Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertachtundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Anschläge auf Öl-Infrastruktur in Irak +++ Seit Saddams
Gefangennahme Hunderte von Irakern festgenommen +++ Belgischer
Kardinal: Symbolische Todesstrafe für Saddam +++ Kardinal Lehmann
fordert stärkeres deutsches Engagement in Irak
Mo.22.12.03 - Irakische Aufständische haben in mehreren Landesteilen
Anschläge auf Pipelines und Benzindepots verübt. Nach Angaben
des Ölministeriums verbrannten nach einem Raketenangriff auf
Benzintanks im Süden Bagdads zehn Millionen Liter Kraftstoff. Am
Samstag wurde im Norden Iraks ein Abschnitt einer Öl-Pipeline
zerstört. Aus der Nähe von Mossul und Bedschi berichtete ein
Reporter der Nachrichtenagentur AP von vier Pipeline-Bränden.
Wegen der Benzinknappheit nach dem Irak-Krieg hatte das
Ölministerium am Donnerstag die Rationierung von Kraftstoff
verfügt. Die US-Truppen gehen zudem gegen den Schwarzmarkthandel
mit Benzin vor. Wie aus Kreisen der irakischen Ölindustrie
verlautete, erklärte sich Syrien bereit, täglich 300 bis 400
Tonnen Kerosin und 400 Tonnen Benzin bereit zu stellen. Die Lieferungen
hätten bereits am Samstag begonnen.
Syrien will außerdem Grenzüberschreitungen von Kämpfern
nach Irak eindämmen. Wie der Vorsitzende des irakischen
Regierungsrats, Abdul Asis El Hakim, nach einem Gespräch mit dem
syrischen Präsidenten Baschar el Assad am Sonntag mitteilte,
sollen demnächst entsprechende Abkommen unterzeichnet werden.
Ein UN-Militärkonvoi wurde am Sonntagmorgen in Mossul mit
Mörsergranaten attackiert. Das Geschoss traf ein vorbeifahrendes
Auto, dessen Fahrer nach Angaben eines Kameramanns der
Fernsehnachrichtenagentur APTN schwer verletzt wurde.
Das irakische Bildungsministerium teilte am Sonntag mit, US-Truppen
hätten vergangene Woche drei Wissenschaftler der Technischen
Universität in Bagdad festgenommen. Sie sollten zum Thema
Massenvernichtungswaffen verhört werden.
In der überwiegend von Schiiten bewohnten Stadt Nadschaf mehren
sich die Attacken auf Funktionäre der Baath-Partei Saddam
Husseins. Nach einem tödlichen Angriff auf einen
Bezirksbürgermeister wurde am Samstag eine frühere
Politikerin der Partei bei einem Attentat schwer verletzt. Ihr
fünfjähriger Sohn Sohn wurde getötet, wie die Polizei
mitteilte.
Im Irak sind nach der Festnahme des ehemaligen Präsidenten Saddam
Hussein nach Angaben des US-Generalstabschefs General Richard Myers
hunderte von verdächtigen Irakern von den US-Truppen festgenommen
worden.
Myers sagte am Sonntag im US-Fernsehen, unter den Festgenommenen
befänden sich auch einige wichtige Anführer der
Aufständischen im Irak. Die Suche nach gewaltbereiten
mutmaßlichen Anhängern des alten Regimes dauere an, deshalb
könne er keine konkreten Zahlen nennen. Allerdings seien der
US-Armee bei der Festnahme Saddams am 13. Dezember auch Hinweise auf
die innere Struktur des gewaltbereiten Widerstands im Irak in die
Hände gefallen, so dass bis jetzt einige Hundert Personen
hätten festgenommen werden können.
Saddam, der von der US-Besatzungsarmee in einem Erdversteck nahe seiner
Heimatstadt Tikrit aufgespürt worden war, zeige sich bei den
Verhören starrsinnig, berichtete Myers weiter: "Das einzige, was
ich dazu sagen kann, ist, dass er nicht kooperativ ist." Die USA
hätten ihre besten Verhör-Spezialisten auf Saddam angesetzt.
Wo Saddam von den USA festgehalten und verhört wird, ist unbekannt.
Bei einem Besuch in Bagdad hatte Myers vergangene Woche erklärt,
er rechne damit, dass die US-Soldaten noch einige Jahre im Irak bleiben
müssten. Am Sonntag sagte er im Fernsehen, bis Ende nächsten
Jahres würden sicherlich 100.000 US-Soldaten im Nachkriegs-Irak
stationiert bleiben. Weitere Aussagen würden von der
Sicherheitslage im Sommer abhängen, wenn die irakische
Übergangsregierung ihre Arbeit aufnehmen soll.
Als ernst zu nehmend bezeichnete Myers die Warnungen, Anhänger des
Saddam-Regimes könnten versuchen, Mitglieder des irakischen
Regierungsrates als Geiseln zu verschleppen, um damit Saddam aus der
Gefangenschaft freizupressen. "Wir wissen, dass dies eine große
Bedrohung ist", sagte er.
Auf seiner monatelangen Flucht vor den US-Truppen hat der frühere
irakische Machthaber Saddam Hussein nach Informationen der "New York
Times" 20 bis 30 verschiedene Verstecke genutzt. Die Schlupfwinkel
befanden sich demnach in der von Sunniten dominierten Region Iraks.
Saddam Hussein habe sich auf seiner Flucht vor allem von
Schokoladeriegeln und Früchten aus der Konserve ernährt. Er
wurde einem britischen Pressebericht zufolge nicht von US-Soldaten,
sondern von kurdischen Kämpfern gefangen genommen worden.
Seit seinem Sturz Anfang April habe sich Saddam Hussein auf ein Netz
familiärer Kontakte stützen können, das ihn mit
Informationen aus dem ganzen Land versorgte, hieß es in dem
Bericht der "New York Times". Zudem habe er sich zahlreicher Boten
bedient, die Zellen seiner einstigen Baath-Partei mündlich
informierten. Auf diese Weise habe der frühere Präsident den
Widerstand gegen die Besatzungstruppen leiten können.
Die Zeitung berichtete weiter unter Berufung auf Militärs, Saddam
Hussein sei zu Fuß, per Schiff über den Tigris und mit Taxis
oder Pickups auf Nebenstraßen auf der Flucht gewesen. Meistens
sei er nachts und mit nicht mehr als einem oder zwei Begleitern von
Versteck zu Versteck geeilt. Einige Male sei es ihm gelungen, seine
Söhne Udai und Kusai zu treffen, bevor sie von US-Soldaten im Juli
im nordirakischen Mossul erschossen wurden.
Die britische Zeitung "Sunday Express" berichtet unter Berufung auf
einen Offizier des britischen Militärgeheimdienstes, Mitglieder
des irakischen Dschabur-Stammes hätten Saddam Hussein an die
Patriotische Union Kurdistans (PUK) verraten, weil sein ältester
Sohn Udai eine Frau aus dem Stamm vergewaltigt haben soll.
Ein PUK-Anführer habe der US-Armee daraufhin die Übergabe des
Ex-Präsidenten angeboten und im Gegenzug eine gewichtigere
politische Rolle der Organisation in den Kurdengebieten verlangt.
Saddam Hussein sei vor dem Abholen durch US-Soldaten von kurdischen
Kämpfern unter Drogen gesetzt, meldete die Zeitung unter Bezug auf
einen irakischen Geheimdienstbeamten weiter. Ein im Nahen Osten
stationierter westlicher Diplomat sagte der Zeitung, Saddam Hussein sei
"nicht als Ergebnis britischer oder amerikanischer Geheimdienstarbeit"
aufgespürt worden. "Wir wussten, dass irgend jemand irgend wann
Rache nehmen würde. Es war nur eine Frage der Zeit."
Der frühere irakische Präsident Saddam Hussein sollte nach
Ansicht des belgischen Kardinals Godfried Danneels für seine Taten
zum Tode verurteilt werden. Dieses Todesurteil, so der als liberal
bekannte katholische Erzbischof in Brüssel, solle aber nur
"symbolisch" verhängt werden, um der öffentlichen Meinung zu
genügen. Eine Vollstreckung dürfe es nicht geben.
Niemand habe das Recht, selbst einem Saddam wirklich das Leben zu
nehmen, argumentierte der katholische Geistliche in einem Interview des
Flämischen Fernsehens VRT am Sonntag. Andererseits müsse der
Weltöffentlichkeit gezeigt werden, dass die von Saddam
während seiner Herrschaft begangenen Grausamkeiten absolut nicht
hinnehmbar seien.
"Ich sehe deshalb keine andere Möglichkeit, als symbolisch die
Todesstrafe zu verkünden, weil er dann - für die
öffentliche Meinung und für die Welt - aus dem Buch der
Lebenden gestrichen wäre", sagte der Kardinal, der als einer der
potenziellen Nachfolger von Papst Johannes Paul II. gilt. Das Urteil
könne dann in lebenslange Gefängnishaft umgewandelt werden.
Der Papst, das geistliche Oberhaupt der Katholiken, tritt für eine
weltweite Ächtung der Todesstrafe ein.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann,
hat ein stärkeres Engagement der Deutschen in Irak angemahnt. "Ich
bin der Meinung, dass wir uns jetzt beim Wiederaufbau eigentlich nicht
so zurückhalten dürfen", sagte er am Sonntag im
Deutschlandfunk. Die USA und die Kriegskoalitionäre seien vor Ort
in ihrem Ruf beeinträchtigt. Um das Vertrauen des irakischen
Volkes zu gewinnen und die Zukunft unabhängig zu gestalten sei
deshalb nun "die Hilfe vieler" notwendig.
So sei der zugesagte teilweise Schuldenerlass Deutschlands und
Frankreichs für Irak "sehr vernünftig, denn man kann wirklich
kaum erwarten, dass in absehbarer Zeit diese Schulden
zurückgezahlt werden". Bei der Aufrechterhaltung der Ordnung in
Irak könne Deutschland aber mehr tun als bisher: nicht primär
militärisch, sondern zum Beispiel beim Aufbau von Polizei und
Justiz. "Da ist, glaube ich, unsere Hilfe gefragt", sagte der
Geistliche. Kritik übte Lehmann am Beschluss der US-Regierung,
dass Firmen aus Ländern der früheren Kriegsgegner nicht
Hauptunternehmer beim Wiederaufbau sein dürfen.
Zur Forderung des Präsidenten George Bush nach der Todesstrafe
für den gefangen genommenen Ex-Staatschef Saddam Hussein sagte
Lehmann: "Ich finde es auch eine gewisse Belastung, dass er die
Forderung der Todesstrafe vor einer endgültigen Einsetzung des
Gerichts bereits angekündigt hat. Das soll man doch getrost dem
Gericht überlassen."
Auf die Frage, ob dies nach Siegerjustiz rieche, sagte Lehmann: "Ich
denke, es ist kaum von der Hand zu weisen, dass man das so auffassen
kann." Andererseits habe er auch menschlich Verständnis für
solche Gedanken in den USA, weil in Irak auch nach dem offiziellen
Kriegsende viele Soldaten getötet würden und auch im
nächsten Jahr Präsidentschaftswahlen anstehen.
(Quellen: ap, rtr, afp)
„Freue dich nicht über den Fall deines Feindes, und dein Herz sei
nicht froh über sein Unglück. Der Herr könnte es sehen
und Missfallen daran haben und seinen Zorn von ihm wenden."
So gebietet ein alter jüdischer Moralkodex (Sprüche 24,16)
Der Schreiber dieser Warnung wusste natürlich, dass sich jeder
hämisch darüber freut, wenn sein Feind fällt. Aber er
wollte darauf hinweisen, dass dies ein hässlicher menschlicher Zug
sei und man versuchen solle, ihn zu überwinden.
Und nun ist eine mächtige Weltmacht auf dieses niedrige Niveau
gefallen. Wiederholt wurde dieses Spektakel der amerikanischen Soldaten
zur Schau gestellt, wie sie in den Haaren des erbärmlichen Saddam
nach Läusen suchten und zwischen seinen Zähnen
herumstocherten.
Falls es überhaupt möglich ist, mit einem Mann wie Saddam,
der für den Tod von Hunderttausenden verantwortlich ist, Mitleid
zu wecken, dann haben die Amerikaner dies erreicht. Indem sie ihn wie
einen drogenbetäubten Landstreicher zeigten, haben sie genau das
Gegenteil von dem zustande gebracht, was sie wollten. Der Vatikan hat
um Gnade für ihn ersucht. Die öffentliche Demütigung
eines arabischen Führers – egal, wie man über ihn denkt –
weckt die tiefsten Gefühle der Beleidigung und des Zornes unter
Zehn Millionen Arabern. Diese Gefühle werden eines Tages ihren
Ausdruck in Gewalt finden. Sie werden viel, viel Blut kosten....
Aus: Uri Avnery - "Saddam nach Den Haag!", ZNet vom 18.12.03
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=947
Angeblich soll Husseins Gefangennahme durch US-Soldaten nur ein
kalkulierter Mediencoup gewesen sein...
... er sei schon zuvor von Kurden festgenommen und für die
Gefangennahme betäubt worden.
Mehr bei "telepolis" (21.12.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16378/1.html
|
'US-Soldat' ist 'Time'-Persönlichkeit des Jahres
Mo.22.12.03 - "Der US-Soldat" ist vom Magazin "Time" zur Persönlichkeit des
Jahres 2003 gewählt worden. Die Zeitschrift ehrt damit alle
Soldaten der USA für ihre "außergewöhnlichen
Fähigkeiten und ihre geleisteten Dienste", wie die Chefredakteurin
Nancy Gibbs erklärte. Sie lobte die Kämpfer "für die
Entscheidungen, die jeder von ihnen getroffen hat und treffen wird,
für die Schwierigkeit, nicht nur unsere Freiheiten zu verteidigen,
sondern auch diejenigen, die auf der anderen Seite der Welt gerade erst
aufkommen". Besonders erwähnt "Time" die aus irakischer
Gefangenschaft befreite Soldatin Jessica Lynch.
Redaktionsleiter Jim Kelly erklärte, zwar sei der Irak-Krieg von
US-Präsident George W. Bush beschlossen und die Strategie von
Pentagon-Chef Donald Rumsfeld erarbeitet worden. "Aber die Aufgabe, die
Entscheidung umzusetzen, lastete auf den Schultern von Männern und
Frauen der US-Armee."
Rumsfeld selbst schlug dem "Time"-Magazin laut Gibbs vor, den
US-Soldaten unter der Bezeichnung "US-Freiwilliger" zur
Persönlichkeit des Jahres zu wählen. "Time" hatte schon
während des Korea-Kriegs 1951 den "US-Kämpfer" zur
wichtigsten Person des Jahres bestimmt.
Die diesjährige Ehrung gilt den 1,4
Millionen aktiven US-Soldatinnen und -Soldaten sowie den 1,2
Millionen Reservisten. 120.000 US-Soldaten sind derzeit laut
US-Zentralkommando im Einsatz in Irak. Zwischen 9000 und 10.000
US-Soldaten dienen in Afghanistan.
Neben den Soldaten spielten nach Auffassung von "Time" in diesem Jahr
auch der britische Premierminister Tony Blair und der US-Zivilverwalter
in Irak, Paul Bremer, eine wichtige Rolle. Für wichtig erachtet
werden unter anderen auch der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il,
der zum Gouverneur von Kalifornien gewählte Schauspieler Arnold
Schwarzenegger, der Architekt Frank Gehry und die Macher von Google,
der weltweit erfolgreichsten Internet-Suchmaschine.
(Quelle: afp)
Mehr bei:
http://www.time.com/time/personoftheyear/2003/story.html
Afghanistan: US-Streitkräfte wollen neue Stützpunkte
eröffnen
Mo.22.12.03 - Wegen der spürbar verschlechterten Sicherheitslage im Süden
und Osten Afghanistans wollen die US-Streitkräfte dort neue
Stützpunkte eröffnen. Der US-Kommandeur in Afghanistan,
General David Barno, kündigte am Sonntag in Kabul neue regionale
Wiederaufbauteams (PRT) an.
In der südafghanischen Provinz Kandahar töteten
mutmaßliche Taliban-Kämpfer fünf afghanische Soldaten.
Bei der Loja Dschirga, der verfassungsgebenden Großen
Ratsversammlung, zeichnete sich eine Einigung im am stärksten
umstrittenen Punkt, der Rolle des Präsidenten, ab.
Die meisten der mehr als 500 Delegierten der Versammlung hätten
sich auf ein Präsidialsystem ohne Ministerpräsidenten
geeinigt, sagte die Abgesandte Nadera Hayat Burhani. Allerdings wolle
die Mehrheit ein stärkeres Parlament und damit einen
schwächeren Präsidenten, als im Verfassungsentwurf
vorgesehen. Übergangspräsident Hamid Karsai hatte gedroht,
bei den für kommendes Jahr geplanten Wahlen nicht anzutreten,
sollte in der neuen Verfassung nicht eine starke Rolle des
Präsidentenamtes ähnlich dem in den USA verankert werden.
Nach Angaben des Loja-Dschirga-Präsidenten Sebghatullah Mujadidi
haben die meisten der zehn Arbeitsgruppen die Debatten über die
neue Verfassung bereits abgeschlossen, andere stehen kurz davor. Karsai
hatte sich am Samstag für die Verankerung weitreichender
Frauenrechte in der Verfassung ausgesprochen.
Nach dem Angriff auf die Regierungssoldaten am Samstagabend in Spin
Boldak seien die mutmaßlichen Taliban nach Pakistan geflohen,
sagte der Distriktgouverneur in der Grenzstadt, Sayed Fazluddin Agha,
am Sonntag. Der neue US-Kommandeur Barno sagte, im Süden und Osten
des Landes lägen die Gegenden, in denen radikal-islamische
Rebellen hauptsächlich operierten. Die Ausweitung der PRT werde
nicht nur die Sicherheit verbessern, sondern auch den Wiederaufbau
beschleunigen.
Nach Angaben der US-geführten Koalitionskräfte soll die Zahl
der Wiederaufbauteams bis März kommenden Jahres von derzeit acht
auf zwölf erhöht werden. Im nordafghanischen Kundus ist zur
Zeit eine solche Mannschaft der Bundeswehr im Aufbau, die zum
Jahresende unter den Befehl der von der NATO geführten
Internationalen Schutztruppe ISAF gestellt wird.
Die anderen Gruppen arbeiten unter dem Anti-Terror-Mandat
«Enduring Freedom». Seit dem Spätsommer haben Angriffe
radikal- islamischer Rebellen wie der Ende 2001 gestürzten Taliban
stark zugenommen.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israelische Soldaten erschießen Fünfjährigen im
Westjordanland. Führungsmitglied der Hamas-Bewegung festgenommen
+++ Hoffnung auf Nahost-Gipfel noch in dieser Woche +++ Israel angeblich zu
Zusammenarbeit mit UN-Gerichtshof bereit
Mo.22.12.03 - Israelische Soldaten haben nach Angaben von Krankenhaussprechern im
Westjordanland einen fünfjährigen Jungen erschossen. Das Kind
sei im Flüchtlingslager Balate nahe Nablus tödlich getroffen
worden. Aus einer Menschenmenge heraus seien die Soldaten zuvor mit
Steinen und Flaschen beworfen worden, sagte ein Militärsprecher.
Die israelischen Streitkräfte verhafteten am Sonntag in Nablus im
Westjordanland ein Führungsmitglied der Hamas-Bewegung, Adnan
Asfur. Am Tag zuvor wurden 16 gesuchte Palästinenser festgenommen.
Im Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen zerstörten
israelische Truppen Augenzeugen zufolge fünf Häuser. Die
Aktion richtete sich nach Militärangaben gegen unterirdische
Gänge für Sprengstoffschmuggel.
Trotz neuer israelischer Vorstösse gegen Extremisten hoffen die
Palästinenser noch in dieser Woche auf ein erstes Treffen der
beiden Regierungschefs. Der palästinensische Chefunterhändler
Sajeb Erakat wollte zur Vorbereitung des Gesprächs mit Dov
Weisglass zusammenkommen, dem Leiter des Büros von
Ministerpräsident Ariel Scharon. Dessen erstes Gipfeltreffen mit
dem seit Oktober amtierenden palästinensischen
Ministerpräsidenten Ahmed Kureia könnte dann bis Ende der
Woche stattfinden.
Die Pläne Scharons, jüdische Siedlungen aus
palästinensischen Gebieten zu verlegen, stossen innerhalb seiner
Regierung unterdessen auf weiteren Widerstand. Kabinettsminister
Sewulun Orlew von der Nationalreligiösen Partei erklärte am
Sonntag, die Räumung von Siedlungen gefährde die
Regierungskoalition. Landwirtschaftsminister Jisrael Katz, ein Mitglied
von Scharons Likud-Partei, sagte, er werde das Thema auf die
Tagesordnung eines Parteitags im Januar setzen. Neun Likud-Abgeordnete
betonten, sie würden eher die Regierung gefährden als
Scharons Plänen zuzustimmen.
Der stellvertretende Regierungschef Ehud Olmert räumte ein, das
Vorhaben könnte zu einer "ernsthaften Krise" führen. Dennoch
werde die Regierung daran festhalten, auch wenn wahrscheinlich
zehntausende Siedler betroffen seien. "Das wird zweifellos ein sehr
schmerzhafter, schwieriger und herzzerreissender Prozess werden", sagte
Olmert.
In Israel wird am Montag der ägyptische Aussenminister Ahmed Maher
zu Unterredungen mit Scharon und dem israelischen Aussenminister Silvan
Schalom erwartet. Die Vertreter des internationalen "Nahost-Quartetts"
planen Anfang des neuen Jahres ein Treffen, um die Umsetzung der so
genannten Road Map voranzubringen. Ein Datum stehe noch nicht fest,
sagte EU-Chefdiplomat Javier Solana nach einem Treffen mit
UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York. Zuletzt hatte sich das
Quartett - bestehend aus den USA, der Europäischen Union, Russland
und den Vereinten Nationen - am 26. September am Rande der
UN-Vollversammlung getroffen.
Israel will nach Medienberichten eine Untersuchung der Sperranlagen zum
Westjordanland durch den Internationalen Gerichtshof akzeptieren. Die
Regierung stelle aber die Bedingung, einen eigenen Vertreter nach Den
Haag zu entsenden, so die Zeitung "Jedioth Achronoth". Israel hatte
verärgert auf die Entscheidung der UN-Vollversammlung reagiert,
den Gerichtshof in Den Haag einzuschalten.
(Quellen: dpa, ap)
Israelische Elitesoldaten verweigern Dienst in
Palästinensergebieten
Mo.22.12.03 - Eine Gruppe aus 13 israelischen Elitesoldaten hat am Sonntag
demonstrativ den Militärdienst in den Palästinensergebieten
verweigert. Die Soldaten und Offiziere der Spezialeinheit des
Generalstabes hätten einen Brief an die Regierung unterschrieben,
berichtete das israelische Fernsehen.
Die Militärs begründeten ihren Schritt mit Sorge um die
Zukunft Israels als demokratischer, zionistischer und jüdischer
Staat, wie es hieß.
«Wir können nicht mehr beiseite stehen. Heute sagen wir: Wir
werden nicht helfen, Millionen Palästinensern ihre Menschenrechte
vorzuenthalten. Wir werden nicht Schutzwall für die
Siedlungskampagne sein», hieß es in dem Schreiben der
Elitesoldaten. «Wir werden unsere Moral nicht durch Aufgaben
einer Besatzungsarmee verunstalten lassen. Diese Grenze wird nicht mehr
überschritten.»
Die Erklärung folgte drei Monate nach einer Dienstverweigerung von
Piloten der israelischen Luftwaffe, die weitere Angriffe auf Ziele in
den Palästinensergebieten abgelehnt hatten. Erste Reaktionen von
israelischen Politikern waren am Sonntag allesamt negativ. In einem
eilig auf den Weg gebrachten Reaktionsschreiben an andere Reservisten
der Spezialeinheit wurden diese davor gewarnt, sich dem Protest
anzuschließen. Die Erklärung der Verweigerer wurde als
populistisch und schockierend bezeichnet.
Die Elitesoldaten müssen sich nach den Worten des
stellvertretenden Verteidigungsministers Seev Boim wegen
Befehlsverweigerung vor einem Militärgericht verantworten. "Diesen
Soldaten gehört die Uniform abgenommen", sagte Boim am Montag im
öffentlichen israelischen Rundfunk. Sie müssten wegen
"Ungehorsam und Rebellion" verurteilt werden, "unabhängig davon,
in welcher Einheit sie dienen".
(Quelle: dpa)
Libyen verhandelt mit IAEO
Gaddafis Verzicht auf ABC-Waffen weltweit begrüßt
Mo.22.12.03 - Nach dem von Libyen erklärten Verzicht auf ABC-Waffen haben
hochrangige libysche Vertreter erste konkrete Schritte zur Kontrolle
und Vernichtung der Waffenprogramme unternommen. Sie trafen in Wien zu
Gesprächen mit dem Chef der Internationalen
Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohammed el Baradei, zusammen.
El Baradei wird an diesem Montag Einzelheiten über diese
Beratungen bekannt geben. Die am Freitagabend überraschend
angekündigte Entscheidung des libyschen Revolutionsführers
Muammar el Gaddafi stieß weltweit auf Zustimmung.
Bundesaußenminister Joschka Fischer begrüßte den
«beispielhaften Schritt» Libyens.
Nach monatelangen Geheimverhandlungen hatten der britische
Premierminister Tony Blair und US-Präsident George W. Bush in
London und Washington mitgeteilt, dass Libyen alle
Massenvernichtungswaffen zerstören und seine Programme zur
Entwicklung dieser Waffen beenden will. Bush und Blair zeigten sich
zufrieden und sprachen von einem Signal auch für andere Staaten,
wie Iran und Nordkorea, dem Beispiel Libyens zu folgen und
«freiwillig» ihre Programme zur Entwicklung von atomaren,
biologischen und chemischen Waffen (ABC-Waffen) aufzugeben. Die
Botschaft des Irak-Krieges sei angekommen, meinte Bush. Blair nannte
die Entscheidung Libyens «mutig und historisch».
Weltweit gab es Zustimmung für den Schritt Gaddafis, der laut Bush
«bedingungslos und unverzüglich» internationale
Inspekteure ins Land lassen will. Fischer begrüßte die
Ankündigung Libyens. Die USA und Großbritannien «haben
durch ihre Initiative den entscheidenden Beitrag zu diesem
beispielhaften Schritt Libyens geleistet», sagte Fischer in
Berlin. «Der Abrüstung von Massenvernichtungswaffen kommt
auch im Rahmen des Kampfes gegen den Terrorismus große Bedeutung
zu.»
Der außenpolitische Beauftragte der EU, Javier Solana, sagte, die
Entwicklung zeige, «dass Diplomatie über die
Weiterverbreitung von ABC-Waffen siegen kann». Israels
Außenminister Silwan Schalom meinte, Libyen ebne den Weg zu einer
Aufnahme in die internationale Staatengemeinschaft. Der
Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sagte, wichtig
sei jetzt, dass die internationale Gemeinschaft auch Druck auf Israel
ausübe, auf Nuklearwaffen zu verzichten.
Gaddafi sagte nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur JANA, die
Entscheidung werde es Libyen erlauben, «eine internationale Rolle
bei der Bildung einer neuen Welt (zu spielen), die frei von
Massenvernichtungswaffen und allen Arten von Terrorismus» sei.
Wie die britische Sonntagszeitung «The Observer»
berichtete, soll Libyen umfassende Geheimdienstinformationen über
die Terrororganisation El Kaida und andere militante islamistische
Gruppen an die USA und Großbritannien gegeben haben. Dies sei
Teil der Abmachung über den libyschen Verzicht auf ABC-Waffen und
die damit verbundene Aufnahme Libyens in die Weltgemeinschaft gewesen.
Britische und amerikanische Medien berichteten am Samstag unter
Berufung auf Regierungsquellen, Libyen sei im Begriff gewesen, ein
Atomarsenal aufzubauen. Inspekteure aus Washington und London
hätten bei dreiwöchigen Nachforschungen in dem
nordafrikanischen Staat zehn Standorte gefunden, an denen die
Produktion von angereichertem Uran vorbereitet worden sei.
Außerdem seien chemische Waffen sowie Materialien zur Herstellung
von biologischen Waffen gefunden worden.
Nach Angaben Blairs zogen sich die Verhandlungen zwischen Libyen, den
USA, Großbritannien und den UN über neun Monate hin. Die
Gespräche seien kurz nach der Beilegung des jahrelangen Streits um
das Flugzeugattentat von Lockerbie aufgenommen worden. Libyen hatte im
Frühjahr die Verantwortung für den Absturz des PanAm-Jets
1988 über dem schottischen Ort übernommen und
Entschädigungszahlungen für die Angehörigen der 270
Opfer vereinbart. Im September hob der Sicherheitsrat seine 1992
verhängten Sanktionen gegen Libyen auf. Die US-Sanktionen gegen
Libyen gelten noch. Washington hatte nach einem Anschlag auf die
Berliner Discothek «La Belle», bei dem auch zwei US-
Soldaten starben, 1986 einen totalen Wirtschaftsboykott verhängt.
(Quelle: dpa)
Druck auf Israel zu Verzicht auf Massenvernichtungswaffen wächst
Mo.22.12.03 - Nach der Ankündigung Libyens zum vollständigen Verzicht auf
Massenvernichtungswaffen haben die arabischen Staaten und Iran einen
solchen Schritt auch von Israel gefordert. Der gesamte Nahe Osten
müsse eine Region ohne atomare, biologische und chemische Waffen
werden, forderte das iranische Außenministerium. Eine Delegation
der Regierung in Tripolis nahm am Sitz der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien die Beratungen über das
libysche ABC-Waffenprogramm auf. Das nordafrikanische Land will
offenbar Informationen über hunderte El-Kaida-Mitglieder
preisgeben.
Wie Iran verlangte auch der ägyptische Präsident Husni
Mubarak von Israel, seine Massenvernichtungswaffen zu zerstören.
Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, forderte die
internationale Gemeinschaft auf, mehr Druck auf Israel auszuüben,
damit das Land den Atomwaffensperrvertrag unterzeichne.
Israel hat niemals den Besitz von Atomwaffen eingestanden oder
dementiert. Das Land wird jedoch von den USA seit 1969 als Atommacht
eingeschätzt und soll nach Angaben von Experten über
mindestens 200 Nuklearsprengköpfe verfügen.
(Quelle: afp)
Human Rights Watch kritisiert Friedensabkommen in Burundi
Mo.22.12.03 - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat das
Friedensabkommen zwischen der Armee und den Rebellen in Burundi
kritisiert. Es gewährt beiden Seiten bis zur Klärung des
weiteren Vorgehens vorübergehend Immunität vor
Strafverfolgung. Human Rights Watch erklärte am Montag, beide
Seiten seien für die Tötung von Zivilpersonen,
Vergewaltigungen und Plünderungen verantwortlich. Mit dem Abkommen
müssten Soldaten und Rebellen aber nicht befürchten, für
ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen zu werden, erklärte Alison
Des Forges, Beraterin der Afrika-Abteilung der Organisation. «Die
Zivilisten zahlen den Preis.»
Die größte Rebellengruppe, die Streitkräfte für
die Verteidigung der Demokratie (FDD), unterzeichnete im November ein
umfassendes Friedensabkommen mit der Regierung. Die Kämpfe
zwischen Armee und der zweiten großen Rebellengruppe, den
Nationalen Befreiungskräften (NLF), dauern an.
Der Krieg in Burundi begann im Oktober 1993, nachdem Angehörige
der Minderheit der Tutsi den ersten demokratisch gewählten
Hutu-Präsidenten Cyprien Ntaryamira ermordet hatten. Den
Kämpfen fielen bislang mindestens 200.000 Menschen zum Opfer. Die
Tutsi kontrollieren seit der Unabhängigkeit 1962 nahezu
durchgehend die politischen Geschicke des ostafrikanischen Landes.
(Quelle: ap)
Fortschritte bei Friedensverhandlungen in Sudan
Mo.22.12.03 - Die Friedensverhandlungen zur Beilegung des Bürgerkriegs in Sudan
sind einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Die islamische
Regierung in Khartum und die Rebellen der Sudanesischen
Volksbefreiungsarmee (SPLA) verständigten sich bei ihren
Gesprächen in Nairobi auf die Verteilung der Einnahmen aus der
Ölförderung, wie der kenianische Chefvermittler Lazaro
Sumbeiywo am Sonntag mitteilte.
«Das ist ein wichtiger Durchbruch», sagte Sumbeiywo. Die
Frage der Öleinnahmen sei bisher einer der strittigsten
Verhandlungspunkte gewesen. Sudan hat 1999 entlang der Grenzlinie
zwischen dem Norden und dem Süden des größten
afrikanischen Flächenstaates mit der Ölförderung
begonnen; die Fördermenge beträgt etwa 250.000 Barrel am Tag.
SPLA-Sprecher Yasir Arman erklärte, nach der grundsätzlichen
Einigung zur Verteilung der Einfünfte arbeite ein gemeinsamer
Ausschuss an den Details eines Abkommens.
Die Öleinnahmen sollen nach Angaben von Präsident Omar el
Baschir im Verhältnis 50 zu 50 aufgeteilt werden. «50
Prozent für die Bundesregierung und 50 Prozent für die
Regierung der südlichen Staaten», sagte der Präsident
in einem Interview der unabhängigen Zeitung «El
Sahafa».
Die Rebellen aus dem Süden Sudans haben sich 1983 gegen die
Regierung in Khartum erhoben. Hintergrund des Konflikts sind die
kulturellen Gegensätze zwischen den im Süden lebenden
Christen und Anhängern von Naturreligionen und dem islamisch
geprägten Norden. Bei den im September aufgenommenen
Gesprächen haben der sudanesische Vizepräsident Ali Osman
Mohammed Taha und SPLA-Führer John Garang bereits eine
sechsjährige Übergangszeit vereinbart, in der die
SPLA-Kämpfer ihre Stellungen im Süden behalten dürfen.
Der Bürgerkrieg hat mehr als zwei Millionen Menschen das Leben
gekostet, zumeist als Folge der von den Kämpfen bedingten
Hungersnot.
(Quelle: ap)
Darfurs Krieg gefährdet Sudans Frieden
Im Westen des Landes eskaliert der bewaffnete Konflikt. Wenn er nicht
gelöst wird, rückt auch ein umfassender Friedensvertrag in
weite Ferne. Die Regierung in Khartum beschuldigt Islamisten und das
Nachbarland Eritrea der Destabilisierung ...
Mehr in der "tageszeitung" vom 23.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/23/a0140.nf/text
|
China strebt friedliche 'Wiedervereinigung' mit Taiwan an
Mo.22.12.03 - China hat den USA versichert, die Wiedervereinigung mit Taiwan auf
friedlichem Weg erreichen zu wollen.
In einem Telefongespräch erklärte Chinas Präsident Hu
Jintao gegenüber US-Präsident George W. Bush nach einer
Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua, die chinesische
Regierung strebe eine friedliche Wiedervereinigung mit Taiwan mit
größtem Ernst und größten Anstrengungen an.
Zugleich habe Hu aber deutlich gemacht, dass eine Unabhängigkeit
Taiwans nicht toleriert werden könne, zitierte die Agentur am
Sonntag aus dem zuvor geführten Telefongespräch. China
betrachtet Taiwan als abgespaltene Provinz.
Bush habe erklärt, die Haltung der US-Regierung sei bekannt. Die
USA seien gegen Aussagen und Handlungen, die einseitig den Status quo
Taiwans ändern würden. Die USA, engster Verbündeter
Taiwans, akzeptieren die "Ein-China"-Politik der Regierung in Peking.
Taiwans Präsident Chen Shui Bian erklärte am Sonntag auf
einer Wahlkampfveranstaltung. Die Republik von China (ROC) - so die
eigene Bezeichnung Taiwans - habe sich früher auf dem Festland
befunden, später sei die ROC nach Taiwan gekommen, "und heute ist
ROC Taiwan".
(Quelle: rtr)
In China wieder Internet-Dissident verhaftet
Mo.22.12.03 - Wegen politischer Meinungsäußerungen auf ausländischen
Websites ist ein chinesischer Fabrikarbeiter verhaftet worden. Kong
Youping sei am 13. Dezember in seinem Haus in der im Nordosten
gelegenen Stadt Anshan festgenommen worden, teilte das
Informationszentrum für Menschenrechte und Demokratie am Samstag
in Hongkong mit.
Kong sprach sich für eine Revision der offiziellen Bewertung der
Demokratiebewegung von 1989 als konterrevolutionär aus.
Außerdem setzte er sich im Web für die Freilassung einer
Studentin ein, die unter dem Pseudonym "Stainless Steel Rat" politische
Erklärungen im Internet abgegeben hatte. Die 23-Jährige wurde
nach mehr als einjähriger Haftzeit im November freigelassen.
(Quelle: futurezone)
Autoproduktion in China wächst um 72 Prozent
Mo.22.12.03 - Chinas Autoproduktion ist im November 2003 nach amtlichen Angaben im
Jahresvergleich um 71,6 Prozent gestiegen und hat Befürchtungen
einer Überflutung des Marktes ausgelöst.
Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag unter Berufung auf
das Nationale Statistikbüro meldete, wurden im November 200.200
Personenwagen hergestellt. Die Produktion in den ersten elf Monaten
stieg auf 1,8 Millionen Autos, womit eine eine Verdoppelung für
das Gesamtjahr im Vergleich zum Vorjahr erreicht werden könnte,
hieß es. Die Zahl der neu hergestellten Fahrzeuge -
Personenwagen, Lastwagen und Busse - sei im November um 32,7 Prozent
zum Vorjahr oder 419.600 Einheiten gestiegen.
"Während Milliarden von Dollar an zusätzlichen
Kapazitäten noch darauf warten, in Betrieb genommen zu werden,
zeigt die Autoindustrie des Landes Zeichen einer Überhitzung mit
einem Auftauchen von blinden Investitionen", meldete Xinhua. "In dem
fortgesetzten Bau von Werken und Ausbau von Kapazitäten liegen
riesige potenzielle Risiken, die zu einer Zunahme von faulen Krediten,
der Arbeitslosigkeit und dem Konkurs einiger Firmen führen
könnten." Die Regierung werde bald Maßnahmen ergreifen, um
überschießenden Investitionen zu begegnen. Dazu könnten
schärfere Auflagen beim Bau von Fabriken gehören.
Ausländische Autobauer wie Volkswagen und ihre chinesischen
Partner haben Kapazitätsvergrößerungen
angekündigt, die die jährliche Produktion bis 2007 auf bis
2,28 Millionen Fahrzeuge vergrößern könnten. Analysten
haben vor einer bevorstehenden Schwemme auf dem Automarkt mit
Auswirkungen auf die Gewinnspanne gewarnt. Die Zeitung "China Economic
Times" berichtete am Montag, die Lagerbestände von Fahrzeugen
hätten sich in den ersten zehn Monaten 2003 mit 240.000 Einheiten
fast verdoppelt. Experten erwarteten für 2004 eine Verlangsamung
der Wachstums der Autoproduktion auf 20 Prozent, hieß es.
(Quelle: rtr)
Malediven dringen auf Umsetzung des Kyoto-Protokolls
Mo.22.12.03 - Die Malediven dringen auf eine baldige Umsetzung des Kyoto-Protokolls,
in dem sich die Industriestaaten zur Verringerung ihrer
Schadstoffemission verpflichtet haben. Der maledivische Präsident
Maumoon Abdul Gayoom forderte nach Angaben des Außenministeriums
am Sonntag Nepal auf, gemeinsam entsprechende Überzeugungsarbeit
bei den Industriestaaten zu leisten. Der nepalesische
Ministerpräsident Surya Bahadur Thapa befindet sich bis diesem
Montag zu Besuch in der tropischen Inselrepublik.
Jedes der maledivischen 1.192 Korallenatolle liege inzwischen weniger
als drei Meter über dem Meeresspiegel, teilte das
Außenministerium mit. Mitverantwortlich dafür sei die
globale Erwärmung.
Das 1997 ausgehandelte Kyoto-Protokoll tritt erst in Kraft, wenn es von
55 Industriestaaten ratifiziert ist, die zusammen für 55 Prozent
der Treibhausgasemissionen des Jahres 1990 aus dieser Staatengruppe
verantwortlich sind. Nach der Ablehnung der USA kann die notwendige
Quote nur mit der Zustimmung Russlands erreicht werden.
(Quelle: ap)
Boot mit 60 Flüchtlingen vor der türkischen Küste
gesunken
Mo.22.12.03 - Vor der türkischen Küste nahe der Stadt Marmaris hat sich
nach Angaben der Küstenwache vom Sonntag eine Schiffstragödie
ereignet. Zu befürchten sei, dass etwa 60 Flüchtlinge beim
Untergang eines Schiffes am Samstag ihr Leben verloren hätten.
Ein Sprecher der Küstenwache sagte der Nachrichtenagentur Reuters,
trotz intensiver Suche sei bisher nur ein Überlebender - ein
Iraker - von der Besatzung einer Fähre aus dem Meer gerettet
worden. Die mit einem Hubschrauber und zwei Küstenwachbooten
ausgerückten türkischen Suchmannschaften hätten
lediglich die Ruderpinne des vermissten Schiffes sowie eine leere
Rettungsweste gefunden.
Auch die griechische Küstenwache hatte sich von der nahen Insel
Rhodos aus an der Suche nach Überlebenden beteiligt. Die Suche sei
jedoch inzwischen ergebnislos eingestellt worden, sagte ein Sprecher
der Küstenwache.
Jedes Jahr versuchen Tausende Menschen aus der östlichen
Türkei, aus dem Iran und aus dem Irak, auf kleinen, meist auch
völlig überladenen Booten von der türkischen Küste
aus nach Griechenland oder in andere EU-Länder zu kommen. Die
Gewässer, wo sich das Mittelmeer und die Ägäis treffen,
gelten in der Seefahrt als besonders gefährlich. Wie viele
Menschen bei solchen Schiffunglücken jährlich ertrinken, ist
unbekannt.
(Quelle: rtr)
Tausende demonstrieren im Baskenland
Mo.22.12.03 - Rund 15.000 Menschen haben im nordspanischen Bilbao für einen
Dialog zur Lösung des Konflikts im Baskenland demonstriert. Sie
forderten die Untergrundorganisation ETA zum Ende des Terrors auf und
verlangten von der Madrider Regierung, mit der baskischen Regierung
über deren Unabhängigkeitsplan zu verhandeln.
(Quelle: dpa)
Musliminnen protestieren in Paris gegen Kopftuchverbot
Mo.22.12.03 - Mehr als 1.000 Musliminnen haben am Sonntag in Paris gegen das geplante
Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen protestiert. «Der
Schleier ist meine Wahl», skandierten sie bei ihrem
Demonstrationszug im Regen zur Place de la Bastille. Der
französische Staatspräsident Jacques Chirac hatte am
vergangenen Mittwoch angekündigt, deutlich sichtbare
religiöse Zeichen und Kleidungsstücke würden
künftig aus den Schulen verbannt. Ein entsprechender Gesetzentwurf
soll schon im Februar dem Parlament vorgelegt werden.
An dem Protestmarsch nahmen nach Polizeiangaben bis zu 3.000 Menschen
teil. Journalisten gaben die Zahl allerdings eher mit etwa 1.500 an.
Bei der Mehrheit handelte es sich um Frauen und Mädchen mit
Kopftuch. Sie warfen der Regierung vor, Muslime auszugrenzen und die
französischen Werte von Freiheit, Gleichheit und
Brüderlichkeit zu verhöhnen. Zeitweise wurde auch die
französische Nationalhymne gesungen und dann in Slogans die Frage
gestellt: «Geliebtes Frankreich, wo ist meine Freiheit?» Es
war das erste Mal, dass sich in Paris so viele muslimische Frauen zu
einer Protestkundgebung versammelten.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv
Moslemischer Geistlicher fordert Kampf gegen Kopftuch-Verbot in Frankreich
Er warnte die Franzosen, nicht den Hass und die Feindseligkeit der
Moslems zu provozieren
Sa.20.12.03 - Ein einflussreicher moslemischer Geistlicher hat Gläubige am
Freitag zum Kampf gegen das in Frankreich diskutierte Verbot von
Kopftüchern in Schulen aufgerufen.
Die Gläubigen sollten ihren politischen und wirtschaftlichen
Einfluss nutzen, um das am Mittwoch von Frankreichs Präsident
Jacques Chirac geforderte Verbot zu verhindern, sagte Scheich Jussef el
Karadaui in einer Moschee in Doha...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312200.htm#03122012
Kopftuchverbot in Frankreich
Kritiker befürchten,
dass das von Staatspräsident Chirac angekündigte
Kopftuch-Gesetz zu kurz greift und das Problem nicht an der Wurzel
packt +++ Sorge bei französischen Muslimen +++ Nobelpreisträgerin
Ebadi kritisiert Chiracs Kopftuch-Entscheidung
Fr.19.12.03 - Seit 1989 war das islamische Kopftuch in den Schulen ein Streitthema in
Frankreich - jetzt hat Staatspräsident Jacques Chirac entschieden,
deutlich sichtbare religiöse Zeichen und Kleidungsstücke in
öffentlichen Schulen gesetzlich zu verbieten. In den Beifall
für die nach monatelanger Debatte allseits erwarteten
Ankündigung und sein leidenschaftliches Plädoyer für die
laizistische Republik mischen sich aber auch kritische Töne...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312190.htm#03121910
Frankreich: Religiöse Symbole werden aus Schulen
verbannt
Do.18.12.03 - In Frankreichs öffentlichen Schulen sollen ab dem nächsten
Schuljahr auch die Schüler keine auffälligen religiösen
Symbole wie moslemische Kopftücher, große Kreuze und
jüdische Kippas mehr tragen dürfen. Das kündigte
Präsident Jacques Chirac in seiner mit Spannung erwarteten
Grundsatzrede zum Verhältnis von Staat und Glaubensgemeinschaften
im Pariser Elysée-Palast an...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312180.htm#03121814
Mehr Berichte und Hintergrundinformationen zur Kopftuch-Debatte unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312180.htm#031218_i
|
Deutschland:
Schröder fordert Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen
Mo.22.12.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hat erstmals öffentlich ein
Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen an deutschen Schulen gefordert.
«Kopftücher haben für Leute im staatlichen Auftrag,
also auch für Lehrerinnen, keinen Platz», sagte der
SPD-Vorsitzende der «Bild am Sonntag». Allerdings
könne er Schülerinnen das Tragen ihres Glaubenssymbols nicht
verbieten.
Zur Begründung wies Schröder darauf hin, dass Deutschland ein
säkularisierter Staat sei: «Wir sind beeinflusst von drei
großen Traditionen: der griechisch-römischen Philosophie,
der christlich-jüdischen Religion und dem Erbe der
Aufklärung.» Die konkrete Entscheidung darüber, ob das
Tragen von Kopftüchern in Schulen verboten werde, obliege nach dem
Urteil des Bundesverfassungsgerichts aber den einzelnen
Bundesländern.
Am Freitag hatte auch Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer ein
solches Verbot gefordert. Das Kopftuch sei ein politisches Symbol der
islamistischen Bewegung und ihrer gesellschaftlichen
Ordnungsvorstellung, die die Frau dem Mann unterordne, erklärte
die Grünen-Politikerin.
Bislang haben Bayern und Baden-Württemberg ein Kopftuch-Verbot an
ihren Schulen in die Wege geleitet. Das Bundesverfassungsgericht hatte
am 24. September entschieden, dass muslimischen Lehrerinnen das
Unterrichten mit Kopftuch nur untersagt werden kann, wenn es ein
entsprechendes Landesgesetz gibt. Gleichzeitig wurde die
Gleichbehandlung religiöser Symbole verlangt.
(Quelle: ap)
Muslime fühlen sich benachteiligt
Mo.22.12.03 - Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat in einem Weihnachts- und
Neujahrsgruß beklagt, dass die Religionsgemeinschaft des Islam
Benachteiligungen ausgesetzt sei. In der am Montag von der
Geschäftsstelle des Zentralrates in Eschweiler verbreiteten
Erklärung heißt es, die Umsetzung muslimischer Grundrechte
wie das Schächten oder das Tragen von Kopftüchern würden
behördlich behindert. Zudem sei die deutsche Gesellschaft zu einem
fairen Dialog mit den Muslimen überwiegend nicht bereit.
Dass die muslimische Gemeinschaft gleichwohl von einigen Freunden,
Denkern und Politikern Partnerschaft und Solidarität erfahren
habe, «lässt uns die Hoffnung nicht verlieren, durch einen
sachlichen, kritischen und offenen Dialog mehr Gerechtigkeit und
Sicherheit für alle zu erreichen», heißt es im
Weihnachtsgruß des Zentralrats.
(Quelle: ap)
Rüttgers fordert CDU zu Patriotismusdebatte auf
Mo.22.12.03 - Der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Jürgen
Rüttgers hat seine Partei aufgefordert, im kommenden Jahr eine
breit angelegte Patriotismusdebatte zu führen. Diese Diskussion
solle deutlich machen, dass "unsere Nation eine unglaublich reiche
Kultur hat", sagte Rüttgers der "Welt". "Wir müssen unsere
Nationalkultur wach halten. Wenn der Faden einmal gerissen ist, dann
ist er nur schwer wieder zu knüpfen."
Nach seiner Meinung hätten die Schulen in solch einer Debatte die
wichtigste Rolle. Wer in Deutschland Abitur mache, müsse von
Goethe, Schiller, Heine oder Grass mehr als nur die Namen kennen. Zudem
dürfe in Zukunft kein Kind mehr eingeschult werden, das nicht
ausreichend deutsch spricht.
(Quelle: afp)
Kanzler Schröder attackiert prominente Steuerflüchtlinge
Attac fordert von Schröder konkrete Maßnahmen gegen
Steuerflucht
Mo.22.12.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat mit scharfen Worten
prominente Deutsche angegriffen, die wegen niedrigerer Steuern von
Deutschland ins Ausland ziehen. "Wir können die Freizügigkeit
nicht einschränken, aber wir sollten dieses Verhalten
gesellschaftlich ächten", sagte Schröder der "Bild am
Sonntag". Der Kanzler wörtlich: "Solche Leute verhalten sich
unpatriotisch. Mit denen kann man keinen Staat machen."
In Anspielung auf den bayerischen Milchkonzern Müller Milch,
dessen Besitzer in die Schweiz ziehen will, um die Zahlung von
Erbschaftssteuern zu vermeiden, sagte Schröder, "solche Fälle
können mir den Joghurt verleiden". Die Steuerflucht prominenter
deutscher Sportler stufte der Kanzler "in dieselbe Kategorie" ein.
"Diese Leute nehmen alle Annehmlichkeiten dieses Landes in Anspruch",
kritisierte der Kanzler weiter. "Polizei, Schulen, Universitäten,
Straßen und Schienen - das alles wird doch aus Steuergeldern
bezahlt, und das darf nicht nur eine Sache der kleinen Leute sein." Es
sei "ein Geist entstanden nach dem Motto: Für die Dinge, die ich
nutze, sollen die anderen sorgen, solange ich alleine gut zurecht
komme".
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac forderte von Schröder
konkrete Maßnahmen gegen Steuerflucht. Dass der Kanzler die
Steuerflucht moralisch beklage, sei schön und gut, erklärte
Attac-Steuererxperte Sven Giegold am Sonntag in Frankfurt am Main.
"Wenn er es ernst meint, muss er jetzt auch politisch dagegen vorgehen."
Attac forderte eine Aufhebung des Bankgeheimnis, das "in Wahrheit ein
Steuerhinterziehungs- und Steuerflucht-Schutzgesetz" sei. Zudem
müsse die Steuerpflicht auch auf im Ausland lebende
Bundesbürger ausgeweitet werden. Mit einer solchen Regelung
hätten etwa die USA die Steuerflucht bereits erheblich
eingeschränkt.
(Quelle: afp)
Schröder wettert gegen Steuerflüchtlinge – hofiert aber
Multimillionäre wie den Wahlschweizer Friedrich Christian Flick
Dass mit Steuerflüchtligen kein Staat zu machen sei, hat
Bundeskanzler Gerhard Schröder vor zwei Tagen in einem Interview
mit der Bild am Sonntag festgestellt. Der Kanzler empfahl deren
gesellschaftliche Ächtung. Gibt es aber für Gerhard
Schröder Steuerflüchtlinge, die gleicher als gleich sind? Mit
dem Fußball-Repräsentanten und Präsidenten des FC
Bayern München, Franz Beckenbauer, der nicht nur wegen der Berge
nach Österreich gezogen ist, lässt er sich
bekanntermaßen gern fotografieren, und über den in die
Schweiz übergewechselten Radsportler Jan Ullrich hat er bislang
kein böses Wort verloren.
Ein notorischer Steuerflüchtling, der Kaufmann und Kunstsammler
Friedrich Christian Flick (Mick), wurde sogar vor einem Monat ins
Kanzleramt gebeten, um in der Skylobby der Regierungszentrale über
das Sammeln von Kunst und Themen wie „Leidenschaft oder Verpflichtung“
zu diskutieren. Als Flick kurz darauf beim Bundespresseball am
Ehrentisch saß, erzählte er einem Reporter der Zeitschrift
Bunte: „Schade, dass Schröder nicht da ist. Ich hatte so eine
interessante Diskussion bei ihm . . . Ich hätte sie gern
fortgeführt.“
Flick ist Mitte der siebziger Jahre in die Schweiz gezogen, nachdem er
das ihm zustehende Erbe seines deutschen Großvaters Friedrich
Flick kassiert hatte. Er ließ sich als „private investor“ im
Steuerparadies nieder. Sein Vermögen wird inzwischen auf etwa 500
Millionen Euro geschätzt.
In Interviews bekennt sich Flick zum Heimatland: „Ich bin Deutscher. Da
sind meine Wurzeln, Heimat, Beständigkeit, Halt.“ In Deutschland
gebe es auch die „Werte, mit denen ich aufwuchs“, doch das können
nicht die Werte des Kanzlers sein: Als Steuerzahler ist Mick Flick
hierzulande nicht aufgefallen.
Konservativ gerechnet hat Mick Flick dem deutschen Fiskus,
Spezialitäten wie Vermögensteuer oder Sonderzulage Ost nicht
eingerechnet, all die Jahre etwa 125 Millionen Euro vorenthalten. Das
ist in seiner Familie normal. Bruder und Mutter sind ebenfalls
Steuerflüchtlinge und der Onkel Friedrich Christian Flick,
früher einer der reichsten Männer Deutschlands, ist schon vor
vielen Jahren nach Österreich übergesiedelt und findet
Investments in Deutschland „steuerlich prohibitiv“.
Nun will Mick Flick im nächstem Jahr in der Rieck-Halle am
Hamburger Bahnhof in Berlin seine große Kunstsammlung
präsentieren. Bei den Verhandlungen in Berlin spielte eine mit
Flick verbandelte Firma eine Rolle, die in einer Steueroase residiert.
An der Uneigennützigkeit von Mick Flick zweifelt zumindest der
CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis. Der Christsoziale vermutet,
dass durch die Präsentation im Museum der Wert der Sammlung des
Steuerflüchtlings weiter wachsen werde. Deshalb fragte Geis
schriftlich die Bundesregierung, ob der Fiskus an „eintretenden
Vorteilen (Wertsteigerungen)“ des Herrn Flick profitiere oder zumindest
„irgendwelche Maßnahmen veranlasst“ habe, um auch ein paar Euro
für die Steuer abzweigen zu können. Die Antwort steht noch
aus.
Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung vom 23.12.03
Blick ins Archiv
Steuerflucht
Unternehmen kassieren Subventionen und gehen ins Ausland
Insgesamt zahlt der Staat jährlich 25 Milliarden Euro Subventionen
an deutsche Unternehmen - und das ist mehr, als im Jahr für die
gesamte Sozialhilfe ausgegeben wird. Über Florida-Rolf
empörten sich die Deutschen. Kennen Sie aber Infineon-Uli? ...
Mehr bei "Monitor" - Magazin in der ARD (Sendetermin war am 09.10.03):
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=533&sid=103
Regierung plant keine schärferen Maßnahmen gegen Steuerflucht
Steuer-Gewerkschaft: Der Bundesrepublik gehen jährlich etwa
fünf Milliarden Euro Steuereinnahmen verloren, weil deutsche
Unternehmer und Prominente ihren Wohnsitz im Ausland haben
Sa.01.11.03 - Die Bundesregierung plant keine schärfere Maßnahmen gegen
Steuerflucht. Sie reagierte am Freitag mit größter
Zurückhaltung auf die Forderung des Grünen-Vorsitzenden
Reinhard Bütikofer, im Ausland lebende Bundesbürger nach
deutschem Recht zu besteuern. "Es gibt aktuell keine Aktivitäten
und Planungen in diese Richtung", sagte ein Sprecher des
Finanzministeriums. Ihm seien keine Schätzungen bekannt, was der
Staat einnehmen würde, wenn Bütikofers Vorschlag umgesetzt
werde.
Nach Berechnungen der Steuer-Gewerkschaft gehen der Bundesrepublik
jährlich etwa fünf Milliarden Euro Steuereinnahmen verloren,
weil deutsche Unternehmer und Prominente ihren Wohnsitz im Ausland
haben...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311010.htm#03110117
|
Städtetag nennt Gemeindefinanzreform 'unakzeptabel'
Mo.22.12.03 - Der Deutsche Städtetag hat die von Bundestag und Bundesrat
verabschiedete Gemeindefinanzreform als "völlig inakzeptabel"
kritisiert. "Das ist keine Gemeindefinanzreform", erklärte die
Städtetags-Präsidentin und Frankfurter
Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) in Köln. Sie forderte,
dass eine Reform auf der Tagesordnung bleiben müsse. "Im
nächsten Jahr muss nachgebessert werden", erklärte Roth
gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Städtetages, Hannovers
Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD).
Roth und Schmalstieg nannten die angegebenen Entlastungen der Kommunen
durch die Zusammenführung von Arbeitlosen- und Sozialhilfe in
Höhe von 2,5 Milliarden Euro "absolut unrealistisch". Denn den
Entlastungen von elf Milliarden Euro für erwerbsfähige
Sozialhilfeempfänger, die ab 2005 von der Nürnberger
Bundesanstalt für Arbeit übernommen werden, stünden in
der gleichen Höhe Kosten für die Unterkunft sämtlicher
Arbeitslosengeld II-Bezieher und der Sozialhilfeempfänger
gegenüber. Diese Unterkunftskosten müssten begrenzt werden,
forderten Roth und Schmalstieg.
Der Städtetag kritisierte zudem die Beschlüsse zur
Gewerbesteuer. Hier seien die Erwartungen der Städte und Gemeinden
"schwer enttäuscht worden".
(Quelle: afp)
Schröder hält an Export der Hanauer Atomfabrik fest
Mo.22.12.03 - Bundeskanzler Gerhard Schröder hält trotz Kritik von Seiten
der Grünen am geplanten Export der Hanauer Atomfabrik nach China
fest. «In Deutschland wird ausschließlich nach Recht und
Gesetz entschieden», sagte der SPD-Vorsitzende der «Bild am
Sonntag». Experten des Umweltministeriums widersprachen nach
Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»
dem Wirtschaftsministerium, wonach die Anlage nicht militärisch
genutzt werden kann.
Rot und Grün streiten über die Rechtmäßigkeit des
Exports. Fachleute von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne)
sagten der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»
zufolge, dass die Anlage Brennelemente für den Schnellen
Brüter herstellen könne. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement
(SPD) hatte zuvor durch den Parlamentarischen Staatssekretär
Dietmar Staffelt verbreiten lassen, die Genehmigung der Siemens-Fabrik
könne nur verwehrt werden, wenn eine militärische Nutzung
nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden könne. Das sei aber nicht
der Fall. Bislang ist unklar, wie überwacht werden kann, dass die
Anlage ausschließlich zivil genutzt wird.
Der geplante Verkauf war bei Schröders China-Reise vor wenigen
Wochen bekannt geworden. Schröder wies in der «Bild am
Sonntag» auch Einwände zurück, er habe bei seiner
China-Reise Menschenrechtsaspekte gegenüber Handelschancen
zurückgestellt. Seine Aufgabe als Kanzler sei es, die gute
Position Deutschlands in China auszubauen. China sei der wichtigste
Markt der Zukunft.
(Quelle: ap)
Für eine Exportgenehmigung der Hanauer Plutoniumfabrik nach China
gibt es nach Ansicht von Juristen keinen Ermessensspielraum...
Mehr bei "telepolis" (18.12.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16342/1.html
http://www.greenpeace.org/multimedia/download/1/
368548/0/Expertise_zu_MOX.pdf
Blick ins Archiv
Wissenschaftler warnen vor Verkauf der Atomfabrik nach China
Militärischen Nutzung der Hanauer Plutonium-Anlage könne
nicht ausgeschlossen werden +++ Bundesbürger mehrheitlich gegen
Export der Brennelemente-Fabrik nach China
Mi.10.12.03 - Namhafte Wissenschaftler haben die Bundesregierung laut Medienberichten
eindringlich vor dem geplanten Verkauf der Hanauer Atomfabrik an China
gewarnt. Eine militärische Nutzung der Anlage könne nicht
ausgeschlossen werden, warnen die Wissenschaftler laut «Berliner
Zeitung» und «Neuer Ruhr/Neuer Rhein Zeitung»
(Mittwochausgaben) entgegen bisherigen Aussagen der Bundesregierung.
In China gebe es keine klare Grenzziehung zwischen militärischen
und zivilen Teilen des Nuklearprogramms, heiße es in dem unter
anderem vom SPD-Bundestagsabgeordneten Ernst Ulrich von Weizsäcker
unterzeichneten Appell. Der Betrieb berge selbst bei Etablierung eines
Inspektionsteams «ein hohes Risiko eines direkten oder indirekten
Missbrauches», zitiert die Essener «Neue Ruhr/Neue Rhein
Zeitung» die Wissenschaftler....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312100.htm#03121016
Experten: Hanau-Verkauf kann verhindert werden
Öko-Institut Darmstadt hält Plutoniumfabrik eindeutig
für militärisch nutzbar. Andere Forscher widersprechen ...
Mehr in der "tageszeitung" vom 06.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/06/a0087.nf/text
|
Ärzteorganisation kritisiert Genehmigung von Atommülllagern
Mo.22.12.03 - Die Ärzteorganisation IPPNW hat die Genehmigung von drei weiteren
Atommüll-Zwischenlagern durch das Bundesamt für
Strahlenschutz kritisiert. Damit könne hoch radioaktiver und
giftiger Atommüll demnächst "in luftigen Hallen auf der
grünen Wiese" gelagert werden, erklärte die atomkritische
Organisation am Samstag. Da die Lagerhallen nicht mit
Rückhaltebarrieren ausgestattet seien, könne sich bei
auftretenden Undichtigkeiten radioaktives Material ungehindert in der
Umgebung verteilen, so die Ärzteorganisation.
Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte am Freitag drei
Zwischenlager an den Kernkraftwerksstandorten Gundremmingen (Bayern),
Philippsburg (Baden-Württemberg) und Krümmel
(Schleswig-Holstein) genehmigt. Die Kraftwerksbetreiber dürfen
abgebrannte Brennelemente aus den Reaktoren bis zu 40 Jahre vor Ort
aufbewahren. Das Bundesamt hat damit alle zwölf an den
Kraftwerksstandorten beantragten Zwischenlager genehmigt.
Mit der Begrenzung des Lagerungszeitraums auf 40 Jahre soll nach
Angaben des Bundesamts die Voraussetzung geschaffen werden, "dass aus
den Zwischenlagern keine faktischen Endlager werden". IPPNW bezweifelt
allerdings, dass der Atommüll in den Lagern nur 40 Jahre
aufbewahrt wird. In den vergangenen Jahrzehnten sei weltweit "kein
wirklich sicheres Endlager für Atommüll" gefunden worden, so
die Ärzteorganisation.
(Quelle: epd)
Castoren werden weiter rollen
Nach der Zwischenlager-Genehmigung des Bundesamts für
Strahlenschutz drohen zahlreiche Atommülltransporte aus Frankreich
und England. Kirchen üben Kritik...
Mehr in der "tageszeitung" vom 22.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/22/a0130.nf/text
|
Hamburg: Randale um Bambule
Mo.22.12.03 - Bei der Bambule-Demo hat es am Samstag in Hamburg heftige
Auseinandersetzungen gegeben. Trotz des Verbots hatte die Demo der
Sympathisanten der Bauwagenbewohner in der City begonnen. Die
Demonstranten teilten sich in Gruppen auf und spielten mit den 1.700
eingesetzten Beamten Katz und Maus.
(Quelle: dpa/taz)
Urteil schränkt Videoüberwachung ein
Mo.22.12.03 - Für die Öffentlichkeit zugängliche Gehwege dürfen
nicht vollständig mit Videokameras überwacht werden. Dies
entschied das Amtsgericht Berlin Mitte am Donnerstag. Das Urteil
könnte Signalwirkung haben, denn nach Ansicht der
Datenschützer nimmt die Videoüberwachung öffentlicher
Räume immer mehr überhand.
Der Richter hat dem KulturKaufhaus Dussmann an der Berliner
Friedrichstraße untersagt, eine belebte und zu dem Geschäft
gehörende Arkade flächendeckend von elektronischen Augen
beschatten zu lassen. Maximal dürfe der Bürgersteig in einem
Umfang von einem Meter ins Kameravisier genommen werden, heißt es
in dem Schiedsspruch mit dem Aktenzeichen 16 C 427/02. Eine
vollständige Überwachung der Passage hielt das Gericht auch
dann für rechtswidrig, wenn die kontrollierten Bereiche im
Eigentum eines Privatunternehmens stehen. Es sei auf jeden Fall eine
unbeobachteter Tunnel für Passanten freizuhalten.
Geklagt hatte ein Berliner Journalist, der sich beim Gang zur Arbeit
und zu Verwaltungsbehörden in Mitte von der ständig
mitlaufenden Kamera in seinen Grundrechten verletzt fühlte.
Unterstützt wurde er von der Humanistischen Union
Das Vordringen der Videoüberwachung in immer mehr öffentliche
Räume ist insgesamt heftig umstritten. Die Polizei und die
Innenminister sehen darin ein geeignetes Mittel zur effektiven
Strafverfolgung , während Datenschützer den Aufbau
unkontrollierbarer Videoarchive und mögliche Koppelungen mit
biometrischen Analyseverfahren zur Identifizierung von Einzelpersonen
fürchten.
Quelle: heise.online
http://www.heise.de/newsticker/data/ad-21.12.03-000/
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