Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertachtundachzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Gewaltakte im Irak finden kein Ende. Mindestens acht Tote am Silvestertag +++ Drei
Bombenanschläge in Bagdad +++ Kurdische
Kämpfer erschießen zwei Iraker bei Protesten in Kirkuk +++
Pentagon kündigt Irak-Vertrag mit Halliburton-Konzern wegen
Preistreiberei
Do.01.01.04 - Im Irak sind am letzten Tag des Jahres mindestens acht Menschen bei
Anschlägen und Gewalttaten getötet worden. Mindestens
fünf Menschen wurden am Abend bei einer Explosion in der Innenstadt
Bagdads getötet, 20 weitere wurden verletzt. Polizisten sprachen
von einer Autobombe. Unter den Verletzten sind nach Angaben der "Los
Angeles Times" auch Mitarbeiter der Zeitung.
Zuvor war schon ein achtjähriger Junge bei der Explosion einer
Autobombe ums Leben gekommen. Der Sprengsatz wurde gezündet, als
ein US-Militärkonvoi eine belebte Geschäftsstraße
passierte. Eine weitere Bombe explodierte vor einem Restaurant im
Stadtteil Harithiyah.
In der nordirakischen Stadt Kirkuk fielen am Mittwoch Schüsse bei
einer antikurdischen Demonstration von arabischen und turkmenischen
Einwohnern. Dabei wurden mindestens zwei Menschen getötet und 16
verletzt, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Zu der Frage, wer die
Schüsse abgegeben hat, gab es unterschiedliche Angaben. Die Polizei
machte Mitglieder der Patriotischen Union Kurdistans (PUK)
verantwortlich. Augenzeugen berichteten, Polizisten hätten
geschossen. US-Soldaten riegelten das Gebiet mit Panzern ab und
errichten Kontrollposten an größeren Kreuzungen der Stadt.
Die Demonstration richtete sich gegen die geplante Einbeziehung von
Kirkuk in ein autonomes kurdisches Gebiet. "Kirkuk ist eine irakische
Stadt", riefen die Teilnehmer in Sprechchören. Araber, Turkmenen
und Kurden stellen etwa je ein Drittel der Bevölkerung von Kirkuk.
Das US-Verteidigungsministerium hat den Vertrag über
Treibstofflieferungen nach Irak mit dem der Preistreiberei bezichtigten
Ölkonzern Halliburton gekündigt. Die für
Energieversorgung zuständige Abteilung des Pentagon (DESC) sei
beauftragt worden, gemeinsam mit dem irakischen Ölministerium
Projekte zur Belieferung der irakischen Bevölkerung durch private
Unternehmen auszuschreiben, hieß es in einer Erklärung des
Ministeriums.
Die Ausschreibung für Gas- und Treibstofflieferungen solle so bald
wie möglich veröffentlicht werden. Pentagonvertreter
bestritten in US-Medien, dass es einen Zusammenhang zwischen der
Vertragskündigung und der Kritik an möglicherweise
überteuerten Lieferungen von Halliburton gebe.
In einem im Dezember bekannt gewordenen Bericht wirft das
Verteidigungsministerium der Halliburton-Tochter Kellogg, Brown and Root
(KBR) unter anderem vor, Treibstoff zu überteuerten Preisen an die
US-Armee in Irak geliefert zu haben. Nach Medien-Informationen wurden
61 Millionen Dollar (48 Millionen Euro) zuviel gezahlt. Die Vergabe von
Aufträgen an Halliburton ist in den USA umstritten, weil sie nicht
öffentlich ausgeschrieben worden waren. US-Vizepräsident Dick
Cheney war bis vor drei Jahren Halliburton-Chef.
(Quellen: ap, afp)
Wettrüsten ohne Ende
Der 11. September 2001 hat die Rüstungslobby endgültig von
der lästigen Notwendigkeit befreit, den unmittelbaren Zusammenhang
von Waffenproduktion und Waffeneinsatz zu verschleiern, und "modernen"
Kriegen das zwar brüchige, aber immerhin transportable Image
präzise kalkulierbarer Notoperationen verschafft. Alte Haudegen wie
der Oberkommandierende der Iraktruppen, General Tommy Franks, fallen
zwar gelegentlich aus der Rolle und nähren durch markige
Sprüche ("We don't do body counts") den Verdacht, selbst im
modernen Krieg würden ganz einfach nur Menschen abgeschlachtet. Und
zwar massenhaft und ohne jede Rücksicht auf die Genfer Konvention.
Aber dieser störende Eindruck hält sich allenfalls bis zur
nächsten Werbepause. Denn um die Errungenschaften der westlichen
Welt gegen die heimtückischen Feinde aus dem Morgenland zu
verteidigen, ist der selbsternannten Zivilisation - ebenso wie ihren
erbitterten Gegnern - jedes Mittel recht. Das Stockholmer Institut
für Friedensforschung ( SIPRI) geht in seinem Jahrbuch 2003
davon aus, dass im Jahr 2002 weltweit 794 Milliarden US-Dollar für
militärische Zwecke ausgegeben wurden. Der seit 1998 registrierte
Anstieg der Rüstungsausgaben belief sich 2002 auf 6%, was einer
Verdoppelung der Anstiegsrate gegenüber 2001 entspricht....
Aus: Thorsten Stegemann - "Das Wettrüsten gegen den Terrorismus nimmt kein Ende", telepolis vom 01.01.04
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16425/1.html
http://editors.sipri.se/pubs/yb03/Deutsch.Yearbook2003.pdf
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Nahost-Konflikt
Israel will Besiedlung der Golanhöhen ausbauen. US-Regierung
fordert Aufklärung von Israel über Golan-Pläne. Scharfe
Kritik aus Damaskus und Paris +++ Zusammenstösse bei Protesten
gegen israelischen Sperrzaun +++ Israelischer Soldat nach Schüssen
auf britischem Studenten in Haft
Do.01.01.04 - Die US-Regierung hat sich zurückhaltend über die Pläne
Israels geäußert, die Besiedlung der Golan-Höhen im
Grenzgebiet zu Syrien drastisch auszubauen. Das US-Außenamt
erklärte am Mittwoch in Washington, es könne entsprechende
Berichte nicht bestätigen. Sein Amt erwarte Aufklärung von
Israel über diese Informationen, sagte Sprecher Adam Ereli.
Zugleich betonte er, die Haltung der US-Regierung in dieser Frage sei
unverändert. Washington wünsche einen Baustopp für neue
jüdische Siedlungen. Illegale Siedlungen im Westjordanland und dem
Gazastreifen müssten aufgelöst werden.
In Damaskus erkklärte ein Regierungssprecher, eine Ausweitung des
Siedlungsbaus auf den Golan-Höhen werde jede Chance auf eine
Friedenslösung zunichte machen. Der Plan sei Teil der gegen den
Frieden gerichteten Politik des israelischen Ministerpräsidenten
Ariel Scharon, sagte der Sprecher nach einer Meldung der amtlichen
Nachrichtenagentur ANA. Der Vorsitzende des aussenpolitischen
Ausschusses im Parlament, Suleiman Haddad, sagte am Mittwoch der
Nachrichtenagentur AP: «Der Golan wird immer syrisches Land sein,
gleichgültig wie oft Israel die Zahl seiner Siedler dort
verdoppelt.»
Das französische Aussenministerium rief Israel auf, den Golan-Plan
nicht weiter zu verfolgen. Frankreich und die Europäische Union
seien der Auffassung, dass solche Massnahmen gegen das Völkerrecht
verstiessen, sagte der Sprecher des Ministeriums, Herve Ladsous.
Mit der Ankündigung, die Besiedlung der Golan-Höhen im
Grenzgebiet zu Syrien drastisch auszubauen, hat Israel abermals die
Hoffnungen auf eine Entspannung zwischen beiden Ländern
gedämpft. Wie Landwirtschaftsminister Israel Katz mitteilte, ist
der Bau von rund 900 neuen Häusern in dem 1967 von Israel
besetzten Gebiet geplant. Katz sprach von einer "eindeutigen Botschaft"
an die Regierung in Damaskus. Syrien warf Israel vor, einen
Friedensschluss zu verhindern. Damaskus fordert die Rückgabe des
von Israel 1981 annektierten Gebiets.
Der Golan sei "ein integraler Bestandteil Israels", sagte Katz, der
eine interministerielle Kommission zu Siedlungsfragen leitet. Die
Kommission hatte beschlossen, die Einwohnerzahl der Golan-Siedlungen
binnen drei Jahren von bislang rund 10.500 auf 15.000 zu erhöhen.
In der Ortschaft Budrus im Westjordanland schossen am Silvestertag
israelische Soldaten laut Augenzeugen mit Gummigeschossen in eine
Demonstration von Gegnern des Sperrwalls zwischen Israel und den
Palästinensergebieten und verletzten dabei 40
Kundgebungsteilnehmer. Sieben Menschen wurden nach Angaben der Polizei
festgenommen, unter ihnen der schwedische Abgeordnete Gustav Fridolin.
Von einem israelischen Polizeiposten nahe Ramallah sagte Fridolin in
einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP: "Ich wurde von
Stockschlägen am Rücken getroffen." Die Demonstration sei
"friedlich" verlaufen.
Unter den Festgenommenen waren nach israelischen Angaben vier
Ausländer. Ein israelischer Soldat sei durch einen Steinwurf
verletzt worden. Die Sicherheitskräfte hätten Tränengas
eingesetzt.
Die israelischen Streitkräfte haben unterdessen einen Soldaten
inhaftiert, der im April einen britischen Studenten in den Kopf
geschossen und lebensgefährlich verletzt hat. Ein
Militärgericht habe die Inhaftierung des Soldaten bestätigt,
teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. Ein Militärankläger
entscheidet jetzt, ob Klage erhoben wird.
Der 22-jährige Tom Hurndall hatte sich in der
propalästinensischen Internationalen Solidaritätsbewegung
(ISM) engagiert und im Gazastreifen einen Puffer zwischen Soldaten und
Einwohnern gebildet. Er wurde Augenzeugen zufolge beschossen, als er in
der Ortschaft Rafah dabei half, Kinder vor einem Panzer in Sicherheit
zu bringen. Seitdem befindet er sich in einem Koma-ähnlichen
Zustand.
In Tel Aviv löste am Mittwoch ein geplatzter Busreifen Terrorpanik
aus. Nach Medienberichten über eine schwere Explosion stellte die
Polizei jedoch klar, dass es sich nur um einen Unfall gehandelt hat.
Zum Jahreswechsel gingen bei der israelischen Polizei zahlreiche
Warnungen vor Anschlägen ein, die Behörden waren deswegen im
ganzen Land in erhöhter Alarmbereitschaft.
Für zusätzliche Spannung sorgte der israelische Luftangriff
vom Dienstag im Gazastreifen. Dabei sollten offenbar zwei Aktivisten
der militanten Hamas-Bewegung getroffen werden. Der nächtliche
Angriff verfehlte sein Zeil, elf Menschen wurden verletzt. Der
geistliche Führer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, drohte Israel
daraufhin mit Vergeltung. Der palästinensische Präsident
Jassir Arafat warf Israel am Mittwoch vor, "alle Waffen einzusetzen, um
den Friedensprozess zu zerstören und zu untergraben". Der
palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat erklärte,
damit würden die Bemühungen um ein Treffen von
Ministerpräsident Ahmed Kureia und dem israelischen Regierungschef
Ariel Scharon erschwert.
(Quellen: ap, afp)
Millionen Menschen trotzen Terrorwarnungen und feiern das neue Jahr
Do.01.01.04 - Schärfsten Sicherheitsmaßnahmen wegen befürchteter
Terroranschläge zum Trotz haben Millionen Menschen weltweit das
Jahr 2004 begrüßt. In Berlin feierten nach Angaben der
Polizei bei der größten Silvesterparty Deutschlands eine
Million Menschen rund um das Brandenburger Tor. Anders als in anderen
Hauptstädten Europas wie London, Paris oder Moskau galten in der
Bundeshauptstadt keine verschärften Sicherheitsbedingungen. In New
York wachten am Times Square Scharfschützen und Kampfhubschrauber
über den traditionellen Silvester-Countdown.
(Quelle: afp)
UNICEF: Auch 2004 leiden hunderte Millionen Kinder
Do.01.01.04 - Auch im kommenden Jahr werden nach Einschätzung des
UN-Kinderhilfswerkes UNICEF hunderte Millionen Kinder weltweit unter
Kriegen, Aids, Ausbeutung und mangelhaften Bildungschancen zu leiden
haben. 14 Millionen Kinder weltweit seien verwaist, weil ihre Eltern an
Aids gestorben sind, hieß es in einer in Genf
veröffentlichten Erklärung der UN-Organisation. Die Zahl
werde im kommenden Jahr weiter steigen. Mehr als die Hälfte aller
HIV-Neuinfektionen beträfen Menschen unter 25 Jahren.
Auch der Missbrauch von Minderjährigen als Kindersoldaten sei
weiterhin ein drückendes Problem. "300.000 Kindersoldaten, manche
von ihnen erst acht Jahre alt, werden in bewaffneten Konflikten in mehr
als 30 Ländern ausgebeutet", hieß es in der Erklärung
weiter. In den vergangenen zehn Jahren seien zwei Millionen Kinder als
direkte Folge von Kriegen gestorben, dreimal soviele seien schwer
verletzt oder dauerhaft geschädigt worden.
246 Millionen Kinder weltweit müssten arbeiten, 171 Millionen von
ihnen unter gefährlichen Bedingungen. Elf Millionen Kinder
würden vor ihrem fünften Geburtstag sterben. UNICEF beklagte,
dass Regierungen in reichen wie in armen Staaten die Notwendigkeit
unterschätzten, in Bildung zu investieren, um den Kindern eine
bessere Zukunft zu ermöglichen.
(Quelle: afp)
USA setzen finanzielle Sanktionen gegen Iran wegen Bebenhilfe aus
Do.01.01.04 - Die USA wollen ihre finanzielle Sanktionen gegen Iran teilweise
aussetzen, um die Erdbebenhilfe zu erleichtern.
Währungsbeschränkungen und weitere Sanktionen sollten
vorübergehend aufgehoben werden, teilten US-Regierungsvertreter am
Mittwoch in Washington mit. Damit solle die Arbeit von
US-Hilfsorganisationen in dem Katastrophengebiet um Bam im
Südosten Irans erleichtert werden. Die Maßnahme gelte nur
für Nichtregierungsorganisationen und werde noch am Mittwoch oder
Donnerstag von den Ministerien für Finanzen und Äußeres
verkündet werden.
(Quelle: afp)
Vietnam: Sieben Jahre für Cyber-Dissidenten
Do.01.01.04 - In Vietnam wurde erneut ein Dissident zu einer drakonischen Strafe
verurteilt. Formaler Anlass war die Veröffentlichung eines
kritischen Artikels im Internet.
Für das Posten seiner Meinung zu einem Abkommen zwischen Vietnam
und China wurde der Journalist Nguyen Vu Binh am Mittwoch zu sieben
Jahren Haft verurteilt Offiziell lautete die Anklage auf "Spionage",
nachvollziehbar war das Urteil allerdings nicht. Die Verhandlung wurde
geheim geführt, weder Medien noch Diplomaten wurden vorgelassen.
Ein Sprecher der US-Botschaft in Hanoi warf Vietnam vor, mit diesem
Urteil klar gegen die Menschenrechte zu verstoßen, was die freie
Meinungsäußerung betreffe und das Recht auf Zugang zu
Information.
(Quelle: rtr/futurezone)
Indonesien: Neun Tote bei Bombenanschlag in Aceh
Do.01.01.04 - Bei einem Bombenanschlag auf einen überfüllten Marktplatz in
der indonesischen Provinz Aceh sind in der Neujahrsnacht neun Menschen
ums Leben gekommen und 46 verletzt worden. Der Sprengsatz explodierte
drei Stunden vor Mitternacht in der abgelegenen Stadt Pereulak, wie ein
Arzt mitteilte. Er war offenbar unter einer Bühne versteckt, auf
der eine Musikgruppe spielte. Die im Norden der Insel Sumatra gelegene
Provinz Aceh ist seit 27 Jahren Schauplatz eines Bürgerkriegs. Im
vergangenen Jahr haben die Regierungstruppen eine Offensive gegen die
Rebellen der Bewegung Freies Aceh (GAM) eingeleitet.
(Quelle: ap)
Indien regt engere Kontakte zu Pakistan an
Do.01.01.04 - Die indische Regierung hat Pakistan einen Ausbau der diplomatischen
Kontakte und grenzüberschreitenden Verkehrsverbindungen angeboten.
Das Personal der jeweiligen Botschaften solle von 55 auf 75 Mitarbeiter
aufgestockt werden, gleichzeitig sollten Beschränkungen der
Reisefreiheit von Diplomaten im Gastland fallen, sagte der indische
Außenamtssprecher Navtej Sarna.
Gespräche über den Vorschlag könnten nach dem Gipfel des
Verbands Südasiatischer Staaten (SAARC) beginnen, der von Sonntag
bis Dienstag in Pakistan stattfindet. Zudem schlug Sarna die
Einrichtung zweier grenzübergreifender Buslinien vor, von denen
eine die Sektoren der zwischen beiden Ländern geteilten Region
Kaschmir verbinden solle.
Nach dem Anschlag auf das indische Parlament vor zwei Jahren, für
das Indien von Pakistan unterstützte Täter verantwortlich
machte, hatten beide Länder die Zahl der
Botschaftsangehörigen halbiert und reguläre Flugverbindungen
ausgesetzt. Zum SAARC-Gipfel wird Indiens Premierminister Atal Behari
Vajpayee erstmals seit vier Jahren wieder nach Pakistan reisen.
Die pakistanische Fluggesellschaft Pakistan International Airlines
(PIA) wollte am Neujahrstag die erste reguläre Flugverbindung nach
Indien seit zwei Jahren aufnehmen. Die Staatsgesellschaft biete
künftig jede Woche vier Flüge zwischen Lahore und Neu Delhi
sowie zwei Verbindungen zwischen Karachi und Bombay an, sagte ein
PIA-Sprecher in Karachi. Die indische Fluggesellschaft Indian Airlines
begann am Mittwoch mit dem Ticketverkauf für ihre Verbindungen
nach Pakistan, die am 9. Januar aufgenommen werden sollen. An den
Ticketschaltern herrsche reger Andrang, sagte ein Firmensprecher.
(Quelle: afp)
Mindestens 40 Tote bei schweren Kämpfen in Kolumbien
Do.01.01.04 - Bei schweren Kämpfen zwischen linken Rebellen und rechten
Paramilitärs sind im Norden Kolumbiens mindestens 40 Menschen
getötet worden. Unter den Opfern sei auch eine größere
Zahl Zivilisten, sagte ein Polizeioberst dem Radiosender RCN. Den
Angaben zufolge setzten die Rebellen ihre berüchtigten
Gaszylinderbomben ein. Sie haben zwar eine hohe Sprengkraft, aber eine
nur geringe Treffergenauigkeit und töten deshalb meistens mehr
Unbeteiligte, als Gegner der Rebellen.
(Quelle: dpa)
Verlängerung von Amnestie-Angebot für Rebellen in Uganda
gefordert
Do.01.01.04 - Islamische und christliche Geistliche in Uganda haben gemeinsam an die
Regierung appelliert, ihr am Neujahrstag auslaufendes Amnestie-Angebot
für Rebellenkommandeure zu verlängern. Andernfalls würde
der Weg zu Gesprächen über eine friedliche Beilegung des
Konflikts versperrt, mahnten die Geistlichen in ihrem am Mittwoch in
Kampala veröffentlichten Appell.
Die von den Religionsführern 2002 in Gang gebrachten
Gespräche zwischen der Regierung von Präsident Yoweri
Museveni und den Rebellen der Widerstandsarmee des Herrn (LRA) stecken
seit einiger Zeit in einer Sackgasse. Museveni hat im November
erklärt, dass er nicht bereit sei, das Amnestie-Angebot für
die LRA-Kommandeure zu erneuern. Die LRA kämpft seit 1986 im
Norden Ugandas gegen die Regierungstruppen. Seitdem wurden etwa 1,5
Millionen Menschen von den Kämpfen vertrieben.
(Quelle: ap)
Europa
Irland übernimmt nach Krisenjahr EU-Ratspräsidentschaft
Do.01.01.04 - Turnusmäßiger Stabwechsel bei der EU: Irland hat für
sechs Monate die Ratspräsidentschaft übernommen. Der Vorsitz
wird überschattet von zahlreichen Problemen: Dazu gehört das
Scheitern des Verfassungsgipfels unter italienischem Vorsitz. Streit
gibt es aber auch über die Auslegung des
Euro-Stabilitätspaktes. In die irische Präsidentschaft
fällt am 1. Mai die größte Erweiterung in der
Geschichte der Gemeinschaft. Zehn neue Mitglieder vor allem aus Ost-
und Mitteleuropa treten der Union bei.
(Quelle: dpa)
Italien stoppt nach Briefbomben Post an EU
Als Absender der gefährlichen Post werden italienische Anarchisten
vermutet
Do.01.01.04 - Nach der Serie von Briefbomben gegen die EU hat die italienische Justiz
den Postverkehr in der Region Bologna eingeschränkt. Alle
Sendungen an EU-Vertreter und Institutionen müssten abgefangen
werden, ordnete die Staatsanwaltschaft an. Die Briefe und Päckchen
sollten auf Sprengstoff durchleuchtet werden. Die vier in den
vergangenen Tagen aufgetauchten Sprengstoffsendungen an die EU waren
alle in Bologna aufgegeben worden.
In drei der Päckchen wurde nach Presseberichten das Traktat einer
italienischen Anarchistenvereinigung gefunden, in dem von einer
"Operation Weihnachtsmann" die Rede war.
Die Ermittler in Bologna wollten nicht ausschließen, dass weitere
mit Sprengstoff präparierte Sendungen bereits auf dem Weg zu ihren
Empfängern seien oder erst noch aufgegeben würden. In den
Flugblättern in mehreren der Sendungen stellte sich
Medienberichten zufolge eine italienische Gruppe namens "Informelle
Anarchistische Föderation" (FAI) vor. In dem Schreiben werde der
Kapitalismus kritisiert und mehr internationale Solidarität
eingefordert.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete unter Berufung auf
Sicherheitskreise, eine der Sprengstoffsendungen sei bis ins Vorzimmer
des Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet,
in Frankfurt gelangt. Nur durch einen glücklichen Zufall sei das
Gemisch aus Unkrautvernichtungsmitteln und Zucker nicht explodiert, als
die Sekretärin den Brief öffnete. Es hätte schwere
Brandverletzungen verursachen können. Die Sekretärin habe
jedoch in dem Brief Drähte entdeckt und daraufhin die Polizei
informiert.
Die Europäische Union verschärfte wegen der Anschlagsversuche
ihre Sicherheitszusammenarbeit. "Unsere jeweiligen Sicherheitsdienste
haben ihre Aktivität und Zusammenarbeit verstärkt, um die
Sicherheit all ihrer Institutionen und ihrer Vorsitzenden zu
gewährleisten", erklärte der EU-Außenbeauftragte Javier
Solana in Brüssel.
In den vergangenen Tagen waren Paket- und Briefbomben an EZB-Chef
Trichet sowie an EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, die
europäische Polizeibehörde Europol und die
EU-Ermittlungsbehörde Eurojust geschickt worden. Sie wurden alle
in Bologna aufgegeben. Zur Versendung der Paketbomben bekannte sich
bislang niemand. Italienische und deutsche Ermittler vermuteten
italienische Anarchisten als Absender der gefährlichen Post.
(Quelle: afp)
Seit Oktober sollen italienischen Behörden zufolge rund 70 Brief-
oder Paketbomben von 'Anarchisten' versendet worden sein. Seit einigen
Tagen wird diese "Attentatsserie" auch in deutschen Medien
thematisiert. Der Stil der Anschläge erinnert stark an die
"Strategie der Spannung" in den 70er Jahren. Damals wurden in Italien
zahlreiche Anschläge von Rechten verübt, die linken und
anarchistischen Gruppen in die Schuhe geschoben wurden...
Mehr unter:
http://at.indymedia.org/feature/display/35922/index.php
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Kundgebung gegen Schlechterstellung von
Arbeitslosen in Paris
Chirac: Kampf gegen Arbeitslosigkeit Prioriät Nummer eins für
2004
Do.01.01.04 - Eine kleine Zahl von Betroffenen hat am Dienstag in Paris gegen die
bevorstehenden Streichungen für französische
Langzeitarbeitslose protestiert. An einer Kundgebung des
Bündnisses "Gemeinsam gegen Arbeitslosigkeit" in der Nähe des
Sozialministeriums beteiligten sich bei frostigen Temperaturen rund
hundert Arbeitslose. Ein im Vorjahr beschlossener Kürzungsplan
sieht vor, dass die Arbeitslosenversicherung für
Langzeitarbeitslose ab 1. Januar 2004 in der Regel nur noch 23 Monate
zahlt - und nicht wie bislang 30 Monate.
Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hat den Kampf
gegen die Arbeitslosigkeit zur Priorität Nummer eins für 2004
erklärt. Auf der letzten Kabinettssitzung des Jahres sagte Chirac,
mehr Beschäftigung sei jetzt die vorrangige Aufgabe der Regierung.
Die Arbeitslosigkeit in Frankreich ist zuletzt leicht
zurückgegangen: Die Statistikbehörde gab am Mittwoch bekannt,
dass die Quote im November bei 9,6 Prozent lag, nach 9,7 Prozent im
Vormonat.
(Quellen: afp, ap)
Deutschland
Schröder ruft Deutsche zu mehr Eigeninitiative auf
Do.01.01.04 - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Deutschen in seiner
Neujahrsansprache aufgefordert, nach Kräften zum Ankurbeln der
Wirtschaft beizutragen. "Vergessen Sie nicht, dass Sie es zu einem
großen Stück selbst in der Hand haben, wie es mit der
Wirtschaft in Deutschland weitergeht. Auch Sie ganz persönlich
können Konjunkturmotor sein: Ihr Vertrauen in die Zukunft
entscheidet mit über den Arbeitsplatz Ihres Nachbarn!"
Ein Schritt zur Ankurbelung der Wirtschaft sei die zum 1. Januar in
Kraft tretende Steuersenkung. "So kann der wirtschaftliche Aufschwung,
der sich bereits deutlich abzeichnet, an Fahrt gewinnen."
Schröder verteidigte erneut die Reformen, die für die
Bürger "mit Einschränkungen oder Verzicht verbunden" seien.
Die Systeme der Sozialversicherung müssten darauf eingestellt
werden, "dass die Lebenserwartung zum Glück ständig steigt,
die Zahl der Geburten aber stetig abgenommen hat", erklärte der
Kanzler. Die Bundesregierung bemühe sich, "die Lasten heute
gerecht zu verteilen, damit wir in Deutschland die Chancen auch morgen
noch gerecht verteilen können".
Wichtig für das kommende Jahr ist es laut Schröder auch,
Deutschlands Ruf als Bildungsnation zu verteidigen. "Der Bund ist zwar
nicht zuständig für Schulpolitik, aber wir unterstützen
die Länder darin, die Kinder besser auf die Welt von morgen
vorzubereiten." Deutschland solle bei Erfindungen und Innovationen in
Forschung und Technik an der Weltspitze stehen.
(Quelle: afp)
Neujahrsansprache des Bundeskanzlers:
http://www.bundeskanzler.de/Kanzler-Aktuell-.7718.583068/
Neujahrsansprache-von-Bundeskanzler-Gerhard-Schr...htm
Bundesfinanzminister Eichel: Im Frühjahr umfassende Steuerreform
beraten
Do.01.01.04 - Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hat der Union vorgeschlagen, im
kommenden Frühjahr eine umfassende Steuerreform zu debattieren.
Die im Frühjahr 2004 von der Bundesregierung geplante Reform der
Kapitalbesteuerung sei dazu ein passender Anlass, sagte Eichel der
"Berliner Zeitung" vom Mittwoch. "Das ist eine Gelegenheit, um das
Thema Steuervereinfachung noch einmal konkret anzugehen." Die Union
solle eigene Vorstellungen formulieren. Eichel stellte zwei Bedingungen
für eine Steuerreform. Erstens dürften keine zusätzliche
Einnahmeausfälle für den Staat entstehen, denn diese seien
nicht verkraftbar. Zweitens müsse die Reform sozial ausgewogen
sein und nicht zu Lasten der sozial Schwachen gehen. Von der Union
forderte Eichel ein Bekenntnis zum Subventionsabbau. Bundeskanzler
Gerhard Schröder (SPD) erklärte erneut, weitere Reformen
seien nötig.
CDU und CSU werden sich nach Einschätzung des CDU-Finanzexperten
Friedrich Merz zum Jahresbeginn auf ein gemeinsames Konzept für
eine große Steuerreform verständigen. Er geht davon aus,
dass CDU/CSU bis Mitte des Jahres einen Gesetzentwurf vorlegen werden.
Auch Schröder hatte sich bereits früher für
Gespräche mit der Union über eine umfassende Steuerreform
ausgesprochen.
Kurz vor Weihnachten hatten Regierung und Opposition nach monatelangen
Verhandlungen gemeinsam Steuersenkungen von insgesamt 15 Milliarden
Euro zum Jahreswechsel und umfassende Arbeitsmarktreformen
verabschiedet.
Eichel zeigte sich zuversichtlich, dass die Bundesrepublik 2005 wieder
das Defizitkriterium der Europäischen Union (EU) einhalten werde.
Er räumte ein, der geringer als ursprünglich geplante Abbau
der Subventionen werde Folgen für das staatliche Defizit haben.
"Durch den Kompromiss im Vermittlungsausschuss ist es daher nicht
leichter geworden, 2005 wieder unter die drei Prozent zu kommen. Der
beginnende Aufschwung wird uns aber helfen", sagte der Minister der
"Berliner Zeitung". Deutschland hat bereits 2002 und 2003 die
Defizitgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts
überschritten und wird dies nach Annahmen der Bundesregierung auch
2004 tun.
Ein Sprecher des Finanzministeriums wies unterdessen einen Bericht der
"Süddeutschen Zeitung" zurück, nach dem im Ministerium intern
für 2004 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 bis 1,3
Prozent gerechnet werde. Es gelte weiterhin die offizielle Prognose.
Die Bundesregierung erwartet demnach im kommenden Jahr ein
Wirtschaftswachstum zwischen 1,5 und 2 Prozent.
Eichel bekräftigte in der "Berliner Zeitung", er erwarte für
2004 ein Wachstum der Wirtschaft: "Alle Anzeichen deuten darauf hin,
dass die deutsche Wirtschaft die hartnäckige Stagnation der
vergangenen Jahre überwinden kann und 2004 wieder auf
Wachstumskurs geht." Die Mehrzahl der Konjunkturexperten erwarteten wie
die Bundesregierung im kommenden Jahr ein Wachstum zwischen einem und
zwei Prozent.
(Quelle: rtr)
Honorare in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe für
Maut-Beratung
Do.01.01.04 - Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) wird im Streit um die
Einführung der Lkw-Maut von Fachleuten beraten, für die das
Verkehrsministerium seit 1999 rund 15 Millionen Euro gezahlt hat.
Da es bei der Maut um ein Auftragsvolumen in Höhe von 3,4
Milliarden Euro gehe, seien Beraterhonorare in dieser Höhe
üblich, sagte Ministeriumssprecher Felix Stenschke am Mittwoch auf
Anfrage. Die externen Berater seien nötig zur Bewertung der
juristischen und kaufmännischen Fragen im Zuge der
Mauteinführung. Der Auftrag an die Berater sei 1999 europaweit
ausgeschrieben worden und sei auch den zuständigen
Ausschüssen des Bundestages bekannt. Die Berater würden bis
zur Einführung der Maut für das Ministerium tätig sein,
sagte Stenschke weiter.
Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor über eine "Lkw-Maut-Beratergruppe"
berichtet, die seit Mitte 1999 das Ministerium 15,6 Millionen Euro
gekostet habe. Für 2004 seien Beraterhonorare in Höhe von
750.000 Euro fällig. Der CDU-Haushaltsexperte Albrecht Feibel
forderte Stolpe in der Zeitung auf, unverzüglich die
Beraterverträge offen zu legen. Feibel kritisierte, angesichts der
Probleme bei der Einführung der Maut habe die Beratergruppe
völlig versagt.
Auch nach der Fristverlängerung für Toll Collect streiten das
Betreiberkonsortium für die Lkw-Maut und das Verkehrsministerium
weiter über mögliche Schadenersatzzahlungen für
entgangene Einnahmen. Das Ministerium besteht auf Ausgleichszahlungen,
die zu leisten das im Wesentlichen von DaimlerChrysler und Deutsche
Telekom gebildete Toll Collect nicht bereit ist. Der Start der Lkw-Maut
ist wegen technischer Schwierigkeiten bereits zwei Mal verschoben
worden. Das Ministerium hat dem Konsortium eine verlängerte Frist
bis zum 31. Januar 2004 gesetzt, um einen Starttermin für die Maut
und eine Lösung im Streit über Ausgleichszahlungen
vorzuschlagen. Andernfalls würden die Verträge gekündigt.
(Quelle: rtr)
Ärztepräsident Hoppe fordert klares Votum für weltweites
Klonverbot
Do.01.01.04 - Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich
Hoppe, hat die Bundesregierung zu einem klaren Votum für ein
weltweites Klonverbot aufgefordert. In einem Interview der
Nachrichtenagentur AP kritisierte Hoppe die Enthaltung Deutschlands bei
der Abstimmung des Rechtsausschusses der UN-Vollversammlung im
November. «Das Mandat des Bundestages sah vor, sich für ein
generelles Verbot des Klonens von Menschen einzusetzen», betonte
der Ärztepräsident.
Die Vereinten Nationen wollen nun im Herbst 2004 die Beratungen
über dieses heftig umstrittene Thema wieder aufnehmen. Die 191
UN-Mitgliedstaaten sind in der Frage des Klonens menschlicher Zellen
tief gespalten. Costa Rica, die USA und etwa 50 weitere Staaten fordern
ein vollständiges Verbot des reproduktiven wie des therapeutischen
Klonens. Dagegen wollen unter anderem Belgien und Großbritannien
nur das Klonen von Babys verbieten. Die Frage der Reproduktion zu
wissenschaftlichen und medizinischen Zwecken soll den einzelnen Staaten
überlassen werden.
Hoppe rief die Bundesregierung auf, sich bei einer neuen Abstimmung dem
Votum des Bundestages verpflichtet zu fühlen - auch wenn es in der
Koalition «zu diesen grundlegenden Fragen des Lebensschutzes
durchaus divergierende Ansichten» gebe. Scharfe Kritik
äußerte der oberste Vertreter der 385.000 Ärzte in
Deutschland in diesem Zusammenhang besonders an dem Vorstoß von
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries für Forschungen an
künstlich erzeugten Embryonen. «Menschen dürfen selbst
im frühesten Stadium ihrer Entwicklung nicht für andere
verfügbar gemacht werden», betonte Hoppe.
Es dürfe niemals dazu kommen, dass Embryonen als Erzeugnis
für den Heilungsprozess anderer ausgenutzt würden.
Frühes menschliches Leben einer so genannten
Rechtsgüterabwägung zu unterziehen, könnte zu einem
unkontrollierten Selektionsautomatismus führen. «Dann
wäre es auch nicht mehr weit, bis eine Positivliste zur Auswahl
genetisch erwünschter Eigenschaften grundsätzlich über
die Lebensperspektive eines Embryos entscheidet», sagte Hoppe.
Er warnte zugleich vor Bestrebungen in der Europäischen Union,
EU-Mittel für die so genannte verbrauchende Embryonenforschung
einzusetzen. Entsprechende Förderanträge dürften nicht
genehmigt werden, solange es dazu keinen Konsens in der EU gebe. Sonst
würden Steuergelder für Forschungsprojekte eingesetzt, die
gegen deutsche Gesetze verstießen: «Das kann kein Land und
keine Regierung akzeptieren.»
(Quelle: ap)
Weiter Streit um Kopftuchverbot
Do.01.01.04 - Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller
befürwortet ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen an deutschen
Schulen. Gleichzeitig wies der CDU-Politiker Forderungen zurück,
dann auch christliche Symbole aus öffentlichen Räumen zu
verbannen. Nach Auffassung des sächsischen Justizministers Thomas
de Maiziere wird sich das Bundesverfassungsgericht erneut mit dem
Kopftuchstreit befassen müssen.
Müller erklärte am Mittwoch in seiner Neujahrsansprache, wer
öffentliche Aufgaben wahrnehme, dürfe «keinen Zweifel
an seinem Bekenntnis zu den unveräußerlichen Menschenrechten
zulassen». In diesen Funktionen sei es notwendig, auf Symbole zu
verzichten, die etwa «im Zusammenhang mit der Unterdrückung
der Frau stehen oder als solche angesehen werden». Deshalb sei
die Forderung berechtigt, auf das Kopftuch im Schuldienst zu verzichten.
Der Ministerpräsident bezeichnete es jedoch als falsche
Konsequenz, dann auch ein Verbot christlicher Symbole und
Ordenstrachten zu verlangen. «Gerade das Bekenntnis zu den Grund-
und Menschenrechten ist ein wesentlicher Bestandteil des christlichen
und humanistischen Erbes in Europa», betonte der CDU-Politiker.
Die Trennungslinie verlaufe nicht zwischen Christentum und Islam,
«sondern zwischen Toleranz und Intoleranz, zwischen
Fundamentalismus und verantworteter Freiheit», sagte Müller.
Der sächsische CDU-Politiker de Maiziere sagte der
Nachrichtenagentur AP, nach dem ersten Richterspruch aus Karlsruhe sei
die juristische Auseinandersetzung um die Frage, ob muslimische
Lehrerinnen an deutschen Schulen Kopftücher tragen dürfen,
noch nicht vorbei. Das aktuelle Urteil aus dem September werfe viele
Fragen auf.
Die Karlsruher Richter hatten nach einem jahrelangen Rechtsstreit
zwischen einer muslimischen Lehrerin und dem Land
Baden-Württemberg entschieden, dass ein Kopftuchverbot nur auf
Grund eines Landesgesetzes erfolgen könne. Der daraufhin erstellte
Gesetzentwurf von Baden-Württemberg sieht einerseits das
Kopftuchverbot vor, erlaubt aber zugleich das Tragen christlicher
Symbole an Schulen.
«Ich habe mit Blick auf den Gleichheitsgrundsatz des
Grundgesetzes Zweifel, ob diese Regelung von den Gerichten und den
Verfassungsrichtern so akzeptiert wird», sagte de Maiziere.
Außerdem sei sicher, dass die Diskussion um das Tragen von
Kopftüchern nicht an den Schulen Halt machen, sondern sich in der
Konsequenz auch auf andere Bereiche des öffentlichen Dienstes
erstrecken werde, etwa auf Kindertagesstätten und
Kindergärten.
«Wir lösen durch gesetzliche Regelungen neue Probleme aus,
an die jetzt noch niemand denkt», sagte der Minister. Es bestehe
zudem die Gefahr, dass mit der Verbannung des Kopftuches auch das Kreuz
und die Kleidung von Ordensschwestern in den Schulen in Frage gestellt
werden. «Dieser Prozess könnte in einer übertriebenen
Trennung von Kirche und Staat münden», meinte der Politiker.
Sachsen selbst werde voraussichtlich kein Gesetz zum Tragen von
Kopftüchern an Schulen verabschieden, sondern zunächst einmal
die Erfahrungen der anderen Bundesländer abwarten.
(Quelle: ap)
Weder Kruzifix noch Mönchskutte oder jüdische Kippa
Der französische Staatspräsident Jacques Chirac plädiert
... für ein Gesetz, das das Tragen "auffälliger"
religiöser Symbole wie Kopftücher, jüdische Kippas oder
große Kruzifixe in Schulen verbietet, aber diskreter getragene
Symbole religiöser Art zulässt. Die Trennung von Staat und
Kirche soll gewahrt, die Schule ein konfessionsfreier Ort bleiben ( "La
Nation" in Gefahr). Das Vorhaben Chiracs ist auf Proteste von Muslimen
in Frankreich, aber auch in vielen arabischen Ländern
gestoßen.
Doch am Dienstag hat Chirac Unterstützung ausgerechnet bei einem
hohen muslimsichen Geistlichen gefunden. Sheikh Mohammed Sayed Tantawi,
der Große Mufti der al-Aksar Moschee in Kairo und die
höchste religiöse Autorität der Sunniten, hat dem
französischen Staat zugebilligt [2], dass er "auffällige"
religiöse Symbole in Schulen und Behörden verbieten kann. Er
erlaube [3] zwar keinem Nicht-Muslim, sich in die Angelegenheiten von
Muslimen einzumischen, aber es stehe ihm auch nicht zu, in die
Angelegenheiten von Nicht-Muslimen einzugreifen. Auf einer
Pressekonferenz, an der er zusammen mit dem französischen
Innenminister Nicolas Sarkozy teilnahm, erklärte er:
Das Kopftuch ist eine Verpflichtung, wenn eine Frau in einem
muslimischen Land lebt. Wenn sie in einem nicht-muslimischen Land wie
Frankreich lebt, dessen Regierungsangehörige Gesetze gegen das
Tragen des Kopftuchs erlassen wollen, so ist das deren Recht.
Aus: Florian Rötzer - "Kopftücher, Kruzifixe und der Kampf
der Kulturen", telepolis vom 01.01.03
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16428/1.html
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