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+++ Sa.03.01.04, 13:00        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am zweihundertundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn

UN-Generalsekretär Annan macht Rückkehr der UN nach Irak weiter von Sicherheit abhängig +++ US-Soldat bei Hubschrauberabschuss in Irak getötet +++ Krisentreffen verfeindeter Volksgruppen nach Unruhen in Kirkuk. US-Armee verhängt Ausgangssperre über die Stadt +++ Ermittlungen gegen niederländischen Soldaten nach Irak-Einsatz +++ Bulgarische Soldaten verweigern Dienst in Irak +++ Einigkeit in Europa hätte laut Prodi Irak-Krieg verhindern können

Sa.03.01.04 - UN-Generalsekretär Kofi Annan hat bekräftigt, dass die Vereinten Nationen erst nach einer Verbesserung der Sicherheitslage nach Irak zurückkehren werden. Die möglichen Aufgaben der UN beim Wiederaufbau des Landes wolle er bei einem Treffen mit Mitgliedern des irakischen Verwaltungsrats am 19. Januar erörtern, sagte Annan am Freitag am Rande politischer Gespräche in Trinidad. Er betonte, dass "wir unsere Mitarbeiter zurückschicken werden, wenn die Umstände es gestatten, wenn ein sicheres Umfeld geschaffen wird".

Die UN hatten ihre internationalen Mitarbeiter im Oktober nach zwei Anschlägen auf ihr Hauptquartier in Bagdad aus Irak abgezogen. Zu dem Treffen im Januar hatte Annan den irakischen Verwaltungsrat und die von den USA geführte Besatzungskoalition vor zwei Wochen eingeladen. Trotz positiver Reaktionen von US-Präsident George W. Bush und Außenminister Colin Powell ist noch unklar, ob hochrangige Vertreter der US-Regierung an den Beratungen teilnehmen werden.

Beim Absturz eines abgeschossenen US-Hubschraubers westlich von Bagdad ist nach amerikanischen Militärangaben am Freitag ein Soldat getötet worden. Ein weiterer Soldat wurde verletzt, als der Helikopter bei Falludscha abstürzte. US-Truppen durchsuchten anschließend Häuser und Geschäfte in Falludscha und riegelten Straßen ab. Die Soldaten, die die Absturzstelle sicherten, wurden von als Journalisten getarnten Rebellen angegriffen.

Mehrere Männer seien in dunklen Mercedes-Limousinen vorgefahren. An ihren Jacken seien "Press"-Schilder angebracht gewesen, sagte Brigadegeneral Mark Kimmitt. Die Aufständischen hätten mit Feuerwaffen und Granaten angegriffen, es sei jedoch kein Soldat verletzt worden. Vier der Täter seien gefasst worden.

Die britische Nachrichtenagentur Reuters teilte später mit, ihr Team an der Absturzstelle sei von US-Soldaten beschossen worden, und drei der Journalisten seien später festgenommen worden. Der Agentur zufolge filmte ein Team unter Leitung des irakischen Kameramanns Salem Uraibi von einem Kontrollpunkt aus.

Die US-Streitkräfte warfen unterdessen am Abend mehrere Bomben über dem dünn besiedelten Süden Bagdads ab, wie ein Militärsprecher bestätigte. Es handele sich um eine Aktion im Rahmen der Kampagne "Iron Grip" (Eiserner Griff). Sie richte sich gegen Aufständische, die vom südlichen Stadtrand aus Mörsergranaten abgefeuert hätten.

Bei Razzien wurden in den vergangenen Tagen mehrere Terrorverdächtige festgenommen, wie die Streitkräfte am Freitag mitteilten. US-Truppen nahmen Augenzeugen zufolge auch den Stammesführer Scheich Kahtan Jehia in Samarra nordwestlich von Bagdad fest. Die Soldaten hätten ihm vorgeworfen, vor kurzem den früheren Vizepräsidenten Issat Ibrahim el Duri versteckt zu haben. US-Truppen hätten auch das Haus eines Mannes in die Luft gesprengt, der für Anschläge gegen Soldaten verantwortlich gemacht wird, und dessen Frau und Bruder festgenommen.

In der nordirakischen Stadt Kirkuk hielten die Auseinandersetzungen zwischen arabischen und kurdischen Einwohnern an. Der Vorsitzende der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) in der Stadt, Dschalal Dschauher, berichtete, bewaffnete Araber zögen durch die Straßen und griffen Kurden an. Araber, Turkmenen und Kurden stellen etwa je ein Drittel der Bevölkerung in der Stadt.

Die zerstrittenen Volksgruppen hielten am Donnerstag ein Krisentreffen ab. Repräsentanten von arabischen Sunniten, Kurden und Turkmenen seien  mit Angehörigen der Koalitionstruppen zusammengetroffen, sagte ein Kurdenvertreter am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Anwesende Mitglieder der kurdischen Volksgruppe hätten Anhänger des gefassten Ex-Präsidenten Saddam Hussein und turkmenische Extremisten für die Gewälttätigkeiten verantwortlich gemacht. Die Teilnehmer des Treffens seien sich darin einig gewesen, dass die Urheber der Gewalt festgenommen und verurteilt werden müssten.

Die US-Armee hat derweil eine nächtliche Ausgangssperre über Kirkuk verhängt. Mit dieser Maßnahme solle die Gewalt zwischen Arabern und Kurden eingedämmt und die Sicherheit wieder hergestellt werden, sagte Polizeichef Turhan Jussef am Freitag. Die Ausgangssperre gelte täglich von 23.00 Uhr bis 06.00 Uhr (0rtszeit) über einen unbestimmten Zeitraum. Seit Mittwoch wurden bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Arabern, Kurden und Turkmenen in Kirkuk sieben Menschen getötet. Die Rivalitäten zwischen den Volksgruppen waren unmittelbar nach dem Sturz des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein offen ausgebrochen.

Bei einer Razzia in einer salafistischen Moschee in Bagdad hat die US-Armee nach eigenen Angaben ein umfangreiches Waffenlager entdeckt. Wie der US-General Mark Kimmitt am Freitag in der irakischen Hauptstadt mitteilte, wurden bei der Durchsuchung am Donnerstag drei Packungen TNT-Sprengstoff, zwei Panzerabwehrraketen, ein 60-Millimeter-Mörserrohr, ein Sturmgewehr vom Typ Kalaschnikow sowie Material zur Herstellung von Sprengsätzen sichergestellt. Kimmitt zufolge hatte die US-Armee Informationen erhalten, wonach die Abu Tajmija-Moschee im Westen Bagdads für "terroristische Aktivitäten" genutzt werde. Er betonte, die Soldaten hätten während der Razzia "die Heiligkeit des Ortes" respektiert.

Einem niederländischen Soldaten, der bei einem Einsatz in Irak einen Einheimischen erschossen hat, droht jetzt ein Strafverfahren. Wie das Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte, wird gegen den 43-jährigen Soldaten ermittelt. Der Soldat wurde nach dem tödlichen Zwischenfall am 27. Dezember in der südirakischen Stadt Samawah in die Niederlande zurückbeordert. Nach niederländischen Medienberichten fielen die tödlichen Schüsse, als Marineinfanteristen in Samawah eine Gruppe von mutmaßlichen Plünderern stellten. Seit August vorigen Jahres sind etwa 1.100 niederländische Soldaten in Irak stationiert.

Nachdem in der vergangenen Woche in Irak fünf bulgarische Militärangehörige getötet worden sind, haben Dutzende Soldaten den Einsatz in einem zweiten Irak-Kontingent abgelehnt. Zwischen 25 und 30 Männer hätten darum ersucht, von der Mission abberufen zu werden, bestätigte Stabschef General Nikolai Kolew am Freitag. Die neue 500 Mann starke Truppe soll noch im Januar das derzeitige 485 Mann starke Kontingent ablösen.

Bulgarien gehört zu den engen Verbündeten der USA im Irak-Konflikt. Seit August ist ein Infanteriebataillon unter polnischem Kommando im Einsatz. Die Ablösung der Truppe sei durch die jüngsten Absagen nicht in Gefahr, sagte Kolew. Alle in Irak eingesetzten bulgarischen Soldaten sind Freiwillige. Wer jedoch nachträglich die Beteiligung an der Mission verweigere, müsse für die militärische Ausbildung sowie die medizinischen Untersuchungen bezahlen, so der Stabschef. Einen Betrag nannte er nicht.

Eine politische Einigkeit in Europa hätte nach Ansicht von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi den Irak-Krieg verhindern können. Wenn Europa präsent und einig gewesen wäre, hätten man den Krieg im Irak nicht erlebt, sagte Prodi der Zeitung "La Repubblica".

(Quellen: ap, afp, dpa)


 

 

«30 Jahre danach: Geheime US-Pläne einer Nahost-Invasion veröffentlicht»

Der »Top secret!«-Stempel galt 30 Jahre lang. Nun erblickten die streng geheimen Regierungsdokumente am letzten Tag des alten Jahres das Licht der Weltöffentlichkeit. Im Rahmen der britischen Geheimhaltungsgesetze machte das »National Archives« Schriftstücke zugängig, die auch den letzten Zweifel an den US-Motiven für den Angriffskrieg auf Irak beseitigen dürften. Denn: Bereits vor 30 Jahren planten die USA ernsthaft, mit einer Militärintervention die Ölfelder des Mittleren Ostens unter ihre direkte militärische Kontrolle zu bringen.

Die Planungsphase zu diesem großangelegten neokolonialen Raubzug war zu Beginn des arabischen Ölembargos vom Oktober 1973 bis März 1974 in Gang gesetzt worden. Damals hatten die arabischen Staaten versucht, sich mit der sogenannten »Ölwaffe« gegen die rückhaltlose Unterstützung der israelischen Eroberungskriege durch Washington zur Wehr zu setzen. Israel sollte zudem gezwungen werden, sich aus den besetzten arabischen Gebieten zurückzuziehen.

Der damalige US-Verteidigungsminister James R. Schlesinger hatte – so eines der nun offengelegten Geheimmemoranden – den britischen Botschafter in Washington, Lord Cromer, über die geplante Aktion ins Bild gesetzt. Lord Cromer: Für Schlesinger war »nicht länger klar, warum die USA keine Gewalt anwenden könnten«. Weiter hieß es in dem Memorandum des Lords an Premierminister Edward Heath in London: »Das Ergreifen der Ölfelder steht stets an erster Stelle des Denkens der Amerikaner, wenn sie von Gewaltanwendung sprechen«.

Die ehemaligen »top-secret« Regierungsdokumente zeigen eindeutig, daß Washington schon damals »Präventivkriege« gegen arabische Länder plante, obwohl von diesen Ländern keinerlei militärische Bedrohung gegen die USA ausging. Demnach sollten unter Präsident Nixon in einer Blitzoperation mit Luftlandetruppen die wichtigsten Ölfelder in Saudi-Arabien, Kuwait und Abu Dhabi besetzt werden. Im Fall von Abu Dhabi hatten die USA London wissen lassen, daß sie dort mit britischer Hilfe rechneten. Die größte Gefahr sahen die Kriegsplaner jedoch bei dem US-Griff nach Kuwait, »wo die Iraker – womöglich mit sowjetischer Unterstützung – versucht sein könnten, zu intervenieren«, heißt es weiter in einem von insgesamt einigen hundert Dokumenten. Damals noch warnten die Briten die Amerikaner vor einem solchen Krieg, denn die feindliche Reaktion der arabischen Welt sei unabschätzbar. Zudem würde die Sowjetunion unnötig herausgefordert – obwohl eine direkte militärische Konfrontation mit der UdSSR unwahrscheinlich sei, so ein Dokument.

Vor 30 Jahren warnte London die USA auch vor tiefen Zerwürfnissen im westlichen Lager als Konsequenz einer solchen Militärintervention. »Da die USA sicherlich beanspruchen würden, zum Wohle des gesamten Westens zu handeln, würden sie von ihren Verbündeten volle Kooperation fordern, was zu tiefen Rissen in den europäisch-amerikanischen Beziehungen führen könnte«, heißt es an anderer Stelle. Aus einem weiteren Dokument wird die tiefe Verärgerung von Premierminister Heath über Präsident Nixon deutlich, nachdem dieser erfahren hatte, daß Nixon während der Nahostkrise 1973 die strategischen Streitkräfte der USA in den »globalen nuklearen Alarmstatus« versetzt hatte, ohne seinen britischen Kollegen zu informieren.

Nachdem seinerzeit das Ölembargo der arabischen Staaten immer durchlässiger geworden und im März 1974 schließlich beendet worden war, legten die USA ihre Angriffspläne zur Inbesitznahme der Ölfelder des Mittleren Ostens zurück in die Schublade. Im März 2003 dann, knapp 30 Jahre später, wurden sie in aktualisierter Form in die Tat umgesetzt. Heute stehen die zweitgrößten Ölreserven der Welt, die unter irakischem Boden liegen, unter direkter Kontrolle der US-Regierung – inzwischen mit direkter britischer Beteiligung...

Aus: Rainer Rupp - "Das Öl fest im Blick", junge Welt, 03.01.04:
http://www.jungewelt.de/2004/01-03/001.php


 

Das US-Militär erprobt im Irak-Konflikt erstmals digitale Truppenverfolgungs- und Kommunikationssysteme

Sa.03.01.04 - Die vierte Infanteriedivision hat dazu testweise eine entsprechende Ausrüstung erhalten. In den Fahrzeugen wurden mobile PCs samt Touch-Screens installiert, die digitale Straßenkarten zeigen, das Abrufen von aktuellen Satellitenbildern ermöglichen und Feindpositionen markieren.

Das "Army Battle Command System" ermöglicht die Echtzeitkommunikationen mit mehreren Einheiten gleichzeitig. Das System wurde ursprünglich für Kampfszenarien mit Panzern und Hubschraubern entwickelt und eilig an den Straßenkampf im Irak angepasst....

Mehr bei futurezone (02.01.04) unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=206893&tmp=96380


 

Einzug der Informationstechnik in die Armeen:
Ein Milliarden-Markt für die Rüstungsindustrie

Für den Soldaten der Zukunft findet Krieg vor allem mit dem Computer statt: Hubschrauber, Panzer und Geländewagen sind computerisiert. Auch der einzelne Soldat ist vollgestopft mit Elektronik: Infrarot-Sensoren für die Nachtsicht, Laserentfernungsmesser, Sprechfunk, kabellose Mini-Computer. Antennen und Glasfaser sind in die Uniform eingearbeitet. Das Visier im Helm erlaubt ihm den Wechsel von der virtuellen in die reale Welt. In Echtzeit sind die Soldaten über Telekommunikation, Videosysteme oder Internet auf dem Laufenden über ihre eigene Position, Positionen des Gegners oder, ob ein Angriff erfolgreich war. Diese Zukunft ist nah. Die ersten dieser Systeme wurden beispielsweise im Kosovo-Krieg erprobt.

Auf einem bewaldeten Höhenzug in der Nähe des bretonischen Rennes, dem Centre d'electronique d'armement, demonstrierten die französischen Streitkräfte kürzlich zusammen mit dem nationalen Beschaffungsamt DGA, was auf dem Testgelände erprobt wird und schon in wenigen Jahren Wirklichkeit sein soll. Satellitengestützte Karten mit genauen Positionen des Gegners, verschiedene Optionen, mit welchen Mitteln der Feind ausgeschaltet werden kann, Ergebniskontrolle. Mit wenigen Clicks sind alle Informationen verfügbar.

Jean-Philippe Bouyer scheut sich nicht, von einer „Revolution" zu sprechen, wenn er von den Veränderungen der Kriegsführung spricht, die der Einzug der Informationstechnik mit sich bringt. Während früher Nachrichten über den Ablauf von Schlachten mit großer Verzögerung eingingen, ja selbst ihr Ausgang manchmal lange unklar blieb, werden solche Informationen künftig praktisch bei jedem Soldaten in Echtzeit ankommen. Auch bei der militärischen Nutzung kommt es mehr denn je darauf an, auf übergeordneter Ebene und lokal die richtigen und wichtigen Nachrichten auszuwählen, die entsprechenden Schlüsse zu ziehen und schneller und effizienter zu handeln als der Gegner. „Informationen sind das zentrale Element der künftigen Kriegsführung. Doch der Mensch bleibt Haupt-Akteur", glaubt Bouyer, führender Manager des nationalen französischen Beschaffungsamtes.

Der Industrie winkt ein Milliardengeschäft. Neben der Artillerie (Atlas Canon), Radar-Überwachungssystemen taktischer Art (Rapsodie) und beispielsweise Systemen für gepanzerte Fahrzeuge (SIR), wofür allein die Franzosen bis 2008 rund 900 Millionen Euro aufwenden, gibt es in allen europäischen Ländern Programme für die Infanterie. Damit soll taktischen Veränderungen Rechnung getragen werden, wie sie in Konflikten im Kosovo, Afghanistan und dem Irak deutlich wurden. Unternehmen wie Thales, EADS, Giat und viele Zulieferer sind die Hauptakteure in Europa. Allein Großbritannien will für sein Fist-Programm (First Integrated Soldier Technology) bis 2011 knapp eine Milliarde Euro ausgeben. Bei den französischen Streitkräften sollen bis 2010 rund zwei Drittel der Infanteristen mit Infrarot-Technik für den Nachteinsatz, umfangreichen Informationssystemen, Display-Systemen im Helm sowie besserer Schutzkleidung versehen sein (Felin-Programm). 32 000 Systeme sollen bis dahin ausgeliefert werden (Kosten: 500 Millionen Euro). Vergleichbare Programme gibt es in Deutschland (Infanterist der Zukunft, IdZ), den Niederlanden, Spanien, Italien und anderen Ländern. Thales ist Hauptauftragnehmer in Frankreich und Großbritannien und auch in Deutschland und anderen Ländern, sogar in den USA, mit von der Partie.

Die Amerikaner investieren bis 2008 mindestens 2,4 Milliarden Dollar in ihr Land-Warrior-Programm und wenden insgesamt 50 Milliarden Dollar für die Informatisierung ihrer Armee auf. Für Thales und die anderen europäischen Akteure geht es deshalb auch darum, trotz geringerer Mittel in Europa ein Gegengewicht aufzubauen. Entscheidend wird sein, dass die europäischen Systeme miteinander kompatibel sind, heißt es bei der französischen Beschaffungsbehörde.

Insgesamt geht Thales in Europa in den nächsten zehn bis 15 Jahren von einem Marktvolumen von acht bis zehn Milliarden Euro allein für die Infanterie-Systeme aus. Die zwei Hauptprobleme sind die noch zu hohen Preise und die Notwendigkeit, das Gewicht zu reduzieren: Während ein solches Ausrüstungssystem noch 30 Kilo wiegt, hat sich Thales zum Ziel gesetzt, dass ein Soldat maximal 27 Kilo mit sich herumtragen soll.

Wenn Leute wie Bouyer von einer Revolution sprechen, dann meinen sie nicht nur eine technische Revolution. Die Veränderungen haben auch erhebliche Auswirkungen auf anderen Gebieten. Künftige Soldaten müssen viel besser ausgebildet sein und länger geschult werden als heute. Wenn etwa ein Soldat durch die moderne Technik Gegner im Häuserkampf selbst hinter einer Mauer erkennen kann und zu deren Vernichtung eine kleine Drohne oder einen Kampf-Roboter schickt, dann bekommt Krieg zunehmend virtuelle Züge, wird eine Art Videospiel....

Süddeutsche Zeitung vom 03.01.04

 


 


 

Terrorwarnungen beeinträchtigen Flugverkehr

British Airways streicht erneut Flug nach Washington +++ Flug der mexikanischen Fluggesellschaft Aeroméxico in die USA gestrichen +++ FBI-Fehler führt zur Streichung von sechs Flügen der Air France

Sa.03.01.04 - Die Angst vor Terroranschlägen hat Flugverbindungen mit den Vereinigten Staaten auch nach Weihnachten und Silvester stark beeinträchtigt. Der tägliche Flug der britischen Fluggesellschaft British Airways (BA) von London nach Washington wurde am Nachmittag erneut gestrichen, wie das Unternehmen mitteilte. Bereits am Vortag war der Flug aus Sicherheitsgründen annulliert worden. Ebenfalls am Neujahrstag hatten die USA und Mexiko einen weiteren Aeroméxico-Flug in die USA gestrichen. US-Kampfflugzeuge eskortierten mehrere britische und französische Passagiermaschinen bis zur Landung.

Der British Airways-Flug BA 223 nach Washington sei wie am Vortag aus Sicherheitsgründen gestrichen worden, teilte BA in London mit. Am Neujahrstag hatte ein BA-Sprecher gesagt, die Verbindung sei "auf Anraten der Regierung" ausgesetzt worden. Mehrere hundert Fluggäste waren betroffen. Der namhafte britische Sicherheitsexperte Timothy Garden bezeichnete die Annullierung des BA-Fluges als "recht außergewöhnlich". Offenbar seien die Geheimdienstinformationen in diesem besonderen Fall so gut und die Gefahr eines Anschlages so hoch gewesen, dass dies gerechtfertigt gewesen sei.

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen wurde am Donnerstag auch ein Flug der mexikanischen Fluggesellschaft Aeroméxico in die USA gestrichen. Die Regierungen beider Länder hätten auf Grund von "glaubwürdigen Geheimdienstinformationen" beschlossen, die tägliche Verbindung zwischen Mexiko-Stadt und Los Angeles an Silvester und an Neujahr auszusetzen, teilte die US-Botschaft in Mexiko-Stadt mit.

Fehler der US-Bundespolizei FBI haben zur Streichung von sechs Weihnachtsflügen bei Air France geführt. Wie das Pariser Innenministerium mitteilte, hatten sechs als Terror-Verdächtige eingestufte Passagiere Namen, die denen mutmaßlicher Terroristen ähnelten. Nach Informationen des "Wall Street Journal" geriet unter anderem ein Kind ins Visier der Ermittler, weil es einen ähnlichen Namen trägt wie der Chef einer tunesischen Terrorgruppe. Der französische Verkehrs-Staatssekretär Dominique Bussereau bestätigte, dass US-Jagdbomber zuletzt Air-France-Maschinen bei der Landung in Los Angeles eskortierten.

FBI-Vertreter bei der US-Botschaft in Paris hatten der französischen Regierung wenige Tage vor Weihnachten eine Liste mit sechs verdächtigen Namen übergeben. Dazu übermittelten sie Informationen, El-Kaida-Terroristen planten möglicherweise die Entführung einer Air-France-Maschine und ihren Absturz auf amerikanischem Boden - nach dem Muster der Anschläge des 11. September 2001. Vor dem Hintergrund weltweiter Terrorangst strich die französische Regierung schließlich kurzfristig drei Hin- und Rückflüge zwischen Paris und Los Angeles am 24. und 25. Dezember. Die Fluggäste wurden überprüft und verhört; es gab aber keinerlei Verhaftung und kein Ermittlungsverfahren.

"Das FBI arbeitet mit Namen, und Namen haben Homonyme" (Namensvettern), hieß es nun beim Pariser Innenministerium. Der Abgleich von Namen aus den Listen von Terror-Verdächtigen werde erschwert, wenn es weder Vornamen noch Geburtsdatum gebe. Zudem seien die Schreibweisen ausländischer Namen oft unterschiedlich. Dem "Wall Street Journal" zufolge stellten sich die vermeintlichen Terroristen als ein Kind, ein Versicherungsvertreter aus Wales, eine ehemalige Betreiberin eines Pariser China-Restaurants sowie drei ebenfalls unschuldige Franzosen heraus.

Die Luftwaffen "der betroffenen Länder" befänden sich derzeit in erhöhter Alarmbereitschaft, sagte Bussereau dem Radiosender Europe 1. Daher könne es vorkommen, dass Zivilmaschinen durch Militärflugzeuge begleitet würden. "In den USA ist dies der Fall gewesen." Die "Washington Post" hatte unter Berufung auf Augenzeugen sowie Vertreter der US-Luftfahrtaufsicht berichtet, F-16-Bomber der US-Luftwaffe hätten am Dienstag und Mittwoch Air-France-Jets vor deren Landung in Los Angeles begleitet.

(Quellen: afp, ap)


 

Washington ist auch die Hauptstadt des Verbrechens

Sa.03.01.04 - Washington ist auch die Hauptstadt des Verbrechens in den USA. Wie die Zeitung "Washington Post" unter Berufung auf Zahlen der örtlichen Polizei berichtete, wurden im Jahr 2003 in der US-Hauptstadt 247 Menschen bei Verbrechen getötet. Damit sank die Rate gegenüber dem Vorjahr zwar um sechs Prozent. Im Vergleich zur Bevölkerungszahl führt Washington aber die Liste der US-Großstädte mit den meisten Morden und Totschlägen an.

In der US-Hauptstadt kamen dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr im statistischen Durchschnitt 4,32 tödliche Verbrechen auf 10.000 Einwohner, in Detroit waren es 4,24 und in Baltimore 4,04. Washington rangierte damit weit vor Los Angeles, das eine Quote von 1,3 verzeichnete, und New York mit einer Quote von 0,72. In den vergangenen fünf Jahren hat die Hauptstadt stets den ersten oder zweiten Platz unter den gewalttätigsten US-Städten eingenommen. Ein großer Teil der schweren Verbrechen ereignet sich in den armen und überwiegend von Schwarzen bewohnten Gegenden im Nordosten und Südosten Washingtons.

(Quelle: afp)


 

US-Industrie nimmt weiter Fahrt auf

Sa.03.01.04 - Die US-Industrie hat Ende des abgelaufenen Jahres ihr Wachstumstempo überraschend gesteigert. Ein kräftiger Schub bei Auftragseingang und Beschäftigung lässt für 2004 eine weitere Beschleunigung der Branchenerholung und Stellenzuwächse erwarten.

Das zeigt der am Freitag vorgelegte Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager, der im Dezember auf den höchsten Stand seit 20 Jahren stieg. Bei den Neuaufträgen ergab sich sogar das höchste Niveau seit mehr als 50 Jahren. Analysten sprachen von einem erstaunlich starken Bericht. Auch die Finanzmärkte reagierten erfreut auf die Daten. Die Börsen beiderseits des Atlantiks bauten ihre Kursgewinne aus, der Dollar legte zum Euro zu. Der Euro fiel damit wieder unter die Marke von 1,26 Dollar. Auch die Kurse der Staatsanleihen gaben nach.

Der Einkaufsmanager-Index kletterte auf 66,2 (November 62,8) Punkte, wie das Institute of Supply Management (ISM) mitteilte. Damit zeigt das Verarbeitende Gewerbe nach ISM-Angaben das stärkste Wachstum seit Dezember 1983. Analysten hatten demgegenüber im Durchschnitt einen Rückgang auf 61,0 Punkte vorausgesagt. Ein Index-Wert von über 50 Punkten deutet auf eine Expansion im Verarbeitenden Gewerbe hin, Werte darunter zeigen ein Schrumpfen an.

Bei den Neuaufträgen ergab sich mit 77,6 (73,7) ein beschleunigter Zuwachs. Der Teilindex stieg damit nach ISM-Angaben auf den höchsten Stand seit Juli 1950. Der Beschäftigungsindex kletterte auf 55,5 (51,0) Punkte und zeigt damit den zweiten Monat in Folge einen Stellenzuwachs an. Der Preisindex stieg auf 66,0 (64,0) Zähler.

"Das ist stark, stark, stark", kommentierte Ram Bhagavatula von Royal Bank of Scotland in New York die Zahlen. "Es gibt keine schwachen Punkte." Analystenkollege John Silvia von der Wachovia Bank ergänzte: "Es ist sehr positiv für die Perspektiven der Konjunktur insgesamt, weil es einen anhaltenden Aufwärtstrend im Verarbeitenden Gewerbe zeigt." Besonders erfreut zeigten sich Volkswirte über die Beschäftigungsentwicklung, die Positives für den Ende kommender Woche erwarteten Arbeitsmarktbericht für Dezember verheiße.

(Quelle: rtr)


 

Nahost-Konflikt

Israelische Armee rückt erneut in Dschenin ein +++ Anschlag in Nablus auf israelisches Militärfahrzeug +++ Israelische Soldaten verletzen zwei Palästinenser in Nablus +++ Ägypten vermittelt weiter in Nahost

Sa.03.01.04 - Nur 24 Stunden nach Aufhebung einer viermonatigen Blockade ist die israelische Armee erneut in Dschenin im Norden des Westjordanlandes eingerückt. Rund 15 Geländewagen und Panzer seien in die Stadt vorgedrungen und hätten mehrere Häuser im Osten umzingelt, berichteten palästinensische Sicherheitskräfte und Augenzeugen am späten Freitagabend. Dabei sei es zu Zusammenstößen mit bewaffneten Palästinensern gekommen. Ein Sprecher der Armee erklärte, die Militäraktion stelle keine erneute Besetzung der Stadt dar. Die Truppen nähmen lediglich Routinedurchsuchungen vor. Die Armee war Mitte August nach einem Selbstmordanschlag in Jerusalem mit einem Großaufgebot in Dschenin eingerückt und erst in der Donnerstag abgezogen.

Auf ein israelisches Militärfahrzeug ist am Freitagabend in Nablus im Westjordanland ein Bombenanschlag verübt worden. Nach Angaben der Streitkräfte wurde niemand verletzt. Eine am Strassenrand versteckte Bombe sei in unmittelbarer Nähe des Geländewagens detoniert hiess es. Die Explosion erschütterte die Stadt und führte in der Gegend zu einem Stromausfall.

Israelische Soldaten haben am Freitagabend in Nablus  zwei junge Palästinenser angeschossen. Die Soldaten eröffneten das Feuer auf eine Gruppe von Palästinensern, die mit Steinen warfen, wie Augenzeugen und Krankenhausmitarbeiter berichteten. Ein mit scharfer Munition in Bauch, Arm und Bein getroffener 21-Jähriger schwebe in Lebensgefahr. Der zweite Verletzte sei von Gummigeschossen getroffen worden. Die israelischen Streitkräfte haben in den vergangenen zwei Wochen in Nablus auf der Suche nach palästinensischen Extremisten zahlreiche Razzien durchgeführt.

Die ägyptische Regierung will derweil einen neuen Versuch unternehmen, die militanten palästinensischen Untergrundgruppen zu einer Waffenruhe zu bewegen. Wie die palästinensische Regierung am Freitag mitteilte, wird der ägyptische Geheimdienstchef General Omar Suleiman in der kommenden Woche in die Autonomiegebiete reisen. Damit reagierte Kairo auf die Bitte des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat, die Vermittlungsanstrengungen fortzusetzen.

Arafat hatte den ägyptischen Sondergesandten Osama el Bas am Donnerstag in Ramallah um eine neue Initiative ersucht. "Ägypten hat zugestimmt", sagte der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat. Ein genaues Datum für die Reise Suleimans nannte er nicht. Der Geheimdienstchef stand an der Spitze einer ägyptischen Delegation, die den palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Kureia schon im November und Dezember bei dem Bemühen um eine Waffenstillstandserklärung der radikalen Gruppen unterstütze.

Der neue Versuch, die militanten Organisationen zum Einstellen der Gewalt zu bewegen, wird durch die jüngsten israelischen Militäraktionen erschwert: Mitte der Woche versuchte die israelische Luftwaffe erfolglos, zwei Hamas-Führungsmitglieder im Gazastreifen zu töten. In der Vorwoche wurden drei Mitglieder des Islamischen Dschihad von israelischen Raketen getötet. Unmittelbar darauf riss ein palästinensischer Selbstmordattentäter in der Nähe von Tel Aviv vier Israelis mit in den Tod.

(Quellen: afp, ap)


 

USA lehnen Aufhebung der Sanktionen gegen Libyen ab

Regierungssprecher: Waffenprogramme müssen zunächst tatsächlich eingestellt werden +++ Powell und ElBaradei erörtern Streit um Atomkontrollen in Libyen

Sa.03.01.04 - Die USA haben Forderungen Libyens nach einer Aufhebung der Sanktionen gegen das nordafrikanische Land zurückgewiesen. Eine Neugestaltung der Beziehungen zu Libyen komme erst in Frage, wenn das nordafrikanische Land seine Programme für Massenvernichtungswaffen wie angekündigt einstelle, sagte ein Regierungssprecher am Freitag. Die Ankündigung als solche reiche nicht aus.

Der libysche Ministerpräsident Schukri Ghanim hatte gefordert, Washington müsse die Sanktionen bis spätestens Mitte Mai aufheben. Dies sei eine angemessene Gegenleistung für die Zulassung internationaler Inspektionen in den libyschen Fabriken und Labors, sagte Schukri in einem Interview mit der «New York Times». Vor einer Woche hatten Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erstmals vier Atomanlagen in Libyen besichtigt.

Schukri stellte der US-Regierung ein Ultimatum bis zum 12. Mai, um alle im Jahr 1986 verhängten Sanktionen aufzuheben. Andernfalls werde Libyen die Hinterbliebenen des Lockerbie-Anschlags von 1988 nicht mit weiteren sechs Millionen Dollar für jedes Opfer entschädigen. Im August hatte der nordafrikanische Staat nach jahrelangen Verhandlungen die Verantwortung für den Anschlag auf die Pan-Am-Maschine über der schottischen Ortschaft Lockerbie übernommen, bei dem 270 Menschen getötete worden waren.

Der amerikanische Außenminister Colin Powell hat derweil mit IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei über eine Beilegung des Streits um die Kontrollen libyscher Atomanlagen gesprochen. Das sagten Diplomaten am Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien am Freitag.

Bei dem Streit zwischen den USA und der IAEA geht es um die Frage, wer die führende Rolle bei der Überwachung des Abbaus des mutmaßlichen libyschen Atomprogramms übernehmen soll. ElBaradei reagierte am Dienstag mit Ablehnung auf die geplante Entsendung amerikanischer Waffeninspektoren nach Libyen. Die IAEA sei bei ihren Kontrollen nicht auf die Hilfe der USA angewiesen, sagte er. Die US-Regierung hatte zuvor angekündigt, im Januar ein erstes Team von Inspektoren nach Libyen schicken zu wollen, um den Abbau des mutmaßlichen Atomprogramms zu überwachen.

Powell sprach sich Gewährsleuten zufolge in dem Telefongespräch mit ElBaradei dafür aus, die öffentliche Diskussion darüber zu beenden. Es sei vereinbart worden, bei der Erörterung dieses Themas diplomatische Kanäle zu nutzen, sagte einer der Diplomaten, die namentlich nicht genannt werden wollten. Ein anderer sagte, die amerikanische Seite beharre jedoch weiter auf ihrer Position, dass ihr bei der Kontrolle eine Schlüsselrolle zukommen solle.

Der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi hatte am 19. Dezember den Verzicht seines Landes auf Massenvernichtungswaffen erklärt

(Quelle: ap)


 

Iran will vorerst keine US-Delegation empfangen

Sa.03.01.04 - Die iranische Regierung ist vorerst nicht bereit, eine hohe humanitäre US-Delegation zu empfangen. Teheran wolle, dass der Vorschlag zunächst «in der Schwebe gehalten werden», sagte US-Außenamtssprecher Adam Ereli am Freitag. Erst müsse abgewartet werden, wie sich die Situation im Land nach dem verheerenden Erdbeben entwickle.

Die Delegation soll von der früheren Präsidentin des amerikanischen Roten Kreuzes und amtierenden Senatorin Elizabeth Dole geleitet werden. Am Donnerstag übermittelten UN-Diplomaten der iranischen Regierung das Angebot Washingtons. Die Mission habe eine rein humanitäre Aufgabe, um den Erdbebenopfern zu helfen, sagte Ereli.

Gleichwohl würde der Iran-Besuch Doles als klares Zeichen aufgefasst, dass die US-Regierung an einer politischen Öffnung gegenüber Teheran interessiert ist: Es wäre das erste Mal seit der Besetzung der US-Botschaft in Teheran 1979, dass Vertreter Washingtons offiziell Iran besuchen. Wie aus dem Weißen Haus verlautete, soll möglicherweise ein Mitglied der Familie von Präsident George W. Bush die Delegation begleiten.

Bush machte derweil eine Verbesserung der Beziehungen zu Iran von politischen Zugeständnissen Teherans abhängig. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag machte er deutlich, dass er bei aller Unterstützung für die Erdbebenopfer an seiner Kritik an Teheran festhält. Die iranische Regierung müsse inhaftierte Mitglieder des Terrornetzwerks El Kaida ausliefern, ihr Atomprogramm aufgeben und das Land demokratisieren, forderte Bush.

Er betonte, die USA unterstützten die Demokratiebewegung in Iran: «Die iranische Regierung muss auf die Stimmen derer hören, die sich nach Freiheit sehnen.» Vor zwei Jahren hatte Bush Iran zusammen mit Irak und Nordkorea als «Achse des Bösen» bezeichnet. In den vergangenen Tagen gab es jedoch Anzeichen für eine Entspannung der Beziehungen. So lockerten die USA am Mittwoch ihre Ausfuhrbestimmungen für Iran, um den Erdbebenopfern zu helfen.

Im staatlichen iranischen Radio wurde Bush vorgeworfen, er habe erneut versucht, sich in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen. Bush habe demonstriert, dass die USA ihre feindliche Politik gegenüber Iran nicht verändert hätten. Washington habe erneut versucht, seine heuchlerische Politik umzusetzen und eine Spaltung zwischen dem iranischen Volk und der Regierung herbeizuführen, hieß es weiter. Dies werde jedoch nicht gelingen.

(Quelle: ap)


 

Bam: Hunderte Kinder suchen nach Erdbeben Eltern

Sa.03.01.04 - Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in Iran suchen nach UNICEF-Angaben mehrere hundert Kinder nach Eltern oder anderen Angehörigen. Viele Kinder seien so traumatisiert, dass sie nicht einmal ihren vollen Namen angeben könnten, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen am Freitag in Köln mit.

Die Zahl der Toten durch das Beben von Bam wird weiterhin mit mehr als 30 000 angegeben. Unterdessen wurden am Freitag bei einem starken Erdbeben auf den indonesischen Ferieninseln Bali und Lombok mindestens 30 Menschen verletzt. Am Neujahrstag bebte auch im Zentrum Mexikos die Erde.

Ein Zusammenhang zwischen den jüngsten Erdstößen und dem Beben in Iran besteht nach Expertenauskunft nicht. «Wenn ein Gebiet bereits unter Spannung steht, kann zwar ein Erdbeben in Nachbarregionen die Erdstöße auslösen, bei den aktuellen Beben war das aber nicht der Fall», sagte Prof. Rainer Kind vom Geoforschungszentrum Potsdam am Freitag in einem dpa-Gespräch. Es gebe derzeit auch nicht mehr Erdbeben als sonst. «Die Lage ist völlig normal, die starke Aufmerksamkeit hängt mit der Katastrophe in Iran zusammen.»

UNICEF zufolge sind in Bam 2 Krankenhäuser, 23 Gesundheitszentren und 97 kleinere Gesundheitsstationen zerstört worden. Bis zu zwei Drittel der medizinischen Mitarbeiter seien durch das Erdbeben getötet oder verletzt worden, berichtete das Kinderhilfswerk unter Berufung auf die iranischen Behörden weiter.

Inzwischen hat ein mobiles Rotkreuz-Krankenhaus in Bam den Betrieb aufgenommen. Es soll die Gesundheitsversorgung für 240 000 Menschen während der nächsten Monate sicherstellen, wie das Rote Kreuz in Berlin mitteilte. Das Rote Kreuz rief zu weiteren Spenden auf.

In Indonesien wurden durch den Erdstoß der Stärke 6,1 nach Behördenangaben am Freitag mehr als 200 Gebäude beschädigt, in Straßen klafften Risse. Viele Einwohner rannten in Panik aus ihren Häusern, nachdem sie am frühen Morgen im Schlaf von den schweren Erschütterungen überrascht worden waren. Dem schweren Erdstoß folgten mehrere Nachbeben.

Das Epizentrum lag nach indonesischen Angaben rund 30 Kilometer vor der Küste Balis in der Straße von Lombok, einer schmalen Meerenge zwischen den beiden benachbarten Urlauberinseln, auf denen zurzeit Nebensaison ist. Indonesien verzeichnet jedes Jahr Hunderte von Erdbeben. Die wenigsten davon richten allerdings größere Schäden an.

Ein starkes Beben verzeichneten Seismologen am Neujahrstag in Mexiko-Stadt. In Teilen der Innenstadt wurden Gebäude vorsorglich evakuiert. An einigen Stellen fiel vorübergehend der Strom aus, es gab aber nur leichte Gebäudeschäden. Die Stärke des Bebens, dessen Epizentrum nahe der Pazifikküste im südlichen Bundesstaat Guerrero lag, wurde mit 6,3 angegeben.

(Quelle: dpa)


 

 

Spendenkonten für Erdbebenopfer

Das Bündnis der Hilfsorganisationen «Aktion Deutschland Hilft» hat am Samstag zu Spenden für die Erdbebenopfer in Iran aufgerufen. Zu den angeschlossenen Organisationen gehören Die Johanniter, Malteser Hilfsdienst, Arbeiter-Samariter-Bund, Arbeiter-Wohlfahrt, HELP - Hilfe zur Selbsthilfe, CARE, Paritätischer Wohlfahrtsverband, ADRA und World Vision. Das Spendenkonto lautet: Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00), Kontonummer 10 20 30, Stichwort: Iran.

Weitere Spendemöglichkeiten:

Caritas International: Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
(BLZ 660 205 00), Kontonummer 202, Stichwort: Iran Erdbeben

Diakonie Katastrophenhilfe: Postbank Stuttgart (BLZ 600 100 70), Kontonummer 502 707, Stichwort: Iran Erdbeben

Deutsches Rotes Kreuz: Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00), Kontonummer 41 41 41, Stichwort: Iran

UNICEF: Sozialbank Köln (BLZ 370 205 00), Kontonummer 300 000, Stichwort: Erdbeben Iran

HELP: Dresdner Bank Bonn/Köln (BLZ 370 800 40), Kontonummer 4444, Stichwort: Erdbebenhilfe Iran

 


 

Börsen in Fernost setzen auf Wachstum in 2004

Sa.03.01.04 - Hoffnungen auf ein solides Wirtschaftswachstum 2004 haben den Börsen in Fernost am Freitag zum Beginn des neuen Jahres überwiegend Auftrieb verliehen. Der Aktienmarkt in Tokio blieb über die verlängerten Silvester/Neujahr-Feiertage geschlossen. Der Handel wird erst am Montag wieder aufgenommen.

Der Aktienmarkt in HONGKONG schloss fester. Die Anleger setzten nach Händlerangaben darauf, dass die Unternehmen im neuen Jahr angesichts eines sich beschleunigenden weltweiten Wirtschaftswachstums besser Ergebnisse erzielen sollten. Der Hang Seng Index stieg um 1,79 Prozent auf 12.801,48 Zähler. Auftrieb erhielt der Markt durch die Aktie des Bankgiganten HSBC, die 1,22 fester auf 124 HKDollar schloss. Im Tagesverlauf hatte der Titel mit 124,50 ein neues Rekordhoch verzeichnet. HSBC hat zusammen mit Citibank einen ersten Zugang zum chinesischen Kreditkartenmarkt gewonnen und wird lokalen Kreditkartenfirmen technische und Managementunterstützung gewähren. Gesucht waren daneben vor allem solche Aktien, die eine Teilnahme an der boomenden chinesischen Wirtschaft ermöglichen. Dazu zählten auch Ölwerte, die von Hoffnungen auf einen weiterhin hohen Ölpreis befördert worden. Der H-Aktien-Index, der sich im Jahr 2003 verdoppelt hatte, stieg mit 6,83 Prozent auf 342,88 Zähler deutlich stärker an als der breite Markt. Die Aktie des chinesischen Computerherstellers Legend machte einen fünfprozentigen Kurssprung auf 3,50 HKDollar.

An der AUSTRALISCHEN BÖRSE glichen die kräftigen Kursgewinne im Index-Schwergewicht News Corp die uneinheitliche Tendenz in den Rohstoffwerten und im Bankbereich aus und der Markt schloss gehalten. Die Umsätze waren angesichts einer feiertagshalber verkürzten Sitzung gering. Der S&P/ASX 200 Index, der sich im alten Jahr fast zehn Prozent verbessert hatte, legte am ersten Handelstag von 2004 gerade 0,9 Punkte oder 0,03 Prozent zu auf 3300,7 Zähler. Der Markt befinde sich in einer guten Verfassung und die Aussichten seien positiv, so Martin Lakos, Macquarie Equities Associate Director. Die Aktie der von Rupert Murdoch kontrollierten News Corp stieg um zwei Prozent auf 12,23 australische Dollar. Der Titel verzeichnete das höchste Kursniveau seit Mitte November. Die Gruppe erzielt rund drei Viertel ihres Umsatzes in den USA. Unter den überwiegend schwächeren Rohstoffwerten verloren BHP 0,3 Prozent auf 12,16 austrDollar. WMC gaben zwei Prozent auf 5,52 austrDollar nach. Dagegen konnten Rio Tinto 0,5 Prozent auf 37,38 austr.Dollar zulegen.

In SÜDKOREA stieg der Aktienindex beflügelt von einem positiven Ausblick des Automobilherstellers Hyundai Motor um 1,30 Prozent auf 821,26. Südkoreas grösster Automobil-Konzern will 2004 deutlich mehr Fahrzeuge verkaufen als im abgelaufenen Jahr. Das Unternehmen rechnet dabei vor allem mit einem verbesserten US-Markt und einer anziehenden heimischen Nachfrage.

(Quelle:rtr )


 

Rahmen für Freihandelsabkommen in Südasien geschaffen

Sa.03.01.04 - Vor dem Gipfeltreffen der Südasiatischen Vereinigung für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) haben sich die Außenminister der sieben beteiligten Staaten auf den Rahmen für ein Freihandelsabkommen geeinigt. Wie der indische Außenamtsstaatssekretär Shahshank am Freitag in Islamabad erklärte, sieht die Vereinbarung den Abbau der Zollschranken ab 2006 vor. Informelle Konsultationen der Außenminister hätten zu diesem Ergebnis geführt, sagte Shahshank. Er sprach von einem historischen Gipfel.

Das eigentliche Treffen der Staats- und Regierungschef beginnt am Sonntag. Dabei wird es voraussichtlich zum ersten Treffen des indischen Ministerpräsidenten Atal Bihari Vajpayee mit dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf seit mehr als zwei Jahren kommen. Die Schaffung einer Freihandelszone in der Region hatte sich in den vergangenen Jahren unter anderem wegen des indisch-pakistanischen Konflikts mehrfach verzögert. Seit dem Frühjahr gehen von beiden Staaten aber Signale der Entspannung aus. Der 1985 gegründeten SAARC gehören Pakistan, Indien, Bangladesch, Sri Lanka, Nepal, Bhutan und die Malediven an.

(Quelle: ap)


 

Sechs Tote und 25 Verletzte bei Zwischenfällen in Kaschmir

Sa.03.01.04 - Kurz vor einem Besuch des indischen Ministerpräsidenten in Pakistan sind bei Angriffen mutmaßlicher muslimischer Extremisten im indischen Teil Kaschmirs mindestens sechs Menschen getötet und 25 weitere verletzt worden. In der Stadt Jammu liefen nach Fernsehberichten zwei Angreifer in das Bahnhofsgebäude hinein und feuerten in die Luft. Bei der anschließenden Schießerei seien die beiden Extremisten sowie vier indische Sicherheitsbeamte getötet worden. Einer der Angreifer trug nach Polizeiangaben einen Sprengstoffgürtel.

Kurz zuvor wurden bei einem Granatenanschlag mutmaßlicher Rebellen in Kaschmir mindestens acht Menschen verletzt. Die Angreifer warfen die Granate auf einen Militärkonvoi in Bijbehara, rund 50 Kilometer südlich von Srinagar, verfehlten nach Angaben von Sicherheitskräften aber ihr Ziel und trafen mehrere Passanten. Im indischen Unionsstaat Jammu-Kaschmir kämpfen mehr als ein Dutzend muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss an Pakistan. Dem Aufstand fielen seit rund 14 Jahren mehr als 65.000 Menschen zum Opfer.

(Quellen: dpa, ap, rtr)


 

Birma erklärt internationale Kritik für kontraproduktiv

Sa.03.01.04 - Die birmanische Militärjunta hat sich gegen internationale Kritik an der Inhaftierung zahlreicher Oppositioneller verwahrt. Der Druck aus dem Ausland würde die beabsichtigten Reformen nur verzögern, sagte Ministerpräsident Khin Nyunt Zeitungsberichten vom Samstag zufolge bei einem Treffen mit ausländischen Diplomaten und Vertretern der Vereinten Nationen. Die UN bemühen sich seit Monaten um eine Freilassung der Ende Mai inhaftierten Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi.

Regierungschef Khin Nyunt hatte im August die Erarbeitung einer neuen Verfassung angekündigt, die den Weg zu freien Wahlen ebnen soll. Einen Zeitplan dafür gab er jedoch nicht bekannt. «Wir sind entschlossen, den Sieben-Punkte-Plan umzusetzen», sagte Khin Nyunt bei dem Treffen am Freitag.

Die Junta hatte erstmals 1990 Wahlen zugelassen, sich dann aber nach ihrer Niederlage geweigert, die Macht an Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie (NLD) abzugeben. Eine Nationalversammlung begann 1993 mit den Arbeiten an einer neuen Verfassung, die von der NLD aber als undemokratisch zurückgewiesen wurde. Sie zog sich 1995 ganz aus diesem Prozess zurück.

(Quelle: ap)


 

EU-Kommissar Verheugen plädiert für 'Europa der zwei Geschwindigkeiten'

Sa.03.01.04 - Der deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen hat sich für ein so genanntes Europa der zwei Geschwindigkeiten ausgesprochen. Eine engere Zusammenarbeit einiger EU-Staaten in bestimmten Politikfeldern sei wahrscheinlich «der sicherste Weg», um die europäische Einigung voranzubringen, sagte Verheugen in einem Interview von NDR Info am Freitag. Ein solches Voranschreiten einiger Staaten funktioniere schon: «Wir haben das bereits beim Euro, wir haben das bei der Einwanderungspolitik und der Einreisepolitik.»

Der für die EU-Erweiterung zuständige Kommissar betonte, mit demnächst 25 oder mehr Staaten werde die Gemeinschaft über kurz oder lang an ihre Grenzen stoßen. «Wir werden aber auf der anderen Seite mehr Europa brauchen», sagte Verheugen. In der Außen- und Sicherheitspolitik, der Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie der Innen- und Rechtspolitik müssten einige voran gehen. «Wir können nicht hinnehmen, dass auf Dauer das langsamste Schiff das Tempo des Geleitzuges bestimmt», betonte der Kommissar.

Verheugen zeigte sich überzeugt, «das geografische und politische Zentrum Europas» werde künftig auf der Achse Paris-Berlin-Warschau liegen. Dies gelte, obwohl der EU-Gipfel zu europäischen Verfassung im Dezember unter anderem an der harten Haltung Polens scheiterte. Vor dem Gipfel in Brüssel sei nicht intensiv genug miteinander gesprochen worden, meinte Verheugen. In Sachen Verfassung stehe die Union aber nicht unter besonderem Zeitdruck: «Es ist nicht so, dass das jetzt innerhalb von Monaten fertig werden muss.»

(Quelle: dpa)


 

Autoabsatz in Frankreich 2003 um 6,3 Prozent eingebrochen

Sa.03.01.04 - Der Autoabsatz in Frankreich ist im abgelaufenen Jahr um 6,3 Prozent eingebrochen. Analysten erwarten keine nachhaltige Markterholung für 2004.

Wie der nationale Branchenverband CCFA am Freitag mitteilte, fielen die Verkäufe damit auf 2,01 Millionen Fahrzeuge. Der französische Automarkt wurde 2003 insbesondere von der hohen Arbeitslosigkeit, einem schwachen Konsumklima und der Hitzewelle im Sommer belastet. Die heimischen Anbieter sehen sich verstärktem Gegenwind durch ausländische Produzenten ausgesetzt. So ging der Marktanteil der beiden französischen Branchengrößen Renault  und PSA Peugeot Citroen auf 59,6 Prozent von 60,0 Prozent zurück. Vor allem die japanischen Konkurrenten Toyota und Nissan sowie der US-Konzern General Motors werben heftig um die Gunst der Autofahrer in Frankreich.

Die Lage des französischen Markts ist deutlich schlechter als die des deutschen oder britischen. In Deutschland rechnete der Branchenverband VDA für 2003 zuletzt mit einem stagnierenden Autoabsatz von 3,25 Millionen und für 2004 mit einem Plus von drei Prozent auf 3,35 Millionen Pkw. In Frankreich gehen die meisten Analysten von einer bestenfalls geringfügigen Verkaufssteigerung aus.

(Quelle: rtr)


 

Französische Schausteller besetzen Gebäude der Académie de France in Rom

Protest gegen die Kürzung ihrer Arbeitslosenhilfe durch französische Regierung

Sa.03.01.04 - Rund 50 französische Schausteller haben am Freitag das Gebäude der Académie de France in Rom besetzt. Sie protestierten damit gegen die Kürzung ihrer Arbeitslosenhilfe durch die französische Regierung. Nach einigen Stunden räumte die Polizei das Gebäude im Zentrum der italienischen Hauptstadt, die Demonstranten wurden in Polizeifahrzeugen abtransportiert.

Auf ihren Plakaten, die sie aus den Fenstern der Akademie gehängt hatten, forderten sie «Soziale Rechte für alle». Sie riefen alle Schauspieler auf, sich mit den nur zeitweise im Unterhaltungsgewerbe Beschäftigten zu solidarisieren. Nach Angaben eines Polizeisprechers sollte die Gruppe auf freien Fuß gesetzt werden, sobald die Personalien der Demonstranten festgestellt seien.

(Quelle: ap)


 

Gesetz zum Pariser Kopftuch-Verbot kommt bereits nächste Woche

Sa.03.01.04 - Die französische Regierung will bereits in der kommenden Woche ein Gesetz zum Verbot moslemischer Kopftücher und anderer auffälliger religiöser Zeichen an den öffentlichen Schulen vorlegen. Das kündigten Mitarbeiter von Premierminister Jean-Pierre Raffarin am Freitag an. Der Text des Gesetzes zur näheren Auslegung der weltanschaulichen Neutralität des Staates soll demnach Anfang kommender Woche beim Pariser Verfassungsrat eingebracht werden, der alle Gesetze auf Verfassungsmäßigkeit überprüfen muss. Staatspräsident Jacques Chirac hatte die Regierung Mitte Dezember mit einer gesetzlichen Regelung beauftragt.

Das Gesetz solle den Angaben zufolge nur aus zwei Paragrafen bestehen. Der erste Paragraf soll das Tragen auffälliger religiöser Symbole in Frankreichs öffentlichen Schulen verbieten. Im zweiten Paragrafen wird festgelegt, dass dieses Gesetz zum Beginn des Schuljahres 2004/2005 im September in Kraft treten soll. Bildungsminister Luc Ferry hatte zuletzt gesagt, er werde das Gesetz persönlich ausarbeiten. Er wolle dabei nur "offensichtlich zur Schau getragene" Symbole wie große christliche Kreuze, islamische Kopftücher und jüdische Kippas verbieten. In keinem Falle würden sämtliche "sichtbare Zeichen" wie kleinere Kreuze, Davidsterne oder Fatima-Hände untersagt; dies halte er für verfassungswidrig.

(Quelle: afp)


 

 

Frankreich grenzt Muslime ökonomisch und sozial aus. Anstatt Regeln über Kopftücher aufzustellen, sollte Chirac sich mit der Hoffnungslosigkeit in den Vorstädten befassen ...

... meint Marwan Bishara in der "tageszeitung" vom 03.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/03/a0157.nf/text

Marwan Bishara ist Publizist und Dozent an der American University in Paris. Unter anderem ist er Autor von "Palestine Israel: Peace or Apartheid. Prospects for Resolving the Conflict", ZED Press, London 2001
 


 

Deutschland

Weiter Kritik an Raus Haltung zu Kopftuchverbot

Der Bundespräsident verteidigt seine Position im Kopftuchstreit

Sa.03.01.04 - Die Äußerungen von Bundespräsident Johannes Rau zum Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen sorgen weiter für Kritik. «Der Bezug auf christliche Quellen unserer Werteordnung und Grenzen der Verfügbarkeit ist auch in der Form religiöser Symbole im öffentlichen Raum heute aktuell», schrieb CDU-Chefin Angela Merkel in einem am Freitag veröffentlichten Brief an Parteifreunde zum Jahreswechsel. Der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas sagte der «Saarbrücker Zeitung» (Freitagausgabe): «Ich kann Rau nicht zustimmen.»

Das Staatsoberhaupt hatte erklärt, wenn das Kopftuch als Glaubensbekenntnis gelte, «dann muss das genauso gelten für die Mönchkutte, für den Kruzifixus». Dagegen schrieb Merkel: «Die Präambel unseres Grundgesetzes verweist mit ihrem Gottesbezug ebenso wie die Eidesformel auf eine Instanz jenseits menschlicher Macht und Machbarkeit.» Die Verbannung christlich inspirierter Traditionen und ihrer Symbole aus dem öffentlichen Raum sei keine Lösung. «Das hat nichts mit Diskriminierung anderer Religionen zu tun, sondern ist Ausdruck eines Lebenselementes unserer Kultur», schrieb sie an Mandats- und Funktionsträger der CDU.

Maas erklärte, das islamische Kopftuch sei auch ein Symbol für eine Stellung der Frau in der Gesellschaft, wie sie der grundgesetzlichen Wertordnung nicht entspreche. Es gebe einen Unterschied zwischen dem Kopftuch und anderen religiösen Symbolen: «Aus einem Verbot des Kopftuchs im Unterricht kann ich ein Verbot von christlichen Symbolen im Klassenzimmer daher nicht ableiten.»

Ähnlich äußerte sich der außenpolitische Sprecher der CDU, Friedbert Pflüger. Die Gleichsetzung zwischen Kreuz und Kopftuch sei ein gefährlicher Irrtum, erklärte er. «Das Kreuz ist das entscheidende religiöse Symbol des Christentums. Das Kopftuch dagegen ist in erster Linie ein politisches Symbol für Islamismus.»

Bundespräsident Johannes Rau hat unterdessen seine Position im Kopftuchstreit verteidigt. Die Verfassung gebiete eine Gleichbehandlung der Religionen im öffentlichen Raum, also auch in den Schulen, sagte Rau der "Welt am Sonntag". "Damit wird ja nicht unser christliches Erbe infrage gestellt." An die Adresse seiner Kritiker gerichtet, erklärte der Bundespräsident, manche hätten offenbar "nur die Überschriften gelesen". Er habe sich nicht für oder gegen Kopftuch tragende Lehrer ausgesprochen. Rau forderte, die Entscheidungen, die jetzt in den Ländern dazu getroffen würden, sollten auch konsequent sein. "Das heißt: Wenn man das Kopftuch als religiöses Erkennungszeichen an Schulen verbietet, kann man die Mönchskutte nur schwer verteidigen."

Wer nach Deutschland komme, dürf seine kulturelle Tradition, seinen persönlichen Glauben mitbringen, "aber er darf nicht die Frauen herabwürdigen, die Meinungsfreiheit infrage stellen", mahnte Rau. Es gebe Grundrechte, die für alle gelten müssten und die auch alle respektieren müssten. Der Bundespräsident sprach sich für einen Dialog der verschiedenen Kulturen in Deutschland auf dem Boden des Grundgesetzes aus, dessen Grenze allein die Gesprächsverweigerung des Fundamentalismus ziehe, ganz gleich ob muslimischer, christlicher oder jüdischer Provenienz.

Rau forderte weiter eine schnelle Einigung im Streit um das neue Zuwanderungsgesetz. Er hoffe sehr, dass er mit dem Gesetz Anfang dieses Jahres noch ein "großes Gesetz" zur Unterschrift bekomme, denn "dieser Stillstand" tue niemandem gut. "Weder uns in Deutschland noch denen, die zu uns kommen oder kommen wollen, in Wissenschaft, Wirtschaft, als Studenten und Hochschullehrer, als Zuwanderer oder Asylbewerber. Alle brauchen endlich Klarheit." Die Differenzen zwischen Regierung und Opposition seien nicht so groß, als dass keine Einigung gefunden werden könne.

(Quellen: afp, ap)


 

Unionsfraktions-Vize Bosbach fordert Verdachtsausweisung

Sa.03.01.04 - Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach fordert im Zusammenhang mit der Terrorgefahr neue Regeln für die Ausweisung von Ausländern. Behörden sei es momentan nicht möglich, jemanden bei konkretem Verdacht auszuweisen, sagte Bosbach im Deutschlandfunk. Das Ausländerrecht verlange einen Beweis für eine Ausweisung. Das könne dann schon die Tat sein, meinte Bosbach. Er fordert zudem die Aufnahme der Religionszugehörigkeit im Ausländerzentralregister.

(Quelle: dpa)


 

Gut 4,3 Millionen Arbeitslose im Dezember

Sa.03.01.04 - Die Arbeitslosigkeit ist im Dezember leicht gestiegen: Bundesweit waren 4,31 Millionen Menschen ohne Arbeit, wie «Die Welt» (Samstagausgabe) unter Berufung auf erste Berechnungen der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit (BA) berichtete. Dies wäre die höchste Dezember-Arbeitslosigkeit seit 1997; damals waren 4,52 Millionen Menschen ohne Job. Insgesamt waren den Angaben zufolge im Jahresdurchschnitt 2003 4,36 Millionen Menschen arbeitslos; das wäre die höchste Jahresarbeitslosigkeit seit 1997.

Im Vergleich zum November 2003 stieg die Arbeitslosigkeit dem Bericht zufolge im Dezember um rund 125.000. Arbeitsmarktexperten machten dafür saisonale Gründe verantwortlich, hieße es. Gegenüber Dezember 2002 ist die Arbeitslosigkeit im vergangenen Dezember um 85.000 gestiegen. Grund für diesen Anstieg ist die anhaltende Konjunkturkrise.

Nach Informationen der «Welt» hält es die BA mittlerweile für möglich, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2004 geringer sein wird als im Jahr 2003. Bisher hatten BA und Bundesregierung für dieses Jahr einen erneuten Anstieg der Arbeitslosenzahlen prognostiziert.

(Quelle: ap)


 

Schwarzarbeit im Haushalt soll Straftat werden

Sa.03.01.04 - Mit Bußgeldern in Höhe von mindestens 1500 Euro will die Bundesregierung künftig Schwarzarbeit auch in Privathaushalten als Straftat verfolgen. Dieses Strafmaß ist einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge in einem Gesetzentwurf vorgesehen, mit dem die Verfolgung der Schwarzarbeit in diesem Jahr deutlich verschärft werden soll. Die Strafe droht Privatleuten, die Putzhilfen oder Handwerker ohne Rechnung mithelfen lassen - bislang wird dies nur als Ordnungswidrigkeit geahndet. Der Entwurf werde derzeit mit den Ländern abgestimmt, bestätigte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums in Berlin.

Eckpunkte des Gesetzentwurfes zur Bekämpfung der Schwarzarbeit hatte das Bundesfinanzministerium bereits Ende Oktober vorgelegt. So sollen die Zahl der Ermittler deutlich erhöht und deren Kompetenzen ausgeweitet werden. Das Ministerium rechnet dabei mit zusätzlichen Steuereinnahmen in Höhe von jährlich mindestens einer Milliarde Euro. Das Gesetzgebungsverfahren soll bis Juli abgeschlossen werden, wie der Ministeriumssprecher sagte.

Dem "Handelsblatt" zufolge sollen mindestens 1500 Euro Bußgeld fällig werden, wenn Schwarzarbeiter in Privathaushalten den Zollfahndern auffallen und der Auftraggeber keine Rechnung von Putzfrau oder Handwerker vorlegen kann. Bisher begehen Privatleute eine Ordnungswidrigkeit, wenn sie jemanden für ein Handgeld arbeiten lassen. Stattdessen soll künftig generell jede nicht bei Sozial- oder Finanzbehörden angemeldete bezahlte Dienstleistung als Wirtschaftskriminalität gelten und vom zuständigen Zoll in enger Zusammenarbeit mit den Finanzämtern verfolgt werden.

Nachbarschaftshilfe darf dem Gesetzentwurf zufolge allenfalls durch "kleine Aufmerksamkeiten" wie einen Blumenstrauß oder eine Gartenpflanze belohnt werden, um nicht als Delikt zu gelten.

Mit Strafen müssen demnach auch Unternehmen rechnen, die Schwarzarbeit leisten oder Schwarzarbeiter beschäftigen. Vor allem am Bau sollen die Kontrollen verschärft werden; bei der Hinterziehung von Sozialabgaben ist die Umkehr der Beweislast zu Lasten der Unternehmer vorgesehen.

Der Gesetzentwurf ist der Bundesregierung zufolge im Bundesrat auf die Zustimmung der unionsgeführten Länder angewiesen. FDP-Chef Guido Westerwelle kritisierte den Entwurf als Versuch, "hinter jeden Werktätigen einen Finanzbeamten" zu stellen.

(Quelle:afp)


 

Zahl der Überstunden auf Rekordtief

Sa.03.01.04 - Die Zahl der Überstunden in Deutschland ist auf einem neuen Rekordtief. Mit insgesamt 1,529 Milliarden bezahlten Überstunden wurde 2003 der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung erreicht, wie die Zeitung «Die Welt» (Freitagausgabe) unter Berufung auf statistische Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit (BA) berichtete. Gegenüber 2002, als 1,626 Milliarden Überstunden erreicht wurden, sank demnach die Zahl um knapp sechs Prozent.

Dem Bericht zufolge leistete jeder Beschäftigte im abgelaufenen Jahr 44,6 bezahlte Überstunden, 2002 waren es 47,0. Als wichtigsten Grund für das Rekordtief nennen Arbeitsmarktexperten demnach die anhaltende Konjunkturschwäche. Ein zweiter Grund sei die zunehmende Verbreitung von Arbeitszeitkonten.

(Quelle: ap)


 

Stoiber will Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche

Sa.03.01.04 - Bayerns Ministerpräsident Stoiber hat sich dafür ausgesprochen, für alle Arbeitnehmer die 40-Stunden-Woche wieder einzuführen. In einem Interview vertrat Stoiber die Einschätzung, dass die meisten Arbeitnehmer bereit seien, bei gleichem Lohn in der Woche ein bis zwei Stunden länger zu arbeiten, wenn damit Arbeitsplatz und Einkommen gesichert werden könnten. Stoiber sagte, jede Stunde mehr Arbeit pro Woche bringe ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent und 60.000 neue Stellen.

(Quelle: br-Radionachrichten)


 

Industrie-Erholung gewinnt dank Neuaufträgen an Fahrt

Im Gegensatz zu Deutschland verlangsamte sich das Wachstum von Erzeugung und Neugeschäft in den anderen großen Ländern der Euro-Zone

Sa.03.01.04 - Die Geschäfte der deutschen Industrie haben sich im Dezember so deutlich verbessert wie seit drei Jahren nicht mehr. Die stärkste Zunahme von Neuaufträgen seit dem Boomjahr 2000 signalisierte, dass die konjunkturelle Erholung langsam an Boden gewinnt.

Der Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) sei zum Jahresschluss mit 53,0 Punkten auf den höchsten Stand seit Januar 2001 gestiegen, teilte am Freitag die britische Forschungsgruppe NTC mit, die den Index für Reuters ermittelt. Die Firmen profitierten trotz des starken Euro von einem kräftigen Anstieg der Bestellungen aus dem In- und Ausland und fuhren ihre Produktion deutlich hoch. "Das ist für deutsche Verhältnisse ein kräftiger Anstieg - Die Einkaufsmanager geben uns das sehr erfreuliche Signal, dass die Erholung an Fahrt gewinnt", zeigte sich Volkswirt Gerd Haßel von der ING BHF-Bank erfreut.

Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich einen Anstieg auf 52,0 von 51,1 Punkten im November erwartet. Im Gegensatz zu Deutschland verlangsamte sich das Wachstum von Erzeugung und Neugeschäft in den anderen großen Ländern der Euro-Zone. Adolf Rosenstock von Nomura International zeigt sich sehr überrascht über diese Entwicklung: "Der ehemalige Nachzügler Deutschland und die deutsche Industrie scheint sich an die Spitze gesetzt zu haben."

Werte über 50 Punkte signalisieren eine Verbesserung der Geschäfte im Vergleich zum Vormonat. Damit mehren sich die Signale, dass die deutsche Wirtschaft langsam Fahrt aufnimmt. "Der Einkaufsmanagerindex zeigt in der ganzen Euro-Zone ein relativ robustes Wachstum. Es ist sehr ermutigend, dass die Zahlen für Deutschland weiter steigen", sagte NTC-Volkswirt Luke Thompson. Auch andere Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex hatten zuletzt den Beginn einer Erholung angezeigt. Volkswirte und die Regierung gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft 2004 ihre dreijährige Stagnation mit einem Wachstum von eineinhalb bis zwei Prozent überwindet.

Eine bessere Geschäftslage im Inland und kräftige Nachfrage aus dem Ausland sorgten für den stärksten Anstieg des Auftragseingangs der deutschen Industrie seit August 2000: Der Index für das Neugeschäft stieg auf 56,8 Punkte. Zwar belastete der starke Euro das US-Geschäft deutscher Firmen, aber die Nachfrage aus den USA und Asien wuchs Thompson zufolge dennoch: "Die Verbesserung der weltwirtschaftlichen Lage überlagert die schädlichen Wirkungen der Euro-Stärke." Der US-Einkaufsmanagerindex zeigte zudem am Freitag, wie zügig die Erholung der US-Industrie vorankommt. Der überraschende Anstieg auf 66,2 von 62,8 Punkten signalisierte das kräftigste Wachstum im Verarbeitenden Gewerbe der USA seit 1983.

Einige Volkswirte warnten jedoch, dass deutsche Firmen die Änderung des Wechselkurses erst mit großer Verzögerung zu spüren bekommen werden. "Wir vermuten, dass der höhere Euro ab der zweiten Jahreshälfte das Wachstum der Industrieproduktion bremsen wird", sagte Gwyn Hacche von HSBC in London.

Dank des gestiegenen Auftragseingangs weiteten die deutschen Industrieunternehmen ihre Produktion im Dezember so stark aus wie seit Februar 2001 nicht mehr. Damit konnten die Firmen nach Angaben von NTC allerdings die Nachfrage nicht voll decken, so dass ihre Auftragsbestände stiegen und ihre Vorräte an fertigen Waren schrumpften.

Trotz wachsender Produktion und neuer Aufträge blieb der Druck zu Einsparungen bestehen: Die Firmen entließen auch im Dezember Mitarbeiter, wenngleich die Kündigungen im Vergleich zum November abnahmen. Mitschuld war NTC zufolge der Euro, der den Wettbewerb verschärfte. Thompson äußerte die Hoffnung, dass die Firmen ab Mitte 2004 wieder Beschäftigung schaffen.

In anderen Ländern der Euro-Zone kam die Erholung nicht so zügig voran wie in Deutschland. Der Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) für das Währungsgebiet stieg nur geringfügig auf 52,4 von 52,2 Zählern und blieb damit hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Er erreichte damit dennoch den höchsten Stand seit Januar 2001. In allen Ländern außer Griechenland verzeichnete die Industrie eine wachsende Nachfrage.

(Quelle: rtr)


 

Dax beendet ersten Handelstag 2004 über 4000 Punkten

Sa.03.01.04 - Der Deutsche Aktienindex Dax hat das Börsenjahr 2004 freundlich eingeläutet und gleich am ersten Handelstag die psychologisch wichtige 4000er Marke überschritten. Der Dax beendete den Computer-Handel Xetra am Freitag erstmals seit Juli 2002 über dieser Schwelle und wird nach Einschätzung von Experten in den kommenden Monaten weiter zulegen.

"Der Markt nimmt das für 2004 erwartete Wirtschaftswachstum - besonders in den USA - vorweg", erklärte Händler Raed Mustafa von der BW Bank die Kursgewinne zu Jahresbeginn. "Man sollte aber die Bewegung vom Freitag nicht überschätzen, die Umsätze waren noch sehr gering." Günstige Konjunkturdaten aus den USA stützten den Dax am Nachmittag, als dieser wieder unter die Marke von 4000 Zählern zu fallen drohte.

Der Xetra-Dax beendete den Computer-Handel 1,4 Prozent im Plus auf 4018,50 Punkten. Am letzten Handelstag 2003 - am Dienstag - war der Dax bis auf vier Zähler an 4000 Punkte herangekommen, hatte sich aber nicht auf dem Niveau behaupten können. Der Dow Jones lag zum Xetra-Handelsschluss 0,5 Prozent im Plus bei 10.505 Zählern, der Nasdaq Composite verzeichnete ein Plus von 0,8 Prozent auf 2019 Stellen.

(Quelle: rtr)


 

Zahl der Drogentoten sinkt um 12 Prozent

Sa.03.01.04 - Die Zahl der Drogentoten ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit mindestens 13 Jahren gesunken. 2003 starben nach vorläufigen Angaben deutschlandweit 1.330 Menschen an den Folgen ihrer Rauschgiftsucht, 2002 waren es 1.513, wie eine AP-Umfrage ergab. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, warnte angesichts des rückläufigen Trends vor einem Abbau von Anti-Drogen-Programmen. Besorgnis erregend nannte Caspers-Merk den hohen Anteil von Spätaussiedlern an den Drogensüchtigen.

Der Rückgang bei den bundesweiten Zahlen beträgt den vorläufigen Zahlen zufolge rund 12,1 Prozent. Die Zahlen sinken seit drei Jahren, im Jahr 2002 war die Zahl um 17,5 Prozent auf den niedrigsten Stand seit damals zwölf Jahren gesunken.

Caspers-Merk sagte am Freitag der Nachrichtenagentur AP, die Anti-Drogen-Programme, wie Drogenkonsumräume, das Verteilen sauberer Spritzen und Beratungen zeigten Wirkung. Caspers-Merk rief die Bundesländer dazu auf, trotz der geplanten Sparmaßnahmen die Mittel für die Drogenbekämpfung nicht zu kürzen. Nötig sei ein gut ausgebautes Netz an Beratungs- und Anlaufstellen, vor allem in den sozialen Brennpunkten der Großstädte.

Als Besorgnis erregend bezeichnete die Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, dass immer mehr Jugendliche Haschisch und synthetische Drogen konsumierten. Zum Anteil der Spätaussiedler an den Drogentoten sagte die SPD-Politikerin, die so genannten Russlanddeutschen kämen teils schon heroinsüchtig nach Deutschland oder gelangten über ihre Cliquen sehr schnell zu sehr harten Drogen. In Bayern stieg die Zahl der an Drogenkonsum gestorbenen Aussiedler um 62,5 Prozent auf 26, wie das Landesinnenministerium mitteilte.

Die meisten Drogentoten registrierte im vergangenen Jahr das bevölkerungsreichste Bundesland, Nordrhein-Westfalen: Hier starben 356 Süchtige, die Zahl sank im Vergleich zu 2002 um 29. In Baden-Württemberg wurden 172 Tote nach 200 im Jahr 2002 gemeldet, in Hessen sank die Zahl von 113 auf 108, in Hamburg halbierte sie sich fast auf 30 Tote. Todesursache war meist eine Überdosis Heroin, zunehmend jedoch im Mix mit anderen Drogen wie Kokain.

In der Hauptstadt Berlin starben bis Ende Oktober 127 Menschen an Rauschmitteln, nach 139 im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. In Schleswig-Holstein registrierte das Landeskriminalamt mit 31 Toten die niedrigste Zahl seit elf Jahren. In Rheinland-Pfalz sank die Zahl von 66 auf 56, im Saarland blieb sie den Angaben zufolge mit 15 gleich. In Mecklenburg-Vorpommern starb ein Drogensüchtiger, nach fünf im Jahr 2002. In Sachsen wurden elf Drogentote registriert, acht weniger als 2002, in Brandenburg starben sieben Drogensüchtige, im Jahr zuvor waren es acht.

Einen leichten Anstieg registrierte dagegen Bayern: Dort starben vorläufigen Angaben zufolge 220 Drogensüchtige, 2002 waren es 217. Auch in Niedersachsen stieg die Zahl leicht an, von 117 auf 119. Mehr Drogentote als 2002 wurden auch in Bremen gezählt, wo 62 Süchtige starben nach 56 im Jahr zuvor. Mehr Drogentote verbuchten auch Thüringen und Sachsen-Anhalt mit einem Anstieg von acht auf zehn, beziehungsweise von vier auf fünf.

Caspers-Merk verwies zudem darauf, dass im vergangenen Jahr 40.000 bis 60.000 Menschen an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums gestorben seien und kündigte an, die zuständigen Bundesministerien würden noch im Januar über eine Abgabe auf «Alcopops» genannte Alkoholmixgetränke beraten.

(Quelle: ap)


 

SPD will deutsche Elite-Universität

Sa.03.01.04 - Die SPD plädiert für die Schaffung einer deutschen Elite-Universität nach amerikanischem Vorbild. Das berichtet die «Berliner Zeitung». Die Struktur der Hochschullandschaft solle gemeinsam mit den Bundesländern so verändert werden, dass sich mindestens eine Universität als internationale Spitzenhochschule etablieren könne, schreibt das Blatt. Dieses Vorhaben sei Bestandteil einer neuen Leitlinie, die der SPD-Vorstand auf einer Klausurtagung am Montag und Dienstag in Weimar beraten will.

(Quelle: dpa)


 

Jahrhundertsommer sorgt für reihenweise Wetterrekorde

Sa.03.01.04 - Wegen des Jahrhundertsommers wird 2003 als Jahr der Wetterrekorde in die Geschichte eingehen. Gegenüber den langjährigen Mittelwerten war es in Deutschland überdurchschnittlich sonnig, warm und trocken, wie am Freitag der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach meldete.

Während der Hitzemonate Juni, Juli und August herrschten besonders im Süden und Südwesten der Republik Verhältnisse wie am südlichen Mittelmeer. Heißester Tag des Jahres war der 13. August mit offiziell gemessenen 40,2 Grad in Karlsruhe und Freiburg. An der Station Weinbiet oberhalb von Neustadt an der Weinstraße fiel die Temperatur in der Nacht zum 13. August nicht unter 27,6 Grad - ein neuer deutscher Rekord. Während der drei Hitzemonate lag die Durchschnittstemperatur bundesweit bei 19,7 Grad - mehr als ein Grad über der Marke des bisherigen Rekordsommers 1947.

Der Supersommer trug laut DWD wesentlich dazu bei, dass auch die mittlere Jahrestemperatur aller deutschen Wetterstationen um 1,2 Grad höher als üblich lag. Damit setzte sich die Serie der zu warmen Jahre seit Beginn der neunziger Jahre fort. Wärmster Ort Deutschlands war Freiburg mit einem Jahresmittel von 12,7 Grad. Damit wurde der bisherige Rekordwert von 12,8 Grad aus dem Jahr 2000, ebenfalls in Freiburg aufgestellt, nur knapp verfehlt.

Das Jahr 2003 war fast überall in Deutschland zu trocken. Im Mittel aller Stationen fielen nur 75 Prozent des Solls. An zahlreichen Stationen war das Jahr 2003 das trockenste seit Beginn regelmäßiger Messungen. Die Folge waren neue historische Tiefstände an vielen Flüssen und auch am Bodensee.

Die positive Kehrseite der Dürre war der ungewohnt ausgiebige Sonnenschein. Auch in dieser «Disziplin» brach das Jahr 2003 vielerorts alle Rekorde: 142 von 249 DWD-Stationen meldeten neue historische Höchstwerte bei der Sonnenscheindauer. Spitzenreiter war wieder Karlsruhe mit 2.328 Jahresstunden.

(Quelle: ap)
 
 
 
 

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