Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertvierundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Saddam Hussein soll vor irakisches Gericht +++ Cousin und
Leibwächter von Saddam hat angeblich den Ex-Diktator an die
Amerikaner verraten +++ 'Human Rights Watch' fordert Verfolgung von
Menschenrechtsverletzungen der US-Armee im Irak +++ EU-Chefdiplomat
Solana kritisiert US-Vergabepraxis von Aufträgen für Irak
Do.18.12.03 - Saddam Hussein wird nach Angaben des provisorischen irakischen
Regierungrates in seinem Heimatland der Prozess gemacht. Dies sagte der
Vorsitzende des Rates, Abdelasis el Hakim, am Mittwoch in London nach
Gesprächen mit dem britischen Außenminister Jack Straw, wie
die BBC berichtete. Saddam werde vor ein irakisches Sondergericht
gestellt, wobei internationale Standards eingehalten und Beobachter aus
dem Ausland zugelassen würden, sagte el Hakim.
Die irakische Zeitung "al-Sabah" schrieb am Mittwoch, ein Cousin und
Leibwächter von Saddam Hussein habe den Ex-Diktator an die
Amerikaner verraten. Unterdessen berichtete die "Washington Post", bei
der Festnahme des Ex-Diktators sei ein Papier gefunden worden, dass
über geheime Zellen des irakischen Widerstands Auskunft gibt. Das
Papier, eine Art Sitzungsprotokoll, gewähre Einblicke in die
Operation von 14 heimlich operierenden Zellen.
Bei einer Explosion im Südwesten von Bagdad sind am Mittwoch
mindestens 10 Iraker getötet und 15 Menschen verletzt worden. Im
Bagdader Arbeiterbezirk El Bajaa explodierte am Morgen ein Tanklaster
an einer belebten Straßenkreuzung. Über den Hergang gab es
unterschiedliche Angaben. Augenzeugen sagten, der Lastwagen sei
über einen Sprengsatz gefahren. Die US-Armee sprach von einem
Unfall.
In Mossul wurden bei einer Demonstration von
Saddam-Hussein-Anhängern vier Menschen verletzt, wie
US-Militärsprecher mitteilten. Die 4. Infanteriedivision habe in
Samarra eine neue Großaktion gegen Untergrundkämpfer
begonnen und mindestens ein Dutzend Verdächtige festgenommen. Bei
der Razzia davor seien ein mutmaßlicher Rebellenführer und
78 Verdächtige verhaftet worden.
"Human Rights Watch" hat die Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen
der US-Armee im Irak gefordert. Auch nach dem Ende des Krieges wendeten
die Besatzungstruppen dort vielfach unangemessene Gewalt an,
heißt es in einem Bericht der internationalen
Menschenrechtsorganisation, der am Dienstag in Moskau vorgestellt wurde.
Die Amerikaner würden zwar nicht absichtlich Opfer unter der
Zivilbevölkerung herbeiführen, aber auch keine Maßnahmen
zum Schutz der Iraker ergreifen.
Human Rights Watch kritisiert vor allem die aggressiven
Hausdurchsuchungen der US-Amerikaner, die in irakischen Städten
nach Anhängern des gestürzten Saddam-Hussein-Regimes fahnden.
Außerdem dokumentierten die Menschenrechtler 20 Fälle, in
denen US-Soldaten an Straßensperren das Feuer auf unbewaffnete
Zivilisten eröffneten. Oft würden die Truppen auch
unverhältnismäßig auf Angriffe reagieren. Nach der
Explosion eines selbst gebauten Sprengsatzes in der Nähe einer
US-Kolonne hätten die Soldaten wahllos in alle Richtungen gefeuert
und umstehende Menschen getroffen.
Nach Angaben der Menschenrechtler gibt es in Teilen der
US-Streitkräfte durchaus Verständnis für die Klagen
über das aggressive Vorgehen der Besatzungstruppen. Bislang gebe
es aber kaum Anstrengungen, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen.
In lediglich fünf Fällen seien Ermittlungen gegen Soldaten
eingeleitet worden, die viermal mit einem Freispruch endeten. Lediglich
ein US-Soldat sei disziplinarisch bestraft worden.
Human Rights Watch hatte bereits die Invasion im Irak kritisiert, mit
der die Streitmacht der USA und ihrer Verbündeten im Frühjahr
das Regime von Saddam Hussein gestürzt hatten. Der Krieg habe
mehrere tausend Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert. Vor
allem Kämpfe in dicht besiedelten Wohngebieten und der Einsatz so
genannter "lebender Schutzschilder" durch die irakische Führung
seien die Gründe für die hohe Opferzahl. Das es keine
Opferstatistik gebe, sei ein weiterer Beleg dafür, dass das Leben
der Zivilbevölkerung nicht oberste Priorität der USA gewesen
sei, so die Menschenrechtler.
Die meisten der über 600 Kuwaiter, die nach dem irakischen
Einmarsch in Kuwait im August 1990 verschwanden, sind nach einem
UN-Bericht offenbar getötet worden. Das erklärte
UN-Generalsekretär Kofi Annan in einem am Dienstag in New York
vorgestellten Bericht. "Nach vielen Jahren des Taktierens und Leugnens
der früheren Regierung Iraks kommt jetzt die schlimme Wahrheit ans
Licht", sagte Annan. "Die Entdeckung von Massengräbern mit den
Überresten von Kuwaitern ist eine grausame und niederschmetternde
Entwicklung."
EU-Chefdiplomat Javier Solana hat die Haltung der USA hinsichtlich der
Auftragsvergabe für den Wiederaufbau Iraks am Mittwoch kritisiert.
Zugleich sagte er in Washington, der Streit darüber scheine sich
aber seinem Ende zu nähern. Die Entscheidung des Pentagons, Firmen
aus Staaten, die gegen den Krieg waren, von Aufträgen
auszuschließen, hätte laut Solana besser mit der Forderung
an einige dieser Staaten über einen Schuldenerlass für Irak
koordiniert werden sollen. "Aber das ist jetzt Vergangenheit", sagte
Solana bei einer Pressekonferenz mit US-Vizeaußenminister Richard
Armitage. "Die Dinge laufen gut. Machen Sie sich keine Sorgen."
Armitage sagte, einige europäische Staaten hätten
"neuralgisch" auf ihren Ausschluss von der Auftragsvergabe reagiert.
Die Gefangennahme von Exmachthaber Saddam Hussein in der vergangenen
Woche sei aber eine gute Gelegenheit, sich zu bewegen und die
transatlantischen Beziehungen zu reparieren. Solana bezeichnete die
Reise des US-Abgesandten James Baker nach Europa, bei der dieser sich
in mehreren Hauptstädten für einen Schuldenerlass für
Irak einsetzte, als "konstruktiv und positiv". Deutschland und
Frankreich haben sich zu einem "substanziellen Schuldenerlass" bereit
erklärt. Die Schulden Iraks werden auf mehr als 100 Milliarden
Dollar geschätzt.
(Quellen: ap, epd, dpa)
«Irak braucht keine weitere Leiche»
Internationale Debatte über die Bestrafung Saddam Husseins
Do.18.12.03 - Nachdem sich die einhellige Erleichterung über die Festnahme
Saddam Husseins gelegt hat, beginnt jetzt international die Debatte
über die Bestrafung des Exdiktators. Zwar kommen dazu bislang
sowohl von den Gegnern als den Befürwortern der Todesstrafe nur
vorsichtige Töne. Dennoch könnte die Frage die
transatlantischen Spannungen weiter verschärfen - vor allem, falls
der irakische Exstaatschef tatsächlich zum Tode verurteilt werden
sollte.
Klar gegen eine Hinrichtung Saddam Husseins haben sich bislang vor
allem die UN ausgesprochen. Generalsekretär Kofi Annan
erklärte, die Vereinten Nationen unterstützten die
Todesstrafe nicht, und verwies darauf, dass keines der
UN-Kriegsverbrechertribunale deren Verhängung vorsehe. Die
Europäische Union schloss sich dieser Haltung an. EU-Sprecher
Diego Ojeda wollte sich zwar nicht direkt zu Saddam Hussein
äußern, sagte jedoch: «Wir glauben, dass es keine
Umstände gibt, die die Todesstrafe rechtfertigen
können.»
Auch Dänemark, das die USA im Golfkrieg unterstützte,
bekräftigte seine Ablehnung der Todesstrafe. Die dänische
Tageszeitung «Berlingske Tidende» schrieb, die
internationale Gemeinschaft und die irakische Führung müssten
«den Irakern zeigen, dass es eine Alternative gibt zu dem
Terrorregime der vergangenen Jahrzehnte».
Auch der Vatikan blieb bei seiner ablehnenden Haltung. Kardinal Renato
Martino sagte, er empfinde trotz der Gräueltaten Saddam Husseins
Mitleid mit diesem, nachdem er Bilder «dieses zerstörten
Mannes» gesehen habe, der «wie eine Kuh behandelt»
worden sei.
Großbritannien will eine Todesstrafe offenbar ebenfalls nicht
unterstützen. Premierminister Tony Blair sprach sich dafür
aus, den Irakern die Entscheidung über das Schicksal ihres
früheren Staatschefs zu überlassen. Blairs Sprecher sagte,
London lehne zwar die Todesstrafe ab, werde jedoch jede Entscheidung
eines irakischen Gerichts akzeptieren. Der britische Irak-Gesandte
Jeremy Greenstock betonte aber, Großbritannien werde kein Gericht
unterstützen, das die Todesstrafe verhängen könnte.
Die linksgerichtete britische Tageszeitung «Guardian»
schrieb, Saddam Hussein solle vor ein von den UN anerkanntes Gericht
gestellt werden, das nicht die Todesstrafe verhängen dürfe.
«Das letzte, was Irak braucht, ist eine weitere Leiche - oder
einen Märtyrer.» Im «Daily Telegraph» hieß
es, die Iraker sollten selbst entscheiden: «Es ist sicherlich
richtig, dass es einem von einem Terrorregime befreiten Volk
möglich sein sollte, diejenigen strafrechtlich zu verfolgen, die
dafür verantwortlich waren.»
Auch Menschenrechtsorganisationen halten es für wichtig, den
Irakern zu signalisieren, dass sie ihre Zukunft nicht auf Rache,
sondern auf Recht und Ordnung aufbauen sollten. «Ich glaube
nicht, dass die Verhängung der Todesstrafe die Toten wieder
lebendig machen würde», sagte
Amnesty-International-Sprecherin Nicole Choueiry. «Und ich glaube
nicht, dass diejenigen, die sie verhängen würden, sich von
ihm (Saddam Hussein) unterscheiden würden.»
Die Iraker hätten genug gelitten «unter Tod, Hinrichtungen
und allen Arten schrecklicher Menschenrechtsverletzungen»,
fügte Choueiry hinzu. «Das Verfahren gegen Saddam Hussein
sollte ein Beispiel dafür setzen, wie die Zukunft Iraks aussehen
sollte.»
Für «die Höchststrafe» gegen Saddam Hussein
plädierte hingegen US-Präsident George W. Bush. Der irakische
Exmachthaber sei ein «verabscheuungswürdiger Tyrann, der
Gerechtigkeit verdient, die höchste Gerechtigkeit», sagte
Bush am Dienstag in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC. Er
betonte jedoch zugleich, dass das irakische Volk darüber zu
entscheiden habe, ob Saddam Hussein hingerichtet werden solle.
Das Plädoyer von US-Präsident George W. Bush für die
Todesstrafe gegen Saddam Hussein ist in Deutschland auf breite Kritik
gestoßen. «Ankündigungen, die das Ergebnis eines
Gerichtsverfahrens vorwegnehmen, halte ich generell nicht für
klug», sagte der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz der
«Berliner Zeitung» (Donnerstagausgabe). Saddam Hussein
müsse im Irak einen fairen Prozess bekommen.
«Nur dann besteht die große Chance, in der Anklage Punkt
für Punkt all die Verbrechen aufzuführen, derer sich Saddam
Hussein in seiner langen Herrschaft schuldig gemacht hat, und so die
irakische Öffentlichkeit und die arabische Welt über das
Ausmaß dieser Verbrechen zu informieren», erklärte
Polenz weiter.
Der SPD-Außenpolitiker Gernot Erler warf Bush im gleichen Blatt
Populismus vor. Die Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für
Menschenrechte, Christa Nickels (Grüne), sprach gar von einem
fatalen Beigeschmack von Siegerjustiz. Würde Saddam zum Tod
verurteilt, würde ein Märtyrer für Extremisten und
Terroristen geschaffen.
Auch Rudolf Binding, Sprecher für Menschenrechte und
humanitäre Hilfe der SPD-Bundestagsfraktion, sprach sich gegen
eine Todesstrafe aus. Forderungen nach einer Hinrichtung bedienten nur
die Rachegefühle sowie die Denk- und Verhaltensmuster des
gestürzten Regimes, sagte er.
Der Berliner Völkerrechtler Gerd Seidler plädierte in der
"Berliner Zeitung" dafür, Saddam vor ein internationales Gericht
zu stellen. Die USA als Aggressor und Besatzungsmacht seien
völkerrechtlich nicht befugt, Saddam Hussein abzuurteilen. Und bei
einem irakischen Gericht bestehe die Gefahr, dass ein solches Gremium
als Marionette der USA gesehen würde, sagte der Professor.
(Quellen: ap)
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Afghanistan: Loja Dschirga nimmt Detailberatungen auf
Do.18.12.03 - Die Delegierten der Großen Ratsversammlung in Afghanistan sind am
Mittwoch in die Detailberatungen über den Verfassungsentwurf
eingetreten. In zehn verschiedenen Gruppen berieten sie über
einzelne Themenbereiche wie die Rolle des Islams, die Stellung der Frau
und die Kräfteverteilung im politischen System. Rund 200 der
insgesamt 500 Teilnehmer der Loja Dschirga sprachen sich in einer
Petition dafür aus, möglichst bald über die Einsetzung
eines Ministerpräsidenten zu entscheiden.
In einer leidenschaftlichen Ansprache an das Plenum wandte sich die
Delegierte Malalai Dschoja gegen den Einfluss der regionalen
Kriegsherrn auf die Arbeit der Loja Dschirga. Als Vorsitzende der
Ausschüsse seien Männern gewählt worden, "die diese
Katastrophen über das afghanische Volk gebracht haben",
kritisierte die Vertreterin der Provinz Farah.
Zu den Versammlungsteilnehmern gehören mächtige
Mudschahedin-Führer wie Raschid Dostum, der von
Ministerpräsident Hamid Karsai in die Loja Dschirga berufen wurde.
Bei den Anhängern der Milizenführer rief die Rede Dschojas
erheblichen Unmut hervor, sie beschimpften die Delegierte und forderten
ihren Ausschluss aus der Loja Dschirga. Dschojas Rede wurde beendet,
indem ihr Mikrofon abgeschaltet wurde.
Bereits am Dienstag hatten Teilnehmerinnen der Loja Dschirga sich
über die Dominanz der Männer in der Versammlung beschwert. In
das Präsidium der Versammlung waren zuvor ausschließlich
Männer gewählt worden; später wurde eine Frau zur
vierten stellvertretenden Vorsitzenden ernannt. Insgesamt nehmen an der
Loja Dschirga 100 weibliche Delegierte teil.
Präsident Hamid Karsai wies Befürchtungen zurück, die
Verfassungsgebende Versammlung sei vom Scheitern bedroht. "Die Dschirga
wird weitergehen, und die Entscheidungen liegen allein in der Hand der
Delegierten", sagte er vor Journalisten.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Frauen protestieren gegen Postenvergabe der Loja Dschirga
Di.16.12.03 - Die Wahl des Präsidiums der afghanischen Ratsversammlung Loja
Dschirga ist bei den weiblichen Delegierten auf heftigen Protest
gestoßen. Alle Stellvertreter-Posten wurden am Montag an
Männer vergeben, nachdem bereits am Tag zuvor Expräsident
Sibghatullah Mudschaddedi zum Vorsitzenden gewählt worden war...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312160.htm#03121604
Ab morgen wollen 500 Delegierte, darunter knapp 100 Frauen, in einem
Zelt auf dem Gelände der polytechnischen Universität in Kabul
in der Großen Ratsversammlung (Loja Dschirga) über die neue
Verfassung beraten
Ehemalige Mudschaheddin stellen die Mehrheit. Sie dürften
dafür sorgen, dass das neue Grundgesetz mehr Scharia und weniger
Frauenrechte enthält als der Entwurf. Präsident Karsai droht
mit Rückzug, sollte er einen Premierminister bekommen...
Mehr in der "tageszeitung" vom 13.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/13/a0154.nf/text
Zwei Jahre nach dem Krieg zurück auf null
Zarmina Tookhi wollte in Afghanistan ein Frauenbildungszentrum
aufbauen. Vergeblich. Sie musste wieder fliehen
Zwölf Jahre lang hat Zarmina Tookhi im pakistanischen Exil
für Rechte und Bildung afghanischer Frauen gekämpft. Im Jahr
2001 gehörte sie zur Delegation afghanischer
Nichtregierungsorganisationen, die in Bad Honnef über den Aufbau
einer demokratischen Zivilgesellschaft beriet, während zeitgleich
Diplomaten und Politiker auf dem Bonner Petersberg politische Schritte
für eine Übergangsregierung in Kabul festklopften. Von der
Aufbruchstimmung damals ist nichts mehr übrig. Diesen Sommer
flüchtete die Frauenrechtlerin nach Deutschland. Hier stellte sie
einen Asylantrag.
Sechs Monate lang hatte Tookhi zuvor versucht, in Afghanistan ein
Frauenbildungszentrum aufzubauen, wie sie es zuvor im pakistanischen
Exil getan hatte. Doch sie traf auf Ablehnung, Boykott und Hass. "Auch
die wenigen Männer, die für solche Ideen offen wären,
haben Angst", sagt Tookhi. Für Frauen in Afghanistan sei es heute
noch wie zu Zeiten der Taliban. "In den entscheidenden Positionen haben
nur die Gesichter gewechselt", sagt Tookhi. "Die Supermacht USA
lässt die Frauen im Stich."...
Mehr in der "tageszeitung" vom 03.11.03:
http://www.taz.de/pt/2003/11/03/a0155.nf/text
Gewalt gegen Frauen in Afghanistan beklagt
Di.07.10.03 - Rund zwei Jahre nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan hat sich die
Lage der Frauen in dem Land kaum verbessert. Trotz der Versprechen der
Weltgemeinschaft seien Diskriminierung, Gewalt und Unsicherheit noch
immer "weit verbreitet", kritisierte die Menschenrechtsorganisation
Amnesty International (ai). Amnesty wies insbesondere auf
häusliche Gewalt, erzwungene Eheschließungen und
Entführungen hin...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310070.htm#03100706
Afghanistan: "Weiter ein Platz in der Finsternis"
Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Vergewaltigungen, kaum Rechts- und
Polizeischutz: Die "tageszeitung" berichtet in ihrer Ausgabe
vom 07.10.03 über die Lage der Frauen Afghanistans zwei Jahre nach
den Taliban:
http://www.taz.de/pt/2003/10/07/a0155.nf/text
Amnesty-Bericht "Afghanistan: No one listens to us and no one treats us as
human beings. Justice denied to women" :
http://www.web.amnesty.org/library/index/
engasa110232003
Ein weiterer Bericht zum Thema Frauen in Afghanistan bei "telepolis" (05.10.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/buch/15762/1.html
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Drogen in Afghanistan größtes Problem nach Terrorismus
Das Land ist wieder der weltweit größte Drogenproduzent +++
EU gibt weitere 50 Millionen Euro für Afghanistan frei. Das Geld
soll zur Verbesserung der Sicherheitslage und auch zur Bekämpfung
des Mohn-Anbaus beitragen
Do.18.12.03 - Der afghanische Außenminister Abdullah Abdullah hat die
Staatengemeinschaft eindringlich zu mehr Unterstützung im Kampf
gegen den wachsenden Drogenanbau in seinem Land aufgerufen. "Das ist
der größte Destabilisierungsfaktor für Afghanistan nach
Terrorismus", sagte er der Nachrichtenagentur dpa in Kabul. Afghanistan
ist wieder zum weltweit größten Produzenten von Rohopium
geworden, das den Grundstoff für Heroin bildet. Im
Verantwortungsbereich des in Kundus stationierten
Bundeswehr-Kontingents liegt das viertgrößte
Drogenanbaugebiet.
Die EU-Kommission hat derweil zusätzliche Hilfen in Höhe von
50 Millionen Euro für den Wiederaufbau in Afghanistan freigegeben.
Das Geld, das vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP)
verwaltet wird, solle zu einer Verbesserung der Sicherheitslage in dem
Land und auch zur Bekämpfung des Mohn-Anbaus zur Opium-Gewinnung
beitragen, teilte die Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Der
Betrag kommt zu den 400 Millionen Euro Wiederaufbauhilfe dazu, die
bereits für die Jahre 2003 und 2004 bereit gestellt worden waren.
(Quellen: dpa, afp)
Blick ins Archiv
Nach dem Sieg über die Taliban stand für Afghanistan ein
ambitioniertes Projekt namens Nationbuilding auf der Agenda...
...Doch zwei Jahre nach Bildung der Koalitionsregierung unter
Präsident Karsai beschränkt sich die Autorität der
Zentralregierung noch immer auf die Hauptstadt Kabul. Das Land
produziert 36-mal mehr Opium als zu Zeiten der Taliban. In den Regionen
herrschen nach wie vor die "starken Männer", die sich weder von
der Regierung noch von den internationalen Organisationen in ihre
Angelegenheiten - und in ihre Geschäfte - hinreinreden lassen. Ein
aufschlussreiches Beispiel für die faktische Autonomie der
regionalen Autoritäten ist die Provinz Herat an der Grenze zum
Iran....
Mehr in Le Monde diplomatique (Nr. 7232 vom 12.12.2003, Seite 5):
http://www.taz.de/pt/2003/12/12/a0029.nf/text
«NATO-Protektorat im Elend»
Afghanistan – eine Bilanz zur Loja Dschirga zwei Jahre nach Petersberg'
Mehr bei "junge Welt" vom 18.12.03:
http://www.jungewelt.de/2003/12-18/005.php
http://www.jungewelt.de/2003/12-19/007.php
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Nahost-Konflikt
Israelische Soldaten erschießen in Nablus vier
Palästinenser. Seit Beginn der zweiten Intifada wurden mehr als
2700 Palästinenser und etwa 850 Israelis getötet +++
Deutscher Außenminister Fischer kritisiert israelischen
Sperrzaun: Ihr gegenwärtiger Verlauf sei unter Sicherheitsaspekten
kaum verständlich +++ Ägypten konnte militante
Palästinensergruppen nicht zu einem uneingeschränkten
Gewaltverzicht bewegen
Do.18.12.03 - Bei einem Einmarsch in Nablus im Westjordanland haben israelische
Soldaten am frühen Donnerstagmorgen vier Palästinenser
erschossen. Die Soldaten hätten zurückgeschossen, nachdem
drei bewaffnete Palästinenser von einem Dach aus das Feuer auf sie
eröffnet hätten, verlautete aus israelischen Armeekreisen.
Neben den Leichen der drei Männer seien Schnellfeuerwaffen
gefunden worden. Bereits zuvor hatte die Armee einen weiteren
Palästinenser getötet, wie palästinensische
Krankenhausmitarbeiter mitteilten. Der 25-jährige
Bäckereiangestellte sei von 15 Kugeln getroffen worden. Seit
Beginn der zweiten Intifada im September 2000 sind mehr als 2700
Palästinenser und etwa 850 Israelis getötet worden.
Bundesaußenminister Joschka Fischer hat auf seiner
dreitägigen Nahost-Reise deutlicher als je zuvor den Bau einer
Sperranlage zum Westjordanland durch Israel kritisiert.
Ihr gegenwärtiger Verlauf sei unter Sicherheitsaspekten kaum
verständlich, sagte Fischer am Mittwoch im israelischen Herzlija
auf einer Sicherheitskonferenz. Einige Teile der Sperranlage reichen
weit in das Palästinenser-Gebiet hinein. Israel begründet den
Bau mit dem Schutz vor palästinensischen Anschlägen. Für
ein seit langem erwartetes Treffen zwischen Israels
Ministerpräsident Ariel Scharon und seinem palästinensischen
Kollegen Ahmed Korei gab es für diese Woche keinen festen Termin.
"Wenn Israel glaubt, dass es einen Sicherheitszaun braucht, kann man
das nicht kritisieren, solange dieser entlang der 'grünen Linie'
verläuft", sagte Fischer mit Verweis auf die Grenze vor dem
Sechstagekrieg 1967. "Aber die gegenwärtige Route ist kaum
verständlich unter Sicherheitsaspekten" und löse daher Kritik
aus.
Die Palästinenser werfen Israel vor, die Anlage gebe den
künftigen Grenzverlauf zu Lasten ihres Gebietes vor und schneide
in vielen Fällen palästinensische Landwirte von ihren Feldern
ab. Israel beharrt darauf, dass die Sperranlange potenzielle
Selbstmordattentäter fern halten soll. Sie sei ein Provisorium und
mache keine Vorgaben für den Grenzverlauf.
Israel kündigte an, für die Sperranlage im kommenden Jahr
weitere 700 Millionen Schekel (etwa 130 Millionen Euro) aufzuwenden.
"Wir bauen diesen Zaun, je schneller, desto besser", sagte
Finanzminister Benjamin Netanjahu in Herzlija.
Fischer traf mit Scharon und Korei zu getrennten Gesprächen
zusammen. An Israel appellierte er eindringlich, die Chancen für
eine Lösung des Konflikts durch eine Zwei-Staaten-Lösung zu
nutzen. "Israel hat eine historische Weggabelung erreicht, vielleicht
die wichtigste seit seiner Gründung 1948", sagte er. Der von den
USA, der EU, Russland und der UNO ausgearbeitete Friedensplan sieht ein
Ende der Gewalt und die Gründung eines Palästinenser-Staates
bis 2005 vor. Er ist aber wegen der anhaltenden Gewalt ins Stocken
geraten.
Die Palästinenser forderte Fischer auf, einen Gewaltverzicht
gegenüber Israel zu erklären und terroristische Strukturen
aufzulösen. Israel müsse seine Truppen aus
palästinensischen Gebieten zurückziehen und illegale
Siedlungen abbauen.
Korei sagte im palästinensischen Abu Dis bei Jerusalem, es sei
kein Datum für ein Treffen zwischen ihm und Scharon in dieser
Woche festgelegt worden. Es werde jedoch ein Vorbereitungstreffen
seines Bürochefs mit dem Bürochef Scharons geben. "Wenn
dieses Treffen Erfolg hat nächste Woche, müssen wir einen
Termin festsetzen."
In Gaza-Stadt ist ein weiterer Versuch ägyptischer Vermittler
fehlgeschlagen, militante Palästinensergruppen zu einem
uneingeschränkten Gewaltverzicht zu bewegen. Die Position des
Islamischen Dschihad sei unverändert, sagte ein Vertreter der
Gruppe. Die Hamas, die wie der Dschihad die Zerstörung Israels
anstrebt, äußerte sich ähnlich. Beide Gruppen haben
zahlreiche Selbstmordanschläge in Israel verübt.
Israel hat es abgelehnt, seinerseits auf Gewalt zu verzichten.
Außenminister Silwan Schalom sagte in Herzlija: "Wir können
uns nicht zu einer Waffenruhe verleiten lassen, die Terroristen Deckung
gibt."
(Quellen: afp, rtr)
40 Prozent der US-Bürger betrachten Israel als Gefahr für
Weltfrieden
Do.18.12.03 - 43 Prozent der US-Bevölkerung betrachten Israel als Gefahr
für den Weltfrieden. Das geht aus einer am Mittwoch
veröffentlichten Umfrage hervor, die erstmals Vergleichswerte zu
einer umstrittenen EU-weiten Studie vom November liefert. In der EU
sehen demzufolge sogar 59 Prozent der Bürger Israel als Bedrohung
an. Zudem stufte eine Mehrheit der Befragten das Land vor einer Reihe
anderer Staaten als grösste Gefahr für den Weltfrieden ein.
In den USA landete Israel dagegen auf Platz 8, weit hinter Nordkorea,
Iran und Irak.
Immerhin 37 Prozent der US-Bürger bezeichneten auch ihr eigenes
Land als Bedrohung für den Weltfrieden. In der EU hatten 53
Prozent der Befragten der Einschätzung zugestimmt, dass die USA
den Frieden gefährdeten.
Die Ergebnisse der EU-Studie hatten in Israel Empörung
hervorgerufen. Auch EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hatte
kritisiert, die Ergebnisse deuteten auf eine «anhaltende
Voreingenommenheit hin, die zu verurteilen ist». Kritik gab es
allerdings auch an der Erhebungsmethode: Ob auch die
Palästinensische Autonomiebehörde eine Bedrohung darstelle,
wurde nicht gefragt.
In der US-Studie wurde zusätzlich erhoben, ob die Befragten mit
Israel oder den Palästinensern sympathisieren. Für Israel
ergriffen 40 Prozent, für die Palästinenser nur 15 Prozent
Partei. 73 Prozent stimmten der Einschätzung zu, dass die
Unterstützung Israels durch Washington die Gefahr von
Terroranschlägen in den USA steigere. 62 Prozent dieser Gruppe
befürworteten diese Unterstützung dennoch.
Auf den ersten Platz der gefährlichen Staaten kam in den USA
Nordkorea, das 77 Prozent der Befragten als Bedrohung einstuften, dicht
gefolgt von Iran und Irak mit jeweils 76 Prozent. Die US-Studie wurde
im Auftrag der jüdischen Antidiffamierungsliga (ADL) unter 1.200
Befragten durchgeführt. Ob die Vorgehensweise der Methode der
EU-Statistiker entsprach, war unklar. Für die EU-Erhebung wurden
7.515 Personen befragt.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Forscher: Nahostkonflikt hat Antisemitismus in Europa angeheizt
Studie sieht zunehmenden Antisemitismus auch in Deutschland
Do.04.12.03 - In Europa hat der Antisemitismus im vergangenen Jahr deutlich
zugenommen, was zum großen Teil auf den Konflikt im Nahen Osten
zurückgeht. Dies geht aus der bislang unter Verschluss gehaltenen
Studie für die "Europäische Beobachtungsstelle für
Rassismus und Fremdenfeindlichkeit" (EUMC) hervor. Gewalt und
Vorurteile gingen zunehmend auch von arabischen Einwanderern aus,
heißt es in der am Mittwoch im Internet veröffentlichten
Untersuchung.
Juden und jüdische Einrichtungen würden in Deutschland und
anderen europäischen Staaten vor dem Hintergrund des
Nahost-Konflikts auch von jungen Muslimen und radikal-islamischen
Gruppen angegriffen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312040.htm#03120409
EU-Antisemitismus-Studie im Internet:
http://www.crif.org/index.php?menu=5&dossier=33
&id_doss=2014
http://www.partisan.net/infopartisan/document/
antisemitismusstudie.pdf
http://www.cohn-bendit.de/de/standpunkte/index.html
Mehrheit der Europäer sieht in Israel die größte
Bedrohung für den Weltfrieden
Wiesenthal-Zentrum: Antisemitismus ist in Europa tiefer verwurzelt als
zu jeder anderen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. EU müsse vom
Friedensprozess im Nahen Osten ausgeschlossen werden
So.02.11.03 - Mit Entsetzen hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles auf eine
Umfrage reagiert, nach der rund 59 Prozent der Europäer Israel als
größte Bedrohung für den Weltfrieden ansehen. Er sei
schockiert, dass Israel als noch größere Bedrohung empfunden
werde als Iran und Nordkorea, sagte der Gründer und Leiter des
Zentrums, Rabbiner Marvin Hier, unter Berufung auf eine Umfrage der
EU-Kommission...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311020.htm#03110204
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/15990/1.html
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Elfenbeinküste: 'Patriotische' Milizen rufen zum Sturm gegen
Rebellengebiet auf
Do.18.12.03 - Die "patriotischen" Milizen der Elfenbeinküste, die den laufenden
Friedensprozess ablehnen und eine Wiederaufnahme des Krieges gegen die
Rebellen im Norden des Landes fordern, haben zum Sturm auf das
Rebellengebiet aufgerufen. Ab Mittwoch laufe die "Operation ,Angreifer
raus' ", die die Rebellen aus den Städten Bouaké, Vavoua
und Man vertreiben solle, sagte am Dienstag Milizenchef Eugène
Djué bei einer Pressekonferenz in Abidjan. "Wir wollen, dass man
ab diesem Tag sagen kann, die Elfenbeinküste ist wiedervereinigt",
erklärte Djué. 108.500 Jugendliche seien für den
Marsch mobilisiert worden.
Djué rief die 3.800 französischen Eingreiftruppen entlang
der Waffenstillstandslinie zwischen Regierungsarmee und Rebellen dazu
auf, sich den Milizen nicht entgegenzustellen. Am 10. Dezember hatten
die Militärführer beider Seiten den Beginn des im
Friedensprozess vorgesehenen Demobilisierungsprozesses ab 13. Dezember
angekündigt, was aber nur in geringem Ausmaß
tatsächlich geschehen ist.
(Quelle: afp/taz)
Kongo: Kämpfe in Brazzaville
Do.18.12.03 - n der Hauptstadt der Republik Kongo sind nach Angaben eines
Regierungssprechers am Mittwochabend Kämpfe ausgebrochen.
Schüsse aus automatischen Waffen und Explosionen waren in
Brazzaville zu hören, wie Regierungssprecher Alain Akoulat
erklärte. Die Kämpfe hätten sich auf den Süden der
Stadt konzentriert und seien gegen 22 Uhr nach zweistündiger Dauer
wieder abgeflaut. Berichte über Verletzte lagen nicht vor. Wer an
den Kämpfen beteiligt war, war zunächst nicht bekannt.
Präsident Denis Sassou-Nguesso hielt sich am Mittwoch in seinem
Heimatdorf Oyo auf, rund 425 Kilometer nördlich von Brazzaville.
Sassou-Nguesso regiert seit 1997, im Jahr 2002 wurde er
wiedergewählt.
(Quelle: ap/taz)
UN: Mehr als 30 Menschen bei Unruhen in Äthiopien getötet
Do.18.12.03 - In Äthiopien sind nach UN-Angaben bei Unruhen mindestens 30
Menschen getötet worden. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen in
der Region Gambella nahe der sudanesischen Grenze hätten bereits
am Wochenende begonnen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk am
Dienstag in Genf mit. Am Samstag seien drei Flüchtlingshelfer,
zwei Polizisten und drei Arbeiter in einen Hinterhalt geraten und
getötet worden.
Der Überfall löste den Angaben zufolge eine Welle der Gewalt
zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen aus. Viele Häuser wurden
in Brand gesetzt und zahlreiche Menschen getötet. Noch am Montag
seien Schulen, Geschäfte und Banken in der Stadt Gambella
geschlossen geblieben. Inlandsflüge zwischen der äthiopischen
Hauptstadt Addis Abeba und Gambella wurden gestrichen. Die Armee setzte
Soldaten ein, um die Ruhe wiederherzustellen.
(Quelle: epd)
Deutsche Firmen sollen südafrikanische Apartheidopfer
entschädigen
Do.18.12.03 - Hilfsorganisationen und Bürgerinitiativen haben fünf deutsche
Banken und Unternehmen aufgefordert, die Opfer der Rassentrennung in
Südafrika zu entschädigen. Die Deutsche Bank, die Dresdner
Bank, die Commerzbank sowie die Rheinmetall AG und DaimlerChrysler
seien während der Apartheid eng mit der Regierung am Kap
verflochten gewesen, erklärte die "Internationalen Kampagne
für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika"
am Dienstag in Frankfurt am Main.
Zur Unterstützung ihrer Forderung übergab die Initiative in
Frankfurt am Main, Düsseldorf und Stuttgart mehr als 4.000
Unterschriften, die seit dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin
gesammelt worden waren. In Frankfurt waren Vertreter der Deutschen Bank
zu einem Gespräch in das Büro der Hilfsorganisation medico
international gekommen. Sie erklärten, dass das Geldinstitut in
diesem Jahr eine interne Arbeitsgemeinschaft zur
historisch-wissenschaftlichen Aufarbeitung ihrer Beziehungen zu
Südafrika eingerichtet habe.
Zu der Forderung nach Entschädigung der Apartheidopfer wollten sie
aber keine Stellungnahme abgeben, berichtete Theo Kneifel von der
Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA). Den Umgang der
Konzerne mit ihrer Apartheidgeschichte nannte Kneifel einen Test ihrer
Glaubwürdigkeit. In den 80er Jahren hätten während der
Zeit der Rassentrennung keine Kredite an Südafrika vergeben werden
dürfen.
Die Regierung von Südafrika steht der Entschädigungsforderung
inzwischen ablehnend gegenüber, erläuterte Dorothea
Kerschgens von der Koordination Südliches Afrika. Die Regierung
habe dies zunächst als Privatangelegenheit gewertet, sehe darin
nun "einen Eingriff in die Souveränität Südafrikas",
seit auch südafrikanische Firmen ins Spiel gebracht worden seien.
US-Anwalt Michael Hausfeld, der bereits ehemalige NS-Zwangsarbeiter
vertrat, hatte im November 2002 in New York die Klage von 91
Apartheidopfern gegen 22 internationale Unternehmen und Banken,
darunter die fünf deutschen Firmen und Geldinstitute, eingereicht.
Ihnen wird vorgeworfen, durch Kredite und Geschäfte mit
Südafrika das Apartheid-Regime unterstützt und am Leben
erhalten zu haben.
(Quelle: epd)
Zahl der Flüchtlinge aus Nordkorea wächst
Do.18.12.03 - Immer mehr Menschen flüchten aus dem kommunistischen Nordkorea in
den Süden der Halbinsel. Das südkoreanische
Vereinigungsministerium erklärte am heutigen Donnerstag, zwischen
Januar und November seien 1.117 Nordkoreaner nach Südkorea
gekommen. Das waren zehn Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des
Jahres 2002. Wahrscheinlich werde die Zahl weiter steigen, da sich auch
noch Flüchtlinge in China und anderen Ländern aufhielten,
erklärte das Ministerium.
Nordkorea bekräftigte unterdessen, es werde sein
Atomwaffenprogramm nicht aufgeben, solange Washington keine finanzielle
Hilfe und Sicherheitsgarantien gewähre. Die staatliche Zeitung
«Rodong Sinmun» berichtete, Washington müsse einer
Paketlösung zustimmen, um den Konflikt um das nordkoreanische
Atomprogramm zu lösen.
(Quelle: ap)
Spanien: Machtwechsel in Katalonien perfekt
Linksbündnis stellt Regierung
Do.18.12.03 - Der Machtwechsel in Spaniens wirtschaftlich stärkster Region
Katalonien ist perfekt. Zum neuen Regierungschef wählte das
Regionalparlament in Barcelona am Dienstag den Sozialisten Pasqual
Maragall. Der 62-Jährige erhielt 74 Stimmen, 6 mehr als die
erforderliche absolute Mehrheit. Er steht einer Koalitionsregierung
vor, der auch die Linksrepublikaner (ERC) und die Allianz aus
Ex-Kommunisten und Grünen (ICV) angehören. Das
Linksbündnis will das Autonomiestatut (Landesverfassung)
Kataloniens reformieren und der Region zu mehr Eigenständigkeit
verhelfen. "Wir wollen eine neue Beziehung zu Spanien", sagte Maragall.
Die Zentralregierung in Madrid äußerte sich besorgt
über den neuen Kurs und den Einzug der Linksrepublikaner in das
katalanische Kabinett. Die ERC ist gegen die Monarchie und strebt die
Unabhängigkeit der nordostspanischen Region an.
(Quelle: dpa/taz)
Lebenslange Haft für griechische Untergrundkämpfer
Do.18.12.03 - Im Mammutprozess gegen 15 mutmaßliche Mitglieder der griechischen
Untergrundorganisation 17. November hat ein Sondergericht bei Athen
sechs der Angeklagten wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen
verurteilt. Der mutmaßliche Kopf der Gruppe, Alexandros
Giotopoulos, erhielt insgesamt 21-mal, sein Chefplaner Dimitris
Koufontinas 13-mal die Höchstrafe. Neun weitere Angeklagte wurden
zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Regierung zeigte sich
mit dem Ergebnis des Prozesses zufrieden. Dagegen kündigte der
Anwalt von Giotopoulos Berufung an.
Von den urspünglich 19 Angeklagten waren vier bereits in der
vergangenen Woche freigesprochen worden. Fünf weitere wurden zu 25
Jahren Haft verurteilt, allerdings setzten die Richter die Strafe
für Kostas Telios, einen der drei geständigen Angeklagten,
bis zum Berufungsverfahren aus. Die restlichen vier Angeklagten
erhielten Haftstrafen zwischen acht und 17 Jahren.
In einer ersten Reaktion begrüßte Regierungssprecher
Christos Protopapas die harten Urteile. "Endlich kennen wir die Autoren
und moralischen Anstifter der abscheulichen Verbrechen dieser Gruppe",
sagte er. Gleichzeitig gab er sich überzeugt, dass der 17.
November "endgültig der Vergangenheit" angehört.
Die Angehörigen von Opfern der Untergrundgruppe zeigten sich
ebenfalls mit dem Urteil zufrieden, darunter Alexandra Athanassiadis,
die Tochter eines in den 80-er Jahren ermordeten bekannten
Industriellen. Giotopoulos hingegen bezeichnete die Urteile als
"lächerlich". Die Entscheidung sei von den USA "diktiert" worden;
das Gericht habe keinen der Vorwürfe beweisen können.
Die Gruppe 17. November wird für 23 Morde an in- und
ausländischen Persönlichkeiten in rund 28 Jahren
verantwortlich gemacht. Der neun Monate dauernde Prozess zählt zu
den wichtigsten in der jüngeren griechischen Geschichte. Nach den
Worten eines Verteidigers werden sich die Justizbehörden mit dem
Berufungsverfahren Zeit bis nach den Olympischen Sommerspielen im
nächsten Jahr lassen.
Die Untergrundbewegung wurde nach dem Studentenaufstand im November
1973 gegen die damalige griechische Junta benannt. Sie verstand sich
als "Rächer des Volkes gegen US-Imperialisten sowie Kapitalisten",
denen sie die Unterstützung der Junta vorwarf. Ihr letztes
Attentat beging die Gruppe im Juli 2000; damals erschoss sie den
britischen Militärattaché Stephen Saunders, den sie
für die NATO-Luftangriffe auf Serbien während des
Kosovo-Kriegs mitverantwortlich machte.
(Quelle: afp)
Großbritannien: Möglicher Fall von
Creutzfeldt-Jakob-Übertragung durch Blut
Do.18.12.03 - In Großbritannien ist möglicherweise erstmals eine
Übertragung einer Variante der tödlichen
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) über eine Blutkonserve
beschrieben worden. Als Auslöser von vCJD gilt die Rinderseuche
BSE.
Der britische Gesundheitsminister John Reid sagte am Mittwoch vor dem
Parlament in London, der Empfänger einer Konserve sei wie auch der
Spender an vCJD gestorben. "Das ist der erste Bericht weltweit
überhaupt über eine mögliche Übertragung von vCJD
von Person zu Person durch Blut", sagte er. Es sei jedoch auch
möglich, dass sich beide Patienten unabhängig von einander
durch den Verzehr von Fleisch infiziert hätten, das von Tieren mit
Rinderwahnsinn stammte.
Der 1999 an vCJD gestorbene Spender habe bei seiner Blutspende drei
Jahre zuvor keine Anzeichen der Krankheit gezeigt, sagte Reid. Das Blut
sei kurz nach der Spende einem Patienten gegeben worden, der in diesem
Jahr an vCJD gestorben sei. "Es ist möglich, dass die Krankheit
durch die Bluttransfusion von Spender zum Empfänger
übertragen wurde", sagte er. Er betonte jedoch: "Es ist eine
Möglichkeit, nicht ein nachgewiesener kausaler Zusammenhang."
Bislang gebe es keinen Bluttest für vCJD und daher könne
Spenderblut nicht auf die Krankheit getestet werden, sagte Reid. Die
britische Regierung habe jedoch 1997 eine Reihe von
Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Weitere Maßnahmen würden
nun untersucht.
Reid zufolge hat es 143 Fälle von vCJD in Großbritannien
gegeben. An der Krankheit sind dort und in anderen europäischen
Ländern mindestens 80 Menschen gestorben. Etwa 3,7 Millionen
Rinder waren in Großbritannien beim Kampf gegen BSE getötet
worden.
(Quelle: rtr)
Frankreich: Religiöse Symbole werden aus Schulen
verbannt
Do.18.12.03 - In Frankreichs öffentlichen Schulen sollen ab dem nächsten
Schuljahr auch die Schüler keine auffälligen religiösen
Symbole wie moslemische Kopftücher, große Kreuze und
jüdische Kippas mehr tragen dürfen. Das kündigte
Präsident Jacques Chirac in seiner mit Spannung erwarteten
Grundsatzrede zum Verhältnis von Staat und Glaubensgemeinschaften
im Pariser Elysée-Palast an. Der Islam solle wie andere
Religionen seinen Platz in Frankreich haben, betonte Chirac mit Blick
auf den Streit um moslemische Kopftücher. Schulfrei für alle
werde es aber weder zum moslemischen Opferfest Aid el Kebir noch zum
jüdischen Jom-Kippur-Fest geben.
An den staatlichen Bildungseinrichtungen dürfen Frankreichs Lehrer
traditionell keine religiösen Zeichen tragen, um nicht den
Verdacht auszulösen, Schüler aus religiösen Gründen
zu beeinflussen, zu bevorzugen oder zu benachteiligen.
Derzeit liegt ein Verbot im Ermessen der Schulleitung. Nach offiziellen
Angaben gab es im September 1.256 Mädchen, die mit einem Kopftuch
in den Unterricht kamen. Die tatsächliche Zahl dürfte
beträchtlich darüber liegen. Laut Innenministerium gab es 20
Streitfälle, sechs Mädchen wurden der Schule verwiesen.
Staat und Religion sind als Folge der Französischen Revolution
seit mehr als 200 Jahren getrennt. Die Trennung wurde 1905 in einem
Gesetz festgeschrieben, das aber nicht für alle Teile des Landes
verbindlich ist. Weltanschauliche Neutralität sei ein Grundpfeiler
der französischen Gesellschaft, betonte Chirac nun.
In Frankreich leben rund fünf Millionen Muslime, so viel wie in
keinem anderen Land Europas. Mit seiner Entscheidung beendete der
Präsident einen Streit, der die französische Gesellschaft
seit anderthalb Jahrzehnten beschäftigt und der zum Symbol
für den Umgang mit der islamischen Minderheit geworden ist.
Chirac sagte, es sei nicht hinnehmbar, wenn unter "dem Deckmantel der
religiösen Freiheit" die Gesetze und die Prinzipien der
laizistischen Republik in Frage gestellt würden. Es gehe auch um
die die Würde der Frauen.
Mit seinem Kurs auf ein grundsätzliches Verbot auffälliger
religiöser Symbole an Frankreichs Schulen folgte der Staatschef
Empfehlungen, die eine von ihm selbst eingesetzte Expertenkommission
zum Kopftuch-Streit eine Woche zuvor gegeben hatte. "Diskrete Zeichen,
zum Beispiel ein Kreuz, ein Davidstern oder eine Fatima-Hand bleiben
natürlich möglich", betonte Chirac nun ähnlich wie die
20 so genannten Weisen. Den Vorschlag der Experten für Schulfrei
an Jom Kippur und Aid el Kebir lehnte er aber ab.
Über Religionen solle in der Schule stärker gesprochen
werden, um mehr Verständnis füreinander zu schaffen, sagte
Chirac. Zudem könnten Schüler auf Antrag an den großen
Festtagen ihrer Religionen frei bekommen. Prüfungen sollten nicht
auf diese Tage gelegt werden; die Schulleitungen sollten entsprechende
Anweisungen erhalten. Nach dem Willen des Staatschefs soll die
gesetzliche Neuregelung zum Beginn des kommenden Schuljahrs im
September 2004 in Kraft treten.
Der Vorsitzende des Islamrats CFCM, Daniel Boubakeur, rief die Muslime
auf, das Gesetz nicht als Diskriminierung zu verstehen. Dazu
bedürfe es aber der Anstrengung auf beiden Seiten. Zuvor hatte der
Rektor der Pariser Moschee erklärt, ein mögliches
Kopftuch-Verbot habe unter den Gläubigen große Beunruhigung
ausgelöst. Das eigentliche Problem sei das Scheitern der
Integration muslimischer Jugendlicher.
Zustimmend äußerte sich dagegen der Rat der jüdischen
Institutionen (CRIF). Das Prinzip der Gleichheit der Geschlechter sei
nicht mit "sichtbaren Zeichen der Unterdrückung der Frau" zu
vereinbaren. Alle, die in Frankreich lebten, müssten sich den dort
geltenden Regeln und Gebräuchen anpassen.
Eine neue, unabhängige Behörde soll Diskriminierungen in
Frankreich bekämpfen. Das französische Staatsoberhaupt
verwies dazu vor allem auf jene Benachteiligungen, denen Nachkommen von
Einwanderern auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt in Frankreich und in
ihrer Freizeit ausgesetzt seien.
Für die öffentlichen Krankenhäuser soll dem
Präsidenten zufolge gesetzlich klargestellt werden, dass
männliche Ärzte muslimische Frauen behandeln dürfen.
Immer häufiger werde dies vom Ehemann oder dem Bruder verhindert,
mahnte eine von Chirac eingesetzte Kommission. Auch private Arbeitgeber
sollen ostentative Zeichen der Religionszugehörigkeit verbieten
dürfen.
(Quellen: afp, ap)
Von einer klaren Trennung zwischen Staat und Kirche ist Deutschland
weit entfernt
Mehr in der "tageszeitung" vom 18.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/18/a0153.nf/text
«Der Staat muss neutral erziehen»
Islambeauftragte der SPD will Lehrern das Tragen von Kopftuch und Kreuz
untersagen...
Mehr in der "tageszeitung" vom 18.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/18/a0156.nf/text
Blick ins Archiv
Bayerische Staatsregierung will Kopftuch an Schulen verbieten
Christliche und jüdische Glaubenssymbole bleiben erlaubt
Fr.12.12.03 - Die bayerische Staatsregierung will das Kopftuch für muslimische
Lehrerinnen im Unterricht verbieten. Der Ministerrat habe am Dienstag
eine Änderung des Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes beschlossen,
teilte die Staatskanzlei in München mit. Nach dem Beschluss der
Staatsregierung dürfen Kleidungsstücke im Unterricht nicht
getragen werden, wenn sie Ausdruck einer Haltung seien, die "mit den
verfassungsrechtlichen Grundwerten und Bildungszielen
einschließlich den christlich-abendländischen Bildungs- und
Kulturwerten nicht vereinbar ist"....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312120.htm#03121214
Limbach warnt vor Kopftuchverbot an Schulen
Do.11.12.03 - Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, hat sich
gegen ein Kopftuchverbot an Schulen ausgesprochen. "Wir laufen
gegenwärtig Gefahr, dieses Kleidungsstück zu einem Fetisch zu
machen", sagte die frühere Präsidentin des
Bundesverfassungsgerichtes der Wochenzeitung "Jüdische Allgemeine"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312110.htm#03121122
Türkisch-stämmige Abgeordnete für Kopftuchverbot
Kopftuch werde von Islamisten als Kampfsymbol missbraucht. Frauen die
sich stark verhüllten, machten damit eine politische Aussage
Sa.06.12.03 - Drei muslimische Parlamentarierinnen des Berliner Abgeordnetenhauses
haben sich für das Kopftuchverbot im Staatsdienst ausgesprochen.
Es stimme nicht, dass die 2. und 3. Generation Musliminnen in
Deutschland das Kopftuch nur der Tradition zuliebe trügen, sagte
die frauenpolitische Sprecherin der PDS, Evrim Baba. Das Kopftuch werde
von Islamisten vielmehr als Kampfsymbol missbraucht...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312060.htm#03120617
Politikerinnen warnen vor 'Lex Kopftuch'
Konkrete Schritte hin zu Kopftuchverbot bislang in vier Ländern
Di.02.12.03 - Prominente Vertreterinnen aus Politik und Gesellschaft haben sich
vehement gegen ein generelles Kopftuchverbot an deutschen Schulen
ausgesprochen. In einem in Berlin vorgestellten Aufruf, der von der
Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Marieluise Beck, und
Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) mitinitiiert
wurde, treten die Verfasserinnen für eine differenzierte Debatte
über das Thema ein. Beck sagte bei der Vorstellung des Aufrufs,
eine Ausgrenzung der Kopftuchträgerinnen würde nur den
Fundamentalisten in die Hände spielen.
Ein Kopftuchverbot würde nur die Stigmatisierung jener Frauen
vorantreiben, die es tragen, heißt es in dem "Aufruf wider eine
Lex Kopftuch"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312020.htm#03120223
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zur Kopftuch-Debatte unter:
http://www.boa-muenchen.org/k0312020.htm#031202ps
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Schröder besteht auf Deckelung des EU-Haushalts
Do.18.12.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder bleibt ungeachtet der Kritik von
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi bei seiner Forderung nach
Einfrieren des EU-Haushalts auf dem derzeitigen Stand.
Regierungssprecher Béla Anda sagte am Mittwoch, Schröder
habe schon vor Absenden des Schreibens der Staats- und Regierungschefs
der sechs Nettozahler-Staaten an die Kommission mehrfach darauf
hingewiesen, dass es Deutschland auf Grund seiner Haushaltslage nicht
möglich sein werde, jedes Jahr sieben Milliarden Euro
zusätzlich nach Brüssel zu überweisen.
Unter anderem habe der Kanzler in der Bundestagsdebatte am 26. November
öffentlich angekündigt, dass man über dieses Thema noch
«interessante Debatten» mit der EU-Kommission zu
führen haben werde, sagte Anda. Insofern sei die deutsche Position
kein Geheimnis und auch den anderen EU-Partnern bekannt gewesen.
Schröder sowie die Staats- und Regierungschefs von Frankreich,
Großbritannien, Österreich, Schweden und den Niederlanden
hatten unmittelbar nach dem gescheiterten Verfassungsgipfel in einem
gemeinsamen Brief an die Kommission verlangt, dass die
durchschnittlichen EU-Ausgaben in der Zeit nach 2006 trotz der
Vergrößerung von 15 auf 25 Mitglieder auf dem
gegenwärtigen Niveau stabilisiert werden und nicht mehr als ein
Prozent des Bruttonationaleinkommens betragen. Prodi hatte
demgegenüber eine Steigerung auf 1,24 Prozent nach der Erweiterung
vorgeschlagen.
(Quelle: ap)
Nicht alle Unionsländer wollen Reformpaket zustimmen
Do.18.12.03 - Nach dem Streit um einen kostspieligen Rechenfehler in den
Vermittlungsverhandlungen gibt es unter Unionsländern nach
Informationen des "Tagesspiegel" Erwägungen, aus Protest der
Steuerreform nicht mehr geschlossen zuzustimmen. Wie das Blatt unter
Berufung auf Unionskreise berichtet, soll mindestens ein Bundesland ein
solches Signal in Betracht ziehen. Ein symbolisches Nein Einzelner
würde die Verabschiedung des Kompromisspakets aber nicht
gefährden, da eine ausreichende Zahl großer unionsregierter
Länder wie Hessen, Bayern und Niedersachsen schon ihre Zustimmung
angekündigt hat.
Das von SPD und PDS regierte Mecklenburg-Vorpommern gab als erstes Land
zu erkennen, dass es dem Vermittlungsergebnis zur rot-grünen
Reformagenda im Bundesrat nicht zustimmen werde. Die im
Vermittlungsausschuss getroffenen Vereinbarungen könnten von der
PDS nicht akzeptiert werden, sagte Arbeitsminister Helmut Holter (PDS)
der Chemnitzer "Freien Presse". Der Koalitionsvertrag mit der SPD sehe
bei einem solchen Fall bei Entscheidungen in der Länderkammer
Enthaltung vor.
Holter kritisierte vor allem die Verschärfung der
Zumutbarbeitsregeln, die den Druck auf die Erwerbslosen drastisch
erhöhe. Damit würden die Langzeitarbeitslosen, denen im Osten
kein Job angeboten werden könne, zum Verlassen ihrer Heimat
aufgefordert. Der PDS-Politiker beklagte, dass bei den Gesprächen
die dramatisch hohe Erwerbslosigkeit in den neuen Ländern
keinerlei Rolle gespielt habe. So seien besondere
Beschäftigungsprogramme für Ostdeutschland nicht einmal
erwähnt worden. Auch die Zusicherung, mit den Einsparungen der
Eigenheimzulage die hoch verschuldeten ostdeutschen Wohnungsunternehmen
zu entlasten, sei nicht eingehalten worden.
(Quelle: afp)
Aus den Gewerkschaften überwiegend Kritik am Reformkompromiss
Insbesondere die Lockerung des Kündigungsschutzes und die neuen
Zumutbarkeitsregeln für Arbeitslose seien ungerecht und unwirksam.
Gefahr der Lohndrückerei wachse
Do.18.12.03 - Deutscher Gewerkschaftsbund, IG Metall und die IG Bergbau, Chemie,
Energie (IG BCE) haben am Mittwoch deutliche Kritik an zentralen
Reformbeschlüssen des Vermittlungsausschusses geübt. DGB-Chef
Michael Sommer, IG-Metall-Vorsitzender Jürgen Peters und
IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt verwarfen insbesondere die Lockerung des
Kündigungsschutzes und die neuen Zumutbarkeitsregeln für
Arbeitslose als ungerecht und unwirksam. Das Gesetzespaket als Ganzes
bezeichnete Schmoldt jedoch als annehmbar.
Sommer und Peters erklärten in Interviews mit der
Nachrichtenagentur AP, mit der Verschärfung der
Zumutbarkeitsregeln wachse die Gefahr der Lohndrückerei. Zu
befürchten sei, dass Arbeitslose nun auch unterbezahlte Arbeit
annehmen müssten und dadurch tarifliche Standards
herunterreguliert würden, sagte Peters. Die IG Metall werde sich
deshalb für Mindeststandards bei der Bezahlung einsetzen. Die
Aufweichung des Kündigungsschutzes wird nach den Worten Peters'
die Arbeitnehmer verunsichern, aber nicht die erhofften positiven
Auswirkungen auf die Beschäftigung haben. Dies hätten
frühere Erfahrungen mit ähnlichen Regelungen gezeigt.
Besonders die Einbeziehung der Kommunen in die Vermittlung von
Langzeitarbeitslosen macht der IG Metall laut Peters große
Sorgen: «Ich bezweifle, dass die Kommunen so ohne weiteres die
Fähigkeiten haben, die man der Bundesanstalt abspricht.» Die
Städte seien zudem finanziell klamm und würden deshalb
versuchen, Arbeit unter Tarif zu vermitteln. Die Neuregelung werde
keinen Zuwachs an Arbeitsplätzen bringen.
Der DGB-Vorsitzende sprach generell von einem schweren Schlag für
die Arbeitnehmerschaft. Wer sich aber bei den Vermittlungsverhandlungen
auf derartige Pakete einlasse, «bei der sachfremde Fragen der
Steuerpolitik mit dem Arbeitsmarkt vermischt werden, bekommt am Ende
solche Resultate», kritisierte der DGB-Chef. Die Vereinbarungen
des Vermittlungsausschusses «sind nicht gut für unser Land
und die Menschen schon gar nicht», urteilte Sommer. Die
Diskussion um niedrigere Löhne und längere Arbeitszeiten habe
neue Impulse bekommen.
Peters und Schmoldt zeigten sich aber zufrieden, dass es es nicht zu
gesetzlichen Öffnungsklauseln für
Flächentarifverträge gekommen ist. «Bei gesetzlichen
Eingriffen wäre ein Gang nach Karlsruhe unausweichlich»
gewesen, sagte der IG-BCE-Chef der «Berliner Zeitung». In
der Chemiebranche hätten die Sozialpartner längst eine
Tarifreform ohne gesetzliche Vorgaben und Eingriffe auf den Weg
gebracht.
Auch Schmoldt kritisierte die Lockerung des Kündigungsschutzes,
weil sie nicht zu Neueinstellungen führen werde. Außerdem
sei es «höchst fraglich, ob die Beschäftigung von
Langzeitarbeitslosen auch unterhalb der ortsüblichen Tarife zu den
erhofften Resultaten führt». In jedem Fall müssten die
neuen Zumutbarkeitsregelungen nach einem Jahr auf ihre Wirksamkeit hin
überprüft werden.
Insgesamt bezeichnete Schmoldt das Verhandlungsergebnis aber als
akzeptabel. Es sei ein wichtiges Startsignal für einen tief
greifenden Reformprozess in Deutschland. Die von vielen
geäußerte Generalkritik an dem Kompromiss bezeichnete er als
«klein karierte Nörgelei». Zu begrüßen sei
vor allem, dass sich Regierung und Opposition zu einem gemeinsamen
Gesetzespaket durchgerungen hätten.
(Quelle: ap)
Rot-Grün streitet über Arbeitsmarktreformen
Do.18.12.03 - Auch nach der endgültigen Einigung zwischen Regierung und
Opposition im Vermittlungsausschuss hält der Streit innerhalb der
rot-grünen Koalition über die vereinbarten Reformen bei den
Arbeitsmarktgesetzen an. Der sozialpolitische Sprecher der Grünen
im Bundestag, Markus Kurth, sagte der "Financial Times Deutschland"
(FTD): "Entweder der Kanzler gibt eine politische Zusage, dass im
nächsten Jahr ein Mindestlohngesetz auf den Weg gebracht wird,
oder ich kann diesem Gesetz nicht zustimmen."
Kurth sagte, die Regelung, dass Langzeitarbeitslose praktisch jeden Job
annehmen müssen, werde das Lohnniveau in Deutschland langsam
auswaschen. Zudem kämen auf die Sozialgerichte künftig mehr
Klagen von Betroffenen zu, die sich gegen die Jobangebote der
Arbeitsämter wehrten. "Daher sollte der Gesetzgeber hier
tätig werden und einen gesetzlichen Mindestlohn festlegen. Man
muss von seiner Hände Arbeit leben können", sagte Kurth.
Unter den Grünen hat der FTD zufolge bislang Fraktionsvize
Hans-Christian Ströbele sein Nein gegen die Arbeitsmarktreformen
angekündigt. Die Abgeordneten Winfried Hermann und Werner Schulz
hätten sich ihr Votum noch offen gehalten.
Demgenüber bezeichnete der SPD-Finanzexperte Joachim Poß ein
Mindestlohngesetz als ungeeignet, um einem Missbrauch der neuen Gesetze
entgegenzuwirken. Demgegenüber sagte Poß im
ARD-Morgenmagazin: "Die Gewerkschaften wollen keine Mindestlöhne.
Das hat zwar Tradition in anderen Ländern, aber nicht bei uns in
der Bundesrepublik. Bei uns ist Orientierungspunkt, was es an
tarifvertraglicher Vereinbarung gibt." Die so genannten
Leichtlohngruppen würden als Orientierung Maßstab sein. Mit
Hilfe des jetzigen Rechtsinstrumentariums könne sittenwidrige
Beschäftigung unterhalb dieser Normen verhindert werden.
Wegen eines Streits um die Berechnungsmethode für das Volumen der
Steuerentlastung hatten sich die Beratungen im Vermittlungsausschuss in
der Nacht zu Mittwoch erneut um mehrere Stunden verzögert. Die
vorgezogene Steuerreform soll nunmehr zu rund 30 Prozent statt der
bisher vorgesehenen 25 Prozent durch Kredite finanziert werden. Die
Gesetze sollen am Freitag von Bundestag und Bundesrat beschlossen
werden.
(Quelle: afp)
Handwerk fordert Anrechnung von Krankheitstagen auf Urlaub
Do.18.12.03 - Das Handwerk will Krankheitstage mit Urlaubsansprüchen verrechnen.
«Wir sollten bereit sein, über Maßnahmen nachzudenken,
die Arbeitsplätze sicherer machen», sagte der
Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks
(ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer, der «Nordwest-Zeitung»
(Donnerstagausgabe).
Als vor rund 35 Jahren die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
eingeführt worden sei, habe es durchschnittlich etwa 15 Tage
Urlaub gegeben. Heute seien es 30. Der soziale Friede sei nicht von
Abstrichen wie etwa bei der Lohnfortzahlung gefährdet, sondern von
der hohen Arbeitslosigkeit. Für das kommende Jahr erwartet das
Handwerk ein Umsatzminus von einem Prozent - bedingt durch
Einbußen am Bau- und Kfz-Gewerbe. Dies bedeute den Verlust von
weiteren 100.000 Stellen, sagte Schleyer.
(Quelle: ap)
Bundeskabinett beschließt Ausbau von Ökostrom und
Emissionshandel
Für einen besseren Klimaschutz will die Bundesregierung den Anteil
von Ökostrom weiter ausbauen und ab 2005 einen Emissionshandel
einführen. Dazu beschloss das Kabinett am Mittwoch zwei Gesetze.
Allerdings soll das neue Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) die
Förderung von Windkraft deutlich zurückfahren. Von der
Branche kam deshalb Kritik. Auch die Grünen im Bundestag forderten
Nachbesserungen
Do.18.12.03 - Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) lobte den Entwurf, auf
den er sich nach langem Ringen mit Wirtschaftsminister Wolfgang Clement
geeinigt hatte. Er schreibt fest, dass der Anteil von Ökostrom an
der Versorgung bis 2010 auf 12,5 Prozent und bis 2020 auf 20 Prozent
wachsen soll. Allerdings sollten Kostensenkungspotenziale besser
ausgeschöpft werden, sagte Trittin.
So soll für Strom aus Windkraftanlagen an Land je nach Standort
2,3 bis 6,3 Prozent weniger Einspeisevergütung gezahlt werden als
bisher. Jährlich gibt es dann zwei Prozent Abschlag, statt bisher
1,5 Prozent. Windkraftanlagen an windungünstigen Standorten sollen
gar nicht mehr gefördert werden. Dafür erhalten
Windräder auf See mehr Unterstützung. Besser gefördert
werden nach Trittins Angaben auch kleine Biomasseanlagen und
Kraftwerke, die Erdwärme nutzen.
Doch zeigte sich die Grünen-Fraktion gerade mit der Biomasse- und
Erdwärme-Förderung unzufrieden. Die zwischen Trittin und
Clement ausgehandelte Lösung sei «inakzeptabel»,
erklärte Energieexpertin Michaele Hustedt. Auch bei Windenergie
und Wasserkraft seien Korrekturen nötig. Auch der Fachverband
Biogas beklagte eine Verschlechterung gegenüber dem jetzigen
Recht. Der Bundesverband Windenergie erklärte, die Novelle sei ein
«Bremsklotz für Innovation».
Trittin bekräftigte, dass es sich um eine Wachstumsbranche mit
inzwischen 135.000 Beschäftigten und rund zehn Milliarden Euro
Umsatz handele. Zudem verringerten erneuerbare Energien den deutschen
Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid bereits heute um 50 Millionen
Tonnen im Jahr.
Auch das Treibhausgasemissionshandelsgesetz soll Trittin zufolge den
Klimaschutz voranbringen. Der Emissionshandel sei ein zusätzliches
Instrument, um den Ausstoß der klimaschädlichen
Treibhausgase kostengünstig zu reduzieren. Im Vergleich zu
bisherigen Methoden könne die deutsche Industrie 500 Millionen
Euro im Jahr sparen und doch ihre Zielvorgaben zu erreichen. Die
Industrie hatte versprochen, bis 2010 45 Millionen Tonnen weniger
Kohlendioxid auszustoßen als 1998.
Nach dem neuen Gesetz, das EU-Vorgaben umsetzt, brauchen etwa 2.600
Industrieanlagen in Deutschland ab 2005 eine Genehmigung dafür,
dass sie Treibhausgase in die Luft blasen. Sie erhalten kostenlos
Verschmutzungsrechte, allerdings nur so viel, dass sie zu einer
Verringerung des Schadstoffausstoßes gezwungen sind. Verringern
sie mehr, können sie die überschüssigen Zertifikate
verkaufen; schaffen sie die Zielvorgabe nicht, müssen sie welche
zukaufen.
Wie viel die Sektoren Industrie, Verkehr und private Haushalte im
einzelnen zum Klimaschutz beitragen müssen, soll in einem
gesonderten Gesetz geregelt werden. Davon hängt auch ab, wie viel
Verschmutzungsrechte die einzelnen Industrieanlagen erhalten. Die Union
bemängelte, dass dieses Kernstück des Emissionshandels weiter
offen sei.
(Quelle: ap)
Einseitige Investitionskürzungen im Schienenverkehr offenbar
korrigiert
Do.18.12.03 - Die Spitzen der Koalitionsfraktionen haben offenbar auf die massive
Kritik an einseitigen Kürzungen der Investitionsmittel im
Schienenverkehr reagiert. In einer der «Stuttgarter
Zeitung» (Donnerstagausgabe) vorliegenden Protokollnotiz
vereinbarten die Fraktionschefs Franz Müntefering (SPD) und Krista
Sager (Grüne) demnach am Mittwoch, die Vorschläge des zu
Grunde gelegten Papiers des nordrhein-westfälischen
SPD-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück und seines hessischen
CDU-Kollegen Roland Koch zum Subventionsabbau im Bundeshaushalt nur
abgewandelt umzusetzen.
Trotz der zwischen Regierung und Opposition vereinbarten
Beschlüsse zu einer globalen Minderausgabe werde es «keine
haushaltsrelevanten Entscheidungen geben, die einseitig zu Lasten der
Schienenbauinvestitionen gehen», heißt es laut dem
Zeitungsbericht in dem Papier. Es gelte unverändert der Grundsatz
der Gleichbehandlung von Straße und Schiene «entsprechend
des Koalitionsvertrags». Die Koalition werde sich auch
künftig dafür einsetzen, dass generell die Investitionen des
Verkehrsetats nicht zurückgefahren werden: «Dies ist aus
Gründen der Mobilitätssicherung und
Beschäftigungswirksamkeit unverzichtbar», zitiert das Blatt.
(Quelle: ap)
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