Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertsiebenundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
USA signalisiert erneut Bereitschaft für Prozess gegen Saddam
Hussein in Irak +++ Zunehmende Selbstjustiz gegen Saddam-Anhänger
+++ US-Soldaten töten irrtümlich drei irakische Polizisten
+++ Aznar besucht überraschend spanische Truppen in Irak +++
Offenbar Tonband-Botschaft von Bin Ladens Vize
So.21.12.03 - Die US-Regierung hat erneut ihre Bereitschaft angedeutet, den
früheren Machthaber Saddam Hussein von einem irakischen Gericht
aburteilen zu lassen. "Das irakische Volk hat das Recht, Saddam Hussein
für seine Verbrechen, vor allem seine Morde, Vergewaltigungen,
Folter und den Einsatz chemischer Waffen zu richten", sagte
US-Zivilverwalter Paul Bremer.
"Die irakische Regierung wird volle Souveränität
genießen. Wie jede Regierung, wird sie die Gerichte und das
Justizsystem beaufsichtigen", versprach Bremer. Auch bei einer
möglichen Einstufung als Kriegsgefangener werde Saddam Husseins
der irakischen Justiz überstellt. Der Prozessbeginn hänge von
der Einsetzung des irakischen Sondertribunals ab, sagte der Chef der
US-Zivilverwaltung in Irak weiter. Das vom irakischen Regierungsrat
angekündigte Gericht werde vermutlich in einigen Monaten seine
Arbeit aufnehmen.
Dem Gericht werden laut Bremer fünf Richter angehören,
darunter möglicherweise auch ausländische Juristen. Zuvor
hatte bereits US-Präsident George W. Bush seine Bereitschaft
bekundet, Saddam Hussein der irakischen Justiz zu übergeben. Bush
sprach sich gleichzeitig für die "höchste Strafe" für
den Ex-Machthaber aus, was als Zustimmung für ein Todesurteil
gewertet wurde.
Spaniens Regierungschef José María Aznar stattete den
spanischen Truppen in Irak einen Blitzbesuch ab.
Aznar sagte zu dem Besuch in Diwanija 160 Kilometer südlich von
Bagdad, er habe damit seine Unterstützung für seine in Irak
stationierten Landsleute ausdrücken wollen. Die
Koalitionsstreitkräfte kämpften für "eine gerechte
Sache, für Freiheit, Demokratie und die Anerkennung
internationaler Gesetzgebung", hob der konservative Regierungschef
hervor.
Begleitet wurde Aznar von einer 17-köpfigen Delegation, darunter
auch Verteidigungsminister Federico Trillo. Spanien unterstützt
die USA mit rund 1300 Soldaten. Auch die 128 in Irak stationierten
portugiesischen Nationalgardisten erhielten Besuch aus der Heimat:
Innenminister Antonio Figueiredo Lopes brach zu einem Kurzbesuch in
Richtung Nassirijah auf, wie die Nachrichtenagentur Lusa meldete.
Die gewaltsamen Zusammenstöße in Irak gingen unterdessen
weiter: Nach Angaben eines irakischen Polizeioffiziers töteten
US-Soldaten an einer Straßenkontrolle in Salman Pak 90 Kilometer
südlich von Kirkuk drei irakische Polizisten, die sie
irrtümlicherweise für Guerillakämpfer gehalten hatten.
Der vor gut einer Woche aufgespürte irakische Ex-Machthaber Saddam
Hussein ist einem britischen Pressebericht zufolge nicht von
US-Soldaten, sondern von kurdischen Kämpfern gefangen genommen
worden. Mitglieder des irakischen Dschabur-Stammes hätten Saddam
Hussein an die Patriotische Union Kurdistans (PUK) verraten, weil sein
ältester Sohn Udai eine Frau aus dem Stamm vergewaltigt haben
soll, berichtete die Zeitung "Sunday Express" unter Berufung auf einen
Offizier des britischen Militärgeheimdienstes. Ein
PUK-Anführer habe der US-Armee daraufhin die Übergabe des
Ex-Präsidenten angeboten und im Gegenzug eine gewichtigere
politische Rolle der Organisation in den Kurdengebieten verlangt.
Die Selbstjustiz gegen frühere Anhänger des gefassten
irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein hat nach US- Medienberichten
deutlich zugenommen. Laut "Washington Post" sind insgesamt 50
Saddam-Loyalisten in den vergangenen Wochen von Unbekannten
getötet worden. Als Täter werden vor allem Schiiten vermutet,
die unter Saddam Hussein besonders zu leiden gehabt hatten.
Eine vom arabischen Fernsehsender El Dschasira ausgestrahlte
Tonbandbotschaft stammt nach Einschätzung des amerikanischen
Geheimdienstes CIA höchstwahrscheinlich vom Stellvertreter Osama
bin Ladens, Ajman el Sawahri. Das teilte ein CIA-Sprecher am Samstag in
Washington mit. In der am Freitag veröffentlichten
zehnminütigen Botschaft drohte eine Stimme damit, dass
El-Kaida-Kämpfer weiterhin Jagd auf Amerikaner und ihre
Verbündeten machen würden, auch in den USA selbst.
Der Sprecher erklärte, der Aufstand in Irak gehe von "heiligen
Kriegern" aus, nicht hauptsächlich von Anhängern des
gestürzten Präsidenten Saddam Hussein. "Zwei Jahre nach (dem
Gefecht zwischen El-Kaida-Kämpfern und US-Truppen im afghanischen)
Tora Bora ist das amerikanische Blutvergießen in Irak
größer geworden, und die Amerikaner sind nicht mehr in der
Lage, sich zu verteidigen", hieß es auf dem Band.
Der Nachrichtensprecher von El Dschasira zitierte den Redner mit den
Worten, die «Abtrünnigen», die den Amerikanern
Militärstützpunkte und Unterstützung zur Tötung von
Muslimen angeboten hätten, sollten sich auf den Tag der Abrechnung
vorbereiten, denn die Amerikaner würden irgendwann fliehen.
Nach Überzeugung des ägyptischen Anwalts Montasser el Sajat,
der Anfang der 80er Jahre drei Jahre mit El Sawahri im Gefängnis
verbrachte, handelt es sich bei dem Sprecher unzweifelhaft um den
El-Kaida-Vize. In der Botschaft erwähnt war der Besuch von
US-Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz in Bagdad Ende Oktober,
nicht aber die Festnahme Saddam Husseins vom vergangenen Wochenende.
Nach Angaben des Senders ging das Tonband am Freitag per Post ein.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Krieg und Internet: Propaganda, Infowar, Medien, Mailinglisten und
Weblogs
Kriege sind Ausnahmezustände. Nicht nur für die direkt
beteiligten Soldaten, die immer auch mitbetroffene und getroffene
Zivilbevölkerung oder die politischen Entscheider. Sondern auch
für die Medien. "Authentische" Informationen sind gefragt,
geliefert von möglichst neutralen Beobachtern der Lage vor Ort.
Sie gelten als "Heiliger Gral" der Kriegsberichterstattung. Die
traditionellen Medien können diesem Anspruch aufgrund von
strukturellen, personellen und redaktionellen Problemen aber kaum
gerecht werden.
Häufig wird ihnen glattes Versagen aus jeder Richtung vorgeworfen:
Sie könnten ihre "Wachhund-Funktion" als "vierte Gewalt" nicht
erfüllen, würden im "Nebel des Krieges" blind oder sich als
willige Propagandawerkzeuge von allen Seiten einspannen lassen. Als
Hoffnungsträger tritt seit dem Kosovo-Krieg das Internet auf den
Plan, als virtueller Raum, der mehr und kritischen Akteuren zu einer
Stimme verhilft und die Missstände der "alten" Medien lindert.
Doch bietet das weltweite Informations- und Kommunikationsnetz mit
seinen Mailinglisten, Diskussionsforen und Weblogs tatsächlich
einen Ausweg aus der Propaganda? Oder spiegelt es sie nur doppelt und
dreifach?...
Mehr bei telepolis (21.12.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/med/16349/1.html
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Nahost-Konflikt
Palästinenser wegen angeblicher Kollaboration getötet +++
Israel nimmt 16 Palästinenser im Westjordanland fest +++ Solana
warnt Israel vor Alleingang im Nahost-Konflikt +++ Scharon notfalls
auch zu Neuwahlen bereit
So.21.12.03 - Unter dem Vorwurf der Kollaboration mit Israel ist ein
Palästinenser von seinen Landsleuten erschossen worden. Der
23-jährige Ijad Taim wurde in Kalkilija im Westjordanland aus
nächster Nähe mit einem Schuss in den Kopf getötet, wie
palästinensische Rettungsdienste mitteilten. Zunächst
bekannte sich niemand zu der Tat. Extremistische Gruppen in den
besetzten Gebieten haben schon häufig Palästinenser, die sie
der Kollaboration mit Israel bezichtigen, regelrecht hingerichtet.
Die israelische Armee hat bei mehreren Razzien im Westjordanland nach
eigenen Angaben 16 gesuchte Palästinenser festgenommen. Die
Militäraktionen in fünf Dörfern nördlich von
Ramallah dauerten bis zum Samstagmorgen, wie aus Kreisen der
Streitkräfte verlautete. Außerdem rückten die Truppen
ins Flüchtlingslager Balata bei Nablus ein und zogen auf der Suche
nach mutmaßlichen Extremisten von Haus zu Haus.
Die Soldaten setzten während der Razzia Tränengas und
Gummigeschosse gegen eine Gruppe von Steinewerfern ein. Augenzeugen
zufolge wurden fünf Personen leicht verletzt und mehrere weitere
festgenommen. Ein Militärvertreter sagte, die Soldaten seien auch
mit Brandbomben angegriffen worden. Sie hätten daraufhin das Feuer
eröffnet und einen der Angreifer am Bein verletzt.
Angaben von Augenzeugen, wonach die Truppen Tränengas in einer
Mädchenschule in dem Flüchtlingslager versprühten,
wurden von den Streitkräften dementiert. Die Armee bezeichnete die
Razzia als Routineoperation.
Israels Ministerpräsident Ariel Scharon ist nach
Medieninformationen zu Neuwahlen bereit, sollten die rechtsgerichteten
Siedler-Parteien wegen seiner Palästinenserpolitik die Koalition
verlassen. Wie das israelische Fernsehen berichtete, will Scharon ein
Scheitern seiner Koalition in Kauf nehmen, wenn die ultrarechten
Parteien die von ihm angekündigte Verlegung von Siedlungen entlang
einer neuen Sicherheitslinie nicht mittragen sollten.
Mit seinen am Donnerstag angekündigten Plänen, gegenüber
den Palästinensern notfalls einseitige Maßnahmen zu
ergreifen und einige jüdische Siedlungen räumen zu lassen,
war Scharon bei der militanten Siedlerbewegung auf scharfe Kritik
gestoßen. Die kommenden Parlaments
Der Koordinator der EU-Außenpolitik, Javier Solana, hat sich
gegen den israelischen Plan zur einseitigen Trennung von den
Palästinensern ausgesprochen.
"Es gibt keine unilaterale Lösung dieses Konflikts", sagte Solana
nach einem Treffen mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan am Freitag
in New York. Aussagen des israelischen Ministerpräsidenten Ariel
Scharon in diese Richtung seien nicht hilfreich. Solana betonte die
Bedeutung des Road Map genannten Nahost-Friedensplans, der von den USA,
der Europäischen Union (EU), den Vereinten Nationen (UNO) und
Russland unterstützt wird. Er erwarte ein neues Treffen dieses
Quartetts im kommenden Monat, sagte Solana ohne Einzelheiten zu nennen.
Die Umsetzung des Road Map ist wegen der anhaltenden Gewalt im Nahen
Osten faktisch zum Stillstand gekommen.
(Quellen: ap, afp, rtr)
Afghanistan: Loja Dschirga tendiert zu starker Stellung
des Präsidenten
So.21.12.03 - Bei den Beratungen der Loja Dschirga in Afghanistan zeichnet sich
offenbar eine Zustimmung zu einer starken Position des Präsidenten
in der Verfassung ab. Wie der US-Sondergesandte für Afghanistan,
Zalmay Khalilzad, am Samstag nach einem Treffen mit Präsident
Hamid Karsai mitteilte, steht nach den ersten Abstimmungen eine
Mehrheit der 500 Delegierten hinter einem entsprechenden
Regierungssystem. Karsai wertete die erste Sitzungswoche der
Ratsversammlung als Erfolg.
Die Beratungen machten gute Fortschritte, sagte Karsai.
«Hoffentlich werden sie noch vor Ende des Jahres fertig. Falls
nicht, lassen wir der Loja Dschirga so viel Zeit, wie sie
braucht.»
In den vergangenen Tagen waren unter den Delegierten hitzige Debatten
über die Rolle des Islams und den Einfluss der mächtigen
regionalen Kriegsherren ausgebrochen. Karsai erklärte, 60 der 160
Artikel in dem Verfassungsentwurf seien bereits von mehreren
Arbeitsgruppen abgesegnet worden. Am Samstag nahmen die zehn Gruppen
Beratungen über 30 weitere Artikel auf, wie aus Teilnehmerkreisen
verlautete.
Der Verfassungsentwurf sieht eine demokratische islamische Republik mit
einem starken Präsidenten vor. Zunächst laut gewordene
Forderungen nach größerer regionaler Autonomie verliefen
dagegen im Sande, sagte Khalilzad in Kabul.
Spekulationen, wegen der anhaltenden Gewalt könne die für
Juni angesetzte Parlamentswahl nicht termingerecht durchgeführt
werden, wies Khalilzad zurück. Es sei noch zu früh, um
über eine Absage der Abstimmung zu entscheiden, sagte der
Botschafter. Die Vereinten Nationen hatten erklärt, in einigen
Regionen hinke die Volkszählung, Voraussetzung für die
Parlamentswahl, dem Zeitplan deutlich hinterher.
Ein Anschlag auf die Loja Dschirga, wie vielfach vorher befürchtet
worden war, gab es bislang nicht, wie Karsai hervorhob. «Wir
haben Terroranschläge befürchtet, aber sie sind
gescheitert», sagte der Präsident. In der Nacht zu Dienstag
waren in der Nähe des Flughafens, zehn Kilometer vom Tagungsort
entfernt, drei Raketen eingeschlagen.
(Quelle: ap)
Drei Millionen Nordkoreaner vom Hunger bedroht
Mangels Spenden droht die Einstellung von Nahrungsmittellieferungen des
UN-Welternährungsprogramms
So.21.12.03 - Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen muss seine
Nahrungsmittellieferungen an drei Millionen Nordkoreaner mangels
Spenden voraussichtlich bald einstellen.
Die Geberländer hätten nicht ausreichend Nahrungsmittel zur
Verfügung gestellt, um alle 6,5 Millionen Bedürftigen in
Nordkorea zu versorgen, sagte der Leiter des
Welternährungsprogramms, James Morris, in Peking.
China dagegen wird nach seiner Ansicht bald keine Unterstützung
mehr benötigen: Die Lieferungen in die ärmsten Regionen
sollen 2005 eingestellt werden.
Durch die Versorgungsengpässe in Nordkorea sind nach Morris'
Angaben die Erfolge im Kampf gegen Mangelerscheinungen bei Kindern
ernsthaft bedroht. Schon im Januar müssten die Hilfslieferungen
halbiert werden. Für Ende Januar habe Russland zusätzliche
Nahrungsmittel versprochen, aber auch diese würden nur für
wenige Wochen reichen.
Politische Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten und den USA
erschwerten es, Spenden für Nordkorea aufzubringen. Allein die
Nahrungsmittelhilfen aus den USA seien im vergangenen Jahr von 155.000
auf 40.000 Tonnen zurückgegangen, sagte Morris. Washington und
Pjöngjang liegen seit Oktober vergangenen Jahres über das
nordkoreanische Atomprogramm im Streit. Japan stellte seine
Unterstützung vor zwei Jahren komplett ein.
Das kommunistische Nordkorea erhält seit Mitte der 90er Jahre
Nahrungsmittelhilfen. Damals brach die planwirtschaftlich organisierte
Landwirtschaft nach mehreren Naturkatastrophen und dem Wegfall von
Zuschüssen, die früher aus der Sowjetunion kamen, völlig
zusammenbrach.
(Quelle: ap)
Bush plädiert für Status quo im Taiwan-Konflikt
So.21.12.03 - US-Präsident George Bush hat sich nach Pekinger Darstellung im
Konflikt zwischen China und Taiwan gegen jede einseitige
Veränderung des gegenwärtigen Zustands ausgesprochen. In
einem Telefongespräch mit dem chinesischen Staatspräsidenten
Hu Jintao sagte Bush am Samstagabend nach einer Meldung der amtlichen
Nachrichtenagentur Xinhua, jüngste Äußerungen und
Handlungen des taiwanischen Präsidenten deuteten darauf hin, dass
er zu Entscheidungen bereit sein könnte, die den Status quo
einseitig verändern würden. Dies werde von den USA abgelehnt.
Damit spielte Bush darauf an, dass der taiwanische Präsident Chen
Shui-bian kürzlich eine Volksabstimmung zur Frage der chinesischen
Raketenstationierung in der Nähe von Taiwan unterstützt hat.
China fürchtet, dass eine solche Abstimmung schließlich zu
einem Referendum über die förmliche Unabhängigkeit
Taiwans führen könnte. Taiwan hat sich im Bürgerkrieg
1949 von China abgespalten und sich der kommunistischen Ordnung in
Peking widersetzt. Bei der Anerkennung Chinas im Jahr 1979 haben die
USA ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan zwar offiziell beendet,
die Regierung in Taipeh aber weiter unterstützt und mit Waffen
beliefert.
Hu wurde von Xinhua mit der Erklärung zitiert, dass seine
Regierung eine Unabhängigkeit Taiwans in keiner Weise akzeptieren
könne. Peking strebe eine Wiedervereinigung mit friedlichen
Mitteln an. Die beiden Präsidenten sprachen Xinhua zufolge auch
über den jüngsten USA-Besuch von Ministerpräsident Wen
Jiabao, über den Konflikt um das Atomprogramm Nordkoreas und
über die Situation in Irak.
(Quelle: ap)
49 Tote bei Wirbelsturm in Indien
So.21.12.03 - Bei einem tropischen Wirbelsturm in Südindien sind mindestens 49
Menschen getötet worden. Mehr als 8000 Menschen wurden obdachlos.
Gestern hatten die Behörden noch von 18 Toten gesprochen. Der
Sturm war über die Küste des Bundesstaats Andhra Pradesh
hinweg gefegt. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern
zerstörte er tausende von Häusern und entwurzelten zahlreiche
Bäume. Große Anbauflächen mit Tabak, Bananen und Reis
wurden verwüstet.
(Quelle: dpa)
Philippinen: Bis zu hundert Tote bei Unwettern
So.21.12.03 - Bei schweren Überschwemmungen auf den Philippinen sind nach
Behördenangaben möglicherweise bis zu hundert Menschen
getötet worden. 13 Menschen seien nach schweren Regenfällen
auf der zentral gelegenen Insel Leyte bereits tot geborgen worden,
teilte ein Amtsvertreter der Provinz Süd-Leyte mit. Mindestens 83
weitere Menschen würden noch vermisst. Den Angaben zufolge gingen
auf der Insel schwere Regenfälle nieder, die eine Reihe von
Erdrutschen auslösten.
(Quelle: afp)
Tausende Arbeitslose in Argentinien fordern Jobs
So.21.12.03 - Am zweiten Jahrestag der blutigen Proteste gegen die Regierung in
Argentinien haben tausende Arbeitslose bei einer Demonstration in
Buenos Aires neue Jobs gefordert. Sie schwenkten Fahnen und schlugen
auf Trommeln, um auf ihre missliche Lage infolge der schweren
Wirtschaftskrise des lateinamerikanischen Landes aufmerksam zu machen.
Auf dem Höhepunkt dieser Krise vor zwei Jahren, am 20. Dezember
2001, wurde der seinerzeitige Präsident Fernando de la Rua zum
Rücktritt gezwungen. Bei Unruhen an jenem Tag und den Tagen zuvor
kamen 27 Menschen ums Leben. Mehrere Präsidenten nach De la Rua
blieben nur für kurze Zeit im Amt, bevor Nestor Kirchner im Mai
dieses Jahres ins höchste Staatsamt gewählt wurde. Die
Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten leicht erholt, doch
stagniert die Arbeitslosigkeit bei 14,3 Prozent.
(Quelle: dpa)
Zypern: Erdogan erhöht Druck auf Denktasch
So.21.12.03 - Die türkische Regierung hat den nordzyprischen
Volksgruppenführer Rauf Denktasch aufgefordert, sich für eine
Lösung des Konflikts um die seit fast 30 Jahren geteilte
Mittelmeerinsel einzusetzen. Denktasch solle seine eigene Einstellung
überprüfen und über seine Berater nachdenken, sagte
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan laut einem Bericht der
Zeitung «Hürriyet» vom Samstag. Der UN-Friedensplan
liege auf einer Linie mit der Zypern-Politik Ankaras.
Personen, die gegen einen EU-Beitritt der Türkei seien, sollten
keine Schlüsselpositionen innehaben, forderte Erdogans
Stellvertreter Mehmet Ali Sahin vor Journalisten. Die Regierung in
Ankara ist laut Berichten mit den radikalen Ansichten von Denktaschs
Berater Mumtaz Soysal unzufrieden.
Die EU hatte die Türkei gewarnt, eine anhaltende Teilung der Insel
sei ein ernsthaftes Hindernis bei den Beitrittsbemühungen des
Landes. Der EU-Beitritt Zyperns im Mai wird sich nur auf den Süden
und nicht auf den türkischen Norden der Insel auswirken, solange
diese weiterhin geteilt ist.
Denktasch bekräftigte am Freitag, er lehne den Friedensplan der
Vereinten Nationen ab. Der Plan könnte zu einer Vorherrschaft von
griechischen Zyprioten führen, hatte Denktasch wiederholt
erklärt.
(Quelle: ap)
Rom: Sprengstoffdepot der Roten Brigaden entdeckt
So.21.12.03 - In einem Keller in der Nähe des Hauptbahnhofs von Rom hat die
Polizei ein Sprengstoffdepot der linksterroristischen Roten Brigaden
entdeckt. In dem Versteck befanden sich rund 100 Kilogramm Sprengstoff,
Zünder, Computerdisketten und Dokumente der Roten Brigaden, wie
die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Samstagabend meldete. Die
Polizei vermutet, dass das Versteck in der Nähe des Bahnhofs Roma
Termini von Mitgliedern der Roten Brigaden genutzt wurde, die
inzwischen in Haft sind. Die Polizei hat ihre Fahndung im Herbst
verstärkt und im Oktober neun Personen verhaftet. Die Roten
Brigaden verübten in den 70er und 80er Jahren zahlreiche
Terroranschläge. Zuletzt bekannten sie sich zur Ermordung der
beiden Regierungsberater Massimo d'Antona im Jahr 1999 und Marco Biagi
im vergangenen Jahr.
(Quelle: ap)
Deutsche Regierung stellt sich offenbar auf Scheitern der EU-Verfassung
ein
So.21.12.03 - Die Bundesregierung hat einem Zeitungsbericht zufolge nur noch wenig
Hoffnung, dass sich die EU-Staaten 2004 auf eine gemeinsame Verfassung
einigen. Parallel zu den Einigungsbemühungen sollten deshalb
Vorbereitungen für ein Misslingen getroffen werden, zitierte die
«Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» nicht näher
genannte Regierungskreise. Die Diskussion über Kerneuropa sei
«keine rein taktische Debatte» mit dem Ziel, den Druck zur
Einigung zu erhöhen, hieß es demnach weiter in den Kreisen.
Im Idealfall hoffe die Regierung zwar, beim nächsten
Europäischen Rat im März 2004 ein Datum festzulegen, bis zu
dem ein endgültiger Beschluss herbeigeführt werden muss. Die
Entscheidung über die Verfassung könne aber nicht endlos
aufgeschoben werden. Für den Fall eines endgültigen
Scheiterns müsse man in der Lage sein,
«konzeptionelle» Antworten zu geben, zitierte die Zeitung
aus den Kreisen.
(Quelle: )
Bundesregierung und Union für weitere Steuerreform
So.21.12.03 - Bundesregierung und Union haben sich am Samstag beide für eine
radikale Steuervereinfachung in Deutschland ausgesprochen. CSU-Chef
Edmund Stoiber nannte den Vorschlag von Unionsfraktionsvize Friedrich
Merz dafür einen «großen Wurf». Bundeskanzler
Gerhard Schröder zeigte sich gesprächsbereit und forderte die
Union auf, konkrete Vorschläge auch für den Abbau von
Steuervergünstigungen vorzulegen. Merz reagierte
grundsätzlich positiv, verlangte aber vom Kanzler, selbst aktiv zu
werden.
Stoiber erklärte der «Welt am Sonntag», nach den
Grundsätzen des Finanzwissenschaftlers Paul Kirchhof und den
Eckpunkten von Merz sollte sich die Union Anfang des Jahres auf ein
gemeinsames, durchgerechnetes Steuerkonzept verständigen. Der
einzelne Bürger habe derzeit kaum eine Chance, das deutsche
Steuersystem zu verstehen. «Das werden wir radikal
ändern», betonte Stoiber.
Schröder sagte der «Bild am Sonntag», Finanzminister
Hans Eichel sei gesprächsbereit, und «ich bin es
auch». Wenn das Merz-Konzept ernst gemeint sei, «dann
sollen sich CDU und CSU einigen, sagen, welche Subventionen sie
streichen wollen und kommen». Der Kanzler zeigte sich skeptisch,
dass die Union mit ihrem Beschluss, fast alle
Steuervergünstigungen radikal abzubauen, tatsächlich Ernst
machen will. «Ich habe es doch gerade erst erlebt, wie die Union
im Vermittlungsausschuss für fast alle Steuervergünstigungen
gekämpft hat, die wir streichen wollten», wurde er zitiert.
Merz sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»,
nun liege es am Kanzler, aktiv zu werden. «Das Konzept der CDU
liegt auf dem Tisch und ist weit über die Grenzen der Partei
hinaus auf Zustimmung gestoßen», erklärte er.
Laut Stoiber soll das Merz-Konzept noch vor der Sommerpause dem
Bundestag vorgelegt werden. Das Konzept, das im Dezember vom
CDU-Parteitag gebilligt wurde, sieht bei der Einkommensteuer nur drei
Sätze von 12, 24 und 36 Prozent vor. Der CSU-Chef forderte
dafür aber eine solide Finanzierung. «Nach unseren
Berechnungen besteht bei dem Merz-Modell noch eine
Finanzierungslücke von 24 Milliarden Euro. Die muss geschlossen
werden.»
Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser sagte, die CSU werde ihr
Steuerkonzept Anfang Januar vorstellen. Die Unterschiede zum
Merz-Modell, ein linearer Steuertarif und ein höherer
Spitzensteuersatz, seien nicht entscheidend, betonte er. Wichtig seien
dagegen die Progression, die Trennung von Einkommen- und
Körperschaftssteuer, die Vereinfachung sowie die Finanzierbarkeit.
Er sei zuversichtlich, dass er sich mit Merz einigen werde, «und
dann wird man sehen, ob die Regierung zu handeln bereit ist»,
sagte Faltlhauser. Merz sagte im Nachrichtensender N24, er rechne nicht
damit, dass sich die die Vorstellungen der CSU gravierend von seinem
Konzept unterscheiden werden.
Auch der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt
plädierte für eine große Steuerreform. Dies werde
allerdings nicht einfach werden, sagte der CDU-Politiker im
Deutschlandradio. «Das Steuersystem wird etwas grober, weil
pauschaliert wird. Man kann dann nicht mehr die Kilometer zum
Arbeitsort und die Eigenheimzulage in irgendeiner Form absetzen.»
Milbradt erklärte, auch Freibeträge für Behinderte seien
dann nicht mehr möglich und müssten durch
Unterstützungen ersetzt werden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Kirchhof-Modell für Steuervereinfachungen vorgelegt
Nur noch ein Steuersatz
Fr.14.11.03 - Im Wettstreit um das künftige Steuersystem liegt jetzt das mit
Abstand einfachste und radikalste Modell vor. Der renommierte
Steuerexperte und Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhof hat nach
dreijähriger Arbeit am Donnerstag in Berlin ein neues Einkommen-
und Unternehmensteuerrecht vorgelegt.
Der komplett ausformulierte Gesetzestext kommt mit nur neun Seiten aus
und sieht im Kern einen einzigen Steuersatz von 25 Prozent auf jede
Form von Einkommen vor. Sämtliche Ausnahmen und Privilegien werden
dagegen abgeschafft...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311140.htm#03111420
Merz erhält für seine Steuerreform-Vorschläge
Zuspruch von den Grünen
Steuerkonzept von Merz sieht Senkung des Eingangssteuersatzes auf 12 Prozent vor.
Die weiteren Steuerstufen sollen bei 24 Prozent und 36 Prozent liegen. Im Gegenzug
sollen Steuervergünstigungen radikal gestrichen werden +++
SPD-Fraktionschef Joachim Poß nennt Merz-Modell
Mogelpackung +++ Kanzler Schröder schlägt Steuer-Gipfel
zwischen Regierung und Opposition vor - Die Vorsitzenden von CDU
und CSU reagieren reserviert
Sa.01.11.03 - Mit seinen Vorschlägen für eine radikale Steuerreform hat
Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz überraschend viel
Unterstützung aus den Reihen der Grünen erhalten.
Die Haushaltssprecherin im Bundestag, Antje Hermenau, sagte im MDR:
"Das ist ein Versuch, der uns nicht so gut gelungen ist." Auch die
Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel begrüßte die
Vorschläge unter Einschränkungen. Gutverdiener könnten
Steuer-Schlupflöcher besser nutzen, deshalb sei ein einfaches
System in der Tendenz auch gerechter, sagte sie der "Neuen Presse"
(Freitag).
SPD-Fraktionschef Joachim Poß kritisiert degegen das
Steuerreform-Konzept von Merz als Mogelpackung. Der Entwurf sei weder
radikal einfacher noch besser als das heutige System, erklärte der
stellvertretende Poß am Freitag in Berlin. Familien würden
schlechter gestellt, Spitzenverdiener profitierten davon. Wegen der
unseriösen Gegenfinanzierung sei es für Bund, Länder und
Kommunen nicht zu verkraften....
...Nach dem Steuerkonzept von Merz soll allen Bürgern, aber auch
bereits Kindern ein einheitlicher Grundfreibetrag von 8000 Euro
gewährt werden. Der Eingangssteuersatz soll auf 12 Prozent gesenkt
werden, die weiteren Steuerstufen sollen bei 24 Prozent und 36 Prozent
liegen..
Im Gegenzug sieht das Merz-Konzepteine eine radikale Streichung von Steuervergünstigungen vor.
Pendlerpauschale, steuerfreie
Abgeordnetenbezüge, Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschläge,
Abfindungen, Übergangsgelder, Streikgelder, Trinkgelder sollten
wegfallen, heißt es in dem Konzept. Spenden an Parteien und
gemeinnützige Einrichtungen sollen weiter von der Steuer abgesetzt
werden können.
Auf Kapitaleinkünfte - sofern es sich nicht um Dividendenzahlungen
handelt - soll nach dem Merz-Vorschlag ein pauschaler Steuerabschlag
von 24 Prozent als Vorauszahlung erhoben werden. Letztlich orientiert
sich die Besteuerung am individuellen Steuersatz. Private wie
betriebliche Veräußerungsgewinne will Merz künftig
umfassend besteuern. Allerdings gelte das nicht für Transaktionen,
die der Privatsphäre zugeordnet sind, wie den Verkauf einer selbst
genutzten Wohnung. Kapitalgesellschaften sollen nach dem Merz-Vorschlag
auf ihre Gewinne einheitlich 36 Prozent Steuern zahlen. Weil die
Gewerbesteuer entfällt, sinkt die Belastung der Firmen.
Veräußerungsgewinne auf dieser Ebene sollen mit 18 Prozent
besteuert werden. Die Verlustverrechnung bei Unternehmen will Merz nach
wie vor unbeschränkt zulassen...
Mehr unter:
http://home.t-online.de/boa-archiv2/k0311010.htm#03110116
Steuerfahndung online: Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe
Mi.17.12.03 - Internet-Fahndern der NRW-Finanzverwaltungen sind mehrere hundert
Online-Schwarzhändler ins Netz gegangen. Dabei seien hinterzogene
Steuern in zweistelliger Millionenhöhe eingetrieben worden,
teilten am Mittwoch die Finanzverwaltungen in Essen, Düsseldorf
und Wuppertal mit. Seit knapp sieben Monaten durchkämmen an diesen
Standorten Sonderkommissionen bundesweit die Internet-Seiten von
Auktionshäusern und Erotikanbietern, um steuerpflichtige
Nebenerwerbsquellen auszutrocknen.
Bei den Internet-Auktionen gebe es angebliche Privatanbieter, die in
Wirklichkeit gewerblich handelten und so gewaltige Summen an Gewerbe-
oder Umsatzsteuer hinterzögen, sagte Martin Fliedner von der
Düsseldorfer Finanzverwaltung. Seit vergangenen Mai steht den
Online-Fahndern ein neu entwickeltes Computer-Programm zur Seite.
"X-SPIDER durchkämmt das Netz nach so genannten Powersellern, also
Verkäufern, die häufig Neuwaren anbieten und viele
Geschäfte abwickeln", erläuterte Fliedner.
Einen weiteren entscheidenden Hinweis lieferten die Kunden,
erklärte eine Essener Finanzbeamtin: "Je mehr Bewertungen ein
Anbieter bei den Auktionshäusern aufweist, desto verdächtiger
wird er." So verkaufen Juweliere Teile ihres Schmucks online,
Mechaniker bieten im Nebenerwerb Autoersatzteile an. Die meisten
Steuerhinterzieher tummeln sich nach Angaben der Finanzbehörde
aber im Internet bei Erotik, Klingeltönen und 0190er-Nummern.
(Quelle: heise.online/dpa)
Steuerflucht
Unternehmen kassieren Subventionen und gehen ins Ausland
Insgesamt zahlt der Staat jährlich 25 Milliarden Euro Subventionen
an deutsche Unternehmen - und das ist mehr, als im Jahr für die
gesamte Sozialhilfe ausgegeben wird. Über Florida-Rolf
empörten sich die Deutschen. Kennen Sie aber Infineon-Uli? ...
Mehr bei "Monitor" - Magazin in der ARD (Sendetermin war am 09.10.03):
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=533&sid=103
Regierung plant keine schärferen Maßnahmen gegen Steuerflucht
Steuer-Gewerkschaft: Der Bundesrepublik gehen jährlich etwa
fünf Milliarden Euro Steuereinnahmen verloren, weil deutsche
Unternehmer und Prominente ihren Wohnsitz im Ausland haben
Sa.01.11.03 - Die Bundesregierung plant keine schärfere Maßnahmen gegen
Steuerflucht. Sie reagierte am Freitag mit größter
Zurückhaltung auf die Forderung des Grünen-Vorsitzenden
Reinhard Bütikofer, im Ausland lebende Bundesbürger nach
deutschem Recht zu besteuern. "Es gibt aktuell keine Aktivitäten
und Planungen in diese Richtung", sagte ein Sprecher des
Finanzministeriums. Ihm seien keine Schätzungen bekannt, was der
Staat einnehmen würde, wenn Bütikofers Vorschlag umgesetzt
werde.
Nach Berechnungen der Steuer-Gewerkschaft gehen der Bundesrepublik
jährlich etwa fünf Milliarden Euro Steuereinnahmen verloren,
weil deutsche Unternehmer und Prominente ihren Wohnsitz im Ausland
haben...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311010.htm#03110117
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Pharmafirmen unterlaufen offenbar Gesundheitsreform
So.21.12.03 - Durch Umwandlung rezeptfreier Medikamente in verschreibungspflichtige
Präparate versuchen Pharmafirmen nach Darstellung des
«Spiegels» die mit der Gesundheitsreform verbundenen
Sparbeschlüsse zu unterlaufen. Die Hersteller hätten seit
Sommer rund 1000 Anträge auf Neuzulassung bekannter Arzneien beim
zuständigen Bundesinstitut gestellt - mehr als doppelt so viel wie
vor einem Jahr. Echte Innovationen seien kaum unter den Anträgen,
wohl aber Altpräparate mit neuer Wirkstoffkombination.
Verschreibungspflichtige Medikamente sind nach den neuen Richtlinien
durchweg teurer als frei verkäufliche: Deren Preise bilden sich
künftig im Wettbewerb und sie werfen für die Apotheken meist
nur geringe Provision ab. Die Patienten müssen diese Mittel aus
eigener Tasche bezahlen. Der «Spiegel» nennt als Beispiel
das rezeptfreie Hustenmittel Gelomyrtol, das Ärzte derzeit noch
verschreiben können, künftig aber nicht mehr. Um ein
Antibiotikum ergänzt und unter dem Namen Tetra-Gelomyrtol gebe es
schon eine rezeptpflichtige Variante. In Fachzeitschriften werbe der
Hersteller für «die erstattungsfähige
Alternative».
Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums sagte, man wisse zwar
von «Gegenstrategien der Pharmaindustrie». Die Zahl der
Zulassungsanträge beim Bundesinstitut liege aber «im ganz
normalen Rahmen». Dieses prüfe sehr genau, ob ein neues
Präparat «wirkungsvoll und sinnvoll ist». So einfach
wie dargestellt erfolge die Umwandlung nicht. Ärzte seien bei
ihren Verschreibungen zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Das
Ministerium gehe davon aus, dass die Krankenkassen darauf besonders
achten.
(Quelle: dpa)
Abwanderung von Einfach-Jobs laut Schröder nicht aufzuhalten
So.21.12.03 - Die Abwanderung von einfachen Tätigkeiten aus Deutschland in
Billiglohnländer ist nach den Worten von Kanzler Gerhard
Schröder unabwendbar. Gegen die niedrigen Löhne in China oder
in der Ukraine «können wir nicht konkurrieren - da haben wir
keine Chance», sagte Schröder der «Bild am
Sonntag». Er bezeichnete es als nicht sinnvoll, sich dagegen
aufzulehnen. Gleichzeitig attackierte er prominente deutsche
Steuerflüchtlinge. Er bekräftigte: «Solche Leute
verhalten sich unpatriotisch. Mit denen sei kein Staat zu machen.
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema Steuerflüchtlinge unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312220.htm#031222rq
Arbeitskraft des Menschen ohne Zukunft
... Nachdem ... deutsche Unternehmen ihre Produktionsstätten
zunehmend ins Ausland verlagern, wird seit neuem China beschuldigt, den
Deutschen die Arbeitsplätze in der Industrieproduktion zu stehlen.
Wahr ist, dass in Deutschland während der letzten sieben Jahre
acht Prozent der gesamten Fabrikjobs wegfielen. Gleichzeitig boomt
Chinas Fertigungsindustrie. Lässt sich daraus eine simple
Gleichung ableiten? Nein.
Zwar produziert und exportiert China einen wesentlich höheren
Prozentsatz an Industriegütern, doch laut einer neuen Studie von
Alliance Capital Management werden dort die Stellen in der
industriellen Fertigung noch rascher abgebaut als in irgend einem
anderen Land. Zwischen 1995 und 2001 gingen in Chinas Fabriken mehr als
fünfzehn Millionen Arbeitsplätze verloren. Dies entspricht 15
Prozent der gesamten chinesischen Arbeiterschaft in diesem Sektor.
Doch nicht genug der schlechten Nachrichten. Die gleiche Studie kommt
zu dem Ergebnis, dass in den zwanzig größten
Volkswirtschaften der Welt zwischen 1995 und 2002 etwa 31 Millionen
Fabrikjobs eliminiert wurden. Die Beschäftigung in der
industriellen Fertigung nahm während der letzten sieben Jahre
jährlich ab, und zwar in jeder Region der Welt. Dieser
Stellenabbau fällt in eine Zeit, in der die Industrieproduktion
weltweit um über 30 Prozent gestiegen ist. Die Arbeitsplätze
in der Produktion gingen indes um elf Prozent zurück.
Hält dieser Trend an – und er wird sich wahrscheinlich noch
beschleunigen – so werden die derzeit 164 Millionen Fabrikjobs in der
Produktion bis 2040 auf ein paar Millionen zusammenschrumpfen. Damit
wäre das Zeitalter der weltweiten industriellen
Massenbeschäftigung zu Ende.
Im Dienstleistungssektor und bei den Schreibtischjobs findet ein
ähnlicher Stellenabbau statt, seit intelligente Technologien immer
öfter Arbeitskräfte ersetzen. Bei Banken und Versicherungen,
im Groß- und im Einzelhandel werden überall smarte
Technologien eingeführt und machen Hilfspersonal
überflüssig. Marktbeobachter erwarten während der
nächsten vier Jahrzehnte einen ähnlichen Stellenschwund wie
bei den Fabrikjobs, nachdem Unternehmen, ja ganze Industrien und die
Weltwirtschaft sich global vernetzen.
Warum verschwinden so viele Arbeitsplätze? Dramatische
Produktivitätszuwächse ermöglichen es Unternehmen, mit
erheblich weniger Mitarbeitern immer mehr Güter zu produzieren und
Dienstleistungen zu erbringen. Dass durch Technologievorteile und
Produktivitätszuwachs zwar Jobs vernichtet werden, dafür aber
genauso viele neu entstehen – diese frühere Logik hat ausgedient.
Die Vereinigten Staaten erleben derzeit den steilsten
Produktivitätsanstieg seit 1950. Im letzten Quartal nahm die
Produktivität des Landes um schwindelerregende 9,4 Prozent zu,
allein die Arbeitslosigkeit bleibt hoch.
Die Produktivität galt immer als Motor für Beschäftigung
und Wohlstand. Wirtschaftsexperten argumentierten lange so: Eine hohe
Produktivität ermöglicht es Firmen, mehr Güter und
Dienstleistungen zu niedrigeren Preisen anzubieten. Durch diese
günstigeren Angebote werde die Nachfrage stimuliert und
Arbeitskräfte müssten neu eingestellt werden, um die
gestiegene Nachfrage befriedigen zu können. Dies sei ein
Kreislauf, der durch eine stetig wachsende Produktivität in Gang
gehalten werde.
Die Crux ist, dass dieser lange für unumstößlich
gehaltene Grundsatz kapitalistischer Wirtschaftstheorie nicht
länger zu gelten scheint. Trotz rasch zunehmender
Produktivität nimmt auch die Zahl der entlassenen Arbeiter in den
USA und in der übrigen Welt weiter zu. Laut einem kürzlich
veröffentlichten Bericht über die Produktivität in
Amerikas hundert größten Unternehmen produzieren heute neun
Arbeiter die gleiche Menge wie zehn Arbeiter im März 2001. Richard
D. Rippe, leitender Wirtschaftsberater bei Prudential Securities, zieht
daraus das Fazit: „Wir können heute das Output steigern, ohne
dafür das Personal nennenswert aufzustocken.“
Die enorme Bedeutung dieses Wandels lässt sich am besten anhand
eines einzelnen Industriezweiges begreifen. Die Stahlindustrie in den
Vereinigten Staaten von Amerika ist typisch für den aktuellen
Prozess. Während der vergangenen zwanzig Jahre stieg die
Stahlproduktion in den USA von jährlich 75 Millionen Tonnen auf
102 Millionen Tonnen. Im gleichen Zeitraum, also von 1982 bis 2002,
ging die Zahl der Stahlarbeiter von 289 000 auf 74 000 zurück.
„Selbst wenn der prozentuale Anteil des Produktionsvolumens am
Bruttoinlandsprodukt unverändert bleibt, werden wir wegen des
Produktivitätszuwachses wohl trotzdem weiterhin Jobs verlieren“,
erklärt Donald Grimes, Wirtschaftswissenschaftler an der
Universität von Michigan. Professor Grimes bedauert, dass diese
Entwicklung kaum aufzuhalten sein wird: „Es ist wie der Kampf gegen
heftigen Gegenwind.“
Hier liegt der Hase im Pfeffer: Woher soll wohl in Zukunft die
Verbraucher-Nachfrage kommen, wenn die menschliche Arbeitskraft
zunehmend ersetzbar wird? Wenn immer mehr Beschäftigte entlassen
werden, weil die drastischen Produktivitätszuwächse allein
durch effektivere und Lohnkosten sparende Technologien sowie
verbesserte Methoden der Arbeitsorganisation zu erzielen sind? Wer soll
all die neuen Produkte kaufen und Dienstleistungen in Anspruch nehmen,
die bei steigender Produktivität verfügbar werden? Wir sind
gezwungen, uns hier einem Widerspruch zu stellen, der in der Natur
unserer Marktwirtschaft liegt. Er bestand von Anfang an, gerät
jedoch erst jetzt zu einem unvereinbaren Gegensatz.
Die kapitalistische Marktwirtschaft baut zum Teil auf der Logik auf,
zugunsten möglichst hoher Gewinnspannen seien die
Produktionskosten einschließlich der Lohnkosten niedrig zu
halten. Es wird ständig nach Wegen gesucht, durch noch billigere
und effizientere Technologien Lohnkosten zu drücken oder
menschliche Arbeitskraft gänzlich überflüssig zu machen.
Die neuen intelligenten Technologien können heute weitgehend
menschliche Arbeitskraft – sowohl körperliche wie auch geistige –
ersetzen. Die Zunahme der Produktivität durch die Einführung
dieser Technologien hat jedoch ihren Preis: Immer mehr Arbeiter werden
in Teilzeit-Jobs abgedrängt oder entlassen. Eine schrumpfende
Arbeiterschaft bedeutet jedoch geringeres Einkommen, reduzierten Konsum
und eine stagnierende Wirtschaft. Dies ist die neue strukturelle
Realität, die Regierung, Unternehmensführer und viele
Wirtschaftsexperten nur widerwillig zur Kenntnis nehmen.
Aus: Jeremy Rifkin - "Arbeitskraft des Menschen ohne Zukunft",
Süddeutsche Zeitung vom 23.12.03
Jeremy Rifkin, 58, US-Wirtschaftswissenschaftler und
Gesellschaftskritiker, ist Autor des Buches „Das Ende der Arbeit und
ihre Zukunft“.
Blick ins Archiv
Experten sehen Trend zur Arbeitsplatzverlagerung nach Osteuropa
Jedes vierte Industrieunternehmen plant einen solchen Schritt
So.14.12.03 - Nach Banken und Versicherungen folgen immer mehr Branchen dem Trend zur
Auslagerung von Produktion, Verwaltung oder Logistik nach Osteuropa. In
den kommenden Jahren würden Konzerne, aber auch
Mittelständler zunehmend in Niedriglohnländer wie Tschechien,
Polen oder Litauen investieren, sagte Outsourcing-Experte Mathias Weber
vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue
Medien (BITKOM) der Nachrichtenagentur AFP am Freitag in Berlin. Einer
Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zufolge
plant bereits jedes vierte Industrieunternehmen einen solchen Schritt....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312140.htm#03121415
Siemens zieht im Zuge der EU-Osterweiterung im großen Stil
Jobs nach Osteuropa ab
Sa.13.12.03 - Siemens wird im Zuge der EU-Osterweiterung in großem Stil
Arbeitsplätze nach Osteuropa verlagern. In einigen Jahren
könne etwa ein Drittel der Software-Entwicklung von Siemens an
Niedriglohnstandorten geleistet werden, sagte Siemens-Zentralvorstand
Johannes Feldmayer der "Financial Times Deutschland".
Dabei gehe es einerseits darum, von dem erwarteten starken
Marktwachstum in Osteuropa zu profitieren. Andererseits müsse der
Konzern auch die Kostenvorteile und das Potenzial hoch qualifizierter
Software-Ingenieure in der Region nutzen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312130.htm#03121317
|
Arbeitsplatzabbau im Einzelhandel geht weiter
So.21.12.03 - Im deutschen Einzelhandel sind in diesem Jahr rund 30.000
Arbeitsplätze abgebaut worden. Hauptgründe waren der
rückläufige Konsum und der verschärfte Preiskampf, wie
der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus
Pellengahr, am Samstag im Deutschlandradio erklärte. Diese
Entwicklung werde 2004 zwar verlangsamt, nicht aber gestoppt. Er rechne
mit einem weiteren Abbau von etwa 20.000 Arbeitsplätzen.
Der Verbandssprecher kritisierte den verschärften Wettbewerb
über Rabattaktionen. Diese hätten mögliche Gewinne
völlig verhagelt. Pellengahr sprach von einer Besorgnis erregenden
Entwicklung und forderte die Fachgeschäfte auf, gegen die
niedrigen Preise anzugehen: «Die Handelsunternehmen müssen
sich profilieren. Sie müssen von ihren Kunden auch als Marke
wahrgenommen werden.»
Es müsse einen Mehrwert haben, eine Ware im bestimmten
Geschäft gekauft zu haben. Die Geschäfte müssten sich in
ihren Sortimenten von anderen Anbietern abgrenzen und dürften
nicht in der Masse untergehen. «Denn sonst gibt es nur den Preis
- und da haben vor allem die kleineren Geschäfte das
Nachsehen», sagte Pellengahr. Häufig werde übersehen,
dass die auf den ersten Blick teureren Fachgeschäfte
zusätzliche Leistungen böten wie beispielsweise Service und
Beratung.
(Quelle: ap)
Thierse beklagt 'obszöne' Gehaltssteigerungen bei Managern
So.21.12.03 - Als «obszönen Vorgang» in den aktuellen Krisenzeiten
hat Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die jüngsten
Erhöhungen der Millionengehälter von Spitzenmanagern
bezeichnet. In diesen Zeiten verlangten die Bosse, dass Arbeitnehmer
flexibler sein und in wirtschaftlichen Krisenzeiten auf Lohnzuwachs
verzichten müssten. «Zugleich aber erhöhen sich die
Vorstände erneut ihre ohnehin gigantischen Gehälter»,
sagte der SPD-Politiker der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung».
Der Parlamentspräsident bezog sich dabei auf Zahlen der Deutschen
Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, wonach die Vorstände
der DAX-Unternehmen 2002 im Durchschnitt rund 1,25 Millionen Euro in
bar an Jahresgehalt verdienten und damit etwa 7,4 Prozent mehr als im
Jahr davor.
«Das ist ein obszöner Vorgang: An einem Ende verlangt man
unvermeidliche Einbußen, am anderen steigen die ohnehin schon
irrsinnigen Gehälter der Vorstandsmitglieder deutscher Unternehmen
noch weiter», sagte Thierse. «Reformbereitschaft und
Verzichtkultur» müsse jedoch in den oberen Etagen beginnen,
wenn das Land schnell gesunden solle. «Die wirtschaftliche Elite
hat noch nicht begriffen, dass sie nur dann wirkliche Elite ist, wenn
sie selbst so handelt wie sie es von anderen verlangt.»
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Die Gehälter der Vorstände von Dax-Firmen sind im Jahr 2002
trotz Konjunkturkrise weiter gestiegen
DSW-Studie: Spitzenreiter DaimlerChrysler erhöhte Vergütungen
um 130 Prozent
Laut einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für
Wertpapierbesitz (DSW) verdiente ein Vorstand im Schnitt 1,25
Millionen Euro pro Jahr. Dies seien 90 000 Euro pro Kopf mehr als im
Vorjahr.
In der Vorstandsetage von DaimlerChrysler wird dabei mit Abstand am
meisten verdient. Der Autokonzern zahlte 2002 durchschnittlich 3,7
Millionen Euro an seine Spitzenkräfte. Verglichen mit den
Zahlungen vom Vorjahr sei das ein Plus von mehr als 130 Prozent, sagte
DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher. DaimlerChrysler
befinde sich mit diesen Gehältern genauso wie die mit 2,5
Millionen Euro an zweiter Stelle rangierende Deutsche Bank auf
„internationalem Niveau". Die DSW untersuchte in der Studie die
Vorstandsbezüge der 30 Dax-Mitglieder.
Den Berechnungen zufolge wurde in den Vorstandsetagen der 30
Dax-Unternehmen im Geschäftsjahr 2002 pro Kopf durchschnittlich
1,25 Millionen Euro verdient. Das sei gegenüber dem Jahr zuvor
eine Steigerung zwischen sieben und acht Prozent.
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 16.12.03
Nettolohn schrumpft
Mi.01.10.03 - Den Beschäftigten bleibt wegen steigender Sozialabgaben immer
weniger von ihrem Gehalt. Zwar erhöhten sich von Oktober 1995 bis
2001 sowohl Brutto- als auch Nettolöhne. Zugleich sank aber der
Anteil des Nettomonatsverdiensts am Bruttogehalt im Westen von 65,1
Prozent auf 64,7 Prozent, teilte der Präsident des Statistischen
Bundesamtes, Johann Hahlen, gestern mit...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310010.htm#03100115
Siemens-Chef für Samstagsarbeit ohne Zuschlag
Mi.17.09.03 - Der Chef des Elektronikkonzerns Siemens, Heinrich von Pierer, hat sich
für die Wiedereinführung des Samstages als zuschlagfreien
Werktag ausgesprochen. "Die Leute gehen doch eigentlich gern zur
Arbeit, das ist doch kein Frondienst", begründete von Pierer den
Vorstoß in einem Interview mit der «Bild»-Zeitung
(Mittwochausgabe). Er warf den Gewerkschaften vor, bei der
Arbeitszeitregelung eine zu starre Haltung einzunehmen.
(Quelle: ap)
Neuer Bosch-Chef fordert Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne
Lohnsteigerung
Do.25.09.03 - Eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche in der Metallbranche hat der
neue Chef des Bosch-Konzerns, Franz Fehrenbach, gefordert. Die
Arbeitszeitverlängerung von derzeit 35 auf 40 Stunden dürfe
zudem nicht mit Lohnsteigerungen verbunden sein, sagte er den
"Stuttgarter Nachrichten" (Donnerstagausgabe). Die 35-Stunden-Woche
habe sich als "Irrweg erwiesen, den wir schnell korrigieren
müssen", zitierte das Blatt den Spitzenmanager.
Nach den Worten Fehrenbachs ist es unrealistisch, das Lohnniveau
nennenswert drücken zu wollen. Spielraum gebe es aber bei der
Arbeitszeit, die im internationalen Vergleich in Deutschland sehr kurz
sei. Daher sollten die Beschäftigten "für das, was sie
bekommen, mehr arbeiten. Fünf Stunden mehr in der Woche sind zur
Sicherung der Beschäftigung keine unangemessene Zumutung",
zitierte das Blatt den neuen Bosch-Chef.
(Quelle: ap)
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Warnung vor Orkanböen über Deutschland
So.21.12.03 - Der Deutsche Wetterdienst hat vor schweren Orkanböen in einigen
Teilen Deutschlands gewarnt. Am Morgen werde der Wind kräftig
zunehmen und an der Nordseeküste Spitzengeschwindigkeiten von bis
zu 130 Kilometer in der Stunde erreichen, so die Meteorologen . In
Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz können die orkanartigen
Windböen im Laufe des Tages fast ebensolche Geschwindigkeiten
erreichen. Auch für Teile Ostdeutschlands gab es Unwetterwarnungen.
(Quelle: dpa)
Internet: Neue Wurm-Variante von Sober.B entdeckt
So.21.12.03 - Eine dritte Sober-Variante verbreitet sich derzeit schnell im Internet.
Wie seine Vorgänger Sober und Sober.b verschickt sich der Wurm
Sober.c von infizierten Windows-Rechnern per E-Mail an weitere
Adressen. Wesentliche technische Neuerungen bringt er nicht mit,
dafür sind die Nachrichtentexte umso geschickter formuliert.
Beispielsweise gibt eine Nachricht vor, von der Kripo Düsseldorf
zu sein. Darin wird behauptet, dass gegen den Empfänger der Mail
ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde, da er illegal Filme und
MP3-Dateien aus dem Internet herunterlade. Als Attachment ist eine
Datei mit dem angeblichen Namen Akte.zip beigefügt, die
natürlich den Wurm enthält. Andere Varianten warnen vor einem
neuen Dialer und einem Trojaner, der sich dem Rechner des
Empfängers befände.
Öffnet man die Dateianhänge *.bat, *.pif und *.exe infiziert
der Wurm den Rechner. Diesmal kopiert er sich sogar dreimal auf das
System, zwei der Dateinamen erzeugt Sober.c pseudo-zufällig. Auf
befallenen System startet sich der Wurm in zwei Instanzen, die sich
gegenseitig versuchen zu schützen, in dem sie unter anderem den
Datei-Zugriff blockieren.
Die Betreffzeilen und Texte von Sober.c variieren sehr stark,
allerdings ist auch er wieder bilingual: Er verschickt sich sowohl mit
deutschen, als auch englischen Texten. Welche Sprache Sober.c
verwendet, hängt von Domain-Suffix, also .de, at, ch, des
Adressaten ab. Eine vollständige Liste der möglichen
englischen und deutschen Betreffzeilen, sowie der Namen der
Datenanhänge ist bei Bitdefender zu finden.
Einige Hersteller von Antivirensoftware haben schon reagiert und neue
Signaturen zum Erkennen des Wurms, sowie Tools zu seiner Entfernung
bereit gestellt. Dazu gehören insbesondere Kaspersky, Bitdefender
und F-Prot. NAI und Symantec bieten bisher noch keine Beschreibung und
Signaturen auf ihren Seiten an. Bereits die Signaturen zum Erkennen von
Sober.b lassen bei beiden derzeit auf sich warten. Erst ab Weihnachten
sollen diese zur Verfügung stehen.
(Quelle: heise.online)
Blick ins Archiv
IT-Experten: Virenscanner bieten keinen Schutz mehr
Do.23.10.03 - Im August hat nicht nur die Rekordhitze ganz Deutschland ins Schwitzen
gebracht, sondern auch eine Reihe von neuartigen Computerviren, die
unzählige Firmennetzwerke und Privat-PCs lahm legten. Glaubt man
den auf der Branchenmesse "Systems" versammelten
IT-Sicherheitsexperten, ist dies womöglich nur eine Vorahnung
dessen, was die nächsten Jahre bringen könnten. Denn die
rasante Verbreitung neuer Anwendungen wie Musik-Tauschbörsen und
Instant-Messaging öffnet noch raffinierteren Schädlingen
Tür und Tor und lässt klassische Antivirenprogramme alt
aussehen....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv1/k0310230.htm#03102321
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Medienmacht: Murdoch übernimmt größten US-Anbieter von
Satellitenfernsehen
So.21.12.03 - Der Medienmogul Rupert Murdoch steigt beim größten
amerikanischen Anbieter von Satellitenfernsehen ein. Die
US-Bundesbehörde für Kommunikation (FCC) genehmigte die
Übernahme von DirecTV durch Murdochs Firma News Corp. am Freitag
mit einer Reihe von Auflagen. Damit trat die Behörde Bedenken
entgegen, dass News Corp. die Programme ihrer Sendergruppe Fox nur noch
via Satellit und nicht mehr über Kabel verbreiten könnte, um
Fernsehzuschauer zum Umsteigen auf DirecTV zu bewegen. Es handelt sich
um ein Bezahlfernseh-Angebot.
Die FCC verbat News Corp. allerdings nicht ausdrücklich, seine
Programme nur noch über DirecTV anzubieten. Die Firma wurde
lediglich zu einem Schiedsgerichtsverfahren verpflichtet, um eine
Einigung mit Kabelnetzbetreibern und anderen
Satellitenfernseh-Anbietern herbeizuführen. Weiterhin erhielt
NewsCorp. die Auflage, bei der Zuteilung der Satellitenkanäle von
DirecTV seine eigenen Programme und Programme anderer Sender gleich zu
behandeln. DirecTV bietet bislang elf Millionen Abonnenten verschiedene
Programmpakete an, für die eine Monatsgebühr von mindestens
39 Dollar (31 Euro) zu entrichten ist.
Die Entscheidung der Kommission fiel mit drei zu zwei Stimmen denkbar
knapp. Während die republikanische Mehrheit sich für den
Zusammenschluss aussprach, stimmten die beiden demokratischen
Ausschussmitglieder dagegen. Der republikanische Vorsitzende der FCC,
Michael Powell, bezeichnete die Fusion als Sieg für die
Fernsehzuschauer, weil sie den Wettbewerb stärke. Dies werde
«den Druck erhöhen, die Angebote zu verbessern und die
Preise für Kabel- wie Satellitenfernsehzuschauer zu senken.»
Der Demokrat Michael Copps erklärte dagegen, die Fusion werde den
Wettbewerb schwächen. «Wo ist die Logik - wieso ist es im
öffentlichen Interesse, mehr und mehr Medienmacht auf immer
weniger Mitspieler zu konzentrieren?» fragte Copps.
Den im April veröffentlichten Fusionsplänen zufolge wird News
Corp. über seine Tochterfirma Fox Entertainment 34 Prozent der
Anteile des Unternehmens Hughes Electronics übernehmen, zu dem
DirecTV gehört. News Corp. erhielte dadurch die
Mehrheitsbeteiligung an DirecTV und würde gleichzeitig
größter Anteilseigner von Hughes Electronics. Hughes
gehört bislang zum Konzern General Motors, soll für die
Fusion aber in ein eigenständiges Unternehmen umgewandelt werden,
wobei 20 Prozent der Anteile bei Mitarbeiter-Fonds von General Motors
verbleiben.
(Quelle: ap)
Mehr bei "futurezone" (20.12.03) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=205074&tmp=32093
Europäische Mars-Sonde koppelt erfolgreich Landegerät aus
Das Landegerät Beagle 2 wird voraussichtlich in der Nacht zum
ersten Weihnachtsfeiertag auf dem Mars niedergehen.Der rote
Planet bietet die erdähnlichsten Bedingungen in unserem
Sonnensystem ist zur Zeit der Erde so nah wie seit 17.000 Jahren nicht
mehr. Das europäische Mars-Projekt ist mit 300 Millionen
Euro veranschlagt
So.21.12.03 - Nach einer sechsmonatigen Reise durchs All über mehr als 50
Millionen Kilometer hat die europäische Sonde Mars-Express am
Freitag erfolgreich das Landegerät Beagle 2 abgekoppelt, das in
der Weihnachtsnacht auf dem roten Planeten auftreffen soll.
"Die Abkoppelung ist erfolgreich abgeschlossen", sagte Flugdirektor
Michael McKay strahlend in Kontrollzentrum der ESA in Darmstadt, ehe
die Wissenschaftler mit Sekt anstießen. Die Forscher hatten die
Abkoppelung zeitverzögert über Funk verfolgt. Ein Funk-Signal
vom Mars an die Erde ist mehr als acht Minuten unterwegs. Das
Manöver war eine der kritischen Phasen der ersten eigenen
Mars-Erkundung durch die europäische Raumfahrtbehörde ESA.
Während die Mars-Sonde weiter auf einer Umlaufbahn um den
Nachbarplaneten der Erde kreisen und im Laufe der nächsten Monate
dessen Oberfläche kartieren soll, wird das Landegerät Beagle
2 voraussichtlich in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag in einer
Ebene nahe dem Marsäquator niedergehen. Weil das Gebiet
früher möglicherweise von einem See bedeckt war, versprechen
sich die Wissenschaftler hier die besten Chancen, Spuren von
Wasservorkommen und damit einer Grundlage für Leben auf dem roten
Planeten zu entdecken. Erosionsspuren auf der Mars-Oberfläche
deuten daraufhin, dass es auf dem Planeten tatsächlich einmal
Wasser gab. Auch wurde bei früheren Mars-Erkundungen Eis entdeckt.
Der Mars ist zur Zeit der Erde so nah wie seit 17.000 Jahren nicht
mehr. Dies war der Hauptgrund für die ESA, die 300 Millionen Euro
teure Marsexpedition in diesem Jahr loszuschicken. Der Mars, der nur
etwa halb so groß ist wie die Erde, bietet die
erdähnlichsten Bedingungen in unserem Sonnensystem. Zwar kann es
nachts unter minus 100 Grad Celsius kalt werden, an einem sonnigen
Sommertag kann die Temperatur jedoch bis auf 27 Grad Celsius steigen.
Sollte es also irgendwo neben Eis auch Wasser geben, dann wären
die Voraussetzungen für die Entwicklung von Leben nach
Einschätzung von Forschern nicht schlecht.
Einige Wissenschaftler vermuten, dass es auf dem Mars auch heute noch
größere Wasservorkommen gibt - allerdings tief unter der
Oberfläche verborgen. Beagle 2, das nach dem Forschungsschiff des
Begründers der Evolutionstheorie, Charles Darwin, benannt ist,
soll zunächst ein Panoramabild seiner Umgebung aufnehmen und
zusammen mit den aktuellen Wetterdaten zur Erde funken. Funktionieren
alle Instrumente, stehen dann geologische Untersuchungen der Umgebung
an. Unter anderem soll Beagle 2 Bodenproben aus bis zu einem Meter
Tiefe nehmen und analysieren. Die Messungen sind auf 180 Marstage
angelegt, das ist ungefähr ein halbes Erdenjahr.
Ergänzt werden die Beagle-Daten durch die Messungen von
Mars-Express aus einer stark elliptischen Umlaufbahn. Dabei geht es
nicht nur um die Erstellung eines Marsatlasses. Ein spezielles
Radar-Gerät soll den Boden mehrere Kilometer tief durchdringen und
neben geologischen Erkenntnissen auch Informationen über
unterirdische Wasservorkommen liefern.
Voraussetzung für ein Gelingen der Messungen direkt auf der
Marsoberfläche ist allerdings, dass Beagle 2 sicher landet. In der
Weihnachtsnacht wird das 65 Kilogramm schwere Landegerät mit einer
Geschwindigkeit von 1600 Kilometern pro Stunde auf die
Marsoberfläche zurasen, ehe es von Fallschirmen abgebremst wird
und schließlich von Airbags geschützt auf dem Planeten
aufprallt.
Der Mars war immer wieder das Ziel von Raumsonden. Erfolg hatten indes
nur wenige. Zuletzt verlor Japan Anfang Dezember sein Raumfahrzeug
Nozomi, ehe dieses sein Ziel erreichen konnte. Die letzte erfolgreiche
Mars-Erkundung gelang den US-Amerikanern 1996 mit dem Roboter
Pathfinder, der die gleiche Landetechnik hatte wie Beagle 2. Im Laufe
des Januars sollen zwei weitere Sonden der US-Raumfahrtbehörde
NASA auf dem Mars landen. Im Unterschied zum europäischen
Mars-Projekt, das insgesamt mit 300 Millionen Euro veranschlagt ist,
kosten allein die beiden US-Sonden ohne Transport und Entwicklung
zusammen rund 500 Millionen Euro.
(Quelle: rtr)
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