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+++ Di.23.12.03,
12:00 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am zweihundertneunundsiebzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Zwei
US-Soldaten und irakischer Übersetzer in Bagdad getötet +++
Verhaftungswelle im Irak +++ Schiitische Dawa-Partei im Irak bereitet
Klage gegen Saddam Hussein vor +++ Russland will Irak 65 Prozent
der Schulden erlassen. US-Sonderbeauftragter Baker spricht Ende
Dezember in Asien über irakische Schulden +++ Tausende Kurden
demonstrieren in Kirkuk für Eigenständigkeit
Di.23.12.03 - Bei
der Explosion einer Bombe in Bagdad sind zwei US-Soldaten und ihr
irakischer Übersetzer getötet worden. Nach Angaben des
US-Militärs wurden zwei weitere Soldaten verletzt, als ihr Konvoi
auf den am Straßenrand deponierten Sprengkörper fuhr. Die
US-Armee suchte indes weiter intensiv nach irakischen
Widerstandskämpfern. Das US-Zentralkommando gab am Montag bekannt,
binnen 24 Stunden habe es erneut Dutzende von Festnahmen gegeben.
Generalstabschef Richard Myers hatte am Vortag erklärt, seit der
Gefangennahme von Ex-Diktator Saddam Hussein am 13. Dezember seien
Hunderte irakischer Rebellen festgenommen worden.
Die US-Armee hat auch drei irakische Wissenschaftler festgenommen, die
mit der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen befasst gewesen sein
sollen. Die drei Forscher hätten an der Technischen Hochschule von
Bagdad gelehrt und seien in der vergangenen Woche festgenommen worden,
sagte der irakische Bildungsminister Siad Abderrassak der kurdischen
Tageszeitung "El Taachi" vom Montag. Ihnen werde die Arbeit am
irakischen Programm für Massenvernichtungswaffen vorgeworfen.
Bei einer der Razzien in der Nacht zum Montag starb ein 70 Jahre alter
Iraker. Die US-Soldaten hatten ihm eine Tüte über den Kopf
gezogen und wollten ihn in Gewahrsam nehmen. Der Mann sei offenbar aus
Angst einem Herzinfarkt erlegen, erklärten Nachbarn. Zuvor waren
bei den seit Freitagabend andauernden Razzien bereits zwei weitere
Iraker getötet worden.
US-Soldaten wollten am Montag an der Universität von Dijala 60
Kilometer nordöstlich von Bagdad an einem Basketspiel gegen
irakische Studenten teilnehmen, doch ihre Anwesenheit sei von etwa 200
wütenden Studierenden mit einem Proteststurm beantwortet worden,
teilte ein Universitätssprecher mit. Die Studenten forderten die
Abreise der US-Soldaten und randalierten in zwei
Universitätsgebäuden. Dabei schlugen sie Fenster ein und
demolierten Türen. Eingeladen worden waren die Soldaten von der
Universitätsleitung.
In der südirakischen Stadt Nadschaf entschärften
Sprengstoffexperten eine Bombe im Haus des Vorsitzenden des irakischen
Regierungsrats, Abdelasis el Hakim. Der Sprengkörper enthielt nach
Angaben des arabischen Fernsehsenders El Dschasira rund 2,5 Kilogramm
TNT. Hakim hielt sich am Montag zu einem Besuch in Moskau auf.
Russland sagte bei dem Besuch als größter Gläubiger dem
Irak einen teilweisen Schuldenerlass zu. Nach einem Treffen mit
Präsident Putin sprach Hakim von "sehr großzügigen
Versprechen" Russlands. Im Gegenzug werde sich der Irak wieder für
russische Firmen öffnen. Putin stellte Bagdad Investitionen
für den Wiederaufbau in Höhe von umgerechnet 3,2 Milliarden
Euro in Aussicht. Von 8 Milliarden US-Dollar Schulden bei Russland
sollten einer Einigung zufolge nur noch 3,5 Milliarden als Restschuld
betrachtet werden, sagte der Chef der irakischen
Übergangsführung. Die übrige Summe solle im Rahmen des
Pariser Clubs der staatlichen Gläubiger umgeschuldet werden.
Der US-Sondergesandte James Baker will sich Ende Dezember auch in
mehreren asiatischen Staaten für einen Schuldenerlass für Irak
einsetzen. Wie das Weiße Haus am Montag mitteilte, reist Baker am
29. und 30. Dezember nach Japan, Südkorea und China. Der
Sondergesandte hatte in der vergangenen Woche bereits in Europa
entsprechende Gespräche geführt. Deutschland, Frankreich,
Italien und Großbritannien hatten Baker zugesichert, in der Frage
mit den USA zusammen zu arbeiten und zum Teil einen "substanziellen
Schuldenerlass" angekündigt. Irak hat bei den Staaten des Pariser
Clubs Schulden von insgesamt 41 Milliarden Dollar. Vor allem die USA
dringen auf einen Schuldenerlass, um den wirtschaftlichen Wiederaufbau
Iraks zu erleichtern.
Die deutsche Industrie rechnet nach dem Mitte 2004 geplanten
Machtwechsel im Irak mit einer Wiederbelebung der guten
Handelsbeziehungen zu dem Land. Voraussetzung sei vor allem die
Verbesserung der Sicherheitslage, sagte der Referent für die Region
Mittelost beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Peter
Kreutzberger, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
Ein australisches Unternehmen erhielt unterdessen einen Auftrag zum Bau
mehrerer Kraftwerke in Irak. Der Konzern Snowy Mountains Engineering sei
damit betraut worden, bei der Sanierung vorhandener und dem Bau neuer
Kraftwerke in drei nordirakischen Regionen mitzuarbeiten, teilte das
US-Handelsministerium am Montag mit. Das Geschäft hat ein Volumen
von vier Millionen australischen Dollar (2,4 Millionen Euro).
In den vergangenen Wochen haben bereits mehrere australische
Unternehmen Aufträge für Wiederaufbauprojekte in Irak
erhalten, darunter die Bank ANZ. Australien hatte den Golfkrieg
militärisch unterstützt. Die US-Regierung hat Kriegsgegner von
Aufträgen für den Wiederaufbau ausgeschlossen. Dies
stieß in den betroffenen Staaten, darunter Deutschland,
Frankreich, Russland und Kanada, auf scharfe Kritik.
Der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski stattete den im
Irak stationierten Soldaten seines Landes einen Überraschungsbesuch
ab. Im polnischen Hauptquartier in der zentralirakischen Provinz
Babylon zeigte sich Kwasniewski nach Angaben des polnischen Senders TVN
24 zuversichtlich, dass der Irak stabilisiert werden kann. Polen
gehört zu den engsten Verbündeten der USA im Irak. Es
kommandiert eine multinationale Truppe aus 21 Staaten, die fünf
irakische Provinzen mit überwiegend schiitischer Bevölkerung
kontrolliert.
Die schiitische Dawa-Partei im Irak bereitet inzwischen eine Klage
gegen Saddam Hussein vor. Wie die Partei mitteilte, wurden die
Parteimitglieder und Unterstützer aufgefordert, alle relevanten
Dokumente zur Vorbereitung eines Prozesses bei den Parteibüros in
Bagdad und anderen größeren Städten des Landes
abzugeben. Saddam hatte die Dawa-Partei 1980 verboten. Bereits die
Mitgliedschaft war mit der Todesstrafe bedroht. Der Schiitenführer
Mohammed Bakr el Sadr und seine Schwester waren vier Tage nach dem
Verbot getötet worden.
In der nordirakischen Stadt Kirkuk gingen am Montag mehrere tausend
Kurden auf die Straße. Die Demonstranten verlangten nach Angaben
von El Dschasira, dass Kirkuk wieder die Hauptstadt einer irakischen
Region Kurdistan werden soll. Unter der Herrschaft von Saddam Hussein
waren in Kirkuk zahlreiche Araber angesiedelt worden.
(Quellen: dpa,
rtr, afp, ap)
Terror-Alarm in den USA
UN
erhöhen nach US-Warnung Alarmstufe für Sicherheitspersonal
Di.23.12.03 - Zu
den Feiertagen hat die US-Regierung für das Land die
zweithöchste Terror-Alarmstufe ausgerufen. Grund dafür ist ein
"erheblicher Anstieg" von "glaubwürdiger Hinweisen" auf
mögliche Anschläge, wie Heimatschutzminister Tom Ridge
mitteilte. Er kündigte zugleich "substanziell verstärkte"
Schutzmaßnahmen an, so im Flugverkehr, auf dem Wasser und an den
Landgrenzen. Ridge sprach von den "möglicherweise stärksten
Hinweisen" auf eine Bedrohung seit den Anschlägen vom 11. September
2001.
Das Sicherheitspersonal der Vereinten Nationen ist nach der
Erhöhung der Terrorwarnstufe in den USA in "hohe Alarmbereitschaft"
versetzt worden. Zugleich wurden die rund 5000 Mitarbeiter im
UN-Hauptquartier in New York am Montag (Ortszeit) zur Wachsamkeit
aufgerufen.
In einem per E-Mail verbreiteten Rundschreiben bat der stellvertretende
UN-Generalsekretär Andrew Toh alle UN-Mitarbeiter sowie die
Abgesandten der 191 Mitgliedstaaten auch darum, mit dem
UN-Sicherheitsdienst zu kooperieren.
Im UN-Hochhaus am East River hatten Handwerker bereits vor Tagen die
Bürofenster mit einer Sicherheitsbeschichtung versehen. Sie soll im
Falle einer Bombenexplosion die Gefahr von Verletzungen durch
umherfliegende Glasscherben verringern. Zwei Monate nach der
Zerstörung des World Trade Centers am 11. September 2001 hatte der
El-Kaida-Anführer Osama bin Laden die UN in einer Videoaufnahme als
Helfer der USA bezeichnet. Am 19. August diesen Jahres wurden bei einem
Bombenanschlag auf das UN-Gebäude in Bagdad 22 Mitarbeiter
getötet.
(Quelle: dpa)
Von mehr Sicherheit keine Spur
Für George W. Bush ist der Kampf gegen den weltweiten Terror ein
zentrales Thema seiner Präsidentschaft. Doch mehr als zwei Jahre
nach den Anschlägen vom 11. September fühlt sich die Mehrheit
der Amerikaner immer noch nicht sicherer und viele beginnen, an der
Politik der Regierung zu zweifeln
Di.23.12.03
- Kritiker werfen der Regierung zunehmend vor, die Suche nach dem
mutmaßlichen Hauptverantwortlichen der Anschläge auf das Wold
Trade Center und das Pentagon, Osama bin Laden, zu vernachlässigen
und dafür alle Energien auf die Stabilisierung des Irak zu
bündeln. Und dort hat die US-Regierung statt einen Unruheherd zu
beseitigen nach Ansicht der Vereinten Nationen inzwischen ein
«Schlachtfeld» geschaffen für Bin Ladens
Terrororganisation El Kaida und Anhänger anderer muslimischer
Kampfgruppen.
Von Osama bin Laden fehlt indessen bis auf seine gelegentlichen Audio-
oder Videobotschaften jede Spur. Wird Bush nach dem
Terroristenführer gefragt, dann wiederholt er stets, Bin Laden sei
auf der Flucht und werde - wie auch Saddam Hussein - früher oder
später «erjagt» werden. Doch trotz der weltweiten
Festnahme hunderter mutmaßlicher Terroristen erklärt Bush,
dass El Kaida weiter eine Bedrohung darstelle und jederzeit überall
auf der Welt zuschlagen könne.
Und auch in den USA warnt das Heimatschutzministerium
regelmäßig vor neuen Bedrohungen. So erklärten
Heimatschutz- und Außenministerium bereits Ende November, die
Geheimdienste hätten zahlreiche Berichte erhalten, die auf
mögliche Anschläge in den USA hindeuteten. Diese könnten
noch «verheerender» ausfallen als die Anschläge vom 11.
September 2001.
Doch obwohl Bush trotz zweier Kriege, die er unter dem Banner des
Kampfes gegen den Terrorismus führte, wenig Erfolge vorweisen kann,
steht die Mehrheit der Amerikaner bisher weiter hinter ihrem
Präsidenten. Und auch seine demokratische Herausforderer haben
erkannt, dass der Krieg gegen den Terrorismus für die Wähler
ein wichtiges Thema bleibt.
General Wesley Clark erklärte, die Demokraten müssten
erkennen, dass die Präsidentschaftswahlen nicht mit reiner
Innenpolitik zu gewinnen seien. Das Rennen um das Weiße Haus werde
von dem Kandidaten gewonnen, den die Wähler am ehesten zutrauen,
den Kampf gegen den Terrorismus zu gewinnen - und das sei er,
fügte der ehemalige NATO-Oberbefehlshaber zuversichtlich hinzu.
Unterdessen wächst in den USA der Widerstand gegen die scharfen
Anti-Terror-Maßnahmen im eigenen Land, die viele als Einschnitte
in ihre Bürgerrechte betrachten. So musste das
Heimatschutzministerium Anfang Dezember sein umstrittenes
Registrierungsprogramm für Ausländer aus vorwiegend
moslemischen Ländern aufgeben. Zehntausende Ausländer mussten
sich unter dem Programm bei den Behörden melden, ihre
Fingerabdrücke abnehmen und sich fotografieren lassen.
Bürgerrechtler protestieren auch zunehmend gegen die als
«Patriot Act» bezeichneten Gesetzesänderungen seit dem
11. September 2001, die den Strafverfolgungsbehörden das Belauschen
von Telefongesprächen und E-Mails leichter machen. Während
bei einer Umfrage im Herbst die Mehrheit der Befragten Bedenken gegen
den «Patriot Act» äußerten, macht sich
Justizminister John Ashcroft nun für einen «Patriot Act
II» mit weiteren Einschränkungen der Bürgerrechte stark.
Der demokratische Präsidentschaftskandidat Dick Gephardt
erklärte, sollte er gewählt werden, dann werde er einen neuen
Justizminister ernennen, der wisse, wie man den Kampf gegen den
Terrorismus führen könne, ohne «Amerikas Freiheit»
anzugreifen. Auch sein innerparteilicher Konkurrent, John Kerry,
versprach, er werde «die Ära von John Ashcroft»
beenden, wenn er gewählt werde. «In meinen ersten 100 Tagen
werde ich unsere Verpflichtung zu Bürgerrechten und dem Recht des
Einzelnen wieder herstellen», versprach der Vietnamkriegsveteran.
(Quelle:
dpa)
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Nahost-Konflikt
Israelische
Panzer rücken in Rafah ein. Zwei Palästinenser bei
israelischem Vorstoß erschossen +++ Bericht: Israel blockiert
medizinische Versorgung der Palästinenser +++ Palästinenser
attackieren ägyptischen Außenminister in Jerusalem
Di.23.12.03 -
Israelische Soldaten haben am (heutigen) Dienstag ein
palästinensisches Flüchtlingslager im südlichen
Gaza-Streifen durchsucht und Ärzten zufolge zwei Palästinenser
bei Feuergefechten getötet.
Die Razzia erfolgte wenige Stunden, nachdem zwei israelische Offiziere
in einem Hinterhalt im Zentrum des Gaza-Streifens getötet worden
waren. Palästinensische Augenzeugen berichteten, mindestens 40
israelische Panzer seien vor Morgengrauen am Eingang des
Flüchtlingslagers in der Region Rafah in Stellung gebracht worden.
Mehrere Panzer seien in das Lager eingedrungen, und Palästinenser
hätten auf sie geschossen.
Während der Feuergefechte sei ein 50-jähriger Mann in dem
Lager getötet worden, berichteten palästinensische Ärzte.
Zwei bewaffnete Palästinenser seien schwer verletzt worden, einer
von ihnen sei später gestorben.
Aus israelischen Militärkreisen verlautete, die Soldaten seien
"als Teil eines andauernden Kampfes" in Rafah eingedrungen, um nach
Tunneln zu suchen, durch die Waffen vom benachbarten Ägypten in den
Gaza-Streifen geschmuggelt würden. Die Soldaten hätten sich
mit bewaffneten Palästinensern Schusswechsel geliefert.
Einzelheiten wurden nicht genannt.
Die israelische Blockadepolitik in den besetzten Gebieten schneidet die
Palästinenser nach Einschätzung von
Menschenrechtsorganisationen auch von der medizinischen Versorgung ab.
Wegen Blockaden und Kontrollen der israelischen Armee hätten die
meisten Palästinenser keinen vernünftigen Zugang zu
Ärzten und Krankenhäusern, heißt es in einem am Montag
veröffentlichten Bericht der israelischen
Nichtregierungsorganisationen "Mediziner für Menschenrechte" und
"B'Tselem". Allein im Jahr 2002 seien 38 Palästinenser gestorben,
weil ihnen an einer israelischen Absperrung das Passieren untersagt
wurde oder die Kontrollen verzögert wurden.
Aus Protest gegen Ägyptens Nahost-Politik haben
palästinensische Gläubige den ägyptischen
Außenminister Ahmed Maher in Ostjerusalem mit Schuhen beworfen.
Nach Angaben von Augenzeugen und Krankenhausmitarbeitern erlitt der
Minister beim Besuch der El-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg daraufhin
einen Schwächeanfall. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert. In
Gesprächen mit Maher hatten sein israelischer Kollege Silvan
Schalom und Ministerpräsident Ariel Scharon zuvor versichert, sich
weiter für die Umsetzung des internationalen Friedensplans
einsetzen zu wollen.
Wie Rettungskräfte mitteilten, wurde Maher von einem Schuh direkt
getroffen. Er sei noch bei Bewusstsein gewesen, als er mit dem
Krankenwagen in die Hadassa-Klinik gebracht wurde. Ein Sprecher des
israelischen Außenministeriums bezeichnete Mahers
Gesundheitszustand als "stabil". Der Angriff, an dem eine große
Menge von Moslems beteiligt gewesen sei, werde untersucht.
Ein Sprecher der Jerusalemer Polizei sagte, die aufgebrachten
Palästinenser hätten Maher als "Verräter" beschimpft und
ihn gefragt, warum er "zum Beten in ein besetztes Land" komme. Der
Minister habe Zuflucht in einem kleinen Raum der Moschee gefunden, bevor
er ins Krankenhaus gebracht worden sei.
Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte
"entschieden" den Angriff auf den Minister. Scharon hatte sich zuvor
nach Mahers Worten zur Zurückhaltung in den
Palästinensergebieten bereit erklärt. Die Voraussetzung
dafür sei allerdings, dass Ägypten erfolgreich eine Waffenruhe
verschiedener Palästinensergruppen aushandele. Scharon
erklärte nach dem Treffen in einem Rundfunkinterview, die
Wiederbelebung der Beziehungen Israels zu Ägypten werde sich auch
positiv auf die Beziehungen zur Palästinensischen
Autonomiebehörde auswirken, was letztlich ein Abkommen mit den
Palästinensern näherbringen könnte.
(Quelle: afp)
Amnesty prangert Verschlechterung der Menschenrechtslage in
Birma an
Di.23.12.03 - Die
Lage der Menschenrechte in Birma hat sich nach Angaben der
Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International (ai) weiter
verschlechtert. Das ablaufende Jahr sei in dem südostasiatischen
Staat von einem "sehr problematischen Rückschlag" für die
Menschenrechte gekennzeichnet, teilte die Vize-Vorsitzende von Amnesty
für den asiatisch-pazifischen Raum, Catherine Baber, am Montag in
Bangkok mit. Bei einem Besuch vom 2. bis 19. Dezember habe die
Militärjunta einer ai-Delegation auch ein Treffen mit der unter
Hausarrest stehenden Oppositionschefin Aung San Suu Kyi verwehrt.
(Quelle: afp)
Rebellen in der Elfenbeinküste wollen in Regierung
zurückkehren
Di.23.12.03 -
Drei Monate nach ihrem Rückzug aus der Regierung der Nationalen
Einheit wollen die Rebellen in der Elfenbeinküste die
Zusammenarbeit mit Präsident Laurent Gbagbo wieder aufnehmen. Die
Minister würden am Freitag an den Kabinettstisch zurückkehren,
erklärte Rebellensprecher Sidiki Konate am Montag in Bouake. Eine
Begründung für die Entscheidung nannte er nicht,
kündigte aber eine spätere Erklärung an.
Die Regierung der Nationalen Einheit war Anfang des Jahres unter
französischer Vermittlung vereinbart worden. Die Rebellen zogen
sich im September unter Protest zurück und warfen Gbagbo vor, gegen
das Friedensabkommen vom Januar verstoßen zu haben.
Der Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste begann Mitte September
2002, nachdem Aufständische vergeblich versucht hatten,
Präsident Gbagbo zu stürzen. Der Krieg wurde im Juli offiziell
für beendet erklärt. Die Elfenbeinküste ist aber
weiterhin zwischen dem von Rebellen dominierten Norden und dem von der
Regierung kontrollierten Süden geteilt.
(Quelle: ap)
Sicherheitsrat hält Sanktionen gegen Liberia aufrecht
Di.23.12.03 - Der
UN-Sicherheitsrat behält die Sanktionen gegen Liberia vorerst bei.
Eine entsprechende Resolution verabschiedete das Gremium am Montag in
New York einstimmig. Zu den Sanktionen zählen ein Waffenembargo
und ein Importverbot für Diamanten aus dem westafrikanischen Land.
Die Übergangsregierung unter Führung von Gyude Bryant wurde
aufgefordert, spezifische Schritte einzuleiten, die zur Aufhebung der
Sanktionen führen könnten.
In der Resolution vom Montag äußerte der Sicherheitsrat die
Bereitschaft, das Waffenembargo aufzuheben, wenn der Waffenstillstand
vollständig respektiert werde. Der Verbot des Diamantenhandels
werde aufgehoben, wenn das Land transparente, effektive und
international überprüfbare Herkunftsnachweise für die
Edelsteine einführe. Das Verbot des Holzhandels könne
aufgehoben werden, wenn die Übergangsregierung die
vollständige Kontrolle über die holzproduzierenden Gebiete
habe. Holzausfuhren gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen
Liberias.
Der Sicherheitsrat hatte am 5. Mai ein 2001 verhängtes Waffen- und
Diamantenembargo gegen Liberia verlängert und vom 5. Juli an ein
Verbot des Holzhandels verfügt. Im August erklärte der Rat, es
bestehe auch nach dem Rücktritt von Präsident Charles Taylor
die Gefahr, dass Einnahmen aus dem Holzhandel zur Finanzierung des
Bürgerkriegs missbraucht würden.
Kurz vor der Abstimmung hatte der UN-Gesandte Jacques Klein den
Sicherheitsrat über die politische und wirtschaftliche Lage sowie
über den Verlauf der Entwaffnungsaktion in Liberia informiert.
Klein sagte anschließend zu Journalisten, der Rat habe keine
andere Wahl als die Aufrechterhaltung der Sanktionen gehabt, da Taylor
den Holz- und Diamantenhandel für zahlreiche illegale
Aktivitäten genutzt habe.
Taylor ging am 11. August nach einem eineinhalb Jahre währenden
Aufstand ins nigerianische Exil. Regierung und Rebellen unterzeichneten
am 18. August ein Friedensabkommen. Der Expräsident war selbst
durch einen langjährigen Bürgerkrieg an die Macht gekommen. 14
Jahre nahezu ununterbrochener Kämpfe von 1989 bis 2003 kosteten
rund 250.000 Liberianer das Leben.
(Quelle: ap)
Schutz von Privateigentum soll erstmals in die chinesische
Verfassung
Di.23.12.03 -
Chinesische Abgeordnete haben am Montag einen Vorschlag für eine
Verfassungsänderung eingereicht, die erstmals den Schutz des
Privateigentums vorsieht. Die Ergänzung solle lauten:
«Rechtmäßig erworbenes Privateigentum darf nicht
verletzt werden», meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.
Damit würde erstmals seit der kommunistischen Revolution 1949
privates mit öffentlichem Eigentum gleichgesetzt.
In einer weiteren Novelle schlugen die Abgeordneten vor, die Theorien
des früheren Staatschefs Jiang Zemin in die Verfassung aufzunehmen.
Diese sollten zusammen mit der Ideologie von Mao Tse Tung und Deng
Xiaoping zum nationalen Leitbild werden, wie Xinhua meldete. Ob Jiang
dabei namentlich erwähnt werden sollte, wurde nicht mitgeteilt.
Dies war auf dem Parteitag der Kommunisten im Oktober unter den
Delegierten noch umstritten gewesen.
Die Zustimmung des Parlaments zu den beiden
Änderungsvorschlägen galt auf Grund der absoluten Macht der KP
als nahezu sicher. Jiangs Theorie gilt bereits als offizielle Linie der
Partei. Der Vorgänger des derzeitigen Staatspräsidenten Hu
Jintao hatte erstmals freie Unternehmer aufgefordert, in die KP
einzutreten. Er trat im vergangenen Jahr als Generalsekretär der
Partei zurück und übergab im März das Präsidentenamt
an Hu.
Die geplanten Änderungen stellten «einen weiteren Wendepunkt
und einen neuen Ausgangspunkt im chinesischen Reformprozess dar»,
meldete Xinhua weiter. Erst 1999 waren in einer Verfassungsänderung
private Unternehmen als wichtiger Bestandteil der chinesischen
Wirtschaft bezeichnet worden. Der juristische Status von Unternehmern
und ihren Firmen ist bislang aber noch ungeklärt. Viele
chinesische Unternehmer fordern eine rechtliche Absicherung.
(Quelle: ap)
Prozess um Ermordung von Serbiens Regierungschef
Di.23.12.03 - Gut
neun Monate nach der Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten
Zoran Djindjic hat in Belgrad der umstrittene Prozess gegen den
mutmaßlichen Todesschützen und zwölf weitere
Verdächtige begonnen. Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen
sollte die 40 Seiten lange Anklageschrift verlesen werden. Die
Staatsanwaltschaft hält den Ex-Elitepolizisten Zvezdan Jovanovic
für den einzigen Schützen; diese Darstellung wird von
mehreren Seiten jedoch angezweifelt. Der mutmaßliche Drahtzieher
des Anschlags ist weiter auf der Flucht.
Zum Auftakt des Verfahrens vor dem neu eingesetzen Gericht zur
Bekämpfung von Mafiastrukturen forderte Jovanovics Verteidiger,
Nenad Vukasovic, den Mord an Djindjic von den Vorwürfen des
organisierten Verbrechens getrennt zu behandeln. Jovanovic werden
Kontakte zur Mafia nachgesagt.
Insgesamt stehen mehr als 30 Menschen wegen des Verdachts auf mehrere
Morde, Terrorismus und organisiertes Verbrechen unter Anklage. Von ihnen
sollen 15 in Abwesenheit verurteilt werden. Von den ursprünglich
14 mutmaßlichen Komplizen des Todesschützen wurden am Montag
nur noch zwölf unter Anklage gestellt; gegen zwei der
Verdächtigen waren die Vorwürfe zuvor fallen gelassen worden,
weil sie sich als Zeugen bereit gestellt hatten.
Der Staatsanwaltschaft gilt Jovanovic als einziger Schütze, der
zwei Kugeln von einem Nachbargebäude des Regierungssitzes aus auf
Djindjic abgefeuert haben soll. Der Ex-Polizist hat während der
Vernehmungen bereits ein Geständnis abgelegt. Nach Angaben von
Djindjics Leibwächter, der bei dem Attentat selbst schwer verletzt
wurde und voraussichtlich als Zeuge aussagen wird, war dagegen ein
zweiter Schütze an der Tat beteiligt.
Waffenexperten halten diese Version für plausibel. Auch die
Wochenzeitung "Nin" berichtete unter Berufung auf die Ergebnisse der
Gerichtsmedizin, dass "mindestens ein weiterer Schütze" auf den
Regierungschef geschossen habe.
Als Hauptdrahtzieher gilt der frühere Kommandeur der
Polizei-Elitetruppe "Rote Barette", Milorad Lukovic, der sich auf der
Flucht befindet. Nach Regierungsangaben soll er sich im Ausland befinden.
Djindjic war einer der maßgeblichen Politiker beim Sturz des
Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic, den er im Jahr 2001 auch an das
UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausliefern ließ. Als
Regierungschef ging Djindjic zudem massiv gegen das organisierte
Verbrechen vor. Seine Ermordung destabilisierte Serbien nachhaltig.
(Quelle: afp)
Deutschland
Rot-Grün sieht kaum Spielraum für neue
Steuersenkungen
Di.23.12.03 - Die
rot-grüne Koalition sieht kaum eine Chance auf weitere
Steuerentlastungen nach 2005. Bei der geplanten radikalen Steuerreform
gehe es zunächst um eine Vereinfachung des Systems, sagte ein
Regierungssprecher am Montag in Berlin. Die Finanzexperten von SPD und
Grünen, Joachim Poß und Christine Scheel, erklärten
weitere Steuerentlastungen für nicht finanzierbar.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte bereits am Sonntagabend
erklärt, angesichts der schlechten Finanzlage der öffentlichen
Hände halte er weitere Steuerentlastungen für «schwer
realisierbar, es sei denn man geht mit aller Konsequenz an die
Subventionen».
Dazu sagte der Regierungssprecher, Bundeskanzler Gerhard Schröder
und Finanzminister Hans Eichel teilten diese Meinung. Eine weitere
Entlastung der Bürger hänge davon ab, wie sich die Union zum
Subventionsabbau positioniere. Zunächst müsse die Union zu
einem «geschlossenen Konzept» finden. Wenn das Konzept des
CDU-Finanzexperten Friedrich Merz endgültig wäre,
«könnten wir rasch in Gespräche einsteigen»,
erklärte der Sprecher des Finanzministeriums, Jörg
Müller. Allerdings fehlten bei diesem Vorschlag mindestens 25
Milliarden Euro zur Gegenfinanzierung.
Bundeskanzler Schröder hatte am Wochenende der Union
Gespräche über eine Reform zur Vereinfachung des Steuersystems
angeboten. Dies begrüßten in der «Welt» sowohl
CSU-Generalsekretär Markus Söder als auch sein CDU-Kollege
Laurenz Meyer. «Die Union wird ihr Steuerkonzept bald im
nächsten Jahr im Bundestag als Gesetz einbringen. Jetzt muss der
Kanzler Farbe bekennen», meinte Meyer.
FDP-Chef Guido Westerwelle kündigte für Januar ebenfalls
einen eigenen Reformentwurf im Bundestag an. Nötig seien dabei
echte Nettoentlastungen. Die jetzt beschlossenen Steuerentlastungen
könnten nur die Ouvertüre sein.
SPD-Finanzexperte Poß betonte hingegen, es seien ja bereits
weitere 6,5 Milliarden Euro Steuerentlastung beschlossen, die 2005 in
Kraft träten. Nun sei es die dringendste Aufgabe, die Steuerbasis
für Bund, Länder und Gemeinden zu sichern. Bei der
Steuerstrukturreform müsse zuerst geklärt werden, wie viel
Subventionen gestrichen würden. Erst dann sei klar, wie viel Geld
zur Senkung der Tarife zur Verfügung stehe.
Seine Kollegin Scheel von den Grünen sagte der «Welt»,
mehr Transparenz im System sei überfällig. Zur Wahrheit
gehöre aber auch, dass wir «uns im Hinblick auf die
Verschuldung in Deutschland keine weitere Steuersenkung leisten
können». Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer
betonte, eine Reform müsse fair und finanzierbar sein. Es gehe
nicht um «einen Wettlauf um das theoretisch radikalste
Prinzip».
Bütikofer begrüßte die Schelte von Schröder
für Steuerflüchtlinge. Nun müssten aber auch
Maßnahmen ergriffen werden. So sollten Deutsche nach
amerikanischem Muster auch im Ausland nach deutschem Recht besteuert
werden. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Krista Sager regte zudem in
der «Berliner Zeitung» an, dass solchen Unternehmen, die
sich der Steuerpflicht entzögen, staatliche Subventionen gestrichen
werden.
Der Präsident des Bundesverbandes Mittelständische
Wirtschaft, Mario Ohoven, sprach sich im Deutschlandradio ebenfalls
dafür aus, Firmen, die zur Steuerersparnis ins Ausland abwandern,
staatliche Hilfen zu streichen.
(Quelle: ap)
Lebenshaltung in Deutschland vor Weihnachten teurer
Di.23.12.03 - Die
Menschen in Deutschland mussten im Dezember wie vor Weihnachten
üblich für ihre Lebenshaltung deutlich mehr bezahlen. Vor
allem Urlaubsreisen verteuerten sich dabei im Vergleich zum Vormonat
kräftig.
Die Verbraucherpreise seien von November auf Dezember um 0,8 Prozent
gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag nach
vorläufigen Berechnungen auf Basis von Daten aus sechs
Bundesländern mit. Die Jahresteuerung habe sich auf 1,1 Prozent
nach 1,3 Prozent im November abgeschwächt. Damit betrug die
Inflationsrate im Jahresschnitt 2003 den Statistikern zufolge 1,1
Prozent. Dies war die niedrigste Jahresrate seit 1999, als die Teuerung
bei 0,6 Prozent gelegen hatte. Im vergangenen Jahr hatte die Rate 1,4
Prozent betragen. Experten gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise
in Deutschland auch 2004 nur moderat steigen werden.
Grund für den Preissprung im Dezember waren vor allem die wegen
der bevorstehenden Weihnachtsferien höheren Kosten für den
Urlaub. "Die Preise für Pauschalreisen waren im Dezember um 33,1
Prozent und die Mieten für Ferienwohnungen und -häuser um 69,5
Prozent höher als im November", erklärten beispielsweise die
Statistiker aus Hessen.
Im Jahresvergleich sorgten bei Nahrungsmittel weiter die Folgen von
Hitze und Dürre dieses Sommers für höhere Preise: In
Hessen kosteten Lebensmittel 1,6 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 1,3
Prozent mehr, saisonabhängige Nahrungsmittel waren hier 5,2 Prozent
teurer, wobei allein Speisekartoffeln über 22 Prozent mehr
kosteten.
Dagegen machten sich die Rabattaktionen des Einzelhandels besonders bei
Bekleidung und Schuhen bemerkbar: In Hessen kosteten diese Waren im
Schnitt fast drei Prozent weniger als vor einem Jahr, in
Nordrhein-Westfalen 0,2 Prozent weniger. Zum Vormonat sanken die Preise
jeweils um 0,8 Prozent.
Bei den Kosten für Energie und Mineralölprodukte wirkte der
starke Euro dem Preisanstieg bei Rohöl entgegen. So war Heizöl
in Hessen im Dezember fast drei Prozent billiger als im November und
auch als im Vorjahr. Die Gemeinschaftswährung markierte auch am
Montag ein Rekordhoch zum Dollar und stieg zeitweise auf 1,2447 Dollar.
Die Euro-Stärke spiegelte sich auch in den Preisen für
deutsche Importe wieder, für die im November 1,1 Prozent weniger
als vor einem Jahr bezahlt werden musste. Ohne
Mineralölerzeugnisse und Rohöl hätte der
Preisrückgang allerdings sogar 1,6 Prozent betragen.
Der für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)
maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) stieg den
Angaben des Statistikamts zufolge im Dezember ebenfalls um 0,8 Prozent
und lag damit um 1,0 Prozent über dem Niveau vom Dezember 2002. Mit
dieser Inflationsrate liegt Deutschland weiter deutlich unter dem
Durchschnitt in der Euro-Zone, wo die Jahresteuerung im November bei 2,2
Prozent lag.
(Quelle: rtr)
Als Folge der jüngsten Reformgesetze treten ab 1.
Januar 2004 so viele Neuregelungen in Kraft wie selten
Unter
anderem zahlen die Bürger weniger Steuern, müssen aber
für die Gesundheit tiefer in die Tasche greifen. Die wichtigsten
Änderungen im Überblick:
STEUER
- Der Eingangssteuersatz sinkt von 19,9 auf 16 Prozent, der
Spitzensteuersatz von 48,5 auf 45 Prozent. Der Spitzensatz greift
bereits ab 52.151 Euro (bisher 55.007).
- Der Grundfreibetrag erhöht sich von 7.235 auf 7.664 Euro.
- Der Werbungskosten-Pauschbetrag sinkt von 1.044 auf 920 Euro.
- Als Entfernungspauschale gibt es nur noch einheitlich 30 Cent je
Kilometer statt bisher 36 bzw. 40 Cent. Mehr als 4.500 Kilometer pro
Jahr dürfen nur noch bei der Nutzung eines Kraftwagens abgesetzt
werden.
- Der Sparerfreibetrag reduziert sich auf 1.370 Euro für Ledige
bzw. 2.740 Euro für Ehepaare (bisher 1.550/3.100 Euro).
- Alleinerziehende ohne Partner erhalten einen Freibetrag von 1.308
Euro, der bisherige Haushaltsfreibetrag entfällt.
- Die Arbeitnehmersparzulage wird von 20 auf 18 Prozent der angelegten
vermögenswirksamen Leistung reduziert, maximal 400 statt 408 Euro.
- Reuige Steuersünder gehen straffrei aus, müssen ihr
Schwarzgeld aber nachversteuern.
- Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge sind für
Besserverdiener mit einem Stundenlohn über 50 Euro nicht mehr
steuerfrei.
- Weniger für Häuslebauer:
. Die Eigenheimzulage wird um insgesamt 30 Prozent zurückgefahren;
das bedeutet höchstens 1.250 Euro jährlich für Alt- wie
Neubauten (bisher 1.278/2.556). Die Kinderzulage steigt von 767 auf 800
Euro. Die Einkommensgrenzen werden von 82.000/164.000 (Ledige/Ehepaar)
auf 70.000/140.000 Euro herabgesetzt, pro Kind 30.000 Euro mehr.
. Die Wohnungsbauprämie schrumpft von 10 auf 8,8 Prozent.
ARBEIT
- Arbeitslosengeld gibt es höchstens noch zwölf Monate lang,
für über 55-Jährige noch 18 Monate mit einer
Übergangsfrist bis 2006.
- Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe mit Einschnitten
für Langzeitarbeitslose ist beschlossene Sache, tritt wegen des
Organisationsaufwands aber erst 2005 in Kraft.
- Für Langzeitarbeitslose ist jede legale Arbeit zumutbar, auch
unter Tarif.
- Kündigungsschutz genießen neu eingestellte Mitarbeiter
erst in Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten.
- Bei Kündigungen wird die Sozialauswahl auf
Betriebszugehörigkeit, Alter, Unterhaltspflichten und
Schwerbehinderung beschränkt, ohne Leistungsträger mit
einbeziehen zu müssen.
- Existenzgründern werden befristete Einstellungen erleichtert.
- Der Meisterzwang gilt statt bisher in 94 nur noch in 41
Handwerksberufen. Auch in diesen Branchen können sich Gesellen mit
mindestens sechs Jahren Berufserfahrung, davon vier in leitender
Stellung, selbstständig machen. Einfache Tätigkeiten
können auch ohne Ausbildungsbeleg ausgeübt werden.
GESUNDHEIT
- Verschiedene Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind
gestrichen:
. Sterbegeld und Entbindungsgeld fallen weg.
. Rezeptfreie Medikamente und so genannte Lifestyle-Arzneien wie
Potenzmittel werden in der Regel nicht mehr erstattet.
. Für Brillen gibt es keinen Zuschuss mehr, außer bei schwer
Sehbehinderten sowie Kindern und Jugendlichen.
. Für künstliche Befruchtung und Sterilisation wird die
Erstattung eingeschränkt.
. Fahrtkosten zum Arzt werden bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr
bezahlt.
. Erst 2005 fällt der Zahnersatz als Kassenleistung weg und muss
gesondert versichert werden; 2006 muss der Arbeitnehmer das Krankengeld
allein absichern.
- Die Selbstbeteiligung steigt:
. Bei ärztlicher Behandlung wird eine Praxisgebühr von zehn
Euro pro Arzt und Quartal fällig. Ausgenommen sind Facharztbesuche
auf Überweisung, Kontrollbesuche beim Zahnarzt, Vorsorge- und
Früherkennungstermine sowie Schutzimpfungen.
. Grundsätzlich zahlen Patienten bei allen Leistungen zehn Prozent
dazu, mindestens aber fünf und höchstens zehn Euro.
. Krankenhausaufenthalte kosten zehn Euro täglich extra, maximal
28 Tage im Jahr.
. Kinder und Jugendliche sind von allen Zuzahlungen befreit. Ansonsten
gilt eine Belastungsgrenze von zwei Prozent des Bruttoeinkommens, bei
chronisch Kranken von einem Prozent.
- Versicherte können beim Arzt eine Patientenquittung verlangen.
- Versicherte können ohne vorherige Genehmigung der Kasse im
EU-Ausland den Arzt aufsuchen.
- Der Versandhandel für Medikamente wird erlaubt.
- Krankenkassen können Bonusmodelle und Zusatzversicherungen
anbieten.
- Ärzte und andere Beschäftigte im Gesundheitswesen
müssen sich kontinuierlich fortbilden.
- Krankenhäuser werden bei hochspezialisierten Leistungen für
die ambulante Versorgung geöffnet. Sie rechnen mit den Kassen nach
Fallpauschalen ab.
- Der durchschnittliche Beitragssatz der Krankenkassen soll von 14,3
Prozent auf 13,6 Prozent sinken. Die bisher angekündigten Senkungen
bleiben jedoch hinter den Erwartungen zurück.
- Für Beamte gelten entsprechende Änderungen bei den
Beihilfen.
RENTE
- Eine Rentenerhöhung gibt es 2004 nicht.
- Der Rentenbeitrag bleibt bei 19,5 Prozent.
- Wer ab 1. April in Rente geht, bekommt sein Geld erst am Ende statt
am Anfang jeden Monats.
- Ab April zehlen Rentner den vollen Pflegebeitrag von 1,7 Prozent
selbst (bisher die Hälfte).
- Bei der Riester-Rente tritt die zweite Stufe in Kraft: Um die
höchstmögliche staatliche Förderung zu bekommen,
müssen mindestens zwei statt bisher ein Prozent des
Vorjahresbruttoeinkommens als Beitrag gezahlt werden. Die
Zulassungskriterien werden vereinfacht.
BEITRAGSBEMESSUNGSGRENZEN
- Für die Rentenversicherung wird die Beitragsbemessunggrenze im
Westen von 5.100 auf 5.150 Euro/Monat bzw. von 61.200 auf 61.800
Euro/Jahr angehoben, im Osten von 4.250 auf 4.350 Euro/Monat bzw. von
51.000 auf 52.200 Euro/Jahr. Zur Kranken- und Pflegeversicherung sind
Beiträge auf Einkommen bis zu 3.487,50 Euro/Monat bzw. 41.850
Euro/Jahr zu entrichten.
- Die Versicherungspflichtgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung
steigt auf 3.862,50 Euro/ Monat bzw. 46.350 Euro/Jahr.
ERZIEHUNGSGELD
- Erziehungsgeld bekommen Eltern künftig nur, wenn sie gemeinsam
nicht mehr als 30.000 Euro netto im Jahr (bislang 51.000 Euro)
verdienen. Alleinerziehende dürfen höchstens 23.000 Euro netto
(bislang 38.000 Euro) verdienen. Dabei werden auch Lohnersatzleistungen
wie Arbeitslosen- oder Krankengeld angerechnet.
SOZIALHILFE
- Die Sozialhilfe wird grundsätzlich nur noch in Deutschland
gezahlt. Im Ausland lebende Deutsche erhalten sie nur noch in strenger
definierten Ausnahmefällen.
- Die große Sozialhilfereform tritt erst 2005 in Kraft.
VERBRAUCHER
- Der Ende Januar bevorstehende Winterschlussverkauf ist der letzte
seiner Art. Voraussichtlich im Frühjahr tritt eine Gesetzesnovelle
in Kraft, die dem Handel solche Ausverkaufsaktionen das ganze Jahr
über erlaubt.
- Ab März wird das Rauchen teurer: Die Tabaksteuer steigt am 1.
März und 1. Dezember 2004 sowie am 1. September 2005 jeweils um 1,2
Cent pro Zigarette.
- Bei Eiern wird deutlichere Kennzeichnung Pflicht. Auf der Verpackung
muss die Haltungsform angegeben und jedes Ei mit einem Erzeugercode
gestempelt sein.
- Die Förderung von Solarwärmeanlagen für Heizung und
Warmwasser ändert sich auf 110 Euro pro Quadratmeter, bei
unbegrenzter Kollektorfläche und einer Mindestleistung der Anlage
von 525 Kilowattstunden.
(Quelle:
ap)
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Einigung auf 38-Stunden-Woche für ostdeutsche Metaller
Di.23.12.03 - Ein
halbes Jahr nach dem Abbruch des Streiks in Ostdeutschland haben sich
IG Metall und Arbeitgeber auf die Wiederinkraftsetzung der
38-Stunden-Woche verständigt. Der Tarifvertrag sei bis zum 31.
Januar 2008 wieder eingesetzt worden, teilte die IG Metall am Montag in
Magdeburg mit. Damit finde die Auseinandersetzung um die
Wochenarbeitszeit vom Sommer dieses Jahres ein Ende, teilte Hartmut
Meine, Bezirksleiter der Gewerkschaft für Sachsen-Anhalt, über
die bereits in der vergangenen Woche getroffene Einigung mit.
Die Gewerkschaft hatte im Juni vergeblich für eine Absenkung der
Arbeitszeit im Osten auf das West-Niveau von 35 Wochenstunden streiken
lassen und dazu die Tarifverträge über Arbeitszeit,
Altersteilzeit und Übernahme von Lehrlingen gekündigt.
Während für die Stahlindustrie der neuen Länder ein
Stufenplan zur Einführung der 35-Stunden-Woche bis April 2009
durchgesetzt werden konnte, gab es für die Metallindustrie keine
Einigung.
«Jetzt haben wir klare Verhältnisse zu Beginn der neuen
Tarifrunde», in der die Arbeitszeitdauer keine Rolle spiele,
erklärte Meine. Die Metall-Arbeitgeber verlangen in der bundesweit
bereits angelaufenen Entgelt-Tarifrunde indes betriebliche
Öffnungsklauseln mit der Möglichkeit zu unbezahlter
Mehrarbeit. Die IG Metall lehnt dies ab und fordert für die
insgesamt rund 3,5 Millionen Beschäftigten der Metall- und
Elektroindustrie vier Prozent mehr Geld.
(Quelle: ap)
Telekom-Manager angeblich zu Gehaltsverzicht bereit
Di.23.12.03 - Der
Vorstand der Deutschen Telekom hat sich nach einem Bericht des
"Handelsblatt" zu einem Verzicht auf einen Teil der eigenen
Gehälter bereit erklärt. Damit wollten die Telekom-Manager der
Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di bei den Verhandlungen über
reduzierte Gehälter für alle Beschäftigten des Konzerns
entgegen kommen, berichtete das "Handelsblatt".
Die Höhe des Gehaltsverzicht sei vom Ausgang der Verhandlungen mit
der Gewerkschaft abhängig. Falls diese sich auf den Vorschlag des
Personalvorstands einlasse, die Arbeitszeit und Kosten für die rund
100.000 Telekom-Beschäftigten um zehn Prozent zu reduzieren,
würden auch die Vorstandsgehälter im gleichen Maße
gekürzt. Dies sei vor zwei Wochen beschlossen worden.
(Quelle: afp)
Clement will Klagen gegen genehmigte Fusionen erschweren
Di.23.12.03 -
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) will Klagen gegen
genehmigte Fusionen einem Zeitungsbericht zufolge erschweren.
Künftig sollten nur noch diejenigen Unternehmen gerichtlich gegen
eine Ministererlaubnis für eine bereits genehmigte Fusion vorgehen
können, die direkt von dem Zusammenschluss betroffen seien,
berichtete das "Handelsblatt" am Montag unter Berufung auf den
Referentenentwurf des Wirtschaftsministeriums für das neue Gesetz
gegen Wettbewerbsbeschränkungen. So solle verhindert werden, dass
Fusionen, die durch das Kartellamt oder durch eine Ministererlaubnis
gebilligt wurden, wegen eines gerichtlichen Verfahrens auf Eis gelegt
würden. Nach dem Entwurf sei zudem geplant, im Verfahren für
eine Ministererlaubnis die Stärkung eines deutschen Unternehmens
auf dem Weltmarkt als Kriterium einzuführen. Eine
Ministeriumssprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren.
Das neue Gesetz soll parallel mit dem neuen EU-Kartellverfahrensrecht
zum Mai 2004 in Kraft treten. Kernpunkt des EU-Rechts ist die
Abschaffung der Anmelde- und Genehmigungspflicht für Kartelle.
Künftig soll es den Unternehmen selbst überlassen sein zu
entscheiden, ob eine Kooperation im Sinne eines Kartells einen
Verstoß gegen das Kartellrecht bedeuten könnte und etwa eine
Freistellung von dem Kartellverbot beantragt wird.
Wirtschaftsminister Clement hatte zuletzt unter anderem eine
Sondererlaubnis für den Zusammenschluss von E.ON und Ruhrgas unter
Auflagen erteilt.
(Quelle: rtr)
Zypries befürwortet Gebühren bei Klagen vor
Sozialgerichten
Di.23.12.03 -
Justizministerin Brigitte Zypries befürwortet Pläne der
Länder, für Klagen vor den Sozialgerichten künftig
Gebühren zu erheben. Sie habe Verständnis für diesen
Vorschlag, sagte die Ministerin der «Berliner Zeitung». Wer
bedürftig sei, könne Prozesskostenhilfe bekommen. Vor
Sozialgerichten werden unter anderem Prozesse mit Arbeitsämtern,
Krankenkassen und Rentenversicherern geführt.
Baden-Württemberg hatte in den Bundesrat einen Antrag eingebracht,
der Gebühren zwischen 150 und 300 Euro vorsieht.
(Quelle: dpa)
Bundesgesundheitsministerin Schmidt pocht auf niedrigere
Kassenbeiträge
Schulden der
Gesetzlichen Krankenkassen klettern voraussichtlich auf fünf bis
sechs Milliarden Euro im laufenden Jahr
Di.23.12.03 -
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) pocht auf
Beitragssenkungen der gesetzlichen Krankenkassen spätestens bis zur
Jahresmitte 2004. Die Kassen seien verpflichtet, die Kostenentlastungen
aus der Gesundheitsreform zur Senkung der Beiträge und - falls
erforderlich - hälftig zum Schuldenabbau zu nutzen.
«Den unmittelbarsten Druck übt das Gesetz selber aus»,
sagte Schmidts Sprecher Klaus Vater am Montag in Berlin. Die Ministerin
gehe davon aus, dass Einsparungen «dann auch von den Kassen in
dieser Weise verwendet werden. Anderes Handeln wäre contra legem
(gegen das Gesetz).»
In der «Bild»-Zeitung (Montag) kündigte Schmidt an,
Ministerium und Aufsichtsbehörden bei Bund und Länder wollten
entsprechenden Druck ausüben. «Die ersten Kassen senken ihre
Beiträge schon zum 1. Januar. Bei allen anderen werden wir zusammen
mit den Aufsichtsbehörden ständig darauf dringen, dass die
Beiträge spätestens im April oder Juli gesenkt werden»,
sagte Schmidt. Ursprünglich hatte sie eine Ermäßigung
um 0,7 Punkte auf einen durchschnittlichen Beitragssatz von 13,6
Prozent angepeilt.
Die Schulden der Gesetzlichen Krankenkassen klettern nach Angaben
Vaters im Rahmen der bisherigen Prognosen auf fünf bis sechs
Milliarden Euro im laufenden Jahr. Das Defizit dürfte
voraussichtlich bei drei Milliarden Euro liegen.
Zur umstrittenen Praxisgebühr sagte Schmidt, «Folgerezepte
für die Antibaby-Pille sollen gesetzlich von der Praxisgebühr
befreit werden». Darüber sei sie sich mit CDU und CSU bereits
einig. Anders verhalte es sich bei Patienten, die nur ein neues Rezept
für ein zuvor verschriebenes Medikament abholen wollten.
«Hier sind Kassen und Ärzte in der Pflicht, eine Lösung
zu suchen.»
Die Ministerin verteidigte die volle Belastung von Betriebs- und
Zusatzrenten mit Krankenkassenbeiträgen. «Ich verstehe, dass
viele Rentner sich ärgern. Wir können es uns aber nicht mehr
erlauben, auf die Hälfte der Beiträge zu verzichten»,
sagte sie. Die Neuregelung bringt den Kassen rund 1,6 Milliarden Euro an
zusätzlichen Einnahmen. Erfasst werden sollen auch Zahlungen
berufsständischer Versorgungswerke.
(Quelle: dpa)
Ulla Schmidt bereitet Ende des Zivildienstes vor
Di.23.12.03 -
Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) setzt sich für ein
Ende der Wehrpflicht ein und bereitet sich bereits auf das dann
fällige Ende des Zivildienstes vor. "Ich persönlich halte es
für richtig, die Wehrpflicht abzuschaffen", sagte die für den
zivilen Ersatzdienst zuständige Ministerin der "Financial Times
Deutschland". Sie begründete ihre Haltung damit, dass die
Wehrgerechtigkeit heute nur noch unzureichend erfüllt werden
könne. Wegen der Verkleinerung der Bundeswehr werde nur noch ein
Teil der jungen Männer einberufen.
Da das Abschaffen der Wehrpflicht auch das Ende des Zivildienstes
bedeute, werde demnächst die Kommission "Zukunft des Zivildienstes"
Vorschläge für ein eventuelles Aussetzen des Zivildienstes
präsentieren, kündigte Schmidt an.
In diesem Gremium sind unter anderem die Zivildienstträger, die
Länder, das Finanz- und das Verteidigungsministerium vertreten. Ein
soziales Pflichtjahr für alle werde es aus verfassungsrechtlichen
Gründen nicht geben können, sagte die Ministerin. Es werde
aber notwendig sein, die freiwilligen Dienste für jüngere und
ältere Menschen "deutlich auszubauen".
(Quelle: )
Neonazi-Band 'Landser' als kriminelle Vereinigung verurteilt
Di.23.12.03 -
Erstmals hat ein deutsches Gericht Mitglieder einer Neonazi-Band als
kriminelle Vereinigung verurteilt. In dem Musterprozess verurteilte das
Kammergericht Berlin am Montag die drei Musiker der Gruppe
«Landser» deswegen zu mehrjährigen Haftstrafen. Das
Gericht legte ihnen auch Volksverhetzung, Anstiftung zum Hass auf
Minderheiten und Billigung von Gewaltverbrechen zur Last.
Der Bandleader Michael R. muss laut Urteil als Rädelsführer
für drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Die beiden
Mitangeklagten - der Bassist und der Schlagzeuger - erhielten je ein
Jahr und neun Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.
Bundesanwalt Joachim Lampe nannte das Urteil richtungweisend. Das gebe
der Kriminalpolizei in Zukunft bessere Möglichkeiten des Zugriffs
und der Aufklärung rechtsextremistischer Straftaten. Auch Richter
Wolfgang Weißbrodt bezeichnete den Prozess als Novum.
In seiner Urteilsbegründung sagte Weißbrodt, die Mitglieder
der in der einschlägigen Szene als Kultband geltende Gruppe
hätten sich als Kämpfer und ihre Musik als Waffe begriffen.
Der 38jährige Sänger Michael R. sei die treibende Kraft und
der kreative Kopf von «Landser», ohne dessen Texte die
Wirkung der Gruppe nicht denkbar gewesen sei. Für den 25 Jahre
alten Bassisten und den 27 Jahre alten Schlagzeuger habe sich
strafmildernd ausgewirkt, dass sie zur Aufklärung beigetragen, sich
von ihrem kriminellen Tun gelöst und ihre Tat bereut hätten.
Die Band hatte sich nach Auskunft des Richters 1991 gegründet und
war nach einem einzigen, auf Video festgehaltenen Auftritt in den
Untergrund gegangen. Ihre CDs seien in Schweden, den USA und
Großbritannien aufgenommen und über rechtsextremistische
Netzwerke in Deutschland verbreitet worden. In einschlägigen
Kreisen habe die Rockgruppe rasch Kultstatus entwickelt.
Auf den Schallplatten mit Titeln wie «Deutsche Wut» und
«Ran an den Feind» seien durchweg strafbare Inhalte
verbreitet worden. Die Band habe an die Rassenideologie des Dritten
Reiches angeknüpft, die Demokratie verunglimpft und zum Kampf gegen
Israel aufgerufen. Die Musiker selbst hätten sich als
«Terroristen mit E-Gitarre» bezeichnet. Sie hätten
«geistigen Sprengstoff zur Explosion» bringen wollen.
Die Gesinnung der Musiker sei «geprägt von Intoleranz und
Menschenverachtung», sagte der Richter. Sie seien «nicht
frei von Verantwortung, wenn andere umsetzen, was sie fordern».
Weißbrodt betonte, angesichts der Inhalte ihrer Lieder
könnten die Band-Mitglieder nicht den Schutz der Verfassung in
Anspruch nehmen und sich auf die künstlerische Freiheit berufen.
Gegen den Richter Weißbrodt ermittelt die Berliner
Staatsanwaltschaft unterdessen, weil er im September vertrauliche
Informationen über einen bevorstehenden Polizeieinsatz gegen ein
Treffen von Neonazis weitergegeben haben soll. Das berichtete der
Berliner «Tagesspiegel» in seiner Dienstagausgabe. Bereits
im Oktober war ein Befangenheitsantrag gegen Weißbrodt wegen
desselben Verdachts abgelehnt worden.
Weißbrodt hatte den Verteidiger des Bandleaders angerufen und ihm
eine Nachricht auf Anrufbeantworter über die zu erwartende
Polizeiaktion hinterlassen. Offenbar wollte der Richter den Angeklagten
R. nochmals auf das Kontaktverbot zu den Mitangeklagten aufmerksam
machen.
(Quelle: ap)
Ex-Terrorist Klein kurz vor Weihnachten begnadigt
Di.23.12.03 - Der
Ex-Terrorist Hans-Joachim Klein, der wegen des Überfalls auf die
Wiener OPEC-Konferenz zu neun Jahren Haft verurteilt wurde, ist kurz
vor Weihnachten begnadigt worden. Der hessische Justizminister
Christean Wagner (CDU) entschied dies in Wiesbaden. Angaben zu den
Gründen der Begnadigung wurden wie üblich nicht gemacht. Klein
war im Februar 2001 nach viermonatigen Verhandlungen verurteilt worden.
Die Frankfurter Strafkammer befand ihn damals des dreifachen Mordes,
Mordversuchs und der Geiselnahme als Mittäter für schuldig.
Klein wurde bereits aus der Haft entlassen.
Bei dem OPEC-Überfall im Dezember 1975 waren ein Wiener Polizist
sowie zwei Angehörige der irakischen und libyschen Delegation
erschossen worden. Begründet wurde das vergleichsweise milde Urteil
damals mit der Anwendung der Kronzeugenregelung. Klein habe sich
"glaubwürdig vom Terror gelöst", Reue gezeigt und in der
Folgezeit zur Verhinderung weiterer Terror-Akte beigetragen.
Klein war bei dem Überfall durch einen Bauchschuss
lebensgefährlich verletzt worden. Nach dem Überfall war der
Schwerverletzte mit der Terrorgruppe, die von dem venezolanischen
Terroristen Illich Ramirez Sanchez alias "Carlos" angeführt wurde,
und rund 30 Geiseln mit einer erpressten Maschine nach Algier geflogen.
Die Geiseln wurden gegen ein Lösegeld freigelassen. Klein tauchte
anschließend unter und sagte sich 1977 in einem Brief an den
"Spiegel" vom Terrorismus los.
Im September 1998 wurde er in einem Dorf in Nordfrankreich
festgenommen. 1999 wurde er an Deutschland ausgeliefert. Seit September
dieses Jahres war er Freigänger und ging einer Beschäftigung
außerhalb des Gefängnisses nach. Im Frühjahr hatten
mehrere Bürger ein Gnadengesuch für Klein eingereicht.
Klein hatte in dem Verfahren nicht nachgewiesen werden können,
dass er einen der drei Morde selbst begangen hatte. Er war vor seinem
Abgleiten in den Terrorismus Anfang der siebziger Jahre in der
Frankfurter Sponti-Szene um den jetzigen Bundesaußenminister
Joschka Fischer und den heutigen Europaparlamentarier Daniel Cohn-Bendit
(beide Grüne) aktiv gewesen. Mitte der Siebziger Jahre hatte Klein
sich dann den "Revolutionären Zellen" in Frankreich angeschlossen
und auf einer Reise nach Paris "Carlos" kennengelernt.
(Quelle: afp)
Greenpeace konzentriert sich 2004 auf Gentechnik und Energie
Di.23.12.03 - Im
Jahr 2004 will die Umweltschutzorganisation Greenpeace den Schwerpunkt
auf die Themen Gentechnik und Energie setzen. Hintergrund für die
Entscheidung ist die neue Kennzeichnungspflicht von
Gentech-Lebensmitteln in der EU ab April, wie Greenpeace am Montag in
Hamburg mitteilte. Außerdem werde Deutschland im Juni Gastgeber
der Internationalen Konferenz zur Förderung der regenerativen
Energien sein.
«Die rot-grüne Bundesregierung verfolgt kein
durchgängiges Konzept für einen ökologischen Umbau der
Energie-Wirtschaft,» kritisierte Geschäftsführerin
Brigitte Behrens. Negativbeispiele seien, dass
«Wirtschaftsminister Clement eine Kampagne gegen Windkraft und
für Steinkohle fährt und Außenminister Fischer die
Hanauer Plutoniumfabrik nach China verkauft».
Auch bei der Verkehrspolitik bleibe die Bundesregierung passiv, sagte
sie. «Dieselrußfilter, die Todesfälle durch Krebs
verhindern können, sind noch immer keine Pflicht für alle
alten und neuen Fahrzeuge.»
Greenpeace hat trotz Wirtschaftskrise nach eigenen Angaben 2003 die
Einnahmen 2003 voraussichtlich auf dem Niveau des Jahres 2002 (38,8
Millionen Euro) gehalten. Damit könne Greenpeace neben nationalen
auch weiterhin internationale Kampagnen unterstützen, etwa zur
Rettung der Amazonas-Urwälder oder zu Umwelt-Problemen in China,
Indien und Südostasien. Eine zweijährige Überprüfung
der Gemeinnützigkeit durch das Hamburger Finanzamt endete laut
Greenpeace positiv.
(Quelle: ap)
Internet: Große Verunsicherung durch 'Kripo-Wurm'
Di.23.12.03 -
Viele Anwender lassen sich derzeit vom Wurm Sober.c ins Bockshorn
jagen: Der Schädling versendet sich in besonders geschickt
gemachten Mails. Es herrscht große Verunsicherung, was es
insbesondere mit den angeblichen Mails der Kripo Düsseldorf auf
sich hat.
Diese eine Form der durch sober.c gefälschten Nachricht gibt vor,
von der Kripo Düsseldorf zu sein. Darin wird behauptet, dass gegen
den Empfänger der Mail ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde,
da er illegal Filme und MP3-Dateien aus dem Internet herunterlade. Als
Attachment ist eine Datei mit dem angeblichen Akteninhalt
beigefügt, die tatsächlich aber den Wurm enthält.
Die Mail ist natürlich nicht von der Kriminalpolizei. Andere
Varianten des Wurms warnen vor einem neuen Dialer und einem Trojaner,
der sich auf dem Rechner des Empfängers befände.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
warnte am Montag noch einmal dringend vor Sober.c. Seit Sonntag
bieten auch alle Hersteller von Antivirensoftware Signaturen zum
Download, mit denen der Schädling erkannt wird. In der Statistik
von Messagelabs belegt der Wurm inzwischen bereits einen der mittleren
Plätze in der Top10-Rangliste der aktivsten Computer-Viren; seit
Wochen unschlagbar ist aber immer noch Dumaru.a auf Platz eins.
Quelle:
heise-online
Mehr zum Thema
bei futurezone (21.12.03) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&view=bw&id=205173&tmp=60058
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