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+++ Mo.15.12.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am zweihunderteinundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Truppen
nehmen Saddam Hussein fest. Gestürzter Staatschef in einem Erdloch
entdeckt +++ Staats- und Regierungschefs in aller Welt reagieren mit
Erleichterung auf die Festnahme +++ Jubelfeiern in vielen Städten
Iraks +++ US-Verteidigungsminister Rumsfeld: Saddam wird als
Kriegsgefangener behandelt +++ Hussein laut Gesellschaft für
bedrohte Völker für eine Million Tote verantwortlich +++ Bei
einem Anschlag auf ein Polizeirevier westlich von Bagdad kommen
mindestens 19 Menschen ums Leben
Mo.15.12.03 -
Nach Angaben der amerikanischen Streitkräfte ist der
gestürzte irakische Staatschef Saddam Hussein nahe seiner
Heimatstadt Tikrit ohne einen einzigen Schuss von US-Truppen
festgenommen worden. Der US-Chefverwalter in Irak, Paul Bremer,
erklärte am Sonntag in einer Pressekonferenz, Saddam Hussein sei am
Samstagabend in einem Erdloch im Keller eines Hauses in der Ortschaft
Adwar entdeckt worden, etwa 16 Kilometer von Tikrit entfernt. Er habe
keinen Widerstand geleistet. Washington hatte auf Saddam ein Kopfgeld
von 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Staats- und Regierungschefs in
aller Welt reagierten mit Erleichterung auf die Festnahme.
US-Präsident George W. Bush kündigte in einer
Fernsehansprache an, Saddam Hussein werde die Gerechtigkeit erfahren,
die er Millionen Menschen verweigert habe. Seine Festnahme markiere das
Ende einer "dunklen und schmerzvollen Ära" in Irak. Er mahnte
zugleich, das Ende der Gewalt bedeute dies aber nicht.
In vielen Städten des Iraks kamen die Menschen zu Jubelfeiern
zusammen, nachdem sich die Nachricht von der Festnahme Saddams
verbreitet hatte.
"Meine Damen und Herren, wir haben ihn!", gab triumphierend der oberste
US-Verwalter im Irak, Paul Bremer, am Sonntag in Bagdad bekannt. "Saddam
wurde ohne Widerstand zu leisten festgenommen", berichtete der
Oberbefehlshaber der US-Bodentruppen im Irak, General Ricardo Sanchez.
"Es fiel kein einziger Schuss." Er ließ einen Videofilm zeigen, in
dem der einst mächtigste Mann im Irak mit langem schwarzgrauen
Bart und wirrem Haar zu sehen war. Ein Arzt untersuchte die
Mundhöhle des 66-Jährigen mit Taschenlampe und Spatel. Der
frühere Machthaber, der nach dem Einmarsch der US-Armee in Bagdad
im April untergetaucht war, wirkte erschöpft und niedergeschlagen.
Sanchez erklärte, er glaube nicht, dass die Festnahme Saddams ein
Ende der Angriffe auf US-Soldaten und Iraker, die mit ihnen
zusammenarbeiten, bedeute. Zur Festnahme selbst sagte er: "Vergangene
Nacht ungefähr um 20.00 Uhr Ortszeit haben Truppen der 4.
Infanteriedivision ... zusammen mit Spezialeinheiten der Koalition die
Operation 'Morgenröte' unternommen, um den früheren Diktator
Saddam Hussein zu ergreifen ... tot oder lebendig." Sanchez sagte
weiter: "Durch ein Zusammenspiel von Hinweisen aus der Bevölkerung,
Geheimdienstauswertungen und Verhören von Festgenommenen sind wir
den Aktivitäten Saddams immer dichter auf die Spur gekommen."
Saddam habe sich in Ad Dawr, 15 Kilometer südlich von Tikrit, in
einem Erdloch versteckt. Es sei 1,83 bis 2,45 Meter tief "und so
geräumig, dass sich eine Person dort hinlegen kann". In dem
Versteck seien zwei Kalaschnikow-Maschinenpistolen und 750 000 Dollar
gefunden worden. Saddam, der bei der Festnahme "gesprächig und
kooperativ" gewesen sei, befinde sich nun an einem geheimen Ort in
US-Gewahrsam, sagte Sanchez. Mit ihm seien zwei weitere Iraker
festgenommen worden.
Bush sagte in seiner kurzen Fernsehansprache an die Nation: Für
die Anhänger des alten Baath-Regimes, die hauptsächlich
für die anhaltende Gewalt im Irak verantwortlich seien, werde es
keine Rückkehr zur "korrupten Macht" geben. Für die
große Mehrheit der Iraker, die in Freiheit leben wollten, bringe
die Gefangennahme Saddam Husseins weitere Gewissheit, dass die
Folterkammern für immer verbannt seien. "Alle Iraker können
nun zusammenkommen, der Gewalt eine Absage erteilen und einen neuen Irak
aufbauen", fuhr Bush fort.
Bundeskanzler Gerhard Schröder beglückwünschte Bush zur
Festnahme Saddams. Dieser habe "unsägliches Leid" über sein
Volk und die Region gebracht. Der britische Premierminister Tony Blair
sagte: "Dies ist eine Zeit zum Feiern." Saddam solle sich vor einem
irakischen Gericht verantworten. Frankreichs Präsident Jacques
Chirac und der EU-Chefdiplomat Javier Solana erklärten, dass die
Festnahme "erheblich zur Demokratisierung und Stabilisierung des Iraks
beitragen dürfte". Spaniens Ministerpräsident José
María Aznar meinte: "Der Tyrann, der die Vereinten Nationen
herausgefordert hatte, ist gefallen." Auch die iranische Regierung
hat die Festnahme ihres ehemaligen Kriegsgegners Saddam Hussein
begrüßt. Iran sei "sehr glücklich" und teile die Freude
des Nachbarlandes, sagte der iranische Außenamtssprecher Hamid
Resa Assefi am Sonntag im staatlichen Fernsehen. Der frühere
Machthaber habe "unzählige Verbrechen" begangen. Das schwerste
davon sei gewesen, dass er im Krieg Chemiewaffen gegen die iranische
Bevölkerung eingesetzt habe. Irak hatte von 1980 bis 1988 gegen
Iran Krieg geführt. UN- Generalsekretär Kofi Annan sagte, die
Festnahme Saddams könnte den Bemühungen um Frieden und
Stabilität im Irak neuen Auftrieb geben.
In Bagdad feierten Einwohner die Meldung von der Verhaftung mit
Schüssen in die Luft. Die Kommunisten, die unter dem Regime des
Ex-Präsidenten brutal verfolgt worden waren, schwenkten in Bagdad
Fahnen und verteilten Bonbons. Auch in der nordirakischen Stadt Kirkuk
kam es zu Freudenkundgebungen.
Der gestürzte irakische Staatschef Saddam Hussein ist laut
Schätzungen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)
für rund eine Million Tote verantwortlich. Alleine im Norden Iraks
seien unter seiner Führung rund eine halbe Million Kurden
getötet worden, teilte die Gesellschaft am Sonntag in
Göttingen mit. Die Schiiten im Süden Iraks beklagten zu Recht
400.000 Tote seit 1991.
Weiteren Massakern, Vertreibungen sowie Einzel- und Massenhinrichtungen
seien Vertreter weiterer Religionsgruppen sowie Angehörige von
Oppositionsparteien, Intellektuelle und Angehörige der Arbeiter-
und Frauenbewegung zum Opfer gefallen, teilte die Gesellschaft mit.
Zahlreiche Emigranten seien in ihrem Gastland von irakischen Agenten
ermordet worden. Saddam Hussein habe Tausende Angehörige des
Regimes, darunter Diplomaten, Mitarbeiter des Geheimdienstes und des
Offizierkorps, und sogar seiner Republikanischen Garden sowie seiner
Familie liquidieren lassen.
Die GfbV hat eigenen Angaben zufolge die Verbrechen Saddam Husseins und
seines Regimes seit 1968 dokumentiert.
Das Pentagon hat derweil die Ausstrahlung des Videos von der
medizinischen Untersuchung Saddam Husseins mit dem großen
öffentlichen Interesse an seiner Festnahme rechtfertigt. Die Bilder
seien eindrucksvoll und zeigten unverkennbar, dass es sich um den
gestürzten ehemaligen Machthaber handle, sagte ein Vertreter des
US-Verteidigungsministeriums am Sonntag in Washington. Es sei wichtig
für das irakische Volk, vermittelt zu bekommen, dass Saddam
Hussein nun zur Rechenschaft gezogen werde. Die Bilder zeigten
außerdem, dass er sehr professionell behandelt werde, und dass auf
seine Gesundheit und sein Wohlergehen geachtet werde.
Der gefasste irakische Ex-Machthaber Saddam Hussein wird laut
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wie ein Kriegsgefangener
gemäß der Genfer Konvention behandelt. Saddam Hussein zeige
sich in den ersten Vernehmungen nicht kooperativ, betonte Rumsfeld. Auch
das US-Nachrichtenmagazin "Time" berichtete vorab aus seiner neuen
Ausgabe, die ersten Vernehmungen von Saddam Hussein seien wenig
aussagekräftig gewesen.
Das weitere Schicksal Saddam Husseins werde in enger Abstimmung mit den
Koalitionspartnern der USA entschieden, sagte Rumsfeld. Ob das Rote
Kreuz Zugang zu ihm bekommen werde, müssten jedoch Juristen
entscheiden. Er versicherte gleichzeitig, Saddam Hussein werde
"professionell und human" behandelt.
Die Anwendung von Folter durch die US-Armee zur Erlangung von
Informationen schloss Rumsfeld auf eine entsprechende Frage des
Journalisten entrüstet aus. Er betonte, bisher habe der
Ex-Präsident dem US-Militär keine relevanten Informationen
gegeben.
Rumsfeld zufolge spielten irakische Behörden bei der Ergreifung
des Ex-Machthabers keine Rolle. Ein Pentagon-Sprecher bezeichnete die
Gefangennahme als einen "Sieg der Geheimdienste". Nach dem Willen des
irakischen Regierungsrates soll er der erste Angeklagte des geplanten
irakischen Sondergerichts zur Aufarbeitung der
Menschenrechtsverletzungen werden. Auch US-Präsident George W. Bush
kündigte an, den einstigen Machthaber vor Gericht zu bringen,
ließ aber offen, wo dies geschehen soll.
US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice warnte, die Gefangennahme
bedeute nicht das Ende der Gewalt in Irak: "Wir rechnen damit, dass die
Gewalt weitergeht." Diejenigen, die ihre Privilegien verloren
hätten, würden die Terrorisierung ihrer Mitbürger auch
nach der Festsetzung Saddam Husseins fortsetzen.
Unterdessen kamen am Sonntagmorgen bei einem Autobombenanschlag auf
eine Polizeiwache in der westirakischen Stadt El Chalidija mindestens 19
Iraker ums Leben. Rund 30 weitere Menschen wurden verletzt. Die meisten
Opfer des Anschlags waren Polizisten, aber auch zwei Kinder, wie der
arabische Fernsehsender El Dschasira unter Berufung auf
Krankenhausärzte in der Nachbarstadt Ramadi berichtete.
Am Abend explodierte laut El Dschasira ein mit großen Mengen
Benzin beladenes Fahrzeug vor dem "Palestine"-Hotel in Bagdad. Der
Sender sprach von drei Explosionen an verschiedenen Orten in Bagdad.
(Quellen: dpa,
afp, ap)
Saddam Hussein soll vor ein Tribunal im Irak kommen. Das
ist mehr ein Instrument der Rache als der Gerechtigkeit, kritisieren
Menschenrechtler
Vieles
spricht ... dafür, dass Saddam der wichtigste Angeklagte eben
jenes irakischen Kriegsverbrechertribunals wird, dessen Gründung
der von den USA eingesetzte Regierungsrat erst vorige Woche bekannt
gegeben hatte.
Das Gesetz, mit dem das Tribunal begründet wird, ist von
Menschenrechtsorganisationen weltweit kritisiert worden. Die in den USA
ansässige Organisation Human Rights Watch (HRW) bemängelt
etwa, das Gesetz schließe weder die Todesstrafe noch Verfahren in
Abwesenheit aus und sehe nicht den "über jeden vernünftigen
Zweifel erhabenen" Beweis der Schuld als als Grundlage einer
Verurteilung vor. Das zusammengenommen, kritisiert HRW, könnte das
Tribunal eher als Instrument der Rache als der Gerechtigkeit
wahrgenommen werden.
Tatsächlich hatten vor allem Menschenrechtsorganisationen darauf
gehofft, die Vereinten Nationen könnten bei der juristischen
Aufarbeitung der Verbrechen des Saddam-Regimes eine entscheidende Rolle
spielen - ähnlich wie in Ex-Jugoslawien und Ruanda. Der
Internationale Strafgerichtshof in Den Haag kommt nicht in Frage, weil
der Großteil der Saddam zur Last gelegten Straftaten vor dem
Inkrafttreten des Rom-Statutes am 1. Juli 2002 begangen wurde - und
natürlich auch, weil die USA jegliche Kooperation mit diesem von
ihnen bekämpften Gerichtshof ablehnen würden.
Auf jeden Gerichtshof, der sich der irakischen Verbrechen annimmt,
kommt eine enorm schwierige Aufgabe zu: International scharf beobachtet,
muss er Maßstäbe für eine neue irakische
Rechtsstaatlichkeit setzen.
Aus der "tageszeitung" vom 15.12.03
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/15/a0159.nf/text
Saddam Hussein hat sich in den mehr als zwei Jahrzehnten
seiner Herrschaft im Irak den Ruf eines rücksichtslosen
Gewaltmenschen erworben
Saddam
Hussein hat sein Land kaum verlassen und lebte in den letzten Jahren
seiner Macht in einer Art Scheinwelt. Er umgab sich mit
unterwürfigen Militärs und Politikern, die auch nicht die
geringste Kritik an seinem brutalen Führungsstil wagten. Denn wer
dem Despoten eine schlechte Nachricht überbrachte, riskierte sein
Leben. Aus Angst vor Attentaten legte sich Saddam Hussein im Laufe
seiner Amtszeit Doppelgänger zu, die ihn bei öffentlichen
Auftritten vertreten mussten. Der Personenkult nahm immer groteskere
Züge an. Sein idealisiertes Porträt durfte vor keinem
öffentlichen Gebäude fehlen. Staatskünstler sorgten
für einen ständigen Nachschub an Saddam-Büsten, Statuen
und Lobliedern.
Geboren wurde Saddam offiziell am 28. April 1937 in einem Dorf nahe der
Stadt Tikrit, aus der auch der in der islamischen Welt als Held verehrte
Saladin stammt. Mit dem Kurden, der einst die Kreuzfahrer aus Jerusalem
vertrieben hatte, verglich sich Saddam, dessen Name «der
Standhafte», bedeutet, gerne. Saddam, der aus einer
Kleinbauernfamilie stammt und in seiner Jugend viel Prügel bezogen
haben soll, wurde schon als Schüler Mitglied der damals noch
illegalen sozialistischen Baath-Partei. Bereits als Jugendlicher soll er
seinen ersten Auftragsmord begangen haben.
1959 beteiligte er sich an einem Attentat auf General Kassam, das
jedoch misslang. Mit der Machtübernahme der Baath-Partei in den
60er Jahren begann auch der Aufstieg von Saddam Hussein, der Gegner mit
gnadenloser Härte aus dem Weg räumte und gelegentlich wegen
des bloßen Verdachts der Illoyalität die Exekution eines
Parteigenossen anordnete. Zunächst pflegten er und seine
sozialistische Regierungspartei noch gute Beziehungen zur Sowjetunion,
die auch wesentlich zur Aufrüstung des Iraks beitrug.
Im Laufe des Irak-Iran-Krieges (1980-88) suchte er jedoch zunehmend die
Nähe Washingtons. Mit Hilfe der arabischen Öl- Monarchien und
des US-Geheimdienstes, der dem Irak Satellitenbilder von iranischen
Stellungen zur Verfügung stellte, gelang es Saddam letztlich, die
Oberhand zu behalten. Auf beiden Seiten gab es Hunderttausende Tote.
Doch nach der irakischen Invasion in Kuwait 1990 wendete sich das
Blatt. Die westliche Welt, die in den 80er Jahren gegen die
Giftgasangriffe auf die Kurden in der nordirakischen Stadt Halabdscha
nur schwach protestiert hatte, erklärte ihn zum «Irren von
Bagdad» und vertrieb seine Truppen 1991 aus Kuwait.
Doch bis Bagdad stießen die Alliierten nicht vor. Stattdessen
sahen sie zu, wie Saddam einen Aufstand der Schiiten und Kurden
niederschlug. Die nach seinem Sturz im Irak entdeckten
Massengräber, in denen auch die Leichen von Frauen und Kindern
gefunden wurden, zeigen auf grausame Art und Weise, wie hoch der Preis
war, den die Aufständischen bezahlten.
In den 90er Jahren konnte Saddam Hussein, dessen Volk unter dem
UN-Embargo verarmte, seine Macht im Inneren festigen. Angesichts des
US-Truppenaufmarschs am Golf entschloss er sich im Herbst 2002, die
UN-Waffeninspekteure wieder ins Land zu lassen. Als er merkte, dass dies
einen amerikanisch-britischen Angriff zum Sturz seines Regimes nicht
verhindern würde, forderte er Armee und Milizen zum
«Heiligen Krieg» gegen die Amerikaner auf.
Am 9. April 2003, als die US-Marineinfanterie Bagdad endgültig
einnimmt, zeigt sich Saddam Hussein ein letztes Mal öffentlich.
Dann verschwindet er. Acht Monate später, am 14. Dezember, nehmen
ihn US- Truppen widerstandslos in einem unterirdischen Versteck nahe
Tikrit fest.
Lange Zeit galt Saddam Hussein Amerikanern und
Franzosen als Bollwerk gegen die Mullahs in Iran ...
...Dreimal
führte er sein Volk in verlustreiche Kriege, die den Irak
wirtschaftlich ruinierten.
Das trübte sein Bild im Ausland lange Zeit nicht. Zuerst
entdeckten ihn die Franzosen als ideologisch verwandten laizistischen
Jakobiner, der sein Land im Zwangsgalopp zu modernisieren versprach.
Präsident Jacques Chirac, damals Premierminister, führte
Saddam 1975 durch das provenzalische Atomzentrum von Cadarache und
verkaufte ihm den Reaktor „Osirak". Spötter nannten ihn alsbald
„Ochirac". Die Israelis, denen die Aussicht auf eine arabische Atombombe
nicht gefiel, bombten den Reaktor 1981 weg, während die Iraker im
Krieg gegen Iran standen.
Durch diesen Krieg wurde Saddams Irak vollends zum Bollwerk gegen die
im Westen befürchtete Ausbreitung der islamischen Revolution.
Französische Rüstungsfirmen wie Dassault, Matra, Aerospatiale
oder Thompson lieferten den irakischen Streitkräften, finanziert
über Staatskredite, Kampfflugzeuge, Hubschrauber, Panzer,
Geschütze und Munition in bis dahin beispiellosen Mengen. Zeitweise
gingen 90 Prozent von Frankreichs Produktion der modernen
Exocet-Raketen ins Zweistromland. Unter strikter Geheimhaltung lieh die
französische Luftwaffe 1983 sogar ihre fünf neuesten
Super-Étendard-Kampfjets an die Iraker aus. Sie waren dazu
bestimmt, Tanker und Ölverladehäfen an der iranischen
Golfseite zu bombardieren. Instrukteure wurden mitgeschickt. Von den
Folterkellern des Bagdader Regimes und seinem Unterdrückungsapparat
sprachen damals fast nur irakische Flüchtlinge. Wenige hörten
auf sie.
Doch die Franzosen blieben nicht allein. Der amerikanische
Präsident Ronald Reagan unterzeichnete im Dezember 1983 eine
vertrauliche Anweisung an seine Administration, „alles Notwendige und
Legale" zu unternehmen, um eine Niederlage der Iraker gegen die Perser
zu verhindern. Außenminister George Shultz hatte im Monat zuvor
Geheimdienstberichte erhalten, die „von beinahe täglichem Gebrauch
chemischer Waffen" durch die Iraker sprachen. Dennoch traf der heutige
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld noch vor Jahresende mit Saddam in
Bagdad zusammen. Rumsfeld reiste als Privatmann – mit einem
Sonderauftrag des Präsidenten. Er stellte Hilfe zur Stabilisierung
des Regimes und die Wiederaufnahme der unterbrochenen diplomatischen
Beziehungen in Aussicht. Von der Liste der Staaten, die Terrorismus
unterstützen, war der Irak bereits gestrichen.
Auf der Halbinsel Fao südlich von Basra lagen damals reihenweise
die Leichen gasvergifteter iranischer Revolutionswächter. Die
Streitkräfte Teherans hatten den Grenzfluss Schatt-el-Arab
überschritten und dieses strategisch wichtige Gebiet besetzt.
Sicher vor internationalem Störfeuer, verkündete ein
irakischer Militärsprecher: „Die Eindringlinge sollten wissen, dass
es für jedes schädliche Insekt ein Vernichtungsmittel gibt.
Der Irak besitzt dieses Vernichtungsmittel." Rumsfeld aber, später
so empfindlich in Sachen Massenvernichtungswaffen, fiel nichts auf.
Auch als Saddam 1988 im irakischen Kurdengebiet durch Gas 5000 Menschen
umbrachte, gab es keinen Protest der USA. Erst zur Rechtfertigung des
jüngsten Schlages gegen einen „Hort des Bösen" entdeckte
Präsident George Bush, dass der irakische Diktator „seine eigenen
Leute vergast hat".
Fast während des gesamten achtjährigen Krieges stellten die
Amerikaner den Irakern Informationen über Iran zur Verfügung.
Nach dem Ablauf von Geheimhaltungsfristen wurde bekannt, dass
US-Laboratorien während des Krieges mit Genehmigung des
Handelsministeriums Dutzende von biologischen Wirkstoffen, darunter
Anthrax-Stämme, nach Irak geliefert hatten. Dow Chemical verkaufte
noch 1988 Schädlingsbekämpfungsmittel, obwohl über die
chemische Kriegführung Saddams bereits hinreichend Material vorlag.
Insgesamt stellten die USA den Irakern jedoch weit weniger
konventionelle Rüstungsgüter zur Verfügung als Frankreich
oder Russland. Erst als Saddam sich an Kuwait vergriff,
verdüsterte sich sein Image...
Süddeutsche Zeitung vom 15.12.03
|
Karsai fordert starken Staatschef für Afghanistan
Mo.15.12.03 - Zum
Auftakt der Ratsversammlung in Afghanistan über die künftige
Verfassung des Landes hat sich Präsident Hamid Karsai für
eine starke Rolle des künftigen Staatschefs ausgesprochen. "Wir
sind ein Nach-Kriegs-Land, wir brauchen Stabilität sowie einen
dauerhaften und nachhaltigen Frieden", sagte Karsai in der Hauptstadt
Kabul. Der frühere afghanische König Mohammed Sahir Schah
sagte bei der Eröffnung der Loja Dschirga, die Annahme des
vorliegenden Verfassungsentwurfs werde dem Land Wohlstand garantieren.
Karsai sagte, die neue Verfassung solle auf den religiösen,
gesellschaftlichen und kulturellen Werten des Landes beruhen. Zuvor
hatte der 89-jährige, ehemalige König Sahir Schah die rund 500
Delegierten an ihre große Verantwortung erinnert. Bei ihren
Beratungen hätten die Gesandten das Recht, Änderungen am
vorliegenden Verfassungsentwurf vorzunehmen. Die Delegierten wollen
über den Anfang November vorgestellten Entwurf entscheiden und
damit den Weg für die ersten demokratischen Wahlen in Afghanistan
im kommenden Juni freimachen. Der zwölf Kapitel starke
Verfassungsentwurf sieht eine islamische Republik mit einem direkt
gewählten Präsidenten an der Spitze vor.
Der Mudschahedin-Führer Sebghatullah Mudschadadi wurde mit 252
Stimmen zum Vorsitzenden der Loja Dschirga gewählt. Er ist einer
von 50 Gesandten, die Karsai ausgewählt hatte. Daneben nehmen an
der Ratsversammlung 344 von der Bevölkerung bestimmte Vertreter
teil und insgesamt etwa hundert Frauen.
Ausländische Blauhelm- sowie afghanische und US-Soldaten,
Polizisten und Geheimdienstmitarbeiter bewachten das Tagungsgelände
in Kabul. Kämpfer der radikalislamischen Taliban hatten im Vorfeld
damit gedroht, die Versammlung mit Anschlägen zu sabotieren.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Israelische
Soldaten erschiessen zwei Palästinenser an der Grenze +++
US-Gesandter spricht gemeinsam mit Israelis und Palästinensern +++
Opposition wirft israelischer Regierung hinsichtlich der
Räumung illegaler Außenposten jüdischer Siedler
Täuschung vor +++ Israelischer Präsident Katzav hält
Friedensgespräche ohne Gewaltverzicht für sinnlos
Mo.15.12.03 -
Israelische Soldaten haben am Montag an der Grenze zwischen Israel und
dem Gazastreifen zwei Palästinenser erschossen. Die Soldaten
eröffneten nach Angaben der Armee am Morgen das Feuer auf eine
sechsköpfige Gruppe, die sich dem Grenzzaun näherte. Vier
Männer flüchteten auf israelisches Gebiet, wovon einer
später aufgegriffen wurde. Nach den anderen drei
Palästinensern wurde gefahndet. Die zwei Toten und der
Festgenommene waren unbewaffnet, wie die Streitkräfte mitteilten.
Es sei möglich, dass die Männer in Israel Arbeit suchen
wollten. Allerdings schloss die Armee auch nicht aus, dass die Gruppe
Anschläge geplant hatte und sich erst in Israel Sprengstoff oder
andere Waffen besorgen wollte.
Der US-Gesandte David Satterfield will sich am (heutigen) Montag
gemeinsam mit Vertretern Israels und den Palästinensern an einen
Tisch setzen, um das seit langem geplante Treffen der
Ministerpräsidenten Ariel Scharon und Ahmed Kureia zu Stande zu
bringen. Das teilte der palästinensische Unterhändler Sajeb
Erakat mit. Das Dreiertreffen soll demnach am Nachmittag stattfinden.
Satterfield sprach am Sonntag mit israelischen Regierungsvertretern,
nachdem er tags zuvor mit dem palästinensischen
Ministerpräsidenten Kureia konferiert hatte. Erakat erklärte,
man habe Satterfield aufgefordert, Druck auf Israel auszuüben, an
den Verhandlungstisch zurückzukehren. Er kritisierte den Ausbau der
israelischen Siedlungen und den Weiterbau der Sperranlagen.
Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert
erklärte, Israel sei bereit, die Road Map umzusetzen. Voraussetzung
sei jedoch, dass die Palästinenser gegen die radikalen
Organisationen vorgingen.
Israelische Panzer rückten unterdessen nach palästinensischen
Angaben am frühen Montagmorgen in das Flüchtlingslager Chan
Junis im Gazastreifen ein. Wie die israelischen Streitkräfte
mitteilten, sollten einige leer stehende Gebäude abgerissen werden,
von denen aus militante Palästinenser immer wieder
Mörsergranaten abfeuerten. Nach Angaben palästinensischer
Bewohner zerstörten die Soldaten acht Häuser - drei leer
stehende und fünf, die bewohnt waren, die aber von den Bewohnern
nachts wegen häufiger Feuergefechte in der Gegend verlassen wurden.
Die Soldaten zogen sich anschließend wieder zurück.
Oppositionelle israelische Abgeordnete warfen der Regierung derweil
hinsichtlich der Räumung illegaler Außenposten jüdischer
Siedler in den palästinensischen Autonomiegebieten Täuschung
vor. Wie der Vorsitzende der linksliberalen Meretz-Partei, Jossi Sarid,
am Sonntag mitteilte, suchten sie Außenposten auf, die laut einer
Auflistung des Verteidigungsministeriums bereits abgebaut wurden. Dabei
stellten sie den Angaben zufolge fest, dass zumindest einige der
angeblich geräumten Außenposten wieder bewohnt sind.
Als Beispiele nannte Sarid die Außenposten Hawat Gilad und East
Jizhar im Westjordanland. Dort lebten wieder jüdische Siedler.
Sarid sagte, die ganze Liste der angeblich 43 geräumten
Außenposten, die er am 11. Dezember erhalten habe, sei "eine
Kombination aus Witz und Lüge". Das Verteidigungsministerium
beharrte dagegen auf der Darstellung, dass der Außenposten Hawat
Gilad geräumt worden sei und dass niemand dorthin
zurückgekehrt sei.
Entsprechend dem internationalen Friedensplan, der so genannte Road
Map, muss Israel den Ausbau aller bestehenden Siedlungen einfrieren und
alle illegalen Außenposten räumen, die seit März 2001
errichtet wurden. Sarid forderte die Regierung auf, einzugestehen, dass
die Liste mit den angeblich geräumten Außenposten eine
Lüge sei. Außerdem solle sich die Regierung entschuldigen.
Der israelische Präsident Mosche Katzav hält ein Ende der
palästinensischen Anschläge für die grundlegende
Voraussetzung im Nahost-Friedensprozess. Die Palästinenser
müssten sich ernsthaft zur Einstellung des Terrors verpflichten,
sagte Katzav am Sonntag während eines Besuchs in Hongkong.
Katzav sagte, seiner Meinung nach sei der palästinensische
Regierungschef Ahmed Kureia dazu in der Lage, die Gewalt zu stoppen. "Es
ist eine Frage der Entschlossenheit", sagte Katzav. Wenn die
Palästinenser die Anschläge einstellten, "können wir
sofort die Friedensgespräche wieder aufnehmen". Andernfalls glaube
er nicht, dass ein Gipfeltreffen zwischen dem israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon und Kureia Früchte tragen
werde.
(Quellen: ap)
Nordkorea lehnt Lösungsvorschlag im Atomstreit ab
Mo.15.12.03 -
Nordkorea hat am (heutigen) Montag einen von den USA, Japan und
Südkorea vorgelegten Vorschlag zur Beilegung des Konflikts um sein
Atomprogramm zurückgewiesen. Als Grund nannte die amtliche Zeitung
«Rodong Sinmun», dass Nordkorea auf sein Atomprogramm
verzichten solle, ohne gleichzeitig Sicherheitsgarantien der USA zu
erhalten.
Der Lösungsvorschlag war vorige Woche über China an Nordkorea
weitergeleitet worden. Er soll Grundlage einer neuen Gesprächsrunde
sein, an der neben Nordkorea und den USA Südkorea, China, Japan
und Russland teilnehmen. «Wenn die Vereinigten Staaten von uns
verlangen, dass wir zuerst handeln, werden die
Sechsländergespräche nichts als leere Gespräche»,
hieß es in einem Kommentar des Blattes. «Rodong
Sinmun» warf den USA vor, die Gespräche zu verzögern.
Diese Strategie werde nur dazu führen, dass Nordkorea seine
atomare Abschreckung vorantreibe.
Die US-Regierung hatte am Samstag die Einschätzung
geäußert, dass die neue Gesprächsrunde nicht vor Januar
stattfinden werde. Washington warf Nordkorea zugleich vor, auf
Vorbedingungen für eine Fortsetzung der
Sechsländergespräche zu beharren.
Vertreter der USA, Chinas, Nordkoreas, Südkoreas, Japans und
Russlands hatten im August in Peking über das nordkoreanische
Atomprogramm verhandelt, jedoch keine Fortschritte erzielt.
Die chinesische Regierung forderte unterdessen zur Vorbereitung der
neuen Gesprächsrunde die USA zu mehr Flexibilität auf.
Entsprechend äußerte sich Außenminister Li Zhaoxing am
Sonntag in einem Telefongespräch mit seinem amerikanischen Kollegen
Colin Powell, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag
meldete.
(Quelle: ap)
Mindestens 70 Tote bei Gefechten in Nepal
Mo.15.12.03 -
Gefechte zwischen maoistischen Rebellen und Regierungstruppen in Nepal
haben am Wochenende mindestens 70 Personen das Leben gekostet.
Rundfunkberichten zufolge griffen die Sicherheitskräfte im Bezirk
Dailekh, 360 Kilometer westlich von Kathmandu, eine Stellung der
Rebellen an und töteten mindestens 35 Aufständische. Zuvor
hätten die Rebellen eine Armeepatrouille bei Piyakolek
überfallen, hieß es in dem Radiobericht.
Im Osten des Landes kamen am Sonntag elf Polizisten bei einem
Bombenanschlag auf ihr Fahrzeug ums Leben. Die Tat in der Nähe von
Jaleshwor gehe aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Konto maoistischer
Rebellen, teilte ein Polizeisprecher mit.
Zwei andere Gefechte kosteten laut Radio Nepal am Sonntag 13
Aufständische das Leben. Bereits am Samstag hatten
Regierungstruppen elf mutmaßliche Rebellen getötet, wie die
Zeitung «Himalayan Times» unter Berufung auf
Verteidigungskreise berichtete.
Die maoistischen Rebellen kämpfen gegen die konstitutionelle
Monarchie in Nepal. Seit 1996 kamen dabei mehr als 8.200 Menschen ums
Leben. Im August brachen die Aufständischen Friedensgespräche
mit der Regierung ab.
(Quelle: ap)
Tschetschenische Rebellen nach Dagestan eingedrungen
Mo.15.12.03 -
Etwa 25 tschetschenische Rebellen sind nach Angaben russischer
Behörden am Montag in die benachbarte Teilrepublik Dagestan
eingedrungen. Angeblich hätten sie das Bergdorf Schauri in ihre
Gewalt gebracht. Dort sei es zu einem Feuergefecht mit russischen
Grenztruppen gekommen, teilte die örtliche Verwaltung mit.
Vermutlich seien die Tschetschenen bei dem Versuch entdeckt worden,
sich über Dagestan nach Georgien abzusetzen, sagte der
Sekretär des dagestanischen Sicherheitsrates, Achmednabi
Magdigadschijew, in Machatschkala der Nachrichtenagentur Itar-Tass.
Der zweite Tschetschenien-Krieg hatte im August 1999 mit einem
Überfall tschetschenischer Rebellen auf Bergdörfer in Dagestan
begonnen.
(Quelle: dpa)
Nordzypern: Parlamentswahl endet mit Patt zwischen
EU-Befürwortern und -Gegnern
Wahl galt als
Referendum für oder gegen eine Wiedervereinigung der Insel
vor dem EU-Beitritt Zyperns
Mo.15.12.03 - Die
Parlamentswahl im türkischen Nordzypern hat ein Patt zwischen
Befürwortern und Gegnern einer Wiedervereinigung und eines
gemeinsamen EU-Beitritts mit den griechischen Zyprern ergeben. Mit 48,3
Prozent erhielten die Oppositionsparteien zwar die meisten Stimmen. Ins
Parlament entsenden sie jedoch die gleiche Anzahl von Abgeordneten wie
die bisher regierenden Parteien. Beide Lager errangen 25 der 50 Sitze,
wie das vorläufige amtliche Endergebnis am Montagmorgen ergab.
Die bisherigen Regierungsparteien lehnen wie Rauf Denktasch, der
Präsident der nur von Ankara anerkannten Türkischen Republik
Nordzypern, eine Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten
Mittelmeerinsel auf der Grundlage eines Plans von
UN-Generalsekretär Kofi Annan ab. Für die
Republikanisch-Türkische Partei (CTP) unter Führung von Mehmet
Ali Talat, die als stärkste Partei aus der Wahl hervorging und den
EU-Beitritt befürwortet, dürfte es daher schwierig werden,
eine Regierung zu bilden. Die bislang regierende Partei der Nationalen
Einheit (UBP) hat bereits Neuwahlen ins Gespräch gebracht.
Die Wahl in Nordzypern galt als Referendum für oder gegen eine
Wiedervereinigung vor dem EU-Beitritt Zyperns am 1. Mai 2004. Ohne eine
Wiedervereinigung wird das EU-Regelwerk zunächst nur im
griechischen Süden Zyperns gelten.
(Quelle: dpa)
Schweizer Rechtsaußen Blocher wird Justizminister
Mo.15.12.03 - Der
mit seinen Angriffen auf Asylsuchende bekannt gewordene Vorsitzende der
Schweizerischen Volkspartei, Christoph Blocher, wird neuer
Justizminister des Landes. Das entschied am Sonntagabend die Schweizer
Regierung. Blocher ist damit künftig auch für die
Einwanderungspolitik zuständig. Er hatte sich in der vergangenen
Woche bei den Wahlen zur Regierung gegen die bisherige Justizministerin
Ruth Metzler-Arnold durchgesetzt.
Der 63-jährige Milliardär hatte sich als Unternehmer
gewünscht, das Finanzministerium zu übernehmen. Das ging
jedoch an den Unternehmensberater Hans-Rudolf Merz von den
Freidemokraten. Blocher wollte sich vor dem Amtsantritt im Januar nicht
zu seinen Zielen äußern. Mit der Asyl- und
Ausländerpolitik übernimmt der neue Justizminister unter
anderem zwei Themengebiete, auf denen seine Partei in der Vergangenheit
eine härtere Gangart forderte.
Blocher erklärte, er könne auch Vorlagen vertreten, denen er
selbst kritisch gegenüberstehe. Er werde einen Teil der
Gesamtverantwortung in der Regierung wahrnehmen und sich um die
großen Probleme des Landes kümmern, auch wenn sie nicht in
sein Ressort fielen.
Die anderen fünf Bundesräte (Minister) führen ihre
bisherigen Aufgaben fort. Das gilt auch für Verteidigungsminister
Samuel Schmid von der Volkspartei, der ebenfalls Interesse am
Finanzministerium gehabt haben soll.
Blochers Ministerposten geht auf Kosten der Christlichen Volkspartei
(CVP), die jetzt nur noch ein Bundesratsmitglied stellt. Damit wurde die
so genannte «Zauberformel» außer Kraft gesetzt, nach
der die vier größten Parteien jahrzehntelang das Kabinett
bildeten. Die SVP besetzt mit Blocher erstmals in ihrer Geschichte zwei
Sitze im Bundesrat. Seit 44 Jahren stellten die CVP, die
Sozialdemokraten (SP) und die Freidemokraten (FDP) je zwei
Bundesräte, die SVP einen. Die SVP wollte dies nach ihrem Wahlsieg
jedoch nicht mehr akzeptieren.
(Quelle: ap)
EU verordnet sich nach Verfassungsdebakel Denkpause
Frühestens in drei Monaten neue Regierungskonferenz
Mo.15.12.03 -
Nach dem Debakel beim EU-Verfassungsgipfel in Brüssel haben sich
die Staats- und Regierungschefs eine Denkpause verordnet.
Frühestens in drei Monaten werde er eine neue Regierungskonferenz
einberufen, sagte der irische Ministerpräsident Bertie Ahern, der
im Januar den EU-Vorsitz übernimmt, nach dem gescheiterten Anlauf
der 25 Länder, erstmals eine europäische Verfassung zu
verabschieden. Der französische Präsident Jacques Chirac
brachte erneut seine Vorstellung von einem Europa der zwei
Geschwindigkeiten ins Gespräch, nach dem nur einige Staaten enger
zusammenarbeiten.
Ahern nannte es unwahrscheinlich, dass vor März eine Einigung im
Streit um die künftigen Machtverhältnisse in der EU zustande
kommt. Es fehle der politische Wille, sagte der irische Regierungschef.
Der britische Premierminister Tony Blair hieß die Entscheidung
gut, den Gipfel abzubrechen: "Wir haben noch Zeit." Außenminister
Joschka Fischer (Grüne) sagte, der Verfassungsprozess sei weder zu
Ende noch gescheitert: "Es geht weiter."
Der Gipfel sei daran gescheitert, dass einige Länder die
europäische Sache nicht nach vorne gestellt hätten, sagte
Bundeskanzler Gerhard Schröder. Insbesondere zwei Länder
hätten sich nicht bewegen wollen. Er habe den polnischen
Ministerpräsidenten Leszek Miller offen gefragt, ob er in der Lage
sei, sich zu bewegen: "Er hat gesagt, nein, das sind wir nicht."
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi, der als
EU-Ratspräsident die Verhandlungen führte, konstatierte
"vollkommene Uneinigkeit" über die künftigen Abstimmungsregeln
im EU-Ministerrat. Polen und Spanien weigerten sich, das ihnen im
Vertrag von Nizza zugestandene Stimmengewicht durch die Annahme der
neuen Verfassung zu beschneiden. Deutschland, Frankreich und andere
verlangten hingegen die Einführung der doppelten Mehrheit, die den
großen EU-Staaten mehr Gewicht bei Ratsentscheidungen geben und
Blockademinderheiten erschweren würde.
Der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski rief seine
Landsleute auf, eine "reifere Haltung" zu Europa zu entwickeln. Für
das Scheitern des Verfassungsgipfels kann nach Ansicht von Kwasniewski
kein einzelnes Land verantwortlich gemacht werden. Er räumte in
Warschau allerdings ein, dass die Debatte in Polen "maßlos
dramatisiert" worden sei. Er rief seine Landsleute auf, "die Sprache
der Konfrontation zu meiden".
(Quelle: afp)
Nach dem Scheitern des EU-Gipfels über eine
europäische Verfassung erwägt eine kleine Gruppe von Staaten
die Bildung eines 'Kerneuropas' ...
... Eine
von Frankreich entworfene Erklärung für ein solches "Europa
der zwei Geschwindigkeiten" wurde am Ende des erfolglosen Treffens in
Brüssel aus Sorge vor einer Spaltung Europas jedoch nicht
veröffentlicht. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung
zählen zu den möglichen Teilnehmern einer künftigen
Pioniergruppe neben den Gründerstaaten Frankreich, Deutschland,
Belgien und Luxemburg auch Portugal, Finnland, Griechenland und
Österreich sowie die beiden künftigen EU-Mitglieder Ungarn
und Tschechien. Ungarns Premierminister Peter Medgyessy erklärte,
ein Treffen der interessierten Regierungen werde "vielleicht schon im
Januar" stattfinden. Aus Kreisen der Bundesregierung in Berlin
hieß es, besonders wichtig sei auch eine Teilnahme
Großbritanniens.
Süddeutsche Zeitung vom 15.12.03
|
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im Mittelpunkt des
G-8-Gipfels
Ein Drittel
der Weltbevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist arbeitslos,
unterbeschäftigt oder arbeitet ohne jede soziale Sicherung
Mo.15.12.03 - Die
Bekämpfung der weltweiten Arbeitslosigkeit steht im Mittelpunkt
des dreitägigen G-8-Gipfels der Arbeits- und
Beschäftigungsminister in Stuttgart. Der Parlamentarische
Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministeriums, Gerd Andres,
nannte zum Auftakt des Treffens am Sonntag die Arbeitslosigkeit eines
der größten Probleme weltweit. Ein Drittel der
Weltbevölkerung im erwerbsfähigen Alter, rund eine Milliarde
Menschen, seien arbeitslos, unterbeschäftigt oder arbeiteten ohne
jede soziale Sicherung.
Andres vertrat Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), der in
Berlin an der Sitzung des Vermittlungsausschusses teilnehmen wollte.
Andres sagte, bei dem Treffen der Minister aus Deutschland, Kanada,
Frankreich, Italien, Japan, Russland, Großbritannien und den USA
gehe es auch darum, wie die Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik dazu
beitragen könne, Wachstumskräfte freizusetzen und eine neue
Beschäftigungsdynamik zu entfalten.
«Wir wollen uns darüber austauschen, wie soziale Belange des
Arbeitslebens mit wirtschaftlichen Anforderungen an moderne
Arbeitsorganisation und Technologie verbunden werden können»,
sagte Andres. Nach Angaben des Staatssekretärs belegte Deutschland
bei der Arbeitslosenzahl im Jahr 2002 im G-8-Vergleich einen Platz im
Mittelfeld. Bei der Tagung werde auch über Reformmaßnahmen
auf dem Arbeitsmarkt gesprochen. Andres sagte, Deutschland könne
von Reformprojekten anderer Länder Impulse erhalten und Elemente
der Maßnahmen in Deutschland könnten die Projekte der
anderen ergänzen.
«Wir sind der Überzeugung, wir dürfen auf den
Aufschwung nicht nur warten, sondern müssen auch etwas tun, um ihn
anzukurbeln», sagte der Staatssekretär. Es gebe keine
G-8-Musterländer. Bei dem Treffen der Arbeitsminister geht es auch
um die Auswirkungen der Globalisierung auf die Arbeitswelt. Die
Veranstaltung diene auch dazu, zu diskutieren, ob es möglicherweise
sinnvoll sei, soziale Mindeststandards festzulegen, sagte Andres.
Das Ministertreffen steht unter dem Motto «Wachstum und
Beschäftigung: Die Zukunft der Erwerbsgesellschaft in einer sich
wandelnden Welt.» Deutschland ist das erste Mal Gastgeber. Das
letzte Treffen fand 2002 in Montreal statt.
(Quelle: ap)
Regierung und Opposition einig über Reformen
Steuerentlastung kommt - aber nur halb so hoch wie ursprünglich
von der Regierung geplant
Mo.15.12.03 -
Nach monatelangem Streit haben sich Regierung und Opposition auf das
Vorziehen einer deutlich abgespeckten Steuerreform und auf
einschneidende Arbeitsmarktreformen verständigt. Bürger und
Wirtschaft können im kommenden Jahr damit zwar mit
zusätzlichen Steuerentlastungen in Milliardenhöhe rechnen.
Allerdings fallen sie mit 7,8 Milliarden Euro nur halb so hoch aus wie
die ursprünglich von der Regierung geplanten 15,6 Milliarden Euro.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach in Berlin nach
über zehnstündigen Verhandlungen von einem vertretbaren
Kompromiss. Die Union, die sich mit zahlreichen Forderungen durchsetzen
konnte, nannte die Einigung eine wichtige Weichenstellung für
Deutschland. Nach den Worten von CDU-Chefin Angela Merkel trägt das
Ergebnis die Handschrift der CDU. Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber
sagte, die Union habe erreicht, dass die Steuerentlastung nicht
überwiegend auf Pump finanziert wird.
Zusammen mit Entlastungen der zweiten Steuerreformstufe, die wegen der
Flutkatastrophe auf 2004 verschoben wurde, betragen die gesamten
Entlastungen für die Steuerzahler laut Schröder etwas
über 15 Milliarden Euro. Geplant waren rund 22 Milliarden.
Beide Seiten verständigten sich am frühen Montagmorgen in
Berlin auch bei der Zusammenlegung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe auf
ein Optionsmodell für die Kommunen. Diese können entscheiden,
ob sie die Betreuung von Langzeitarbeitslosen selbst übernehmen.
Ein Kompromiss wurde auch beim Kündigungsschutz, bei den
Tariföffnungsklauseln und beim Mindestlohn erzielt. Das Paket muss
am kommenden Freitag noch von Bundestag und Bundesrat gebilligt werden.
Schröder und Außenminister Joschka Fischer (Grüne)
sprachen von einem vertretbaren Kompromiss. Allerdings hätte man
sich mehr gewünscht. Schröder sagte: «Es ist ein
Ergebnis, das absolut in Ordnung geht und das sich vertreten
lässt.» Es werde Deutschland voran bringen. Angesichts der
Machtverhältnisse müsse das Machbare akzeptiert werden.
Fischer sagte, die volle Steuerentlastung sei mit der Mehrheit des
Bundesrates leider nicht zu machen gewesen.
FDP-Chef Guido Westerwelle bedauerte, dass die Entlastungen nicht
stärker ausfallen. Entscheidend sei aber die Kopplung solider
finanzierter Steuersenkungen mit Arbeitsreformen.
Dem Kompromiss war ein beispielloser Reformpoker vorausgegangen, in den
sich am Sonntag auch die Parteichefs direkt eingeschaltet hatten. Die
Einigung sieht vor, dass der Eingangssteuersatz nur auf 16 und der
Spitzensteuersatz auf 45 Prozent gesenkt wird. Dadurch fallen die
Steuerentlastungen deutlich geringer aus. Geplant war bisher, dass der
Eingangssteuersatz auf 15 (heute: 19,9) und der Höchststeuersatz
auf 42 Prozent (heute: 48,5) sinkt.
Die Einigung sieht ferner eine Kürzung der Pendlerpauschale auf 30
Cent pro Kilometer vor. Rot-Grün wollte einen wesentlich
stärkeren Abbau auf 15 Cent. Auch bei der Eigenheimzulage wurde die
Koalition von der Union gebremst. Die Zulage soll nun lediglich um 30
Prozent reduziert werden. Ursprünglich wollte die Koalition
zumindest eine Halbierung der zuletzt 11 Milliarden Euro erreichen.
Der Kündigungsschutz soll bei Neueinstellungen in Betrieben mit
weniger als zehn Mitarbeitern nicht gelten. Bisher liegt die Schwelle
bei fünf Beschäftigten. Langzeitarbeitslosen sollen
künftig auch Jobs unter dem ortsüblichen Tariflohn zumutbar
sein. Dies dürfte bei SPD- Linken noch auf Widerstand stoßen.
Auch über die künftige Betreuung von Langzeitarbeitslosen
wurde eine Einigung erzielt. Wie SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler
mitteilte, soll zunächst das von der Regierung geplante so genannte
Hartz-IV-Gesetz verabschiedet werden, später soll es dann ein
weiteres Gesetz geben, mit dem die Kommunen das Recht erhalten, auf
Wunsch selbst die Trägerschaft für die Betreuung von
Langzeitarbeitslosen zu übernehmen.
Nach den Regierungsplänen sollte diese Trägerschaft bei der
Bundesagentur für Arbeit liegen. Stiegler bestätigte auch,
dass SPD und Grüne dem Kompromiss zur Steuerreform im Grundsatz
zugestimmt hätten. Über Details werde aber noch im Ausschuss
verhandelt.
Im Streit um die Aufweichung der Tarifautonomie sicherte die Regierung
dem Vernehmen nach in einer Protokollnotiz zu, eine gesetzliche Regelung
zu erarbeiten, falls sich die Tarifparteien 2004 nicht freiwillig auf
betriebliche Regelungen verständigen. Auch bei der Gewerbesteuer
konnte sich Rot-Grün nicht voll durchsetzen. Die Freiberufler
werden doch nicht einbezogen. Die Gewerbesteuerumlage wird aber
gesenkt, so dass Kommunen mehr Geld behalten
(Quellen: ap,
afp)
Nach dem großen Mobilisierungserfolg am 1. November,
als 100.000 Menschen in Berlin gegen den mit der »Agenda
2010« verbundenen Sozialabbau demonstrierten, zeigt sich ein Teil
der bundesdeutschen Linken zerstritten wie eh und je...
...Deutlich
wurde dies auf einer bundesweiten Aktionskonferenz am Samstag in
Frankfurt am Main, bei der etwa 100 Aktivisten aus
Erwerbsloseninitiativen, Gewerkschaften und linken Gruppen
zusammenkamen. ..
Mehr in "junge Welt" vom 15.12.03:
http://www.jungewelt.de/2003/12-15/011.php
|
Bundesregierung stellt Milliardenforderungen an Mautkonzerne
Mo.15.12.03 - Die
Bundesregierung hat wegen der Pannen bei der Lkw-Maut
Milliardenforderungen an die Mutterkonzerne des Mautbetreibers Toll
Collect gerichtet. Unmittelbar vor dem ersten Kündigungstermin
für den Vertrag mit dem Konsortium ließ das
Verkehrsministerium am Sonntag offen, welche weiteren Konsequenzen es
aus den am Samstag ergebnislos beendeten Verhandlungen mit Toll Collect
(TC) ziehen will.
Die Bundesregierung stellte TC über die bisher verlangte
Vertragsstrafe hinaus 1,3 Milliarden Euro in Rechnung.
Ministeriumssprecher Felix Stenschke hatte am Samstag erklärt, die
Verhandlungen seien ergebnislos beendet worden. TC nannte danach das
dritte Quartal 2004 als «Zeitfenster» für den
Mautstart. Ministeriumskreise sagten dagegen, TC habe den 15. August
2004 als günstigsten und den 31. Juli 2005 als ungünstigsten
Starttag angeboten. Das Konsortium sei aber nicht bereit, über die
bis dahin auflaufenden Einnahmeausfälle zu verhandeln, die sich auf
«deutlich über drei Milliarden Euro» belaufen
könnten.
Die nun in Rechnungen konkret geltend gemachten Forderungen betreffen
624 Millionen Euro Einnahmeausfälle durch die Pannen, die ein
Inkasso ab 31. August unmöglich gemacht haben. Weitere
Vertragsstrafen in Höhe von 527 Millionen und 156 Millionen Euro
fallen aus der Rechtssicht des Bundes an, weil Verträge mit
Subunternehmen mit Formfehlern abgeschlossen wurden. Dazu kommt die
bereits geltend gemachte Vertragsstrafe von 250.000 Euro täglich
wegen der Verzögerung des Starttermins.
Der Bund forderte die Mutterkonzerne von TC - Telekom, DaimlerChrysler
Services und die französische Cofiroute - darüber hinaus auf,
TC mit 20 Prozent Eigenkapital auszustatten. Dafür setzte er eine
Frist bis kommenden Freitag. Auch dies bedeutet finanziellen Aufwand
für die Konzerne, da es bisherige Investitionen ins Mautsystem in
der Bilanz der Aktiengesellschaften als Negativposten erscheinen
lässt.
Nach wie vor ließ das Ministerium offen, was geschieht, wenn
diese Frist nicht eingehalten oder die Rechnungen nicht beglichen
würden. Ebenso wie das Konsortium legten sie sich nicht darauf
fest, das für strittige Rechtsfragen vorgesehene Schiedsgericht
einzuberufen.
Das Ministerium stellte allerdings klar, dass es einen
«Strauß von Kündigungsmöglichkeiten» habe:
Einerseits die ab dem (morgigen) 15. Dezember für den Fall
vorgesehene Kündigungsmöglichkeit, dass das Konsortium die
Funktionsfähigkeit nicht nachweisen kann. Zum zweiten die
Möglichkeit, wegen billigender Inkaufnahme des Scheiterns durch die
andere Seite zu kündigen. Zum dritten kann ab 31. Mai 2004
gekündigt werden, wenn die Betriebserlaubnis nicht vorliegt.
Ein TC-Sprecher sagte dazu, die Gespräche seien abgebrochen worden
mit dem Hinweis, man wolle Verkehrsminister Manfred Stolpe über den
Stand informieren. TC habe bereits vor einer Woche ein
«Zeitfenster» genannt. Ebenfalls sei dem Ministerium
bekannt, dass TC keinen Spielraum für Schadenersatz sehe. Das
Konsortium habe vorgeschlagen, das Schiedsverfahren einzuleiten. Darin
könne fair geklärt werden, wie die Schadenersatzforderungen zu
sehen seien.
Der designierte Aufsichtsratschef des Konsortiums, Peter Mihatsch,
hatte im «Spiegel» ebenfalls das dritte Quartal 2004
genannt. «Wir peilen das Zeitfenster drittes Quartal 2004
an», erklärte auch Telekom-Vorstand Josef Brauner laut
«Focus».
(Quelle: ap)
BA-Chef Gerster soll Ausschuss belogen haben
Mo.15.12.03 - Der
Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, gerät
zunehmend unter Druck: Der Wirtschaftsausschuss des Bundestages will
Gersters Angaben über das Zustandekommen des umstrittenen
Beratervertrages mit einer PR-Firma prüfen. «Wenn sich
herausstellt, dass Gerster den Ausschuss falsch informiert hat, werden
wir uns das nicht gefallen lassen», kündigte der Vorsitzende
des Ausschusses, Rainer Wend, im «Tagesspiegel»
(Montagausgabe) an.
Eine Falschaussage werde Konsequenzen für den Behördenchef
haben, erklärte der SPD-Politiker Wend. Medienberichten vom
Wochenende zufolge soll Gerster vor dem Ausschuss für Arbeit und
Wirtschaft nicht die Wahrheit gesagt haben. Der Bericht des
Bundesrechnungshofes über den Beratervertrag mit der PR-Firma WMP
EuroCom nähre den Verdacht, dass Gerster das Parlamentsgremium
über das Vergabeverfahren falsch informiert habe, berichtete
«Der Spiegel». Laut «Focus» ist die Kritik an
dem Behördenchef viel umfassender als bisher bekannt.
Gerster habe den Abgeordneten im Ausschuss mitgeteilt, die
zuständigen Beamten seiner Behörde hätten die
Entscheidung abgesegnet, den Vertrag ohne Ausschreibung zu vergeben,
schrieb «Der Spiegel». Im Bericht des Rechnungshofes stehe
allerdings, dass diese Darstellung falsch sei. Danach seien die
zuständigen Stellen der Behörde «erst nach der
Entscheidung des Vorstands über die Vergabe an WMP eingeschaltet
worden».
Das Wirtschaftsministerium kläre jetzt, ob der umstrittene Vertrag
nach der Kritik des Rechnungshofes «rückabgewickelt werden
muss», wie der zuständige Staatssekretär Rudolf Anzinger
vergangene Woche im Ausschuss gesagt habe. Die PR-Firma müsste
dann möglicherweise einen Teil des bereits bezahlten Honorars von
500.000 Euro zurückgeben, hieß es.
Laut «Focus» heißt es in dem Bericht der
Prüfbehörde: «Die Bundesanstalt verkennt grundlegend,
dass das Gebot wirtschaftlichen und sparsamen Umgangs mit
Beitragsmitteln und mit Haushaltsmitteln des Bundes auch für sie
gilt.» Auch dem Münchner Magazin zufolge wurde die
zuständige Abteilung erst nach der Entscheidung des Vorstandes, den
Auftrag an WMP zu vergeben, eingeschaltet. Außerdem habe Gerster
den Vertrag in einer Zeit geschlossen, als sich das öffentliche
Image seiner Behörde im Vergleich zu seinem Amtsantritt deutlich
verbessert habe.
(Quelle: dap/taz)
Ein Mensch, ein Publishing-Tool, eine Website. Darum
geht es. Oberflächlich
Genauer betrachtet löst das Internet mit den Weblogs ... endlich
das Versprechen ein, ein Publikationskanal für jedermann zu sein.
Es geht um nichts geringeres, als um die Re-Demokratisierung des Netzes,
um die Rückeroberung des Webs durch seine Nutzer. Große
Medienhäuser und Verlage haben schlagartig nicht länger das
Informationsmonopol. Jeder kann ein Thema aufgreifen, referieren,
kommentieren, es zur Diskussion stellen und auf weitere Quellen
verlinken. Und Linken ist eine der Lieblingsbeschäftigungen der
Blogger... (Mario Sixtus)
Was ist dran am Weblog-Phänomen?
Bekanntlich
sind sich US-Amerikaner und alte Europäer häufiger uneins,
wenn es um die Einschätzung einer aktuellen Situation geht. Zur
Zeit lässt sich das einmal mehr an den unterschiedlichen
Bewertungen des Weblog-Phänomens beobachten.
Während Ann Moore, Chefin des Time-Verlages, jüngst sagte,
sie habe mehr Angst vor den "unkontrollierten Medien im Web" - also
Blogs und andere unabhängige Publikationen - als vor der gerade
stattfindenden Medienkonzentration, erklärt hierzulande Ute
Miszewski, zuständig für Unternehmenskommunikation der
Spiegel-Gruppe, Weblogs für journalistisch nicht relevant, da es
sich ja lediglich um die Arbeit von Amateuren handele. Menschen ohne
spezielle Ausbildung seien schlicht nicht in der Lage Qualität
abzuliefern....
Mario Sixtus versucht das Thema Weblog einmal etwas genauer
auszuleuchten - bei telepolis (15.12.03, "Medienrevolution oder
Tagebücher") unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/med/16308/1.html
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