Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertdreiundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Besatzungstruppen an Weihnachtstagen unter Dauerbeschuss +++ Bei
Anschlägen 18 Menschen getötet, darunter 9 US-Soldaten
Sa.27.12.03 - Bei Anschlägen in Irak sind über die Weihnachtstage 18
Menschen ums Leben gekommen, darunter neun US-Soldaten.
Der verheerendste Anschlag mit fünf Toten und über hundert
Verletzten wurde bereits am Mittwoch in Nordirak verübt. Ein
Selbstmordattentäter zündete vor dem Innenministerium der
kurdischen Regionalregierung in Erbil einen in seinem Fahrzeug
versteckten Sprengsatz und riss vier Menschen mit in den Tod, darunter
ein 13-jähriges Mädchen.
Zwei weitere Zivilisten starben am Mittwoch bei der Explosion einer
Bombe in einem Bagdader Straßentunnel. In der irakischen
Hauptstadt wurde zudem ein US-Soldat durch die Detonation eines
Sprengsatzes getötet. Eine weitere Bombenexplosion am Rande einer
Straße nach Samarra nördlich von Bagdad kostete am Mittwoch
drei US-Soldaten das Leben.
Am Donnerstag fielen zwei amerikanische Soldaten einem
Mörserangriff auf einen US-Militärstützpunkt in Bakuba
zum Opfer. In der Nähe von Bakuba kamen am Freitag erneut zwei
Soldaten ums Leben: Einer bei dem Versuch, eine Bombe zu
entschärfen, der andere beim Angriff auf einen Militärkonvoi.
Auch zwei Angreifer wurden erschossen, wie ein Militärsprecher
mitteilte. Ein dritter US-Soldat wurde am Freitag in der Ortschaft
Balad nördlich von Bagdad von einem am Straßenrand
versteckten Sprengsatz getötet.
Das überwiegend von ausländischen Journalisten bewohnte
Sheraton-Hotel in Bagdad wurde erstmals am Mittwochabend mit Granaten
angegriffen, die jedoch keinen Schaden anrichteten. Am Donnerstagmorgen
schlug dann ein Geschoss in der Eingangshalle ein, ein weiteres traf
ein Wohnhaus auf der anderen Straßenseite und verletzte zwei
Frauen. Auf der Straße kam es zu einem Feuergefecht. Augenzeugen
berichteten, ein Wachmann des Hotels habe auf Männer in einem
Fahrzeug geschossen, die die Raketen abgefeuert hätten. Kurz zuvor
war auch das nahe gelegene Hotel Bagdad mit Granaten angegriffen
worden, die jedoch keinen Schaden anrichteten.
In einer weiteren Angriffsserie wurden am Donnerstag Granaten und
Raketen auf die Gebäude der iranischen und der türkischen
Botschaft in Bagdad, den Sitz des Stadtrats, zwei Banken und einen
US-Militärstützpunkt abgefeuert. Am Abend waren Explosionen
in der so genannten Grünen Zone zu hören, in der die
US-Besatzungsverwaltung ihren Sitz hat. Nach Angaben eines
Militärsprechers schlugen auf einem Parkplatz zwei Raketen ein.
Amerikanische Kampfflugzeuge und Hubschrauber bombardierten am
Mittwochmorgen und Donnerstagnachmittag mutmaßliche Stellungen
von Aufständischen in Bagdad. Ein Militärsprecher deutete an,
die Offensive gehe auf Hinweise des am 13. Dezember festgenommenen
Exstaatschefs Saddam Hussein zurück.
Großbritannien hat seit Kriegsende mehr als 6.500 Pfund (gut
9.000 Euro) Entschädigung an irakische Zivilpersonen gezahlt,
denen von britischen Soldaten Schaden zugefügt wurde. Damit seien
19 von bislang 73 Antragstellern entschädigt worden, erklärte
das britische Verteidigungsministerium am Mittwoch.
(Quelle: ap)
Die USA-Besatzer müssen raus aus dem Irak...
... sagt Tariq Ali.
Mehr in der "tageszeitung" vom 17.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/17/a0185.nf/text
Tariq Ali, geboren 1943 in Lahore, ist eine der wichtigsten und
streitbarsten Stimmen der britischen Linken. Sein aktuelles Buch "Bush
in Babylon. Die Re-Kolonisierung des Irak" erschien kürzlich im
Diederichs Verlag München. (taz)
Bush will den Irak zum Satellitenstaat machen...
... sagt Norman Birnbaum.
Mehr in der "tageszeitung" vom 27.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/27/a0195.nf/text
Norman Birnbaum, 77, ist Publizist, emeritierter
Soziologieprofessor an der Georgetown University in Washington und
einer der führenden Köpfe der US-amerikanischen Linken. (taz)
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US-Präsidentschaftbewerber Dean verlangt
fairen Prozess für
Bin Laden
Sa.27.12.03 - Der demokratische US-Präsidentschaftbewerber Howard Dean hat sich
für ein faires Verfahren gegen den mutmaßlichen
El-Kaida-Chef Osama bin Laden ausgesprochen. Sollte dieser gefasst
werden, habe er wie jeder Mensch einen Anspruch darauf, ohne
Vorverurteilungen vor Gericht gestellt zu werden, sagte Dean am Freitag
der im US-Staat New Hampshire erscheinenden Zeitung "The Concord
Monitor". Im Interview der Nachrichtenagentur AP fügte er
später allerdings hinzu, dass Bin Laden seiner Meinung nach die
Todesstrafe verdient habe.
Der frühere Gouverneur von Vermont gilt als einer der
aussichtsreichsten der neun Bewerber für die
Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Das Zeitungsinterview
schien einige seiner Anhänger jedoch zu beunruhigen. Deshalb
betonte Dean im AP-Gespräch, dass sein Ruf nach einem fairen
Prozess keinesfalls als Sympathiebekundung für den Chef des
Terrornetzwerks missverstanden werden dürfe. Sollte er
Präsident werden, müsse er das Rechtssystem der USA
verteidigen und wolle dies auch tun, sagte Dean. Als Privatperson
wünsche er sich aber, das Bin Laden mit dem Tode bestraft werde.
(Quelle: ap)
Bin Laden kündigt angeblich schweren Schlag
gegen die USA an
Sa.27.12.03 - Der Moslem-Extremist Osama bin Laden hat einem Bericht eines in London
ansässigen arabischen Magazins zufolge einen sehr schweren
Anschlag gegen die USA bis Februar angekündigt.
Das Wochenmagazin "El Madschalla" berichtete am Freitag, es habe eine
E-Mail des wenig bekannten El-Kaida-Mitglieds Abu Mohammed el Abladsch
erhalten. "Ein Botschafter von Osama bin Laden hat ihn (Abladsch)
informiert, dass der Führer El Kaidas auf einem Videoband
auftauchen werde, nachdem eine Operation durchgeführt worden ist,
die bin Laden als den USA das Genick brechend beschrieben habe und die
die Ordnung der Dinge verändern werde", berichtete die Zeitung am
Freitag in ihrer jüngsten Ausgabe. "Sie (die Amerikaner) sollten
ihre Särge, Krankenhäuser und Gräber bereithalten",
zitierte das Magazin Abladsch. "Die kommenden Tage werden voll an
Überraschungen und großartigen Ereignissen sein, die ihnen
ein historisches Beispiel sein werden." Die Echtheit der E-Mail war
zunächst nicht zu klären.
Die USA hatten am Sonntag die landesweite Alarmstufe auf die
zweithöchste Stufe angehoben und vor Anschlägen gewarnt, die
schwerer als die vom 11. September 2001 sein könnten. El Kaida
gilt als Drahtzieher der Anschläge in den USA vom 11. September
2001 mit entführten Passagierflugzeugen, bei denen rund 3000
Menschen getötet worden waren.
Zuvor war bekannt geworden, dass US-Behörden einer Zeitung zufolge
einen Anschlag auf Las Vegas mit entführten Air-France-Flugzeugen
nach dem Muster des 11. September 2001 befürchtet hatten.
Frankreich hatte am Mittwoch und Donnerstag sechs Flüge in die USA
auf Bitten der US-Regierung gestrichen.
Wie die "Washington Post" am Freitag unter Berufung auf US-
Regierungskreise berichtete, wäre für einen Flug von Paris
nach Los Angeles die Stadt im Bundesstaat Nevada für Terroristen
das verlockendste Ziel gewesen. "Die einzige große Stadt nahe
dieser Flugroute ist Las Vegas, was sie als schönes, attraktives
Ziel sehen würden", hieß es in den Kreisen. Die Air-France-
Flüge sollten der Fluglinie zufolge am Freitag wieder aufgenommen
werden.
Frankreichs Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin hatte einem
Bitten der USA nach dem Aussetzen der Flüge statt gegeben und neun
Personen - vier US-Bürger, zwei Deutsche, ein Algerier, einen
Franzosen und ein Belgier - vorübergehend festgenommen. Aus
Justizkreisen hatte die Nachrichtenagentur Reuters erfahren, dass sich
bei ihnen kein Anhaltspunkt für eine Verbindung zu einer radikalen
Gruppe gefunden habe.
(Quelle: rtr)
Kuba attackiert erstmals Haftbedingungen in Guantanamo
Sa.27.12.03 - Kuba hat erstmals heftige Kritik an der Inhaftierung von
Terrorverdächtigen auf dem US-Stützpunkt Guantanamo im Osten
des Inselstaats geübt. Die auf dem «illegal besetzten
Territorium» festgehaltenen Ausländer seien
unbeschreiblichen Demütigungen ausgesetzt, hieß es in einer
am Freitag verbreiteten Erklärung der Nationalversammlung in
Havanna. Die Häftlinge seien total isoliert und hätten keinen
Zugang zu Anwälten. Freigelassene hätten geschildert, dass
der Ort mit all seinen Schrecken einem Konzentrationslager gleiche.
Bislang hatte sich Kuba mit Kommentaren zu den Inhaftierungen in
Guantanamo zurückgehalten. Dort werden zurzeit mehr als 600
Terrorverdächtige festgehalten, die in Afghanistan und Pakistan
gefasst wurden. Die Rechtsbasis für ihre Gefangenschaft ist
international wiederholt angezweifelt worden. Das Gebiet von Guantanamo
kam schon vor der Revolution des heutigen kubanischen Staatschefs Fidel
Castro 1959 in amerikanischen Besitz.
(Quelle: ap)
Bushs Plan für Kuba
...Im Vorfeld der U.S. Wahlkampagnen für das Jahr 2004 gab
Präsident George W. Bush am 10. Oktober vor einer Versammlung
anti- Castro, cubanisch- amerikanischer Kreise während einer
Zeremonie in Rosengarten des Weißen Hauses bekannt, dass die U.S.
Regierung plane, die cubanische Regierung von Präsident Fidel
Castro zu stürzen. Während seiner Rede wies Bush offiziell
Außenminister Colin Powell und den auf Cuba geborenen Mel
Martinez an, ein Gremium zu leiten, das „Pläne für
glückliche Tage entwirft, wenn Castro Regime nicht mehr
existiert... . Der Übergang zu Demokratie und Freiheit wird viele
Herausforderungen für die cubanische Bevölkerung und Amerika
bereit halten, und wir werden vorbereitet sein"....
Mehr bei ZNet (26.11.03):
http://www.zmag.de/artikel.php?id=949
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=54&ItemID=4567
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Nahost-Konflikt
Mehrere hundert israelische Soldaten rücken in Nablus ein +++
Fischer warnt vor erneuter Gewalt im Nahen Osten +++ Israelische Armee
untersucht Schüsse auf Protestierer an Sperrzaun
Sa.27.12.03 - Einen Tag nach einem palästinensischen Selbstmordanschlag bei Tel
Aviv sind am Freitag mehrere hundert israelische Soldaten in die Stadt
Nablus im Westjordanland eingerückt. Sie forderten die Bewohner
auf, in ihren Häusern zu bleiben, wie Augenzeugen berichteten.
Mindestens 70 Menschen seien zur Vernehmung festgenommen worden.
Ein Militärsprecher erklärte, die Soldaten suchten nach
militanten Palästinensern, die in den letzten Wochen von dort aus
18 Angriffe gegen Israel unternommen hätten. Der Fernsehsender
Kanal 2 berichtete, die gross angelegte Militäraktion in Nablus
werde einige Tage dauern.
Nach dem Selbstmordanschlag an einer Bushaltestelle bei Tel Aviv, der
vier Israelis das Leben kostete, beschloss die Regierung offenbar
Vergeltungsschläge. Wie am Freitag nach Beratungen von
Verteidigungsminister Schaul Mofas mit der Führung der
Streitkräfte verlautete, sollen die Führer militanter
Palästinenser-Organisationen gezielt getötet werden. Die
Hamas werde davon jedoch ausgenommen, weil sie beschlossen habe, keine
Anschläge mehr in Israel zu verüben. Zu dem Anschlag am
Donnerstag hatte sich die Volksfront für die Befreiung
Palästinas (PFLP) bekannt.
Deutschlands Außenminister Joscka Fischer (Grüne) hat mit
Blick auf den jüngsten Selbstmordanschlag im israelischen Tel Aviv
vor einem Wiederaufflammen der Gewalt im Nahen Osten gewarnt. "Nach
fast drei Monaten der Ruhe darf die Spirale von Terror und Gewalt nicht
wieder in Gang gesetzt werden. Die Bundesregierung verurteilt den
jüngsten Selbstmordanschlag in Tel Aviv und beklagt den Tod
unschuldiger Menschen" erklärte Fischer.
Der Außenminister rief Palästinenser und Israelis auf,
"alles zu tun, damit die Situation nicht weiter eskaliert". Die
jüngsten Ergebnisse der Gespräche zwischen den
Konfliktpartien und die Vermittlungsbemühungen der
ägyptischen Seite dürften nicht gefährdet werden,
erklärte Fischer.
Am Donnerstag waren in Tel Aviv bei dem Anschlag an einer
Bushaltestelle vier Menschen und der Attentäter gestorben. Etwa 15
Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich
die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP).
Israels Militärführung hat unterdessen Offiziere mit einer
Untersuchung von Schüssen auf Demonstranten an der Sperranlage im
Westjordanland beauftragt. Soldaten hatten dort das Feuer eröffnet
und zwei Protestierer verletzt. Ein Israeli wurde schwer, eine
Ausländerin leicht verletzt. Die Mitglieder der Gruppe
"Anarchisten gegen die Mauer" hätten versucht, einen Zaun der
Sperranlage zu durchtrennen, berichtete der Rundfunk. Abgeordnete der
Regierung und der Opposition kritisierten den Vorfall.
(Quellen: ap, dpa, afp)
Gasfeld-Explosion in China
Mindestens 198 Menschen getötet
Sa.27.12.03 - Bei einer Explosion auf einem Erdgasfeld im Südwesten Chinas sind
nach staatlichen Angaben mindestens 198 Menschen getötet worden.
Aus einem Bohrloch waren nach Angaben der staatlichen
Nachrichtenagentur Xinhua hoch konzentriertes Erdgas und
Schwefelwasserstoff ausgetreten. Durch das ausströmendes Gas
erlitten tausende Menschen Vergiftungen.
Die Gefahr weiterer Verseuchungen in der Erdgasanlage bei Chongqing im
Südwesten Chinas ist vorerst gebannt. Technikern gelang es am
Samstagmorgen, das aufgebrochene Bohrloch mit hunderten Kubikmetern
Schlamm und Geröll wieder zu verschließen. Kurz nach 10.00
Uhr Ortszeit (03.00 Uhr MEZ) seien aus dem Leck keine schädlichen
Substanzen mehr entwichen, vermeldete die Nachrichtenagentur Xinhua.
Nach dem Aufbrechen des Bohrlochs infolge einer Verpuffung am
vergangenen Dienstag war Erdgas in Verbindung mit giftigem
Schwefelwasserstoff in die Luft geschossen. Dies hatte die Gegend in
einem Umkreis von 25 Quadratkilometern verseucht. Mehr als 9.000
Menschen wurden wegen Gasvergiftungen und andere Verletzungen infolge
des Unfalls ärztlich behandelt. Am Samstagmorgen befanden sich
noch etwa 430 im Krankenhaus, 17 von ihnen in kritischem Zustand, wie
Xinhua berichtete.
Gut 41.000 Bewohner der Region, die in chinesischen Medienberichten als
«Todeszone» bezeichnet wurde, wurden evakuiert Aus
Nachbargemeinden trafen unterdessen immer mehr Hilfslieferungen
für die Opfer ein, vor allem Lebensmittel und Kleidungsstücke
sowie Decken. Es handelte sich um den schwersten Industrieunfall in
China in jüngerer Zeit.
In China sind arbeitstechnische Sicherheitsmängel weit verbreitet.
Allein in den ersten neun Monaten des Jahres starben dort mehr als
95.000 Menschen bei Arbeitsunfällen.
(Quellen: ap, rtr)
Kleine Feiern zu Maos 110. Geburtstag in China
Sa.27.12.03 - Die sich zunehmend marktwirtschaftlich orientierende Volksrepublik
China hat am Freitag in relativ kleinem Rahmen den 110. Geburtstag von
Revolutionsführer Mao Tse-tung gefeiert. «Die
Größe des Genossen Mao Tse-tung, seine glorreichen Gedanken,
großen Leistungen und sein herausragendes Charisma beeinflussen
weiterhin Generation um Generation», schrieb die KP-Zeitung
«Renmin Ribao» in einem Kommentar - der allerdings erst auf
der vierten Seite gedruckt wurde. Die erste Seite wurde von einem
Treffen zwischen Präsident Hu Jintao und taiwanischen Investoren
bestimmt.
Im ganzen Land fanden Gedenkfeiern statt, in denen Mao als
vorbildlicher Führer gewürdigt wurde, seine politischen
Kampagnen und Rachefeldzüge aber nicht erwähnt wurden. Die
Partei begann kurz nach Maos Tod 1976 mit marktwirtschaftlichen
Reformen, die in der vergangenen Woche in einer
Verfassungsänderung einen vorläufigen Höhepunkt fanden,
mit der das Recht auf Privateigentum wieder eingeführt wurde.
Damit wird der rechtliche Status von Unternehmern verbessert, die von
Mao als Klassenfeinde bekämpft wurden.
Mao, der am 26. Dezember 1893 in Shaoshan geboren wurde, regierte die
Volksrepublik nach der Revolution von 1949 bis zu seinem Tod 1976. An
den Universitäten sind Kurse über seine politische Theorie
weiterhin Pflicht.
(Quelle: ap)
Demonstrationen für und gegen Aristide in Haiti
Sa.27.12.03 - An den seit Wochen andauernden Protestaktionen in Haiti gegen
Präsident Jean-Bertrand Aristide haben sich auch am Freitag wieder
tausende Menschen beteiligt. Gleichzeitig marschierten mehr als 1.000
Anhänger des Präsidenten vor dem Nationalpalast in
Port-au-Prince auf, um ihre Unterstützung für dessen Politik
zu bekunden. Die Demonstration der Aristide-Gegner wurde von Studenten
organisiert und richtete sich vorrangig gegen die hohe Arbeitslosigkeit
im Lande.
Die Protestaktionen erfolgten während der Vorbereitungen für
den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Haitis von Frankreich am 1.
Januar. Dazu werden prominente Besucher aus vielen Teilen der Welt in
Port-au-Prince erwartet, darunter der südafrikanische
Präsident Thabo Mbeki.
Der frühere Priester Aristide wurde 1990 der erste frei
gewählte Präsident des Landes und galt als
Hoffnungsträger für Demokratie. Ein Jahr später wurde er
in einem Militärputsch gestürzt und 1994 mit amerikanischer
Hilfe wieder eingesetzt. 1996 trat er ab, da ihm nur eine Amtszeit
gestattet war, wurde aber im Jahr 2000 wiedergewählt. Angesichts
der schlechten Wirtschaftslage des Karibikstaats und
Korruptionsvorwürfen gegen die Regierung haben sich jedoch viele
seiner früheren Anhängern von ihm abgewandt.
(Quelle: ap)
Über 10.000 Tote bei Erdbebenkatastrophe in Iran befürchtet
Sa.27.12.03 - Ein verheerendes Erdbeben im Südosten Irans hat am Freitag nach
inoffiziellen Angaben womöglich mehr als 10.000 Menschen das Leben
gekostet. Über 30.000 Menschen wurden nach einem Bericht des
staatlichen Fernsehens verletzt. Der Erdstoß der Stärke 6,3
überraschte die Bewohner im Schlaf. Die Katastrophe löste
eine Welle internationaler Hilfsbereitschaft aus.
Präsident Mohammed Chatami forderte nach einer Krisensitzung der
Regierung in Teheran das gesamte Land auf, den Erdbebenopfern zu
helfen. Die Folgen des Bebens, das unter anderem die historische
Altstadt der 80.000 Einwohner zählenden Stadt Bam in der Provinz
Kerman einebnete, seien eine nationale Tragödie. Die Regierung
rief eine dreitägige Staatstrauer aus.
Der Gouverneur von Kerman, Mohammed Ali Karimi, sprach in ersten
Schätzungen von 5.000 bis 6.000 Toten, wie die Nachrichtenagentur
IRNA meldete. Funktionäre auf niedrigerer Ebene bezifferten die
Zahl der Toten sogar mit bis zu 12.000. Der stellvertretende
Provinzgouverneur Mohammed Farschad wandte sich gegen solche
Spekulationen. «Es ist unmögliche, genaue Informationen
über die Zahl der Toten zu erhalten, weil sie niemand gezählt
hat», sagte Farschada m Abend. Viele Menschen lägen noch
unter den Trümmern begraben, und die Bergungsarbeiten kämen
wegen der Dunkelheit nur langsam voran.
Ein Großteil der Verletzten befindet sich nach Fernsehberichten
in lebensbedrohlichem Zustand. Zur ihrer Versorgung riefen die
Behörden zu Blutspenden auf. Der Iranische Rote Halbmond teilte
mit, dass Rettungskräfte aus zahlreichen Landesteilen nach Bam
unterwegs seien. Das Gesundheitsministerium in Teheran bat
internationale Organisationen um Hilfe. Vorrangig benötigt
würden Desinfektionsmittel, Anlagen für die
Trinkwasserversorgung, Pumpen und Stromgeneratoren.
Ein Reporter des türkischen Fernsehsenders NTV berichtete, Bam
sehe aus wie nach einem Bombenangriff. Einige Einwohner hätten
sich zu Fuß auf den Weg in die 190 Kilometer nordwestlich
gelegene Provinzhauptstadt Kerman gemacht, um von dort mehr Hilfe zu
fordern. Die Telefonverbindungen in die Umgebung von Bam waren
unterbrochen, auch Wasser- und Stromversorgung brachen laut IRNA
zusammen.
Das Epizentrum des Bebens lag in der Umgebung von Bam. Dem
Erdstoß um 05.28 Uhr Ortszeit (02.58 Uhr MEZ) folgten mehrere
Nachbeben. In der Region leben nach Angaben Choschrus etwa 230.000
Menschen.
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bot Iran Hilfe bei der Suche nach
Erdbebenopfern und deren Versorgung an. Der Malteser-Hilfsdienst
kündigte für Freitagabend den Abflug einer
Rettungshundestaffel an, zudem sollten 30 Mitarbeiter einer
Spezialeinheit des Technischen Hilfswerks (THW) nach Iran aufbrechen.
Die Europäische Union stellte nach Angaben der EU-Kommission
800.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung, die belgische Regierung
spendete 100.000 Euro. Das Katastrophenmanagement der Vereinten
Nationen in Teheran entsandte am Abend zwei Rettungsteams in die
Region, wie eine Sprecherin des Büros für humanitäre
Angelegenheiten in Genf mitteilte. Zudem wollte das Büro mehrere
Tonnen Hilfsgüter nach Iran schicken. Hilfe kam auch aus
zahlreichen anderen Ländern, darunter die Schweiz, USA,
Großbritannien, Frankreich und Russland.
(Quelle: ap)
Türkei: Drahtzieher-Zelle der Istanbul-Anschläge
angeblich zerschlagen
Sa.27.12.03 - Die Türkei hat nach Angaben des Istanbuler Gouverneurs Muammer
Guler die für die jüngsten Bombenanschläge
verantwortliche Gruppe radikaler Moslems zerschlagen. Bei vier
Selbstmordattentaten in Istanbul waren im vorigen Monat 61 Menschen
getötet und hunderte verletzt worden.
Die Attentate seien von Personen verübt worden, die Strukturen
für die El-Kaida-Gruppe des Moslem-Extremisten Osama bin Laden
aufbauen wollten, sagte Guler am Freitag. "Wir können mit
Bestimmtheit sagen, dass wir die Aktivitäten der Organisation in
Istanbul zerschlagen haben", sagte er. Bislang seien 35 Menschen in
Zusammenhang mit den Anschlägen verhaftet worden, bei zehn
weiteren Festgenommenen müsse noch ein Gericht über das
weitere Vorgehen entscheiden.
Am 15. November waren zwei Synagogen in Istanbul von
Selbstmordattentätern angegriffen worden. Fünf Tage
später griffen Attentäter das britische Konsulat und das
türkische Hauptquartier der HSBC-Bank in der Stadt an. Die meisten
Toten waren türkische Passanten.
(Quelle: rtr)
Amnesty International: Türkei bekämpft Folter
'nur auf dem
Papier'
Sa.27.12.03 - In der Debatte über den EU-Betritt der Türkei hat die
Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation Amnesty
International, Barbara Lochbihler, der türkischen Regierung eine
immer noch mangelhafte Durchsetzung der Menschenrechte vorgeworfen.
"Die türkische Regierung darf die Menschenrechte nicht nur auf dem
Papier verbessern, um etwas für den EU-Beitritt zu tun", sagte
Lochbihler. Die Regierung müsse etwa die Gesetze gegen Folter viel
entschiedener umsetzen.
Inspektionsreisen der Organisation in 13 türkische Provinzen
hätten gezeigt, dass die neuen Gesetze in Polizeistationen oder
Gefängnissen nicht angewandt würden, berichtete Lochbihler in
der "Rheinischen Post". "Folter ist nach wie vor weit verbreitet und
findet systematisch statt." Zudem würden auch türkische
Menschenrechtler, die Missbräuche aufdeckten, immer noch bedroht.
(Quelle: afp)
Spanische Polizeikreise: Erneut ETA-Bombenanschlag vereitelt
Sa.27.12.03 - Die spanische Polizei hat Polizeikreisen zufolge am Freitag erneut
einen Bombenanschlag der baskischen Separatistengruppe ETA vereitelt.
Erst am Mittwoch hatte die Polizei zwei mutmaßliche
ETA-Mitglieder festgenommen, die an Heiligabend nach
Behördenangaben zwei Anschläge auf einen in die Hauptstadt
Madrid fahrenden Zug verüben wollten.
Eine kleinere Bombenexplosion an einer Bahnstrecke im Nordosten
Spaniens am Dienstag sei ebenfalls das Werk der beiden Männer
gewesen, hieß es aus den Polizeikreisen. "Wir nehmen an, dass die
vier Bomben von diesen beiden Personen gelegt worden sind", verlautete
aus den Kreisen. Die vierte Bombe war am Donnerstag an der Bahnstrecke
zwischen Saragossa und Barcelona gefunden und am Freitag
entschärft worden.
Am Mittwoch hatte die Polizei nach eigenen Angaben ein
mutmaßliches ETA-Mitglied festgenommen, nachdem es einen mit 20
Kilogramm Sprengstoff gefüllten Koffer in einem Zug von der
nordspanischen Stadt San Sebastian nach Madrid abgelegt hatte. Ein
zweiter Mann, der einen weiteren Koffer mit Sprengstoff in den Zug
bringen wollte, sei ebenfalls in San Sebastian festgenommen worden. Die
Polizei habe den Zug etwa 100 Kilometer von San Sebastian entfernt
gestoppt und evakuiert. Die Bomben hätten etwa eine halbe Stunde
nach der Ankunft des Zuges in Madrid an Heiligabend gegen 16.00 Uhr MEZ
explodieren sollen.
Die ETA kämpft seit 1968 für einen unabhängigen
Baskenstaat im Norden Spaniens und Südosten Frankreichs. Dabei
wurden bei Attentaten mehr als 850 Menschen getötet.
(Quelle: rtr)
Europäische Mars-Mission: Vierter Kontaktversuch
mit 'Beagle 2' gescheitert
Sa.27.12.03 - Der Versuch, mit dem Landegrät "Beagle 2" auf dem Mars Kontakt
aufzunehmen, ist zum vierten Mal gescheitert. Wie schon in der
vergangenen Nacht gelang es dem Lovell-Teleskop im westenglischen
Jodrell Bank auch in der Nacht zum Samstag nicht, Signale der Sonde
aufzufangen, wie ein Sprecher des europäischen Marsprojekts am
Samstag in London mitteilte. Zwei weitere Versuche, mit Hilfe der
US-Sonde "Mars Odyssey" ein Zeichen von "Beagle 2" zu bekommen, waren
ebenfalls fehlgeschlagen. Für die Wissenschaftler wären die
Signale ein erster Beweis, dass die Landung der kleinen Sonde am
frühen Donnerstag erfolgreich war.
Die größere Sonde "Mars Express" befindet sich dagegen seit
Donnerstag wie geplant auf ihrer Umlaufbahn um den Roten Planeten.
"Mars Express" und "Beagle 2" sollen im Auftrag der Europäischen
Raumfahrtagentur ESA auf dem Mars nach Spuren von Wasser und somit von
außerirdischem Leben suchen.
(Quelle: afp)
Deutschland
Konjunkturexperten zwischen Hoffen und Bangen
So einig sich die Experten über den kommenden Aufschwung sind, so
umstritten sind dessen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Sa.27.12.03 - Während der Präsident des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, mit einer spürbaren
Verringerung der Erwerbslosigkeit erst im Jahre 2005 rechnet, erwartet
der Berliner Wirtschaftsprofessor Michael Burda schon im nächsten
Jahr deutlich mehr Beschäftigung. Unabhängig davon rechnet
die Kreditwirtschaft 2004 mit einem neuen Pleitenrekord.
Im Berliner «Tagesspiegel» äußerte Burda die
Annahme, dass die Arbeitslosenquote von derzeit zehn auf acht oder
sieben Prozent zurückgehen wird. Vor allem im Niedriglohnsektor
werde es neue Stellen geben. Zwar würden die Löhne in diesem
Segment unter Druck geraten, doch würden andererseits auch mehr
Menschen bereit sein, einen schlechter bezahlten Job anzunehmen.
Burda sagte auch voraus, dass der gelockerte Kündigungsschutz
viele Unternehmen dazu veranlassen werde, Firmenteile in kleinere
Gesellschaften auszugliedern. Kündigungsschutz genießen ab
1. Januar nur neu angestellte Mitarbeiter von Betrieben mit mehr als
zehn Beschäftigten. Experten erwarten von der Neuregelung eine
wachsende Neigung der kleineren Betriebe zu Neueinstellungen, weil sie
ihre Beschäftigtenzahl bei sinkender Auftragslage wesentlich
einfacher verringern können.
DIW-Präsident Zimmermann glaubt dagegen nicht an eine Erholung des
Arbeitsmarkts schon 2004. Den «Lübecker Nachrichten»
sagte er, dies liege an dem eher mäßigen Wachstum von nicht
mehr als 1,5 Prozent Wachstum, das höher ausgefallen wäre,
wenn die Steuererleichterungen im Vermittlungsausschuss nicht halbiert
worden wären.
Von einer deutlichen Wirtschaftsbelebung gehen indessen der Vorsitzende
der so genannten Wirtschaftsweisen, Wolfgang Wiegard, und der
Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans Werner Sinn, aus.
Der Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung, Gustav Adolf Horn, sieht laut
«Bild»-Zeitung auch in dem starken Euro keinen Grund zur
Beunruhigung: «Der Euro ist stark, aber die Exporte sind
stärker, weil deutsche Produkte weltweit gefragt sind.»
Verhalten optimistisch sind auch die Börsianer. Die
Fondsgesellschaft Activest erwartet, dass sich der jüngste
Aktienboom 2004 fortsetzen wird. «Im kommenden Jahr könnte
der DAX einen Höchststand von 5.000 Punkten erreichen, denn die
Schwankungsbreite ist sehr groß», sagte der Experte der zur
HypoVereinsbank gehörenden Fondsgesellschaft, Klaus Sers, der
«Berliner Zeitung». Über das Jahr 2004 hinweg rechnet
Sers mit einem moderaten Anstieg des wichtigsten deutschen
Börsenbarometers auf rund 4.200 Punkte, das sind rund 300
Zähler mehr als am Dienstag vor Weihnachten.
Trotz Konjunkturaufschwung erwartet der Chefvolkswirt der Euler Hermes
Kreditversicherungs-AG, Romeo Grill, 2004 einen neuen Insolvenzrekord.
«Mit rund 43.000 Insolvenzen wird die Zahl der Pleiten
gegenüber 2003 voraussichtlich um vier Prozent steigen»,
sagte Grill im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Der
Wirtschaftsexperte führt dies vor allem auf die nachlassende
Zahlungsmoral der Bundesbürger zurück.
(Quelle: ap)
Clement rechnet mit bis zu zwei Prozent Wachstum im nächsten Jahr
Sa.27.12.03 - Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) rechnet laut
«Welt am Sonntag» nunmehr mit einem Wirtschaftswachstum von
1,5 bis zwei Prozent im nächsten Jahr. Einem Vorabbericht vom
Samstag zufolge sagte er in einem Interview, mit den in diesem Jahr
vorgenommenen Reformen habe man bessere Perspektiven geschaffen.
«Kurz gesagt: 2004 wird mit einem wirtschaftlichen Wachstum
zwischen 1,5 und zwei Prozent in jedem Fall besser als das 'alte Jahr'
2003.»
Eine deutliche Besserung bei der Zahl der Arbeitslosen wird nach
Meinung des Ministers allerdings erst spät in der zweiten
Jahreshälfte eintreten. Clement sagte, man werde «vielleicht
etwa im Oktober erstmals wieder unter vier Millionen kommen».
Voraussichtlich werde die Vier-Millionen-Grenze im Jahresdurchschnitt
erst 2005 unterschritten werden. Er bekräftigte seine Ansicht,
dass 2005 «das beste Jahr seit langem» sein werde.
Nach seinen Angaben sind noch 18.000 junge Leute, die sich um einen
Ausbildungsplatz bemühen, ohne Lehrstelle. Er sagte: «Ihnen
werden jetzt außerbetriebliche Ausbildungsmöglichkeiten oder
berufsvorbereitende Maßnahmen oder sonstige
Qualifizierungsmöglichkeiten angeboten.»
(Quelle: ap)
Noch nie gab es so wenig Lehrstellen wie 2003
Aus Sicht der IG Metall ist die diesjährige Ausbildungsplatz-
Offensive von Wirtschaft und Politik gescheitert
Sa.27.12.03 - Noch nie gab es in Deutschland so wenig Lehrstellen wie 2003. Dies geht
aus der Lehrstellen-Jahresbilanz der IG Metall hervor, die sich auf die
amtlichen Daten von Bundesregierung und Arbeitsämtern stützt.
So haben Wirtschaft und Verwaltungen den Jugendlichen im auslaufenden
Jahr nur knapp 575 000 Ausbildungsplätze angeboten. 1992 - dem
ersten gemeinsamen Bilanzjahr nach der deutschen Vereinigung - waren
dies noch fast 722 000. Unterdessen geht der Streit um eine
mögliche Abgabe von Betrieben ohne Lehrlinge weiter.
Waren 1992 noch über 70 Prozent eines Altersjahrganges in einer
betrieblichen Ausbildung zu finden, sind es heute nur noch etwas mehr
als 60 Prozent, listet die IG-Metall in ihrer Analyse auf. Das
betriebliche System der Berufsausbildung habe in den vergangenen zehn
Jahren deutlich «Marktanteile verloren». Dabei könne
der seit Jahren festzustellende Rückgang «nicht allein mit
der konjunkturellen Lage» erklärt werden. Vor diesem
Hintergrund warnt die IG Metall die Wirtschaft eindringlich vor einem
weiteren Ausstieg aus der betrieblichen Berufsausbildung.
Stärkster Ausbildungsbereich war 2003 wiederum der Sektor Handel
und Industrie mit 308 565 neuen Verträgen. Der Rückgang sei
dort gegenüber dem Vorjahr mit 0,9 Prozent relativ moderat
ausgefallen, heißt es in der Bilanz. Deutlich größere
Rückgänge zeigten sich dagegen im Handwerk. Mit 168 257
Verträgen wurden dort 3,2 Prozent weniger Neuabschlüsse
gezählt als 2002.
Das Minus bei den Freien Berufen beläuft sich auf 7,2 Prozent.
Auch der öffentliche Dienst verzeichnete bei 13 800
Neuabschlüssen einen Rückgang von 6,9 Prozent. Allein die
Landwirtschaft hat bei 15 010 Verträgen ein Plus von 7,3 Prozent
zu verzeichnen.
Aus Sicht der IG Metall ist die diesjährige Ausbildungsplatz-
Offensive von Wirtschaft und Politik gescheitert. Das
«Klinkenputzen» für mehr Lehrstellen sei «ohne
durchschlagenden Erfolg» geblieben. Diese Form der Anwerbung von
Ausbildungsplätzen sei «kein zukunftsfähiges
Modell», schreibt die Gewerkschaft weiter. Wer die berufliche
Ausbildung «vor dem Verfall bewahren und zukunftsfest machen
will», müsse jetzt dafür sorgen, dass wieder mehr
Betriebe Jugendliche ausbilden und Unternehmen ohne Lehrlinge sich an
den Kosten beteiligen.
Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Rainer Wend
(SPD), bekräftigte in der Zeitung «Die Welt»
(Heiligabend) seine Zweifel an der von seiner Fraktion
angekündigten Abgabe. «Es dürfte sehr schwierig werden,
einen (im Bundesrat) zustimmungsfreien Gesetzentwurf auf den Weg zu
bringen». In der Länderkammer würde eine Abgabe am
Widerstand der Union scheitern.
Dagegen sieht der SPD-Arbeitsmarktpolitiker Klaus Brandner durchaus
Chancen für eine gesetzliche Regelung, bei der
«Länderinteressen nicht direkt berührt» werden.
Brandner sagte an Heiligabend im Westdeutschen Rundfunk, jeder der
gegen eine Abgabe sei, müsse die Frage beantworten, wie die
große Ausbildungslücke anders geschlossen werden könne.
(Quelle: dpa)
Arbeitslose vor ungewissem Schicksal - Jobwunder nicht in Sicht
«Da werden Sie sich noch wundern!» Allen schlechten
Prognosen zum Trotz zeigt Wolfgang Clement ungebrochenen Optimismus.
Wenn alle rot-grünen Reformen im nächsten Jahr erst mal zu
wirken begännen, werde die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt
schneller in Gang kommen als die Konjunkturforscher das bisher noch
erwarteten, sagte der Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister bei der
Vorstellung der jüngsten, gegenüber dem Frühjahr
deutlich nach unten korrigierten Wachstumsschätzung. Doch das
ersehnte Jobwunder lässt auf sich warten.
Die Arbeitslosenzahl verharrt hartnäckig über der
Vier-Millionen- Grenze und auch das für 2004 erhoffte höhere
Wirtschaftswachstum zwischen 1,5 und zwei Prozent wird nach den
Experten-Prognosen keine eine durchgreifende Trendwende am Arbeitsmarkt
bringen. Sachverständige und führende Ökonomen rechnen
sogar mit einem leichten Anstieg um etwa 50 000 im Jahresdurchschnitt
auf rund 4,4 Millionen. Erst in der zweiten Jahreshälfte
könne die Beschäftigung leicht zunehmen.
Wesentliche Teile der Arbeitsmarktreformen lagen bis kurz vor
Weihnachten im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat. Erst
nach einer nächtlichen Entscheidungsrunde mit Bundeskanzler,
Außenminister und Oppositionsparteichefs gelang der Kompromiss:
Die Arbeitsämter werden umgebaut, Arbeitslosen- und Sozialhilfe
zusammengelegt, um auch Langzeitarbeitslose schneller wieder in
Beschäftigung zu bringen. Zudem wird die Bezugsdauer des
Arbeitslosengeldes gekürzt und der Kündigungsschutz gelockert.
Die Union hatte Clement lange vorgeworfen, er sei lediglich ein
Ankündigungsminister und habe nicht die Kraft, von ihm als richtig
erkannte Konzepte in der SPD durchzusetzen. Als Beispiel verwies sie
dazu auf die Minijobs, deren erfolgreiche Neuregelung erst auf Druck
der Christdemokraten so ausgefallen sei, dass sie ihre Wirkung am
Arbeitsmarkt auch entfalten könne.
Insgesamt sei 2003 schon einiges in Bewegung gekommen, lobt indes der
Arbeitsmarktexperte im Sachverständigenrat der Regierung zur
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der Mannheimer
Volkswirtschaftsprofessor Wolfgang Franz. Immerhin würden
«erste Auflösungserscheinungen im Reformstau»
sichtbar. Am wichtigsten sei jetzt eine beschäftigungsfreundliche
Lohnpolitik. Gesetzliche Eingriffe in die Tarifautonomie - wie von der
Union gefordert - soll es aber nicht geben. Die Tarifparteien wurden
lediglich in einer Protokollerklärung aufgefordert, mehr
Flexibilität zuzulassen, damit die Bildung betrieblicher
Bündnisse für Arbeit erleichtert wird.
Einen garantierten Weg aus der Job-Krise gibt es nicht. Das zeigt sich
immer wieder und gilt auch für die zwischen Regierung und
Opposition so erbittert umstrittenen Maßnahmen flexiblerer
Arbeitszeitregelungen, der Sicherung eines Niedriglohnsektors sowie der
Lockerung des Kündigungsschutzes und der Tarifautonomie.
Dahinter verbirgt sich ein jahrzehntelanger Streit in der Politik
ebenso wie unter den Gelehrten. Dass allein Kostensenkung für die
Unternehmen in Form geringerer Löhne und Lohnzusatzkosten die
Einstellung von Beschäftigten befördert, ist in der Praxis
genau so wenig bewiesen wie ein Erfolg des Gegenvorschlags - die
Stärkung der Kaufkraft und damit der Nachfrage. Die Frage ist,
wann stellt ein Unternehmen ein? Eine einfache Antwort wird es darauf
kaum geben. Eine Rolle spielen neben harten Fakten auch Stimmungen,
Perspektiven, Erwartungen - Psychologie eben.
Die Bundesregierung setzt auf Totalumbau der Arbeitsvermittlung,
Beseitigung bürokratischer Einstellungshemmnisse und die
Förderung von Existenzgründungen. Bis Ende November haben
sich nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit (BA) immerhin rund
83 000 Arbeitslose als «Ich-AG» selbstständig gemacht,
rund 10 000 mehr als im Oktober. Clement rechnet damit, dass 2003
insgesamt rund 250 000 Menschen mit Hilfe der BA aus der
Arbeitslosigkeit heraus eine Existenz gründen.
Die Personal-Service-Agenturen (PSA) - ein Herzstück der
Arbeitsmarktreform - beschäftigten im November 28 400 Arbeitslose.
Anvisiert waren 50 000, die über Leiharbeit und
«Klebeeffekte» den Weg in eine reguläre
Beschäftigung finden sollen. Regierungsberater Peter Hartz wies
aber trotz der Anlaufschwierigkeiten Kritik an den PSA zurück.
Durch Veränderungen in der Konstruktion sei dieses Instrument
jedoch in seiner Wirksamkeit beschnitten worden. Welche
Veränderungen auf die jetzt noch anstehenden Reformschritte
zukommen, ist zwischen Regierung und Opposition noch in der Schwebe.
(Quelle: dpa)
Bei den Arbeitsmarktreformen folgen die Sozialdemokraten der
populistischen These, an der Arbeitslosigkeit seien die Arbeitslosen
schuld. Doch diese These ist falsch...
...schreibt Uwe Becker in der "tageszeitung" vom 27.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/27/a0184.nf/text
Uwe Becker leitet das Sozialwerk des Evangelischen Stadtkirchenverbands
in Köln. Er ist Autor zahlreicher sozialethischer Publikationen
zur Arbeitszeit-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
Blick ins Archiv
Arbeitskraft des Menschen ohne Zukunft
... Nachdem ... deutsche Unternehmen ihre Produktionsstätten
zunehmend ins Ausland verlagern, wird seit neuem China beschuldigt, den
Deutschen die Arbeitsplätze in der Industrieproduktion zu stehlen.
Wahr ist, dass in Deutschland während der letzten sieben Jahre
acht Prozent der gesamten Fabrikjobs wegfielen. Gleichzeitig boomt
Chinas Fertigungsindustrie. Lässt sich daraus eine simple
Gleichung ableiten? ...
...Nein, meint Jeremy Rifkin in einem Aufsatz für die
Süddeutsche Zeitung (23.12.03):
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312210.htm#031221ew
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Dramatischer Anstieg der Armut befürchtet
Paritätische Wohlfahrtsverband: Beschlossene Herabsenkung der
Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfeniveau bewirkt Zunahme der Armutsquote
von 3,7 auf sieben Prozent. Kritik an Steuerbeschlüssen der
Bundesregierung: Spitzeneinkommen werden netto deutlich stärker
entlastet
Sa.27.12.03 - Wegen der Sozialreformen befürchtet der Paritätische
Wohlfahrtsverband einen dramatischen Anstieg der Armut in Deutschland.
«Durch die beschlossene Herabsenkung der Arbeitslosenhilfe auf
Sozialhilfeniveau müssen mittelfristig ab 2005 noch einmal 1,7
Millionen mehr Menschen auf dem Armutslevel leben», sagte
Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider der Nachrichtenagentur
AP. Dies bedeute eine Zunahme der Armutsquote von derzeit etwa 3,7 auf
sieben Prozent.
Speziell die Kinderarmut werde noch stärker wachsen, warnte
Schneider. Mittelfristig müssten dann 1,5 Millionen oder fast zehn
Prozent der unter 18-Jährigen mit Sozialhilfe auskommen. Zudem
werde durch die Absenkung der Arbeitslosenhilfe bei den schon sozial
Schwachen 3,6 Milliarden Euro gespart. Angesichts der ungleichen
Verteilung der Einkommen und Vermögen in Deutschland sei dies
völlig unverständlich. Als Konsequenz forderte Schneider eine
deutliche Anhebung der Sozialhilfe, die momentan nicht mehr vor Armut
schütze. Um den Mindestbedarf zu decken, müssten die
Sätze um zehn Prozent angehoben werden.
Schneider bezweifelte, dass sich das zweifellos reiche Deutschland den
Sozialstaat nicht mehr leisten könne. Leider laute aber die
Priorität des Reformpakets: «Den Arbeitslosen nehmen wir's,
den Spitzenverdienern geben wir's.»
Die Steuerbeschlüsse der Bundesregierung führten dazu, dass
Vermögen angehäuft werden, kritisierte Schneider. Zwar sinke
bei der Einkommensteuer in den kommenden beiden Jahren sowohl der
Eingangs- als auch der Höchstsatz. Doch werde sich die
Konzentration von Vermögen und Einkommen in immer weniger
Haushalte fortsetzen, prognostizierte er. «Die Spitzeneinkommen
werden netto deutlich stärker entlastet. Hier wird Geld verteilt,
das zu 50 Prozent auf der hohen Kante landet und nicht im Konsum. Das
heißt im Klartext: Es wird Vermögen angehäuft.»
Dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zufolge besitzen
die zehn Prozent der reichsten Haushalte in Deutschland mehr als 40
Prozent des Vermögens; die ärmsten 50 Prozent müssen
sich weniger als fünf Prozent davon teilen.
Nach Schneiders Worten wächst in Zukunft das Risiko dramatisch,
nach dem Verlust des Arbeitsplatzes in Armut abzurutschen. Zugleich
seien nach wie vor allein Erziehende und kinderreiche Familien vom
Armutsrisiko betroffen, weil der notwendige gesellschaftliche
Lastenausgleich unzureichend sei.
Unterdessen wurde bekannt, dass die Barmer Ersatzkasse offenbar weniger
Sozialhilfeempfänger und Asylbewerber aufnehmen will. Die
«Hannoversche Allgemeine Zeitung» berichtete über eine
interne Anweisung an die Regionalgeschäftsführer, die Anzahl
der Neukunden in diesem Bereich möglichst gering zu halten.
Betroffene sollten demnach unauffällig überzeugt werden, sich
nicht für die Barmer zu entscheiden. Als Grund wurde der zu
erwartende Mehraufwand genannt. Sozialhilfeempfänger können
ab 2004 ihre Krankenkasse frei wählen.
Eine Barmer-Sprecherin sagte der Zeitung, niemand werde abgewiesen; es
gehe um eine gerechtere Verteilung der Patienten. Die Sozialämter
neigten dazu, Einkommensschwache bei den großen Versorgungskassen
wie Barmer und AOK anzumelden.
(Quelle: ap)
Die deutschen Städte müssen weiter darben
Sa.27.12.03 - Dass es den deutschen Städten schlecht geht, weiß auch der
Bundeskanzler: «Wir werden aber auch die Finanz- und
Investitionskraft der Kommunen nachhaltig stärken müssen...
Die Bundesregierung wird zum 1. Januar 2004 die Gemeindefinanzen
grundlegend reformieren.» Das versicherte Gerhard Schröder
in seiner berühmten Aufbruchrede zur Agenda 2010 am 14. März
im Bundestag. Doch nach der Vereinbarung von Bund und Ländern im
Vermittlungsausschuss ist von der Ankündigung so gut wie nichts
übrig geblieben.
«Unterm Strich wird es keine nennenswerte Entlastung
geben», zieht der Hauptgeschäftsführer des Deutschen
Städtetags, Stephan Articus, enttäuscht Bilanz. Das bedeutet
nach seinen Worten: Viele Städte werden weiter am Rande des
Existenzminimums vegetieren, nur sehr spärlich Aufträge an
den örtlichen Mittelstand und die Handwerksbetriebe vergeben
können, weiter Personal abbauen und Einrichtungen schließen
sowie Eintritts- und Nutzungsgebühren erhöhen müssen.
Aus der angestrebten Reform der Gewerbesteuer, über die eine
Kommission ein Jahr lang beraten hat, ist nichts geworden. Lediglich
die 2000 erhöhte Gewerbesteuerumlage, die die Kommunen an Bund und
Länder abführen müssen, wird wieder auf die
ursprüngliche Höhe zurückgeführt.
Angeblich 2,5 Milliarden Euro sollen dadurch wieder in die
Stadtsäckel zurückfließen, doch auch nach offizieller
Lesart sind es im ersten Jahr nur 2,3 Milliarden. Dabei ist nach
Auskunft des Statistischen Bundesamts allein in den ersten neun Monaten
des zu Ende gehenden Jahres das Defizit der Kommunen um rund 2,4
Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro gestiegen. Und nach Berechnungen des
Städtetags werden es statt der avisierten 2,3 Milliarden wegen der
vorgezogenen Steuerreform, des beschlossenen Subventionsabbaus und
weiterer Maßnahmen sogar nur 1,5 Milliarden Euro sein, die
für alle deutschen Städte 2004 als Nettoentlastung übrig
bleiben.
Doch der ohnehin geringen Summe stehen ab 2005 sogar neue Belastungen
gegenüber. Wenn dann die Arbeitslosen- und Sozialhilfe
zusammengelegt werden, sparen die Kommunen zwar erst einmal 11,3
Milliarden Euro Sozialhilfe für Erwerbsfähige ein.
Gleichzeitig müssen sie aber die Wohn- und Heizkosten für
Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe in Höhe von 11
Milliarden Euro übernehmen. Hinzu kommen die Ausgaben für
Schuldnerberatung und die psychosoziale Betreuung Hilfebedürftiger
aus diesem Kreis, die den Kommunen nur mit 250 Millionen Euro erstattet
werden, sich nach den Worten von Articus aber inklusive der
Verwaltungskosten für die Unterbringung auf ein Vielfaches
belaufen.
Und noch völlig offen ist auch, ob die Länder ihre Entlastung
von 2,4 Milliarden Euro Wohngeldkosten überhaupt an die Kommunen
weitergeben. Nur dann würde es nämlich wenigstens keine
zusätzliche Belastung werden. Eine Antwort auf den Appell des
kommunalen Spitzenverbands an die Ministerpräsidenten, wenigstens
eine entsprechende Absichtserklärung abzugeben, lag Articus auch
Tage nach der entscheidenden Bundesratssitzung noch nicht vor.
Insgesamt wertet der Deutsche Städtetag, der über 5.500
Städte mit insgesamt 51 Millionen Einwohnern vertritt, das
Vermittlungsergebnis als «völlig inakzeptabel».
Articus erinnert daran, dass die von der Mehrheit der
Gemeindefinanzkommission geforderte Reform der Gewerbesteuer als
Haupteinnahmequelle der Kommunen überhaupt nicht angegangen wurde.
Am Widerstand der unionsregierten Länder gescheitert sind sowohl
die Einbeziehung der freien Berufe in den Kreis der Gewerbesteuerzahler
als auch die Berücksichtigung konjunkturunabhängiger
Zahlungen wie Miete, Leasingraten und Zinsen.
Stattdessen nur die Gewerbesteuerumlage wieder auf die
ursprüngliche Höhe abzusenken, stellt laut Articus ja
lediglich den «Status quo ante» wieder her. Die Grundlage
für die Anhebung des Anteils von Bund und Ländern habe aber
von Anfang an gar nicht bestanden, denn auf Druck der Wirtschaft seien
ja die Abschreibungstabellen gar nicht so geändert worden, dass
die erhofften Mehreinnahmen hätten fließen können.
Wenn die deutschen Städte wirklich aus der beklemmenden Finanznot
herauskommen wollen, muss eine wirkliche Reform nach Überzeugung
von Articus auf der Tagesordnung bleiben. Schließlich sind die
Aufwendungen für Investitionen bei den Kommunen als wichtigstem
Auftraggeber der öffentlichen Hand binnen zehn Jahren um mehr als
ein Drittel zurückgegangen. Die Arbeitslosigkeit wird so kaum
abgebaut. Und an die vom Bund gewünschten zusätzlichen
Aufwendungen der Städte für Ganztagsbetreuung von unter
Dreijährigen ist unter den finanziellen Voraussetzungen nicht zu
denken. «Dafür fehlt die Grundlage», betont Articus.
Bessere Lösungen für die Städte kann es nach seiner
Überzeugung nur geben, wenn die Kommunen in den entscheidenden
Gremien endlich mitreden dürfen. Im Vermittlungsausschuss waren
sie nicht einmal mit beratender Stimme vertreten.
(Quelle: ap)
Einschränkungen in Kliniken befürchtet
Sa.27.12.03 - Als Folge der neuen Fallpauschalen im Krankenhaus befürchten
Patientenvertreter Einschränkungen bei der Versorgung. Der
wirtschaftliche Druck auf einige Kliniken werde so stark wachsen, dass
mancherorts zum Beispiel Abteilungen geschlossen werden müssten,
sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Versicherte und Patienten, Ekkehard Bahlo, der Nachrichtenagentur AP.
«Einige Häuser werden dem wirtschaftlichen Druck nicht
standhalten», sagte Bahlo. «Sie werden die Konsequenzen
ziehen und das Leistungsangebot einschränken.» Wie genau
sich die neue Abrechnungsmethode auswirkt, die ab 1. Januar
flächendeckend in ganz Deutschland gilt, sei jedoch noch nicht
abzuschätzen. «Die Erfahrungen fehlen», betonte Bahlo,
obwohl die Fallpauschalen in zahlreichen Kliniken bereits 2003
versuchsweise eingeführt worden waren.
Überwiegend positiv bewertete Bahlo die Neuerung der
Gesundheitsreform, dass sich Ärzte in Behandlungszentren
zusammentun können. «Aus Patientensicht hat es seine
Vorteile, wichtige Disziplinen unter einem Dach versammelt zu
finden», sagte Bahlo. Allerdings müssten die
Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen mit ihrer
Honorarpraxis dafür sorgen, dass eine flächendeckende
Versorgung mit Fachärzten gewährleistet bleibe.
An seiner Kritik an den höheren Zuzahlungen und der neuen
Zehn-Euro-Praxisgebühr hielt Bahlo fest. Diese belasteten
Patienten einseitig. Mit diesen Mehrkosten müssten ausgerechnet
die Kranken dazu beitragen, dass die Arbeitgeber einseitig entlastet
würden. Der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt warf Bahlo vor,
dass sie die Folgen der Reform lange beschönigt habe. Deshalb
könnten die Betroffenen die Neuerungen nicht aus Überzeugung
mittragen.
(Quelle: ap)
Bsirske für härtere Gangart gegen Steuerflüchtlinge
Sa.27.12.03 - Ver.di-Chef Frank Bsirske hat im Kampf gegen Steuerflüchtlinge
eine härtere Gangart befürwortet. «Die Forderung, dass
Steuerflüchtlinge Subventionen zurückzahlen sollen, ist mir
grundsympathisch», sagte der Gewerkschafter an Weihnachten der
Nachrichtenagentur AP. Auch eine Aberkennung der deutschen
Staatsbürgerschaft sei denkbar. Wenn dies rechtlich machbar sei,
solle Deutschland dem amerikanischen Beispiel folgen.
Aus seiner Sicht sei es «asozial, die Vorzüge
gesellschaftlicher Infrastruktur in Deutschland zu genießen und
sich gleichzeitig der Steuerverantwortung zu entziehen», betonte
Bsirske. Er kritisierte, dass Firmen ihren Sitz ins Ausland verlegten,
um die Erbschaftsteuer zu umgehen. «Das ist eine Form von
Doppelmoral, die ich hochgradig problematisch und eigentlich
verachtenswürdig finde.»
Es bestehe offensichtlich in der Politik die Auffassung, dass
«das Kapital ein scheues Reh ist, das gehegt und gepflegt werden
muss, weil es sonst verschreckt wird». Diese Einstellung habe
dazu geführt, dass die Reichen die gesellschaftlichen Aufgaben
immer weniger finanzierten und die Lasten immer mehr auf die Schultern
der Arbeitnehmer verteilt würden.
Er habe kein Verständnis dafür, dass Arbeitnehmer ganz
selbstverständlich zur Lohnsteuer herangezogen würden,
während andere auf vielfältige Weise Steuerschlupflöcher
nutzen könnten. In den vergangenen 20 Jahren habe es einen
permanenten Anstieg an Lohnsteuer gegeben. Dagegen habe sich die
Besteuerung auf Gewinn und Vermögen nahezu halbiert. Beim Anteil
des Bruttoinlandsprodukts aus Vermögens- und Besitzbesteuerung
bewege sich die Bundesrepublik im internationalen Vergleich am
untersten Ende.
(Quelle: ap)
Toll Collect lehnt Zahlung von Schadenersatz ab
Stolpe verlängert Verhandlungsfrist für Toll Collect
Sa.27.12.03 - Der Mautsystem-Betreiber Toll Collect will trotz der zunächst
vermiedenen Vertrags-Kündigung durch das Bundesverkehrsministerium
Forderungen nach Ausgleichzahlungen von bis zu 156 Millionen Euro
monatlich nicht nachkommen.
"Es wird keine Schadenersatzzahlung geben. Diese Position ist
unverrückbar", sagte ein Toll-Collect-Sprecher am Freitag der
Nachrichtenagentur Reuters. Das Konsortium sei aber bereit, bei einem
erneuten Scheitern eines neuen, noch festzulegenden Starttermins in
einem neuen Vertrag deutlich höhere Strafzahlungen als im
derzeitigen Vertrag zu akzeptieren. Er fügte hinzu, das Konsortium
begrüße die Entscheidung von Verkehrsminister Manfred Stolpe
(SPD), die Maut-Verträge zunächst nicht zu kündigen.
"Ende Januar wird es möglich sein, die weiteren Schritte zur
Einführung der Maut festzulegen und mit dem Minister zu
vereinbaren." Ein neuer Start-Termin könne im dritten Quartal 2004
liegen. Allerdings sei auch ein späterer Start nicht
ausgeschlossen.
Zuvor hatte ein Sprecher des Verkehrsministeriums gesagt, Stolpe werde
den Maut-Vertrag zunächst nicht kündigen, sondern Toll
Collect eine weitere Frist bis Ende Januar 2004 für eine Einigung
einräumen. Bei Gesprächen über die Weihnachtstage habe
sich Toll Collect bei den strittigen Themen Ausgleichzahlungen und
Starttermin auf die Forderungen des Bundes zubewegt. Allerdings
müsse es noch weitere Bewegung geben.
Eigentlich hatte sich Stolpe schon auf eine Kündigung der
Verträge festgelegt, falls es bis Ende 2003 von Toll Collect
keinen Zeitplan und keine Verpflichtung zu Ausgleichszahlungen an den
Bund für Einnahme-Ausfälle gibt. Das Konsortium besteht aus
Deutscher Telekom, DaimlerChrysler und der französischen Cofiroute.
DaimlerChrysler und Deutsche Telekom marschieren neuerdings getrennt,
wie «Die Welt» und die «Süddeutsche
Zeitung» berichteten. Die Telekom habe Stolpe im Alleingang den
geforderten Fahrplan für die Einführung der LKW-Maut
vorgelegt. Laut «Welt» wollte die Telekom mit ihrem
Vorschlag die Kündigung des Maut-Vertrages verhindern. Das Blatt
schloss auch ein Zerwürfnis zwischen Telekom und DaimlerChrysler
nicht aus.
In der «SZ» hieß es jedoch, dass die Telekom ihre
Vorstellungen zu einem Einführungstermin mit dem Hinweis verbunden
habe, dass dessen Inhalt «angesichts der bevorstehenden
Feiertage» noch nicht mit den Partnern DaimlerChrysler und
Cofiroute habe abgestimmt werden können.
(Quellen: rtr, ap)
Studie: Kinder ohne Freunde gehen später in die Politik
Sa.27.12.03 - Kinder ohne Freunde gehen nach einer britischen Langzeitstudie
später oft in die Politik. Forscher erklären dies damit, dass
man dort nicht so schnell abgelehnt werde: Seine Parteifreunde kann man
sich nicht aussuchen.
Wie die britische Zeitung «The Daily Telegraph» am Freitag
berichtete, wertete das Institut für soziale und wirtschaftliche
Forschung der Universität Essex für die Studie Angaben zu
über 16 000 Menschen aus, die im April 1970 geboren wurden. Sie
wurden im Alter von 5, 10, 16, 26 und 30 Jahren jeweils
ausführlich befragt. Als sie 10 Jahre alt waren, sprachen sie
unter anderem über ihre Freunde und darüber, ob sie sich
einsam fühlten. Auch die Lehrer schätzten jeweils ein, wie
populär die betreffenden Kinder unter Gleichaltrigen waren.
Damalige Außenseiter, die schlecht integriert waren, sind den
Angaben zufolge heute überdurchschnittlich oft in Parteien, aber
auch in Kirchen aktiv. Die Forscher glauben, dass sie dort leichter
Kontakte und Anerkennung finden können als in einem selbst
aufgebauten Freundeskreis ohne die unterstützenden Strukturen
einer Organisation.
(Quelle: dpa)
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