Aktuelle Nachrichten
Irak am dreihundertsten Tag nach Kriegsbeginn
London widerspricht Darstellung über frühe Planung des
Irak-Kriegs +++ Moskau bestreitet US-Berichte über Waffenlieferung
an Irak +++ US-Soldaten töten sieben Iraker +++ Einsatz für
1.500 US-Soldaten in Irak verlängert +++ Amerikanischer
Methodistenpfarrer hungert aus Protest gegen Irak-Besetzung
Di.13.01.04 - Die britische Regierung hat am Montag bekräftigt, sie sei ebenso
wie die USA zu einer friedlichen Lösung der Irak-Krise
entschlossen gewesen. Der Krieg sei jedoch leider unumgänglich
gewesen, sagte ein Sprecher von Premierminister Tony Blair am Montag in
London. Er reagierte damit auf eine Erklärung des früheren
US-Finanzministers Paul O'Neill vom Wochenende, laut der die
Entscheidung zum Krieg bereits zu Beginn der Amtszeit von
Präsident George W. Bush im Januar 2001 fiel.
[Bush plante Invasion in den Irak schon zu Beginn seiner Amtszeit
Mehr bei telepolis (10.01.04):
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16498/1.html]
"Ich glaube nicht, dass jemand die ernsthafte Entschlossenheit der
Koalition zu einer friedlichen Lösung in Zweifel ziehen sollte",
sagte Blairs Sprecher. "Leider war das nicht möglich." Er wies
außerdem Berichte zurück, Blair habe sich pessimistisch
über die Chancen geäußert, in Irak noch
Massenvernichtungswaffen zu finden. Die Alliierten hatten den Krieg vor
allem damit begründet, dass Irak im Besitz chemischer und
biologischer Waffen sei.
Die Bundesregierung erklärte, sie sei aus guten Gründen gegen
den Irak-Krieg gewesen. "Nach dem ersten Schuss hatten wir die Position
vieler geteilt, die sagten, jetzt geht es darum, Frieden und
Stabilität in der Region zu gewinnen", sagte ein Sprecher des
Auswärtigen Amtes in Berlin, Walter Lindner. "Die Frage, was der
Regierung in Washington wann bekannt war, müssen nicht wir,
sondern Historiker beantworten."
Moskau hat Berichte aus den USA bestritten, wonach russische Firmen
Irak mit Militärtechnik beliefert und damit die UN-Sanktionen
gegen das Land unterlaufen haben sollen. Vize-Ministerpräsident
Boris Aljoschin sagte am Montag laut der Nachrichtenagentur Interfax,
der russischen Regierung sei nichts derartiges bekannt. Falls den USA
entsprechende Informationen vorlägen, "wäre es nicht
schlecht, sie mit uns zu teilen", fügte er hinzu.
Bei einer Bombenexplosion in Bagdad wurde unterdessen ein US-Soldat
getötet. Zwei weitere wurden verletzt, wie die Streitkräfte
mitteilten. Nach US-Angaben wurden in der vergangenen Woche pro Tag
durchschnittlich 17 Angriffe auf die US-Truppen verübt. Vor der
Festnahme des früheren Staatschefs Saddam Hussein am 13. Dezember
habe die Zahl bei über 30 gelegen.
In der Nähe der Stadt Samarra, 100 Kilometer nördlich von
Bagdad, töteten US-Soldaten sieben Iraker. Die Mitglieder einer
etwa 40-köpfigen Diebesbande hätten versucht, Öl aus
einer Pipeline zu stehlen, hieß es in einer Erklärung der
Streitkräfte. Die übrigen Bandenmitglieder seien entkommen.
Zuvor hatten die Streitkräfte mitgeteilt, in Ramadi sei ein
großes Waffenlager ausgehoben worden. Dort seien Dutzende
Granaten, fast 100 Kilogramm Sprengstoff, mehrere Bomben sowie zwei
Raketen sicher gestellt worden. Am Montag explodierte in der Nähe
eines US-Konvois in der Stadt eine am Straßenrand versteckte
Bombe; dabei wurde jedoch niemand verletzt. Nach Angaben von Bewohnern
eröffneten die Amerikaner anschließend das Feuer und
töteten zwei Iraker.
In der südostirakischen Stadt Kut demonstrierten am Montag rund
1.000 aufgebrachte Iraker gegen die Besatzungsmacht. Sie forderten
Arbeitsplätze und Nahrungsmittel. Bei einer ähnlichen
Protestaktion waren am Wochenende in der nahe gelegenen Stadt Amarah
sechs Demonstranten von irakischen Polizisten erschossen worden.
US-Soldaten haben nach Zeugenberichten eine junge Irakerin fünf
Tage nach ihrer Heirat festgenommen, um ihren Ehemann zur Aufgabe zu
zwingen. Die GIs hätten am Montag das Haus des Paares in der
Unruhestadt Falludscha westlich von Bagdad mit insgesamt 13 Fahrzeugen
umzingelt, sagte der Nachbar Abdel Nasser Mahmud der Nachrichtenagentur
AFP. Da die Soldaten den gesuchten Saber Turki nicht hätten finden
können, hätten sie seine Frau festgenommen und seien mit ihr
weggefahren. Den Nachbarn hätten die Soldaten gesagt, die Frau
komme erst wieder frei, wenn ihr Mann sich gestellt habe.
Ein amerikanischer Methodistenpfarrer ist in den Hungerstreik getreten,
um auf die Menschenrechtsverletzungen irakischer Zivilpersonen durch
US-Truppen aufmerksam zu machen. Reverend Frederick Boyle aus
Titusville hatte schon vor Kriegsbeginn für Furore gesorgt, als er
wenige Tage vor der Bombardierung Bagdads aus Solidarität mit den
Einwohnern in die irakische Hauptstadt gereist war.
Er wirft den US-Truppen in Irak nun vor, unschuldige Iraker mitten in
der Nacht zu durchsuchen und ohne Anklage zu verhaften. Ihre
Häuser würden zerstört, die Menschen verletzt und
getötet, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.
"Es kommt darauf an, ob die Besetzung Iraks unsere Werte als eine
Nation unter Gott widerspiegelt. Wir sind ein mitfühlendes Land.
Die Angst vor Terror darf uns nicht in etwas verwandeln, was wir selbst
verabscheuen."
Am Samstag nahm er nach eigenen Worten seine letzte Mahlzeit zu sich.
Er werde seinen Hungerstreik in seinem Pfarrhaus in Titusville begehen
und so lange wie möglich die Messe lesen. Er wolle sich jedoch
nicht zu Tode hungern.
1.500 US-Soldaten müssen derweil länger als geplant in Irak
Dienst tun. Dies verlautete am Montagabend aus Pentagonkreisen in
Washington. Betroffen sind demnach vor allem die Besatzungen von
Hubschraubern sowie weitere Transportsoldaten. Die Maßnahme ist
nur die jüngste Korrektur im Zusammenhang mit dem Austausch der
rund 125.000 Mann starken US-Streitmacht, die seit knapp einem Jahr
zwischen Euphrat und Tigris im Einsatz ist. Der Entscheidung ging die
Warnung von Kommandeuren voraus, der planmäßige Abzug der
Transportsoldaten hätte einen unverantwortbaren Personalmangel zur
Folge. Einige der Betroffenen müssen deswegen bis zu zwei Monate
länger in Irak bleiben. Das Pentagon bricht damit ein Versprechen
von vor Kriegsbeginn, wonach US-Soldaten maximal zwölf Monate in
Irak eingesetzt werden sollten. Die offizielle Bekanntgabe der
Entscheidung wurde für den heutigen Dienstag erwartet.
(Quellen: ap, afp)
Studie: Der Irak-Krieg war unnötig, der globale Krieg gegen den
Terrorismus ist unrealistisch
Auch aus Militärkreisen kommt nun scharfe Kritik an der Politik
der Bush-Regierung
Während die Bedenken gegenüber der Wirtschaftspolitik der
Bush-Regierung zunehmen, andere wie der kanadische
Ministerpräsident Paul Martin und der mexikanische Präsident
Vicente Fox davor warnen, dass die Sicherheitspolitik der USA den
freien Handel gefährde, wächst auch die Kritik gegenüber
dem von Bush ausgerufenen "Krieg gegen den internationalen Terrorismus"
und gegen den Irak-Krieg als dessen Bestandteil. Nun kommt zur
politischen Kritik auch noch Kritik von militärischer Seite. Eine
vom Army War College veröffentlichte Studie über den globalen
Krieg gegen den Terrorismus lässt nahezu kein gutes Haar am
Vorgehen der Bush-Regierung.
Schon die ersten Zeilen machen deutlich, dass der Autor der Studie
auch aus ganz pragmatischen, aber durchaus machtstrategischen
Gründen den Ansatz der Bush-Politik für verfehlt hält:
Damit scheint nun auch in den USA politisch und militärisch
erstmals eine umfassendere Diskussion über das geeignete Vorgehen
gegen den Terrorismus zu beginnen, die unter dem Eindruck der
Anschläge vom 11.9. und dem schnellen Entschluss der
Bush-Regierung, den Terror militärisch niederschlagen zu wollen
und dabei auch durch den Sturz von Regierungen die Welt neu zu
ordnen....
Quelle: Telepolis vom 13.01.04
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/16510/1.html
Army War College Studie:
http://www.carlisle.army.mil/ssi/pubs/2003/
bounding/bounding.htm
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US-Finanzministerium will gegen Ex-Ressortchef
O'Neill ermitteln
Der ehemalige US-Finanzminister hatte Bush vorgeworfen, schon zu Beginn
seiner Amtszeit mit der Planung eines Einmarsches in Irak begonnen zu
haben
Di.13.01.04 - Nach dem Eklat um sein regierungskritisches Buch hat das
US-Finanzministerium die Einleitung offizieller Ermittlungen gegen den
früheren Ressortchef Paul O'Neill gefordert. Es bestehe der
Verdacht, dass O'Neill gegen die Vorschriften verstoßen habe,
indem er eines oder mehrere Geheimdokumente veröffentlicht habe,
teilte Ministeriumssprecher Rob Nichols mit. Die interne
Ermittlungsabteilung des Ministeriums solle nun feststellen, ob O'Neill
gegen das Gesetz verstoßen habe.
Am Sonntag hatte O'Neill in einem Interview mit dem US-Fernsehsender
CBS ein als "geheim" klassifiziertes Dokument gezeigt. Laut vorab
veröffentlichten Auszügen wirft der frühere Minister in
seinem gemeinsam mit dem Journalisten Ron Suskind verfassten Buch "The
Price of Loyalty" (Der Preis der Loyalität) US-Präsident
George W. Bush vor, schon in den ersten Monaten seiner Amtszeit mit der
Planung eines Einmarsches in Irak begonnen zu haben. Dabei sei nie nach
dem Grund gefragt worden, es sei stets nur um das Wie gegangen.
Am Montag erweiterte der 68-Jährige seine Kritik an der
Irak-Politik Washingtons, indem er die US-Beweise für irakische
Massenvernichtungswaffen in Zweifel zog. Er habe in den
Geheimdienstberichten nichts gesehen, "was ich als echten Beweis werten
würde", sagte er dem US-Wochenmagazin "Time".
O'Neill war Ende 2002 von seinem Posten zurückgetreten - nach
Medienberichten auf Druck des Präsidenten.
(Quelle: afp)
Oberstes US-Gericht erlaubt Geheimhaltung von Namen inhaftierter
Terrorismus-Verdächtiger
Di.13.01.04 - Die US-Behörden dürfen einem Urteil des Obersten Gerichtshofs
zufolge die Namen gefangener Terrorismus-Verdächtiger
geheimhalten. Diese Entscheidung habe das Gericht in Washington am
Montag getroffen, berichtete der US-Nachrichtensender CNN. Nach den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington
sind in den USA Hunderte von verdächtigen Personen verhaftet
worden, ohne dass Ihnen alle verfassungsmäßigen Rechte
zugestanden worden sind.
Das oberste Gericht der USA wies dem Bericht zufolge die Klagen von
Bürgerrechtsbewegungen ohne Erläuterungen zurück. Ein
Gericht hatte bereits zuvor die Rechtmäßigkeit der
Maßnahmen mit den Sicherheitsbedürfnissen des vom
Terrorismus bedrohten Landes begründet. Das oberste Gericht will
aber einige andere von den Bürgerrechtlern vorgetragene Fälle
prüfen, unter anderem auch die Rechtmäßigkeit des
Gewahrsams von US-Bürgern, die im amerikanischen Lager Guantanamo
auf Kuba gefangen sind und denen die jedem US-Bürger zustehenden
Rechte vorenthalten werden.
(Quelle: dpa)
Washington will alle Fluggäste kategorisieren
Di.13.01.04 - Die US-Regierung plant nach einem Zeitungsbericht die Einstufung aller
Flugpassagiere. Entsprechende Farben und Nummern sollen den
Sicherheitskräften Aufschluss über ihre eventuelle
Gefährlichkeit geben. Das schreibt die «Washington
Post». Ein neues Computersystem für die Speicherung der
Passagierdaten soll dazu noch in diesem Jahr eingerichtet werden. Seit
Anfang des Jahres werden die Passagiere zahlreicher Staaten mit
Visapflicht bei der Ankunft in den USA erkennungsdienstlich erfasst.
(Quelle: dpa)
Rote, gelbe und grüne Passagiere
Die Datensammlungen über den Flugverkehr sollen nach dem Willen
der US-Regierung noch weiter ausgedeht werden. Passagiere werden je
nach "Gefährdungsgrad" eingestuft....
Mehr in der "tageszeitung" vom 13.01.04:
http://www.taz.de/pt/2004/01/13/a0116.nf/text
|
Junge US-Bürger lesen immer weniger Zeitung
Immer häufiger informieren sie sich im Internet über Politik
Di.13.01.04 - Junge US-Bürger lesen immer weniger Zeitung, um sich über die
große Politik zu informieren. Statt dessen erfahren junge
Amerikaner immer häufiger im Internet das Wesentliche in der
großen Politik. Das geht aus einer am Sonntag
veröffentlichten Studie des Forschungsinstituts «Pew
Research Center» in Washington hervor.
Nur noch 23 Prozent der 18- bis 29-Jährigen in den USA nutzen nach
eigenen Angaben regelmäßig eine Tageszeitung als
Informationsquelle im diesjährigen Präsidentschaftswahlkampf.
Vor vier Jahren hatte die Zahl der Zeitungsleser unter den jungen
Amerikanern der Untersuchung zufolge noch bei 32 Prozent gelegen. 20
Prozent der 18- bis 29- Jährigen gaben in der Umfrage an, sich
regelmäßig im World Wide Web über Kandidaten und
Wahlkampagnen zu informieren - eine Steigerung um sieben Prozent.
Auch andere traditionelle Medien wie die Abendnachrichten im
Kabelfernsehen (von 39 auf 23 Prozent), lokale TV-Nachrichten (von 42
auf 29 Prozent) und Nachrichtenmagazine (von 15 auf 9 Prozent) werden
weniger genutzt. Ebenfalls jeder Fünfte (21 Prozent) schalte zu
diesem Zweck Unterhaltungssendungen an. Bei der
Präsidentschaftswahl 2000 hätten dies nur neun Prozent getan,
heißt es in der repräsentativen Studie, für die 1500
US-Bürger befragt wurden.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Israels Regierungschef droht Palästinensern erneut mit einseitigen
Maßnahmen. Scharon will einseitigen Rückzug gegebenenfalls
vom Parlament bestätigen lassen +++ Soldaten fassen
Selbstmordattentäter auf Weg zu Anschlag
Di.13.01.04 - Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat den
Palästinensern erneut einseitige Maßnahmen angedroht. In
einer vom Parlament am Montag mit deutlicher Mehrheit verabschiedeten
Erklärung warf Scharon den Palästinensern vor, sich der
Umsetzung des internationalen Nahost-Friedensplans zu widersetzen. Um
für die Israelis ein Höchstmaß an Sicherheit zu
gewährleisten, sei deshalb eine Reihe von Schritten erforderlich.
Er habe ein Team unter Leitung von General Giora Eiland damit
beauftragt zu prüfen, welches diese Schritte sein könnten,
erklärte Scharon vor der Knesset, dem israelischen Parlament. Von
90 anwesenden Abgeordneten (von insgesamt 120) stimmten 51 für und
39 gegen die Erklärung.
Scharon will unterdessen den in seiner Koalition umstrittenen
Rückzugsplan aus Teilen der besetzten Gebiete gegebenenfalls vom
Parlament genehmigen lassen. Das kündigte er am Montag in einer
Rede vor der Knesset an. Tags zuvor hatten führende Mitglieder
seines Likud-Blocks auf einer Kundgebung mit 120.000 Teilnehmern gegen
den so genannten Entflechtungsplan protestiert. Scharons Plan sieht die
Räumung einiger Siedlungen vor, was auf erbitterten Widerstand
seiner rechtsgerichteten Verbündeten trifft.
Scharon erwähnte in seiner Knesset-Rede die geplante Aufgabe
einiger Siedlungen nicht. Er betonte, dass er sich dem internationalen
Friedensplan verpflichtet fühle. Vor einer einseitigen Lösung
werde er auf jeden Fall seine Koalitionspartner und die USA
konsultieren. Eine Mehrheit im Parlament für seinen Plan ist
zurzeit nicht sicher.
Scharons Stellvertreter Ehud Olmert nannte den Juni als möglichen
Beginn eines Teilrückzugs. Andere «bestimmte
Siedlungen» in Westjordanland und Gazastreifen würden dann
in der zweiten Jahreshälfte geräumt, kündigte Olmert in
der Zeitung «Jerusalem Post» an. Es war das erste Mal, dass
ein Regierungsmitglied einen Zeitrahmen für den von Scharon im
vergangenen Monat angekündigten Rückzugsplan nannte.
Scharon hatte den Plan als Alternative für den Fall dargestellt,
dass Friedensgespräche mit der palästinensischen Führung
weiter ohne Ergebnis bleiben. Dies würde bedeuten, dass Israel
weniger Gebiete räumen würde, als es in einer
Verhandlungslösung aufzugeben bereit sei, hatte Scharon
erklärt. Von den 150 Siedlungen mit 230.000 Einwohnern will der
Regierungschef Berichten zufolge im Fall einer einseitigen Entscheidung
17 räumen.
Die Palästinenser haben Scharons Plan als Versuch kritisiert,
ihnen eine Lösung aufzudiktieren. Der palästinensische
Außenminister Nabil Schaath erklärte in Oslo, nur ein
umfassender Waffenstillstand und der Rückzug israelischer
Streitkräfte aus den Autonomiegebieten könne zu Sicherheit in
der Region und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch führen.
Die israelische Armee hat in letzter Minute einen Selbstmordanschlag
verhindert. An einer Straßensperre nahe Tulkarem im
nördlichen Westjordanland fingen Soldaten einen
palästinensischen Attentäter auf dem Weg zu einem Anschlag
ab. Das berichten israelische Medien. Insgesamt nahmen israelische
Soldaten in der vergangenen Nacht im Westjordanland neun
mutmaßliche Extremisten fest. Bei Feuergefechten im
Flüchtlingslager von Tulkarem wurden außerdem drei
Palästinenser verletzt.
(Quellen: dpa, afp, ap)
Schließlich wird die Welt Israel vielleicht doch vor sich selbst
retten...
Vielleicht werden Israels wirkliche Freunde den Druck auf die
Regierungen verstärken. Vielleicht werden sie verstehen, dass
sogar in Israel der Druck von außen nicht immer schlecht ist,
weil es die letzte Chance sein könnte, Israel auf den geraden Weg
zu bringen, dass es ein gerechterer Staat wird. Der letzte Versuch ist
bescheiden, lässt aber im Augenblick Gutes hoffen. Die UN, von der
man in Israel nicht gerade Gutes denkt, hat sich entschlossen, die
Trennmauer vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag (ICJ) zu
bringen - noch eine Institution, die man in Israel bespöttelt.
Dies hat in den Korridoren der Jerusalemer Regierung schon für
einige Nervosität gesorgt. Wo der Aufschrei der Palästinenser
und der Protest der extremen Linken versagte, hat die UN Erfolg. Das
sind keine schlechten Nachrichten. Plötzlich entdecken Jerusalems
Offizielle, dass mit dem Zaun Unrecht geschieht. Nachdem der
größte Teil des Baues fertig gestellt war und Tausende von
Familien eingesperrt waren, ohne dass sich jemand für sie
verantwortlich fühlt, erhob sich in Jerusalem ein Gefühl des
Unbehagens. Joseph Lapide warnte sogar davor, dass Israel in den Augen
der Welt ein neues Süd-Afrika wird.
Guten Morgen, Herr Justizminister, mit dieser Warnung kommen Sie zu
spät. Süd-Afrika gibt es hier schon lange, und so sehen es
die meisten Länder der Welt. Doch besser spät als gar nicht –
nur ist es wirklich schade, dass der Justizminister dazu Den Haag
benötigte, um zu verstehen, dass der von seiner Regierung gebaute
Zaun ein Apartheidzaun ist. Wenn er sich die Mühe gemacht
hätte, mit eigenen Augen die Tausenden von Schulkinder jeden
Morgen bei jedem Wetter sehen würde, wie sie auf das IDF oder
Grenzpolizei-Jeep warten, damit die ihnen das Tor auf ihrem Schulweg,
den Bauern zu ihrem Land, den Patienten zu ihren Kliniken öffnen
würden.... Wenn er auch die abgesperrten Dörfer und die
Ansicht einer Stadt hinter Stacheldraht gesehen hätte, dann
hätte er nicht die Drohung aus Den Haag gebraucht, um die
Ungerechtigkeit zu verstehen. Nach den Siedlungen ist nun der Zaun die
nächste (Kollektiv-)Strafe, die den Palästinensern auferlegt
wird. Wie üblich wird dies in Israel ignoriert....
Süd-Afrika hat sich selbst gerettet und wurde ein fairer Staat,
vor allem weil internationaler Druck auf seine Regierung ausgeübt
wurde. Wären die wirtschaftlichen Sanktionen nicht gewesen und die
politische Isolation, hätte die Apartheid vielleicht für
immer gedauert. Die meisten Kämpfer gegen die Apartheid sahen den
internationalen Druck als Segen an und fühlten sich dadurch
ermutigt. Bedauerlicherweise würde dies der israelischen Besatzung
auch gut tun. Der Druck auf die Apartheid Süd-Afrikas begann mit
einer Entscheidung desselben ICJ, die nun durch den Zaun ausgelöst
wurde. Von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt: wirtschaftliche
Sanktionen und andere Boykottmaßnahmen aufzuerlegen, bis das Regime
kollabiert und Gerechtigkeit wieder in dem misshandelten Land
eingesetzt wird. Das könnte die Narrative der Ereignisse auch in
unserem Fall sein. Jeder, der sich Sorgen um Israels moralisches Image
macht, sollt sich nicht davor ängstigen....
Aus: Gideon Levy - "Schrei geliebtes Land!",
ZNet Deutschland 12.01.2004:
http://www.zmag.de/artikel.php?id=974
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Assad angeblich zu Golan-Gesprächen ohne
Vorbedingungen bereit
USA würden direkte Gespräche zwischen Israel und Syrien
begrüßen
Di.13.01.04 - Syriens Präsident Baschar el Assad ist angeblich zu Verhandlungen
mit Israel ohne Vorbedingungen bereit. Der demokratische US-Senator
Bill Nelson sagte der israelischen Zeitung «Haaretz», das
habe ihm Assad bei einem Besuch in Damaskus mehrfach bestätigt.
Bislang hatte Syrien immer darauf bestanden, die Gespräche von dem
Punkt an fortzusetzen, an dem sie vor vier Jahren abgebrochen wurden.
Erst gestern hatte Damaskus eine Einladung des israelischen
Präsidenten Mosche Katzav zurückgewiesen.
Die USA würden direkte Gespräche über ein mögliches
Friedensabkommen zwischen Israel und Syrien begrüßen. Der
Dialog zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarländern sei
ein wesentlicher Bestandteil für einen umfassenden Frieden in der
Region, sagte der stellvertretende US-Außenamtssprecher Adam
Ereli am Montag in Washington. Das direkte Gespräch sei "gut,
wichtig und der schnellste Weg", die Probleme in der Region zu
lösen.
(Quellen: dpa, afp)
Taliban töten vier afghanische Polizisten
Di.13.01.04 - Die Angriffe der Taliban auf afghanische Sicherheitskräfte halten
an. Vermutlich Dutzende Kämpfer der fundamentalistischen Muslime
töteten am Montag bei einem Überfall auf eine Polizeiwache im
Südwesten des Landes vier Polizisten. Der Angriff ereignete sich
in der Provinz Nimros, rund 200 Kilometer südwestlich von
Kandahar, wie Gouverneur Karim Barawi mitteilte. Nähere
Einzelheiten nannte er zunächst nicht.
In der Provinz hatten sich die Sicherheitskräfte zuletzt
verstärkt bemüht, den dort vermuteten Anhängern der
Taliban und der Terrororganisation El Kaida auf die Spur zu kommen. In
der vergangenen Woche waren bei Überfällen 36 Menschen
getötet worden. Die anhaltende Gewalt gefährdet auch die
für den Sommer geplanten Wahlen in Afghanistan.
Der pakistanische Ministerpräsident Zafarullah Khan Jamali
sicherte dem afghanische Präsidenten Hamid Karsai unterdessen bei
einem ersten offiziellen Besuch in Kabul zu, die Grenze verstärkt
überwachen zu lassen. Damit sollen Angriffe über die Grenze
hinweg verhindert werden. Der Kampf gegen den Terrorismus sei ein
gemeinsamer Kampf um die Zukunft beider Länder, erklärte
Jamali. Pakistan hatte die Taliban lange Jahre unterstützt, dies
aber nach den Anschlägen vom 11. September und vor dem Angriff der
USA auf Afghanistan eingestellt. Die unzugängliche Bergregion an
der Grenze gilt aber nach wie vor als Rückzugsgebiet für
Taliban- und El-Kaida-Kämpfer.
Wie die US-Streitkräfte am Montag mitteilten, erlag am Wochenende
ein US-Soldat seinen Verletzungen, die er bei einem Unfall in der
Nähe von Kabul erlitten hatte. Es war das 100. Todesopfer in
Reihen der US-Armee seit dem Angriff vor zwei Jahren.
(Quelle: ap)
Proteste in Iran weiten sich aus
Di.13.01.04 - In Iran haben sich am Montag die Proteste gegen den Ausschluss
führender Reformpolitiker von der bevorstehenden Parlamentswahl
ausgeweitet. Abgeordnete veranstalteten am Montag den zweiten Tag in
Folge Sitzstreiks im Parlament. Auf einer Kundegebung der
größten Reformpartei IIPF des Präsidentenbruders
Mohammed-Resa Chatami wurde harsche Kritik am gesamten politischen
System geübt.
Studentenorganisationen erklärten ihre Unterstützung, 28
Gouverneure drohten landesweit mit ihrem Rücktritt. Der vom
konservativen Klerus beherrschte Wächterrat hatte am Sonntag
insgesamt mehr als 2000 Bewerbern eine Kandidatur zur Wahl am 20.
Februar untersagt, darunter rund 80 Abgeordneten.
Der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei lehnte ein Eingreifen in
den Konflikt ab. Nach Angaben des staatlichen Fernsehens rief er beide
Seiten zur Beachtung der Gesetze auf. Sollte der Streit andauern, werde
er jedoch eingreifen und seine Meinung kundtun. Chamenei ist in allen
Staatsangelegenheiten die höchste Autorität. Der
Wächterrat deutete unterdessen ein teilweises Einlenken an. Der
Sprecher des zwölfköpfigen Kontrollgremiums, Mohammed
Dschahromi, sagte, der Rat sei bereit, fristgerechte Beschwerden der
ausgeschlossenen Abgeordneten zu prüfen.
Auf der IIPF-Kundgebung sagte der liberale Geistliche Mohsen Kadivar:
«Es wäre sehr naiv zu glauben, dass lediglich sechs
Geistliche diese neue Welle losgetreten hätten; (verantwortlich)
sind das System und diejenigen, die diese Geistlichen ernannt
haben.» (...) «Ich teile nicht die Meinung des
Präsidenten (Mohammed Chatami) und des Parlamentspräsidenten
(Mehdi Karrubi), daß die oberste Führung über den
Streit ünglücklich ist,» fügte er hinzu. Auf der
Veranstaltung wurden sowohl Khamenei als auch Chatami kritisiert.
Der außen- und sicherheitspolitische Beauftragte der EU, Javier
Solana, sagte bei einem Besuch in Teheran, der Streit um den Ausschluss
der Kandidaten sei «natürlich eine innere
Angelegenheit» Irans. Dennoch würde es ihm sehr schwer
fallen, die Verbote dem Europäischen Parlament zu erklären,
fügte er mit Blick auf den Ausschluss von Mohammed-Resa Chatami,
derzeit Vizesprecher des iranischen Parlaments, hinzu. Ein Angebot der
EU zur Beobachtung der Parlamentswahl hatte das iranische
Innenministerium in der vergangenen Woche abgelehnt.
Solana lobte nach Gesprächen mit Außenminister Kamal
Charrasi und Präsident Chatami die Zusammenarbeit Irans mit der
Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO). Er hoffe, die
Zusammenarbeit werde weitergehen und schließlich dazu
führen, dass die Bedenken wegen des iranischen Atomprogramms
völlig ausgeräumt werden, sagte Solana auf einer
Pressekonferenz. Der EU-Chefdiplomat wollte bei seinem vierten
Iran-Besuch innerhalb von zwei Jahren auch in die Erdbebenregion im
Südosten des Landes reisen.
(Quelle: dpa)
Bombenanschlag während Massengebet in Bangladesch
Di.13.01.04 - Bei einer Bombenexplosion inmitten von 20.000 islamischen Pilgern sind
am späten Montagabend in Bangladesch zwei Menschen getötet
und 35 weitere verletzt worden. Zu der Detonation kam es vor einem 700
Jahre alten Schrein in der nordöstlich gelegenen Stadt Sylhet.
Soldaten sicherten am Dienstagmorgen die heilige Stätte, um
weitere Gewalt zu verhindern. Noch hat sich niemand zu dem Anschlag
bekannt, die Behörden nahmen die Ermittlungen auf.
Nach Polizeiangaben riss die Bombe einen ein Meter tiefen Krater in die
Straße. Rettungskräfte bargen die Leiche eines 10 Jahre
alten Jungen sowie eines älteren Mannes. 24 Pilger mussten wegen
ernster Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Die
zweitägigen Feiern sollen am (diesem) Dienstag mit einem weiteren
Massengebeet vor dem Schrein zu Ende gehen. In jedem Jahr versammeln
sich am 12. Januar tausende Muslime vor dem Grab von Hazrat Schajalal,
der 1346 starb. Viele glauben, er könne auch Jahrhunderte nach
seinem Tod noch Wunder vollbringen.
(Quelle: ap)
USA und Indien kooperieren bei Raketenabwehr
und Atomtechnologie
Di.13.01.04 - Die USA weiten ihre Zusammenarbeit mit Indien in den Bereichen
Raketenabwehr, zivile Nutzung der Atomkraft sowie Raumfahrttechnologie
aus. Dies gab US-Präsident George W. Bush am Montagabend am Rande
des Amerika-Gipfels im mexikanischen Monterrey bekannt. «Die
Zusammenarbeit wird die Handels- und Freundschaftsbeziehungen unserer
Nationen vertiefen», hieß es in einer vom Weißen Haus
verbreiteten Erklärung. «Damit wird die Sicherheit in Asien
und darüber hinaus verbessert.»
Ein hoher Regierungsmitarbeiter sagte in Washington, die atomare
Zusammenarbeit werde sich nicht auf das indische Atomwaffenprogramm
beziehen. Die USA betrachteten dieses Programm sowie das Programm
für ballistische Raketen Neu-Delhis mit Sorge.
Die Beziehungen zwischen Bush und dem indischen
Ministerpräsidenten Atal Bihari Vajpayee haben sich in den
vergangenen Jahren verbessert. Das Angebot Washingtons kommt zudem zu
einer Zeit der Annäherung zwischen den rivalisierenden
Atommächten Indien und Pakistan. Als historischer Schritt wurde
ihre gemeinsame Erklärung der vergangenen Woche gewertet, nach
mehr als einem halben Jahrhundert erbitterter Feindschaft neue
Friedensverhandlungen aufzunehmen.
(Quelle: ap)
Gegenwind für den US-Präsidenten beim Amerika-Gipfel
Widerstand gegen US-Initiative für die baldige Schaffung einer
kontinentalen Freihandelszone +++ Bush fordert in Monterrey erneut
Abschaffung von Handelsbarrieren
Di.13.01.04 - US-Präsident George W. Bush ist am Montag zum Amerika-Gipfel in
der nordmexikanischen Industriestadt Monterrey eingetroffen. Dort
erwartete ihn heftiger Widerstand gegen seine Initiativen für die
baldige Schaffung einer kontinentalen Freihandelszone und zur
Bestrafung korrupter Regierungen. Vor Beginn der zweitägigen
Konferenz aller Staats- und Regierungschefs Nord- und Südamerikas
mit Ausnahme Kubas scheiterte der Versuch auf Minister-Ebene, einen
vollständigen Entwurf für die Abschlusserklärung
auszuarbeiten.
Bush hatte kurz vor Beginn des Amerika-Gipfels das Interesse der USA an
der Abschaffung von Handelsbarrieren bekräftigt. Der "beste Weg,
Armut auszurotten, ist Handel unter den Nationen", sagte Bush am Montag
nach einem Treffen mit dem mexikanischen Präsidenten Vicente Fox.
Freier Handel sei dabei aus Sicht der USA "im nachbarschaftlichen
Interesse". Fox lobte die 1994 von den USA, Kanada und Mexiko
gegründete Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) als
"erfolgreich" für sein Land.
Bushs wichtigstes politisches Ziel für Amerika ist die
Vereinbarung eines festen Termins zur Schaffung einer den gesamten
Kontinent umfassenden Freihandelszone (FTAA) im Jahr 2005. Brasilien
und Venezuela haben den Gipfel als nicht die passende Gelegenheit
bezeichnet, dieses Thema zu erörtern. Auch Mexikos Präsident
Vicente Fox sprach sich noch am Sonntag dagegen aus, das Thema auf die
Tagesordnung des Monterrey-Treffens zu setzen.
«Der Gipfel wurde nicht einberufen, um über die FTAA zu
diskutieren», sagte er. Auf Ablehnung stößt auch Bushs
Vorschlag, als korrupt eingestufte Regierungen künftig genau so
wie undemokratische zu behandeln und aus der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) auszuschließen.
Weitere Themen während des zweitägigen Gipfeltreffens sollten
die Stärkung der Demokratie, Sicherheitsfragen und der Kampf gegen
die Armut sein. Die Präsidenten der 34 teilnehmenden OAS-Staaten -
Kuba ist wie bereits 2001 nicht dabei - wollen der Armut unter anderem
mit der Förderung von Kleinbetrieben über so genannte
Mikrokredite zu Vorzugszinsen begegnen.
(Quellen: ap, afp)
Philippinische Präsidentin kündigt Verhandlungen mit
Kommunisten an
Di.13.01.04 - Regierung und kommunistische Rebellen auf den Philippinen wollen
kommenden Monat neue Friedensverhandlungen aufnehmen. Dies
verkündete Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo am Dienstag in
Manila. Letzte Details würden derzeit unter Vermittlung Norwegens
festgelegt. Der bewaffnete Widerstand der Kommunistischen Partei CCP
und ihres militärischen Arms, der Neuen Volksarmee, dauert seit 35
Jahren an.
Die Regierung hatte die letzte Verhandlungsrunde vor drei Jahren in
Oslo abgebrochen, nachdem kommunistische Rebellen einen früheren
Kongressabgeordneten getötet hatten. Ob die Erklärung Arroyos
einen Durchbruch signalisierte, blieb zunächst unklar. Erst in der
vergangenen Woche hatte die CCP erklärt, ein Friedensabkommen mit
der derzeitigen Regierungschefin sei wegen deren Unterstützung des
US-geführten Kampfes gegen den Terrorismus unmöglich.
(Quelle: ap)
Offenbar Milliardenaufträge aus China für US-Firmen
Di.13.01.04 - Der Handy-Hersteller Motorola Inc. und einige andere Firmen stehen
offenbar vor der Unterzeichnung von Lieferverträgen über mehr
als zwei Milliarden Dollar an Chinas größte Telefon- und
Computerfirmen. Dies verlautete am Montag aus Kreisen, die mit dem
Geschäft vertraut sind.
Als Teil dieses Geschäfts werde Motorolas Mobilfunksparte am
Dienstag in Washington zwei Verträge mit einem Volumen von mehr
als einer Milliarde Dollar bekannt geben, und zwar mit den chinesischen
Mobilfunkanbietern Unicom Ltd. und China Mobile. Der
Kommunikationsausrüster UTStarcom Inc. werde zudem einen Vertrag
mit China Telecom Corp. Ltd. bekannt geben, hieß es. Dieser habe
ein Volumen von 200 Millionen Dollar.
Wie weiter verlautete werde Intel Corp. zwei Verträge mit dem
chinesischen Computerhersteller Legend Group Ltd., auch als Lenovo
bekannt, und mit der Founder Technology Group bekannt geben.
Informationen über das Vertragsvolumen waren zunächst nicht
bekannt.
Vertreter von Motorola, UTStarcom und Intel bestätigten, dass es
eine Zeremonie zu einer Vertragsunterzeichnung am heutigen Dienstag in
Washington geben soll, lehnten aber jeden weiteren Kommentar ab.
An der Zeremonie sollen nach Angaben des Verbandes der
Telekommunikationsindustrie auch Vertreter weiterer Zulieferer
teilnehmen, darunter Lucent Technologies Inc., die kanadische Nortel
Networks Corp., Cisco Systems Inc. und das schwedische Unternehmen
Ericsson.
(Quelle: rtr)
Afrika
Hutu-Rebellen töten in Burundi 17 Menschen
Di.13.01.04 - Hutu-Rebellen haben in Burundi bei Angriffen nordwestlich der
Hauptstadt Bujumbura 17 Menschen getötet, wie die Regierung und
Augenzeugen am Montag berichteten. Ein Armeesprecher erklärte,
Kämpfer der Nationalen Befreiungskräfte (FNL) hätten das
Feuer auf einen Kleinbus eröffnet und dabei sieben Menschen
erschossen.
Am Sonntagabend hatten FNL-Kämpfer zudem ein Haus in der Ortschaft
Gihanga angegriffen und fünf Menschen getötet, wie ein
Sprecher der örtlichen Verwaltung erklärte. In einem anderen
Teil der Ortschaft hätten sich die Rebellen dann ein Feuergefecht
mit Regierungstruppen geliefert und fünf Soldaten erschossen.
Die FNL ist die einzige Hutu-Rebellenorganisation in Burundi, die
Verhandlungen mit der Übergangsregierung ablehnt. Drei andere
Hutu-Gruppen haben Waffenstillstandsvereinbarungen unterzeichnet. Ein
FNL-Sprecher bestritt aber, dass die Organisation für die Angriffe
verantwortlich gewesen sei.
Er kündigte ferner an, dass eine FNL-Delegation Ende der Woche mit
Präsident Domitien Ndayizeye zusammenkommen werde. Der seit zehn
Jahren währende Konflikt in Burundi kostete bislang mehr als
200.000 Menschen das Leben.
(Quelle: ap)
Klima-Studie: Rekordsommer könnten in Europa
zur Regel werden
Di.13.01.04 - Durch die Klimaerwärmung könnten nach einer Studie aus
Zürich künftig in Europa Rekordsommer wie 2003 zur Regel
werden. Gleichzeitig mit dem allgemeinen Temperaturanstieg dürften
auch die Schwankungen der sommerlichen Mittelwerte zunehmen, so dass
gegen Ende des Jahrhunderts extrem heiße Sommer wahrscheinlicher
werden, wie das Zürcher Forscherteam in der Online-Ausgabe des
britischen Fachjournals «Nature» (DOI:10.1038/nature02300)
am Sonntag berichtete.
So dürfte die Hitze vom Jahr 2071 an ganz gewöhnlich werden:
«Unsere Modellrechnungen zeigen, dass dann ungefähr jeder
zweite Sommer in Europa gleich warm oder wärmer ausfallen
dürfte als jener des Jahres 2003», sagte Teamleiter
Christoph Schär vom Institut für Atmosphäre und Klima
der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich.
Somit sei der vergangene Sommer mit Temperaturen von fünf Grad
über dem langjährigen Mittel nur ein Vorgeschmack darauf, was
in Zukunft zu erwarten sei. Von Zeit zu Zeit werde es aber weiterhin
kühle, verregnete Sommer geben.
Die zunehmende Wechselhaftigkeit des Sommerklimas wird nach
Einschätzung der Wissenschaftler eine Anpassung erschweren. Auf
eine gleichmäßige Erwärmung könne sich der Mensch
zum Beispiel durch den Anbau anderer landwirtschaftlicher Kulturen
einstellen. Da die Temperaturen jedoch von Sommer zu Sommer stark
schwanken dürften, werde dieser Prozess schwieriger.
Die Berechnungen der Klimaforscher stützen sich auf ein Szenario
für den Zeitraum 2071 bis 2100. Dabei gehen sie davon aus, dass
sich die Treibhausgaskonzentration im Vergleich zur Gegenwart
verdoppelt. Für ihre Projektionen setzten sie ein neuartiges
regionales Klimamodell ein, das gegenüber den gebräuchlichen
globalen Zirkulationsmodellen eine wesentlich feinere Beschreibung von
Klima und Wasserkreislauf erlaube.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv
Klimawandel kann Auslöschung von
über einer Million Arten bewirken
Fr.09.01.04 - Forscher aus fünf Kontinenten veröffentlichten am Donnerstag
in Nature eine in Umfang und Aufwand bisher einzigartige Studie, welche
bis zum Jahr 2050 die Auslöschung von über einer Million
Arten prophezeit. Die Veröffentlichung sorgt in der Presse
weltweit für Aufsehen.
Wenn die globale Erwärmung nicht gestoppt wird, so der leitende
Autor des Papers, der Biochemiker und Molekularbiologe Chris
Thomas von der Leeds University, könnten bis zu einem
Viertel aller Landtiere und -pflanzen aussterben. In Europa soll es
beispielsweise 25 Prozent der Vogelarten treffen, darunter auch den
Roten Milan.
(Quelle: telepolis, 08.01.04)
Mehr unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/lis/16478/1.html
WHO-Studie über Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit
Hitzewelle des vergangenen Sommers hat in Europa rund 20 000 Menschen
das Leben gekostet
Fr.13.12.03 - Mehr als 150 000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des
Klimawandels. Das geht aus einer am Donnerstag in Mailand
veröffentlichten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
hervor...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312130.htm#031213_e
EU-Staaten drohen Klimaschutzziele zu verfehlen
Ausstoß an Treibhausgasen gestiegen statt gesunken +++ Gerade
auch Deutschland hat seine klimapolitischen Hausaufgaben nicht gemacht
+++ Russland ratifiziert Kyoto-Protokoll nicht, weil es Einschnitte
für das Wirtschaftswachstum des Landes mit sich bringe
Mi.03.12.03 - Die Europäische Union droht ihre Klimaschutzziele deutlich zu
verfehlen: In den vergangenen drei Jahren sei der Ausstoß an
Treibhausgasen noch gestiegen statt gesunken, sagte
EU-Umweltkommissarin Margot Wallström in Brüssel. Um die
Belastung der Umwelt mit dem schädlichsten Gas Kohlendioxid (CO2)
zu mindern, müssten die EU-Staaten dringend handeln. Gerade auch
Deutschland hat demnach seine klimapolitischen Hausaufgaben nicht
gemacht.
"Der Trend geht in die falsche Richtung", sagte Wallström. Ein
großes Problem seien die wachsenden Verkehrsströme. Sie
seien für einen Großteil des Kohlendioxid-Ausstoßes
verantwortlich....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312030.htm#03120318
Verkehr an Treibhausgasmisere der EU schuld
Im Zeitraum von 1990 bis 2010 werden die Emissionen von Treibhausgasen
um 34 Prozent ansteigen
Mi.03.12.03 - Autos und Flugverkehr sind an der Treibhausgas-Misere in der EU schuld.
Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der European Environment Agency,
der bei der UN-Klimakonferenz [http://unfccc.int] , die derzeit in Mailand
stattfindet, vorgestellt wurde. Denn im Zeitraum von 1990 bis 2010
werden die Emissionen von Treibhausgasen um 34 Prozent ansteigen. Damit
wird das Kyoto-Ziel in der EU nicht erreicht werden, befürchtet
die European Environment Agency [http://www.eea.eu.int] ...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312030.htm#031203_d
Industrieverband BDI stellt in Verhandlungen mit der Regierung seine
Klima-Versprechen komplett in Frage
Mehr in der "tageszeitung" vom 05.12.03:
http://www.taz.de/pt/2003/12/05/a0075.nf/text
Klimafolgeschäden 2003: 60 Milliarden Dollar
Fr.13.12.03 - Die Naturkatastrophen des Jahres 2003 haben Experten beim Klimagipfel
in Mailand mit 60 Mrd. Dollar angegeben, berichtet BBC-Online am
Donnerstag. UNEP-Generaldirektor Klaus Töpfer bezeichnet die
globale Erwärmung als Realität, die Menschen wie auch der
Wirtschaft große Schäden zufügt. Dagegen bezeichnet
US-Senator James Inhofe die globale Erwärmung als
größten Unfug der Welt und teilt damit die Meinung des
US-Kongresses...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312130.htm#031212_f
Deutsche empfinden Klimawandel als reale Bedrohung
Mo.01.12.03 - Die negativen Folgen des Klimawandels werden von einer
übergroßen Mehrheit der Deutschen als reale Bedrohung
empfunden. Dies geht aus einer Umfrage zum Thema Umwelt und Energie
hervor, die am Sonntag in Frankfurt am Main von der WWF-Stiftung
vorgestellt wurde. Dabei stuften 74 Prozent der Befragten die Gefahren
durch die Klimaveränderungen als groß oder sehr groß
ein.
Entsprechend ausgeprägt ist der Wunsch, in Zukunft verstärkt
auf erneuerbare Energie zu setzen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0312010.htm#03120118
Weitere Berichte und Hintergrundinformationen
zum Thema Klima unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0311300.htm#031130_p
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Italien will drei ehemaligen SS-Offizieren Prozess machen
Di.13.01.04 - Die italienische Justiz will drei ehemaligen SS-Offizieren wegen der
Tötung hunderter Zivilisten in einem toskanischen Dorf
während des Zweiten Weltkrieges den Prozess machen.
Ein Ermittler, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte der
Nachrichtenagentur Reuters am Montag, die drei Männer seien
über 80 und lebten in Deutschland. Ihnen werde vorgeworfen, an der
Tötung von 560 Menschen in dem Dorf Sant'Anna di Stazzema am 12.
August 1944 beteiligt gewesen zu sein. Gegen zwei weitere SS-Offiziere
werde keine Anklage erhoben; bei einem sechsten Verdächtigen seien
die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.
Der Prozess sei für den 20. April in der Stadt La Spezia
angesetzt, sagte der Ermittler. Er wisse aber nicht, ob Italien die
Auslieferung der Männer beantragen werde.
(Quelle: rtr)
Deutschland
CDU warnt Schmidt vor Gesundheitsreform-Änderungen
Di.13.01.04 - Die Union hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) davor
gewarnt, einseitig Änderungen an der gemeinsam beschlossenen
Gesundheitsreform vorzunehmen. Es bestehe sonst die Gefahr, dass die
Reform "zu sehr verwässert wird", sagte der sozialpolitische
Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Andreas Storm, der
"Bild"-Zeitung.
Kritik übte Storm vor allem an den Schmidts Plänen, Frauen
die Praxisgebühr von zehn Euro zu erlassen, wenn sie nur ein
Folgerezept für die Anti-Baby-Pille beim Arzt abholen. In diesem
Punkt sei "das letzte Wort mit der Union noch nicht gesprochen". "Wenn
man in diesem Punkt bei der Praxisgebühr eine Ausnahme
zulässt", sei "weiteren Ausnahmen Tür und Tor geöffnet".
Eine schnelle Änderung verlangte Storm hingegen bei der
Praxisgebühr-Regelung für Beamte, Abgeordnete und Minister,
die im Jahr einmalig 20 Euro beim Arztbesuch zahlen sollen, statt bis
zu 40 Euro wie Kassenpatienten. "Ich halte diese Regelung für
einen Fehler", sagte Storm. Die Gesundheitsreform werde nur akzeptiert,
"wenn die Lasten fair verteilt" seien. "Deshalb sollten auch Beamte und
Abgeordnete zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal bezahlen", also
"entsprechend weniger Geld von der Beihilfe erstattet bekommen."
(Quelle: afp)
SPD und DGB einig in Ablehnung weiterer Steuersenkung - FDP legt ersten
Gesetzentwurf für radikale Steuerreform vor
Di.13.01.04 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die SPD sind sich in der Ablehnung
weiterer Steuersenkungen einig. DGB-Chef Michael Sommer erklärte
am Montag in Berlin, jetzt müsse in Bildung und Forschung
investiert werden. SPD-Generalsekretär Olaf Scholz erteilte
Streichungen von Subventionen für Arbeitnehmer zu Gunsten der
Senkung des Spitzensteuersatzes eine klare Absage. Als erste
Bundestagspartei stellte die FDP ihren Gesetzentwurf für eine
radikale Reform mit Dreistufentarif vor.
Scholz sprach nach einer Sitzung des Parteipräsidiums von einer
«verunglückten Steuerdebatte», die die Union zurzeit
führe. Er verwies darauf, dass die Koalition gerade den
Spitzensteuersatz gesenkt habe. «Das Thema der nächsten Zeit
muss die Steuervereinfachung sein und nicht die Frage nach
Verlusten.» Bei der Verwirklichung des «ganz alten
konservativen Traums», der Streichung von Vergünstigungen
für Arbeitnehmer zur Senkung des Spitzensatzes für
diejenigen, die viel verdienen, «werden wir ganz sicherlich nicht
mitmachen», sagte Scholz. Diese Vorstellungen seien «eine
unsolidarische und ungerechte Haltung». Er forderte die Union
auf, über den Bundesrat ihre Vorstellungen zur Gesetzesreife zu
bringen, damit jeder nachlesen könne, «was das kostet».
CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer verteidigte den
Stufentarif-Entwurf von Fraktionsvize Friedrich Merz. Im NDR sagte er:
«Eine Familie mit zwei Kindern wird in Zukunft nach unserem
Steuersystem, wenn sie 33.000 Euro im Jahr verdient, überhaupt
keine Steuern mehr bezahlen müssen, keinen Pfennig und keinen Cent
Steuern.» Insbesondere für die Bezieher kleinerer und
mittlerer Einkommen sei das «eine Verheißung».
Sommer sagte: «Unser Land kann sich neue Steuersenkungen nicht
leisten.» Stattdessen müssten vor allem die Wohlhabenden
ihrer Steuerpflicht uneingeschränkt nachkommen. Deutschland sei
bei der Steuerquote international das Schlusslicht, bei den
Sozialabgaben stehe es dagegen an der Spitze. Sein Vorstandskollege
Heinz Putzhammer ergänzte, eine Senkung des Steuertarifs
würde die Arbeitnehmer weit über Gebühr belasten. Ein
solcher Schritt komme vor allem den Unternehmen zugute.
Der Stufentarif der FDP sieht Steuersätze von 15, 25 und 35
Prozent und drastischen Subventionsabbau vor, wie Finanzexperte Hermann
Otto Solms erklärte. Die Liberalen wollen ihr Konzept noch im
Januar im Bundestag einbringen. Danach soll ein Grundfreibetrag von
7.700 Euro gelten. Kern ist der Stufentarif, der einen Steuersatz von
15 Prozent ab 7.700 Euro, 25 Prozent ab 15.000 Euro und 35 Prozent ab
40.000 Euro vorsieht.
Solms betonte, ein einfaches Steuerrecht müsse auf eine
Besteuerung nach unterschiedlichen Einkommensarten verzichten. Die
Steuerausfälle bezifferte die FDP auf 15 bis 20 Milliarden Euro.
Für die Arbeitnehmer solle der Wegfall von Eigenheimzulage und
Pendlerpauschale mit niedrigeren Steuersätzen ausgeglichen werden.
Die Koalitionsparteien lehnten das Konzept ab. Scholz meinte, es
bedeute die «Aufkündigung von Solidarität». Das
Konzept der FDP sei nicht seriös. Grünen-Vorsitzende Angelika
Beer sagte, sie glaube, dass die FDP damit
«Schlagzeilenpolitik» betreibe.
(Quelle: ap)
Steuerhinterziehung: Max Strauß ab 20. Februar vor Gericht
Di.13.01.04 - Max Strauß muss sich ab 20. Februar wegen Steuerhinterziehung vor
dem Landgericht Augsburg verantworten. Laut medizinischem Gutachten sei
er «unbeschränkt verhandlungsfähig», sagte
Richter Stephan Knöpfle am Montag. Seit einem psychischen und
physischen Zusammenbruch im September wird der Sohn des früheren
bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß in einer
psychiatrischen Klinik behandelt. Sein Zustand habe sich seit Dezember
aber gebessert, sagte der Richter.
Die Anklage wirft Strauß vor, für Hilfe beim Verkauf von
Airbus-Flugzeugen nach Thailand und Kanada vom Lobbyisten Karlheinz
Schreiber 2,7 Millionen Euro Provision erhalten und nicht versteuert zu
haben. Das Geld sei zwischen 1988 und 1990 auf ein Schweizer Konto mit
Decknamen «Master» und später «Maxwell»
geflossen. Der 44-jährige Angeklagte bestreitet dies.
Die 10. Strafkammer in Augsburg hat bis zum 30. März bereits 27
Zeugen und Sachverständige geladen - darunter die Ehefrau des nach
Kanada geflüchteten Lobbyisten Schreiber, seinen früheren
Treuhänder Giorgio Pelossi, den Lobbyisten Dieter Holzer, den
ehemaligen CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep und Max Strauß'
Bruder Franz Georg. CSU-Politiker seien derzeit keine geladen, sagte
Knöpfle. Wenn dies notwendig werden sollte, könnte dies noch
geschehen. Schreiber hatte behauptet, das «Maxwell»-Konto
sei nicht für Max Strauß, sondern für die CSU
eingerichtet worden.
Max Strauß' Schwester, die bayerische Kultusministerin Monika
Hohlmeier, sagte der «Süddeutschen Zeitung»:
«Max hat jeden Lebensmut verloren.» Er leide unter einer
schweren Depression und habe schon vor einem Jahr Selbstmordabsichten
geäußert. Er habe sich immer mehr von der Welt
zurückgezogen. Als er in die Klinik gekommen sei, habe die Familie
seit Jahren ungeöffnet liegen gebliebene Briefe gefunden.
Hohlmeier sagte: «In den letzten zehn Jahren persönlicher
Gejagtheit ist der Mensch Max zerbrochen.» Seine Zulassung als
Rechtsanwalt hat er inzwischen zurück gegeben.
Strauß droht noch ein weiterer Prozess in München. Die
Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum Betrug für die
Anlagefirma Wabag vor. Strauß war Rechtsberater der Firma, die
Anleger um 100 Millionen Euro geprellt haben soll.
(Quelle: ap)
Zentralstelle: Zivildienst-Ende schafft Arbeitsplätze
Di.13.01.04 - Ein Wegfall des Zivildienstes würde nach Auffassung der
Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer den
Arbeitsmarkt beleben. Gerade die Problemgruppe der ungelernten und
angelernten Arbeitskräfte könnte davon profitieren,
erklärte die Zentralstelle am Montag in Bremen. Die
gegenwärtig 90.000 Zivildienstplätze könnten durch
60.000 reguläre Arbeitsplätze ersetzt werden.
Die Zentralstelle geht davon aus, dass zwei Dauerarbeitskräfte die
Arbeit von drei Zivildienstleistenden erledigen könnten.
Geschäftsführer Peter Tobiassen erinnerte daran, dass Zivis
nicht auf regulären Arbeitsplätzen eingesetzt werden
dürften. Es müsse überprüft werden, ob
Wohlfahrtsverbände diese gesetzlich vorgeschriebene
Arbeitsmarktneutralität beim Einsatz ihrer Zivis auch einhielten.
(Quelle: epd)
Proteste gegen Pensionskündigung der Commerzbank
Geschäftsleitung fordert mehr Sachlichkeit
Di.13.01.04 - Die Gewerkschaft Verdi hat die Commerzbank aufgefordert, die
Kündigung der Betriebsrenten für die 26.000
Beschäftigten des Kreditinstituts in Deutschland
zurückzunehmen. Rund 500 Mitarbeiter der Bank zeigten ihrem
Vorstand bei einer Betriebsversammlung in Essen symbolisch die rote
Karte.
"Die Kündigung muss zurückgenommen werden - das bleibt unsere
Hauptforderung", sagte der Verdi-Fachsekretär Herbert
Bludau-Hoffmann am Montag am Rande der Betriebsversammlung. "Bei der
Breite der jüngsten Kritik habe ich Hoffnung, aber erkennbare
Signale gibt es dafür noch nicht." Die Kündigung der
Betriebsrenten zum Jahrenende hatte der Vorstand mit der wirtschaftlich
schwierigen Lage der Bank erklärt. Die Maßnahme war in der
Öffentlichkeit auf heftige Kritik gestoßen.
Die Beschäftigten machten ihrem Unmut neben dem Zeigen von roten
Karten nach Gewerkschaftsangaben auch lautstark mit Trillerpfeifen
Luft. Verdi kündigte weitere Proteste an.
Um zu prüfen, ob die Kündigung der Betriebsrenten
überhaupt rechtmäßig sei, habe die Gewerkschaft zudem
bei einem Rechtsanwaltsbüro in Düsseldorf ein Gutachten in
Auftrag gegeben. Mit den Ergebnis sei in zehn Tagen zu rechnen,
führte Bludau-Hoffmann weiter aus. Die juristischen Chancen
schätzte der Verdi-Fachsekretär aber als nicht besonders gut
ein. "Wir stellen uns darauf ein, das Problem politisch lösen zu
müssen", sagte Bludau-Hoffmann.
Die Geschäftsleitung der Commerzbank in Essen äußerte
unterdessen teilweise Verständnis für die Unruhe unter den
Mitarbeitern. Bei der internen und externen Kommunikation seien Fehler
gemacht worden, hieß es in einer Mitteilung. Die
Geschäftsleiter verteidigten aber insgesamt die Pläne des
Konzernvorstandes und forderten die Mitarbeiter zu mehr Sachlichkeit in
der Debatte auf.
Durch die Kündigung der Betriebsrenten zum Jahresende 2004 wird
die Commerzbank Bankenkreisen zufolge vermutlich etwa 20 bis 30
Millionen Euro pro Jahr sparen. Das ist nur ein Bruchteil der
budgetierten Gesamtkosten, die sich 2004 auf etwa 4,5 Milliarden Euro
belaufen. Der Vorstand der Commerzbank begründete seinen Beschluss
Anfang Januar mit der wirtschaftlich schwierigen Lage der Bank, die
2003 voraussichtlich einen Verlust von zwei Milliarden Euro einfahren
wird. Dieser geht aber vor allem auf Abschreibungen zurück,
während die Bank in den vergangenen Quartalen operativ wieder
schwarze Zahlen schrieb.
Zuletzt kündigte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller an, die
gesamten Pensionsverpflichtungen in einen externen Fonds auszulagern.
Die Commerzbank würde damit den gleichen Weg einschlagen wie schon
andere große Unternehmen. Sie käme damit zugleich einer
Forderung von Ratingagenturen nach, die bei deutschen Konzernen schon
länger die Pensionsbelastungen in den Bilanzen monieren. Die
häufig als Übernahmeziel gehandelte Commerzbank ist derzeit
bemüht, ihre Bilanz um sämtliche Risiken zu entlasten.
(Quelle: rtr)
Vor Tarifrunde Warnstreiks bei mehreren Tageszeitungen
Di.13.01.04 - Im Streit um einen neuen Tarifvertrag für Tageszeitungsredakteure
sind am Montag nach Gewerkschaftsangaben rund 1.000 Journalisten in den
Warnstreik getreten. Betroffen waren zirka 100 Redaktionen in acht
Bundesländern; Schwerpunkt war Norddeutschland, wie ver.di und der
Deutsche Journalisten-Verband (DJV) mitteilten.
Am (heutigen) Dienstag startet in Frankfurt am Main die fünfte
Runde der Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 14.000
Redakteure. Am Dienstag sollten die Warnstreiks vor allem in
Süddeutschland ausgeweitet werden, hieß es.
Ver.di-Verhandlungsführer Frank Werneke erklärte, eine so
große Streikbeteiligung habe es in Tageszeitungsredaktionen schon
lange nicht mehr gegeben. Er warnte vor einer «Eskalation»,
sollten die Arbeitgeber kein realistischeres Angebot vorlegen.
Ver.di-Sprecher Matthias von Fintel sagte, es gebe Signale für ein
verbessertes Angebot der Verleger. DJV-Verhandlungsführer Hubert
Engeroff erklärte, man erwarte flexible Lösungen statt
dauerhafter tariflicher Verschlechterungen.
Die Arbeitgeber wollen Gewerkschaftsangaben zufolge die
Manteltarifvertragsbedingungen nachhaltig verschlechtern. So sollen die
Wochenarbeitszeit verlängert, der Urlaubsanspruch gekürzt und
das Urlaubsgeld reduziert werden. Die Gewerkschaften haben zeitlich
befristete Öffnungsklauseln für Verlage bei nachgewiesenen
Schwierigkeiten angeboten.
Von den Warnstreiks waren laut DJV acht Bundesländer mit
Schwerpunkt in Norddeutschland betroffen. In Nordrhein-Westfalen nahmen
demnach etwa 350 Redakteure von rund 20 Zeitungen an den Warnstreiks
teil. In Niedersachsen beteiligten sich allein in Hannover mehr als 200
Redakteure. Bei Bremer Zeitungen waren nach DJV-Angaben 70 Mitarbeiter
im Ausstand.
(Quelle: ap)
Schily will Beamtenstatus nur noch für hoheitliche Aufgaben
Hochschulprofessoren und Lehrer müssten seiner Meinung nach nicht
verbeamtet sein +++ Der Bundesinnenminister fordert einen Umbau
des Staatsdienstes +++ Beamtenbund signalisiert Zusammenarbeit
bei den Reformen
Di.13.01.04 - Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) will das Berufsbeamtentum nur
noch für hoheitliche Aufgaben wie etwa den Polizeidienst erhalten.
"Wir sollten Beamten dort einsetzen, wo es sich um hoheitliche
Tätigkeit handelt", sagte Schily am Montag in der ARD. "Es ist
selbstverständlich, dass ein Polizeibeamter Beamter sein muss, und
in vielen anderen Bereichen ist das der Fall." Dagegen müssten
Hochschulprofessoren und Lehrer seiner Meinung nach nicht verbeamtet
sein. "Aber das Berufsbeamtentum als solches hat sich bewährt, und
deshalb muss es nicht aufgegeben werden. Aber es sollte auf die
Aufgabenbereiche konzentriert werden, in denen es angemessen ist."
Schily will außerdem die Altersvorsorge für Bundesbeamte mit
einem Sonderfonds sichern. Zum Ausgleich der damit verbundenen neuen
Belastungen für den Bund sollen die Beamten länger arbeiten.
Schily sprach sich am Montag bei einer Tagung des Deutschen
Beamtenbundes in Bad Kissingen für einen Vorsorgefonds aus, in den
Rückstellungen für künftige Bundesbeamte eingezahlt
werden sollen. Die bisherigen Einschnitte könnten Lücken in
der Vorsorge nicht schließen. "Während einer längeren
Übergangsphase werden die Rückstellungen zu Mehrbelastungen
des Bundes führen", sagte Schily, ohne Details zu nennen. Die
Bundesregierung wolle dies abmildern und dazu nach dem Vorbild der
Länder die Wochenarbeitszeit verlängern: Bundesbeamte in
Westdeutschland sollten künftig wie ihre Kollegen im Osten 40
Stunden und damit eineinhalb Stunden länger als bisher arbeiten.
Schily lehnte es ab, die Bezahlung der Beamten völlig den
Ländern zu überlassen oder das Berufsbeamtentum aufzugeben,
forderte aber mehr Flexibilität im Staatsdienst. Der Vorsitzende
des Beamtenbundes, Peter Heesen, verteidigte den Beamtenstatus für
Lehrer. Es gehe darum, diesen Teil der staatlichen Leistung aus
jeglichem Arbeitskampf heraus zu halten, sagte Heesen in der ARD.
Heesen signalisierte jedoch Zustimmung zu den Reformvorhaben.
Schily sagte, in der Koalition werde ein Gesetzentwurf für einen
Versorgungsfonds abgestimmt. Die geplanten Rückstellungen sorgten
für eine bessere Transparenz, weil künftig die Generation
für die Personalkosten aufkomme, die die Leistungen des
Staatsdienstes nutze. Forderungen nach einer Ausweitung des
Beitragszahlerkreises für die Rentenversicherung auf Beamte lehnte
Schily ebenso ab wie eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit auf 67
Jahre. Allerdings sei es nicht hinnehmbar, das nur rund zehn Prozent
der Beamten bis zum 65. Lebensjahr arbeiteten.
Der Bundesinnenminister forderte erneut eine leistungsgerechtere
Bezahlung von Beamten und einen Umbau des Staatsdienstes. "Auch 2004
wird ein Jahr der Reformen", sagte Schily, dessen Rede mehrfach von
Zustimmung und nur wenig von Kritik begleitet wurde. Die Länder
müssten die Beamtenbesoldung differenzieren können. Er
signalierte, irgendwann sei beim Stellenabbau beim Bund von bisher
jährlich linear 1,5 Prozent eine Grenze erreicht. Zudem sagte er
vor der Tagung, das Beamtentum solle auf hoheitliche Aufgaben
beschränkt werden.
Der Beamtenbund signalisierte eine Zusammenarbeit bei den Reformen,
warnte aber davor, die Ämter kaputt zu sparen. "Das Dümmste,
was man jetzt machen kann, ist Neubesetzung zu unterlassen", sagte
Heesen unter Beifall. Er forderte die Länder auf,
Arbeitszeitverlängerungen rückgängig zu machen und bot
dafür flexiblere Öffnungszeiten von Ämtern an. Die
meisten Länder haben die Wochenarbeitszeit von Beamten erhöht
und das Weihnachts- und Urlaubsgeld zum Teil erheblich gekürzt.
Schily wie auch der Beamtenbund wiesen die heftige Kritik an der
geringeren Praxisgebühr für Beamte und einige Abgeordnete
zurück. Die Kritiker "sollten beachten, dass die Systeme
unterschiedlich aufgeteilt sind", sagte Schily. Die Beamten leisteten
ebenfalls ihren Beitrag. "Die angebliche Bevorzugung bei der
Praxisgebühr ist jenseits der Realität". Heesen
ergänzte, die Regelung für Beamte mit einer bezuschussten
Praxisgebühr von 20 statt 40 Euro im Jahr sei für den Staat
günstiger.
(Quelle: rtr)
Bundesregierung einigt sich auf Gentechnik-Gesetz
Biotech-Branche begrüßt das Gesetz im Grundsatz +++
Künast nennt das Gesetz einen großen Erfolg, da es für
Verbraucher und Landwirte Wahlfreiheit sichere +++ Weltweit werden 60
Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut,
davon rund die Hälfte in den USA
Di.13.01.04 - Die Bundesregierung hat sich auf einen Entwurf für das umstrittene
Gentechnik-Gesetz verständigt. Gentechnisch veränderte
Pflanzen und Lebensmittel in Deutschland können damit nach Worten
von Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) noch in
diesem Jahr zugelassen werden.
Mit dem Gesetz seien Regeln zur Haftung und Koexistenz von Gentechnik
freiem und gentechnisch verändertem Pflanzenanbau (GVO) geschaffen
worden, sagte Künast am Montag in Berlin. Die Koexistenz der
Anbauformen soll über Abstandsregeln und Pollenbarrieren wie
Hecken gesichert werden, die im Detail noch festgelegt werden
müssen. Die strittige Haftungsfrage wird entgegen der Forderung
der Ministerin über geltendes Zivilrecht geregelt. Der ebenfalls
umstrittene Förderzweck der Gentechnik bleibt erhalten.
Künast zufolge soll das Gesetz im Februar im Kabinett
verabschiedet und bis zur Sommerpause in Kraft treten. Der
unionsdominierte Bundesrat muss dem Entwurf noch zustimmen.
Die Biotech-Branchenriesen Bayer Crop Science und BASF
begrüßten die Einigung im Grundsatz. Die Deutsche
Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) kritisierte dagegen, dem
Entwurf fehle es an Innovationsförderung. Der Deutsche
Bauernverband sprach von unklaren Haftungsregeln. Naturschützer
kritisierten, es gebe noch viele Unklarheiten.
In der EU gilt seit 1998 ein De-Facto-Verbot für GVO, das in
diesem Jahr aufgehoben werden soll. Die USA dringen auf die
Öffnung der EU für Gen-Produkte und haben bei der
Welthandelsorganisation Beschwerde eingelegt. Auch die hiesige
Biotech-Branche fordert seit langem eine Zulassung von GVO.
Künast nannte das Gesetz einen großen Erfolg, da es für
Verbraucher und Landwirte Wahlfreiheit sichere. Zum Schutz der
GVO-freien Anbauer werde ein Standortregister eingerichtet, das die
GVO-Flächen registrieren soll. GVO-freie Landwirte hätten
einen "flurstückgenauen" Auskunftsanspruch, wo gentechnisch
veränderte Pflanzen angebaut werden. Künast zufolge muss aber
der GVO-freie Anbauer nachweisen, dass seine Produkte GVO-frei sind und
damit die Testkosten tragen.
Eine Beeinträchtigung gentechnikfreier Landwirte liegt dann vor,
wenn diese ihre Produkte entsprechend dem EU-Schwellenwert nicht mehr
als GVO-frei vermarkten können oder dürfen. In diesem Fall
hat der Landwirt Anspruch auf Schadenersatz, den er gemäß
dem Bürgerlichen Gesetzbuch vor einem Zivilgericht geltend machen
kann. Künast räumte ein, dass sich ein Gerichtsverfahren
über Jahre hinziehen könne. Dies sei aber besser, als
über gar keine Regelung zu verfügen, betonte die Ministerin.
Kann ein GVO-Eintrag nicht genau zugeordnet werden, haften die
umliegenden GVO-Bauern im Rahmen der gesamtschuldnerischen Haftung
gemeinsam.
Haftung und Koexistenz waren zwischen den Ressorts bis zuletzt
umstritten. Die Gentechnik-Branche hatte gefordert, auf neue
Haftungsregeln zu verzichten. In der Koexistenz hatte sie freiwillige
Vereinbarungen zwischen den Landwirten befürwortet.
Ein Sprecher von Bayer Crop Science sagte, das Unternehmen
begrüße die Novelle im Grundsatz. Es bleibe aber abzuwarten,
wie das Gesetz gestaltet und ob damit die Pflanzenbiotechnologie in
Deutschland gefördert werde. Ein BASF-Sprecher sagte: "Wir sehen
in dem Gesetzesvorhaben eine klare Absichtserklärung zur
Einführung einer der Schlüsseltechnologien des 21.
Jahrhunderts." Der Bauernverband kritisierte, wenn es bei der
verschuldensunabhängige Haftung bleibe, werde der Verband den
Bauern vom GVO-Anbau abraten.
Außerhalb der EU steigt der GVO-Anbau stark an. Derzeit werden 60
Millionen Hektar GVO-Pflanzen angebaut, davon rund die Hälfte in
den USA.
Vorsitzender der Innenministerkonferenz fordert genetische Fingerabdrücke
bei jeder erkennungsdientstlichen Maßnahme
Di.13.01.04 - Der neue Vorsitzende der Innenministerkonferenz Klaus Buß (SPD)
hat den genetischen Fingerabdruck bei jeder erkennungsdienstlichen
Maßnahme gefordert. «Der Beweiswert des DNA-Materials ist
dem herkömmlichen Fingerabdruck und anderen
Identifikationsverfahren weit überlegen», sagte der
schleswig-holsteinische Innenminister am Montag in Kiel. Er wolle in
der Frühjahrs- und Herbsttagung der Konferenz außerdem
Themen aus den Bereichen Katastrophenschutz und Ausländerrecht in
den Mittelpunkt stellen.
Bei steigender Kriminalität müsse die kriminalistische
Erkenntnismöglichkeit der DNA-Analytik ausgeschöpft werden,
forderte Buß und schränkte ein: «Nicht jeder Eier- und
Hühnerdieb soll mit einer DNA-Analyse überzogen
werden.» Das betreffe nur alle erkennungsdienstlich behandelten
Straftäter. Zum Vergleich: 2003 gab es in Schleswig-Holstein rund
262.000 Straftaten. Nur 7.100 Personen wurden erkennungsdienstlich
behandelt.
Weiteres Schwerpunktthema aus der Sicht von Buß ist das neue
Luftsicherungsgesetz. «Wir brauchen rechtliche Regelungen
für den Einsatz der Streitkräfte zur Abwehr von unmittelbar
bevorstehenden Gefahren für die öffentliche Sicherheit aus
der Luft», forderte der Minister. Für einen
Bundeswehreinsatz müsse das Grundgesetz nicht geändert werden.
Buß sagte ferner, dass die Innenministerkonferenz unter seiner
Führung der Internet-Kriminalität besonders den Kampf
erklären werde. Er forderte die Provider auf, ihre Kundendaten
für eine angemessene Zeit für die
Strafverfolgungsbehörden aufzubewahren. Sie müssten auf
richterliche Anordnung zur Verfügung stehen. Buß wie auch
sein Vorgänger, der thüringische Innenminister Andreas
Trautvetter (CDU), forderten erneut eine zügige Einführung
des Digitalfunks in Deutschland. Für Trautvetter ist es
«allmählich peinlich, dass sich in Europa nur Albanien und
Deutschland noch nicht für ein Digitalsystem entschieden
haben».
Die Innenministerkonferenzen finden dieses Jahr am 7. und 8. Juli in
Kiel und am 18. und 19. November in der Hansestadt Lübeck statt.
(Quelle: ap)
Mehr bei heise-online unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-12.01.04-005/
RAF-Ausstellung wird ohne Bundesmittel gezeigt
Di.13.01.04 - Die umstrittene Ausstellung über die Terroristen der früheren
Rote Armee Fraktion (RAF) soll jetzt ohne Bundesmittel im nächsten
Winter gezeigt werden. Wie der Verein Kunst-Werke Berlin [http://www.kw-berlin.de]
als Veranstalter mitteilte, hat er den Antrag auf finanzielle
Förderung aus dem Hauptstadt-Kulturfonds am Montag
zurückgezogen. Ursprünglich hatte darüber auf einer
Gremiumssitzung am selben Tag entschieden werden sollen.
Die Gemeinsame Kommission des Hauptstadtkulturfonds entschied daraufhin
nach einer Mitteilung des Berliner Wissenschaftssenats, dass der
bereits ausgegebene Teil des 100.000-Euro-Zuschusses nicht zurück
gefordert wird. Die Gelder seien sachlich korrekt verwendet worden. Die
Geschäftsstelle des Fonds habe nach der angekündigten
Überarbeitung des Konzepts alle Gelder gesperrt, für die noch
keine vertraglichen Verpflichtungen vorgelegen hätten. Diese
Mittel würden jetzt zurück gefordert.
FDP-Chef Guido Westerwelle schalt die nur teilweise Rückforderung
dem «Reutlinger General-Anzeiger» (Dienstagausgabe) zufolge
einen Skandal und warf dem Hauptstadtkulturfonds «staatliche
Opferverhöhnung» und «Verschwendung von
Steuergeldern» vor. Kulturstaatsministerin Christina Weiss werde
dem Parlament Rede und Antwort stehen müssen.
Die Veranstalter begründeten ihre Entscheidung damit, dass es vor
der Sitzung erneut politisches Gerangel um das Vorhaben gegeben habe.
Das lasse darauf schließen, dass das Projekt auch in seinem
weiteren Verlauf nicht sachlich an seinen Inhalten gemessen werde,
sondern zum politischen Spielball verkomme.
Für das ursprünglich auf 500.000 Euro veranschlagte Projekt
hatten die Veranstalter bereits einen Zuschuss von 100.000 Euro aus dem
Fonds erhalten. Nach einem Beschwerdebrief der Angehörigen von
RAF-Opfern an Bundeskanzler Gerhard Schröder war
Kulturstaatsministerin Weiss mit der Überprüfung der
Ausstellung mit dem Titel «Mythos RAF» beauftragt worden.
Im September 2003 hatten die Veranstalter dann ein neues Konzept
eingereicht. Finanziert werden soll das Projekt der Mitteilung zufolge
jetzt durch Spenden und die Herausgabe einer Edition.
(Quelle:ap)
Mehr zum Thema unter:
http://home-t-online.de/home/boa-archiv2/k0401070.htm#04010725
http://home-t-online.de/home/boa-archiv2/k0401070.htm#040107en
Internet: Mehr als 50 Prozent der Erwachsenen ist online
Di.13.01.04 - Mehr als die Hälfte der deutschen Erwachsenen verfügt
inzwischen über einen Internetzugang. Nach einer am Montag von der
Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim veröffentlichten
repräsentativen Umfrage besitzen mittlerweile zwei von drei
Männern einen Netzzugang (66 Prozent). Bei den Frauen seien es 51
Prozent. Im Vergleich zum letzten Quartal 2002 sei der Nutzeranteil
insgesamt um 8 Prozentpunkte auf nun 58 Prozent gestiegen. 3736
Deutschen vom 18. Lebensjahr an waren bei der Telefonumfrage befragt
worden.
(Quelle: info.partisan.net [http://www.info.partisan.net/])
Die allumfassende Computerisierung und Vernetzung der Lebenswelt
Schweizer Wissenschaftler legen eine Technikfolge-Abschätzung
für "Pervasive Computing" vor und fordern das politische Handeln
nach dem Vorsorgeprinzip
Obgleich wir uns im Zeitalter der Wissensgesellschaft befinden und das
Leben in digitalen Informationsumwelten immer bedeutsamer wird, schauen
wir in aller Regel, wenn es um die Risiken geht, noch eher auf die
Inhalte, die womöglich zensiert werden. Während Risiken
für den Körper genauestens untersucht und Grenzwerte
festgelegt werden, scheint man immer noch dem altehrwürdigen
Dualismus zu folgen und den "Geist" des Einzelnen oder ganzer
Gesellschaften schutzlos den Informationswelten auszusetzen. Da wir
aber in eine Welt eintauchen werden, in der digitale Informationen und
intelligente Dinge von Kugelschreibern über Kleidung bis hin zu
Häusern oder Fahrzeugen uns permanent und überall umgeben
werden, ist es höchste Zeit,dass ein gesamtgesellschaftlicher
Diskurs darüber beginnt, in welcher Weise wir die Computerisierung
unserer Lebenswelt gestalten wollen und wie weit der "Intelligenschub"
der Alltagsgegenstände gehen soll.....
Mehr bei "telepolis (24.12.04) unter:
http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/te/16394/1.html
Information und Kommunikation verbrauchen 7 Prozent des Stroms
Mehr bei heise-online (12.01.04) unter:
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-12.01.04-004/
Windows 98 lebt weiter
Noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als nähere sich der
Produktlebenszyklus des beliebten Betriebssystems Windows 98
unweigerlich dem Ende. Dieser Tage hat sich Microsoft jedoch zu einem
Aufschub entschlossen. Die Gnadenfrist wurde nun auf den 30. Juni 2006
verlängert. Bis dahin steht kostenpflichtiger Telefonsupport zur
Verfügung, und kritische Sicherheitsupdates werden zur
Verfügung gestellt. ..
Mehr unter:
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?
read=detail&id=208592&tmp=21639
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