönlicher
Perspektive über die protestierenden Studierenden: Christian
Semler, Jahrgang 1938, und Jan-Hendrik Wulf, geboren 1970.
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/13/a0129.nf/text
|
SPD stürzt in Umfrage auf neues Rekordtief
Sa.13.12.03 - Die SPD ist in der Wählergunst wieder deutlich eingebrochen. Das
ZDF-Politbarometer vom Freitag registrierte das schlechteste Ergebnis
für die Sozialdemokraten seit Beginn der Erhebung 1977. Demnach
erhielte die SPD, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl
wäre, 28 Prozent der Stimmen, einen Prozentpunkt weniger als vor
zwei Wochen. Die Union käme unverändert auf 48 Prozent und
hätte somit im Bundestag eine absolute Mehrheit. Die Grünen
blieben bei 10, FDP und PDS bei 5 und 4 Prozent.
Selbst wenn die PDS über drei Direktmandate in den Bundestag
gelangen würde, sei die absolute Unions-Mehrheit gesichert, teilte
der Sender mit.
In der politischen Stimmung, bei der längerfristige
Überzeugungen, Parteibindungen und taktische Überlegungen
weniger berücksichtigt werden, rutschten die Sozialdemokraten
sogar auf 23 Prozent ab. Zuletzt hatten sie sich nach dem Bochumer
Parteitag von 25 Prozent auf 26 Prozent verbessern können. CDU/CSU
verbesserten sich um einen Prozentpunkt auf 52 Prozent, ebenso wie die
Grünen, die auf 11 Prozent kamen. FDP und PDS blieben
unverändert bei 5 und 4 Prozent.
Eine relative Mehrheit von 46 Prozent war zudem der Meinung, dass
Angela Merkel aus dem Leipziger CDU-Parteitag gestärkt
hervorgegangen ist. Nur 3 Prozent meinten, dass sie geschwächt
wurde. 49 Prozent waren demnach der Meinung, dass Merkels Einfluss in
der Union größer als der Edmund Stoibers ist. Vor zwei
Wochen waren laut Politbarometer nur 32 Prozent dieser Ansicht.
Für die Politbarometer-Umfragen befragte die Mannheimer
Forschungsgruppe Wahlen 1.263 Personen.
(Quelle: ap)
Schröder hat offenbar neues Finanzkonzept für Steuerreform
Steuerentlastungen sollen mit weiteren Privatisierungserlösen
gegenfinanziert werden
Sa.13.12.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat nach Informationen der
«Süddeutschen Zeitung» ein neues Finanzierungskonzept
für Steuersenkungen in der Tasche. Dieses wolle er dem
Vermittlungsausschuss am Sonntag vorlegen, schreibt die Zeitung in
ihrer Samstagausgabe. Die geplanten Steuerentlastungen in Höhe von
rund 15 Milliarden Euro sollen demnach zum Teil mit weiteren
Privatisierungserlösen gegenfinanziert werden.
Daneben sollen die Länder einen höheren Anteil aus der
Umsatzsteuer bekommen, um damit Ausfälle in ihren Etats zu decken,
schreibt die Zeitung. Bei der Betreuung von Langzeitarbeitslosen sollen
möglicherweise Städte und Landkreise selbst entscheiden, ob
sie die Aufgabe schultern oder der Bundesanstalt für Arbeit
überlassen wollen. Daneben wolle Schröder nach Angaben aus
Regierungskreisen notfalls auch eine eng begrenzte Lockerung der
Tarifverträge hinnehmen, schreibt die Zeitung. Auf das neue
Konzept habe sich der Kanzler mit Wirtschaftsminister Wolfgang Clement
gegen den Willen von Finanzminister Hans Eichel geeinigt.
(Quelle: ap)
FDP bietet sich dem Kanzler als Mehrheitsbeschaffer an
Sa.13.12.03 - Im Reform-Poker hat sich die FDP Bundeskanzler Gerhard Schröder
als Mehrheitsbeschaffer im Parlament angeboten. «Wenn der Kanzler
für Änderungen im Tarifrecht und beim Kündigungsschutz
keine eigene Mehrheit im Bundestag zusammen bringt, werden wir
Liberalen zur Stelle sein», sagte der stellvertretende
FDP-Fraktionschef Carl-Ludwig Thiele am Samstag in Berlin der
Nachrichtenagentur AP. Er könne gut verstehen, wenn Abgeordnete
der SPD ihrem Gewissen folgten und gegen bestimmte Eingriffe in
Arbeitnehmerrechte votierten.
Doch dürften Kompromisse über das Vorziehen der
Steuerreformstufe 2005 auf 2004 sowie ein flexibleres Tarifrecht im
Bundestag nicht scheitern, weil Schröder die eigenen Reihen nicht
schließen könne, betonte der FDP-Finanzexperte. «Es
kann nicht sein, dass Reformen mit zentraler Bedeutung für die
Zukunft Deutschlands wegen einiger SPD-Abweichler nicht kommen.»
Deshalb sei er sich mit dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle und
Fraktionschef Wolfgang Gerhardt einig, Schröder eine
«Mehrheit der Vernunft» anzubieten. Thiele nimmt an den
Verhandlungen im Vermittlungsausschuss teil.
(Quelle: ap)
Im November hatten mehr als 21.000 Bewerber keine Lehrstelle
Zum vierten Mal in Folge ist in diesem Jahr die Zahl der
abgeschlossenen Ausbildungsverträge zurückgegangen
Sa.13.12.03 - Wie das Bundesbildungsministerium am Freitag in Berlin mitteilte, waren
Ende September 560.134 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dies
seien 12.189 Verträge oder 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr.
Ende November hatten nach diesen Angaben noch über 21.000 Bewerber
bundesweit keine Lehrstelle gefunden.
Bildungsministerin Edelgard Bulmahn erklärte, der anhaltende
Rückgang lasse sich nicht allein mit der konjunkturellen Lage
erklären. Sie warne die Wirtschaft davor, aus der dualen
Berufsbildung auszusteigen. «Wir werden die Wirtschaft nicht aus
ihrer Pflicht zur Ausbildung entlassen.»
Nach der jüngsten Statistik der Bundesanstalt für Arbeit
waren im November 14.314 Bewerber in Westdeutschland und 6.967 Bewerber
in Ostdeutschland noch nicht auf einen Ausbildungsplatz vermittelt.
(Quelle: ap)
Siemens zieht im Zuge der EU-Osterweiterung im großen Stil
Jobs nach Osteuropa ab
Sa.13.12.03 - Siemens wird im Zuge der EU-Osterweiterung in großem Stil
Arbeitsplätze nach Osteuropa verlagern. In einigen Jahren
könne etwa ein Drittel der Software-Entwicklung von Siemens an
Niedriglohnstandorten geleistet werden, sagte Siemens-Zentralvorstand
Johannes Feldmayer der "Financial Times Deutschland".
Dabei gehe es einerseits darum, von dem erwarteten starken
Marktwachstum in Osteuropa zu profitieren. Andererseits müsse der
Konzern auch die Kostenvorteile und das Potenzial hoch qualifizierter
Software-Ingenieure in der Region nutzen.
Siemens beschäftigt weltweit etwa 30.000 Software-Entwickler. In
Osteuropa arbeiten an 21 Standorten bislang 2700 Entwickler für
den Konzern. "Diese Zahl wird zügig wachsen." Siemens folgt mit
der Verlagerungsstrategie einem Trend, dessen Auswirkungen auf den
deutschen Arbeitsmarkt noch nicht abzuschätzen sind. Auch andere
Konzerne wie etwa SAP haben angekündigt, sowohl große Teile
ihrer Entwicklung als auch die Buchhaltung und Kundenbetreuung
verstärkt in Ländern wie Russland, Indien oder China
anzusiedeln.
(Quelle: afp)
Katholische Bischöfe legen Stellungnahme zur Sozialpolitik vor
Wohlfahrtsstaat sei zu teuer geworden +++ Namhafte katholische Theologen üben scharfe Kritik an
bischöflicher Stellungnahme: Sozialkatholische
Vorstellungen würden zu Gunsten liberaler Prinzipien von privater
Vorsorge aufgegeben
Sa.13.12.03 - Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal
Karl Lehmann, hat am Freitag in Berlin eine neue Stellungnahme zur
Sozialpolitik vorgelegt. Darin kritisieren die Bischöfe den
Sozialstaat und verlangen Reformen sowie eine Erneuerung der
Sozialpolitik. Deutschland vertrage keinen weiteren Stillstand,
heißt es in dem Papier mit dem Titel: "Das Soziale neu denken.
Für eine langfristig angelegte Reformpolitik."
Namhafte katholische Theologen übten scharfe Kritik an der
Schrift. Sie vollziehe die Abkehr vom 1997 veröffentlichten
Sozialwort der beiden großen Kirchen. Die Bischöfe
gäben sozialkatholische Vorstellungen zu Gunsten liberaler
Prinzipien von privater Vorsorge auf, kritisierten die katholischen
Sozialwissenschaftler Friedhelm Hengsbach, Dietmar Mieth und Karl
Gabriel. Die Schrift sei nicht als fundierte Stellungnahme der
Kirchenleitung zu werten, sondern als "provokanter
Diskussionsanstoß aus den Reihen der katholischen Kirche".
Die Bischöfe beklagen einen Reformstau. Der Wohlfahrtsstaat
verursache hohe Kosten. Sozialleistungen dürften bei knappen
Mitteln nur noch den Schwachen zu Gute kommen, lautet eine der
Kernaussagen der Schrift. Sozialpolitik der Zukunft könne nicht
als Verteilungspolitik, sondern müsse als Bevölkerungs-,
Familien-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik gestaltet werden,
heißt es weiter.
Der Text wurde von der Kommission für gesellschaftliche und
soziale Fragen der Bischofskonferenz unter Leitung des Hildesheimer
Bischofs Josef Homeyer verfasst. Beteiligt waren unter anderen der
ehemalige Verfassungsrichter und Steuer-Reformer Paul Kirchhof und der
frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer. Homeyer betont im
Vorwort, der "Impulstext" verstehe sich als Fortschreibung des
Sozialworts. Es gehe nun um die Beseitigung von Reform-Blockaden.
Dazu zählen die Bischöfe den ausgeprägten Lobbyismus und
ein "Dickicht" finanzieller Transferleistungen in Deutschland.
Einzelinteressen seien auf Kosten des Gemeinwohls und heutige
Generationen auf Kosten ihrer Kinder bedient worden. Reformen sollten
daher aufräumen mit "gut gemeinten sozialen Strategien".
Lebensrisiken, für die eine Sicherung notwendig sei, müssten
enger definiert werden. Bisher sei, etwa in der Rentenversicherung, der
jeweils erreichte Lebensstandard abgesichert worden.
Die Bischöfe fordern, Sozialpolitik weiter fassen: Wenn es nicht
gelänge, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen und junge
Menschen bestmöglich auszubilden, steuere Deutschland auf den
Zusammenbruch seiner Sozialsysteme zu. Ein "Sozialstaats-TÜV"
solle - analog zu den jährlichen Gutachten der
Wirtschaftssachverständigen - langfristige Reformen begleiten. Das
"regierungsnahe Beiratswesen" dürfe nicht weiter ausgebaut werden".
(Quelle: epd)
Der katholische Sozialexperte Friedhelm Hengsbach sieht in dem Papier
der Bischofskonferenz ein "Nachsingen der
Rhetorik der politischen Klasse"
Hengsbach: Ich habe den Eindruck, manche Passagen könnten aus dem
Tagebuch des Guido Westerwelle stammen....
Mehr in einem taz-Interview vom 13.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/13/a0142.nf/text
Die Bibel weiß: "Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht
hat, von dem wird man nehmen, auch was er hat." (taz)
|
Bayerisches Kultusministerium plant Streichung der Lernmittelfreiheit
Sa.13.12.03 - Im Zuge der Sparwelle in Bayern plant das Kultusministerium,
Schülern künftig Bücher nicht mehr kostenlos zur
Verfügung zu stellen. Die Streichung der Lernmittelfreiheit
für alle Schulen und Jahrgänge sei in der Diskussion, aber
noch nicht beschlossen, sagte eine Behördensprecherin am Freitag
zu einem entsprechenden Bericht des «Münchner Merkur».
Eine Entscheidung werde erst im Januar bei den Haushaltsberatungen
getroffen. Lehrer- und Elternverbände seien um eine Stellungnahme
gebeten worden.
Gegenüber dem «Merkur» protestierten die Verbände
scharf gegen die Sparpläne des Kultusministeriums. Der Bayerische
Elternverband rechnete vor, Eltern eines Elftklässlers
müssten pro Schuljahr 230 Euro für Bücher zahlen. Die
Sprecherin des Kultusministeriums wies dies als «absolute
Fantasiezahlen» zurück. Je nach Schulart müssten die
Eltern mit 30 bis 100 Euro pro Kind rechnen. Für sozial Schwache
sollten Erstattungsmöglichkeiten geschaffen werden.
(Quelle: ap)
Bundestag beschließt Mahnmal für homosexuelle NS-Opfer
Sa.13.12.03 - Auch für die von den Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen
wird in Berlin ein Denkmal errichtet. Dies beschloss am Freitag der
Bundestag. Kulturstaatssekretärin Christina Weiss nannte den
Beschluss überfällig. Aus ihrem Etat sollen 500.000 Euro
für den Bau zur Verfügung gestellt werden. Das Denkmal soll
am südlichen Rand des Tiergartens in der Nähe des
Holocaust-Mahnmals für die ermordeten Juden Europas entstehen.
«Wir wollen und werden dieser Opfergruppe gedenken, weil nicht
verschwiegen werden darf, welchen Preis zu zahlen hatte, wer seine
sexuelle Orientierung offenbarte», erklärte Weiss.
«Trotz aller Aufklärungsarbeit in unseren Gedenkstätten
ist der Platz, den die verfolgten und ermordeten Homosexuellen im
kollektiven Gedächtnis einnehmen, noch nicht sehr gefestigt.»
Zunächst soll ein künstlerischer Wettbewerb für das
Denkmal ausgeschrieben werden. Der Berliner Senat trägt das
Vorhaben mit. Die Grünen lobten den «historischen
Beschluss» des Bundestags. Der Lesben- und Schwulenverband sprach
von einem «großen Erfolg für unsere Arbeit».
(Quelle: ap)
Weltinformationsgipfel beschließt Aktionsplan
Teilnehmer verpflichten sich, Informationstechnologien für Ziele
wie den Kampf gegen Armut, Aids und Kindersterblichkeit zu nutzen
Sa.13.12.03 - Mit der Verabschiedung eines Aktionsplans und einer
Prinzipienerklärung ist am Freitag in Genf der
Weltinformationsgipfel zu Ende gegangen. Der Schweizer
Bundespräsident Pascal Couchepin zog in seinem Schlusswort eine
positive Bilanz der dreitägigen Konferenz, an der mehr als 10.000
Delegierte teilnahmen, darunter mehr als 50 Staats- und Regierungschefs.
Couchepin bezeichnete die Schlusserklärung und den Aktionsplan von
Genf als guten und «soliden Kompromiss». Sie zeigten den
Weg auf für eine Informationsgesellschaft, zu der alle Menschen
Zugang hätten. Genf sei aber erst der Beginn. In der zweiten Phase
im Jahr 2005 in Tunis werde dann eine erste Bewertung der heute
gefassten Pläne möglich sein.
In den Dokumenten verpflichten sich die Teilnehmer,
Informationstechnologien für Ziele wie den Kampf gegen Armut, Aids
und Kindersterblichkeit zu nutzen. Schulen, öffentliche
Bibliotheken und Gesundheitszentren in armen Staaten sollen bis zum
Jahr 2015 Zugang zum Internet haben. Strittige Fragen wie die
Finanzierung und die konkrete Ausgestaltung der Projekte wurden jedoch
auf die nächste Konferenz in zwei Jahren vertagt.
Zur Eröffnung des ersten Weltinformationsgipfels am Mittwoch hatte
UN-Generalsekretär Kofi Annan die Respektierung der
Meinungsfreiheit überall in der Welt angemahnt. «Das Recht
auf freie Meinungsäußerung ist grundlegend für
Entwicklung, Demokratie und Frieden und muss ein Prüfstein
für die Arbeit sein, die vor uns liegt», sagte Annan.
Der Weltinformationsgipfel geht zurück auf einen ersten Vorschlag
der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) im Jahr 1998. Drei Jahre
später beschloss die UN-Vollversammlung die Einberufung der
Konferenz.
(Quelle: ap)
Die wichtigsten Beschlüsse des UN-Weltinformationsgipfels
Auf dem ersten Weltinformationsgipfel der Vereinten Nationen zur
Überwindung des «digitalen Grabens» in Genf haben sich
die rund 180 Teilnehmer-Staat auf einen Aktionsplan und eine
Prinzipienerklärung verständigt. Nachfolgend die wichtigsten
Punkte in einer dpa-Übersetzung:
PRINZIPIENERKLÄRUNG:
«Wir bekräftigen die Allgemeingültigkeit,
Unteilbarkeit, Abhängigkeit und Wechselbeziehung aller
Menschenrechte und grundlegenden Freiheiten, einschließlich des
Rechts auf Entwicklung...»
«Wir bekräftigen, dass als notwendige Grundlage einer
Informationsgesellschaft, wie es in der ... (UN-)
Menschenrechtsdeklaration niedergelegt ist, jeder das Recht auf
Meinungsfreiheit und Äußerung hat; dieses Recht
schließt die Freiheit der Meinungsäußerung ohne
Einmischung und das Suchen, Erhalten und die Weitergabe von Information
und Ideen durch jede Art von Medien ohne Beschränkung durch
Grenzen ein. »
«Wir erkennen an, dass Erziehung, Wissen, Information und
Kommunikation im Mittelpunkt der menschlichen Entwicklung,
Bemühung und seines Wohls stehen. Ferner haben Informations- und
Kommunikationstechnologien (ICT) enorme Auswirkungen auf praktisch alle
Aspekte unseres Lebens...»
AKTIONSPLAN:
«Alle Staaten sollten bis 2005, unter Beachtung nationaler
Besonderheiten, nationale Elektronik-Strategien (e-Strategien)
entwickelt haben, die auch die Ausbildung der notwendigen menschlichen
Kräfte beinhaltet.»
«Regierungen sollten im Rahmen nationaler Entwicklungspolitiken
beginnen, ein günstiges und wettbewerbsfähiges Umfeld
für die notwendigen Investitionen in die ICT-Infrastruktur und
für die Entwicklung neuer Dienste zu unterstützen.»
«Im Zusammenhang mit nationalen e-Strategien sollen die ICT-
Anbindungen für alle Schulen, Universitäten,
Gesundheitseinrichtungen, Büchereien, Postämter,
Gemeindezentren, Museen und andere Institutionen gegeben sein und
verbessert werden und für die Öffentlichkeit zugänglich
sein.»
«(Die Staaten) sollten die Medien - Druck und Rundfunk sowie neue
Medien - ermuntern, weiterhin diese wichtige Rolle in der
Informationsgesellschaft zu spielen. (Sie) sollten die Entwicklung
einer nationalen Gesetzgebung fördern, die die Unabhängigkeit
und Vielfalt der Medien garantiert.»
(Quelle: dpa, 12.12.03)
UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft:
http://www.itu.int/wsis/index.html
|
Samstag, 13.12.2003 - 20 Uhr bis 2 Uhr früh
EXPERIMENTELLE MUSIK 2003
Das sechsstündige internationale Festival
der experimentellen Musik
mit
Das PHREN-Ensemble München: Carmen Nagel-Berninger,
Inge Salcher, George Augusta, Michael Steimer,
Michael Kopfermann
Gloria Franck, Yola Krebes, Anna-Maja Spiess
und Cornelius Hirsch, München
Heinz-Klaus Metzger, Berlin
Rainer Riehn, Berlin
Hans Rudolf Zeller, München
Aleks Kolkowski, London
Ignaz Schick, Berlin
Brendan Dougherty, Aaron Meicht, Philadelphia USA
Michael von Biel, Köln
Otfried Rautenbach, Harri Ansorge, Nicolas Young,
Heidelberg / Berlin
Luca Miti, Rom
Albert Mayr, Florenz
Edith Rom, Stephan Wunderlich, München
München, TU-Mensa, Arcisstraße 17
Information:
www.experimentelle-musik.info
|
mehr Kurznachrichten...