Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihunderteinundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Vier US-Soldaten bei Zwischenfällen im Irak getötet +++
US-Armee tötet vier Iraker in Tikrit, unter ihnen eine Frau und
ein neunjähriges Kind +++ US-Truppen nehmen fast 130 Iraker fest
+++ Deutscher Wirtschaftsminister Clement rechnet mit irakischen
Aufträgen für deutsche Wirtschaft nach Etablierung einer
souveränen Regierung. Henkel erwartet 'großes Geschäft
So.04.01.04 - Im Irak sind vier US-Soldaten getötet und sechs weitere verletzt
worden. Zwei Soldaten wurden getötet und drei weitere verletzt,
als südlich von Bagdad ein Sprengsatz unter ihrem Fahrzeug
explodierte. Bei einem Angriff mit Mörsergranaten in Balad starb
ein Soldat, zwei weitere wurden verletzt. Sechs verdächtige Iraker
wurden festgenommen worden. Bereits am Freitag hatte die USA den
Abschuss eines US-Hubschraubers während eines Erkundungsfluges
nahe der Stadt Falludscha bekannt gegeben.
US-Soldaten haben am Samstag nach Behördenangaben in Irak vier
Menschen getötet, unter ihnen eine Frau und ein neunjähriges
Kind. Aus einem fahrenden US-Konvoi in Tikrit hätten Soldaten das
Feuer auf ein Auto eröffnet, das die Kolonne überholen
wollte, teilte ein Polizeisprecher mit. Ein 31-jähriger Mann sei
zudem verletzt worden. Der Verletzte sagte einem Reporter der
Nachrichtenagentur AFP im Krankenhaus, bei den Toten handele es sich um
eine Frau und ihren Sohn sowie die Eltern der Frau. Ein US-Soldat habe
in dem Moment das Feuer eröffnet, in dem der Wagen den US-Konvoi
habe überholen wollen.
Unbekannte Täter haben westlich von Bagdad einen Zug mit Raketen
angegriffen und zum Entgleisen gebracht. Wie die 82. Luftlandedivision
der US-Armee am Samstag mitteilte, war der Zug diese Woche nach
Habbanijah unterwegs, als er beschossen wurde. Bei dem Angriff sei die
Lokomotive getroffen worden. Den Angaben zufolge handelte es sich bei
den Angreifern um Plünderer. Sie hätten aber lediglich die
Batterien der Lokomotivmotoren entwenden können. Die 1.
US-Infanteriedivision sei nach dem Abzug der Angreifer am Tatort
angekommen. Am Abend des 31. Dezember habe dann die Polizei die
Kontrolle übernommen.
US-Truppen haben im Westen Iraks fast 130 Verdächtige
festgenommen. Die Männer seien bei einer Armeeaktion am Freitag in
der Provinz el Anbar gefasst worden, die sich von Bagdad bis zur Grenze
mit Jordanien und Syrien erstreckt, wie das US-Zentralkommando am
Samstag mitteilte. Die 82. Luftlandedivision habe insgesamt 105
Menschen daran gehindert, illegal von Syrien nach Irak einzureisen; es
habe 78 Festnahmen gegeben. Bei Einsätzen in den Städten
Mahmudija, Iskandirijah und Falludscha seien 45 Menschen gefasst
worden, zwölf von ihnen seien gesucht worden.
Die Bundesregierung rechnet unterdessen damit, dass deutsche Firmen
nach Etablierung einer souveränen Regierung in Irak eine Reihe von
Großaufträgen zum Wiederaufbau des Landes erhalten.
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement sagte der "Welt am Sonntag":
"Deutsche Firmen hatten vor der schrecklichen Saddam-Zeit beste
Beziehungen zum Irak." Sobald es dort eine eigene irakische Regierung
gebe, könnten sich deutsche Firmen selbstverständlich
umfangreich am Wiederaufbau beteiligen.
Die amerikanische Regierung hatte im Dezember deutlich gemacht, dass
sie die Gegner des Irak-Krieges bei der Auftragsvergabe für den
Wiederaufbau des Landes ausschließen wolle, was auf massiven
Protest vor allem in Deutschland und Frankreich gestoßen war.
Clement betonte, das Ansehen deutscher Firmen im arabischen Raum sei
außerordentlich gut. Die Sorge, dass deutsche Unternehmen in Irak
außen vor blieben, sei daher «gewiss
unbegründet».
Diese Absicht vertrat auch der frühere Präsident des
Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans Olaf Henkel. Der
heutige Präsident der Leibniz-Gesellschaft betonte: "Ich
unterstütze die optimistische Betrachtungsweise des
Wirtschaftsministers zu 100 Prozent. Wir werden vielleicht nicht die
ersten Auftragnehmer werden, aber trotzdem das große
Geschäft machen." Deutsche Firmen seien in der Region sogar besser
etabliert als die Amerikaner.
Irakische Mitglieder des Regierungsrats wie der Vorsitzende Abdel Asis
el Hakim hatten Mitte Dezember signalisiert, dass die vom 1. Juli 2004
an amtierende souveräne Übergangsregierung auch Kriegsgegnern
wie Deutschland die Tür beim Wiederaufbau des Landes offen halten
will.
(Quellen: dpa, ap, afp)
Was sind die Ziele der amerikanischen Präsenz im Irak und im Nahen
Osten?
Noam Chomsky : Das hauptsächliche Ziel ist, was nicht angezweifelt
wird, die Kontrolle der riesigen Energiereserven in der Region um
den Persischen Golf, eben auch im Irak. Das ist das im Vordergrund
stehende Ziel der westlichen Industriemächte, seit der Zeit als
der Irak von den Briten erschaffen worden war, um sicherzustellen, dass
die irakischen Ölreserven in britischen Händen sein
würden, und dass der neu geschaffene Staat Irak keinen freien
Zugang zum Golf hat. Zu dieser Zeit war die USA kein führender
Akteur im Weltgeschehen. Aber nach dem Zweiten Weltkrieg war die USA
die bei weitem größte Weltmacht, und die Kontrolle der
Energiereserven des Nahen Ostens wurde zu einem der vordersten Ziele
ihrer Außenpolitik, wie es dies zuvor für ihre
Vorläufer war. In den 40ern erkannten die Planer der USA, dass (in
ihren Worten) die Energieressourcen des Golfs eine
„überwältigende Quelle strategischer Macht" und „einer der
größten Materiellen Preise der Weltgeschichte" sind.
Natürlich hatten sie vor sie zu kontrollieren – aber für
viele Jahre konnten sie sie für sich nicht besonders nutzen, und
in der Zukunft wird die USA, laut US Nachrichtendiensten, sich mehr auf
stabilere Ressourcen am Atlantik (also Westafrika und auf der
westlichen Hemisphäre) verlassen.
Eine oberste Priorität bleibt dennoch die Kontrolle der Ressourcen
am Golf, von denen erwartet wird, dass sie in der nächsten Zeit
2/3 des weltweiten Energieverbrauchs decken. Abgesehen davon, dass
„Profite jenseits den Träumen der Habgier" erzielt werden, wie ein
Standard-Geschichtsbuch über die Ölindustrie es
ausdrückt, bleibt die Region noch immer „eine
überwältigende Quelle strategischer Macht", eine [Region mit]
Hebelwirkung zur Kontrolle der Welt. Die Kontrolle der Energiereserven
des Golfs bietet eine „Vetomacht" über die Handlungen von Rivalen,
wie der führende Planer George Kennan vor einem halben Jahrhundert
bemerkt hat.
Europa und Asien verstehen das sehr gut, und sie haben schon lange
versucht einen eigenen unabhängigen Zugang zu Ölressourcen zu
bekommen. Ein Großteil des Rangelns um die Macht im Nahen Osten
und in Zentralasien hat mit diesen Themen zu tun. Die
Bevölkerungen der Region werden als beiläufig betrachtet, so
lange sie passiv und gehorsam sind. Wenige wissen das so gut wie die
KurdInnen, zumindest wenn sie sich an ihre eigene Geschichte erinnern.
Die Planer der USA haben sicher vor im Irak einen Klientenstaat zu
etablieren, mit demokratischen Formalitäten, wenn das möglich
ist, wenn nur für Propagandazwecke. Aber der Irak soll das sein
was die Briten, als sie die Region betrieben, eine „arabische Facade"
nannten, mit der britischen Macht im Hintergrund, wenn das Land zu viel
Unabhängigkeit sucht. Das ist ein bekannter Teil der Geschichte
dieser Region im vergangenen Jahrhundert.
Es ist auch die Art in welcher die USA ihre eigenen Gebiete in der
westlichen Hemisphäre für ein Jahrhundert geführt hat.
Es gibt überhaupt keine Andeutung für irgendeine wunderliche
Änderung. Die Besatzungstruppen der USA haben im Irak ein
wirtschaftliches Programm gestartet, das kein souveränes Land
jemals akzeptieren würde: Es garantiert beinahe, dass die
irakische Wirtschaft von westlichen multinationalen (hauptsächlich
US-) Konzernen und Banken übernommen wird. Das ist eine Politik
die für jene Länder denen sie aufgezwungen worden ist
verheerend war; In der Tat sind solche Programme ein Hauptgrund
für die heutige scharfe Kluft zwischen den reichen Ländern
und ihren früheren Kolonien.
Es gibt natürlich auch immer einen inländischen Sektor der
sich durch Kollaboration mit der herrschenden „Facade" bereichert. Bis
jetzt ist die Ölindustrie von den ausländischen
Übernahmen ausgenommen worden, weil das zu eklatant gewesen
wäre. Aber das wird wahrscheinlich noch passieren, wenn die
Aufmerksamkeit sich von dort wegbewegt hat. Außerdem hat
Washington bereits verkündet, dass es vor hat ein „status of
forces" Abkommen aufzuerlegen, welches es der USA erlauben wird im Irak
Militärkräfte zu behalten und, was sehr wichtig ist,
Militärbasen, die ersten stabilen US Militärbasen direkt im
Herzen der größten Energiereserven der Welt....
Aus: "Interview mit Noam Chomsky ", ZNet 02.01.2004:
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=965
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=36&ItemID=4780
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Nahost-Konflikt
Vier Palästinenser von israelischen Soldaten in Nablus
getötet +++ Stellvertretender israelischer
Ministerpräsident Olmert: Keine Pläne für mehr Siedler
auf dem Golan +++ Israel erteilt 30.000 Palästinensern
Arbeitserlaubnis
So.04.01.04 - Bei einer israelischen Militäraktion in Nablus im Westjordanland
sind am Samstagmorgen drei Palästinenser erschossen worden, wie
aus palästinensischen Krankenhauskreisen verlautete. Ein vierter
wurde später bei der Beisetzung der Getöteten erschossen. Die
israelische Armee hat in den vergangenen zwei Wochen in Nablus mehrere
Razzien durchgeführt, die sich gegen militante Organisationen in
der Gegend richteten.
Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat
verurteilte die Gewalt. Er machte die israelische Regierung für
mögliche Konsequenzen verantwortlich.
Über den Zwischenfall in Nablus gab es unterschiedliche
Darstellungen. Nach Angaben eines Armeesprechers eröffneten die
Truppen das das Feuer auf eine grosse Zahl palästinensischer
Steinewerfer. Die Soldaten hätten bestätigt, dass drei
Männer getroffen worden seien. Über ihren Zustand sei ihnen
nichts bekannt. Einer von ihnen habe einen grossen Betonblock in
Richtung eines Soldaten fallen lassen, sagte der Armeesprecher. Der
zweite habe eine Pistole gehalten, der dritte eine Brandbombe in
Richtung der Truppen geschleudert.
Palästinensische Augenzeugen berichteten, von den Schüssen
seien drei Personen getroffen worden, darunter zwei Passanten. Nach
Angaben des Roten Halbmonds handelt es sich bei den Opfern um Personen
im Alter von 15, 19 und 25 Jahren. Laut palästinensischen Angaben
sass der 15-Jährige auf dem Dach eines Hauses und beobachtete die
Soldaten. Diese hätten den Jungen erschossen. Erst danach seien
die Soldaten mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen worden.
Ein Verwandter eines der Opfer wurde laut Augenzeugen während der
Beisetzung der Männer durch Schüsse tödliche verletzt.
Die Soldaten hätten das Feuer ohne Provokation aus einer
Entfernung von 200 Metern eröffnet, hiess es. Drei weitere
Palästinenser seien leicht verletzt worden. Die Armee
erklärte, Soldaten hätten auf zwei Männer geschossen,
von denen einer während der Beisetzung eine Pistole und einer eine
Brandbombe bei sich getragen habe.
Am späten Freitagabend war in Nablus neben einem Armeefahrzeug
eine Bombe detoniert. Verletzt wurde niemand. In einem Anruf bei der
Nachrichtenagentur AP bekannte sich die Untergrundorganisation
Islamischer Dschihad zu dem Anschlag. Israel hatte am Montag bei einem
Raketenangriff drei militante Mitglieder der Gruppierung getötet.
Im Gazastreifen erschossen israelische Soldaten in der Nacht zum
Samstag einen Palästinenser, der nach Militärangaben einen
Sprengsatz nahe einer jüdischen Siedlung anzubringen versuchte.
Israel hat den Worten des stellvertretenden Ministerpräsidenten
Ehud Olmert zufolge anders als von einem Kabinettsmitglied vor wenigen
Tagen erklärt keine Pläne, die von Syrien eroberten
Golan-Höhen im Norden des Landes stärker zu besiedeln.
"Es gibt kein (entsprechendes) Programm, es gibt keine (entsprechende)
Politik, es gibt keine Ausweitung der israelischen Siedlungen auf den
Golan-Höhen", sagte Olmert am Freitag dem britischen
Nachrichtensender BBC. Israel hat das Gebiet an der Grenze zu Syrien
1981 unter internationalem Protest annektiert. Syrien - formell nach
wie vor im Kriegszustand mit Israel - fordert es als Preis für
einen Friedensschluss mit der arabischen Welt zurück.
Landwirtschaftsminister Jisrael Katz hatte am Mittwoch erklärt,
die israelische Regierung habe beschlossen, die Zahl der Siedler auf
dem Golan zu verdoppeln und damit seine Position vor etwaigen
Friedensverhandlungen mit dem Nachbarland zu stärken. Die
Ankündigung hatte scharfe Proteste Syriens ausgelöst.
Olmert sagte, es sei falsch gewesen von Katz, von einem
Entwicklungsplan in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus und
Siedlungen zu sprechen. "Möglicherweise möchte er gerne, dass
das getan wird, was absolut legitim ist", sagte Olmert über seinen
Kabinettskollegen, der dem Siedler-Ausschuss der rechts-konservativen
Regierung vorsitzt. "Ich habe aber in den vergangenen Tagen wiederholt
beim Ministerpräsidenten und dem Finanzminister nachgefragt, ob es
eine Absichtserklärung der Regierung dazu gibt. Es gibt kein
solches Programm, das verabschiedet worden wäre."
Olmert schloss nicht aus, dass einige Regierungsmitglieder einen
solchen Plan befürworten würden, äußerte sich aber
überzeugt, dass die Regierung ihn nicht als Politik
übernehmen werde.
Neben der strategischen Bedeutung der Golan-Höhen in unmittelbarer
Nähe zu den verfeindeten Nachbarn Syrien und Libanon, sichert die
Kontrolle Israel auch den Zugriff auf wichtige Wasservorkommen in der
trockenen Region. Das Land ist fruchtbar und wird von den Israelis
für Weinbau, Obstplantagen und Viehzucht genutzt. Hier liegt auch
die einzige Skiregion des Landes. Neben 17.000 israelischen Siedlern
leben auf dem Höhenzug rund 20.000 Drusen syrischer Herkunft.
Auch Israels engste Verbündete, die USA, fordern von dem Land
einen Stopp seines Siedlungsbaus in strittigen Gebieten - damit sind
allerdings die besetzten palästinensischen Gebiete, das
Westjordanland und der Gaza-Streifen, gemeint. Der Baustopp ist Teil
der Umsetzung eines internationalen Friedensplans, an dem die USA, die
Vereinten Nationen (UNO), die Europäische Union (EU) und Russland
beteiligt sind.
Israel hat derweil knapp 30.000 Palästinensern eine
Arbeitserlaubnis erteilt. 19.000 Arbeiter und Händler aus dem
Gazastreifen sowie 10.000 weitere aus dem Westjordanland dürften
eine Arbeit in Israel aufnehmen, sagte ein Militärsprecher am
heutigen Sonntag. Die Genehmigungen würden erteilt, um die
Lebensbedingungen in den Palästinensergebieten zu verbessern. Die
Geldüberweisungen von in Israel beschäftigten
Palästinensern sind eine wichtige Einnahmequelle für die
Palästinensergebiete, deren Wirtschaftsleistung in den vergangenen
Jahren stark geschrumpft ist.
(Quellen: ap, rtr, afp)
Mubarak und Blair beraten in Scharm el Scheich über Irak und Nahost
So.04.01.04 - Der ägyptische Präsident Husni Mubarak und der britische
Premierminister Tony Blair haben am Samstagabend in Scharm el Scheich
über die Lage in Irak beraten. Bei dem Treffen sei es zudem um die
Bemühungen gegangen, die Massenvernichtungswaffen in Nahost
abzuschaffen, meldete die ägyptische Nachrichtenagentur MENA. Die
beiden Politiker hätten auch über den Friedensfahrplan
für den Nahen Osten gesprochen, insbesondere über die
ägyptischen Vermittlungsbemühungen zwischen Israelis und
Palästinensern. Überschattet wurden die Gespräche von
dem Absturz eines ägyptischen Charterflugzeugs ins Rote Meer.
Dabei kamen am Samstag alle 148 Insassen ums Leben, die meisten
französische Touristen.
(Quelle: afp)
Afghanistan: Erneut Verzögerung bei Loja Dschirga
Streit über afghanische Amtssprachen +++ Explosion nahe Tagungsort
der Verfassungsversammlung in Kabul
So.04.01.04 - Die Beratungen der Großen Ratsversammlung über eine neue
Verfassung für Afghanistan haben sich weiter verzögert.
Entgegen der Planungen kamen die mehr als 500 Delegierten in Kabul am
Morgen zunächst nicht im Plenum zusammen. Vertreter der
Delegierten diskutierten nach Angaben eines Abgesandten hinter
verschlossenen Türen über einen neuen Streitpunkt. Gestern
war die Verfassungskommission noch von einem Ende der Loja Dschirga am
selben Tage ausgegangen.
Am Samstag blockierte der Streit um die Amtssprachen in Afghanistan die
Große Ratsversammlung. Es herrsche Uneinigkeit über
die Anerkennung der Sprache der usbekischen Volksgruppe als dritte
offizielle Sprache nach Paschtu und Dari, sagte der Chef des
Sekretariats der Verfassungskommission, Faruk Wardak, in Kabul.
Die Usbeken wollten demnach ihre Sprache als dritte Amtssprache in ganz
Afghanistan durchsetzen. Andere Delegierte wollten dies jedoch nur in
den Regionen, in denen viel Usbekisch gesprochen wird. Einige
fürchten, die Forderung der Usbeken könne den Grundstein
für einen föderalistischen Staat legen und Afghanistan
spalten.
In der Nähe des Tagungsortes der afghanischen
Verfassungsversammlung in Kabul ist es am späten Samstagabend zu
einer Explosion gekommen. Nach Angaben des stellvertretenden
Polizeichefs Chalil Amin Sada schlug offenbar eine Rakete ein. Berichte
über Opfer oder Schäden lagen nicht vor. Das Geschoss schlug
laut Sada östlich des Zelts ein, in dem die Loja Dschirga
über die neue Verfassung berät.
Ein Sprecher der internationalen Friedenstruppe ISAF bestätigte
die Explosion, machte aber keine weiteren Angaben. Seit Beginn der
Beratungen der Loja Dschirga vor drei Wochen schlugen mindestens
fünf Raketen in Kabul ein. Dabei wurden mehrere Häuser
beschädigt. Verletzt wurde niemand.
Die am 14. Dezember aufgenommenen Beratungen der Loja Dschirga sind
Teil des Demokratisierungsprozesses im Anschluss an den Sturz des
Taliban-Regimes. In diesem Jahr sollen Parlamentswahlen angesetzt und
eine dauerhafte Regierung gebildet werden.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Afghanistans Frauen nach der 'Befreiung'
... Während der Zusammenkunft der Loya Jirga(Große
Versammlung) zur Diskussion von Afghanistans neuer Verfassung
(ereignete sich) etwas Außerordentliches. Malalai Joya, eine
25-jährige Sozialarbeiterin aus der ländlichen Provinz Farah,
sprach aus, was bis dahin niemand zu sagen wagte: dass viele der
Vorsitzenden in der Jirga Kriminelle seien, die das Land zerstört
hatten. Anstatt ihnen einflussreiche Positionen in der Jirga zu geben,
sollten sie wegen ihrer Verbrechen vor Gericht gestellt werden.
Das erregte Protest und viele der bei der von den Mudschaheddin
(heilige Krieger) dominierten Jirga Anwesenden schrieen „Tod den
Kommunisten". Joya wurde das Mikrophon abgestellt und sie musste
zeitweilig zwangsweise zu „ihrer eigenen Sicherheit" den Raum verlassen.
Joyas Haltung war außerordentlich mutig. Viele Afghanen teilen
ihre Gefühle, aber die meisten haben zu viel Angst, um sie
öffentlich zu äußern. Nachdem sie Todesdrohungen
erhalten hatte, befindet sich Joya selbst nun für die Dauer der
Jirga unter dem Schutz der UN.
Die „Aktionen", auf die sie sich bezog, fanden großenteils von
1992 – 6 unter der Herrschaft der Dschihadis (sehr
religiös-konservative Mudschaheddin) statt. Die Dschihadis,
berühmt-berüchtigt dafür, dass sie den Frauen Säure
ins Gesicht schütteten, ihnen die Brüste abschnitten und
andere grausame Taten begingen, kamen während der 1980ern an die
Macht, als die USA es für angebracht hielten, sie für den
Kampf gegen die sowjetische Besatzung finanziell zu unterstützen,
zu bewaffnen und zu trainieren. Während ihrer Herrschaft
terrorisierten sie die Zivilbevölkerung mit flächendeckendem
Raketenbeschuss, Vergewaltigungen, Folter und Tötungen in so einem
Ausmaß, dass die Taliban, als die 1996 hervortraten, zu Anfang
willkommen waren.
Nach dem Fall der Taliban sind nun dieselben Führer der
Dschihadis, einschließlich Buhruddin Rabbani, Abdul Sayyaf und
Mitgliedern der Nordallianz, wieder aufgetaucht, mit verheerenden
Folgen für die afghanische Bevölkerung, vor allem für
die Frauen....
Aus: Tariq Ali - "Afghanistans Frauen nach der 'Befreiung",
ZNet 29.12.2003.
Mehr unter:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=963
http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?
SectionID=40&ItemID=4770
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Bericht: Laut Tonband-Analysen des BKA ist Bin Laden am Leben
So.04.01.04 - Das Bundeskriminalamt (BKA) geht nach einem Pressebericht davon aus,
dass der Chef des Terrornetzwerks El Kaida, Osama bin Laden, am Leben
ist. Das ergebe sich aus der Analyse sämtlicher Video- und
Tonbandbotschaften, die Bin Laden nach den Anschlägen vom 11.
September 2001 verbreitet habe, berichtet das Nachrichtenmagazin
"Focus" in seiner neuen Ausgabe. Danach stufen Experten der
BKA-Abteilung "Sprechererkennung und Tonträgerauswertung" alle
Wortmeldungen des El-Kaida-Chefs und seiner Getreuen als "echt" und
"aktuell" ein. Die Kriminaltechniker schließen laut "Focus" aus,
dass die Bänder "aus Archivmaterial zusammen
(Quelle: afp)
Indischer Regierungschef in Pakistan eingetroffen
So.04.01.04 - Der indische Regierungschef Atal Bihari Vajpayee ist am Samstag zu
einem historischen Besuch in Pakistan eingetroffen. Erstmals seit
fünf Jahren reiste er in den verfeindeten Nachbarstaat. Bei der
Landung in Islamabad wurde er vom pakistanischen
Ministerpräsidenten Zafirullah Khan Jamali per Handschlag
begrüßt; eine Geste, die wegen der Rivalität der beiden
Staaten noch vor einem Jahr als undenkbar galt.
Anlass für Vajpayees Visite ist der am heutigen Sonntag in
Islamabad beginnende Gipfel der Südasiatischen Vereinigung
für Regionale Zusammenarbeit (SAARC). Vor seinem Abflug machte der
indische Regierungschef widersprüchliche Angaben, ob er den
pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf am Rande des Gipfels
treffen wolle. Zunächst sagte Vajpayee, es werde keine bilateralen
Gespräche geben. Unmittelbar vor dem Start seiner Maschine in
Neu-Delhi sagte er dann: «In Islamabad werde ich die Gelegenheit
zu Vier-Augen-Gesprächen mit mehreren SAARC-Regierungschefs nutzen
und zusätzlich mit dem Gastgeber (Pakistan) kommunizieren.»
Dem pakistanischen Staatsfernsehen sagte Vajpayee in Islamabad, er
würde sich gerne mit Musharraf über Kaschmir unterhalten. Die
Region wird von beiden Staaten beansprucht und steht im Mittelpunkt des
Konfliktes zwischen den beiden Atommächten. Der Zeitpunkt für
ein Zweiertreffen sei jedoch noch nicht gekommen.
Der pakistanische Außenminister Khursheed Kasuri
äußerte sich optimistisch, dass ein Treffen schon am Rande
des SAARC-Gipfels stattfinden könnte: «Wir haben die
Vermutung, dass diese Gelegenheit nicht versäumt wird»,
sagte er auf einer Pressekonferenz. Es ist der erste Besuch Vajpayees
in Pakistan seit 1999.
Seit dem Frühjahr 2003 gehen von Neu-Delhi und Islamabad Signale
der Entspannung aus. Der 1985 gegründeten SAARC gehören
Pakistan, Indien, Bangladesch, Sri Lanka, Nepal, Bhutan und die
Malediven an.
(Quelle: ap)
Kolumbianischer Guerilla-Führer in Ecuador gefangen
So.04.01.04 - Einer der sieben Anführer der kolumbianischen Guerillagruppe FARC
ist in Ecuador gefangen genommen worden. Wie die ecuadorianische
Polizei am Samstag mitteilte, wurde Simon Trinidad am Vorabend bei
einer routinemäßigen Personenkontrolle in der Hauptstadt
Quito verhaftet. Es ist der schwerste Schlag gegen die
Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) seit dem Beginn
des Bürgerkriegs vor vier Jahrzehnten.
Trinidad gehört dem siebenköpfigen Sekretariat der FARC an.
Er ist das erste Mitglied des Führungsgremiums, das der Polizei
ins Netz ging. Die FARC ist mit 16.000 Kämpfern die
größte der kolumbianischen Rebellengruppen. Ein Sprecher der
kolumbianischen Geheimpolizei DAS hatte bereits vor den Behörden
in Ecuador über die Verhaftung des Guerilla-Führers
berichtet. Es sagte jedoch, Trinidad sei in einem ecuadorianischen
Krankenhaus an der Grenze zu Kolumbien festgenommen worden.
Der Guerilla-Führer, der mit richtigem Namen Ricardo Ovidio
Palmera Pineda heißt, wurde per internationalem Haftbefehl
gesucht. Für seine Ergreifung hat die kolumbianische Regierung
eine Belohnung von mehreren Millionen Dollar ausgesetzt. Trinidad war
einer der Verhandlungsführer der FARC bei den
Friedensgesprächen mit der Regierung, die im Januar 1999 begannen.
Die Gespräche brachen im Februar 2002 zusammen. Wie der
DAS-Sprecher mitteilte, bemühen sich die kolumbianischen
Behörden um eine rasche Auslieferung Trinidads.
Die FARC und eine kleinere Guerillagruppe, die Nationale
Befreiungsarmee (ELN) kämpfen seit 39 Jahren gegen die Regierung.
Sie wollen einen marxistischen Staat errichten. Dem Bürgerkrieg
fallen im Jahr etwa 3.500 Menschen zum Opfer, überwiegend einfache
Einwohner.
(Quelle: ap)
Deutschland
Debatte um Nachfolge von Bundespräsident Rau voll entbrannt
Bundeskanzler Schröder spricht sich für eine Frau als
Staatsoberhaupt aus<
So.04.01.04 - Die Debatte um die Nachfolge von Bundespräsident Johannes Rau ist
voll entbrannt. Während aus der CSU weiter der frühere
CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble ins Gespräch gebracht
wurde, sprach sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für
eine Frau als Staatsoberhaupt aus. Schröder schloss nicht aus,
dass die SPD bei der Wahl am 23. Mai eine Kandidatin der Union
unterstützt und auf einen eigenen Bewerber verzichtet. CDU-Chefin
Angela Merkel sagte der "Bild am Sonntag", die Union treffe ihre
Entscheidung "in Ruhe und unabhängig von der SPD".
Er habe häufig gesagt, er fände es "an der Zeit, dass eine
Frau Präsidentin würde", sagte Schröder dem "Spiegel".
Da Rot-Grün in der Bundesversammlung keine Mehrheit habe,
müssten die konservativen Parteien "irgendwann konkret werden" und
einen Vorschlag machen. "Dann wird man sehen, wie man reagiert", sagte
Schröder. Eine Kandidatin, "sofern sie integrationsfähig ist,
schauen wir uns vorurteilsfrei an", fügte der SPD-Vorsitzende
hinzu. Auch SPD-Generalsekretär Olaf Scholz warb dafür, dass
es quer durch die Parteien zu einer Mehrheit für eine Frau kommen
solle.
CDU-Vize Christoph Böhr wies den Schröder-Vorstoß
scharf zurück. "Die durchsichtigen taktischen Spielchen von
Gerhard Schröder schaden dem Amt des Bundespräsidenten. Er
sollte sich in dieser Frage zurückhalten", sagte Böhr der
"Bild am Sonntag".
Unterdessen warb der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael
Glos, für Schäuble: "Meine persönliche Präferenz
für das Amt des Bundespräsidenten ist Wolfgang
Schäuble", sagte Glos der "Bild am Sonntag". Der parlamentarische
Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Peter Ramsauer, betonte
dagegen in der "Welt am Sonntag", seine Partei wolle sich mit der
Kandidatenfrage noch Zeit lassen. Vor der Hamburg-Wahl am 29. Februar
werde nichts entschieden. Die Einladung Schäubles zur
CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth stehe in keinem Zusammenhang mit
der Kandidatenfrage.
(Quelle: afp)
Schröder bietet Opposition Steuergespräche an
CSU will höchstens 15 Milliarden Euro Steuerentlastungen +++ Merz
hält Spitzensteuersatz im CSU-Konzept für zu hoch
So.04.01.04 - Vor den Klausurtagungen der Parteien in der kommenden Woche ist wieder
Bewegung in die Debatte über eine große Steuerreform
gekommen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bot der Opposition
Gespräche über ein vereinfachtes Steuerrecht an. CSU-Chef
Edmund Stoiber erwartet trotz der Differenzen mit der CDU eine rasche
Verständigung innerhalb der Union. Die CSU will die Bürger um
weitere 15 Milliarden Euro entlasten. Bundespräsident Johannes Rau
forderte Regierung und Opposition zu einer umfassenden Reform auf.
Schröder knüpfte sein Gesprächsangebot allerdings an
Bedingungen. Wenn die Union ihre Position aufgebe, "immer nur
niedrigere Tarife in die Welt zu posaunen und gleichzeitig jeden
Subventionsabbau zu diskreditieren", seien Gespräche "auch in
Wahlkampfzeiten" möglich, sagte Schröder im "Spiegel". "Das
Theater, wie wir es im Vermittlungsausschuss erlebt haben, wo die
CDU-Ministerpräsidentenen durchgreifenden Subventionsabbau
verhindert haben, wird es mit mir nicht mehr geben", betonte der
Kanzler.
Das CSU-Steuerkonzept sieht weitere Entlastungen bis zu 15 Milliarden
Euro vor. "Das ist das Maximum. Mehr ist einfach nicht drin", sagte
Stoiber dem Magazin "Focus". Das "Konzept 21" sehe Steuersätze
zwischen 13 und 39 Prozent bei der Einkommensteuer vor. In der Frage,
ob der Tarif wie bisher linear-progressiv oder in Stufen verlaufen
solle, sei die CSU noch offen, sagte er mit Blick auf das CDU-Konzept
von Unionsfraktionsvize Friedrich Merz. Das Konzept müsse aber
insgesamt finanzierbar sein.
Die Pläne der CSU stießen unterdessen bei der
Schwesterpartei auf Kritik. Friedrich Merz nannte den geplanten
Spitzensteuersatz von 39 Prozent in der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung" zu hoch. Gleichzeitig zeigte er sich zuversichtlich,
dass sich beide Parteien auf ein gemeinsames Konzept einigen. Bis zur
Sommerpause soll es einen Gesetzentwurf geben. Merz hatte eine Reform
mit einem Stufentarif von 12, 24 und 36 Prozent vorgelegt.
Den anstehenden Verhandlungen mit der CDU über ein gemeinsames
Steuerkonzept der Union sieht auch Stoiber optimistisch entgegen. "Das
wird kein Streitthema, sondern wir werden uns rasch verständigen,
weil wir das Gleiche wollen." Möglichst schon Anfang März
solle auf einer gemeinsamen Präsidiumssitzung das Steuerkonzept
der Union beschlossen werden. Sollte Schröder das Gros der
Unionspläne übernehmen, könnte eine grundlegende
Steuerreform schon zum 1. Januar 2005 in Kraft treten, zeigte sich
Stoiber überzeugt.
Bundespräsident Johannes Rau forderte Regierung und Opposition
auf, sich gemeinsam für eine umfassende Steuerreform einzusetzen.
Es werde Zeit, sich die grundlegenden Konzepte näher anzuschauen,
"um etwas Gemeinsames zu Stande zu bringen", sagte Rau der "Welt am
Sonntag". Ein wesentliches Ziel der Reform müsse es sein, die
Bereitschaft zur Steuerehrlichkeit zu stärken.
(Quellen: afp, dpa)
Wirtschaftsforscher rechnen mit 1,4 Prozent Wachstum
Trotz wirtschaftlicher Belebung werde die Beschäftigtenzahl weiter
sinken
So.04.01.04 - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet einem
Magazin-Bericht zufolge in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum
von 1,4 Prozent.
Trotz der wirtschaftlichen Belebung werde die Zahl der
Beschäftigten noch einmal um 0,3 Prozent sinken, meldete "Der
Spiegel" am Samstag vorab. Die Zahl der Arbeitslosen werde sich im
Jahresdurchschnitt auf 4,3 Millionen belaufen. Das DIW stellt seine
Prognose am Dienstag vor. Die Bundesregierung geht von einem Wachstum
zwischen 1,5 und zwei Prozent aus.
Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Wiegard, wiederholte im
"Focus" seine Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft in diesem
Jahr nur um 1,6 statt der ursprünglich von den Wirtschaftsweisen
erwarteten 1,7 Prozent wachsen werde. Grund sei das geringere
Entlastungsvolumen der vorgezogenen Steuerreform. Der
DIW-Konjunkturexperte Gustav-Adolf Horn sagte, er erwarte von der
Steuerreform keine nennenswerten Wachstumsimpulse. Die vier Milliarden
Euro Entlastung seien für die Volkswirtschaft nur ein Tropfen auf
den heißen Stein.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist einem "Welt"-Bericht
zufolge im Dezember auf 4,31 Millionen gestiegen. Die Zeitung
berichtete unter Berufung auf erste Berechnungen der Bundesagentur
für Arbeit, dies sei der höchste Dezember-Wert seit 1997. Im
November waren 4,184 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Zum
Dezember 2002 sei die Zahl der Arbeitslosen wegen der anhaltenden
Konjunkturkrise um 85.000 gestiegen. Die Bundesagentur
veröffentlicht die offizielle Statistik für Dezember am
Donnerstag. "Die Welt" verbreitet regelmäßig vorzeitig
Schätzungen unter Berufung auf interne Berechnungen der
Bundesagentur, die aber von den tatsächlichen Daten meist
abweichen.
Von Reuters befragte Analysten rechnen mit einem Anstieg der
unbereinigten Arbeitslosenzahl für Dezember auf gut 4,3 Millionen.
Um saisonale Einflüsse bereinigt erwarten sie dagegen im Schnitt
einen Rückgang um 9500 zum Vormonat.
(Quelle: rtr)
Geplante Verfolgung von Schwarzarbeit stößt auf Ablehnung
So.04.01.04 - Die von der Bundesregierung geplante strafrechtliche Verfolgung von
Schwarzarbeit auch in privaten Haushalten stößt bei CDU und
dem Steuerzahlerbund auf Ablehnung. CDU-Generalsekretär Laurenz
Meyer forderte statt der angestrebten Verschärfung in der
«Welt am Sonntag» Änderungen im Steuerrecht.
Haushaltsnahe Dienstleistungen sollten von der Steuer abgesetzt werden
können. Damit würden Haushalte als Arbeitgeber legalisiert
und die Schwarzarbeit höre auf, wird Meyer zitiert.
Auch der Präsident des Steuerzahlerbundes, Karl Heinz Däke,
forderte in dem Blatt eine Senkung der hohen Steuern und Abgaben zur
Lösung des Problems. Diese seien die Hauptursache von
Schwarzarbeit.
Laut den Plänen der Bundesregierung müssen künftig
Privatleute, die eine Putzfrau schwarz beschäftigen oder
Handwerker ohne Rechnung arbeiten lassen, mit Strafverfolgung rechnen.
Geplant ist ein Bußgeld von mindestens 1.500 Euro. Bisher begehen
Privatleute nur eine Ordnungswidrigkeit, wenn sie jemanden für ein
Handgeld arbeiten lassen. Der Entwurf soll voraussichtlich am 18.
Februar vom Kabinett verabschiedet werden.
(Quelle: ap)
Gesundheitsreform: Noch Unklarheiten bei Zuzahlungsregeln
Patientenbeauftragte: Nicht konkret festgelegt, wer als chronisch krank
gilt. Katalog der Zuzahlungen verwirrend
So.04.01.04 - Kurz nach Inkrafttreten der Gesundheitsreform gibt es nach den Worten
der Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel,
noch Unklarheiten bei den neuen Zuzahlungsregeln. So sei noch nicht
konkret festgelegt, wer als chronisch krank gelte, sagte die
SPD-Politikerin im Info-Radio Berlin-Brandenburg. Die Kriterien
für chronische Krankheiten lägen erst in einigen Wochen vor;
die Liste des Bundesausschusses Ärzte-Krankenkassen müsse
noch nachgebessert werden.
Chronisch Kranke, die früher generell von Zuzahlungen befreit
wurden, müssen jetzt bis zu einem Prozent ihres Bruttoeinkommes
für Arzneimittel oder ärztliche Behandlungen zuzahlen.
Für alle anderen Patienten gilt die Obergrenze von zwei Prozent.
Nach Angaben von Kühn-Mengel wurden etwa Diabetiker oder Menschen
mit Herzschwäche von den Kriterien nicht sicher erfasst. Deshalb
sei die Liste des Bundesausschusses beanstandet worden. Die
Patientenbeauftragte räumte außerdem ein, dass der Katalog
der Zuzahlungen verwirrend erscheinen könne. In den Verhandlungen
mit der Union sei um bestimmte Begrenzungen der Belastungen "sehr
gekämpft" worden. Daraus sei ein "differenzierteres Werk"
entstanden. "Das ist für Patienten jetzt am Anfang nicht ganz
einfach, wird sich aber einspielen", sagte die SPD-Politikerin, die ihr
Amt am Freitag angetreten hatte.
In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" forderte Kühn-Mengel die
Patienten auf, von ihrem neuen Recht auf Patientenquittungen offensiv
Gebrauch zu machen. Seit 1. Januar müssen Ärzte und
Krankenhäuser den Versicherten generell Quittungen beziehungsweise
Rechnungen für erbrachte Leistungen ausstellen. Auf Dauer sei es
aber nicht ausreichend, solche Belege nur auf ausdrückliches
Verlangen der Patienten auszuhändigen, sagte die
Patientenbeauftragte. Vielmehr sollten Ärzte, Zahnärzte und
Krankenhäuser generell verpflichtet werden, den Patienten
Quittungen und Rechnungen für erbrachte Leistungen ausstellen.
(Quelle: afp)
Ärztliche Behandlung notfalls auch ohne vorherige Praxisgebühr
So.04.01.04 - Ärzte müssen in Notfällen auch ohne vorherige Bezahlung
der Praxisgebühr behandeln. Die Behandlung dürfe nicht
verweigert werden, sagte die neue Patientenbeauftragte der
Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel (SPD), dem "Focus". "Das Geld
kann auch im Nachhinein eingezogen werden. Das finanzielle Risiko
trägt die kassenärztliche Vereinigung."
Grundsätzlich halte sie es "für unethisch, dass der Arzt
nicht behandelt, wenn er die Knete nicht gleich bekommt". Als
Patientenbeauftragte sei sie auch Anlaufstelle für derartige
Beschwerden. Patienten hatten zuvor beklagt, in der Neujahrsnacht ohne
Bargeld nicht sofort behandelt worden zu sein. Sie verwies darauf, dass
die Gebühr mit Überweisungsschein pro Quartal nur einmal
fällig werde. "Das gilt auch, wenn Kassenpatienten zuerst zum
Facharzt gehen und sich dann zum Hausarzt überweisen lassen",
betonte die Patienbeauftragte.
(Quelle: afp)
Bewegung im Streit um Zuwanderungsgesetz
Zwischen Regierungs-Koalition und Oppostion sind insbesondere drei
Themenfelder strittig: das humanitäre Flüchtlingsrecht, die
Integration und vor allem die Arbeitsmigration
So.04.01.04 - Im Streit um das Zuwanderungsgesetz halten alle beteiligten Parteien
eine Einigung doch noch für möglich. "Die Chancen stehen 50
zu 50", sagten übereinstimmend Unionsfraktionsvize Wolfgang
Bosbach (CDU) und Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker
Beck der "Welt am Sonntag". Auch der innenpolitische Sprecher der SPD,
Dieter Wiefelspütz, sieht demnach "gute Chancen". Mit dem Gesetz
soll die Zuwanderung nach Deutschland geregelt werden, ohne den
Arbeitsmarkt zu belasten.
Um die Streitpunkte aus der Welt zu schaffen, soll dem Bericht zufolge
die Arbeitsgruppe des Vermittlungsausschusses von derzeit 20 auf nur
noch sieben Mitglieder reduziert werden. Dieser Unterarbeitsgruppe
sollen demnach von der Koalition Wiefelspütz, Beck und
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) angehören, von der
Opposition der Unions-Verhandlungsführer und saarländische
Ministerpräsident Peter Müller (CDU), Bayerns Innenminister
Günther Beckstein (CSU) und Bosbach. Als siebtes Mitglied soll Max
Stadler (FDP) teilnehmen.
Strittig sind insbesondere drei Themenfelder: das humanitäre
Flüchtlingsrecht, die Integration und vor allem die
Arbeitsmigration. Das Vorhaben würde platzen, wenn Rot-Grün
auf Zuwanderung auch ohne den Nachweis eines konkreten Arbeitsplatzes
beharre, sagte Bosbach. Ähnlich äußerte sich Beckstein:
Die Arbeitsmigration sei der "Dollpunkt der Verhandlungen". Die im
Gesetz vorgesehene Quotenregelung "kann es angesichts von über
vier Millionen Arbeitslosen nicht geben". Der Grünen-Politiker
Beck sagte dagegen, das Punktesystem zur Zuwanderung sei das
"Kernstück der Reform". Wenn sich die Union durchsetze,
könnten "allenfalls noch Nobelpreisträger in Deutschland
einwandern".
Beim Flüchtlingsschutz sollen nach dem Willen der rot-grünen
Koalition nichtstaatliche Verfolgung und Verfolgung aufgrund des
Geschlechts gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention als
Grund zur Anerkennung des Flüchtlingsstatus gelten. Die Union will
dagegen höchstens einen Verweis auf die Konvention akzeptieren.
Bundespräsident Johannes Rau forderte eine schnelle Einigung. Er
hoffe sehr, dass er mit dem Zuwanderungsgesetz noch ein "großes
Gesetz" zur Unterschrift bekomme, denn "dieser Stillstand" tue
niemandem gut. Die Arbeitsgruppe des Vermittlungsausschusses hatte sich
Anfang Dezember auf den 16. Januar vertagt. Auch die vierte Runde war
ohne Durchbruch geblieben.
(Quelle: afp)
CSU prüft Abendausgehverbot für Kinder unter 14
So.04.01.04 - Die CSU prüft derzeit offenbar ein Ausgehverbot für
Jugendliche unter 14 Jahren. Sie sollen am Abend nach 20 Uhr nur noch
in Begleitung eines Erwachsenen das Haus verlassen dürfen.
CSU-Generalsekretär Söder fordert außerdem, dass
Eltern, die ihre Kinder verwahrlosen lassen, vom Staat stärker zur
Verantwortung gezogen werden. Eltern soll in einem solchen Fall das
Sorgerecht schneller entzogen werden können. Mit diesen beiden
Maßnahmen will die CSU nach den Worten ihres
Generalsekretärs die Kinderkriminalität bekämpfen.
(Quelle: br-Radionachrichten)
SPD-Innenminister will DNA-Tests für alle Strafverdächtigen
So.04.01.04 - Nach zahlreichen Unionspolitikern hat sich jetzt auch ein
führender SPD-Politiker für die Ausweitung von DNA-Tests in
der Verbrechensbekämpfung ausgesprochen. Der
schleswig-holsteinische Innenminister Klaus Buß schlug im
«Spiegel» vor, dass die Polizei von jeder Person, die sie
erkennungsdienstlich behandele, einen genetischen Fingerabdruck nehmen
könne. Buß übernimmt am kommenden Montag den Vorsitz
der Innenministerkonferenz,
«Der Beweiswert des DNA-Materials ist dem herkömmlichen
Fingerabdruck und anderen Identifikationsverfahren weit
überlegen», begründet Buß seinen Vorstoß.
Bislang hatten diese Forderung eher Unionspolitiker vertreten, etwa
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU). Bei einigen
SPD-Innenministern und Grünen-Politikern war das Konzept, für
das die Strafprozessordnung geändert werden müsste, auf wenig
Gegenliebe gestoßen. Sie fürchten Datenmissbrauch und die
Überfrachtung der Dateien mit Informationen über
Kleinkriminelle.
Gegenwärtig darf die Polizei nur mit einem richterlichen Beschluss
den Verdächtigen einem DNA-Test unterziehen, meist wird dazu eine
Speichelprobe entnommen, wie das Magazin berichtet. Gespeichert werden
dürfen die Daten derzeit nur bei schweren Straftaten wie Mord oder
Vergewaltigung. Das Bundeskriminalamt (BKA) verfügt laut
«Spiegel» über mehr als 300.000 DNA-Datensätze,
täglich kommen etwa 300 neue hinzu. Erkennungsdienstliche
Maßnahmen dagegen können die Beamten bei jedem einer
Straftat Verdächtigen vornehmen, wenn dies zur Aufklärung
nötig ist, also selbst bei mutmaßlichen Taschendieben. Die
Fingerabdruckdatei des BKA enthält Merkmale von mehr als drei
Millionen Personen, wie das Magazin berichtet.
(Quelle: ap)
Rechtsextremisten nutzen vermehrt das Internet
So.04.01.04 - Rechtsextremisten nutzen das Internet nach Erkenntnissen des
Verfassungsschutzes immer stärker zu Propaganda-Zwecken. "Das ist
eine nicht zu unterschätzende Gefahr", sagte die Sprecherin des
niedersächsischen Landesamts für Verfassungsschutz, Maren
Brandenburger, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
"Die Zahl der Homepages hat sich seit Mitte der 90er Jahre massiv
vermehrt." 1996 seien noch 30 deutsche Internet-Seiten mit
rechtsradikalen Inhalten registriert worden. Inzwischen liege die Zahl
bei 900. "Wir haben es aber mit einer großen Fluktuation zu tun
und müssen von einer erheblichen Dunkelziffer ausgehen."
Rechtsextreme Parteien, Organisationen, Skinhead-Bands oder auch
Einzelpersonen nutzten das Internet zur Selbstdarstellung. "Inwieweit
das Internet aber ein Einstiegsmedium in den Rechtsextremismus ist,
lässt sich schwer abschätzen", sagte Brandenburger. Für
ihre Mitglieder stellten die Gruppen auch Rückblicke auf
Veranstaltungen und rechtliche Hinweise ins Netz. "Allerdings sind die
Homepages inhaltlich meistens eher zurückhaltend gestaltet.
Aufrufe zur Gewalt oder sonstige Straftatbestände findet man
selten." Anders sehe es bei den Chat-Rooms aus, in denen Interessierte
- teils in abgeschotteten Bereichen - miteinander kommunizieren
können. "Dort geht es oft hart zur Sache, mit volksverhetzenden
und menschenverachtenden Äußerungen", betonte die
Verfassungsschutz-Sprecherin. Die Fahnder versuchten herauszufinden,
"wer dort spricht". Wegen der ständig wechselnden Decknamen sei es
jedoch schwierig, eine konkrete Person auszumachen.
Die Beobachtung rechtsextremistischer Aktivitäten im Internet sei
ein Schwerpunkt des Verfassungsschutzes. Nach Erkenntnissen der
Behörde gibt es mehr als 50 Homepages niedersächsischer
rechtsradikaler Organisationen. "Dabei sind in den vergangenen Monaten
Gruppen wieder im Internet aktiv geworden, die in der Versenkung
verschwunden schienen", sagte Brandenburger. "Das bedeutet aber nicht
zwingend, dass sie auch generell aktiver geworden sind." Vielmehr
hänge es oft damit zusammen, dass eine Organisation bisher
niemanden hatte, der den Internet-Auftritt pflegte.
(Quelle: dpa)
Propaganda, Volksverhetzung, Menschenverachtung - im Internet gibt es
unzählige Seiten, die voll sind von Hasstiraden gegen
Schwächere und Außenseiter. Darunter finden sich nach
Erkenntnissen des Verfassungsschutzes auch immer mehr Homepages der
deutschen Rechtsextremisten...
Mehr bei Spiegel-Online unter:
http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,280476,00.html
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US-Sonde 'Spirit' auf dem Mars gelandet
So.04.01.04 - Die amerikanische Marssonde «Spirit» (MER-A) ist in der
Nacht zum Sonntag auf dem Mars gelandet und hat bereits Signale zur
Erde gesandt. Die Mitarbeiter der Bodenkontrolle in Pasadena in
Kalifornien brachen in Jubel aus, als die ersten Rückmeldungen der
Landeeinheit eintrafen. Noch war jedoch nicht klar, ob
«Spirit» so funktionieren würde wie geplant.
«Wir hatten gehofft, dass sie so landen würde», sagte
der Flugdirektor Chris Jones. Noch am Sonntag sollte
«Spirit» Fotos vom Mars machen und zur Erde schicken. Ihren
Landeplatz soll die Sonde erst in neun Tagen verlassen.
Der 173 Kilogramm schwere Roboter war mit einem Hitzeschild, einem
Fallschirm und Raketen ausgerüstet, um die Landung so sicher wie
möglich zu machen. Acht Sekunden vor dem Aufschlagen öffneten
sich riesige Airbags, die die Instrumente der Landeeinheit vor
Beschädigungen schützen sollten. «Spirit» setzte
in einem Krater von der Größe Israels südlich des
Mars-Äquators auf, wie der Leiter des Navigationsteams, Louis
D'Amario, erklärte.
Zu dem 820 Millionen Dollar teuren US-Projekt gehört auch eine
weitere, baugleiche Landeeinheit, «Opportunity», die am 24.
Januar auf dem Mars landen soll. Die beiden Rover sollen 90 Tage im
Mars-Gestein und in Bodenproben nach Hinweisen auf Wasser suchen. Das
europäische Marslandegerät Beagle 2 ist seit seiner
vermuteten Landung auf dem Planeten am 25. Dezember stumm. Die letzte
amerikanische Mars-Mission schlug 1999 fehl. Damals stürzte der
«Polar Lander» wegen eines Software-Fehlers über dem
Mars ab.
(Quelle: ap)
Mehr unter:
http://marsrovers.jpl.nasa.gov/home/index.html
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