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+++ Di.16.12.03,
13:30 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am zweihundertzweiundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
UN-Sicherheitsrat begrüßt Festnahme von Saddam Hussein +++
Annan gegen Todesstrafe für Saddam +++ Bush will mit Irakern
über weiteres Verfahren beraten: Iraker sollen an einem Prozess
gegen Saddam Hussein beteiligt werden +++ Wesley Clark fordert
internationale Beteiligung bei Saddam-Prozess +++ Amnesty fordert
menschenwürdige Behandlung Saddam Husseins +++ Vertrauter von
Saddam führte US-Armee zu seinem Versteck +++ Weitere
Festnahmen nach Auswertung von Aussagen Saddam Husseins +++
Friedensbewegung: Festnahme Saddams löst nicht Probleme im Irak +++
Nach Saddam-Festnahme weiter Gewalt im Irak +++ Bush betont Interesse
an Zusammenarbeit mit Berlin und Paris +++ Frankreich stellt Irak
Schuldenerlass in Aussicht
Di.16.12.03 - Der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die Festnahme des ehemaligen
irakischen Präsidenten Saddam Hussein begrüßt. Im
Übrigen freue sich der Rat auf den Bericht, den
UN-Generalsekretär Kofi Annan am heutigen Dienstag im Beisein des
amtierenden Außenministers im irakischen Regierungsrat, Hoschjar
Sebari, vorstellen wollte, erklärte der bulgarische UN-Botschafter
und amtierende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Stefan Tafrow, am
Montag am Sitz der UNO in New York. Sebari hatte zuvor
angekündigt, er werde dem höchsten UN-Gremium ein Projekt
vorlegen, wie Irak seine volle Souveränität
zurückerlangen solle.
UN-Generalsekretär Annan hat die Ergreifung von Saddam Hussein am
Sonntag als "wichtiges Ereignis" bezeichnet und ein offenes und faires
Verfahren gegen den gestürzten irakischen Diktator gefordert.
Saddam müsse "nach internationalen Normen und Standards" für
seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Annan am Montagabend
in New York.
Zugleich sprach er sich gegen die Verhängung der Todesstrafe aus.
Die Vereinten Nationen lehnten die Todesstrafe generell ab und
würden auch im Fall Saddam nicht von ihrer Überzeugung
abrücken. "Wie das Gericht (für Saddam) auch aussehen
möge, entscheidend ist, dass es die gleichen Normen respektiert,
die auch in internationalen Gerichtshöfen zum Tragen kommen",
führte Annan aus.
US- Präsident George W. Bush hatte zuvor angekündigt, dass
die Iraker an einem Prozess gegen Saddam Hussein beteiligt werden
sollten. Nach Überzeugung des provisorischen Regierungsrates in
Bagdad soll Saddam im Irak vor Gericht gestellt werden.
Präsident Bush sagte, die Iraker seien die Opfer Saddams gewesen,
sie seien gefoltert, vergewaltigt und ermordet worden. Deshalb
müssten sie nun an dem Verfahren beteiligt sein. Bei seiner letzten
offiziellen Pressekonferenz in diesem Jahr hob er am Montag hervor,
dass die USA mit den Irakern zusammenarbeiten würden, um nach
einem guten Weg zu suchen, Saddam vor Gericht zu stellen.
Der Prozess, über dessen Bedingungen gemeinsam mit den Irakern
entschieden werden solle, werde einer internationalen
Überprüfung standhalten, betonte Bush. Die Frage, ob er eine
Hinrichtung des ehemaligen Diktators befürworte, wollte Bush nicht
beantworten. Aussagen des am Samstag verhafteten Machthabers
führten nach US-Angaben bereits zu weiteren Festnahmen.
"Wir brauchen ein öffentliches Verfahren, alle Grausamkeiten
müssen ans Licht kommen und der Gerechtigkeit muss genüge
getan werden", sagte Bush bei einer Pressekonferenz in Washington. Aus
Regierungskreisen verlautete, Saddam Hussein habe im Verhör
erklärt, Irak habe weder Massenvernichtungswaffen noch Kontakte zum
Netzwerk El Kaida besessen. Seine Haltung wurde als Mischung aus
Sarkasmus und Trotz beschrieben. Über die Angriffe auf US-Soldaten
habe er wenig nützliche Informationen geliefert, hieß es in
Washington weiter.
Brigadegeneral Mark Hertling teilte dagegen in Bagdad mit, US-Truppen
hätten seit Saddam Husseins Verhaftung mehrere Personen gefangen
genommen, darunter einen ranghohen Funktionär der ehemaligen
Regierung. Die Erkenntnisse aus dem ersten Verhör sowie aus
Dokumenten, die der ehemalige Machthaber bei sich geführt habe,
hätten den US-Truppen erheblich weitergeholfen, sagte Hertling.
Saddam Hussein habe bei den Angriffen gegen US-Truppen offensichtlich
eine Rolle gespielt.
Mit dem Expräsidenten werde entsprechend der Genfer Konvention
verfahren, sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am
Sonntagabend. Sollte sich jedoch herausstellen, dass er am Widerstand
gegen die Koalitionstruppen beteiligt gewesen sei, könnte dies zu
einer anderen Einstufung führen. Das Internationale Komitee vom
Roten Kreuz (IKRK) äußerte in Genf die Erwartung, den
Gefangenen besuchen und seine Haftbedingungen überprüfen zu
können.
Die Gefangenenhilfsorganisation amnesty international hat eine
menschenwürdige Behandlung des früheren irakischen Diktators
Saddam Hussein und einen fairen Prozess gefordert. "Gerade aus Respekt
vor den zahllosen Opfern des Regimes und ihrer Familien" müsse dies
sicher gestellt werden, sagte die Generalsekretärin der deutschen
amnesty-Sektion, Barbara Lochbihler. "Nur so erhält die
Gerechtigkeit ihre Chance."
Die Zusage der Vereinigten Staaten, Saddam als Kriegsgefangenen zu
behandeln, bedeute, dass Anwälte, Familienangehörige und das
Internationale Rote Kreuz seinen Aufenthaltsort kennen und Zugang zu ihm
haben müssten. Er dürfe in Haft nicht misshandelt werden. Die
USA sollten nun auch unverzüglich alle anderen Personen als
Kriegsgefangene behandeln, die sie im Zusammenhang mit den Kriegen in
Afghanistan und in Irak inhaftiert haben. Dies gelte vor allem für
die Gefangenen in der US-Basis im kubanischen Guantánamo.
Bei einem Prozess gegen den festgenommenen irakischen Staatschef Saddam
Hussein hat sich der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber
Wesley Clark für eine Beteiligung der internationalen Gemeinschaft
ausgesprochen. Die Vereinigten Staaten müssten die internationale
Gemeinschaft in dieser Frage konsultieren, sagte der frühere
NATO-Oberbefehlshaber am Montag in Den Haag. Bis zur Stabilisierung
Iraks hätten die USA noch "einen langen Weg zu gehen". Clark sagte
am Montag vor dem Haager UN-Kriegsverbrechertribunal im Verfahren gegen
den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic aus.
Nach Ansicht des Vorsitzenden des provisorischen irakischen
Regierungsrates, Abdul Asis Al Hakim, "soll der erst in der vergangenen
Woche beschlossene Sondergerichtshof über Saddam Hussein urteilen".
Das Gericht in Bagdad soll Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die
Menschlichkeit und andere schwere Straftaten des früheren
irakischen Regimes ahnden. Die Verhandlung solle öffentlich sein,
mit möglicher Beteiligung von Beratern und internationalen
Persönlichkeiten, sagte Al Hakim am Montag nach einem Treffen mit
dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac in Paris.
Saddam drohe in dem Verfahren auch die Todesstrafe.
Ein seit Monaten gesuchter Vertrauter des früheren irakischen
Präsidenten hat die US-Armee am Wochenende zu Saddam Husseins
Versteck geführt. Der nicht näher genannte Gesuchte sei den
US-Truppen in den vergangenen Tagen mehrfach entkommen und erst wenige
Stunden vor der spektakulären Ergreifung des ehemaligen Staatschefs
am Samstag in Bagdad festgenommen worden, sagte US-Oberst James Hickey
am Montag vor Journalisten in Tikrit. Er habe von der Festnahme des
Vertrauten des Ex-Präsidenten am Samstagvormittag gegen 11.00 Uhr
(Ortszeit) erfahren und seinen Kommandeuren etwa eine Viertelstunde
später gesagt, sie sollten sich zur Ergreifung Saddam Husseins im
Laufe des Tages bereithalten. Der Gefangene sei derweil nach Tikrit
gebracht und dort von "sehr qualifizierten Menschen" befragt worden,
sagte Hickey.
Vertreter der deutschen Friedensbewegung haben die Nachricht von der
Festnahme des entmachteten irakischen Diktators Saddam Hussein
grundsätzlich begrüßt. Allerdings werde durch seine
Gefangennahme der Widerstand in der irakischen Bevölkerung gegen
das "Besatzungsregime" nicht beendet, erklärte der Bundesausschuss
Friedensratschlag am Sonntag in Kassel.
Ein Abzug der US-amerikanischen und britischen Truppen wäre ein
erster wichtiger Schritt zur Beruhigung der Lage im Irak, hieß es
weiter. Eine möglichst schnelle Übertragung der Befugnisse an
die UN und freie Wahlen müssten dem irakischen Volk die volle
Souveränität wiedergeben. Saddam Hussein selbst müsse
sich jetzt verantworten für das Leid und die politische
Unterdrückung, die er dem irakischen Volk Jahrzehnte lang
zugefügt habe, hieß es weiter.
US-Präsident Bush kündigte an, dass die USA auch nach der
Gefangennahme Saddams im Irak "den Kurs halten" würden. "Die USA
bleiben, bis ihre Aufgabe erfüllt ist", sagte Bush. Es bleibe
dabei, dass der Umfang der US-Streitkräfte auf irakischem Boden von
der Sicherheitslage abhängig gemacht werde.
Nach der Festnahme von Saddam Hussein gehen die Attacken von
Aufständischen im Irak mit unverminderter Härte weiter. Allein
bei zwei Autobombenanschlägen auf Polizeistationen starben in und
nahe Bagdad zehn Menschen, mehr als 30 weitere wurden verletzt. Die
meisten der Opfer sind Polizisten. Im Westirak wurden nach Angaben des
US-Zentralkommandos bei Gefechten zwischen Aufständischen und
US-Soldaten seit Sonntag vier Iraker und ein US-Soldat getötet.
In der Widerstandshochburg Falludschah stürmten am Sonntag
Anhänger des Expräsidenten das Gebäude der
Stadtverwaltung und trieben das Sicherheitspersonal in die Flucht. Die
Demonstranten hängten Saddam-Hussein-Porträts auf und
zündeten Möbel an.
Am heutigen Dienstag wird sich der Weltsicherheitsrat in New York mit
der Lage im Irak befassen. Dabei soll auch über die Annahme des vom
provisorischen irakischen Regierungrat vorgelegten Zeitplans für
die Bildung einer Übergangsregierung in Bagdad entschieden werden.
Im Vorfeld der Sitzung hatten die USA das höchste UN-Gremium
erneut um Unterstützung der Koalition im Irak ersucht.
Der Irak-Sonderbeauftragte von US-Präsident Bush, James Baker,
wird an diesem Dienstag in Berlin erwartet. Mit Bundeskanzler Gerhard
Schröder will er über eine mögliche Umschuldung der
irakischen Auslandsverpflichtungen sprechen.
Frankreich hat unterdessen Irak einen teilweisen Schuldenerlass 2004 in
Aussicht gestellt. Der Pariser Club der Gläubigerländer
könne im nächsten Jahr eine Einigung finden, erklärte der
französische Außenminister Dominique de Villepin am Montag
nach einem Treffen mit führenden Vertretern des irakischen
Regierungsrates in Paris.
Frankreich erwäge einen der finanziellen Situation Iraks
"angemessen Schuldenerlass". Konkrete Zahlen nannte er nicht. Villepin
unterstrich, es gebe keinen Zusammenhang mit der Ankündigung der
USA, die Kriegsgegner von der Auftragsvergabe beim Wiederaufbau Iraks
auszuschließen.
Der kurdisch-irakische Politiker Dschalal Talabani begrüßte
"das Geschenk" Villepins. Er hoffe, dass die anderen europäischen
Länder dem Beispiel Frankreichs folgten. Irak schuldet den 19
Gläubigerstaaten des Pariser Clubs (unter anderem Deutschland, USA,
Russland, Japan) rund 40 Milliarden Dollar (32,6 Milliarden Euro) -
allein Deutschland etwa 4,4 Milliarden Euro. Bei anderen Staaten steht
Irak mit noch einmal etwa 80 Milliarden Dollar in der Schuld.
Villepin versicherte, Frankreich wolle sich am Wiederaufbau beteiligen:
"Die französischen Unternehmen sind bereit, an der Entwicklung
Iraks mitzuwirken." Die hochrangige irakische Delegation, die am
Nachmittag von Staatspräsident Jacques Chirac empfangen werden
sollte, traf auch Vertreter des franzöischen Arbeitgeberverbandes
MEDEF. Villepin sagte ferner, Frankreich wolle zu mehr Sicherheit
beitragen und strebe langfristig die Einrichtung einer Polizeischule in
Irak an.
US-Präsident George W. Bush hat derweil sein Interesse an der
Zusammenarbeit mit Deutschland und Frankreich beim Wiederaufbau in Irak
und auf anderen Gebieten ausdrücklich unterstrichen. Die USA
reichten den Kriegsgegnern die Hand, "und wir wollen, dass sie
teilnehmen", sagte Bush am Montag vor Journalisten in Washington. Es sei
im nationalen Interesse aller drei Länder, "dass wir
zusammenarbeiten". Zugleich verteidigte Bush aber seine Entscheidung,
die Aufträge für den Wiederaufbau Iraks nur an Firmen aus
jenen Staaten zu vergeben, die am Krieg beteiligt waren.
(Quellen: dpa,
ap, afp)
Stichwort: Kriegsgefangene
Die USA
wollen den am Samstag verhafteten irakischen Expräsidenten Saddam
Hussein als Kriegsgefangenen einstufen. Kriegsgefangene sind Personen,
die als Soldaten oder Kombattanten in einem internationalen Konflikt
der gegnerischen Seite in die Hand gefallen sind. Internationales Recht
sichert ihnen eine unter allen Umständen menschenwürdige
Behandlung und einen besonderen Status zu, auf den sie nicht verzichten
können.
Kriegsgefangene unterstehen der Regierung des feindlichen Staates,
nicht den Personen oder Organisationen, die sie festgenommen haben.
Neben Angehörigen der Streitkräfte können alle diejenigen
Personen den Status als Kriegsgefangene erhalten, die zur
kämpfenden Bevölkerung zählen und die Vorschriften des
Kriegsrechts einhalten, so genannte Kombattanten. Die Behandlung von
Kriegsgefangenen regeln die Haager Landkriegsordnung aus dem Jahr 1907
und die Genfer Konventionen.
Unter anderem werden den Kriegsgefangenen ihr persönliches
Eigentum und die Ausübung der Religionsfreiheit garantiert,
geregelt sind weiterhin ihre Arbeitspflicht, Verpflegung und
ärztliche Betreuung. Nach Abschluss eines Friedensabkommens
müssen Kriegsgefangene umgehend in ihr Heimatland entlassen werden.
Saddam
gilt als Kriegsgefangener und steht deshalb unter dem Schutz der 3.
Genfer Konvention. Fernsehaufnahmen davon, wie sein Haar abgefingert
und seine Mundhöhle ausgeleuchtet wird, verletzen diese
Konvention. Dort wird unter anderem festgelegt, dass der Gefangene
nicht "der öffentlichen Neugier" ausgesetzt werden darf. Darunter
versteht das Völkerrecht das Verbot, den Gefangenen
"vorzuführen", ihn in Großaufnahme zu zeigen. Dieses Verbot
gilt unabhängig davon, ob sich der Krieg führende Heimatstaat
des Gefangenen selbst an das Völkerrecht hält. Der Hinweis
seitens der USA, das öffentliche Interesse rechtfertige die
Aufnahmen Saddams, entbehrt deshalb jeder rechtlichen Grundlage.
(Quellen:
ap, taz)
Der Iran fordert ein internationales Gericht, bei dem auch
die Unterstützung der USA und anderer westlicher Staaten von
Hussein zum Thema würden
...Die
Gefangennahme von Saddam Hussein war ein großer Erfolg für
die Bush- und Blair-Regierungen und die Koalitionstruppen. Doch das
Weihnachtsgeschenk dürfte auch zu zahlreichen Problemen
führen. Nicht zuletzt durch den Krieg, den Hussein gegen den Iran
geführt hat, dürfte auch die Unterstützung des
Hussein-Regimes durch westliche Länder und nicht nur die allein von
Hussein zu verantwortenden Verbrechen zur Sprache kommen....
Aus: Florian Rötzer - "Prozess gegen Saddam Hussein wird für
neue Konflikte sorgen", telepolis vom 16.12.03:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16335/1.html
Zwei auf einen Streich - Hat Präsident Bush seinen
anderen Gegner, Howard Dean, nun auch erledigt?
...Muss
(US-Präsidentschaftskandidat) Dean mit der Erledigung von Bushs
Lieblingsfeind auch gleich seine Hoffnung auf einen anderen Titel, den
des Präsidenten der Vereinigten Staaten, begraben? Zwei (am
Sonntag) nach Bekanntgabe der Ergreifung Saddams unabhängig
voneinander durchgeführte Umfragen loteten die Stimmung in den USA
aus - und kamen dabei zu recht unterschiedlichen Ergebnissen...
Mehr bei telepolis (15.12.03) unter:
Mehr
unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16332/1.html
In den USA haben sich über 50 Bürger- und
Menschenrechtsorganisationen zu einem neuen Netzwerk zusammengeschlossen
Die
Initiative übt massive Kritik an der Weigerung der
US-Administration unter George W. Bush, internationale Rechtskataloge zu
akzeptieren. Offiziell nahm die Gruppe ihre Arbeit zum Internationalen
Tag der Menschenrechte vor knapp einer Woche auf, doch fiel der
Beschluß zu ihrer Gründung bereits im vergangenen Jahr auf
einer Tagung der »Howard University« in Washington. An der
Veranstaltung hatten sich unter anderem Beratergruppen für
Immigranten, ethnische Minderheiten, Sozialhilfeempfänger,
Behinderte und Inhaftierte beteiligt.
Zu den bekanntesten Mitgliedern des neuen Netzwerks gehören die
»American Civil Liberties Union« (ACLU), das »American
Friends Service Committee«, die US-Sektion von »Amnesty
International« (AIUSA), das »Centre for Constitutional
Rights«, das »Centre for Economic and Social Rights«
(ESR), »Human Rights Watch« (HRW), das »Indian Law
Resource Centre«, die »Kensington Welfare Rights
Union«, die »National Coalition to Abolish the Death
Penalty« und die »National Association for the Advancement
of Coloured People«. ...
Mehr bei "junge Welt" (16.12.03) unter:
http://www.jungewelt.de/2003/12-16/007.php
Kairo: 1000 Kriegsgegner auf Konferenz zu Irak und
Palästina - Weltweite Aktionen am 20. März 2004
Während
überall auf der Welt die Bilder von der Gefangennahme Saddam
Husseins über die Bildschirme gingen, fand am Sonntag in Kairo die
abschließende Pressekonferenz der Zweiten Internationalen
Kairokonferenz statt. 1000 Kriegsgegner und Antikapitalisten hatten
sich über das Wochenende unter dem Motto »Ja zum Widerstand
im Irak und Palästina, nein zur kapitalistischen Globalisierung
und US-Hegemonie« versammelt. Neben prominenten Kriegsgegnern aus
Ägypten wie dem Regisseur Yussuf Schahin und Nabil El Helaly
befanden sich unter den Teilnehmern auch der frühere
US-Generalstaatsanwalt Ramsey Clark, der ehemalige UN-Koordinator
für den Irak, Dennis Halliday, und die britischen
Unterhausabgeordneten Tony Benn und George Galloway. Die Masse der
Teilnehmer kam aus den arabischen Ländern, fast 200 Aktivisten
reisten aus aller Welt an....
Mehr in "junge Welt" vom 16.12.03:
http://www.jungewelt.de/2003/12-16/008.php
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Israel plante angeblich Attentat auf Saddam Hussein
Di.16.12.03 - Die
israelischen Streitkräfte hatten nach einem Pressebericht 1992 ein
Attentat auf den irakischen Präsidenten Saddam Hussein geplant.
Wie die israelische Tageszeitung «Maariv» am Dienstag
berichtete, sollten Soldaten einer Spezialeinheit nach Irak geflogen
werden und den damaligen Machthaber während einer Beerdigung auf
einem Friedhof mit hochmodernen Raketen töten.
Die Planungen seien jedoch abgebrochen worden, nachdem es bei einer
Übung für das Attentat zu einem Unfall gekommen sei, schrieb
das Blatt. Fünf Soldaten seien dabei ums Leben gekommen. Die Idee
zu dem Attentat sei aufgekommen, nachdem Irak während des
Golfkriegs 1991 39 Scud-Raketen auf Israel abgeschossen habe. Der Plan
sei der Regierung aber nie zur Zustimmung vorgelegt worden. Kritiker
hätten damals gewarnt, dass Irak als Vergeltung biologische Waffen
gegen Israel einsetzen könnte, hieß es in dem Bericht weiter.
Laut «Maariv» wurde nach der Gefangennahme Saddam Husseins
am vergangenen Samstag die Militärzensur, die eine
Veröffentlichung der Attentatspläne bisher verhinderte,
für den Bericht aufgehoben.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel:
Festnahme in Irak Lektion für Palästinenser und Syrien +++
Israelische Armee lockert Blockademaßnahmen in
Palästinensergebieten +++ UN fordern Wiederaufnahme der
Nahost-Friedensgespräche +++ Ägypten startet neuen Vorstoss
zur Vermittlung im Nahost-Konflikt +++ Israelische Ministerin
schlägt Annektierung im Westjordanland vor +++ Juden in Jerusalem
möglicherweise in einigen Jahren in der Minderheit
Di.16.12.03 -
Israel hat die Palästinenser und das Nachbarland Syrien
aufgefordert, "eine Lehre" aus der Festnahme von Saddam Hussein zu
ziehen. "Der Sturz von Saddam Hussein sollte eine Lektion sowohl
für Palästinenser als auch für Syrien sein", sagte Avi
Pasner, Sprecher von Ministerpräsident Ariel Scharon, am Montag der
Nachrichtenagentur AFP. Die Palästinenser müssten sich
darüber klar werden, dass ihre Unterstützung für Saddam
Hussein sowie ihr Rückgriff auf "Gewalt und Terrorismus" ihnen
nichts gebracht habe.
Die israelische Armee hat unterdessen nach eigenen Angaben ihre
Kontrollmaßnahmen in den Palästinensergebieten gelockert. Im
Westjordanland seien unter anderem mehrere Straßensperren
aufgehoben worden, teilte die Armee am Dienstagmorgen in Jerusalem mit.
Tausende palästinensische Händler, Geschäftsleute und
Arbeiter hätten zudem eine Einreiseerlaubnis nach Israel bekommen.
Diese Erlaubnis gelte allerdings nicht für Arbeiter aus den
Städten Dschenin und Nablus, die als Hochburgen radikalislamischer
Gruppen gelten. Den Gazastreifen dürften eskortierte Lastwagen mit
Zitrusfrüchten Richtung Jordanbrücken verlassen. Die dortige
Einreiseerlaubnis für 11.000 Arbeiter und 4000 Händler bleibe
bestehen.
Die Vereinten Nationen haben erneut an Israel und die
Palästinenser appelliert, die festgefahrenen Friedensgespräche
wieder aufzunehmen. Der Konflikt im Nahen Osten könne nicht
militärisch gelöst werden, erklärte
UN-Generalsekretär Kofi Annan am Dienstag in einer Botschaft zum
Auftakt einer dreitägigen UN-Konferenz in Peking über die
Zukunft der Palästinenser.
"Nur ein politischer Prozess kann eine umfassende, gerechte und
dauerhafte Lösung herbeiführen", hiess es in der
Erklärung, die von einem Gesandten Annans, Kim Hak Su, verlesen
wurde. Die Palästinenser wurden aufgefordert, die Anschläge
gegen Israelis zu beenden. Ausserdem kritisierten die UN erneut Israel
wegen des Baus der umstrittenen Sperranlagen im Westjordanland.
Mit der Konferenz wollen die Organisatoren die internationale
Beteiligung am Friedensprozess im Nahen Osten fördern. Teilnehmer
sind unter anderem israelische und palästinensische Abgeordnete
sowie Diplomaten aus China, Russland und anderen Staaten.
Der kubanische UN-Botschafter Bruno Rodriguez Parrilla, der einen
Ausschuss der Vereinten Nationen über Angelegenheiten der
Palästinenser leitet, forderte entschlossene Bemühungen der
Staatengemeinschaft zur Beilegung des Nahost-Konflikts. Dies sei heute
mehr denn je nötig, sagte der Botschafter.
Ägypten hat derweil einen neuen Vorstoss zur Vermittlung eines
Waffenstillstands der militanten palästinensischen Gruppen
gegenüber Israel angekündigt. Eine hochrangige Delegation
unter Führung zweier ägyptischer Generäle werde am
heutigen Dienstag in Gaza eintreffen, berichtete die ägyptische
Nachrichtenagentur Mena am Montagabend. Verhandlungen zwischen Israelis,
Palästinensern und internationalen Vermittlern konzentrierten sich
am Montag anders als zunächst erwartet auf Wirtschaftsthemen.
Die ägyptische Delegation werde getrennte Gespräche mit den
militanten Organisationen Hamas und islamischer Dschihad einerseits und
mit Vertretern der Fatah-Bewegung des palästinensischen
Präsidenten Jassir Arafat andererseits führen, berichtete
Mena. Direkte Verhandlungen mit allen Beteiligten waren vor einer Woche
in Kairo gescheitert. Der palästinensische Ministerpräsident
Ahmed Kureia sagte am Montag, es werde in den kommenden Tagen
hoffentlich «eine neue wichtige Entwicklung» geben.
Bei einem Treffen israelischer und palästinensischer
Unterhändler mit Vertretern der Weltbank, der Europäischen
Union und der USA wurde nach palästinensischen Angaben in erster
Linie über die finanzielle Situation der Autonomiebehörde
verhandelt. Israelis und Palästinenser hatten in der vergangenen
Woche in Rom mit internationalen Gebern einen Dreierausschuss zur
Verteilung von Hilfsgeldern beschlossen. Die Autonomiebehörde
erhält von internationalen Spendern jährlich rund eine
Milliarde Dollar.
Eigentlich war damit gerechnet worden, dass die Vorbereitungen für
das angestrebte Gipfeltreffen zwischen dem palästinensischen
Ministerpräsidenten Ahmed Kureia und dem israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon fortgesetzt würden. Der
US-Gesandte David Satterfield war am Wochenende mit Kureia und
israelischen Regierungsvertretern zusammengetroffen, um die so genannte
Road Map wiederzubeleben.
Auch Aussenminister Joschka Fischer brach am Montag zur Erkundung neuer
Friedenschancen in den Nahen Osten auf. Nach Gesprächen in
Ägypten und Jordanien will er nach Angaben des Auswärtigen
Amtes am Dienstagabend nach Israel weiterfliegen, wo unter anderem ein
Treffen mit Regierungschef Ariel Scharon vorgesehen ist.
Die israelische Bildungsministerin Limor Livnat hat die Annektierung
mehrerer palästinensischer Regionen im Westjordanland
vorgeschlagen. Israel müsse "solche einseitigen Maßnahmen"
ergreifen, da es nicht möglich sei, mit der palästinensischen
Autonomiebehörde ein Friedensabkommen zu schließen, solange
Palästinenserpräsident Jassir Arafat im Amt sei, sagte Livnat
am Montag im Fernsehen. Es sei möglich, dass Israel "vier oder
fünf Siedlungen zusätzlich" auflöse - gleichzeitig
müsse der Staat sich aber einige Landstriche im Westjordanland
einverleiben, um den Palästinensern nicht "das Gefühl eines
Sieges" zu geben. Diesen Vorschlag habe sie dem israelischen
Regierungschef Ariel Scharon unterbreitet, und er habe "wohlwollend"
darauf reagiert.
Die israelischen Streitkräfte werden ab kommender Woche bei ihren
Einsätzen eine neue Waffe benutzen, mit der auf um die Ecke
befindliche Ziele geschossen werden kann. Das teilte Amos Golan, der
Erfinder der Waffe und früherer Vize-Kommandeur der israelischen
Anti-Terror-Einheit, bei einer Vorführung nahe Tel Aviv mit.
In Jerusalem werden eines Tages mehr Araber als Juden leben, wenn der
gegenwärtige Trend anhält. Dies geht aus Zahlen hervor, die
das Jerusalemer Institut für Israelische Studien (JIIS) am Montag
veröffentlichte. Laut dem Statistischen Jahrbuch des JIIS
wächst die arabische Bevölkerung der Stadt mehr als drei Mal
so schnell wie die jüdische. Noch leben in Jerusalem mehr als
doppelt so viele Juden wie Araber.
Sowohl im Verhältnis dazu als auch in absoluten Zahlen sei das
Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Jerusalem niedriger als
das der arabischen, erklärte die Direktorin des Jahrbuchprojekts,
Maja Hoschen. Bürgermeister Uri Lupolianski äusserte sich
besorgt. "Wir haben in vielleicht zwölf Jahren eine Situation, in
der Jerusalem nicht die Hauptstadt der Juden oder des jüdischen
Volkes ist, sondern eine arabische Mehrheit hat." Im Gegensatz zu
Lupolianski nannten die Wissenschaftler keinen Zeitrahmen für ihre
Prognose.
(Quelle: afp, ap)
40. Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik
NATO und
Nahost werden im Mittelpunkt der Sicherheitskonferenz im kommenden Jahr
stehen
Di.16.12.03 - Die
Zukunft der europäisch-amerikanischen Beziehungen sowie der Nahe
und Mittlere Osten stehen im Mittelpunkt der 40. Münchner
Konferenz für Sicherheitspolitik im kommenden Jahr. Neben
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Bundesverteidigungsminister
Peter Struck hätten auch ihr russischer Kollege Sergej Iwanow
sowie weitere 21 Minister ihre Teilnahme an der Tagung vom 6. bis 8.
Februar bereits zugesagt, sagte Konferenzleiter Horst Teltschik am
Montag in München. Der neue NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop
Scheffer werde seine Ziele erstmals öffentlich erläutern.
Die Sicherheitskonferenz biete auch «die Chance auf ein
Stück Heilung» der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Washington habe den Wunsch nach Rückkehr zu normalen Beziehungen
signalisiert und erwarte von Berlin eine entsprechende Antwort, sagte
Teltschik. Ob die 19 NATO-Verteidigungsminister unmittelbar vor der
Konferenz zu einem eigenen, informellen Treffen mit Scheffer in
München zusammenkommen, sei noch offen.
Wie die Zukunft der transatlantischen Allianz aussehen soll und welche
Rolle Europa künftig spielen wolle, werde den ersten Tag der
Sicherheitskonferenz beherrschen. Er erwarte dazu sehr harte und direkte
Fragen der US-Senatoren und und hoffe, dass deutsche Politiker
umgekehrt auch einmal die Chance nutzten, «Rumsfeld knallharte
Fragen zu stellen», sagte Teltschik. Die Konferenz könne
zeigen, «in welche Richtungen Lösungen gehen werden».
Auf der Konferenz werde auch über die Irak-Politik und über
die Untätigkeit der Bundesregierung und der Europäer im
Nahost-Friedensprozess diskutiert werden, sagte Teltschik. Ein Thema
könnte auch sein, dass die EU mit Weißrussland eine Diktatur
vor ihrer Haustür dulde: «Niemand kümmert sich darum. Wo
bleiben denn da die Initiativen?»
Am Rande der Konferenz erwartet Teltschik viele informelle
Gespräche von Politikern aus Ländern, die miteinander im
Konflikt liegen. So seien Indien und Pakistan traditionell sehr
hochrangig vertreten, erklärte Teltschik. Auch China und Japan
seien unter den 33 Teilnehmerstaaten. Die Münchner
Sicherheitskonferenz sei als Forum für den politischen Dialog
«ohne Einschränkung eine Friedenskonferenz».
Aus der Bundesrepublik hätten neben Struck die CDU-Vorsitzende
Angela Merkel und die Grünen-Vorsitzende Angelika Beer zugesagt.
Außenminister Joschka Fischer halte sich seine Teilnahme noch
offen. UN-Generalsekretär Kofi Annan habe abgesagt.
Einen Umzug der Konferenz wegen angekündigter Proteste schloss
Teltschik kategorisch aus. Die Teilnehmer wollten im Bayerischen Hof in
München tagen. Eine Verlegung wäre das Ende der
40-jährigen Veranstaltung. Auch Politiker dürften das
Grundrecht auf Versammlungsfreiheit in Anspruch nehmen.
Das «Münchner Friedensbündnis» rief zu Protesten
gegen die «Schwerverbrecher» im Bayerischen Hof auf. Sie
brächen Menschenrechte und planten Angriffskriege.
(Quelle: ap)
Gegner der Sicherheitskonferenz halten die Tagung im
kommenden Februar für verfassungswidrig und kündigen daher
Protestaktionen an
Am
7.Februar soll eine internationale Großdemonstration stattfinden,
teilte Claus Schreer vom "Bündnis München gegen Krieg" am
Sonntag mit. Auch rund um die Tagungstätte, dem "Bayerischen Hof",
sollen Aktionen stattfinden. Die Tagung sei eine "Kriegskonferenz" und
eine "Kriegs-Propagandaveranstaltung". Weil hier Angriffskriege
vorbereitett würden, dürfte die Konferenz laut Grundgesetz
gar nicht stattfinden, sagte Schreer.
Im vergangenen Februar hatten rund 20.000 Demonstranten gegen die
Münchner Sicherheitskonferenz, die früher Wehrkundetagung
hieß, protestiert.
Süddeutsche Zeitung vom 15.12.03
Artikel 26 GG;
"Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden,
das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören,
insbesondere Angriffskriege vorzubereiten, sind verfassungswidrig und
unter Strafe zu stellen."
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Afghanistan: Frauen protestieren gegen Postenvergabe der
Loja Dschirga
Di.16.12.03 - Die
Wahl des Präsidiums der afghanischen Ratsversammlung Loja Dschirga
ist bei den weiblichen Delegierten auf heftigen Protest gestoßen.
Alle Stellvertreter-Posten wurden am Montag an Männer vergeben,
nachdem bereits am Tag zuvor Expräsident Sibghatullah Mudschaddedi
zum Vorsitzenden gewählt worden war. Obwohl nur drei
Stellvertreter vorgesehen waren, ernannte der Vorsitzende
schließlich die Rechtsanwältin Safia Sediki zur vierten
Vizepräsidentin der Versammlung.
«Der Prozess war von vornherein mit Makeln behaftet, weil wir den
Männern zahlenmäßig unterlegen sind», sagte
Palwascha Hassan, eine der 100 Frauen unter den rund 500 Delegierten.
«Wir sind 100 Frauen gegenüber 400 Männern. Aber wir
repräsentieren mehr als 50 Prozent der afghanischen
Gesellschaft», kritisierte Nadira, ein Versammlungsmitglied aus
Kabul. Zwei von Mudschaddedi vorgeschlagene Frauen waren bei der Wahl
von der männlichen Mehrheit abgelehnt worden.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai begrüßte derweil
die Festnahme des irakischen Expräsidenten Saddam Hussein. Seine
Verhaftung werde Auswirkungen auf das weltweite Netz des Terrorismus
haben, sagte Karsai im Fernsehsender CNN. Die Festnahme des
gestürzten Diktators zeige, dass sich Terroristen nicht einfach
verstecken und Menschen ermorden könnten, betonte Karsai. Bis zu
einem effektiven Vorgehen gegen die Aufständischen in Afghanistan
sei es dagegen noch ein weiter Weg, räumte der Präsident im
staatlichen afghanischen Fernsehen ein. Das «Triumvirat von
Widerständlern» - Osama bin Laden, Taliban-Führer Mullah
Omar und der Kriegsherr Gulbuddin Hekmatjar - sei noch immer auf freiem
Fuß.
Der afghanische Exkönig Mohammed Sahir Schah hatte die Loja
Dschirga, deren Beratung über eine Verfassung vermutlich mehrere
Wochen dauern wird, am Sonntag zwei Jahre nach dem Sturz des
Taliban-Regimes eröffnet. Der im Dezember 2001 auf dem Petersberg
bei Bonn gestartete Prozess zur Demokratisierung Afghanistans soll im
kommenden Jahr mit Parlamentswahlen und der Bildung einer dauerhaften
Regierung seinen Abschluss finden. Die bisherigen Arbeiten am
Verfassungsentwurf sehen ein starkes Präsidialsystem nach
amerikanischem Vorbild vor.
Auf das Hauptquartier der internationalen Friedenstruppe in Afghanistan
(ISAF) wurde unterdessen eine Rakete abgefeuert, die jedoch ihr Ziel
verfehlte. Wie ISAF-Sprecher Frank Cockburn mitteilte, schlug die Rakete
am Samstag nahe des Olympiastadions in Kabul ein. Dabei sei niemand
verletzt worden. Das ISAF-Hauptquartier befindet sich in etwa zwei
Kilometern Entfernung. Die US-Streitkräfte machten für die
Tat Gegner der Loja Dschirga verantwortlich.
Vor dem Büro einer Frauenorganisation im Osten Afghanistans
explodierte am Sonntag ein Sprengsatz, wie die Polizei am Montag
mitteilte. Auch dabei wurde niemand verletzt, an dem Gebäude des
Friedenskomitees Afghanischer Frauen in Dschalalabad entstand jedoch
Sachschaden.
(Quelle: ap)
China nimmt Kirchen-Aktivist wegen Artikel im Internet fest
Di.16.12.03 - In
China ist nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation ein
Unterstützer der katholischen Untergrundkirche festgenommen worden.
Der Computertechniker Zhan Shengqui habe Artikel über die Kirche
im Internet veröffentlicht, teilte die in den USA ansässige
China Aid Association mit. Er sei im November in der Wohnung seiner
Verlobten in Jilin, einer Stadt im Nordosten Chinas, festgenommen und
in ein Gefängnis nach Hangzhou gebracht worden. Shengqui wird der
Verrat von Staatsgeheimnissen vorgeworfen, wie es weiter hieß.
Die kommunistische Regierung in Peking geht gegen staatlich nicht
genehmigte Religionsgemeinschaften mit großer Härte vor.
(Quelle: ap)
Dagestan: Tschetschenische Rebellen töten Grenzsoldaten
Di.16.12.03 -
Schwer bewaffnete tschetschenische Rebellen haben in der russischen
Republik Dagestan neun Grenzsoldaten getötet und vier Einwohner als
Geiseln genommen. Bei dem Gefecht mit einer Grenzpatrouille in der
Region Zuntinski wurden nach Angaben des dagestanischen
Innenministeriums zehn Soldaten verletzt. Die 20 bis 50 Kämpfer
entführten anschließend aus einer Klinik der Ortschaft
Schauri vier Männer, wie der Verwaltungschef des Distrikts sagte.
Gemeinsam mit den Geiseln zogen die Angreifer in Richtung Tschetschenien
oder Georgien ab. Die regionalen Behörden riefen den Notstand aus.
Die Geiselnehmer brachten nach Angaben von Verwaltungschef Bassir
Magomedow in Schauri den Leiter des örtlichen Krankenhauses und
drei Zivilisten in ihre Gewalt. Die 150-Einwohner-Gemeinde befindet sich
30 Kilometer südlich der Grenze zu Tschetschenien, das formell
ebenfalls zur Russischen Föderation gehört. Georgien liegt 20
Kilometer nördlich von Schauri. Unklar ist bisher, ob die Rebellen
von Tschetschenien aus nach Dagestan eindrangen und in Richtung
Georgien flüchteten oder ob sie, von Georgien kommend, in Richtung
Tschetschenien unterwegs waren.
Die dagestanischen Behörden ließen nach eigenen Angaben alle
Grenzstraßen sperren. Etwa 300 Grenzsoldaten sowie Eliteeinheiten
des Innenministeriums wurden zur Verstärkung geschickt. Die
Führung im benachbarten Tschetschenien zeigte sich von dem
Überfall unbeeindruckt: "Da gibt es nichts Ungewöhnliches",
sagte der oberste Sicherheitschef Rudnik Dudajew. Die Rebellen seien
ständig im Grenzgebiet zwischen Tschetschenien, Dagestan und
Georgien aktiv. Wenige Tage zuvor hätten Grenzer eine Gruppe
tschetschenischer Rebellen am Grenzübertritt nach Georgien
gehindert.
Der Überfall weckte Erinnerungen an den Einmarsch
tschetschenischer Unabhängigkeitskämpfer in zwei dagestanische
Ortschaften etwa 100 Kilometer nördlich der Zuntinski-Region im
August 1999. Die mehrere hundert Mann zählende Truppe rückte
damals allerdings erst nach Wochen ab. Kurze Zeit später
ließ der damalige Regierungschef Wladimir Putin russische Truppen
in Tschetschenien einmarschieren - es war der Beginn des zweiten
Tschetschenien-Krieges.
(Quelle: afp)
EU-Kommission erwartet Verfassung erst Ende 2004
Di.16.12.03 - Mit
einer Einigung über die zunächst gescheiterte EU-Verfassung
ist vor der zweiten Jahreshälfte 2004 nicht zu rechnen. Eine
frühere Wiederaufnahme der Verhandlungen wäre "sehr
schwierig", sagte der Sprecher von Kommissionspräsident Romano
Prodi in Brüssel mit Verweis auf die Wahlen in Spanien und zum
Europaparlament im Juni. Zunächst sei eine Zeit der Besinnung
über den Verfassungsentwurf notwendig, der "auf dem Tisch bleibt".
Prodis Sprecher wollte sich nicht an Schuldzuweisungen beteiligen. Es
sei derzeit nicht nützlich zu versuchen, ein einziges Land für
das Scheitern des Gipfels verantwortlich zu machen: "Alle Länder
tragen dafür die Verantwortung."
Auch Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker ging von neuen
Verhandlungen erst unter niederländischem Ratsvorsitz im zweiten
Halbjahr aus. Juncker forderte, den Verfassungsprozess zu vollenden:
"Sonst wird eine Hoffnung zerstört, was immer ein Rückschritt
ist," sagte er der "Financial Times Deutschland".
EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer warnte davor, dass
Mitgliedstaaten ohne die Verfassung künftig außerhalb des
Rahmens der Gemeinschaft in zu vielen Bereichen enger zusammenarbeiten
wollten. "Es wäre schwierig, wenn sich die EU in vielen
Politikfeldern teilt", sagte die deutsche Kommissarin dem Bayerischen
Rundfunk.
Der Fraktionsführer der EVP-Fraktion im EU-Parlament Hans-Gert
Pöttering forderte die EU-Außenminister auf, die Frage der
Stimmengewichtung zu klären und dann Ende Februar einen
Sondergipfel anzuberaumen. Der CDU-Politiker übte in der "Neuen
Osnabrücker Zeitung" Kritik daran, dass Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD) beim Gipfel mit einem "Europa der zwei
Geschwindigkeiten" gedroht habe. Es müsse weiter eine einheitliche
Gangart in Europa geben statt zu drohen.
Kritik erntete die Bundesregierung auch vom Präsidenten der
Europäischen Liberaldemokraten, dem FDP-Politiker Werner Hoyer:
"Wir haben in den letzten drei, vier Jahren gesehen, dass Deutschland
gerne auf der Bühne der Weltpolitik fast als Großer
mitgespielt hat und sich um die Kleinen in der Europäischen Union
wenig gekümmert hat." Deutschland habe darüber vor allem seine
historische Rolle als Ausgleichsfaktor auch zum Osten hin nicht
wahrgenommen, sagte Hoyer im "DeutschlandRadio".
(Quelle: afp)
Sechs EU-Länder wollen Brüsseler Haushalt deckel
Nachteile
hätten mit der Initiative insbesondere Polen und Spanien zu
erwarten. Beide Länder waren beim erfolglosen Gipfel am Wochenende
in Brüssel bei ihrer Forderung nach einer Beibehaltung der
Stimmrechte im EU-Ministerrat hart geblieben
Di.16.12.03 -
Zwei Tage nach dem Scheitern des Brüsseler Verfassungsgipfels
haben sechs EU-Staaten, darunter Deutschland, Frankreich und
Großbritannien, das Pokern um die Ausgaben der EU eröffnet.
Die schwedische Initiative, die auch von den Niederlanden und
Österreich unterstützt wird, sieht ein Deckeln des
EU-Haushaltes in den Jahren 2007 bis 2013 vor, wie die schwedische
Vertretung bei der EU mitteilte. Dies würde insbesondere Polen und
Spanien treffen, die sich bei der Regierungskonferenz kompromisslos
gezeigt hatten. EU-Kommissionspräsident Romani Prodi reagierte
skeptisch.
Die sechs Geberländer schlagen in dem der Nachrichtenagentur AFP
vorliegenden Schreiben vor, den europäischen Haushalt im Zeitraum
von 2007 bis 2013 auf ein Prozent des europaweiten
Bruttoinlandsproduktes einzufrieren. Begründet wird das Anliegen
mit dem Ziel "langfristig solider Finanzen". Diese Forderung entspricht
in etwa einem Deckeln der EU-Ausgaben auf jetzigem Niveau. Die Union
muss allerdings mit der offiziellen Aufnahme der zehn
Beitrittsländer am 1. Mai 2004 zahlreiche neue Ausgaben stemmen.
Angesichts knapper Budgets wollen Nettogeberländer wie Deutschland
und Frankreich ihre Ausgaben aber nicht erhöhen.
Nachteile hätten mit der Initiative insbesondere Polen und Spanien
zu erwarten. Als größtes der zehn Beitrittsländer
dürfte Polen von den Neuen auch den größten Anteil der
Brüsseler Subventionen einstreichen. Mit EU-Zuschüssen in
Höhe von 8,8 Milliarden Euro im Jahr 2002 stand bislang Spanien an
der Spitze der Nehmerländer. Beide Länder waren beim
erfolglosen Gipfel am Wochenende in Brüssel bei ihrer Forderung
nach einer Beibehaltung der Stimmrechte im EU-Ministerrat hart geblieben.
Kommissionspräsident Prodi wies auf die Fülle der anstehenden
Aufgaben auf EU-Ebene hin. Die EU-Mitglieder hätten eine Reihe von
Zielen, darunter auch, die Europäische Union zur
schlagkräftigsten Wirtschaftszone der Welt auszubauen und die
gemeinsame Grenzsicherung zu stärken. Gleichzeitig wollten alle
Mitgliedsstaaten, dass die EU ihre Agrarausgaben beibehalte.
(Quelle: afp)
Nach Patt in Nordzypern Wiedervereinigung vor EU-Beitritt
ungewiss
Di.16.12.03 -
Nach dem Patt bei der Parlamentswahl im türkischen Nordzypern
erscheint eine Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Mittelmeerinsel
vor dem EU-Beitritt Zyperns im Mai 2004 weiter ungewiss. Die
Befürworter einer Vereinigung auf der Grundlage des Friedensplans
von UN-Generalsekretär Kofi Annan verfehlten bei der Wahl am
Sonntag knapp die Mehrheit der Mandate.
Zwar erhielten die beiden führenden Oppositionsparteien mit 48,3
Prozent die meisten Stimmen. Im Parlament verfügen sie jedoch wie
die bisher regierenden Parteien über 25 der 50 Sitze. Falls es
innerhalb von zwei Monaten keine Einigung auf eine Koalitionsregierung
gibt, sind Neuwahlen zu erwarten. Brüssel und Athen forderten zur
Fortsetzung der Gespräche über eine Wiedervereinigung auf.
Der türkisch-zyprische Volksgruppenführer Rauf Denktasch, den
die Opposition als Verhandlungsführer absetzen wollte, betonte,
dass die griechische Seite auch in Zukunft mit ihm über eine
politische Lösung des Zypernkonflikts zu verhandeln habe.
«Leider bin ich noch weitere zwei Jahre im Amt», sagte
Denktasch an die Adresse des zyprischen Staatspräsidenten Tassos
Papadopoulos. Zugleich bekräftigte der 79- jährige seine
Vorbehalte gegen den UN-Plan. Eine Konföderation auf Zypern sei
Erfolg versprechender als eine Föderation.
Nach Ansicht der international anerkannten Regierung Zyperns in Nikosia
ist das Wahlergebnis im Norden eine Missbilligung der türkischen
Zypernpolitik der vergangenen Jahre. Dies sollte zur Änderung der
Haltung der Türkei führen, sagte Regierungssprecher Kypros
Chrysostomidis.
Die EU-Kommission erklärte in Brüssel, noch gebe es eine
Chance, dass zum 1. Mai ein wiedervereinigtes Zypern der
Europäischen Union beitreten könne. Die Wahl habe gezeigt,
dass es dafür einen großen Willen gebe, sagte ein Sprecher
von Erweiterungskommissar Günter Verheugen. Der Sprecher des
griechischen Außenministeriums, Panagiotis Beglitis, meinte, die
Mehrheit der türkisch-zyprischen Bürger wolle eine Lösung
auf der Grundlage des Annan-Plans.
(Quelle: ap)
Italiens Staatspräsident verweist umstrittenes
Mediengesetz ans Parlament zurück
Mit der Gesetz
würden die Sparten Print, Rundfunk, Musik, Internet, Filme und
Verlagswesen zusammengelegt. Davon würde besonders das
Medienimperium von Regierungschef Silvio Berlusconi profitieren
Di.16.12.03 - Der
italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi hat die
Unterschrift unter das umstrittene Mediengesetz verweigert und es am
Montag an das Parlament zurückverwiesen. In einem fünfseitigen
Schreiben stellte Ciampi einige Punkte des Gesetzes in Frage, das unter
anderem den Besitz von Medienkonzernen neu regelt.
Nach Meinung von Beobachtern wird von der Neuregelung besonders das
Medienimperium von Regierungschef Silvio Berlusconi profitieren. Die
Opposition sprach daher von einem maßgeschneiderten Gesetz. Beide
Kammern des Parlaments hatten die Gesetzreform bereits verabschiedet.
Der Staatspräsident muss es jedoch mit seiner Unterschrift in Kraft
setzen. Senat und Unterhaus müssen das Gesetz nun erneut beraten.
Sollten sie es nochmals billigen, kann Ciampi seine Unterschrift nicht
mehr verweigern.
Mit der Gesetz würden die Sparten Print, Rundfunk, Musik,
Internet, Filme und Verlagswesen zusammengelegt. Es würde
Berlusconis Mediaset-Imperium erlauben, die Werbeerlöse um eine
Milliarde Euro zu erhöhen, ohne eine Grenze zu überschreiten,
wonach Einzelpersonen nicht mehr als 20 Prozent des Marktes
kontrollieren dürfen. Unterstützer des
Ministerpräsidenten hielten den Kritikern entgegen, durch die
Reform werde die italienische Medienlandschaft im internationalen
Vergleich wettbewerbsfähiger. Ein Aspekt des Gesetzespaketes ist
die Privatisierung das Staatssenders RAI.
(Quelle: ap)
Deutschland:
Bürger reagieren skeptisch auf Reformkompromisse
Di.16.12.03 - Die
Bundesbürger haben die Reformkompromisse im Vermittlungsausschuss
mit Skepsis aufgenommen. Aus einer Forsa-Umfrage unter 502 Personen im
Auftrag des Fernsehsenders RTL geht hervor, dass sich die Erwartungen
für eine Mehrheit nicht erfüllt haben und nur die Hälfte
der Befragten der Auffassung ist, dass die deutschen Politiker
reformfähig seien. Vor allem rechnen laut RTL 81 Prozent der
Bundesbürger nicht damit, dass sie vom nächsten Jahr an mehr
Geld zur Verfügung haben werden. Auf die Frage, welcher Politiker
sich bei den Verhandlungen am stärksten durchgesetzt hat,
benannten 27 Prozent die CDU-Chefin Angela Merkel, 17 Prozent
Bundeskanzler Gerhard Schröder und neun Prozent den bayerischen
Ministerpräsidenten Edmund Stoiber.
(Quelle: ap)
Kündigungsschutz eingeschränkt -
Zumutbarkeitsregeln verschärft
Di.16.12.03
- Im Ringen um Steuersenkungen und Arbeitsmarktreformen hat die
Regierung der Opposition im Vermittlungsausschuss erhebliche
Zugeständnisse gemacht. Die Steuerentlastung fällt mit fast
15 Milliarden etwa acht Milliarden Euro geringer aus als von
Bundeskanzler Gerhard Schröder geplant. Da vor allem der
Eingangssatz der Einkommensteuer gesenkt wird, profitieren
Geringverdiener besonders von der Maßnahme.
- Die STEUERREFORMSTUFE 2005 wird in abgespeckter Version vorgezogen.
Der Eingangssatz der Einkommensteuer sinkt 2004 von derzeit 19,9 auf 16
Prozent, der Höchstsatz von 48,5 auf 45 Prozent. Die volle
Wirksamkeit erreicht die Steuerreform erst 2005. Dann liegt der
geringste Satz bei 15 Prozent, die Spitze bei 42 Prozent. Der
Grundfreibetrag fällt aber schon nächstes Jahr auf 7.664 Euro.
Das war eigentlich erst für 2005 vorgesehen. Es handelt sich um
die Summe, die als Existenzminimum nicht besteuert wird.
- Die PENDLERPAUSCHALE wird nicht auf 15, sondern auf 30 Cent
gekürzt. Derzeit beträgt sie 36 Cent für die ersten zehn
und 40 Cent für jeden weiteren Kilometer Arbeitsweg.
- Die EIGENHEIMZULAGE, die die Regierung ganz abschaffen wollte, wird
von jährlich 11,5 Milliarden auf acht Milliarden Euro
zurückgefahren. Alt- und Neubauten werden gleichgestellt. Aus- und
Erweiterungsbauten werden nicht mehr gefördert. Die
förderfähigen Kosten liegen künftig bei 125.000 Euro
inklusive Grund und Boden. Der Förderbetrag beträgt ein
Prozent, maximal 1.250 Euro. Die Einkommensgrenzen werden von
80.000/160.000 (Ledige/Ehepaar) auf 70.000/140.000 gesenkt. Pro Kind
kommen 30.000 Euro hinzu.
- Die TABAKSTEUER wird definitiv erst ab 1. März insgesamt drei
Mal erhöht erhöht. Sie steigt in Abständen von sechs
Monaten jeweils um 1,2 Cent pro Zigarette. Ursprünglich waren 1,5
Cent vorgesehen.
- Die GEWERBESTEUER bleibt im Prinzip erhalten. Rot-Grün konnte
sich mit der Forderung, sie in eine Gemeindewirtschaftsteuer
umzugestalten, nicht durchsetzen. Ertragsunabhängige Elemente wie
Zinsen sollen nicht in die Bemessungsgrundlage einfließen. Die
800.000 Freiberufler sind auch künftig nicht
gewerbesteuerpflichtig. Die Opposition scheiterte mit dem Versuch, den
Kommunen mehr von der Mehrwertsteuer zu geben. Ihnen soll dennoch aus
der finanziellen Bredouille geholfen werden. Sie sollen ab 2004 2,3
Milliarden Euro mehr aus der Gemeindesteuer bekommen, ab 2005 sollen es
jährlich 2,5 Milliarden Euro sein.
- Im Ringen um SUBVENTIONSABBAU geht es im Vermittlungsausschuss weiter
um die Streichliste der Ministerpräsidenten Peer Steinbrück
(NRW/SPD) und Roland Koch (Hessen/CDU). Hier ist nach Angaben aus dem
Gremium noch keine abschließende Einigung erzielt worden. Die
Steuervergünstigungen könnten mit einem Schlag um zwölf
Prozent verringert werden. Bei den direkten Finanzhilfen ist der Umfang
der Kürzungen offenbar noch unklar.
- Die AMNESTIE FÜR STEUERSÜNDER kommt zum 1. Januar 2004. Wer
Schwarzgeld aufdeckt, geht straffrei aus, muss den Betrag aber
nachversteuern. Die Regierung hofft auf fünf Milliarden Euro
zusätzliche Einnahmen. Dazu müssten wenigstens 20 Milliarden
Euro illegaler Gelder offenbart werden.
- Bei der UNTERNEHMENSBESTEUERUNG geht es um Änderungen bei der
Verlustverrechnung sowie die Einführung einer Mindestbesteuerung
von Gewinnen großer Unternehmen. Es gab unterschiedliche Angaben
dazu, ob es Kompromiss gefunden worden sei. Möglich seien
Regelungen bei der Verlustverrechnung, die Mittelständler schonen
sollten.
- Der KÜNDIGUNGSSCHUTZ greift künftig erst in Betrieben mit
mehr als zehn Mitarbeitern. Nach Angaben des Deutschen
Gewerkschaftsbundes bedeutet dies, dass nun weitere 2,8 Millionen
Menschen aus dem Kündigungsschutz herausfallen und damit für
insgesamt rund 5,3 Millionen Menschen künftig kein
Kündigungsschutz gilt. Die Regelung geht weit über die
Regierungspläne hinaus. Danach sollte ein Betrieb mit fünf
Mitarbeitern bis zu fünf weitere Arbeitnehmer befristet anheuern
können, ohne dass für diese Kündigungsschutz gegolten
hätte. Die Neuregelung gilt nur für Neueinstellungen.
- Die ZUMUTBARKEITSREGELN für Langzeitarbeitslose werden
verschärft. In Zukunft soll jede legale Arbeit zumutbar sein. Dies
bedeutet, dass Langzeitarbeitslose auch Arbeit unter dem
ortsüblichen Lohn annehmen müssen. Die von der SPD-Linken
durchgesetzte Regelung, wonach nur Stellen angenommen werden
müssen, bei denen ein ortsüblicher Lohn bezahlt wird, wurde
wieder gekippt. Dieses Zugeständnis birgt besonderen
Zündstoff. Der SPD-interne Streit über die
Arbeitsmarktreformen war im Oktober so eskaliert, dass Bundeskanzler
Gerhard Schröder seine politische Existenz von einer eigenen
Mehrheit für diese Pläne abhängig gemacht hatte.
- ARBEITSLOSEN- UND SOZIALHILFE werden zum Arbeitslosengeld II
zusammengelegt, die Arbeitslosenhilfe wird auf Sozialhilfeniveau
abgesenkt. Die Kommunen können selbst entscheiden, ob sie die
Langzeitarbeitslosen betreuen und vermitteln wollen. Nur wenn sie ihr
Recht nicht wahrnehmen, ist die Bundesanstalt für Arbeit
zuständig. Damit hat sich die Union weitgehend durchgesetzt, die
meint, die Kommunen seien bei der Job-Vermittlung wesentlich
erfolgreicher. Wegen des großen Organisationsaufwandes wird die
Neuregelung erst mit einem halben Jahr Verzögerung Anfang 2005 in
Kraft treten.
- Gescheitert ist die Union mit der Forderung, gesetzliche Regelungen
für Öffnungsklauseln im TARIFRECHT zu fixieren. Stattdessen
setzen alle Seiten weiter auf freiwillige Vereinbarungen. Die
Tarifhoheit bleibt damit bei den Tarifparteien.
(Quelle: ap, 15.12.03)
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In SPD regt sich Widerstand gegen Reform
Trotz
mahnender Worte von Kanzler Gerhard Schröder zur Geschlossenheit
formiert sich in der SPD Widerstand gegen das Reformpaket von Regierung
und Opposition. Mehrere SPD-Abgeordnete kündigten bereits an,
entweder gegen die Arbeitsmarktgesetze stimmen zu wollen oder dies
zumindest zu erwägen
Di.16.12.03 - In
der Nacht zum Montag hatten sich Regierung und Opposition nach
monatelangem Ringen auf weit reichende Reformen für Deutschland
geeinigt. Ein abschließende Entscheidung fällt an diesem
Freitag in Bundestag und Bundesrat.
Bundeskanzler Schröder betonte am Montagabend in der ARD, er
bestehe darauf, dass die Koalition die Beschlüsse des
Vermittlungsausschusses mitträgt. «Ich will eine eigene
Mehrheit.» Insgesamt sei die Einigung «für jeden in
meiner Fraktion zustimmungsfähig».
Der SPD-Linke Ottmar Schreiner sagte der «Berliner
Zeitung», er könne nicht akzeptieren, dass für
Langzeitarbeitslose künftig jeder legale Job als zumutbar gelten
solle. «Diesen Punkt muss ich aus der gesamten Konsequenz meines
politischen Tuns heraus ablehnen.» Ähnlich argumentierte sein
Parteikollege Horst Schmidbauer. Die SPD- Abgeordneten Klaus Barthel
und Sigrid Skarpelis-Sperk sagten der Zeitung, sie dächten
über ein Nein im Bundestag nach. «Die Beschlüsse des
Vermittlungsausschusses bringen weitere Verschlechterungen für die
Verletzbarsten und Schwächsten am Arbeitsmarkt», sagte
Skarpelis- Sperk. Die vier Parlamentarier hatten Ende September bereits
gegen die Gesundheitsreform gestimmt.
Die Sprecherin der SPD-Parteilinken, Andrea Nahles, hatte den
Kompromiss dagegen zuvor als «tragbar» bezeichnet.
Schleswig- Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) sagte
dem Bonner «General-Anzeiger» zum Thema
Kündigungsschutz: «Das ist eine Kröte, aber wir werden
uns daran nicht verschlucken.» Der Kündigungsschutz gilt
künftig erst für Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern.
Etwas vorsichtiger äußerte sich die Fraktionsvorsitzende der
Grünen, Katrin Göring-Eckardt. Sie sagte dem Nachrichtensender
n-tv: «Wir wollen das aus eigener Kraft schaffen, aber die eigene
Mehrheit ist keine heilige Kuh.» Bei den Grünen haben
bereits Christian Ströbele und Winfried Hermann starke Bedenken
geäußert. Die Zumutbarkeitsregelung «ist für mich
nicht zustimmungsfähig», sagte Ströbele der
«Tageszeitung». Hermann erklärte, er müsse
«noch drei Mal nachdenken, ob ich dieser Regelung am Freitag
zustimmen kann».
Schröder hatte sich am Montag dennoch erleichtert über die
Verständigung geäußert. Der nun greifbar nahe Erfolg der
«Agenda 2010» bedeute jedoch keinesfalls den Abschluss der
Reformen.
Die Steuersenkungen für die Bundesbürger werden 2004 mit 14,8
Milliarden Euro um 7,8 Milliarden geringer ausfallen als von der
Regierungskoalition gewollt. Der restliche Betrag folgt 2005. Auf den
Lohnzetteln bemerkbar machen wird sich die Steuerreform frühestens
im März 2004. Die Arbeitgeber könnten die Beschlüsse
über die Senkung des Eingangs- und des Spitzensteuersatzes nicht so
schnell umsetzen, hieß es im Finanzministerium. Einer
Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL zufolge sind 81 Prozent der Menschen in
Deutschland überzeugt, dass sie 2004 nicht mehr Geld zur
Verfügung haben.
Die CDU feierte den Reformkompromiss mit der Bundesregierung als
eigenen Erfolg. «Das Resultat ist ein gutes Ergebnis für die
CDU, aber auch ein gutes Ergebnis für unser Land», sagte die
Parteivorsitzende Angela Merkel. In der ZDF-Sendung «Wiso»
sagte sie, es sei ein Schritt in die richtige Richtung,
«wenngleich ich sagen muss, bei den Strukturreformen hätte
ich mir sehr viel mehr gewünscht.»
Lob erhielt Merkel von Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt
(CDU). Es sei ihr hoch anzurechnen, «dass es Frau Merkel gelungen
ist, die Unionsseite zusammenzuhalten», sagte Milbradt der Zeitung
«Die Welt». Das Verhandlungsergebnis bezeichnete er als
«zufrieden stellend».
(Quelle: dpa)
Wirtschaft und Gewerkschaften fürchten Belastungen
durch Kompromiss
Di.16.12.03 -
Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften fürchten einseitige
Belastungen durch die Kompromissbeschlüsse von Regierung und
Opposition im Reformstreit. Der Chef des Bundesverbandes der Deutschen
Industrie (BDI), Michael Rogowski, sagte am Montag, die Unternehmen
würden in unerträglicher Weise überfordert. Erwartungen
auf ein positives Konjunktursignal sollten nicht zu hoch sein.
Ver.di-Chef Frank Bsirske kritisierte hingegen, die Einigung gehe auf
Kosten Arbeitsloser und Arbeitnehmer.
Rogowski sagte weiter, der Kompromiss im Vermittlungsverfahren
gefährde den Standort Deutschlands. Betriebe könnten ihre
Verluste nur zum Teil gegen ihre Gewinne verrechnen. Die Beschlüsse
seien «keine gute Bescherung für Unternehmen».
Ver.di-Chef Bsirske erklärte, die Opposition habe sich mit ihrem
Kurs gegen Langzeitarbeitslose durchsetzen können. Er bezweifelte,
dass die beschlossene Lockerung beim Kündigungsschutz zu mehr
Arbeitsplätzen führen werde.
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael
Sommer, begrüßte die Einigung. Nach drei Jahren Nullwachstums
sei dies ein wichtiges psychologisches Signal, sagte Sommer im
Inforadio. Auch zum Kompromiss beim Erhalt der Tarifautonomie
äußerte sich Sommer zufrieden. Scharfe Kritik übte der
DGB-Chef an der geplanten Änderung des Kündigungsschutzes. Die
Heraufsetzung des Schwellenwertes von fünf auf zehn Mitarbeiter
bedeute, dass künftig 5,3 Millionen Menschen keinen
Kündigungsschutz mehr hätten.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages,
Ludwig Georg Braun, erklärte, das Vorziehen der Steuerreform werde
teuer erkauft. «Die Unternehmen zahlen die Zeche.»
Zusätzliche Impulse für Beschäftigung und Wachstum werde
der Kompromiss nicht bringen.
Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser begrüßte die
Absprachen zur Tarifautonomie. Er sehe sich von der Entscheidung
bestätigt, zunächst die Tarifparteien mit einer Reform des
Tarifrechts zu beauftragen, sagte Kannegiesser der Berliner
«tageszeitung» (Dienstagausgabe).
Der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels,
Hermann Franzen, sagte, das Ergebnis sei unter dem Strich positiv.
Mittelstand und Einzelhandel würden von der Lockerung beim
Kündigungsschutz profitieren. Auch bei der Steuerreform habe der
Vermittlungsausschuss die Weichen richtig gestellt.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks begrüßte, dass es
gelungen sei, eine geplante Verschärfung der Gewerbesteuer zu
verhindern. Allerdings stünden der Steuerentlastung in Höhe
von sieben Milliarden Euro dauerhafte Mehrbelastungen im zweistelligen
Milliardenbereich entgegen.
Das Vorziehen der Steuerreform bessere die Stimmung im Mittelstand,
erklärte der Bundesverband der Selbständigen. Der
Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft
(BVNM), Mario Ohoven, bemängelte, die Weihnachtsgeschenke des
Vermittlungsausschusses an Bürger und Betriebe fielen klein aus.
Dennoch sei der Kompromiss ein wichtiges Signal für die Wirtschaft.
«Der Reformmotor ist endlich angeworfen», erklärte der
Präsident Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton
Börner.
Der Bundesverband der Freien Berufe begrüßte die
Entscheidung, Freiberufler nicht zur Zahlung von Gewerbesteuer zu
verpflichten.
(Quelle: ap)
Kommunen sehen Finanznot nicht gebannt
Die unter
drastischer Finanznot leidenden Kommunen können nach dem Berliner
Reformkompromiss auf eine Entlastung hoffen. Nach Einschätzung des
Deutschen Städtetags reichen die im Vermittlungsausschuss
getroffenen Vereinbarungen aber nicht aus, um die kommunalen
Finanzprobleme auch nachhaltig zu bewältigen
Di.16.12.03 - Das
Statistische Bundesamt bezifferte am Montag das Finanzierungsdefizit
der Gemeinden in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf 8,7
Milliarden Euro. Die Berliner Vereinbarungen sehen aber nur eine
Entlastung um rund 2,5 Milliarden Euro vor. Erreicht werden soll sie
mit einer Absenkung der an Bund und Länder zu entrichtenden
Gewerbesteuerumlage von derzeit rund 30 auf 20 Prozent. Die
ursprünglich geplante Reform der Gewerbesteuer mit der
Einbeziehung freier Berufe scheiterte am Widerstand von Unionsparteien
und FDP. Allerdings bleibt die Gewerbesteuer als Haupteinnahmequelle der
Kommunen entgegen den Forderungen aus der Opposition erhalten und wird
nicht durch einen höheren Anteil an der Einkommensteuer ersetzt.
Nach Berechnungen des Städtetags beträgt die Entlastung im
kommenden Jahr 2,3 Milliarden und im Jahr 2005 dann 2,5 Milliarden Euro.
Der Hauptgeschäftsführer des kommunalen Spitzenverbands,
Stephan Articus, begrüßte, dass die Absenkung der
Gewerbesteuerumlage unmittelbar Geld in die kommunalen Kassen bringe.
Die Mehreinnahmen blieben allerdings deutlich hinter den Erwartungen
der Städte zurück und reichten angesichts der hohen Defizite
und des dramatischen Verfalls kommunaler Investitionen nicht aus.
Die vom Statistischen Bundesamt am selben Tag veröffentlichten
Zahlen belegen, dass sich die Finanznot der Kommunen 2003 weiter
drastisch verschärft hat. Das Finanzierungsdefizit von 8,7
Milliarden lag um 2,4 Milliarden höher als in den ersten neun
Monaten des Vorjahres. Trotz teils heftiger Sparmaßnahmen wuchsen
die Ausgaben weiter, während die Einnahmen in noch stärkerem
Ausmaß erneut zurückgingen.
Den Angaben zufolge haben die Gemeinden und Gemeindeverbände (ohne
die Stadtstaaten) von Januar bis September 106,8 Milliarden Euro und
damit 0,7 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum
ausgegeben. Die kassenmäßigen Einnahmen der Gemeinden blieben
dagegen mit 98,2 Milliarden deutlich darunter und gingen gegenüber
dem Vorjahr noch einmal um 1,6 Prozent zurück.
Auf der Ausgabenseite stiegen die kommunalen Aufwendungen für
soziale Leistungen mit 7,7 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro am
stärksten. Hierzu trug die Einführung der Grundsicherung im
Alter und bei Erwerbsminderung erheblich bei. Bei den Personalausgaben
in Höhe von 29,3 Milliarden Euro ergab sich - nicht zuletzt infolge
der Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst - ein Plus von 2,9
Prozent.
Sehr deutlich um 11,2 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro gingen im
Jahresvergleich die kommunalen Ausgaben für Sachinvestitionen
zurück. Dabei fiel das Minus bei den Bauausgaben mit 5,5 Prozent
auf 11,1 Milliarden nicht ganz so drastisch aus. Der Schuldenstand der
Gemeinden wuchs binnen Jahresfrist um 1,8 Prozent von 82,1 auf 83,7
Milliarden Euro.
Positiv wertete Articus indes, dass nach dem Berliner Kompromiss die
Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit nicht von einer nationalen
in eine lokale Aufgabe umgewandelt werde.
(Quelle: ap)
Arbeitgeber und Gewerkschaft starten Metall-Tarifrunde
Deutschlands
Schlüsselindustrie steuert auf eine harte Tarifauseinandersetzung
zu: Ohne Zeichen von Annäherung starteten Arbeitgeber und
Gewerkschaft am Montag die Tarifrunde für die rund 3,5 Millionen
Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Der Präsident
des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, forderte
Lohnzuwächse von unter 1,4 Prozent und die Möglichkeit von
Arbeitszeitverlängerungen. Die IG Metall wies dies zurück und
bekräftigte im Gegenzug ihre Forderung nach vier Prozent mehr
Geld.
Di.16.12.03 - Die
Gespräche in der regional geführten Runde begannen unter
anderem in den größten Bezirken, Baden-Württemberg mit
800.000 und Nordrhein-Westfalen mit 750.000 Beschäftigten, und
wurden nach wenigen Stunden ergebnislos vertagt. Der Stuttgarter
Bezirksleiter Jörg Hofmann wies vor Journalisten in Böblingen
die Forderung der Arbeitgeber nach betrieblichen Öffnungsklauseln
in den Tarifverträgen zurück. Die Forderung der IG Metall nach
vier Prozent mehr Geld bezeichnete Hofmann als fair. In
Baden-Württemberg war in der letzten Entgelt-Tarifrunde der
Pilotabschluss erzielt worden.
Metall-Arbeitgeberchef Kannegiesser verwies dagegen auf die schwierige
Situation der Branche, die wegen des zunehmenden Wettbewerbs unter
permanentem Preisdruck stehe. Die Lohn- und Gehaltszuwächse
müssten daher unter der Produktivitätsentwicklung von 1,4
Prozent liegen, forderte Kannegiesser in Interviews mit der
«Bild»-Zeitung und der «taz». Der
Arbeitgeberverband verlangt Öffnungsklauseln, damit
Geschäftsleitungen und Betriebsräte über
Arbeitszeitverlängerungen um bis zu fünf Stunden entscheiden
können. Kannegiesser begrüßte in dem Zusammenhang die
Aufforderung aus dem Vermittlungsausschuss an die Tarifparteien, sich
auf mehr Flexibilität in den Tarifverträgen zu einigen.
Auch IG-Metall-Chef Jürgen Peters begrüßte die Einigung
im Vermittlungsausschuss. Mit der Abwendung von gesetzlichen
Öffnungsklauseln sei es gelungen, die Tarifautonomie «vor
marktliberaler Vereinnahmung zu schützen», erklärte
Peters in Frankfurt am Main. Der IG-Metall-Vorsitzende zeigte sich
zuversichtlich, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften weiterhin innovative
tarifpolitische Lösungen finden könnten, die «eine
sinnvolle Balance zwischen Tarif- und Betriebsparteien
gewährleisten» würden.
Die Tarifverhandlungen begannen zudem für die rund 100.000
Beschäftigten in Berlin und Brandenburg sowie die 20.000
Beschäftigten im Tarifgebiet Osnabrück/Emsland. Auch hier
vertagten sich die Tarifparteien ohne Annäherung. Am Nachmittag
sollten auch die Verhandlungen in der Hessen, Rheinland-Pfalz und das
Saarland umfassenden Mittelgruppe beginnen. Die übrigen Bezirke
folgen am (morgigen) Dienstag und in den kommenden Wochen.
Die Tarifverträge laufen zum 31. Dezember aus, die Friedenspflicht
endet am 28. Januar. In der letzten Entgelt-Tarifrunde hatte die
Gewerkschaft erstmals seit 1995 zum Streik aufgerufen, nach eineinhalb
Wochen Arbeitskampf einigten sich die Tarifparteien im Mai 2002 auf
einen zweistufigen Abschluss, der zunächst vier Prozent und dann
3,1 Prozent mehr Geld vorsah.
(Quelle: ap)
Metallarbeitgeber in Niedersachsen wollen längere
Arbeitszeiten
Di.16.12.03 - Die
niedersächsischen Metallarbeitgeber wollen in den beginnenden
Tarifverhandlungen betriebliche Öffnungsklauseln zur
Verlängerung der Arbeitszeit durchsetzen. «Nach unserer
Vorstellung sollen auf Betriebsebene Arbeitszeiten über 35
Wochenstunden hinaus ohne Lohnausgleich vereinbart werden
dürfen», sagte der Vorsitzende von NiedersachsenMetall, Fred
Stang, am Montag in Hannover. Den Unternehmen und Betriebsräten
müsse man erlauben, eine Arbeitsvolumen von 35 bis 40 Wochenstunden
nach ihren jeweiligen Bedürfnissen zu vereinbaren.
In der ersten Runde der Tarifverhandlungen für die 70.000
Beschäftigten der niedersächsischen Metallindustrie wollen die
Arbeitgeber noch kein Angebot vorlegen. Man werde in der Runde am
(morgigen) Dienstag noch keine Zahl nennen, sagte der
Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, Dietrich
Kröncke. Er gehe von zwei weiteren Runden in Niedersachsen im
Januar aus, in denen zwar noch nicht mit einem Abschluss zu rechnen sei,
in denen man sich voraussichtlich aber erheblich näher kommen
werde. Allerdings sei auch bereits sicher, dass die IG Metall am 29.
Januar um 00.00 Uhr in Niedersachsen erste Warnstreiks beginnen werde.
Ein Tarifabschluss mit einer zwei vor dem Komma sei unvorstellbar,
sagte Kröncke. Vorab seien bereits 1,39 Prozentpunkte der
Tariferhöhung für die Finanzierung des vereinbarten
Entgeltrahmenabkommens (ERA) reserviert, mit dem ein einheitlicher
Entgelttarif für Arbeiter und Angestellte geschaffen werden soll.
Es sei notwendig, die 1,39 Prozent auf mehrere Jahre zu splitten. Man
wolle am liebsten einen Tarifabschluss mit dreijähriger Laufzeit
vereinbaren. Der Verbandvorsitzende Fred Stang betonte, dass die
Laufzeit über 24 Monate liegen müsse. Das Tarifgebiet
«Niedersächsische Metallind
(Quelle: ap)
Die Gehälter der Vorstände von Dax-Firmen sind
im Jahr 2002 trotz Konjunkturkrise weiter gestiegen
DSW-Studie:
Spitzenreiter DaimlerChrysler erhöhte Vergütungen um 130
Prozent
Laut
einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz
(DSW) verdiente ein Vorstand im Schnitt 1,25 Millionen Euro pro
Jahr. Dies seien 90 000 Euro pro Kopf mehr als im Vorjahr.
In der Vorstandsetage von DaimlerChrysler wird dabei mit Abstand am
meisten verdient. Der Autokonzern zahlte 2002 durchschnittlich 3,7
Millionen Euro an seine Spitzenkräfte. Verglichen mit den Zahlungen
vom Vorjahr sei das ein Plus von mehr als 130 Prozent, sagte
DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher. DaimlerChrysler
befinde sich mit diesen Gehältern genauso wie die mit 2,5 Millionen
Euro an zweiter Stelle rangierende Deutsche Bank auf „internationalem
Niveau". Die DSW untersuchte in der Studie die Vorstandsbezüge der
30 Dax-Mitglieder.
Den Berechnungen zufolge wurde in den Vorstandsetagen der 30
Dax-Unternehmen im Geschäftsjahr 2002 pro Kopf durchschnittlich
1,25 Millionen Euro verdient. Das sei gegenüber dem Jahr zuvor eine
Steigerung zwischen sieben und acht Prozent.
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 16.12.03
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Presse: IBM verlagert 4700 Jobs von den USA nach Indien und
China
Di.16.12.03 - Der
US-Computerkonzern IBM will nach einem Pressebericht bis zu 4700
Stellen für Programmierer von den Vereinigten Staaten nach Indien
und China verlagern. Dies sei Teil eines Plans mit dem Titel "Global
Sourcing" ("Weltweite Beschaffung"), berichtete das "Wall Street
Journal" am Montag. Der erste Teil von 947 Jobs solle bereits in der
ersten Jahreshälfte 2004 von den USA nach Asien gehen. Für bis
zu 3700 weitere Arbeitsplätze gebe es noch keinen genauen
Zeitplan. IBM beschäftigt in Indien bereits heute 500 Programmierer
und Ingenieure. Weltweit arbeiten für IBM 315.000 Menschen.
(Quelle: afp)
Greenpeace: Hanauer Anlagen-Verkauf wäre strafbar
Di.16.12.03 -
Einem Rechtsgutachten für die Umweltschutzorganisation Greenpeace
zufolge könnte sich die Bundesregierung mit der Genehmigung des
Verkaufs der Hanauer Plutoniumanlage nach China strafbar machen. Mit dem
Verkauf würde gegen das Außenwirtschaftsgesetz und das
Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen, weil die Anlage zum Bau von
Atomwaffen dienen könnte, teilte Greenpeace in Hamburg mit.
Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer bezeichnete das Gutachten
sowie die Frage nach der Kostenübernahme für Kontrollen der
Anlage durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) als
"hochinteressant".
Sollte die Bundesregierung auf solchen Kontrollen bestehen, muss sie
nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" wahrscheinlich die
Kosten dafür tragen. Laut Bütikofer wollen die Grünen die
Diskussion über den Export der Plutoniumanlage fortsetzen. Die
Partei halte dabei an dem Grundsatz fest, dass jegliche
militärische Nutzung der Anlage ausgeschlossen sein müsse. Das
sähen die Grünen bisher aber nicht sichergestellt, sagte
Bütikofer in Berlin.
Der Greenpeace-Gutachter und Hamburger Rechtsanwalt Michael
Günther erklärte mit Blick auf die mögliche
militärische Nutzung der Plutoniumanlage durch das chinesische
Militär, der Gesetzgeber sei kompromisslos beim Export von Anlagen,
die in irgendeiner Weise für die Herstellung von Atomwaffen
nützlich sein könnten. "Schon die bloße
Möglichkeit der Waffenproduktion reicht, um eine Exportgenehmigung
auszuschließen. So liege der Fall zur Zeit bei der Hanauer
Plutoniumfabrik."
Zudem lasse das Kriegswaffenkontrollgesetz überhaupt kein Ermessen
mehr zu, wenn es um Atomwaffen gehe. Es verbiete bereits die entfernte
"Förderung der Herstellung von Atomwaffen". Greenpeace-Atomexpertin
Susanne Ochse erklärte, "vor diesem Hintergrund ist es mehr als
Hohn, wenn die Bundesregierung behauptet, sie habe keinen
Ermessensspielraum, den Export zu verweigern."
Um den Streit über die Exportpläne mit dem Grünen zu
entschärfen, hatte die Bundesregierung vorgeschlagen, die Anlage in
China durch die IAEA überwachen zu lassen. Laut "FTD" sagte die
chinesische Regierung in der Vergangenheit in mehreren ähnlichen
Fällen zwar zu, die betreffenden Anlagen für Inspektionen der
IAEA zu öffnen. Zu Untersuchungen sei es jedoch bisher nur
gekommen, wenn die Regierung des exportierenden Staates die Kosten
übernommen habe.
(Quelle: afp)
Der taz die Mäuse geklaut
Di.16.12.03 -
Etwa 50 Studierende haben am Montag die Redaktionsräume der
Berliner «Tageszeitung» (taz) besetzt. Sie forderten die
Veränderung der Seite 1 und anderer Seiten der Dienstagausgabe. Um
ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, entwendeten sie die Mäuse
der Redaktionscomputer.
Gegen Mittag hatten sich die Studenten über die
Redaktionsräume verteilt. Nach Angaben von
«Tageszeitungs»-Redakteurin Frauke Schirmbek wurden die
Computermäuse inzwischen wieder herausgegeben. Die Redakteure
hatten darauf hingewiesen, dass ohne Mäuse keine Umgestaltung der
Seiten möglich sei, und angeboten, dass die Studenten Teile der
Titelseite sowie einer der hinteren Seiten mitgestalten dürften.
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/16/a0097.nf/text
http://www.taz.de/pt/2003/12/16/a0121.nf/text
http://germany.indymedia.org/2003/12/70072.shtml
http://www.taz.de/pt/2003/12/17/a0149.nf/text
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