Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
UN-Generalsekretär Annan ruft zu stärkerem internationalem
Engagement in Irak auf: Chaos in Irak würde den Frieden der Region
bedrohen, und womöglich die gesamte Welt in ein Desaster
stürzen +++ Deutschland fordert im Streit um
Irak-Aufträge Einlenken der USA +++ Alliierte Truppen im Irak
haben offenbar deutlich mehr Gefangene gemacht als bisher bekannt +++
US-Offizier bekennt sich zu Misshandlung von Irakern +++ US-Verwaltung
will Bezahlung von irakischen Soldaten prüfen
So.14.12.03 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Staaten der Weltgemeinschaft
dazu aufgerufen, einen Beitrag zur Stabilisierung Iraks zu leisten.
"Niemand darf sich als bloßer Zuschauer gefallen", sagte Annan in
einem Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".
Ein Chaos in Irak "würde nicht nur den Frieden der Region
bedrohen, sondern womöglich die gesamte Welt in ein Desaster
stürzen", sagte Annan. Die UN sei bereit, in Irak wieder eine
Rolle zu spielen, sofern sich die Sicherheitslage dort bessere. Ein
stärkeres Engagement der Weltorganisation macht nach Annans
Überzeugung indes nur dann Sinn, wenn man mit einer provisorischen
irakischen Regierung nach Ende der Besatzung zusammenarbeiten
könne.
Kritisch ging der UN-Generalsekretär mit der Außenpolitik
Washingtons ins Gericht. "Ich möchte nicht noch einmal die
lähmende Spaltung der Weltgemeinschaft erleben, weil einige
Staaten, darunter zwei Ständige Mitglieder des
Weltsicherheitsrates, glauben, ohne UN-Mandat im Alleingang Krieg
führen zu können", sagte er. Sorge bereite ihm weiterhin das
von der Bush-Regierung beanspruchte Recht zu präventiver
Gewaltanwendung: "Wenn das bei anderen Ländern Schule macht,
steuern wir auf eine Welt zu, in der das Gesetz des Dschungels
herrscht."
Derweil forderte Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul US-Unterhändler James Baker auf, den Ausschluss
deutscher Firmen von Irak-Generalaufträgen zurückzunehmen.
Wieczorek-Zeul appellierte im "Spiegel" an den US-Unterhändler:
"James Baker kann bei der Schuldenfrage keine Ergebnisse erwarten, wenn
die USA bei der Auftragsvergabe nicht einlenken. Man kann nicht die
Risiken vergemeinschaften, aber die ökonomischen Vorteile im
eigenen Land halten." Wenn die USA wirklich eine internationale
Beteiligung wollten, müssten die Verträge zum Wiederaufbau
auch entsprechend den UN-Resolutionen international ausgeschrieben
werden.
Nach Informationen des Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses,
Reinhold Robbe (SPD), sind die Irritationen wegen des Ausschlusses von
Firmen aus nicht kriegsteilnehmenden Ländern am Wiederaufbau Iraks
im Telefonat von US-Präsident George W. Bush mit Kanzler Gerhard
Schröder ausgeräumt worden.
Die dramatische Lage in Irak und die näher rückenden Wahlen
würden die USA in den nächsten Monaten dazu bringen, der UN
ein umfassendes Mandat für Irak einzuräumen, sagte Robbe. Der
Ausschluss von Firmen aus Ländern, die gegen den Krieg waren, sei
nicht haltbar. Angesichts der internationalen Wirtschaftsverflechtungen
könne man Firmen bestimmter Länder gar nicht
ausschließen - oder man gefährde den gesamten Aufbauprozess.
Die USA und ihre Verbündeten haben im besetzten Irak offenbar
deutlich mehr Gefangene gemacht als bisher bekannt. US-Generalleutnant
Ricardo Sanchez bezifferte am Samstag in Bagdad vor der Presse die Zahl
der Häftlinge in Gewahrsam der Alliierten mit 10.000, zuvor war
stets von 5.000 die Rede gewesen.
Vor dem Abu Ghraib-Gefängnis protestierten am Samstag Verwandte
der Inhaftierten. Ihnen war es bisher großteils nicht erlaubt
worden, Kontakt zu ihren Verwandten aufzunehmen - sie demonstrieren
auch, um zu wissen, wo sie sind und wie es ihnen geht. Unter den
Gefangenen seien auch 3.800 Mitglieder der iranischen
Exil-Widerstandsgruppe der Volks-Mujaheddin. Die Mitglieder der von
Massud Rajavi geleiteten Gruppe dürften ihr Lager nordöstlich
von Bagdad nicht verlassen, ihnen seien die Waffen abgenommen worden,
sagte General Sanchez.
Am 15. April hatten die US-Truppen im Irak mit der von Saddam Hussein
unterstützten Exilorganisation ein Waffenstillstandsabkommen
geschlossen. Der von der US-Besatzungsmacht eingesetzte irakische
"Regierungsrat" hat inzwischen die Ausweisung aller Milizionäre
und Parteifunktionäre der Volks-Mujaheddin verfügt. Die
US-Regierung hatte der iranischen Führung angeboten, die
Aktivitäten der Volks-Mujaheddin noch stärker als bisher zu
unterbinden.
Der jordanische König Abdullah II. hat nach Informationen der
arabischen Zeitung "Al Hayat" bei seinem jüngsten Besuch in
Washington grünes Licht erhalten, um mit der iranischen
Führung über die Auslieferung von 70 im Iran inhaftierten
mutmaßlichen Al-Kaida-Mitgliedern zu verhandeln.
Ein wegen Misshandlung irakischer Kriegsgefangener beschuldigter
US-Offizier hat sich zu den Vorwürfen bekannt. Oberstleutnant
Allen West räumte ein, Häftlinge während Verhören
geschlagen und mit dem Tode bedroht zu haben, wie die Streitkräfte
am Samstag mitteilten. Er soll jedoch nicht vor ein Militärgericht
gestellt werden, sondern erhält das Angebot, eine Geldstrafe zu
zahlen und freiwillig in den Ruhestand zu treten.
West ist der ranghöchste Offizier der Vierten Infanteriedivision,
dem Misshandlungen von Irakern zur Last gelegt werden. Die Ermittler
befanden ihn des schweren Übergriffs auf Personen in drei
Fällen sowie der unbotmäßigen Drohung in einem Fall
für schuldig. Damit habe West gegen Gesetze und Anordnungen
verstoßen und seine Glaubwürdigkeit innerhalb der Division
aufs Spiel gesetzt. Ihm wurde allerdings zu Gute gehalten, dass die
Verstöße in einer Situation von höchstem Stress erfolgt
seien.
Der Kommandeur der in Tikrit stationierten Vierten Infanteriedivision,
General Raymond Odierno, wurde bereits am Freitag zu einer Geldstrafe
von 5.000 Dollar verurteilt. Er will im Frühjahr seinen Ruhestand
beginnen.
Die amerikanische Verwaltung in Irak will nach zahlreichen Austritten
aus den irakischen Streitkräften die Bezahlung der Soldaten
prüfen. Generalleutnant Ricardo Sanchez erklärte am Samstag
in Bagdad, Hauptgrund für die Fahnenflucht sei die Höhe des
Solds. Beschwert hätten sich besonders verheiratete Soldaten, die
mit 60 Dollar pro Monat kaum ihre Familien ernähren könnten.
Aus Kreisen des US-Verteidigungsministeriums war verlautet, etwa die
Hälfte der bisher ausgebildeten Soldaten hätten in den
vergangenen Wochen den Dienst quittiert. Sanchez erklärte, mit
einer Entscheidung über den Sold sei in den kommenden Wochen zu
rechnen. Er glaube jedoch nicht, dass das Ziel, bis Oktober 40.000
Soldaten auszubilden, in Gefahr sei.
(Quelle: ap)
Syrien weist Terrorismus-Vorwürfe erneut zurück
US-Präsident Bush unterzeichnet Gesetz, das Syrien mit Sanktionen
droht
So.14.12.03 - Syrien hat am Samstag den Vorwurf der Unterstützung des
Terrorismus erneut zurückgewiesen. Damaskus reagierte damit auf
die Unterzeichnung eines Gesetzes durch US-Präsident, das Syrien
mit Sanktionen droht. Bush setzte das von beiden Häusern des
Kongresses verabschiedete Gesetz am Freitag mit seiner Unterschrift in
Kraft.
In dem Gesetz wird Syrien aufgefordert, keine Terroristen zu
unterstützen, seine 20.000 in Libanon stationierten Soldaten
abzuziehen, nicht nach Massenvernichtungswaffen und Langstreckenraketen
zu streben und zu verhindern, dass Waffen und Terroristen nach Irak
gelangen. Sollte Syrien die Bedingungen der USA nicht erfüllen,
sollen die Wirtschaftsbeziehungen zu Damaskus stark eingedämmt
werden. Auch könnte die Bewegungsfreiheit von syrischen Diplomaten
in den USA eingeschränkt und syrischen Maschinen Flüge in die
USA untersagt werden. Das US-Außenministerium führt Syrien
seit den 70er Jahren in seiner Liste der Staaten, die den Terrorismus
unterstützen.
In einem Kommentar des staatlichen Senders Radio Damaskus hieß
es, das Gesetz diene nicht der Verbesserung der syrisch-amerikanischen
Beziehungen und fördere eher die Spannungen. Dessen ungeachtet
traf am Samstag eine achtköpfige Delegation des US-Kongresses zu
Gesprächen mit der politischen Führung in Damaskus ein.
Gleich zu Beginn wurde die Abordnung von Präsident Baschar el
Assad empfangen, wie die amtliche Nachrichtenagentur SANA meldete.
Dabei sei es auch um die Frage des Terrorismus und seiner wahren
Ursachen gegangen.
(Quelle: ap)
Erweiterte Befugnisse für FBI im Kampf gegen Terror
Informationsaustausch zwischen Polizei und Geheimdiensten +++
Bürgerrechtsorganisationen sehen weiteren Einschnitt in
Grundrechte
So.14.12.03 - Die US-Bundeskriminalpolizei FBI ist im Kampf gegen den Terrorismus
erneut mit erweiterten Befugnissen ausgestattet worden. Wie am Samstag
aus Justizkreisen in Washington verlautete, erlauben die neuen
Richtlinien anders als bisher eine Zusammenarbeit des FBI mit den
Geheimdiensten. Bislang war ein Informationsaustausch zwischen Polizei
und den Geheimdiensten verboten.
Nach Angaben eines ranghohen Gewährsmannes wurde an der neuen
Strategie im Kampf gegen den Terror seit etwa einem Jahr gearbeitet. Im
Sommer seien die Arbeiten abgeschlossen worden, und im Oktober seien
die Dienststellen im ganzen Land über die neuen Richtlinien
informiert worden. Bei Bürgerrechtsorganisationen stoßen die
erweiterten Befugnisse des FBI auf Kritik. Sie sehen darin weitere
Einschnitte in die Grundrechte. Im so genannten Patriot Act wurden
bereits kurz nach dem 11. September 2001 die Antiterrorgesetze
verschärft. Die jetzt in Kraft gesetzten erweiterten Befugnisse
wurden im November 2002 von einem Bundesgericht bestätigt.
(Quelle: ap)
Deutscher Verteidigungsminister sieht erhöhte Anschlagsgefahr in
Afghanistan
Vermehrt Sprengstoffanschläge auf US-Militärkonvois
So.14.12.03 - Bundesverteidigungsminister Peter Struck befürchtet angesichts der
am heutigen Sonntag beginnenden Verfassungsgebenden Versammlung in
Afghanistan eine Verschlechterung der Sicherheitslage. Es sei damit zu
rechnen, dass im Umfeld der Loja Dschirga unterschiedliche Gruppen ihre
Macht zu festigen suchten, sagte Struck in einem am Samstag vorab
verbreiteten Interview der "Welt am Sonntag". Die US-Truppen in
Afghanistan berichteten von vermehrten Sprengstoffanschlägen auf
Militärkonvois, wie sie in Irak fast täglich passieren.
Nach Angaben eines Militärsprechers in Kabul wurde am Freitag ein
US-Soldat verletzt, als neben seinem Panzerfahrzeug eine am
Straßenrand versteckte Bombe explodierte. Bereits am Donnerstag
seien zwei Soldaten bei einem ähnlichen Anschlag verwundet worden.
Beide Explosionen ereigneten sich in der Nähe von Asadabad, der
Hauptstadt der nordöstlichen Provinz Kunar. Der
Militärsprecher erklärte, vermutlich hätten
Taliban-Kämpfer die Bomben gelegt. «Es scheint, als
hätten sie begonnen, diese Taktik zu nutzen.»
Auch Struck erklärte in dem Zeitungsinterview, nach wie vor gebe
es Taliban und El Kaida, die wieder mehr Einfluss zu gewinnen
versuchten. «Außerdem lehrt die Erfahrung, dass gerade in
Zeiten wie Weihnachten und Jahreswende die Anschlagsgefahr
steigt.» Den Nachrichtendiensten zufolge werde diese Gefahr bis
zur Wahl im Juni nächsten Jahres anhalten. Das Bundestagsmandat
für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan reiche zwar
lediglich bis zu dieser Wahl, doch werde man dieses Mandat im
nächsten Jahr nicht aufgeben können.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israelische Soldaten erschiessen Palästinenser im
Westjordanland. Junge Palästinenserin bei Nablus im
Taxi erschossen. +++ Neue Bemühungen der USA um Frieden in
Nahost
So.14.12.03 - Israelische Soldaten haben am Sonntag einen bewaffneten
Palästinenser im Westjordanland erschossen. Der Mann war nach
Angaben der Streitkräfte ein gesuchtes Mitglied der Organisation
Islamischer Dschihad und wurde in der Nähe des Dorfes Nameh, 15
Kilometer von Ramallah entfernt, von Soldaten auf der Flucht
tödlich getroffen. Truppen drangen vor Morgengrauen nach Nameh ein
und verhängten ein Ausgehverbot. Zwei weitere Kämpfer des
Islamischen Dschihads wurden nach Militärangaben verhaftet.
Bei Nablus schossen israelische Soldaten nach Militärangaben auf
ein Taxi, weil es einen Kontrollpunkt umfahren habe, der nach Warnungen
vor möglichen Anschlägen errichtet worden sei. Die
21-jährige Palästinenserin in dem Fahrzeug wurde dabei
getötet. Palästinensischen Angaben zufolge ereignete sich der
Vorfall am Samstag gegen 03.00 Uhr morgens, als die Studentin eines
ihrer beiden Kinder ins Krankenhaus bringen wollte.
Angesichts der verhärteten Fronten im Nahen Osten haben die
Vereinigten Staaten eine neue Vermittlungsmission vor Ort gestartet.
Ein ranghoher Beamter im US-Außenministerium, David Satterfield,
traf am Samstag mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten
Ahmed Kureia zusammen.
Satterfield kam von der in Rom abgehaltenen Geberkonferenz zu Gunsten
der Palästinenser. Dort sei abermals klar geworden, dass der
Friedensprozess um aller Beteiligter willen fortgesetzt werden
müsse, betonte der Diplomat. Er rief Israelis und
Palästinenser gleichermaßen auf, ihre Verhandlungen
über die so genannte Road Map wieder aufzunehmen.
Diesen Friedensplan des Nahost-Quartetts bezeichnete auch der
Nahost-Beauftragte der Vereinten Nationen, Terje Roed-Larsen, vor dem
Weltsicherheitsrat als den einzig gangbaren Weg. Er sieht bis 2005 die
Errichtung eines palästinensischen Staates auf dem Gebiet des
Gazastreifens und weiten Teilen des Westjordanlands vor. Israel soll
die dortigen jüdischen Siedlungen abbauen, die Palästinenser
sollen die Gewalt extremistischer Gruppen stoppen. Den von israelischen
und palästinensischen Politikern erarbeiteten alternativen
Friedensplan von Genf bezeichnete Roed-Larsen als undurchführbar.
(Quelle: ap)
Der "Fahrplan" zum Nahost-Frieden (Nahost-Friedensplan / Road Map)
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv/k0305120.htm#030512_d
Genfer Abkommen (Friedensplan von Genf:
http://www.miftah.org/Display.cfm?DocId=2575&CategoryId=7
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zur Genfer Friedensinitiative
im boa-Nachrichten-Archiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312120.htm#031212_b
Palästinensische Dichterin Tukan verstorben
So.14.12.03 - Die palästinensische Dichterin Fadwa Tukan ist am Freitag im Alter
von 86 Jahren in Nablus gestorben. Tukan wurde mit Gedichten über
das Leiden der Palästinenser in den besetzten Gebieten bekannt.
Sie widmete sich aber auch der Unterdrückung der Frauen in der
patriarchalischen arabischen Gesellschaft, mit der sie selbst bittere
Erfahrungen machte: In der fünften Klasse wurde sie von ihrem
ältesten Bruder gezwungen, die Schule zu verlassen, weil ein
junger Verehrer ihr eine Blume überreicht hatte.
Zu Tukans Glück entdeckte ein anderer Bruder ihre sprachliche
Begabung. Ibrahim Tukan, selbst ein Dichter, überhäufte seine
Schwester mit Büchern. «Ibrahim verwandelte mein
Gefängnis in ein Klassenzimmer», sagte Fadwa Tukan vor zwei
Monaten in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Im Alter von
45 Jahren begann die Tochter aus gutem Hause, an der britischen
Universität Oxford englische Sprache und Literatur zu studieren.
Nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 wandte sie sich in ihren Gedichten
den Problemen der Palästinenser in den besetzten Gebieten zu.
Fadwa Tukan wurde 1917 als Tochter einer wohlhabenden
palästinensischen Familie geboren. Sie starb unverheiratet und
kinderlos.
(Quelle: ap)
Indien will mit gebrauchten Computern Alphabetisierung fördern
So.14.12.03 - Indien will mit Hilfe von gebrauchten Computern ein ehrgeiziges
Alphabetisierungsprogramm starten. "Computer werden bis zu 400
Millionen Indern helfen, eine Zeitung zu lesen", sagte
Technologieminister Arun Shourie am Freitag beim ersten
UN-Informationsgipfel in Genf, der sich mit der Verbreitung von
Kommunikationstechnologie und dem Zugang zu Computern und anderen
Medien beschäftigte. Schon ein Computer könne helfen, 300 bis
400 Menschen jährlich das Lesen beizubringen. Sein Land wolle
daher die Einfuhr von rund einer Million gebrauchter Computer erlauben,
sagte Shourie. Rund 35 Prozent der etwa 1,3 Milliarden Inder
können nach offiziellen Angaben weder lesen noch schreiben;
allerdings gelte dieser Statistik zufolge jeder, der nur seinen eigenen
Namen lesen könne, schon nicht mehr als Analphabet, sagte Shourie
weiter.
Der dreitägige Gipfel endete am Freitagabend mit mehreren
Erklärungen, in denen die Teilnehmerländer unter anderem den
Willen äußern, bis 2015 mehr als der Hälfte der
Weltbevölkerung Zugang zu Internet, Telefonen oder anderen
elektronischen Medien zu verschaffen. Ein weiteres Ziel ist demnach die
Einrichtung eines Fonds, mit dem Technologieprojekte in ärmeren
Ländern unterstützt werden sollen. An dem UN-Gipfel nahmen
rund 11.000 Delegierte aus 175 Ländern teil.
(Quelle: afp)
UN-Weltinformationsgipfel (WSIS):
http://www.itu.int/wsis/index.html
Australien: Flüchtlinge im Hungerstreik auf Nauru am Rand des
Zusammenbruchs
So.14.12.03 - Vier Tage nach Beginn ihres Hungerstreiks stehen Flüchtlinge in
einem australischen Lager auf der Pazifinsel Nauru am Rand des
Zusammenbruchs. Mehrere der 19 Asylbewerber fielen in einen Zustand der
Bewusstlosigkeit und wurden ärztlich behandelt, wie die
Vertreterin einer Flüchtlingshilfsorganisation am Sonntag
mitteilte. Mindestens vier Angehörige der vor allem aus Afghanen
und Pakistanern bestehenden Gruppe haben sich mit Beginn des
Hungerstreiks am Mittwoch die Lippen zugenäht.
Mit ihrer Aktion protestieren die Flüchtlinge gegen die Ablehnung
ihrer Asylanträge und gegen die Zustände in dem Lager auf
Nauru, einem unabhängigen Staat, der zwischen Australien und
Hawaii liegt. In dem Lager auf Nauru sind rund 280
Elendsflüchtlinge untergebracht, die an der Einreise nach
Australien gehindert wurden. Die australische Regierung hat den
abgelehnten Asylbewerbern mit der Abschiebung gedroht. «Die
Situation ist sehr ernst», sagte Elaine Smith von der
Organisation Rural Australians for Refugees.
Vor zwei Jahren hatte sich die kleine Pazifikinsel angeboten, 300
Flüchtlinge des Frachters "Tampa" aufzunehmen. Deren Odyssee hatte
im Sommer 2001 international für Aufsehen gesorgt. Damals rettete
der Kapitän des norwegischen Frachters mehr als 400 zumeist
afghanische Flüchtlinge von einer sinkenden indonesischen
Fähre. Die Flüchtlinge zwangen den Kapitän, Kurs auf
Australien zu nehmen. Die australische Regierung weigerte sich jedoch,
die Menschen an Land zu lassen, und löste mit ihrer Haltung
scharfe internationale Kritik aus. Seitdem harren noch immer viele der
Asylsuchenden auf Nauru aus. Der Inselstaat ist eines der ärmsten
Länder der Welt. Die Republik mit rund 11.000 Einwohnern ist 21
Quadratkilometer groß.
(Quellen: ap, info.partisan.net)
Kubanischer Dissident fordert Dialog für Demokratie
So.14.12.03 - Der kubanische Dissident Oswaldo Paya hat zu einem nationalen Dialog
über den Übergang zur Demokratie aufgerufen. In einem am
Samstag in Havanna verteilten Aufruf schlägt Paya grundlegende
Änderungen im sozialistischen Gesellschaftssystem des
Karibikstaates und die Einrichtung eines «Nationalen Rates
für einen Regierungswechsel» vor. Paya gehört zu den
führenden Köpfen des Varela-Projekts, in dem sich seit Mai
vergangenen Jahres 25.000 Bürger für ein Referendum über
die Stärkung von Grundrechten wie die Meinungs- und
Versammlungsfreiheit ausgesprochen haben. Die Regierung von Staatschef
Fidel Castro hat diese Initiative als verfassungswidrig abgelehnt.
(Quelle: ap)
EU-Verfassungsgipfel gescheitert
Der Gipfel scheiterte an den unüberbrückbaren Positionen zur
Stimmengewichtung im Ministerrat +++ Ohne Verfassung sieht
Schröder Europa der zwei Geschwindigkeiten
So.14.12.03 - Der EU-Verfassungsgipfel ist gescheitert. Die Staats- und
Regierungschefs der bald 25 Mitgliedstaaten sind ohne Einigung
über die künftige Stimmengewichtung in der EU auf dem Gipfel
in Brüssel am Samstag auseinander gegangen. Bundeskanzler Gerhard
Schröder sagte, entscheidender Punkt für das Scheitern sei
gewesen, dass für Polen und Spanien «die nationale Frage vor
der europäischen Idee» rangiert habe. Fortgesetzt werden
sollen die Verhandlungen nun voraussichtlich unter irischer
Präsidentschaft im Frühjahr.
Schröder betonte, es gehe jetzt darum, die Regierungen in Warschau
und Madrid davon zu überzeugen, das nationale Interesse mit der
europäischen Idee zu vereinbaren. «Dafür müssen
wir uns einsetzen.» In diesem Fall sei es wahrscheinlich, dass
die Verhandlungen über die Verfassung auf dem Frühjahrsgipfel
im März fortgesetzt würden.
Der polnische Ministerpräsident Leszek Miller ist nach dem
Scheitern zu weiteren Verhandlungen bereit. «Wir werden die
Diskussion fortsetzen», sagte Miller. «Eine Einigung ist
notwendig, und wir werden daran arbeiten, diese zu erreichen.»
Auch der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar
äußerte die Hoffnung auf einen baldigen Kompromiss.
Gleichzeitig warnte er Mitgliedstaaten davor «zu versuchen,
Europa auseinander zu dividieren». Wenn jemand außerhalb
der EU-Verträge agieren wolle, werde er zur Rechenschaft gezogen.
Der britische Premierminister Tony Blair verteidigte das ergebnislose
Ende des Gipfels. «Wir sollten nicht irgendeine Einigung
erreichen, sondern eine gute.» Schuldzuweisungen wollte Blair
nicht machen. Der französische Präsident Jacques Chirac sieht
in dem Scheitern keine Krise der Europäischen Union. «Europa
ist nicht in der Krise. Europa hat Institutionen, Europa erweitert
sich, Europa funktioniert.» Man könne nicht jedwedes
Ergebnis akzeptieren.
Schröder sagte, gelinge es nicht, die Verfassung durchzusetzen,
werde es ein Europa der zwei Geschwindigkeiten geben. Dabei könne
er sich eine verstärkte Zusammenarbeit mit Frankreich, aber auch
Großbritannien und einigen der neuen Mitgliedstaaten vorstellen.
Auch Chirac erklärte, es sei unvermeidlich, dass
«Pioniergruppen» in der EU voranschritten.
Der italienische Ministerpräsident und amtierende
EU-Ratsvorsitzende Silvio Berlusconi wehrte dies ab. «Ich glaube
nicht, dass das im Interesse Europas ist.» Zudem wehrte
Berlusconi einseitige Schuldzuweisungen ab. «Wenn wir jemanden
beschuldigen wollen, dann gilt das für alle Länder.»
Der Gipfel scheiterte an den unüberbrückbaren Positionen zur
Stimmengewichtung im Ministerrat. Besonders Deutschland und Frankreich
treten für die Einführung der doppelten Mehrheit ein, wie
dies der EU-Verfassungskonvent für 2009 vorgeschlagen hatte.
Danach ist eine Entscheidung gefallen, wenn eine Mehrheit der
EU-Staaten zustimmt, die zugleich mindestens 60 Prozent der
EU-Bevölkerung repräsentieren. Polen und Spanien wollen am
geltenden EU-Vertrag von Nizza festhalten, der beiden Ländern ein
größeres Gewicht einräumt, als ihnen nach ihrer
Bevölkerungszahl zusteht.
Dass ein Scheitern der EU-Verfassung auch Konsequenzen für die
Verhandlungen über die EU-Finanzen nach 2006 haben könnte,
schloss Schröder nicht aus.
(Quelle: ap)
Zehntausende demonstrieren gegen Autonomie des Baskenlandes
So.14.12.03 - Zehntausende Menschen haben am Samstag in San Sebastian gegen die
Pläne der Regierung des Baskenlandes für eine
größere Unabhängigkeit von Spanien demonstriert. Zu der
Kundgebung hatten die größten Parteien Spaniens aufgerufen,
die Volkspartei von Ministerpräsident Jose Maria Aznar und auch
die oppositionellen Sozialisten. Viele Demonstranten reisten mit Bussen
aus dem ganzen Land an, die auch von der Volkspartei organisiert worden
waren.
Die Demonstranten wandten sich gegen den so genannten Ibarretxe-Plan,
der nach dem baskischen Regierungschef Juan Jose Ibarretxe benannt ist
und der von den regierenden nationalistischen Parteien des Baskenlandes
unterstützt wird. Der Plan sieht vor, dass im kommenden Jahr
Verhandlungen mit der Regierung in Madrid über den Status des
Baskenlandes aufgenommen werden. Vorgesehen ist dabei auch eine
Volksabstimmung über das Verhandlungsergebnis. Kritiker halten
dies für ein Referendum über die Selbstbestimmung des
Baskenlandes. Der Führer der Sozialisten, Jose Luis Rodriguez
Zapatero, erklärte, dieser Plan sei ein «Verrat am Rest
Spaniens». Einige Passanten riefen den Demonstranten zu:
«Dies ist nicht Spanien.» Zu Zwischenfällen kam es
nicht.
(Quelle: ap)
Gipfel-Beschlüsse
Vom Grenzschutz bis zur Verteidigungspolitik
So.14.12.03 - Vor der Beratung über die Verfassung hat der EU-Gipfel am Freitag
in Brüssel eine Reihe von Beschlüssen gefasst. Sie reichen
von der neuen EU-Verteidigungspolitik bis zu einem Milliardenprojekt
für mehr Wachstum. Eine Auflistung:
GRENZEN: Eine europäische Grenzschutz-Agentur soll Anfang 2005
ihre Arbeit aufnehmen. Die Innenminister der bald 25 Mitgliedstaaten
sollen auch die nötigen raschen Entscheidungen für eine
europäische Asylpolitik treffen. Die Kommission wird aufgefordert,
Anfang 2004 einen Vorschlag zur Finanzierung einer gemeinsamen
Rückkehrpolitik für Flüchtlinge vorzulegen.
ANTISEMITISMUS: «Sehr besorgt» ist der Gipfel über
«die Zunahme der Fälle antisemitischer Intoleranz».
Das Schlussdokument verurteilt «alle Erscheinungsformen des
Antisemitismus, einschließlich Übergriffen auf
religiöse Stätten und Personen, auf das Schärfste».
KONJUNKTUR: Mit einer milliardenschweren Wachstumsinitiative
unterstützt die EU den einsetzenden Wirtschaftsaufschwung. Damit
werden 56 Großprojekte aus den Bereichen Energie,
Telekommunikation, Forschung und Verkehr wie etwa das
Satellitennavigationssystem Galileo angeschoben. Das
Investitionsvolumen liegt laut EU-Kommission bis 2010 bei etwa 62
Milliarden Euro.
VERTEIDIGUNG: Die EU verbessert ihre Fähigkeit zu
Kriseneinsätzen mit einer Verstärkung ihrer
militärischen Führung. Die NATO soll aber bei
Militäreinsätzen Vorrang haben, heißt es in einem
Gipfel-Beschluss. Schon im kommenden Jahr soll der bereits bestehende
Militärstab der EU in Brüssel durch eine
Planungs-«Zelle» aufgestockt werden. Diese wird aber nur in
Ausnahmefällen tätig.
SICHERHEIT: Der Gipfel verabschiedete die Anfang der Woche bereits von
den Außenministern gebilligte erste sicherheitspolitische
Doktrin. Die EU legt den Schwerpunkt auf Konfliktvorbeugung und zivile
Hilfen, schließt aber militärische Einsätze nicht aus.
CHINA: Auf Antrag Frankreichs sollen die EU-Außenminister ein
Ende des EU-Waffenembargos gegen China prüfen. Frankreich stellte
sich damit hinter eine Forderung von Bundeskanzler Gerhard
Schröder, der bei seinem China-Besuch eine Aufhebung des Embargos
gefordert hatte.
USA/KANADA/IRAK: Die EU sieht trotz politischer und wirtschaftlicher
Konflikte mit den USA in den transatlantischen Beziehungen einen
Garanten für Wohlstand und Frieden. «Die transatlantischen
Beziehungen sind unersetzlich», heißt es in einer vom
Gipfel verabschiedeten Erklärung. Der jüngste Streit um die
Vergabe milliardenschwerer US-Aufträge zum Wiederaufbau des Iraks
spielten keine Rolle beim Gipfel.
(Quelle: dpa)
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EU-Kommissarin Schreyer warnt vor Verkauf der Hanauer Plutoniumanlage
So.14.12.03 - EU-Kommissarin Michaele Schreyer hat vor dem Verkauf der Hanauer
Plutoniumanlage nach China gewarnt. «Wir sollten sehr vorsichtig
sein, damit wir uns mit dem heutigen Export von Nukleartechnologie
nicht die Sicherheitsprobleme von morgen selbst schaffen», sagte
sie in einem am Samstag veröffentlichten Interview. Der Direktor
der Internationalen Atomenergieorganisation, Mohammed El Baradei,
äußerte sich derweil zurückhaltend zu der
Koalitionsforderung, die IAEO solle die Verwendung der Anlage in China
überwachen.
Seine Behörde sei zu einer solchen Überwachung nicht
verpflichtet, sagte er dem Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel». Die IAEO werde einen Einsatz in China lediglich im
Rahmen der üblichen Praxis und unter Berücksichtigung der
personellen und finanziellen Möglichkeiten prüfen und auch
nur dann, wenn sowohl China als auch Deutschland offiziell in Wien
vorstellig würden. «China ist ein Atomwaffenstaat»,
sagte El Baradei der «Bild am Sonntag». Die fünf
offiziellen Atomwaffenmächte, zu denen auch China gehört,
unterliegen laut «Spiegel» nicht notwendigerweise dem so
genannten Safeguards-Regime der IAEO, das den militärischen
Missbrauch ziviler Nukleartechnik verhindern soll. Sie könnten
jedoch freiwillig zivile Atomanlagen in ihren Ländern
überwachen lassen.
Die den Grünen angehörende EU-Kommissarin Schreyer sagte laut
«Bild am Sonntag», selbst wenn man Abkommen über
Kontrollzusammenarbeit habe oder der jetzigen Entwicklung in China
vertraue, wisse niemand, was die Zukunft bringe, argumentierte sie.
«Das Beispiel Nordkorea und die gerade erst halbwegs
gelösten Probleme mit Iran sollten wir dich im Kopf
behalten», fügte Schreyer hinzu. Schließlich sei
Plutonium ein höchst brisantes Nuklearmaterial, «deshalb
kann der Export einer Anlage wie in Hanau gar nicht unproblematisch
sein», sagte die in der EU-Kommission für den Haushalt
zuständige Politikerin.
Die Lieferung der Hanauer Atomanlage an China ist nach Ansicht der
Grünen noch keineswegs ausgemachte Sache. Es gebe keine
Vorfestlegung der Bundesregierung, sagte Grünen-Chef Reinhard
Bütikofer. Das Auswärtige Amt versicherte, es werde weiterhin
geprüft, wie eine militärische Nutzung der Anlage
ausgeschlossen werden könne.
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Reinhold
Robbe, sprach sich derweil gegen eine generelle Aufhebung des
Waffenembargos gegen China aus. In der «Neuen Osnabrücker
Zeitung» sagte der SPD-Politiker, er sei strikt dagegen, China
einen Persilschein für Waffenimporte aus der EU und erst recht aus
Deutschland auszustellen. Gegen eine strenge Einzelfallprüfung bei
entsprechenden Anforderungen aus China für militärische
Ausrüstung habe er aber keine Bedenken. «Da macht es schon
einen Unterschied, ob China Raketen, Lastwagen oder Zelte kaufen
will», sagte Robbe. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte
sich während seines China-Besuchs Anfang Dezember für eine
Aufhebung des EU-Waffenembargos ausgesprochen.
Derweil will Russland offenbar das Geschäft mit Uran aus atomaren
Sprengköpfen stärker kontrollieren. Im «Spiegel»
heißt es, die Staatshandelsfirma Tenex habe entsprechende
Lieferverträge mit der US-Firma Globe Nuclear Services and Supply
GNSS Ltd ohne Vorwarnung gekündigt. Als Hauptsitz dieser Firma
habe bis vor wenigen Wochen eine Schweizer Briefkastengesellschaft
gedient, über die Uranlieferungen im Wert von mehreren hundert
Millionen Dollar gelaufen seien. Die von der GNSS abgewickelten
Geschäfte seien immer weniger transparent geworden,
begründete Tenex-Chef Wladimir Smirnow laut «Spiegel»
den Abbruch der Geschäftsbeziehungen. Man habe nichts mehr
über die Endkunden oder auch die finanzielle Lage der GNSS
erfahren.
(Quellen: ap, dpa)
Zehntausende Studierende demonstrieren gegen
Sparmaßnahmen im Bildungsbereich
Veranstalter sprechen von 65.000 Teilnehmern +++ Allein in Berlin
beteiligten sich 30.000 Studenten
So.14.12.03 - Mehrere zehntausend Studierende haben am Samstag unter dem Motto
«Ihr nehmt uns unsere Zukunft!» in Berlin, Leipzig und
Frankfurt am Main lautstark gegen Studiengebühren und
Sparmaßnahmen im Bildungsbereich protestiert. Die Veranstalter
sprachen von rund 65.000 Teilnehmern. Der Geschäftsführer des
Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren, Klemens Himpele,
sagte in Frankfurt laut vorab verbreitetem Redetext, man werde sich
keinem «antidemokratischen Sachzwangdiktat» unterwerfen.
In Berlin gingen nach Angaben der Veranstalter bei nasskaltem Wetter
rund 30.000 Studenten auf die Straße. Mit Trillerpfeifen,
Sprechchören und auf Plakaten forderten sie den rot-roten Senat
auf, seine Kürzungspläne für die drei Berliner
Universitäten rückgängig zu machen. Auf
Spruchbändern verlangten sie unter anderem: «Lasst die
Bildung nicht im Regen stehen». Bei der Demonstration über
die Straße des 17. Juni machten die Studenten auf die drohende
Schließung einzelner Fachbereiche aufmerksam. «Zukunft ohne
Geschichte - Geschichte ohne Zukunft», hieß es auf einem
Plakat. Andere Demonstranten forderten die Absetzung von Finanzsenator
Thilo Sarrazin (SPD).
In Frankfurt demonstrierten nach Angaben der Veranstalter 10.000
Studenten, nach Polizeiangaben waren es 5.000. Mit Spruchbändern,
Sprechchören und Protestgesängen zogen die aus zahlreichen
westdeutschen Bundesländern angereisten Studenten durch die
Innenstadt zum Universitätsgelände. Mit Plakaten mit
Aufschriften wie «Rück die schwarze Kasse raus,
Roland» machten sie ihrem Unmut über die Sparpläne der
Landesregierungen Luft.
In Leipzig brachte einer der nach Angaben der Veranstalter
längsten Sonderzüge in der Geschichte der Deutschen Bahn
Studenten aus Thüringen zur Demonstration. Wie Martin Fuchs von
der Technischen Universität Ilmenau sagte, waren allein aus
Thüringen rund 3.000 Studierende zu der Veranstaltung angereist.
Insgesamt gingen gut 20.000 Studenten aus Sachsen-Anhalt, Sachsen,
Thüringen und Nordbayern in Leipzig auf die Straße. Auf der
traditionsreichen Strecke der Leipziger Montagsdemos zogen sie
über den Innenstadtring.
Die zeitgleichen Proteste waren auf einem Koordinierungstreffen des
studentischen Dachverbandes «Freier Zusammenschluss von
StudentInnenschaften» (fzs) beschlossen worden. Anlass sind
Pläne für Kürzungen der Bildungsausgaben und
Einführung von Studiengebühren vor allem in Berlin, Hessen
und Bayern. Dort protestieren die Studierenden seit mehreren Wochen
gegen die Pläne ihrer Landesregierungen.
Die Berliner Hochschulen sollen einen Sparbeitrag von 75 Millionen Euro
erbringen. Hessen plant die Einführung von Gebühren für
Langzeitstudenten, Bayern will bei einem entsprechenden Urteil des
Bundesverfassungsgerichts generelle Studiengebühren einführen.
Die sächsische Landesregierung plant, in den kommenden sechs
Jahren mehr als 1.000 Stellen im Hochschulbereich zu streichen. Die
thüringer Studierenden beklagen, dass die Landesmittel für
die Hochschulen seit 2001 auf dem damaligen Stand eingefroren seien. In
Sachsen-Anhalt ist durch Mittelkürzungen nach Angaben von
Studenten bereits die Situation eingetreten, dass etwa in Dessau im
kommenden Jahr keine Bücher mehr für die Bibliotheken
angeschafft werden können.
(Quelle: ap)
«Wär an där Bildunk spahrt, spahrt an der Zukumpft.
gez. eure künftigen Lehrer.»
Für die mehreren zehntausend Studierenden, die am Samstag in
Berlin, Leipzig und Frankfurt am Main ihren Protest lautstark und mit
Plakaten bewaffnet auf die Straße trugen, ist die Sachlage klar:
Die Pläne der Landesregierungen zu Bildungskürzungen und
Studiengebühren sind nicht einfach nur harte Schläge für
die jetzige Studentengeneration. Gespart werde an der falschen Stelle,
und damit werde die Zukunft des gesamten Landes aufs Spiel gesetzt,
argumentieren sie.
«Die Verteilung von Geldern ist immer Entscheidung der Politik.
Die öffentlichen Kassen sind nicht wegen Studierenden oder
Arbeitslosen leer, sondern wegen einer verfehlten Unternehmens- und
Einkommenssteuerpolitik der Bundesregierung», sagte der
Geschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen
Studiengebühren (ABS), Klemens Himpele, laut Redetext auf der
Abschlusskundgebung in Frankfurt. Deutschland sei als Volkswirtschaft
so reich wie nie zuvor. «Geld ist genug da, es ist nur in den
falschen Taschen!» Eine der Forderungen der Studenten ist daher
die Einführung einer Vermögensteuer.
André Schlecht-Pesé, der an der Hochschule Anhalt im
sachsen-anhaltischen Dessau Architektur studiert, schilderte die
Auswirkungen der Mittelkürzungen in Sachsen-Anhalt ganz plastisch:
«Für die Bibliothek können im kommenden Jahr keine
Bücher mehr angeschafft werden, weil das Sonderprogramm von EU und
Bund in diesem Jahr ausläuft und die Landesregierung keine eigene
Finanzierung auf die Beine gestellt hat», berichtete Pasé.
Da sei man «sehenden Auges in den Untergang» marschiert.
In seinem Fach sei es inzwischen schon so weit, dass die Studenten Holz
für den Bau von Modellen selbst im Baumarkt besorgen müssten.
«Und selbst das ist nicht immer ausreichend, wenn etwa die
Bandsäge in der Werkstatt kaputt geht und kein Geld für
Reparaturen da ist.» Eine ganze Generation von Studierenden werde
in schlechter Qualität ausgebildet, während in der Wirtschaft
händeringend nach gut qualifiziertem Nachwuchs gesucht werde.
Martin Fuchs von der Technischen Universität Ilmenau in
Thüringen beklagte, dass die Zuwendungen des Landes an die
Studentenwerke der Hochschulen gekürzt worden seien. Als Folge sei
der Beitrag der Studierenden ans Studentenwerk von 20 auf 40 Euro
geklettert. Insgesamt seien die Mittel für die Hochschulen des
Landes auf dem Stand von 2001 eingefroren worden, so dass
Kostensteigerungen etwa durch Tariferhöhungen für die
Mitarbeiter oder durch steigende Studentenzahlen in den
Bildungseinrichtungen selbst aufgefangen werden müssten.
In Berlin, wo die drei Universitäten ab 2006 75 Millionen Euro
einsparen sollen, wurde der rot-rote Senat als Bildungsmafia
beschimpft. Einige Studenten trugen Plakate mit dem Konterfei von
Finanzsenator Thilo Sarazin und forderten dessen Absetzung.
Medizinstudenten schoben Krankenbetten durch den Demonstrationszug.
Eine andere Studentin hatte sich in einen Rollstuhl gesetzt mit einem
Schild «Bildungskrüppel» um den Hals.
Doch die Proteste richteten sich nicht nur dagegen, dass den
Universitäten Geld entzogen wird. Die Studierenden protestierten
auch gegen bereits existierende und andernorts geplante Gebühren
für Langzeitstudenten, steigende Verwaltungsgebühren und die
Pläne einiger Länder für generelle Studiengebühren.
Sechs unionsgeführte Bundesländer haben gegen das Verbot
genereller Studiengebühren im Hochschulrahmengesetz geklagt und
warten auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts.
Er sei «besonders stolz», dass er in einem der klagenden
Bundesländer studiere, sagte in Frankfurt der Heidelberger
Politikstudent Sven ironisch. Bereits jetzt kämen die
Verwaltungsgebühren, die baden-württembergische Studenten zu
zahlen hätten, noch nicht einmal der Verwaltung, geschweige denn
den Studenten zu Gute.
Schon im Wintersemester 1997/98 waren bundesweit Studierende wegen
ständig schlechter werdender Studienbedingungen auf die Barrikaden
gegangen. Der Protest war damals nach einigen Wochen wirkungslos im
Sande verlaufen, nachdem sogar der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl
die Studenten für ihren «Aufstand» gelobt hatte. Er
glaube eigentlich auch nicht, dass die jetzigen Proteste Wirkung zeigen
würden, sagte Demonstrant Ludger, Sonderpädagogikstudent in
Köln. Als pessimistisch würde er sich dennoch nicht
bezeichnen, «sondern als realistisch».
Quelle: ap, 13.12.03)
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Rechtsextremisten demonstrieren gegen EU-Erweiterung
Rund 1.000 Cottbusser protestieren gegen Nazi-Aufzug
So.14.12.03 - Rund 1.000 Cottbusser haben am Samstag gegen einen Aufzug von knapp 200
Neonazis in ihrer Stadt demonstriert. Der Brandenburger Bauminister
Frank Szymanski und Oberbürgermeisterin Karin Rätzel riefen
auf einer Kundgebung zu Toleranz und friedlichem Miteinander auf. Die
Polizei räumte für die Neonazis die Marschroute frei, nachdem
diese von einigen hundert Gegendemonstranten mehrmals blockiert worden
war.
Die Rechtsextremisten demonstrierten am Abend drei Stunden lang mit
Plakaten und Fahnen unter Führung des Hamburger Neonazis Christian
Worch gegen die EU-Osterweiterung. Während ihres von einem starken
Polizeiaufgebot begleiteten Zuges durch die Innenstadt skandierten sie
Parolen gegen die bevorstehende Aufnahme der osteuropäischen
Staaten. Immer wieder wurden sie von Gegendemonstranten
übertönt. Vereinzelt flogen Flaschen und Steine.
Acht Gegendemonstranten wurden nach Polizeiangaben wegen
Körperverletzung, Widerstands gegen Beamte und Rauschgiftkonsums
vorübergehend festgenommen. Für den Nazi-Aufzug hatte die
Polizei scharfe Auflagen angeordnet. Unter anderem durften keine
Springerstiefel und keine Symbole getragen werden, die als Aufruf zu
Hass und Gewalt aufgefasst werden können.
(Quelle: ap)
Arbeitsminister der G8-Staaten treffen sich in Stuttgart
So.14.12.03 - Die Arbeitsminister der G-8-Staaten kommen am (heutigen) Sonntag in
Stuttgart (15.00 Uhr) zu einer dreitägigen Arbeitstagung zusammen.
Das Treffen der Minister aus Deutschland, Kanada, Frankreich, Italien,
Japan, Russland, Großbritannien und den USA steht unter dem Motto
«Wachstum und Beschäftigung: Die Zukunft der
Erwerbsgesellschaft in einer sich wandelnden Welt.» Anliegen der
Tagung sei es, einen Zukunftsdialog zur Arbeitswelt anzustoßen,
um die Chancen der Globalisierung und des damit zusammenhängenden
Strukturwandels für mehr Wachstum und Beschäftigung nutzen zu
können. Deutschland ist das erste Mal Gastgeber. Das letzte
Treffen fand 2002 in Montreal statt.
(Quelle: ap)
Experten sehen Trend zur Arbeitsplatzverlagerung nach Osteuropa
Jedes vierte Industrieunternehmen plant einen solchen Schritt
So.14.12.03 - Nach Banken und Versicherungen folgen immer mehr Branchen dem Trend zur
Auslagerung von Produktion, Verwaltung oder Logistik nach Osteuropa. In
den kommenden Jahren würden Konzerne, aber auch
Mittelständler zunehmend in Niedriglohnländer wie Tschechien,
Polen oder Litauen investieren, sagte Outsourcing-Experte Mathias Weber
vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue
Medien (BITKOM) der Nachrichtenagentur AFP am Freitag in Berlin. Einer
Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zufolge
plant bereits jedes vierte Industrieunternehmen einen solchen Schritt.
Länder wie etwa die baltischen Republiken hätten eine hohe
Arbeitskultur, sagte Weber. Zudem lägen die Löhne und
Gehälter weit unter dem deutschen Standard. Das werde sich zwar
langsam angleichen, "jeder weiß aber, dass dies sehr lange
dauert", sagte Weber weiter.
Laut einer Umfrage des DIHK unter 7000 Industriebetrieben planen 24
Prozent eine Verlagerung zumindest eines Teils der Produktion ins
Ausland. Dabei gehe es nicht mehr nur um lohnintensive Fertigung.
Inzwischen werde neben der Verwaltung, Forschung und Entwicklung sogar
die Verlagerung der Unternehmensführung in Betracht gezogen,
berichtete der DIHK.
(Quelle: afp)
Freigelassener Terrorverdächtiger Mzoudi beantragt
politisches Asyl
So.14.12.03 - Der überraschend freigelassene Terrorverdächtige Abdelghani
Mzoudi hat politisches Asyl in Deutschland beantragt. Mzoudis
Anwältin Gül Pinar bestätigte am Samstag einen
entsprechenden Vorabbericht des «Spiegels». Dem Magazin
zufolge befürchtet Mzoudi ansonsten eine Abschiebung in seine
Heimat Marokko, wo er den Amerikanern in die Hände fallen
könne. Bei dem bereits verurteilten Mounir El Motassadeq rechnet
die Bundesanwaltschaft laut dem Anwalt der Nebenkläger mit Flucht,
sollte er wie beantragt aus der Haft entlassen werden.
Generalbundesanwalt Kay Nehm hatte am Freitag die Zurückweisung
der Anträge auf Haftentlassung Motassadeqs beantragt. Anwalt
Andreas Schulz, der Angehörige der Opfer der Anschläge vom
11. September 2001 vertritt, sagte der AP, Nehm habe einen Informanten,
der über die Fluchtgefahr von Motassadeq eine vertrauliche Aussage
gemacht habe.
«Spiegel Online» und «Focus» berichteten, Nehm
habe seinem Antrag zwei Memos des LKA Berlin beigefügt, aus denen
ebenfalls hervorgehe, dass Motassadeq kurz nach dem 11. September 2001
seine Flucht geplant habe. Er habe eine Person konkret mit der
Beschaffung neuer Ausweispapiere inklusive gültigem Visum
beauftragt.
Laut «Focus» handelt es sich dabei um den Imam der
Neuköllner Al-Nur-Mosche, Salem Al-Raffei. Auch ein Mitarbeiter
der saudi-arabischen Botschaft sei eingeschaltet worden. Die drei
hätten sich im Herbst 2001 zum Frühstück getroffen,
dabei habe Motassadeq geäußert, «dass er
Schwierigkeiten in Zusammenhang mit den Attentaten des 11. September
bekommen wird und dass er verschwinden müsse».
Die Sprecherin der Bundesanwaltschaft Frauke-Katrin Scheuten verwies
auf ihre Erklärung vom Freitag, wonach der Inhalt des
BKA-Behördenzeugnisses, das die Freilassung Mzoudis zur Folge
hatte, keinen Anlass gebe, «die bisherige tatsächliche oder
rechtliche Bewertung in Bezug auf die Verurteilung Motasadeqs
abzuändern». Nähere Einzelheiten aus dem Schriftsatz
Nehms würden nicht mitgeteilt.
Laut «Spiegel» ging der Vorlage der Mzoudi entlastenden
Aussage, die dem in den USA inhaftierten Ramzi Binalshibh zugeschrieben
wird, eine Panne der deutschen Behörden voraus. Bereits im Januar
habe das BKA den Amerikanern einen Fragenkatalog zum Verhör
Binalshibhs zugesandt, sei aber nicht davon ausgegangen, dass die
Antworten den Hamburger Richtern zugingen. Nachdem die USA aber Anfang
November überraschend entlastendes Material geschickt hätten,
habe die Bundesregierung entschieden, dieses den Richtern vorzulegen.
Selbst wenn die entlastende Aussage falsch sei, könne sie
grundsätzlich nicht zurückgehalten werden.
Der bayerische Innenminister Günther Beckstein forderte eine
Kronzeugenregelung für radikale Islamisten. «Geeignete
Vergünstigungen könnten auch fanatisierten Beschuldigten die
Zunge lockern», sagte der CSU-Politiker der «Bild am
Sonntag». Der Einsatz von V-Leuten sei wegen einer
«völlig anderen geistigen, ethnischen und sprachlichen
Welt» und «hochkonspirativer Verhaltenweisen»
lebensgefährlich.
Die bundesweite Razzia gegen Anhänger des verbotenen
«Kalifatsstaats» vom Donnerstag stößt laut
«Focus» bei der Polizei auf massive Kritik. Angesichts des
Aufwands an Geld und Personal sei mit Kanonen auf Spatzen
geschossen» worden, kritisierte demnach der Vorsitzende des
nordrhein-westfälischen Landesverbandes des Bundes Deutscher
Kriminalbeamter, Wilfried Albishausen. «Mehr Masse statt
Klasse» resümierte auch der Bundes-Vize der Deutschen
Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt
(Quelle: ap)
Gastgeber Becksteins im Visier des Verfassungsschutzes
So.14.12.03 - Der bayerische Innenminister Günther Beckstein wehrt sich gegen
Vorwürfe, er sei Gast bei einer türkischen Gruppierung
gewesen, die einer vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation
angehöre. Unabhängig von einer Beobachtung durch den
Verfassungsschutz habe er Kontakte mit türkischen Gruppierungen,
um eine bessere Integration zu erreichen, teilte der CSU-Politiker am
Samstag mit. Anlass war ein Vorabbericht des «Spiegel»
über einen Besuch Becksteins bei der «Türkischen
Gemeinschaft» in Nürnberg.
Diese Gruppierung gehört laut «Spiegel» zur
«Föderation der Türkisch-Demokratischen
Idealistenvereine in Europa» (ADÜTDF), die vom
Verfassungsschutz beobachtet werde. Die ADÜTDF gelte als
Sammelbecken der nationalistischen türkischen MHP-Partei und der
neofaschistischen Grauen Wölfe. Im Jahresbericht 2002 habe der
Verfassungsschutz der Truppe «latente Gewaltbereitschaft»
und «einen übersteigerten türkischen Nationalismus mit
rassistischen Zügen, verbunden mit der Herabsetzung ethnischer
Minderheiten» bescheinigt.
Beckstein erklärte: «Ich habe die Einladung der
Türkischen Gemeinschaft angenommen, um mit in Nürnberg
lebenden Türken das Ende des Fastenmonats Ramadan zu begehen und
der Opfer der blutigen Terroranschläge in Istanbul zu
gedenken.» Bei Kontakten mit türkischen Vereinen gehe es ihm
vor allem darum, Gespräche mit dem Ziel einer besseren Integration
in die demokratische Gesellschaft zu führen. «Solche
Gespräche sind dringend notwendig. Ich führe sie
übrigens auch mit der Ilsamischen Gemeinschaft Mlli
Görüs (IGMG)», erklärte Beckstein. Das ändere
nichts an der Beobachtung durch den Verfassungsschutz.
(Quelle: ap)
Studie: Strahlende Handys für Kinder ungeeignet
Drei Viertel der in Deutschland erhältlichen Mobiltelefone
für Jugendliche nicht zu empfehlen
So.14.12.03 - Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) [http://www.bfs.de]
weist in einer neuen Broschüre darauf hin, dass drei Viertel der
in Deutschland erhältlichen Mobiltelefone für Jugendliche
nicht zu empfehlen sind. Der so genannte SAR-Wert, der die Leistung
angibt, die beim Telefonieren vom Kopf absorbiert wird, liegt bei
diesen Geräten über dem empfohlenen Grenzwert von 0,6 Watt
pro Kilogramm.
Heranwachsende reagieren empfindlicher auf elektromagnetische
Strahlungen, da sich ihr Nervensystem noch in der Entwicklung befindet
und ihre Schädeldecke dünner ist als bei Erwachsenen. Das BfS
empfiehlt deshalb, vor dem Kauf eines neuen Gerätes die
Broschüre "Mobilfunk: Wie funktioniert das eigentlich" gratis zu
bestellen oder downzuloaden http://www.bfs.de/elektro/papiere/brosch_mobilfunk.html
.
Das BfS führt in regelmäßigen Abständen Erhebungen
der SAR-Werte von markenüblichen Handys durch. Die letzte Erhebung
vom November 2003 umfasste insgesamt 273 Geräte von 18
verschiedenen Herstellern. Der SAR-Wert der meisten in Deutschland
erhältlichen Handys kann auf der folgenden Internetseite
überprüft werden: http://www.bfs.de/elektro/hff/oekolabel.html
Beim Telefonieren mit dem Handy tritt im Kopf eine Absorption
hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf, die durch die so
genannte spezifische Absorptionsrate (SAR), einem Maß für
den auf die Gewebemasse bezogenen Leistungsumsatz (W/kg), quantifiziert
wird. Als Grenzwert gilt in Deutschland 0,6 W/kg, eine Empfehlung der
Strahlenschutzkommission, der sich auch der EU-Rat angeschlossen hat.
"Ich halte es für nicht nachvollziehbar, dass der SAR-Wert immer
noch nicht direkt auf dem Gerät angegeben wird und nur in der
Bedienungsanleitung zu finden ist", zeigt sich der Pressesprecher des
BfS Dirk Daiber erstaunt. Aufgrund einer möglichen
gesundheitlichen Beeinträchtigung sollte der SAR-Wert deshalb
für Eltern ein wichtiger Orientierungspunkt sein, wenn sie ihren
Kindern ein neues Handy kaufen.
(Quelle: pte)
Landesdatenschützer kritisiert zunehmende Videoüberwachung
Auch die Rasterfahndung nach vermeindlich islamistischen Terroristen bemängelt:
Sie stehe in keinem Verhältnis zum Erfolg
So.14.12.03 - Baden-Württembergs Datenschutzbeauftragter Peter Zimmermann hat
die zunehmende Überwachung der Menschen durch Videokameras
kritisiert. Diese technische Möglichkeit werde mehr und mehr von
öffentlichen Einrichtungen, aber auch von Privatunternehmen
genutzt, häufig ohne dabei auf die engen Grenzen des Datenschutzes
zu achten, sagte Zimmermann bei der Vorlage seines neuen
Tätigkeitsberichtes in Stuttgart.
Er betonte, auch die Polizei dürfe die Videoüberwachung nur
unter bestimmten Voraussetzungen einsetzen. Als Beispiel für eine
"verunglückte Aktion" nannte er die Stadt Singen, die Anfang Juni
dieses Jahres die Polizei zur Überwachung zweier Straßen mit
Videokameras angewiesen hatte. Weshalb es sich dabei um einen
Kriminalitätsschwerpunkt handeln sollte, konnte die Stadt nicht
darlegen. Trotz Zimmermanns Intervention wurde die Beobachtung bis
Mitte Oktober fortgeführt.
Auch Kameras in Sammelumkleideräumen eines Freiburger Hallenbades,
in Patientenzimmern im Städtischen Krankenhaus von Sindelfingen
oder in der Bücherei der Universität Konstanz hätten mit
dem Datenschutz nicht in Einklang gestanden. Sie waren zur Vermeidung
von Diebstählen eingesetzt worden.
Ein weiterer Schwerpunkt in Zimmermanns Bericht ist der Eingriff in
Persönlichkeitsrechte bei der Rasterfahndung nach vermeindlich
islamistischen Terroristen nach den Anschlägen vom 11. September
2001. Sie habe in keinem Verhältnis zum Erfolg gestanden. Bei der
bundesweiten Aktion waren in Baden-Württemberg vom Frühjahr
2002 an die Daten von 1,8 Millionen Menschen überprüft
worden. Dabei wurden so genannte Schläfer gesucht, die
unauffällig leben, um auf ein Signal hin einen Anschlag zu
verüben. Verdächtige wurden im Südwesten jedoch nicht
gefunden.
In seinem Bericht listet Zimmermann zahlreiche andere
Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen auf. Dazu gehört
die Suche nach Studenten, die BAföG-Gelder bekamen, obwohl sie
über ein größeres Vermögen verfügten. Es sei
zwar berechtigt, dies durch einen Datenabgleich aufzudecken. Die
beteiligten Stellen müssten dafür aber entsprechende
Vereinbarungen schließen, um auf rechtlich sicherer Grundlage zu
handeln. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums wurden bis Oktober
in 1800 Fällen eine unberechtigte Inanspruchnahme von
Ausbildungsförderung in Höhe von 8,7 Millionen Euro
aufgedeckt.
Weitere Kritikpunkte Zimmermanns sind die unberechtigte Weitergabe der
Details von Bauvorhaben an so genannte Bürgervereine durch die
Stadt Freiburg, die zunehmende Speicherung von DNA-Analysen sowie
Mängel bei der Verarbeitung von Daten in der Sozialversicherung.
(Quelle: info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/])
Mehr unter:
http://www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de/Home/
Der_LfD/Taetigkeitsberichte/2003
Schlingensief schafft Chaos in Jelineks 'Bambiland'
So.14.12.03 - Papa ist im Krieg, Mama greint, der Bub greift zum Malpinsel. Der
verstörte Junge revoltiert mit künstlerischem Aktionismus,
versucht es mit politischer Agitation und zieht schließlich als
Wanderprediger durch eine zerstörte Welt. Mit seiner
Uraufführung von Elfriede Jelineks neuem Stück
«Bambiland» ist Christoph Schlingensief im Wiener
Burgtheater [http://www.burgtheater.at]
auf wenig Gegenliebe gestoßen.
In charakteristischem Chaos gestaltete der Regisseur mit seinem
Ensemble und Mitgliedern seiner Church of Fear [http://www.church-of-fear.net/]
eine ironische Erlöser-Paraphrase. Doch der rund zweistündige
Abend ließ das Publikum mehrheitlich kalt.
In ihrem Text, der während des Irak-Krieges entstanden ist, setzt
sich die Autorin mit der problematischen Rolle der Medien im
Kriegsgeschehen auseinander. Sie verweist im Vorwort auf das
Aischylos-Drama «Die Perser» und fügt hinzu:
«Der Rest ist aber auch nicht von mir. Er ist von schlechten
Eltern. Er ist von den Medien.» Auf bissige, mal kalauernde, dann
ironisierende Weise entrollt Jelinek in einem atemlosen Kommentar ein
Wechselspiel von Faszination und Entsetzen über die medial
vermittelten Bilder von Gewalt und Zerstörung.
Der Regisseur verwendet Jelineks Text nur in kurzen Auszügen und
bringt vor allem eine weitere Folge seiner in Berlin begonnenen
«attaistischen Trilogie» auf die Bühne. In klassischer
Schlingensief- Manier geschieht alles gleichzeitig, reihen sich
Selbstzitate an philosophische Exkurse, karikieren Schauspieler und
Laiendarsteller sich selbst, wechselt der Schauplatz im Handumdrehen
vom familiären Spießer-Wohnzimmer zum verballhornten
Parteitag mit Bambi-Hakenkreuzflagge. Die Bühne wird zum freien
Improvisationsfeld zwischen Campingplatz und katholischer Prozession,
der Zuschauer erhält Texthappen und absurde Bilder zur
persönlichen Assoziation.
In einem kurzen selbstironischen Prolog spielt Schlingensief auf Werke
des Wiener Aktionismus, auf Beuys und die Kunstszene allgemein an,
parodiert gekonnt die «Suche nach theoretischem Kontext»
und fügt eine amüsante Werbeeinschaltung für seine in
Bayreuth geplante Inszenierung von Wagners «Parsifal» ein.
Dann heißt es in dem Vorspiel, das als Bewerbung bei einer
Filmproduktionsfirma gestaltet ist: «Glauben Sie mir, dass es
nicht um Provokation geht, sondern dass wir tief aus unserer Seele
berichten.»
Der Blick auf die Bühne legt dann wüstes Chaos und tiefe
Ängste in der Seele der Akteure nahe. Schließlich tritt
Hauptdarsteller Schlingensief zu Wagnertönen als Wanderprediger
auf und versucht die Erlösung durch Philosophie, die jedoch im
Lärm untergeht. Ganz nebenbei arbeitet der Regisseur auch deutlich
an seinem Abschied vom Theater. Eigentlich wolle er wieder zum Film,
hatte er der Wiener Stadtzeitung «Falter» gestanden, und
diesen Weg geht er in seinem «Bambiland» konsequent. Das
Bühnengeschehen wird zunehmend überlagert von
übergroßen Filmprojektionen.
Auf riesigen Leinwänden machen sich für «Bambiland -
Der Film» die Schlingensief-Darsteller Margit Carstensen und Udo
Kier mit Wiener Prominenz wie Julia Stemberger auf eine Prozession
durch lokale Institutionen vom Café Sacher bis zum Burgtheater
und werden schließlich Zeuge einer Porno-Groteske. In der Mitte
verhelfen Frauenhände einem Darsteller mittels US-Flagge zur
sexuellen Erleichterung, die just zum Getöse von
Bombeneinschlägen eintritt. Gleichzeitig werden rechts und links
über Dokumentaraufnahmen aus Militärlazaretten Einblicke in
blutige Operationen gewährt. Zu allem fordert der Komponist Pierre
Boulez via Video-Loop «Klarheit» angesichts komplexer
Polyphonie.
Schlingensiefs exzessives Spiel mit Voyeurismus und der Faszination des
Schrecklichen, mit überreizten Bildern und bewusstem Chaos
ließ einen Großteil des Publikums zusehends ermatten. Am
Ende senkt sich der eiserne Vorhang und darauf rollt sich der Abspann
ab. Keine Schauspieler kommen auf die Bühne, um den matten Applaus
entgegen zu nehmen.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv: Christoph Schlingensief gründet Church of Fear:
http://home.t-online.de/boa-archiv1/k0306090.htm#030609_d
Blick ins Archiv
Christoph Schlingensief gründet Church of Fear
«Auf die "Ich AG" folgt nun womöglich die "Meine Angst GmbH". Was übrigens nicht nur rein finanziell gesehen
durchaus Sinn macht, schließlich ist Angst längst zu einem Massenphänomen geworden. So leiden allein in
Deutschland nach einer Studie der Technischen Universität Dresden und des Max-Planck-Institutes für Psychiatrie
in München aus dem Jahre 2001 etwa 2,3 Millionen Menschen an krankhafter Angst. Und bei Frauen ist eine so
genannte Angststörung sogar die häufigste psychische Erkrankung.
Auch der Regisseur, Aktionskünstler und ehemalige Parteiengründer Christoph Schlingensief setzt jetzt voll auf Angst.
Genauer gesagt: Er propagiert das Bekenntnis zur Angst und hat zu diesem Zweck eine Church of Fear mit ins Leben
gerufen. Diese Kirche der Angst, die inzwischen in Städten wie Berlin, Münster, Zürich oder Paris über eigene Gemeinden
verfügen soll, versteht sich allerdings ausdrücklich als Gemeinschaft von Nicht-Gläubigen oder, wie es in einer Presseerklärung
heißt, von Menschen, die sich "von den Glaubensangeboten allgemein anerkannter Sekten in Politik, Wirtschaft, Medien und
Kultur distanziert und lossagen will"...» (telepolis vom 09.06.03)
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/sa/14963/1.html
Church of Fear:
http://www.church-of-fear.net/
Schlingensief gründet Partei «Chance 2000»
März 1998 - Vor dem Hintergrund von Massenarbeitslosigkeit und
Sozialabbau gründet Schlingensief eine Partei mit dem Namen "Chance
2000". "Wähle dich selbst" ist ihr Motto, "Beweise, dass es dich gibt."
Die Partei will Arbeitslose, Obdachlose und Behinderte wieder in der
Gesellschaft sichtbar machen und stellt sie als Landeslistenkandidaten
auf. Den Auftakt bildet ein Wahlkampfzirkus im Zelt der Familie Sperlich
am Berliner Prater. Dann folgt bis zum Wahlabend am 27. September
1998 eine spektakuläre Aktion der nächsten... (Quelle: zdf)
http://www.zdf.de/ZDFde/druckansicht/0,1986,2008847,00.html
Schlingensief inszeniert Bayreuther «Parsifal» 2004
Mo.09.06.03 - Der Berliner Theaterprovokateur Christoph Schlingensief wird im
nächsten Jahr bei den Bayreuther Festspielen die Oper «Parsifal» von Richard Wagner
inszenieren... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0306070.htm#03060718
Strafverfahren gegen Theaterprovokateur Schlingensief
nach Anti-Möllmann-Aktion
Mi.26.06.02 - Schlingensief habe in einer symbolischen Aktion dazu aufgefordert,
bei FDP-Veranstaltungen als "Selbstmordattentäter" aufzutreten. Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
n0206260.htm#top
Als "genial" bezeichnete bezeichnete die österreichische Erzählerin und Dramatikerin Elfriede Jelinek die
politischen Theateraktionen des Regisseurs Christoph Schlingensief. "Er füllt eben nicht nur dauernd neue
Inhalte in alte Schläuche, wie es schon Brecht in der Realismusdebatte für unsinnig und unproduktiv erklärt hat,
sondern er holt sich immer das passende Gefäß für das, was er sagen will, aber er reagiert auch in dem, was
er sagt, sofort auf das, was ihm da zurückkommt", meinte Jelinek. (Quelle: dpa, Di.07.05.02)
Christoph Schlingensief:
http://www.christophschlingensief.de/
Elfriede Jelinek:
http://www.goethe.de/os/hon/aut/dejel.htm
http://ourworld.compuserve.com/homepages/elfriede/
Pierre Boulez in Basel als potenzieller Bombenleger aufgegriffen
Di.04.12.01 - Der weltberühmte Komponist und Dirigent hatte vor 30 Jahren in einem Interview geäußert,
man sollte "die Opernhäuser in die Luft sprengen". Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/
kultnew3.htm#boulez_basel
Pierre Boulez:
http://www.swr2.de/hoergeschichte/komponisten/boulez.html
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«Gefrorenes Licht» - Forscher stoppen Lichtstrahl
So.14.12.03 - Wissenschaftlern der Harvard-Universität ist es gelungen,
Lichtstrahlen zum Stillstand zu bringen. Im Vakuum erreicht Licht eine
Geschwindigkeit von rund 300.000 Kilometer pro Sekunde. In den
vergangenen Jahren haben Forscher immer wieder Lichtstrahlen so weit
verlangsamt, dass sie nur noch ein paar Meter pro Sekunde schnell
waren. Einen Stillstand in der Form, dass alle Photonen intakt blieben,
erreichten Wissenschaftler aber bisher noch nicht, berichtet das
Wissenschaftsmagazin New Scientist .
Das Forscherteam von Mikhail Lukin von der Harvard Universität in
Cambridge/Massachusetts hat einen roten Laserstrahl in einem Gas aus
heißen Rubidium-Atomen beschossen. Der "eingefrorene Zustand"
entstand zwischen zwei Kontrollstrahlen. Nach Angaben der Forscher
interagiert das Licht mit den beiden Rubidium-Atomen, in dem sie so zu
sagen Schichten im Gas bilden, die den Laserstrahl entweder
reflektierten oder ihn weiter durchließen. Die Photonen
"hüpften" gleichsam zwischen diesen Schichten hin und her. Als
Resultat schaffte das Licht dann keine Vorwärtsbewegung mehr, es
war so zu sagen "eingefroren".
Das Licht bewegt sich allerdings wieder in der üblichen
Geschwindigkeit fort, wenn die Kontrollstrahlen weg genommen wurden.
Die Methode des Forscherteams wurde in der Fachwelt als Sensation
gefeiert, denn bisher konnte Licht nur mit Hilfe von Absorption
gestoppt werden. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte die
Methode in der Entwicklung von Quantencomputern oder aber auch bei
Telekommunikationssystemen, bei denen optische Signale übertragen
werden, eine Rolle spielen.
(Quelle: pte)
Mehr zum Thema bei telepolis (Andrea Naica-Loebell - "Gefrorenes Licht", 14.12.03):
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/16323/1.html
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