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+++ Do.25.12.03,
13:45 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am zweihunderteinundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Serie von
Anschlägen in Irak reißt nicht ab. Zahlreiche Tote, darunter
drei US-Soldaten +++ Granatenangriff auf US-Stützpunkt in Kirkuk
+++ Schwere Explosionen in Bagdad +++ Eigene Berater lasten Bush
'fragwürdige' Irak-Vorwürfe an
Do.25.12.03 - Das
Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad ist am Morgen erneut von einer
Serie von schweren Explosionen erschüttert worden. Der
US-Nachrichtensender CNN berichtet, innerhalb einer Stunde seien acht
Panzerabwehrgranatern eingeschlagen. In einem Wohnblock seien eine Frau
und ein Mann verletzt worden. Getroffen wurde demnach auch das
Hauptquartier der US-geführten Koalition und das Sheraton-Hotel, in
dem viele Gäste aus westlichen Ländern wohnen. Die BBC
berichtet zudem von Feuer aus schweren automatischen Waffen.
Auch Heiligabend riss die Serie von Anschlägen in Irak nicht ab.
Der US-Militärstützpunkt am Flughafen der nordirakischen Stadt
Kirkuk ist am Mittwochabend mit Mörsergranaten angegriffen worden.
Wie der Chef der irakischen Flughafenpatrouille, Chairallah Hassan,
mitteilte, waren am Abend die Einschläge von mehreren
Mörsergranaten zu hören. Daraufhin seien von der US-Basis
mehrere Hubschrauber aufgestiegen. Von Seiten des US-Militärs war
zunächst keine Bestätigung zu erhalten.
Bei einer Bombenexplosion nahe der irakischen Widerstandshochburg
Samarra wurden drei US-Soldaten getötet. Bei einem
Selbstmordanschlag im Norden wurden mindestens fünf Menschen
getötet und 101 weitere verletzt.
Wie ein Sprecher der US-Armee mitteilte, fuhren die Soldaten mit ihrem
Fahrzeug am Morgen auf eine am Straßenrand versteckte Bombe. Der
zerstörte Wagen war Teil eines Konvois. Damit starben seit dem
offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen, das US-Präsident George
W. Bush am 1. Mai verkündete, 204 US-Soldaten in Irak.
Bei einem Selbstmordanschlag im nordirakischen Kurdengebiet sind am
Mittwoch mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Nach
Behördenangaben zündete der Attentäter den in seinem
Fahrzeug versteckten Sprengsatz vor dem Innenministerium in Erbil. Etwa
50 Menschen wurden verletzt. In Erbil befindet sich das kurdische
Regionalparlament.
In Bagdad war zuvor ein Bombenanschlag auf einen Berater des irakischen
Ministeriums für Wissenschaft und Technologie verübt worden.
Der Experte blieb unverletzt, wie die irakische Polizei mitteilte.
Bei der Explosion einer Bombe in einem Straßentunnel in Bagdad
kam ein Mensch ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. Der Vorfall
ereignete sich um die Mittagszeit im Tunnel von Schurta, der die
Innenstadt von Bagdad mit den westlichen Vororten verbindet.
Unbekannte haben in der irakischen Hauptstadt drei Männer und ein
Kind erschossen, die gerade aus einer sunnitischen Moschee kamen. Die
bewaffneten Männer hätten im überwiegend schiitischen
Stadtteil Watschatsch von einem Auto aus auf die vier Iraker geschossen,
sagte der moslemische Geistliche Abdel Salam el Kubeissi der
Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch. Der Angriff wurde demnach am
Dienstag im Morgengrauen verübt. Er sei Teil einer
"Verschwörung" und ziele darauf ab, einen "Glaubenskrieg" zwischen
Sunniten und Schiiten anzuzetteln. Die Sunniten würden allerdings
nicht in eine solche "Falle" gehen, betonte Kubeissi. Der Angriff gehe
auf das Konto "ausländischer Parteien", fügte er hinzu.
Die christlichen Gemeinden in Bagdad sagten aus Sicherheitsgründen
die Mitternachtsmesse für den Heiligen Abend ab. Die Menschen
hätten Angst davor, in der Nacht ihre Häuser zu verlassen,
sagte der Sprecher des katholisch-dominikanischen Ordens, Joseph
Attischa. Die Gottesdienste würden deshalb auf den Nachmittag
vorgezogen. Er erwarte allenfalls 800 Gläubige. Im vergangenen Jahr
waren die Kirchen zu Weihnachten von noch etwa doppelt so vielen
Christen besucht worden. Die Gemeinden hätten um spezielle
Sicherheitsvorkehrungen gebeten, sagte Attischa.
Amerikanische Kampfflugzeuge und Hubschrauber bombardierten in der
Nacht zu Mittwoch den Südwesten der Hauptstadt Bagdad. Die
Flugzeuge hätten die Artillerie der 1. Panzerdivision bei ihren
Angriffen auf mehrere Ziele unterstützt, sagte Militärsprecher
John Frisbie. Kommandeure der US-Truppen hatten zuvor Operationen
über Weihnachten angekündigt, nachdem es Hinweise auf
Angriffe von Aufständischen gegeben hatte.
Frisbie deutete an, die Militäraktion gehe auf Hinweise des vor
eineinhalb Wochen festgenommenen Exstaatschefs Saddam Hussein
zurück. Auch Bürger, die sich gegen die Aufständischen
stellten, lieferten immer wieder Informationen. In Washington sagte
US-Generalstabschef Richard Myers, nach der Festnahme von Saddam Hussein
hätten am Montag 50 ehemalige Mitglieder des alten Regimes gefasst
werden können. Ähnlich viele Informationen seien auch nach
dem Tod von Saddam Husseins Söhnen Odai und Kusai im Juli
eingegangen.
Die US-Truppen setzten unterdessen ihre Razzien fort und nahmen in
Bagdad unter anderem den sunnitischen Scheich Ghasi Hanasch fest. Er ist
der Anführer des Stammes El Taee und gilt als enger Vertrauter des
ehemaligen irakischen Vizepräsidenten Issat Ibrahim el Duri. Von El
Duri nehmen die USA an, dass er den Widerstand gegen die
Besatzungstruppen organisiert.
Ein Beratergremium des Weißen Hauses ist unterdessen zum Schluss
gekommen, dass US-Vorwürfe vor dem Irak-Krieg über versuchte
irakische Uran-Käufe "zweifelhaft" waren. Sie seien in eine Rede
von Präsident George W. Bush aufgenommen worden, weil die Regierung
unbedingt einen festen Beweis für irakische
Nuklearwaffen-Pläne vorlegen wollte, befand die für
geheimdienstliche Auslandsarbeit zuständige Gruppe nach Angaben der
"Washington Post".
Der Zeitung zufolge, die sich auf informierte Kreise beruft, wurde das
Gremium von Bush unter Leitung des früheren nationalen
Sicherheitsberaters Brent Scowcroft von Bush selbst mit einer
Untersuchung des Falls beauftragt. Auch im Kongress laufen Ermittlungen.
Bush hatte in seinem Bericht zur Lage der Nation im Januar von
irakischen Versuchen gesprochen, in Afrika Uran zu kaufen, obwohl der
US-Geheimdienst CIA bereits zuvor Zweifel an der Richtigkeit dieser
Behauptung geäußert hatte. Der Präsident räumte
nach dem Irak-Krieg ein, dass diese Passage nicht in seine Rede
gehört hätte. Wer direkt im Weißen Haus dafür
verantwortlich war, blieb aber offen, und es gab keinerlei personelle
Konsequenzen.
Der "Washington Post" zufolge befand nun der Beraterstab, dass der
Vorwurf nicht "absichtlich fabriziert" worden sei. Das Weiße Haus
habe vielmehr im "verzweifelten" Bemühen, etwas Handfestes gegen
Diktator Saddam Hussein vorzuweisen, die Warnungen der CIA missachtet.
(Quellen: dpa,
afp, ap)
Air France streicht Flüge nach Los Angeles wegen
Terrorwarnung
Terminal am
New Yorker Flughafen La Guardia evakuiert
Do.25.12.03 -
Terrorwarnung bei der Air France: Die französische
Fluggesellschaft hat sechs Flüge von Paris nach Los Angeles wegen
entsprechender Hinweise aus Washington gestrichen. Das teilte das
französische Innenministerium mit. Die Flüge waren sowohl
für Heiligabend als auch den ersten Weihnachtstag geplant. Die
amerikanische Botschaft hatte der Regierung eine Warnung wegen einer
"Gefahr von Attentaten auf den Flügen nach Los Angeles"
übermittelt. Mehrere französische Minister entschieden
gemeinsam die Streichung.
Nach Angaben der französischen Behörden wurden einige
Passagiere daran gehindert, bestimmte Flüge anzutreten. Aber
Festnahmen habe es zunächst nicht gegeben. In den USA gilt derzeit
die zweithöchste Terroralarmstufe. Nach Einschätzung der
amerikanischen Geheimdienste besteht im Augenblick große Gefahr,
dass ein Anschlag in den USA verübt wird.
Wegen Sicherheitsproblemen mit einem Fluggast ist am Mittwochabend der
Delta Airline-Terminal des New Yorker Flughafen La Guardia evakuiert
worden. Nach Angaben der Verkehrssicherheitsbehörde TSA hatte eine
Passagierin bei einem Metalldetektor Alarm ausgelöst und dann den
Sicherheitsbereich verlassen, bevor sie ein zweites Mal
überprüft werden konnte. Ein Delta-Sprecher sagte, alle
Passagiere an den Flugsteigs eins bis zehn müssten erneut
kontrolliert werden. Er rechnete für die betroffenen zehn
Inlandsflüge mit Verspätungen von bis zu einer Stunde.
(Quellen: afp,
br-Radionachrichten, dpa)
Nahost-Konflikt
Palästinenser sagen unter Protest Treffen mit Israel ab +++
Patriarch von Jerusalem verurteilt Bau der israelischen Sperranlage und
kritisiert 'unmenschliche Besetzung' der Palästinensergebiete +++
Hamas-Mitglied bei Explosion eines Autos in Nablus getötet +++
Israelische Armee zieht aus Flüchtlingslager Rafah ab
Do.25.12.03 - Aus
Protest gegen eine blutige Offensive der israelischen Streitkräfte
haben die Palästinenser den Bemühungen für ein
Gipfeltreffen mit Israel vorerst eine Absage erteilt. Ein Berater des
palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Kureia habe ein
Vorbereitungstreffen gestrichen, das am (gestrigen) Mittwoch hätte
stattfinden sollen, verlautete aus palästinensischen Kreisen. Die
israelischen Truppen zogen sich unterdessen aus dem
Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen zurück.
Diese Militäraktion kostete neun Palästinenser das Leben.
Acht von ihnen, darunter drei Zivilpersonen, kamen während der
Offensive am Dienstag ums Leben, ein neunter wurde bei Gefechten am
Mittwochmorgen getötet, wie Krankenhausbedienstete mitteilten. Mehr
als 40 weitere Personen wurden verletzt.
Wie die Streitkräfte erklärten, griffen Extremisten die
Soldaten während der Razzia mit Granaten und Schusswaffen an. Ziel
der Operation war laut Armee die Suche nach Tunneln, durch die nach
israelischen Angaben Waffen von Ägypten in den Gazastreifen
geschmuggelt werden. Die Streitkräfte erklärten, die Soldaten
hätten einen 17 Meter tiefen und 800 Meter langen Tunnel entdeckt
und gesprengt. Der Eingang habe sich in einem Haus befunden. Insgesamt
seien in diesem Jahr mehr als 40 solcher Tunnel entdeckt worden.
Nach dem Rückzug der israelischen Truppen begannen die Einwohner
des Lagers, den Schaden zu begutachten. Wasser- und Kanalsysteme seien
beschädigt, Stromkabel abgerissen, sagten sie. Einige Menschen
suchten in den Trümmern nach persönlichen Gegenständen.
Schätzungsweise wurden 30 Häuser in dem Lager zerstört.
Mitarbeiter der Vereinten Nationen wollten sich vor Ort einen Eindruck
von der Situation verschaffen.
Es war die blutigste israelische Militäroffensive seit mehr als
zwei Monaten: Am 20. Oktober kamen bei einem Angriff auf das
Flüchtlingslager Nusseirat im Gazastreifen 14 Palästinenser
ums Leben.
Bei einem palästinensischen Raketenangriff auf eine jüdische
Siedlung im nördlichen Gazastreifen wurden am Dienstagabend zwei
Israelis verwundet. Im Westjordanland erschossen israelische Soldaten
auf der Suche nach militanten Palästinensern bei Nablus einen Mann.
Nach palästinensischer Darstellung handelte es sich bei dem Opfer
um einen Passanten. Die israelischen Streitkräfte erklärten
dagegen, der Mann habe eine Brandbombe werfen wollen.
Andernorts im Westjordanland nahmen israelische Truppen mutmassliche
Aktivisten der Hamas-Bewegung fest. Palästinenser sprachen von mehr
als 20 Festnahmen. In einer Stellungnahme der israelischen Regierung
hiess es, die Aktivisten hätten geplant, Soldaten zu
entführen und zu enthaupten und ihre Leichen gegen inhaftierte
Palästinenser einzutauschen.
Bei der Explosion eines Autos in Nablus im Norden des Westjordanlands
ist am Mittwochabend ein radikaler Palästinenser getötet
worden. Nach Angaben der palästinensischen Sicherheitsdienste
handelte es sich dabei um ein Mitglied der Essedin-el-Kassam-Brigaden,
des bewaffneten Arms der radikalen Hamas-Bewegung. Unklar war
zunächst, ob die Explosion von einer Bombe herrührte. Die
Ermittlungen dauerten noch an, hieß es.
Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, hat
während der Mitternachtsmesse in Bethlehem die "unmenschliche
Besatzung" der Palästinensergebiete durch Israel scharf kritisiert.
"Seit drei Jahren leben wir im Krieg", dem hunderte Israelis und
tausende Palästinenser zum Opfer gefallen seien, sagte Sabbah in
seiner Predigt zum Heiligabend vor rund 3000 Gläubigen in der St.
Katharinen-Kirche von Bethlehem. Insbesondere kritisierte er dabei den
Bau der israelischen Sperranlage zum Westjordanland. Der Wall werde
Israel "weder mehr Frieden noch mehr Sicherheit bringen". Er rief die
politischen Führer auf, nach einem weiteren Jahr des Konlikts
endlich auf die "Stimme der Unterdrückten" zu hören und das
Blutvergießen zu beenden.
(Quellen: dpa,
afp, ap)
Ägypten und Syrien fordern Nahen Osten ohne
Massenvernichtungswaffen
Do.25.12.03 -
Ägyptens Präsident Husni Mubarak und sein syrischer Kollege
Baschar el Assad haben die Abschaffung aller Massenvernichtungswaffen im
Nahen Osten gefordert. Die jüngsten Ereignisse in der Region
hätten deutlich gemacht, dass sie "einschließlich Israels"
von allen Massenvernichtungswaffen freigemacht werden müsse,
erklärten die beiden Präsidenten am Mittwoch nach einem
Gipfeltreffen im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich am Roten
Meer. Zu diesem Zweck wollten Ägypten und Syrien im Rahmen der
Vereinten Nationen und anderen beteiligten internationalen
Organisationen zusammenarbeiten. Die beiden Staatschefs reagierten damit
auf die Ankündigung Libyens vom Freitag, auf
Massenvernichtungswaffen zu verzichten.
(Quelle: afp)
USA und Russland bringen hochangereichertes Uran aus
Bulgarien in Sicherheit
Do.25.12.03 -
Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen hat ein internationales Team
von Atomexperten hochangereichertes Uran aus Bulgarien nach Russland
gebracht. Das Spaltmaterial sowjetischer Herkunft sei gestern vom
bulgarischen Flughafen Gorna Orjachowiza in einer
russisch-amerikanischen Geheimaktion nach Russland geflogen worden,
bestätigte die staatliche Atombehörde in Sofia.
Der Transport wurde von den USA mit 400.000 Dollar unterstützt,
wie am Mittwoch in Sofia bekannt wurde. Damit sollte nach amtlichen
Angaben verhindert werden, dass die 17 Kilogramm radioaktiven Materials
in die Hände von Terroristen fallen.
Das Uran wurde vom Institut für Nuklearwissenschaften am Stadtrand
von Sofia zu einem entlegenen Flughafen im Osten Bulgariens gebracht.
Von dort wurde es in einer russischen Frachtmaschine zu einer Atomanlage
in Russland transportiert, wo es auf einen niedrigeren Grad der
Anreicherung zurückverarbeitet werden soll. Anschließend ist
die Verwendung des Materials in einem Kernkraftwerk geplant. In seiner
derzeitigen Beschaffenheit habe das Uran eine große Gefahr
dargestellt, erklärte ein Sprecher des russischen Ministeriums
für Atomenergie.
Die Mission war die dritte dieser Art und stand im Zusammenhang mit
einem internationalen Sicherheitsprogramm, das nach den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 neue Dringlichkeit erhalten
hatte. Danach sollen 24 Reaktoren, die mit Unterstützung der
ehemaligen Sowjetunion in 16 Ländern errichtet wurden, auf ihre
Sicherheit vor terroristischen Übergriffen überprüft
werden.
(Quellen: dpa,
ap)
EU angesichts von BSE-Verdachtsfall in USA abwartend
Do.25.12.03 - Die
EU-Kommission hat sich angesichts eines ersten Verdachtsfalls der
Rinderseuche BSE in den USA abwartend gezeigt. Die EU verbiete schon
seit Jahren die Einfuhr von besonders risikoreichen Teilen von Rindern
aus den USA, sagte eine Sprecherin der Kommission in Brüssel. Daher
gebe es keinen unmittelbaren Anlass zum Handeln. Mehrere asiatische
Länder hatten Importverbote verhängt, nachdem die
US-Regierung einen «mutmaßlichen» BSE-Fall bei einer
Kuh im Bundesstaat Washington gemeldet hatte.
(Quelle: dpa)
Stichwort: BSE
Kleine,
krankhaft veränderte Eiweiße (Prionen) sind verantwortlich
für den so genannten Rinderwahnsinn. Die schwammartige
Gehirnschädigung des Rindes (Bovine Spongiforme
Enzephalopathie/BSE) ist nach gängiger Theorie entstanden, weil
Tierfutter-Hersteller in Großbritannien Schafs-Kadaver zur
Futterverarbeitung nicht mehr sorgsam sterilisiert hatten.
Fleisch- und Knochenmehl enthielt Erreger aus Scrapie-kranken Schafen,
die ebenfalls ein schwammartig verändertes Gehirn aufweisen.
BSE-infizierte Rinder werden aggressiv, verlieren ihre Orientierung und
verenden qualvoll, wenn sie nicht schon vorher getötet werden.
Seit Ausbruch der Seuche 1984 sind in elf der 15 EU-Länder
BSE-Fälle aufgetreten. Bis Mai 2001 wurden 181 403 BSE-Fälle
festgestellt, davon 179 441 in Großbritannien. Als BSE-frei galten
Schweden, Finnland, Österreich und Griechenland.
Ein von der EU 1996 beschlossenes Exportverbot für britisches
Rindfleisch wurde im August 1999 wieder aufgehoben. Nur Deutschland und
Frankreich folgten diesem Beschluss zunächst nicht in vollem Umfang
und behielten ein nationales Importverbot bei. Deutschland gab den
Import Mitte März wieder frei, koppelte dies aber an eine
Kennzeichnungspflicht für britisches Rindfleisch.
Forscher gehen davon aus, dass sich der Mensch beim Verzehr von
BSE-verseuchtem Fleisch mit der neuen Variante der tödlichen
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) anstecken kann.
1997 hat der US-Mediziner Stanley B. Prusiner den Medizin-Nobelpreis
für seine Prionen-These erhalten. Lange wurde vermutet, dass ein
bislang unbekanntes Virus die Leiden auslöst.
(Quelle:
dpa, 24.12.03)
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Junger Deutscher als Rebell in Tschetschenien
bei Gefecht getötet
Do.25.12.03 -
Russische Soldaten haben beim Angriff auf eine Stellung
tschetschenischer Rebellen nach Angaben des Kremls einen
25-jährigen Deutschen sowie 16 weitere Extremisten getötet.
Der für Tschetschenien zuständige Sprecher von Präsident
Wladimir Putin, Sergej Jastrschembski, teilte am Mittwoch mit,
außerdem seien bei dem Gefecht nahe der Ortschaft Serschen-Jurt am
23. November ein Algerier und drei Türken ums Leben gekommen. Auf
einer Pressekonferenz in Moskau verteilte Jastrschembski Kopien der
Reisepässe der Ausländer. Demnach wurde der zum Islam
konvertierte Deutsche 1978 in Tuttlingen geboren.
Jastrschembski zeigte auf der Pressekonferenz ein Video, auf dem zu
sehen ist, wie russische Soldaten in einem Wald über die am Boden
liegenden Leichen gehen. Der Kreml-Sprecher sagte, die Truppen
hätten die Rebellenstellung umzingelt und alle Extremisten dort
getötet.
Der Kreml hat wiederholt erklärt, die Untergrundkämpfer in
Tschetschenien hätten Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida und
anderen internationalen Terrororganisationen. Der getötete Deutsche
hatte ebenso wie zwei der Türken ein 2002 ausgestelltes Visum
für Georgien. Das Visum des getöteten Algeriers stammte aus
dem Jahr 2001. Der dritte Türke hatte die Grenze von Georgien nach
Tschetschenien laut Jastrschembski im August überschritten.
Russland wirft Georgien vor, tschetschenischen Rebellen Unterschlupf zu
gewähren. Die georgische Übergangspräsidentin Nino
Burdschanadse, die am Mittwoch zu einem Besuch in Russland eintraf,
sagte, sie sei darüber informiert worden, dass einige der in
Tschetschenien getöteten Rebellen georgische Visa gehabt
hätten. Georgien habe nach Ausstellung dieser Visa aber seine
Grenzkontrollen verschärft.
(Quelle: ap)
Spanien: Polizei verhindert Anschläge auf Madrider
Bahnhof
Do.25.12.03 - Die
spanische Polizei hat am Mittwoch einen Anschlag der baskischen
Untergrundorganisation ETA auf den zweitgrößten Bahnhof
Madrids vereitelt. Die in zwei Koffern versteckte 50-Kilo-Bombe sollte
um 15.55 Uhr an Heiligabend auf dem Chamartín-Bahnhof im Norden
der Hauptstadt gezündet werden, teilte Innenminister Angel Acebes
mit. Die beiden dafür vorgesehenen Terroristen seien jedoch
rechtzeitig festgenommen worden.
Damit verhinderte die Polizei ein Massaker zur Hauptreisezeit. In dem
Bahnhof herrschte am Mittwoch Hochbetrieb, weil viele Spanier zu
Weihnachten mit dem Zug zu ihren Verwandten fahren.
Einer der beiden Männer wurde in einem Intercity gefasst. Er hatte
einen der Koffer mit rund 25 Kilogramm Dynamit bei sich. Der mit 100
Menschen besetzte Zug wurde auf der Fahrt von Irún nach Madrid in
Burgos gestoppt und evakuiert. Den zweiten mutmaßlichen
Terroristen nahm die Polizei in der baskischen Kleinstadt Hernani bei
San Sebastián fest. Er habe mit dem zweiten Koffer in einem Auto
nachkommen wollen. In Madrid sollten dann beide Sprengsätze
verbunden und mit einer Zeitschaltuhr zur Explosion gebracht werden,
hieß es weiter.
Acebes sprach von einem «makabren Plan». Die erste Bombe
hätte nach seinen Worten auch in dem Zug hochgehen können. Das
Attentat sollte nach Ansicht der Sicherheitskräfte eine
Racheaktion für die Festnahme des mutmaßlichen ETA-Chefs
Gorka Palacios vor knapp drei Wochen in Südfrankreich sein. Damals
hatte die französische Polizei zugleich die Führungsspitze der
Organisation zerschlagen. Die beiden am Mittwoch gefassten Männer
waren bislang bei der Polizei nicht aktenkundig geworden. Dies bedeute,
dass die ETA zwei Nachwuchs-Terroristen beauftragt habe, hieß es.
(Quelle: dpa)
Italien: Lebensmittelkonzern Parmalat zweigte angeblich
Millionenbetrag ab
Affäre um
die milliardenschweren Bilanzfälschungen im Konzern bringt
weltweit 36.000 Arbeitsplätze in Gefahr +++ Parmalat beantragt
Gläubigerschutz nach neuen Regeln
Do.25.12.03 - Der
italienische Lebensmittelkonzern Parmalat hat angeblich
Millionenbeträge auf ein Privatkonto nach Luxemburg abgezweigt.
Parmalat-Gründer Calisto Tanzi habe im Dezember vergangenen Jahres
in Luxemburg die Firma Satalux gegründet, auf deren Konten die
Gelder über eine weitere Firma auf den Kaiman-Inseln eingezahlt
worden seien, berichtet die italienische Tageszeitung "Corriere della
Sera" unter Berufung auf Justizmitarbeiter. Das Geld sei an der
Börse vorbei geschleust worden und der Familie Tanzi direkt
zugegangen.
Die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft konzentrieren
sich nun auf den Firmengründer Tanzi. Mehrere Mitarbeiter von
Parmalat sagten den Ermittlern dem Bericht zufolge, die
Geschäftsleitung habe die Affäre um die milliardenschweren
Bilanzfälschungen im Konzern zu vertuschen versucht. Angestellte
seien angewiesen worden, Akten und Computerdateien zu vernichten. Selbst
Heimcomputer sollten zerstört werden.
Bei dem vom bisher größten europäischen Bilanzskandal
erschütterten Milchproduzenten sind weltweit 36.000
Arbeitsplätze in Gefahr. Die italienische Justiz rechnet mit einer
Finanzlücke von mindestens sieben Milliarden Euro.
Parmalat hat am Mittwoch Antrag auf Gläubigerschutz nach den neuen
Regeln der Regierung gestellt. Ein Sprecher des Unternehmens sagte am
Mittwoch, der Antrag auf Gläubigerschutz sei für die operative
Einheit Parmalat Spa gestellt worden. Das Verfahren werde aber nach den
neuen Regeln automatisch auf die gesamte Gruppe angewandt.
Die neue Rechtsverordnung zur Restrukturierung vor der Insolvenz
stehender Großunternehmen sieht nach den Worten von
Industrieminister Antonio Marzano ein völlig neues Vorgehen vor.
Demnach entscheidet sein Ressort auf Anfrage betroffener Firmen umgehend
über die Einsetzung eines Verwalters. Sollte der Minister eine so
genannte außerordentliche Verwaltung genehmigen, werde er
zugleich sofort auch den Verwalter berufen. Dieser werde unmittelbar
nach seiner Ernennung die Geschäfte der Gesellschaft
übernehmen. Als Sonderverwalter von Parmalat wird nach Angabe aus
Regierungskreisen der neue Konzernchef und ausgewiesene
Sanierungsexperte Enrico Bondi ernannt. Er soll den Zusammenbruch des
achtgrößten italienischen Industriekonzerns mit weltweit rund
35.000 Beschäftigten verhindern.
Parmalat hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass durch die Bank
of America bei einer Parmalat-Tochter auf den Kaiman-Inseln (Bonlat
Financing Corp) offenbar eine Bilanzfälschung in Höhe von fast
vier Milliarden Euro aufgedeckt worden sei. Damit hatte das Unternehmen
die Finanzmärkte schockiert und Erinnerungen an den Fall des
bankrotten US-Energieriesen Enron geweckt. Nach Angaben aus
Justizkreisen beläuft sich das Loch in der Buchführung
mittlerweile auf sieben Milliarden Euro, Presseberichten zufolge sogar
auf bis zu zehn Milliarden Euro.
Die Bank of America hat nach der Aufdeckung des Bilanzskandal bei
Parmalat Strafanzeige gegen den Lebensmittelkonzern eingereicht. Die
Mailänder Staatsanwaltschaft sieht eindeutige Belege für eine
gefälschte Buchführung und ermittelt in diesem Zusammenhang
Justizkreisen zufolge gegen Firmengründer und Ex-Konzernchef
Calisto Tanzi sowie gegen zwei frühere Finanzvorstände.
(Quellen: afp,
rtr)
Da stürzt mit der Welt-Firma Parmalat Italiens
größter Lebensmittelkonzern ins Nichts...
...schier
unglaubliche Kassenmanipulationen werden offenbar. Unklar ist nur noch
die Höhe der Summe, die sich der gestrauchelte Konzernchef in die
Taschen steckte. Nun wird diskutiert, ob sich die Manipulatoren
gestärkt fühlen konnten durch eine vor Jahren beschlossene
Gesetzesänderung, mit der die Bilanzfälschung zu einer
kleinen Ordnungswidrigkeit herabgestuft wurde. Premier Silvio
Berlusconi hatte die Regelung zum eigenen Nutzen ersonnen – warum
sollten nicht auch andere davon profitieren? Cosi fan tutte!
Süddeutsche Zeitung vom 30.12.03
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Deutschland
Bundespräsident Rau: Leben nicht nur nach Wirtschaft
ausrichten
Do.25.12.03 -
Bundespräsident Johannes Rau hat anlässlich des
Weihnachtsfestes davor gewarnt, das gesamte gesellschaftliche Leben
ökonomischen Kategorien unterzuordnen. "Wenn wir alle
Lebensbereiche nur noch nach wirtschaftlichen Gesetzen formen, geraten
wir in eine Sackgasse", sagte Rau in der traditionellen
Weihnachtsansprache. "Dadurch verfehlen und verpassen wir wesentliche
Dinge im Leben."
Zugleich hob Rau mit Blick auf die Reformen in der Sozial- und
Wirtschaftspolitik hervor, 2003 sei geprägt gewesen "durch
Debatten, die sich um tiefgreifende Veränderungen in unserem Land
gedreht haben". "Mir ist wichtig, dass es bei allem Streit letztlich die
Bereitschaft zum gemeinsamen Handeln gegeben hat. Das sollten wir nicht
kleinreden."
Die Debatten würden "auch in Zukunft weitergehen", betonte Rau.
"Wir müssen aber aufpassen, dass nicht unser gesamtes
gesellschaftliches Leben in allen Bereichen immer mehr nach den Mustern
von Wirtschaftlichkeit und Effizienz geprägt wird." Begriffe wie
Bilanz, Kapital und Ressource seien zwar in der Wirtschaft
unverzichtbar. "Aber sie gehören nicht in jeden anderen
Lebensbereich. Sonst wird selbst in Familien, in Partnerschaften und bei
Kindern gerechnet: Was kostet mich das, was bringt mir das?"
Eine Gesellschaft lebe "von Flexibilität und Wagnis, von Neugier
und Aufbruch". "Sie lebt aber auch von Treue und gegenseitigen
Verpflichtungen, von Solidarität, von Engagement und Hingabe",
mahnte das Staatsoberhaupt. "Das taucht in keiner Effizienzrechnung auf,
aber davon geht der Wärmestrom aus, von dem wir leben."
Rau würdigte zudem den Einsatz deutscher Soldaten und Helfer im
Ausland. Bei Beginn des Irak-Krieges im März seien "die meisten von
uns erschüttert und entsetzt" gewesen. "Wir freuen uns über
das Ende einer schrecklichen Diktatur - aber wir erkennen wieder
einmal, dass mit Waffen und militärischer Überlegenheit
allein die Probleme der Welt nicht zu lösen sind." Gewiss gebe es
Situationen, "in denen wir Freiheit und Recht auch mit Waffen
schützen müssen", betonte der Bundespräsident. "Deswegen
danke ich allen Soldatinnen und Soldaten, Polizistinnen und Polizisten,
auch den vielen zivilen Helferinnen und Helfern, die, oft weit weg von
zu Hause, ihren Dienst leisten für Frieden, für
Menschenrechte und für den Schutz vor Terror und Gewalt."
(Quelle: afp)
Bundesgesundheitsministerin Schmidt räumt dramatische
Einnahmeverluste der Kassen ein
Do.25.12.03 -
Kurz vor dem In-Kraft-Treten der Gesundheitsreform hat
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eingeräumt, dass die
erhofften Beitragssenkungen der Krankenkassen zu Jahresbeginn ausbleiben
könnten. Die Einnahmeverluste der Krankenkassen seien in den
vergangenen Monaten dramatischer gewesen als befürchtet, sagte die
SPD-Politikerin der «Berliner Zeitung» (Mittwochausgabe).
«Vielleicht brauchen die Kassen deshalb ein paar Monate
länger», fügte sie hinzu. Dennoch stünden Jahre
der Beitragssenkungen bevor.
Schmidt hatte noch am Montag gedroht, zusammen mit den
Aufsichtsbehörden werde sie die gesetzlichen Krankenkassen dazu
verpflichten, bis Mitte des Jahres die Beiträge zu senken. Immer
mehr Krankenkassen hatten unterdessen angekündigt, die
milliardenschweren Einsparungen durch die Gesundheitsreform
zunächst nicht in Beitragssenkungen umzusetzen. Zunächst
müssten Schulden abgebaut und Kreditkosten gesenkt werden,
hieß es.
(Quelle: ap)
Ärztepräsident Hoppe fällt vernichtendes
Urteil über Gesundheitsreform
Statt
versprochenem Wettbewerb um Qualität sei die Rationierung
medizinischer Leistungen eingeführt worden
Do.25.12.03 -
Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe hat der
Gesundheitsreform eine Woche vor Inkrafttreten ein vernichtendes Zeugnis
ausgestellt. «Es wurde Wettbewerb um Qualität versprochen,
aber Rationierung medizinischer Leistungen eingeführt»,
sagte Hoppe der Nachrichtenagentur AP. Die ärztliche
Versorgungsstruktur habe effizienter gestaltet werden sollen, aber die
wohnortnahe Versorgung werde abgebaut. Die Attraktivität der
Gesundheitsberufe habe verbessert werden sollen, aber der
Ärztemangel manifestiere sich.
Als Desaster bezeichnete der Präsident der Bundesärztekammer
die ab 1. Januar fällige Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal:
«Ärzte sehen sich als Partner des Patienten. Nun werden sie
gezwungen, Inkassoaufgaben der Krankenkassen wahrzunehmen.»
Mediziner seien aber Heiler und Helfer und keine Kassierer. «Sie
werden deshalb vielfach Erklärungsnöte haben, wenn sie vor
Beginn der Behandlung über Geld reden müssen.» Zugleich
bleibe ihnen nichts anderes übrig, als Patienten abzuweisen, wenn
sie die 10 Euro nicht mitbrächten. Die Politik habe dieses
Konfliktpotenzial in der Arztpraxis ganz bewusst in Kauf genommen und
lasse nun die Mediziner im Regen stehen.
Mit der Gesundheitsreform sei der Wettbewerb zum Fetisch erklärt
worden. «Das Gesundheitswesen ist aber keine Marktwirtschaft und
der Patient kein Kunde einer Gesundheitskasse», betonte Hoppe mit
Blick auf die Möglichkeit der Krankenkassen, künftig
Verträge mit einzelnen Ärzten abzuschließen. Der
Mediziner hole sich keine Versicherten von der Straße und zwinge
auch keinen Patienten zur Behandlung. Letztlich gehe es nur noch darum,
die Kosten zu drücken, die Beitragssätze zu senken und
Qualität zum Billigtarif einzukaufen. Das könne nicht die
Sicht der Ärzte sein.
In der Diskussion um die Finanzierung des Gesundheitswesens sprach sich
der höchste Vertreter der knapp 385.000 Ärzte in Deutschland
gegen die Einführung sowohl einer Bürgerversicherung als auch
einer Kopfpauschale aus. Eine Einheitsversicherung, in die alle
Bürger einzahlen sollten, widerspreche seinem Verständnis von
Eigenverantwortung und Wahlfreiheit, sagte Hoppe. Die Kopfpauschale
wiederum kündige das bestehende Solidarprinzip auf und
überlasse den sozialen Ausgleich einem völlig
überschuldeten Staat. «Das ist ein Fass ohne Boden, gerade in
wirtschaftlich schlechten Zeiten», sagte Hoppe.
Der Ärztepräsident schlug als Alternative vor, die
bestehenden Strukturen weiterzuentwickeln: «Wir müssen auch
die Eigenverantwortung stärken und dürfen die nächste
Generation nicht überfordern.» Ein weiteres
Kostendämpfungsgesetz, mit dem der medizinische Fortschritt
beherrschbar gemacht werden solle, funktioniere dagegen nicht.
«Lassen Sie uns stattdessen offen und ehrlich über den
Versorgungsbedarf einer älter werdenden Gesellschaft und die
wachsenden Möglichkeiten der Medizin reden. Wenn wir das zum
Ausgangspunkt einer öffentlichen Diskussion machten, wären wir
schon einen Schritt weiter», sagte Hoppe.
(Quelle: ap)
Einzelhandel vom Weihnachtsgeschäft enttäuscht
Do.25.12.03 -
Auch ein Käuferansturm an den Tagen vor Heiligabend hat das
Weihnachtsgeschäft für den deutschen Einzelhandel nicht mehr
retten können. Nach Einschätzung der Handelsverbände BAG
und HDE lagen die Umsätze um bis zu fünf Prozent unter denen
des Weihnachtsgeschäfts 2002.
"Die Verbraucher haben dieses Jahr sehr geschenkorientiert und
preisbewusst eingekauft", sagte BAG-Sprecherin Eva Strube am Mittwoch.
Der Verband gehe davon aus, dass die Umsätze im
Weihnachtsgeschäft um vier bis fünf Prozent geschrumpft seien.
"Das liegt unter unseren Erwartungen", sagte Strube. Auch der
Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) zog eine
enttäuschende Bilanz und rechnet mit einem Umsatzrückgang von
drei bis vier Prozent. "Die beiden vergangen guten Tage können das
Weihnachtsgeschäft nicht mehr rausreißen", sagte HDE-Sprecher
Hubertus Pellengahr. Grund für die Kaufzurückhaltung seien
die Verunsicherung der Verbraucher sowie die hohe Arbeitslosigkeit.
Zudem sei die Steuerreform zu spät gekommen.
Am vierten Adventssamstag hatten Händler von einem
Käuferansturm in den Geschäften berichtet. Da viele
Arbeitnehmer bereits Montag und Dienstag Urlaub genommen haben, war mit
einem nochmaligen Anziehen der Umsätze in den letzten Tagen vor dem
Fest gerechnet worden. Unter Weihnachtsgeschäft versteht die
Branche die Umsätze im November und Dezember, die über dem
Durchschnittsumsatz der übrigen zehn Monate liegen. Insgesamt
erwirtschaftete der Handel im November und Dezember 2002 mit knapp 70
Milliarden Euro etwa ein Fünftel des Jahresumsatzes.
Trotz des unter den Erwartungen gebliebenen Weihnachtsgeschäfts
gab sich der HDE optimistisch. "Wir glauben, dass wir mit den
vergangenen beiden Tagen die langersehnte Trendwende erreicht haben und
mit frischem Schwung ins nächste Jahr gehen", sagte Pellengahr.
Dann sollten sich auch die Auswirkungen der Steuerreform bemerkbar
machen. Für einen Schub im Weihnachtsgeschäft 2003 seien die
Reformbeschlüsse zu spät gekommen. Auch nach Einschätzung
des BAG kam die Steuerreform für den Handel zu spät. "Wenn
sie im September gekommen wäre, hätte sie uns geholfen",
sagte Strube.
Für das kommende Jahr rechnet der HDE mit einem Umsatzwachstum von
0,5 bis einem Prozent. Etwas vorsichtiger gibt sich der BAG: "Für
das kommende Jahr erwarten wir ein schwarze Null, vielleicht ein Plus
von 0,5 Prozent. Mehr wird wohl leider nicht drin sein. Nach zwei
negativen Jahren wäre dies aber zumindest ein Stillstand des
Abwärtstrends", sagte Strube. Für das laufende Jahr
bekräftigten die beiden Verbände ihren Erwartungen eines
Umsatzrückgangs von nominal einem Prozent.
(Quelle: rtr)
Handynutzer verschicken dieses Jahr 36 Milliarden SMS
Do.25.12.03 - Die
Zahl der in Deutschland verschickten Handy- Kurznachrichten (SMS)
steigt in diesem Jahr nach Informationen der «Bild»-Zeitung
auf den Rekordwert von 36 Milliarden. Damit liegt die Zahl deutlich
über den 31,2 Milliarden SMS des Vorjahres, wie das Blatt unter
Berufung auf Angaben des Branchenverbands VATM am Mittwoch berichtete.
Mit einer Überlastung des Mobilfunknetzes über die Feiertage
und zum Jahreswechsel sei diesmal nicht zu rechnen, sagte VATM-Sprecher
Jürgen Grützner dem Blatt. Die Mobilfunkkonzerne hätten
ihre Kapazitäten erhöht.
(Quelle: dpa)
Roboter fliegt selbstständig einen Hubschrauber
Do.25.12.03 -
Mantis heißt der erste Roboter, der völlig
selbstständig ohne Global Positioning System (GPS) oder Hilfen
über eine Remote-Steuerung in einem Hubschrauber fliegen
können soll, berichtet ABC Australien. Der australische Entwickler
Csiro Complex Systems Integration kündigte an, dass Mantis statt
GPS seine eigene Intelligenz nutzen werde, um Balance und Orientierung
zu zu kontrollieren. "Sehen" kann Mantis mit Hilfe von
softwaregesteuerten Kameras.
Der Roboter ist 1,5 Meter lang, 0,5 Meter hoch und besitzt eine
Kombination aus Sensoren, die sich wie Augen und Ohren verhalten.
Bereits 1990 gab es in den USA erstmals ein Projekt, so genannte
Unmanned Aerial Vehicles (UAVs) zu konstruieren. Die Entwickler
beschäftigten sich bei Mantis zum ersten Mal auch auch intensiv mit
den Tastfähigkeiten. Dank günstiger mikro-elektromechanischer
Systeme (MEMS), die aus einer sehr leichten Magnesiumlegierung
gefertigt wurden, wird Mantis fünf mal leichter als andere UAVs
sein. Zudem ist der Roboter wesentlich günstiger als vergleichbare
Modelle, die derzeit im Dienst des Militärs stehen.
Zum Einsatz kommen soll Mantis in vielen kritischen
Rettungssituationen, in denen bisher herkömmliche Flugzeuge ihren
Dienst leisten. Der Roboter könnte also Waldbrände aus der
Luft bekämpfen, Schiffbrüchige auf offener See aufspüren,
den Verkehr überwachen oder neue Aufgaben im Sicherheits- und
Militärbereich übernehmen.
Quelle:
heise-online (24.12.03)
http://www.heise.de/newsticker/data/boi-24.12.03-002/
Menschen haben schon immer davon geträumt, Ebenbilder
ihrer selbst zu schaffen. Derzeit sind es (einige) Informatiker, die
mit beseelten Robotern dieses Ziel erreichen wollen
Zwischen
ihnen, Philosophen und Neurobiologen tobt der Streit, ob dies
überhaupt möglich sei. Noch ist er nicht entschieden,
berührt er doch zutiefst die Frage, was den Menschen ausmacht und
welches Bild er von sich hat. Dahinter lauert die weitere Frage, welchen
Sinn dieses Unterfangen überhaupt macht und ob die Protagonisten
solcher "menschengleichen Maschinen" nicht von einer fixen Idee
besessen sind....
Mehr bei telepolis (22.12.03) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/robo/16346/1.html
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