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+++ Mi.31.12.03,
12:00 Nachrichten-Archiv Aktuelle
Nachrichten
Irak am zweihundertsiebenundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
IKRK fordert
Zugang zu Saddam Hussein +++ Deutsche Regierung hat keine Erkenntnisse
über Saddam-Milliarden +++ Iraker bei Anschlag auf
US-Militärkonvoi in Bagdad getötet +++ NBC zeigt irakisches
Filmmaterial über Jessica Lynch
Mi.31.12.03 - Das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat Zugang zu dem von den
USA gefangen gehaltenen früheren irakischen Präsidenten
Saddam Hussein gefordert. Gemäß der Genfer Konvention habe
die Organisation das Recht, jeden Kriegsgefangenen oder inhaftierten
Zivilisten zu besuchen, sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal am Dienstag
in Genf der Nachrichtenagentur AFP. Das IKRK stehe in der Frage der
Kriegsgefangenen und anderen Häftlingen in Irak in
regelmäßigem Kontakt zu den US-Behörden; bei diesen
Gesprächen sei es auch um Saddam Hussein gegangen. Eine Zeitvorgabe
für einen Besuch gebe es nicht; "generell" solle dies so schnell
wie möglich geschehen.
Die Bundesregierung weiß nach eigenen Angaben nichts über
den Verbleib von Geldbeträgen, die im Auftrag des gestürzten
irakischen Diktators Saddam Hussein auch nach Deutschland geschafft
worden sein sollen.
"Darüber haben wir keine eigenen Erkenntnisse", sagte die
Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, Andrea Weinert, am Dienstag. Die
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und
mehrere Banken verwiesen indes auf das Ministerium. Ein Sprecher der
Bundesbank, die sich im März von den deutschen Geschäftsbanken
über staatliche irakische Vermögen hatte informieren lassen,
sagte, anders als damals gebe es bisher keine entsprechende Anfrage des
Wirtschaftsministeriums.
Der von den USA eingesetzte irakische Regierende Rat sucht nach Angaben
seines Mitglieds Ijad Allaui nach 40 Milliarden Dollar, die in
Deutschland, Japan und der Schweiz auf Konten fiktiver Firmen deponiert
worden sein sollen. International tätige Kanzleien sollten das Geld
aufspüren. Saddam habe Namen von Mittelsmännern preisgegeben,
denen er es anvertraut habe.
Im März hatte die Bundesbank die Banken in Deutschland um aktuelle
Informationen über staatliche irakische Vermögen gebeten, die
sich auf Konten der Kreditinstitute befinden und auf Grund einer
UNO-Resolution seit dem Golfkrieg 1991 eingefroren sind. Deutschland
plane jedoch nicht, diese Gelder zu beschlagnahmen, da dies ohne eine
neue rechtliche Grundlage nicht möglich sei, hieß es damals.
Das US-Finanzministerium hatte im März irakische Staatsgelder bei
17 Banken in den USA beschlagnahmt. Die Schweiz fror irakische
Vermögen ein.
Bei einem Bombenanschlag auf einen US-Militärkonvoi ist am
Dienstag im Stadtzentrum von Bagdad ein irakischer Passant getötet
worden. Ein weiterer Iraker wurde verwundet, wie die Polizei mitteilte.
Von den US-Streitkräften wurde niemand verletzt. Nördlich von
Bagdad nahmen amerikanische Soldaten drei mutmaßliche
Aufständische fest.
Die Bombe explodierte am Rand einer Straße mit Wohnhäusern
und kleinen Geschäften im Stadtbezirk Karrada. Das Opfer arbeitete
nach Angaben von Anwohnern in einem der Läden. Die Schaufenster
mehrerer Geschäfte gingen unter der Wucht der Explosion zu Bruch.
"Sie haben keine Amerikaner getötet, nur Iraker, wie üblich",
sagte einer der Ladeninhaber. "Wir betrachten es als Terrorismus."
Bei einer Razzia in Bakuba, 50 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt,
nahmen die US-Truppen drei frühere Armee- und Geheimdienstoffiziere
fest. Die Männer stehen unter dem Verdacht, am Widerstand gegen
die Koalitionstruppen beteiligt zu sein, wie ein Sprecher der
US-Militärpolizei, David Wicklund, am Dienstag der
Fernsehnachrichtenagentur APTN sagte. Die Soldaten hätten in den
frühen Morgenstunden den Eingang zum Haus der Verdächtigen
gesprengt.
In Mossul im Norden des Landes erschossen US-Truppen vor einer Bank
einen Iraker. Der Mann habe versucht, mit einem Messer auf die Soldaten
einzustechen, die die Bank bewachten, sagte ein Wachmann.
Thailand und Bulgarien erwiesen am Dienstag ihren bei einer
Anschlagsserie in Kerbela getöteten Soldaten die letzte Ehre.
Für die beiden thailändischen Opfer fand auf einem
Luftwaffenstützpunkt in Bangkok eine Abschiedszeremonie mit 200
Teilnehmern statt, darunter Angehörige und ranghohe
Regierungsvertreter. Die Regierung werde alles tun, um solche tragischen
Zwischenfälle künftig zu vermeiden, sagte
Verteidigungsminister Thammarak Isarangura na Ayudhaya. Die beiden
Soldaten sollen in ihren Heimatdörfern beigesetzt werden.
In Sofia strömten Tausende zu der Beerdigung der fünf
bulgarischen Soldaten, die in Irak getötet wurden. «Heute
nehmen wir von der Vorstellung Abschied, dass der Einsatz der
bulgarischen Soldaten in Irak sicher wäre. Dies ist Krieg, ein
echter Krieg», sagte Präsident Georgi Parwanow.
Die thailändischen und bulgarischen Soldaten waren am Samstag bei
Selbstmordanschlägen auf zwei Stützpunkte der
Koalitionsstreitkräfte in Kerbela ums Leben gekommen. Sie
gehörten einer multinationalen Truppe unter polnischem Kommando an.
Thailand hat rund 422 Soldaten in Irak stationiert und kündigte am
Montag die Entsendung von 30 weiteren Soldaten an. Bulgarien entsandte
im September 485 Soldaten.
Irakische Kameraleute haben in einem Krankenhaus offenbar die schwer
verletzte US-Soldatin Jessica Lynch und eine ihrer Kameradinnen gefilmt.
Das am Dienstagabend vom US-Fernsehsender NBC ausgestrahlte Video
zeigte Lynch und die Soldatin Lori Piestewa mit geschwollenem Gesicht,
mehreren Verbänden und Schnittwunden. Beide schienen bewusstlos zu
sein, jemand positionierte Piestewas Beine und ihren Kopf. Das Band
wurde laut NBC in Irak nicht gezeigt.
Irakische Ärzte hatten erklärt, die beiden Frauen seien nach
einem Angriff auf ihre Einheit am 23. März in ein privates
irakisches Krankenhaus gebracht worden, wo Piestewa eine halbe Stunde
später ihre schweren Kopfverletzungen erlegen sei. Sie war das
erste weibliche Opfer der US-Streitkräfte in Irak. Lynch wurde im
April von einer Spezialeinheit aus dem Krankenhaus geholt, fünf
weitere US-Soldatinnen wurden rund zwei Wochen später in Irak
aufgegriffen.
Eine der Soldatinnen erklärte, sie sei von den Aufnahmen zwar
geschockt, zugleich aber beruhigt, weil die Iraker sich um die beiden
Verletzten bemüht hätten. "Sie haben das beste für sie
versucht", sagte Shohshana Johnson.
Das Videoband sei nur deswegen erhalten, weil ein Mitarbeiter des
staatlichen Fernsehen es zuhause aufbewahrt hatte, berichtete NBC. Die
US-Streitkräfte hatten irakische Fernsehstudios mehrfach
bombardiert, nachdem diese Interviews mit amerikanischen
Kriegsgefangenen ausgestrahlt hatten.
(Quelle: afp,
rtr, ap)
Sonderermittler übernimmt Untersuchung zu Enttarnung
von CIA-Agentin
Mi.31.12.03 -
US-Justizminister John Ashcroft zieht sich aus der Untersuchung der
Affäre um die Enttarnung einer CIA-Agentin zurück. An seiner
Stelle sei Staatsanwalt Patrick Fitzgerald aus Chicago als
Sonderermittler ernannt worden, teilte Ashcrofts Stellvertreter James
Comey am Dienstag mit. Das Justizministerium kam damit Forderungen der
oppositionellen Demokraten nach, die wiederholt die Einsetzung eines
unabhängigen Sonderermittlers verlangt hatten.
Die Untersuchung soll aufdecken, wer Journalisten den Namen der
Geheimdienstmitarbeiterin Valerie Plame genannt hat. Plame ist mit dem
ehemaligen US-Botschafter Joseph Wilson verheiratet. Dieser hatte im
Juli Angaben der Regierung, Irak habe in Niger Uran kaufen wollen, als
nicht stichhaltig kritisiert. Tatsächlich musste die Regierung
später einräumen, dass die fragliche Information nie in einer
Rede von US-Präsident George W. Bush hätte auftauchen
dürfen. Wilson verdächtigt das Weiße Haus, es habe ihn
durch die Enttarnung seiner Frau in Misskredit bringen wollen.
Die konkreten Gründe für Ashcrofts Entscheidung wurden nicht
bekannt. Comey sagte lediglich, der Schritt sei hinsichtlich der
«Umstände, Fakten und Beweise» angebracht. Kritiker
hatten Ashcroft Voreingenommenheit vorgeworfen.
(Quelle: ap)
Weitere Staaten sichern Nichtauslieferung von
US-Bürgern an IStGH zu
Mi.31.12.03 -
Weitere vier Staaten haben nach Angaben der Regierung Abkommen mit den
USA geschlossen, die US-Bürger von einer Auslieferung an den
Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) schützen sollen. Wie
US-Präsident George W. Bush am Dienstag auf seiner Ranch in
Crawford bekannt gab, handelt es sich dabei um den Mazedonien, Panama,
Fidschi und den lateinamerikanischen Staat Belize.
Das 1998 in Rom verabschiedete Statut des IStGH haben 90 Staaten
ratifiziert. Die USA lehnen den Gerichtshof jedoch strikt ab, weil sie
befürchten, dass vor allem US-Soldaten aus politischen Gründen
angeklagt werden und willkürlicher Strafverfolgung ausgesetzt sein
könnten. Die US-Regierung unterzeichnete bislang bilaterale
Verträge mit mehr als drei Dutzend Staaten, in denen diese
zusichern, Amerikaner nicht an den IStGH auszuliefern.
(Quelle: ap)
US-Direktive zum Einsatz von Sky Marshalls
USA drohen
Fluggesellschaften mit Entzug der Landeerlaubnis
Mi.31.12.03 -
Ausländischen Fluggesellschaften droht der Entzug ihrer
Landeerlaubnis für die USA, falls sie einer US-Direktive zum
Einsatz so genannter Sky Marshalls nicht Folge leisten. Der Anordnung
zufolge müssen bei erhöhtem Terrorverdacht auf Flügen
über amerikanischem Gebiet bewaffnete Flugbegleiter an Bord sein.
Mehrere internationale Fluggesellschaften sagten bereits ihre
Kooperation zu.
Washington behalte sich das Recht vor, die Erlaubnis zur Landung in den
USA oder zu Flügen über amerikanisches Gebiet zu widerrufen,
sagte Heimatschutzminister Tom Ridge am Montag. Er erklärte weiter,
die erhöhte Terrorwarnstufe werde mindestens bis Neujahr
beibehalten. «Wir sind heute noch so besorgt, wie wir es gestern
waren», sagte der Minister. Die US-Regierung hatte den nationalen
Terroralarm vor Weihnachten von Gelb auf die zweithöchste Stufe
Orange erhöht.
Der Internationale Luftverkehrsverband (IATA) erklärte am Dienstag
in Genf, die Fluggesellschaften wollten angesichts der derzeit
verstärkten Sicherheitsmaßnahmen kooperieren und auf
Anweisung Sky Marshalls an Bord nehmen. Es sei aber wichtig zu
verhindern, dass Terroristen gar nicht erst an Bord gelangten.
Australien kündigte am Dienstag an, Anfang kommenden Jahres ein
Abkommen mit den USA über den Einsatz von Sky Marshalls auf
Flügen zwischen beiden Staaten zu unterzeichnen. Beide Seiten
verhandelten darüber bereits seit Monaten, sagte Justizminister
Chris Ellison in Canberra. Daher fühle sich Australien von der
neuen Direktive nicht betroffen.
Die mexikanische Regierung erklärte sich mit den neuen
US-Vorschriften einverstanden. Auf allen Flügen mit erhöhtem
Sicherheitsrisiko sollten künftig bewaffnete Begleiter eingesetzt
werden, sagte Innenminister Santiago Creel am Montag in Mexiko-Stadt.
Bestimmte Flüge von Frankreich in die USA werden bereits seit der
vergangenen Woche von Polizisten der Eliteeinheit GIGN begleitet, wie
die französische Tageszeitung «Liberation» unter
Berufung auf Kreise des Pariser Innenministeriums berichtete. Die
Entscheidung dafür sei am 22. Dezember getroffen und einen Tag
später umgesetzt worden. An Bord befänden sich je nach
Flugzeugtyp und Zahl der Passagiere zwei bis sechs Sky Marshalls.
Welche Flüge begleitet werden sollen, will Frankreich dem Bericht
zufolge unabhängig von den USA treffen. «Liberation»
zitierte einen Vertreter des Innenministeriums mit den Worten: «Es
ist auf keinen Fall die Absicht Frankreichs, dauerhaft bewaffnete
Männer in Flugzeugen einzusetzen.»
Auch ein Lufthansa-Sprecher erklärte am Montag, auf einigen
Flügen in die USA seien bereits jetzt Sky Marshalls im Einsatz.
Dies könne im Falle neuer Vorschriften auch verstärkt
geschehen. Großbritannien hatte bereits am Sonntag
angekündigt, es werde auf einigen transatlantischen Flügen
bewaffnete Flugbegleiter einsetzen. Die niederländische
Fluggesellschaft KLM und die russische Aeroflot wollen der US-Forderung
ebenfalls nachkommen. Die Luftfahrtbehörde in Moskau betonte
allerdings am Dienstag, noch sei keine Entscheidung darüber
gefallen, ob Russland der US-Direktive Folge leisten werde.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas-Mitglieder in Gaza mit Raketen angegriffen +++ Israel will Verlauf
von Sperranlagen an zwei Stellen verändern +++ Israelische
Regierung will Besiedlung der Golanhöhen vorantreiben
Mi.31.12.03 - Ein
israelischer Kampfhubschrauber hat im Gazastreifen Mitglieder der
Hamas-Bewegung mit Raketen angegriffen. Die beiden Raketen trafen am
Dienstag ein Auto in Gaza-Stadt. Elf Menschen wurden verletzt, einer
davon schwer, wie Krankenhausmitarbeiter sagten. Die israelischen
Streitkräfte erklärten, der Angriff habe sich gegen militante
Hamas-Mitglieder gerichtet, die einen Terroranschlag geplant
hätten. Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin kündigte
Vergeltung an.
Israel werde einen hohen Preis für den Angriff zahlen, drohte
Jassin. "Diese Massaker und Verbrechen beweisen, dass Israel die Gewalt
sucht und nicht Frieden, Sicherheit und Stabilität", sagte er der
Fernsehnachrichtenagentur APTN.
Die Hamas bestätigte, dass Mitglieder der Organisation in dem Auto
unterwegs gewesen seien. "Ich habe gesehen, wie eine Flamme einen
Kleinwagen getroffen hat und Leute versucht haben, aus dem Auto zu
entkommen", sagte Rauf Musalam, ein Apotheker, der den Angriff
beobachtete. Apache-Hubschrauber seien etwa zwei Minuten lang am Himmel
zu sehen gewesen.
Ein Arzt sagte, unter den Verletzten sei offenbar keiner der
Fahrzeuginsassen. Zuletzt hatten israelische Hubschrauber am Donnerstag
Ziele im Gazastreifen angegriffen und drei Mitglieder des Islamischen
Dschihads sowie zwei Zivilisten getötet. Aus israelischen
Sicherheitskreisen war zuvor verlautet, die Angriffe auf Mitglieder der
Hamas sollten eingestellt werden, weil die Organisation offenbar keine
Anschläge mehr in Israel verübe.
Einen Tag nach ihrem Abzug rückten die israelischen Truppen erneut
in die Stadt Nablus im Westjordanland ein. Sie lieferten sich ein
Feuergefecht mit mutmasslichen palästinensischen Extremisten und
verhängten ein Ausgehverbot, wie Augenzeugen sagten. Rund 40.000
Bewohner sassen in ihren Häusern fest. Die israelischen Truppen
hatten sich erst am Montag nach einer zweiwöchigen
Militäraktion aus Nablus zurückgezogen.
Im Gazastreifen töteten israelische Soldaten einen
Palästinenser. Die Streitkräfte erklärten, der Mann habe
in der Nähe der jüdischen Siedlung Morag offenbar Sprengstoff
gelegt. In der Gegend sei eine Bombe entdeckt worden. Aus Kreisen der
Palästinenser verlautete, der 22-Jährige sei willkürlich
erschossen worden.
Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete unterdessen, Israel wolle
den Verlauf der umstrittenen Sperranlage zum Westjordanland leicht
verändern. Die Entscheidung gehe sowohl auf internationalen Druck
wie auch auf Kritik aus der Führung der Streitkräfte
zurück, schrieb der Militärexperte Seev Schiff. So solle ein
breiterer Zugang zu der Stadt Kalkilja geschaffen werden, um die
praktisch vollständige Abriegelung zu lockern.
Schiff berichtete weiter, nach Widerstand aus den Reihen der Truppen
werde ausserdem der geplante Abschnitt, der das Westjordanland vom
Jordantal abtrennen sollte, nicht gebaut. Als offizieller Grund
würden die hohen Kosten genannt. Das israelische
Verteidigungsministerium wies den Bericht zurück.
Israel hat unterdessen angekündigt, die Besiedlung der
Golan-Höhen im Grenzgebiet zu Syrien drastisch voranzutreiben. Nach
offiziellen Angaben vom Mittwoch entschied eine Ministerrunde der
israelischen Regierung, die Bevölkerungszahl der
landwirtschaftlichen Siedlungen um 50 Prozent zu erhöhen.
(Quellen: afp,
ap)
Afghanistan: Streit verzögert Abstimmung bei Loja
Dschirga
Mi.31.12.03 -
Eine Boykott-Drohung von über hundert Delegierten hat die
Abstimmung der Loja Dschirga über die künftige Verfassung
Afghanistans weiter verzögert. Aus Protest gegen das im
Verfassungsentwurf vorgeschlagene Präsidialsystem und den Verlauf
der Beratungen blieben die Delegierten in Kabul einer Veranstaltung zur
Erklärung des Abstimmungsverfahrens fern. "Es gibt keine
Transparenz in der Loja Dschirga", begründete der frühere
afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani seine Ablehnung.
Während sich die meisten der 502 Delegierten in mehreren Gruppen
den Prozess der Abstimmung erläutern ließen, blieben
über hundert Vertreter aus Protest im Hauptzelt auf dem
Tagungsgelände vor den Toren Kabuls sitzen. Bei den meisten von
ihnen handelte es sich um Mitglieder verschiedener Fraktionen der
Nordallianz sowie der Volksgruppen der Usbeken und Hasara, die ein
starkes Parlament und eine Regierung mit einem Ministerpräsidenten
als Gegengewicht zum Präsidenten einsetzen wollen.
Vor allem die Frage der Machtbefugnisse des Präsidenten ist weiter
heftig umstritten. Der von Präsident Hamid Karsai unterstützte
Verfassungsentwurf sieht ein Präsidialsystem mit einem
gestärkten Zwei-Kammer-Parlament vor. Karsai hatte die
Verabschiedung dieses Systems zur Bedingung gemacht, erneut für das
Amt zu kandidieren.
Nach Rabbanis Worten sind im Verfassungsentwurf nicht die Ergebnisse
aus dem Vermittlungsausschuss berücksichtigt. "Bestimmte
Delegierte" würden lediglich ihre eigenen Interessen verfolgen und
"mit dem Willen der Nation spielen". Im Gegenzug warf der Delegierte
Haschmat Ghani Rabbani und anderen Mudschahedin-Führern vor, ihre
eigenen Vorstellungen durchsetzen zu wollen. Die Arbeit des
Vermittlungsausschusses sei manipuliert worden, betonte die Delegierte
Sakia. Der EU-Gesandte Francesc Vendrell und UN-Vertreter versuchten,
zwischen den beiden Lagern zu vermitteln.
Während der jüngsten Offensive im Süden und
Südosten Afghanistans haben die US-Streitkräfte nach eigenen
Angaben seit Anfang des Monats zehn mutmaßliche
Taliban-Kämpfer getötet und mehr als hundert weitere
Verdächtige festgenommen. Mit rund 2000 beteiligten Soldaten war
die "Operation Lawine" nach den Worten von US-Oberstleutnant Bryan
Hilferty die größte US-Offensive in Afghanistan seit dem
Sturz der Taliban vor rund zwei Jahren.
(Quelle: afp)
Saudische Frauen fordern Gleichberechtigung
Mi.31.12.03 -
Mehr als 300 Frauen aus Saudi-Arabien haben in einer Petition an den
Kronprinzen Abdullah Bin Abdul Asis ihre Gleichberechtigung
eingefordert. Mit der am Montag eingereichten Acht-Punkte-Schrift
fordern die Frauen die Anerkennung ihrer Leistungen für die
Zivilgesellschaft ohne "juristische Vormundschaft oder Beistand".
Konkret fordern sie den freien Zugang zur Berufswelt ohne die vorherige
Erlaubnis eines Mannes sowie den Zugang zu ranghohen
Regierungsämtern. Sie schlagen die Einrichtung eines Rates für
die Überwachung von Frauenangelegenheiten vor. Die meisten
Unterzeichnerinnen haben einen Universitätsabschluss und sind
berufstätig. Obwohl Saudi-Arabien Unterzeichnerstaat einer
internationalen Konvention gegen Geschlechterdiskriminierung ist, leben
Frauen dort unter großen Einschränkungen. Arbeiten oder
studieren dürfen sie beispielsweise nur mit der Erlaubnis eines
männlichen Verwandten.
(Quelle: afp/taz)
Mehr unter:
http://www.middle-east-online.com/english/?id=8333
Bis zu 50.000 Erdbeben-Tote im Iran befürchtet
Mi.31.12.03 - Die
Zahl der Toten des Erdbebens im Iran könnte nach Schätzungen
der Regierung auf 50.000 steigen, die höchste Zahl bei einem Beben
seit 1976.
Bislang sind mehr als 28.000 Tote beerdigt worden, berichtete das
iranische Fernsehen am Dienstag. Nach Ansicht von Helfern reicht die
bisherige Hilfe nicht aus, um die Not aller Überlebenden der
Katastrophe zu lindern. Eltern in der schwer getroffenen Stadt Bam
berichteten von Kindern, die in der Nacht erfroren seien. Die ersten
Rettungsteams reisten wieder ab, da sie keine Hoffnung mehr auf
Überlebende in den Trümmern hatten. Irans Präsident
Mohammad Chatami kündigte unterdessen an, die Pläne für
einen Wiederaufbau der antiken Stadt an der Seidenstraße zu
forcieren.
Sollten sich die Schätzungen bestätigen, wäre das Beben
vom Freitag das schlimmste weltweit seit 1976, als in Tangshan in China
mindestens 250.000 Menschen getötet wurden. Das Beben im Iran hatte
am frühen Morgen die Menschen im Schlaf überrascht. Die Lage
in vielen der Dörfer um Bam herum blieb auch am Dienstag unklar.
"Da im Schnitt in jedem Haus fünf Menschen wohnten, können
wir davon ausgehen, dass die Zahl der Toten 50.000 erreichen wird",
sagte ein Vertreter des Innenministeriums der Nachrichtenagentur
Reuters. Präsident Chatami warnte bei einem Besuch in der
Erdbebenregion in Kerman jedoch vor vorschnellen Opferbilanzen. "Wir
sollten warten, bis die Rettungsarbeiten und alle Aktivitäten in
Bam beendet sind", fügte der Präsident hinzu. Derzeit seien es
definitiv keine 50.000 Toten. Er habe das Bauministerium angewiesen,
binnen zehn Tagen einen Bericht über die seismologische Lage Bams
und Pläne für einen Wiederaufbau der Stadt vorzulegen, sagte
Chatami.
Im staatlichen iranischen Fernsehen berichteten obdachlos gewordene
Eltern, wie ihre Kinder nach dem Beben gestorben seien. "Zwei Kinder aus
meiner Familie, zwölf und 13 Jahre alt, hatten das Erbeben
überlebt", sagte ein Frau. Beide seien jedoch in der Nacht zum
Samstag auf der Straße erfroren, sagte sie. "Wir haben gestern 14
Mitglieder unserer Familie beerdigt."
Dringend benötigt würden Kinderkleidung, Seife,
Kochgelegenheiten sowie große Kanister zur Aufbewahrung von
Trinkwasser, sagten Hilfskräfte. "Es ist schon vieles an Hilfe
gekommen, aber es reicht nicht. Es müssen immer noch Lücken
gefüllt werden", sagte Rob MacGillivray von der
Kinderschutzorganistion Save the Children. Die aufgebauten Zelte seien
überfüllt und auch vier Tage nach dem Beben campierten viele
Menschen in Bam immer noch im Freien.
(Quelle: rtr)
Spendenkonten für Erdbebenopfer
Das
Bündnis der Hilfsorganisationen «Aktion Deutschland
Hilft» hat am Samstag zu Spenden für die Erdbebenopfer in
Iran aufgerufen. Zu den angeschlossenen Organisationen gehören Die
Johanniter, Malteser Hilfsdienst, Arbeiter-Samariter-Bund,
Arbeiter-Wohlfahrt, HELP - Hilfe zur Selbsthilfe, CARE,
Paritätischer Wohlfahrtsverband, ADRA und World Vision. Das
Spendenkonto lautet: Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00),
Kontonummer 10 20 30, Stichwort: Iran.
Weitere Spendemöglichkeiten:
Caritas International: Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
(BLZ 660 205 00), Kontonummer 202, Stichwort: Iran Erdbeben
Diakonie Katastrophenhilfe: Postbank Stuttgart (BLZ 600 100 70),
Kontonummer 502 707, Stichwort: Iran Erdbeben
Deutsches Rotes Kreuz: Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00),
Kontonummer 41 41 41, Stichwort: Iran
UNICEF: Sozialbank Köln (BLZ 370 205 00), Kontonummer 300 000,
Stichwort: Erdbeben Iran
HELP: Dresdner Bank Bonn/Köln (BLZ 370 800 40), Kontonummer 4444,
Stichwort: Erdbebenhilfe Iran
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USA machen entspannte Beziehungen zu Iran von Bedingungen
abhängig
Mi.31.12.03 - Die
USA sind an einer Entspannung ihrer Beziehungen zu Iran nur
interessiert, wenn sich Teheran an internationale Vereinbarungen
hält. Nachdem Außenminister Colin Powell in einem
Zeitungsinterview Hoffnung auf eine Verbesserung des Klimas
geäußert hatte, betonte Außenamtssprecher Adam Ereli,
Iran verhalte sich immer noch «kritisch», was die Einhaltung
von Verpflichtungen gegenüber der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) und der internationalen Gemeinschaft
angehe.
Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, die USA weiterhin
besorgt darüber, dass Iran Terrorismus unterstütze und nach
Massenvernichtungswaffen strebe. Der iranische Präsident Mohammed
Chatami sagte indes, die Beziehungen der beiden Staaten könnten
sich nur verbessern, wenn die US-Regierung ihre Haltung und ihren Ton
änderten. Er sei Washington für die umfangreiche Hilfe nach
der Erdbebenkatastrophe dankbar, man dürfe aber humanitäre
Themen nicht mit «tiefen und chronischen politischen
Problemen» vermischen, sagte Chatami
(Quelle: ap)
Nordkorea wirft USA Spionage vor
Mi.31.12.03 -
Nordkorea hat den USA vorgeworfen, einen Überraschungsangriff
vorzubereiten und das Land gezielt aus der Luft auszuspionieren. Im
Dezember habe Washington mindestens 180 Spionageeinsätze geflogen,
berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch. Dies zeige,
dass die «amerikanischen Imperialisten» nach einer
Gelegenheit für einen Militäreinsatz suchten.
Das kommunistische Land fordert von den USA einen Nichtangriffspakt als
Voraussetzung für die Aufgabe seines Atomprogramms. Eine erste
Gesprächsrunde über das Programm, an der auch die USA
teilgenommen haben, ist im August ohne Ergebnis zu Ende gegangen.
(Quelle: ap)
Ex-Staatschef der Roten Khmer räumt erstmals
Völkermord ein
Mi.31.12.03 - Der
frühere Staatschef der Roten Khmer in Kambodscha hat erstmals
eingeräumt, dass sein Regime sich des Völkermordes schuldig
gemacht hat. Khieu Samphan betonte jedoch zugleich, dass er niemals
Tötungen angeordnet habe. Er stelle sich darauf ein, sich vor einem
Tribunal der Vereinten Nationen verantworten zu müssen, sagte der
72-Jährige der Nachrichtenagentur AP.
Khieu Samphan ist einer der wenigen noch lebenden ehemaligen
Roten-Khmer-Führer. Er hatte sich im Dezember 1998 der Regierung
gestellt. Bislang wurde noch kein Vertreter des früheren Regimes
vor Gericht gestellt. Ex-Machthaber Pol Pot starb 1998.
Die Roten Khmer herrschten von 1975 bis 1979 in Kambodscha. Sie
versuchten mit brutaler Gewalt, das Land in eine kollektivistische
Agrargesellschaft umzuwandeln. Unter ihrer Schreckensherrschaft kamen
schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen ums Leben. Die
vietnamesische Armee marschierte 1978 in das Nachbarland ein und
eroberte am 7. Januar 1979 Phnom Penh. Die Roten Khmer zogen sich
daraufhin in den Dschungel zurück, von wo sie bis Ende der 90er
Jahre einen Guerillakrieg führten. Anschließend liefen viele
von ihnen zur Regierung über.
(Quelle: ap)
Italien: Parmalat-Gründer Tanzi gibt
Millionen-Veruntreuung zu
Mi.31.12.03 -
Nach stundenlangen Verhören hat Parmalat-Gründer Calisto
Tanzi ausgepackt: Nach anfänglichem Leugnen gab er jetzt zu,
Millionenbeträge aus den Kassen des mittlerweile insolventen
italienischen Lebensmittelkonzerns veruntreut zu haben. Die Höhe
der in den vergangenen acht Jahren abgezweigten Gelder gab der
65-jährige Großunternehmer mit 1 000 Milliarden Lire (rund
500 Millionen Euro) an.
Zudem wurde bekannt, dass Parmalat mittlerweile auf einem Schuldenberg
von 10 bis 13 Milliarden Euro sitzt. Zeitungen sprachen am Dienstag vom
«spektakulärsten Betrugsfall in der europäischen
Nachkriegsgeschichte».
«Ich habe das Geld von der Gruppe abgezweigt. Ich habe es
genommen, um die schwierige Situation unserer Tochterunternehmen in der
Tourismusbranche in den Griff zu bekommen», sagte Tanzi den
Staatsanwaltschaften von Mailand und Parma, die in dem Fall ermitteln.
Bei einem ersten Verhör hatte er die Betrugs-Vorwürfe
zunächst bestritten und erklärt, er habe höchstens eine
Million Lire (etwa 500 Euro) für kleine persönliche Ausgaben
aus den Firmenkassen genommen. «Das bisschen Kleingeld hat sich in
einen riesigen Geldfluss verwandelt», kommentierte die Zeitung
«La Repubblica».
Tanzi bleibt zunächst in Haft. Untersuchungsrichter Guido Salvini
habe dem Großunternehmer am Dienstagabend eine vorläufige
Entlassung aus dem Mailänder Gefängnis San Vittore verweigert,
berichtete das italienische Fernsehen. Der Richter begründete
seine Entscheidung mit einer bestehenden Fluchtgefahr und der
Möglichkeit, dass Tanzi Beweismaterial verschwinden lassen
könnte. Zudem seien in den Aussagen des Firmengründers noch
viele Details ungeklärt. «Man denke besonders an die
Tatsache, dass noch nicht klar ist, wo das aus den Parmalat- Kassen
veruntreute Geld geblieben ist», sagte Salvini.
Tanzi, der sich zuletzt in Portugal und Südamerika aufgehalten
hatte, war am Wochenende in Mailand auf offener Straße
festgenommen worden. «Aber das war keine Flucht, ich war mit
meiner Frau unterwegs. Wir wollten auf die Galapagos-Inseln, um uns
etwas auszuruhen», erklärte Tanzi. Auf Anraten seiner
Anwälte sei er jedoch von Ekuador aus gleich wieder nach Mailand
geflogen. Die Ermittler vermuten, dass der Unternehmer hunderte
Millionen veruntreute Euro in dem südamerikanischen Land versteckt
haben könnte. «Der Schatz Tanzis wird jetzt in Ekuador
gesucht», titelten Medien.
Unterdessen hat die US-Wertpapier- und Börsenkommission SEC Klage
gegen Parmalat eingereicht. Der Konzern habe Investoren in den USA dazu
veranlasst, Anleihen und andere Wertpapiere im Wert von mehr als 1,5
Milliarden Dollar (1,2 Mrd Euro) zu kaufen, während er «eine
der größten und unverschämtesten unternehmerischen
Finanzbetrügereien der Geschichte» durchgeführt habe,
berichtete die «New York Times» in ihrer Onlineausgabe. Es
wurden Geldstrafen in nicht genannter Höhe verlangt.
Zu den vom Zusammenbruch von Parmalat betroffenen Lieferanten
gehören auch deutsche Molkereien, die im vergangenen Jahr rund 900
000 Tonnen Milch nach Italien geliefert haben. Bis zu 20 Prozent der
nach Italien gelieferten Milch gingen bisher an Parmalat. Jedoch waren
die Lieferungen größtenteils kreditversichert. Zum Parmalat-
Konzern selbst gehören in Deutschland nur zwei kleinere Molkereien
in Weißenhorn bei Ulm und in Berlin.
Auch die Deutsche Bank hält derzeit durch ein
Leihgeschäft 5,1 Prozent der Anteile an dem insolventen
Lebensmittelkonzern. Allerdings gebe es Vereinbarungen, die die
Rückgabe der Anteile zu festgelegten Konditionen vorsehe, sagte ein
Sprecher der Bank am Dienstag auf Anfrage. Das wirtschaftliche Risiko
liege dadurch nicht bei der Deutschen Bank. Die Anteile seien seit Ende
November der Bank zuzurechnen. Eine Rückgabe sei bereits in den
nächsten Wochen denkbar. Einzelheiten zu dem Handelspartner wollte
der Sprecher nicht nennen.
(Quelle: dpa)
Briefbombe auch an EU-Justizbehörde Eurojust
Mi.31.12.03 - Mit
der EU-Justizbehörde Eurojust hat am Dienstag erneut eine
Vertretung der Europäischen Union (EU) eine Briefbombe erhalten. Es
ist bereits die vierte Briefbombe gegen Institutionen oder
Repräsentanten der EU binnen vier Tagen. Alle sind den Ermittlern
zufolge aus dem norditalienischen Bologna abgeschickt worden.
Die Briefbombe an Eurojust im niederländischen Den Haag sei nicht
explodiert, hieß es aus italienischen Justizkreisen. Die Ermittler
prüfen nun, ob italienische Anarchisten hinter den Briefbomben
stecken. Die EU in Brüssel verschärfet ihre
Sicherheitsvorkehrungen. Zuvor waren am Montag Briefbomben an die
Polizeibehörde Europol in Den Haag und den EZB-Präsidenten
Jean-Claude Trichet in Frankfurt abgefangen worden.
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hatte am Samstag einen
Briefbombenanschlag unverletzt überstanden.
Die niederländische Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang
eines verdächtigen Briefes bei der Poststelle von Eurojust, das
für die grenzüberschreitende Verbrechensbekämpfung
zuständig ist. Das Päckchen sei in einen sicheren Raum
gebracht worden, um von Spezialisten entschärft zu werden, sagte
ein Sprecher. Ein Eurojust-Sprecher sagte, das Päckchen sei in
Größe und Form ähnlich dem, das bei Europol abgefangen
worden sei.
Die deutsche Bundesanwaltschaft vermutet, dass der Brief an Trichet aus
italienischen Anarchisten-Kreisen stammt. Die Bundesanwaltschaft leitete
deshalb am Dienstag ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Mordes
ein. "Nach Informationen des Landeskriminalamtes Hessen war der Brief
(als Sprengkörper) funktionstauglich", sagte der Sprecher der
Bundesanwaltschaft, Hartmut Schneider. Details könnte er vorerst
nicht nennen, da die Ermittlungen noch im Anfangsstadium seien.
Der verdächtige Brief an Trichet war am Montag in der Poststelle
der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt entdeckt und die
Polizei eingeschaltet worden. Die EZB bestätigte lediglich den
Eingang eines verdächtigen Briefes.
Bereits am Samstag hatte EU-Kommissionspräsident Prodi einen
Paketbombenanschlag in seiner Wohnung im italienischen Bologna
unverletzt überstanden. Die italienischen Behörden haben
daraufhin Anti-Terror-Ermittlungen eingeleitet. Kurz vor Weihnachten
waren nahe Prodis Wohnung bereits zwei Rohrbomben in Mülltonnen
explodiert.
Die italienische Zeitung "La Repubblica" berichtete, der Polizei
läge eine Liste mit 250 mutmaßlichen Anarchisten in ganz
Europa vor, aber keine konkreten Hinweise auf den Absender. Die
mutmaßlichen Anarchisten gehörten vermutlich alle zu einer
Dachorganisation namens "Euroopposizione", die Anfang 2003
gegründet worden sei. In ihrem Manifest heiße es, die Gruppe
kämpfe gegen die Europas Herrscher, deren Krieg, deren Frieden,
deren Unterdrückung und deren Kontrolle, berichtete die Zeitung.
Terrorismus-Experten gaben allerdings zu Bedenken, dass solche
Briefbomben ebenso einfach von kleineren Verbrechergruppen oder
Einzeltätern verschickt werden könnten.
Die EU verstärkte nach dem Anschlag auf Prodi den Schutz für
Einrichtungen der Kommission. "Wir sind zuversichtlich, dass die
gegenwärtigen Sicherheitsvorkehrungen angemessen sind", sagte
Kommissionssprecher Stefaan De Rynck.
(Quelle: rtr)
Euro zum Jahresschluss nicht zu bremsen
Regierungsvertreter und Notenbanker aus der Euro-Zone zeigen sich
gelassen
Mi.31.12.03 - Der
Euro hat am Dienstag im internationalen Devisenhandel weiter
kräftig zugelegt und mit 1,2527 Dollar sein höchstes Niveau
seit der Einführung an den Finanzmärkten vor fünf Jahren
erreicht.
Die Gemeinschaftswährung profitierte nach Einschätzung von
Händlern weiterhin vor allem von der Dollar-Schwäche, die 2003
durch den Irak-Krieg und Anschläge weltweit sowie Zweifel an der
Finanzierbarkeit der hohen Defizite in der US-Leistungsbilanz und im
Staatshaushalt geschürt wurde. Insgesamt hat der Euro im Vergleich
zum Vorjahr knapp 20 Prozent zum Dollar aufgewertet. Dennoch zeigten
sich Regierungsvertreter und Notenbanker aus der Euro-Zone gelassen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzwert mit
1,2496 (Vortag 1,2499) Dollar nahezu unverändert zum Vortag fest.
Die am Nachmittag veröffentlichten US-Konjunkturdaten fielen etwas
schlechter als erwartet aus und belasteten den Dollar zusätzlich.
Händler sprachen aber von geringen Umsätzen, so dass schon
kleinere Orders den Kurs bewegen konnten.
Analysten begründen die andauernde Dollar-Schwäche mit den
strukturellen Problemen der weltgrößten Volkswirtschaft.
Besonders der Fehlbetrag in der Leistungsbilanz, rund fünf Prozent
des Bruttoinlandsproduktes, belastet den Dollar. Zudem haben die USA im
vergangenen Fiskaljahr (zum 30. September) mit 374 Milliarden Dollar das
höchste Haushaltsdefizit ihrer Geschichte erreicht. Das
Irak-Engagement sowie der Kampf gegen die mutmaßlichen Drahtzieher
des Anschlags vom 11. September 2001 werden nach Angaben von Analysten
auch 2004 auf dem Haushalt lasten.
Um das alles finanzieren zu können, müssten die USA Kapital
anziehen. Doch zeigen die Statistiken, dass die Attraktivität der
USA als Anlage-Land 2003 nachgelassen hat. Somit wird zum Teil der
Fehlbetrag über den fallenden Dollar finanziert. Dies sei von der
US-Regierung sogar gewollt, heißt es in den Analyseabteilungen
vieler Banken.
Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark äußerte sich
indes ebenso wie die Bundesregierung am Vortag gelassen hinsichtlich der
Kursentwicklung. In einem Interview der "Börsen-Zeitung" betonte
Stark die Vor- und Nachteile. "Der Saldo von günstigen und
ungünstigen Auswirkungen der Euro-Aufwertung ist beim derzeitigen
Wechselkurs nicht unbedingt negativ", zitierte die Zeitung den
Notenbanker. Das Hauptaugenmerk der EZB sollte derzeit möglichen
Inflationsgefahren als Folge der konjunkturellen Erholung gelten, wird
Stark weiter zitiert.
Durch den hohen Euro-Kurs verbilligen sich die Importe von Rohstoffen,
da sie in der Regel in Dollar bezahlt werden. Dadurch wird das bei einer
anziehenden Konjunktur bestehende Inflationsrisiko gedämpft.
Auch der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels
(BGA) sieht für die Exporteure, die traditionellen Verlierer einer
Währungs-Aufwertung, trotz des Euro-Höhenfluges zuversichtlich
in die Zukunft. Die deutschen Exporte könnten 2004 erheblich
stärker wachsen als 2003, erklärte BGA-Präsident Anton
F. Börner. Durch die Euro-Aufwertung verteuern sich in der Regel
die Ausfuhren. Allerdings gleichen viele Unternehmen dies über den
Preis aus. Da zudem wegen der weltweit anziehenden Konjunktur der
Absatz steigen dürfte, werden nach Angaben von Analysten die
Risiken meist durch die Chancen wettgemacht.
An den Märkten wird erwartet, dass Europas Währungshüter
solange tatenlos zuschauen, wie der Anstieg in geordneten Bahnen
verläuft. Ab einem Kurs von 1,35 Dollar je Euro wird aber mit einem
Eingreifen der Notenbanken - sei es auch nur verbal - gerechnet, da
sich der Kurs dann den historisch vergleichbaren Höchstkursen in
alter D-Mark-Währung nähert.
Zudem werden Anfang Februar die Finanzminister der sieben
führenden Industrienationen (G7) beraten. Dabei wird nach Angaben
aus G7-Kreisen auch die Dollar-Schwäche zur Sprache kommen. Zuletzt
hatten die USA mit ihrem Drängen nach mehr Flexibilität den
Märkten nach Ansicht von Händlern signalisiert, dass sie
einer Abschwächung des Dollar-Kurses positiv gegenüberstehen.
Dies hatte den Dollar weiter unter Druck gebracht.
(Quelle: rtr)
Deutschland verbucht Rekordexporte trotz Euro-Hoch
Volkswirte:
Euro gefährdet Konjunkturerholung noch nicht +++ Deutschland
exportierte vor allem innerhalb der EU mehr +++ Skeptische Verbraucher
knausern
Mi.31.12.03 - Die
deutschen Exporte sind im abgelaufenen Jahr trotz des starken Euro
voraussichtlich um zwei Prozent gestiegen. Auch 2004 wird der
Außenhandel Experten zufolge den Grundstein für den
erwarteten Aufschwung legen.
Das Statistische Bundesamt schätzte am Dienstag, dass Deutschland
im Gesamtjahr 2003 Waren im Wert von 664 Milliarden Euro exportierte.
"Wenn die Weltwirtschaft läuft, wird mehr exportiert, egal wo der
Wechselkurs liegt", sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. Aus
G7-Kreisen hieß es allerdings, ein Euro-Kurs deutlich über
1,20 Dollar sei nicht im europäischen Interesse. Dass die deutschen
Verbraucher der Wirtschaft mit ihren Einkäufen noch keinen Impuls
geben, belegte unterdessen die Stagnation des Konsumklima-Indikators
der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).
Die Wiesbadener Statistiker gehen auf Basis der Außenhandelsdaten
bis einschließlich Oktober davon aus, dass die Einfuhren 2003
ebenfalls um zwei Prozent auf 529 Milliarden Euro gestiegen sind. Damit
würde sich für 2003 ein Ausfuhrüberschuss von 135
Milliarden Euro ergeben, zwei Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr
2002.
Der Höhenflug des Euro hat die Sorge geschürt, dass die
Nachfrage nach den - in anderen Währungen umgerechnet - teureren
deutschen Waren sinkt und die deutsche Konjunktur darunter leidet.
Bisher hat jedoch der rasante US-Wirtschaftsaufschwung den Bremseffekt
des Euro wettgemacht. "Die Erholung der Weltkonjunktur kommt in
Deutschland an, auch wenn der Euro für sich genommen schon ein
Bremsklotz ist", sagte Harald Jörg von der Dresdner Bank. Am
Dienstag notierte der Euro mit rund 1,25 Dollar knapp unter seinem
Rekordhoch vom Vortag. Volkswirte erwarten ebenso wie die Regierung,
dass die deutsche Wirtschaft 2004 nach drei Jahren der Stagnation wieder
zwischen eineinhalb und zwei Prozent wachsen wird.
Den Schätzungen des Statistikamts zufolge setzten deutsche Firmen
auch in Länder außerhalb der Euro-Zone 2003 mehr ab als vor
einem Jahr. So kletterten Exporte in EU-Staaten außerhalb des
Währungsgebiet um drei Prozent auf 81 Milliarden Euro und in den
Rest der Welt um ein Prozent auf 299 Milliarden Euro. Die Ausfuhren in
die Euro-Zone stiegen um drei Prozent auf 285 Milliarden Euro.
Eine konkrete Schmerzgrenze für die deutsche Wirtschaft sehen
Volkswirte beim Euro-Kurs nicht. "Auch wenn das eine oder andere
Unternehmen am jetzigen Kurs schon zu knabbern hat - der starke Euro hat
auch sein Gutes", sagte Jörg. So rechneten beispielsweise
Unternehmen in der Luftfahrtbranche ihre Spritkosten in Dollar ab: "Das
spült Geld in die Kasse."
Auf den starken Export wird die deutsche Wirtschaft nach
Einschätzung der Experten auch vorerst weiter angewiesen bleiben.
Die GfK-Umfrage zeigte, dass das lange Ringen um einen Reformkompromiss
der Stimmung der deutschen Verbraucher kurz vor Jahresende einen
Dämpfer verpasste. Der Konsumklima-Indikator stagnierte bei 5,5
Punkten und unterbrach damit seinen jüngsten Aufwärtstrend.
Die Einigung auf Reformen macht jedoch nach GfK-Einschätzung den
Weg frei für eine leichte Erholung des Konsumklimas. Auch
Volkswirte rechnen im Laufe des kommenden Jahres mit einer Verbesserung
der Stimmung und mehr Konsum - jedoch erst dann, wenn die
Arbeitslosigkeit spürbar zurückgeht.
(Quelle: rtr)
Reformgesetze können am 1. Januar in Kraft treten
Mi.31.12.03 -
Bundespräsident Johannes Rau hat alle Gesetze des "Reformpaketes",
die Bundestag und Bundesrat vor Weihnachten verabschiedet hatten,
unterzeichnet. Die Gesetze können somit wie geplant am 1. Januar
2004 in Kraft treten, teilte das Bundespräsidialamt in Berlin mit.
Als eines der letzten ihm zugeleiteten Gesetze unterzeichnete der
Bundespräsident das Haushaltsbegleitgesetz 2004, das unter anderem
die teilweise vorgezogene Steuerreform enthält. Es soll in der
letzten diesjährigen Ausgabe des Bundesgesetzblattes, die an
Silvester erscheint, verkündet werden.
Wegen der obligatorischen Prüfung durch das
Bundespräsidialamt hatte Rau in diesem Jahr auf seinen
Weihnachtsurlaub verzichtet. Zu dem Gesetzespaket gehören auch eine
Reihe von Regelungen zur Reform des Arbeitsmarktes. Sie waren im
Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat ausgehandelt und am
19. Dezember von beiden Kammern verabschiedet worden.
(Quelle: afp)
Ich fühle mich wegen der ganzen Reformen sehr
unsicher...
... Die
verabschieden Gesetze wie die Gesundheitsreform, und keiner weiß
genau, was drin steht. Wie soll man sich darauf einstellen? Das stimmt
schon, dass Gesundheit unbezahlbar ist, aber wer will denn schon krank
werden. Ich komme gerade über die Runden mit meiner Rente. Im
neuen Jahr wird das nicht mehr gehen. Wo soll ich denn noch sparen? Ich
habe drei Kinder großgezogen und bin gerade Urgroßmutter
geworden. Meine Tochter hat allein Zwillinge erzogen. Sie könnte
jetzt mit 46 endlich vorsorgen und für sich selbst etwas tun, aber
sie ist arbeitslos. Wie soll die überhaupt eine Rente
zusammenbekommen? Meine Enkeltochter verdient 700 Euro im Monat in
einem Videoladen. Die jungen Leute brauchen ja zwei, drei Jobs, um mal
auf die Beine zu kommen. Für die Zukunft sehe ich schwarz.
Edda Müller, 69, Rentnerin (Quelle: taz vom 31.12.03)
Was ab dem 1. Januar 2004 an Zumutungen auf den
Bundesbürger zukommt ...
...hat
die "junge Welt" (23.12.03, 24.12.03, 29.12.03, 30.12.03, 31.12.03)
detailliert aufgelistet:
Mehr
unter:
http://www.jungewelt.de/2003/12-23/008.php
http://www.jungewelt.de/2003/12-24/013.php
http://www.jungewelt.de/2003/12-29/011.php
http://www.jungewelt.de/2003/12-30/010.php
http://www.jungewelt.de/2003/12-31/008.php
Anarchosyndikalismus - Eine totgeglaubte Bewegung ist
wieder aktiv
Die
Aktivisten waren wohl selbst überrascht: An der Demonstration
gegen Sozialabbau vom 2.11.03 in Berlin nahm ein ungewöhnlich
starker Block von Anarchosyndikalistinnen teil und machte mit
schwarzroten Fahnen und großer Lautstärke auf sich aufmerksam.
Die Mehrzahl der Demonstrationsteilnehmer dürfte zum ersten Mal
überhaupt mit der Strömung in Kontakt gekommen sein, genauso
wie die Mehrzahl der Zuschauer. Dabei hat der Anarchosyndikalismus in
Deutschland eine lange Tradition, die bis zur innersozialdemokratischen
und -gewerkschaftlichen Opposition am Ende des 19. Jahrhunderts
zurückreicht.
Zwar hat er hier nie die Bedeutung gewonnen wie in Italien oder gar in
Spanien, wo er ab 1936 zum bestimmenden Element einer echten Revolution
wurde, aber zwischen 1919 und 1923 war die Organisationslage sehr gut
(vor allem in Nordrhein-Westfalen), die anarchosyndikalistisch
geprägte Internationale Arbeiterassoziation (als Gegenentwurf zur
Komintern, der kommunistischen III. Internationale) wurde 1923 in Berlin
gegründet und hatte dort auch bis 1933 ihr internationales
Sekretariat.
Die FAUD/AS, das organisatorische Sammelzentrum der Bewegung in
Deutschland, hatte zeitweise über hunderttausend Mitglieder....
Wie eh und je stellt sich der Anarchosyndikalismus heute also als
Gemisch aus Arbeiterselbsthilfe, radikaler Gewerkschaftsarbeit und
kulturrevolutionärer Aufklärungsanstrengung dar....
Im Zuge der laufenden "Reformen", sprich, der großflächigen
Aufgabe des Klassenkompromisses, der die alte BRD bestimmte, scheint
sich eine Form der Fundamentalopposition zurückzumelden, die auf
den ersten Blick anachronistisch wirkt und sich auch einer
anachronistischen Ästhetik bedient, die aber ohne Umschweife ein
Bedürfnis nach Protest und Widerstand links von den Gewerkschaften
artikuliert....
Aus: Marcus Hammerschmitt - "Rot und Schwarz", telepolis, 31.12.03
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16387/1.html
http://www.anarchismus.at/txt2/syndikalismus.htm
http://www.fau.org
|
Weniger Aussiedler - mehr Integrationsprobleme
Aussiedlerbeauftragter: Zuwanderungsgesetz müsse so schnell wie
möglich in Kraft treten
Mi.31.12.03 - Die
Zahl der neu eingewanderten Spätaussiedler ist dieses Jahr
abermals drastisch zurückgegangen. Sie liegt mit etwa 72.000 um 20
Prozent niedriger als 2002 und bei weniger als einem Drittel der Werte
der frühen 90er Jahre, wie der Aussiedlerbeauftragte Jochen Welt am
Dienstag berichtete. Dennoch nähmen Integrationsprobleme zu, weil
inzwischen 80 Prozent der Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse
kämen. Deshalb müsse das Zuwanderungsgesetz so schnell wie
möglich in Kraft treten.
Die wachsenden Probleme der neu zugezogenen Deutschstämmigen aus
Osteuropa erklärte Welt so: Während zum Beispiel 1993 rund 74
Prozent der hier Ankommenden selbst Antragsteller gewesen seien und
somit einen Sprachtest bestanden hätten, seien es inzwischen nur
noch 20 Prozent. 80 Prozent der Neuankömmlinge seien
Familienangehörige, die selbst keine Sprachkenntnisse nachweisen
müssten.
Vor allem Halbwüchsige treffe deshalb hier ein Kulturschock, sie
hätten wegen ihrer Sprachlosigkeit in deutschen Schulen keine
Chance. Die Quote «sozialer Auffälligkeiten» in dieser
Altersgruppe der Spätaussiedler sei überdurchschnittlich,
sagte der SPD-Abgeordnete. Die jungen Leute seien anfällig für
Drogen und Kriminalität.
Das Zuwanderungsgesetz könne Abhilfe schaffen, weil es von allen
Einwandernden Sprachkenntnisse verlange und ihnen einen Rechtsanspruch
auf Sprachtraining verleihe. «Ich appelliere daher dringend an die
Verantwortlichen in der CDU/CSU, nun endlich für das
Zuwanderungsgesetz grünes Licht zu geben», sagte Welt. Die
Verhandlungen über das Gesetz sollen Mitte Januar wieder
aufgenommen werden.
Insgesamt leben nach Welts Angaben inzwischen rund 2,5 Millionen
Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa in der
Bundesrepublik. Die Zahl der in den Herkunftsländern verbliebenen
Deutschstämmigen gab der Aussiedlerbeauftragte mit 1,3 Millionen
an. Von diesen werde aber nur ein Bruchteil einen Antrag auf
Übersiedlung stellen, sagte er voraus.
Für 2004 sei erstmals mit weniger als 70.000 neu ankommenden
Spätaussiedlern zu rechnen. Auch die Zahl der neuen Anträge
sei im ablaufenden Jahr um 32 Prozent auf rund 46.000 gesunken. Da die
Antragsbearbeitung nach Welts Worten derzeit etwa vier Jahre dauert,
dürfte die Zahl der tatsächlichen Aussiedler auch in den
kommenden Jahren weiter zurück gehen.
Welt führte dies auch auf die «Bleibehilfe» der
Bundesregierung in den Herkunftsländern zurück. Bis 1998 habe
die damalige Kohl-Regierung insgesamt 1,7 Milliarden Mark (870 Millionen
Euro) für Großprojekte wie Fabriken zur Verfügung
gestellt, die allerdings «zum großen Teil versandet»
seien. Zahlreiche der geförderten Projekte seien nie vollendet
worden.
Seit 1998 sei die Förderung systematisch auf Kleinprojekte wie
Sprachförderung, Ausbildungshilfen und Kultureinrichtungen
umgestellt worden. Inzwischen werde mit nur noch etwa 25 Millionen Euro
im Jahr mehr erreicht als früher mit bis zu 90 Millionen, meinte
Welt.
(Quelle: ap)
Angeblich Anschlag auf Hamburger Bundeswehrkrankenhaus
geplant
Schily
kritisiert Polizeieinsatz nach Terrorwarnung
Mi.31.12.03 -
Nach Angaben des Sprechers der Hamburger Polizei, Reinhard Fallak, war
ein Anschlag islamistischer Extremisten auf das Bundeswehrkrankenhaus in
Hamburg angedroht worden. Das Gelände um das Hospital wurde
abgeriegelt. Weder Bomben noch ein verdächtiges Fahrzeug wurden
gefunden. In dem Bundeswehrkrankenhaus sollen sich auch US-Soldaten zur
Behandlung aufgehalten haben.
Nach dem Terroralarm am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg-Wandsbek hat
Bundesinnenminister Otto Schily Kritik an der Hamburger
Innenbehörde geübt. Es sei bedauerlich, dass die Hinweise
vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangt sind, erklärte der
SPD-Politiker am Dienstagabend. Dadurch würde die Aufklärung
erschwert. Innensenator Dirk Nockemann von der Schill-Partei hatte das
Klinikgelände am Nachmittag unter Berufung auf Hinweise auf ein
Selbstmordattentat der Islamisten-Gruppe Ansar el Islam abgeriegeln
lassen.
Der Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, Heino
Vahldiek, verteidigte die Maßnahmen in den ARD-Tagesthemen als
vertretbar. Es hätte ein «erheblich konkreterer»
Hinweis als sonst vorgelegen, sagte der CDU-Politiker. Laut Nockemann
lag ein Tipp vom US-Geheimdienst vor.
Schily erklärte dagegen, es gebe «ungesicherte
Hinweise», dass «angeblich» Anschläge auf
Militäreinrichtungen in Deutschland und auf ein Hamburger
Militärhospital geplant seien. Eine abschließende Bewertung
der Hinweise sei derzeit noch nicht möglich, fügte der
Minister hinzu. Die Hamburger Innenbehörde habe in eigener
Verantwortung die Sicherheitsmaßnahmen in dem Klinikbereich
verstärkt, betonte Schily.
Vahldiek betonte, sowohl Ort als auch Zeitraum eines drohenden
Anschlages seien präzise gewesen. Demnach waren zwei
mutmaßlichen Attentäter bereits Anfang Dezember nach Hamburg
gekommen. In dem Geheimdienst-Tipp aus den USA sei von Anfang Januar als
Anschlagszeitpunkt und von zwei namentlich genannten Attentätern
die Rede gewesen. Die Vermutung, dass die Entscheidung der Hamburger
Innenbehörde von der bevorstehenden Neuwahl in der Hansestadt
beeinflusst sei, wies Vahldiek als «absolut weit hergeholt»
zurück.
Auch Nockemann selbst wies die Kritik Schilys zurück. Nach den
Informationen des Bundeskriminalamtes und des Verfassungsschutzes sei
der Schutz des Bundeswehrkrankenhauses dringend erforderlich,
erklärte der Innensenator. Das BKA habe die Hamburger Polizei
schriftlich über konkrete und ernsthafte Hinweise informiert.
Der Großeinsatz der Polizei rund um das Krankenhaus ging auch in
der Nacht weiter. Ein Polizeisprecher sagte, der Objektschutz werde bis
auf weiteres fortgesetzt. Nach wie vor sei aber nichts Verdächtiges
gefunden worden.
(Quellen: afp,
ap)
Hamburg wählt am 29. Februar neue Bürgerschaft
Mi.31.12.03 -
Hamburg wählt am 29. Februar ein neues Landesparlament: Die
Bürgerschaft stimmte am Dienstag einstimmig für ein
vorzeitiges Ende der Wahlperiode, unmittelbar danach bestimmte
Bürgermeister Ole von Beust den 29. Februar als Wahltag. Damit
endet die Wahlperiode rund anderthalb Jahre früher als geplant.
In der Debatte vor der Abstimmung kam es zu Angriffen des abgesetzten
Innensenators Ronald Schill auf Bürgermeister Ole von Beust (CDU):
Beust habe mit Schills Entlassung im August «die Koalition
gebrochen». Der Bürgermeister ging in seiner Rede mit keinem
Wort darauf ein. Auch die Opposition aus SPD und Grünen
äußerte scharfe Kritik an Beust.
Schill rechnete in einem Rundumschlag mit zahlreichen Senatoren der CDU
ab. Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram warf er Versagen bei der
Heimpolitik vor. Das habe man ihm übel genommen: «Man hat
mich als unbequemen Koalitionspartner entsorgt.» Er lobte sich
selbst als früheren Innensenator, etwa weil er 500 Polizisten aus
Berlin abgeworben habe. Schill kündigte an, er werde bei der
kommenden Wahl antreten. «Totgesagte leben länger»,
sagte er zum Ende seiner Rede.
Beust arbeitete während der Schill-Rede demonstrativ in Akten und
gönnte seinem früheren Koalitionspartner keinen Blick. In
seiner Rede beschränkte sich der CDU-Politiker auf eine Antwort auf
die Kritik von SPD und Grünen. Er warf den Grünen vor, mit
Beleidigungen zu arbeiten, weil sie keine inhaltlichen Angebote
hätten. Gleichzeitig zog er eine positive Bilanz der über zwei
Jahre Regierungszeit.
SPD-Fraktionschef Walter Zuckerer sagte dagegen: «Die peinlichste
aller Landesregierungen unter Führung eines Christdemokraten ist
politisch und moralisch gescheitert.» Die Grünen sprachen im
Zusammenhang mit den Vorgängen um Schill und Beust von Affentheater
und «Sex, Lügen, Intrigen» in der Regierungspolitik.
CDU-Fraktionschef Michael Freytag erklärte dagegen, SPD und
Grüne hätten durch eine falsche Sicherheitspolitik in deren
Regierungszeit den Erfolg von Schill erst möglich gemacht:
«Rot und Grün sind die Ammen, die Schill genährt
haben.»
Schill hatte bei der Wahl 2001 über 19 Prozent der Stimmen
bekommen, nachdem er die Sicherheitspolitik des damaligen Senates aus
SPD und Grünen mit polemischen Äußerungen angegriffen
hatte. Anfang Dezember zerbrach die Koalition aus CDU, FDP und
Schill-Partei an den Querelen um Beust und Schill. Die Fraktionen von
CDU und FDP brachten daraufhin einen Antrag auf vorzeitige Beendigung
der Wahlperiode in das Hamburger Parlament ein.
Zuvor hatte der Bundesvorstand der Partei Rechtsstaatliche Offensive
unter Leitung des Hamburger Bausenators Mario Mettbach Schill als
Landesparteichef abgesetzt. Inzwischen ist der frühere Innensenator
auch aus Partei und Bürgerschaftsfraktion ausgeschlossen. Schill
zog fünf politische Vertraute aus der Fraktion mit sich und
gründete eine eigene neue Fraktion. Mettbach nannte in der Debatte
das Verhalten des ehemaligen Amtsrichters «mies». Der
Parteigründer selbst zog erst nach Beginn der Sitzung in den
Plenarsaal ein und nahm in der vorletzten Reihe Platz.
(Quelle: ap)
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