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+++ Mi.17.12.03,
13:20 Nachrichten-Archiv Aktuelle
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Irak am zweihundertdreiundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
UN-Generalsekretär Annan: Gefangennahme Saddams gibt Irakern neue
Chanche +++ Irakischer Außenminister Sebari ruft UNO auf,
führende Rolle im Irak zu übernehmen +++ US-Geheimdienst CIA
mit Verhören von Saddam Hussein betraut +++ Saddam hat laut Bush
Todesstrafe verdient. Deutsche Grüne verlangen Verzicht auf
Todesstrafe +++ Deutsches Rotes Kreuz: Auch Saddam hat Anspruch auf
Menschlichkeit +++ Saddam-Tochter vermutet Betäubung des Vaters bei
Festnahme +++ Vatikan: Saddam sei 'wie ein Tier behandelt' worden +++
Saddam zeigt angeblich keine Reue +++ Anhaltende Gefechte mit
Aufständischen in Irak. US-Truppen starten Militäroffensive in
westirakischer Stadt Samarra +++ US-Konferenz zur Vergabe von
Irak-Projekten verschoben. Schröder und Chirac stützen
Schuldenerlass für Irak. Einlenken der USA bei Auftragsvergabe
für Irak-Projekte offen +++ Bushs Umfragewerte nach
Saddam-Festnahme deutlich gestiegen
Mi.17.12.03 - Die
Gefangennahme des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein gibt
den Irakern nach den Worten von UNO-Generalsekretär Kofi Annan
eine neue Chance, ihr Schicksal selbst zu kontrollieren.
Der Bevölkerung müsse dringend die Souveränität
übertragen werden, sagte Annan am Dienstag vor dem
UNO-Sicherheitsrat in New York. Dort sollte der irakische
Außenminister Hoschjar Sebari einen Zeitplan für die
Übergabe der Machtbefugnisse von der US-geführten
Zivilverwaltung an eine Übergangsregierung bis Juni vorstellen.
Geplant sind auch eine Verfassung und Wahlen bis Ende 2005. Sebari warf
der UNO vor, sie habe Saddam jahrzehntelang an der Macht belassen. Er
rief die UNO auf, eine führende Rolle im Irak zu übernehmen.
Annan sagte, Saddams Sturz sei eine Gelegenheit für einen
Neuanfang bei der dringenden Aufgabe, die Iraker bei der Übernahme
ihrer Souveränität zu unterstützen. Es sei eine
Gelegenheit, den Irakern zu helfen, "einen sicheren, stabilen und
unabhängigen Irak zu schaffen, der eines Tages wieder seinen
angemessenen Platz in der Region und in der internationalen Gemeinschaft
einnimmt". Annan betonte erneut, dass die Rolle der UNO im Irak klar
sein müsse.
Annan sagte, er wisse nicht, wann die Lage im Irak so sicher sei, dass
UNO-Personal in das Land zurückkehren könne. Bis das Büro
in Bagdad wieder eröffnet wird, hat die UNO ihr Hauptquartier in
Nikosia auf Zypern. Am 19. August hatte ein Bombenanschlag das
UNO-Büro in Bagdad zerstört. 22 Menschen wurden damals
getötet, darunter der Leiter des UNO-Einsatzes Sergio Vieira de
Mello. Er hat bislang keinen Nachfolger.
Sebari sagte, die Iraker seien zu jeder Hilfe bereit, die für die
Sicherheit im Land nötig sei. Die UNO könne ihre Hilfe und
Fachkenntnis von Zypern oder Amman aus nicht effektiv bereitstellen.
Auch in der jordanischen Hauptstadt unterhalte die UNO ein Büro,
von dem aus die Mitarbeiter nach Bagdad pendelten, sagte Sebari.
Die UNO habe es versäumt, dabei zu helfen, den Irak "vor einer
mörderischen Tyrannei" zu retten, die mehr als 35 Jahre gedauert
habe, sagte der irakische Außenminister. "Heute exhumieren wir
tausende Opfer als einen entsetzlichen Beweis für dieses
Versäumnis."
Die UNO sei das Schlüsselforum für die internationale Hilfe
beim Wiederaufbau und der Demokratisierung des Irak, sagte Sebari. "Die
Vereinten Nationen dürfen das irakische Volk nicht noch einmal im
Stich lassen." Auch die USA hatten die Regierung Saddams
unterstützt, bis dieser die Invasion Kuwaits 1990 befohlen hatte.
Der amerikanische Geheimdienst CIA wird derweil die Vernehmung des
festgenommenen irakischen Machthabers Saddam Hussein übernehmen.
Wie US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Dienstag in Washington
mitteilte, soll CIA-Chef George Tenet für das Verhör Saddam
Husseins verantwortlich sein.
Der ehemalige Staatschef werde wie ein Kriegsgefangener behandelt, auch
wenn er offiziell nicht als solcher eingestuft sei, sagte Rumsfeld. Er
verteidigte die Ausstrahlung von Filmmaterial, das Saddam Hussein nach
seiner Festnahme am Samstag zeigte. Die Iraker hätten einen Beweis
gebraucht, dass Saddam Hussein "außer Betrieb ist", sagte
Rumsfeld. Die Regeln der Genfer Konventionen verbieten die
öffentliche Zurschaustellung von Kriegsgefangenen.
Der ehemalige Machthaber sei von Aufständischen über die
Anschläge gegen die US-Truppen auf dem Laufenden gehalten worden,
sagte Brigadegeneral Martin Dempsey im Fernsehsender CNN über
dessen bisherige Vernehmung. Die Verhöre sollen sich nach
US-Angaben zunächst auf Beziehungen Saddam Husseins zur
Aufstandsbewegung konzentrieren. Anschließend soll er auch zur
möglichen Entwicklung von Massenvernichtungswaffen befragt werden,
was einer der zentralen Gründe für den am 20. März
begonnen Krieg war. Entsprechende Waffen konnten bisher jedoch nicht
nachgewiesen werden. In dieser Richtung seien bei der Befragung noch
kaum Ergebnisse erzielt worden, verlautete aus Washington.
Der britische Premierminister Tony Blair betonte, die Suche nach
Massenvernichtungswaffen in Irak müsse fortgesetzt werden. Eine
US-geführte Gruppe von Experten habe im Oktober von Hinweisen auf
ein umfangreiches System geheimer Labore berichtet, sagte Blair im
britischen Militärrundfunk. "Es steht außer Zweifel, dass er
(Saddam Hussein) welche hatte. Er setzte sie gegen Iran ein, und er
setzte sie gegen seine eigenen Leute ein", wurde Blair weiter vom
arabischen Dienst der BBC zitiert.
Der gefasste irakische Ex-Diktator Saddam Hussein verdient nach den
Worten von US-Präsident George W. Bush die "ultimative Strafe",
US-Ausdruck für die Todesstrafe. Ob der Exmachthaber hingerichtet
werden soll, habe jedoch das irakische Volk zu entscheiden. Es sei in
der Lage, den Prozess selbst durchzuführen, erklärte Bush am
Dienstag in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC. Saddam Hussein
sei ein "verabscheuungswürdiger Tyrann, der Gerechtigkeit verdient,
die höchste Gerechtigkeit. Aber darüber wird nicht vom
Präsidenten der Vereinigten Staaten, sondern von den Bürgern
Iraks in der einen oder anderen Form entschieden", hieß es in
einer von ABC veröffentlichten Abschrift von Bushs
Äußerungen.
Führende Grünen-Politiker in Deutschland haben indes ein
rechtsstaatliches Verfahren und einen Verzicht auf die Todesstrafe
für Saddam Hussein gefordert. Die Menschenrechtsbeauftragte der
Bundesregierung, Claudia Roth, sagte nach Angaben der "Bild"-Zeitung
(Mittwochausgabe), Saddam Hussein müsse ein "faires, transparentes
Verfahren" bekommen. "Es darf keine Todesstrafe verhängt werden",
fügte die Grünen-Politikerin demnach hinzu.
Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer sagte der gleichen
Zeitung: "Das Prinzip des Rechtsstaats ist unteilbar. Es muss auch beim
Prozess gegen einen Tyrannen gelten."
Auch der Vatikan wandte sich am Dienstag gegen eine Todesstrafe.
Kardinal Renato Martini, Leiter des Päpstlichen Rates für
Gerechtigkeit und Frieden, sagte in Rom, er empfinde Mitleid für
Saddam Hussein, auch wenn dieser ein Diktator gewesen sei. "Dieser
zerstörte Mann" sei bei seiner Gefangennahme "wie ein Tier
behandelt" worden.
Die Gefangenenhilfsorganisation amnesty international kritisierte
unterdessen die Behandlung des gestürzten Präsidenten durch
die US-Armee. "Die Bilder, die nach seiner Verhaftung ausgestrahlt
wurden, waren eine Art von Zurschaustellung, die seine
Persönlichkeitsrechte verletzen und gegen die Genfer Konventionen
verstoßen, sagte die Generalsekretärin der deutschen
amnesty-Sektion, Barbara Lochbihler, der "Rheinischen Post"
(Mittwochausgabe). Sie begrüßte allerdings, dass die USA
Saddam Hussein als Kriegsgefangenen einstufen wollten.
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat eine menschenwürdige Behandlung
des gefangenen Ex-Diktators Saddam Hussein gefordert. Saddam stehe als
Oberbefehlshaber der irakischen Armee unter dem Schutz der III. Genfer
Konvention, erklärte das DRK am Montag in Berlin. Danach habe
jeder, gleichgültig welche Verbrechen ihm vorgeworfen werden,
"Anspruch auf Menschlichkeit". Zugleich kritisierten Menschenrechtler
das Verhalten der US-Truppen bei der Festnahme Saddams im Irak.
Die am Sonntag nach der Festnahme gezeigten Video-Aufnahmen, in den die
ärztliche Untersuchung von Saddam zu sehen war, seien als Beweis
der Identität des irakischen Ex-Diktators noch zu tolerieren
gewesen, sagte DRK-Sprecher Lübbo Roewer dem Evangelischen
Pressedienst (epd). Allerdings seien Gefangene auch vor
öffentlicher Neugier, zum Beispiel "Zurschaustellung" zu
schützen, fügte er hinzu. Zudem hätten Gefangene das
Recht, regelmäßig mit ihren Angehörigen zu
korrespondieren und Hilfssendungen zu empfangen.
Die britische Friedensorganisation "Stoppt-den-Krieg-Koalition"
kritisierte die Äußerung des US-Zivilverwalters für den
Irak, Paul Bremer, nach der Festnahme Saddams. "Wir haben ihn", sei
"Cowboy-Stil" gewesen, sagte Sprecher Andrew Burgin am Montag der BBC.
Hussein sei eine "Mitleid erregende, völlig isolierte Figur in
einem Erdloch" gewesen. Es sei unglaublich, dass er von den Amerikanern
und Briten als Anführer des Widerstand hingestellt werde.
Saddam Husseins älteste Tochter glaubt derweil, dass US- Soldaten
ihren Vater vor seiner Festnahme betäubt haben. Das sagte Raghda
Saddam Hussein in einem Interview mit dem arabischen Fernsehsender El
Arabija. Ein Löwe bleibe immer ein Löwe, auch wenn er hinter
Gittern sitze. Dass sich der entmachtete irakische Ex- Präsident
offensichtlich ohne Gegenwehr hatte festnehmen lassen, hatte seine
Anhänger schockiert. Raghda verlangt, dass ihr Vater vor einem
internationalen Gericht angeklagt wird und nicht im Irak.
Der von US-Truppen festgenommene irakische Ex-Präsident Saddam
Hussein zeigt angeblich keine Reue. Nach Angaben eines Mitglieds des
irakischen Regierungsrats, das Saddam am Sonntagabend (24 Stunden nach
seiner Festnahme) sehen durfte, beschimpfte der wütende Ex-Diktator
die Besucher und verteidigte seine Handlungen.
Saddams Anhänger machen unterdessen mobil. Bei Demonstrationen
für den gestürzten Machthaber, die von US-Soldaten
aufgelöst wurden, kamen mindestens vier Menschen ums Leben. Saddams
Aufenthaltsort ist weiter ein Geheimnis.
In einem Interview der arabischen Zeitung "Al-Hayat" (Dienstagsausgabe)
sagte das irakische Regierungsratmitglied Muwaffak el Rabai, auf die
Frage an Saddam, weshalb er bei der Festnahme nicht auf die Amerikaner
geschossen habe, habe dieser nur geantwortet: "Hast Du selbst jemals
gekämpft?". Außerdem habe Saddam die Invasion in Kuwait von
1990 verteidigt und auf "Iraks historischen Anspruch auf Kuwait"
verwiesen. Auf den Gasangriff gegen die Kurden in Halabscha
angesprochen, bei dem Tausende ums Leben kamen, habe er erklärt:
"Das waren die Iraner." Zu den Massengräbern sagte Saddam laut El
Rabai, die Getöteten seien "Diebe" gewesen.
Saddam Hussein ist nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte
Völker für mehr als eine Million Tote verantwortlich. In
dieser Zahl seien die Opfer des iranisch-irakischen Krieges noch nicht
einmal enthalten, erklärte die Menschenrechtsorganisation am
Montag. Allein im Nordirak habe die Herrschaft Saddam Husseins rund eine
halbe Million Kurden das Leben gekostet, sagte der Generalsekretär
der Gesellschaft für bedrohte Völker, Tilman Zülch. Die
schiitische Bevölkerung im Süden des Landes habe etwa 400.000
Tote zu beklagen.
Unterdessen haben die Hoffnungen, nach der Gefangennahme Saddams am
Samstag würden die Angriffe von Freischärlern nachlassen,
einen Rückschlag erlitten. Bei einer Bombenexplosion in der
irakischen Hauptstadt Bagdad sind nach Polizeiangaben am (heutigen)
Mittwoch mindestens 17 Menschen getötet worden.
Der Sprengsatz sei am Straßenrand im Stadtteil Bajja in der
Nähe eines Tankwagens explodiert und habe diesen zerstört,
sagte ein Polizeisprecher. Der riesige Feuerball habe einen Kleinbus
erfasst. Mehrere Menschen seien verletzt worden.
In der Vergangenheit hatte es mehrfach Angriffe von Aufständischen
mit solchen am Straßenrand versteckten Bomben gegen
US-Militärstreifen gegeben.
Die US-Truppen haben am frühen Mittwochmorgen im Westen Iraks eine
Offensive gegen Anhänger von Ex-Präsident Saddam Hussein
gestartet. Durch die Militäraktion in der westirakischen Stadt
Samarra sollten Anhänger der alten Regierung und andere
Aufständische "isoliert und ausgeschaltet" werden, teilte die Armee
wenige Stunden nach Beginn der Offensive mit. Der Einsatz der vierten
Infanteriedivision werde mehrere Tage dauern. Auch die irakische
Polizei und von den USA trainierte irakische Paramilitärs seien an
der Aktion beteiligt.
Bei Kämpfen zwischen Aufständischen und Besatzungstruppen im
Irak fielen am Dienstag insgesamt 19 Menschen Opfer. Bei der
Niederschlagung von Unruhen im Anschluss an Demonstrationen für
Saddam Hussein in den Städten Ramadi und Falluja erschoss die
US-Armee außerdem mindestens zwei Iraker. Vier "feindliche
Angreifer" wurden in der Provinz El Anbar getötet, dabei kam auch
ein US-Soldat ums Leben. Mehr als tausend Anhänger von Saddam
Hussein gingen für ihn am Dienstag in seiner Heimatstadt Tikrit und
in Mossul auf die Straße. In Mossul wurde dabei ein irakischer
Polizist erschossen und ein weiterer verletzt. Durch die Explosion
eines Sprengsatzes wurden in Tikrit drei US-Soldaten verletzt, die mit
ihrem Militärfahrzeug unterwegs waren.
Das US-Verteidigungsministerium hat unterdessen eine für Freitag
geplante Konferenz zur Vergabe von milliardenschweren
Wiederaufbauprojekten für Irak auf Januar verschoben. Es solle
zunächst eine Kerngruppe aus Unternehmen zusammengestellt werden,
die sich um einen der 26 Generalverträge beworben hätten,
sagte Pentagon-Sprecherin Nicole Deaner am Dienstag in Washington.
Bislang seien bereits "tausende Anfragen" auch von Subunternehmern
eingegangen. Dass die Tagung verschoben werde, habe nichts mit der
Europa-Reise des US-Sondergesandten James Baker zu tun, der in
europäischen Hauptstädten derzeit um einen Schuldenerlass
für Irak wirbt. Die Konferenz war bereits vom 11. auf den 19.
Dezember verschoben worden.
Trotz der Differenzen wegen des Irak-Kriegs unterstützen
Deutschland und Frankreich die US-Initiative für einen Teil-Erlass
der milliardenschweren irakischen Auslandsschulden.
Regierungssprecher Bela Anda erklärte nach einem Treffen von
Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem US-Sondergesandten James
Baker am Dienstag in Berlin: "Deutschland und die USA sind - wie auch
Frankreich - nicht nur zur Umschuldung, sondern auch zu einem
substanziellen Schuldenerlass gegenüber dem Irak bereit." Die
genaue Höhe wird nach US-Angaben in einer späteren
Vereinbarung der Länder festgelegt. Baker hatte sich zuvor mit
Frankreichs Präsidenten Jacques Chirac getroffen. Baker zufolge ist
ein Abkommen zum Schuldenabbau 2004 im Rahmen des Pariser Clubs der
großen Gläubigerstaaten möglich.
Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin sagte, Bedingung
für eine endgültige Vereinbarung sei der Einsatz einer
souveränen irakischen Regierung.
Die USA haben die Entscheidung der Regierungen in Berlin und Paris
über einen "substanziellen Schuldenerlass" für Irak
begrüßt. Die Regierung in Washington ließ jedoch offen,
ob der Schritt Einfluss auf ihre Entscheidung haben könnte,
deutsche und französische Firmen bei der amerikanischen
Auftragsvergabe für den Wiederaufbau Iraks auszuschließen.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, sagte am
Dienstag dazu: "Wir haben deutlich gemacht, dass die Dollars der
US-Steuerzahler in die Staaten fließen sollten, die an der
Befreiung des irakischen Volks beteiligt waren und ihm helfen, eine
freie und friedliche und erfolgreiche Zukunft aufzubauen, und auch an
Irak." Sollten sich weitere Staaten den Bemühungen von rund 60
Ländern und dem irakischen Volk am allgemeinen Wiederaufbau
anschließen wollen, könnten sich die Umstände
ändern.
Und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte in einer
Pressekonferenz im Pentagon, dies sei eine Sache von Verhandlungen
zwischen den verschiedenen US-Regierungsbehörden. Er trat dem
Eindruck entgegen, die Entscheidung über die
Nichtberücksichtigung Deutschlands und Frankreichs sei im Pentagon
getroffen worden. Dies sei eine Entscheidung, der alle relevanten
Behörden zugestimmt hätten, sagte er.
Die Umfragewerte von US-Präsident George W. Bush sind nach der
Festnahme des irakischen Ex-Machthabers Saddam Hussein deutlich
gestiegen. In einer am Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten Umfrage
der "New York Times" und des Fernsehsenders CBS sagten 58 Prozent der
Befragten, sie seien mit Bushs Politik zufrieden; vor der Ergreifung
Saddam Husseins am Samstag waren es nur 52 Prozent gewesen. Noch
deutlicher war der Sprung bei der Frage nach Bushs Krisenmanagement in
Irak: Hatten zuvor nur 45 Prozent der US-Bürger ihrem
Präsidenten eine gute Irak-Politik bescheinigt, waren es jetzt 59
Prozent. Auch insgesamt verbesserte sich die Stimmung.
(Quellen: ap,
dpa, rtr, afp)
Ernüchterung und Nachdenklichkeit in der arabischen
Welt
Mi.17.12.03 -
Nach der Gefangennahme Saddam Husseins machen sich Ernüchterung
und Nachdenklichkeit in der arabischen Welt breit. Politiker und
Wissenschaftler fragen sich, ob die Bilder von der Demütigung des
einst so mächtigen irakischen Herrschers möglicherweise einen
Lernprozess in Richtung Demokratie in Gang setzen.
Die Gefangennahme sei eine Lektion für alle, «die wissen
sollten, dass Demokratie wichtig ist und dass die Menschen bei den
Entscheidungen ein Mitspracherecht haben sollten», sagte der
frühere jordanische Vizeministerpräsident Ajman Madschali der
Nachrichtenagentur AP. «Aber unglücklicherweise haben sich
viele Führungen in der arabischen Welt von ihrem Volk distanziert,
und diese sollten wissen, dass sie ein ähnliches Schicksal wie
Saddam haben könnten.»
Unter der Überschrift «Lektionen für Saddams
Gesinnungsbrüder» schrieb der Chefredakteur der kuwaitischen
Zeitung «El Sijassah», Ahmed el Dscharrallah, dass die
Festnahme des gestürzten Staatschefs ein Schock sei für
«alle bösen Regime, die bis jetzt dem Beispiel Saddams
gefolgt sind und seine Methoden der Tyrannei und des Despotismus
verwendet haben». Diese Regime wüssten, dass sie «die
Gefangenen der Parolen» seien, «mit denen sie ihr Volk
belügen».
In Saudi-Arabien erklärte der Politikwissenschaftler Dawud el
Schirian, dass die Gefangennahme Saddam Husseins eine positive
Entwicklung in der arabischen Politik sei. Für einige Herrscher
könnten sich die jüngsten Ereignisse aber als weniger positiv
erweisen. «Zum ersten Mal wird ein arabischer Diktator für
seine Handlungen zur Rechenschaft gezogen», sagte El Schirian.
Dies werde den Menschen auf der Straße Mut machen, verstärkt
ihre Rechte einzufordern. Repressive Regierungen in der arabischen Welt
müssten nun erkennen, «dass eine Gesellschaft ohne
Institutionen, Menschenrechte und Demokratie das gleiche Schicksal
ereilen wird wie Saddams Regime».
In einigen Hauptstädten der Welt gehe die Angst um, dass die USA
auch ihr Regime militärisch beseitigen und dabei erneut auf eine
Zustimmung der Vereinten Nationen verzichten könnten, meint der
kuwaitische Politikwissenschaftler Abdul Ridha Asiri. «Es gibt
jetzt eine internationale Polizeimacht, die mit oder ohne legale
Rechtfertigung intervenieren kann.»
(Quelle: ap)
Die viel zitierte "arabische Straße ist benommen und
die arabischen Medien scheinen sich in einem Schock zu befinden",
kommentiert der saudi-arabische Journalist Tarek al-Hamed das emotionale
Klima, das jedoch auch von Erleichterung vielerorts bestimmt sei
Dass die
palästinensische Regierung diesbezüglich keine offizielle
Bewertung abgab, ist für den Ha'aretz-Kommentator ohnehin klar:
"Saddam unterstützte die palästinensische Sache seit Jahren."
Kein Wunder also, dass sich die Palästinenser auf den Strassen
sehr enttäuscht zeigten.
Der Grund, weshalb das syrische Fernsehen nichts von der Gefangennahme
zeigte, liegt nach der Meinung des Ha'aretz-Journalisten darin, dass es
zu viele Ähnlichkeiten zwischen den Baath-Regimen hier und dort
gebe. Wie überhaupt sich jetzt alle arabischen Regimes Fragen zu
ihrer Legitimität stellen müssten...
Es ist für die Öffentlichkeit im Nahen Osten
äußerst ungewöhnlich, einen nationalen Führer in
einem "solchen Moment der Schwäche" zu sehen. Jahrelang habe
Saddam, so Stern, sehr darauf geachtet, dass man keine Bilder von ihm
machte, die ihn gehend zeigten, da er einen hinkenden Fuß hat:
"Sogar die, die wussten, dass er ein Diktator war, hatten große
Schwierigkeiten damit, wie die Amerikaner Saddam erniedrigten. Viele
glauben, dass es eine Verschwörung gab, die ihn auslieferte."....
Aus: Thomas Pany - "Ich will einen voll funktionierenden Saddam",
telepolis vom 16.12.03:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16340/1.html
Wir haben endlich unseren Frankenstein und er befand sich
in einem Erdloch
Saddam
befindet sich Gott sei Dank wieder in amerikanischen Händen! Er
muss uns wirklich vermisst haben. Mann, der sah aber auch schlecht aus!
Aber er hat heute wenigstens eine Zahnbehandlung umsonst bekommen. So
etwas erhalten die meisten Amerikaner nicht.
Einst liebte Amerika Saddam. Wir LIEBTEN Saddam. Wir finanzierten ihn,
Wir bewaffneten ihn. Wir halfen ihm bei der Vergasung iranischer Truppen.
Aber dann baute er Mist. Er marschierte bei den Diktatoren in Kuwait
ein und beging den schlimmsten vorstellbaren Fehler - er bedrohte einen
unserer noch BESSEREN Freunde, die Diktatur Saudi Arabiens und seine
riesigen Ölvorkommen. Die Familie Bush und die saudische
Königsfamilie sind enge Handelspartner; und damals 1990 beging
Saddam einen königlichen Fehler, als er sich ihren reichen
Besitztümern ein wenig zu sehr näherte. Von diesem Zeitpunkt
an ging es mit Saddam bergab....
Aus: Michael Moore- "Wir haben endlich unseren Frankenstein und er
befand sich in einem Erdloch", ZNet vom 15.12.03
Mehr
unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=943
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=15&ItemID=4683
Eine Panorama-Sendung über Spenden von deutschen
Kriegsgegnern 'für Anschläge im Irak' löst heftige
Debatten aus
Die
deutsche Antikriegsbewegung, die den US-Krieg gegen den Irak
bekämpfte, hatte bisher wenig Grund, sich über die hiesigen
Medien beklagen. Schließlich war der Protest gegen den Irakkrieg
sogar offizieller Regierungskurs. Doch jetzt wurde ein
Nebenkriegsschauplatz zwischen der Panorama-Redaktion und Teilen der
Antikriegsbewegung eröffnet.
Die Vorwürfe sind auf beiden Seiten hart. Teile der
Friedensbewegung aus Deutschland und anderen europäischen
Ländern würden durch Spenden den bewaffneten Widerstand gegen
die US-Besatzung im Irak unterstützen. So lautete der Tenor einer
Panorama-Sendung mit dem Titel Spenden aus Deutschland für
Anschläge im Irak vom 11. Dezember. "Panorama weiter auf
Kriegskurs" konterten die nun gar nicht mehr so friedlichen
Friedensfreunde. Sie warfen einigen der federführend an der Sendung
beteiligten Redakteuren gar Verletzung der journalistischen
Sorgfaltspflicht vor. So soll sich ein Journalist als Mitarbeiter von
Monitor ausgegeben haben, der für eine Sendung über den
Niedergang der Antikriegsbewegung nach dem offiziellen Ende des
Irakkriegs recherchiere.
Die Sendung hat zu einer heftigen Debatte in verschiedenen
Internetforen und Medien geführt. Schließlich hat die Sendung
erst eine Kampagne an die Öffentlichkeit gebracht, die bisher kaum
beachtet wurde... Es geht um die Spendenaktion 10 Euro für einen
freien Irak ...
Mehr bei
telepolis (17.12.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16338/1.html
Krebsgefahr im Irak
Die
amerikanischen und britischen Invasionstruppen haben bei der
»Operation Iraqi Freedom« bis zu 2 000 Tonnen Uranmunition
verschossen.
Ziele der
radioaktiven und hochtoxischen Munition waren in diesem Golfkrieg nicht
nur abgelegene Schlachtfelder in der südirakischen Wüste,
sondern auch bewohnte Gebiete, etwa in Basra, Kerbala und Nadschaf
sowie im Zentrum der Hauptstadt Bagdad. Dies berichtete die britische
Wochenzeitung The Observer in ihrer neuesten Ausgabe unter Berufung auf
eine neue Studie des in Kanada ansässigen »Uranium Medical
Research Centre« (UMRC). Die Munition aus abgereichertem Uran
(Depleted Uranium – DU) setze die irakische Bevölkerung einer
»alarmierend hohen« Radioaktivität aus und erhöhe
damit das Krebsrisiko, warnte das Londoner Blatt...
Mehr in "junge Welt" vom 17.12.03:
http://www.jungewelt.de/2003/12-17/001.php
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Meinungsforscher: Irak-Krieg schadet Ansehen der USA
In fast allen
Ländern herrsche die Meinung vor, dass der Irak-Krieg die Welt
gefährlicher gemacht habe
Mi.17.12.03 - Der
Irak-Krieg hat Meinungsforschern zufolge dem Ansehen der USA weltweit
geschadet. Zu diesem Ergebnis komme eine Umfrage von Gallup
International, erklärte Dietmar Wittich von der PDS-nahen
Rosa-Luxemburg-Stiftung am Dienstag in Berlin.
Die Meinungsforscher hätten Mitte des Jahres 31.806 Menschen in 41
Ländern befragt. In den meisten Ländern habe die Mehrheit der
Befragten erklärt, der Krieg habe ihre Einstellung zu den USA
negativ beeinflusst, sagte Wittich, der Auszüge der Studie
präsentierte.
Lediglich in den USA, Albanien, den Philippinen, Nigeria und Portugal
überwiege eine positive Bewertung. Auch für die Mehrheit der
Bundesbürger habe sich die Einstellung zu Amerika mit dem
Irak-Krieg verschlechtert. Rund 60 Prozent der Befragten hätten
angegeben, ihre Meinung über Amerika habe sich verschlechtert,
sagte Wittich.
Knapp 65 Prozent der Deutschen stimmten außerdem der Meinung zu,
die USA seien zu sehr daran interessiert, militärische Gewalt in
anderen Ländern anzuwenden, erklärte Wittich. Gut 60 Prozent
der 2.500 befragten Menschen in Deutschland hätten angegeben, die
amerikanische Außenpolitik wirke sich insgesamt negativ auf ihr
eigenes Land aus.
Der Soziologe Wittich erläuterte außerdem, dass der
Gallup-Umfrage zufolge in fast allen Länder die Meinung
vorherrsche, dass der Irak-Krieg die Welt gefährlicher gemacht
habe. Lediglich in den USA selbst, in Albanien und im Kosovo werde dies
anders gesehen. In Deutschland glaubten sogar 72 Prozent, dass die Welt
weniger sicher geworden sei.
Der Studie zufolge überwiege auch weltweit die Auffassung, dass
die Militäraktion der USA im Irak nicht gerechtfertigt gewesen sei,
sagte Wittich. Diese Meinung werde mehrheitlich in 26 Ländern
vertreten. Große Zustimmung für den Krieg gebe es in zehn
Ländern - darunter die USA, Israel, Albanien, Australien,
Großbritannien und Polen.
In nur zwei Ländern, dem Kosovo und den Philippinen, meine die
große Mehrheit der Bevölkerung, dass sich die
Terrorismus-Bedrohung durch den Irak-Krieg verringert habe. In 34
Ländern werde diese Auffassung hingegen nicht geteilt,
erklärte der Soziologe. So seien 81 Prozent der Deutschen der
Meinung, die Terror-Gefahr habe sich nicht verringert.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel
bezeichnet Iran als 'Terrorstaat Nummer eins' +++ Israel will Arafat an
Weihnachten nicht nach Bethlehem reisen lassen +++ Zeitung: Scharon
erwägt Räumung aller Siedlungen im Gazastreifen
Mi.17.12.03 - Der
israelische Geheimdienst Schin Beth hat Iran als "Terrorstaat Nummer
eins" bezeichnet und die USA, Russland sowie die EU zu Gegenmassnahmen
aufgerufen. Die Regierung in Teheran unterstütze Terroristen,
arbeite an der Entwicklung nichtkonventioneller Waffen und stelle
für Israel eine strategische Bedrohung dar, sagte Geheimdienstchef
Avi Dichter am Dienstag auf einer Sicherheitskonferenz in Herzlija.
Iran hat ähnliche Vorwürfe aus Israel wiederholt als falsch
zurückgewiesen.
Dichter bekräftigte nicht nur die Beschuldigung, dass Iran die
libanesische Hisbollah-Miliz und militante Organisation in den
palästinensischen Gebieten unterstütze, sondern sprach auch
von einer möglichen Anwerbung von in Israel lebenden Arabern. Iran
habe diese als "potenzielle fünfte Kolonne" ausgemacht, sagte
Dichter. Dies sei "möglicherweise die grösste Gefahr für
uns".
Israel will den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat
auch in diesem Jahr an Weihnachten nicht nach Bethlehem reisen lassen.
"Arafat bleibt, wo er ist", umschrieb ein Regierungsvertreter, der
anonym bleiben wollte, am Dienstag den israelischen Standpunkt. "Er kann
gehen, aber es ist nicht garantiert, dass er zurückkommen kann",
sagte der Gewährsmann weiter.
Arafat empfing am Dienstag eine Delegation von Christen in seinem
Amtssitz in Ramallah, wo er faktisch unter Hausarrest steht. Auf die
Frage, ob er zu Weihnachten an der Christmette in Bethlehem teilnehmen
werde, sagte der palästinensische Präsident: "Ich hoffe. Ich
habe sie nicht versäumt, bis ich in diesem Gebäude belagert
wurde." Es wäre das dritte Jahr, in dem Israel Arafat die Fahrt
nach Bethlehem verweigert.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon erwägt nach
einem Zeitungsbericht die Räumung sämtlicher jüdischer
Siedlungen im Gazastreifen. Auch einzelne Siedlungen im Westjordanland
sollten im Zuge einer Stationierung der Streitkräfte "entlang einer
neuen Sicherheitslinie" evakuiert werden, berichtet die israelische
Tageszeitung "Maariv" am Dienstag. Der Regierungschef habe das Vorhaben
bei mehreren Treffen mit Kabinettsmitgliedern sowie Abgeordneten der
rechtsgerichteten Koalition und der Opposition erörtert. Die
Gespräche hätten mit Blick auf seine mit Spannung erwartete
Rede vor der Sicherheitskonferenz von Herzlija am Donnerstag
stattgefunden. Scharon rechnet zudem laut der Zeitung "Haaretz" mit dem
Ende der Regierung des palästinensischen Ministerpräsidenten
Ahmed Kureia innerhalb der kommenden sechs Monate.
(Quellen: dpa,
ap)
Bundeswehr-Patrouille in Afghanistan unter Beschuss
Mi.17.12.03 - Die
Große Ratsversammlung in Afghanistan ist am dritten Tag ihrer
Verfassungs-Beratungen von mehreren Angriffen überschattet worden,
in die auch Bundeswehrsoldaten verwickelt waren. In der Nähe der
Hauptstadt Kabul geriet eine deutsche Patrouille in der Nacht zum
Dienstag in einen Schusswechsel mit Afghanen. In der Nacht schlugen
zudem drei Raketen in Kabul ein. Deutsche Soldaten wurden bei den
Angriffen nicht verletzt. Für die Raketenangriffe übernahmen
die radikalislamischen Taliban die Verantwortung. Bei der Loja Dschirga
zeichnen sich Differenzen über die künftige Machtverteilung ab.
Eine Bundeswehr-Patrouille war nach Angaben eines Sprechers des
Verteidigungsministeriums in der Nacht zum Dienstag auf verdächtige
Afghanen gestoßen, die vermutlich mit Vorbereitungen für den
Abschuss einer Rakete beschäftigt waren. Daraufhin kam es zu dem
Schusswechsel. Ein deutscher Soldat sei getroffen, wegen seiner
Schutzausrüstung aber nicht verletzt worden. Unklar blieb, ob
Afghanen verletzt wurden.
Die drei Raketen schlugen in der Nacht in bewohnten Gebieten der
afghanischen Hauptstadt ein. Verletzt worden sei niemand, erklärte
die Internationale Afghanistan-Schutztruppe (ISAF). Eine der Raketen
landete nahe dem Kabuler Flughafen, nur wenige Kilometer vom Tagungsort
der Loja Dschirga entfernt. Ein Taliban-Sprecher übernahm für
die radikalislamischen Extremisten die Verantwortung für die
Raketenangriffe und kündigte weitere Attacken in der afghanischen
Hauptstadt an. "Das Hauptziel ist die Loja Dschirga", sagte der Sprecher.
Am dritten Tag ihrer Beratungen bildeten die Delegierten der
Ratsversammlung zehn Arbeitsgruppen, um getrennt über die
künftige Verfassung zu beraten. Bei den Beratungen wurden
große Differenzen über das künftige politische System
offenbar. Während sich mehrere Teilnehmer für eine
Stärkung des Präsidentenamtes aussprachen, forderten andere
ein starkes Parlament und eine Regierung unter Führung eines
Ministerpräsidenten.
In einer symbolischen Zeremonie für den Wiederaufbau weihte
Präsident Hamid Karsai die 482 Kilometer lange Straße
zwischen Kabul und Kandahar im Süden ein. Dies sei erst der Beginn
des Wiederaufbaus, sagte der Präsident in Durani, rund 50 Kilometer
südlich von Kabul. Für ihn sei damit "einer der großen
Träume meines Volkes" wahr geworden.
(Quelle: afp)
Tutu verurteilt Menschenrechtsverletzungen in Simbabwe
Mi.17.12.03 - Der
frühere südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu hat die
anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in Simbabwe scharf verurteilt. Es
sei richtig gewesen, die Mitgliedschaft des Landes im Commonwealth beim
Gipfel in der nigerianischen Hauptstadt Abuja weiter auszusetzen,
erklärte der Friedensnobelpreisträger am Montag in Kapstadt.
Die Situation in Simbabwe habe sich in den vergangenen zwölf
Monaten verschlechtert.
Der Beschluss auf dem Gipfel hatte zum Austritt Simbabwes aus dem
Commonwealth geführt. Tutus Erklärung steht im Gegensatz zu
den Äußerungen des südafrikanischen Präsidenten
Thabo Mbeki. Er hatte am vergangenen Freitag die westlichen Staaten
wegen der anhaltenden Isolierung Simbabwes scharf angegriffen.
Tutu forderte dagegen die afrikanischen Staaten auf, sich ohne
Umschweife zu den Menschenrechten zu bekennen und Übergriffe gegen
die fundamentalen Rechte ohne Wenn und Aber zu verurteilen. Nur so werde
es gelingen, der Förderung von Demokratie und Entwicklung in
Afrika auch Respekt zu verschaffen.
Tutu betonte, dass die Entscheidung zur weitere Aussetzung der
Commonwealth-Mitgliedschaft Simbabwes auf eine demokratische Weise
gefasst worden sei. Es habe zuvor Konsultationen und dann eine
Abstimmung gegeben. Mbeki hatte die westlichen Länder unter anderem
bezichtigt, die Verlängerung der Suspendierung Simbabwes durch
Druck durchgesetzt zu haben.
(Quelle: epd)
Friedensgespräche für sudanesische Region Darfur
abgebrochen
Mi.17.12.03 - Die
Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts in der
westsudanesischen Region Darfur sind am Dienstag ohne Ergebnis
ausgesetzt worden. Innenminister Abderahmane Moussa sprach vor
Journalisten in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena von einem
Scheitern. Er warf der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA) vor,
den Abbruch der Gespräche mit nicht annehmbaren Forderungen
herbeigeführt zu haben.
Bei den Gesprächen in N'Djamena hätte der Anfang September
von Tschad vermittelte Waffenstillstand für die Region Darfur in
ein festes Abkommen gegossen werden sollen. Wegen der anhaltenden
Spannungen sind in der vergangenen Woche mehr als 10.000 Menschen aus
der Umgebung von Darfur in die östlichen Landesteile von Tschad
geflohen, wie Helfer der Organisation Ärzte ohne Grenzen
mitteilten. Die SPLA fordert eine Autonomieregelung für die 900
Kilometer westlich von Darfur gelegene Region Darfur und kämpft
dort seit Februar gegen Regierungstruppen und mit diesen verbündete
Milizen.
Die Spannungen um Darfur begleiten die Bemühungen zwischen SPLA
und der Regierung in Khartum um eine landesweite Beilegung des seit 20
Jahren dauernden Bürgerkriegs in dem größten
afrikanischen Flächenstaat. Dazu werden weiter
Friedensgespräche in Kenia geführt.
(Quelle: ap)
Neuer Fall von SARS in Taiwan
Mi.17.12.03 - In
Taiwan ist ein neuer Fall der Lungenkrankheit SARS aufgetreten. Bei dem
Erkrankten handelt es sich um einen Wissenschaftler, der sich mit der
Erforschung von SARS beschäftigte. Die Krankheit war vor gut einem
Jahr in Südchina zum ersten Mal aufgetreten und breitete sich dann
auf rund 30 Länder aus. Mehr als 8.000 Menschen wurden nach
Angaben der WHO infiziert, rund 800 sind daran gestorben.
(Quelle: br-Radionachrichten)
Nach Scheitern des Gipfels Kritik im EU-Parlament
Dem
amtierenden italienischen EU-Vorsitz wird mangelndes
Verhandlungsgeschick vorgeworfen. Berlusconi weist Kritik zurück
und zieht positive Bilanz seiner Ratspräsidentschaft
Mi.17.12.03 -
Nach dem gescheiterten EU-Gipfel vom Wochenende haben Vertreter des
Europaparlaments und Kommissionspräsident Romano Prodi harsche
Kritik geäußert. Dass die Staats- und Regierungschef keine
Einigung über die erste Verfassung der EU erzielen konnten, sei
eine "sehr, sehr große Enttäuschung", sagte Prodi vor dem
Plenum in Straßburg. Vertreter mehrerer Fraktionen warfen dem
amtierenden italienischen EU-Vorsitz mangelndes Verhandlungsgeschick
vor. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi zog hingegen eine
positive Bilanz seiner Ratspräsidentschaft.
Der Entwurf des Verfassungskonvents sollte der Ausgangspunkt für
einen Schritt nach vorne sein, sagte Prodi. "Einige Staaten" hätten
ihn jedoch benutzt, um einen "Schritt zurück zu machen". Das
Projekt der europäischen Integration sei dadurch zum Stillstand
gekommen. Prodi rief die EU-Staaten eindringlich auf, sich nun "um
unsere Union zu scharen". Gelinge dies nicht, werde Europa an Einfluss
in der Welt verlieren und an den "Rand der Geschichte gedrängt"
werden.
Der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Hans-Gert
Pöttering, forderte die EU-Staaten zu mehr Kompromissbereitschaft
auf. Das Scheitern der Regierungskonferenz dürfe nicht zum
Scheitern der Verfassung führen, mahnte der CDU-Politiker. Zugleich
sprach er sich gegen die Idee eines "Kerneuropa" aus.
Außer ein "paar schlechten Witzen" habe Berlusconi bei den
Verfassungsverhandlungen nicht viel in der Tasche gehabt, sagte der
Vorsitzende der liberalen Fraktion, der Brite Graham Watson. Nach dem
Scheitern des Gipfels tue sich eine Gefahr für die EU auf, warnte
der SPD-Abgeordnete und frühere Parlamentspräsident Klaus
Hänsch. Mehrere Redner riefen die künftige irische
EU-Präsidentschaft auf, nach dem "Fiasko der Regierungskonferenz"
rasch wieder den Verfassungskonvent einzuberufen.
Berlusconi wies die Kritik zum Abschluss der dreistündigen Debatte
entschieden zurück. Während des sechsmonatigen italienischen
Vorsitzes sei viel erreicht worden. Die EU habe wichtige Initiativen zur
Ankurbelung der Wirtschaft beschlossen, etwa große
Verkehrsinfrastrukturprojekte. Bei den Verfassungsverhandlungen habe
sich Italien mit "gutem Willen, Geduld und Überzeugungskraft" um
eine Einigung bemüht. In 82 "zum Teil sehr schwierigen Punkten"
seien Kompromisse gefunden worden.
(Quelle: ap)
Cohn-Bendit fordert Volksentscheid für EU-Verfassung
Mi.17.12.03 - Der
Grünen-Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit hat sich wegen des
gescheiterten EU-Gipfels für eine erneute Einberufung des
Verfassungskonvents ausgesprochen. Das müsse Irland gleich zu
Beginn seiner Ratspräsidentschaft beschließen, sagte
Cohn-Bendit, der auch Spitzenkandidat der Grünen für die
Europawahlen 2004 ist, laut der Chemnitzer «Freien Presse»
(Mittwochausgabe).
Sollte der Konvent wieder keinen Erfolg haben, müsse das im Juni
2004 neu gewählte Europarlament einen weiteren verfassungsgebenden
Konvent ins Leben rufen, fügte er hinzu. Das Gremium sollte jeweils
zur Hälfte mit Mitgliedern des Europarlaments und der nationalen
Parlamente besetzt werden, schlug der Grünen-Politiker vor.
Über den dann neu erarbeiten Verfassungsentwurf müsse per
Volksentscheid in den EU-Mitgliedsländern entschieden werden.
(Quelle: ap)
Offener Streit um künftige Finanzierung der EU
Mi.17.12.03 - Gut
vier Monate vor der Aufnahme von zehn neuen Mitgliedstaaten ist der
Streit über die künftige Finanzierung der erweiterten
Europäischen Union offen zutage getreten. Die EU-Kommission und die
italienische Ratspräsidentschaft wiesen die Forderung von
Deutschland und fünf weiteren Staaten zurück, den EU-Haushalt
ab 2007 rigoros zu deckeln. Die sechs "Nettozahler" wollen ab 2007 den
EU-Haushalt auf ein Prozent der EU-Wirtschaftsleistung begrenzen.
Durch die geforderte Deckelung müssten vor allem Spanien und
Polen, die für das Scheitern des EU-Verfassungsgipfels
verantwortlich gemacht wurden, als wichtigste Empfängerländer
mit erheblichen Kürzungen ihrer EU-Gelder rechnen. Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SDP) und seine Kollegen aus Frankreich,
Großbritannien, Schweden, die Niederlande und Österreich
begründeten ihren Vorstoß mit der Notwendigkeit zu sparen.
"Im Lichte der schmerzhaften Konsolidierungsbemühungen in den
Mitgliedstaaten würden es unsere Bürger nicht verstehen, wenn
der EU-Haushalt von diesem Konsolidierungsprozess ausgenommen bliebe",
schrieben sie an Kommissionspräsident Romano Prodi.
Prodi hielt im EU-Parlament in Straßburg dagegen: Die
EU-Regierungen hätten der Gemeinschaft schließlich eine ganze
Liste neuer Aufgaben übertragen. Dazu gehörten unter anderem
die Förderung von Forschung und Entwicklung, die Zusammenarbeit in
der Justiz- und Innenpolitik sowie die gemeinsame Außenpolitik
und auch die Verteidigung. Dies werde ohne eine angemessene
Mittelausstattung der EU nicht möglich sein, sagte Prodi.
Unterstützung bekam Prodi in Straßburg vom amtierenden
EU-Ratspräsidenten Silvio Berlusconi. Italien stehe auf der Liste
der Nettozahler auf Platz drei, habe sich aber trotzdem nicht an dem
Vorstoß beteiligt, sagte der Ministerpräsident. Die
Kommission will ungeachtet des Sparappells wie vorgesehen im Januar ein
erstes Strategiepapier zur Finanzierung der EU in den Jahren 2007 bis
2013 vorlegen.
Die Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, hatten am Montagabend
die Kommission aufgefordert, für den Zeitraum 2007 bis 2013 die der
EU zur Verfügung gestellten Mittel auf ein Prozent des
Bruttonationaleinkommens (BNE) zu begrenzen. Alle sechs Länder sind
"Nettozahler": Ihre Einzahlungen in den EU-Haushalt sind höher als
die Rückflüsse aus der EU-Kasse in das eigene Land.
(Quelle: afp)
Haushaltskommissarin lehnt EU-Sparvorstoß ab
Mi.17.12.03 - Im
Streit um die künftige Finanzierung der erweiterten
Europäischen Union hat sich die deutsche Haushaltskommissarin
Michaele Schreyer gegen Forderungen aus Berlin verwahrt, die
Gesamtausgaben der EU bis zum Jahr 2013 rigoros zu deckeln. "Man kann
den Haushalt nicht in dem Moment reduzieren, wo wir die Erweiterung
haben", sagte sie der "Berliner Zeitung". Die EU-Staats- und
Regierungschefs hätten der EU stetig mehr kostenträchtige
Aufgaben übertragen.
"Man kann doch nicht nur Bestellungen aufgeben, sondern man muss auch
darauf gefasst sein, dass irgendwann die Rechnungen kommen", sagte die
Grünen-Politikerin.
Schreyer wies zudem darauf hin, dass die EU ab 2007 mit Rumänien
und Bulgarien 27 Mitglieder zählen werde. "Ich glaube, es ist im
Bewusstsein noch nicht durchgedrungen, dass das zwei sehr arme
Länder sind, für die die Förderausgaben hoch zu Buche
schlagen werden", sagte sie der "Berliner Zeitung". Eine Deckelung des
Budgets sei nur möglich, wenn an anderer Stelle gekürzt
würde. Die EU müsse dann die Agrarzahlungen beschneiden oder
die Strukturförderung in den alten Mitgliedsländern radikal
einschränken. Schreyer plädierte für ein Budget zwischen
1,0 und 1,24 Prozent des Sozialprodukts.
Deutschland und fünf weitere Länder wollen den EU-Haushalt ab
2007 auf ein Prozent der EU-Wirtschaftsleistung begrenzen. Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Schweden, die Niederlande und
Österreich begründeten ihren Vorstoß mit der
Notwendigkeit der Mitgliedsländer zu sparen.
(Quelle: afp)
EU zu Austausch von Flugpassagierdaten mit den USA bereit
Mi.17.12.03 - Im
Streit um den Austausch von Luftverkehrsdaten haben die USA und die
EU-Kommission eine Einigung erzielt. Damit soll der von den USA
angeführte Kampf gegen den Terror unterstützt werden.
Die Europäische Kommission teilte am Dienstag in Brüssel mit,
sie sei bereit, Daten über Flugpassagiere mit den USA
auszutauschen, nachdem die USA einen angemessenen
Persönlichkeitsschutz zugesichert hätten. "Die
Europäische Kommission beabsichtigt, eine Entscheidung umzusetzen,
die den Datentransfer mit den USA in diesem Rahmen vorsieht, der einen
angemessenen Persönlichkeitsschutz bietet", sagte
Kommissionssprecher Jonathan Todd zu Reuters. Der Vereinbarung muss noch
das Europäische Parlament zustimmen.
EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein erklärte in
Straßburg, die Verhandlungen seien nicht einfach gewesen.
Schließlich hätten die USA aber eine Reihe wichtiger
Zugeständnisse gemacht. So sei die Zahl der angefragten Daten auf
34 von 39 reduziert worden und die USA seien zu deren Löschung nach
3-1/2 Jahren statt zunächst vorgesehener 50 Jahre bereit. Zudem
hätten die USA zugestimmt, alle sensiblen Daten, wie über den
Gesundheitszustand von Passagieren, zu vernichten. Darüber hinaus
hätten sie zugesichert, die Daten nur für den Kampf gegen den
Terror und damit zusammenhängende Straftaten zu nutzen und nicht
wie zunächst geplant, auch gegen alle anderen Arten von
Kriminalität.
Mit der Entscheidung wird ein monatelanger Streit zwischen der EU und
den USA über den Austausch von Passagierdaten beendet. Die USA
versprechen sich von den Daten Informationen, mit deren Hilfe sie
Anschläge, die die am 11. September 2001 verhindert werden
können.
(Quelle: rtr)
Ein weiterer
Bericht zum Thema bei heise-online (17.12.03) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-17.12.03-006/
G-8-Staaten wollen Globalisierung gerechter gestalten
Arbeitsminister sprechen sich für verstärkte
Zusammenarbeit der Welthandelsorganisation (WTO) und der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) aus
Mi.17.12.03 - Die
acht wichtigsten Industrienationen wollen die Globalisierung gerechter
gestalten. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement
äußerte am Dienstag nach dem Treffen der Arbeitsminister der
G-8-Staaten in Stuttgart den Wunsch nach einer stärkeren
Berücksichtigung der sozialen Dimension des
Globalisierungsprozesses. Der SPD-Politiker betonte auch, die acht
Länder wollten ihre arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen auf
eine Ankurbelung des weltweiten Aufschwungs ausrichten. Er sagte:
«Wir befinden uns in einem Prozess einer kräftigen
weltwirtschaftlichen Erholung.»
Die Arbeitsminister aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Japan, Kanada, Russland und den USA sprachen sich für eine
verstärkte Zusammenarbeit der Welthandelsorganisation (WTO) und
der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zur Bekämpfung der
Probleme bei der Globalisierung aus. «Alles muss dazu
führen, dass es zu einer menschlichen Globalisierung kommt»,
sagte Vizeministerin Nicole Ameline vom französischen
Sozialministerium.
ILO-Generaldirektor Juan Somavia betonte, seine Organisation wolle die
Akteure zusammenbringen, um Wachstum sozialer zu gestalten. Dazu sei ein
verstärkter Dialog notwendig. Er könne sich ein
Gesprächsforum zu den Themen Wachstum, Investitionen und
Beschäftigung vorstellen. Nachhaltiges Weltwachstum müsse sich
in verantwortlicher Weise vollziehen. Der britische Arbeitsminister
Andrew Smith erklärte, Globalisierung müsse kein
Nullsummenspiel sein. Liberalisierung könne Vorzüge haben und
Wachstum stimulieren.
Clement unterstrich die Bedeutung einer sozialen Begleitung der
Globalisierung. Er forderte weltweite Mindeststandards bei den
Arbeitsnormen. Menschenwürdige Arbeit sei weltweit ein wichtiges
Anliegen. Die G-8-Staaten trügen hier maßgeblich
Verantwortung. Nötig sei auch eine weitere Öffnung der
Märkte für die Schwellen- und Entwicklungsländer. Nach
Angaben Clements sind derzeit rund eine Milliarde Menschen auf der Welt
arbeitslos oder unterbeschäftigt oder arbeiten ohne jede soziale
Absicherung.
Die Bekämpfung der weltweiten Arbeitslosigkeit stand mit im
Mittelpunkt des dreitägigen Treffens unter dem Vorsitz von Clement.
Dieser sagte: «Wir brauchen mehr wirtschaftliches Wachstum mit
mehr Beschäftigung.» Am stärksten sei der Aufschwung in
den USA, am schwächsten in der EU. Deutschland wolle einen Beitrag
zur Konjunkturerholung leisten.
Die Reformen in Deutschland seien wichtig, sagte er. Die G-8-Staaten
lernten gegenseitig von ihrer Beschäftigungspolitik. Wichtig seien
vermehrte Neugründungen von Unternehmen, um mehr Beschäftigung
und Ausbildungsplätze zu schaffen. «Das gilt für alle
G-8-Staaten.» Smith betonte, alle Länder müssten
Reformen vornehmen, «nur so kann der Wohlstand weiterentwickelt
werden.»
(Quelle: ap)
Deutschland
Kirchen kritisieren Rüstungsexportpolitik der
Bundesregierung
Deutschland
ist nach Frankreich der zweitgrößte Rüstungsexporteur
der EU. Weltweit nimmt Deutschland den fünften Platz ein
Mi.17.12.03 - Die
Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) hat die
Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. Nach
wie vor würden Lieferungen in Spannungsgebiete wie Israel und
Indien genehmigt, sagten Vertreter der kirchlichen Organisation am
Montag bei der Vorstellung ihres jährlichen
Rüstungsexportberichts in Berlin. Ein Viertel der Genehmigungen
für Exporte werde zudem für Lieferungen in
Entwicklungsländer erteilt. Die GKKE ist eine Einrichtung der
beiden großen Kirchen für Entwicklungspolitik.
Im vergangenen Jahr wurden den Angaben zufolge Ausfuhrgenehmigungen
für Kriegswaffen und Rüstungsgüter im Wert von 3,26
Milliarden Euro erteilt. Gegenüber den 3,7 Milliarden Euro vom Jahr
2001 sei das ein leichter Rückgang. Es gebe aber trotzdem keinen
Grund zur Entwarnung: "Die Trends der deutschen Rüstungsexporte
mögen beruhigen, die Tatsache der Exporte als solche dagegen
nicht", sagte der GKKE-Vorsitzende der Fachgruppe Rüstungsexporte,
Bernhard Moltmann.
Der evangelische Vorsitzende der GKKE, Stephan Reimers, kritisierte das
Engagement von Bundeskanzler Gerhard Schröder für eine
Aufhebung des EU-Waffenembargos für China. China erfülle weder
die deutschen noch die EU-Kriterien für die Genehmigung von
Rüstungsexporten. Mit der Äußerung des Kanzlers auf
seiner Chinareise, sich für ein Ende des Embargos einzusetzen,
werde die Glaubwürdigkeit deutscher Politik geschädigt, so
Reimers.
Der katholische GKKE-Vorsitzende, Karl Jüsten, kritisierte, dass
die Bundesregierung ihren Rüstungsexportbericht 2002 immer noch
nicht vorgelegt habe. Angesichts der von der Regierung angestrebten
Transparenz sei dies unakzeptabel und nicht nachvollziehbar.
Nach Angaben von Moltmann ist Deutschland nach Frankreich der
zweitgrößte Rüstungsexporteur der EU. Weltweit nimmt
Deutschland den fünften Platz ein. Die GKKE legte ihren
Rüstungsexportbericht bereits zum siebten Mal vor. Er bewertet die
deutsche Rüstungsexportpolitik unter den Aspekten der
Friedensförderung und Konfliktvorbeugung.
(Quelle: epd)
Vermittlungsausschuss segnet Reformkompromiss ab
Mi.17.12.03 -
Regierung und Opposition haben sich endgültig auf das im
Vermittlungsausschuss vereinbarte Reformpaket geeinigt. Die so genannte
Bereinigungssitzung habe am späten Dienstagabend "all das
bestätigt, was am Sonntag vereinbart worden ist", sagte
SPD-Fraktionschef Franz Müntefering. Die geänderten
Gesetzesvorlagen sollen den Fraktionen am Donnerstag vorliegen.
Unions-Geschäftsführer Volker Kauder (CDU) sagte, die
Kompromisslösung trage "die deutliche Handschrift der Union,
deshalb haben wir unsere Zustimmung gegeben".
Der Vermittlungsausschuss hatte am Dienstagabend eigentlich in der so
genannten Bereinigungssitzung nur noch Formulierungsfragen und letzte
offene Details klären wollen. Wegen neuen Streits um die
Steuerreform waren die Verhandlungen aber zunächst erneut offen:
Die Union warf dem Bundesfinanzministerium eine Rechenpanne vor, die
dafür verantwortlich gewesen sein soll, dass die Steuerzahler um
1,2 Milliarden Euro stärker entlastet werden, als die Union
beabsichtigt hatte. Die Regierungskoalition wies diesen Vorwurf
zurück und verwies auf die gemeinsame Entscheidung bei den
Verhandlungen in der Nacht zum Montag.
Der Anteil der Kreditfinanzierung der Steuerreform wird durch die neuen
Zahlen nach Einschätzung des bayerischen Staatsministers Erwin
Huber (CSU) auf rund 30 Prozent steigen. Die Union gab nach
mehrstündigen Beratungen schließlich nach: Trotz höherer
Kosten wollte sie nicht mehr an dem einmal erzielten Steuerkompromiss
mit der Regierung rütteln. Müntefering sprach von einem
"Missverständnis".
Müntefering sagte, das Jahr ende mit einem Erfolg der Koalition.
Mit der Agenda 2010 werde "die Spur gelegt" für die Erneuerung des
Landes. Die Gesetze sollen am Freitag von Bundestag und Bundesrat
beschlossen werden. Müntefering sagte weiter, er werde in der
Fraktion für eine eigene Mehrheit werben. Die Kompromisslösung
halte er für "vertretbar". Einzelne Abgeordnete der
rot-grünen Koalition hatten zuvor heftige Kritik an
Änderungen im Kündigungsschutz und an der Abschaffung der
Zumutbarkeitsregel geäußert.
(Quelle: afp)
Wirtschaftsforscher: Kaum Konjunkturimpulse durch
Steuerreform
Mi.17.12.03 - Der
Kompromiss bei der Steuerreform wird nach Einschätzung des
Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) kaum Auswirkungen auf das
deutsche Wirtschaftswachstum haben.
Den von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) genannten
zusätzlichen Impuls durch den Kompromiss von bis zu 0,6 Prozent
für das Brutto-Inlandsprodukt wies Ifo-Präsident Hans-Werner
Sinn zurück. "O,6 können es unmöglich sein. Die alte
Reform, so wie sie angekündigt war (...), da waren das 0,2. Jetzt
haben wir nur die halbe Miete, also nur 0,1. Es ist so gut wie gar
nichts. Konjunkturell wird das nicht viel bringen", sagte Sinn am
Mittwoch im Deutschlandfunk. Allerdings gehe es bei der Reform nicht um
die Konjunktur, sondern um langfristige Bedingungen für Wachstum.
"Und da ist die Reform schon sehr gut." Eine Senkung der
Steuersätze etwa gebe Anreize zum Ausstieg aus der Schwarzarbeit.
Regierung und Opposition hatten sich am Montag auf Reformen
verständigt, die unter anderem ein Vorziehen der dritten Stufe der
Steuerreform von 2005 auf 2004 bedeuten. Das Volumen der Entlastungen
beträgt aber nur etwa neun Milliarden Euro, nach zunächst
geplanten 15,6 Milliarden Euro.
Bereits am Montag hatten der Präsident des Deutschen Instituts
für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, und der Chef des
Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA), Thomas Straubhaar, die
Auswirkungen des Kompromisses auf das Wirtschaftswachstum 2004 als
gering eingeschätzt.
Auf die Frage, ob der bevorstehende Aufschwung dazu ausreiche, die
Arbeitslosenzahl in Deutschland zu verringern, sagte Sinn: "Ein bisschen
schon. Eine halbe Million. Dann sind wir nicht mehr bei viereinhalb,
sondern bei vier Millionen oder 3,9, wenn es ganz gut läuft." Die
dann noch verbleibende Zahl an Arbeitslosen sei aber weiter
problematisch, weil es sich um Sockelarbeitslosigkeit handele, die auch
auf die Verkrustung des Arbeitsmarktes zurückzuführen sei.
(Quelle: rtr)
Attac startet Kampagne gegen Reformkompromiss
Mi.17.12.03 - Das
Anti-Globalisierungs-Netzwerk Attac hat eine Kampagne gegen den
Reformkompromiss von Regierung und Opposition gestartet. In 40.000
E-Mails seien Mitglieder und Unterstützer dazu aufgerufen worden,
bei den Bundestagsabgeordneten gegen das Ergebnis des
Vermittlungsverfahrens zu protestieren, teilte die Organisation am
Dienstag in Frankfurt am Main mit.
Es sei zu begrüßen, dass sich bereits mehrere Abgeordnete
auf die Ablehnung des Kompromisses bei der Abstimmung im Bundestag
festgelegt hätten. «Es ist ein wichtiges Signal, dass die
Regierungsführung merkt, dass die Abgeordneten nicht alles mit sich
machen lassen», erklärte Attac-Vertreter Sven Giegold.
(Quelle: ap)
Preissprung bei billigen Arzneien kommt auch Patienten teuer
Bisher sehr
billige rezeptpflichtige Medikamente werden mit der Gesundheitsreform
für Patienten deutlich teurer
Mi.17.12.03 -
Für Mittel aus dem Niedrigpreissegment müssten Patienten
künftig etwa 200 bis 300 Millionen Euro im Jahr zusätzlich an
Zuzahlungen aufbringen, sagte der Arzneimittelexperte Gerd Glaeske dem
ARD-Magazin Plusminus nach einer Vorabmeldung vom Dienstag. Das
Gesundheitsministerium betonte dagegen, das neue Apothekenhonorar
belaste die Patienten nicht zusätzlich, insgesamt werde ihre
Eigenbeteiligung sogar geringer.
Hintergrund ist die neue Vergütung für Apotheker. Sie
erhalten künftig unabhängig vom Arzneimittelpreis ein Fixum
von 8,10 Euro plus einen prozentualen Aufschlag. Somit steigt dem
Fernsehbericht zufolge zum Beispiel der Preis eines Rheumamittels
für 2,18 Euro auf 10,73 Euro.
Deshalb zahlt der Patient auch nicht mehr 2,18 Euro zu, sondern die
neue Mindestzuzahlung von fünf Euro. Die bisherige Regel, dass die
Zuzahlung nicht höher sein darf als der Arzneimittelpreis, gilt
zwar formal weiter. De facto kosten jedoch alle
verschreibungspflichtigen Arzneien künftig 8,10 Euro plus x.
Verteuert werden nach Glaeskes Worten damit etwa zehn bis 15 Prozent der
Arzneien. Für rezeptfreie Mittel gilt die Regel nicht, hier
dürfen die Apotheker ihre Preise selbst festlegen.
Wie Ministeriumssprecher Klaus Vater bestätigte, erhöht sich
die Zuzahlung für Medikamente, die bisher bis zu fünf Euro
kosteten. Diese Arzneimittel hätten aber einen Umsatz von weniger
als einer Milliarde Euro. Dagegen hätten die Mittel, die bisher
mehr als 28,50 Euro kosteten und künftig in der Apotheke billiger
verkauft würden, einen Umsatz von mehr als 17 Milliarden Euro.
«Per Saldo verringert also die neue Preisregelung im Rahmen einer
Zehn-Prozent-Zuzahlung die Eigenbeteiligung der Versicherten»,
erklärte er. Dem Fernsehmagazin warf Vater Polemik vor.
Die gesetzliche Krankenversicherung muss zwar bei den
Billigpräparaten auch mehr Apothekerhonorar zahlen, erhofft sich
aber von der Neuregelung insgesamt Einsparungen, wie der Bundesverband
der Betriebskrankenkassen erläuterte. «Unterm Strich bleibt
keine finanzielle Belastung der GKV», sagte Sprecher Florian Lanz
der AP. Er bestätigte jedoch, dass für Patienten Zuzahlungen
für die bisher sehr billigen Mittel teurer würden.
Die Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Apothekern über einen
neuen Rahmenvertrag zur Arzneimittelversorgung sind unterdessen
gescheitert. Die Apotheker hätten auf «lukrative
Rabattgeschäfte zu Lasten der Beitragszahler nicht
verzichten» wollen, teilten die Spitzenverbände der
Krankenkassen mit. Nun soll ein Schiedsgericht entscheiden.
Für Patienten hat dies zunächst keine unmittelbaren Folgen,
wie Lanz sagte. Allerdings kann die so genannte Aut-idem-Regel nicht
mehr umgesetzt werden, nach der Ärzte einen Wirkstoff aufschreiben
und Apotheker ein preisgünstiges Präparat heraussuchen.
Stattdessen seien Apotheker ab 1. Januar an die ärztliche
Verordnung gebunden, sagte Lanz.
(Quelle: ap)
Umweltschützer laufen Sturm gegen drastische
Bahn-Kürzungen
Mi.17.12.03 -
Umweltschützer und Gewerkschafter laufen Sturm gegen geplante
drastische Kürzungen bei den Bundesmitteln für die Bahn. Diese
drohten die Erfolge der ökologischen Verkehrspolitik der
vergangenen Jahre mit einem Schlag wieder zunichte zu machen, warnten am
Dienstag der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der
Verkehrsclub Deutschland (VCD). Hintergrund sind die Beschlüsse im
Vermittlungsausschuss, die einseitig Bahn-Investitionen und
Schienennahverkehr betreffen würden. Die Bahn-Gewerkschaft Transnet
sprach für 2004 von drohenden Kürzungen von insgesamt mehr
als 400 Millionen Euro. Dabei seien zusätzliche Einbußen
für die Bahn aufgrund des Desasters bei der LKW-Maut noch nicht
berücksichtigt.
(Quelle: afp)
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