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+++ Fr.19.12.03,
13:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am zweihundertfünfundsiebzigsten Tag nach
Kriegsbeginn
UN-Generalsekretär Annan setzt sich für Treffen mit Irakern
und Besatzungsmächten ein - Kritisiert US-Fernsehbilder von
gefangenem Saddam Hussein +++ US-Armee findet angeblich Liste mit
Spionen des irakischen Ex-Diktators +++ USA legen Programm zur
Beschäftigung irakischer Waffenexperten auf +++ US-Truppen setzen
Fahndung nach Aufständischen fort +++ Explosion in Gebäude der
irakischen Schiiten-Partei +++ Pariser Club: Einigung über
Schulden Iraks vor Ende 2004 möglich +++ Iraker wollen Deutschen
Aufträge für Wiederaufbau geben +++ BDI fordert freien und
gleichen Zugang zum irakischen Markt
Fr.19.12.03 -
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat den irakischen Verwaltungsrat
und Vertreter der Besatzungsmächte in Irak für den 15. Januar
zu einem Treffen eingeladen. Dabei soll nach dem Willen Annans die Rolle
der UN beim Wiederaufbau des Landes erörtert werden.
Annan erklärte am Donnerstag in New York, er sei sicher, dass der
Verwaltungsrat an dem geplanten Treffen teilnehmen werde. Mit den
Staaten der Kriegskoalition hätten die Konsultationen allerdings
erst begonnen. Es müsse viel deutlicher werden, was die Beteiligten
von den UN erwarteten. Erst dann könne er entscheiden, ob und
unter welchen Umständen die Organisation diese Rolle
übernehmen könne.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat derweil die US- Fernsehaufnahmen
von dem gefangenen irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein als
"beunruhigend" kritisiert. Sie zeigten unter anderem die Untersuchung
des Gebisses von Saddam. Annan sagte in New York, die Bilder
dürften "nicht wiederholt werden". Er hoffe, dass sie nicht zu
weiteren Spannungen zwischen dem Westen und der islamischen Welt
führen. Es sei nun um so wichtiger, dass ein Prozess gegen Saddam
Hussein von allen als gerecht und fair angesehen werden könne.
Im Versteck des irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein hat die
US-Armee einem Fernsehbericht zufolge eine Namensliste von Spionen
gefunden, die sich unter anderem unter die US-Sicherheitskräfte
gemischt haben sollen. Die Unterlagen seien in der Aktentasche des
Ex-Machthabers entdeckt worden, berichtete der US-Fernsehsender ABC am
Donnerstag. Ein US-Offizier habe die Liste als "Goldmine" bezeichnet.
Die Spione hätten Saddam Hussein über die US-Aktivitäten
auf dem Laufenden gehalten. Sie hätten sich nicht nur in die
US-Sicherheitsreihen eingeschleust, sondern auch in die Reihen der
irakischen Sicherheitskräfte und die Zivilverwaltung. Saddam
Hussein war am vergangenen Samstag in der Nähe von Tikrit
festgenommen worden.
Die USA wollen ein Millionenprogramm zur Beschäftigung irakischer
Waffenexperten in zivilen Wiederaufbauprojekten auflegen. Ziel sei es zu
verhindern, dass die Forscher ihr Wissen über
Massenvernichtungswaffen an Terrororganisationen oder "Schurkenstaaten"
verkauften, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard
Boucher, am Donnerstag in Washington. Die USA würden deshalb 22
Millionen Dollar (knapp 18 Millionen Euro) bereit stellen, um in den
kommenden zwei Jahren das "Irakische Internationale Zentrum für
Wissenschaft und Industrie" aufzubauen und sowohl die betreffenden
Forscher als auch Wiederaufbauprojekte ausfindig zu machen. Das Zentrum
solle eng mit der irakischen Regierung zusammenarbeiten.
Eine Explosion hat am (heutigen) Freitag in Bagdad ein Gebäude der
irakischen Schiiten-Partei SCIRI erschüttert. Mindestens ein Mensch
sei getötet und weitere zwei verletzt worden, sagten Augenzeugen.
Das Wohnhaus gehört zu einer Anlage des Obersten Rates der
Islamischen Revolution im Irak (SCIRI), der mit der US-Zivilverwaltung
zusammenarbeitet und im Regierenden Rat vertreten ist. Ein
SCIRI-Vertreter bestätigte die Explosion, konnte zunächst aber
keine weiteren Einzelheiten nennen.
Die Mehrheit der Iraker gehört zur schiitischen Gemeinschaft, die
unter dem gestürzten Präsidenten Saddam Hussein systematisch
unterdrückt wurde.
US-Truppen haben am Donnerstag die nordirakische Stadt Samarra umstellt
und in der Operation "Ivy Blizzard" Jagd auf die dort vermuteten 1.500
Untergrundkämpfer gemacht. "Samarra ist so etwas wie ein Stachel in
unserer Flanke", sagte Oberstleutnant Nate Sassaman. "Es hält beim
Wiederaufbau nicht mit anderen Städten mit. Diese Operation soll
es auf Vordermann bringen." Ein US-Soldat wurde nach
Militärangaben bei El Karmah nordwestlich von Bagdad getötet,
als seine Patrouille angegriffen wurde.
Ein Mitglied einer schiitischen Partei fiel einem Attentat zum Opfer.
Muhannad el Hakim sei am Mittwoch erschossen worden, als er seine
Wohnung in Bagdad verließ, sagte ein Sprecher seiner Partei
Oberster Rat der Islamischen Revolution in Irak, Latif el Rubaie, am
Donnerstag. Der Getötete ist ein Vetter des amtierenden
Ratspräsidenten Abdel Asis el Hakim.
Die rund 2.500 US-Soldaten in Samarra werden von irakischen
Sicherheitskräften unterstützt. Sie durchkämmten
Werkstätten, Schrottplätze und Wohnungen. Am Dienstag wurden
ein mutmaßlicher Rebellenführer und 78 Verdächtige
festgenommen, am Mittwoch mindestens ein Dutzend mutmaßliche
Guerillakämpfer verhaftet.
Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi billigte die
Pläne zur Entsendung von 1.000 Soldaten nach Irak. Dies teilte
Verteidigungsminister Shigeru Ishiba mit. Es ist die erste Entsendung
von japanischen Truppen in ein Kriegsgebiet seit dem Zweiten Weltkrieg.
Der Einsatz ist allerdings ausdrücklich als humanitäre Aktion
definiert worden. Der Marschbefehl kommt vermutlich am heutigen Freitag.
Der eigentliche Einsatz beginnt dann vermutlich im nächsten Jahr.
Ein genauer Zeitplan wurde bislang nicht veröffentlicht.
Die slowakische Regierung genehmigte am Mittwoch die Entsendung
weiterer 25 Soldaten nach Irak. Dort sind bereits 82 slowakische
Pioniere stationiert, die zur Minenräumung eingesetzt werden. Die
25 zusätzlichen Soldaten sollen für ihre Sicherheit sorgen.
Wenn das Parlament in Bratislava (Preßburg) dem Schritt zustimmt,
beginnt ihre Entsendung Anfang kommenden Jahres. Das tschechische
Parlament in Prag stimmte am Donnerstag der Entsendung von 150
Militärpolizisten nach Südirak zu. Die Einheit soll von Januar
bis Ende 2004 in einem britischen Stützpunkt bei Basra stationiert
werden.
Westeuropäische Ermittler sprengten nach italienischen Angaben ein
Terrornetzwerk, das den Widerstand gegen die Besatzungstruppen in Irak
unterstützte. Die Organisation habe vor allem in Deutschland,
Italien und Großbritannien mindestens 200 Extremisten rekrutiert
und diese nach Irak entsandt, sagte ein italienischer Ermittler am
Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. Den Ermittlern zufolge wurden in
Westeuropa mehrere Dutzend mutmaßliche Mitglieder des Netzwerkes
festgenommen, darunter der Anführer und mehrerer seiner Helfer. Bei
dem Hauptverdächtigen handelt es sich um den 30 Jahre alten
Algerier Abderrazak M., der am 28. November in Hamburg festgenommen
wurde.
Eine einvernehmliche Verringerung der staatlichen Schulden Iraks ist
nach Einschätzung des Pariser Clubs der Gläubigerstaaten noch
vor Ende 2004 möglich. Zunächst müsse aber in Bagdad eine
international anerkannte Regierung etabliert sein, sagte der Chef des
Pariser Clubs, Jean-Pierre Joyet, am Donnerstag. Außerdem
müsse eine Einschätzung des Internationalen Währungsfonds
(IWF) abgewartet werden, was aber "recht schnell" gehen könne,
fügte Joyet hinzu. Insgesamt belaufen sich die irakischen Schulden
gegenüber dem Pariser Club auf rund 21 Milliarden Dollar.
Einschließlich der Zinsen, die seit 1990 hinzukamen, würden
sie sich auf rund 40 Milliarden Dollar summieren.
Der von den USA eingesetzte irakische Regierungsrat hat die
uneingeschränkte Mitwirkung Deutschlands und der deutschen
Wirtschaft am Wiederaufbau Iraks gefordert. Ratsvorsitzender Abdel Asis
el Hakim sagte nach Unterredungen mit Bundeskanzler Gerhard
Schröder und Außenminister Joschka Fischer am Donnerstag in
Berlin, die Tür Iraks sei entsprechend einem Beschluss des Gremiums
offen für alle.
Hakim stellte sich mit seiner Forderung gegen die US-Politik, wonach
als Hauptauftragnehmer nur Firmen aus Staaten zugelassen werden sollen,
die aktiv am Irak-Krieg teilgenommen haben. Er sagte, Deutschland und
seine Firmen verfügten über die notwendigen Aufbauerfahrungen.
Auch die deutschen Wende-Erfahrungen bei der Privatisierung von
Staatsbetrieben seien für Nachkriegs-Irak von Bedeutung. Fischer
unterstrich nach Angaben aus Delegationskreisen die guten bilateralen
Beziehungen. Viele Iraker hätten in Deutschland Asyl gefunden.
Neben Hakim sprach auch der Kurdenvertreter im Regierungsrat, Dschalal
Talabani. Den Angaben zufolge gibt es im irakischen Gesetz die
Todesstrafe. Sie sei derzeit aber ausgesetzt. Für die
Wiederanwendung gebe es derzeit keinen Beschluss. Schon vor der
Ergreifung Saddam Husseins sei die Einsetzung eines Irakischen
Gerichtshofes beschlossen worden, vor dem Verbrechen gegen die
Menschlichkeit nach internationalen Standards verhandelt werden sollen.
Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Roth sei
eingeladen, sich in Irak ein Bild von der Menschenrechtslage zu machen.
Zuvor hatte Schröder nach Angaben eines Sprechers die
grundsätzliche Bereitschaft Deutschlands bekräftigt, im Rahmen
des Pariser Clubs an einer substanziellen Schuldenreduzierung
mitzuwirken. Außerdem habe der Kanzler Unterstützung beim
wirtschaftlichen Übergangsprozess angeboten. Schröder habe
auch den Wunsch des Regierungsrates nach einer stärkeren Rolle der
Vereinten Nationen begrüßt, die dem demokratischen Wandel
größere Legitimität verschaffen könne.
Hakim und seine Delegation hatten vor Berlin auch London, Paris und
Madrid besucht.
Kritik an einem vorzeitigen Schuldenerlass übte unter anderen der
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen
Industrie, Ludolf von Wartenberg. Er forderte einen freien Zugang zum
irakischen Markt auch für die deutsche Wirtschaft. Nach seinen
Worten soll die Schuldenfrage erst mit einer international anerkannten
irakischen Regierung geregelt werden. Es sei bekannt, dass für
viele irakische Unternehmen deutsche Geschäftspartner die erste
Adresse wären, «wenn sie die freie Wahl hätten»,
erklärte Wartenberg.
Der Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele
erklärte in der "Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe),
so lange die Vereinigten Staaten als Besatzungsmacht aufträten und
die Kontrolle über irakische Ölreserven ausübten, solle
nicht über Schulden verhandelt werden.
(Quelle: ap, dpa,
afp, rtr)
Berichte über mysteriöse Umstände der
Festnahme Saddams in Irak mehren sich
Die
Gefangennahme Saddam Husseins sei nur eine weitere Inszenierung der
Bush-Regierung gewesen, behauptete am Mittwoch der demokratische
US-Kongreßabgeordnete Jim McDermott. McDermott hatte bereits im
letzten Jahr Präsident Bush vorgeworfen, um seinen Krieg gegen Irak
zu rechtfertigen, sei er auch bereit, das amerikanische Volk zu
belügen. Da sich jede Behauptung der Bush-Regierung über
irakische Massenvernichtungswaffen inzwischen als Lüge und/oder
Inszenierung herausgestellt habe, vermutet der kämpferische
Congressman McDermott auch hinter der Festnahme Saddam Husseins nur eine
weitere Manipulation. Die Bush-Regierung habe schon lange gewußt,
wo sich Saddam befand, aber mit dem Zugriff gewartet, um maximales
Kapital daraus zu schlagen...
So behauptete z. B. eine pakistanische Zeitung am Dienstag, daß
Saddam Hussein den Amerikanern bereits am 20. November ins Netz gegangen
sei. Präsident Bush habe seine Beute bei seinem Besuch in Bagdad
am 27. November inspiziert, nachdem Hussein am 23. November einen
Selbstmordversuch unternommen habe. Zweifel über den Zeitpunkt der
Verhaftung von Saddam Hussein wollen sich auch in der irakischen
Bevölkerung nicht legen. Durch die von den US-Besatzern
verbreiteten Bilder werden sie zusätzlich genährt. Auf
Aufnahmen, die US-Soldaten vor dem Erdloch zeigen, in dem sich Saddam
Hussein verborgen gehalten haben soll, hängt an einer Palme gut
sichtbar eine große Traube Datteln. Die Dattelernte sei jedoch im
Dezember längst vorbei, heißt es in Bagdad....
Aus:
"junge Welt" vom 19.12.03:
Mehr
unter:
http://www.jungewelt.de/2003/12-19/001.php
US-Besatzungsarmee verhaftet irakische
Gewerkschaftsführer
...Am
Samstag überfiel ein Konvoi, der aus zehn Humvee-Jeeps und
Mannschaftswagen bestand, das alte Hauptquartier der Transport- und
Kommunikationsarbeitergewerkschaft im Bagdader Busbahnhof, das seit Juni
als Büro des Irakischen Gewerkschaftsbunds (Iraqi Workers
Federation of Trade Unions) genutzt wurde. Zwanzig Soldaten sprangen aus
den Wagen, stürmten ins Gebäude, legten acht Mitgliedern des
Gewerkschaftsvorstands Handschellen an und nahmen sie fest...
Obwohl die drei am folgenden Tag frei gelassen wurden, gab es von der
Provisorischen Verwaltung der Koalitionstruppen (CPA) keine
Erklärung für die Festnahmen.
Der Überfall auf den Busbahnhof folgte der Festnahme von zwei
anderen Gewerkschaftsführern am 23. November: Qasim Hadi, der
Generalsekretär der Gewerkschaft der Arbeitslosen (UUI) und Adil
Salih, ein weiterer Führer der Organisation. Hadi war schon zwei
Mal zuvor von Koalitionstruppen verhaftet worden, weil er
Demonstrationen arbeitsloser Werktätiger anführte, auf denen
Arbeitslosenunterstützung und Arbeitsplätze gefordert wurden.
...
Mehr bei ZNet (15.12.03) unter:
Mehr
unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=944
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=15&ItemID=4686
Italien: Kriegsgegner fordern etablierte Linke mit
Widerstandsaufruf heraus
...Im
Mittelpunkt der Auseinandersetzungen steht der Streit über die
Bewertung des irakischen Widerstands...
Mehr bei
"junge Welt" vom 19.12.03:
http://www.jungewelt.de/2003/12-19/004.php
In der
deutschen Friedensbewegung war das Thema irakischer Widerstand bisher
tabu, trotz deutlicher Ablehnung der US-Besatzung. Wenige Tage nachdem
das Politmagazin Panorama sich in seiner jüngsten Sendung mit dem
Widerstand gegen die US-Truppen und ihre Alliierten in Irak
beschäftigte, ist die Diskussion in der Friedensbewegung um die
"richtige" und "falsche" Positionierung zum Konflikt voll entbrannt ..
Mehr bei telepolis vom 19.12.03
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16360/1.html
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Annan fordert erneut mehr Engagement für Afghanistan
UN-Generalsekretär fordert Mitgliedsländer der Vereinten
Nationen auf, sich stärker für die Stabilisierung Afghanistans
einzusetzen +++ Afghanische Delegierte unter Schutz der UN gestellt.
Sie hatte sich gegen den Einfluss der regionalen Kriegsherren auf die
Loja Dschirga gewandt und daraufhin Todesdrohungen erhalten
Fr.19.12.03 -
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Mitgliedsländer der
Vereinten Nationen aufgerufen, sich stärker für die
Stabilisierung Afghanistans einzusetzen. "Wir könnten Afghanistan
verlieren", sagte Annan am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in New
York. Er forderte die Länder erneut auf, Truppen zu entsenden,
damit die Internationale Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) über die
Hauptstadt Kabul hinaus eingesetzt werden könne.
"Ohne Sicherheit gibt es keinen Wiederaufbau", erklärte Annan.
Ohne Sicherheit könnten die Menschen sich nicht für Wahlen
registrieren lassen und die Kandidaten könnten keinen Wahlkampf
führen. Der UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi hatte in der
vergangenen Woche gewarnt, sein Team könne die Arbeit in
Afghanistan möglicherweise nicht fortsetzen, wenn sich die
Sicherheit nicht verbessere.
Einen Tag nach dem heftigen Wortstreit über die Rolle von
Milizenführern in der afghanischen Loja Dschirga ist eine weibliche
Delegierte unter den Schutz der Vereinten Nationen gestellt worden. Es
gebe Anlass zur Sorge um ihre Sicherheit von Malalai Dschoja,
erklärte UN-Sprecher Manoel de Almeida e Silva am Donnerstag in
Kabul. Dschoja hatte sich am Mittwoch in einer leidenschaftlichen Rede
gegen den Einfluss der regionalen Kriegsherren auf die Loja Dschirga
gewandt und daraufhin Todesdrohungen erhalten.
Amnesty International beklagte insbesondere, dass die Drohungen auch
innerhalb der Großen Ratsversammlung ausgesprochen wurden. Wenn
Delegierte daran gehindert würden, sich frei zu äußern,
sei der Prozess zur Demokratisierung Afghanistans erheblich
gefährdet, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Der
Versammlungsleiter wurde aufgefordert, die Rede- und Meinungsfreiheit
sicherzustellen.
Dschoja hatte insbesondere die Mitgliedschaft des früheren
Präsidenten Burhanuddin Rabbani und des Islamisten Abdul Rasul
Seijaf in der Loja Dschirga kritisiert. Zudem bemängelte sie, dass
als Vorsitzende der Ausschüsse Männer gewählt worden
seien, die Katastrophen über das afghanische Volk gebracht
hätten. Die Beratungen über eine neue Verfassung wurden am
Donnerstag in Arbeitsgruppen fortgesetzt.
(Quelle: ap)
Man müsste die Warlords schwächen ...
... meint
der EU-Sondergesandte in Afghanistan, Francesc Vendrell. Er hält
die starke Position der Warlords für ein Haupthindernis einer
demokratischen Entwicklung Afghanistans. Besonders die Amerikaner
müssten zu einer Demobilisierung ihren Beitrag leisten...
Mehr in der "tageszeitung" vom 19.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/19/a0124.nf/text
Der
spanische Jurist Francesc Vendrell, 63, ist seit Juli 2002
EU-Sondergesandter in Kabul. Zuvor leitete der Diplomat, der 34 Jahre
für die UNO arbeitete, die UN-Sondermission für Afghanistan.
Im Dezember 2001 handelte er mit das Bonner Afghanistan-Abkommen aus
(taz)
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US-Gericht krisisiert Haftbedingungen in Guantánamo
Inhaftierung
auf unbestimmte Zeit widerspreche amerikanischen Idealen. Richter:
Guantanamo-Gefangene haben Anspruch auf US-Justizsystem +++ Auf dem
US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba werden seit dem
Afghanistan-Krieg rund 660 Häftlinge ohne Anklage und ohne
Rechtsbeistand festgehalten
Fr.19.12.03 -
Gefangene in Guantanamo haben nach der Entscheidung eines
Bundesgerichts in den USA Anspruch auf Zugang zu Rechtsanwälten und
dem amerikanischen Justizsystem. Die am Donnerstag mit zwei zu eins
Richterstimmen gefällte Entscheidung des Bezirksberufungsgerichts
in San Francisco steht im Widerspruch zur Haltung der US-Regierung.
Diese macht geltend, da die Verdächtigen als «feindliche
Kämpfer» in Übersee unter Terrorismusverdacht
festgenommen worden seien und nicht in den USA festgehalten würden,
könnte sie auf unbestimmte Zeit ohne Prozess inhaftiert bleiben.
Das Gericht erklärte, die Inhaftierung auf unbestimmte Zeit
widerspreche amerikanischen Idealen. «Auch in Zeiten eines
nationalen Notstands - gerade in solchen Zeiten - ist es die Pflicht der
Justiz, die Beibehaltung unserer verfassungsmäßigen Werte
sicherzustellen und zu verhindern, dass die Exekutive die Rechte von
Bürgern und Ausländern mit Füßen tritt»,
schrieb Richter Stephen Reinhardt für die Mehrheit des Gremiums.
Ein Angehöriger eines in Afghanistan gefangengenommenen Libyers
hatte das Gericht angerufen.
Es ist das erste Mal, dass ein US-Gericht in diesem Sinn entschieden
hat. Im November hatte das Oberste Gericht zugestimmt, sich mit dem Fall
zu befassen. Der US-Berufungsgerichtshof im District of Columbia, zu
dem die Hauptstadt Washington gehört, hatte zuvor entschieden,
dass den Gefangenen kein Zugang zum US-Justizsystem zusteht.
Auf dem US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba werden seit dem
Afghanistan-Krieg rund 660 Häftlinge ohne Anklage und ohne
Rechtsbeistand festgehalten. Sie werden von den USA verdächtigt,
Taliban- oder El-Kaida-Mitglieder zu sein.
Das Pentagon stellte unterdessen einem zweiten ausländischen
Häftling im Gefangenenlager Guantanamo einen amerikanischen
Militäranwalt zur Seite. Bei dem Häftling handelt es sich um
den Jemeniten Salim Ahmed Hamdan. Zuvor hatte bereits der Australier
David Hicks einen US-Militäranwalt erhalten. Darüber hinaus
traf er mit einem australischen Rechtsbeistand zusammen. Hamdan und
Hicks zählen zu den sechs Häftlingen, die US-Präsident
George W. Bush als Kandidaten für einen Prozess vor einem
militärischen Sondertribunal benannte.
(Quelle: ap)
USA rügen Beschränkung der Religionsfreiheit in
vielen Staaten
Fr.19.12.03 - Die
USA haben am Donnerstag zahlreiche Staaten wegen Beschränkungen
der Religionsfreiheit gerügt. Im Zentrum der Kritik stand
Saudi-Arabien. Dort existiere keine Religionsfreiheit, hieß es in
einem in Washington veröffentlichten Bericht des
US-Außenministeriums. Auch Deutschland wurde wegen seiner
Überwachung der Scientology-Organisation kritisiert.
Die saudiarabische Regierung setze eine «streng konservative
Version des sunnitischen Islams» durch, hieß es in dem
fünften Internationalen Freiheitsbericht. Sie unterdrücke die
öffentliche Ausübung anderer Versionen des Islams und
nicht-muslimischer Religionen. Nicht-muslimische Gläubige seien der
Gefahr von «Festnahmen, Inhaftierungen, Auspeitschungen,
Deportation und manchmal körperlicher Misshandlung»
ausgesetzt.
Die chinesische Regierung erlaube nur Anhängern staatlich
anerkannter Religionsgemeinschaften die Ausübung ihres Glaubens,
hieß es weiter. «Mitglieder einiger nicht registrierter
Religionsgruppen waren Beschränkungen ausgesetzt, die in einigen
Fällen zu Einschüchterung, Belästigung und Festnahmen
führten.»
Ein Großteil der Bevölkerung lebt der Studie zufolge in
Staaten, in denen keine Religionsfreiheit gilt oder in denen sie
beschnitten wird. «Millionen Menschen leben in totalitären
oder autoritären Regimen, die entschlossen sind, religiösen
Glauben und seine Ausübung zu kontrollieren», schrieb das
Außenamt.
In Pakistan würden die Rechte religiöser Minderheiten nicht
ausreichend geschützt, hieß es weiter. Aus Nordkorea
lägen Berichte über Hinrichtungen, Folter und Festnahmen aus
religiösen Gründen vor. Auch in Israel und Turkmenistan
würden Anhänger bestimmter Glaubensgemeinschaften
benachteiligt.
Die Bundesregierung überwache Scientology nach wie vor, obwohl der
Organisation seit Beginn der Kontrolle vor sechs Jahren keine
kriminellen Aktivitäten nachgewiesen worden seien, hieß es.
In Belgien würden Anhänger von Sekten diskriminiert, und in
Frankreich werde die Versammlungsfreiheit beschränkt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Scharon
erwägt Abtrennung der palästinensischen Gebiete von Israel
und kündigt schnelleren Bau des Sperrwalls an +++ Kureia
'enttäuscht' +++ USA warnt Israel +++ Bethlehems Bürgermeister
sagt offizielle Weihnachtsfeiern ab
Fr.19.12.03 -
Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hat den
Palästinensern mit einer einseitigen Trennung und Gebietsverlusten
gedroht, wenn der als Road Map bekannt gewordene internationale
Friedensplan scheitern sollte.
In einer Grundsatzrede in Herzlija sagte Scharon am Donnerstag, er
stehe weiterhin zu dem Friedensplan, der die bessere Lösung sei. Er
habe aber nicht die Absicht, ewig auf Friedensgespräche zu warten.
"Wenn die Palästinenser innerhalb von Monaten weiterhin ihren Teil
nicht umsetzen, wird Israel als Sicherheitsmaßnahme mit einer
einseitigen Trennung beginnen", sagte er. Dies würde den
Palästinensern Land kosten; sie würden weniger bekommen als
durch Verhandlungen. Die USA erklärten, sie seien gegen einseitige
Schritte Israels, die den Verhandlungen im Wege stehen würden. Der
palästinensischen Ministerpräsident Ahmed Korei
äußerte sich enttäuscht über die Drohungen Scharons.
Scharon kündigte an, dass der von den USA und den
europäischen Staaten kritisierte Bau eines Sperrzaunes beschleunigt
fortgeführt werden solle. Die Palästinenser befürchten,
dass diese Anlage, die sich teilweise auf ihrem Gebiet befindet,
Tatsachen für den Grenzverlauf schaffen soll.
Im Rahmen des Trennungsplanes würden israelische Streitkräfte
umgruppiert und jüdische Siedlungen verlegt, sagte Scharon. Damit
solle die Zahl der Israelis in der Nähe von palästinensischen
Bevölkerungszentren verringert werden. Mit der Loslösung
könne schon begonnen werden, bevor alle Maßnahmen zur
Umsetzung des Friedensplanes erschöpft seien, sagte Scharon.
Justizminister Josef Lapid sagte, der Trennungsplan könnte schon in
drei Monaten umgesetzt werden. Nach Scharons Worten sollen alle
Schritte mit den USA koordiniert werden.
Die USA äußerten sich jedoch umgehend kritisch zu den
israelischen Absichten. Die US-Regierung sei gegen einseitige Schritte
Israels, die den Friedensprozess im Nahen Osten behindern könnten,
hieß es in einer Erklärung des Präsidialamtes. Die USA
forderten Scharon und Korei auf, sich ohne Vorbedingungen "sehr bald" zu
treffen. Korei sagte, wenn Scharon an den Verhandlungstisch käme,
könnte der Frieden schneller als erwartet da sein. "Ich bin
enttäuscht zu hören, dass er (Scharon) den
Palästinensern droht", sagte Korei. Er habe etwas Neues erwartet.
Die Palästinenser fühlten sich dem Friedensprozess
verpflichtet.
Die radikale Hamas-Bewegung bezeichnete den Scharon-Plan als wertlos.
"Scharon fordert die Palästinenser auf, die weiße Flagge zu
heben und sich zu ergeben", sagte Hamas-Gründer Scheich Ahmed
Jassin. Das palästinensische Volk werde nicht kapitulieren, sondern
sich verteidigen.
Der von den USA, der Europäischen Union (EU), Russland und den
Vereinten Nationen (UNO) unterstützte Friedensplan ist durch die
anhaltende Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern ins Stocken
geraten. Er sieht die Schaffung eines palästinensischen Staaten bis
2005 vor und fordert die Einstellung aller Gewaltakte. Extremistische
Palästinenser-Gruppen wie Hamas und Dschihad, die Hunderte
Israelis durch Selbstmordanschläge getötet haben, lehnen den
Plan ab und weigern sich, auf Gewalt zu verzichten. Israel betrachtet
die Zerschlagung aller "terroristischen Gruppen" als Bedingung für
Friedensgespräche und geht selbst mit Militärgewalt gegen
Palästinenser vor.
Der Bürgermeister von Bethlehem, Hanna Nasser, hat zum dritten Mal
offizielle Weihnachtsfeiern in der Geburtsstadt Jesu abgesagt. Es werde
keinen Empfang der Stadt und keine Feierlichkeiten auf dem Krippenplatz
vor der Geburtskirche geben, berichtete die Zeitung "Jerusalem Post" am
Mittwoch. Allerdings werde die Stadt im von Israel besetzten
Westjordanland einen Weihnachtsbaum dekorieren sowie einige
Straßen mit Weihnachtsschmuck ausstatten.
Von der Absage der offiziellen Feierlichkeiten sind die religiösen
Zeremonien nicht beeinträchtigt. Der lateinische Patriarch
hält traditionell am 24. Dezember in Bethlehem Einzug und wird von
den Bewohnern der Stadt begrüßt. Das israelische Militär
hatte freien Zugang nach Bethlehem zu Weihnachten zugesagt.
(Quelle: rtr)
USA warnen vor wachsendem Antisemitismus in Europa
Fr.19.12.03 - Die
USA haben vor einer wachsenden Ausbreitung von Antisemitismus in Europa
gewarnt. In seinem Jahresbericht zum weltweiten Stand der
Religionsfreiheit wies das US-Außenministerium auf zahlreiche
Angriffe auf jüdische Einrichtungen hin. Die europäischen
Regierungen begännen, "das Problem ernst zu nehmen", sagte der
US-Beauftragte für Religionsfreiheit, John Hanford.
Die US-Regierung werde bilateral bei einzelnen europäischen
Regierungen und über die Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE) weiter die Frage des Antisemitismus
ansprechen, kündigte Hanford an.
(Quelle: afp)
Iran unterzeichnet Zusatzabkommen zum Atomwaffensperrvertrag
Es
ermöglicht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
zusätzliche Kontrollmöglichkeiten des iranischen
Atomprogrammes
Fr.19.12.03 -
Iran hat am Donnerstag in Wien das so genannte Zusatzabkommen zum
Atomwaffen-Sperrvertrag unterzeichnet, das der Internationalen
Atomenergie-Organisation (IAEO) zusätzliche
Kontrollmöglichkeiten des iranischen Atomprogrammes
ermöglicht. Für die Regierung in Teheran setzte der iranische
IAEO-Botschafter Ali Akbar Salehi seine Unterschrift unter das Dokument,
für die IAEO deren Generaldirektor Mohammed El Baradei. In Kraft
tritt das Abkommen allerdings erst, wenn es auch vom iranischen
Parlament ratifiziert worden ist.
Der kurzen Zeremonie war ein monatelanger Streit zwischen der
Atombehörde und Teheran vorangegangen. Die IAEO-Inspekteure hatten
festgestellt, dass Iran sein Atomprogramm nicht vollständig
offengelegt hat, was in den USA den Verdacht laut werden ließ,
Teheran arbeite insgeheim am Bau von Atombomben. Die iranische
Führung hatte dies stets vehement zurückgewiesen. Auch in
einer Erklärung der Wiener Atombehörde hieß es, es gebe
keine Hinweise auf ein geheimes Atomwaffenprogramm.
Im Sommer entdeckte Spuren von waffenfähigem Uran seien schon auf
importierter Nukleartechnik vorhanden gewesen, hatte Iran erklärt.
Auf Betreiben Deutschlands, Frankreichs und Großbritannien hatte
Teheran im Herbst nach zähen Verhandlungen mit den
Außenministern der drei Staaten zugestimmt, sein Atomprogramm
vollständig offenzulegen und das Zusatzabkommen zu unterschreiben.
Das Abkommen ermöglicht den IAEO-Kontrollorganen weiterreichende
und auch unangekündigte Kontrollen von Atomanlagen und allen
Komplexen, die für Nukleartechnologie genutzt werden könnten.
Die IAEO überwacht den Atomwaffensperrvertrag, der eine Ausweitung
von Staaten mit Atomwaffen verhindern soll.
(Quelle: dpa)
Mehr unter:
http://www.iaea.org/NewsCenter/Focus/IaeaIran/index.shtml
Bericht der WHO zeichnet trauriges Bild
Wachsende
Unterschiede zwischen der Ersten und Dritten Welt in der
Gesundheitsvorsorge +++ Weltgesundheitsorgansiation WHO fordert
Reorganisation der Gesundheitssysteme der Welt
Fr.19.12.03 -
Wenn die internationalen Vorgaben zur Ausrottung der
gefährlichsten Krankheiten weitergehen sollen, müssen die
Gesundheitssysteme der Welt reorganisiert werden, lautet das
Gesamturteil des heute, Donnerstag, veröffentlichten Berichts der
Weltgesundheitsorganisation WHO . Zu den größten Hürden
zählt die Finanzierung von Gesundheitssystemen in Staaten der
Dritten Welt und in Schwellenländern. Die meisten bräuchten
dringende finanzielle Hilfe anderer Länder.
An einem einfachen Beispiel dokumentiert die WHO die immer
größer werdenden Unterschiede zwischen armen und reichen
Staaten. Wenn heute ein Mädchen in Japan auf die Welt kommt,
erwartet es ein durchschnittliches Lebensalter von 85 Jahren. Ein
Mädchen, das zur selben Zeit in Sierra Leone geboren wird, hat
hingegen eine durchschnittliche Lebenserwartung von 36 Jahren. Das
japanische Kind wird in einem der besten Gesundheitssysteme der Welt
aufwachsen, das Kind in Afrika wird aller Wahrscheinlichkeit nie einen
Doktor oder eine Krankenschwester sehen.
Für den WHO-Direktor Jong-Wook Lee ist diese Situation der
großen sozialen Unterschiede aber inakzeptabel. "Vor 25 Jahren war
in der Deklaration von Alma Ata eine Angleichung von primärer
Gesundheitsvorsorge für alle vereinbart worden. Damit sollten
Ungleichheiten zwischen den Ländern beseitigt werden", so der
WHO-Chef. Übriggeblieben sei von den Vereinbarungen bisher nicht
viel.
Die WHO-Bilanz des Jahres 2003 zeichnet indes ein trauriges Bild. Es
sei nicht gelungen Polio auszurotten und Aids habe die Lebenserwartung
im südlichen Afrika um 20 Jahre verkürzt. Aids wird von der
WHO immer noch als eine der schlimmsten Erkrankungen aufgeführt:
demnach sterben in den ärmsten afrikanischen Ländern
täglich 5.000 Erwachsene und 1.000 Kinder an der Krankheit. Heute
bekommen nur fünf Prozent der Aids-Patienten in der Dritten Welt
antiretrovirale Medikamente.
Zu den größten "Killer-Krankheiten" zählen neben Aids
(2,3 Mio. Todesopfer), Herzerkrankungen (1,3 Mio. Todesopfer) und
Tuberkulose (eine Mio. Todesopfer). Bei Verkehrsunfällen starben
2002 800.000 Menschen.
Der große Unterschied zwischen der Ersten und Dritten Welt wird
auch klar, wenn die Sterbezahlen bei der Geburt eines Kindes miteinander
verglichen werden: In einem Entwicklungsland ist die Wahrscheinlichkeit
des Todes der Mutter 250 Mal höher. Mehr als 500.000 Frauen sterben
jährlich an Komplikationen während der Schwangerschaft.
Chronische Erkrankungen fordern den höchsten Blutzoll unter den
Erwachsenen.
(Quelle: pte)
Weltgesundheitsorganisation
(WHO):
http://www.who.int
'Exxon Valdez'-Öl schadet der Umwelt noch nach 14 Jahren
Fr.19.12.03 - Die
Havarie des Öltankers «Exxon Valdez» vor der
Küste Alaskas beeinträchtigt noch immer die Tier- und
Pflanzenwelt. Das berichten US-Forscher im Fachjournal
«Science» (Bd. 302, S. 2082) vom Freitag. In den flachen
Uferzonen sei viel mehr Rohöl verblieben als bisher vermutet.
Dieses schade noch heute Meerestieren und Vögeln.
Das Team um Charles H. Peterson von der University of North Carolina at
Chapel Hill in Morehead City bewertete mehrere biologische Studien seit
dem Unfall im März 1989. Damals waren 42 Millionen Liter Öl
ins Meer geflossen, davon etwa 40 Prozent in einem kleinen
Küstenbereich des Prinz William Sound.
Nach Studien aus dem Jahr 2001 lagern mindestens 100 000 Kilogramm kaum
abgebauten Rohöls in den Zwischenräumen des groben Sediments
im Gezeitenbereich. Weil dort keine Luft hinkommt, kann es nicht
zersetzt werden. Biologische Studien zeigten, dass die Wirkung des
Unfalls noch anhält: Die Vermehrungsrate vieler Fische wird schon
durch geringste Mengen polycyclischer aromatischer Kohlenwasserstoffe
aus dem Öl gestört und zwar weit unterhalb der etwa
tausendfach höheren Toxizitätsgrenze, die bisher zur
Einschätzung der Gefahren benutzt wurde.
Seeotter und Meeresenten nehmen bei der Suche nach Futter am Grund
ständig kleine jedoch gesundheitsschädliche Mengen Öl
auf, berichten die Forscher. Verölte Muschelbänke werden nach
ihrer Einschätzung noch mindestens 30 Jahre bis zur völligen
Erholung benötigen.
Insgesamt seien die langfristigen Folgen der Ölkatastrophe
schlimmer als bisher in der Forschung vermutet, schließen die
Wissenschaftler. Das Rohöl wird langsamer abgebaut, hält sich
in geschützten Nischen und wirkt noch in kleinen Dosen über
vielfältige Verknüpfungen zwischen den Arten. Die Forscher
fordern, diese langfristigen Auswirkungen bei der
Gefahrenabschätzung von Ölunfällen stärker zu
berücksichtigen.
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema
bei telepolis (18.12.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/16354/1.html
UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag
Aufseher eines
Gefangenenlagers in Bosnien muss wegen Kriegsverbrechen 23 Jahre in
Haft
Fr.19.12.03 - Das
UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den früheren Aufseher
eines Gefangenenlagers in Bosnien wegen zum Teil tödlicher
Misshandlungen zu 23 Jahren Haft verurteilt. Der bosnische Serbe Dragan
Nikolic machte sich nach Überzeugung der Richter einen Spaß
daraus, seine muslimischen Gefangenen von Mitarbeitern vergewaltigen
und zu Tode foltern zu lassen. Der Vorsitzende Richter Wolfgang
Schomberger sprach von «systematischem Sadismus», weil
Nikolic bei den Taten zuschaute. Nikolic hat sich des Mordes und der
Verfolgung schuldig bekannt.
Mit ihrem Urteil gingen die Richter weit über das von der
Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinaus. Die
Anklagebehörde hatte im Gegenzug zu Nikolics Teilgeständnis
mehrere Vorwürfe fallen lassen und nur 15 Jahre Haft gefordert.
Schomburg erklärte, eigentlich habe Nikolic eine lebenslange
Freiheitsstrafe verdient. Das Urteil berücksichtige aber, dass er
seine Verbrechen gestanden und Reue gezeigt habe. Die Empfehlung der
Staatsanwaltschaft sei dennoch zu milde. Sie trage «der
Brutalität, der Zahl der begangenen Taten» und der bewussten
Erniedrigung der Opfer nicht Rechnung.
Schomburg betonte, der Angeklagte habe «persönlich Frauen
aller Altersstufen aus dem Lager geholt und sie Männern
überlassen, von denen er wusste, dass sie sie missbrauchen oder
vergewaltigen würden.» Nach eigenem Eingeständnis sagte
Nikolic bei der Folterung eines Gefangenen: «Ich kann nicht
fassen, dass so ein Tier einfach nicht stirbt. Er muss zwei Herzen
haben.»
Der 46-Jährige war nach fünf Jahren auf der Flucht im April
2000 festgenommen worden. Er war der erste Verdächtige, gegen den
das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag Anklage erhob. Im
Gefangenenlager Susica waren bis zu 500 Menschen in einem 50 mal 30
Meter großen Raum eingesperrt. Zwischen Mai und Oktober 1992
sollen dort bis zu 8.000 Muslime aus der Region Vlasenica tage- bis
monatelang gefangen gehalten worden sein.
(Quelle: ap)
Kopftuchverbot in Frankreich
Kritiker
befürchten, dass das von Staatspräsident Chirac
angekündigte Kopftuch-Gesetz zu kurz greift und das Problem nicht
an der Wurzel packt +++ Sorge bei französischen Muslimen +++
Nobelpreisträgerin Ebadi kritisiert Chiracs Kopftuch-Entscheidung
Fr.19.12.03 -
Seit 1989 war das islamische Kopftuch in den Schulen ein Streitthema in
Frankreich - jetzt hat Staatspräsident Jacques Chirac entschieden,
deutlich sichtbare religiöse Zeichen und Kleidungsstücke in
öffentlichen Schulen gesetzlich zu verbieten. In den Beifall
für die nach monatelanger Debatte allseits erwarteten
Ankündigung und sein leidenschaftliches Plädoyer für die
laizistische Republik mischen sich aber auch kritische Töne.
Der Islamrat CFCM befürchtet, dass sich die fünf Millionen
Muslime in Frankreich durch das Gesetz diskriminiert fühlen, obwohl
ausdrücklich auch größere christliche Kreuze und die
jüdische Kippa verboten werden. Der gemäßigte
CFCM-Vorsitzende Dalil Boubakeur rief die Muslime zur Besonnenheit auf.
Sein den Fundamentalisten nahe stehender Stellvertreter Fouad Alaoui
erklärte, die Muslime sähen einen politischen Willen am Werk,
ihre religiöse Freiheit einzuschränken.
Kritiker bis ins rechtsliberale Regierungslager des Präsidenten
hinein befürchten vor allem, dass das Kopftuch-Gesetz zu kurz
greift und das Problem nicht an der Wurzel packt: Die gescheiterte
Integration der meisten muslimischen Jugendlichen bereitet Extremismus
erst den Nährboden. Chirac hatte in seiner Grundsatzrede
schonungslos Bilanz gezogen. Er wisse um die Empörung muslimischer
Jugendlicher, die wegen ihres arabischen Namens keine Arbeit
bekämen oder als Mieter abgelehnt würden.
Der Graben zwischen den sozialen Brennpunkten in den Vorstädten
und dem Rest des Landes werde immer tiefer, sagte der Präsident.
Von Bewohnern der «Gettos einer unmenschlichen
Urbanisierung», wo das Recht des Stärkeren gelte, könne
man nicht erwarten, sich als Teil der französischen Nation zu
begreifen. Doch ziehe er trotz aller Lippenbekenntnisse für eine
«Neubegründung der Integrationspolitik» keine
Konsequenzen, notierte die linksliberale «Libération».
Chirac kündigte eine Behörde zum Kampf gegen Diskriminierung
an und begnügte sich ansonsten damit, auf eine größere
Polizeipräsenz in den sozialen Brennpunkten und ein
Stadtentwicklungsprogramm zu verweisen. «Da habe ich mehr
erwartet», bedauert die Vorsitzende der Kommunistischen Partei,
Marie-George Buffet. Auch der Fraktionschef der kleineren
Regierungspartei UDF, Hervé Morin, fordert, die Regierung
müsse endlich die Ursachen anpacken, eine «wirkliche
Integrationspolitik» auf den Weg bringen.
Nahezu uneingeschränkte Zustimmung erntete Chirac hingegen mit
seiner Absage an den Kommunitarismus, an das multikulturelle Modell der
angelsächsischen Welt. «Die Vielfalt macht die
Größe Frankreichs aus», sagte der Präsident, doch
müssten auch die neuen Einwanderer die Werte und die Gesetze der
Republik respektieren. Und dazu gehöre die Gleichheit der
Geschlechter und die Würde der Frau, schrieb er den islamischen
Fundamentalisten ins Stammbuch.
Die weltanschauliche Neutralität sei ein Grundpfeiler der
Verfassung und die Schule ein «republikanisches Heiligtum»,
begründete der Staatspräsident das Kopftuch-Verbot. Drei
Monate vor den Regionalwahlen will Chirac damit auch der
rechtsextremistischen Nationalen Front von Jean-Marie Le Pen das Wasser
abgraben, der virtuos mit den diffusen Ängsten einer Islamisierung
Frankreichs spielt. Chirac verwarf auch den Vorschlag, den Islam und das
Judentum mit der Anerkennung des Opferfests Eid el Kebir und Jom Kippur
als gesetzliche Feiertage aufzuwerten.
Die Regierung von Premierminister Jean-Pierre Raffarin machte sich am
Donnerstag umgehend daran, die Forderungen des Präsidenten
umzusetzen. Erziehungsminister Luc Ferry kündigte an, dass Gesetz
werde vermutlich schon im Februar ins Parlament eingebracht, damit es
rechtzeitig zu Beginn des neuen Schuljahrs im September in Kraft treten
kann.
Die diesjährige Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi hat
derweil die Entscheidung des französischen Präsidenten Jacques
Chirac für ein Kopftuchverbot an Schulen kritisiert. Ein solches
Gesetz käme allein "Fundamentalisten" zugute, sagte die iranische
Rechtsanwältin am Donnerstag in Paris. "Je gebildeter die
Mädchen sind, je mehr sie die Schulen besuchen, um so
emanzipierter werden sie sein", betonte Ebadi.
(Quellen: ap,
afp)
Debatte um beschlossene Verschärfung der
Zumutbarkeitsregeln für Langzeitarbeitslose
Die vom
Vermittlungsausschuss auf Druck der Union beschlossenen
Gesetzentwürfe bewirken nicht nur, dass die staatliche
Unterstützung für Millionen Menschen schlagartig von
durchschnittlich 510 auf 345 Euro absinkt. Sie müssen darüber
hinaus in Kauf nehmen, dass der Lohn für den beliebigen legalen
Job, den anzunehmen Arbeitslosenhilfeempfänger künftig
gezwungen sind, durchaus auch darunter liegen darf und sie der
Sozialhilfe anheim fallen. Dieser Umstand hat Forderungen nach einem
gesetzlich geregelten Mindestlohn laut werden lassen. Das
Regierungslager sowie die Gewerkschaften sind in dieser Frage
gespalten.
Fr.19.12.03 -
Nach den bisherigen Zumutbarkeitsregeln muss der Langzeitarbeitslose
eine Beschäftigung nur dann annehmen, wenn der Lohn die staatliche
Transferleistung nicht unterschreitet. Diese Vorschrift soll nun
ersatzlos gestrichen werden. Der Versuch der SPD, den Entgelt jobbender
Langzeiterwerbsloser ersatzweise an den ortsüblichen oder den
Tariflohn zu koppeln, scheiterte im Vermittlungsausschuss nicht nur am
Widerstand der Opposition. Es geschah durchaus mit stillschweigender
Zustimmung der Bundesregierung: Der ursprüngliche Gesetzentwurf des
Arbeitsministeriums enthielt gleichfalls nicht die Spur einer
Absicherung.
Minister Wolfgang Clement, für die Linken in SPD und Grünen
ohnehin das U-Boot der Schlotbarone im Kabinett, handelt damit durchaus
im Sinne der Wirtschaft, die auch eine vage Absicherung des Verdienstes
vor dem freien Fall als Bedrohung des von ihr angestrebten
Niedriglohnsektors betrachtet.
Im Hause Clement hieß es dazu am Donnerstag sinngemäß,
ein Minimalverdienst sei doch nicht nötig, weil Gewissen und
Redlichkeit der Arbeitgeber eine anständige Bezahlung garantierten.
Denn wenn der Stundenlohn nicht «sittenwidrig niedrig» sei
und fünf Euro nicht unterschreite, habe man als
Langzeitarbeitsloser im Zwangsjob bei 40 Stunden in der Woche durchaus
mehr im Geldbeutel als mit der bisherigen Arbeitslosenhilfe.
Was Clement und seine Spitzenbeamten mit ihrer an die Sittlichkeit
gebundenen Richtgrenze offenbar vermeiden wollen, ist freilich schon
munter in Gang: Die in den kommenden Wochen wohl noch weiter
anschwellende Debatte um einen Mindestlohn. Von den einen als Hemmnis
für Eigeninitiative und Wettbewerb abgelehnt, von den anderen als
lebensnotwendig befürwortet, spaltet der Streit vor allem die
Gewerkschaften.
Im Arbeitnehmerlager glaubt man sowohl für die Ablehnung wie
für die Zustimmung zum Mindestlohn gute Gründe zu haben.
Franz-Josef-Möllenberg, Chef der Gewerkschaft
Nahrung-Genuss-Gaststätten, sprach sich im
«Handelsblatt» nachdrücklich für ein
Garantieentgelt aus, weil sonst Dumpinglöhnen Tür und Tor
geöffnet würden. Schließlich müssten die Schwachen
in der Gesellschaft auch dort Schutz genießen, wo die
Gewerkschaften nicht stark aufgestellt seien.
Ganz anders argumentiert die große IG Metall. In der Frankfurter
Gewerkschaftszentrale heißt es selbstbewusst, Mindestlöhne
brauche man nicht, Mindestlohn sei der Tariflohn. Doch dabei schwingt
die Furcht mit, staatliche Mindestlöhne könnten von den
Arbeitgebern schleichend als Richtschnur für tarifliche Entgelte
missbraucht werden und die Einkommen insgesamt auf ein niedrigeres
Niveau drücken.
Gespalten ist in dieser Frage auch das Regierungslager. Im Gegensatz zu
Clement und der Koalitionsmehrheit, die den Mindestlohn gegenwärtig
ablehnen, wollen Teile von SPD und Grünen das Instrument eines
staatlichen Regulativs für die Daseinsabsicherung zumindest
ernsthaft prüfen.
(Quelle: ap)
Ministerpräsidenten wollen längere Arbeitszeit
auch für Beamte
Fr.19.12.03 - Die
Länderchefs wollen eine einheitlich längere Arbeitszeit
für ihren öffentlichen Dienst einschließlich der Beamten
ohne Lohnausgleich. Dies ist das Ergebnis der Konferenz der
Ministerpräsidenten, das nach einer Sitzung mit Bundeskanzler
Gerhard Schröder am Donnerstag in Berlin bekannt gegeben wurde. Den
Vorsitz der Konferenz führte der bayerische Landeschef Edmund
Stoiber.
Der CSU-Vorsitzende sagte, die Arbeitszeitregelung für den
öffentlichen Dienst werde auf Grund eines einmütigen
Beschlusses der Ministerpräsidentenrunde zum 24. März 2004
gekündigt, wenn bis dahin mit der Gewerkschaft ver.di «keine
vernünftige Regelung» zu Stande komme. Die Arbeitszeiten von
Arbeitern und Angestellten im öffentlichen Dienst klaffen zwischen
den Ländern um bis zu vier Stunden pro Woche auseinander, sagte
Stoiber. Angestrebt würden 42 Wochenstunden. Der
Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff,
sagte, in den ostdeutschen Ländern könne dies eine
Arbeitszeitverkürzung bedeuten, die dann ebenfalls ohne
Lohnausgleich vorgenommen werden müsse.
Die Ministerpräsidentenkonferenz beschäftigte sich auch mit
der Situation nach dem Scheitern der EU-Regierungskonferenz über
eine europäische Verfassung. Außerdem ging es um die
Einführung eines einheitlichen Digitalfunks für
Sicherheitsbehörden und um die Olympiabewerbung Leipzigs und
Rostocks.
(Quelle: ap)
Streit um Zuzahlungs-Rabatt für chronisch Kranke
Im Zuge der
Gesundheitsreform hatte die Selbstverwaltung von Ärzten und
Krankenkassen in einer Richtlinie eine enge Definition vorgeschlagen,
wer künftig als chronisch krank gelten soll
Fr.19.12.03 -
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt will den Plan von Ärzten und
Krankenkassen stoppen, die Gruppe von chronisch Kranken mit geringeren
Zuzahlungen ab 2004 sehr eng zu fassen. «Diese Richtlinie wird so
nicht in Kraft treten», sagte die SPD-Politikerin der
«Berliner Zeitung» (Freitagausgabe).
Die Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen hatte in einer
Richtlinie eine enge Definition vorgeschlagen, wer künftig als
chronisch krank gelten soll. Dies ist ausschlaggebend dafür, ob
Patienten nach der Gesundheitsreform ab 1. Januar ein Prozent ihres
Bruttoeinkommens an Zuzahlungen leisten (chronisch Kranke) oder zwei
Prozent (andere Patienten).
Nach dem Vorschlag der Selbstverwaltung müssten Betroffene ein
Jahr lang zwei Mal pro Quartal wegen Erkrankungen beim Arzt gewesen
sein, um als Chroniker anerkannt zu werden. Zudem müssten sie
entweder in zwei Jahren «mindestens zwei Mal vollstationär im
Krankenhaus behandelt» oder als Pflegebedürftige der
Pflegestufe 2 beziehungsweise Schwerbehinderte (70 Prozent) anerkannt
sein.
Diese Auslegung entspreche nicht dem Willen des Gesetzgebers, sagte
Schmidt nach Angaben der Zeitung. Nach der Gesundheitsreform sollten nur
Patienten mit chronischen Bagatellerkrankungen wie Heuschnupfen nicht
in den Genuss niedrigerer Zuzahlungen kommen. Die Richtlinie, die gegen
Schmidts Willen nicht in Kraft treten kann, müsse in diesem Sinne
geändert werden, berichtete die Zeitung.
(Quelle: ap)
Kritik an Umfrage zu Studiengebühren
Fr.19.12.03 - Das
in Bonn beheimatete Aktionsbündnis gegen Studiengebühren
(ABS) hat am Donnerstag eine Pressemitteilung des Centrums für
Hochschulentwicklung (CHE) über eine Umfrage kritisiert, bei der
sich «Studierende mehrheitlich für
Studiengebühren» ausgesprochen haben sollen.
ABS-Geschäftsführer Klemens Himpele erklärte, die
Befragten hätten gar nicht die Möglichkeit zu der Antwort
gehabt, dass sie Studiengebühren ablehnten.
Er kritisierte, das CHE habe weder in der Pressemitteilung noch auf
seiner Homepage die genaue Formulierung der Fragen bekannt gegeben und
habe sie dem ABS erst nach mehrmaligem Nachfragen übermittelt.
Weiter hieß es, ein CHE-Referent habe am vergangenen Dienstag auch
in einer SWR-Sendung indirekt eingeräumt, dass es bei der Erhebung
nicht um die Frage «Studiengebühren: Ja oder Nein»
gegangen sei. Er habe die Frage verneint, ob man auf dem Fragebogen
ankreuzen konnte, dass man gegen jede Form von Studiengebühren
sei. Vielmehr habe man drei Varianten von Gebühren vorgestellt und
zu diesen dann Zustimmung oder Ablehnung erbeten.
Himpele warf dem CHE vor, es habe schon bei einer Umfrage 1998
«mit dieser suggestiven Fragestellung» gearbeitet. Schon
damals hätten CHE und der Stifterverband der Deutschen Wirtschaft
behauptet, dass die Mehrheit der 22- bis 25-jährigen Studierenden
für Gebühren sei.
(Quelle: ap)
Bundeswehr offenbar vor neuen einschneidenden
Veränderungen
Angeblich neue
Aufteilung in Einsatz-, Stabilisierungs- und
Unterstützungskräfte +++ Milliarden-Kürzungen bei
Rüstungsausgaben der deutschen Streitkräfte
Fr.19.12.03 - Der
Bundeswehr stehen offenbar erneut einschneidende Veränderungen
bevor. Wie die Tageszeitung «Die Welt» (Donnerstagausgabe)
unter Berufung auf Planungspapiere von Generalinspekteur Wolfgang
Schneiderhan berichtet, schlägt der oberste Soldat der Bundeswehr
eine völlig neue Struktur der Streitkräfte sowie den Verzicht
auf Rüstungsprojekte für fast 26 Milliarden Euro bis 2015 vor.
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte zum Inhalt des
Berichts nicht Stellung nehmen. Er verwies darauf, dass Schneiderhan am
1. Oktober von Verteidigungsminister Peter Struck den Auftrag erhalten
habe, die Grobstruktur der Bundeswehr sowie die Material- und
Ausrüstungsplanung zu überprüfen. Erst wenn diese Planung
abgeschlossen sei, werde Struck entscheiden.
Laut «Welt» schlägt Scheiderhan eine Struktur vor, bei
der die starre Aufteilung in Heer, Luftwaffe und Marine in den
Hintergrund tritt. Stattdessen sehe er eine Aufteilung in Einsatz-,
Stabilisierungs- und Unterstützungskräfte vor, die jeweils
aufgabenorientiert auszubilden, auszurüsten und einzusetzen seien.
Wichtigstes Instrument sollen dem Bericht zufolge die
Einsatzkräfte mit 35.000 Soldaten für friedenserzwingende
Kampfeinsätze sein, mit denen die Bundeswehr auch ihre
europäischen und NATO-Verpflichtungen erfüllen wolle. Die
Stabilisierungskräfte sollen 70.000 Mann stark und zu lang
andauernden friedenserhaltenden und -stabilisierenden Einsätzen in
der Lage sein. Die 145.000 Mann starken Unterstützungskräfte
sollen unter anderem für Sanität, Logistik und den
Grundbetrieb der Bundeswehr im Inland zuständig sein.
Das neue Material- und Ausrüstungskonzept sieht laut
«Welt» eine Verringerung der Rüstungsausgaben zwischen
2005 und 2015 um 25,996 Milliarden Euro vor. Den Hauptanteil der
Kürzungen soll mit rund 15 Milliarden Euro das Heer tragen. Die
Marine muss auf Projekte für mehr als sechs Milliarden verzichten,
dem Bericht zufolge auf U-Boote und Fregatten. Bei der Luftwaffe sollen
Rüstungsprojekte im Umfang von drei Milliarden Euro gestrichen
werden, wobei der Eurofighter allerdings nicht betroffen sein soll.
(Quelle: ap)
11,7 Millionen Euro für Beratung der Bundeswehr
Fr.19.12.03 -
Für Beratung der Bundeswehr bei ihrer umfangreichen Reform hat das
Verteidigungsministerium dem Münchner Unternehmen von Roland Berger
seit Sommer 2001 insgesamt 11,7 Millionen Euro gezahlt. Das verlautete
am Mittwoch aus dem Ministerium in Berlin. Die Summe sei allerdings nur
ein kleiner Teil der Gesamtausgaben für Beratung und externe
Dienstleistungen zur Modernisierung der Bundeswehr, hieß es.
Allein für 2004 werden dafür 165,6 Millionen Euro
veranschlagt. Die Zahlung von einer Million Euro an Berger für eine
dreimonatige - nicht ausgeschriebene - Tätigkeit bezeichnete das
Ministerium als handelsüblich. Eine Ausschreibung sei nicht
nötig gewesen, da es sich um Folgeleistungen von Berger für
die Bundeswehr gehandelt habe. Der CDU-Politiker Dietrich Austermann
sprach im Nachrichtensender N24 von Gefälligkeit für Berger.
Vertragssumme und Auftrag seien zweifelhaft.
Ein unter Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) gestartetes
Projekt, für das Berger 10,7 Millionen Euro erhielt, gilt
allerdings als gescheitert. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD)
stoppte das so genannte «Integrierte Reformmanagement». Nach
Angaben des Ministeriums ist der Misserfolg aber nicht Berger
anzulasten. Vielmehr hätten die Vorschläge zu
wirtschaftlicherem Arbeiten nicht gegen den Bundeswehr-Apparat
durchgesetzt werden können.
Berger habe den Folgeauftrag für den Aufbau eines
Kompetenzzentrums vom 27. August bis Ende November dieses Jahres im
Umfang von einer Million Euro bekommen, weil ihn große Kenntnis
über die Bundeswehr auszeichne und er seine Fähigkeiten unter
Beweis gestellt habe. Ferner wäre es Zeit raubend und teurer
geworden, eine andere Firma zu suchen, hieß es. Das Zentrum habe
am 1. Dezember seine Arbeit aufgenommen. Damit sei der Vertrag
abgeschlossen.
Der jetzige Nachfolgevertrag werde ausgeschrieben, da die grundlegende
Arbeit gemacht sei und nun auch eine andere Firma einsteigen könne.
Das Volumen wurde nicht genannt. Es wurde betont, Berger sei kein
bevorzugter Kunde des Ministeriums. Das Kompetenzzentrum soll
prüfen, ob durch Privatisierung oder interne Optimierung
effektivere Arbeitsabläufe zu erreichen seien. Ein Beispiel sei der
Kauf handelsüblicher Waren der Bundeswehr - wie Handtücher
oder Batterien - im Umfang von 1,8 Milliarden Euro.
Man brauche Berater wie Berger, weil es ohne deren unabhängige
Beurteilung kein betriebswirtschaftliches Denken in der Bundeswehr
gäbe und eine Modernisierung unmöglich wäre. Vorarbeiten
von Berger hätten etwa zur Reduzierung des Fuhrparks auf die
Hälfte der Fahrzeuge (heute 50 000) geführt. Man könne
aber keine Einsparsumme nennen, da Managementsysteme nicht bewertet
werden könnten.
(Quelle: dpa)
Sieben bis zwölf Jahre Haft wegen Mordes an Punk
Richter
blieben mit ihren Urteilen deutlich unter den Anträgen des
Staatsanwaltes
Fr.19.12.03 -
Wegen des Mordes an einem 25-jährigen Punk müssen drei
Brandenburger Neonazis zwischen sieben und zwölf Jahren ins
Gefängnis. Das Landgericht Frankfurt an der Oder verurteilte am
Donnerstag unter anderem wegen Mordes, schweren Raubes und schwerer
Körperverletzung einen 29-Jährigen zu zwölf Jahren Haft,
dessen 21-jährigen Bruder zu sieben Jahren sowie einen
20-Jährigen zu acht Jahren Jugendstrafe. Laut Gericht quälten
die Männer ihr Opfer zunächst stundenlang und erschlugen es
schließlich.
Nach Ansicht von Richter Ulrich Gräbert war die Straftat jedoch
nicht politisch motiviert. «Das Opfer hatte das Pech, zur falschen
Zeit am falschen Ort zu sein», sagte er. Die drei Skinheads waren
am Abend des 28. März 2003 in eine Plattenbauwohnung in Frankfurt
an der Oder eingedrungen, um dem Mieter «eine Abreibung zu
erteilen», wie Gräbert sagte. Er soll zuvor die Freundin
eines Angeklagten belästigt haben.
Nachdem sie die Wohnungstür eingetreten hatten, fanden sie jedoch
nur den schlafenden Punk vor, der mit den Vorkommnissen um die Freundin
nichts zu tun hatte. Trotzdem schlugen sie ihn sofort mit Fäusten,
Bierflaschen und einer Glaskanne und traten auf ihn ein. Einer der
Verurteilten, ein 110 Kilo schwerer 25-Jähriger, sprang mit seinen
schweren Stiefeln immer wieder auf das Gesicht des Mannes, ein anderer
stach mehrmals mit einem Messer auf das mittlerweile bewusstlose Opfer
ein.
Als sie die Wohnung verließen, nahmen ein Handy, ein
Computerspiel und die EC-Karte des Punks mit. Kurz darauf kehrten sie
zurück, «um den bewusstlosen Schwerverletzten wieder zum
Reden zu bringen und die Geheimzahl der Geldkarte zu erfahren»,
schilderte Richter Gräbert. Erneut stachen sie neun Mal mit einem
Messer auf den Mann ein, der sich aber bereits nicht mehr rührte.
Das schwer verletzte Opfer starb am kommenden Tag im Krankenhaus.
Die Richter blieben mit ihren Urteilen deutlich unter den Anträgen
des Staatsanwaltes, der zwischen lebenslang und neun Jahren Haft
für die Männer gefordert hatte. Zumindest einer der
Angeklagten habe Freude bei der Vernichtung von Menschenleben empfunden,
sagte Staatsanwalt Christoph Schüler.
(Quelle: ap)
Greenpeace fordert Stammzellforscher Brüstle zu
Verzicht auf Embryonen-Patent auf
Das Patent
unterhöhle die ethischen Grenzen und leiste 'der
Kommerzialisierung des menschlichen Körpers Vorschub'
Fr.19.12.03 - Die
Umweltschutzorganisation Greenpeace hat den Bonner Professor Oliver
Brüstle aufgefordert, auf ein ihm erteiltes Gentechnik-Patent zu
verzichten. Andernfalls will die Organisation vor Gericht ziehen. Die
von einer Münchner Anwaltskanzlei vorbereitete Klageschrift sei
Brüstle am Donnerstag zugeleitet worden, erklärte Greenpeace
in Hamburg. Brüstle wies in Bonn die Vorwürfe als haltlos
zurück.
Nach Darstellung von Greenpeace geht es bei dem 1999 vom Deutschen
Patentamt erteilten Patent für den Stammzellenforscher um die
kommerzielle Verwertung menschlicher Embryonen. Unter anderem sollten
menschliche Embryonen (ähnlich wie das Klon-Schaf Dolly) produziert
werden. Brüstle widersprach dem entschieden. Es gehe in keiner
Weise um die Herstellung von Embryonen oder das Klonen. Vielmehr
behandle das jederzeit öffentlich einsehbare Patent die Ausreifung
von Nervenzellen aus embryonalen Stammzellen und deren medizinischen
Einsatz.
Greenpeace setzte Brüstle eine Frist bis Ende Februar. Sollte er
bis dahin nicht auf das Patent verzichten, wollen die
Umweltschützer beim Bundespatentgericht in München wegen
Verletzung ethischer Grenzen klagen. «Das Patent von Oliver
Brüstle fördert den Ausverkauf des Menschen»,
begründete Christoph Then, Patentexperte von Greenpeace, das
Vorgehen. «Das Patent beruht in weiten Teilen darauf, menschliche
Embryonen aus wirtschaftlichen Gründen zu erzeugen und zu
zerstören. Es unterhöhlt die ethischen Grenzen und leistet
damit der Kommerzialisierung des menschlichen Körpers insgesamt
Vorschub.»
Brüstle sagte der Nachrichtenagentur AP, da die Vorwürfe von
Greenpeace der Sache nicht entsprächen, sehe er einer
Auseinandersetzung vor Gericht gelassen entgegen. Vielleicht sei es
sogar notwendig, eine endgültige Klärung herbeizuführen.
Brüstle kritisierte, dass Greenpeace sich gegen einen der
vielversprechendsten Zweige der Biomedizin und damit gegen die
medizinische Forschung überhaupt wende. Er bezweifle, dass die
Mitglieder mit der Verwendung von Spendengeldern für derartige
«Schauprozesse» einverstanden seien.
(Quelle: ap)
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