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Irak am zweihundertzweiundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
Blair stattet Truppen in Irak überraschenden Besuch ab. Der
britische Premier nennt Irakkrieg 'Testfall'. Die nächsten sechs
Monate seien 'entscheidend' für Irak +++ Zeitung: Britische
Soldaten prügelten jungen Iraker zu Tode
Mo.05.01.04 - Der britische Premierminister Tony Blair hat am Sonntag den rund 10.000
britischen Soldaten im Irak einen Überraschungsbesuch abgestattet.
An Bord einer Militärmaschine traf Blair von seinem Urlaubsort in
Ägypten kommend in der südirakischen Stadt Basra ein. In einer
Ansprache warnte er vor dem "Virus des islamischen Extremismus", der die
Sicherheit in der Welt bedrohe. Der Irak sei im Kampf gegen
unterdrückerische Regime ein "Testfall" gewesen, sagte er in der
von britischen Truppen kontrollierten südirakischen
Großstadt Basra. Der frühere irakische Machthaber Saddam
Hussein habe Massenvernichtungswaffen "entwickelt und eingesetzt",
bekräftigte Blair. Im Irak seien Fortschritte gemacht worden, die
"noch vor einem Jahr nicht denkbar waren."
Mit dem Argument, der Irak Saddams verfüge über
Massenvernichtungswaffen hatte Blair den Irak-Krieg gegenüber einer
skeptischen Öffentlichkeit begründet. Bislang sind im Irak
derartige Waffen jedoch nicht gefunden worden.
Nach seinem Blitzbesuch in Irak hat der britische Regierungschef die
nächsten sechs Monate als "entscheidend" für die
Stabilisierung der Lage in dem besetzten Land bezeichnet. Die zwei
Hauptaufgaben seien die Übergabe der Souveränität an die
Iraker und die Verbesserung der Sicherheitslage, sagte Blair am Sonntag
auf seinem Heimflug von Irak nach London. Es handele sich um zwei
schwierige Unterfangen, doch müsse dem irakischen Volk gezeigt
werden, "dass wir nicht weglaufen", betonte Blair. Nach dem Zeitplan
der Koalitionstruppen und des irakischen Regierungsrates soll Ende Juni
eine Übergangsregierung die Regierungsgewalt übernehmen.
Diese soll Wahlen für Ende 2005 vorbereiten.
Es war Blairs zweiter Besuch im Irak nach dem Sturz von Präsident
Saddam Hussein. Im Irak-Krieg war Blair der engste Verbündete von
US-Präsident George W. Bush. Dieser hatte seinen Soldaten im Irak
im November überraschend zum Erntedankfest einen Besuch
abgestattet.
Journalisten, die Blair begleiteten, waren unter strenger Geheimhaltung
von Großbritannien nach Ägypten gebracht worden. In Basra
sagte der britische Regierungschef, neben dem islamischen Extremismus
werde die Welt-Sicherheit auch von "brutalen und repressiven Staaten
(gefährdet), die Waffen entwickeln, welche Verwüstungen
massiven Ausmaßes anrichten können".
Die überwiegend von Schiiten bewohnte Stadt Basra wird seit dem
Krieg von britischen Soldaten kontrolliert. Dort ist die Lage nicht so
gefährlich, wie in den sunnitischen Gebieten um die Hauptstadt
Bagdad, wo US-Truppen täglich Ziel von Angriffen sind. Seit dem
Anfang Mai erklärten Ende der Hauptkampfhandlungen sind 200
US-Soldaten durch Rebellen getötet worden. Die britische Armee
verlor im Krieg 20 Soldaten durch Feindeinwirkung. 30 Soldaten kamen
durch Unfälle oder durch irrtümlichen Beschuss der eigenen
Truppen ums Leben.
Ein erster Besuch Blairs im Irak im Mai war durch einen
innenpolitischen Skandal beeinträchtigt worden. Blair war damals
vorgeworfen worden, Geheimdienstinformationen über angebliche
Massenvernichtungswaffen des Irak aufgebauscht zu haben. Auf dem
Höhepunkt des Krieges hatte Großbritannien 45.000 Soldaten
im Irak.
Britische Soldaten in Irak sollen irakische Gefangene misshandelt und
einen von ihnen zu Tode geprügelt haben. Wie der "Independent on
Sunday" berichtete, nahmen die Soldaten im vergangenen September im
südirakischen Basra acht Iraker gefangen. Einer von ihnen, Baha
Musa, wurde dem Bericht zufolge misshandelt, während sein Kopf in
einem Sack steckte und seine Hände gefesselt waren. Ein
Mithäftling sagte der Zeitung, Musa habe geschrien, weil er keine
Luft mehr bekam. Die Soldaten hätten daraufhin nur gelacht und ihn
weiter geschlagen. Ein amtliches ärztliches Gutachten der
britischen Armee besagt dem Zeitungsbericht zufolge, dass der junge
Mann an Erstickung starb.
(Quellen: afp, dpa, rtr, ap)
Saudi-Arabiens Kronprinz dämpft Erwartung an rasche Reformen
Mo.05.01.04 - Der saudiarabische Kronprinz Abdallah hat Hoffnungen auf rasche
Reformen in dem islamisch-konservativen Königreich gedämpft.
"Wir müssen geduldig sein und dürfen die Dinge nicht
überstürzt angehen", sagte Abdallah am Samstagabend vor dem
"Konvent zum Nationalen Dialog", einem Gremium von Ulema
(Religionsgelehrten) und Intellektuellen, das von der
Staatsführung mit der Ausarbeitung von Reformvorschlägen
betraut worden war. "Wir müssen an vier Dingen festhalten: Glaube,
Nation, Geduld und Arbeit", sagte der Kronprinz laut Nachrichtenagentur
SPA.
(Quelle: afp)
In Saudi-Arabien hat der radikale Islam seinen Ursprung, hier
erfährt er seine wichtigste Unterstützung und Inspiration.
Dennoch drückt sich die US-Regierung konsequent davor, die wahre
Rolle Riads als Nährboden für Terrorismus anzuerkennen, ja,
man versucht sogar, diese zu verschleiern...
...Bedenkt man die vielen engen Bande geschäftlicher wie
persönlicher Art zwischen dem amerikanischen Präsidenten,
seiner Familie und seinen engen Mitarbeitern mit dem Königshaus
Saud, so wird klar, dass George W. Bush durch sein bewusstes Wegsehen
eine Angriffsfläche bietet.
Die Rolle Saudi-Arabiens und der Sekte der Wahhabiten als
Brutstätte für islamischen Extremismus ist bestens
dokumentiert. Das Wüstenreich ist führend bei der
Finanzierung und Motivierung so genannter Heiliger Krieger überall
auf der Welt. Wie weit die Komplizenschaft des saudischen Regimes
hierbei reicht, ist ungewiss. Klar ist jedoch, dass die Herrschaft der
königlichen Familie eine Kleptokratie ist und sie ihren
unvermeidlichen Abgang hinauszögert, indem sie die Unruhe im
eigenen Land nach außen verlagert. Der 11. September 2001 war ein
Plot, der von einem saudischen Dissidenten im Exil ersonnen wurde; von
den 19 Flugzeugentführern waren 15 Saudis.
In den beiden Jahren seit dem 11. September 2001 waren die Saudis
Hindernis, nicht Verbündete im Kampf gegen den islamischen
Terrorismus. Zwar verpassten sie einigen Scharfmachern unter ihren
Klerikern einen Maulkorb und trieben ein paar unbedeutende Islamisten
zusammen, doch sie zeigten wenig Neigung, den Geldfluss von so
genannten Wohltätigkeitsorganisationen an al-Qaida und andere
militante Gruppen zu unterbinden. Ihre Zusammenarbeit mit dem FBI und
der CIA beschränkten sie auf ein Minimum.
Die zahlreichen Sprachrohre der saudischen Königsfamilie in
Amerika versichern uns, die Bombenattentate der vergangenen Monate in
Riad hätten die Wende gebracht. Nun sei auch den Saudis die
Gefährlichkeit von al-Qaida bewusst geworden, und sie würden
sich künftig überschlagen, um uns zu helfen. Doch solche
Hoffnungen sind illusorisch und entbehren der Logik. Das Interesse der
saudischen Königsfamilie gilt nur ihrem Selbsterhalt.
John O'Neill, ein hellsichtiger Anti-Terror-Experte des FBI, der bei
den Angriffen auf das World Trade Center umkam, hat lange vor dem 11.
September erkannt: Das Problem des Islamo-Faschismus ist in erster
Linie ein saudisches. „Alles, was nötig ist, um die Organisation
Osama bin Ladens zu demontieren, ist in Saudi-Arabien zu finden."
Allerdings nur, wenn man willens ist, hinzusehen. Das ist Bush
offensichtlich nicht. Vielmehr gewährte er den Saudis in jeder
kritischen Situation Schutz.
Innerhalb weniger Stunden nach den schrecklichen Ereignissen in New
York und Washington zeichnete sich bereits ab, nach welchem Muster die
weiteren Beziehungen ablaufen würden: Prinz Bandar bin Sultan,
saudischer Botschafter in Washington, durfte Mitglieder des
Bin-Laden-Clans heimlich aus den Vereinigten Staaten verschwinden
lassen, bevor diese vom FBI verhört werden konnten. Das
amerikanische Justizministerium behinderte von Anfang an die Klage von
Familien der Opfer des 11. September gegen das saudische Regime. Im
Weißen Haus wurden sämtliche Stellen des Kongress-Berichtes
geschwärzt, die detailliert über die Rolle Saudi-Arabiens bei
den Ereignissen des 11. September berichteten. Und jeder, vom
US-Präsidenten an abwärts, wiederholte beharrlich, die Saudis
seien Mitglieder im Anti-Terrorismus-Kampf.
Bush kann mit so viel Kampf-Rhetorik um sich werfen, wie er will. Im
Fall der Saudis spricht seine Untätigkeit die deutlichere Sprache.
Interessant ist allerdings die Frage, welchen Grund er haben
könnte, eher den Krieg gegen den Terrorismus zu untergraben als
die Konfrontation mit Riad zu suchen. Man braucht keine lebhafte
Phantasie, um sich zu wundern, ob mehr als das Öl oder eine
besonders üble Form von Realpolitik dahinter stecken könnten.
Die Verbindungen zwischen dem Hause Bush und dem Hause Saud sind tief.
Die saudische Investition in den Carlyle-Konzern – eine private
Beteiligungsgesellschaft, zu deren Auftragsbeschaffern George Bush
senior zählte – fällt ebenso hierunter wie die Finanzierung
durch die Saudis von Vater Bushs herrschaftlicher
Präsidentenbibliothek oder die lukrativen Verträge, die
Saudi-Arabien der Firma Halliburton zukommen ließ, als
Vize-Präsident Dick Cheney noch das Unternehmen lenkte. Die
Anwaltskanzlei „Baker Botts" ( Teilhaber ist der frühere
US-Außenminister James Baker, der die Familie Bush in
Rechtsfragen berät) übernimmt die Hauptverteidigung der
Saudis im Prozess mit den Familien der Opfer vom 11. September. Nicht
zuletzt ist da natürlich auch das Öl, das sie verbindet.
Kurz: Die Familie Bush hat gewaltig profitiert von der Beziehung zu
einer ausländischen Regierung, die indirekt, wenn nicht direkt,
mit den Angriffen des 11. September sowie anderen terroristischen
Vorfällen in Verbindung gebracht werden kann, und die als
treibende Kraft hinter dem weltweiten Dschihad steckt. Es besteht auch
noch Klärungsbedarf darüber, welche Rolle saudisches Geld bei
den Öl-Geschäften von Bush junior spielte oder hinsichtlich
der Iran-Contra-Affäre, die erstaunlich spurlos an Bush senior
vorüber gegangen ist.
Die saudische Karte zu spielen, wäre ein kühner Schritt und
Signal für die Demokraten in einem Wahlkampf, in dem ohnehin mit
harten Bandagen gekämpft werden wird. Die jetzige US-Regierung
scheint im Krieg gegen den Terror mit zweierlei Maß zu messen:
Für die Saudis gelten andere Regeln als für den Rest der
Welt. Die Frage nach den Gründen hierfür ist berechtigt...
Aus: Michael Steinberger - "Bei den Saudis schaut Bush lieber
weg",
Süddeutsche Zeitung vom 03.01.04
Michael Steinberger ist Journalist und leitender Redakteur beim
„Foreign Policy Magazine"
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'Bin-Laden-Tonband' ruft Muslime zum Aufstand gegen ihre Herrscher auf
Mo.05.01.04 - Der arabische TV-Sender El Dschasira hat am Sonntagabend eine angeblich
von dem radikalislamischen Extremistenführer Osama bin Laden
stammende, neue Tonband-Botschaft ausgestrahlt.. Eine ihm
zugeschriebene Stimme rief die Muslime zum "Heiligen Krieg" und zum
Aufstand gegen ihre Herrscher auf. Das Band enthielt keine genauen
Drohungen zu möglichen Anschlägen. Amerika führe einen
"religiös-wirtschaftlichen Krieg" gegen die muslimische Nation,
sagte der Sprecher auf dem Tonband. Die Botschaft muss in den
vergangenen Wochen aufgezeichnet worden sein, da darin die Festnahme
des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein erwähnt wird.
Ein Sprecher des US-Geheimdienstes CIA sagte, erst nach ein paar Tagen
und nach sorgfältiger Analyse ließen sich Aussagen über
die Echtheit des Tonbandes machen.
Bin Laden ruft in seiner Botschaft alle Moslems zum Kampf gegen die
US-Besatzungstruppen im Irak auf. Der Kampf gegen die
US-Besatzungstruppen müsse mit Waffen und nicht mit Worten
ausgefochten werden, heißt es in der Bandaufzeichnung. Die
arabischen Golfstaaten werden darin kritisiert, dass sie die Invasion
der von den USA geführten Truppen im Irak zugelassen hätten.
Die Moslems in aller Welt werden aufgefordert, sich gegen die
angebliche Verschwörung gegen den Islam zur Wehr zu setzen. Auch
werden darin die Bemühungen um Frieden im Nahen Osten unter dem
sogenannten Friedensfahrplan kritisiert, der von den USA, der UNO, der
EU und Russland unterstützt wird.
In den USA werden Bin Laden und seine Organisation El Kaida unter
anderem für die Flugzeug-Anschläge vom 11. September 2001
verantwortlich gemacht, bei denen über 3000 Menschen starben.
Zuletzt hatte El Dschasira am 20. Dezember eine angebliche
Bin-Laden-Botschaft ausgestrahlt. Darin waren die arabischen
Regierungen, die dem Aufruf der USA zur Demokratisierung folgten, als
"Ungläubige" bezeichnet worden.
(Quellen: dpa, rtr)
USA verschärfen Einreisekontrollen
Mo.05.01.04 - Wer mit einem Visum in die USA einreist, muss sich ab dieser Woche
schärferen Kontrollen unterziehen. An 115 US-Flughäfen und
den 14 wichtigsten Seehäfen werden von den Reisenden
Fingerabdrücke genommen und Fotos gemacht. Die Informationen
werden mit Datenbanken abgeglichen, in denen beispielsweise Hinweise
auf kriminelle oder terroristische Hintergründe gespeichert sind.
Die Kontrolle wird bei der Ausreise wiederholt. Das Programm namens
US-VISIT (U.S. Visitor and Immigrant Status Indicator Technology) soll
am heutigen Montag in Betrieb genommen werden. Pro Jahr sollen
schätzungsweise 24 Millionen Ausländer überprüft
werden. Ausgenommen von den neuen Regeln sind Besucher aus 28
Ländern, die für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen kein
Visum benötigen, beispielsweise Touristen aus EU-Staaten.
(Quelle: ap)
Krieg als Dauerzustand
...Die US-Regierung hat wieder einmal "Code Orange" ausgerufen, die
zweithöchste Alarmstufe. Auch in Europa wollen die Behörden
in den letzten Tagen Hinweise auf neue Terrorakte bekommen haben. Zwar
ist es zum Jahreswechsel nicht zu den befürchteten Anschlägen
gekommen. Aber die offizielle Warnungen zeigen dennoch: Auch nach mehr
als zwei Jahren des militärischen Krieges gegen den Terror ist
kein Erfolg absehbar.
Der von George W. Bush im September 2001 ausgerufene Antiterrorkrieg
hat nicht verhindert, dass weitere grausame Anschläge verübt
wurden. Bali und Istanbul waren nur die zerstörerischsten in einer
langen Serie von Terrorakten. Und es deutet einiges darauf hin, dass
die kriegerische Reaktion auf die Anschläge von New York und
Washington sogar eine neue Generation potenzieller Attentäter zu
neuen Taten motiviert hat. Weitere Anschläge, auch in den USA oder
Westeuropa, sind wahrscheinlicher geworden.
Eine Debatte darüber, ob der Ende 2001 eingeschlagene Weg richtig
war, findet trotz der offensichtlichen Erfolglosigkeit des
militärischen Vorgehens gegen den weltweiten Terrorismus nicht
statt. Und dies gilt nicht nur für die USA, die von einem breiten
Spektrum der deutschen Öffentlichkeit mit unangebrachter Arroganz
betrachtet werden.
Auch in Deutschland ist bislang nicht einmal im Ansatz eine kritische
Auseinandersetzung mit der Entscheidung vom November 2001 zu erkennen,
an der "Operation Enduring Freedom" teilzunehmen - obwohl sich die
Bundesrepublik damit vorbehaltlos der kriegerischen Antiterrorlogik
anschloss. Immer noch wird akzeptiert, dass die Beweislast nur auf der
Seite der Skeptiker, keinesfalls aber bei den Befürwortern eines
militärischen Vorgehens liegt.
Mittlerweile ist der so genannte Krieg gegen den Terror zu einem
Dauerzustand geworden. Reflektiert wird nicht mehr. Nicht nur in der
neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA, auch in der gerade erst
verabschiedeten außenpolitischen Doktrin der EU steht der
Terrorismus ganz oben auf der Liste der vermeintlich militärisch
zu bekämpfenden Bedrohungen. Für die Nato gilt nach wie vor
der kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufene
Bündnisfall. Formell ist die Allianz also weiterhin damit
beschäftigt, einen akuten Angriff auf dass Territorium der
Vereinigten Staaten abzuwehren.
Dieser permanente Kriegszustand setzt die politischen Rahmenbedingungen
für das außenpolitische Handeln. Ähnlich wie
während der Ost-West-Konfrontation und entgegen aller
weltbefreienden Rhetorik verhindert der globale Antiterrorkrieg
Demokratisierung, wirtschaftliche Entwicklung und die Einhaltung der
Menschenrechte. Wie einst der Vorwand, kommunistische Diktaturen
einzudämmen, ist es jetzt der Vorwand der Terroreindämmung,
der für alles herhalten muss: Unterstützung brutaler Regime,
Missachtung elementarer Menschenrechte, Waffenexport, Aufrüstung
und ein gigantischer, global vernetzter Militärapparat in
ständiger Alarmbereitschaft. Die so genannte Schurkendoktrin der
USA, die zunächst das verloren gegangene Feindbild Sowjetunion
ersetzen sollte, wurde in Europa noch mit Skepsis betrachtet. Ihre
Erweiterung zum Antiterrorkampf wird dagegen kritiklos angenommen....
Aus: Eric Chauvistré - "Krieg als Dauerzustand", taz, 05.01.04
Mehr unter:
http://www.taz.de/pt/2004/01/05/a0193.nf/text
Eric Chauvistré hat den Antiterrorkrieg in den letzten zwei
Jahren für die taz analysiert und kommentiert. Seit Anfang
Dezember ist er Redakteur der renommierten Monatszeitschrift
"Blätter für deutsche und internationale Politik"
|
Falscher Bio-Alarm im Kapitol
Mo.05.01.04 - Das Kapitol in Washington ist wegen eines falschen Bio-Alarms
vorübergehend geräumt worden. Ein Sensor im Keller des
Senatsflügels hatte nach Angaben der Behörden den Alarm
ausgelöst. Das Gebäude wurde evakuiert. Der Sensor hatte auf
eine Substanz reagiert, die sich nach einem Rundfunkbericht als
harmloses Lösungsmittel herausstellte. 2001 waren mehrere
hochgefährliche Milzbrand-Briefe an Senatoren und Abgeordnete
geschickt worden.
(Quelle: dpa)
Neue Verfassung für Afghanistan
Das Land wird "Islamische Republik". Der Islam wird Staatsreligion +++
Jede Form der Diskriminierung ist verboten +++ Präsident Karsei
erhält die von ihm gewünschte starke Stellung +++
Verabschiedung der afghanischen Verfassung international
begrüßt
Mo.05.01.04 - Afghanistan hat zwei Jahre nach dem Sturz der Taliban ein neues
Grundgesetz. Nach dreiwöchigem zähen Ringen beschloss die
Große Ratsversammlung (Loja Dschirga) am Sonntag in Kabul eine
Verfassung. Damit ebneten die 502 Delegierten den Weg für die
ersten freien Wahlen nach fast 25 Jahren Krieg und Bürgerkrieg.
Nach der neuen Verfassung ist Afghanistan eine «Islamische
Republik». Das Grundgesetz mit seinen 162 Artikeln trägt
aber in weiten Teilen liberalen Vorstellungen des Westens Rechnung. Die
Regierung wird künftig von einem Präsidenten geführt,
der ähnlich wie in den USA mit weit reichenden Machtbefugnissen
ausgestattet ist. Bei diesem am heftigsten umstrittenen Punkt setzte
sich Übergangspräsident Hamid Karsai durch, der gedroht
hatte, andernfalls bei den im Juni geplanten Wahlen nicht zu
kandidieren. Der Präsident hat zwei Stellvertreter. Einen
Ministerpräsidenten wird es nicht geben. Der Präsident ist
einer der beiden Kammern des Parlaments verantwortlich.
Der Islam wird Staatsreligion. Gleichzeitig wird Anhängern anderer
Religionen aber das Recht auf Ausübung ihres Glaubens zugestanden.
Das Wort Scharia, die islamische Rechtsprechung, findet sich nicht in
der neuen Verfassung. Jede Form der Diskriminierung ist verboten,
Frauen und Männern werden die gleichen Rechte zugestanden.
«So weit es möglich war, spiegelt die neue Verfassung die
Forderungen ganz Afghanistans wider», sagte Karsai. Der UN-
Sondergesandte Lakhdar Brahimi meinte an die Adresse der Delegierten:
«Sie können stolz sein auf das, was Sie geleistet
haben.» Die Afghanen könnten die neue Verfassung «als
eine neue Quelle der Hoffnung» betrachten.
UN-Generalsekretär Kofi Annan begrüßte die neue
Verfassung als eine «historische Errungenschaft». Sie
demonstriere die Entschlossenheit der afghanischen Bevölkerung,
den Übergang ihres Landes zu einem stabilen und demokratischen
Staat zu vollziehen. In einer Erklärung, die ein Sprecher Annans
am Sonntagabend (Ortszeit) im Namen des UN-Chefs veröffentlichte,
heißt es, «dies ist ein weiterer wichtiger Schritt des
Friedensprozesses, der den Einsatz des afghanischen Volkes und der
internationalen Gemeinschaft rechtfertigt».
US-Präsident George W. betonte am Sonntag, die Verfassung schaffe
die Grundlagen für demokratische Institutionen und Wahlen vor
Jahresende. «Ein demokratisches Afghanistan wird den Interessen
und gerechten Erwartungen des gesamten afghanischen Volkes dienen und
dazu Beitragen, dass der Terrorismus keinen Unterschlupf mehr in diesem
stolzen Land findet», sagte er.
Bundesaußenminister Joschka Fischer beglückwünschte das
afghanische Volk «zu diesem ermutigenden Erfolg». Die
Verfassung stellte «einen bedeutenden Beitrag für Demokratie
und Schutz der Menschenrechte in Afghanistan» dar», sagte
Fischer am Sonntagabend in Berlin. «Von großer Bedeutung
ist insbesondere, dass demokratische, freie und allgemeine Wahlen von
der Verfassung vorgesehen sind und dass der Grundsatz der Gleichheit
von Mann und Frau gegenüber dem ursprünglichen
Verfassungsentwurf verstärkt wurde.»
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
begrüßte die Annahme der Verfassung als einen ermutigenden
Schritt für den politischen Wiederaufbau Afghanistans. Wichtig
sei, dass darin die Menschenrechte und besonders die Rechte der Frauen
verankert worden seien. Deutschland unterstützt den Wiederaufbau
Afghanistans allein bis 2005 mit 320 Millionen Euro.
Der frühere afghanische König Zahir Schah bekommt laut
Verfassung den Titel «Vater der Nation».
Regierungsmitglieder dürfen nur die afghanische
Staatsbürgerschaft haben. Landesweite Amtssprachen werden Paschtu,
die Sprache der Paschtunen, und Dari, die Sprache der tadschikischen
Volksgruppe. In Gegenden, wo es eine Mehrheit bestimmter anderer
Volksgruppen gibt, wird deren Sprache zur dritten Amtssprache.
Über diesen Punkt hatten die mehrheitlich gewählten
Delegierten bis zuletzt gestritten.
Nach der Einigung der Delegierten wollen der frühere König
und Karsai die Verfassung feierlich unterzeichnen und verkünden.
Ein genauer Termin für die Zeremonie stand noch nicht fest.
(Quelle: dpa)
Immer wieder versuchen sich Frauen in Afghanistan selbst zu
verbrennen...
...Über die Gründe wollen die Angehörigen nur selten
sprechen - meist aus Scham. Manch Überlebende endet später im
Gefängnis. Warum flüchten die Frauen in den Tod?
Mehr in einer Reportage von ARD-Korrespondent Armin-Paul Hampel:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/
0,1185,OID2812834_REF1,00.html
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Nahost-Konflikt
Israelische Armee marschiert in Tulkarem ein +++ Vorwürfe gegen
israelische Soldaten erhoben +++ Israels Justizminister fordert neuen
Verlauf der Sperranlage. Minister: Sperrwall könnte zu Sanktionen
gegen Israel führen +++ Jordaniens König Abdullah und der
britische Premier Blair fordern Wiederaufnahme der
Nahost-Gespräche +++ Demnächst Treffen von Scharon und Chirac
zu Nahost-Krise
Mo.05.01.04 - Die israelische Armee ist am Montagmorgen in das Flüchtlingslager
Tulkarem im nördlichen Westjordanland einmarschiert. Insgesamt 25
Panzer und Geländewagen seien an der Aktion beteiligt gewesen,
teilten palästinensische Sicherheitskräfte mit. Soldaten
seien in eine Reihe von Häusern eingedrungen, die sie zuvor
umstellt und gewaltsam geöffnet hätten. Dabei sei es zu
Schusswechseln mit bewaffneten Palästinensern gekommen.
Die israelische Menschenrechtsorganisation B'tselem hat derweil
Soldaten an einem Kontrollpunkt bei Nablus im Westjordanland die
fortgesetzte Misshandlung von Palästinensern vorgeworfen. In einem
am Sonntag veröffentlichten Bericht wirft die Organisation
ausserdem den Streitkräften vor, ihre wiederholten Aufforderungen
zu ignorieren, den Vorwürfen über Fehlverhalten von Soldaten
nachzugehen.
B'tselem führt in dem Bericht zehn Vorfälle im Laufe von vier
Tagen im Dezember auf, bei denen Soldaten am Kontrollpunkt Sara auf
Palästinenser geschossen oder auf sie eingeschlagen habe.
Ausserdem sei Palästinensern gedroht worden, sie zu töten.
Ein Militärsprecher sagte, man habe den Bericht am Sonntag
erhalten. Es sei aber zeitlich noch nicht möglich gewesen, den
"sehr ernsten" Vorwürfen nachzugehen.
Der israelische Justizminister Josef Lapid hat am Sonntag einen
veränderten Verlauf der Sperranlage im Westjordanland gefordert,
um Sanktionen wegen der bisher geplanten Einschnitte in
palästinensisches Land zu vermeiden.
"Das Risiko ist sehr groß, dass das Weltgericht gegen uns
entscheiden wird ... und das wird die Vollversammlung dazu bewegen,
alle möglichen Sanktionen gegen uns zu beschließen", sagte
Lapid dem israelischen Rundfunk. Diesen Standpunkt habe er auch am
Sonntag bei der wöchentlichen Kabinettssitzung der Regierung
vertreten.
"Wir müssen den Verlauf des Zaunes überdenken", sagte Lapid.
Lapid gehört der säkularen Partei Schinui an, einem der
größeren Koalitionspartner des rechts-konservativen Likud
von Ministerpräsident Ariel Scharon. Die Regierung nahm
zunächst keine Stellung zu Lapids Aussagen.
Israel begründet die Sperranlage, die teils aus Betonmauern und
teils aus einem Zaun mit Stacheldraht besteht, mit dem nötigen
Schutz vor palästinensischen Attentätern. Der Verlauf der
Anlage ist international kritisiert worden. Die Palästinenser
werfen Israel vor, damit palästinensisches Land zu beschneiden und
eine zukünftige Grenze vorweg nehmen zu wollen.
In ihrem Protest gegen die teils meterhohe Sperrmauer sind arabische
Staaten den Palästinensern beigesprungen und bereiten derzeit
gemeinsam mit ihnen eine Klageschrift für eine Anhörung vor
dem Internationalen Gericht in Den Haag vor, die auf Antrag der
UNO-Vollversammlung im kommenden Monat stattfinden wird.
Der jordanische König Abdullah und der britische Premierminister
Tony Blair haben Israel und die Palästinenser zur Wiederaufnahme
von Friedensgesprächen aufgefordert. In einer am Sonntag nach
einer Unterredung der beiden Staatsmänner in Amman verbreiteten
Erklärung hiess es, der Kreislauf der Gewalt zwischen Israelis und
Palästinensern müsse durchbrochen werden. König Abdullah
kritisierte unter anderem den Ausbau jüdischer Siedlungen in den
besetzten Gebieten sowie den Bau des umstrittenen Sperrwalls zum
Westjordanland hin. Blair traf den jordanischen Monarchen nach seinem
Blitzbesuch in der irakischen Hafenstadt Basra.
Der israelische Regierungschef Ariel Scharon und Frankreichs
Präsident Jacques Chirac wollen in Kürze bei einem Treffen
über die Krise in Nahost beraten. Beide Politiker hätten
vereinbart, "demnächst" zu einem Gespräch über die Lage
in Nahost zusammenzukommen, teilte das Büro Scharons am Sonntag
mit. Ein konkreter Zeitpunkt wurde in der Erklärung nicht benannt.
Scharon übermittelte Chirac demnach bei einem Telefonat am
Sonntagabend sein Beileid für die bei dem Flugzeugabsturz
über dem Roten Meer am Vortag getöteten französischen
Touristen.
(Quelle: afp, rtr, ap)
Wehrdienstverweigerer in Israel zu Gefängnisstrafe verurteilt
Mo.05.01.04 - Fünf israelische Wehrdienstverweigerer sind am Sonntag von einem
Militärgericht in Jaffa zu einer einjährigen Haftstrafe
verurteilt worden. Es war das erste derartige Urteil seit Beginn des
Palästinenser- Aufstandes vor mehr als drei Jahren.
Der Staatsanwalt beim Militärgericht in Jaffa teilte mit, die
fünf jungen Männer, alle im Alter von 20 Jahren, seien der
Befehlsverweigerung für schuldig befunden worden, weil sie dem
Befehl zu ihrem Einsatz in den israelisch besetzten Gebieten
Westjordanland und Gaza-Streifen nicht gefolgt seien. In Israel gilt
allgemeine Wehrpflicht, die Zeit beträgt drei Jahre.
"Jeden Tag begehen die Soldaten Verbrechen in den besetzten Gebieten.
Während wir in den Bau müssen, bleiben sie frei", beklagte
sich Haggai Matar, einer der Wehrdienstverweigerer, vor Journalisten.
Einer seiner Kollegen prophezeite, die Zahl der Verweigerer aus
Gewissensgründen werde in naher Zukunft noch deutlich steigen.
Ihre Gefängnisstrafen müssen die jungen Männer am
Mittwoch antreten. Danach können sie als Vorbestrafte versuchen,
ihre Untauglichkeit für den Wehrdienst durchzusetzen.
Erst kürzlich hatten 13 israelische Reservisten, Angehörige
einer Elite-Truppe, erklärt, sie würden sich weigern, an
Einsätzen in den Palästinenser-Gebieten teilzunehmen.
Ähnliche Bedenken hatten am 27. September ehemalige und
Reserve-Piloten der israelischen Luftwaffe öffentlich vorgetragen.
Israel hat die oft von Schießereien mit Aufständischen
begleiteten Razzien der Armee und Kampfhubschrauber-Einsätze der
Luftwaffe in den Palästinenser-Gebieten mit dem Schutz vor
Terrorangriffen begründet.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv
Israelische Elitesoldaten verweigern Dienst in
Palästinensergebieten
Mo.22.12.03 - Eine Gruppe aus 13 israelischen Elitesoldaten hat am Sonntag
demonstrativ den Militärdienst in den Palästinensergebieten
verweigert. Die Soldaten und Offiziere der Spezialeinheit des
Generalstabes hätten einen Brief an die Regierung unterschrieben,
berichtete das israelische Fernsehen.
Die Militärs begründeten ihren Schritt mit Sorge um die
Zukunft Israels als demokratischer, zionistischer und jüdischer
Staat, wie es hieß...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312220.htm#03122204
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312240.htm#031224_e
Brief der 13 Verweigerer an Israels Premierminister im Wortlaut
Am 21. Dezember 2003 richteten dreizehn Reservisten der
Elitekommandoeinheit (Sayeret Matkal) des Generalstabs der israelischen
Verteidigungsstreitkräfte einen Brief an Premierminister Scharon,
in dem sie ihre Weigerung ankündigen, weiterhin in den besetzten
palästinensischen Gebieten Dienst zu tun. Die "junge Welt" vom
24.12.03 dokumentiert diesen Brief:
http://www.jungewelt.de/2003/12-24/007.php
Netanjahus Neffe wegen
Wehrdienstverweigerung vor Militärgericht
Do.13.11.03 - Ein Neffe des israelischen Finanzministers Benjamin Netanjahu, der den
Wehrdienst verweigert, hat einen juristischen Teilerfolg errungen. Ein
Militärtribunal in Jaffa befand Jonatan Ben Artzi zwar der
Befehlsverweigerung für schuldig, schenkte aber seinen Angaben
Glauben, aus Gewissensgründen gehandelt zu haben. Ein Ausschuss
der Streitkräfte hatte zuvor erklärt, Ben Artzi habe den
Militärdienst verweigert, um sein Studium fortsetzen zu
können.
Dieser Einschätzung widersprach das Militärgericht am
Mittwoch und verwies den Fall zurück an den Ausschuss. Ben Artzi,
der 16 Monate im Gefängnis verbracht hat, bezeichnete das Urteil
als teilweisen Sieg. "Sie glauben mir, dass ich ein Pazifist bin",
sagte er der Nachrichtenagentur AP.
Netanjahu war von 1996 bis 1999 israelischer Ministerpräsident. Er
vertritt eine harte Linie gegenüber den Palästinensern.
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Indonesien: 16 Tote in Bürgerkriegsprovinz Aceh
Mo.05.01.04 - Bei einer neuen Welle der Gewalt sind am Wochenende in der
indonesischen Provinz Aceh mindestens 16 Menschen getötet worden.
Nach Militärangaben erschossen Soldaten zehn Mitglieder der
Separatisten-Bewegung GAM. Die Rebellen hätten außerdem
sechs Zivilisten getötet. Seit dem vergangenen Mai läuft eine
groß angelegte Militäroffensive gegen die
Aufständischen. Seitdem wurden nach Armeeangaben mehr als 1500
Rebellen getötet.
(Quelle: dpa)
Elf Tote bei Anschlag auf den Philippinen
Mo.05.01.04 - Beim Anschlag auf den Bürgermeister der südphilippinischen
Stadt Parang sind nach offiziellen Angaben vom Montag mindestens elf
Menschen ums Leben gekommen. Weitere 68, darunter Bürgermeister
Vivencio Bataga, wurden verletzt. Der Sprengsatz, der auf einem
Motorrad befestigt war, explodierte am Sonntag vor einer Sporthalle,
die wegen eines Basketballspiels voll besetzt war. Bataga
überlebte bereits drei Attentate. Er gilt als entschiedener
Kritiker muslimischer Separatisten in der Region und geht hart gegen
den Drogenhandel vor. Die Islamische Befreiungsfront Moro (MILF)
distanzierte sich von dem jüngsten Anschlag.
(Quelle: ap)
Saakaschwili Sieger bei Präsidentenwahl in Georgien
Bemühen um engeren Anschluss an Europa und an die USA +++ Der
Westen hat Interesse an einer vor allem von den USA finanzierten
Öl-Pipeline
Mo.05.01.04 - Aus der Präsidentenwahl in Georgien ist der Oppositionspolitiker
Michail Saakaschwili am Sonntag Nachwahlumfragen zufolge als Sieger
hervorgegangen.
Laut Prognosen erhielt der 36-jährige Rechtsanwalt Saakaschwili
mindestens 85,8 Prozent der Stimmen. Sich selbst zum Sieger
erklärend sprach Saakaschwili am Abend sogar von 96 bis 97 Prozent
der Stimmen, die auf ihn entfallen seien, wie Wahlhelfer ihm mitgeteilt
hätten. Offiziell hieß es, die Wahlbeteiligung in ganz
Georgien sei allgemein gut gewesen, zur Bekanntgabe von Ergebnissen sei
es jedoch noch zu früh.
Vor seinen jubelnden Anhängern erklärte Saakaschwili in der
Hauptstadt Tiflis: "Es ist euer Sieg. Nicht ich habe die Wahl gewonnen
- ihr, mein Volk, habt diese Wahl gewonnen. Es gibt viele Probleme zu
lösen, aber wir werden gemeinsam unser Land aufbauen und zusammen
auf dem Weg der Demokratie gehen".
Als politische Hauptziele nach Bekanntgabe eines Wahltermins für
Parlamentswahlen und nach Bestellung seines Kabinetts nannte
Saakaschwili ferner das Bemühen um einen engeren Anschluss an
Europa und an die USA. Interesse gibt es im Westen an einer vor allem
von den USA finanzierten Pipeline, die ab dem Jahr 2005 Öl vom
Kaspischen Meer in die Abnehmerländer bringen soll. Auch in
Russland, von dem sich Georgien nach dem Fall des Kommunismus
löste, wurde die Wahl mit Interesse beobachtet.
Saakaschwili hatte die zivile Protestbewegung angeführt, die
seinen politischen Ziehvater, Präsident Eduard Schewardnadse, nach
einer von Unregelmäßigkeiten begleiteten Parlamentswahl im
November zum Amtsverzicht zwang.
Schewardnadse stimmte bei der Präsidentenwahl dennoch für
Saakaschwili, wie er nach seiner Stimmabgabe erklärte. "Er ist
jung, er hat eine Menge Energie und ist sehr gebildet." Schewardnadse
warnte aber, nun sei es Zeit für "mehr Taten und weniger Worte".
Saakaschwili hat angekündigt, die in Georgien weit verbreitete
Korruption zu bekämpfen, gegen Provinz-Potentaten vorzugehen und
die Beziehungen des hoch verschuldeten Landes zu den internationalen
Finanzorganisationen wiederherzustellen. Rund die Hälfte der
Bevölkerung lebt in Armut. "Die Menschen sehnen sich nach einer
besseren Zukunft", sagte Saakaschwili.
In der Schwarzmeer-Region Abchasien war die Präsidentenwahl
boykottiert worden, und nur in den Gebieten von Süd-Ossetien, die
von Tiflis kontrolliert werden, waren am Sonntag Bürger an die
Urnen gegangen. In der Region Adschara, in der der Provinzpolitiker
Aslan Abaschidse ein eigenes Regiment führt, war die
Wahlbeteiligung sehr gering.
Neben Saakaschwili hatten sich fünf weitere Kandidaten um das
Präsidentenamt beworben. Die Wahlleitung hatte die
Präsidentenwahl für gültig erklärt, nachdem drei
Stunden vor Schließung der Wahllokale mehr als 50 Prozent der
registrierten 1,8 Millionen Wähler ihre Stimme abgegeben hatten.
Damit war das geforderte Quorum für die Mindestwahlbeteiligung
erreicht.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv
Michail Saakaschwili - Georgischer Oppositionsführer und
Bewunderer Amerikas
Mann des Jahres war er 1997. Justizminister ist er auch schon gewesen,
dabei ist Saakaschwili gerade mal 35 Jahre alt.
Während Schewardnadse der sowjetischen Kaderschmiede entstammt,
sog der flamboyante Saakaschwili früh westliche Werte auf. Nach
einem Studium in Kiew, Straßburg und Florenz ging der
verheiratete Jurist in die USA ....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311220.htm#031122_2
Georgische Demonstranten stürmen Parlament
Schewardnadse verhängt den Ausnahmezustand +++ Zehntausende
fordern den Rücktritt des Staatschefs +++ Russischer
Außenpolitiker Dmitri Rogosin spricht von einem
Staatsstreich nationalistischer Kräfte in Georgien mit 'klarer
Unterstützung der Amerikaner'
Sa.22.11.03 - In Georgien haben Gegner des bedrängten Präsidenten Eduard
Schewardnadse (75) am Samstag das Parlament gestürmt und faktisch
die Macht in der Hauptstadt Tiflis übernommen. Als der
Präsident die konstituierende Sitzung der mit Manipulationen
gewählten neuen Volksvertretung eröffnete, drangen
Anhänger der Opposition in das Gebäude ein. Auf den
Straßen forderten Zehntausende den Rücktritt des Staatschefs...
...Der russische Außenpolitiker Dmitri Rogosin sprach von einem
Staatsstreich nationalistischer Kräfte in Georgien mit "klarer
Unterstützung der Amerikaner"...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311220.htm#03112230
"Ich kann nicht insgesamt über die USA sprechen ... Ich hoffe,
dass die US-Administration nicht beteiligt war", sagte Schewardnadse,
als er über die Hintermänner des Umsturzes in Georgien
sprach. Bereits im Wahlkampf hatte sich der Politiker über die
Einmischungsversuche besonders eines US-Amerikaners beklagt: Des
Multimilliardärs George Soros, dessen Stiftungen und
Gesellschaften in allen postsowjetischen Staaten aktiv sind....
War die angeblich "samtene Revolution" in Georgien in Wirklichkeit eine
"Soros-Revolution?" Diese Frage untersucht Jürgen Elsäser in
einem telepolis-Artikel vom 08.12.03:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16262/1.html
Georgien gilt als strategisch wichtiges Transit-Land für die
Öl- und Gas-Versorgung des Westens
Die Lage des Landes ermöglicht es, von den zunehmend wichtigeren
Öl-Feldern im Kaspischen Meer Pipelines zu legen, die weder durch
russisches noch durch iranisches oder armenisches Territorium
führen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311280.htm#031128_1
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Amtsantritt des neuen NATO-Generalsekretärs
Mo.05.01.04 - Bei der NATO in Brüssel übernimmt heute der neue
Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer die Amtsgeschäfte. Er
war bisher niederländischer Außenminister. Jaap de Hoop
Scheffer tritt die Nachfolge von George Robertson an. Aufgabe des
Generalsekretärs ist es vor allem, die 19 Staaten des
Bündnisses in schwierigen verteidigungspolitischen Fragen zu einem
Konsens zu bewegen, denn in der NATO gibt es keine
Mehrheitsentscheidungen. De Hoop Scheffer wird ein guter Kontakt zur
US-Regierung zugeschrieben.
(Quelle: dpa)
Irlands Premier gegen Europa mit zwei Geschwindigkeiten
Mo.05.01.04 - Irlands Regierungschef Bertie Ahern hat sich nachdrücklich gegen
die Idee einer weiteren Integration Europas mit zwei Geschwindigkeiten
ausgesprochen.
Ahern, dessen Land im ersten Halbjahr 2004 turnusmäßig die
EU-Ratspräsidentschaft führt, sagte am Sonntag im irischen
Sender RTE, dieser von einigen EU-Mitgliedern vertretene
Lösungsansatz sei aus seiner Sicht "nicht hilfreich".
Dies werde er auch dem Chef der EU-Kommission, Romano Prodi,
verdeutlichen, mit dem er im Lauf der Woche zu einem Arbeitstreffen
zusammenkommen will. Bei dem Treffen will Ahern mit Prodi die irischen
Agenda für die sechs Monate der irischen Ratspräsidentschaft
beraten.
Prodi hatte in der vergangenen Woche gesagt, es könne sein, dass
Europa im Zuge der Ost-Erweiterung künftig mit zwei
Geschwindigkeiten operieren müsse, sollte der lähmende Streit
um die künftige europäische Verfassung nicht bald
geklärt sein.
Ähnlich hatte sich auch Bundeskanzler Gerhard Schröder in
einem Interview der jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der
Spiegel" geäußert. Bis spätestens Ende 2004 müsse
sich zeigen, ob auf der Grundlage des Verfassungsentwurfs eine Einigung
möglich sei. Andernfalls werde es ein "Europa der zwei
Geschwindigkeiten" geben. Er wünsche sich dies nicht, aber man
müsse sich darauf einstellen, dass die Entwicklung in diese
Richtung laufen könnte, hatte Schröder gesagt.
Bei der EU-Verfassung ist vor allem die sogenannte doppelte Mehrheit
umstritten. Sie sieht vor, dass Entscheidungen im Ministerrat mit einer
Mehrheit getroffen werden kann, die zugleich 60 Prozent der
EU-Bevölkerung repräsentiert. Dagegen machen vor allem Polen
und Spanien Front.
(Quelle: rtr)
Italien: Parmalat-Skandal - Banken jetzt im Visier der Ermittler
Mo.05.01.04 - Im milliardenschweren Betrugsskandal um den insolventen italienischen
Lebensmittelriesen Parmalat geraten Banken verstärkt ins Visier der
Ermittler.
Die Verantwortung der Investmentbanken, die Parmalat bei der Ausgabe
von Anleihen begleitet haben, hänge von ihrem Wissensstand
über die wirkliche Finanzlage des Unternehmens ab, sagte ein
Mitarbeiter der US-Wertpapieraufsicht (Sec), Lawrence West, in einem
Interview mit der italienischen Zeitung "Corriere della Sera"
(Samstagausgabe). Etwa 20 US- und europäische Banken hatten
zwischen 1997 und 2002 die Emission von Parmalat-Anleihen in Höhe
von etwa acht Milliarden Dollar geführt. Derzeit werden diese
Anleihe am Markt mit etwa 20 Prozent ihres Nennwertes gehandelt. Allein
die Bank of America, die den Skandal Ende Dezember aufgedeckt hatte,
organisierte Analysten zufolge die Privatplatzierung von
Parmalat-Anleihen über 500 Millionen Dollar. Von der US-Bank war
zunächst für eine Stellungnahme niemand zu erreichen.
Die US-Börsenaufsicht, die Parmalat wegen Irreführung von
Anleihen-Investoren verklagt hat und hohe Geldstrafen für den
Konzern fordert, spricht von "einer der größten und
schamlosesten Finanz-Betrügereien in der Unternehmens-Geschichte.
Die Justizbehörden in New York und Parma leiteten unterdessen eine
gemeinsame Prüfung der Parmalat-Aktivitäten am US-Markt ein,
wie es aus italienischen Justizkreisen am Samstag hieß.
Dem Konzerngründer Calisto Tanzi und weiteren
Führungsmitgliedern von Parmalat wird Verwicklung in
betrügerischen Bankrott und Bilanzfälschung vorgeworfen. Tanzi
hat eingeräumt, dass in den Bilanzen des Konzerns ein Loch von
acht Milliarden Euro klafft. Die Staatsanwaltschaft geht sogar von
einem möglichen Fehlbetrag von über zehn Milliarden Euro aus.
Italiens achtgrößter Industriekonzern mit weltweit 35.000
Beschäftigten, der für seine besonders haltbaren
H-Milchprodukte bekannt ist, arbeitet unter Gläubigerschutz weiter.
(Quelle: rtr)
VW steigert Absatz in China um rund 40 Prozent
Mo.05.01.04 - Der Volkswagen-Konzern hat seinen Absatz in China im vergangenen Jahr
kräftig gesteigert. Die zwei wichtigsten Gemeinschaftsunternehmen
von Volkswagen in China hätten ihren Absatz um 40 Prozent auf
694.000 Einheiten erhöht, teilte Shanghai Volkswagen am Montag mit.
Shanghai Volkswagen habe insgesamt 396.006 Fahrzeuge verkauft, was
einem Anstieg von 32 Prozent entspreche, hieß es weiter. Bei
FAW-Volkswagen, dem zweiten VW-Joint Venture in China, war der Absatz
im vergangenen Jahr um 55 Prozent auf 298.000 Stück gewachsen.
(Quelle: rtr)
Porsche in USA erfolgreich
Mo.05.01.04 - Der Sportwagenbauer Porsche hat in den USA im vergangenen Jahr seine
Absatz teils deutlich gesteigert.
Porsche habe seinen US-Absatz im vergangenen Jahr um 33 Prozent auf
30.028 Einheiten gesteigert, teilte Nordamerika-Chef Peter
Schwarzenbauer am Sonntag in Detroit mit. Dabei habe der in den USA
erst seit Mitte März verkaufte Sport-Geländewagen Cayenne
besonders zu dem Zuwachs beigetragen. Von diesem Modell seien allein
13.661 Einheiten abgesetzt worden. Mit Blick auf den gesamten
Nordamerika-Absatz stellte Schwarzenbauer für das
Geschäftsjahr 2003/2004 (zum 31. Juli) einen Anstieg auf 35.000
Einheiten in Aussicht.
(Quelle: rtr)
Managergehälter steigen weiter
Mo.05.01.04 - Die Gehälter von Managern in Deutschland sind nach Angaben der
US-Beratungsfirma Hewitt Associates 2003 im Durchschnitt um 3 Prozent
geklettert. Dies berichtete die deutsche Hewitt-Tochter am Sonntag in
Wiesbaden auf Grund einer europaweiten Erhebung. Damit seien die
Managergehälter allerdings so gering gestiegen wie seit Jahren
nicht mehr. 2000 seien es beispielsweise noch 5 Prozent gewesen. "Nie
haben Mitarbeiter aus dem oberen und mittleren Management so gering
ausfallende Gehaltserhöhungen erhalten", sagte
Hewitt-Geschäftsführer Piotr Bednarczuk. Dieser Trend werde
sich 2004 fortsetzen. "Bei der Befragung konnten die Hewitt-Experten
darüber hinaus feststellen, dass noch immer viele Firmen starke
Zurückhaltung zeigen, wenn es um die Gehälter der
Vorstandsvorsitzenden oder Vorstandsmitglieder geht", sagte Bednarczuk.
Neun von zehn Unternehmen umgingen detaillierte Angaben, obwohl
zunehmend Transparenz verlangt werde.
(Quelle: dpa/taz)
Die Gehälter der Vorstände von Dax-Firmen sind im Jahr 2002
trotz Konjunkturkrise weiter gestiegen
DSW-Studie: Spitzenreiter DaimlerChrysler erhöhte Vergütungen
um 130 Prozent
Laut einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für
Wertpapierbesitz (DSW) verdiente ein Vorstand im Schnitt 1,25
Millionen Euro pro Jahr. Dies seien 90 000 Euro pro Kopf mehr als im
Vorjahr.
In der Vorstandsetage von DaimlerChrysler wird dabei mit Abstand am
meisten verdient. Der Autokonzern zahlte 2002 durchschnittlich 3,7
Millionen Euro an seine Spitzenkräfte. Verglichen mit den
Zahlungen vom Vorjahr sei das ein Plus von mehr als 130 Prozent, sagte
DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher. DaimlerChrysler
befinde sich mit diesen Gehältern genauso wie die mit 2,5
Millionen Euro an zweiter Stelle rangierende Deutsche Bank auf
„internationalem Niveau". Die DSW untersuchte in der Studie die
Vorstandsbezüge der 30 Dax-Mitglieder.
Den Berechnungen zufolge wurde in den Vorstandsetagen der 30
Dax-Unternehmen im Geschäftsjahr 2002 pro Kopf durchschnittlich
1,25 Millionen Euro verdient. Das sei gegenüber dem Jahr zuvor
eine Steigerung zwischen sieben und acht Prozent.
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 16.12.03
|
Ifo-Chef Sinn: Löhne nur in Höhe der Inflationsrate steigern
Mo.05.01.04 - Ifo-Chef Werner Sinn hat sich dafür ausgesprochen, die Löhne
und Gehälter langfristig nur in Höhe der Teuerungsrate
steigen zu lassen.
"Ich plädiere dafür, vorläufig nur einen
Inflationsausgleich zu vereinbaren - und zwar nicht nur im laufenden,
sondern auch in den nächsten Jahren bis mindestens 2010. Das
wären für 2004 Abschlüsse um die 1,2 Prozent", sagte der
Präsident des Münchner Instituts für
Wirtschaftsforschung (Ifo) der "Berliner Zeitung" (Montagausgabe). Die
IG Metall, die in dieser Woche erneut mit den Arbeitgebern verhandelt,
fordert Einkommenserhöhungen um vier Prozent.
Zur Begründung sagte Sinn, Deutschland brauche eine grundlegend
andere Lohnpolitik. "Deutschland hat nun einmal die höchsten
Lohnkosten im Industriebereich." Das sei einer der Gründe
dafür, dass so viele Firmen Standorte ins Ausland verlagerten. Das
habe in der Großindustrie begonnen und sei mittlerweile eine
massive Absetzbewegung des Mittelstandes geworden.
(Quelle: rtr)
'Handelsblatt': Bundeszuschuss an Bundesanstalt für Arbeit sinkt
Mo.05.01.04 - Die Bundesanstalt für Arbeit kommt nach einem Zeitungsbericht in
diesem Jahr mit einem geringeren Bundeszuschuss aus.
Das "Handelsblatt" berichtet in seiner Montagausgabe,
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) habe der Nürnberger
Bundesanstalt zum Jahresende als zweiten Teil des Bundeszuschusses 3,3
Milliarden Euro überwiesen. Damit habe die Bundesanstalt im Jahr
2003 einen Bundeszuschuss von 6,8 statt der zuletzt vorgesehenen 7,5
Milliarden Euro erhalten. Die Zeitung berief sich auf eine ihr
vorliegende Vorlage des Finanzministeriums an den Haushaltsausschuss
des Bundestags. "Es deutet sich damit eine Tendenz an, dass der
Zuschuss des Bundes an die Bundesanstalt in diesem Jahr sinken wird",
sagte ein Ministeriumssprecher dem "Handelsblatt". Grund sei vor allem
der Rückgang der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.
(Quelle: rtr)
Steuerreform: Skepsis in Koalition über Einigung mit Union
Mo.05.01.04 - Führende Vertreter von SPD und Grünen haben sich skeptisch
über eine Einigung mit der Union auf eine umfassende Steuerreform
geäußert.
Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Kurt Beck griff die
Steuervorschläge von CDU und CSU samt Milliardenentlastungen als
"Scharlatanerie" an. "Wer Illusionen nährt, eine Vereinfachung mit
einer Entlastung verbinden zu können, ist ein Scharlatan", sagte
Beck der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe). Angesichts der
Unterschiede zwischen Union und SPD sei er hinsichtlich der
Erfolgsaussichten skeptisch. Einig ist sich die SPD nach Becks Worten,
dass Einnahmeausfälle als Folge niedrigerer Steuersätze durch
eine Senkung von Staatsausgaben ausgeglichen werden müssten. Das
Steuerkonzept des CDU-Finanzexperten Friedrich Merz führe zu
Steuerausfällen von 24 Milliarden Euro.
Merz will das Steuersystem radikal vereinfachen und plant nur noch drei
Steuersätze von zwölf, 24 und 36 Prozent. Das am Wochenende
in Grundzügen bekannt gewordene Konzept der Schwesterpartei CSU
sieht einen Eingangssteuersatz von 13 und einen Spitzensteuersatz von
39 Prozent sowie Entlastungen von 15 Milliarden Euro vor.
Auch Grünen-Fraktionschefin Krista Sager sieht kaum Chancen
für eine Einigung auf eine große Steuerreform. "Nach den
Erfahrungen im Vermittlungsausschuss bin ich sehr skeptisch, ob der
große Wurf gelingen kann", sagte Sager dem "Handelsblatt". Vor
allem die großen Länder würden sich beim
Subventionsabbau sehr schwer tun. Dass die CSU bei ihrem Konzept an der
Pendlerpauschale festhalten wolle, zeige, dass bei ihr mit einer
seriösen Gegenfinanzierung von Steuersenkungen nicht zu rechnen
sei.
Dagegen beurteilte der Parlamentarische Geschäftsführer der
SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Schmidt, die Erfolgsaussichten
vorsichtig optimistisch. Es könne bereits in den ersten zwei
Monaten des Jahres zu Gesprächen zwischen Koalition und Opposition
kommen, sagte Schmidt im Deutschlandfunk. Ob es aber bereits für
2005 zu einer Einigung kommen werde, könne er nicht sagen.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe,
Peter Ramsauer, warnte die CDU vor einem Steuerkonzept, das zu
höheren Belastungen für die Bürger führe. Die CSU
werde keine derartige Reform mitmachen, sagte Ramsauer der "Berliner
Zeitung". Wenn die Steuerreform nur darin bestünde, dass alle
Steuervergünstigungen und Sondertatbestände wegfielen, so
dass die Belastung insgesamt steige, denke sich der Bürger,
"können wir darauf pfeifen", sagte Ramsauer.
(Quelle: rtr)
Attac kritisiert Debatte um Steuersenkungen
Mo.05.01.04 - Die Globalisierungskritiker von Attac haben die Debatte um
Steuersenkungen kritisiert. Deutschland sei definitiv kein
Hochsteuerland, sagte Sven Giegold vom Attac- Koordinierungsausschuss.
Forderungen nach weiteren Steuersenkungen seien unsozial, sagte
Giegold. Bildungs- und Beratungseinrichtungen sowie Nahverkehr
stünden auf dem Spiel, wenn die staatlichen Einnahmen sänken.
Wer sich jetzt als großer Steuersenker feiern lasse, verschweige
die Konsequenzen, sagte Giegold.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft und Technik
NASA-Roboter beginnt ersten Arbeitstag auf dem Mars
Mo.05.01.04 - Der auf dem Mars gelandete Roboter der US-Raumfahrtbehörde NASA
hat am Montag weitere Bilder zur Erde gesendet. Pünktlich mit
Sonnenaufgang auf dem Roten Planeten setzten die NASA-Wissenschaftler
die Systeme des Geräts für den ersten Arbeitsmorgen in Gang.
Die Wissenschaftler des NASA-Labors in Pasadena im US-Bundesstaat
Kalifornien reaktivierten den Roboter "Spirit" kurz vor Mitternacht
(MEZ) und spielten dabei in ihrem Kontrollraum den "Beatles"-Song "Good
Morning, Good Morning". Hauptziel des ersten Mars-Tages von "Spirit"
ist ihren Angaben zufolge, die Hauptantenne des Roboters weiter
auszufahren und auf die Erde zu richten, damit eine direkte Verbindung
möglich ist. Die bisherigen Fotos und Signale wurden von
Satelliten im All aufgefangen und an das Kontrollzentrum weitergeleitet.
Zudem soll der Roboter Farbfotos in einer höheren Auflösung
zur Erde senden und den Wissenschaftlern damit einen Panoramablick auf
die Mars-Oberfläche gewähren, der in den Details und im
Umfang alles Bisherige übertreffen soll.
Zunächst wird der sechsrädrige Roboter an seinem Landeplatz
verharren. Die Wissenschaftler wollen seine verschiedenen Systeme und
Instrumente überprüfen, bevor sich das Gerät
jüngsten Angaben zufolge in acht bis neun Tagen selbstständig
auf seine drei Monate dauernde Wanderung auf dem Planeten aufmachen
soll.
"Spirit" war am Sonntag auf dem Mars gelandet und soll nach Spuren von
Wasser und damit nach der Möglichkeit von Leben auf dem Planeten
suchen. Auf den ersten, zur Erde gesendeten Schwarz-weiß-Fotos
war die Umgebung des Landeplatzes, eine karge Felslandschaft sowie ein
scharfkantiger Felsbrocken, zu sehen. Die Bilder wurden stereoskopisch
aufgenommen. Sie erlauben räumliches Sehen, das für die
Vorbereitung der Exkursionen des Mars-Fahrzeugs wichtig ist.
(Quelle: rtr)
Mehr unter:
http://marsrovers.jpl.nasa.gov/home/index.html
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