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+++ Mi.24.12.03,
12:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am zweihundertundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Explosionen
und Feuergefechte in Bagdad - US-Kampfflugzeuge im Einsatz +++
US-Streitkräfte verschärfen Sicherheitsmaßnahmen in
Irak aus Sorge vor Anschlägen während der Weihnachtsfeiertage
+++ Weißes Haus räumt anhaltende starke Sicherheits- und
Versorgungsprobleme in Irak ein: Umfang und Zeitrahmen des US-Einsatzes
sei nicht abzuschätzen +++ Russland relativiert Zusagen zum
Teilerlass irakischer Schulden
Mi.24.12.03 - Die
irakische Hauptstadt Bagdad ist in der Nacht zum Mittwoch von mehreren
Explosionen erschüttert worden. Der Fernsehsender El Dschasira
berichtete von etwa 15 Vorfällen. Nach Angaben einer
US-Militärsprecherin handelte es sich möglicherweise um
Angriffe der US-Luftwaffe. Wie sie weiter mitteilte, geht die 1.
US-Panzerdivision zurzeit gegen Iraker vor, die die Anschläge auf
die US-Besatzer und ihre Verbündeten finanziell unterstützen.
Der Einsatz werde aus der Luft unterstützt. Gegen Mitternacht
(22.00 Uhr MEZ) nahm der Fluglärm der Kampfflugzeuge über
Bagdad weiter deutlich zu. Laut El Dschasira sei auch
Maschinengewehrfeuer zu hören gewesen. Über Opfer ist noch
nichts bekannt.
Aus Sorge vor möglichen Anschlägen während der
Weihnachtsfeiertage haben die US-Streitkräfte in Irak am Dienstag
ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. US-Zivilverwalter Paul
Bremer sagte dem Fernsehsender NBC, es habe Hinweise auf eine
erhöhte Terrorgefahr gegeben. Bei Razzien in Bakuba, einem Zentrum
des Widerstands gegen die Besatzungstruppen, nahmen US-Soldaten
unterdessen acht mutmaßliche Aufständische fest.
Bremer informierte am Montag in Washington US-Präsident George W.
Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld über die
jüngsten Entwicklungen in Irak. In Bagdad erklärte
Brigadegeneral Mark Hertling: "Wir haben Hinweise erhalten, dass es klug
wäre, einige zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um
spezifischen potenziellen Bedrohungen entgegenzutreten."
Unter den in Bakuba, 50 Kilometer nordwestlich von Bagdad,
festgenommenen Verdächtigen war ein früherer Oberst, wie
US-Militärsprecherin Josslyn Aberle mitteilte. Der Mann stehe im
Verdacht, ehemalige irakische Soldaten für Angriffe auf die
Koalitionstruppen rekrutiert zu haben. Auch vier mutmaßliche
Berater des flüchtigen Ex-Vizepräsidenten Issat Ibrahim el
Duri seien festgenommen worden. Der frühere Stellvertreter des
gestürzten Staatschefs Saddam Hussein steht auf der Fahndungsliste
der USA an sechster Stelle.
Am Montag kamen drei Soldaten der Koalitionstruppen ums Leben. Zwei
Amerikaner und ein irakischer Übersetzer wurden bei der Explosion
einer am Straßenrand versteckten Bombe in Bagdad getötet. In
Babylon südlich der Hauptstadt starb ein polnischer Soldat, als
sich aus der Waffe eines Kameraden versehentlich ein Schuss löste.
Seit dem Einmarsch der USA in Irak im März wurden dort insgesamt
317 amerikanische Soldaten getötet.
In der nordirakischen Stadt Mossul erschossen bewaffnete Männer am
späten Montagabend einen Richter in seinem Auto. Die Angreifer
entkamen. Ebenfalls in Mossul feuerten Aufständische eine Granate
auf einen US-Konvoi, der einen Bargeldtransporter begleitete. Einer der
Soldaten wurde verletzt.
Die US-Armee hat am Dienstag in der nordirakischen Stadt Kirkuk 36
Menschen festgenommen. 20 von ihnen werden nach Angaben der Polizei
verdächtigt, Kontakte zur radikalislamischen Organisation Ansar el
Islam zu unterhalten, der Verbindungen zum El-Kaida-Netzwerk von Osama
bin Laden nachgesagt werden. Die übrigen 16 Festgenommenen sollen
Angriffe auf US-Soldaten und irakische Polizeikräfte
unterstützt und Anschläge auf den
US-Militärstützpunkt in Kirkuk geplant haben.
In der Nähe von Kirkuk nahm die irakische Polizei fünf
Männer unter dem Verdacht fest, einen Anschlag auf eine
Ölpipeline verübt zu haben. Im Haus eines der
Verdächtigen sei Sprengstoff sicher gestellt worden, sagte ein
Polizeisprecher.
Als Reaktion auf die Massenaustritte aus der irakischen Armee hat die
US-Zivilverwaltung die Gehälter der irakischen
Sicherheitskräfte durch eine "Risikozulage" deutlich aufgestockt.
"Die irakischen Sicherheitskräfte stehen im Kampf gegen die
Terroristen in der ersten Reihe", erklärte US-Zivilverwalter Paul
Bremer am Dienstag in Bagdad. Deshalb sei es "nur gerecht", wenn sie
für "die wachsende Gefahr" entschädigt würden. Die
Prämien seien der Aufgabe entsprechend, nicht nach Dienstgraden
gestaffelt.
Das Weiße Haus hat derweil anhaltende starke Sicherheits- und
Versorgungsprobleme in Irak eingeräumt, in seinem jüngsten
Bericht an den US-Kongress aber zugleich die Erfolge beim Wiederaufbau
betont. Das 16-seitige Dokument, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt,
bezieht sich auf die Wochen vom 15. Oktober bis zum 15. Dezember und
schließt damit den Zeitpunkt der Festnahme Saddam Husseins noch
mit ein.
Auch mit einem Ausbau der irakischen Sicherheitskräfte sei es
weiterhin nicht möglich, Umfang und Zeitrahmen des US-Einsatzes
abzuschätzen, heißt es in dem Bericht. Nach derzeitigen
Plänen des US-Außenministeriums soll die Zahl der
amerikanischen Truppen bis Mai von 130.000 auf 110.000 reduziert werden.
25.000 Militärangehörige aus 33 Ländern
unterstützen die USA dem Dokument zufolge in Irak, die Zahl der
rekrutierten irakischen Sicherheitskräfte belief sich Anfang
Dezember auf fast 160.000.
Der bewaffnete Widerstand nehme aber immer ausgefeiltere Formen an,
heißt es in dem Papier. Die USA gehen darin von 5.000
Kämpfern und einer Kooperation ausländischer Militanter mit
Anhängern des gestürzten Regimes aus. Für den
Berichtszeitraum nennt das Dokument unter anderem den Anschlag auf den
Stützpunkt der italienischen Polizei in Nassirijah mit 32 Toten und
den Zusammenstoß zweier US-Hubschrauber bei Mossul mit 17 Toten,
für den möglicherweise ein Raketenbeschuss verantwortlich
war. Als Probleme werden auch anhaltender Energiemangel und die
fehlende Infrastruktur aufgelistet.
Unter den Erfolgen nennt der Bericht die Einigung mit dem irakischen
Regierungsrat vom November auf eine schnellere Machtübergabe sowie
die internationale Geberkonferenz vom Oktober, bei der 33 Milliarden
Dollar Aufbauhilfe zugesagt wurden. Weiter werden die verstärkten
Ausgaben für das Gesundheitswesen, der Wiederaufbau von
Straßen und Brücken und die Eröffnung von Schulen
aufgeführt.
Südkorea kündigte am Dienstag laut Medienberichten die
Entsendung von 3.000 Soldaten im April nach Irak an. Im Land befinden
sich bereits 460 Militärärzte und Ingenieure. Nach der
Entsendung im April wird das südkoreanische Kontingent das
drittgrößte nach denen der USA und Großbritanniens sein.
Der US-Sondergesandte James Baker will sich Ende Dezember auch in
mehreren asiatischen Staaten für einen Schuldenerlass für Irak
einsetzen. Wie das Weiße Haus am Montag mitteilte, reist Baker am
29. und 30. Dezember nach Japan, Südkorea und China. Der
Sondergesandte hatte vergangene Woche bereits in Europa entsprechende
Gespräche geführt.
Die Europäische Union leistete am Dienstag ihren ersten Beitrag
für den internationalen Fonds zum irakischen Wiederaufbau. Mit den
acht Millionen Dollar (6,4 Millionen Euro) soll vor allem die Arbeit der
UN in Irak unterstützt werden. Die EU hat insgesamt 200 Millionen
Dollar für den Fonds zugesagt.
Russland hat seine Zusage für einen Teilerlass der irakischen
Schulden relativiert. Bei dem Treffen mit Vertretern des irakischen
Regierungsrates habe Präsident Wladimir Putin zwar einen
beträchtlichen Erlass in Aussicht gestellt, es sei aber nicht die
Rede davon gewesen, dass Moskau Irak 65 Prozent seiner
Außenstände nachlassen wolle, sagte ein ranghoher
Regierungsvertreter in Moskau am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.
Eine Entscheidung hierüber gebe es noch nicht. Vielmehr habe sich
Russland lediglich dazu bereit erklärt, einen solchen
Schuldenerlass zu erwägen, wenn im Gegenzug russische Ölfirmen
in Irak Aufträge bekämen.
Die meisten Mitgliedsorganisationen der "Aktion Deutschland hilft"
(ADH) wollen auch im kommenden Jahr ihre Hilfe in Irak fortsetzen. An
einen Rückzug der Helfer sei zur Zeit nicht gedacht, teilte der
ADH-Vorstand am Dienstag in Köln mit. "Wir stützen uns dabei
auf die Einschätzung unserer Helfer, die vor Ort im
humanitären Einsatz tätig sind", betonte
ADH-Vorstandssprecherin Manuala Rossbach. Dem Bündnis gehören
unter anderem der Malteser Hilfsdienst, der Arbeiter-Samariter-Bund, die
Arbeiterwohlfahrt, Care und der Paritätische Wohlfahrtsverband an.
Nach ADH-Angaben waren für die Mitgliedsorganisationen in den
vergangenen Monaten rund 200 Helfer einschließlich regionaler
Mitarbeiter in Irak im Einsatz.
(Quellen: afp,
dpa, ap)
Irak-Krieg weltweit als wichtigstes Thema 2003
eingeschätzt
Der Krieg
in Irak wird von Journalisten aus aller Welt als wichtigstes Ereignis
des zu Ende gehenden Jahres 2003 eingeschätzt. Das hat eine am
Dienstag veröffentlichte Umfrage der Nachrichtenagentur Associated
Press (AP) unter Redaktionen aus allen Erdteilen ergeben.
Dabei lagen der Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten in Irak
und der Sturz Saddam Husseins mit weitem Abstand vorn. Auf Platz Zwei
folgte die Lungenkrankheit Sars mit weltweit annähernd 800 Toten,
und den dritten Platz teilen sich der Nahostkonflikt mit der Gewalt
zwischen Israelis und Palästinensern und dem als «Road
Map» bekanntgewordenen Friedensplan sowie der Konflikt in der UNO
über den Irak-Krieg.
Hier die Ergebnisliste der Umfrage mit der jeweiligen Punktezahl:
1. US-geführte Invasion in Irak stürzt Saddam Hussein (603)
2. Sars-Ausbruch tötet fast 800 Menschen (327)
3. Israelisch-palästinensische Gewalt und «Road Map»
(237)
3. Konflikt in den UN über den Irak-Krieg (237)
5. Irakischer Widerstand gegen Besatzung und Anschläge (234)
6. Absturz der Raumfähre «Columbia» mit sieben Toten
(180)
7. Hu Jintao neuer chinesischer Präsident (175)
8. Krieg gegen Terror und Anschläge in Jakarta, Istanbul (172)
9. EU-Erweiterung um zehn neue Mitglieder beschlossen (147)
10. Erster bemannter Raumflug Chinas (131)
(Quelle: ap, 23.12.03)
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Lutherischer Weltbund kritisiert Vertrauen auf
militärische Stärke
Mi.24.12.03 - Der
Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Mark S.
Hanson, hat in seiner Weihnachtsbotschaft das bedingungslose Vertrauen
auf militärische Macht verurteilt. Diese "absurde Denkweise"
beherrsche jedoch derzeit die Politik führender Nationen,
erklärte der US-amerikanische Lutheraner am Montag in Genf. Selbst
Terrorakte würden von vielen Menschen als "Weg zum Frieden"
angesehen.
Gottes Schöpfung sei durch die sündhaften Taten der
Menschheit gefährdet, warnt Hanson, der zu den engagiertesten
Kritikern des Angriffs auf den Irak durch die USA und
Großbritannien gehört. "Viele, zu viele Menschen haben in der
diesjährigen Vorweihnachtszeit nicht ein Bild der Geburt, sondern
ein Bild des Todes vor Augen", heißt es in der Botschaft des
Weltbundes.
Ferner kritisierte der LWB-Präsident das blinde Vertrauen in die
"expandierende globale Wirtschaft". Nur wenige Menschen profitierten
davon, während eine große Zahl von Kindern, Frauen und
Männern in Armut leben müsse. Trotz allem habe Gott "seine
Schöpfung nicht verlassen und seine Verheißungen nicht
vergessen". Er nehme das Leid der Welt auf sich, so Hanson. Dem 1947 im
schwedischen Lund gegründeten Weltbund gehören 136 Kirchen mit
61,7 Millionen Mitgliedern in 76 Ländern an.
(Quelle: epd)
USA: Rüstungausgaben verschärfen soziale Auslese
und die Armut
Während
in Bagdad täglich Granaten explodieren und die Zahl der Toten
ständig steigt, fällt es schwer, sich vorzustellen, daß
es noch einen anderen Krieg gibt, der die USA in Bedrängnis
bringt. Er fordert nicht weniger Leben, auch wenn er sich in relativer
Stille vollzieht. Die Rede ist hier vom permanenten Krieg gegen die
Armen....
Mehr in "junge Welt" vom 24.12.03:
Mehr
unter:
http://www.jungewelt.de/2003/12-24/008.php
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Nahost-Konflikt
Acht
Palästinenser bei israelischer Militäraktion getötet +++
Annan verurteilt israelischen Einmarsch in Gazastreifen +++ Israel
hält über Weihnachten Blockade von Bethlehem aufrecht
Mi.24.12.03 - Die
blutigste israelische Militäroffensive im Gazastreifen seit zwei
Monaten hat mindestens acht Palästinenser das Leben gekostet. Mehr
als 40 weitere Menschen wurden verletzt, unter ihnen neun Kinder, wie
Krankenhausmitarbeiter am Dienstag mitteilten. Der ägyptische
Aussenminister Ahmed Maher kehrte unterdessen von einer
Nahost-Vermittlungsmission zurück, die von einem Angriff
muslimischer Extremisten auf ihn überschattet war.
Die israelischen Streitkräfte rückten nach
palästinensischen Angaben am frühen Dienstagmorgen mit rund 40
Panzern und gepanzerten Fahrzeugen in das Flüchtlingslager Rafah
ein, das an der Grenze zu Ägypten liegt. Die Aktion diente nach
Armeeangaben dazu, Tunnel für den Waffenschmuggel im Grenzgebiet
aufzudecken. Die Soldaten hätten mit ihren Schüssen auf
Angriffe von Palästinensern reagiert.
Unter den Todesopfern waren nach Krankenhausangaben neben fünf
Extremisten auch drei Zivilpersonen. Es war die höchste
palästinensische Opferzahl seit einer israelischen Offensive im
Lager Nusseirat vor mehr als zwei Monaten. Den gesamten Vormittag
über waren in dem Gebiet noch Explosionen zu hören, nach
Angaben von Bewohnern wurden mindestens sieben Häuser
zerstört. In der Luft kreisten Hubschrauber. Die israelischen
Truppen berichteten, sie hätten einen langen Tunnel entdeckt, der
in ein Wohnhaus des Lagers führte.
Die palästinensische Autonomiebehörde hat den Einmarsch der
israelischen Armee in das Flüchtlingslager Rafah verurteilt. Diese
"gegen Zivilisten gerichtete Aggression" habe darauf abgezielt, "die
arabischen und internationalen Bemühungen für die
Wiederaufnahme des Friedensprozesses" zu torpedieren, sagte der
palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat am Dienstag der
Nachrichtenagentur AFP. Er rief die internationale Gemeinschaft,
insbesondere die Vereinigten Staaten, zu Druck auf die israelische
Regierung auf, damit diese "ihre Aggressionen beendet".
Nach dem blutigen Einsatz der israelischen Armee im
palästinensischen Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen haben
Palästinenser zwei Kassam-Raketen auf israelische Ziele
abgeschossen. Nach Militärangaben ging in der Nacht zum Mittwoch
eine der selbstgebastelten Kurzstreckenraketen auf die Stadt Sderot
jenseits des Gazastreifens nieder, dabei wurde ein parkender Lastwagen
beschädigt. Stunden vorher wurde bei einem Raketenangriff auf eine
jüdische Siedlung im Gazastreifen ein Siedlerpaar verletzt.
In Gaza schleuderte ein Palästinenser nach Angaben der
israelischen Armee während eines Feuergefechts am Montagabend eine
Granate auf Soldaten. Dabei seien zwei Soldaten ums Leben gekommen. Auch
der Angreifer und ein weiterer bewaffneter Palästinenser seien
getötet worden. Zu dem Angriff bekannten sich sowohl der
Islamische Dschihad als auch die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden. Die
israelischen Truppen drangen daraufhin in ein nahe gelegenes Dorf ein
und zerstörten nach Augenzeugenberichten sechs Häuser.
In Nablus im Westjordanland riegelten israelische Soldaten am Dienstag
das Flüchtlingslager Balata ab. Sie durchsuchten Häuser nach
mutmasslichen Extremisten. Ein älterer palästinensischer Mann
erlitt während der Razzia einen Herzinfarkt und starb später
im Krankenhaus, wie Angehörige mitteilten.
UN-Generalsekretär Kofi Annan hat den Einmarsch der israelischen
Armee in den Gazastreifen scharf verurteilt. Als Besatzungsmacht
müsse Israel die Zivilbevölkerung schützen und dürfe
keine "unangemessene Gewalt" ausüben, sagte Annans Sprecher Fred
Eckhard am Dienstag am Sitz der Vereinten Nationen in New York. Der
Generalsekretär fordere die israelische Regierung
nachdrücklich auf, "derartige Gewalteinsätze zu unterlassen
und zu friedlichen Verhandlungen zurückzukehren".
Die israelische Armee wird ihre Blockade rund um Bethlehem über
Weihnachten fortsetzen. Die drei Absperrungen an den Ausgängen der
Stadt würden beibehalten, sagte ein Sprecher des israelischen
Außenministeriums am Dienstag in Jerusalem. Gleichzeitig
kündigte er Erleichterungen bei den Kontrollen aus Anlass des
christlichen Festes an. Die Armee werde sich "kooperativ und guten
Willens" zeigen, um Pilgern und Touristen den Zugang zur Stadt zu
ermöglichen. Ein Offizier in der Armeeverwaltung schloss auch die
in Bethlehem lebenden Palästinenser in die Sonderregelung mit ein.
(Quellen: afp,
ap)
Im Nahen Osten ein Jahr der enttäuschten Hoffnungen
Für
den Nahen Osten war 2003 ein Jahr der enttäuschten Hoffnungen. Bis
zum Sommer gab es deutliche Signale für eine Belebung im
Friedensprozess. Doch am 19. August kommt das jähe Ende:
Israelische Soldaten töten ein Führungsmitglied des
Islamischen Dschihads, womit der Kreislauf der Gewalt wieder einsetzt.
Bei einem Selbstmordanschlag in Jerusalem kommen 22 Menschen ums Leben -
mit ihnen stirbt auch die Aussicht auf eine rasche Umsetzung der
internationalen «Road Map» für den Weg zu einer
dauerhaften Friedenslösung.
Dabei gab es für diesen von den USA, Russland, der
Europäischen Union und den Vereinten Nationen vereinbarten
Friedensplan durchaus Anfangserfolge: Im Juli zogen sich die
israelischen Truppen aus Teilen des Gazastreifens und aus Betlehem
zurück. Zudem wurden erste Gefangene frei gelassen. Das Treffen des
israelischen Regierungschefs Ariel Scharon mit dem auf Druck der USA
installierten palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud
Abbas wurde von der Jerusalemer Presse bereits als «Beginn einer
Freundschaft» gefeiert. Und die Organisationen der militanten
Palästinenser riefen eine Hudna aus, einen einseitigen
Waffenstillstand.
Doch mit dem gleichzeitigen Siedlungsausbau im Westjordanland und der
Fortführung der Besatzung gab Scharon seinen vermeintlichen Freund
Abbas bei dessen Leuten der Lächerlichkeit preis. Ohne
Zugeständnisse von israelischer Seite, ohne Beweise, dass eine
politische Lösung realistisch wurde, musste der
palästinensische Regierungschef wie eine Marionette Scharons und
der USA erscheinen.
«Nur mit dem Vertrauen des Volkes kann es einem
palästinensischen Ministerpräsidenten gelingen, die Hamas und
den Islamischen Dschihad zu isolieren und die militanten Kräfte zu
entwaffnen», sagt der Leiter des Deutschen Orient-Instituts, Udo
Steinbach. Nach seiner Ansicht sind die Palästinenser sogar bereit,
ihren als friedensunfähig geltenden Präsidenten Jassir Arafat
zu entmachten. «Aber nur, wenn Israel seine Panzer vor Arafats
Büro abzieht.» Scharons Ultimatum, bei einer Fortdauer der
Gewalt in sechs Monaten eine einseitige und für die
Palästinenser inakzeptable Grenzziehung vorzunehmen, bringt den
neuen Ministerpräsidenten Ahmed Kureia in eine ähnliche Lage
wie seinen Vorgänger Abbas: Ohne ein Entgegenkommen Israels bleibt
jeder Ministerpräsident in Ramallah eine Witzfigur.
Dabei gerät Scharon nicht nur in der internationalen Gemeinschaft,
sondern auch in der israelischen Bevölkerung und bei den
Streitkräften zunehmend in Erklärungsnöte für die
Zementierung des Status Quo. Bereits im Vorjahr quittierten zahlreiche
Soldaten ihren Dienst in den besetzten Gebieten. Im September
verweigerten 30 Piloten ihren Einsatz bei weiteren Luftangriffen, weil
sie diese wegen der Opfer in der Zivilbevölkerung als illegal und
unmoralisch betrachten. Zwar befürwortet die israelische
Bevölkerung grundsätzlich den Sperrwall. Dass Scharon mit der
Sicherheitsbarriere jedoch große Teile des Westjordanlandes
abschneiden will, wird jüngsten Umfragen zufolge von der Mehrheit
abgelehnt.
Dass Israel auf lange Sicht nicht an einer einvernehmlichen Lösung
mit den Palästinensern vorbei kommt, ergibt sich noch aus einem
ganz anderen Grund: Wegen des Bevölkerungszuwachses der
Palästinenser - allein in Jerusalem ist dieser drei Mal so hoch wie
bei den Israelis - muss es einen lebensfähigen
palästinensischen Staat geben. Obwohl von Demographen bereits vor
Jahren aufgezeichnet, war das Thema in der israelischen
Regierungspolitik bislang tabu. Ehud Olmert, Scharon-Stellvertreter und
Mitglied in dessen Likud-Partei, hat es vor wenigen Wochen als erster
gebrochen.
Ohne einen weitgehenden Rückzug auf die so genannte Grüne
Linie, den Grenzverlauf vor 1967, wären die Juden bald auf beiden
Seiten in der Minderheit, sagte er der Zeitung «Jediot
Ahronot». Derzeit leben in Israel und den besetzten Gebieten
annähernd fünf Millionen Palästinenser und andere Araber
neben 5,2 Millionen Juden. Die einzige Alternative zur Rückgabe des
Landes ist nach den Worten Olmerts ein Apartheid-Regime, in dem den
Palästinensern jedes Mitspracherecht verweigert werden müsste.
Die Folge wäre die internationale Isolierung Israels.
Zu seinem Plan gehört auch die Aufgabe von Siedlungen sowie von
Teilen Ostjerusalems. Nahost-Experte Steinbach sieht in den
Äußerungen Olmerts lediglich ein vorweihnachtliches
«Flötenspiel», um Washington zu beschwichtigen. Doch
der Proteststurm im Likud-Block gegen den Tabubruch war nur kurz, und
Scharon verzichtete darauf, seinen Stellervertreter öffentlich
abzukanzeln. Womöglich könnte es Olmerts Flötenspiel
Scharon erlauben, Zugeständnisse auch im eigenen Lager zu
verkaufen.
(Quelle:
ap)
Nahost-Experte: 'Der Sperrwall radikalisiert den Nahen
Osten'
Mi.24.12.03
- Der Nahost-Experte und Direktor des Deutschen Orient-Institutes,
Professor Udo Steinbach, hat die israelische Politik scharf kritisiert.
Mit dem Bau des Sperrwalls werde die gesamte Region radikalisiert und
neuer Terror provoziert, sagte er im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP. Nachfolgend das Interview im Wortlaut.
AP: Der internationale Friedensplan sah die Schaffung eines
palästinensischen Staates in vorläufigen Grenzen noch in
diesem Jahr vor. Woran ist die Road Map gescheitert?
Steinbach: Die Road Map war ein tot geborenes Kind. Weil sie einseitige
Zugeständnisse von den Palästinensern verlangt, ohne ihnen
eine politische Perspektive für den Frieden aufzuzeigen, war ein
Ende der Gewalt nicht zu erwarten. Der Waffenstillstand wurde nicht
zuletzt deswegen aufgekündigt, weil Israel seine
Militäroperationen fortgesetzt hat. Die Siedlungen wurden
ausgebaut, die Besatzung mit gewohnter Härte fortgeführt, der
Sperrwall weitergebaut.
AP: Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert
hat kürzlich erklärt, Israel sei zur Aufgabe der besetzten
Gebiete gezwungen, weil die palästinensische Bevölkerung stark
wächst. Findet im Kabinett von Regierungschef Scharon doch ein
Umdenken statt?
Steinbach: Die Äußerungen Olmerts waren ein Testballon, der
die internationale Gemeinschaft über die Pläne Scharons im
Unklaren lassen soll. Fakt ist: Die Siedlungen werden ausgebaut.
AP: Der Gründer der palästinensischen Untergrundorganisation
Hamas, Scheich Ahmed Jassin, hat Israel gerade abermals das
Existenzrecht abgesprochen. Seine Organisation kündigte neue
Anschläge an. Ist der Bau einer Mauer nicht eine legitimer Schritt
Israels, sich vor palästinensischem Terror zu schützen?
Steinbach: Der Sperrzaun ist eine Landnahme. 14,5 Prozent des
Westjordanlandes sollen abgeschnitten werden, vor allem durch die
Vereinnahmung von Siedlungen im Großraum Jerusalem. Die
ökonomische Existenzgrundlage von 600.000 Palästinensern ist
bedroht. Die Fertigstellung der Mauer würde neuen Terror
provozieren und die gesamte Region radikalisieren. Alle Juden wären
bedroht, wo immer sie sich befänden.
AP: Und wenn die Mauer entlang der Grenzen vor dem Krieg 1967 verliefe?
Steinbach: Dann gäbe es zwei Staaten. Und die würden, wie
bereits infolge des Oslo-Vertrages von 1993, sehr schnell
ökonomisch miteinander arbeiten. Israel würde sich
wirtschaftlich in den gesamten arabischen Raum ausdehnen. Ein Grenzzaun
an der Grünen Linie hätte vielleicht einige Jahre Bestand. Die
ökonomische Verflechtung würde jedoch zu einer Normalisierung
führen, die den Abbau des Zaunes als empfehlenswert erscheinen
lassen würde.
AP: In der Genfer Vereinbarung israelischer und palästinensischer
Oppositionspolitiker werden - im Gegensatz zur Road Map - konkrete
Fragen beantwortet: Der Grenzverlauf; weitgehender Verzicht auf ein
Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge; die Teilung
Jerusalems. Warum ist die Initiative so rasch verpufft?
Steinbach: Weil die internationale Gemeinschaft derzeit keinen
wirklichen Handlungsbedarf in Palästina sieht. Die EU und die
Bundesregierung hätten sich viel nachdrücklicher zu dem Papier
bekennen müssen. Eine gemeinsame Bekräftigung seitens des
Nahost-Quartetts hätte der israelischen Regierung deutlich
gemacht, dass sie um Zugeständnisse nicht herumkommt. Zudem
wäre den radikalen Elementen auf beiden Seiten signalisiert worden,
dass sie mit ihren Positionen keine Chance mehr haben. Die Road Map
muss um die Genfer Vereinbarung ergänzt werden, um den
Palästinensern eine konkrete politische Perspektive zu geben. Von
den USA ist jedoch kein neues Engagement für den Nahost-Konflikt zu
erwarten. US-Präsident George W. Bush konzentriert sich
während des Wahlkampfes auf Irak. Druck auf Israel auszuüben
ist für ihn kontraproduktiv.
AP: Mit dem Sturz Saddam Husseins wollte Bush die Demokratisierung und
Befriedung des Nahen und Mittleren Ostens einleiten. Mit welchem Erfolg?
Steinbach: Der Irak-Konflikt beunruhigt die gesamte arabische Welt.
Dort hat sich mehr und mehr die Überzeugung breit gemacht, dass
nicht der Terror, sondern der Islam das eigentliche Zeil der USA sei.
Dies erklärt die zunehmende Gewalttätigkeit von Seiten
radikaler Islamisten gegenüber dem Westen. Unter diesem Vorzeichen
stehen auch die Anschläge in Istanbul.
(Quelle:
ap)
Die dreizehn israelischen Elitesoldaten, die den
Kriegsdienst verweigern, repräsentieren für Generalstabschef
Moshe Yaalon "nur einen Tropfen im Meer". Trotzdem drohte Yaalon am
Dienstag den Mitgliedern der prestigeträchtigen Eliteeinheit
"Sayeret Matkal" mit Entlassung, sollten sie ihre Äußerungen
zur Militärtaktik in den Besatzungsgebieten nicht zurückziehen
Die
Soldaten wollten nicht "helfen, Millionen Palästinensern ihre
Menschenrechte vorzuenthalten".
Die Angehörigen von "Sayeret Matcal" werden in Israel als Helden
gefeiert. Die Eliteeinheit, die einst vom nachmaligen
Ministerpräsidenten Ehud Barak (Arbeiterpartei) kommandiert wurde,
war unter anderem 1976 an der spektakulären Geiselbefreiung von
Flugzeugpassagieren in Entebbe (Uganda) beteiligt gewesen. Ihr
gehörten auch der amtierende Verteidigungsminister Shaul Mofaz und
Generalstabschef Moshe Yaalon, sowie der Chef des Inlandsgeheimdienstes
Shin Beth, Avi Dichter, an.
"Diesen Soldaten gehört die Uniform abgenommen", sagte
Vizeminister Boim im öffentlichen Rundfunk. Sie müssten wegen
"Ungehorsams und Rebellion" verurteilt werden, "unabhängig davon,
in welcher Einheit sie dienen". Ex-Premier Barak sprach von einem
"schweren Fehler" der Unterzeichner des Briefes.
In den vergangenen Monaten hatte die öffentliche Ankündigung
von 27 mittlerweile suspendierten israelischen Reserve-Piloten,
"unmoralische und illegale" Befehle zu verweigern, heftigste Reaktionen
ausgelöst. In ihrem Schreiben hatte es geheißen, Israels
Luftwaffe greife "unschuldige Zivilisten" in den besetzten Gebieten an.
"Wir, die wir in Liebe zum Staat Israel erzogen wurden, (...) weigern
uns, an Luftangriffen auf dicht bevölkerte, zivile Zentren
teilzunehmen. Wir weigern uns, weiter unschuldigen Zivilisten etwas
anzutun." Die Botschaft der Piloten lautete: Selbst wenn die
Palästinenser in der Lage sind, Israel und seiner Bevölkerung
schwere Schläge zuzufügen, und selbst wenn
Terroristenführer, die für den Tod zahlloser Israelis
verantwortlich sind, ein legitimes Ziel für einen Angriff
darstellen, so sei dieser Krieg doch der zwischen einer
militärischen Großmacht und einer Zivilbevölkerung. In
einem solchen Krieg müsse die Großmacht sich selbst
moralische Grenzen auferlegen und dürfe nicht wie eine
Terrororganisation handeln. Ein Staat dürfe keine Liquidierungen,
Exekutionen und Morde ohne Gerichtsbeschluss vornehmen, weil er damit
seine Legitimation gegenüber den Terrororganisationen verliere.
Quelle:
info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/]
Brief der 13 Verweigerer an Israels Premierminister im
Wortlaut
Am 21.
Dezember 2003 richteten dreizehn Reservisten der Elitekommandoeinheit
(Sayeret Matkal) des Generalstabs der israelischen
Verteidigungsstreitkräfte einen Brief an Premierminister Scharon,
in dem sie ihre Weigerung ankündigen, weiterhin in den besetzten
palästinensischen Gebieten Dienst zu tun. Die "junge Welt" vom
24.12.03 dokumentiert diesen Brief:
http://www.jungewelt.de/2003/12-24/007.php
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Lybien: Gaddafi ruft zu Verzicht auf ABC-Waffen auf
Mi.24.12.03 -
Libyens Revolutionsführer Muammar el Gaddafi hat Iran, Syrien und
Nordkorea aufgerufen, dem Beispiel Libyens zu folgen und auf
Massenvernichtungswaffen zu verzichten. "Auf diese Weise könnten
sie Unheil für ihr eigenes Volk abwenden", sagte Gaddafi in einem
Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN. Der Revolutionsführer
bestritt, dass Libyen Massenvernichtungswaffen besitzt. Die libysche
Verzichtserklärung beziehe sich auf Programme "mit friedlichem
Zweck". Dennoch habe sich Libyen entschlossen, "sie komplett
loszuwerden".
Keine eindeutige Antwort gab Gaddafi auf die Frage, ob die Sanktionen
der USA zu der Entscheidung Libyens geführt hätten: "Das
Wichtige ist, dass wir es getan haben. Zu erklären, warum jetzt,
warum dies, warum dann, ist für mich nicht wichtig." Auch der Sturz
Saddam Husseins in Irak durch die US-Armee stehe in keinem Zusammenhang
mit dem Zeitpunkt der Entscheidung seines Landes.
Auf die Frage, ob die USA im Gegenzug eine Aufhebung ihrer Sanktionen
gegen Libyen zugesagt hätten, sagte Gaddafi: Die Idee sei gewesen,
"die Beziehungen zwischen unseren Ländern zu verbessern". Er
wünsche sich die Zusammenarbeit mit US-Unternehmen "für
friedliche Ziele".
(Quelle: afp)
Erster Verdachtsfall von Rinderwahn in den USA
Mi.24.12.03 - In
den USA ist erstmals eine Kuh positiv auf die Rinderseuche BSE getestet
worden. Betroffen sei ein Tier im Staat Washington an der
Pazifikküste, erklärte Landwirtschaftsministerin Ann Veneman
am Dienstag. Wie sich die Kuh infiziert habe, werde untersucht. Mehrere
asiatische Staaten regierten umgehend mit Einfuhrstopps für
amerikanisches Rindfleisch.
Das japanische Landwirtschaftsministerium erließ einen zeitlich
unbegrenzten Importstopp für amerikanisches Rindfleisch und plante
den Rückruf auf dem Markt befindlicher Produkte. Das Land ist der
größte Markt für US-Rindfleisch in Übersee, die
Exporte lagen 2002 nach US-Angaben bei 842 Millionen Dollar.
Südkorea setzte die Zollkontrollen für US-Rindfleisch aus und
sperrte damit den Zugang zum inländischen Markt. Das Land
importierte 2002 US-Rindfleisch im Wert von 610 Millionen Dollar. Auch
Singapur, Thailand, Malaysia und Taiwan ergriffen entsprechende
Maßnahmen.
Die Kuh auf einem Bauernhof in Mapleton südlich von Yakima sei am
9. Dezember als mutmaßlich positiv getestet worden, erklärte
die Ministerin. Der betroffene Bauernhof sei unter Quarantäne
gestellt worden. Laborproben des Tiers wurden nach Großbritannien
gesandt, mit Ergebnissen wird in drei bis fünf Tagen gerechnet.
Die Ministerin betonte, die Sicherheit der Verbraucher sei nicht
gefährdet. Möglicherweise befallene Organe der Kuh wie das
Gehirn, Rückenmark und Teile des Dünndarms seien entfernt
worden, bevor sie in die Nahrungskette hätten gelangen können.
Veneman sagte, 2003 seien in den USA 20.526 Rinder auf BSE getestet
worden. Der Fall in Washington zeige, dass die Vorsichtsmaßnahmen
funktionierten. US-Präsident George W. Bush wurde am Dienstag
mehrfach über die Entwicklung unterrichtet. Er sei sicher, dass
das Landwirtschaftsministerium den Fall effektiv handhabe,
erklärte das Weiße Haus.
In den USA war bislang kein Fall von Rinderwahnsinn bekanntgeworden. In
Kanada wurde im Mai eine einzelne Kuh positiv getestet. Die USA hatten
daraufhin binnen Minuten nach der Bekanntgabe ein Importverbot für
kanadische Rinder und Rindfleischprodukte verhängt, Japan,
Südkorea und Australien schlossen sich an. Kanada erklärte am
Dienstag, die Grenze bleibe für US-Rindfleisch zunächst
geöffnet, die Regierung in Ottawa habe Vertrauen in die
Maßnahmen der US-Behörden. Man werde allerdings die
Entwicklung in den kommenden 48 Stunden genau beobachten.
BSE trat bislang vor allem in Europa auf. BSE wird nach den bisherigen
Erkenntnissen durch die Verfütterung von Tiermehl an Rinder, Schafe
und Ziegen übertragen. 1986 wurde die Krankheit erstmals in
Großbritannien nachgewiesen. BSE steht im Verdacht, die für
Menschen tödliche Creutzfeldt-Jakob-Krankheit zu verursachen, die
das Gehirn angreift.
(Quelle: ap)
US-Regierung öffnet Nationalforst in Alaska für
kommerzielle Nutzung
Mi.24.12.03 - Die
US-Regierung hat am Dienstag 120.000 weitere Hektar des Nationalforsts
Tongass in Alaska für die kommerzielle Nutzung freigegeben. Die
Entscheidung ermöglicht Straßenbau und Holzwirtschaft in
drei Prozent der 3,72 Millionen Hektar des Waldes, die die Regierung
des früheren Präsidenten Bill Clinton 2001 unter Schutz
gestellt hatte. Insgesamt umfasst der Nationalforst, der
größte der USA, 6,72 Millionen Hektar. «Die Menschen in
Alaska werden davon profitieren», sagte Bill Bradshaw, Sprecher
der zum Landwirtschaftsministerium gehörenden Forstbehörde.
John Passacantando, Direktor von Greenpeace USA, warf der Regierung von
US-Präsident George W. Bush vor, den letzten ursprünglichen
gemäßigten Regenwald in den USA zu zerstören.
Verbraucherschützer sprachen von «einem weiteren
Weihnachtsgeschenk für die Holzindustrie». Die
republikanische Senatorin Lisa Murkowski sagte dagegen, die Entscheidung
ebne den Weg für die Wiederaufnahme von Holzeinschlag im
Tongass-Forst, der die Holzindustrie im Südosten Alaskas erhalte.
Aus der Forstbehörde verlautete, die Entscheidung wahre die
Belange des Umweltschutzes und schaffe die Möglichkeit für
eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.
(Quelle: ap)
Acht Tote bei Unruhen in Haiti
Mi.24.12.03 - Bei
einem Polizeieinsatz gegen Gegner von Präsident Jean-Bertrand
Aristide sind in Haiti acht Menschen erschossen worden. Zehn weitere
wurden verletzt. Nach Radioberichten hatte die Polizei versucht, in der
Stadt Gonaïves die Anführer der dortigen Opposition
festzunehmen. Seit Anfang Dezember kommt es in dem bitterarmen
Karibikstaat fast täglich zu Demonstrationen gegen Aristide.
(Quelle: dpa)
Unicef fordert mehr Schutz für die Opfer von
Menschenhandel
Mi.24.12.03 - Das
Kinderhilfswerk Unicef hat mehr Schutz für die Opfer des in
Südosteuropa grassierenden Menschenhandels gefordert.
Hauptsächlich Mädchen und Frauen würden als Prostituierte
verkauft, Kinder auch zum Betteln oder zur Arbeit gezwungen,
erklärte die Hilfsorganisation der Vereinten Nationen am Dienstag
in Köln. Gesicherte Zahlen gebe es nicht. Nach Schätzungen
der Internationalen Organisation für Migration würden
jährlich rund 120.000 Frauen und Kinder aus Ost- und
Südosteuropa in die EU-Staaten «verkauft».
Ein neuer Bericht von Unicef, OSZE und dem UN-Kommissariat für
Menschenrechte zeige, dass die Menschenhändler zunehmend
professioneller und verdeckter vorgingen. Was bis vor zwei Jahren, als
der erste derartige Bericht erschien, noch mehr oder minder
öffentlich abgelaufen sei, werde immer mehr ins Verborgene
abgedrängt, sagte Unicef-Sprecher Rudi Tarneden. Nachteil sei, dass
damit auch die Frauen und Kinder von Hilfe zusehends abgeschnitten
seien.
«Kriminelle Menschenhändler nutzen das Armutsgefälle in
Europa, um Mädchen und Frauen gnadenlos auszubeuten», sagte
Unicef-Schirmherrin Christina Rau. Die Regierungen müssten endlich
entschlossen gegen diese schmutzigen Geschäfte vorgehen, verlangte
die Frau des Bundespräsidenten. «Reiche Länder wie
Deutschland müssen dabei Vorreiter sein, um die Opfer zu
schützen und die Täter zu verfolgen.»
Christina Rau warb um weitere Unterstützung für die
Unicef-Aktion «Kinder sind unverkäuflich!». Mit der
Unterschriftenkampagne fordert das Hilfswerk die Bundesregierung auf,
den Kampf gegen die Geschäfte mit Kindern auf nationaler und
internationaler Ebene zu forcieren. Fast 180.000 Menschen haben die
Forderungen von Unicef bereits unterschrieben.
Die Regierungen müssten dafür sorgen, dass klare
Menschenrechtsstandards bei der Behandlung der Opfer eingehalten werden,
betonte Unicef. Nach wie vor blieben die meisten minderjährigen
Opfer von Menschenhändlern ohne Hilfe und Beistand. Viele Kinder
und Frauen, die von den Behörden in ihr Heimatland
zurückgeschickt worden seien, gerieten wiederum in die Fänge
von Händlern und Zuhältern. Vor allem Kinder und Jugendliche
unter 18 Jahren brauchten besondere Unterstützung und dürften
nicht einfach in ihre Heimat abgeschoben werden.
(Quelle: ap)
Russland: Putin will Privatisierungen überprüfen
Mi.24.12.03 - Der
russische Präsident Wladimir Putin hat erstmals eine
Überprüfung der Privatisierungen der Staatskonzerne in
Russland im Fall von Gesetzesverstößen angedeutet.
Zunächst wies er vor der russischen Industrie- und Handelskammer
Befürchtungen zurück, wonach Privatisierungen
rückgängig gemacht werden könnten. Dies sei nicht
vorgesehen, sagte er. Zugleich betonte er jedoch, diese Versicherung
gelte nicht für die, "welche die Gesetze nicht beachtet haben".
Unterdessen verlängerte ein Gericht in Moskau die Haft für den
russischen Ölmagnaten Michail Chodorkowski um drei weitere Monate.
Die zunächst bis Jahresende verhängte Untersuchungshaft
für den Milliardär werde bis 25. März kommenden Jahres
verlängert, sagte sein Anwalt Anton Drel. Von der
Gerichtsentscheidung hing unter anderem ab, ob sich Chodorkowski als
Kandidat zur russischen Präsidentschaftswahl am 14. März
aufstellen lassen kann. Der ehemalige Chef des russischen
Ölkonzerns Jukos sitzt wegen Steuerhinterziehung, Betrugs und
Dokumentenfälschung seit 25. Oktober in Haft.
Beobachter hatten Chodorkowskis Festnahme als Zeichen eines erbitterten
Machtkampfes zwischen dem Kreml und einflussreichen Geschäftsleuten
gewertet. Der frühere Jukos-Chef hatte im Vorfeld der
Parlamentswahl vom 7. Dezember oppositionelle Parteien finanziell
unterstützt. Während die Opposition jedoch eine große
Wahlniederlage erlitt, kamen die Kreml-treuen Parteien auf eine
Zwei-Drittel-Mehrheit in der Duma.
(Quelle: afp)
EU-Handelskommissar Lamy: Euro-Kurs nicht beunruhigend
Mi.24.12.03 - Den
jüngsten kräftigen Kursanstieg des Euro gegenüber dem
Dollar auf immer neue Rekordstände löst offenbar bei der
Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB)
keine Besorgnisse aus.
EU-Handelskommissar Pascal Lamy sagte am Dienstag dem Rundfunksender
RTL, der derzeitige Euro-Kurs sei nicht beunruhigend. "Es ist nicht der
Euro, der stark ist, aber der Dollar, der schwach ist", sagte Lamy
weiter. Es gebe gute Gründe für die Dollar-Schwäche,
sagte er unter Hinweis auf das Ungleichgewicht in der
US-Leistungsbilanz. Die Kursbewegungen erschienen ihm normal. "Da gibt
es keine Überraschung. Das wichtige ist, dass er (der Kursanstieg)
kontrolliert verläuft."
EZB-Direktoriumsmitglied Tommaso Padoa-Schioppa sagte der "Frankfurter
Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe) auf die Frage, ob der
Euro-Kursanstieg den Aufschwung in der Euro-Zone in Frage stellt: "Nur
so viel. Wir leben in einem System flexibler Wechselkurse." In Europa
werde viel mehr über Wechselkurse gesprochen als in den USA.
Der Dollar wurde am Dienstagvormittag in Europa mit Kursen um 1,2415
Dollar gehandelt. Am Vortag war die europäische
Gemeinschaftswährung - nach Reuters Daten - bis auf 1,2447 Dollar
gestiegen.
(Quelle: rtr)
«Der Euro blockiert Politikinstrumente»
Ökonom
Wilhelm Hankel hält die Gemeinschaftswährung für die
Wurzel der wirtschaftlichen Misere in Deutschland...
Mehr in
der "tageszeitung" vom 22.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/22/a0140.nf/text
Wilhelm
Hankel, 74, wurde als Kläger gegen die Einführung der
europäischen Gemeinschaftswährung populär. Der
Expräsident der Hessischen Landesbank lehrt als Professor für
Währungspolitik an der Universität Frankfurt. Der Titel seines
jüngsten Buches lautet: "Die Euro-Illusion - Ist Europa noch zu
retten?".
Konjunkturexperte: «Euro-Aufwertung kostet
Wachstum»
Gustav-Adolf
Horn, Konjunkturexperte beim Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung, spricht in einem taz-Interview vom 10.12.03
über die Folgen eines starken Euro für die deutschen Exporte
und über die Gründe, warum der Dollar trotz günstiger
Konjunkturentwicklung in den USA nicht steigt:
Mehr
unter:
http://www.taz.de/pt/2003/12/10/a0130.nf/text
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Deutschland
Altkanzler Schmidt wirft europäischen Politikern
Dilettantismus vor
Mi.24.12.03 -
Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat führenden europäischen
Politikern Versagen bei der EU-Erweiterung vorgeworfen. In einem
Gespräch mit der «Süddeutschen Zeitung» aus Anlass
seines 85. Geburtstages am Dienstag offenbarte der SPD-Politiker
zugleich ein bislang unbekanntes deutsch-amerikanisches Kapitel im
Zusammenhang mit früher geplanten atomaren Landminen.
«Wir haben es da mit einer Zusammensetzung von
Außenministern und Regierungschefs oder Staatschefs zu tun, von
denen die größere Zahl Dilettanten sind, was die
Europapolitik angeht», sagte Schmidt dem Blatt. Die amtierenden
Staatsmänner seien «große, erfahrene Taktiker und
Wichtigtuer in der Innenpolitik, aber in Sachen europäischer
Integration Dilettanten». Er selbst hätte niemals eine
Erweiterung um 12 oder 13 Mitglieder ins Auge gefasst, sondern wäre
einen Schritt nach dem anderen vorgegangen. «Jetzt haben
große Staatsmänner 13 Schritte auf einmal tun und
gleichzeitig auch noch die Verfahren und Institutionen ändern
wollen. Das haben sie aber nicht hinbekommen», sagte Schmidt.
Zu seiner Zeit seien die Staatsmänner, wie etwa der Franzose
Valery Giscard d'Estaing, behutsamer vorgegangen: «Wir haben ja
auch den Euro nicht aus dem Hut gezaubert, sondern wir haben den
europäischen Währungsverbund geschaffen, aus dem sich der ECU
ergeben hat, eine gemeinsame Währung, die nur auf dem Papier stand.
Erst daraus konnte sich die gemeinsame Währung ergeben. Ein
Schritt nach dem anderen.»
In seiner Zeit als Verteidigungsminister verhinderte Schmidt nach
eigenen Angaben in den Jahren 1969 und 1970, dass die Nato in
Deutschland ein Gürtel von atomaren Landminen verlegte. Er habe
mehr oder weniger zufällig vom amerikanischen Verteidigungsminister
Melvin Laird von den Geheimplänen erfahren. Glücklicherweise
sei auch der US-Politiker Soldat im Zweiten Weltkrieg gewesen.
«Also konnte er auch verstehen, als ich ihm sagte: In dem
Augenblick, wo so ein Ding hochgeht, heben sämtliche deutschen
Soldaten die Hände hoch. Das können wir nicht machen»,
erinnerte sich Schmidt. «Der hat das sofort eingesehen. Wir haben
das dann ganz still gemeinsam beerdigt.» Die Presse habe nie
etwas davon mitbekommen.
(Quelle: ap)
Zur Arbeitsplatzsicherung Lohnsenkungen bei Hafenarbeitern
möglich
Mi.24.12.03 - Das
Jahreseinkommen der Arbeiter in den deutschen Seehäfen kann
künftig um bis zu 15 Prozent sinken, wenn damit Arbeitsplätze
gesichert werden. Die Tarifparteien unterzeichneten eine entsprechende
Ergänzung zum Rahmentarifvertrag, teilte der Zentralverband der
Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) gestern mit.
(Quelle: dpa)
Saisonarbeitern droht laut Gewerkschaften sozialer Abstieg
Mi.24.12.03 -
Hunderttausenden Saisonarbeitern droht wegen der Zusammenlegung von
Arbeitslosen- und Sozialhilfe Gewerkschaftsangaben zufolge der soziale
Abstieg. Schätzungsweise rund 400.000 Bau- und Landarbeiter
erhielten wegen der beschlossenen Neuregelungen künftig anstelle
von Arbeitslosengeld lediglich Sozialhilfe, weil sie nie die
erforderlichen zwölf Monate am Stück beschäftigt seien,
kritisierte IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur AP.
Dies gelte für rund 250.000 Bauarbeiter sowie für
Saisonarbeiter unter anderem in der Landwirtschaft sowie im Weinbau, und
sei inakzeptabel. «Es gibt Landstriche, wo es einfach üblich
ist, dass die Menschen vor Weihnachten nach Hause geschickt werden und
erst im März wiedergeholt werden», sagte Wiesehügel. In
der übrigen Zeit, in der die Beschäftigten wegen der
Witterungsbedingungen nicht arbeiten könnten, erhielten sie nun
aber kein Arbeitslosengeld mehr sondern nurmehr das neue
Arbeitslosengeld II auf dem Niveau der Sozialhilfe.
Auch die Praxis, dass Unternehmer die Menschen nur für befristete
Projekte einstellten, trage zu der Situation bei. Der
Gewerkschaftsvorsitzende kritisierte, dass die Bundesregierung erst die
Möglichkeit von befristeten Arbeitsverhältnissen ausgeweitet
habe und den Menschen nun einen Strick daraus drehe. Dies habe - wie
auch die verschärften Zumutbarkeitskriterien für
Langzeitarbeitslose - nichts mehr mit sozialdemokratischer Politik zu
tun, sagte der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Wiesehügel.
Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sorgt sich
um die Saisonarbeiter in ihrem Organisationsbereich. Insgesamt bis zu
100.000 Kellner, Köche, Zimmermädchen und
Reinigungskräfte seien von der Neuregelung betroffen, sagte
NGG-Sprecherin Karin Vladimirov der AP.
«Es ist ein unmöglicher Zustand, dass die Leute, die an
Nord- und Ostsee und auf den Inseln arbeiten, wo nur diese Art der
Beschäftigung möglich ist, ihre Familien nicht mehr
ernähren können», kritisierte die
Gewerkschaftssprecherin. «Wir haben versucht, auf die Neuregelung
noch Einfluss zu nehmen, leider war das umsonst», sagte
Vladimirov. Die Beschäftigten seien zum Umziehen gezwungen, in
Gebiete, in denen es das ganze Jahr über Arbeit gebe.
(Quelle: ap)
DGB lehnt Gebührenpflicht für Sozialgerichtsklagen
ab
Mi.24.12.03 - Der
Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat sich gegen Pläne
ausgesprochen, für die bislang kostenfreien Prozesse vor den
Sozialgerichten Gebühren zu erheben. «Die Besonderheiten des
sozialgerichtlichen Verfahrens sprechen dafür, die Kostenfreiheit
beizubehalten», sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula
Engelen-Kefer der Berliner Zeitung (Mittwochausgabe).
«Es geht immer um Fragen von elementarer Bedeutung - zum Beispiel
die Gewährung von Renten oder den Bezug von Arbeitslosengeld -, so
dass der Zugang so einfach wie möglich sein muss», zitierte
das Blatt Engelen-Kefer. Gerichtskosten aber würden diesen Zugang
vor allem für Menschen mit wenig Geld erschweren. Die
Gewerkschafterin reagierte auf den von Bundesjustizministerin Brigitte
Zypries befürworteten Vorstoß der Länder im Bundesrat,
künftig bei Klagen vor den Sozialgerichten Gebühren zu
verlangen.
(Quelle: ap)
Barmer weist laut Zeitung Sozialhilfeempfänger ab
Mi.24.12.03 - Die
Barmer Ersatzkasse will nach einem Bericht der «Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung» keine Sozialhilfeempfänger mehr
aufnehmen. Laut einem internen Papier sollen die Bearbeiter
Sozialhilfeempfänger und Asylbewerber abweisen, weil sie
höhere Kosten verursachen. Das Blatt zitiert aus einem internen
Papier der Krankenkasse. Das Bundesgesundheitsministerium nannte diese
interne Maßgabe einen klaren Rechtsverstoß. Jede gesetzliche
Kasse sei verpflichtet, jedes Mitglied aufzunehmen.
(Quelle: dpa)
Immer mehr Krankenkassen wollen Versicherte zunächst
nicht entlasten
Mi.24.12.03 -
Trotz milliardenschwerer Einsparungen durch die Gesundheitsreform
wollen immer mehr Krankenkassen ihre Mitglieder zum Jahresbeginn nicht
durch niedrigere Beiträge entlasten. Die AOK Mecklenburg-Vorpommern
kündigte am Dienstag an, ihren Beitragssatz von 14,9 Prozent
vorerst stabil zu halten. AOK-Vorstandschef Hans-Jürgen Ahrens
sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung», keine
Aufsichtsbehörde könne die Kassen dazu bewegen, sich weiter
zu verschulden, um die Beiträge zu reduzieren. Für Mitglieder
der BKK Zollern-Alb und sancura steigen die Beiträge sogar
deutlich.
AOK-Chef Ahrens erklärte der Zeitung zufolge, die Drohung von
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt werde ohne Konsequenzen
bleiben. Sie könne aber davon ausgehen, dass schon wegen des
Wettbewerbs jede Krankenkasse den Beitragssatz sobald wie möglich
verringern werde. Schmidt hatte schon mehrfach angekündigt, die
Kassen zur Beitragssenkung zu zwingen, da dies Teil der gesetzlichen
Abmachung sei.
Ahrens sagte laut «Neuer Osnabrücker Zeitung», man
streite nicht über die Höhe der Einsparungen von neun
Milliarden Euro durch die Gesundheitsreform. Aber jede Kasse müsse
von ihrer Ersparnis zumindest eine Teilentschuldung und Kreditkosten
abziehen. Ob und in welchem Umfang Beiträge sinken könnten,
müsse jede einzelne Kasse prüfen, meinte der AOK-Chef.
Hingegen übte der Vorstandschef der Deutschen Angestellten
Krankenkassen (DAK), Herbert Rebscher, im «Hamburger
Abendblatt» (Mittwochausgabe) Kritik an den Aussagen von Ahrens.
Die DAK habe ihren Beitragssatz von 15,2 auf 14,7 Prozent gesenkt. Dies
zeige, dass es gehe.
Die AOK Mecklenburg-Vorpommern kündigte an, sie wolle aber jede
sich bietende Möglichkeit für Beitragssenkungen nutzen. Die
Entscheidung über Zeitpunkt und Höhe könne, wie bei
anderen Kassen, erst im Laufe des kommenden Jahres nach Vorliegen
«solider Finanzdaten» getroffen werden. Die AOK
Mecklenburg-Vorpommern erwartet im kommenden Jahr Ausgaben in Höhe
von rund 1,5 Milliarden Euro.
Die BKK Zollern-Alb, die ab dem 1. Januar 2004 mit der BKK für
steuerberatende und juristische Berufe zur BKK Gesundheit fusionieren
soll, will nach einem Bericht der «Sächsischen Zeitung»
(Dienstagausgabe) ihren Beitragssatz von derzeit 13,7 bzw. 13,4 Prozent
auf 14,4 Prozent anheben. Die neue BKK Gesundheit wird den Angaben nach
mit 630.000 Versicherten die fünftgrößte
Betriebskrankenkasse sein. Auch für die knapp 257.000 Mitglieder
der sancura BKK soll es dem Zeitungsbericht zufolge teurer werden. Hier
steige der Beitrag von 13,1 Prozent auf 13,9 Prozent, hieß es.
Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz schreibt den Kassen vor, die
milliardenschweren Einsparungen durch die zum 1. Januar 2004 in Kraft
tretende Gesundheitsreform zum großen Teil an die Versicherten
weiterzugeben, da diese im kommenden Jahr etwa bei Arztbesuchen oder
Medikamenten wesentlich mehr aus der eigenen Tasche zuzahlen
müssen. Einige Kassen haben jedoch bereits angekündigt, dass
sie die Einsparungen zunächst zur Schuldensanierung nutzen wollen.
(Quelle: ap)
SPD diskutiert Kürzung der Witwenrente für
Kinderlose
Mi.24.12.03 - Die
SPD plant offenbar eine Kürzung der Witwenrente für
Kinderlose. Bundessozialministerin Ulla Schmidt sagte der
«Berliner Zeitung» (Mittwochausgabe), zusammen mit der
SPD-Fraktion und Familienministerin Renate Schmidt werde
gegenwärtig diskutiert, wie man die Hinterbliebenenversorgung von
Kinderlosen so umschichten könne, dass Familien bei der Rente
besser gefördert würden.
(Quelle: ap)
Greenpeace-Protest vor Hanauer Nuklear-Anlage
Mi.24.12.03 -
Greenpeace-Aktivisten haben am Dienstag eine rund zwei Meter
große Schrottpresse vor der Siemens-Nuklearfabrik im hessischen
Hanau aufgebaut, um gegen den geplanten Verkauf der Anlage an China zu
protestieren.
Greenpeace forderte Siemens und die Bundesregierung auf, den geplanten
Export der Anlage zu stoppen. Wie die Umweltschützer mitteilten,
war auf einem Transparent zu lesen: «Weihnachtswunsch 2003: Wer
den Atomausstieg predigt, muss die Plutonium-Fabrik Hanau in die
Schrottpresse geben. Keine Deals mit Atombombentechnik».
Greenpeace-Atomexpertin Susanne Ochse warnte: «Plutonium-Technik
lässt sich immer militärisch missbrauchen.» Die Anlage
in Hanau müsse jetzt endlich verschrottet werden. «Nur so
lässt sich ein Beitrag zu einer friedlicheren Welt leisten.»
(Quelle: rtr)
Maut-Betreiber-Firmen marschieren jetzt getrennt
Mi.24.12.03 -
Nach massivem Drohungen aus dem Verkehrsministerium marschieren die
Maut-Betreiber-Firmen DaimlerChrysler und Deutsche Telekom jetzt
getrennt. Die in Berlin erscheinende Tageszeitung «Die Welt»
und die «Süddeutsche Zeitung» (Mittwochausgaben)
berichteten, die Telekom habe Verkehrsminister Manfred Stolpe im
Alleingang den geforderten Fahrplan für die Einführung der
LKW-Maut vorgelegt. Stolpe will mit Toll Collect notfalls auch
über Weihnachten verhandeln, um 2004 ein funktionierendes
Maut-System zu bekommen.
Wie die «Welt» weiter meldete, habe die Telekom mit ihrem
Vorschlag die Kündigung des Maut-Vertrages verhindern wollen. Das
Blatt schloss auch ein Zerwürfnis zwischen Telekom und
DaimlerChrysler nicht aus.
In der «SZ» hieß es jedoch, dass die Telekom ihre
Vorstellungen zu einem Einführungstermin mit dem Hinweis verbunden
habe, dass dessen Inhalt «angesichts der bevorstehenden
Feiertage» noch nicht mit den Partnern DaimlerChrysler und
Cofiroute habe abgestimmt werden können. Die Telekom teile in dem
Brief an Stolpe mit, dass sie sich verbindlich auf einen Starttermin des
Mautsystems im vierten Quartal 2004, spätestens im ersten Quartal
2005 festlegen wolle.
Stolpe hatte die Kündigung für das Jahresende ins Auge
gefasst, falls das Konsortium keinen Garantietermin für die
Mauteinführung nennt und keine Ausgleichszahlung für die
entgangenen Einnahmen des Bundes anbietet. Stolpes Haus erwägt nach
Sprecherangaben gleichzeitig alle rechtlichen Möglichkeiten gegen
das Betreiberkonsortiums. Auch eine Strafanzeige wegen Betrugs, von der
der Berliner «Tagesspiegel» berichtet hatte, sei nicht
auszuschließen.
Stolpe räumte am Dienstag im NDR ein, dass es zwischen ihm und
Bundeskanzler Gerhard Schröder unterschiedliche Bewertungen in der
Frage des Umgangs mit Toll Collect gegeben habe. Schröder sei der
Auffassung gewesen, das Konsortium hätte eher als Urheber des
Termindebakels identifiziert werden müssen. Er selbst hingegen habe
das Konsortium als Partner behalten wollen.
Stolpe hielt Toll Collect zugute, dass inzwischen
Personalveränderungen vorgenommen wurden. Das Konsortium habe auch
zugegeben, dass sein Management «nicht ausreichend
gearbeitet» habe. «Abgerechnet wird an dem Tag, wo die Maut
läuft,» fügte er hinzu.
Sollten die Verhandlungen zu keiner Grundsatzaussage über einen
festen Einführungstermin führen, dann gibt es laut Stolpe
mehrere Ausweichmöglichkeiten: Man könne das geplante System
auf andere Partner übertragen. «Da haben wir schon
Interessenten, die mit den Füßen scharren,»
erklärte der Minister.
Man könne auch eine andere Technik anwenden, wie etwa die in der
Schweiz erprobte Erfassung durch Mikrowelle. Der Nachteil wäre ein
Zeitverlust von etwa zwei Jahren, weil neue Ausschreibungen nötig
würden. Eine weitere Möglichkeit wäre der Rückgriff
auf die Eurovignette, deren Wiedereinführung nur einige Monate
Zeitverlust bringen würde. Sie würde auch nicht so viel
Einnahmen sicherstellen und sei letztlich ein veraltetes System.
Höheren Einnahmen aus der Maut sind laut Stolpe unverzichtbar.
Deutschland sei auf Dauer ebenso wenig wie seine Nachbarn in der Lage,
die Straßen für Schwerlasttransporte durch öffentliche
Haushalte zu finanzieren.
(Quelle: ap)
Mobilcom gibt UMTS-Lizenz an Regulierungsbehörde
zurück
Mi.24.12.03 -
Nach drei Jahren und drei Monaten ist das UMTS-Abenteuer für den
Telefonanbieter Mobilcom nun endgültig abgeschlossen: Das
Unternehmen hat seine für 8,4 Milliarden Euro gekaufte UMTS-Lizenz
zurückgegeben. Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen den Schritt am
Dienstag in Büdelsdorf, wie das Unternehmen mitteilte. Damit sei
Mobilcom frei, als Service-Provider auch UMTS-Dienste etwa von T-Mobile
oder Vodafone anzubieten. Lizenzinhaber dürften nicht zugleich
Service-Provider sein. Die Lizenz wurde nach Angaben eines Sprechers am
Dienstag zurückgegeben.
Mobilcom hatte im August 2000 eine der sechs deutschen
Mobilfunklizenzen gekauft. Vorstandschef und Hauptaktionär Gerhard
Schmid startete einen energischen Aufbau des Netzes von Sendestationen.
Er wollte als erster ein UMTS-Netz in Deutschland in Betrieb nehmen.
Doch schon etwas mehr als ein Jahr kam der Telefonanbieter in
Schwierigkeiten: Schmid zerstritt sich mit France Telecom, die sich an
Mobilcom beteiligt hatte. Die Franzosen wollten so in den deutschen
UMTS-Markt einsteigen, von dem Telefonmanager sich damals gigantische
Gewinne versprachen.
France Telecom sollte die Kosten für den Netzaufbau tragen. Anfang
2002 wollten die schuldenbeladenen Franzosen aber langsamer beim Aufbau
von UMTS-Sendestationen voranschreiten. Schmid lehnte dies ab. Es begann
ein Streit, in dessen Verlauf Schmid als Vorstandschef zum
Rücktritt gezwungen wurde. Er musste seine Aktien verpfänden,
das Unternehmen kam wegen hoher Schulden nur knapp an der Pleite vorbei.
Schmid erklärte seine Privatinsolvenz. Finanzchef Thorsten Grenz
übernahm den Vorstandsvorsitz und sanierte Mobilcom, das heute
wieder schwarze Zahlen schreibt. Das Unternehmen hat sich auf das alte
Geschäft konzentriert und vermittelt wieder Handy-Verträge.
In einem Interview vor wenigen Wochen schloss Grenz nicht aus, dass
Mobilcom nach dem fehlgeschlagenen UMTS-Abenteuer weiter auf eine
Rückerstattung eines Großteils der Lizenzgebühren
beharren würde. «Wir haben die Lizenz mit einer Laufzeit von
20 Jahren für 8,5 Milliarden Euro erworben», sagte
Mobilcom-Chef der Zeitschrift «Wirtschaftswoche».
«Wenn wir sie jetzt, nach drei Jahren, zurückgeben,
könnten wir 85 Prozent des Preises zurückfordern». In
der Rückgabe-Erklärung vom Dienstag hieß es, über
weitere Schritte hätten die Gremien noch nicht entschieden.
Nun steht noch die Lizenz des Anbieters Quam aus, wie die
Regulierungsbehörde am Dienstag bestätigte. Das in
München ansässige Gemeinschaftsunternehmen der spanischen
Telefonica und der finnischen Sonera hatte den Betrieb bereits Mitte
November vergangenen Jahres eingestellt. Notfalls könnte die
Regulierungsbehörde die Lizenz einziehen, da Quam wie Mobilcom kein
eigenes UMTS-Netz aufgebaut hat, das die Lizenzbedingung erfüllen
würde, zum Ende des Jahres 2003 mindestens 25 Prozent der
bundesdeutschen Bevölkerung zu erreichen.
Was mit den Frequenzpaketen, die mit den UMTS-Lizenzen verbunden sind,
in Zukunft geschieht, steht noch nicht endgültig fest. Seitens der
Regulierungsbehörde wurde eine neuerliche Versteigerung der frei
gewordenen Lizenzen ausgeschlossen. Die Frequenzen könnten neu
vergeben werden, wenn die verbleibenden vier UMTS-Betreiber sie für
den Aufbau ihrer Netze nutzen wollten. Möglicherweise werden
Frequenzbereiche aus den beiden nicht genutzten Lizenzen aber auch erst
im Jahr 2007 verteilt, wenn planmäßig bisher anderweitig
reservierte Frequenzbänder frei werden und nach Vorstellung der
Regulierungsbehörde dem UMTS-Spektrum zugeteilt werden sollen.
(Quelle: ap)
Bundesdatenschützer warnt vor Speicherung der
TK-Verbindungsdaten
Mi.24.12.03 - Der
frisch ins Amt eingeführte Bundesdatenschutzbeauftragte Peter
Schaar lehnt die vom Bundesrat geforderte Vorratsdatenpeicherung
grundsätzlich ab. Die Länderkammer hatte sich am Freitag
dafür ausgesprochen, dass Anbieter alle bei der Erbringung von
Telekommunikationsdienstleistungen anfallenden Daten pauschal sechs
Monate vorhalten müssen. Damit könnten "sämtliche Spuren
der elektronischen Kommunikation zusammengeführt werden", warnte
der grüne Politiker im Gespräch mit heise online.
Strafverfolger und Geheimdienste wären mit den umfangreichen
Datenbeständen im Stande "detaillierte Kommunikationsprofile" der
Nutzer zu erstellen. Dies widerspreche wichtigen datenschutzrechtlichen
Prinzipien und werfe Fragen der Verhältnismäßigkeit auf.
Mehr bei heise.online ()23.12.03) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-23.12.03-002/
Weihnachtsgrüße vom Mars - Europäer hoffen
auf erfolgreiche Raumfahrt-Mission
Landung der
Mars-Sonde 'Beagle 2' wird live im Internet übertragen
Mi.24.12.03 - Die
Europäische Weltraumagentur will sich an Weihnachten selbst das
größte Geschenk machen. Beschert wird nach englischem Brauch
am Morgen des 25. Dezember: Zum Frühstück um 7.00 Uhr soll
die Mars-Mission unversehrt ihr Ziel erreicht haben und erste
Lebenssignale vom Roten Planeten senden.
Am Weihnachtsabend tritt die Lande-Einheit «Beagle 2» -
benannt nach dem Schiff des Naturforschers Charles Darwin - mit einer
Geschwindigkeit von rund 20 000 Kilometern pro Stunde in die
Mars-Atmosphäre ein. Durch die Reibung wird das knapp 70 Kilogramm
leichte Gerät auf rund 1200 Grad erhitzt und zum Glühen
gebracht. Außerdem verliert es deutlich an Fahrt.
Wenn «Beagle 2» diesen Backofen überwunden hat, hoffen
die Wissenschaftler, dass sich der Fallschirm öffnet, der die
Geschwindigkeit auf rund 60 Stundenkilometer vermindert. Dann
müssen sich die großen Airbags öffnen, mit denen das
Fluggerät wie ein großer Ball auf dem Marsboden aufspringen
soll. Beim letzten Hüpfer lösen sie sich.
Die Forschungseinheit wird sich dann, einem Programm folgend, in die
richtige Position wälzen, ihre
Solar-«Blütenblätter» öffnen, den
Forschungsarm und die Antenne ausfahren und ein Erkennungszeichen
senden: Die Anfangstöne des Musikstücks, das die britische
Band Blur speziell für diesen Anlass komponiert hat.
Hören und zur Erde weiterleiten soll diese Musik die US-
amerikanische Sonde «Odyssey», die etwa gegen 7.00 Uhr die
Marssenke «Isidis Planitia» überfliegt, auf der die
Lande-Einheit liegen soll. Wenn dann Funkstille herrschen sollte, muss
das jedoch noch nicht das Ende bedeuten, denn dafür kann es viele
Gründe geben: «Beagle 2» ist an einem anderen Zielpunkt
angekommen und kann nicht erfasst werden, oder der Computer ist
beschädigt und muss sich neu laden. Eine erneute Kontaktaufnahme
wäre dann erst kurz vor Mitternacht möglich, wenn ein
Teleskop in England die entsprechende Marsregion abhören wird.
Das Mutterschiff «Mars-Express» kann keine Hilfestellung
bieten, denn es ist mit sich selbst beschäftigt. Es muss ebenfalls
am 25. Dezember abgebremst und in eine Umlaufbahn um den Mars gebracht
werden. Reagiert es nicht auf die Befehle, zerschellt es auf dem Roten
Planeten. Wenn alles gut geht, kreist es in einer großen Ellipse
um den Mars und wird am 3. Januar eine Verbindung zu «Beagle
2» herstellen.
Die Sonde wäre der größere Verlust für die 300
Millionen Euro teure Mission. Die Lande-Einheit mit ihrem Bohrer, der
1,50 Meter tief graben kann, wirkt zwar spektakulärer, aber sie hat
in den Sandstürmen nur eine Überlebensdauer von 6 Monaten.
Außerdem werden wenige Zentimeter unter der Mars-Oberfläche
nur bedingt neue Erkenntnisse erwartet.
«Mars-Express» dagegen kann mit seinem Radar bis in eine
Tiefe von 5 Kilometern vordringen und dort nach flüssigem Wasser
suchen. Nur in dieser Materie kann sich nach Meinung der Wissenschaftler
Leben entwickelt und vielleicht bis heute erhalten haben. Allerdings
nur in Form von Bakterien, erläutert Projektleiter Mike McKay .
Die Landung der Mars-Sonde Beagle2 in der Nacht von 24. auf 25.
Dezember wird live im Internet auf der Webseite der ESA übertragen: http://www.esa.int
(Quelle: dpa)
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