Aktuelle Nachrichten
Irak am zweihundertachtundneunzigsten Tag nach Kriegsbeginn
NATO soll Verantwortung in Irak übernehmen +++ Türkei und
Iran warnen vor Errichtung eines Kurdenstaates in Nordirak +++
Mindestens sechs Iraker bei Protesten im Süden des Landes
getötet +++ Regierungsrat erkennt Saddam Hussein nicht als
Kriegsgefangenen an. Saddam-Prozess erst nach mehreren Monaten
möglich. +++ Ehemaliger US-Finanzminister Paul O'Neill: Bush
plante Invasion in den Irak schon vor 11. September 2001 +++
US-Unternehmen erhält Auftrag zum Aufbau irakischer Medien
So.11.01.04 - Die NATO soll offenbar noch in diesem Jahr die militärische
Verantwortung für Teile Iraks übernehmen. Bei einem
informellen Treffen der Verteidigungsminister der Allianz vor der
Münchner Sicherheitskonferenz Anfang Februar sollen dafür die
Weichen gestellt werden, wie das Magazin "Der Spiegel" berichtet. Zu
dem Treffen habe Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD)
geladen. Struck erteilte einer Entsendung deutscher Soldaten nach Irak
in der "Bild am Sonntag" erneut eine Absage.
Die NATO werde voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte
militärische Verantwortung in Irak übernehmen, berichtet der
"Spiegel". Umstritten sei noch, welche europäischen Länder
sich an einem solchen Einsatz beteiligen könnten. Das
Bundesverteidigungsministerium wollte zu dem Bericht nicht Stellung
nehmen. Ein Sprecher der Allianz in Brüssel bezeichnete ihn als
"pure Spekulation". Die NATO habe zum Thema Irak noch keine
Entscheidungen getroffen.
Die Vereinigten Staaten haben in den vergangenen Wochen verstärkt
auf eine größere Rolle der NATO in Irak hingearbeitet, um
die dort stationierten US-Besatzungstruppen entlasten zu können.
Struck bekräftigte im "BamS"-Interview die Haltung der
Bundesregierung, die einen Einsatz deutscher Soldaten in Irak bislang
strikt ablehnt. Deutschland werde, "wenn es gewünscht wird,
irakische Offiziere ausbilden", sagte der Verteidigungsminister der
"BamS".
Am 7. und 8. Februar beraten Politiker und Experten auf der
traditionellen Münchner Sicherheitskonferenz über Fragen der
Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Die Türkei und Iran haben vor der Errichtung eines
unabhängigen kurdischen Staates im Nachbarland Irak gewarnt. Falls
Irak geteilt werden sollte, würden sich «die Probleme im
Nahen Osten verdoppeln», sagte der türkische
Außenminister Abdullah Gül am Samstag nach einem Treffen mit
seinem iranischen Kollegen Kamal Charrasi in Teheran. Die
türkische und die iranische Regierung befürchten, dass die
Autonomiebestrebungen der irakischen Kurden auf die kurdischen
Minderheiten in ihren eigenen Ländern übergreifen könnten.
"Für uns ist die territoriale Integrität Iraks sehr wichtig",
sagte Charrasi auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gül, der
anschließend mit dem iranischen Präsidenten Mohammad Chatami
zusammentreffen wollte. Zu Beginn der Woche hatte sich auch der syrische
Präsident Baschar el Assad bei einem Türkei-Besuch gegen
einen unabhängigen Kurdenstaat ausgesprochen.
Die Kurden in Nordirak genießen seit über zehn Jahren
weitgehende Autonomie, weil die USA und Großbritannien das Gebiet
der von Saddam Hussein verfolgten Minderheit seit dem Golfkrieg 1991
mit Flugzeugen überwachten. Bei der politischen Neugestaltung
Iraks wollen sie einen Erhalt ihres jetzigen Status und eine Ausweitung
der autonomen Region erreichen. So wollen sie künftig auch die
Stadt Kirkuk und die umliegenden Ölfelder kontrollieren. Über
diese Forderungen soll nach dem Willen des von den USA eingesetzten
irakischen Regierungsrats erst nach der geplanten Parlamentswahl im
Jahr 2005 entschieden werden.
US-Außenminister Colin Powell erklärte dazu am vergangenen
Dienstag, die Entscheidung über das Kurdengebiet liege bei den
Irakern. Gleichzeitig betonte er jedoch, es stehe außer Frage,
dass die Region ein Teil Iraks bleiben müsse.
Irakische Polizisten haben am Samstag während einer Demonstration
in der Stadt Amarah nach Angaben eines Arztes sechs Menschen erschossen
und elf weitere verwundet. Hunderte Demonstranten hatten sich vor dem
Sitz der britischen Besatzungstruppen versammelt und gefordert, die
Verwaltung solle ihr Versprechen einlösen und ihnen Arbeit
verschaffen. Über den weiteren Verlauf des Geschehens gab es
widersprüchliche Informationen. Einige Augenzeugen sagten, aus der
Menschenmenge sei als erstes auf die Polizisten geschossen worden.
Andere dagegen berichteten, die Demonstranten hätten lediglich
Steine auf die Sicherheitskräfte geworfen, worauf diese das Feuer
eröffnet hätten. Britische Soldaten riegelten die Gegend ab
und zerstreuten die Menge.
Menschenrechtsorganisation haben derweil die schlechten
Entschädigungsmöglichkeiten für irakische Opfer von
US-Militärgewalt kritisiert. Es sei für Iraker, denen von
US-Soldaten unberechtigt Gewalt angetan worden sei, kaum möglich,
Ausgleichszahlungen geltend zu machen, hieß es in einem am
Samstag in Bagdad veröffentlichten Bericht der Organisationen
Occupation Watch Center und NADHI..
Nach der Entscheidung der US-Regierung, den ehemaligen irakischen
Machthaber Saddam Hussein als Kriegsgefangenen zu behandeln, bahnt sich
ein Konflikt mit dem irakischen Regierungsrat an. Das Gremium zeigte
sich am Freitag nach den Worten eines Mitglieds überrascht von der
Entscheidung der US-Regierung. Der Regierungsrat sei nicht konsultiert
worden, sagte Dara Nureddin in Bagdad. Das Gremium werde von der
US-geführten Zivilverwaltung Klarheit verlangen. Zuvor hatte das
Pentagon in Washington bestätigt, dass der irakische Ex-Machthaber
als Kriegsgefangener gemäß der Genfer Konvention zu
behandeln sei.
Der Prozess gegen den gestürzten Diktator Saddam Hussein kann nach
Ansicht des US-Verwalters für den Irak, Paul Bremer,
frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres stattfinden.
Voraussichtlich müsse zuerst die Machtübergabe an eine
provisorische irakische Regierung stattfinden, sagte Bremer der
arabischen Zeitung "Al-Hayat". Zudem werde es nicht einfach sein, ein
irakisches Gericht nach internationalen Maßstäben zu
etablieren.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz will sobald wie
möglich Saddam Hussein besuchen. Das bestätigte ein
Sprecher der Organisation in Genf.
Die US-Regierung hat nach Darstellung des früheren Finanzministers
Paul O'Neill schon Monate vor den Terroranschlägen vom 11.
September 2001 mit den Planungen für einen Irak-Krieg begonnen.
Die Grundzüge für eine Invasion seien bereits wenige Tage
nach dem Amtsantritt von Präsident George W. Bush im Januar 2001
gelegt worden, sagte O'Neill in einem Interview des Fernsehsenders CBS.
"Von Anfang an herrschte die Überzeugung, dass Saddam Hussein eine
schlimme Person ist und verschwinden muss."
Auszüge des Interviews, das am Sonntagabend in der Sendung "60
Minutes" ausgestrahlt werden sollte, verbreitete der Sender am Samstag
vorab. Das Interview ist Teil einer Kampagne, mit der O'Neill für
ein neues Buch über die erste Hälfte von Bushs Amtszeit
wirbt. Das Buch des früheren Reporters des "Wall Street Journal"
Ron Suskind trägt den Titel "The Price of Loyality" ("Der Preis
der Loyalität"). Hauptquelle für das Buch ist O'Neill, der im
Dezember 2002 von Bush entlassen wurde.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, wollte weder
bestätigen noch dementieren, dass die Regierung bereits zu Beginn
von Bushs Amtszeit mit den Vorbereitungen für einen Krieg gegen
Irak begonnen hat. Er sagte lediglich, der irakische Präsident
Saddam Hussein sei schon vor dem 11. September 2001 eine Bedrohung
für den Frieden und die Stabilität gewesen und erst recht
danach. Die US-Regierung hat keine Beweise dafür gefunden, dass
Saddam Hussein in die Anschläge vom 11. September verwickelt ist.
Regierungsvertreter sagten jedoch, sie hätten die Möglichkeit
in Betracht ziehen müssen, dass Saddam Hussein einen weit
größeren Schlag gegen die USA plane.
Washington begründete den Krieg gegen Irak vor allem damit, dass
das Land im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei. Auch neun Monate
nach dem Ende des Kriegs und dem Sturz Saddam Husseins wurden jedoch
noch keine solcher Waffen in Irak gefunden.
Eine US-Firma hat einen Großauftrag zum Aufbau irakischer Medien
für ein Jahr erhalten. Die Harris Corporation aus Melbourne im
US-Bundesstaat Florida wird nach eigenen Angaben vom Samstag unter
anderem zwei nationale Radiosender, zwei Fernsehsender und eine
landesweite Zeitung mit dem Titel "El Sabah" aufbauen und mit der
erforderlichen Technik ausrüsten. Ein libanesisches und ein
kuwaitisches Unternehmen arbeiten dabei mit der US-Firma zusammen, wie
aus einer Erklärung der Harris Corporation hervorgeht. Der private
libanesische TV-Sender LBCI werde die Ausbildung und die
Programmgestaltung der Rundfunkstationen übernehmen. Die
kuwaitische Firma in irakischem Besitz solle beim Aufbau der Zeitung
helfen. Insgesamt habe der Auftrag ein Volumen von 96 Millionen Dollar
(75 Millionen Euro).
(Quellen: afp, ap, dpa)
Einmal mehr gerät die Legitimation der US-Regierung für den
Irak-Krieg in Kritik...
Das angesehene US-Forschungsinstitut "Carnegie Endowment for
International Peace" ( CEIP) veröffentlichte die Studie WMD in
Iraq: Evidence and Implications [2], wonach die Bedrohung durch
irakische Massenvernichtungswaffen "systematisch" aufgebauscht worden
wäre. Kritisiert wird zudem, dass auf die US-Geheimdienste im
Vorfeld des Krieges zusehends politischer Druck ausgeübt worden
sei. Es sei höchste Zeit, die Hintergründe für den
Krieg, der die Beziehung mit den arabischen Ländern und der
gesamten Welt verändert habe, herauszuarbeiten und daraus zu
lernen. Die Öffentlichkeit sei verwirrt und es habe bereits ein
"Revisionismus" eingesetzt, wenn nun mehr und mehr behauptet wird, dass
der Krieg nicht primär wegen der Massenvernichtungswaffen
geführt wurde, sondern um den Irak sowie den gesamten Nahen Osten
zu demokratisieren...
Aus: Brigitte Zarzer - "Der Krieg war nicht die beste und nicht die
einzige Option", telepolis vom 10.01.04:
http://www.telepolis.de/deutsch/special/irak/16496/1.html
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Europa-Abgeordnete: Keine Demokratisierung der arabischen Welt mit Bomben
So.11.01.04 - Die italienische Europa-Parlamentariern Emma Bonino
hat die amerikanischen Pläne für eine Demokratisierung der
arabischen Welt scharf kritisiert. Im Irak, der von den USA als
Beispiel für eine entstehende Demokratie angepriesen werde, gebe
es bisher nicht mehr als eine provisorische Regierung, sagte die
für ihren kämpferischen Stil bekannte Abgeordnete in einem
dpa-Gespräch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa.
«Warten wir erst einmal ab, was im Irak noch alles passiert. Ich
glaube außerdem nicht, dass man, um Demokratie zu schaffen, jedes
einzelne arabische Land bombardieren muss», fügte sie hinzu.
Bonino will bei einer von der EU unterstützten
Demokratie-Konferenz die an diesem Sonntag in Sanaa beginnt, bei
arabischen Regierungsvertretern für die Ratifizierung des Statuts
des Internationalen Strafgerichtshofes werben.
Auch das Problem des islamistischen Terrors könne nicht allein mit
militärischen Mitteln gelöst werden, betonte sie. «Es
gibt hierfür keine Zauberformel, aber Demokratierung und mehr
Offenheit in den Staaten, aus denen die Terroristen stammen,
können bei der Lösung dieses Problems helfen», sagte
sie.
Zwischen den politischen Systemen der einzelnen arabischen Staaten
bestünden zwar zum Teil große Unterschiede, «es ist
jedoch schwer eine Demokratie im wahren Sinne dieses Wortes in der
arabischen Welt zu finden», meint Bonino. Vorsichtige Schritte in
diese Richtung, wie etwa die Ankündigung der ersten Kommunalwahlen
in Saudi-Arabien oder das neue marokkanische Familienrecht, das die
Position der Frau stärke, sollten von den Europäern
unterstützt werden.
Für den früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein
und andere Angehörige des gestürzten Regimes fühlt sich
der Internationale Strafgerichtshof nach Ansicht Boninos zu Recht nicht
zuständig. «Denn dieses Gericht kann nur Taten verfolgen,
die nach dem Juli 2002 begangen wurden», erklärt die
italienische Politikerin und meint: «Am sinnvollsten wäre im
Irak ein Tribunal mit irakischen und internationalen Richtern, in
Abstimmung mit den Vereinten Nationen».
(Quelle: dpa)
USA erneuern weltweite Terrorwarnung
So.11.01.04 - Trotz der Senkung ihrer nationalen Alarmstufe haben die USA ihre
weltweite Terrorwarnung erneuert und an Flughäfen weiter scharfe
Sicherheitsmaßnahmen in Kraft gelassen. Die Hinweise verdichteten
sich, dass das Terrornetzwerk El Kaida Anschläge gegen US-Ziele
außerhalb der USA vorbereite, teilte das
US-Außenministerium mit. Die Warnstufe "Orange" gilt
Medienberichten zufolge weiterhin für acht Flughäfen und
andere Einrichtungen. Der Minister für Innere Sicherheit, Tom
Ridge, hatte den Alarm am Freitag von Orange auf Gelb herabgestuft.
Die US-Regierung sei weiterhin "tief besorgt" um die Sicherheit von
US-Bürgern außerhalb des Landes, erklärte das
Außenministerium in Washington. Diese sollten in hohem Maße
wachsam sein.
Den Zeitungen "Washington Post" und "USA Today" zufolge gilt die
Warnstufe der Farbe Orange weiterhin unter anderem für die
Flughäfen Washington, New York, Los Angeles und Las Vegas. Die
strengen Sicherheitsvorkehrungen während der vergangenen drei
Wochen hatten auch zu erheblichen Behinderungen des Flugverkehrs
geführt. So wurden mehrere Interkontinentalflüge zwischen den
USA und Europa verschoben oder annuliert.
Ein Beamter des Ministeriums für Innere Sicherheit sagte "USA
Today", dass auch für die Großstädte New York,
Washington und Los Angeles die Alarmstufe Orange in Kraft bleibe.
Einige der Brücken, Chemieanlagen und Dämme, die während
der vergangenen 19 Tage zu hunderten scharf bewacht wurden, würden
auch weiterhin strenger kontrolliert. Ohne genauere Angaben zu machen,
sprach Ridge von Einrichtungen vor allem im "Privatsektor", für
die der "sehr erhöhte" Alarm weiter gelte.
Die orange Stufe hatte seit dem 21. Dezember gegolten. Ridge hatte die
Maßnahme damit begründet, dass das Terrornetzwerk El Kaida
möglicherweise während der Feiertage einen großen
Terroranschlag plane.
(Quelle: afp)
Terrorvorsorge in Deutschland: Millionen Jodtabletten
für Anwohner von Atomkraftwerken
So.11.01.04 - Zum Schutz für Anwohner deutscher Atomkraftwerke im Fall eines
Terrorangriffs oder schweren Störfalls werden derzeit 137
Millionen Kaliumjod-Tabletten angeschafft. Das Bundesumweltministerium
bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht des Magazins
«Der Spiegel». Es handele sich um eine ganz normale,
regelmäßig wiederkehrende Vorsorgemaßnahme, sagte ein
Sprecher. Dazu seien die Betreiber der Atomkraftwerke verpflichtet.
Einen aktuellen Anlass gebe es nicht.
Die Bestellung beim österreichischen Pharmaunternehmen Lannacher
für 2,8 Millionen Euro hätten die deutschen Energieversorger
aufgegeben, meldete der «Spiegel». Der Bund wolle sieben
Zentrallager für die Jodtabletten aufbauen, aus denen die
Bevölkerung in 25 bis 100 Kilometer Umkreis versorgt werden
könne.
Die rechtzeitige Einnahme von Jodtabletten kann die Folgen von
radioaktiver Verstrahlung abmildern und zum Beispiel
Schilddrüsenkrebs vermeiden. Laut «Spiegel» lagern die
Länder schon bisher kleinere Mengen Jodtabletten, die allerdings
nicht mehr ausreichend erschienen. Der Ministeriumssprecher sagte, die
Bestände müssten regelmäßig erneuert werden.
Der Großteil der neuen Tabletten soll dem «Spiegel»
zufolge den Ländern übergeben werden, die für die
Versorgung der Bevölkerung im Umkreis von 25 Kilometern um die 13
deutschen Atomstandorte zuständig seien. Streit gebe es um die
Frage, ob die Jodtabletten vorsorglich verteilt werden sollen.
Schleswig-Holstein und Hessen wollten zumindest im Umkreis von zehn
beziehungsweise fünf Kilometern Anwohner vorab versorgen.
Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg wollten keine
Verteilung vor einem etwaigen Unglück. Befürchtet werde unter
anderem eine Panik unter der Bevölkerung, hieß es im
«Spiegel» weiter. Die Diskussion um die Verteilung der
Jodtabletten sei noch nicht abgeschlossen, sagte der
Ministeriumssprecher.
(Quelle: ap)
Afghanistan-Einsatz der Nato wird neu organisiert
NATO-Oberbefehlshaber in Europa soll künftig auch den
Anti-Terror-Einsatz 'Enduring Freedom' befehligen +++
Vier mutmaßliche Taliban und fünf afghanische Soldaten
getötet +++ Karsai tritt bei Präsidentenwahl in Afghanistan an
So.11.01.04 - Auf Drängen der USA wird laut "Spiegel" der Einsatz der NATO in
Afghanistan neu organisiert. Der NATO-Oberbefehlshaber in Europa, James
L. Jones, solle künftig neben den ISAF-Friedenstruppen auch den
Anti-Terror-Einsatz "Enduring Freedom" befehligen. Formell beschlossen
und verkündet werde das neue Truppenarrangement jedoch erste Ende
Juni beim NATO-Gipfel in Istanbul.
Die NATO hatte am Mittwoch ein informelles Treffen der
Verteidigungsminister am 6. Februar in München bestätigt.
Dabei solle es insbesondere um den Einsatz in Afghanistan gehen. Am 7.
und 8. Februar beraten Politiker und Experten auf der traditionellen
Münchner Sicherheitskonferenz über Fragen der Sicherheits-
und Verteidigungspolitik.
Im Süden Afghanistans sind derweil vier mutmaßliche
Taliban-Kämpfer bei der vorzeitigen Explosion eines Sprengsatzes
ums Leben gekommen. Die Leichen der Männer wurden auf einer
Straße zwischen Musa Kala und Sangin in der Provinz Helmand
entdeckt, wie ein Regierungssprecher am Samstag mitteilte. Die
Straße werde regelmäßig von afghanischen Soldaten
benützt. Neben den Leichen seien vier Bomben und zwei
Vorrichtungen für eine Fernzündung gefunden worden.
In der Nähe von Schorabak in der Provinz Kandahar griffen rund
zwei Dutzend bewaffnete Männer am Samstagmorgen einen abgelegenen
Armeeposten an und töteten fünf der dort stationierten zehn
Soldaten. Der stellvertretende Gouverneur Mohammed Hanas Khan sagte der
Nachrichtenagentur AP, die Soldaten hätten keine Chance gehabt,
sich gegen die zahlenmäßig überlegenen Angreifer zur
Wehr zu setzen. Bei den Tätern handele es sich möglicherweise
um Drogenschmuggler.
Der afghanische Übergangspräsident Hamid Karsai tritt bei der
für Juni geplanten Präsidentenwahl an. Karsai gilt als der
einzige Politiker, der die zahlreichen Bevölkerungsgruppen in
Afghanistan einen kann.
"Ja, natürlich bin ich ein Kandidat", sagte Karsai am Samstag in
Kabul auf die Frage von Journalisten. "Und so Gott will, werde ich
kandidieren, und wenn die Nation mich will, wird sie für mich
stimmen, und wenn sie nicht will, wird sie mich ablehnen." Er habe vor,
die Wahl pünktlich abhalten zu lassen, obwohl die UNO
befürchtet, die Wahl werde durch die Unsicherheit im Land und
durch renitente Kommandeure einzelner Milizen und Volksgruppen
beeinträchtigt.
Die Gewalt werde ihn nicht davon abhalten, Afghanistan wieder
aufzubauen und wieder zu vereinen, sagte Karsai. Afghanistan ist durch
die Invasion der Sowjetunion 1979, den jahrelangen Bürgerkrieg und
den Krieg zum Sturz der radikal-islamischen Taliban zerstört.
In der vergangenen Woche hatte die Loja Dschirga, die Große
Ratsversammlung, dem Land eine Verfassung gegeben, die dem
Präsidenten weit reichende Machtbefugnisse einräumt. Dies
hatte Karsai zur Bedingung für seine Kandidatur gemacht.
(Quellen: afp, rtr)
Iran sieht vorerst keine Basis für Dialog mit USA
So.11.01.04 - Iran hat Spekulationen über eine baldige Aufnahme offizieller
Gespräche mit den USA zurückgewiesen. Zunächst
müsse Washington seine feindselige Haltung aufgeben, erklärte
Außenminister Kamal Charrasi am Samstag. «Im Augenblick
gibt es keine Pläne, einen Dialog zu beginnen», sagte er auf
einer Pressekonferenz. «Wichtig sind gegenseitiger Respekt und
das Prinzip der Gleichberechtigung in einer gesunden Atmosphäre
ohne Gewalt.» Damit das gewährleistet sei, müssten die
USA ihre Politik gegenüber Iran ändern, fügte Charrasi
hinzu.
US-Präsident George W. Bush hatte Iran in seiner Rede zur Lage der
Nation vor zwei Jahren zusammen mit Nordkorea und Irak auf einer
«Achse des Bösen» angeordnet. Nach der
Erdbebenkatastrophe Ende Dezember akzeptierte die iranische Regierung
das amerikanische Hilfsangebot. US-Außenminister Colin Powell
erklärte am Freitag, dies habe einige Möglichkeiten des
Dialogs eröffnet. Washington und Teheran unterhalten seit mehr als
20 Jahren keine diplomatischen Beziehungen.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt:
Israel: Syrien muss vor Friedensverhandlungen Gegenleistungen bringen
So.11.01.04 - Israel ist nach Worten eines Regierungsmitglieds nur dann zu
Friedensverhandlungen mit Syrien bereit, wenn die Regierung in Damaskus
palästinensischen Extremisten ihre Unterstützung entzieht. In
einem Gespräch mit dem israelischen Rundfunk begrüßte
Gesundheitsminister Danny Naveh am Sonntag die von Damaskus
signalisierte Gesprächsbereitschaft, warnte aber gleichzeitig:
"Wir dürfen uns nicht ködern lassen. Wenn Präsident
Assad das Lager wechseln will, muss er entsprechende vertrauensbildende
Maßnahmen umsetzen." Vor allem müsse Syrien seine Hilfe
für die radikalschiitische Hisbollah in Libanon und für
"palästinensische Terroristengruppen mit Sitz Damaskus" beenden.
(Quelle: afp)
Hunderte Israelis demonstrieren für inhaftierte
Kriegsdienstverweigerer
So.11.01.04 - Mehrere hundert israelische Pazifisten haben am Samstag für
fünf inhaftierte Kriegsdienstverweigerer demonstriert. Nach
Angaben der Veranstalter versammelten sich etwa 400 Aktivisten auf
einem Hügel oberhalb des Militärgefängnisses bei Haifa,
in dem die Männer einsitzen. Sie schwenkten Transparente gegen den
"Dienst in einer Besatzungsarmee" und forderten die Freilassung der
"Verweigerer aus Gewissensgründen".
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv
Gefängnis statt Kriegsdienst im Gazastreifen
Fünf junge Männer haben in dieser Woche ihre Haft im
Gefängnis Karmel angetreten, weil sie den Kriegsdienst im
Westjordanland oder im Gazastreifen ablehnen. Sie wurden vor Gericht
nicht als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen anerkannt
und müssen jetzt für ein Jahr ins Gefängnis. Die
offenbar wachsende Neigung zur Kriegsdienstverweigerung wirft ein
Schlaglicht auf die öffentliche Meinung in Israel, die in der
Beurteilung des Konflikts mit den Palästensern tief gespalten ist...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401090.htm#040109_
Wehrdienstverweigerer in Israel zu Gefängnisstrafe verurteilt
Mo.05.01.04 - Fünf israelische Wehrdienstverweigerer sind am Sonntag von einem
Militärgericht in Jaffa zu einer einjährigen Haftstrafe
verurteilt worden. Es war das erste derartige Urteil seit Beginn des
Palästinenser- Aufstandes vor mehr als drei Jahren.
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401050.htm#04010507
Weitere Berichte zur Kriegsdienstverweigerung in Israel unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401050.htm#040105xc
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Südwestafrika: Gedenkfeiern in Namibia zum 100. Jahrestag des Herero-Aufstands
So.11.01.04 - Der 100. Jahrestag des Herero-Aufstands gegen die deutschen
Kolonialregierung steht heute im Mittelpunkt zweier zentraler
Gedenkveranstaltungen in Namibia. Am Morgen ist eine Kundgebung nahe
dem Ort Okahandja geplant. Am Nachmittag gibt es einen Gottesdienst in
der Hauptstadt Windhuk. Der Gedenktag wird begleitet von
Geschichtsdebatten und Reparationsforderungen der Herero. Die blutige
Niederschlagung des Aufstands gilt als einer der
verhängnisvollsten Feldzüge des deutschen Kaiserreichs.
(Quelle: dpa)
Südwestafrika 1904 bis 1908: Der erste deutsche Völkermord
So.11.01.04 - Vor hundert Jahren erhoben sich im heutigen Namibia die Herero gegen
die deutschen Kolonialherren, gefolgt von anderen Afrikanern im
damaligen Deutsch-Südwestafrika. Die Mehrheit von ihnen ließ
dabei ihr Leben. Sie wurden von deutschen Soldaten getötet, kamen
in Konzentrationslagern um oder verdursteten in der Wüste. Es war
der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts. Die Nachkommen der
Überlebenden gedenken dieser Tage der Ereignisse. Aber Deutschland
hat seine Kolonialgeschichte vergessen. (taz)
Vernichtungsbefehl
"Ich, der große General der deutschen Soldaten, sende diesen
Brief an das Volk der Herero: Die Herero sind nicht mehr deutsche
Untertanen. Sie haben gemordet, gestohlen, haben verwundeten Soldaten
Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten und wollen
jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: Jeder,
der einen der Kapitäne an einer meiner Stationen als Gefangenen
abliefert, erhält 1000 Mark, wer Samuel Maharero bringt,
erhält 5000 Mark. Das Volk der Herero muss jedoch das Land
verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem
Groot-Rohr (Geschütze) dazu zwingen. Innerhalb der deutschen
Grenzen wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh
erschossen, ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf, treibe sie zu
ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen. Dies sind
meine Worte an das Volk der Herero. Der große General des
mächtigen Kaisers, von Trotha."
Der Kommandant der deutschen "Schutztruppe" in
Deutsch-Südwestafrika, General Lothar von Trotha, am 2. 10.
1904
Am 12.Januar 1904 - vor genau 100 Jahren - begann der Krieg deutscher
Kolonialtruppen gegen Herero und Nama, den afrikanischen Bewohnern des
damaligen Deutsch-Südwestafrika, des heutigen Namibia
Mit direkter Zustimmung des deutschen Kaisers setzte General v. Trotha
seine Ankündigung um, die Herero und wenig später die Nama zu
vernichten. Herero und Nama leisteten vier Jahre entschiedenen
Widerstand gegen die mit überlegenen Waffen ausgerüsteten
Deutschen. Wer von der Bevölkerung die unmittelbaren
Kriegshandlungen überlebt hatte, wurde in - so wörtlich
-"Konzentrationslager" gesperrt, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten.
Allein beim Bau der Eisenbahnlinie von Lüderitzbucht nach
Keetmanshoop starben in 18 Monaten von 2014 Häftlingen 1359. Viele
Tausend starben an der katastrophalen Unterbringung und fehlenden
Ernährung. Nach Beendigung des Krieges 1908 waren 80% des
Hererovolkes und mehr als die Hälfte der Nama ermordet. Die
Überlebenden wurden "verschont", weil sie zur Arbeit herangezogen
werden sollten. Der Krieg gegen die Herero und Nama unterscheidet sich
von den Massenmorden, die Siedler oder lokale Milizen in anderen
Ländern zu dieser Zeit verübten. Denn er wurde mit Billigung
des Staatsoberhauptes ( des Kaisers ) ausdrücklich als
Vernichtungskrieg geführt und mit den todbringenden Bedingungen in
den KZs als Völkermord fortgesetzt.
Quelle: Anticolonial Africa Conference Berlin 2004:
http://www.africa-anticolonial.org
Nach hundert Jahren leiden die Herero noch immer unter den Folgen des
Vernichtungsfeldzugs der deutschen Kolonialtruppen
Nur 15.000 von
80.000 überlebten, ihre Nachfahren erdulden bittere Armut und
wollen nun eine ähnliche Entschädigung wie die
Holocaust-Opfer .Bis heute weigert sich die Regierung der
Bundesrepublik, für diese Verbrechen die Überlebenden und
ihre Nachkommen um Entschuldigung zu bitten und sie zu
entschädigen...
Die "tageszeitung" hat in ihrer Ausgabe vom 10.01.04 ein
ausführliches Dossier zum Völkermord an den Hereros
zusammengestellt:
http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0130.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0133.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0132.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0135.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0139.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0138.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0148.nf/text
http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0143.nf/text
Auch die"junge Welt" vom 12.01.04 und 13.01.04 liefert Hintergrundinformationen zum Aufstand der Hereros:
http://www.jungewelt.de/2004/01-12/004.php
http://www.jungewelt.de/2004/01-13/003.php
Literatur-Auswahl zum Thema:
Gesellschaft für Bedrohte Völker:
100 Jahre Völkermord an Herero und Nama; Menschenrechtsreport Nr.
32 der GfbV, Januar 2004, www.gfbv.de
Jürgen Zimmerer und Joachim Zeller (Hg.): "Völkermord in
Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg (1904-1908) in Namibia
und seine Folgen". Christoph Links Verlag 2003
Jürgen Zimmerer: "Deutsche Herrschaft über Afrikaner.
Staatlicher Machtanspruch und Wirklichkeit im kolonialen Namibia". LIT
Verlag 2001
Henning Melber (Hg.): "Namibia: Grenzen nachkolonialer Emanzipation".
Brandes & Appel 2003
Joachim Zeller und Ulrich van der
Heyden: "Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche". Berlin Edition
2002
Eines der brisantesten vergessenen Kapitel der deutschen
Kolonialgeschichte führt direkt vom Völkermord an den Herero
zum Nazi-Holocaust
1908, nach Niederschlagung der Aufstände in
Deutsch-Südwestafrika, führte der Freiburger Genetiker Eugen
Fischer in der Kolonie "wissenschaftliche" Studien durch, um zu
beweisen, dass aus Mischehen zwischen Deutschen und Afrikanerinnen
"degenerierte" Kinder hervorgehen. Die Ergebnisse veröffentlichte
er 1913 unter dem Titel "Die Rehobother Bastards und das
Bastardisierungsproblem beim Menschen".
Während der Nazi-Herrschaft war Fischer Mitautor der
Nürnberger Rassengesetze und leitete bis in den Zweiten Weltkrieg
hinein das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie und
Rassenforschung in Berlin, das unter anderem Rassengutachten für
die Behörden herstellte. Einer seiner Schüler an dem Institut
war Josef Mengele, der berüchtigte KZ-Arzt von Auschwitz.
(Quelle: taz)
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UN läutet Jahr zum Gedenken an die Sklaverei ein
So.11.01.04 - In einem ehemaligen Sklavenlager in Ghana haben die Vereinten Nationen
am Freitag das Internationale Jahr zum Gedenken an den Kampf gegen die
Sklaverei eingeläutet. Eine Tanzgruppe spielte Szenen aus dem
Lager nach, von dem aus einst zahlreiche Afrikaner nach Amerika
verschleppt wurden. Das Gedenken an die menschenverachtende Praxis der
Sklaverei solle die Menschen im Kampf gegen «alle Formen von
Rassismus, Diskriminierung, Intoleranz und Ungerechtigkeit»
bestärken, sagte UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura.
Die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und
Kommunikation will das ganze Jahr über mit Ausstellungen,
Konzerten und Veröffentlichungen an den Freiheitskampf der Sklaven
erinnern. Die UNESCO wies darauf hin, dass trotz der offiziellen
Abschaffung der Sklaverei auch heute zahlreiche Menschen unfrei seien:
Menschenhandel, Kinderarbeit und Zwangsheiraten seien noch immer weit
verbreitet. Allein im Jahr 2002 seien 245 Millionen Kinder illegal zur
Arbeit gezwungen worden.
Vor 200 Jahren befreiten sich die Sklaven auf Haiti als erste in der
Neuen Welt von ihren Fesseln und gründeten ihren eigenen Staat.
(Quelle: ap)
Vier Tote bei Explosion in Indonesien
So.11.01.04 - Bei einer Explosion in einem voll besetzten Café in der
Mittelindonesischen Stadt Palopo sind am Samstagabend mindestens vier
Menschen getötet und drei verletzt worden. Nach Angaben der
Polizei handelt es sich offenbar um einen Bombenanschlag. Die
Ermittlungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen, sagte Major Wisnu
Wirdata der Nachrichtenagentur AP. Nähere Einzelheiten nannte er
nicht. Palopo liegt in der Provinz Südsulawesi. In der Provinz
Mittelsulawesi gab es in den Jahren 1999 und 2000 Kämpfe zwischen
Muslimen und Christen, denen über 1.000 Menschen zum Opfer fielen.
Die Gewalt griff jedoch nicht auf Südsulawesi über.
(Quelle: ap)
Putin: Größere Rolle für Russland und Kasachstan im
Ölhandel
So.11.01.04 - Russland und Kasachstan wollen ihre Ölförderung weiter
steigern und damit den Worten des russischen Präsidenten Wladimir
Putin zufolge ihren Anteil im Öl-Geschäft
vergrößern.
"Die Nachfrage der Weltwirtschaft nach Energielieferungen steigt.
Russland und Kasachstan sind im Stande, ihre Erdöl-Produktion zu
steigern, und das werden wir tun", sagte Putin am Freitag zum Auftakt
eines zweitägigen Staatsbesuches in der kasachischen Hauptstadt
Astana. Russlands Ölproduktion steigt seit fünf Jahren, 2003
zuletzt um elf Prozent auf knapp 8,5 Millionen Barrel (1 Barrel = 159
Liter) pro Tag. Das südlich von Russland gelegene Kasachstan will
bis 2015 zur Riege der großen Ölproduzenten gehören und
seine Förderung bis dahin auf drei Millionen Barrel pro Tag
verdreifachen. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 unterhalten
die beiden Länder enge wirtschaftliche und politische Beziehungen.
Die beiden ehemaligen Mitglieder der Sowjetunion spielten jetzt schon
eine wichtige Rolle im weltweiten Ölhandel, sagte Putin weiter.
"Wir werden uns bemühen, unsere Strategie so auszurichten, dass
sich die Weltwirtschaft ohne Probleme entwickeln kann und weitgehend
auf eine stabile (Öl-)Versorgung aus unserer Region bauen kann."
Die Steigerung der russischen Ölproduktion beruhte im vergangenen
Jahr vor allem auf der Erschließung großer Ölfelder in
Sibirien. Auch Investitionen außerhalb des Landes sollen in den
kommenden Jahren das Wachstum der russischen Ölproduktion sichern.
(Quelle: rtr)
Moderate Parteien in Nordzypern einigen sich auf Koalition
So.11.01.04 - Vier Wochen nach der Parlamentswahl im türkischen Norden von
Zypern hat sich die linksgerichtete bisherige Oppositionspartei CTP mit
einer kleineren Gruppierung auf die Bildung einer Koalition geeinigt.
CTP-Führer Mehmet Ali Talat sagte am Samstag, seine
Türkisch-Republikanische Partei werde mit der Demokratischen
Partei (DP) ein Regierungsbündnis bilden. Ein gemeinsames
Regierungsprogramm sei bereits in Arbeit. DP-Führer Serdar
Denktasch, der Sohn von Staatschef Rauf Denktasch, sagte: "Wir
können die Arbeit schon heute Abend abschließen." Zusammen
verfügen beide Parteien über 26 der 50 Parlamentssitze.
(Quelle: afp)
21 Tote bei Untergang eines albanischen Flüchtlingsbootes
So.11.01.04 - Beim Untergang eines albanischen Flüchtlingsbootes in der Adria
sind 21 Menschen ums Leben gekommen. In dem Boot seien die Leichen von
18 Männern und drei Frauen gefunden worden, teilte NATO-Sprecher
Antonio Passaro am Samstag in Tirana mit. Elf Personen hätten das
Unglück überlebt. Eine davon befindet sich nach
Krankenhausangeben jedoch in einem kritischen Zustand. Die albanische
Polizei entdeckte das Boot am Freitagabend auf dem Radarschirm. Es war
bei schwerem Seegang offenbar auf dem Weg von der Halbinsel Karaburun
nach Italien.
Die albanischen Behörden baten Italien und die NATO für die
Suchaktion um Hilfe, das Boot wurde aber erst am Samstagvormittag
gefunden, wie Passaro sagte. Ein Sprecher der italienischen
Küstenwache in Rom teilte mit, das Boot sei voller Wasser gewesen.
«All diese Leute an Bord und das schlechte Wetter haben zu dem
Unglück geführt», sagte er. Zwei der Überlebenden
wurden von der albanischen Polizei festgenommen. Sie sollen die Fahrt
organisiert haben.
Zudem wurden zwei hochrangige Polizeibeamte, die mit einem der
Verdächtigen verwandt sind, vom Dienst suspendiert. Ein Mitglied
der albanischen Regierung verdächtigte sie der Zusammenarbeit mit
den Menschenschmugglern. «Der Vorfall zeigt, dass kriminelle
Elemente in Zusammenarbeit mit einigen staatlichen Stellen den
Menschenschmuggel neu organisieren wollen», sagte Marco Bello,
ein Minister ohne Geschäftsbereich, dem Privatsender Top Channel.
Ministerpräsident Fatos Nano sprach den Angehörigen der Opfer
sein Beileid aus und erklärte Montag zum Nationalen Trauertag.
Präsident Alfred Moisiu reiste nach Vlora auf der Halbinsel
Karaburun, um die Überlebenden im Krankenhaus zu besuchen.
Die albanische Marine und italienische Rettungshubschrauber suchten
derweil die Küste nach weiteren Opfern ab. Vermisst wurde nach
Angaben der italienischen Küstenwache aber niemand.
Erst am Mittwoch hatte die albanische Polizei 24 Flüchtlinge
aufgegriffen. Sie waren im Hafen von Durres in Lastwagen versteckt, die
mit einer Fähre nach Italien fahren sollten.
(Quelle: ap)
Im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums -
Ausschreitungen bei Demonstration in Winterthur
So.11.01.04 - Bei einer Demonstration von Gegnern des Weltwirtschaftsforums im
schweizerischen Winterthur ist es am Samstag zu schweren
Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden nach offiziellen Angaben mehrere
Menschen verletzt. Zwölf Demonstranten wurden festgenommen. Bis zu
400 Demonstranten nahmen an der nicht genehmigten Kundgebung teil. Die
Polizei war mit einem massiven Aufgebot präsent. Sie setzte unter
anderem Wasserwerfer ein. Die Demonstration bildete den Auftakt zu
weiteren Kundgebungen in anderen Schweizer Städten. Das
Weltwirtschaftsforum (WEF) findet vom 21. bis 24. Januar in Davos statt.
(Quelle: ap)
EU-Abgeordneten-Diäten sollen offenbar deutlicher steigen als
bekannt
So.11.01.04 - Die Diäten der Europaabgeordneten sollen offenbar deutlicher
steigen als bislang bekannt. «Bild am Sonntag» und
«Spiegel» berichteten am Samstag übereinstimmend, die
Bezüge der EU-Parlamentarier würden schon ab Sommer auf 9.053
Euro erhöht. Zuvor sei nur eine Anhebung auf rund 8.500 Euro ab
2006 vorgesehen gewesen, hieß es. Laut «Bild am
Sonntag» entspräche dies einem Anstieg um rund 30 Prozent
für die 99 deutschen Europaabgeordneten, die bislang die
Diäten der nationalen Parlamente, in Deutschland monatlich 7.009
Euro, bezögen.
Grund für die vorgesehene Erhöhung ab Juni ist laut
«Bild am Sonntag» die seit Jahresbeginn wirksame Anhebung
der Gehälter für EU-Beamte. Die künftig einheitlichen
Diäten sollten nämlich an das Gehalt eines Richters am
EU-Gerichtshof gekoppelt werden - ein Vorgehen, das Experten
kritisieren.
«Durch die Koppelung an die Richtergehälter würden die
Abgeordnetendiäten auch in Zukunft automatisch und von der
Öffentlichkeit unbemerkt» steigen, zitierte die Zeitung den
Diäten-Experten Hans Herbert von Arnim von der Deutschen
Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Von Armin
forderte den EU-Ministerrat auf, den neuen Diätenvorstoß
abzulehnen und die «dreiste Selbstbedienung» zu stoppen.
Laut «Spiegel» verstößt die Regelung auch gegen
das Transparenzgebot des Grundgesetzes.
Kritik äußerte Arnim auch an dem Vorhaben, Diäten und
Pensionen der Abgeordneten des Eruopaparlaments nur mit der
günstigeren EU-Steuer zu belegen, was für einen ledigen
Abgeordneten 1.929 Euro netto im Monat mehr bedeute. Die im Statut
vorgesehen Möglichkeit, die Einkünfte mit einer nationalen
Zusatzsteuer zu belegen, verstoße gegen EU-Recht und sei daher
nicht praktikabel, hieß es. Den Angaben zufolge sollen auch
Nebeneinkünfte der Abgeordneten aus anderen Tätigkeiten sowie
Minister- und Abgeordnetenpensionen nicht auf die EU-Diäten
angerechnet werden. Laut «Spiegel» werden die
Außenminister der EU-Länder vermutlich am 26. Januar
darüber entscheiden, ob die geplante Regelung in Kraft tritt.
(Quelle: ap)
Polens Präsident Kwasniewski um deutsch-polnisches Verhältnis
besorgt
So.11.01.04 - Nach dem Scheitern des EU-Verfassungsgipfels sorgt sich der polnische
Präsident Aleksander Kwasniewski um das Verhältnis zu
Deutschland. Ein Kompromiss in der strittigen Frage der
Stimmengewichtung im EU-Ministerrat setze "mehr Vertrauen zueinander"
voraus, sagte Kwasniewski dem "Spiegel". Dies sei der "Schlüssel".
Dann könne es auch Kompromisse geben. Zwar sei er sicher, dass
beide Länder eine Einigung finden würden, insgesamt seien die
Zeiten im deutsch-polnischen Verhältnis aber schwieriger geworden:
"Die Fronten haben sich verhärtet."
Eine Kompromissmöglichkeit im Verfassungsstreit sieht der
polnische Staatschef darin, nach dem Nizza-System die Stimmen für
Deutschland zu erhöhen. Dies würde "den Polen keine Probleme
bereiten". Nach dem Vertrag von Nizza, an dem Polen festhalten will,
stehen Deutschland mit seinen rund 83 Millionen Einwohnern 29 Stimmen
zu, Polen mit nur knapp der Hälfte der Bevölkerung mit 27
Stimmen fast genauso viel. Kwasniewski gab zu bedenken, dass eine
Erhöhung des deutschen Stimmengewichts "in Frankreich und
Großbritannien Konflikte hervorrufen" könnte.
Unverständnis zeigte der polnische Staatschef zur deutschen
Erwartungshaltung, die Polen hätten dankbar dafür zu sein,
dass Deutschland einen frühen Beitritt zur EU befürwortet
habe. Er sei auch überzeugt, die Deutschen wüssten zu
schätzen, "dass wir den Kampf gegen den Kommunismus begonnen" und
damit einen Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung geleistet
hätten.
(Quelle: afp)
Bund muss doch keine Rekordschulden machen
So.11.01.04 - Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wird nach Angaben seines
Ministeriums 2003 doch unter dem Verschuldungsrekord seines
Vorgängers Theo Waigel (CSU) bleiben.
Statt der im Nachtragshaushalt vorgesehenen Neuverschuldung von 43,4
Milliarden Euro werde die Neuverschuldung unter der bislang
höchsten Kreditaufnahme von umgerechnet 40 Milliarden Euro im Jahr
1996 liegen, sagte ein Ministeriumssprecher am Samstag in Berlin. Er
bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der
Spiegel", wonach der Bund 2003 rund 39 Milliarden Euro Schulden gemacht
hat. Grund seien die anziehenden Steuereinnahmen und Einsparungen bei
der Bundesagentur für Arbeit.
Der Sprecher bestätigte zudem eine "Spiegel"-Meldung "in der
Tendenz", wonach der Gewinn der Bundesbank im vergangenen Jahr
niedriger ausfallen werde als erwartet. Nach Darstellung des Magazins
wird der für den Bundeshaushalt vorgesehene Gewinnanteil von 3,5
Milliarden Euro nicht erreicht. Der Gewinn der Bundesbank liege sogar
insgesamt unter drei Milliarden Euro, weil sie einen großen Teil
ihrer Währungsreserven in US-Staatspapieren angelegt habe. Bei
niedrigen Zinsen bringen diese Anleihen niedrige Erträge, die bei
einem sinkenden Dollar-Kurs zusätzlich an Wert verlieren. Mit
entsprechend weniger müsse Eichel nun in seinem Haushalt für
das Jahr 2004 auskommen, in dem er bereits 3,5 Milliarden Euro von der
Bundesbank eingeplant habe.
Nach Angaben des Sprechers soll der Abschluss des Haushaltsjahres Mitte
der kommenden Woche veröffentlicht werden. Am Mittwoch verhandelt
der Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat den Haushalt
für das Jahr 2004 und den Nachtragshaushalt 2003. Die Union im
Bundesrat hatte die beiden Gesetze als unseriös gebrandmarkt und
abgelehnt. Mit einer Einigung im Vermittlungsgremium wird nicht
gerechnet. Bis zu einem erneuten Beschluss des Bundestages muss
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) zum Mittel der vorläufigen
Haushaltsführung greifen.
(Quelle: rtr)
CDU besteht auf radikaler Steuerreform
So.11.01.04 - Die CDU hat einen radikalen Systemwechsel in der Steuerpolitik zur
Bedingung für Verhandlungen mit der Bundesregierung gemacht. Der
CDU-Vorstand verlangt von der Regierung umgehend die Vorlage eines
Gesetzentwurfs für eine umfassende Steuerreform. Die Regierung
will jedoch keinen neuen Entwurf vorlegen. Die rot-grüne Koalition
will Investitionen in Bildung und Forschung statt weiterer
Steuersenkungen. Man brauche das Geld für die Zukunft des Landes,
erklärte SPD-Fraktionschef Franz Müntefering.
(Quelle: dpa)
CSU-Arbeitnehmer drohen Merz mit Verfassungsklage
So.11.01.04 - Die Arbeitnehmer in der CSU drohen im unionsinternen Streit um die
Pendlerpauschale mit einer Verfassungsklage. Das schreibt die
«Passauer Zeitung Am Sonntag». Der
CSA-Landesvizevorsitzende Konrad Kobler kritisiert in einem Brief an
den CDU-Steuerexperten Friedrich Merz die geplante Streichung der
Pauschale. Dadurch werde die Arbeit für viele Menschen zum
Verlustgeschäft. Für den Fall sähe man sich gezwungen,
den Weg zum Bundesverfassungsgericht einzuschlagen, droht Kobler.
(Quelle: dpa)
DGB plant neue Protestaktionen gegen Sozialabbau
So.11.01.04 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) plant neue Protestaktionen gegen
Sozialabbau und Sparpolitik. DGB-Sprecher Hilmar Höhn
bestätigte am Samstag auf Anfrage eine entsprechende Vorabmeldung
des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Danach sind am 3.
April in mehreren deutschen Städten Demonstrationen geplant. Sie
sind Teil eines EU-weiten Aktionstags der Gewerkschaften für eine
soziale Ordnung in Europa.
Höhn bestätigte, dass es sich um einen Aufruf des
Europäischen Gewerkschaftsbunds handelt. Unter dem Motto
«Unser Europa» sollen der Meldung zufolge Beschäftigte
in mehreren EU-Ländern gegen die Sparpolitik der jeweiligen
Regierung mobilisiert werden. DGB-Chef Michael Sommer und seine
europäischen Kollegen hofften insgesamt auf mehrere Millionen
Teilnehmer. Höhn sagte, die Gewerkschaften wollten eine Politik
des Sozialabbaus nicht mehr hinnehmen. Auch die «Politik mit dem
Rotstift muss ein Ende haben», fügte der DGB-Sprecher hinzu.
(Quelle: ap)
SPD und Grüne setzen gemeinsam auf Innovation
So.11.01.04 - Die Fraktionsspitzen von SPD und Grünen haben zum Abschluss ihrer
Klausur in Leipzig die Gemeinsamkeiten beim Schwerpunktthema
Innovationen hervorgehoben. Trotz unterschiedlicher Akzente gebe es
eine gemeinsame Zielsetzung, sagte SPD-Fraktionschef Franz
Müntefering in Leipzig. Eine ambitionierte Umweltpolitik sei ein
wichtiger Aspekt, "aber nur einer". Die
Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt sagte,
gesellschaftspolitische Fragen wie etwa die Zuwanderung seien ebenso
wichtig wie technologische Fragen.
Müntefering kündigte für den Frühsommer erste
parlamentarische Initiativen zum Thema Innovation an. Erneuerung sei
aber nicht in einem Jahr möglich, sondern dauere länger. Nach
50 Jahren sei nun wieder eine "große Orientierung" nötig, um
das Land zukunftsfähig zu machen. Die Finanzierung der
Mehrausgaben für die Forschung nannte Müntefering eine
"große Herausforderung". Die öffentliche Hand will bis 2010
fünf bis zehn Milliarden Euro zusätzlich in Forschung stecken.
Göring-Eckardt verwies darauf, dass sich ihre Partei bereits im
Herbst mit dem Thema Innovation beschäftigt habe. Ihre
Ko-Fraktionsvorsitzende Krista Sager hob hervor: "Wenn wir nicht besser
werden, was die Qualifizierung in der Breite angeht, bekommen wir auch
keine Spitzenleistung." In den Schulen würden sowohl die Starken
als auch die Schwachen zu wenig individuell gefördert. Zahlreiche
Grüne hatten sich an den von der SPD geplanten
Elite-Universitäten gestört. Der Begriff "Elite" taucht
jedoch in den 14 Leitlinien der SPD-Parteispitze nicht auf, statt
dessen ist von "Spitzenuniversitäten" die Rede.
"Dies war eine gute Woche", bewertete auch SPD-Generalsekretär
Olaf Scholz den Klausur-Marathon, der am Montag mit dem Treffen der
Parteispitze in Weimar begonnen hatte. Ab Mittwoch hatten sich die
SPD-Bundestagsfraktion in Leipzig und die Grünen-Fraktion in
Wörlitz getroffen. Den Abschluss bildete die gemeinsame Klausur
der Fraktionsspitzen von SPD und Grünen.
(Quelle: afp)
Experte: Elite-Universität zementiert soziale Ungleichheit
So.11.01.04 - Die Einführung von Elite-Universitäten wird nach Ansicht des
Darmstädter Soziologieprofessors Michael Hartmann die soziale
Ungleichheit im Bildungswesen zementieren. «Die Erfahrungen aus
anderen Ländern zeigen, dass bis zu 90 Prozent der Studierenden an
solchen Universitäten aus der Oberschicht kommen,» sagte
Hartmann in einem Gespräch mit der dpa.
Der Professor hat bereits 2001 in einer Studie nachgewiesen, dass in
erster Linie die soziale Herkunft und nicht die Leistung in Deutschland
über den Aufstieg in eine Führungsposition entscheidet.
Die Zersplitterung des Hochschulwesens laufe damit auch den
Erkenntnissen der PISA-Studie entgegen. Dort war festgestellt worden,
dass Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen in der Schule zu
wenig gefördert werden. «Statt gegen diese
Ungleichbehandlung vorzugehen, wird die Selektion weiter
erhöht», sagte Hartmann.
Als eine Antriebsfeder dieser Entwicklung sieht der Professor die
«sozialen Aufsteiger in der SPD», die ihre Karriere dem
offenen Bildungsbetrieb in den 60er und 70er Jahren verdanken.
«Sie versuchen nun, die Chancen für ihren Nachwuchs zu
erhöhen, indem sie sich abschotten,», sagte der Professor.
Dabei fänden sie Verbündete bei den Bürgerlichen, die
ebenfalls um die Qualität der Ausbildung ihrer Kinder bangten.
Mit der Hierarchisierung des Hochschulbereichs könne auch Geld
gespart werden: «Wenige Elite-Universitäten werden besser
bedient, dafür bekommen alle anderen weniger Geld»,
erläuterte Hartmann. «Das ist jedoch eine Luftnummer, denn
eine vergleichbare Ausstattung wie die Elite-Hochschulen in den USA mit
Milliarden Dollar-Etats wird es hier nie geben.»
Bei den wissenschaftlichen Erfolgen der USA werde übersehen, dass
es dort viele schlechte Hochschulen gebe. «Das ist oft
Oberstufen- Niveau», sagte Hartmann. Universitäten wie
Harvard müssten deshalb einen Teil ihrer Doktoranden aus dem
Ausland importieren. In Anbetracht der Dollarschwäche und der
Einreisebeschränkungen durch die Terrorbekämpfung verliere
die USA allerdings an Anziehungskraft.
Der Professor verglich die Hochschulpolitik mit dem
Fußballgeschäft: «Über Jahrzehnte haben die
finanzstarken Clubs aus Italien oder Spanien die deutschen
Spitzenspieler gekauft. Das hat dem deutschen Fußball nicht
geschadet. Geschadet hat ihm letztlich die im internationalen Vergleich
schlechte Nachwuchsarbeit.» Die Lösung sei deshalb nicht die
Investition in Spitzenkräfte sondern die breite Förderung, um
alle Hochschulen auf gehobenem Niveau zu halten.
(Quelle: dpa)
Austrittsrekord bei der SPD
So.11.01.04 - Die Sozialdemokraten haben laut «Spiegel» im vergangenen
Jahr so viele Mitglieder verloren wie seit über 50 Jahren nicht
mehr. Die Partei von Bundeskanzler Gerhard Schröder sei binnen
zwölf Monaten um mehr als 43 000 Mitglieder auf rund 650 000
Genossen Ende Dezember geschrumpft. Damit sei die SPD auf das Niveau
von 1963 zurückgefallen, als die Partei auf Grund der deutschen
Teilung nur im Westen existierte.
(Quelle: dpa)
SPD will Zuwanderungs-Entscheidung bis Sommer
So.11.01.04 - SPD-Fraktionschef Franz Müntefering hat für die Beratungen
von Regierung und Opposition über ein neues Zuwanderungsgesetz
eine Frist bis zum Sommer gesetzt.
Müntefering sagte am Samstag nach einer Sitzung der
Fraktionsspitzen von SPD und Grünen in Leipzig, man müsse
bald zu einer Entscheidung kommen. "In diesem halben Jahr werden wir
wissen, ob das gelingt." SPD und Grüne würden dabei gemeinsam
vorgehen: "Wir werden es nur miteinander machen."
Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte,
angesichts des Verhaltens der Union sei sie "nicht zu optimistisch, was
den Abschluss des Vorhabens angeht". Es werde sicherlich kein Gesetz um
jeden Preis geben.
Das ursprüngliche Zuwanderungsgesetz der rot-grünen
Bundesregierung war vom Bundesverfassungsgericht wegen
Verfahrensfehlern für ungültig erklärt worden. Für
das Gesetz braucht die Bundesregierung die Zustimmung des Bundesrats,
der von der Union dominiert wird.
Opposition und Regierung beraten am kommenden Freitag in einer
Arbeitsgruppe des Vermittlungsausschusses von Bundestag und Bundesrat
erneut über das Zuwanderungsgesetz.
(Quelle: rtr)
Streit über Hanauer Atomfabrik schwelt weiter
So.11.01.04 - Der rot-grüne Streit über den geplanten Export der Hanauer
Nuklearfabrik nach China schwelt weiter. SPD-Fraktionschef Franz
Müntefering sagte nach der Sitzung der Fraktionsspitzen am Samstag
in Leipzig, er gehe davon aus, dass China die Bedingungen für die
Lieferung erfüllen werde. Dazu gehört unter anderem die
Zusicherung, die Anlage nicht militärisch zu nutzen. Er sei
«sicher», dass dem Export zugestimmt werden könne,
erklärte Müntefering.
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Krista Sager, nannte dagegen
die von der Firma Siemens geplante Ausfuhr der Anlage problematisch. Es
sei in China nicht demokratisch entschieden worden, welche
Energieversorgung gewählt werde. Der Export entspreche nicht der
gemeinsamen Wunschvorstellung von Rot-Grün. Das Handeln bestimme
aber das Außenwirtschaftsgesetz. Die Prüfung durch die
Regierung sei noch nicht abgeschlossen. Es gebe aber keinen Ansatz
für eine politische Entscheidung und damit auch «keinen
Zwang in der Fraktion, das weiter auszutragen», erklärte
Sager.
(Quelle: ap)
Organisatoren der geplanten RAF-Schau warnen vor Scheitern
So.11.01.04 - Die Organisatoren der umstrittenen geplanten RAF-Ausstellung in Berlin
haben vor einem Scheitern des Projekts gewarnt. Mitinitiator Klaus
Biesenbach sagte dem «Reutlinger General-Anzeiger»
(Wochenendausgabe): «Wenn die Ausstellung scheitern sollte, dann
ist dies ein Zeichen dafür, dass es hier zu Lande zusehends
unmöglich wird, Kunst als Freiraum zu verstehen.» Der
Hauptstadtkulturfonds wird womöglich bereits am Montag über
die weitere finanzielle Förderung des Projektes entscheiden.
Biesenbach forderte, die finanzielle Förderung nicht zu streichen.
«Ohne die 100.000 Euro ist unsere Existenz gefährdet»,
sagte der Kurator der Kunst-Werke Berlin, wo die Ausstellung
stattfinden soll. Er wies darauf hin, dass in den vergangenen Monaten
das Konzept stark überarbeitet worden sei, um die Vorwürfe zu
entkräften, es handele sich um eine «Romantisierung des
Terrors».
Der Hauptstadtkulturfonds hatte zur Vorbereitung der Ausstellung
100.000 Euro zugesagt. Nach einem Beschwerdebrief der Angehörigen
von RAF-Opfern an Bundeskanzler Gerhard Schröder war
Kulturstaatsministerin Christina Weiss mit der Überprüfung
der Ausstellung beauftragt worden.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401070.htm#04010725
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0401070.htm#040107en
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