Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertfünfundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
US-Soldat bei Granat-Angriff auf US-Camp im Irak getötet - 34
verwundet +++ US-Verwaltung will zusätzliche Belohnungen für
Hinweise auf den Aufenthaltsort des Saddam-Vize Isset Ibrahim el Duri
und zwölf weitere Ex- Regimegrößen ausschreiben +++
Regierungsrat bedrängt die UN, starke Rolle beim Übergang der
Macht an die Iraker zu übernehmen +++ USA beginnen mit
Truppenaustausch in Irak und Afghanistan
Do.08.01.04 - Bei einem Granatwerfer-Angriff auf eine US-Militärbasis westlich
der irakischen Hauptstadt Bagdad sind nach US-Militärangaben vom
heutigen Donnerstag mindestens ein US-Soldat getötet und 34
weitere Soldaten verwundet worden.
Der Angriff, bei dem mindestens sechs Werfergranaten die
Militärbasis trafen, geschah kurz nach Einbruch der Dunkelheit am
Mittwochabend. Mindestens eine Granate sei in der Nähe des
Nachtlagers der Soldaten explodiert. Die US-Armee hatte zunächst
von 35 Verwundeten berichtet. Mehrere von ihnen seien zur Behandlung in
ein Feldlazarett ausgeflogen worden.
Seit Beginn des von den USA angeführten Kriegs im Irak im
März sind nach Militärangaben 332 US-Soldaten bei
Kampfhandlungen gefallen.
Der amerikanische Zivilverwalter im Irak Paul Bremer hatte am Mittwoch
die Entlassung von mehreren hundert irakischen Gefangenen als Zeichen
der "Versöhnung" angekündigt. Der provisorische irakische
Regierungsrat betonte, diese Maßnahme sei von den Amerikanern auf
Wunsch des Rates beschlossen worden. Die ersten 100 Gefangenen sollen
bereits heute (Donnerstag) freikommen. Der Generalsekretär der
Islamischen Partei, Mohsen Abdul Hamid, würdigte die Freilassung
der Gefangenen als einen wichtigen Schritt zur Versöhnung im Irak.
Die US-Verwaltung will laut Bremer zusätzlich zu den Belohnungen,
die sie für Hinweise auf den Aufenthaltsort des Saddam-Vize Isset
Ibrahim el Duri (zehn Millionen US-Dollar) und zwölf weitere Ex-
Regimegrößen (je eine Million Dollar) ausgeschrieben hat,
weitere Geldbeträge für die Ergreifung einer Reihe weiterer
«Krimineller» anbieten. Die Namen den Gesuchten sollen laut
Bremer in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Für
Hinweise, die zu ihrer Festnahme führen, sollen je 200.000 Dollar
gezahlt werden.
Der irakische Regierungsrat drängt unterdessen die Vereinten
Nationen nach Angaben aus New Yorker Diplomatenkreisen, eine starke
Rolle beim Übergang der Macht an die Iraker zu übernehmen. In
einem Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan habe im Dezember der
turnusgemäße Vorsitzende des Regierungsrates, Abdel Asis
Hakim, um Hilfe der Vereinten Nationen bei der Entscheidung über
den Modus der Machtübernahme gebeten. Der Brief sei einer von
mehreren gewesen, in dem die Iraker eine schnelle Rückkehr der UN
gefordert hätten. Annan hatte die internationalen Mitarbeiter nach
dem Anschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad im August aus Irak
abgezogen.
Unterdessen begannen die USA mit einem groß angelegten Austausch
ihrer Truppen in Irak und Afghanistan. Die ersten 700 Soldaten der 101.
Luftlandedivision kamen in Fort Campbell im US-Bundesstaat Kenntucky an.
Einheiten der 82. Luftlandedivision flogen nach Irak. Insgesamt sollen
bis Mai etwa 250.000 Soldaten aus Irak und Afghanistan in die
Vereinigten Staaten zurückkehren beziehungsweise in die
Einsatzländer entsandt werden. Das bedeutet, dass fast alle der
derzeit etwa 125.000 US-Soldaten in Irak ausgetauscht werden. Es
handelt sich um eine der größten Truppenbewegungen seit dem
Zweiten Weltkrieg.
(Quellen: dpa, afp, rtr, ap)
Erst schlossen die USA beim Wiederaufbau des Irak deutsche, russische
und französische Konzerne aus. Nun haben zwei US-Konzerne einen
Milliardenauftrag erhalten, die enge Kontakte zur Bush-Regierung
unterhalten...
Mehr bei Spiegel-Online:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,280815,00.html
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Neue Kritik an Blair im Zusammenhang mit Kelly-Untersuchung
Der britische Regierungschef fühlt sich ohne Schuld
Do.08.01.04 - Gegen den britischen Premierminister Tony Blair ist am Mittwoch neue
Kritik im Zusammenhang mit der Untersuchung des Selbstmordes des
britischen Waffeninspektors David Kelly laut geworden.
Ein Regierungssprecher räumte ein, dass die Regierung dem
vorsitzenden Richter Lord Hutton nach Schluss der Beweisaufnahme zum
Tod des Waffenexperten noch Material zugesandt habe. Es seien aber
keine neuen Beweismittel vorgelegt worden. Die Opposition verlangte die
Veröffentlichung des Materials und warf Blair vor, er wolle das
Ergebnis der Untersuchung beeinflussen. Hutton teilte mit, neben der
Regierung hätten auch die BBC und die Familie Kellys weiteres
Material vorgelegt. Dies sei weder unerwartet noch besonders bedeutsam.
Lordrichter Hutton soll die Umstände des Todes von Kelly
aufklären, der sich im Juli vergangenen Jahres die Pulsadern
aufgeschnitten hatte. Kelly war zuvor als Quelle eines BBC-Berichts
genannt worden, in dem der Regierung vorgeworfen wurde, sie habe die
Bedrohung durch den Irak übertrieben, um die Öffentlichkeit
von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen. Die
Veröffentlichung des Untersuchungsberichts wird in
Großbritannien mit Spannung erwartet. Sie wird für diesen
Monat erwartet, das genaue Datum der Veröffentlichung ist aber
nicht bekannt.
Blair hatte wenige Tage nach dem Tod des Waffenexperten energisch
bestritten, dass Kellys Name mit seiner Billigung an die
Öffentlichkeit gelangt sei.
Der britische Premierminister Tony Blair hat versichert, dass er
zurücktreten würde, sollte sich erweisen, dass er das
Parlament im Zusammenhang mit der Affäre um den
Militärberater David Kelly belogen hat. Eine entsprechende Frage
des konservativen Oppositionsführers Michael Howard bejahte Blair
am Mittwoch, verwies aber zugleich auf die bevorstehende Herausgabe des
Untersuchungsberichts über die Affäre durch Lordrichter Brian
Hutton. Aus diesem werde hervorgehen, dass weder er noch einer seiner
Minister gelogen habe.
"Ich stehe zur der Gesamtheit dessen, was ich damals gesagt habe",
sagte Blair. Er forderte Howard auf, die Veröffentlichung des
Hutton-Berichts abzuwarten, und ihn dann weiter zu befragen. "Ich kann
dem Premierminister versichern, dass ich mich darauf freue", sagte
Howard. Die Konservativen erwarten einen schwere politische
Schwächung Blairs, sollte dieser in dem Untersuchungsbericht
persönlich kritisiert werden. Die Kelly-Affäre hatte schon im
vergangenen Jahr Blairs Umfragewerten geschadet.
(Quellen: rtr, afp)
Kelly-Ausschuß veröffentlichte Dokumente im Internet:
http://www.the-hutton-inquiry.org.uk/content/hearing_trans_1.htm
Schutz vor möglichen Terroranschlägen: USA verbieten
Warteschlangen vor Flugzeug-Toiletten
Do.08.01.04 - Auf Flügen in die USA ist es australischen Angaben zufolge jetzt
verboten, Warteschlangen vor den Toiletten zu bilden. Die
US-Verkehrssicherheitsbehörde (TSA) erlaube Passagieren nicht
mehr, «sich in irgendeinem Bereich des Flugzeugs, vor allem in
der Umgebung der Waschräume, in Gruppen zu versammeln»,
sagte eine Sprecherin der australischen Fluggesellschaft Qantas am
Mittwoch.
Qantas-Fluggäste würden vor dem Abflug vom Piloten über
die neue Regelung informiert, hieß es in einer Erklärung der
Fluggesellschaft. Unterwegs überwachten die Flugbegleiter die
Einhaltung des Verbots. Der australische Verkehrsminister John Anderson
kritisierte die Vorschrift als «etwas schwer praktikabel».
Zum Schutz vor möglichen Terroranschlägen haben die USA in
den vergangenen Wochen ihre Sicherheitsvorkehrungen im Luftverkehr
verschärft.
(Quelle: ap)
Visa-freie US-Reisen wegen verschärfter Sicherheit in Gefahr
Kommt US-Visa-Pflicht für EU-Bürger?
Do.08.01.04 - Reisende aus Ländern wie Deutschland, die bislang kein Visum
für einen USA-Besuch benötigen, müssen
möglicherweise im Herbst in den Vereinigten Staaten eine
Einreisegenehmigung vorweisen.
Wahrscheinlich würden die meisten der von der Visumauflage
befreiten Länder nicht die US-Frist nach zusätzlichen
Sicherheitsdaten auf Pässen einhalten, sagte ein Vertreter des
US-Heimatschutzministeriums am Dienstag. Die US-Regierung verlangt von
den betroffenen zumeist europäischen Ländern bis zum 26.
Oktober unter anderem die Verwendung biometrischer Daten wie digitale
Fingerabdrücke bei allen neuen Pässen.
Die USA speichern seit Montag zur Identitätskontrolle an
Flughäfen Fotos und Fingerabdrücke von Einreisenden, die ein
Visum benötigen. So soll die Einreise von Extremisten mit
Anschlagsplänen verhindert werden.
Zahlreiche Länder wie Großbritannien und Japan hätten
bereits mitgeteilt, sie könnten die Frist nicht einhalten, sagte
der Direktor im Heimatschutzministerium, James Williams. Reisende aus
den betroffenen Ländern müssen in dem Fall vor ihrer
USA-Reise ein Visum beantragen, was zu einem organisatorischen
Mehraufwand führen wird. Die US-Wirtschaft müsste wegen
entfallener Reisen Industriekreisen zufolge mit einem Verlust mehrerer
Milliarden Dollar rechnen. Im vergangenen Jahr besuchten rund 15
Millionen Menschen ohne Visum die USA.
Der beim US-Tourismusverband für Regierungsfragen zuständige
Direktor, Richard Webster, nannte die Oktober-Frist unausführbar.
Die Mehrheit der von der Visumauflage befreiten Länder habe keine
Programme, um in absehbarer Zeit biometrische Daten in Pässen zu
verwenden. "Das wird eine sehr große Handelsbarriere für
Millionen Menschen, die aus geschäftlichen oder privaten
Gründen in die USA reisen", sagte Williams.
Die Informationen über Fingerabdrücke, Merkmale des Gesichts
oder der Iris der Augen können technisch in Pässen, Visa und
Aufenthaltsgenehmigungen gespeichert und beim Grenzübertritt
abgefragt werden. Strittig ist, ob mit der Speicherung der Daten gegen
Datenschutzrechte der Bürger verstoßen wird. Die EU strebt
die Verwendung von Fingerabdrücken zunächst in Visa und
Aufenthaltsgenehmigungen, in einem zweiten Schritt auch in Pässen
an.
(Quelle: rtr)
Weiterer Bericht zum Thema bei futurezone (07.01.04):
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail∓id=207673&tmp=56759
Gehen Datensätze von EU-Fluggästen bereits in das
US-Überwachungssystem CAPPS II?
Im Dezember berichtete EU-Kommissar Frits Bolkestein, dass man
erfolgreich ein Abkommen mit den USA verhandelt und dabei CAPPS II
ausgeschlossen habe - anscheinend versteht man das Abkommen in den USA
aber anders...
Mehr bei telepolis (07.01.04):
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/16468/1.html
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Bush will Millionen illegale Einwanderer
zu Gastarbeitern machen
Geplantes Zeitarbeitsprogramm schützt die rund acht Millionen
illegal Eingewanderten während ihres
Beschäftigungsverhältnisses vor Abschiebung
Do.08.01.04 - US-Präsident George W. Bush will mehreren Millionen illegal
Eingewanderten einen befristeten legalen Arbeits- und Aufenthaltsstatus
ermöglichen. Das Einwanderungsrecht müsse entsprechend
geändert werden, da das bestehende System nicht funktioniere,
sagte Bush am Mittwoch in einer Rede vor Mitgliedern seines Kabinetts
und des Kongresses.
«Aus gesundem Menschenverstand und Fairness» müssten
die Gesetze arbeitswilligen Menschen die Einreise in die USA und die
Annahme von Jobs gestatten, die von Amerikanern nicht angenommen
würden, sagte Bush. Derzeit wendeten sich viele Arbeitgeber an den
illegalen Arbeitsmarkt. Die illegale Einreise in die USA erschwere
jedoch die Bemühungen, das Land zu sichern. Eine Blankoamnestie
für illegal Eingewanderte sei mit der Vorlage allerdings nicht
verbunden. Gesetzesverstöße dürften nicht mit der
Gewährung der US-Staatsbürgerschaft belohnt werden,
erklärte Bush.
Bush hatte zuvor den mexikanischen Präsidenten Vicente Fox
über die vorgesehene Änderung informiert. Dieser nannte den
Plan «sehr interessant». Ausländer, die einen
Arbeitsvertrag nachweisen können, sollen demnach für
mindestens drei Jahre legal in den USA leben dürfen.
Das geplante Zeitarbeitsprogramm schützt die rund acht Millionen
illegal Eingewanderten während ihres
Beschäftigungsverhältnisses vor Abschiebung. Außerdem
können sie sich für eine Green Card bewerben, eine dauerhafte
Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. «Anständige, hart
arbeitende Menschen werden jetzt von Arbeitsgesetzen geschützt mit
dem Recht, den Arbeitsplatz zu wechseln, gerechten Lohn zu erhalten und
dieselben Arbeitsbedingungen zu genießen, die das Gesetz für
amerikanische Arbeiter vorschreibt», sagte Bush.
Etwa die Hälfte der Ausländer ohne regulären
Aufenthaltsstatus stammt aus Mexiko. Nach Ansicht von Beobachtern will
Bush mit dem Vorstoß im Wahljahr die Unterstützung
hispanischer Wähler gewinnen und den Bedürfnissen von
US-Arbeitgebern entgegenkommen.
(Quelle: ap)
IWF sieht Risiko eines abrupten Dollar-Kursrückganges
Dollar ist seit Wochen zum Euro und Yen im Abwärtstrend +++
Schädliche Auswirkung auf die Welt-Konjunktur möglich
Do.08.01.04 - Die hohen Defizite in Haushalt und Leistungsbilanz der USA könnten
nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu
einem konjunkturschädlichen abrupten Rückgang des
Dollar-Kurses führen.
"Obwohl sich die Anpassung des Dollar schrittweise über einen
längeren Zeitraum ereignen könnte, darf das mögliche
globale Risiko einer ungeordneten Anpassung der Wechselkurse, besonders
für die Finanzmärkte, nicht ignoriert werden", heißt es
in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des IWF über
die Haushaltspolitik der USA. Dies könne weltweit Auswirkungen auf
die Konjunktur haben.
"Bislang verlief die Abwärtsbewegung des Dollar in recht
geordneten Bahnen", sagte Charles Collyns, stellvertretender Direktor
der IWF-Abteilung für die westliche Hemisphäre. "Aber bereits
jetzt hat diese geordnete Bewegung in anderen Ländern, wie der
Euro-Zone und Japan, markoökonomische Entscheidungen kompliziert."
Er fügte hinzu: "Die Hebel, die sie haben, um auf ein weiteres
Steigen ihrer Wechselkurse zu reagieren, sind durchaus begrenzt." Der
IWF sei besorgt, dass sich das Problem verschärfen könnte,
wenn die USA nicht tätig würden.
Der Dollar ist seit Wochen zum Euro und Yen im Abwärtstrend. Der
Euro erreichte am Dienstag ein neues Rekordhoch bei 1,2812 Dollar. Die
japanische Regierung hat sich besorgt über die Geschwindigkeit
gezeigt, mit der der Dollar zum Yen gefallen ist, und in der
Vergangenheit wiederholt interveniert, um den Dollar zu stützen.
US-Finanzminister John Snow hatte am Mittwoch vor der US-Handelskammer
Bemühungen angekündigt, das US-Haushaltsdefizit von derzeit
vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken. "Das
gegenwärtige Defizit ist mit Sicherheit größer, als wir
uns das wünschen, und das muss angegangen werden", sagte Snow.
"Die Regierung steht dazu, das Defizit im Laufe der kommenden fünf
Jahre zu halbieren."
(Quelle: rtr)
Globales Währungssystem nach dem Vorbild
der Einführung des Euro?
Angesichts des steigenden Euro und des fallenden Dollar bei
gleichzeitig wachsendem US-Leistungsbilanzdefizit schlägt der
Ökonom und Nobelpreisträger Robert Mundell die
Einführung einer Weltwährung zur Vermeidung einer Krise vor
Seit einiger Zeit sinkt der US-Dollar, während der Euro stetig an
Wert zu gewinnen scheint. Gleichzeitig steigt die Verschuldung der USA
enorm an. Die politische, ökonomische und militärische
Supermacht ist gleichzeitig der größte Schuldner der Welt.
Trotz des billigeren Dollars importieren die USA weiterhin mehr
Güter als sie exportieren. Es besteht das Risiko, so der
Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Robert Mundell,
dass immer weniger in den Dollar investiert wird, was diesen noch mehr
unter Druck setzen und schließlich zu einer weltweiten
Wirtschaftskrise führen könnte....
Mehr bei telepolis (07.01.03):
http://www.telepolis.de/deutsch/special/eco/16467/1.html
Robert Mundell hat mit seiner Theorie optimaler Währungsräume
aus den 60er Jahren die theoretischen Grundlagen für die
Europäische Währungsunion und damit für die
Einführung des Euro geschaffen.
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Nahost-Konflikt
Israelische Soldaten erschießen Palästinenser im
Gaza-Streifen +++ 3693 Tote seit Beginn der Intifada im September 2000
+++ Israel verschärft Druck auf Aktivisten im Westjordanland +++
Deutscher Außenminister Fischer empfing palästinensischen
Außenminister
Do.08.01.04 - Israelische Soldaten haben in der Nacht zum Donnerstag im Süden
des Gazastreifens einen Palästinenser erschossen. Die Armee habe
im Viertel Tel el Sultan in Rafah das Feuer eröffnet und den
46-Jährigen getötet, teilten palästinensische
Sicherheitskräfte mit. Seit Beginn der Intifada im September 2000
sind damit 3693 Menschen getötet worden, unter ihnen 2767
Palästinenser und 860 Israelis.
In Rafah gab es zuletzt schwere Zusammenstöße zwischen
Soldaten und militanten Palästinensern. Die Armee zerstörte
dort Tunnel nach Ägypten, die zum Waffenschmuggel benutzt werden.
Bei Vorstößen nach Nablus, Dschenin und Tulkarem wurden am
Mittwoch drei Palästinenser getötet und 19 festgenommen, wie
ein Militärsprecher mitteilte.
Nablus sei ein besonders gefährlicher Herd des
palästinensischen Aufstands, sagte ein israelischer Offizier. "In
Nablus gibt es die meisten Selbstmordattentäter, die meisten
Sprengsätze, die meiste Munition." Bei dem Vorstoß am
Mittwoch wurden in Nablus zwei Männer erschossen, die sich nach
Darstellung der Streitkräfte nicht ergeben wollten. Nach Angaben
von Einwohnern handelt es sich um zwei Mitglieder der
Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, die der Fatah-Bewegung des
palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat nahe stehen. Ein
dritter Palästinenser wurde nach Angaben eines
Militärsprechers in Tulkarem getötet. Er soll ein
Anhänger der militanten Hamas-Bewegung gewesen sein.
Das Vorgehen der israelischen Streitkräfte erfolgt vor dem
Hintergrund festgefahrener Bemühungen um ein Ende des seit 39
Monaten andauernden Aufstands in den palästinensischen Gebieten.
Israel legte am Dienstag eine Liste mit 28 Siedler-Außenposten im
Westjordanland vor, die entsprechend einer Forderung des
internationalen Friedensplans geräumt werden sollen. Arafat wies
dies am Dienstagabend als Täuschungsmanöver zurück. "Sie
wollen keinen Frieden, sondern die Fortsetzung der
Militäroperation", sagte Arafat, der von Israel nicht mehr als
Gesprächspartner anerkannt wird.
Ein geplantes Gipfeltreffen zwischen dem im November eingesetzten
Ministerpräsidenten Ahmed Kureia mit dem israelischen
Regierungschef Ariel Scharon ist bisher wegen mangelnder Fortschritte
nicht zu Stande gekommen. Kureia ist es trotz ägyptischer
Vermittlung nicht gelungen, die militanten Organisationen der
Palästinenser zu einer neuen Gewaltverzichtserklärung zu
bewegen.
Deutschlands Außenminister Joschka Fischer hat am Mittwoch in
Berlin den Außenminister der palästinensischen
Autonomiebehörde, Nabil Schaath, empfangen. Schaath betonte im
Anschluss an das Treffen, er hoffe auf Unterstützung der
Europäischen Union, um einen Waffenstillstand im Nahen Osten zu
erreichen und den Bau des Grenzzauns um das palästinensische
Gebiet zu stoppen.
Am Montag hatte Schaath in Paris die EU aufgefordert, sich im Nahen
Osten stärker zu engagieren. Im Jahr der
US-Präsidentschaftswahl habe die EU die Gelegenheit und Aufgabe,
eine aktivere Rolle zu übernehmen. Mitte Dezember hatte Fischer
als erster Außenminister den neuen palästinensischen
Ministerpräsidenten Ahmed Kureia in Abu Dis im Westjordanland
besucht. Dabei war er auch mit Schaath zusammengetroffen.
(Quelle: dpa, afp, ap)
250.000 Unterstützer für Nahost-Friedensplan
der 'Stimme des Volkes'
Do.08.01.04 - Die israelisch-palästinensische Gruppe "Stimme des Volkes" hat
für ihren alternativen Nahost-Friedensplan nach eigenen Angaben
bereits mehr als 250.000 Unterschriften gesammelt. Das Ziel, die
Unterstützung von 100.000 Palästinensern zu bekommen, sei
erreicht worden, teilte die Gruppe am Mittwoch in einer in Jerusalem
veröffentlichten Erklärung mit. Zudem hätten mehr als
150.000 Israelis das Papier unterzeichnet. Initiatoren des
Friedensplans, der nichts mit der so genannten Genfer Initiative zu tun
hat, sind der Intellektuelle Sari Nusseibeh, Rektor der
palästinensischen El-Kuds-Universität, und Ami Ajalon,
Ex-Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Beth. Sie hatten
ihre Vorschläge im Juli 2002 vorgestellt.
(Quelle: afp)
Ex-Botschafter Primor fordert aktive Unterstützung für Genfer
Friedensplan
Do.08.01.04 - Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland Avi Primor hat die
Staaten der Europäischen Union aufgefordert, den inoffiziellen
Genfer Friedensplan deutlicher als bisher zu unterstützen. "Ein
Beweis dafür, dass wichtige Staaten im Ausland die Genfer
Vereinbarung ernst nehmen und diese Initiative fördern,
könnte in den Augen der israelischen Bürger die
Glaubwürdigkeit des Projekts erhöhen", schreibt Primor in der
ZEIT ( Die Zeit Nr. 3, 08. Januar 2004). Dies gelte besonders für
Deutschland, ein Land, das "nach den Vereinigten Staaten als
größter Freund Israels in der Welt betrachtet wird, das aber
auch bei den Palästinensern von einem besonders hohen Ansehen
profitiert."
Anfang Dezember hatten der ehemalige israelische Justizminister Yossi
Beilin und der palästinensische Spitzenpolitiker Yasser Abed Rabbo
in Genf eine Vereinbarung unterzeichnet, die erstmals einen
detaillierten Friedensplan für den Nahen Osten enthielt. Die
Vereinbarung habe "bereits dafür gesorgt, dass das fast
verschwundene Friedenslager in Israel wieder auferstanden ist", sagt
Primor in der ZEIT. In der EU war der Plan freundlich, aber, da es sich
um eine inoffizielle Vereinbarung handelt, zurückhaltend
aufgenommen worden. Primor fordert nun eine "aktive
Unterstützung". "Zahlreiche Versöhnungsprozesse zwischen
Feinden und sogar Erzfeinden", so der Ex-Botschafter, "haben mit
Kontakten zwischen Vertretern der Zivilgesellschaften beider Seiten
begonnen."
(Quelle: ots)
Genfer Friedensplan:
http://www.miftah.org/Display.cfm?DocId=2575&CategoryId=7
Hoffnungen nach Genf:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312120.htm#031212_b
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen zur Genfer Friedensinitiative
im boa-Nachrichten-Archiv unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#031201_e
Hoffnungen auf neue Friedensgespräche in Sri Lanka
sinken weiter
Do.08.01.04 - Die Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche in
Sri Lanka sind am Mittwoch erneut gesunken. Ministerpräsident
Ranil Wickremesinghe forderte seine Widersacherin Präsidentin
Chandrika Kumaratunga auf, das Waffenstillstandsabkommen mit den
tamilischen Rebellen neu auszuhandeln. Kumaratunga hat Wickmesinghe
mehrfach vorgeworfen, den Rebellen zu viele Zugeständnisse zu
machen. Sie tritt für eine härtere Verhandlungslinie ein.
Wrickmesinghe begründete die Übergabe der
Verhandlungsführung an die Präsidentin damit, dass diese im
November die Kontrolle über alle sicherheitsrelevanten Ministerien
übernahm. Damit könne seine Regierung die Einhaltung des
Waffenstillstandsabkommens mit den Rebellen nicht mehr garantieren.
Wenn Kumaratunga weiter an Verteidigungs-, Innen- und
Informationsministerium festhalte, liege die Verantwortung für
neue Gespräche allein in ihrer Hand, sagte der Regierungschef bei
einer Kundgebung.
Die Präsidentin nahm zunächst nicht zu Wickremesinghes
Aufforderung Stellung. Sie wird am (heutigen) Donnerstag aus Pakistan
zurückerwartet, wo sie am Gipfeltreffens der Südasiatischen
Vereinigung für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) in Pakistan
teilgenommen hatte. Kumaratunga hatte Anfang November während
einer Auslandsreise von Wickremesinghe das Parlament aufgelöst,
die drei Ministerien übernommen und kurzzeitig den Ausnahmezustand
verhängt. Der Machtkampf in Colombo hat die Friedensgespräche
nachhaltig gestört.
(Quelle: ap)
Kaschmir-Rebellen wollen bewaffneten Kampf fortsetzen
Do.08.01.04 - Trotz der jüngsten Annäherung zwischen Indien und Pakistan
halten die militanten Organisationen in Kaschmir am bewaffneten Kampf
fest. Es werde keine Fernsteuerung der Mudschahedin durch die
Regierungen in Islamabad und Neu-Delhi geben, sagte ein Sprecher der
Organisation Jaish e Mohammed, Omar Naqashbandi, am Mittwoch der
Nachrichtenagentur AP. Auch die indischen Geheimdienste rechneten mit
einer Fortsetzung der Kämpfe.
Mit ihren «Stellungen in Wäldern im besetzten
Kaschmir» seien die Kämpfer sehr stark, sagte Naqashbandi.
Die Jaish e Mohammed wird unter anderem für den Überfall auf
das indische Parlament im Dezember 2001 und für den dritten der
jüngsten Attentatsversuche verantwortlich gemacht, die sich gegen
den pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf richteten. Auch
andere militante Gruppen in Kaschmir kritisierten die Annäherung
zwischen Indien und Pakistan, sprachen von einem Ausverkauf Kaschmirs
und forderten eine Beteiligung an den Gesprächen. Der Führer
der Hezb ul Mujahedeen, Syed Salahuddin, sagte, die militärischen
Einsätze würden solange fortgesetzt, bis Indien alle
inhaftierten Gesinnungsgenossen freilasse.
Aus indischen Sicherheitskreisen verlautete, man befürchte ein
Wiederaufflammen der Gewalt zum Nationalfeiertag am 26. Januar.
Abgefangene Funksprüche der militanten Gruppen legten nahe, dass
diese nur auf eine Gelegenheit zum Losschlagen warteten.
Indien und Pakistan hatten sich am Rande des Südasien-Gipfels in
Islamabad überraschend auf die Wiederaufnahme ihres Dialogs
geeinigt. Die Gespräche sollen bereits im Februar beginnen. Es
müsse noch geklärt werden, auf welcher diplomatischer Ebene
und an welchem Ort die Gespräche geführt werden sollten,
sagte am Dienstag der Sprecher des pakistanischen
Außenministeriums, Masood Khan. Ein indischer Regierungsbeamter
teilte mit, es werde dabei um acht Tagesordnungspunkte gehen, darunter
den Kaschmir-Konflikt und zwei weitere Territorialkonflikte.
«Dies wird ein Prozess sein, der seine Zeit brauchen wird»,
sagte der ehemalige pakistanische Außenminister Najmuddin Shaikh.
(Quelle: ap)
Hongkong will Arbeitsgruppe für Reformen einsetzen
Do.08.01.04 - Unter dem Eindruck der jüngsten Massendemonstrationen will die
Regierung von Hongkong eine Arbeitsgruppe einsetzen, die politische
Reformen in dem chinesischen Sonderverwaltungsgebiet prüfen soll.
Änderungen des politischen Systems werde es aber nur in Abstimmung
mit Peking geben, erklärte am Mittwoch der von der chinesischen
Regierung eingesetzte Verwaltungschef Tung Chee Hwa.
Hongkong gehört seit 1997 zu China und genießt als ehemalige
britische Kolonie einen Sonderstatus. So blieben die grundlegenden
Bürgerrechte erhalten. Bei der letzten Wahl des Legislativrates
konnten aber nur 24 der 60 Abgeordneten frei gewählt werden, die
übrigen wurden von verschiedenen Organisationen bestimmt. Die
Regierung Tung geriet unter massiven Druck, als Anfang Juli vergangenen
Jahres 500.000 Menschen gegen ein von ihm geplantes Staatsschutzgesetz
demonstrierten. Tung zog das Gesetz daraufhin zurück. Am
Neujahrstag zogen erneut mehrere zehntausend Menschen durch Hongkong
und forderten eine umfassende Demokratie.
Tung kündigte an, die neue Arbeitsgruppe werde die
Möglichkeit einer Direktwahl des Legislativrates und des
Verwaltungschefs ab 2007 untersuchen. Als Leiter berief er den
zweithöchsten Regierungsbeamten der Hongkonger Verwaltung,
Chefminister Donald Tsang.
(Quelle: ap)
Drei neue SARS-Verdachtsfälle in Hongkong
Do.08.01.04 - Drei Fernsehjournalisten sind in Hongkong mit Symptomen der
Lungenkrankheit Sars ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die
Männer seien vergangene Woche in der südchinesischen Provinz
Guangdong gewesen, um dort über den jüngsten Sars-Fall zu
berichten, sagte eine Sprecherin des Queen Mary-Krankenhauses am
Donnerstag. Das Ergebnis des Sars-Tests werde im Laufe des Tages
erwartet. Die Reporter des lokalen Senders TVB seien auf der
Isolierstation.
Die chinesischen Behörden hatten zuvor ebenfalls von einem neuen
Verdachtsfall in Guangdong berichtet. Eine Frau liege mit
Sars-Symptomen in demselben Krankenhaus, aus dem am Donnerstag der
jüngste Sars-Patient entlassen wurde, berichtete die staatliche
Nachrichtenagentur Xinhua
(Quelle: afp)
Bürgerkriegsparteien in Sudan unterzeichnen Teilabkommen
Do.08.01.04 - Die Bürgerkriegsparteien in Sudan haben am Mittwoch ein
Teilabkommen auf dem Weg zu einer dauerhaften Friedenslösung
unterzeichnet. Die Vereinbarung zur Aufteilung der Einkünfte aus
der Ölförderung bedeute «ein Ende der langen Episode
von Krieg und Konflikt in unserem Land», sagte der sudanesische
Vizepräsident Ali Osman Mohammed Taha bei der
Unterzeichnungszeremonie in der kenianischen Ortschaft Naivasha.
Für die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA) unterschrieb
deren Führer John Garang und sagte, die SPLA sei entschlossen,
jetzt auch ein umfassendes Friedensabkommen anzustreben.
Der größte Teil der Erdölvorkommen Sudans liegen im
Süden, wo die SPLA ihre Hochburgen hat; die Fördermenge
beträgt etwa 250.000 Barrel am Tag. Die Rebellen aus dem
Süden Sudans haben sich 1983 gegen die Regierung in Khartum
erhoben. Hintergrund des Konflikts sind die kulturellen Gegensätze
zwischen den im Süden lebenden Christen und Anhängern von
Naturreligionen und dem islamisch geprägten Norden. Der
Bürgerkrieg hat mehr als zwei Millionen Menschen das Leben
gekostet, zumeist als Folge der von den Kämpfen bedingten
Hungersnot.
(Quelle: ap)
Antrag auf Auslieferung Mugabes vor Londoner Gericht
Do.08.01.04 - Der Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell hat am Mittwoch vor einem
Londoner Gericht Antrag auf einen Haftbefehl gegen den simbabwischen
Präsidenten Robert Mugabe und dessen Auslieferung wegen
Foltervorwürfen gestellt. Tatchell beruft sich auf einen Passus
eines britischen Gesetzes aus dem Jahr 1988, wonach weltweit jeder, der
foltert oder Beihilfe zu Folter leistet, in Großbritannien
strafrechtlich verfolgt werden kann. Er wende sich an die britische
Justiz, weil ein derartiger Antrag in Simbabwe keine Aussicht auf
Erfolg habe, sagte Tatchell vor dem Gericht in der Londoner Bow Street.
Zur Untermauerung seines Antrags legte Tatchell Unterlagen mehrerer
Menschenrechtsorganisationen vor, darunter von Amnesty International,
sowie eine eidesstattliche Versicherung des simbabwischen Journalisten
Ray Choto. Der inzwischen im Exil lebende Choto berichtet darin von
Foltererfahrungen in der Haft in Simbabwe. Die Erfolgsaussichten des
Antrags waren zunächst ungewiss. Der britische Generalstaatsanwalt
müsste einer strafrechtlichen Verfolgung Mugabes zustimmen,
darüber hinaus sind amtierende Staatschefs üblicherweise vor
dem Zugriff der Justiz geschützt. Richter Timothy Workman vertagte
die Anhörung auf Mittwoch kommender Woche.
Der gebürtige Australier Tatchell hat sich in der Vergangenheit
bereits zwei Mal persönlich für eine Festnahme Mugabes
eingesetzt. 2001 wurde der heute 51-Jährige dabei in Brüssel
von Leibwächtern Mugabes verprügelt. Tatchell betrachtet sich
als Sprecher der Rebellenorganisation Freiheitsbewegung von Simbabwe.
Sechs der 16 simbabwischen Handelsbanken haben unterdessen nach Angaben
von Wirtschaftsexperten Zahlungsschwierigkeiten. Sie können ihre
Schulden bei den anderen zehn Banken nicht mehr zahlen. Einige
Geschäfte haben daher Listen mit den Namen der Banken
veröffentlicht, deren Schecks sie nicht mehr akzeptieren.
Analysten erklärten, es bestehe die Gefahr eines Kollapses des
ohnehin angeschlagenen Finanzsektors. Informationsminister Jonathan
Moyo wies Berichte südafrikanischer und britischer Medien, wonach
die Bankenkrise einen wirtschaftlichen Zusammenbruch auslösen
könne, am Mittwoch als Erfindung zurück.
Das südafrikanische Land befindet sich in seiner schwersten
Wirtschaftskrise seit der Unabhängigkeit 1980. Die Inflationsrate
liegt bei 625 Prozent, vier Fünftel der Simbabwer leben nach
UN-Angaben in Armut. Im Dezember trat Simbabwe aus dem Commonwealth
aus. Das Land reagierte damit auf die Entscheidung des
Commonwealth-Gipfels in Nigeria, die Mitgliedschaft Simbabwes wegen
Menschenrechtsverletzungen und Unregelmäßigkeiten bei der
Wiederwahl Mugabes 2002 weiter ruhen zu lassen.
(Quelle: ap)
Wieder Tote bei Protesten gegen Aristide in Haiti
Die meisten Haitianer sind arbeitslos, ausländische Investitionen
tendieren gegen Null
Do.08.01.04 - Die anhaltenden Proteste in Haiti gegen Präsident Jean-Bertrand
Aristide haben am Mittwoch mindestens zwei Menschen das Leben gekostet.
Bei einem Protestmarsch mehrerer tausend Studenten und Regierungsgegner
kam es zu blutigen Auseinandersetzungen mit Anhängern Aristides,
die die Demonstranten angegriffen hatten. Ein Anhänger der
Regierung wurde von Sicherheitskräften erschossen, nachdem er das
Feuer auf die Protestierenden eröffnet hatte. Auch mindestens ein
Demonstrant kam ums Leben. Medien berichteten von 30 Verletzten.
Die Protestierenden warfen Aristide Machtmissbrauch und mangelnde
Unterstützung für die Armen vor. Bereits in den vergangenen
Wochen kam es immer wieder zu Protestaktionen gegen den
Präsidenten, bei denen schon mehr als 40 Menschen ums Leben kamen.
Der frühere Priester Aristide wurde 1990 der erste frei
gewählte Präsident Haitis und galt als Hoffnungsträger.
Ein Jahr später wurde er in einem Militärputsch gestürzt
und 1994 mit amerikanischer Hilfe wieder eingesetzt. 1996 trat er ab,
da ihm nur eine Amtszeit gestattet war, wurde aber im Jahr 2000
wiedergewählt.
Angesichts der schlechten Wirtschaftslage und Korruptionsvorwürfen
gegen die Regierung haben sich jedoch viele seiner früheren
Anhänger von ihm abgewandt. Die meisten Haitianer sind arbeitslos,
ausländische Investitionen tendieren gegen Null. Viele Einwohner
sind unterernährt. Das Welternährungsprogramm (WFP) beklagt
eine mangelnde Spendenbereitschaft der internationalen Gemeinschaft
für das Land. Umweltzerstörung und Naturkatastrophen wie
Überschwemmungen verschärfen die Lage.
(Quelle: ap)
UN greifen Guatemala im Kampf gegen Kriminalität
unter die Arme
Do.08.01.04 - Auf Bitte Guatemalas unterstützen die Vereinten Nationen
künftig die Kriminalitätsbekämpfung in dem
mittelamerikanischen Land. Mit der am Mittwoch vereinbarten
Zusammenarbeit erhalten die UN erstmals die Befugnis zur
Strafverfolgung innerhalb eines nationalen Justizsystems, wie
UN-Sprecher Fred Eckhard mitteilte. Die Vereinbarung sieht eine von den
UN eingesetzte Kommission vor, der gegen Verdächtige ermitteln und
Anklage erheben kann. Das Abkommen, das zunächst für zwei
Jahre in Kraft treten soll, muss noch vom guatemaltekischen Parlament
ratifiziert werden. Guatemala leidet unter wachsender Kriminalität
und gilt als Drogenumschlagplatz nach Mexiko und in die USA.
(Quelle: ap)
Flüchtlinge auf Nauru setzen Hungerstreik aus
Do.08.01.04 - Nach vier Wochen haben 35 Flüchtlinge in einem australischen
Auffanglager auf der Pazifikinsel Nauru ihren Hungerstreik ausgesetzt.
Die hauptsächlich aus Afghanistan stammenden Asylsuchenden brachen
nach Berichten der Flüchtlingshilfeorganisation A Just Australia
ihre Protestaktion am Donnerstag ab, nachdem ihnen eine erneute
Überprüfung ihrer Asylanträge und medizinische Hilfe aus
Australien zugesagt worden sei. Die Flüchtlinge hatten seit dem
10. Dezember die Nahrungsaufnahme verweigert, um gegen die Ablehnung
ihrer Asylanträge in Australien und die Zustände in dem Lager
auf Nauru zu protestieren.
(Quelle: ap)
EU-Kommission verteidigt Absage eines Antisemitismus-Seminars
Do.08.01.04 - Die EU-Kommission hat die Absage eines mit jüdischen
Organisationen geplanten Seminars über Antisemitismus in Europa
verteidigt. Kommissionssprecher Reijo Kemppinen forderte gestern in
Brüssel zwei hohe jüdische Repräsentanten auf,
zunächst ihre Vorwürfe gegen die europäische
Behörde zurückzunehmen. Deren Präsident Romano Prodi
wolle sich nicht mit Leuten zusammensetzen, die ihn des Antisemitismus
bezichtigen, hieß es.
Die Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses und des
Europäischen Jüdischen Kongresses, Edgar Bronfman und Cobi
Benatoff, hatten der EU-Kommission vorgehalten, sowohl in ihrem Handeln
als auch durch Unterlassen Antisemitismus auszudrücken. Diese
Vorwürfe gehen sowohl auf eine Eurostat-Umfrage zurück, laut
der 59 Prozent der EU-Bürger Israel als größte Gefahr
für den Weltfrieden sehen, als auch auf eine Untersuchung des
EU-finanzierten Zentrums zur Beobachtung von Fremdenfeindlichkeit und
Rassismus. Nach inoffiziellen Publikationen wird darin festgestellt,
dass Israels Haltung im Nahostkonflikt Ursache für antisemitische
Zwischenfälle in Europa sei.
Die Kommissionsmitglieder seien schockiert über die Vorwürfe
gewesen, die kaum zu glauben seien, sagte Kemppinen. Bronfmann und
Benatoff müssten ihre Haltung deutlich verändern, wenn das
geplante Seminar stattfinden solle.
(Quelle: dpa/taz)
EU für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen
Do.08.01.04 - Die EU gehört zu den Kandidaten für den Friedensnobelpreis
2004. Der frühere norwegische Ministerpräsident
Thorbjørn Jagland begründete seine Initiative in der Osloer
Zeitung «Aftenposten» mit der Verwirklichung der
Osterweiterung der Union als «Frieden schaffendender
Handlung». Nominierungen für die jeweils im Oktober in
Norwegens Hauptstadt anstehende Vergabe müssen bis spätestens
1. Februar beim Nobelkomitee eingehen. Die Aussichten für die EU
als nächstem Preisträger gelten als gering.
(Quelle: dpa)
Ungarischer Finanzminister wegen unerwartet hohen Haushaltsdefizits entlassen
Do.08.01.04 - Nach einem unerwartet hohen Haushaltsdefizit in Ungarn ist
Finanzminister Csaba Laszlo am Mittwoch entlassen worden. Nach Angaben
von Ministerpräsident Peter Medgyessy soll der derzeitige
Kabinettschef Tibor Draskovics am 15. Februar das Finanzressort
übernehmen. Der Regierungschef begründete die Entlassung
damit, dass das Etatdefizit im Jahre 2003 um 80 Milliarden Forint (308
Millionen Euro) höher ausgefallen ist, als das Finanzministerium
vorausgesagt hatte. Nach jüngsten Berechnungen beträgt das
Haushaltsloch 1,05 Billionen Forint (rund vier Milliarden Euro). Dies
sind 5,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - gut ein Prozent mehr als
prognostiziert. Die Regierung verfügte für 2004 bereits
empfindliche Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen. Ungarn
tritt im Mai der Europäischen Union bei, und die Regierung hofft,
bis etwa 2007 auch die Kriterien für einen Euro-Beitritt zu
erfüllen.
(Quelle: ap)
Widerstand gegen geplantes Kopftuch-Verbot in Frankreich
Do.08.01.04 - Das geplante Kopftuch-Verbot in den französischen Schulen trifft
auf den Widerstand zahlreicher Muslime. «Das Gesetz wird von der
gesamten muslimischen Gemeinschaft als ein Gesetz des Ausschlusses
empfunden», sagte der stellvertretende Vorsitzende des Islamrats
CFCM, Fouad Alaoui, am Mittwoch nach einem Treffen mit
Erziehungsminister Luc Ferry in Paris.
Die für den 17. Januar und 7. Februar vorgesehen Demonstrationen
seien völlig gerechtfertigt, sagte der den Fundamentalisten
nahestehende Alaoui. Der gemäßigte CFCM-Vorsitzende Dalil
Boubakeur rief die rund fünf Millionen in Frankreich lebenden
Muslime dagegen auf, nicht zu demonstrieren. Viele seien schlecht
informiert. Das Verbot richte sich nicht gegen sie, erklärte der
Rektor der Pariser Moschee.
Der am Mittwoch veröffentlichte Gesetzentwurf besteht aus nur drei
Paragrafen. In den öffentlichen Schulen wird demnach das Tragen
von Zeichen und Kleidungsstücken verboten, mit denen auf
"auffällige" Weise die religiöse Zugehörigkeit der
Schüler deutlich gemacht wird. Im zweiten Paragrafen wird der
Wirkungsbereich festgelegt, der sich auch auf die französischen
Überseegebiete erstreckt. Im dritten Paragrafen heißt es,
das Gesetz werde ab September 2004 in Kraft treten. Die Zustimmung des
Parlaments gilt als sicher. Chiracs
rechtsliberale Regierung verfügt in beiden Kammern über klare
Mehrheiten.
In den Erläuterungen zu dem Gesetzesentwurf heißt es, durch
auffällige religiöse Zeichen werde die Zugehörigkeit zu
einer Religionsgemeinschaft "unmittelbar" erkennbar. Solche Zeichen
seien insbesondere das islamische Kopftuch, die jüdische Kippa und
das christliche Kreuz "in offensichtlich übergroßer
Dimension". Das Verbot zum Tragen solcher Zeichen erstrecke sich auf
den gesamten Zuständigkeitsbereich der Schule - auch bei
Veranstaltungen außerhalb des Schulgebäudes.
Verstöße sollten "entsprechend ihrer Schwere" geahndet
werden.
Der Gesetzesentwurf war am Montag dem Pariser Staatsrat als
Beratungsorgan der Regierung zur juristischen Prüfung
übergeben worden. Anfang Februar soll die Vorlage dann der
Nationalversammlung vorgelegt werden. Chirac hatte die Regierung Mitte
Dezember mit einer gesetzlichen Regelung beauftragt. Mehr als zwei
Drittel der Bevölkerung sprachen sich in Umfragen für ein
entsprechendes Gesetz aus. Eine von Chirac eingesetzte
Expertenkommission hatte vorgeschlagen, auffällige religiöse
Zeichen in den öffentlichen Schulen zu verbieten. Dagegen sollen
unauffällige Symbole wie etwa Kettenanhänger getragen werden
dürfen.
(Quellen: ap, afp)
Mehr zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401060.htm#04010604
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401060.htm#040106uy
Chirac-Umfeld will auch politische Zeichen aus Schulen verbannen
Do.08.01.04 - Enge politische Freunde des französischen Präsidenten Jacques
Chirac wollen neben religiösen auch politische Zeichen aus den
öffentlichen Schulen verbannen. Er sei dafür, dass das von
der Regierung vorgelegte Gesetz zum Verbot religiöser Zeichen
"auch politische Zeichen betrifft", sagte der Fraktionsvorsitzende der
konservativen Präsidentenpartei UMP, Jacques Barrot, der Zeitung
"Le Monde" (Donnerstagausgabe). Auch UMP-Chef Alain Juppé sagte,
er sehe "keinen Grund", eine solche Bestimmung abzulehnen. Die
Regierung veröffentlichte unterdessen ihre Gesetzesinitiative zum
Verbot auffälliger religiöser Zeichen an öffentlichen
Schulen.
Die Ausweitung des Verbots auf politische Zeichen wurde in der
UMP-Fraktion von dem Abgeordneten Hervé Mariton ins
Gespräch gebracht, der damit die weltanschauliche
"Neutralität der Schule" untermauern will. Auch die
oppositionellen Sozialisten hatten sich kürzlich dafür
ausgesprochen, zugleich mit den religiösen Zeichen die politischen
Symbole aus den öffentlichen Schulen zu verbannen. Im Umfeld des
rechts-liberalen Premierminister Jean-Pierre Raffarin herrscht jedoch
die Ansicht vor, das Verbot solle auf religiöse Zeichen
beschränkt bleiben.
(Quelle: afp)
Deutschland
Niedersachsen wertet Kopftuch als politisches Symbol
Do.08.01.04 - Die niedersächsische Regierung will Lehrerinnen das Tragen von
Kopftüchern in Schulen als Verstoß gegen die politische
Neutralität gesetzlich untersagen. «Das Kopftuch wird
ausschließlich als politisches Symbol an den Schulen
verboten», sagte Regierungssprecher Olaf Glaesecker am Mittwoch
in Hannover. Das solle verhindern, «dass es zu einer
Gleichsetzung mit dem Kreuz kommt».
Das Kabinett werde nächste Woche den entsprechenden Entwurf einer
Änderung des Schulgesetzes verabschieden, hieß es. An
Hochschulen werde es kein Kopftuchverbot geben.
Nach Angaben des Kultusministeriums soll die Gesetzesänderung
über ein reines Kopftuchverbot hinausgehen. Untersagen wolle man
«alle politischen und religiösen Symbole, die geeignet sind,
die Neutralitätspflicht der Lehrer zu verletzen», sagte der
zuständige Referent Peter Bräth. Ausschlaggebend für
eine Wertung als Verletzung der Neutralitätspflicht sei die
Perspektive der betroffenen Schüler. Auch das allein aus
religiösen Gründen getragene Kopftuch sei «ein Symbol
gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter» und verletze die
Neutralitätspflicht.
Auf eine Frage hin sagte Bräth, in einer Mönchskutte oder
auch mit der jüdischen Kippa (Käppchen) dürfe weiter
unterrichtet werden. Das Judentum stehe wie das Christentum in der
abendländischen Tradition. Im islamischen Religionsunterricht
solle das Kopftuch erlaubt sein. Auch bei muslimischen Referendarinnen
könne wegen des Ausbildungsmonopols des Staates eine
Ausnahmeerlaubnis zum Kopftuchtragen notwendig werden.
(Quelle: ap)
ZdK besorgt über Kopftuch-Debatte - Präsident des Zentralrats
der Juden in Deutschland warnt vor Oberflächlichkeit im
Kopftuchstreit
Do.08.01.04 - Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat seine zunehmende
Sorge über die Kopftuch-Debatte in Deutschland ausgedrückt.
Das Problem dürfe nicht mit einem generellen Ausschluss
religiöser Symbole aus dem öffentlichen Dienst gelöst
werden, erklärte das ZdK am Mittwoch in Bonn.
Das ZdK erklärte, dass man die Etablierung einer säkularen
Kultur und einer religionslosen Gesellschaft per Gesetz in Deutschland
nicht hinnehmen werde. Notfalls werde man die Christen dazu aufrufen,
sich einer Verdrängung des Christentums in die Privatsphäre
mit allen Mitteln, «die heute in einer freiheitlichen Demokratie
als zulässig gelten», zu widersetzen. Beim Kopftuchstreit
gehe es nicht um Religion, sondern um die Gleichberechtigung der Frau.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul
Spiegel, kritisierte die Kopftuch-Debatte als zu oberflächlich.
Laut einem Vorabbericht der «Jüdischen Allgemeinen
Wochenzeitung» vertrat Spiegel auch die Auffassung, dass ohne Not
allzu schnell massiv in die verfassungsmäßigen Grundrechte
eingegriffen werde. Es sei ein «Trugschluss zu glauben, damit den
Fundamentalismus und den politischen Missbrauch von Religionen
bekämpfen zu können».
Der Zentralratsvorsitzende sprach sich überdies wie
Bundespräsident Johannes Rau für die Gleichbehandlung von
Religionen aus. Diese gehöre zu den "tragenden
Verfassungsprinzipien". Gleichwohl sie die Frage, ob das "Kopftuch ein
religiöses Symbol ist, ähnlich dem Kruzifix oder der Kippa",
noch nicht abschließend diskutiert und beantwortet.
(Quellen: ap, afp)
Mehr Berichte und Hintergrundinformationen zur Kopftuch-Debatte:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312180.htm#031218_i
Jüdische Gemeinde Berlin wählte Albert Meyer zum neuen
Vorsitzenden
Do.08.01.04 - Die Jüdische Gemeinde zu Berlin, mit etwa 12.400 Mitgliedern die
größte in Deutschland, hat einen neuen Vorsitzenden. Der
Notar und Anwalt Albert Meyer wurde am Mittwochabend bei der
konstituierenden Sitzung der Repräsentantenversammlung vom
fünfköpfigen Vorstand einstimmig gewählt. Einen
Gegenkandidaten gab es nicht.
Seine Stellvertreter wurden der 61-jährige Professor Julius
Schoeps, Historiker und Leiter des Moses-Mendelsson-Instituts an der
Universität Potsdam und der russischstämmige Journalist
Arkadi Schneidemann.
Der stimmberechtigte fünfköpfige Vorstand war von den 21
Mitgliedern des Gemeindeparlaments gewählt worden. Meyers liberale
Wahlliste Kadima (Vorwärts) verfügt über 20 der 21
Sitze. Einziger unabhängiger Abgeordneter ist der Ex-Diplomat
Alexander Brenner, der die Gemeinde seit 2001 geführt hat.
(Quelle: ap)
«Die schwerste Aufgabe in dieser Gemeinde seit 1950»
Auf Albert Meyer wartet kein leichter Job: die größte
jüdische Gemeinschaft in Deutschland nach erbitterten Streitereien
zu einen, Reformen voranzubringen und die Finanzen zu sanieren.
«Es ist die schwerste Aufgabe in dieser Gemeinde seit
1950», sagte der Anwalt und Notar, der am Mittwoch einstimmig zum
neuen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt
wurde. Seine liberale Liste Kadima (Vorwärts) beherrscht mit 20
der 21 Sitze das Gemeindeparlament, einziges unabhängiges Mitglied
ist der bisherige Vorsitzende Alexander Brenner.
Der 56-jährige Meyer stammt aus einer großbürgerlichen,
deutschnational eingestellten Berliner Familie. Sein Großvater
besaß ein Kaufhaus in der Frankfurter Allee, sein Vater war
Anwalt und wurde im Ersten Weltkrieg ausgezeichnet. «In seinem
Gebetbuch hatte er eine Postkarte von einem jüdischen
Feldgottesdienst 1870, kurz vor der Schlacht von Sedan», erinnert
sich der Sohn.
1936 wurde der Vater wegen angeblicher «Rassenschande» mit
einer Nichtjüdin verhaftet. Meyers Eltern überlebten die
Nazi-Zeit in einem Versteck in der Nähe von Potsdam. Als
Schüler besuchte Meyer Internate in der Schweiz und England. Wie
sein Vater studierte er Jura in Deutschland. Neun Monate seiner
Referendarzeit verbrachte Meyer in Tel Aviv. Über Israel sagt er:
«Ich fahre gerne in den Urlaub, aber dort leben will ich nicht.
Ich bin Berliner.»
Innerhalb von vier Jahren will er die völlig zerstrittene Gemeinde
hinter sich bringen, die Integration der Juden aus der früheren
Sowjetunion (fast 80 Prozent der 12.400 Mitglieder) vorantreiben, ein
professionelles Management einsetzten, den Haushalt konsolidieren und
das jährliche Defizit von etwa 1,5 Millionen Euro auf Null
bringen. Einsparungen kündigte er bereits im Personalbereich an.
In der Gemeinde hat Meyer nicht nur Freunde. Seine früheren Gegner
hatten eine aggressive Wahlkampagne gegen ihn geführt. Allerdings
wurde keiner von ihnen in die Repräsentantenversammlung
wiedergewählt.
Für seine geplanten Finanzreformen hofft Meyer auf finanzielle
Unterstützung der Jewish Claims Conference, die nach seinem Wunsch
eine Stiftung für die Schulen der Gemeinde gründen soll.
Allein die Oberstufe des jüdischen Gymnasiums verursache ein
jährliches Defizit von 500.000 Euro, sagt der Anwalt. Die Gemeinde
habe millionenschwere Ansprüche auf Grundstücke der Claims
Conference in Berlin. Die US-Organisation verwaltet diese
Grundstücke als Rechtsnachfolgerin von Nazi-Opfern. Für den
größten Jüdischen Friedhof Europas in
Berlin-Weißensee soll nach Meyers Vorstellung der Berliner Senat
die Trägerschaft übernehmen.
Außerdem will Meyer, der sich «gläubig, aber nicht
religiös» nennt, einen liberalen Rabbiner für die
Gemeinde einstellen. Bisher sind nur die konservative und die orthodoxe
Strömung in der Einheitsgemeinde mit Rabbinern versorgt. Der
Anwalt will auch religiöse Gerichte verschiedener Strömungen
(»Bet Din») in Berlin wiederherstellen. Im Februar will er
darüber mit dem israelischen Oberrabbiner verhandeln. Meyer geht
nach eigenen Angaben etwa einmal im Monat in die Synagoge. Er ist
verheiratet und hat eine achtjährige Tochter.
(Quelle: ap)
Jüdische Gemeinde Berlin:
http://www.jg-berlin.org
|
Union macht mit Türkei Europawahlkampf
Do.08.01.04 - CDU und CSU wollen die geplante EU-Mitgliedschaft der Türkei zu
einem Wahlkampfthema bei der Europawahl im Juni machen.
CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sagte am Mittwoch in Kreuth:
«Das Erweiterungsversprechen an die Türkei war eine Nacht-
und Nebelaktion, ein Alleingang des Basta-Kanzlers, der das in Helsinki
als Ratspräsident durchgesetzt hat.» Eine breite Diskussion
mit der Bevölkerung darüber müsse nachgeholt werden.
Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Wolfgang Schäuble sagte
in Kreuth, es wäre demokratiefeindlich, mit den Wählern nicht
über diese wichtige Grundsatzfrage zu sprechen. Eine privilegierte
Partnerschaft der Türkei mit der Europäischen Union und eine
enge Anbindung an die transatlantische Gemeinschaft sei die bessere
Lösung. Eine Überforderung und Überdehnung der
geografischen Grenzen des Kontinents würde die EU lähmen und
zerstören.
Glos sagte, die Türkei könne in absehbarer Zeit nicht
EU-Mitglied werden. Die SPD denke ausschließlich an die 500.000
türkischstämmigen Wähler in Deutschland. Wie sich ein
Beitritt auf Deutschland und Europa auswirke, «ist denen ziemlich
egal».
Schäuble sagte, das Gelingen der jetzt bevorstehenden
EU-Osterweiterung sei im Interesse aller Beteiligten. Wenn die EU diese
schwierige Aufgabe nicht schaffe, könne sie ihre globale Rolle
vergessen.
(Quelle: ap)
Streit zwischen Unionsparteien um Steuerreform verschärft
Merz: CSU arbeitet mit falschen Zahlen - Merkel verteidigt Stufentarif
- Kritik in der CSU -Clement sieht CSU-Steuermodell der SPD näher
als CDU-Konzept
Do.08.01.04 - Im Streit zwischen CDU und CSU um die nächste Steuerreform wird
der Ton schärfer. Der CDU-Steuerexperte Friedrich Merz warf der
Schwesterpartei am Donnerstag vor, mit falschen Zahlen zu arbeiten.
CDU-Chefin Angela Merkel hob den «Charme der Einfachheit»
des Stufentarifs gegenüber dem von der CSU favorisierten linearen
Tarifkonzept hervor. Zudem gibt es offenbar in der CSU Kritik am
eigenen Konzept.
Merz wies in der «Rheinischen Post» (Donnerstagausgabe) den
Vorwurf der CSU, das von ihm entworfene Steuerkonzept der CDU sei wegen
einer Finanzierungslücke von 24 Milliarden Euro nicht tragbar,
zurück. Die Berechnung der CSU sei «in mehreren Punkten
falsch», wurde der Unions-Vizefraktionschef demnach zitiert. Das
Bundesfinanzministerium habe bestätigt, dass es bei dem Konzept
nur um 15 Milliarden Euro gehe. Merz bekräftigte seine Kritik am
CSU-Vorstoß: Wenn Herr Stoiber mein Konzept «einen
großen Wurf der CDU» nennt, dann verstehe ich nicht,
weshalb die CSU so kleinmütig sein muss», sagte er.
Merkel sagte in den ARD-Tagesthemen, das von der CSU favorisierte
lineare Tarifkonzept koste zwar weniger, sei aber nicht automatisch
sozialer. Schließlich seien die Einkommensgruppen abgestuft,
betonte sie. Beim Thema Pendlerpauschale sprach sich Merkel erneut
für eine Kürzung aus. CSU-Chef Edmund Stoiber hatte zuvor im
ZDF für den Erhalt der Pendlerpauschale plädiert, ohne sich
aber auf eine Höhe der Kilometerpauschale festzulegen.
Merkel zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Schwesterparteien zu
einer Einigung kommen. Die Konzepte von CDU und CSU weichten «nur
in einigen Punkten» voneinander ab. Die von der CSU kritisierten
höheren Einnahmeverluste von 24 Milliarden Euro betreffen laut
Merkel nur das erste Jahr. Langfristig sei der Gewinn einer
Steuersenkung immer viel größer.
Die CSU hatte am Mittwoch ihr Konzept für eine grundlegende
Steuervereinfachung vorgelegt und der Bundesregierung eine gemeinsame
Reform angeboten. Als Bedingung forderte Parteichef Edmund Stoiber auf
der CSU-Klausur in Wildbad Kreuth, dass Rot-Grün bis Sommer einen
eigenen Gesetzentwurf im Bundestag einbringe.
Die Bundesregierung lehnt das ab und verlangt, zuerst müsse die
Union einen Gesetzentwurf im Bundesrat verabschieden. Allerdings
reagierte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement aufgeschlossen auf
die Vorschläge der CSU. Sie lägen der SPD näher als das
Merz-Modell der CDU, sagte der SPD-Politiker der «Berliner
Zeitung» (Donnerstagausgabe). Die endgültige Bewertung
hänge aber davon ab, ob die Union beim Subventionsabbau noch
weiter gehe, fügte Clement demnach hinzu.
In der CSU-Landesgruppe im Bundestag gibt es unterdessen offenbar
erhebliche Kritik am Steuerreform-Konzept der Parteispitze. Einem
Bericht der «Passauer Neue Presse» (Donnerstagausgabe)
zufolge wurde der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser bei der
Klausurtagung der Landesgruppe mit Kritik konfrontiert. Mehrere
Bundestagsabgeordnete seien höchst unzufrieden mit den
Vorschlägen zur Finanzierung des Konzepts gewesen, das 21,5
Milliarden Euro an Steuerentlastungen, aber nur eine Gegenfinanzierung
von sechs Milliarden durch Subventionsabbau vorsehe. Dem Blatt zufolge
erklärte ein hochrangiger CSU-Politiker, es bleibe unklar, wo die
restlichen 15 Milliarden herkommen sollten.
(Quelle: ap)
Hintergrund: Der Wettstreit um das beste Steuerkonzept
Seit Wochen legen Parteien und Experten Vorschläge für eine
große Steuerstrukturreform vor. Gemeinsames Ziel ist eine Senkung
der Steuerbelastung, der Abbau von Steuervergünstigungen sowie
eine deutliche Vereinfachung des Steuerrechts. Es gibt aber auch
große Unterscheide, etwa bei Tarifen, der Unternehmens- und
Zinsbesteuerung, der Gewerbesteuer und dem Subventionsabbau:
BUNDESREGIERUNG: Der Eingangssteuersatz ist Anfang 2004 von 19,9 auf 16
Prozent gesunken, der Spitzensteuersatz von 48,5 auf 45 Prozent. Nach
dem Kompromiss im Vermittlungsausschuss gehen die Sätze erst 2005
weiter auf 15 beziehungsweise 42 Prozent zurück. Der
Grundfreibetrag ist auf 7664 Euro gestiegen. 2004 beträgt die
Steuerentlastung 15 Milliarden Euro, 2005 kommen rund 6,5 Milliarden
hinzu. Neben Privatisierungserlösen und neuen Krediten wird sie
über eine Kürzung der Pendlerpauschale und der
Eigenheimzulage finanziert. Auch sank der Arbeitnehmerfreibetrag auf
920 Euro. Ein neues Modell zur Besteuerung von Kapitalerträgen
soll im Frühjahr vorliegen.
CDU: Das von Friedrich Merz erarbeitete Konzept sieht einen
dreistufigen Einkommensteuertarif von 12, 24 und 36 Prozent vor. Der
Spitzensteuersatz greift ab 40 000 Euro. Für alle gilt ein
Grundfreibetrag von 8000 Euro, hinzu kommt ein Arbeitnehmerfreibetrag
von 1000 Euro. Bei der Kapitalbesteuerung ist inzwischen nicht mehr von
einer Abgeltungsteuer die Rede, sondern von einer Quellensteuer. Zur
Gegenfinanzierung sollen nahezu alle Steuervergünstigungen
gestrichen werden. Die Netto-Entlastung soll im ersten Jahr 20 und
danach 15 Milliarden Euro betragen. Die Gewerbesteuer bleibt vorerst.
CSU: Das «Konzept 21» sieht Einkommensteuersätze
zwischen 13 und 39 Prozent vor. Der Freibetrag beträgt 8000 Euro,
der Spitzensteuersatz greift ab 52 500 Euro. Favorisiert wird ein
linear-progressiver Anstieg. Steuerzahler sollen netto um 15 Milliarden
Euro entlastet werden. Dazu fallen unter anderem 13 Steuerbefreiungen
weg - für Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge innerhalb
von fünf Jahren. Die Pendlerpauschale bleibt. Geplant ist eine
Abgeltungsteuer für Zinserträge von 25 Prozent. Kommunen
sollen an der Einkommen-, Umsatz- und erstmals an der
Körperschaftsteuer stärker beteiligt werden.
FDP: Das Konzept der Liberalen sieht einen Stufentarif von 15, 25 und
35 Prozent vor. Der Spitzensteuersatz greift ab 40 000 Euro. Der
Grundfreibetrag beträgt 7700 Euro. Arbeitnehmer erhalten eine
Werbungskostenpauschale von 2 Prozent der steuerpflichtigen Einnahmen.
Die FDP ist für eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent auf
Kapitalerträge bei Beibehaltung des Bankgeheimnisses. Die
Steuerentlastung wird auf mehr als 20 Milliarden Euro beziffert, die
durch massiven Subventionsabbau finanziert werden soll. Die
Gewerbesteuer soll abgeschafft werden.
Prof. PAUL KIRCHHOF: Der Ex-Verfassungsrichter und Steuerexperte
schlägt einen einzigen linearen Steuersatz von 25 Prozent auf jede
Form von Einkommen vor. Der Grundfreibetrag pro Person beträgt
8000 Euro. Die nächsten 5000 Euro werden nur zu 60 Prozent
besteuert, die folgenden 5000 Euro zu 80 Prozent. Hinzu kommt eine
allgemeine Kostenpauschale von 2000 Euro. Die volle Steuerpflicht mit
einem Satz von 25 Prozent setzt also erst bei einem Einkommen von 20
001 Euro ein. Sämtliche Privilegien und Ausnahmen werden
abgeschafft. Die Trennung zwischen Körperschaft- und
Einkommensteuer wird aufgehoben.
«FÜNF WEISE»: Der Sachverständigenrat zur
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung schlägt eine
duale Einkommensteuer vor. Kapitaleinkommen werden mit einem niedrigen
proportionalen Satz besteuert, Arbeitseinkommen - einschließlich
Managerlöhnen - weiter progressiv. Der Steuersatz auf
Kapitaleinkommen sollte bei 30 Prozent liegen. Bei Arbeitseinkommen
könnte der Eingangssteuersatz etwa 15, der Spitzensatz 35 Prozent
betragen. Beim Subventionsabbau plädieren die «Fünf
Weisen» für massive selektive Kürzungen. Abgeschafft
werden könnten Hilfen und Steuerbegünstigungen von 25
Milliarden Euro.
(Quelle:dpa, 07.01.04)
|
Regierung kritisiert Kündigung von Betriebsrenten
Do.08.01.04 - Die Kündigung oder Kürzung von Betriebsrenten durch einzelne
Großunternehmen wie die Commerzbank und den Versicherungskonzern
Gerling stößt in der rot-grünen Bundesregierung auf
Unverständnis.
"Ich halte das für keine gute Entscheidung", sagte
Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) am Mittwoch zum Beschluss der
Commerzbank, die Betriebsrenten der rund 26.000 Beschäftigten aus
Kostengründen zu kündigen. Sie setze darauf, dass in
Tarifverhandlungen Vereinbarungen zur betrieblichen Altersvorsorge auf
den Weg gebracht würden, sagte die Ministerin. Auch die FDP sprach
von einem falschen Signal. Die Bundesvereinigung der
Arbeitgeberverbände (BDA), aber auch Branchenverbände wie die
Metallarbeitgeber und Experten erwarten jedoch keine
großflächige Abkehr von der Betriebsrente. Auch zahlreiche
von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Unternehmen planen
angeblich keine Einschnitte.
Schmidt sagte, aus Sicht der Regierung sei die betriebliche
Altersvorsorge eine Säule neben der gesetzlichen Rente und der
Privatvorsorge. Die Unternehmen sollten nach anderen Möglichkeiten
für Einsparungen suchen. Nach Schätzungen aus Bankenkreisen
könnte die Commerzbank durch den Verzicht auf die Betriebsrente ab
2005 etwa 20 bis 30 Millionen Euro jährlich sparen. Dies
entspricht einem Bruchteil der geplanten Gesamtkosten für 2004 von
etwa 4,5 Milliarden Euro.
Der angeschlagene Versicherungskonzern Gerling bestätigte, dass
die Betriebsrenten vieler Mitarbeiter zum 1. Januar um 30 bis 50
Prozent verringert worden seien. Dies betreffe nicht die laufenden
Betriebsrenten, sondern nur die Anwartschaften, betonte ein Sprecher.
Dies sei kurz vor Weihnachten mit dem Betriebsrat vereinbart worden.
Mehr als 15 Millionen Arbeitnehmer haben derzeit Anspruch auf eine
betriebliche Altersversorgung. Dazu zählen jedoch nicht nur vom
Arbeitgeber finanzierte Betriebsrenten, sondern Modelle wie etwa die
Entgeltumwandlung, in denen Arbeitnehmer einen eigenen Beitrag
beisteuern. Die Zahl der Beschäftigten mit betrieblicher
Altersvorsorge ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. Ein
Grund dafür dürfte sein, dass mit der Einführung der
Privatvorsorge nach dem Modell der Riester-Rente im Jahr 2002 auch die
Möglichkeiten zur betrieblichen Vorsorge lukrativer gestaltet
wurden.
FDP-Chef Guido Westerwelle nannte den Commerzbank-Beschluss ein
völlig falsches und fatales Signal. Die Bundesregierung müsse
mit günstigen Rahmenbedingungen mehr Dynamik bei der betrieblichen
Altersvorsorge entfachen. Die FDP werde sich dafür einsetzen, die
bis 2008 befristete Sozialabgabenbefreiung für die
Entgeltumwandlung darüber hinaus aufrechtzuerhalten.
Die Arbeitgeber-Bundesvereinigung erklärte, die Beschlüsse
bei Commerzbank oder Gerling stellten keinen allgemeinen Trend dar. Es
werde weiter arbeitgeberfinanzierte Betriebsrenten geben. Der
Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, Hans Werner Busch,
nannte den Commerzbank-Schritt indes nachvollziehbar, da
arbeitgeberfinanzierte Betriebsrenten nicht mehr bezahlbar seien. Er
rechne jedoch nicht mit massenhaften Kündigungen: "Ich sehe da
eigentlich keine Lawine auf uns zukommen."
Zahlreiche von Reuters befragte Unternehmen wie BMW, Epcos oder Henkel
wollen die Betriebsrenten nicht antasten. Der Sportartikelhersteller
Adidas-Salomon will die Betriebsrenten sogar ausbauen. Der
Geschäftsführer der Heidelberger Arbeitsgemeinschaft für
betriebliche Altersversorgung (aga), Klaus Stiefermann, sprach im
Reuters-Interview die Erwartung aus, dass die Zahl der Betriebsrenten
mittelfristig eher steigen werde. Wenn es in einigen Jahren der
erwartete Mangel an qualifizierten Arbeitskräften bewahrheite,
würden die Betriebe verstärkt auf die Betriebsrente als
Werbemittel zurückgreifen.
(Quelle: rtr)
VdK: Kündigung von Betriebsrenten per Gesetz verbieten
Do.08.01.04 - Der Sozialverband VdK fordert ein gesetzliches Verbot von
Kündigungen oder Kürzungen der Betriebsrenten.
"Ich habe kein Verständnis dafür, wenn die Arbeitnehmer
für eine falsche Unternehmenspolitik bezahlen sollen", sagte
VdK-Präsident Walter Hirrlinger der "Passauer Neuen Presse" nach
einem Vorabbericht aus der Donnerstagausgabe. "Der Gesetzgeber ist
gefordert, Vorschriften zu erlassen, damit die Betroffenen nicht
benachteiligt werden." So gebe es etwa bereits Regelungen, die sicher
stellten, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens im Falle einer
Insolvenz nicht auf ihre Betriebsrenten verzichten müssten.
(Quelle: rtr)
Ex-Vorstände klagen gegen Gerling wegen Betriebsrenten-Kützung
Do.08.01.04 - Mindestens sieben Ex-Vorstände des angeschlagenen Gerling-Konzerns
haben einer Zeitung zufolge Klage gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber
eingereicht und fordern eine Absicherung ihrer Pensionen.
Rechtsanwalt und Ex-Vorstand Horst Kossmann sagte der "Financial Times
Deutschland" (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht, die Ansprüche
müssten durch Bürgschaften, Hypotheken oder andere Mittel
gesichert werden. "Über die Ertrags- und Liquiditätslage der
Gerling-Konzernholding kann man sich schon Sorgen machen", sagt er.
Dagegen sagte Gerling- Chefjurist Christoph Ebert, die Klagen seien
unbegründet. Eine Entscheidung wird dem Blatt zufolge für
März erwartet.
Gerling hatte am Vortrag bestätigt, dass die Betriebsrenten vieler
Mitarbeiter zum 1. Januar um 30 bis 50 Prozent wegen der Kosten des
Programms verringert worden seien.
(Quelle: rtr)
IG-Metall warnt Arbeitgeber vor Großkonflikt
Do.08.01.04 - Unmittelbar vor Beginn der zweiten Runde der Metall-Tarifverhandlungen
hat die Gewerkschaft eindringlich vor einem Konflikt um längere
Arbeitszeiten gewarnt. Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold
Huber, sagte dem «Handelsblatt» (Donnerstagausgabe), der
nächste Großkonflikt sei programmiert, wenn die Arbeitgeber
ihre Forderung einer Verlängerung der Arbeitszeit ohne
Lohnausgleich aufrechterhalten würden.
Wenn Gesamtmetallpräsident Martin Kannegiesser sein Junktim
aufrecht erhalte, müsse er damit rechnen, «dass die IG
Metall mit gleicher Münze antwortet und ebenfalls Junktims
aufstellt», betonte Huber demnach. Zugleich legte der
IG-Metall-Vize aber Wert darauf, nicht mit einem Streik zu drohen. Sie
werden von mir keine martialischen Sprüche hören»,
wurde er zitiert.
In Böblingen werden am (heutigen) Donnerstag die
Tarifgespräche im traditionellen Metall-Pilottarifbezirk
Baden-Württemberg fortgesetzt. Die IG Metall verlangt für die
3,4 Millionen Beschäftigten in Deutschlands Schüsselindustrie
vier Prozent mehr Geld.
(Quelle: ap)
Anhaltend starke Skepsis gegen Elite-Unis
Do.08.01.04 - Der SPD-Vorschlag zum Aufbau von Elite-Universitäten
stößt in der Fachwelt und in der Politik auf anhaltend
starke Skepsis. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber verwies
am Mittwoch in Kreuth auf die bevorstehende Einrichtung von
Elitestudiengängen an bestehenden Hochschulen seines Bundeslandes
noch in diesem Jahr. Der Präsident der Freien Universität
Berlin, Dieter Lenzen, nannte zusätzliche Investitionen von
jährlich 30 Milliarden Euro in das deutsche Bildungssystem von der
Schule bis zur Universität notwendig.
Stoiber äußerte sich verwundert darüber, «dass
die Regierung bei ihren Reformbestrebungen immer wieder auf Themen
ausweicht, wo sie keine Zuständigkeit hat», wie zum Beispiel
auf die Bildungspolitik. Der Vorschlag zum Aufbau von
Bundes-Elite-Universitäten seien «Luftschlösser»
und «Schnellschüsse, wie man sie von der SPD gewohnt
ist». Elite-Universitäten könnten nicht geschaffen
werden, ohne gleichzeitig Studiengebühren zu erheben.
Lenzen erklärte im Berliner Inforadio, fünf bis zehn deutsche
Universitäten könnten ohne weiteres, wenn sie in die
ökonomische Lage versetzt würden, innerhalb von drei bis
fünf Jahren Leistungen wie die berühmten amerikanischen
Elite-Unis erbringen. «Dann muss jetzt aber richtig durchgeatmet
und gehandelt werden», sagte der FU-Professor. Er verwies darauf,
dass beispielsweise die Columbia-University über ein Jahresbudget
von über 2,4 Milliarden US-Dollar verfüge. Die Freie
Universität Berlin verfüge über 270 Millionen Euro. In
Columbia sei die Zahl der Studierenden halb so groß wie in
Berlin. «Das heißt, die haben etwa das 20- bis 25-fache an
Ausstattung. Da kann man natürlich ganz andere Effekte
erzielen», sagte Lenzen.
Der ehemalige Leiter des Oberstufenkollegs der Universität
Bielefeld, Ludwig Huber, sprach sich im Deutschlandfunk dafür aus,
Konkurrenz unter Fakultäten zu fördern, statt
Elite-Universitäten zu gründen. In Deutschland hapere es im
übrigen mit der Förderung der Breite, des Zugangs zur
Hochschule. Nur 30 Prozent eines Altersjahrgangs begännen ein
Studium. In OECD-Nachbarländern seien das ungefähr um die
Hälfte mehr.
Skeptisch äußerte sich auch Grünen-Chef Reinhard
Bütikofer. Er sei nicht gegen Privat- oder Spitzen-Unis, sagte er
dem Düsseldorfer «Handelsblatt» (Mittwochausgabe).
Aber die Botschaft dürfe nicht falsch sein. Wenn jeder, der mit
großer Anstrengung das Studium seiner Kinder finanziere, nun
denke, dass der Innovationsaufbruch nicht für seinesgleichen sei,
könne man für diesen Aufbruch kaum das ganze Land begeistern.
Der Präsident des Bundesverbandes der Selbstständigen, Rolf
Kurz, forderte, bei der Verbesserung des Ausbildungssystems unten
anzufangen. International wettbewerbsfähige
«Leuchttürme der Wissenschaft» würden gebraucht.
Im Gegensatz zu diesen Ansprüchen stehe jedoch der
mittelmäßige Zustand der Grundausbildung an den Schulen.
Lehrstellenbewerber hätten oft nur mangelhafte Kenntnisse bei
elementaren Dingen wie Rechnen und Schreiben. Bereits hier versage das
Schulsystem.
(Quelle: ap)
Studentenverband befürchtet "Zwei-Klassen-Bildung"
Do.08.01.04 - Der Studenten-Dachverband Freier Zusammenschluss von
StudentInnenschaften (fzs) lehnt die Einführung von Elite-Unis ab.
Dies führe zu einer "Zwei-Klassen-Bildung", sagte der Fzs-Vorstand
Sascha Vogt. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben die
gewählten Studentenvertretungen an 78 deutschen Hochschulen und
damit die Hälfte aller zwei Millionen Studenten. "Die SPD redet
auf der einen Seite von einem sozial gerechten Bildungssystem Auf der
anderen Seite plädiert sie für die Einführung von
Elite-Unis. Das passt nicht zusammen", sagte Vogt.
(Quelle: sz)
Studentenwerk: Vor Debatte über Elite-Unis Bildungsausgaben
erhöhen
Do.08.01.04 - In der Debatte über die künftige Bildungspolitik und den
SPD-Vorschlag für die Schaffung von Elite-Universitäten haben
Vertreter von Forschung und Hochschulen mehr Geld für Bildung
gefordert. Die Diskussion über Elite-Unis komme "zur Unzeit",
kritisierte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks,
Achim Meyer auf der Heyde, am Mittwoch in Berlin. Vor solchen Debatten
sei es nötig, "die öffentlichen Ausgaben für die Bildung
auf breiter Basis zu erhöhen".
(Quelle: afp)
Studenten besetzten SPD-Parteizentrale
Do.08.01.04 - Eine Gruppe von etwa 30 Studierenden hat am Mittwoch einen Teil der
SPD-Parteizentrale besetzt. Die Studenten waren in das
Willy-Brandt-Haus eingedrungen, um gegen die Sparbeschlüsse bei
den Berliner Universitäten zu protestieren. Wie eine
SPD-Sprecherin sagte, sei ein Gesprächsangebot mit der
Bundesgeschäftsführung von den Studenten abgelehnt worden.
Am Abend begann die Polizei mit der Räumung der Besetzer. Diese
hatten zuvor erklärt, sie würden das Willy-Brandt-Haus
«nicht verlassen, bevor unsere Forderungen diskutiert und
erfüllt sind».
Unter den Besetzern befand sich auch eine Gruppe von Rollstuhlfahrern.
Zu den Forderungen gehörte auch der behindertengerechte Umbau des
öffentlichen Personennahverkehrs.
Die SPD-Parteizentrale war bereits zum zweiten Mal ins Visier der
protstierenden Studenten geraten. Seit mehreren Wochen wollen sie mit
Mahnwachen, öffentlichen Vorlesungen und Demonstrationen erwirken,
dass der Berliner Senat seine Sparbeschlüsse rückgängig
macht.
(Quelle: ap)
Datenschutzbeauftragter warnt vor stärkerem Einsatz von DNA-Analyse
Do.08.01.04 - Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat vor einem
verstärkten Einsatz von DNA-Analysen bei Ermittlungen der Polizei
gewarnt. Der "genetische Fingerabdruck" sei ein tiefer Eingriff in das
Recht auf informationelle Selbstbestimmung, sagte Schaar am Dienstag in
Berlin. Der Bundestag wird in der kommenden Woche über einen
CDU/CSU-Antrag zu einer Ausweitung der DNA-Analysen beraten.
Die Genanalyse eines Straftäters lasse sich nicht auf eine Stufe
stellen mit dem herkömmlichen Fingerabdruck, erläuterte
Schaar. Die DNA-Analyse lasse Rückschlüsse auf die
Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder Krankheitsanlagen
zu. Eine DNA-Analyse schon bei einem Verdacht auf eine Straftat
anzuordnen, sei mit dem verfassungsrechtlichen Gebot der
Verhältnismäßigkeit nicht vereinbar, so der
Datenschutzbeauftragte.
Bislang würden nicht einmal die gerade erst erweiterten Regelungen
zur DNA-Analyse ausgeschöpft, sagte Schaar. Daher rief er zu
Zurückhaltung bei Forderungen nach erneuten Erweiterungen auf.
Bislang muss der genetische Fingerabdruck von einem Richter angeordnet
werden. Die Analyse der genetischen Daten darf nur bei Straftaten von
erheblicher Bedeutung wie Mord, Vergewaltigung oder Sexualstraftaten
vorgenommen werden. Die Union will den Einsatz der DNA-Analyse auch auf
weniger gewichtige Straftaten ausweiten, vor allem wenn eine
Wiederholung droht.
(Quelle: epd)
Still und heimlich: Die Einführung digitaler Ausweispapiere mit
biometrischen Merkmalen bleibt weitgehend unbeachtet
Noch vor wenigen Jahren von den meisten als Fiktion abgetan, nimmt die
Integration persönlicher Merkmale wie dem Fingerabdruck weltweit
Kontur an. Nachdem die meisten westlichen Industriestaaten
entsprechende Vorhaben in Planung haben, müssen nun auch andere
Staaten nachziehen. Jüngstes Beispiel: Bosnien-Herzegowina, ein
Land mit durchaus dringlicheren Problemen. In der Bundesrepublik geht
das Thema still und leise, von der Öffentlichkeit weitgehend
unbemerkt und undiskutiert, seinen Gang...
Mehr bei telepolis (08.01.04):
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/16450/1.html
Biometrische Überwachung zur Weltweisterschaft 2006
Nach den Vorstellungen des Branchenverbands Bitkom soll die Fussball-WM
2006 zum Experimentierfeld für biometrische Überwachung
werden. [..] Der Einsatz biometrischer Verfahren birgt jedoch
datenschutzrechtliche Risiken, denn die abgespeicherten Referenzdaten
können zu Zwecken genutzt werden, die über die reine
Authentifizierung hinausgehen. So können Mediziner aus einem
Iris-Scan Rückschlüsse auf mögliche Krankheiten der
Person ziehen. Beim Branchenverband Bitkom kennt man derartige Bedenken
nicht: 'Es werden sich nur sichere Produkte am Markt durchsetzen, die
zuverlässig arbeiten und den Datenschutz beachten', glaubt Sandra
Schulz....
Aus: Spiegel Online - "Gesichtskontrolle für Zidane & Co"
Mehr unter:
http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,280015,00.html
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Wissenschaft und Technik
Europäische Mars-Sonde 'Beagle 2' bleibt stumm
Do.08.01.04 - Die europäische Raumfahrtagentur ESA hat weiter keine Nachricht
von ihrer Mars-Sonde "Beagle 2". Der Muttersonde "Mars Express" gelang
es auch beim direkten Überflug über die mutmaßliche
Landestelle des Marsmobils nicht, Kontakt herzustellen. Es erscheint
immer wahrscheinlicher, dass die Landung des Roboters am 25. Dezember
fehlgeschlagen ist. Die Raumfahrtbehörde gab sich dennoch
zuversichtlich, in den nächsten Wochen doch noch ein Signal zu
erhalten. Die US-Sonde "Spirit" sendet derweil gestochen scharfe
Farbfotos vom Roten Planeten.
ESA-Wissenschaftsdirektor David Southwood verwies auf weitere
Möglichkeiten in den kommenden Wochen, vielleicht doch noch
Funkkontakt zu "Beagle" zu bekommen: "Dies ist noch nicht das Ende der
Geschichte", sagte der ESA-Wissenschaftsdirektor. Der "Mars Express"
hatte am 2. Juni vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur seine 400
Millionen Kilometer lange Reise zum Roten Planeten aufgenommen.
Zentrale Aufgabe der rund 300 Millionen Euro teuren Mission ist es,
eventuelle Wasserquellen auf dem Mars zu erspüren und damit auch
Hinweise auf außerirdisches Leben.
Die um den Mars kreisende Sonde "Mars Express" war um 13.15 Uhr MEZ in
einer idealen Position, um das Landegerät auf dem Roten Planeten
orten zu können. Bereits zuvor waren mehrere Versuche zur
Kontaktaufnahme fehlgeschlagen. Das britische Marsgefährt ist seit
der geplanten Landung am 25. Dezember verschollen.
Die US-Raumsonde "Spirit" arbeitet derweil problemlos auf dem Mars. Am
Dienstag sendete sie ein erstes Farbfoto, das mit seiner Schärfe
die Experten bei der NASA begeistert. Die Aufnahme habe eine bislang
"unerreichte Qualität und Auflösung", sagte der NASA-Fachmann
James Bell im kalifornischen Pasadena bei der Präsentation.
Die kommenden Fotos der "Spirit" sollen nach den Erwartungen der
US-Raumfahrtbehörde eine noch bessere Qualität haben. Alle
Instrumente des am Sonntag gelandeten Marsroboters funktionieren
einwandfrei. Für den 25. Januar ist die Landung eines zweiten
Roboters namens "Opportunity" auf der anderen Seite des Planeten
geplant.
(Quelle: afp)
Mehr unter:
http://www.beagle2.com/index.htm
http://www.esa.int
http://marsrovers.jpl.nasa.gov/home/index.html
http://stardust.jpl.nasa.gov/
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